Face 2 Face with Maiya
Von bösen Buben und negativen Einflüssen

Wie manche von euch wissen bin ich eine eifrige Bücherleserin. So kommt es, dass mir hin und wieder äusserst auffällige Bücher in die Hände geraten. Neulich war es das Buch "Verteufelter Heavy Metal" von Reto Wehrli. Ich ahnte schon was beim Blättern auf mich zukommen würde, und ich konnte mir vorab ein Schmunzeln nicht verkneifen. Besonders als ich den Satz "Forderungen nach Musikzensur zwischen christlichem Fundamentalismus und staatlichem Jugendschutz" las. Gäbe es einen Preis für das entzückteste Lachen, ich hätte ihn in diesem Moment gewonnen!

Zu eurer Erheiterung hier gleich mal einige Beispiele aus diesem grotesken Schinken: da ist ein Bild drin von einem wirklich knackig gekleideten Paul Stanley. Manch einen weiblichen Fan würde es freuen, nicht so Herr Wehrli. Männer mit nackten Oberkörpern sind ja sowas von bööööse und jugendgefährdend! Auch Dave Mustaine muss dran glauben, weil seine negativen Songtexte die Jugend depressiv machen. Und natürlich dürfen auch Marilyn Manson und Black Sabbath nicht fehlen. Soll mich bitte niemand falsch verstehen, ich bin durchaus für Jugendschutz. Und ich will keinesfalls behaupten, dass Metal nicht gefährlich sein kann. Kann schon sein, dass Herr Manson's Musik jemanden zu einem Mord beeinflusst. Doch das liegt dann nicht an der Musik selbst, sondern am psychischen Zustand des Hörers.

Wie stabil man psychisch ist liegt doch in erster Linie an der Erziehung. Wenn jemand einen Mord ohne ersichtliches Motiv begeht, warum wird die Schuld gleich bei Musik oder Film gesucht? Wieso wird nicht die Erziehungskompetenz der Eltern in Frage gestellt? Wieso werden mobbende Mitschüler nicht als möglicher Grund in Erwägung gezogen? Eltern sollten fähig sein, ihre Kinder zu vernünftigen Menschen zu erziehen, die Verstand genug besitzen um den Unterschied zwischen Recht und Unrecht sowie Gut und Böse zu kennen. Warum soll immer nur Metal an allem Schuld sein? Es gibt genug andere Musikrichtungen welche die Jugend zu Drogenkonsum und Brutalität verleiten. Ausserdem ist das Leben nun mal nicht rosa, warum also Kindern die heile Welt vormachen, wenn sie irgendwann ja doch rausfinden werden, dass das Leben auch seine Schattenseiten und Tücken hat?



Ich will euch ein Beispiel nennen in Punkto Musik die mich runterzieht: Xavier Naidoo! Alle meine inneren Organe verknoten sich auf die anatomisch unmöglichste Weise wenn ich diesen Jammerlappen rumflennen höre! (Danke Gabi Köster für die sehr treffende Bezeichnung "Jammerlappen"!) Mag schon sein dass er auch über schöne Themen singt, aber warum flennt er dann so? Das kann man doch auch auf die Positive und Fröhliche rüberbringen, und nicht so als seinen die schönen Dinge des Lebens im Grunde einfach nur tragisch. Nehmen wir mal an, ein jugendlicher Fan dieses Jammerlappens erschiesst erst seine Eltern und dann sich selbst. Niemand würde der Musik die Schuld geben, weil Herr Naidoo ja Christ ist, und Christen können doch nicht schuld sein an so einer Tragödie. Naja, ich sag nur pädophile Geistliche, Kreuzzüge, Hexenbrände... wobei wir nicht vergessen wollen dass die Kirche für neun Millionen Todesopfer verantwortlich ist. Das erinnert mich an "Knights of the Cross" von Grave Digger: "In the name of god they kill, in the name of god they rape". Ach, man kann es drehen wie man will. Gut und Böse gibt es überall, darüber wollen wir gar nicht mehr diskutieren.

Schlussendlich kommt es darauf an, was man sich selbst auf einer Sache herausnehmen kann. Wenn Primal Fear mir sagen dass ich der Meister meines Schicksals sein soll, dann werde ich diesen aufbauenden Satz sehr gerne hinnehmen und ihn für mein Leben verwenden. Negative Songtexte hingegen meide ich, weil sie mir nichts geben. Mich muss Musik inspirieren an mich zu glauben, etwas Positives zu vollbringen und mich selbst zu verwirklichen. Letztendlich hat Metal mir und vielen anderen Leuten Antrieb gegeben, und daran sehe ich nichts falsches. Ich bin vielleicht bereit Metal als böses Teufelswerk zu bezeichnen, wenn ich mir im Fernsehen keine Tierquälereien, keine angsteinflössenden Nachrichten und ganz besonders keine Vergewaltigungen mehr ansehen muss! Warum, warum wird in Filmen so etwas Furchtbares wie eine Vergewaltigung gezeigt? Reicht es denn nicht, dass es jeden Tag auf der ganzen Welt passiert? Dass immer wieder Opfer psychisch daran kaputt gehn? Aber wer hat sich jemals darüber beschwert?

Also ihr lieben Zensur-Verantwortlichen und Jugendschützer, wenn ihr was für den Schutz der Jugend tun wollt, dann schaut euch den Film "Bowling for Columbine" an. Da macht der böse, böse Marilyn Manson nämlich eine Äusserung über die ihr euch ernsthaft Gedanken machen solltet: "Die wahre Tragik ist, dass den Jugendlichen niemand zuhört." Da haben Clawfinger mit "Do what I say" ein ausgezeichnetes Beispiel dafür geliefert, was mit Kindern passiert die man nur schikaniert anstatt dass man ihnen zuhört. Und wir wollen doch bitte nicht vergessen, dass die schönsten Balladen und sonstigen Lovesongs von unseren Bands stammen. Also klopft mir nicht an die Tür, um mir zu erzählen dass Metaller Bösewichte seien, welche die Jugend
gefährden und negativ beeinflussen. Denn letzten Endes halte ich es mit der Musik genauso wie mit meinem ganzen Leben, nach dem Motto "Take the good,leave the bad".

In diesem Sinne:
Wohl bekomms!
Eure Maiya