CD-Reviews Dezember 2013
Wertung:
  9.0 bis 10 Kaufempfehlung.         7.5 bis 8.9 Gut.
  4.0 bis 7.4 Vor Kauf reinhören.    0.0 bis 3.9 Nicht empfohlen.
TAD MOROSE - Revenant
Despotz Records/Irascible
Ich musste wirklich zweimal hinschauen, um sicher zu sein, dass ich nicht träume! Tad Morose?!! Die waren doch jetzt zig Jahre weg vom Fenster und als eine der Bands verschrien, die zwar verhältnismässig gute Mucke abgeliefert haben, aber nicht wirklich vom Fleck gekommen sind. Irgendwann ist man der Rolle als ewiger Anheizer schliesslich überdrüssig und wenn aufgrund schlechter Verkaufszahlen der Deal flöten geht, ist das Ende nah. Und jetzt, nach satten zehn Jahren (!) Unterbruch, spült es die Schweden erfreulicherweise wieder zurück an den kompositorischen Sandstrand. Ein Grund, warum Tad Morose in den 90ern wohl nicht durchgestartet sind, war die fehlende Konstanz bei den Frontmännern. Das einzig verbliebene Ur-Mitglied Christer Andersson und der zweite, langjährige Schlagzeuger Peter Morén haben nun vor gut fünf Jahren in der Person von Ronny Hemlin einen fähigen Shouter finden und halten können. Was die Truppe heuer auf dem achten Studio-Album abliefert, ist schlicht sensationell! Kontinuierlich nach vorne treibender Power Metal, der mal, wie beim Opener «1 Beneath A Veil Of Crying Souls» etwas Schlagseite zu Brainstorm und Vicious Rumors aufweist. Die stimmliche Bandbreite von Hemlin gleich in der Tat der von Andy B. Franck und der von Tim "Ripper" Owens. Auch zu «Follow» gibt es nur wehende Matten und in die Höhe gereckte Fäuste zu vermelden. Der Keyboard-Sound wird dabei angenehm zurückhaltend gefahren und überlässt das Feld dem fetten Riffing des 6-Saiten-Duos Andersson/Jonsson. Die Verschnaufpausen auf «Revenant» sind rar gesät und eine echte Ballade sucht man vergebens. Für was auch, werden sich Tad Morose gedacht haben und pflügen sich mit ihrem Comeback wie ein heisses Messer durch einen Block Butter hindurch. Bleibt also abzuwarten, ob dieses studiomässige Audiofeuerwerk auch auf der Bühne entfacht werden kann. Meine Prognose hierzu ist ziemlich optimistisch und wer sich bis zum Besuch in der Schweiz die Riffs, Melodien und Texte drauf packen will, legt sich dieses Juwel besser früher als später zu. Für mich eine der Top-Ten Scheiben des ganzen Jahres!
Rockslave 

Punkte: 9.5 von 10
FALKENBACH – Asa
Prophecy Productions/Non Stop Music
Pagan Metal in seiner ursprünglichsten Form, ganz ohne heroisches Gehabe und Wikinger-Schnickschnack. Falkenbach gehört zu den wenigen Bands des Genres, die einfach gute, organische Musik veröffentlichen und auf das ganze Drumherum dankend verzichten. Bis dato hat man die Band noch nie live zu Gesicht bekommen, was zwar auf einer Seite schade ist, ihr auf der anderen Seite aber auch etwas Geheimnisvolles gibt. Die Musik legt die Inspirationsquellen aus der Natur offen. Ohne Hektik wird ans Werk gegangen, die meisten Songs sind auf wenigen Riffs aufgebaut, die sich ständig wiederholen oder leicht variiert werden. Dadurch fällt man beim Hören beinahe in einen tranceähnlichen Zustand. ‚Wulfarweijd‘ klingt roh und mit den Synthesizern wird fürs entsprechende Ambiente gesorgt. ‚Mijn Laezt Wourd‘ nimmt man zum Glück nicht wörtlich, denn auf solch ästhetische Musik möchte man nicht verzichten. Der melancholische Gesang und die sanften Akustikgitarren in ‚Eweroun‘ werden mit einem leise dröhnenden Bass unterlegt, was eine ganz besondere Stimmung erzeugt. Ganz ähnlich gestrickt ist ‚Bluot Fuer Bluot', wo das Muster einzig von einem ausbrechenden Zwischenspiel Keifgesang kurz durchbrochen wird. Aufs Nötigste reduzierte Gitarrenriffs, dumpf durchbretterndes Schlagzeug und die harrschen Vocals von Markus „Vratyas Vakyas“ Tümmers reichen aus, um aus ‚I Nattens Stilta‘ einen wirkungsvollen Song zu machen. Mit „Asa“ hat Falkenbach ein ergreifendes Stück Kunst geschaffen, welches Respekt verdient.
Patricia L.

Punkte: 9.0 von 10
TINTA LEAL - Dog Eat Dog (EP)
Eigenvertrieb
Mit der 6 Songs starken EP liefern Tinta Leal kurz nach ihrem Debut "Take Control!" gleich ein Fettes stück nach, welches sich nahtlos ins bereits Gehörte einfügt. Wie gehabt zockt die "Supergroup" rund um Ex-Requiem-Sänger/Bassist Ralf W. Garcia Old School-Hc von der Strasse, gespickt mit teils spanischen Lyrics, welche zwar für die meisten wohl unverständlich sind, sich vom Gefühl her aber perfekt mit den englischen Texten ergänzen. Tinta Leal und im speziellen Ralf W. Garcia zeigen mit ihrem eingängigen Songwriting, wo ihr Herz wirklich schlägt. Die Songstrukturen sind so schnörkellos und eingängig, dass man hier ganz klar von internationalem Niveau reden muss. Sämtliche Songs sind zugleich Kracher an jeder Party, aber auch dermassen nachdenklich und kritisch, dass sie als Score zu einer Doku über die Bronx dienen könnte. "Leider" muss man sagen, dass bei Requiem auszusteigen die wohl beste musikalische Entscheidung in der Karriere von Ralf W. Garcia war, denn Tinta Leal dürfen gespannt in die Zukunft blicken.
Steve Butcher   

Punkte: 9.0 von 10
FATAL FUSION - The Ancient Tale
Karisma Records/Non Stop Music
Dies ist das zweite Werk der Norweger um den charismatischen Sänger Knut Erik Grontvendt. Und meiner Meinung nach ein hervorragendes Prog Rock-Album, das mich schon beim ersten Durchhören vollumfänglich packte und bis anhin nicht mehr loslässt. Fünf Songs, die den Zuhörer weit in die Siebziger zurückschleudern und mit einem Mix aus Rock, Metal, Blues, Space Rock, gesamthaft als Prog Rock zusammengefasst, beglückt. Egal ob bei dem überlangen Instrumental "III The Divine Comedy", habe selten ein so interessantes Instrumental Stück gehört, oder bei anderen Tracks, keine Sekunde kommt Langeweile auf, man schafft es, die ganzen 14 Minuten lang, den Song spannend zu halten. Oder das 18 Minuten lange "V The Ancient Tale", jeder der Fünf Tracks ist eine Offenbarung. Von Filmusik-Anleihen über Eloy-ähnlichen Passagen bis zu tollen Gitarrenriffs, schwebende Gitarrensoli und Synthie/Keyboard-Ergüssen, sogar Lanvall-Feeling von seinen Solo-Alben kommt hier auf, einfach ein Genuss, sich das reinzuziehen. Die Norweger schaffen es, den Zuhörer von einer Stimmung in die andere zu katapultieren, da muss man als Proggie einfach mitgehen. Lasst euch wegtragen von der genialen Musik von Fatal Fusion, einerseits in die glorreiche vergangene Zeit der Siebziger, und anderseits in die atmosphärische, musikalisch wunderschöne Gefühlswelt der Proggies. "An Ancient Tale" ist ein grandioses Stück Musik, genau deshalb bin und bleibe ich ein Prog-Fan.
Crazy Beat
 
Punkte: 9.0 von 10
EWIGHEIM – Nachruf
Massacre records/Musikvertrieb
Der gute Herr Allen B. Konstanz hat wirklich eine sehr schöne Stimme, welche sich für das Erzählen duster-trauriger Geschichten exzellent eignet. Das hat er bei The Vision Bleak mehrfach unter Beweis gestellt, wobei er sich dort doch eher in Richtung ‘fies’ entwickelt hat. Dies hat auf “Nachruf” keinen Platz, die Vocals sind eher melancholisch gehalten, beinahe schon ein wenig in Richtung monoton gehend, aber das past zum Gesamtkonzept von Ewigheim, zumindest in der Gegenwart, superb. Das musikalische Grundgerüst lässt sich nicht so einfach beschreiben, am ehesten ist wohl der Vergleich mit Bands wie Unheilig, Eisheilig oder Zeraphine geeignet – einfach auf seine ganz eigene Art und Weise. Die Stimmung ist weder aufgewühlt noch zu Tode betrübt, sondern eben schlichtwegs melancholisch-nachdenklich. Gewisse Keyboard-Spielereien mögen zu Beginn vielleicht ein wenig seltsam anmuten, aber sie passen dennoch gut ins Gesamtbild. Im Bonus_Track “Sanctum Imperium” liefern sich Allen B. Konstanz und Blutkehle von Eisregen sogar ein Hin und Her – interessant, eher ein wenig der Ausreisser innerhalb der Stücke, aber auf seine eigene Art und Weise fesselnd. Nun, Ewigheim sind eine Band, welche entweder verstanden, aufgenommen und für ihre Einzigartigkeit geschätzt wird – oder auf reines Unverständnis trifft. Wer aber schwermütige, dunkle Rock- und Metal-Musik schätzt und einen wirklich sehr guten Sänger zu würdigen weiss, der sei in der Welt von Ewigheim herzlichst willkommen. Bleibt zu hoffen, dass der “Nachruf” nicht endgültig ist…
Toby S. 

Punkte: 9.0 von 10
THE VISION BLEAK – Witching Hour
Prophecy Productions/Non Stop Music
So schnell kann es gehen: Hatte ich doch erst gerade das neue Stop-Motion-Video der deutschen Truppe um die Main Acts Ulf Theodor Schwadorf und Allen B. Konstanz zu ihrem Song „Wood Hag“ gesehen, schon war ich gefesselt von der Art und Weise, wie hier erzählerische Lyrik und beinahe schon orchestraler Horror aufeinander trafen. Gut, soviel mal dazu, es sei noch erwähnt, dass der Rezensent im Taumel seiner Begeisterung den gesamten Backkatalog nachbestellt hat. Doch zurück zur aktuellen Scheibe: Ist „Witching Hour“ tatsächlich so gut, wie es der Schreiberling im Zuge seiner Begeisterung glaubt, oder ist alles nur eine Ausgeburt seiner schwarzen Fantasie? „Witching Hour“ beginnt mit einem Intro, das einem die Haare zu Berge stehen lässt, und geht dann nahtlos in „A Witch Is Born“ über – und hier setzt Konstanz mit seiner unnachahmlichen Erzählerstimme fies grinsend ein und erzählt, eben, wie eine Hexe geboren wird. Die Musik ist hart, drückend und beinhaltet eine Atmosphäre, wie sie in bester Tradition zu solchen Bands wie The Other oder The Bronx Casket Company steht. Schwadorf hat erneut zusammen mit Konstanz alle Register gezogen und zusammen mit Instrumental-mässig eine Stimmung erzeugt, die, wie eben in einem guten Horrorfilm, den Zuhörer fesselt, erschreckt, wieder beruhigt (ohne dabei einen gewissen, dämonischen Unterton zu vergessen) und dann kopfüber in die Abgründe der eigenen Angst stürzt. „The Blocksberg Rite“ kommt mit einem Flöten-Interludium daher, welches auch immer mal wiederholt wird. Was bisher als überaus gelungenen Auftakt verstanden werden kann, findet nun seine Fortsetzung in „The Cannibal Witch“, dem eingängigen wie grausamen, weil an Hänsel und Gretel orientierten „Wood Hag“ sowie dem „Hexenmeister“ – danach scheint Schluss mit dem roten Faden der Hexe zu sein, denn jetzt folgen Abhandlungen über den schwarzen Tod („Pesta Approaches“), die Banshee (ein weiblicher Totengeist) und schlussendlich die Valkyrie (ein weibliches Geistwesen aus Odin’s Gefolge, welches die auf dem Schlachtfeld ehrenvoll Gefallenen nach Walhall aufsteigen lässt). Und da sage noch einer, in der Metal-Musik würde man nichts lernen… Aber ich schweife ab. Fakt ist: The Vision Bleak haben mit ihrem fünften Album ein Werk erschaffen, das Seinesgleichen sucht – wer denkt, dass ich nun übertreibe, der möge mir irgendeine andere Band nennen, welche es so geschickt versteht, Atmosphäre und Härte mit erzählerischem Geschick zu kombinieren.
Toby S.   

Punkte: 9.0 von 10
MAJESTY – Banners High
NoiseArt Records/Universal
Die deutschen True-Metaller Majesty sind in einem kreativen Hoch! Erschien das letzte Album „Thunder Rider“ erst Anfang Jahr, kommt nun mit "Banners High" bereits der Nachfolger. Dass dabei die Qualität nicht leidet, freut und erstaunt zugleich. Im Gegenteil: Bei "Banners High" handelt es sich um ein Album, welches sogar neue Fans gewinnen könnte. Denn was hier geboten wird, gehört zur Güteklasse 1A. Majesty spielen ihre eigenen Interpretationen von Manowar-beeinflussten Liedern mit einer Inbrunst und Kreativität, welche die aktuellen Veröffentlichungen der (Ex-) Kings Of Metal alt aussehen lässt. Wer zum künftigen Live-Stampfer „United By Freedom“ still stehen wird, mag diese Musik-Art definitiv nicht. Wer es lieber ruhiger und epischer mag, ist mit „On A Mountain High“ und „Take Me Home“ bestens bedient, während „All We Want All We Need“ und „We Want His Head“ dem schnellen Rock’n’Roll-Heavy Metal frönt. Majesty machen auf "Banners High" alles richtig und bieten ein Album, welches über die ganze Länge überzeugt. Dass es sich hier um das erste Konzept-Album der Band (aus lyrischer Sicht) handelt, spielt dabei eher eine untergeordnete Rolle. "Banners High" ist das Album, welches Manowar zurzeit gerne schreiben würden, aber irgendwie nicht können.
Roger W.  

Punkte: 8.8 von 10
STALLION – Mounting The World
High Roller Records/Musikvertrieb
Der Opener „Canadian Steel“ hämmert mit einer unglaublichen Spielfreude aus den Boxen und hebt Stallion gleich aus dem Meer an Neuerscheinungen heraus. Dank der Reibeisenstimme von Paul, erinnert an eine jüngere und frischere Version von David Wayne (ehemals Metal Church, Reverend) und Blackie Lawless (W.A.S.P.), mausert sich „Mounting The World“ zu einer äusserst hörenswerten Scheibe. Unverbraucht, kraftvoll, frisch und frech hämmert sich das Duo (!) durch die sechs Lieder, die sich sofort in den Gehörgängen festfräsen. Speziell „Killing Time“, das schon fast thrashige „Shadow Run“ und das hart rockende „Give It To Me“ sind absolute Gottesgaben. Interessant, was die beiden Musiker hier auf die CD brennen, sehr abwechslungs- und ideenreich zu Werke gehen und dabei nie langweilig werden. Freunde von hartem Rock bis zu US-Power Metal sollten sich hier mal reinhören!
Tinu  

Punkte: 8.7 von 10
AGONY FACE – CLX Stormy Quibblings
My Kingdom Music/Non Stop Music
Surrealistic Death Metal! «Stürmische Wortklaubereien» nennen die fünf Italiener ihre neue Scheibe. Ob das für ihre Texte zutrifft, ist schwer zu sagen, da Davide Guarinoni nicht immer verständlich würgt. Ihrer Musik liegt aber auf jeden Fall etwas Stürmisches zugrunde. Auch braucht es die volle Aufmerksamkeit, um die sonore Wortklauberei zu verarbeiten. Eingebettet in den klassischen progressiven Death Metal der Marke Death, Atheist und Cynic ergänzen Agony Face ihren Sound mit Elementen der modernen Schule um The Faceless oder Augury. Das ist anstrengend, aber auch belohnend. Agony Face schicken uns auf eine Reise, an deren Ziel man glücklich auf das Zurückgelegte blicken kann. Dass diese Reise durch unterschiedlichste Territorien führt und ein sich permanent veränderndes Genusserlebnis bietet, versteht sich von selbst. Geniesst man im einen Moment den sonnigen Ausblick vom Berggipfel, findet man sich im nächsten Machete schwingend in strömendem Regen im dichtesten Unterholz. Die Platte gewinnt mit jedem Durchlauf. Ob «CLX Stormy Quibblings» genügend musikalische Wiedererkennungspunkte bietet, um der Scheibe auch die nötigen Durchläufe zu gewähren, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden.
Mac  

Punkte: 8.6 von 10
LATEXXX TEENS – Cold Heart And Old Scars
Crank Music Group/Non Stop Music
Die Idee, eine Band zu gründen, kam den Italienern von Latexxx Teens 2003 während des grossen, berüchtigten Stromausfalls in ganz Italien. Entsprechend skurril und stockfinster gibt sich denn auch der Stil von LXT. Zu den Vorbildern der Band zählen Marilyn Manson, White Zombie, Mötley Crue, Murderdolls und The Kovenant - mich persönlich erinnern sie jedoch eher an Darkseed. Doch eins muss man LXT lassen – sie sind auf keinen Fall ein fader Abklatsch irgendeines Gothic-Giganten! Die Band selbst bezeichnet ihren Sound als “dangerous & powerful industrial Glam Punk“, der alles andere als mittelässig daher kommt. Nun, Ziel erfüllt, denn was einem hier aus den Boxen entgegenschallt, ist zugleich melodiös, ein bisschen böse, düster angehaucht, frech und doch geprägt von sehr eingängigem und ausgeklügeltem Songwriting. Wo der angekündigte Industrial bleibt, hab ich allerdings noch nicht rausgefunden – doch wer braucht den schon bei 11 durchgehend starken Songs? Latexxx Teens liefern jedenfalls ein sehr abwechslungsreiches Album ab, das sich in die Gehörgänge einbrennt und mittlerweile zu einem Dauerbrenner in meiner Playlist geworden ist.
Patricia H.  

Punkte: 8.6 von 10
MASTER OF DISGUISE – Knutson’s Return (EP)
Limb Music
Jawohl, wer Savage Grace vermisst, eine der prägendsten Metal-Truppe der achtziger Jahre, der hat hier mit den Deutschen von Master Of Disguise eine Truppe am Start, welche die Lücke von Savage Grace schliessen kann. Wenn ich mich recht erinnere, gehören vier Fünftel von Master Of Disguise auch der Tourband von Savage Grace an. So überrascht es nicht, dass Vieles wie von Savage Grace klingt. Diese 3-Track-EP hat alles, was der Speed Metal-Fan sich wünscht. Kraftvoller Gesang, sägende Gitarren, verspielte Doppel-Soli und eine Doublebass Drum, die alles wegputzt, was sich ihr in den Weg stellt. Unbedingt antesten!
Tinu      

Punkte: keine Wertung
EISREGEN – Todestage
Massacre Records/Musikvertrieb
Eigentlich hatte ich gar nicht mehr damit gerechnet, eine weitere Scheibe der Thüringer zu rezensieren, zumal mir die letzte Scheibe „Rostrot“ nur bedingt zugesagt hatte. Nun, unverhofft kommt, und ganz ehrlich: Ich bereue es nicht, in den neuesten Output der Deutschen reingehört zu haben. Klar, irgendwie ist es immer noch da, das beklemmende Gefühl, dass man sich zu sehr kommerzialisiert. Schliesslich findet man heute in jedem Supermarkt Scheiben, für welche man früher im Schutz der Dunkelheit seinen CD-Händler aufsuchen musste – oder so ähnlich. Nun, man kann Eisregen nach wie vor eine gewisse Seichtheit vorwerfen, denn die Texte sind halt einfach stellenweise sehr platt – aber genau hier macht beispielsweise der Hass-Track „DSDSL“ (Deutschland sucht die Superleiche) deutlich, dass es zuweilen direkte Worte braucht, um die Dringlichkeit eines Anliegens drastisch vor Augen zu führen. Um bei diesem Stück zu bleiben: Man kann es natürlich rein oberflächlich betrachtet als Aufführen jeglicher offensichtlicher Missstände ansehen, aber das wäre meiner Meinung nach zu kurz gegriffen – die Zeit für schöne Umschreibungen und in sich verschachtelten Sätze ist vorbei. Zumindest im Hause Eisregen. Die Grazie der verwinkelten Formulierungen ist einer derberen, stellenweise primitiveren gewichen. Was aber irgendwie auch seinen Reiz hat. Vom Spieltechnischen her gesehen ist man wieder etwas härter geworden, lässt aber genug Raum für verschiedene musikalische Ansätze, beispielsweise in „Oh wie sie schrie“ oder „Ostern am Narbenhimmel“, worin man eher auf die Bremse tritt. Oder „Mitternacht“, welches Industrial-mässig daherkommt – eher massentauglich, dennoch nicht ohne Charme. Der Bonus-Track „Eisenherz“ kommt mit einer kindlich wirkenden, weiblichen Erzählerstimme daher, so dass man getrost sagen kann, dass dieses Stück sehr progressiv für Eisregen ist. Wer auf Horror-Thematik mit alltäglichem Wahnsinn steht und auch Bedarf an direkten Texten hat, der dürfte „Todestage“ kaum noch aus dem Player bekommen.
Toby S. 

Punkte: 8.5 von 10
JACK STARR featuring RHETT FORRESTER –
Out Of The Darkness (Re-Release)
Limb Music
Jack Starr verliess 1983 Virgin Steel und gründete seine eigene Truppe. Was für viele Virgin Steel-Fans einem Kulturschock gleichkam, konterte der Gitarrist zusammen mit dem leider viel zu früh verstorbenen Sänger Rhett Forrester auf seine Art. „Out Of The Darkness“ erblickte 1984 das Licht der Welt und gehört noch heute zu den besten US-Metal-Scheiben. Ein grosser Verdienst von Rhett, der mit seinem einzigartigen Organ „Out Of The Darkness“ ein völlig eigenes Leben einhauchte. Dieser Wiederveröffentlichung, knapp 20 Jahre nachdem diese Perle zum ersten Mal das Licht der Welt erblickte, hat sich R.D. Liapakis (Mystic Prophecy, Devils Train) angenommen und sie neu gemastert. Mit sechs Bonustracks kann sich dieses Album sehen und hören lassen und ist jedem Metal-Freund ans Herz gelegt. Denn neben der sagenumwobenen Stimme von Mister Forrester, der auch bei Riot eine sehr gute Rolle abgab, ist es das packende Gitarrenspiel von Jack, das schon die ersten Scheiben von Virgin Steel nachhaltig prägte. Wer bis jetzt „Out Of The Darkness“ noch nicht bei sich im Schrank stehen hat, sollte dies ganz schnell nachholen.
Tinu 

Punkte: 8.5 von 10
SILENT FORCE – Rising From Ashes
AFM Records/Musikvertrieb
The Sygnet sind zurück mit einem starken Album und neuem Namen! Denn beim neuen Album von Silent Force sind neben Gitarrist Alex Beyrodt (Primal Fear, Sinner, Voodoo Circle) auch Schlagzeuger André Hilgers (Rage, Sinner) und Sänger Michael Bormann dabei. Für die Reunion dieser Band, welche 1998 nur ein einziges Album rausgebracht hatte, fehlt nur Bassist Michael Müller. Dieser wird durch Matt Sinner (Primal Fear, Sinner, Voodoo Circle) ersetzt und mit Keyboarder Alessandro Del Vecchio ergänzt. Das Ergebnis klingt nur schon wegen der gleichen Stimme wie eine Fortsetzung von The Sygnet. Dazu kommen aber auch instrumentale Palallelen. Dazu gehören typische Backing-Chöre und ergänzende Keyboard-Teppiche. Der melodische Heavy Metal weiss zu gefallen und sucht immer wieder die Nähe zum Hard Rock, ohne stilistisch zu fest abzudriften. Beispiel für einen dieser Bastarde ist „You Gotta Kick It“. Daneben überzeugen Songs wie „Anytime Anywhere“, „Circle Of Trust“ oder „Before You Run“ mit einer gelungenen Mischung aus eingängigen Melodien und treibender Härte. Qualitative Ausfälle sind keine auszumachen. Dazu kommt eine druckvolle Produktion, welche "Rising From Ashes" zum Melodic Metal-Genuss macht. Silent Force werden mit diesem Album zu Recht ihr Publikum finden. Hoffen wir, dass diese Scheibe nicht wie das The Sygnet-Album nur zum Geheimtipp unter Kennern wird, sondern darüber hinaus reissen kann. An den Songs alleine wird es nicht liegen.
Roger W. 

Punkte: 8.5 von 10
NITERAIN – Crossfire
Indie Recordings/Irascible
Der Glam und Sleazy der Achtziger ist nicht tot zu kriegen. Zum Glück, den dieses Genre versprüht nach wie vor eine intensive Magie und macht jede Menge Spass. Bands wie Crazy Lixx, Reckless Love, Hollywood Burnouts oder Kissin' Dynamite gehören zur jüngsten Generation, die die Rock'n'Roll-Fahne unermüdlich hochhalten. Der neueste Zuwachs der Szene sind die Norweger NiteRain. Die Jungs konnten bereits einen positiven Eindruck im Livesektor, als Support von u.a. L.A. Guns, Pretty Boy Floyd oder The 69 Eyes hinterlassen. Nun stellen sie ihren ersten Longplayer "Crossfire" vor. Auch diese Truppe hat es geschafft, die Seele des Glam / Sleazy-Sounds in die aktuelle Zeit zu transferieren, ohne dabei als billiger Imitator zu wirken. Das Album glänzt mit einer kraftvollen, zeitgemässen Produktion, die von TNT-Gitarrist und Landsmann der Jungs Ronni Le Tekro stammt. NiteRain nähern sich musikalisch Mötley Crüe, L.A. Guns und Slaughter, ohne dabei aber deren Klasse ganz zu erreichen. Es fehlt am Strassendreck, oder, direkter ausgedrückt, an der Authentizität. Das ist aber alles andere als ein Vorwurf, denn zur Hoch-Zeit der erwähnten Acts waren die vier Protagonisten von Crossfire kaum geboren. Musikalisch überzeugt die Scheibe auf breiter Ebene. Sänger Sebastian Tvedtnaes glänzt dabei mit einer coolen Stimme, die sich hinter den Helden der späten Achtziger keineswegs zu verstecken braucht. Die Songs überzeugen mit diversen eingängigen Refrains und ausgeprägten Hooks. Dabei driften sie selten in die Belanglosigkeit ab. Zwei, Drei Füller haben sich zwar eingeschlichen, mit Songs wie "Bad Girl", "Dirty" oder "Judgement Day" hat die Truppe aber auch richtige Highlights im Gepäck. Coole Band, cooles Album.
Chris C. 

Punkte: 8.5 von 10
[SOON] – Dead-End Street
Oscilation Music
Es ist schwierig, sich nicht zu wiederholen, wenn man eine Band beziehungsweise ihre Platten bereits seit einiger Zeit begleitet und rezensiert. Schwierig deshalb, weil sich manchmal nur Details ändern, welche sich dem aufmerksamen Hörer erschliessen, welcher die vorhergehenden Alben kennt – aber einem Neueinsteiger werden diese Details sich erst später erschliessen. Gut, genug um den heissen Brei geschrieben, kommen wir zu den Fakten: Die Hamburger frönen nach wie vor dem, was sie am besten können: Dunkle, atmosphärische Rockmusik mit starkem Ambient-Einschlag zu spielen. Das herausragendste Merkmal dabei ist nach wie vor die ruhige, beinahe schon sphärische Stimme von Sänger Eric, welche aber glücklicherweise nach wie vor nicht monoton, sondern vielschichtig und gut heraushörbar aus den Boxen erklingt. Nochmals zu den Details: Es klingt so, als ob „Dead-End Street“ eher noch individueller geworden ist, als es die Vorgänger-Alben bereits waren. Da ist auch eine gewisse Kälte und Härte, welche sich durch die Songs hindurch zieht – deswegen kam mir persönlich auch immer die Farbe Blau in allen möglichen Schattierungen in den Sinn, mal heller und weicher, mal dunkler und härter, eisig gar. Doch möge die werte Hörerschaft selbst entscheiden, ich kann [Soon] wirklich nur weiterempfehlen, denn wer auf gute, individuelle Songstrukturen steht und einem unverkennbaren, ruhigen Gesang nicht abgeneigt ist und eine Affinität zu solchen Bands wie Depeche Mode, The Birtday Massacre oder auch Katatonia hat, der dürfte schnell einen Zugang zu „Dead-End Street“ finden.
Toby S. 

Punkte: 8.5 von 10
VERMIN - Mind Control
Blacksmith Records/Non Stop Music
Die Bayern von Vermin haben sich ganz offiziell dem Death’n’Roll verschrieben, ein Vorhaben, das ich nur unterstützen und sehr positiv bewerten kann! Death’n’Roll heisst eigentlich so viel wie: richtig böse und fies sein, dabei aber rocken und Spass haben! Und es verbindet dreckigen Rock’n’Roll mit Growls - super! Dass das aber auch so richtig in die Hose gehen kann, beweist der wohl bekannteste deutsche Vertreter des Genres: Debauchery. Man kann ganz schön viel falsch machen bei Death’n’Roll - nämlich unoriginelle Rock’n’Roll-Riffs mit ebenfalls unoriginellen und immer gleichen Growls im Vier-Viertel-Takt komplett unmotiviert - ausser durch Aussicht auf kommerziellen Erfolg - zusammen pantschen und das Ganze mit viel Blut und nackten Frauen zu verkaufen versuchen. Vermin aber sind aber eine andere Liga, das sitzt, das groovt, dass rollt und die inspirierten, geilen Rock-Riffs fügen sich ganz organisch und wie selbstverständlich mit den geilen Growls und Screams zusammen, Tempo-Wechsel kommen wie geschmiert und das Wichtigste: das Ganze ist authentisch wie Sau und macht einfach richtig richtig viel Spass. Und Bands, die einen Song haben, der "Bitch" heisst oder in dessen Titel das Wort Bitch vorkommt, sind eigentlich immer super. Unbedingt reinhören! Anspieltipp: Na, was wohl: "Bitch"!
Lucie W. 

Punkte: 8.5 von 10
SOLSTAFIR - I Blodi Og Anda (Re-Release)
Season of Mist/Irascible
Hier handelt es sich um ein Werk, das schon seit elf Jahren aktuell ist und jetzt durch die Plattenfirma Season of Mist als Re-Release veröffentlicht wird. Als ich ihr Hammeralbum „Köld“ reviewen durfte, wusste ich, dass es sich hier um eine spezielle Band handelt. Vielleicht ist auch ihre Herkunft speziell, nämlich Island, ein Land, von dem wir eigentlich nicht sehr viel wissen, ausser das es speiende Quellen (Geysiere) gibt und das es sich um Nordländer handelt. Man muss sich für ein Solstafir-Album Zeit nehmen, auch hier auf ihrem Debut ist die Musik alles andere als Kommerz. Folk mit Black Metal vermischt, könnte man einem Fremden mit auf den Weg geben, der nach der Richtung der Truppe fragt. Tja Freunde, man kann es nicht bis ins Detail beschreiben, was hier vorgeht, und das ist auch gut so - hier muss man selber herausfinden, ob man ins Universum der Isländer eintauchen möchte.
Daniel J.       

Punkte: keine Wertung
ARTILLERY – Legions
Metal Blade/Sony Music
Normalerweise ist ja der liebe Rockslave dafür bekannt, in der Vergangenheit viele Perlen der harten Musik dank seiner Metallica- und Deep Purple-verblendeten Sichtweise verpasst zu haben. Aber auch ich muss gestehen, dass die dänischen Artillery in meinem Thrash-Schrank lange Zeit nicht vorhanden waren. Erst mit dem letzten Werk „My Blood“ habe ich mich mit dem mitreissenden Sound von Artillery angefreundet. Die Präsentation der Jungs auf dem diesjährigen „Bang Your Head“-Festival war für mich allerdings eine bittere Enttäuschung. So hatte der Fünfer die Aufgabe, diese Scharte wieder auszuwetzen. Und dies gelingt der Truppe recht gut. Schon der Opener „Chill My Bones“ überzeugt mit arabischen Klängen und einer Gitarrenbreitseite, wie man sich dies von den Kopenhagener Jungs wünscht. Ins gleiche Horn bläst „God Feather“ und mit „Legions Of Artillery“ folgt ein weiterer Track, der einlädt, die Rübe im schnellen Takt zu schütteln. Das Album beherbergt durchwegs gelungenes Kraftfutter („Dies Irae“) für alle Power-Metaller und Thrasher. Fans zwischen Overkill und Death Angel können hier bedenkenlos zugreifen. Tja, die alten Haudegen veröffentlichen noch immer die besten Thrash-Scheiben, weil hier nicht nur bedingungslos gebolzt wird, sondern auch mal die Power vor die Geschwindigkeit gestellt wird!
Tinu    

Punkte: 8.5 von 10
EXHALE – When Worlds Collide
Pulverised Records
/Non Stop Music
Die Deathgrinder Exhale kommen aus Schweden und sind schon seit 2004 am lärmen. Mit „When Worlds Collide“ legen sie nach längerer Atempause ihr drittes Full Length-Album vor – immerhin drei Jahre sind seit dem letzten Longplayer „Blind“ vergangen - ein knallhartes Brett, das richtig reinhaut – aber auch ganz schön anstrengend ist! Vorbilder sind Bands wie Nasum oder Brutal Truth oder auch Napalm Death, und das Quintett muss sich in Sachen Songwriting und authentischer Brutalität ganz und gar nicht hinter diesen grossen Namen verstecken. Trotz vielen prügelnder und ballernder Passagen hat man genug Abwechslung ins Album gebracht, indem man dem Death Metal schwedischer Schule viel Platz eingeräumt hat und dem Hörer immer mal wieder Zeit lässt, sich von dem Bombenhagel der schnellen Teile zu erholen. Das Album startet mit eher kurzen, brachialen Stücken, bei denen der Grindcore vorherrscht – die aber auch schon von langsameren Passagen durchbrochen werden - je länger man sich das Album anhört, umso mehr muss man dann unwillkürlich das Haupthaar werfen und bei den groovenden Passagen mitbangen. Das Ganze wird von einem erdigen, old schooligen Sound sehr gut abgerundet. Alles in allem ist diese Scheibe brutal, hart, abwechslungsreich – sogar teilweise fast melodisch-melancholisch, spannend, eigenständig und richtig geil.
Lucie W.   

Punkte: 8.5 von 10
APOCALYPTICA – Wagner Reloaded – Live in Leipzig
BMG Rights
Diesen Sommer fand in Leipzig zum 200. Geburtstag Richard Wagners ein gigantisches Multi-Media-Spektakel statt: Wagner Reloaded. Der bekannte Berliner Choreograph Gregor Seyffert setzte dabei Tanz, Theater, Artistik, audiovisuelle Medien und ein Live-Konzert ein. Für die Musik dazu hatte er Eicca Toppinen, den Bandleader von Apocalyptica, gewinnen können. Dieser nahm Elemente aus Wagners Leben und seine Originalmusik und setzte sie neu zusammen. Toppinen spricht dabei von einem Soundtrack, weil er die Bedürfnisse einer Bühne erfüllen musste und sich das Ganze anfühlte, als ob er Filmmusik schreiben würde. Die finnischen Cello-Metaller waren für die Umsetzung zuständig. Sie wurden vom MDR Sinfonie-Orchester und dem MDR Rundfunkchor unterstützt. Der Mitschnitt des Spektakels ist nun als CD und Vinyl erhältlich. An der Qualität gibt es wie immer nichts zu bemängeln. Die Aufnahmen haben auf jeden Fall ihre Höhepunkte, und wer Apocalyptica und/oder Wagner mag, könnte sich durchaus von dieser Veröffentlichung begeistern lassen. Man sollte aber bedenken, dass die Musik für eine Aufführung komponiert worden ist und dabei schon mal langweiligere Passagen, bei denen das Visuelle im Vordergrund stand, in Kauf genommen werden müssen. Daher verstehe ich auch nicht ganz, warum nicht direkt eine DVD-Veröffentlichung angestrebt worden ist. Wie das Ganze nämlich optisch wirkt, kann man bis Ende Jahr noch auf der Website des MDR sehen. Und diejenigen, die es richtig gepackt hat, die können vielleicht sogar noch Tickets für eine weitere Aufführung ergattern. Diese musste nämlich wegen Vandalismus auf den 7. Juni 2014 verschoben werden.
Mac       

Punkte: keine Wertung
TRUTH CORRODED – The Saviours Slain
AFM Records/Musikvertrieb
Der erste Kontakt mit einem Tonträger findet bei mir meistens über das Artwork statt. Wenn mich dieses nicht anspricht, hat die Musik schon nicht mehr so gute Chancen. Ich hab mir dadurch sicher schon einige Male gute Musik durch die Finger gleiten lassen. Das wäre wohl auch dieses Mal so geschehen. Ich finde nämlich das Cover mit seinen expliziten Darstellungen des Todes und seinen religiösen Anspielungen durchaus problematisch. Aber mir wurde in diesem Fall die Beschäftigung mit Truth Corroded durch die Rezension ja quasi auferlegt. Und was ich höre, gefällt mir. Da donnert Death/Thrash erster Güte aus den Boxen. Der Sound ist fett, ausgewogen und differenziert. Die Musik ist energiegeladen und aggressiv, lässt dennoch die nötige Dosis Melodie nicht vermissen. Insbesondere die feinen Gitarrenleads, die auch mal von Graig Locicero (Forbidden) beigesteuert werden, sind erste Sahne. Dazu hat sich Bret Hoffman (Malevolent Creation) ebenfalls auf der Scheibe verewigt. Die Band hat schon mit Krisiun getourt. Das hört man auch. Gnadenlose, abwechslungsreiche Drums mit generösem Einsatz der Snare, jederzeit die Riffs unterstützend, erinnern zuweilen an die Brasilianer, wenngleich der Sound bei den Australiern organischer rüberkommt. Auch wird auf «The Saviours Slain» öfter mal der Fuss leicht vom Gaspedal angehoben, was das Hören der Platte am Stück merklich erleichtert. Musikalisch eine runde Sache und für Genre-Liebhaber auf jeden Fall eine Hörprobe wert.
Mac   

Punkte: 8.4 von 10
CRYSTAL BALL - Dawnbreaker
Massacre Records/Musikvertrieb
Seit dem zweitletzten Album «Timewalker» von 2005 hat sich einiges verändert bei den Innerschweizer Hardrockern. Eigentlich standen die Zeichen damals auf Sturm, denn einerseits hatte man ein überaus arriviertes Album inklusive Top-Artwork am Start und andererseits einen Deal bei Nuclear Blast. Der erhoffte (Gross-) Erfolg blieb leider aus und dann fiel in der Folge auch das Ur-Lineup aus verschiedenen Gründen auseinander. Bei «Secrets» (2007) schrumpfte die Band offiziell zum Quartett und liess die Bassparts auf dem Album durch Musiker/Producer Dennis Ward einspielen. Doch auch dieser Kahn lief alsbald auf einer mitunter verkaufstechnischen Sandbank auf und so wurde es immer ruhiger um Crystal Ball. Der Ausstieg von Sänger Mark Sweeney war schliesslich der bedauernswerte "Höhepunkt" der Bandgeschichte. 2013 soll die Morgenröte jedoch wieder aufziehen und die verbliebenen zwei Ur-Mitglieder Scott Leach (g) und Marcel Sardella (d) haben mit Steven Mageney einen neuen starken Frontmann an Land gezogen. Ergänzt wird die aktuelle Besetzung durch Markus Flury (g), den man von Charing Cross her kennt und Cris Stone (b). Der musikalische Neustart schreit sich bedeutungsschwanger «Dawnbreaker» und das Ziel ist klar, nämlich verlorenes Terrain wieder gut zu machen sowie den Beweis antreten, dass man es immer noch drauf hat. Dass dem so ist, vermittelt nach dem Intro «Zarathustra» (ja, das bestens bekannte Thema) gleich mal der knackige Opener «Break Of Dawn», der zu Beginn leicht düster mit Vibes von Zakk Wylde los donnert und sich bald zu einer typischen Crystal Ball Nummer aufbaut. Beim mehr im Midtempo gehaltenen «Anyone Can Be The Hero» merkt man zwar schon, dass Mark Sweeney nicht mehr dabei ist, Steven Mageney die Vakanz jedoch mehr als passend ausfüllt und vom Timbre her mindestens teilweise an seinen Vorgänger erinnert. Die Backing-Vocals als gewohntes Markenzeichen von früher sorgen dafür, dass die Musik auch heuer 100 Prozent nach Crystal Ball klingt. «Eternal Flame» als erste Ballade zeigt darauf den stimmlichen Unterschied zu vorher erstmals am deutlichsten. «Walls Fall Down», «Back For Good» und «Powerpack» rocken danach wieder so wie zu den besten Zeiten. Meine Favoriten sind jedoch das sphärische wie schleppende «Sun Came Out» und gleich anschliessend das flottere «Touch The Sky». Neu erfunden haben sich die Innerschweizer freilich nicht, aber die Trademarks von früher sind nach wie vor klar heraus zu hören und es wird sich nun zeigen, ob die Rückkehr nachhaltiger als in der Vergangenheit ausfallen wird.
Rockslave       

Punkte: 8.3 von 10
BENEDICTUM - Obey
Frontiers Records/Musikvertrieb
Was hat mich das Debüt «Uncreation» von 2006 aus den Latschen gehauen! Das ist auch heute noch "fist in your face" Heavy Metal mit einer ziemlich scharfen und stimmgewaltigen Frontfrau. Da verzieh man sogar, dass auf dem Album mit «Heaven & Hell» und «The Mob Rules» gleich zwei Coverversionen von Black Sabbath verbraten wurden. Diese Klassiker wurden jedoch bärenstark interpretiert, was in meinen zu diesem Thema ziemlich heiklen Gehörgängen was heissen will. Nach diesem Einstand war die Szene natürlich gespannt, ob Veronica Freeman und ihre Jungs dieses Level halten können. Die Antwort auf diese Frage lautete nur ein Jahr darauf «Seasons Of Tragedy» und war klar auf Augenhöhe oder sogar noch besser. Unverständlich deshalb der grobe Absturz mit dem dritten Werk «Dominion» von 2011, das lineupbedingt viel zu uninspiriert ausgefallen ist und trotz der nach wie vor tragenden Powerstimme nicht bestehen konnte. Somit steht das vierte Werk «Obey» nun auf dem Prüfstand und trägt die Bürde der Wiedergutmachung. Dass nach dem Intro zunächst Glas durch einen markerschütternden Schrei unserer Gesangsamazone zerspringt, passt natürlich erstmal wie die Faust aufs Auge und lässt mit «Fractured» als Opener gleich die Fenster erzittern. Der nachfolgende Titeltrack markiert derweil ein eher thrashiges Gebaren zu Beginn, ehe das Tempo gedrosselt und wieder angezogen wird. Grundsätzlich geblieben ist der etwas düstere Anstrich des Gitarrensounds von Mastermind Pete Wells, was aber, neben der Kraftstimme von Miss Freeman, ein Markenzeichen von Benedictum ist und an dieser Ecke auch an die Landesgenossen von Cage erinnert. Das Highlight auf «Obey» ist jedoch der Kracher «Scream», der den Vorwärtsdrang des Erstlings aufgreift und gesanglich alles abfordert. Zum Glück haut auch «Evil That We Do» voll in die gleiche Kerbe und spielt alle Vorzüge eines Midtempo-Groovers voll aus. Noch getragener und hymnischer fällt «Crossing Over» aus, womit bewiesen wird, dass sich zu viele schnelle Nummern eher kontraproduktiv auswirken. Interessant auch der balladeske Ausflug bei «Cry», wo sich mitunter Tony Martin (Ex-Black Sabbath) die Ehre gibt. Ganz anders brettert «Apex Nation» daher und lässt die Späne wieder fliegen. Zum Schluss wird mit «Retrograde» nochmals heftig gerifft und unterstreicht die Ambitionen, die sich die Amis (unter anderem verstärkt durch Jag Panzer Drummer Rikard Stjernquist) wieder auf die Fahne geschrieben haben.
Rockslave      

Punkte: 8.3 von 10
FLAT NOISE BAG - Reach Out For Stars
Eigenvertrieb
Wenn man Leukerbad hört, kommt einem sofort die heilenden, warmen Bäder des schönen Walliserkurorts in den Sinn. Beim nächsten Stichwort „Crossover“ denkt man dann eher mehr in die Richtung der USA, wo Rage Against The Machine diesen Begriff bekannt gemacht haben. Flat Noise Bag spielen also Crossover, will heissen Gitarren mit viel Groove, Hüpffaktor eins und natürlich vor allem Liveshows, die es in sich haben. So hat man die Waldbühne am Gurtenfestival im Jahre 2011 in Schutt und Asche gelegt, und am Gampelfestival 2010 hat man den Posern den Krieg erklärt. "Reach Out For Stars" ist herrlich aggredsiv und lädt ein, sich sofort zu bewegen, wenn man die Scheibe im heimischen CD-Player drehen lässt. Fazit des Ganzen: Tolle Scheibe mit vielen rassigen Gitarren und einem satten Groove, der für die Zukunft einiges hoffen lässt. Unbedingt live dabeisein!
Daniel J.       

Punkte: 8.1 von 10
REO SPEEDWAGON - Live At Moondance Jam
Frontiers Records/Musikvertrieb
Die amerikanischen AOR-Veteranen Reo Speedwagon beehren uns hier mit 13 Live-Nummern, aufgenommen im Jahre 2010 in Minnesota USA, und man released alles als CD, DVD und Blue Ray. Natürlich kennnen wir hier in Europa eigentlich nur die beiden Balladen "Keep On Loving You" und "Can't Find This Feeling". Aber die AOR orientierten Amis haben noch einiges mehr auf Lager als die beiden Schmachtfetzen. Zum Beispiel der grandiose Opener "Don't Let Him Go", oder das sehr melodiöse "Take It On The Run". In den USA als Superstars gefeiert, haben es die talentierten Jungs in Europa nie so richtig gschafft, Fuss zu fassen. Musikalisch top rocken sich die Herren souverän durch das Set, nur die Stimme schwächelt hie und da, dafür heben sich oft die klasse Giterrenabeit, vor allem die Soli, positiv hervor. Ich denke, wer auf AOR steht und Reo Speedwagon nicht kennt, sollte sich dieses Live-Dokument ruhig mal anhören, oder noch besser, sich gleich die DVD/Blue Ray zulegen, ich finde, es lohnt sich auf jedenfall.
Crazy Beat     

Punkte: keine Wertung
ROYAL HUNT - A Life To Die For
Frontiers Records/Musikvertrieb
Keine Frage, dass sich die Fangemeinde über die Nachricht gefreut hatte, als bekannt wurde, dass Ur-Sänger D.C. Cooper seit 2011 wieder unter der alten Flagge segelt. Nach dem letztjährigen Jubiläum zu zwei Dekaden Bandgeschichte mit einer fetten Best-Of DCD war es nun an der Zeit, wieder mit neuem Material aufzufahren. Das Baby hört auf den Namen «A Life To Die For» und meine persönlichen Erwartungen hierzu waren schon gross. Besser als auf der Silent Force Scheibe «Walk The Earth» (2007) hatte ich Master Cooper nicht mehr singen gehört, die besten Jahre von Royal Hunt mal ausgeklammert. Die Hürde war somit ziemlich hoch und ich war mir eigentlich schon fast sicher, dass diese grandiose Leistung beim ehemaligen Bandkumpel und Gitarristen Alex Beyroth nicht mehr zu toppen ist! Meine Einschätzung sollte mich nicht täuschen, als die ersten Gesangslinien des fast 10-minütigen Openers «Hell Comes Down From Heaven» erklingen. Getragen von den dominanten Synthie-Sounds von Chef André Andersen wird abermals die bekannte Bombast Metal-Schiene gefahren, mit der die Dänen vor allem in den 90ern (unter anderem auch in Japan) sehr erfolgreich war. Spätestens beim zweiten Song «A Bullet's Tale ist D.C. wieder in seinem Element und unterstreicht damit, wer der passendste Sänger dieser Formation ist. «Running Out Of Tears» könnte allerdings noch knapp als Abba-Song durchgereicht werden, ist als Halbballade dennoch unverkennbar Royal Hunt. Wer sich grundsätzlich mit dem typischen Synthie-Sound anfreunden kann, wird einige Parallelen zu den zahlreichen früheren Meisterwerken vorfinden, die mehr oder weniger wiederbelebt wurden. Das ist zwar nicht wirklich innovativ, aber es ist eigentlich genau das, was der eingefleischte Fan der Nordländer hören will. Die genialen Melodien der älteren Songs bleiben jedoch unantastbar und werden hoffentlich noch zahlreich im Live-Set vorzufinden sein!
Rockslave  

Punkte: 8.0 von 10
CALADMOR – Of Stones And Stars
Eigenvertrieb
Es ist doch immer wieder ein Vergnügen, eine CD-Review für eine Schweizer Band zu schreiben – vor allem, wenn es sich dabei um ein so gutes Album wie “Of Stones And Stars“ handelt und ich auch was Positives dazu schreiben darf! Caladmor, was so viel bedeutet wie “Dunkles Licht“, bieten ein Album, das vor Gegensätzen nur so sprüht - wobei die nicht nur gegeneinander, sondern vor allem auch miteinander spielen! Zum einen ist da mal das Zusammenspiel zwischen männlichen und weiblichen Vocals - Gegensätze ziehen sich bekanntlich ja an, und so passt die eher bodenständige Stimme von Sängerin Babs sehr gut zum Growling von Drummer Maede. Zum anderen bieten Caladmore auf ihrem mittlerweile zweiten Silberling eine ausgeglichene Mischung aus alten folkigen Weisen und modernem Metal mit heavy Riffs und trockenen Drums. Als Schweizer Folk Metal-Band, die sich textlich auch mal an alte Sprachen heranwagt (Mittelhochdeutsch und Altisländisch), bietet sich natürlich der Vergleich mit dem bekanntesten Vertreter dieses Genres an: Eluveitie. Offenbar haben sich Caladmor das auch gedacht und nach Päde Kistler (beim ersten Album “Midwinter“, 2010) Chrigel Glanzmann als Gastmusiker für die typischen Folk-Instrumente mit ins Boot geholt. Mit dabei ist auch Joel Gilardini (The Land Of Snow, Lunatic Fringe und Mulo Muto). Highlights sind dabei der Opener “Curse Of The Gods“ sowie das grossartige "Alvissmal". Mit "Taberna Trollis" haben Caladmor auch ein Trinklied im Stil von Korpiklaani mit im Gepäck. Fazit: Die Schweizer Folk Metal-Landschaft hat definitiv einen neuen Stern am Himmel – denn von Caladmor wird man bestimmt noch einiges hören!
Patricia H.   

Punkte: 8.0 von 10
MOONCRY – A Mirror’s Diary
SAOL
Es ist die dritte Scheibe einer Band, welche über den Aufstieg oder Fall einer Truppe entscheidet – das verflixte dritte Album, sozusagen. Nun, um überhaupt so weit zu kommen, braucht es schon einiges, sowohl an Durchhaltewillen wie auch Können. Beides kann man wohl Mooncry nicht absprechen, denn ersteres haben sie sicherlich, und zweites kann ich persönlich nun bestätigen. „A Mirror’s Diary“ ist ein symphonischer Metal-Brocken mit Dark Metal-Einschlag und einigem an Variabilität – man nehme nur mal den Track „Scylla“, welcher mit orientalischem Touch daherkommt, oder die rein akustische Nummer „The Beast Within“. Sehr schön! Allerdings repräsentiert dieser Track genau, wieso mich diese Scheibe nur bedingt fesselt: Der Sänger Sali hat eine sehr gute Rock-Stimme, und ich fände sie wunderbar passend zu dreckigem Rock-Sound – hier bei Mooncry wirkt sie allerdings immer mal wieder bemüht. Nicht schlecht, beileibe nicht, aber mir persönlich passt sie nicht ganz in das musikalische Konzept. Doch dies soll jeder selber entscheiden, Fakt ist, dass die Deutschen sehr, sehr schöne, kraftvolle und auch abwechslungsreiche Mucke kreieren. Wer auf dunkle, symphonische Metal-Musik abseits des Mainstreams steht, der ist mit Mooncry sehr gut bedient.
Toby S.   

Punkte: 8.0 von 10
RUSTFIELD - Kingdom Of Rust
Massacre Records/Musikvertrieb
Dies ist das Debut Album des Prog Metal-Quintetts aus Italien. Und die machen es dem Zuhörer nicht gerade einfach. Musikalisch toben sich die Südländer in viele Richtungen aus. Ist der Opener ein waschechter Prog-Song mit treibenden Gitarren und abwechselndem, sehr gutem Gesang, Gitarrensoli auf hohem Niveau und anspruchsvollen Drums, so driftet zum Beispiel das ruhige, atmosphärische "Loosing Time" fast ins Jolly-Fahrwasser. Oder das ruhige, mit akustischer Gitarre beginnende "Love Moan" klingt traurig und sehr melancholisch. Dem entgegen steht das düstere, teilweise schwere "Burning The Air" und zeigt die gesangliche Vielseitigkeit des Shouters Andrea Rampa. Beim flotten "Waxhopes" tobt sich dann noch Gastsängerin Frederica De Boni von White Skull zusammen mit Andrea aus, toller Song. Das fast poppige, sehr ruhige "The Secret Garden" zeigt, dass die Italos wirklich in vielen Fahrwassern schippern. "Run With Me" ist dann ein klasse Rock-Song. Und "Out Of The Blue" dann ein waschechter, interessanter Prog Rock-Track, der von den Synthies/Gitarrensoli lebt, ein klasse Instrumental. In die selbe Kerbe schlägt das 11 minütige "High Warers", das zu Beginn etwas an RPWL erinnert und in der Zweiten Hälfte dann ordentlich an Tempo zulegt. Ganz zum Schluss meldet sich dann noch kurz die Katze Melissa zu Wort, ein witziges Outro, finde ich, das ein spannendes, nicht ganz alltägliches Prog-Album beendet.
Crazy Beat   

Punkte: 8.0 von 10
FINAL DEPRAVITY - Thrash Is Just The Beginning
Nihilistic Empire Records
Wie was wo? Thrash soll nur der Anfang sein? Ja was soll denn da noch Besseres kommen? Vielleicht das zweite Album von Final Depravity? Zumindest eines ist klar: Das, was nach dem Thrash kommen soll, ist (noch) nicht auf dieser Scheibe. Da ist nämlich ziemlich eindeutig Thrash drauf, vornehmlich im Stile von Kreator und Sodom, wenn auch mit eigener Note und Elementen aus modernem, groovigem Death Metal und sogar einigen melodischen Parts. Der Einfluss der genannten deutschen Thrash-Grössen kommt nicht von Ungefähr, die Truppe stammt nämlich auch aus dem Ruhrgebiet, und ihr Schlagzeuger ist Jerome Reil, Sohn des Kreator-Drummers Jürgen „Ventor“ Reil. Das junge Quartett ist aber trotzdem weit entfernt davon, ein blosser Abklatsch der grossen Teutonen-Thrasher zu sein, durch die oben schon genannten Stileinflüsse gelingt es, eine eigene Handschrift in ihrer Musik erkennen zu lassen. Auf dem Erstling 2010 war man noch viel weniger variabel, die Truppe hat in Sachen Songwriting, aber auch spielerisch einen riesen Schritt nach vorne gemacht. Die Songs haben sowohl Groove als auch Härte und Tempo, die Riffs sitzen und machen Laune, die Stimme von Frontmann Dennis „Blaze“ Baron klingt schön angepisst - auch wenn hier in Sachen Rhythmik und Variabilität noch Luft nach oben ist. Alles in allem eine echt geile Thrash-Scheibe, der man anmerkt, dass noch junge Musiker am Werk sind, die aber definitiv das Potenzial haben, sich mit ihren nächsten Scheiben in den Thrash-Olymp hoch zu arbeiten.
Lucie W.   

Punkte: 8.0 von 10
ALCATRAZZ – No Parole From Rock'n'Roll, Live Sentence,
Disturbing The Peace, Dangerous Games (Re-Release)
Metal Mind Records
Alcatrazz ist die Band des ehemaligen Rainbow-Sängers Graham Bonnet, der auch sein Glück bei der Michael Schenker Group versuchte. Zusammen mit dem damals blutjungen Yngwie Malmsteen gründete Graham Alcatrazz und konnte schnell ein grosses Ansehen verbuchen. „No Parole From Rock'n'Roll“ war das Debütalbum, und mit dem Jahrhundert-Track „Hiroshima Mon Amour“ war das Album sofort in aller Munde. Einerseits wegen der stimmlichen Qualitäten von Graham und andererseits wegen dem handwerklichen Geschick von Yngwie. Als Bonustracks glänzen die Rainbow-Nummer „Since You’ve Been Gone“ und der MSG-Klassiker „Desert Song“ sowie „Guitar Crash“. Alle Nummern stammen aus einer Live-Show aus Tokyo, der damaligen Hochburg von Alcatrazz. Der Höhenflug wurde sofort live auf Tonträger geparkt. So erschien 1984 das Live-Album „Live Sentence“. Eine Scheibe, die zu oft in Vergessenheit geraten ist und sich nicht hinter anderen Live-Klassiker-Scheiben zu verstecken braucht. Mit drei Live-Bonustracks wird dieses Album perfekt abgerundet. Nachdem sich Malmsteen und Bonnet zerstritten hatten, war guter Rat teuer. Wer sollte den Flitzefinger ersetzen? Steve Vai, wer denn sonst?! Ein weiterer Saitenakrobat stellte sich neben Graham, und so wurde „Disturbing The Peace“ eingespielt. Mit „God Blessed Video“ hatte die Truppe nicht nur einen weiteren Hit im Ärmel, auch mit den dazugehörenden Video sorgte die Truppe für Furore. Mit drei Livetracks wird dieser Re-Release aufgewertet und zeigt, dass Alcatrazz zu den wegweisendsten und wichtigsten Hard Rock-Truppen gehören. Zu guter Letzt folgt noch „Dangerous Game“. Auch hier wurde ein neuer Gitarrist vorgestellt, der allerdings seinen beiden Vorgängern das Wasser nicht reichen konnte. Danny Johnson gab sein Bestes, aber es reichte nicht, und so entpuppt sich dieses Werk, als das wohl „schlechteste“ in der Historie von Alcatrazz. Zu gross waren die Fussstapfen, welche die beiden Vorgängerscheiben hinterliessen, und da einen würdigen Nachfolger hinterherzuschieben blieb unerreichbar. Drei Livetracks beenden diese Scheibe. Trotzdem, alle vier Re-Releases zeigen, welch tolle Band Alcatrazz waren, und es bleibt die Frage offen, wieso sich die Truppe nicht länger halten konnte.
Tinu      

Punkte: keine Wertung
BOSTON - Life, Love And Hope
Frontiers Records/Musikvertrieb
Ich weiss noch, als ich zum ersten Mal "More Than A Feeling" von Boston im Radio hörte. Das hat mich voll umgehauen, so was hatte ich bis anhin nie gehört, so eine geile Stimme wie die von Brad Delp und die klasse Gitarrenarbeit und die wunderschönen Gitarrensoli von Tom Scholz. Das Debut gehört heute noch zu den Rock-Klassikern. Und auch wenn die Jungs danach mit ihren Folgealben nie mehr an das Debut herankamen, fand ich Boston immer eine tolle Band. Nach dem Selbstmord von Sänger Brad Delp 2007 und dem eher langweiligen Album "Corporate America" hatte ich Boston eigentlich schon fast vergessen. Nun kommen die Herren um Tom Scholz nach über 10 Jahren Pause mit "Life, Love And Hope" nochmals zurück. Bei den Songs "Didn't Mean To Fall In Love", "Sail Away" und "Someone" ist noch die Stimme von Brad Delp zu hören. Ansonsten wird der Rest der Songs von Tommy De Carlo, David Victor, Kimberley Dahme und Tom Scholz besungen. Gerade "Sail Away" und "Someday" zeigen, was für ein grossartiger Sänger Brad war und mit wie viel Gefühl er singen konnte. Natürlich darf auf dem neuen Rundling auch der obligate Instrumental-Track nicht fehlen, hier in Form von "Last Day Of School" - kommt natürlich nie an "Foreplay" ran. Gegenüber dem Debut hat man natürlich schon lange etwas den Fuss vom Gaspedal genommen, und so reiht sich das neue Album nahtlos an "Third Stage" und "Walk On" an. Mir gefällt abgesehen von den Brad gesungenen Songs der Opener "Heaven On Earth", der recht rockig zur Sache geht und der Titeltrack. Schlecht ist natürlich kein Song, nur hätte ich mir gewünscht, dass Tom seine Gitarre etwas mehr rocken lässt. Aber seine Twin-Soli sind nach wie vor grandios und ich glaube, dass der Boston-Fan mit "Life, Love And Hope" gut leben kann. Ich jedenfalls mag das neue Material und bin froh, dass sich Tom Scholz dazu entschlossen hat, das Boston-Raumschiff nochmals fliegen zu lassen.
Crazy Beat     

Punkte: 8.0 von 10
THE TEMPERANCE MOVEMENT - The Temperance Movement
Earache Records/Non Stop Music
Yeah, Its Rock`n`Roll Time, Baby! Die Briten hauen uns hier ihr Debut-Album um die Ohren. Eine saugeile Mischung aus alten AC/DC, Lynyrd Skynyrd, etwas älteren Rod Stewart, also ein Gemisch aus Rock, Hard und Blues Rock. Mal etwas ruhiger, mal etwas rockiger. 12 tolle Songs, die allesamt den Spirit des guten alten Rock`n`Roll in sich haben. Dabei macht der in Glasgow geborene Sänger Phil Campbell mit seiner vielseitigen Stimme eine klasse Figur. Ob bei "Be Lucky", das klingt wie eine alte Georgia Satellite-Nummer, oder das Country-angehauchte "Chinese Laterns", das mich etwas an Live erinnert. "Know For Sure" könnte auch auf einem Bonamassa-Werk stehen. "Morning Riders" startet mit einem mega coolen Gitarrenriff, wirklich stark. Sogar bei der ruhigen Nummer "Lovers And Fighters" machen die Briten eine gute Figur. Wer also auf Southern Blues/Hard Rock mit einer guten Stimme abfährt, sollte sich das Debut der Briten unbedingt mal anhören, macht wirklich Spass, mehr gibt's hier eigentlich nicht zu sagen.
Crazy Beat     

Punkte: 8.0 von 10
OBLITERATION - Black Death Horizon
Indie Recordings/Irascible
Wenn die Norweger von Obliteration eines nicht sind, dann ist das modern. Und das ist gut so, denn modern und innovativ und originell sind genug andere. "Black Death Horizon" ist hingegen eine alte, verrostete, sehr sehr schwere Streitaxt, an der noch das Blut vergangener Schlachten klebt. Aber nicht, dass ihr jetzt denkt, hier gehts um die Glorifizierung von Heldentaten im powermetallischen Sinne - davon sind Obliteration genauso weit entfernt wie von Linkin Parks neuer Scheibe. Dieses Album gehört in die 80er, als Death Metal noch gar nicht wirklich geboren war und man einfach nur böse, dunkle, schockierende Musik machte. Old schooliger kann Death Metal nicht sein, der Sound ist doomig und schleppend, dann wieder in Black Metal-Manier treibend, und immer extrem düster und böse. Entsprechend ist auch die Produktion wie aus den 80ern, ruppig und rau, roh und punkig. Nicht umsonst kommen Obliteration aus derselben Stadt wie Darkthrone, Kolbotn,ihr Sound und die Grundstimmung erinnern sehr an Fenriz & Co. Nur sieben Songs füllen dieses Album, und nein, Ohrwürmer sind keine dabei. Aber diese Scheibe geht dafür richtig unter die Haut. Wer’s rau und räudig mag und seinen Death Metal gern mit etwas Black und Thrash garniert und dabei von den 80ern träumt: Kaufen!
Lucie W.    

Punkte: 8.0 von 10
ELEVATORS TO THE GRATEFUL SKY – Cloud Eye
Transubstans Records
Aus der staubtrockenen Wüste Kaliforniens stammt das Subgenre Stoner Rock und klingt mit seinen erdigen Gitarren und grollenden Riffs auch danach. So macht es nur Sinn, dass „Cloud Eye“, das Debut von Elevators To Grateful Sky, aus ebenjenen Steinen gemeisselt ist. Doch stammt das Quartett nicht aus dem „Sunshine State“, sondern aus Sizilien. Ähnliche Wetterbedingungen, etwas andere Mentalität. Der Opener „Ridernaut“, das schleppende „Sonic Boom“, „Handful Of Sand“ oder „The Moon Digger“ knüpfen zwar an Bands wie Kyuss oder Dozer an, doch mit einem angenehm entspannten Vibe, sodass auch Retro- und Heavy Rock-Freunde ihren Gefallen daran haben könnten. Zwar können nicht alle Nummern so überzeugen wie der mit Queens Of The Stone Age-Rotz vorgetragene Smasher „Sirocco“ oder der behäbig bluesende Schlussknaller „Stonewall“, doch ist „Cloud Eye“ unterm Strich eine gute Rockscheibe, die Lust auf mehr macht und somit genau das, was ein Debut sein sollte. Ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen könnte. Dass Elevators To Grateful Sky jedenfalls noch viele, auch abgedrehte Ideen haben, lässt der umwerfende Solo-Part in „Red Mud“ (inkl. bombastischen Bläsern) oder der Titeltrack mit seinem völlig unerwarteten Off-Beat-Einschub erahnen. Forza Azzuri!
Kissi  

Punkte: 7.9 von 10
IMPERIAL STATE ELECTRIC – Reptile Brain Music
Psychout Records
Der Schwede Nicke Andersson gehört zweifellos zur Gattung kompromissloser Rock'n'Roller. Mit den legendären Hellacopters gehörte er zur Speerspitze der skaninavischen Rotz Rock-Szene, die schon längst aus dem internationalen Musikbusiness nicht mehr wegzudenken ist. Mit seinem, zum Hauptbetätigungsfeld avancierten Sideproject, Imperial State Electric, präsentiert uns der bekennende Kiss-Fan nach dem selbst betitelten Debut (2010), der Cover-EP "In Concert" (2011) und "Pop War" (2012) das vierte Lebenszeichen der Truppe. "Reptile Brain Music" setzt den von Nicke mit dieser Band eingeschlagenen Weg kompromisslos fort. Das bedeutet, wer mit den ersten Outputs etwas anzufangen wusste, kann die neue Scheibe ohne zu zögern ordern. Der Gitarrist, Sänger und Boss von ISE kombiniert schnörkellosen, geradlinigen Rock'n'Roll mit aktuellem Siebziger-Retro-Flair und einer grossen Portion Pop-Appeal. Er schreckt aber auch nicht von Blues- und Südstaaten-Adaptionen zurück, die dem Sound zusätzliche Würze verleihen. Mehr als einmal lassen sich aber auch Parallelen zu den frühen Kiss erkennen. Trotzdem ist die Scheibe ein bisschen farblos und eintönig ausgefallen. Es fehlen die nennenswerten Hooks. Die Halbwertszeit bzw. der Erinnerungsfaktor ist niedrig. Die Jungs überzeugen dafür mit viel Biss, Authentizität und Charme. So besitzen Imperial State Electric jede Menge Groove und Feeling. Dieses Album glänzt also nicht unbedingt mit Stärke, dafür umso mehr mit Coolness.
Chris C.   

Punkte:
7.7 von 10
CHINA - We Are The Stars
Blue Martin/K-Tel
Drei Jahre nach dem ganz guten Comeback-Album «A Light In The Sky» sind die Schweizer Rocker China wieder mit einem neuen Langeisen am Start. Der Titel «We Are The Stars» weckt dabei allerdings gleich entsprechende Erwartungen, die es zu erfüllen gilt. Der Opener «Crazy Like You» lässt schon mal aufhorchen und rockt mit toller Melodieführung und einem ansteckenden Refrain. Sowas würde auch Krokus gut zu Gesicht stehen. Der zweite Song könnte glatt von Bryan Adams stammen, während «Everywhere You Are» als stimmige Halbballade höchstens einen Tick zu früh kommt. Doch die folgt eigentlich erst jetzt, respektive «Uninvited» ist auch eine töfte Halbballade und was für eine! Hier klingen die Schweizer wie eine big selling band der Marke Nickelback, wobei mich der Beginn schwer an einen anderen Song erinnert, den ich bislang noch nicht raus zu finden vermochte. Wer nun denkt, dass es jetzt eigentlich wieder rocken sollte, bekommt mit «Circles In The Sky» abermals einen wunderbaren (Pop-) song mit leichtem Beatles-Flair vorgesetzt, der echt überrascht, weil er saugut ist, aber für China eher zu seicht ausgefallen ist. Mehr Gitarren erklingen indes bei «Kisses On Fire», wo man als Unkundiger nie darauf kommen würde, dass es sich hier um eine Schweizer Band handelt. Marc Storace (Krokus) hat hierzu unverkennbar auch noch ein paar Backing Vocals beigesteuert. Was ebenso auffällt, ist, dass die Songs ziemlich straff gehalten wurden und meist um die drei Minuten und ein paar Zerquetschte dauern. Der Härtegrad zum Vorgänger hin ist sichtlich reduziert, doch die Qualität der zehn Songs stimmt dennoch, obwohl diese zusammen keine 33 Minuten Musik abspielen lassen. Der an sich massentaugliche und total auf Airplay gestrimmte Sound kam in den heimischen Charts allerdings nicht über den 31. Rang hinaus. Wer diesen Umstand als hauptsächliches Qualitätsmerkmal wertet und deshalb zögert, wird auf jeden Fall eine tolle Scheibe verpassen, die vor allem bekennende AOR-Fans bestimmt ansprechen wird.
Rockslave   

Punkte:
7.7 von 10
SPLIT HEAVEN – The Devil’s Bandit
Pure Legend Records/Non Stop Music
Der einsame Revolverheld, der durch die brennende Stadt schlendert und das Cover von «The Devil’s Bandit» ziert, erweckt einen falschen Eindruck. Hierbei handelt es sich keineswegs um Morricone-Metal, nein, die Mexikaner Split Heaven sind lupenreine Heavy-/Speed-Metaller, und sie liefern mit ihrem dritten Album frisches Futter für Traditionalisten. Dabei klingen US-Bands wie Jag Panzer ebenso an wie einschlägige Bands diesseits des Atlantiks. Die Platte ist knackig und direkt produziert. Der neue Sänger Gian Carlo Farjat stellt sein fraglos vorhandenes Talent unter Beweis. Einzig an einigen Stellen, vornehmlich in Refrains, ist der Gesang leicht in Schieflage. Von Unsauberkeiten lässt sich auch im Instrumentalbereich berichten. Die Gitarren liegen streckenweise recht weit neben den Drums, sodass ab und zu der Druck etwas verloren geht. Dies zeigt aber auch, dass hier nicht übermässig nachbearbeitet wurde und trägt so wiederum zum Charme dieser Old School-Scheibe bei. Sehr schön in Szene gesetzt finde ich die Solo-Passagen, bei denen sich die Gitarristen Pedro Zelbohr und Armand Ramos die Bälle zuspielen. Traditionsbewusste Kuttenträger könnten Gefallen an «The Devil’s Bandit» finden.
Mac  

Punkte: 7.6 von 10
FINNR'S CANE – A Portrait Painted By The Sun
Prophecy Productions
/Non Stop Music
So puderzuckersüss der Titel auch klingen mag, so schlimm ist der Sound nicht. Wer das Debüt der Amerikaner kennt, kann sich schon vorstellen, wie die aktuelle Silberscheibe klingt. So macht gleich ‚This Old Oak‘ zu Beginn klar, dass nach wie vor schleppende, mit viel Reverb angereicherte Gitarrenwände den Sound dominieren und diese mehr an Herbst und Winter erinnern denn an eitel Sonnenschein. Die Lieder wirken wie Landschaftsbilder aus vergangenen Tagen, an allen haftet ein Hauch von Melancholie an. Dabei klingen sie nicht ganz so verträumt wie Alcest, dafür Naturverbundener, in Richtung Agalloch ausschwenkend. Als absoluten Anspieltipp empfehle ich ‚A Promise In Bare Branches‘, welcher auch mit den Screams und den schnellen Riffs zu überzeugen weiss. Nebelschwaden, fallendes Laub und ein paar schwache Sonnenstrahlen. In ‚A Portrait Painted By The Sun‘ kann man sich auch nach mehrmaligem Hören noch verlieren.
Tristan   

Punkte:
7.5 von 10
EMBER SEA – Nova
7hard
Die Gothic Metal-Kombo aus Hannover präsentiert mit “Nova“ ihr Debütalbum. Insgesamt ist es eine ziemlich runde Sache geworden – sowohl Songwriting als auch Gesang sind ganz annehmbar, und auch die Aufnahmen sind gut gelungen. Doch so richtig umwerfend ist der erste Silberling noch nicht. Die 2009 gegründete Band steht noch ziemlich am Anfang, und das hört man auch. Die Tracks sind allerdings erstaunlich abwechslungsreich gelungen und man hört deutlich die verschiedenen Einflüsse gewisser Genregrössen heraus. Ember Sea selbst vergleichen ihre Musik mit Evanescence, Nightwish, HIM, Rammstein und Lacuna Coil – dabei haben sie allerdings eindeutig zu hoch gepokert, denn auch wenn hin und wieder der Einfluss von Nightwish oder auch Lacuna Coil durchdrückt, sind Ember Sea doch nur kleine Fische im grossen Meer des Female Fronted Metal. Und woher der Vergleich mit Rammstein rührt, ist mir persönlich schleierhaft, denn Ember Sea haben so dermassen rein gar nichts mit ihnen gemein! Allerdings finden sich auf dem Album ein paar echte Perlen, die vor allem dank der eingängigen Refrains punkten: Der Opener “Coffin Heart“ ist zum Beispiel sehr gut gelungen, und der Track “Black Birds“ kommt dem Vorbild Nightwish schon recht nah. Sehr gut gelungen ist “Sable Maze“ – vor allem, da hier die Lyrics nicht so holprig sind wie an manch anderer Stelle. Auch der einzige deutsche Song “Dreh Dich“ kommt sehr gut rüber, erinnert stellenweise sogar an Die Letzte Instanz. Die Länge der Songs ist mit um die vier Minuten auch sehr angenehm zu hören. Fazit: Ein gut gelungenes Debüt, das zwar nicht gerade umwerfend, dafür aber vielversprechend ist!
Patricia H.
    
Punkte:
7.5 von 10
EMBERCROW – Blacklight Wanderers
InnerSun Records
Die Hamburger Kombo Embercrow wandelt nun schon seit neun Jahren auf den Pfaden des Dark Rock, allerdings in oft wechselnder Besetzung. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die erste EP erst 2009 auf den Markt kam. Mit "Blacklight Wanderers" bringen die Deutschen erstmals ein Full Length Album heraus – und was für eins! Der Begriff “Dark Rock“ wird diesem Epos nun wirklich nicht gerecht, denn mit klassischem Schubladendenken kommt man hier nicht weiter. Neben klassischem Dark Rock finden sich nämlich auch Elemente aus dem Heavy Metal, Doom oder sogar Progressive Metal. Embercrow präsentieren hier eine Mischung, bei der mir spontan die Schlagworte “Melancholie“ und “heavy“ einfallen – wunderbar düstere und melancholische Klangwelten, die von schweren Gitarrenwänden und Drums untermalt werden, gespickt mit ein paar melodiegebenden Synthie-Sprenklern, die dem düsteren Gemisch etwas Leben einhauchen. Doch hier wird nicht einfach eine depressive Stimmung kreiert, hier wird gekonnt mit Emotionen jongliert, und immer wieder fällt ein Schimmer von Hoffnung in die Tiefen der heraufbeschworenen Melancholie-Landschaft - die Vertonung des Spiels zwischen Licht und Schatten! Textlich geht es um den Kreis aus Leben und Tod und die Rolle des Menschen darin – passend zur tiefgründigen Instrumentierung. Vor allem der Track “In the End“ geht dem Tod nicht nur textlich auf den Grund – die Melodie scheint inspiriert vom “Trauermarsch“ von Chopin. Mit dem nachfolgenden Track “Isle Of Origins“ folgt auch gleich das nächste Highlight. Auch wenn es ein Klischee sein mag: Embercrow haben mit “Blacklight Wanderers“ den perfekten Soundtrack zur düsteren Jahreszeit geliefert - unbedingte Kaufempfehlung für alle, die sich auf die Melancholie des Winters einstellen wollen!
Patricia H.
    
Punkte:
7.5 von 10
GLITTERTIND – Djevelsfart
Indie Recordings/Irascible
‘Inngang / Djevelsvart (Track 1 and 2)‘ - der eigentliche Track ist so spannend wie der Titel selbst. Er offenbart eine riesige Bandbreite von Einflüssen. Akustic-Folk mit authentischen Instrumenten, cleaner Gesang, Schreigesang und Gitarren die stellenweise Sounds von elektronischer Musik annehmen, verstärkt durch entsprechende Klänge des Keyboards. Wo die Reise hinführt ist nach diesem ersten Song noch komplett offen. Glittertind scheren sich nicht um Konventionen und probieren einfach mal aus, worauf sie Lust haben. Dies kombiniert sich gut mit dem aufklärerischen Gedankengut, welches sie in ihren Songs verarbeiten. Im weiteren Verlauf des Albums gehen vor allem die Gitarren sehr experimentell zu Werke. Über allem steht aber stets die angenehme Stimme von Torbjųrn Sandvik. ‚Sprekk for sol‘ wirkt zunächst einfach mal wirr, mit der Zeit offenbart sich eine punkige Attitüde und zum Schluss scheinen dann jegliche Strukturen aufgelöst. Dieser Song ist einem beim Attentat auf der norwegischen Insel Utųya verstorbenen Fan der Band gewidmet und richtet sich gegen Rechtsextremismus und Hassideologien. Komplett gegensätzlich klingt das emotionale ‚Kvilelaus‘. Torbjųrn verarbeitet auf dem aktuellen Album unter anderem auch die traumatische Zeit, in der er seine schwer krebskranke Freundin begleite. Trauer und Hoffnung liegen nahe beieinander und kommen auch in diesem Song zum Ausdruck. Dass Filmmusik für Glittertind eine zentrale Rolle spielt, zeigt sich an den vielseitigen Keyboard-Arrangements - klassische Pianoparts mit eingeschlossen. Dem Klavier werden schliesslich auch die letzten fast vier Minuten überlassen. Manch einer wird nach dem ersten Hördurchgang überfordert sein, auf „Dievelsfart“ gibt es jedoch viel zu entdecken. Wer vor Experimenten nicht zurückschreckt, sollte Glittertind unbedingt einmal antesten.
Patricia L.
   
Punkte:
7.5 von 10
OBSIDIAN CHAMBER – Der Urwerkmann
Terrasound Records
Das nenne ich mal eine Überraschung! Auf das warme, kratzende, ab Platte gespielte Intro (Könnte auch von The Vision Bleak sein) im Walzerrhythmus folgen stimmungsvolle, melodische Riffs und eine Stimme, welche auch von Till Lindemann sein könnte. Das klingt jetzt unpassender, als es sich in Wahrheit anhört. Tatsächlich schaffen die Wiener eine krude Mischung aus Horror, NDH und melodischem Black Metal, wie man sie selten hört. ‚Dienerin‘ beginnt beispielsweise mit typischem Black Metal Riffing, bis das Keyboard den tragenden Part übernimmt und die Texte ihre Wirkung entfalten. ‚Hunger‘ hingegen beginnt mit Blastbeats und eher chaotischer Begleitung und hält dieses Tempo den ganzen Song hindurch. Somit erinnert der Abwechslungsreichtum beinahe an Haggard, obschon die Stimmung eher in Richtung finstere Diablo Swing Orchstra tendiert. Aber ganz ehrlich, diese Vergleiche passen auch nur in einstelligen Prozenträngen, die Musik klingt hauptsächlich wie kaum etwas anderes. So machen die Songs auch bei mehrmaligem Hören sehr viel Spass, da doch immer wieder etwas zu entdecken ist. Der Gesang ist auf Dauer dann aber leider ein wenig flach. Entschädigt wird man aber mit Ideen wie ‚Der Erlkönig‘, welches meiner Meinung nach die Stimmung des Gedichtes gut unterstützt. Wer auch mal über den Tellerrand schauen kann, sollte sich Obsidian Chamber zur Gemüte führen.
Tristan    

Punkte:
7.5 von 10
MASTIC SCUM - Ctrl
Massacre Records/Musikvertrieb
Die Österreicher Mastic Scum gehören sicher zu den dienstältesten Formationen ihrer Heimat, seit 1992 sind sie schon im Metal-Zirkus mit dabei. Zu Beginn frönte man eher dem Grindcore, ist nun aber definitiv beim Death Metal angelangt. Mit „CTRL“ präsentieren uns die Ösis eine Death-Platte, deren Produktion und Sound druckvoller kaum sein könnten - beim Schlagzeug ist man allerdings hart an der Grenze zur Überproduktion, und auch bei der Stimme hätte man etwas weniger nachhelfen können. Aber reinhauen tut’s, und Liebhaber modernerer Produktionen finden das hier sicherlich beispielhaft. Gezockt wird zum allergrössten Teil straighter Death Metal ohne Schnörkel, jedoch mit einigen Samples und Effekten, die dem Sound wohl Tiefe geben sollen - ich finde, sie machen die Songs streckenweise etwas überladen. Ansonsten stehen der Groove und die Schwere im Vordergrund, wenn es natürlich auch schnellere Blast-Passagen gibt und selten sogar thrashiges. Alles sehr solide und sehr aggressiv, spielerisch wie auch songwriterisch ist man hier sicherlich nicht mehr in der Anfänger-Liga. Für die Rockstar-Liga braucht es noch ein bisschen mehr Originalität und Eigenständigkeit, und über die Länge des Albums hinweg fehlt einfach ein wenig die Spannung. Trotzdem ist das hier sicherlich ein guter Wurf, und man darf gespannt sein, ob Mastic Scum beim nächsten Album den Sprung noch schaffen.
Lucie W.    

Punkte:
7.5 von 10
EMERGENCY GATE – Remembrance (The Early Days) (EP)
Sonic Revolution
Das Recyclen bei den Deutschen Death-Metallern Emergency Gate geht in die zweite Runde, denn diese EP kam bereits in ähnlicher Form vor exakt zwei Jahren auf den Markt. Wir erinnern uns: Damals veröffentlichten Emergency Gate eine LP, welche altes, damals noch nicht veröffentlichtes Material beinhaltete. Diese Lieder wiederspiegelten eine Band zwischen ihrem früheren Power-Heavy Metal und dem aktuell begangenen Melodic/Death Metal-Pfad. Die ersten sechs Lieder sind auf Version 1 mit der aktuellen EP identisch. Neu dazu kommen die zwei Live-Versionen von „Dark Side Of The Sun“ und „Gold & Glass“, welche ein schönes Live-Gefühl in die heimischen Stuben transferieren. Eigentlicher Grund für die Neuauflage dieser EP dürfte allerdings der dritte „neue“ Song sein. Durch einen Zufall sind Emergency Gate Haddaway begegnet, welcher in den 90er Jahren mit seinem Eurodance-Hit „What Is Love“ für Furore sorgte. Genau dieses Lied haben nun Emergency Gate in einen Melodic/Death Metal-Song verwandelt und zusammen mit Haddaway neu aufgenommen. Dabei duelliert sich die Ex-Pop-Ikone mit Emergency Gate-Sänger Matthias Kupka. Das Ergebnis klingt beim ersten Hören zuerst einmal gewöhnungsbedürftig. Nach mehreren Durchgängen erschliesst sich allerdings ein ganz eigener Vibe, welcher durchaus Sinn macht und cool wirkt. Ob diese drei Songs allerdings Reiz genug sind, um diese EP erneut zu erwerben, bleibt fraglich. Fans, welchen diese EP aber bisher fehlte, bekommen damit einen Grund, das Versäumte nachzuholen. Insgesamt bleibt diese Neuauflage aber eine zweischneidige Sache, welche durch ein komplettes Live-Album (mit Bonus-Song) wohl in ein deutlich positiveres Licht hätte gerückt werden können.
Roger W.   

Punkte: keine Wertung
IMPLOSION CIRCLE - The Angry and Enraged (EP)
Eigenvertrieb
Die vier Luzerner von Implosion Circle veröffentlichen nach ihrem 2009er-Debut "Man Of Contradiction" eine fünf-Track EP, die auf den treffenden Namen "The Angry and Enraged" hört. Implosion Circle spielen klassischen melodiösen Thrash, der sich praktisch nur im Mid Tempo-Bereich bewegt dabei aber nicht mit Aggressivität geizt. Die Innerschweizer tischen eine Hammerproduktion auf, welches man gleich beim cleanen Intro zu bemerken kommt. Auch wenn sich Implosion Circle eher den softeren Gefilden gewidmet haben, fügen sich die aggressiveren Parts nahtlos ins Gesamte ein. Mit dem Song "Clockwork" liefern sie sogar einen Song ab, der nicht mehr so schnell zu vergessen ist, und sich als kleiner Hit erweisen könnte.
Steve Butcher   

Punkte: keine Wertung
STRAINED NERVE - Tonight You`re Gonna Be Taken (EP)
Eigenvertrieb
Die Aarauer von Strained Nerve geben nach diversen Support-Konzerten von u.a The Haunted, Cataract, Vale Tudo oder The Sorrow nun mit "Tonight You`re Gonna Be Taken" auch ein tonträgerisches Lebenszeichen von sich. Die EP, welche mit drei Songs ausgestattet ist, bietet einen guten Überblick über das musikalische Schaffen der noch jungen Band. Strained Nerve spielen einen kompromisslosen Mix aus Melodic/Death und Modern/Thrash. Die drei Titel sind durchaus fett produziert, und unterstützt wird die Melodiefraktion von einem ultra tighten Drumming, welches besonders hervorzuheben ist. Man darf sicherlich gespannt sein auf das zukünftige erste reguläre Album der fünf Schweizer.
Steve Butcher   

Punkte: keine Wertung
OUTRAGE - Brutal Human Bastard
Massacre Records/Musikvertrieb
Unsere Nachbarn aus Östereich haben schon bewiesen, dass sie auf dem Brutalo-Sektor, will heissen Death Metal-Gebiet, schon ein paar recht gute Bands am Start haben. Outrage sind vor allem im groovige Bereich zuhause, und das machen sie nicht mal so schlecht. Die Stimme von Markus Urstöger ist richtig schön evil, und die Instrumentalfraktion webt einen dicken, vollen Grooveteppich, der von der Old School-Richtung zwar ein wenig verstaubt ist, aber trotzdem richtig fett rockt. Fans von derben klängen sollten hier mal ein Ohr voll nehmen und sich selber ein Urteil machen, schaden kann es ja nicht!
Daniel J.
  
Punkte: 7.5 von 10
SWITCHBLADE – Heavy Weapons
Killer Metal Records
Dass der Nahe Osten fruchtbarer Boden für gute oder zumindest originelle Stahlschmieden ist, sollte inzwischen auch ins Resthirn der ungebildetsten Metaller gelangt sein. Zur ersten Kategorie zählen auch die Israelis Switchblade, welche auf ihrem Erstling zu meinem grossen Entzücken kompromisslos dem traditionellen Heavy Metal der glorreichen Achtziger frönen. Die hohe Stimme von Frontsirene Lior “Steinmetal” Stein erinnert immer wieder an den jungen Bruce Dickinson, als dieser noch eine amtliche Matte auf dem Kopf trug, und der Gitarrensound sägt genau so, wie es insbesondere Accept-Fans mögen, gnadenlos rifflastig und direkt in die Fresse. Da auch die kompositorischen Fähigkeiten der Jungs genau dort sind wo sie sollen, ist „Heavy Weapons“ ein Album, dass sich jeder Fan von Teutonenmetal der Marke Accept, Primal Fear, Grave Digger, Sinner und dergleichen unbedingt mal reinziehen sollte. Mag ja sein, dass das markante Organ des Sängers etwas zu dominant in den Vordergrund gemischt worden ist, zudem wird jeder herb enttäuscht, der auch nur einen Funken Moderne oder gar Innovation in den neun Nummern erwartet, aber für überzeugte Traditionalisten ist dieses Album der Beweis dafür, dass gewisse Werte wie Jeans, Leder, Kutten, Nieten, Patches, Ketten und vor allem die dazugehörige Mucke immer ihren Platz in unserer mittlerweile fast nicht mehr überschaubaren Szene haben werden. Switchblade siedeln sich somit konsequenterweise in der Nische irgendwo zwischen „The Number Of The Beast“ und „Restless And Wild“ an, was mir die Bewertung relativ einfach macht. Daumen hoch!
Mirko B.  

Punkte: 7.3 von 10
SALEM - Forgotten Dreams
Pure Rock Records/Non Stop Music
Die Anfänge von Salem reichen bis ins ferne Jahr 1979 zurück, als Punk der Trend der Stunde war und britische Hard Rock-Grössen wie Black Sabbath oder Led Zeppelin nur noch Leichen aus einer vergangenen Zeit waren. Der zu dieser Ära sich immer höher auftürmenden New Wave Of British Heavy Metal wurden die Jungs aus Hull zwar auch dazugezählt, aber verglichen mit dem damaligen Geholze von Bands wie Saxon, Raven, Savage oder Jaguar war ihr Sound doch um einiges geschliffener und melodischer, was sich sehr gut im hier vertretenen Track von der ursprünglich 1982 erschienenen, gleichnamigen Single „Reach For Eternity“ manifestiert; trotz viel Drive und sägenden Gitarren zeigten Salem damals schon, wohin ihr Weg führen sollte. Eine Single, drei Demos, eine Compilation derselben und ein paar Jahrzehnte später servieren uns die in Würde gealterten Herren endlich ihr erstes vollständiges Album. Der deutlich AOR-lastige Hard Rock der Briten wird sicherlich nicht jedermanns Geschmack entsprechen, aber ich kann euch versichern, dass die zwölf mit hörbar Passion und Herzblut eingespielten Tracks durchaus zu gefallen und berühren wissen. Absoluter Überflieger ist der Longtracker „Break The Chains“, der in Sachen Arrangement und Melodie seinesgleichen sucht und genau aus dem Stoff besteht, der den Unterschied zwischen simplen Liedern und grossen Werken für die Ewigkeit macht. Auch die restlichen elf Nummern wissen dank organischer Produktion, feiner Gitarrenläufe und sehr melodischem, zuweilen mehrstimmigem Gesang durchaus zu überzeugen, und so drängt sich schnell mal die Frage auf, warum die Talentscouts der damaligen Plattenindustrie zum wiederholten Male eine sehr talentierte Band ignoriert haben, währenddem sie gleichzeitig belanglosen, billigen und schnellebigen Schrott der Marke Wham, Hubert Kah, Tenpole Tudor, Haysi Fantayzee und sonstigen vertonten Dünnschiss bis zum Gehtnichtmehr pushten.Wer noch über gesunde Ohren und exquisiten Musikgeschmack verfügt, sollte den Jungs spätestens jetzt unbedingt eine Chance geben!
Mirko B.    

Punkte: 7.2 von 10
TYLA J. PALLAS – Devils Supper
Cargo Records
Der Sänger der legendären Dogs D'Amour stellt einmal mehr ein Solowerk in die Regale der Plattenläden. Stilistisch entfernt sich Tyla, der aktuell sein Vornamen mit J. Pallas ergänzt, grundsätzlich nicht weit von seiner Stammformation. Mit dem Unterschied, dass er jeweils den Fuss vom Gaspedal nimmt und seinen Ruf als Rockpoet vollumfänglich auslebt. Nur schon die dreckige, rauchige Stimme des Engländers versprüht eine fesselnde Magie. Musikalisch kennt er kaum eine Grenze, driftet dabei aber stark vom eigentlichen Rock'n'Roll in Singer/Songwriter-Gefilde ab, die dann halt nur noch bedingt Hard Rock-tauglich sind. Nichts desto trotz brilliert der Mann mit Charisma und Feeling. Er bewegt sich hauptsächlich im akustischen und halb-akustischen Bereich. Entscheidend ist dabei aber die Vielfalt, die Tyla an den Tag legt. Einmal wird der Schwerpunkt auf Rolling Stones inspirierte Gitarren gelegt, ein anderes Mal kommt das Piano oder die Orgel zum Zug und wieder einmal werden Streicher oder Bläser integriert. Aber auch die Stilflexibilität ist gross. Zwischen Rock, Blues, Country und sogar Rockabilly, je nachdem mit typisch amerikanischem oder eben britischem Einschlag, ist fast alles vorhanden, ohne dabei Abstriche in der Homogenität in Kauf nehmen zu müssen. Selbst die Stimmung variiert von nachdenklich, ergreifend bis zu locker, stimmig, irgendwo zwischen Nick Cave und Steve Earl. "Devils Supper" ist definitiv nicht das Non plus Ultra, kann aber ein Genuss mit erdig, holziger Note sein, wie ein Glas Jack Daniels pur und ohne Eis.
Chris C.
    
Punkte: 7.2 von 10
BUCKCHERRY – Best Of (Best Of)
Eleven Seven Music
Gerade mal acht Monate nach dem letzten Studiooutput "Confessions" beglückt uns die amerikanische Neo Punk/Sleazy-Formation Buckcherry bereits wieder mit einem Album. Pünktlich zum Europatourstart zusammen mit Hardcore Superstar stellt die Band (oder das Label?) eine Best Of-Scheibe vor. Leider ist auf dem Silberling nichts Neues enthalten. Keine Alternativ-, Demo- oder Live-Versionen, keine Outtakes, keine neuen Songs. Das Dutzend an Songs stammt von allen sechs bisherigen Veröffentlichungen, zehn wurden sogar schon als Singles ausgekoppelt. Nun lässt sich also der Sinn des Ganzen hinterfragen. Unverständlicherweise besitzen Buckcherry in Europa nicht ansatzweise den Bekanntheitsgrad wie in den USA. Daher macht es für Neueinsteiger durchaus Sinn, diese Best Of-Sammlung käuflich zu erwerben. Dabei wird nämlich schnell klar, dass die Truppe einiges auf dem Kasten hat. Einerseits hat die Band ultraeingängige Rocker (z.B. "Lit Up" oder "Crazy Bitch"), aber auch kitschfreie Balladen (z.B. "Sorry" oder "Nothing Left By Tears") am Start. Wenn man sich tiefer mit der Buckcherry-Discography befasst, wird aber auch klar, dass eben nicht nur Hits verfasst wurden, sondern jedes Album auch eine gewisse Menge an Füllmaterial enthält. Egal, wie man die Legitimität von "Best Of Buckcherry" nun einstuft, die Truppe als solches ist auf Konserve, speziell aber live, ein absoluter Hammer und verdient den anhaltenden Erfolg kompromisslos.
Chris C.    

Punkte: keine Wertung
MECHANIX - New World Underground
Gegentrend Records
Die Nürnbereger Thrash-Urgesteine geben sich auf ihrem dritten Longplayer abwechslungsreicher denn je. Stets den Vorgaben der grossen Vorreiter aus Übersee treu, bewegt sich der Sound des Vierers irgendwo zwischen melodischem Groove der Marke Megadeth, tonnenschwerem Pathos im Sinne alter Metallica, punkig angehauchten Ausbrüchen aus dem Hause Anthrax und fiesen Riffgewittern Slayer’scher Prägung. In diesem Zusammenhang würde ich „Crippled“ sogar als Slayer-Tribute-Song bezeichnen, denn deren Einfluss ist hier mehr als deutlich hörbar, wobei ich den Jungs die ehrerweisende Absicht dahinter ohne den kleinsten Zweifel abkaufe. Mit „731“ hat die Band sogar ein instrumentales Interludium eingebaut, in dem man sich, ähnlich wie damals Coroner, mit „Nosferatu“ und „Arc-Lite“ gar an neoklassische Klänge heranwagt. Abgesehen von diesen Vergleichen, welche freilich als Offenlegung der Einflüsse und nicht als Kopievorwurf zu verstehen sind, fällt das sehr tighte Zusammenspiel der Band auf. Hier hört man einfach, dass sich Mechanix auf hunderten von Gigs die Ärsche abgespielt haben und sich zudem seit acht Jahren einer konstanten Besetzung erfreuen können. Da hier mehr Wert auf Melodie statt auf Brutalität gelegt wird und zudem Leadgitarrist Wolf Reinisch ähnlich wie die Herren Mustaine und Hetfield lieber singt als schreit, kommt das Ganze natürlich nicht halb so brachial daher wie bei Kreator oder Destruction, was auf der anderen Seite der Band aber umso mehr eine eigene Identität verleiht und zudem das Album für Fans interessant macht, die nicht unbedingt auf Thrash Metal stehen. Guter, solider, deutscher Stahl, würde ich politisch nicht ganz korrekt sagen, nicht innovativ, aber seit Jahrzehnten bewährt in Qualität und Beständigkeit.
Mirko B.
    
Punkte: 7.1 von 10
THE SUICIDE KINGS - Generation Suicide
Imm Records
Aus Germany kommen die Streetpunker The Suicide Kings (toller Bandname...). die uns in genau 30 Minuten ein Punk- und Metalfeuerwerk um die Ohren hauen, das uns richtig schwindlig wird. Die Band besteht aus keinen Nobodys, nein sie haben hier ihr viertes Werk, das sie uns stolz präsentieren. Das es sich bei den 10 Songs nicht um ellenlange Stücke handelt, dürfte auch jedem Fan klar sein, der was von Punk versteht. Melodien, Hymnen, geile Chöre, alles, was das Punkerherz begehrt, findet sich hier bei "Generation Suicide". Was will man eigentlich noch mehr, als sich sofort das Ding zu erstehen, volle Lautstärke aufzudrehen und ab die Post?!
Daniel J.    

Punkte: 7.0 von 10
MASSACRA - Day Of The Massacra (Compilation)
Century Media/Universal
Dies ist kein neues Album der französischen Death Metal-Pioniere, sondern eine Zusammenstellung der ersten drei Demos. Das Ganze wurde zwar komplett remastered (man hört sogar den Bass!), aber die End-80er-Tape-Aufnahmen lassen sich halt auch durch moderne Technik nur schwerlichst vom staubigen Mief der Anfangstage befreien. Und das ist gut so! Vertreten sind demnach "Legion Of Torture" (1987), "Final Holocaust" (1988) und "Nearer From Death" (1989), die in chronologisch invertierter Reihenfolge abgespielt werden, 13 Songs mit einer Gesamtspielzeit von 56 Minuten beinhalten und einen guten Einblick in die energiegeladenen und leicht "überkreativen" ersten Schritte (einer der wenigen Bands aus der Grande Nation, die auch international Kultstatus erreichten) gewähren. Die Neuauflage beinhaltet neben dem Remastering ein schniekes Old School-Cover und erscheint als Mid Price-CD inkl. einem 24-seitigen Booklet mit raren und kommentierten Photos sowie als LP mit Booklet und einem Logo-Patch. Ausserdem gibt's eine limitierte 100er-Auflage in rotem Vinyl. Irgendwo sollten bei mir noch die Original-CD's der Früh-90er-Alben "Enjoy The Violence" und "Signs Of The Decline" in einer Kiste herumliegen. Muss die Dinger unbedingt wieder mal ausgraben und mich an der Musik und dem französischen Akzent erfreuen. Sicher ein schönes Ding für Fans.
Hardy    

Punkte: keine Wertung
REFLECTIONS - Exi(s)t
Steamhammer/Musikvertrieb
Die fünf Jungs aus Minnesota USA veröffentlichen ein Debut, welches zwar viele (negative) Klischees abdeckt, jedoch trotzdem solide daherkommt. Wie viele junge Deathcore-Bands bedienen sich Reflections den gängigen Songstrukturen von Intro, Riff, Breakdown. Wobei der Breakdown so eigentlich nie aufhört, die Instrumente sind dermassen tief gestimmt oder digital verändert, dass die wirklich ausgefeilten Riffs dermassen gut rüberkommen, dass man sich dem Album eigentlich nicht mehr entziehen kann. Wie gesagt, das Songriffing ist intelligent und kurzweilig, das Album mit gehörig Druck produziert, leider fehlt es aber an einem oder zwei Songs, die wirklich hängen bleiben und nicht gleich in der ganzen Flut von Core-Veröffentlichungen untergehen.
Steve Butcher
  
Punkte: 7.0 von 10
KILLERS – Murder One, Menace To Society,
South American Assault Live (Re-Release)
Metal Mind Records
Paul Di’Anno gehört sicherlich zu den authentischsten Sängern des Metal-Bereichs. War er massgeblich an der Erfolgsgeschichte von Iron Maiden beteiligt und sang dabei die ersten beiden Alben der englischen Truppe ein, so entpuppte sich sein weiterer Werdegang als sehr steinig. Auch wenn er mit „Murder One“ ein richtig geiles Metal-Album veröffentlichte und sich eigentlich keine Sorgen machen musste um seine weitere Karriere, so knockte er sich mit dem Nachfolger „Menace To Society“ gleich selber aus. Seine Hassreden gegen seinen ehemaligen Sidekick Steve Harris trugen auch nicht dazu bei, dass er erfolgreicher wurde, und wenn man ehrlich ist, hat der gute Paul in den letzten Jahren immer dann gutes Geld verdient, wenn er die Songs der ersten beiden Maiden-Alben und diejenige von „Murder One“ zum Besten gab. So ist auch hier „Murder One“, das 1992 erschien, das Highlight dieser drei Re-Releases. Songs wie „Impaler“, „The Beast Arise“, „Marshall Lockjaw“ und „Dream Keeper“ gehören nach wie vor zum Besten, was die Metal-Welt jemals zu hören bekommen hat. Mit vier Live-Rehearsal-Tracks und einer Acoustic-Version wird diese Scheibe ergänzt. Bei „Menace To Society“, welches 1994 erschienen ist, ging Paul einen für damalige Verhältnisse moderneren Weg und stiess seine Fans bitter vor den Kopf. Da helfen heute auch die fünf Live-Rehearsal-Bonustracks nicht drüber hinweg. Im Vergleich zum Vorgänger war diese Scheibe eine herbe Enttäuschung. Auch 1994 erschien „South American Assault Live“, das mit vielen Maiden-Stücken auffährt und auch die Battlezone-Zeit von Paul berücksichtigt. Hier wird klar, wo die Stärke von Mister Di’Anno liegt. Auf der Bühne, auch wenn er nicht immer jeden Ton trifft... - Diese Scheibe beinhaltet drei zusätzliche Live- und zwei Acoustic-Tracks. Alle drei Re-Releases sind aber zu empfehlen, weil der Sänger zu den Ikonen des Metals zählt und ein verdammtes Stehaufmännchen ist, das sich selbst durch die selbstverschuldeten Alkoholexzesse nicht aus der Bahn werfen lässt.
Tinu    

Punkte: keine Wertung
MOUNTAIN THRONE – Stormcoven
Cyclone Empire
/Non Stop Music
Die 4 Jungs aus deutschen Landen beehren uns auf ihrem ersten Longplayer mit einer Mischung Heavy und Doom Metal. Solchen Kapellen wie Black Sabbath, The Lamp Of Thoth oder Candlemass nicht unähnlich, auch passt der Sänger dazu wie die Faust aufs Auge. Und doch, trotz der Antiquiertheit, ist die Produktion nicht ebenso gehalten, sondern modern-druckvoll, ergo kann man die Instrumente sehr gut auseinander halten. Vor allem der Track „Where Alchemy Thrived“ kommt echt gut, da hierbei lediglich auf eine akustische Gitarre und teilweise mehrstimmigen Gesang gesetzt wurde. Kommt gut! Allerdings hatte ich persönlich beim Hören das Gefühl, dass sich Mountain Throne zwar klar darüber waren, welche Richtung sie einschlagen wollen, sich jedoch noch nicht allzu sehr getrauen, eine eigene Duftmarke zu setzen und sich noch sehr an ihren Vorbildern orientieren. Mit Betonung auf dem Wörtchen ‚noch‘, denn wenn die Jungs weiterhin so ambitioniert zu Werke gehen, dann dürfte der Nachfolger, so es denn einen gibt, sich deutlicher abheben. Bis dahin: guter Einstieg!
Toby S.  

Punkte: 7.0 von 10
CRYSTAL VIPER – Possession
AFM Records/Musikvertrieb
Die fleissigen Heavy-Metaller aus Polen holen zu einem weiteren Schlag aus – und verfehlen ihr Ziel knapp. Was uns diese Band um Frontsängerin Marta Gabriel bietet, hat zwar klasse, ist aber nicht mehr so zwingend wie früher. War diese Band für mich einst grosser Hoffnungsträger, lassen mich ihre neuen Lieder mittlerweile kalt. Objektiv betrachtet entbehrt diese Empfindung aber jeglicher Logik, denn noch immer spielen Crystal Viper klassischen Heavy Metal mit all seinen Facetten. Der Gesang ist nach wie vor kraftvoll, ohne ständig in schwindlig hohen Bereichen zu agieren. Vernünftig gesehen sind Lieder wie „Fight Evil With Evil“, „Mark Of The Horned One“ oder „We Are Many“ kleine Metal-Hits. Das Herz will dies aber nicht sehen und wird müde vom Hören, ohne das sich was in die Seele einbrennt. Grund dafür könnte sein, dass die Polen seit Längerem musikalisch still zu stehen schienen. Neuerungen gibt es keine mehr. Die Songelemente wiederholen sich zunehmend, so dass oft der Eindruck entsteht, dass sich Crystal Viper bei sich selber Ideen klauen. Vielleicht ist der beste Songs der Polen also bereits geschrieben. Denn was einst frisch und inspiriert klang, nützt sich langsam ab. Für Neueinsteiger könnte "Possession" also spannend sein. Wer die Band aber bereits kennt, sollte das Album mit der nötigen Skepsis antesten.
Roger W.
    
Punkte: 7.0 von 10
FALLEN ARISE – Etherial
Noisehead Records
Die junge griechische Band hat sich auf ihrem Erstling «Etherial» dem symphonischen Metal mit Male- und Female-Vocals im Gefolge von Nightwish, Within Temptation und Konsorten verschrieben. Dabei gehen sie etwas weniger opernhaft zu Werke, was ihnen gut zu Gesicht steht. In ihrem Soundgefüge dominieren Keyboards. Diese klingen stellenweise etwas gar kitschig und überdecken die Gitarren meistens. Das Ganze klingt daher eher verwaschen denn knackig. Songwriterisch können Fallen Arise jedoch gefallen, weil sie in der Lage sind, kompakte Songs zu schreiben und dem Album einen roten Faden zu verleihen. Die grossen Hits fehlen dabei aber noch. Auch meine ich herauszuhören, dass die Musiker in ihrer frühen Jugend ebenfalls Queensr’che zu ihren Favoriten gezählt haben müssen. Eindeutig hat diese Band Potential. Wenn sie sich soundtechnisch weiterentwickelt und im Songwriting noch mehr Mut zeigt, liegt ein Heraustreten aus dem Schatten der Symphonic Metal-Spitze durchaus im Bereich des Möglichen.
Mac
    
Punkte: 7.0 von 10
ANDROBB – Still On The Run
Eigenvertrieb
Die Wiege von Androbb steht im Fürstentum Liechtenstein, und das Ländle sowie ehemalige Steuerparadies ist eher bekannt für seine malerische Berglandschaft und für ein beim Volk immer noch sehr beliebtes, skandalfreies Fürstenhaus denn als Geburtsstätte international bekannter Rock- und Metal-Bands. Da freut es mich umso mehr, dass mit dem dritten Androbb-Album ein wirklich frisches und starkes Stück Heavy Rock den Weg in mein CD-Laufwerk gefunden hat, und ich kann nur feststellen, dass beim Quartett, verglichen mit dem älteren Stoff, ein regelrechter, qualitativer Quantensprung stattgefunden hat, und das bei einer Platte, die in Eigenregie im Bandraum eingespielt worden ist! Heftigeres Material der Sorte „Turn Me On“, dem stampfenden Titeltrack oder „Ride The Rocket“ hält sich gut die Waage mit epischen Momenten wie dem eröffnenden „Tell Me The Truth“ oder dem grandiosen „Sorry“, alles immer schön gitarrenorientiert, ohne Keyboards, Samples oder sonstigen Elementen, die dem solide produzierten Album den Biss genommen hätten. Und je öfter ich mir die Songs reinziehe, desto besser gefallen sie mir, zur Abwechslung mal kein lupenreiner Metal, sondern guter, bodenständiger Hard Rock mit viel Melodie, Herz und der richtigen Attitüde. Es wäre schön zu erfahren, dass Fürst Hans Adam auch ein Herz für solches Kulturgut hat und es dementsprechend fördert, und falls nicht, gibt es immer noch uns Musikfans. Gebt den vier Jungs eine Chance, sie haben sie nach über 10 Jahren Durchhaltevermögen wirklich verdient.
Mirko B.   

Punkte: 7.0 von 10
WOMBBATH – Internal Caustic Torments (Re-Release)
Pulverised Records
Mit ihrem einzigen, vor zwanzig Jahren veröffentlichten Langeisen hätten die Schweden Wombbath innerhalb der damals florierenden Death Metal-Szene eigentlich auf Anhieb ganz oben auf der Erfolgswelle mitschwimmen müssen, aber nach der Veröffentlichung ihrer in Richtung Death‘n‘Roll tendierenden 94er „Lavatory“-EP war 1995 nach nur fünf Jahren Aktivität schon wieder Schluss. Schade eigentlich, denn der sauber eingespielte Elchtod lässt auch heute noch aufhorchen. Die Doublebass bollert ganz schön aus den Boxen, ohne sich dabei in monotones High Speed-Gebolze zu verirren, den reichlich vorhandenen Mid Tempo-Passagen gebührt hier mein Dank, dazu präzis sägende Gitarren, ein höllisch tiefer Bass und ein Frontgrunzer, der damals auch bei Malevolent Creation oder Cannibal Corpse durchaus Chancen gehabt hätte, und schon kann man feinsten Death Metal geniessen, der alleine durch sonore Brutalität trumpft und jegliche Stumpfheit aussen vor lässt. Abgerundet wird das Ganze durch Hinzunahme der soundtechnisch gleichwertigen Tracks vom 91er Demo „Brutal Mights“, den Songs von der 1992 erschienenen EP „Several Shapes“ und der starken, aber etwas zu höhenlastigen Einzelnummer „20_13 Silence Unveiled“, ergibt unter dem Strich achtzehn Death Metal-Granaten typisch schwedischer Prägung mit einer Gesamtspielzeit von 76:32 Minuten, und das zum Preis einer regulären CD. Für Death Metal-Fans gibt’s da eigentlich nichts zu überlegen.
Mirko B.    

Punkte: keine Wertung
FUN AT THE MORGUE - Massoula
Eigenvertrieb
Spass im Leichenschauhaus, was für ein Bandname! Ja auch wenn man das Cover betrachtet, handelt es sich hier sicher nicht um volkstümliche Musik, soviel ist schon mal klar. Die Genfer mit einem Franzosen in der Mannschaft heben uns hier ihr erstes Werk aus den Tiefen der Hölle und berieseln uns mit einer scharfen Prise Death Metal. Es wird gegrunzt, und auch die Musiker der Todesbleifraktion geben hier alles, um euch das Leben zur Hölle zu machen, wie man so schön zu sagen pflegt. Elf Songs in 20 Minuten ist zwar mehr als dürftig, doch man kommt in diesem Falle schnell mal auf den Punkt. Einflüsse der Truppe sind: Terrorizer, Dismember und Discharge, auch das noch zur Info. Ein solides Werk der Westschweizer, mal schauen, was die Zukunft mit sich bringt.
Daniel J.
  
Punkte: 6.8 von 10
LEAVES EYES – Symphonies Of The Night
Napalm Records/Universal
Die ersten Takte auf dem neuen Silberling beginnen mit Liv Kristins zuckersüsser, feiner Stimme und Xylophonklängen, bevor dann die gesamte Instrumentenwucht einschlägt. Das rockig nach vorne preschende Riffing, der Refrain mit an Nightwish’s ‚Wishmaster‘ erinnernden Gesängen und die satte Growls von Axel Krull machen ‚Heaven To The Heaven‘ zu einem vielseitigen Opener. ‚Maid of Lorraine‘ wird von folkigen Klängen der Fiddle begleitet und den Growls wird nochmals mehr Platz eingeräumt. Die Wechsel zu ruhigeren Parts gelingen sehr gut und man punktet zudem mit eingängigen Melodielinien. Trommelklänge, Akustikgitarren und Flötenklänge eröffnen ‚Galswintha‘ spannend, der Rest des Songs schliesst dann aber über weite Strecken an vorige Kompositionen an. ‚Saint Cecilia‘ ist als Ballade konzipiert, die Orchesterinstrumente geben den gemütlichen Trott an und werden nur durch eine kurze Soloeinlage einer Uillean Pipe unterbrochen. Zum Verwechseln ähnlich arrangiert ist ‚Nightshade‘. Das Maximum an Orchester und Chor gibt es bei ‚Hymn To The Lone Sands‘, welches als einziger Song Textstellen in Norwegisch enthält. ‚Orphelia‘ vereint zum Schluss nochmals alle Leaves‘ Eyes Trademarks. Die Albumproduktion ist im Vergleich zum Vorgänger deutlich besser gelungen - man hört, dass diesmal mehr Aufwand betrieben wurde. Man hat mit einem echten Chor und Orchester gearbeitet, welche wieder für mehr Bombast sorgen. Alles in allem bewegt sich die Leistung nur im Mittelfeld. Der Scheibe fehlen durchgehend gute Melodien, sowie die Abwechslung unter den Songs. Viele sind nach einem ähnlichen Muster gestrickt, weshalb sich die Aufmerksamkeitsspanne deutlich verkürzt.
Patricia L.
  
Punkte: 6.8 von 10
HANDFUL OF HATE – To Perdition
Code 666
Dass die Italiener nicht erst seit gestern Musik machen, hört man dem inzwischen sechsten Album gut an. Technisch spielt die Truppe brachiales Black Metal mit einer sehr grossen Portion Death. Kein atmosphärisches Intro, sondern gleich die volle Ladung Riffgewitter und Dauerfeuer: der Opener zeigt, wo der Vorschlaghammer hängt. Ich würde sogar behaupten, alte Enthroned durchschimmern zu hören. So reisst ‚Ex Abrupto‘ beinahe das Fleisch von den Knochen, der erbarmungslos schneidende Riff macht gewaltig Druck. Aber auch ‚Words like Worms‘ lässt nicht locker, knüppelt erbarmungslos drauflos und lässt keine Zeit zum Durchatmen. Genau da liegt auch der Hase im Pfeffer, denn auf lange Dauer fehlt es dem Album an Dynamik. Oft reiht sich der eine, brutale Part an den nächsten. Das mag einerseits kompromisslos daher kommen, mit der Zeit nutzt sich die Geschwindigkeit allerdings ab. Mehr Einschübe wie der Mid-Tempo Part bei ‚Larvae‘ zeigen, dass es auch anders ginge. Ansonsten aber ein spassiges, kurzweiliges Album.
Tristan
  
Punkte: 6.8 von 10
LESBIAN BED DEATH - The Devil's Bounty Hunter
Psychophonic Records
Bei den britischen Goth/Glam/Post Punk-Rockern Lesbian Bed Death hat sich das Besetzungskarussell heiter weiter gedreht. Nach dem Abgang von Sängerin Luci4 vor rund drei Jahren, den ich immer noch nicht ganz überwunden habe, sind mittlerweile Bassist Will Power und Drummer Danny Stigmata auch schon wieder Geschichte, und so wurde Album Nummer vier kurzerhand als Trio eingespielt, und in dieser Konstellation will sich die Band nach all dem Hin und Her auch weiterhin sehen. Als wollten die drei die damit aufkeimende Zweifel hinwegfegen, beginnt die Scheibe mit dem wohl heftigsten Song der gesamten Bandhistorie: „Dark Passenger“ heisst das wüste Kind, das drei Minuten lang ordentlich Krach und Spass macht. Danach schippern allerdings LBD mit „Drained By Love“ schon wieder in eher gewohnte Gewässer, ordentlich vorgetragener, sehr melodischer aber glücklicherweise auch unkitschiger Goth Rock der feinsten Sorte, womit die zwei Gesichter dieses Albums auch schon genannt wären. Mal fährt man mit ordentlich Speed das volle Brett („Death By Stereo“, „Skin Crawler“, „Never Get Enough“), mal bedient man die blass geschminkte Rüschen- und Gliederring-Fraktion („Ghost In The Mirror“, „Broken“, „The Day Becomes The Night“), aber eben, wie bereits erwähnt ohne auch nur ansatzweise in ausgelatschte Gothic-Klischees abzudriften. Lediglich die abschliessenden Akustikversionen von „Seven Days“, „Bela Lugosi’s Back“ und „Everybody's Dead“ wollen nicht so recht zum sonst schön abgerundete Album passen, aber da es sich dabei um live eingespielte Bonustracks handelt, sollte man sie auch als separates Anhängsel betrachten. Auch Platte Nummer vier vermag den Bandklassiker „Designed By The Devil, Powered By The Dead“ nicht ganz einzuholen, aber die Band hat definitiv weiter Fuss gefasst in ihrer ganz eigenen Nische. Und dass die Scheibe komplett durch Fundraising finanziert worden ist, spricht eigentlich auch eine deutlich Sprache.
Mirko B.   

Punkte: 6.7 von 10
DAWN HEIST - Catalyst
Bastardised Records
Die Australier von Dawn Heist versuchen sich mit "Catalyst" ins aufstrebende Djent/Modern Metal-Genre zu etablieren. Versiert und mit Willen ausgestattet, zocken die jungen Australier hier ein Debut, welches aufhorchen lässt, aber leider nicht gänzlich zu überzeugen weiss. Wer sich ein wenig mit der Djent-Bewegung befasst hat, weiss, dass diese orientalisch anmutende Musik von Atmosphäre und Tiefgang getragen wird. Leider liegt genau hier die grosse Schwäche von Dawn Heist, zu überschaubar, zu wenig fesselnd, ja schlicht zu langweilig sind die Songs und das Album über weite Strecken geworden. Nichts desto trotz lassen die Australier immer wieder ihr Talent im Songwriting und ihre filigrane Technik aufblitzen und sind daher sicherlich ein versprechen für die Zukunft.
Steve Butcher    

Punkte: 6.5 von 10
LYFTHRASYR – The Engineered Flesh
Alive!
Sieben Jahre ist das letzte Werk schon alt. Damals schon waren die Songs geprägt von modernem Klang und melodischen Einschüben oder Begleitung mit Synthiesizer. Grundsätzlich erkennt man die selben Strukturen nach wie vor, wenngleich die Synthies nun aber verstärkt technoide Klänge fabrizieren und das eindeutig elektronisch unterstützte Schlagzeug den Sound weg vom melodischen Black Metal bewegen. So liegt das Hauptaugenmerk vor allem auf den elektronischen Klängen, während die anderen Instrumente mehr als Begleitung fungieren. Die Stimme ist ebenfalls solide, wenngleich nicht das prägendste Merkmal der Band. In dem Gesamtpaket funktionieren die Songs relativ gut, wenngleich ich mir persönlich mehr Kompromisslosigkeit gewünscht hätte. Das heisst entweder noch mehr elektronische Einflüsse, vielleicht sogar mit weniger Rhythmuswechsel und Breaks. Oder aber mehr gute Gitarrenriffs. So spielt bei ‚Evolution‘ die Gitarre nichts anderes als Lückenfüller, während das Schlagzeug durch seine ständigen Aussetzer auf die Nerven geht. Am Ende bleibt ein gutes, modernes Album, dem nach wie vor ein wenig Schneid fehlt. Wer an Black Metal im Stile von Otargos Gefallen findet, könnte mal antesten.
Tristan   

Punkte: 6.5 von 10
BLACK MESSIAH – Heimweh
AFM Records/Musikvertrieb
Die dienstälteste Pagan Metal Band aus Deutschland, legt mit „Heimweh“ ihr nun siebtes Studiowerk vor. Nach dem überlangen Intro ertönt zunächst stereotyper Pagan Metal, mit eingängigen Melodien und simplen Gitarrenbegleitungen. Die Strophe fällt dann aber deutlich schwarzmetallischer aus und ist auch melodisch interessanter gestaltet. Darüber hallen die stark in den Vordergrund gemischten Krächzer von Zagan, die nicht immer optimal getimt sind. Ähnliches gilt für die Geigenklänge im darauf folgenden 'Jötunheim'. Das Schlagzeug sticht hier zudem als besonders leblos hervor. Unterstützt wird dieser Eindruck von der dumpfen Produktion. 'Wildsau' schlägt anschliessend in ein komplett anderes Kerbholz. Eine bekannte Folkmelodie für den Refrain, eine etwas proletenhafte Strophe und ein schön tanzbares Zwischenspiel, welcher von der Violine gestaltet wird, fügen sich zu diesem Song zusammen. Als ob nichts gewesen wäre, nimmt danach wieder alles seinen gewohnten Lauf. 'Edmund von Ostanglien' klingt sehr stimmig und gehört zu den besten Stücken auf dem Album. Auch der Titelsong vermag aus der Masse herauszustechen. Man kann das Heimweh in den gefühlvollen, langsamen Linien förmlich spüren. Sogar einen Chor hat man eingebaut. Den Abschluss macht 'Quelle der Weisheit', womit das Album unspektakulär zu Ende geht. „Heimweh“ ist ein nettes Pagan Metal Album, Höhepunkte bleiben jedoch aus.
Patricia L.   

Punkte: 6.5 von 10
ANGELICA – Thrive
Frontiers Records/Musikvertrieb
Starke Sängerin, diese Angelica Rylin, leider sind die Songs der Shouterin auswechselbar und klingen wie tausendmal gehört. Irgendwie sitzt die Gute auch zwischen allen Stühlen. Für reinen Hard Rock klingt das Ganze zu modern, und für moderne Sounds hat das Ganze zu viel Traditionelles. Also, was nun? Zudem ist die kräftige Stimme zu fest in den Vordergrund gemischt, so dass man vom Organ der hübschen Lady schon fast erschlagen wird. Herausragend sind aber Lieder wie die wundervolle und herzergreifende Ballade „Can’t Stop Love“, bei der die Keyboards nicht so dominant aufgefahren werden, „Rain On My Parade“ oder „Nothing Else You Can Break“, bei dem eine starke Heart-Seite auffällt. Das Ganze erinnert mich an ISSA, die in einem ähnlichen Fahrwasser schippert. Alles auf Hit getrimmt, aber der packende Moment fehlt. Nein, ich werde nicht warm mit dieser Scheibe, auch wenn sie sicherlich viel Gutes zu bieten hat...
Tinu   

Punkte: 6.5 von 10
HELLRIDE – Acousticalized
Fastball Music
Ich muss gleich vorwegschicken, dass akustische Geschichten nicht mein Ding sind und es auch nie sein werden. Dabei ist es relativ egal ob Rock– und Metal-Klassiker im akustischen Gewand neu interpretiert werden oder ob es sich um Eigenkompositionen für die Runde am Lagerfeuer handelt. Schon der Begriff „Acoustic Metal“ ist für mich ein Widerspruch in sich selbst, denn wenn nicht Heavy Metal für laute, verzerrte Stromgitarren steht, was dann? Egal, ich muss da durch. Beim deutschen Trio Hellride halten sich Eigengewächse und akustische Umsetzung von diversen Klassikern von u.a. Black Sabbath, Stormtroopers Of Death, Motörhead, Type O Negative etc. in etwa die Waage. Die eigenen Songs lassen hierbei bei mir ständig die Frage aufkommen, wie sie wohl in einer „plugged“ Version mit verzerrten E-Gitarren, Bass und Drums klingen würden, denn Songs wie „Black Tulips“, oder „Death Is A Killer“ haben in meinen Ohren durchaus das Potential zum Smasher, wenn man ein paar elektrische Briketts nachlegen würde. Bei den Covers stechen ganz besonders „Take Hold Of The Flame“ von Queensr’che, „Ace Of Spades“ von Motörhead, fantastisch eingeröchelt durch Tom Angelripper, und eine Liveversion von „Love You To Death“ von Type O Negative hervor, auch wenn hier die Audioqualität eher mässig ist. Eine vertonte Schrägheit wie „United Forces“ von SOD will hingegen akustisch so gar nicht richtig funktionieren, auch wenn Gastsänger Gerre von Tankard wieder mal alles gibt. Ein Album mit Höhen und Tiefen also, dem zudem ein Konzept zugrunde liegt, von dem ich mich frage, ob es von Dauer sein oder ob sich der Exotenbonus relativ schnell abnutzen wird. Aber als Projekt für zwischendurch, warum nicht? Reinhören und selber urteilen.
Mirko B.   

Punkte: 6.3 von 10
ROBERT PEHRSSON“S HUMBUCKER – S/T
High Roller Records/Musikvertrieb
Mit viel Vorschusslorbeeren und hohen Erwartungen wirft Robert Pehrsson sein erstes Soloalbum auf den Markt. Einigen von euch dürfte der Bursche als Gitarrist von so unterschiedlichen Bands wie u.a. Runemagick, Thunder Express, Death Breath, Slingblade und Imperial State Electric bekannt sein. Auf seinem selbstbetitelten Deut frönt er unverblümt dem Classic Rock der Siebziger Jahre. So weit so gut. Und währenddem spätestens an dieser Stelle bei den allermeisten Rezensenten die schiere Begeisterung ausbricht, sitze ich ziemlich ernüchtert und gelangweilt da. Ein wenig UFO, ganz viel Thin Lizzy, und fertig ist das scheinbar bewährte Erfolgsrezept, nur hat mir die ganze Angelegenheit eindeutig zu wenig Biss. Selbst nach dem dritten Durchgang bleibt bei mir nichts, aber auch gar nichts hängen. Des Meisters Gesang ist zwar zweifellos professionell und hat eine angenehme Wärme, aber mir ist er einfach zu brav, die Melodien zu lieblich, die Gitarren zu harmlos und insgesamt hat sich für meinen Geschmack einfach zu viel Pop in diesen Rock eingeschlichen, mal abgesehen davon, dass ich nicht noch eine Band brauche, welche vom Anfang bis zum Schluss die typischen Thin Lizzy-Merkmale wie Phil Lynotts Phrasierung und Gesangslinien sowie Twin Leads zelebriert. Einzige Ausnahme ist „Can’t Change“, hier verneigt man sich knietief vor der kommerziell-poppigen Phase der Rolling Stones, womit man bei mir auch keinen Blumenstrauss gewinnt. Auch wenn es so daherkommt, soll dies kein Verriss werden, wer auf Thin Lizzy, UFO und meinetwegen auch Rainbow in einer sehr kommerziellen und abgespeckten Version steht, wird an Robert Pehrsson’s Humbucker sicher Gefallen finden, aber ich hatte aus der Joint Venture zwischen Robert Pehrsson, Nicke Andersson (Ex-The Hellacopters, Imperial State Electric), Robert Eriksson (Ex-The Hellacopters), Olle Dahlstedt (Entombed), Peter Stjärnvind (Nifelheim) usw. einfach mehr erwartet. Dazu kommt die sehr magere Spielzeit von gerade mal dreissig Minuten, welche sich für mich zwar als vorteilhaft erweist, für Fans aber eher dürftig sein dürfte. Das hier ist perfekt für Leute, die auf eher gemässigte Klänge stehen, Rotz Rock-Freaks werden vermutlich die Nase rümpfen.
Mirko B.   

Punkte: 6.1 von 10
THAUROROD – Anteinferno
NoiseArt Records/Universal
Hätte ich die vorliegende CD als Vinyl bekommen, müsste ich in dem Moment wo der Gesang einsetzt erst einmal kontrollieren gehen, ob da am Plattenspieler nicht versehentlich die falsche Abspielgeschwindigkeit eingestellt ist. Da die Mucke aber digital aus den Laptopboxen dröhnt, muss es wohl die bittere Realität sein. Der Gesang bewegt sich irgendwo zwischen Boygroup und den hohen Sphären eines King Diamond. Der stechende Klang der Stimme macht es jedoch mehr zur Tortur als zum Vergnügen, sich die zehn Songs zu Leibe zu führen. Dabei ist die musikalische Darbietung nicht mal schlecht. Zu hören gibt es standardmässigen, aber technisch einwandfrei gespielten Power Metal, der stellenweise Erinnerungen an Sonata Arctica weckt. Die Solos auf „Anteinferno“ klingen austauschbar, dazwischen sticht die Gitarrenfront aber auch immer wieder mit gelungenen Riffs hervor. Wenn das Keyboard zum Alleingang ansetzt, sieht die Lage etwas düsterer aus. Da sucht man lieber schnell das Weite. In der ersten Albumhälfte gibt es einige Höhepunkte, inklusive dem Opener ‚Plantet X‘ und ‚Overboard‘. ‚Victor‘ markiert dann den Anfang vom Abstieg. Nichtssagende Gesangslinien und nervendes Schlagzeug – schon ist man gewillt, die Skiptaste zu drücken. Doch da wird es nicht viel besser. Auch wenn das Schlagzeug bei ‚Marked For Diablo‘ den Rank gekriegt hat, geht es mit den Melodien genauso schlecht weiter. Der zehnminütige Titeltrack mit dem gesprochenen Intro zieht sich unnötig in die Länge. ‚Path‘ bringt es wieder mehr auf den Punkt und sorgt zusammen mit ‚Riders Of The Shires‘ für einen versöhnlichen Abschluss.
Patricia L.   

Punkte: 6.0 von 10
MADNESS OF THE NIGHT – Asgarda
Massacre Records/Musikvertrieb
Hinter dem Bandnamen Madness Of The Night verbirgt sich das Duo Daniel Dante (Musik) und Abir Blackshadow (Gesang). Der Schwede und die Libanesin haben sich online kennengelernt und ihre gemeinsame Liebe zum Gothic Metal und Dark Wave entdeckt. 2011 gründeten sie dann ein Musikprojekt, und das Lovechild dieser Liaison trägt den Namen Asgarda. Dabei prallen Kulturen aufeinander – der Dark Wave der 80er Jahre trifft auf die härteren Klänge des Gothic Metal. In den Texten verarbeitet Sängerin Abir ihre persönliche Zeit der Unterdrückung im Libanon, wo sich Frauen auch heute noch gesellschaftlichen Zwängen unterwerfen müssen. Die Rebellin hört man ihr an, und so wirkt es auch in etwa so, als hätte man einer Punk-Rockröhre schwarze Klamotten übergestreift und ihr eingehämmert, sie sei nun ein Gothrocker. Dieses Mantra trällert sie dann auch endlos bis zur Ermüdung im sinnfreien Song “We Are Gothrockers And We Don’t Care“ vor sich hin (den gibt’s sogar gleich nochmals als Remix - falls die Botschaft bis zum Ende noch nicht angekommen sein sollte, dann allerdings in fast schon opernhaften Frequenzen!). Ähnlich klischeehaft geht es dann auch weiter im Text. Während der Silberling musikalisch eigentlich wirklich eine gelungene Verschmelzung von verschiedenen Gruftie-Musikrichtungen bietet, ist der Gesang, bzw. das Gekeife für meinen Geschmack einfach nur unterirdisch. Aber über Geschmack lässt sich nun mal streiten – manche mögen das vielleicht als Gothic-Chic bezeichnen. Fazit: Das Werk hat durchaus gute Stellen drin und präsentiert sich denn auch als schöner Querschnitt der Gothic-Musikszene – Gothic-Fans können hier also ruhig mal reinhören.
Patricia H.     

Punkte: 6.0 von 10
MONO INC. - Nimmermehr (Tour Edition)
Steamhamemr/Musikvertrieb
Mono Inc. ist wohl die Veröffentlichungswütigste Band die ich kenne. Praktisch jedes Jahr ein neues Album und dazwischen, für die ganz Ungeduldigen unter den Fans, hin und wieder eine Single oder eine EP. Pünktlich zu Weihnachten bringen die Deutschen ein neuerliches Schmankerl auf den Markt: eine Touredition des letzten Albums “Nimmermehr“. Im Klartext heisst das 5 zusätzliche altbekannte Tracks, die mit befreundeten Bands in neuem Gewand aufgenommen wurden. Den Anfang macht dabei “Seligkeit“ mit Saltatio Mortis, das ein wenig holprig, um nicht zu sagen unnötig, daher kommt. Viel harmonischer ist da das Duett zwischen Martin Engler und dem Schulz von Unzucht in der neuen Version von “Viva Hades“. Bei “The Last Waltz“ verschmilzt der typische Sound von Mono Inc. mit dem von A Life Divided – eine ganz tolle Mischung und eine echte Bereicherung fürs Album! Mit The Beauty of Gemina bekam auch eine Schweizer Band die Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit den Hamburgern und das Ergebnis ist eine leicht melancholischere Neuinterpretation von “Avalon“. Das Schlusslicht bilden Lord of the Lost mit “My Darkest Hour“. Fazit: Wer “Nimmermehr“ im August verpasst hat oder sie gerne seinen Lieben unter den Baum legen möchte, der ist mit der Touredition gut bedient. Ansonsten ist diese Neuveröffentlichung so kurz nach der Studio-Edition eigentlich nur unnötig und übertrieben.
Patricia H.  
  
Punkte: keine Wertung
PLACENTA - Missgunst und Neid
Noizgate Records/Non Stop Music
Placenta konnten sich bereits einen gewissen Status in der deutschen Szene, insbesondere der Berlins, ihrer Heimatstadt, erarbeiten. Bekannt sind sie vorallem für ihre Wandelbarkeit, so hat man Anno 2000 noch als Punk- und Alternative-Band angefangen, bis man 2010 (EP "Brutalis") auf Deathcore umgestiegen ist, um nur ein Jahr später ("Replace Your Face") plötzlich Modern Metal zu zocken. Und so erstaunt es nicht, dass Placenta ihren Weg weitergehen und nun etwas komplett neues machen - nämlich ein Metalalbum ganz auf Deutsch. Dies ist nicht erstaunlich, da mit Callejon gerade eine Band ultra angesagt ist, welche im Endeffekt das gleiche macht. Auch sonst hat die deutschsprachige Musik momentan eine neue Welle, und so will der Mutterkuchen auch auf den Zug aufspringen. Leider haben Placenta mit "Missgunst und Neid" ein völlig uninspiriertes und todlangweiliges Album abgeliefert, welches nicht nur eine Kopie von Callejon zu sein scheint, sondern eine schlechte dazu. Zu wenig Ideen im Songwriting und zu plump die Lyrics. Man hat immer wieder das Gefühl, dass man die Riffs schon mal gehört hat, und wenn nicht, dann weiss man auch wieso. Und das schreibe ich ohne Missgunst und Neid.
Steve Butcher   

Punkte: 4.0 von 10
DEEP – Vol. 1
Transubstans Records
Ich hab wirklich nichts gegen Rauschmittel, doch ein klarer Moment ab und zu sollte schon sein. Auch in künstlerischer Hinsicht. Schon der alte Hemmingway soll gesagt haben: „Schreib betrunken, aber überarbeite nüchtern.“ Dieses Credo hätte man auch Deep auf den Weg geben sollen, bevor sie ins Studio gegangen sind. Ihrem Debut, einfallsreich „Vol. 1“ betitelt, jedenfalls hätte der eine oder andere abstinente Abende sicherlich nur geholfen. Denn die italienischen Stoner-Doomster haben auf ihrem Erstling schlicht keinen Plan, wohin die Riff-Reise gehen soll und scheinen im Drogen-Delirium erst noch ihre Klampfen mit Rasierapparaten verwechselt zu haben. So ähnlich jedenfalls plärren die Gitarren aus den Boxen, beim sich elendig lange dahinschleppenden Opener „Sun“ und beim etwas mitreissender galoppierenden „Sonic Mantra“ am Ende immer noch. Nicht retro-authentisch wirkt das auf mich, auch wenn es der Promo-Zettel so zu retten versucht, sondern unausgegoren. Gleiches gilt für das Songwriting: Weil man ein Riff tausendmal wiederholt, wie etwa in „Nazca“, muss das nicht gleich meditativ wirken, und auch Didgeridoo-Sounds können Inspirationslosigkeit nicht einfach wegdröhnen („Hyperventilation Revelation“). Deep mögen gute Ansätze und sicherlich auch gute Vorsätze haben, doch wer nach dem bekifften Jammen im Bandraum nicht gewillt ist, noch mal ausgiebig an seinen Rausch-Ergüssen zu feilen, der sollte es lieber lassen.
Kissi    

Punkte: 3.9 von 10
HARSH TOKE – Light Up And Live
TeePee Records
Was uns die Amis hier kredenzen, ist wahrlich kein leicht verdaulicher Stoff – vermutlich war derjenigen, welcher die Jungs hier für ihr Album geraucht haben, um einiges eingängiger. Anders kann ich mir allerdings nicht erklären, wie man auf dermassen abstrakte und vertrackte Soundstrukturen kommt – die ganze Scheibe hört sich wie ein einziger Trip an! 4 Songs, der kürzeste mit knapp 4, der längste mit 14,5 Minuten vertreten, und nur auf dem ersten Track „Rest In Prince“ kommt ein grausam in den Hintergrund gemischter Gesang vor (es sei denn, ich hätte vor lauter musikalisch hervorgerufenen Trancezustände ihn nicht bemerkt) – das ist die Bilanz von „Light Up And Live“. Sehr wahrscheinlich muss man sich, um Zugang zu dieser LP zu finden, sich eben eine Kräuterzigarette anstecken, wer dies nicht macht, der dürfte genervt den STOP-Button drücken. Wo waren die Kopfschmerztabletten nochmal hingekommen…
Toby S.    

Punkte: 3.0 von 10
DRAGONHAMMER – The X Experiment
My Kingdom Music/Non Stop Music
Ich bin ein Freund von melodischem Power Metal! Was einem aber hier von Dragonhammer geboten wird, lässt mich an meinem Geschmack zweifeln. Was die Italiener hier abliefern, ist schlicht schnöder Durchschnitt. Dieser wird durch den schwachen Gesang in die unterste aller Ligen gezogen. Gitarre, Bass und Schlagzeug setzen innerhalb der engen Genre-Grenzen auf Abwechslung. Dies gelingt durchaus ansprechend und kann gehört werden, ohne dass das Prädikat „nett“ je überstiegen wird. Spielen nur die Instrumente, ist "The X Experiment" aushaltbar. Sobald aber Gitarrist und Sänger Max Aguzzi das Mikrofon ergreift, erfasst einem ein unangenehmes Schaudern. Man wird Ohrenzeuge von Frequenzen, welche in den Geräusch-Organen richtig schmerzen. Besonders weh tut es, wenn Aguzzi höhere Töne heraus presst. Dies geschieht dermassen oft, dass man "The X Experiment" durchaus als fiese Waffe einsetzen könnte. Da Musik aber zur Entspannung und für den Genuss da sein sollte, bleibt als Konsequenz nur diese Warnung. Wer es nicht glaubt, der kann sich selber überzeugen. Und wer mehr als zwei Lieder dieser CD aushält, erhält von mir den imaginären Helden- und Taubheits-Orden!
Roger W.    

Punkte: 2.0 von 10
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