Interview: Doro
By Rockslave
Solche Vollblut-Sängerinnen wie die unbestrittene deutsche Metal-Queen Doro Pesch gehören eigentlich zu einer langsam, aber sicher "aussterbenden" Spezies. Wenn es rein um das Talent und/oder Können geht, dann finden sich in unserer Hartwurst-Szene noch dutzende von Sanges-Kolleginnen. Kaum eine davon wird aber ebenfalls so eine grandiose Karriere über ein Vierteljahrhundert über hinlegen können. 25 Jahre in diesem knallharten Business sind eine verdammt lange Zeit, während der viel geschehen kann. Doro stand über all die Jahre nicht immer gleich hoch auf der Erfolgsleiter, aber sie blieb stets oben, ohne dabei den Kontakt zur Basis, sprich ihren über alles geliebten Fans zu verlieren. Sie hat niemandem jemals etwas vorgespielt und ist sich dabei immer treu geblieben. Dafür gebührt ihr unser aller ehrfürchtiger Respekt und die stramm hingestreckte Pommes-Gabel bis in alle Ewigkeit. Im Vorfeld der Veröffentlichung des neuen Studio-Albums «Fear No Evil» war Doro in Zürich angereist und zu einem wahren Interview-Marathon angetreten. Metal Factory kriegte auch einen der begehrten Slots und es ist allgemein bekannt, dass die kleine Blondine mit der grossen Stimme stets Vieles zu erzählen weiss..., so here we go! (DP = Doro Pesch)

MF: Du hast dich sehr auf die Jubiläums-Show vom 13. Dezember 2008 (in Düsseldorf - MF) gefreut! Ist der Tag so verlaufen, wie du es dir vorgestellt hast?

DP: Jaaa..., es war eigentlich noch schöner, wie ich mir das erträumt habe. Es waren so viele Leute da..., ungefähr 8'000 Fans..., und die kamen von überall..., aus der ganzen Welt. Warum ich das weiss? Weil die haben alle ihre Fähnchen mitgebracht. Da waren dann von überall Flaggen..., und viele davon kenne ich ja..., von Australien, Argentinien, Amerika..., alles war vertreten. Viele aus Spanien, viele natürlich aus Europa..., von überall her..., Schweiz natürlich, und das war schon grandios. Es waren ganz viele Gäste da..., auch solche, die kurzfristig zugesagt haben. Fünf Tage vor dem Konzert hat der Rudolf Schenker (Scorpions - MF) dann noch zugesagt und mit Klaus (Meine - MF) haben wir «Big City Nights» und «Rock You Like A Hurricane» gespielt. Ja..., meine alten Warlock Bandmembers..., wir haben ein ganzes Set gespielt..., ein Warlock Set. Das war auch wieder superschön und die Tarja Turunen (Ex-Nightwish - MF) war da..., wir haben zwei Songs gespielt. Dann haben wir die «Full Metal Female» Version gespielt..., von der..., von der Single..., von der «Celebrate» Single und ganz viele internationale und nationale Stars waren da. Warrel Dane (v) von Nevermore, der damals mit mir die allererste Amerika-Tour gemacht hat..., das waren Megadeth, Sanctuary (Nevermore Vorläufer - MF) und Warlock damals. Und da hatte er gesungen und da dachte ich, das wäre doch noch 'nen Knaller. Und der hatte, glaube ich, die weiteste Anreise gehabt..., 26 Stunden (!) geflogen und alles..., und umgestiegen. Das waren also..., alles ganz viele, tolle Leute...

MF: ...das ist «Metal»!

DP: Ja..., genau! Bobby Blitz von Overkill war da..., wir haben..., genau..., das war der erste Gast und..., ja, und es waren ganz viele Freunde, viele Fans, viele Gäste da und die letzte Version..., äh der letzte Song war «All We Are». Da haben wir so ein «Grand Finale» gemacht..., da kamen alle auf die Bühne und die war irre gross..., mit Laufsteg..., aber fast sind alle runter gepurzelt, weil da haben sich so viele Leute getümmelt..., ja, das war..., und dann hat die Sabina Classen von Holy Moses und die Liv von Leave's Eyes..., auf einmal dachte ich mir..., sind die mich am Kitzeln..., und dann war irgendwie an meinen Beinchen und so..., und dann schwupps war ich hoch und dann haben die mich hoch gehoben und so..., und dann haben wir so einen kleinen Turm gebildet..., und dann konnte ich nochmals so von oben die ganzen Leute alles sehen und dann sind mir echt die Tränen gekommen. Es war so emotional! Ja..., also es war ein grandioser Tag. Ich glaub' für alle, die da waren..., und so...

MF: Wir (MF) waren auch da..., ich zwar nicht (dafür André - MF)...

DP: ...ihr wart auch da..., echt? Hat's euch gefallen?

MF: Ja! Es wird auch einen Bericht geben davon. Ich bin ganz gespannt, was unser André heim bringen wird.

DP: Och gut, gut..., ja ich hoff', es hat ihm gefallen.

MF: Auf jeden Fall! Bleiben wir gleich bei den Konzerten..., ihr habt im vergangenen November die ersten zwei Auftritte in China gespielt. Wie ging das ab? Erzähl doch mal...

DP: Jaa..., es war echt spannend. Zuerst dachte ich mir, vor dem Jubiläum wollte ich eigentlich nichts mehr machen, weil wir haben uns so darauf vorbereiten müssen..., eigentlich schon seit einem Jahr hatten wir uns auf's Jubiläum vorbereitet..., und dann..., ja..., und dann kam das kurzfristig rein. Zuerst sollten wir 2009, also dieses Jahr im November hingehen..., ja und dann..., meinte..., da kam ein Anruf..., ja wie wär's jetzt? Also jetzt in einem Monat? Und dann dachte ich mir üahh..., ok..., eigentlich..., das geht gar nicht! Na ja..., und dann hatten wir das Gefühl gehabt ja..., vielleicht ist es das erste oder auch letzte Mal..., man weiss ja nicht! Ja..., und dann haben wir gesagt komm, wir machen das! Da musste ich erst alle CDs hinschicken und alle Texte einreichen...

MF: ...ohh..., mein Gott!

DP: Und das wurde dann alles heftig zensiert und durchgekuckt. Und es ging öhm..., die Deutsche Botschaft hat uns geholfen. Bei uns in der Band, da sind ja alles Amis und der Luca..., den hatten wir mitgenommen..., der ist Italiener..., ja..., und dann..., zuerst hiess es ok..., Deutsche Botschaft..., alles klar. Ja..., und wo das alles Amis waren, da haben die echt also..., meine Amerikanischen Bandmitglieder..., die mussten..., ich weiss nicht..., zehn Mal da zur Botschaft gehen und hin und her. Wir dachten schon, das klappt nicht und so. Na ja..., und dann irgendwann kam..., ja..., ähm..., wollten die die Flugdaten haben und Hotel da. Und wir dachten shit, wenn wir jetzt gar nicht ins Land kommen. Na ja..., wir haben mal die Flüge gebucht. Und dann..., zwei Tage später, ging's los! Wir sind gerade mit Ach und Krach rein gekommen. Aber wie wir einmal im Land waren..., das war fantastisch! Die Leute waren total herzlich, total offen..., die zwei Gigs waren phänomenal! Besonders..., Peking war toll, aber der Gig im Süden von China..., es war ein Openair, die haben da jetzt 30°C..., und es war in Guangzhou. Wir haben alles gottseidank auf Film, weil da war 'ne TV-Show..., und die haben alles mitgefilmt. Und zuerst siehste so die ganzen..., ja die Chinesischen Fans.., so ganz ganz ruhig..., ja und dann schon nach dem zweiten Song geht's so ab und so..., die rasten total aus..., sogar die Security-Leute und die Polizei sind am Feiern..., sind am Mitgröhlen, am Mitsingen und..., es war ganz toll. Das ist ja ziemlich strikt..., also Security, Polizei da..., sollte man sich besser zurück halten, aber hinterher..., die haben..., konnten nicht mehr..., haben total mitgemacht und haben sich so gefreut. Das tun wir auch auf die, also vom 25 Jahre Konzert wird's auch 'ne DVD geben und da wollen wir noch so ein China-Special drauf tun..., das war echt interessant. Und wir gehen im Juni wohl wieder nach China..., das ist..., ja..., sehrwahrscheinlich so was..., ja!

MF: Jeder Fan von dir, ob jung oder alt, weiss, wie wichtig er/sie dir sind. Geht das auf Kosten von anderen Leuten aus deinem Umfeld?

DP: (Kichert) - Na ja..., also..., öhmm..., also die ganzen Leute so im Umfeld..., die wissen schon, dass die Fans an erster Stelle stehen. Das ist dann manchmal..., ja..., gar nicht so einfach. Deswegen habe ich auch keine Familie und bin auch nicht verheiratet. Also das Privatleben hat dann schon manchmal das Nachsehen. Und..., ja..., aber die Musik und alles was zusammenhing und die Fans..., macht mich am glücklichsten, ist mir am allerwichtigsten..., deswegen..., ja..., aber es war schon manchmal hart für das Umfeld...ja ja. Und man ist vor allen Dingen auch immer unterwegs, immer auf Tour. Man verpasst dann auch manchmal Hochzeiten oder Geburtstage oder..., also es ist dann manchmal heftig. Wenn man also gebraucht wird..., man ist dann irgendwo..., zum Beispiel in China oder Australien..., dann geht nicht mal "ich komm' mal vorbei". Das ist..., man hat dann irgendwie 'ne grössere Familie, es ist nicht so ein enger Kreis. Also ich fühle mich auf der ganzen Welt zu Hause und besonders wenn die Fans begeistert sind, dann..., das gibt einem so viel..., also ich kann noch überall oder jeden Tag an einem anderen Ort sein, ich brauche also auch keine..., ja..., keine feste Bleibe. Es ist schon..., das Leben spielt sich "on the road" ab. Deswegen..., die Leute, die einen geregelten Job haben, Arbeit, meist auch Familie und Kinder also..., meine allerbeste Freundin ist die Cindy, die ist Amerikanerin, aber jetzt nach Irland gezogen..., ja..., und wir hatten letztens telefoniert und die hat zwei Kinder. Ja und da meinte sie "Doro echt..., du warst ein einziges Mal in Irland und ich bin jetzt schon seit drei Jahren hier! Da dachte ich mir "echt"? Und in den drei Jahren war ich auch nur zwei Tage da und es ist nach wie vor meine allerbeste Freundin. Aber..., deswegen.., meistens wird die Connection am Telefon gehalten. Deswegen sind die Telefonkosten auch uferlos! Besonders aus dem Ausland, aber das..., ach..., gönne ich mir. Das ist, glaube ich, der einzige Luxus, den ich mir gönne so..., lange, gute Gespräche.

MF: Auf Tour immer alles zu geben, ist ganz schön anstrengend und geht an die Gesundheit. Hat dir ein Arzt auch schon mal gesagt, dass du langsam kürzer treten solltest?

DP: Öhhm..., hu hu hua..., eigentlich schon seit dem ich das mache! Also..., öhmm..., ich hatte damals..., das weiss ich noch..., da habe ich den Manager kennen gelernt, das ist der Alex Grob..., mit dem habe ich 17 Jahre zusammen gearbeitet. Und wir hatten uns getroffen..., in Zürich..., weil wir wollten damals einen amerikanischen Manager haben..., und der Alex, der kannte sich halt super gut aus..., hatte in New York gewohnt, sprach aber deutsch, weil er aus der Schweiz war. Und damals, in den Anfängen, konnte keiner in der Band richtig Englisch und so..., und deswegen einen amerikanischen Manager zu finden, war ganz schön schwierig. Und wir hatten..., der Plattenboss..., der war von der «Polygram», das war auch ein Schweizer, der Louis Spillmann..., der hat uns den Alex Grob ans Herz gelegt..., ja..., und dann hatten wir uns das erste Mal getroffen..., in Zürich hier..., und na ja..., dann habe ich ihm meine Theorie erzählt..., und dann hat er gesagt, "was stellst du dir denn so vor..., so in der Zukunft?" Und ich war um die 20 rum..., so.., na ja, und dann meinte ich "ja..., das mache ich so und so...", mit ganz viel Herzblut, jeden Tag und dies und das und wenn ich 27 bin, sterbe ich sowieso! Und dann meinte er "wieso"? Und ich... "ja..., weil das so intensiv und extrem ist"..., und dann meinte er "du, so 'nen Konzept du..., ich mein', ich bin jetzt doppelt so alt wie du und es geht, länger zu leben! Und dann..., na ja..., und dann hat er mir wirklich..., ja... doch Sachen beigebracht..., also..., ich hab' zum Beispiel damals gern geraucht..., also Kettenraucherin..., nie auf meine Gesundheit geachtet, nichts Gesundes gegessen. Nur immer halt Raubbau mit der Gesundheit getrieben..., ja..., und der Alex, der war auch..., ist Psychologe und Arzt und super. Na ja..., und der meinte "Doro du, das müssen wir ändern!" Und da hatte er..., da war ich in New York und dann habe ich da so 'nen Gesundheits-Coach gekriegt und so..., wurde dann fit gemacht und..., ja ja..., und dann mit dem Essen..., die ganze Diät wurde umgestellt und so. Ich wusste früher nie, was 'ne Diät war..., jetzt weiss ich's dann. Das war auf jeden Fall knallhart! In Amerika ist es ja gang und gebe, das jeder so 'nen Coach hat..., na ja..., das war superhart. Und dann meinte er "du, wenn ich dich managen soll, musst du mir beweisen, dass du es wert bist, dass ich meine ganze Energie und Zeit in dich investiere..., und in euch investiere..., und ich sagte "Alex, ich bin bereit, ich mach' alles. "Na ja, dann gut, gibst' das Rauchen auf!" Und ich "was? - Jetzt sofort??" Dann meinte er "ja klar, du hast ja gesagt, alles und das ist das Erste!" Das ist mir sehr schwer gefallen..., aber, da bin ich schon froh..., dem habe ich ganz viel zu verdanken..., wahrscheinlich meine Gesundheit..., mein Leben.

MF: Ich hab's auch aufgegeben...

DP: ...jo..., ja..., irgendwann muss man das leider..., so ist es. Aber seit dem bin ich halt schon auf dem Gesundheits-Trip und ernähre mich gesund..., mache ganz viel Fitness. besonders vor einer Tour. Danach ist der Körper meistens sowas von geschunden..., also das dauert immer ein paar Wochen bis Monate..., und meistens bin ich auch immer krank..., auf jeder Tour! Da sind bis zu 20 Leute im Tour-Bus und einer hustet dann..., zwei Tage später hab' ich's und..., also..., bleibt nicht aus, aber grade wenn ich krank bin, dann denke ich mir immer "heute muss ich den Leuten extra 120 Prozent zeigen und so, damit man das kompensiert, dass man sich vielleicht nicht so gut fühlt oder Fieber hat. Und ich gehe also auch immer mit 40 Grad Fieber auf die Bühne! Und..., na ja..., nach jeder Tour ist dann erst mal Wunden lecken angesagt! Manchmal mehr, manchmal weniger. Ja..., und deswegen..., also die Gesundheit..., joahh..., die leidet dann doch schon. Also ich kann immer nur so lange durchhalten, wie ich's muss und dann, wenn die Tour vorbei ist, spätestens am letzten Tag, nach der letzten Note..., da merke ich, es geht bergab. Na ja..., und die letzte Tour hatten wir in Amerika gemacht und die war so extrem anstrengend..., und dann merkte ich schon beim letzten Gig..., das war in Nashville..., da ging's schon los und ich dachte "oh oh..." - dann hatte ich noch einen Tag Aufenthalt..., die Band war schon woanders hingeflogen..., und da waren gottseidank..., deutsche Fans waren da..., die haben uns die ganze..., oder die Hälfte der Tour begleitet. Und die sind dann auch noch einen Tag da gewesen..., und na ja..., dann haben wir uns verabredet zum Essen, ich wollte ihnen was zeigen, weil in Nashville habe ich lange Zeit gewohnt und na ja..., und am nächsten Tag..., ich kam nicht aus dem Bett! So hoch Fieber..., na ja..., und die haben mich dann hinterher auch zum Flughafen halb getragen. Am nächsten Tag alles zusammen..., Zimmer..., alles aufgeräumt..., ich konnt' nicht mehr. Ja..., und da war ich so für drei Monate..., aber dann wie die Sommer-Festivals anfingen, da war alles wieder in Ordnung. Ja ja..., aber es ist schon..., also körperlich schon superhart, aber man merkt das nicht, wenn man auf der Bühne ist, wenn man die Fans sieht..., da merkt man auch nicht, wenn man sich weh tut. Meistens nach der Tour merke ich dann "was ist das denn?" Misshandelt worden..., dass der Körper von oben bis unten mit blauen Flecken übersät..., aber in der Aktion ist einfach alles egal. Hauptsache die Show ist geil!

MF: 25 Jahre Karriere in diesem Business zeugen von Wille und Durchhaltevermögen! Was würdest du rückblickend aber auf keinen Fall mehr tun?

DP: Ehm..., ja..., also..., damals, wie wir ganz jung waren..., da haben wir viele Verträge unterschrieben, wo wir gar nicht wussten, was wir da unterschreiben. Und..., wir haben dann..., wir waren immer total gutgläubig und naiv..., man hat das Gefühl gehabt, dass jeder das Beste will für die Band..., na ja..., manchmal haben wir was unterschrieben, wo wir also nie mehr raus kamen. Das war..., also den Tipp würde ich dann wahrscheinlich auch geben..., jedem Musiker oder jemand der anfangen will..., oder..., also dass man sich auf jeden Fall gut beraten lässt. Dass man wirklich die Kohle zusammen kratzt, um einen guten Rechtsanwalt zu haben, der auf jeden Fall über den Vertrag kuckt...

MF: ...über das Kleingedruckte wacht...

Dp: Jaah..., genau genau genau! Und..., da haben wir also viele Sachen unterschrieben und ehm..., na ja..., auch im Ausland und viele waren noch gar nicht volljährig..., also..., ja ja..., aber da war'n..., ja..., war'n doch schon viele Leute in dem Umfeld, wo man eigentlich gedacht hat..., "das sind die besten Freunde" und wo's da im Nachhinein richtig Ärger gab. Aber ich glaub', das hat jede Band durchlebt irgendwie! Man will halt Musik machen..., als Musiker ist man ja auch kein Geschäft..., hat man nicht so einen Geschäftssinn. Wir damals sowieso nicht, aber die Leute drum herum schon!

MF: Ja klar! Musik!! Du hast das nächste Stichwort gleich gegeben: «Fear No Evil»! - Jetzt kommen wir zur Musik..., ist ein typisches Doro-Album, das wiederum deine ganze Bandbreite aufzeigt. Wie leicht oder schwer ging das Songwriting diesmal von der Hand?

DP: Also ein paar Songs, die habe ich schon auf..., schon Monate vorher..., wollte ich daran arbeiten. Das war unter anderem «Herzblut», «The Night Of The Warlock» Song und dann wollten ich halt einen Song schreiben, der halt das 25-jährige zelebriert. Und also die drei Songs..., der Titel war noch nicht ganz klar, waren eigentlich schon so in der Mache. Der erste Song war «On The Run», der geschrieben wurde, und da wollte ich einen tierisch schnellen, harten Song machen. Und ich wollte halt bei der Platte so alles..., alles was so in den letzten 25 Jahren gewesen war von oldschool 80er-Jahre Songwriting zu ganz modernen Sounds wie..., ich würd' sagen 80er ist vielleicht eher ein Song wie mit dem langen Intro der Warlock-Song, und Modernes vielleicht mehr «Running From The Devil». Na ja..., ich wollte auf jeden Fall die ganzen 25 Jahre abdecken. Und auf jeden Fall auch zwei ganz harte Songs dabei haben wir..., also ich glaub' «Caught In A Battle» ist mit einer der härtesten überhaupt. Und natürlich viele Hymnen und auch viele Balladen und ehm..., «Herzblut». Mag ich so gerne..., habe ich auf der Single da in vier Versionen, also in vier Sprachen und dann auf der Platte der «Walking With The Angels»..., der hat einen Duett-Partner..., das erste Mal mit 'ner Frau, dass ich auf meiner Platte einen Duett-Partner hatte..., einen weiblichen..., das ist die Tarja, die Ex-Sängerin von Nightwish. Ich wollt' halt gern so 'nen Song über positive Power, über Angel-Power schreiben..., dacht' mir es wär' schön, wenn jemand mit so 'ner More Angelic Voice mit mir zusammen singen würde..., ja und dann habe ich die Tarja gefragt und das hat sich grad so gut getroffen, weil die Tarja hatte ihre «Winter Edition» geplant..., es kam nochmals raus ihr Album..., ja..., und dann habe ich bei ihr den Song «The Seer» mitgesungen und sie «Walking With The Angels». Auf der ganzen Platte sind eigentlich ganz viele, tolle Gäste..., und eigentlich alles meine Freunde und besten Freunde und bei «Celebrate»..., auf der Single hatten wir auch drei Versionen und beim Album haben wir die zusammen gemischt..., da sind die Fans drauf..., die natürlich an allererster Stelle kommen, dann der Biff von Saxon und die ganzen Ladies..., die Version kennste ja ne..., brauche ich ja nich alles aufzuzählen, aber alle Frauen von..., auch von allen Metal-Genres, das fand ich halt so schön..., das zwischen..., ja Melodic Metal, Gothic Metal, öhh..., Death Metal..., da war alles vertreten. Und sind alles Frauen, mit denen ich halt 'ne lange entweder Freundschaft oder History hatte. Also die Girlschool Mädels habe ich schon anfangs 80er kennen gelernt, Sabina Classen (Holy Moses - MF) auch. Dann sind neue Leute dazu gekommen, zum Beispiel die Floor Jansen von After Forever. Wir haben die letzte Südamerika-Tour zusammen gemacht, haben uns sehr gut verstanden, angefreundet und..., na ja und so war von allen..., und Veronica von Benedictum war der Opening Act auf der «Warrior Soul»-Tour und ja..., mit den Fans zusammen zu singen, das war einmalig.

MF: Wie stark stufst du «Fear No Evil» zu deinen bisherigen Alben ein?

DP: Hach..., ich muss sagen, jedes Album..., immer das neuste Album ist wirklich immer das Album, wo man am meisten Bezug zu hat, dass man am meisten liebt und ich lieb' alle Alben..., auch die «Love Me In Black», auch Sachen die anders waren..., auch die «True At Heart»..., natürlich die «Triumph And Agony» und ich hoffe, dass den Fans das gefällt und ich find', das (neue - MF) Album hat auf jeden Fall ganz..., ganz powerfulle Songs, wo ich mit denke, dass es immer in der Setliste zu finden sein wird. Also wie zum Beispiel «The Night Of The Warlock» kann ich mir vorstellen..., wird live immer ein guter Knaller sein. «Celebrate», «Herzblut»...

MF: ...«Fight For Rock» müsstest du wieder mal spielen!

DP: Jaaa..., oh..., das haben wir gespielt beim «Anniversary-Gig»...

MF: Ach...

DP: ...mit den alten Warlock's..., ja ja...

MF: ...einer meiner Lieblingstracks!

DP: Ja? Ahh...

MF: Du wirst, wie ich,. dieses Jahr (am 3. Juni) 45 Jahre alt. Wieviel Kraft hast du noch und welche Zukunft siehst du für unsere geliebte Musik?

DP: Och ich glaub', im Moment ist wieder alles so im Vormarsch, also die letzten acht Jahre, da merkt man jedes Jahr ist Rock und Metal grösser und grösser geworden. Das sieht man besonders an den tollen, weltweiten Festivals. Also ich weiss noch '93, da haben wir das erste Mal in Wacken gespielt. Da waren vielleicht 2'000 Leute da..., und jetzt 100'000! Und wir werden auf jeden Fall dieses Jahr auch wieder dort spielen. Auf 'em Donnerstag..., the night to remember..., und da wollte ich nochmals die ganze Bühnen-Show mitbringen. Leider nicht die Gäste, das wär' unmöglich, aber die Bühnen-Show vom 25 Jahre-Gig, weil das die einzigste Bühne ist, wo man alles aufbauen kann. Also der Warlock ist 20 Meter hoch (!)..., deswegen muss das 'ne riesen Bühne sein..., wo man Co-Headliner oder Headliner ist. Also ich würd' sagen, die Musik is in "good shape", ich glaub' es geht weiterhin bergauf. Ich glaub', was in den 90er-Jahren geschehen ist, wo Grunge dann auf einmal die Oberhand hatte, das lässt man als Rock- und Metal-Fan nie mehr zu! Jetzt weiss man, was man hatte und das war damals ein Schock für alle, wo dann auf einmal unsere Art von Musik gar nicht mehr so populär war. Und wo Grunge dann alles..., alles...

MF: ...kaputt gemacht hat!

DP: Ja ja..., aber die letzten acht Jahre finde ich, ist es stetig..., wieder..., so ist es..., erinnert mich sogar fast wieder an die 80er! Also wenn ich daran denke..., 1986 haben wir bei den «Monsters Of Rock» Festivals gespielt und ich war auch oft als Gast beim «MOR» damals..., also es kommt einem fast so vor..., dann haben wir jetzt in ganz vielen Ländern jetzt versucht zu spielen, was seinerzeit unmöglich war. Also der ganze Ostblock ist jetzt dazu gekommen, Tschechei, Rumänien..., letztes Jahr das allererste Mal..., Russland verstärkt..., es ist ganz spannend, so überall zu touren. Man merkt, in der ganzen Welt sind so viele Metal- und Rock-Fans..., das ist super! Wir haben vor zwei Jahren in der Türkei gespielt, da waren ganz viele Fans aus dem Irak und Iran..., haben ihr Leben auf's Spiel gesetzt, um da zu dem Konzert zu kommen! Wir haben uns da gottseidank hinterher getroffen..., weil die Fans..., das merkste..., in den ersten Reihen waren Fans, die waren so diehard und der eine hatte die ganze Zeit Tränen in den Augen gehabt. Ja, und da dachte ich mir..., dann habe ich gefragt, "woher seit ihr denn her so?" In welcher Stadt aus der Türkei..., da meinten sie "nein..., wir sind nicht aus der Türkei, sondern Iran und Irak..., also wenn du da mal spielen könntest, das wäre super!" Aber das als Frau ist wahrscheinlich in der heutigen Zeit noch nicht drin. Aber das wird bestimmt kommen... mehr Länder zu betouren.

MF: Wenn du dereinst mal als "Metal Queen" in Rente gehen wirst..., hat wer das Zeug, in deine Fussstapfen treten zu können?

DP: Oh, oh..., ich glaub' ganz viele! Und ich hoffe, dass ich das bis zum letzten Atemzug machen kann, und solang die Fans wollen, solang es Spass macht..., also "till the day I day!" Aber ich finde, viele Frauen sind ganz hervorragend. Damals in den 80ern, wo ich angefangen habe, da gab's ja nur eine Handvoll von Frauen und heute gibt's ja ganz viele, tolle Front-Frauen und Musikerinnen. Also das sind unendlich viele!

MF: Du bist in unserer Szene eine öffentliche Person. Hast du dir trotzdem etwas Privates, Intimes bewahren können?

DP: Ach..., es gibt eigentlich nicht viel Privates. Also..., (überlegt eine Weile) - wenn ich privat..., bei meiner Mam zu Hause bin, zum Beispiel Weihnachten, dann sagt sie immer "wollen wir mal in die Fanpost gucken?" Weil sie verteilt diese auch..., und wir haben also Fanclub-Leiter und so..., aber viele Sachen kommen dann zu meiner Mam und bleiben da liegen. Heilig Abend oder an Silvester wird aber immer die Fanpost gemacht! Wenn andere feiern, machen wir das...

MF: ...OK..., last famous words an unsere Leser und die Schweizer Doro-Fans:

DP: Jaa..., dass ich mich so freue, also..., ja..., wieder hier zu spielen und live halt..., ja..., die volle Show zu bringen. Ich hoffe, dass den Fans die neue Platte gefällt..., wir werden auf jeden Fall viele Songs davon spielen und natürlich die ganzen, alten Highlights..., unter anderem «Fight For Rock» und so...

MF: Na..., OK!

DP: Also Wünsche nehmen wir immer gerne entgegen, weil Zugaben können die Leute einfach raus rufen, was sie gerne hören möchten. Ja und damals, wo ich hier das erste Mal gespielt habe..., also meistens haben wir ja im Volkshaus gespielt, das war so eine grandiose Stimmung! Unvergesslich..., ich komme immer so gerne in die Schweiz, besonders wegen dem Luke Gasser, wo wir ja jetzt den Film gemacht haben. Also ich fühle mich hier sehr wohl, sehr zu Hause und kann's nicht erwarten, bis wir wieder live spielen! Ich möchte allen Fans danken für den grossartigen Support all die 25 Jahre. Ohne den hätte ich es sowieso nie geschafft, deswegen ist es mir das Wichtigste, und ich hoffe, dass wir noch viele viele Jahre zusammen rocken!

MF: Das hoffe ich auch! Ok..., vielen Dank!

DP: Danke dir!


Unser Rockslave (links, mit nicht blauen Brillengläsern) mit Doro Pesch. >>>>>>>