Fear Factory ist
eine der Bands, die aus der Metal-Welt gar nicht mehr wegzudenken sind. Obwohl seit 1990
unentwegt am Touren, um ihren Mix aus Unisono-Doublebass-Salven und Elektronik unters Volk
zu bringen, sah es für's Jahr 2002 nicht mehr allzu rosig aus. Burton C. Bell, der
Sänger, der massgebend den Mix aus cleanen und harten Vocals prägte, stieg aus und zu
allem Überfluss löste sich kurz darauf gleich die gesamte Band auf. Was war geschehen?
Präzise Informationen werden wir wohl nie erhalten, da laut Christian Olde Wobers (der
Ex-Bassist und heutige Gitarrist) Verträge unterzeichnet wurden, die alle Parteien zum
Stillschweigen verpflichten. Soweit durchgesickert ist nur, dass Burton persönliche
Probleme mit dem damaligen Gitarristen Dino Cazares sowie der Marschrichtung der Band
hatte, und sich deshalb entschloss, auszusteigen. Da Wobers und Raymond Hererra (der
Drummer) nicht ohne ihn weitermachen wollten, entschieden sie sich, ebenfalls
auszusteigen, was dann zur totalen Auflösung der Band führte. Jetzt, 2004, scheint all
dies vergessen zu sein. Mit dem Wechsel vom Bass zur Gitarre beweist Christian Olde Wobers
seine Fähigkeiten, und mit dem Neuzugang namens Byron Stroud
(Strapping Young Lad) am Bass hat man sich eine Mördermaschine in die Band geholt. Die
Tour ist in vollem Gange, Headliner-Shows sind an der Überzahl und wenn überhaupt
Support-Band, dann schon für richtig grosse Namen. Ich traf also am späten Nachmittag
den Herrn Olde Wobers zu einem kleinen Kaffeekränzchen, das zugleich meinen Einstieg in
die Welt der Interviewer darstellen sollte...
MF: Hi Christian, wie verlief die Tour bis jetzt?
COW: Läuft ordentlich, Die Leute scheinen ihre Freude daran zu haben.
MF: Ist es nicht ein bisschen verwirrend, jeden Abend in so unterschiedlich
grossen Lokalen zu spielen?
COW: Nein, das hält die ganze Sache eher am Leben, weisst du. Klar fährt das irgendwie
schräg ein, aber gleichzeitig bleibt so die ganze Sache auch interessant.
MF: Die Bridge des Songs "Archetype" lautet "The infection has been
removed, the soul of this machine has improved." Ist das die Beschreibung des
letzthin Geschehenen?
COW: Die Texte sind eigentlich Burt's Angelegenheit. Ich kann dir nicht viel über seine
Gedankengänge sagen, vor allem weil er immer sehr offen schreibt und manchmal sogar etwas
anderes meint. Aber soweit ich das sagen kann, stimmt es natürlich, dass wir
streckenweise eine Menge Bullshit beseitigen mussten. Aber..., jetzt sind wir hier,
stärker als jemals zuvor und das ist alles was zählt!
MF: Was ist der grösste Unterschied zwischen den Fear Factory von 1990 und den
Fear Factory von 2004?
COW: Die Chemie funktioniert besser (eigentlich sehr viel besser!), wir stehen uns
mittlerweile einfach näher als zuvor. Ich würde sagen, dass Fear Factory von heute an
einem Punkt angelangt sind, von dem aus die Zukunft sehr vielversprechend aussieht.
MF: Wenn Fear Factory nun zu einem Archetypus geworden sind, wohin wollt ihr denn
noch?
COW: Keine Ahnung! Ich meine, wir ziehen einfach unser Ding durch, konzentrieren uns auf
die Musik. Aber wir sind natürlich für vieles offen, mal sehen was kommt.
MF: Wenn du einen Song von der aktuellen Scheibe herauspicken müsstest, welcher
repräsentiert euer Potenzial am Besten?
COW: Ich würde vielleicht "Archetype" nehmen. Er hat alles, was ein guter Fear
Factory-Song benötigt. Die Leute wissen, was sie von uns erwarten können, und dieser
Song hat das alles. Fear Factory, das war schon immer die Doublebass und einige heisse
Hooks, also "Archetype". Es fühlt sich einfach gut an, diesen Song zu spielen.
MF: Was denkst du als Musiker einer Metalband der dritten Generation vom
momentanen Hype des Metal?
COW: Ich bemerke das kaum..., sicher, wir können eine ganze Menge mehr Konzerte als
beispielsweise noch vor fünf Jahren spielen, aber eben, wir machen einfach unser Ding.
Was die jüngeren Bands angeht, so stehe ich total auf Mnemic. Ich denke, dass ihre
nächste Scheibe weitaus besser wird, als die letzte.
MF: Es ist schon eine Weile her, seit ihr versucht, Metal mit Elektronik zu
kombinieren, in welche Richtung schreibt ihr eigentlich? Beginnt alles mit einem Sample
oder kommen die erst im Studio hinzu?
COW: Meistens basiert ein Song auf irgendeiner Idee, mit der wir im Proberaum rumspielen.
Erst wenn Burt seine Vocals dazu schreibt, beginnt es dann auch Sinn zu machen. Aber die
Elektronik kommt tatsächlich erst im Studio hinzu. Rhys Fulber (Soundtüftler und
Elektro-Spezialist) hört sich das Material an und entscheidet dann, was er noch dazugeben
könnte. Falls er
eine Änderung der Struktur vorschlägt, so ist das kein Problem, wir nehmen alles in
ProTools auf und können so recht einfach rumbasteln.
MF: War Byron eigentlich schon beim Songwriting involviert?
COW: Nein, er kam erst nach den Aufnahmen hinzu.
MF: Wie verlief eigentlich sein Split mit Strapping Young Lad?
COW: Er ist dort gar nicht ausgestiegen! Strapping Young Lad existieren immer noch, Byron
ist ihr Bass-Spieler. Sie genehmigen sich einfach gerade eine Auszeit, Devin arbeitet
wahrscheinlich wieder an irgendwelchem abgedrehten Solo-Material. (grinst)
MF: Die typischen Themen des Fear Factory-Songs waren immer Krieg und ganz
speziell die Technologie und die Cyber-Kriminalität. Findest du es nicht erschreckend,
dass all diese Sachen mehr und mehr Realität werden?
COW: Wie schon gesagt, die Texte sind Burton's Gebiet, das sind seine Gedanken.
Tatsächlich passiert immer mehr Bullshit auf dieser Welt, aber das war ja von Anfang an
klar.
MF: Ich wüsste gerne von dir, wie du zum Internet stehst.
COW: Das Internet ist, wie alles von Menschenhand Geschaffene, zweiseitig. Man kann es
verwenden, um Mails zu verschicken, mit der Familie in Kontakt zu bleiben, die Homepage zu
betreuen und so weiter. Aber gleichzeitig ist es zum Kotzen, wenn man mitansehen muss, wie
es als Marktplatz für allen möglichen Bullshit herhalten muss. Namentlich Rassismus,
Hass, abartige
Perversität und so weiter.
MF: Und wie sieht's in Bezug zur Musik aus..., die ganze MP3-Geschichte?
COW: Ich kann meine Musik verbreiten, Werbung machen, es ist also durchaus zu
gebrauchen...
MF: Gibt es noch irgendwas, das du den Schweizer Fans mitteilen möchtest?
COW: Kommt raus! Kommt zu unserem Konzert and kick some ass!!
|
|
|