CD-Reviews Februar 2017
Wertung:
  9.0 bis 10 Kaufempfehlung.         7.5 bis 8.9 Gut.
  4.0 bis 7.4 Vor Kauf reinhören.   0.0 bis 3.9 Nicht empfohlen.
OVERKILL - The Grinding Wheel
Nuclear Blast/Warner
Auch wenn Overkill wahrscheinlich keine schwache Scheibe veröffentlichten, NEIN, auch "I Hear Black" ist ein tolles Album, so hatten die Amis um das Ur-Team Bobby "Blitz" Ellsworth (Gesang) und D.D. Verni (Bass) mal bessere Tage und schlechtere. Den Jungs wurde in letzter Zeit immer wieder vorgeworfen, dass sie sich zu stark von ihren alten Glanztaten, den ersten fünf Scheiben, entfernten. Mit "The Grinding Wheel" schaffen die Herren aber die fast perfekte Mischung aus den neueren Alben und den alten Klassikern. Alleine die Schreie des mittlerweilen 58 Jahre jungen Sängers sind unglaublich und überzeugen beim Opener "Mean Green Killing Machine". Geil sind auch die nachfolgenden "Goddamm Trouble" und "Our Finest Hour", die mit einer Keule um sich schlagen, dass man bewusst in Deckung geht. Ein unglaublicher Kracher ist "Shine On", der locker aus der Zeit von "Feel The Fire" stammen könnte. Was für eine Urgewalt, was für ein Riff und was für eine Dynamik! Interessant ist auch "Let's All Go To Hades", das mit einem tollen Groove ausgestattet ist und den US-Power-Thrash hochleben lässt. "Come Heavy" gehört in die Kategorie "I Hear Black" und vielleicht begreifen nun ein paar Engstirnige, dass diese Scheibe wirklich geil ist. Ein völliges Abrisskommando ist "Red, White And Blue", unglaublich, was Trommler Ron Lipnicki hier alles zusammendeppert. Im Mittelteil erinnert man sich fast an Anthrax. Schwerfällig kommt der Titelsong aus den Boxen und erinnert an selige "Horrorscope"-Tage. Okay, vielleicht ist "The Grinding Wheel" kein zweites "Feel The Fire" oder "Taking Over". Aber die Zeiten haben sich verändert, und ich rechne es Bobby, D.D., Ron und den beiden Gitarristen Dave Linsk und Derek Tailer hoch an, was sie nach 37 Jahren noch immer abliefern. Alleine ein Track wie "The Grinding Wheel" beherbergt ein unglaubliches Level, das man sich von vielen Nachahmern nur im Ansatz wünscht. Die Spielzeit der Songs liegt meist knapp bei fünf Minuten, zwei sind über sechs Minuten, einer über sieben und der erhabene Titelsong bei fast acht Minuten. Die ersten fünf Alben werden immer einen Ehrenplatz haben, aber mit "The Grinding Wheel" haben die Jungs ein verdammt heisses Eisen im Feuer. Vielleicht hätte den Liedern ein organischer Sound gut getan, denn die Produktion von Andy Sneap wirkt oftmals (zu) kalt. Dafür punkten die Jungs wieder mit einem absolut kultigen Cover. Somit und als Fazit: Ein Höhepunkt in der Karriere von Overkill!
Tinu    
Punkte: 9.5 von 10
TOKYO MOTOR FIST - Same
Frontiers Music/Musikvertrieb
Yes Baby, da ist er wieder, der 80er Hard Rock mit Balls und einem Gitarristen, der dich schwindlig spielt. Das Starensemble mit dem ehemaligen Danger Danger-Shouter Ted Poley, den beiden ehemaligen Rainbow-Recken Chuck Burgi (Schlagzeug) und Greg Smith (Bass) sowie dem Trixter-Gitarristen Steve Brown hat hier ein verdammt heisses Eisen veröffentlicht. Da stimmen die Chöre, die Härte, die Melodien, die Arrangements und das musikalische Können. Wer Trixter und Danger Danger mag, wird Tokyo Motor Fist lieben. Schon das fetzige "Love Me Insane" und der Opener "Pickin' Up The Pieces" überzeugen. Mit "Shameless" rocken die Jungs munter und unglaublich erfrischend weiter. Als wäre dies ihre erste Platte ohne Wenn und Aber, gehts in die Vollen des amerikanischen Hard Rock. Unbekümmert und mit viel Herzblut. Balladen dürfen nicht fehlen. Mit "Love" gehen die Herren nicht zu schwülstig ans Werk und treffen mitten ins Herz der schmachtenden Ladys. "You're My Revolution" geht mit viel Schmackes und treibenden Rhythmen ins Rennen, und "Put Me To Shame" lädt zu lautem Mitschreien ein. Über all den Songs steht aber das Riff, das rockt, und die Stimme von Ted, der schon lange nicht mehr so herzerfrischend gesungen hat. "Done To Me" erinnert an Def Leppards "Pour Some Sugar On Me", taucht im Refrain aber in die typische Tokyo Motor Fist-Hookline ein. Mit Herzschmerz und rockigen Klängen weiss "Get You Off My Mind" zu überzeugen, und "Fallin' Apart" rockt nochmals kräftig aus den Boxen. Man kann sich immer fragen, ob solche Supergruppen eine Daseinsberechtigung haben. Aber wenn das Endergebnis so knackig, nachhaltig und mitreissend geworden ist, hat eine Band alles richtig gemacht. Darum beide Daumen hoch für TMF, die ein verdammt geiles Album abgeliefert haben und zeigen, dass sie trotz nicht immer ganz überzeugenden Soloscheiben (Poley) noch immer genügend Pfeffer im Arsch haben und die 80er zeitgerecht aufleben lassen können.
Tinu 

Punkte: 9.5 von 10
BATTLE BEAST - Bringer Of Pain
Nuclear Blast/Warner
Battle Beast gehören mit Sicherheit zu den Bands der Stunde. Nach dem Wechsel auf der Position der Sängerin, von Nitte Valo hin zu Noora Louhimo, ging es nach dem Debut von Album zu Album steil bergauf. Auf dem zweiten Album "Battle Beast", welches auch gleichzeitig den Einstand von Noora darstellte, blieben die Finnen ihrer Linie treu und brachten eine Scheibe auf den Markt, die dem Debut musikalisch noch sehr ähnelte. Doch schon auf ihrem letzten Album "Unholy Savior" begannen sie, ihrem ohnehin schon melodiösem Power Metal etwas mehr Pop-Elemente beizumischen. Diesen Weg gehen Battle Beast nun auch auf dem neuen Album "Bringer Of Pain" unbeirrt weiter, man könnte sogar sagen, die poppigen Parts wurden noch etwas verstärkt und perfektionierter eingesetzt. Nicht, dass hier jetzt jemand einen falschen Eindruck erhält, denn eines ist auch auf Album Nummer vier klar: Battle Beast bleiben Battle Beast. Schon der erste Song "Straight To The Heart" macht dies klar und bringt gleich zum Einstieg einen Ohrwurm, der sofort Lust auf mehr macht. Bei "Bringer Of Pain" wird das Gaspedal zum ersten und einzigen Mal ordentlich durchgedrückt, bevor es dann mit "King For A Day" gelassener und melodiöser wird. Man kann sich natürlich darüber streiten, aber ich finde, dass es Battle Beast wunderbar zu Gesicht steht, ihre Form von Metal mit etwas Pop aufzuwerten. Die Songs werden dadurch deutlich schneller zugängiger und machen die Finnen auf ihre Art und Weise tatsächlich einzigartiger. Wenn ich solche Kracher wie "Bastard Sons Of Odin", "Familiar Hell" oder "Beyond The Burning Skies" höre, krieg ich sofort bessere Laune und freue mich jetzt schon tierisch darauf, Battle Beast mit ihren neuen Songs bald live sehen zu können. Es soll allerdings niemand denken, dass "Bringer Of Pain" ein zu softes oder auf radiotauglich gemachtes Album geworden ist, vielleicht ist das mehrfach verwendete Wort "Pop" auch etwas irreführend. Fakt ist, wem Battle Beast bisher gefielen, der MUSS sich "Bringer Of Pain" unbedingt zulegen, wer schon immer Probleme mit der Musik der Finnen hatte, wird sich auch jetzt wohl nicht umstimmen lassen. Für mich ist "Bringer Of Pain" ein weiterer Schritt in die richtige Richtung, ein fantastisches Album mit klasse Songs, oder besser gesagt Ohrwürmern, welches Battle Beast weiter voran und hoffentlich viele neue Fans bringen wird. So muss das sein!
Sascha Sch. 

Punkte: 9.3 von 10
EDENBRIDGE - The Great Momentum
Steamhamemr/Musikvertrieb
Endlich mal wieder was Neues von Sabine Edelsbacher und Lanvall. Wie schon länger wurde auch der neue Rundling im Thin Ice Studio von Threshold-Gitarrist Karl Grom eingespielt. Ab und zu kann man seine Einflüsse im Gitarrensound deutlich hören. Die passen aber hervorragend zu Lanvalls Songs. Ganz toll muss die Arbeit gewesen sein zusammen mit den Jungen Philharmonie Freistadt, die hier immer wieder klasse im Sound eingebettet sind. Lanvall hat hier wieder neun sehr starke Perlen komponiert, die von Sabines wunderschöner Stimme geprägt sind. Wie beim treibenden "The Die Is Not Cast" sehr gut zu hören ist. Und dazu immer wieder die wunderschönen Gitarren-Soli von Lanvall, den ich für einen der gefühlvollsten Gitarristen halte. Unglaublich, wie das der Österreicher macht, so schöne und gefühlvolle Soli zu komponieren und zu spielen. Es gibt wirklich nur noch wenige, die das so beherrschen und so einen grossen Wiedererkennungswert haben, ganz grosses Kompliment an Lanvall. Mir gefällt auch der Gegensatz von harten Riffs zu der Philharmionie und den schönen Gesangsmelodien, zu hören bei "The Moment Is Now". Das Solo beim Anfang von "Until The End Of Time" erinnert stark an Lanvalls Solowerk und an Voiciano, wie auch die Ballade "Only A Whiff Of Life" das Projekt von Sabine und Lanvall, hier wird Sabine am Mic unterstützt von Erik Martensson, klasse Duett. Aber das Herzstück ist hier ganz klar das 12-Minuten-Epos "The Greatest Gift Of All". Ein Song, der alle Stärken von Edenbridge wiederspiegelt, sehr Orchestral, gefühlvoll mit tollen Breaks, Hammersoli, Tempowechsel und schöne Klavierparts und starken Riffs. Für mich ist "The Great Momentum" neben "Shine" eines der besten Werke der sympathischen Österreicher, ich hoffe, dass dieses Album der Band endlich den längst verdienten Schub nach vorne verschafft, verdient haben sie es schon lange. Hammer Album echt, macht süchtig!
Crazy Beat 

Punkte: 9.3 von 10
BLACK STAR RIDERS - Heavy Fire
Nuclear Blast/Warner
Unglaublich, was Scott Gorham (Gitarre) zusammen mit Wahnsinnsstimme Ricky Warwick, Damon Johnson (Gitarre), Robbie Crane (Bass) und Jimmy DeGrasso (Schlagzeug) alles in den ersten Song packt. Als würden die Jungs fünf Tracks in einen schmeissen und locker drauflos rocken. Die Black Star Riders haben sich ihre eigene Nische erspielt und sind aber logischerweise noch immer stark mit der ehemaligen Truppe von Scott, namentlich Thin Lizzy, verbunden. Das Schöne ist auch, dass in letzter Zeit vieles zwar gut, aber nicht mehr überragend war. Da bilden Black Star Riders eine angenehme Ausnahme und spielen sich schon mit dem Titelsong und "When The Night Comes In" in einen Rausch und auf ein Qualitätslevel, was man von vielen anderen Bands vermisst. Hier wird mit viel Gefühl und der richtigen rockigen Härte musiziert und zeigt dabei 99 % aller Nachahmer den gestreckten Mittelfinger. Auch "Dancing With The Wrong Girl" besitzt ein unglaubliches Flair, das sofort zupackt und dich nicht mehr loslässt. Thin Liz - sorry - Black Star Riders verstehen es, mit einem simplen Riff eine unglaubliche Atmosphäre zu erschaffen und klopfen immer wieder beim Retro Rock an, ohne dabei ihren ureigenen Sound zu verlassen. Mit "Cold War Love" hat der Fünfer einen unglaublichen, unter die Haut gehenden Track erschaffen, der als feinfühlige Halbballade überzeugt. "Ticket To Rise" erinnert an die schottischen Gun, und mit dem abschliessenden "Letting Go Of Me" knallen die Jungs nochmals aus allen Rohren. So geil wie "Heavy Fire" geworden ist, gefallen mir die beiden Vorgänger "All Hell Breaks Loose" und "The Killer Instinct" doch noch eine Spur besser. Trotzdem haben Black Star Riders alles gut gemacht. Mit dem Gitarren-Duo Gorham/Johnson kann eh nix anbrennen. Geile Scheibe einer noch viel geileren Band!
Tinu   
Punkte: 9.2 von 10
LIONVILLE - A World Of Fools
Frontiers Muic/Musikvertrieb
Nach zwei tollen und hochgelobten Alben war es in den letzten Jahren ziemlich ruhig um Lionville, und man fragte sich, ob das Projekt schon wieder ad acta gelegt wurde. Doch fünf Jahre nach "II" bringt das italienisch-schwedische Gespann nun doch ein Drittwerk heraus - und das Warten hat sich gelohnt! Lionville machen auf "A World Of Fools" genau da weiter, wo sie 2012 aufgehört hatten und bescheren uns fantastischen Melodic Rock/AOR mit vielen Keyboards und einer gesunden Portion Bombast. Nun, in meinen Augen ist ein richtig großartiger Melodic-Rocksong wahrer Balsam für die Seele, der Glücksgefühle freisetzt und den Hörer einfach mal alle Sorgen vergessen lässt und damit regelrecht befreiend wirkt. Doch das schafft wahrlich nicht jeder einfach so. Gerade bei Frontiers schießen die AOR/Melodic Rock-Bands bzw. -Projekte ja zum Teil wie die Pilze aus der Erde... Was zwar nicht heißen muss, dass diese schlecht sind - doch häufig verschmelzen viele davon ohne Wiedererkennungswert zum Einheitsbrei. Lionville stechen da zweifelsfrei heraus, und mit "A World Of Fools" kann sich das Quintett tatsächlich nochmals steigern. Lars Säfsund's wundervoller Gesang ist noch mehr gewachsen. Seine Stimme, die Kenner auch von Work Of Art kennen, ist für mich vom ersten Ton an das größte Highlight des Albums. Doch hervorragend ist ebenso die Produktion und der Mix der Scheibe, bei der Mastermind Stefano Lionetti wieder selbst Hand angelegt hat und einen glasklaren, aber druckvollen, runden Sound zaubert, bei dem man dennoch jedes einzelne Instrument raushören kann. Der Power-Opener "I Will Wait" ist die erste Single und macht mit coolen Gitarren und seinem schnelleren, treibenden Rhythmus sofort gute Laune. Der wunderbare Ohrwurm "Show Me The Love" ist solch ein oben genannter Seelenbalsam, der zum Mitsummen einlädt. Mit "Heaven Is Right Here" gibt's auch eine schöne Ballade - doch auf jeden einzelnen der 11 Songs brauche ich gar nicht einzugehen, denn Aussetzer gibt's keinen einzigen. Bis zum tollen, letzten Song "Image Of Your Soul" liefern Lionville Melodic Rock in Premiumqualität ab. Wow!
Juliane E. 

Punkte: 9.1 von 10
THE CLAMPS - Blend, Shake, Swallow
Heavy Psych Records
Wenn eine Band ein Album so betitelt und das Coverartwork dermassen perfekt dazu passend gestalten lässt, dann geht einem passionierten Freizeit-Bartender wie mir schon mal die Sonne im Herzen auf. Und wenn sich der Soundtrack zu dieser visuellen Visitenkarte dann tatsächlich als ordentlich arschtretender No-Bullshit-Rock'n'Roll erweist, dann hat die Truppe bei mir schon einiges gewonnen. Das Speed Rock, Stoner, Punk-Trio aus Bergamo gibt auf seinem zweiten Longplayer erwartungsgemäss ordentlich Gas und lässt eingepackt zwischen den Intrumentals "Barracuda (Intro)" und "Barracuda (Outro)" neun Nackenbrecher vom Stapel, die punkto Rotz, Urgewalt und Spielfreude keine Wünsche offen lassen. Um den Stil etwas detaillierter zu umschreiben, würde ich mal frühe Gluecifer als Referenz herbeiziehen, wobei man sich auch gerne mal an den Hellacopters und den Backyard Babies orientiert. Was kann da schon schief gehen, ausser dass man sich den Vorwurf fehlender Originalität gefallen lassen muss... Sei's drum, ist ja auch vollkommen egal, Danko Jones klingt seit zig Jahren immer gleich, alles andere würden ihm die eingefleischten Schweinerock-Fans schliesslich auch übel nehmen, insofern macht das Höllentrio aus dem Norden der Lombardei alles richtig. Zumindest fast, denn der derbe Gesang von Sänger/Gitarrist Ben ist leider extrem weit in den Hintergrund gemischt worden, so dass dieser in dem ganzen Gerödel zeitweise völlig untergeht. Gab es nicht mehr genügend Zeit mehr für einen vernünftigen Mix? Ist die Kohle ausgegangen? War zu viel Schmalz in den Ohren die Ursache? Ich weiss es nicht, aber das nächste Mal müssen sie das unbedingt besser machen, denn dieses röchelnde Organ verdient es gehört zu werden. Wer noch Anspieltipps braucht, darf sich gerne "Liars", "Must Destroy", "Enjoy The Ride" oder das gradlinige, alles pulverisierende Groovemonster "Fake & Blind" reinpfeifen.
Mirko B.. 

Punkte: 9.1 von 10
EX DEO - The Immortal Wars
Napalm Records/Universal
Was tut ein Rudel Frankokanadier, um der Welt vor Augen zu führen, dass die Wiege der Zivilisation dem Römischen Imperium zu verdanken ist! Sie verpacken die geschichtsträchtigen Texte in brutalen Melodic/Death-Sound und huldigen dem Imperator mit Ehrerbietung und Pomp. Die Rede ist natürlich vom Kataklysm-Ableger Ex Deo, der mit "The Immortal Wars" das dritte Album einem breiten Publikum zugängig macht. Die epischen Kriegsszenarien und orchestralen Hymnen verlangen eindeutig nach Fäusten in der Luft. Die acht Titel starke Platte folgt einem klaren Konzept. Sie zeigt Aufstieg und Fall von Hannibal und ist mit einer Gesamtspielzeit von knapp 40 Minuten eher kurz geraten. Trotzdem hat Mastermind und Vocalist Maurizio Iacono wieder ein grandioses Werk geschaffen, das Fans in Verzückung versetzen wird. Schon der erste Track "The Rise Of Hannibal" ist ein Stück altertümlicher Geschichte, der mit brachialen Riffs und powergeladenen Schlagzeugsalven auf eine grossartige Reise einlädt. Druckvoll und durchs Band energiegeladen schreitet das Album Titel für Titel voran und ist auch an Abwechslung kaum zu überbieten. "Crossing Of The Alps" legt dann auch an Geschwindigkeit zu und die Gitarrensalven versprühen eisige Kälte und bissige Winde. "Suavetaurilia" ist schliesslich die instrumentale Einleitung zum bombastischen "Cato Major - Carthago Delenda Est!", das mit einem grossartigen Violinen-Intermezzo aufwartet und an Abwechslung kaum zu überbieten ist. Melancholisch gefühlvoll endet schliesslich dieser Feldzug mit "The Roman", und es ist kein Problem, sogleich wieder die Play-Taste zu drücken. Ex Deo haben ein Gespür für grandiose Platten und sind echte Profis auf ihrem Gebiet.
Oliver H.  
Punkte: 9.0 von 10
TYGERS OF PAN TANG - Tygers Of Pan Tang
Restricted Release
Einen gewissen Blondschopf und Gitarristen namens John Sykes nahm ich erst ab der Ära Thin Lizzy, Whitesnake und Blue Murder wahr. Dass dieser in den frühen 80ern bei Tygers Of Pan Tang dabei war, realisierte ich erst später mal. Die Briten, die ihren Anfängen zur Ursuppe des NWOFBHM gehörten, machten ähnliche Mucke wie die frühen Iron Maiden, Saxon und unüberhörbar auch Def Leppard. Während diese danach die Grundsteine ihrer späteren Weltkarrieren legten, machten die Tygers mit «The Cage» (1983) einen stilistischen Schwenker, den der taube Leopard zur gleichen Zeit bedeutend besser hinbekam und der Rest ist Geschichte. Dass dies, das heisst die Bandauflösung, zu der Zeit der Karriere der Tygers nicht entgegen kam, spricht für sich selber. Es folgten einzelne Live-Auftritte und maues Material, ehe 1999 ein Auftritt in Wacken den Tiger wieder zum Fauchen brachte. Meine Wenigkeit sah die Band das erste Mal 2011 und nochmals 2015 in Balingen am BYH!!!-Festival. Dort hinterliess die Truppe beide Male einen mehr als nur guten Eindruck, und wer sich nun die brandneue, selbstbetitelte Scheibe anhört, wird seinen Ohren nicht trauen! Unter der treibenden Kraft des letzten verbliebenen Ur-Mitgliedes Robb Weir (g) will man es offenbar nochmals wissen. Der Opener «Only The Brave» walzt einen fast mit der Manier von Armored Saint in ihren besten Tagen nieder und auch «Dust» als straighter Rocker strotzt nur so vor Energie. Wer noch mehr Beweise im Geiste der The Dead Daisies braucht, wird dem Aufruf "Come on!» von «Glad Rags» noch so gerne folgen. Du heiliger Strohsack, da gehts ab Leute und wenn es eine Gerechtigkeit in diesem Business gibt, dann diese, dass sich Talent über Jahrzehnte halten kann und wenn die Zeit dafür reif ist, wieder abgerufen werden kann. Das dürfte vor allem Robb Weir ungemein freuen wie anspornen zugleich, denn was er und seine Crew da abliefern, passt perfekt in die jetzige Zeit. Die Mucke ist knackig produziert und trägt mit tempomässiger Abwechslung zu uneingeschränktem Hörvergnügen bei. «The Reason Why» und «Praying Fo A Miracle» decken derweil die unentbehrliche Abteilung der (Halb-) Balladen ab, und dass «Do It Again» vom Hauptriff her frech bei den alten Kingdom Dome («Do You Like It») wildert, schadet der Sache überhaupt nicht, im Gegenteil. Selbst die schmissige Version von «I Got The Music In Me» (im Original von The Kiki Dee Band) passt wie die Faust aufs Auge. Hammerscheibe, die man klar haben sollte.
Rockslave  
Punkte: 9.0 von 10
AXXIS - Retrolution
Phonotraxx
Axxis haben mit den letzten beiden Scheiben gezeigt, dass sie noch immer einer der besten Hard Rock-Bands sind. Nun liegt der neueste Streich vor. Der Albumtitel ist ein Wortspiel aus "Retro" und "Revolution". Wer nun Angst hat, dass die Deutschen wie eine Retro Rock-Band klingen, darf sich getrost wieder hinsetzen. Axxis sind Axxis geblieben und gehen nicht einen trendverseuchten Weg. Das haben sie auch gar nicht nötig, denn dazu haben die Deutschen zu viele Hits geschrieben. Fazit zum neuen Album: Axxis haben erneut ein sehr geiles Album komponiert, das in der Schnittmenge der beiden Vorgänger "Kingdom Of The Night II" liegt. Aber! Die Jungs um Sänger Bernhard Weiss und Keyboarder Harry Oellers haben sich im Studio verschanzt und Material komponiert, das auch an ihre Frühzeit erinnert und trotzdem sehr zeitgemäss klingt. Ist dies nun der Opener "Burn! Burn! Burn!" oder die restlichen Lieder, es macht Freude, "Retrolution" zu hören. Die ganz grosse Stärke lag auch immer bei den balladesken Momenten, die auch hier wieder zum Tragen kommen. "Queen Of The Wind" gehört in diese Kategorie und geht unter die Haut. "Rock The Night" ist keine Coverversion von Europe, sondern ein fett nach vorne rockender Track, der verdammt viel Laune macht. Weitere Mitsinghits könnten "Seven Devils" werden wie auch das druckvolle "This Is My Day". Axxis sind vielleicht eine Spur härter geworden, behalten aber ihre Rockwurzeln immer im Herzen und überzeugen mit den bekannten Melodien, die sofort ins Ohr gehen. Dies liegt auch an der Stimme von Bernhard Weiss, die man sofort erkennt. Zusammen mit den alten Klassikern darf man sich auf die kommende Tour freuen, und mit den neuen Tracks wird es für das Quintett verdammt schwer, eine Setliste zusammenzustellen.
Tinu  
Punkte: 9.0 von 10
THOBBE ENGLUND - Sold my Soul
Metalville/Musikvertrieb
Während Thobbe auf seinen vorherigen 3 Alben sehr experimentierfreudig war und pro CD verschiedene Einflüsse wagte, bleibt dieses Album konstant im Hard Rock / Heavy Metal. Dies ist sein erstes Album mit eigener Band, welche er nach dem Austritt bei Sabaton gegründet hat. Stilistisch unterscheiden sich diese beiden Projekte ziemlich, dennoch leidet keineswegs die Qualität darunter. Mit 38 Minuten erhalten wir einen eher kurzen Player, dafür wurde er mit ganz viel Liebe zum Detail gemacht und kann möglicherweise sogar Sympathiepunkte von überzeugten Sabaton-Hassern ernten. Wie nicht anders zu erwarten basiert Thobbe’s Musik vor Allem auf Gitarren, aber auch Gesangstechnisch wagt er was. Einen Favoriten herauszupicken wird schwierig sein, am besten hört man sich diese Scheibe einfach mal an. Freunde des harten Rocks werden sicher viele positive Worte für Sold my Soul finden. Definitive Kaufempfehlung und Konzerttipp für den April!
Monika M.  

Punkte: 9.0 von 10
ARMORED SAINT - Carpe Noctum (live)
Metal Blade/Sony Music
Sie gehören zu den Bands, bei denen ich nie verstehen werde, wieso sie nicht im gleichen Atemzug wie Metallica genannt werden. Sänger John Bush wie auch Bassist Joey Vera wurden erfolglos von Metallica angefragt, ob sie nicht bei ihnen einsteigen wollten. Das war auch gut so, denn Armored Saint haben sich immer eines bewahrt: Sie sind dem Metal treu geblieben. Hört euch die geilen Schreie von John bei "March Of The Saints" an, und ihr werdet verstehen, wieso dieser Göttersänger der falsche bei Anthrax war. Der Ami-Fünfer präsentiert uns auf dieser Live-Scheibe acht Göttergaben und mit dem Killertrack "Stricken By Fate" sogar eine kleine Überraschung. Gibt es denn einen geileren Groover am Schlagzeug als Gonzo Sandoval? Nein, und eben dieser haut mächtig in die Felle und treibt Armored Saint an. Die Jungs können aber auch mit viel Melodie und der nötigen Härte überzeugen. "Last Train Home" beweist dies auf eindrückliche Art und Weise. Die wohl perfekteste Mischung aus Ballade und Powertrack bietet "Aftermath", und mit "Reign Of Fire" haben die Jungs einen Abschluss in den Reihen, für den andere Bands töten würden. Auch wenn die Karriere damals zusammen mit dem Tod von Urgitarrist David Prichard gewaltig ausgebremst wurde, die beiden Saitenderwische heute (Phil Sandoval und Jeff Duncan) machen ihren Job hervorragend. Musikalisch werden auch die beiden letzten Alben "La Raza" und "Win Hands Down" berücksichtigt. Dafür fehlen Überkracher wie "Reign Of Fear", "Underdogs", "Long Before I Die" oder "Nervous Man". Trotzdem haben Armored Saint auf "Carpe Noctum" eindrucksvoll gezeigt, dass sie noch immer zur Speerspitze des klassischen US-Metal gehören und Bands wie die alten Savatage, Vicious Rumors und Lizzy Borden locker in den Schatten stellen. Eine klare 10-Punkte-Angelegenheit! Basta!
Tinu 

Punkte:
keine Wertung
ZOMBIE MOTORS WRECKING YARD - Supersonic Rock'n'Roll
Napalm Records/Universal
Geiler Name, geiles Albumcover, geiler Sound! Den Tank vollgepackt mit höchst brennbarem Benzin, Stoner Rock und guter alter Sex, Drugs & Rock'n'Roll Attitüde - und dann mit dem selbst aufgemotzten Chopper immer schön dem Sonnenuntergang entgegendonnern! Im kargen Niemandsland von Victoria, Australien, haben Zombie Motors Wrecking Yard dafür auch ordentlich Platz. Wenn Sie nicht gerade Gummi geben oder eine Bar mit ihrem Stoner/Blues Rock in Schutt und Asche legen, zieht man sich im Rudel alte Sexploitation-Horrorstreifen rein. Die Galactic Motherfuckers haben sich an Bands wie Red Fang, ZZ Top, Clutch, Black Label Society und Co. orientiert, dann aber beschlossen, den Wüstensound mit Ministry-Groove und Sci-Fi-Dirt plattzufahren. Ihr Sound ist roh, rotzig und frech, die Stimme von Sänger Ran "Sickman" klingt rau und verbraucht und man erwartet, dass er jeden Moment eine Ausgeburt der Hölle ausspuckt. Titel wie "Love For Speed" oder "Bad Boy Benny" sind Programm und ziehen sich durchs ganze Album. Zehn Titel, die sich irgendwie gleichen und doch so verschieden sind. Zombie Motors Wrecking Yard sind wirklich auch für überzeugte Stonergegner eine Ausnahme wert. Das Debut "Supersonic Rock`n`Roll" knallt heftig, heftig, heftig!
Oliver H. 

Punkte: 8.9 von 10
MORS PRINCIPIUM EST - Embers Of A Dying World
AFM Records/Musikvertrieb
Es ist immer schön, wenn ein Album hält, was das Intro verspricht, denn wir alle wissen nur zu gut, dass das durchaus nicht immer so ist. In diesem Fall eröffnen düster-orchestrale Klänge die sechste Scheibe der finnischen Melo-Deather Mors Principium Est, und was danach folgt, ist deren Fortsetzung statt das erwartete, für die Truppe typische Melodic/Death Metal-Feuerwerk der Göteborger Schule. Die vier Kerle trauen sich diesmal wirklich was und vermengen ihre bisherigen Trademarks mit noch mehr Melodie und orchestralen Elementen, was sie teilweise in den leicht angeschwärzten Momenten gar in die Nähe der norwegischen Bombast-Black Metaller Dimmu Borgir rückt. Und wie selbige verstehen es die vier Finnen meisterhaft, filigrane Soundelemente mit brachialem Doublebass-Geboller zu kombinieren, ohne dass erstere chancenlos untergehen oder zweitgenanntes dadurch verwässert würde, man höre sich in diesem Kontext nur mal "The Ghost" mit seinen durchgehend sanften Pianoklängen an. Als begnadeter Meister seines Fachs erweist sich auch diesmal der britische Gitarrist Andy Gillion. Was dieser wieder an traumhaft schönen Melodien und rasiermesserscharfen Riffs aus seinen Fingern gezaubert hat, sucht wirklich seinesgleichen. Phasenweise lehnt er sich spieltechnisch gar soweit aus dem Fenster, dass er die Grenze zum Prog Metal schon mal überschreitet ("Apprentice Of Death") und damit den Gedanken anregt, wie Dream Theater heute klingen könnten, wenn sie nur wollten. Der gekonnt sparsame Einsatz von Keyboards tut sein Übriges, um aus diesem Album einen absoluten Hörgenuss zu machen. Der nach dem Intro alles niederwalzende Opener "Reclaim The Sun" und das auf den Fuss folgende "Masquerade" zeigen in diesem Zusammenhang eindrücklich, wie sich Tradition und Moderne harmonisch und songdienlich kombinieren lassen. Warum erreicht dann dieses Überalbum, das neben all diesen Songperlen über einen absoluten Mördersound verfügt, immer noch nicht die magische Neun-Punkte-Grenze? Weil ich die namensgebende Nummer "Death Is The Beginning" als zu pathetisch oder gar kitschig empfinde. Rein handwerklich betrachtet geht das Ding erwartungsgemäss noch absolut in Ordnung. Aber durch die Kombination der kristallklaren Elfenstimme einer mir unbekannten, weil nicht namentlich erwähnten Sängerin mit Ville Viljanens unterirdischen Growls wird genau jener ausgelutschte "Beauty and the Beast"-Effekt erwirkt, den ein Album wie dieses überhaupt nicht nötig hat. Insgesamt betrachtet ist aber "Embers Of A Dying World" trotzdem ein wichtiger und sicherer Schritt in die richtige Richtung. Von dieser exzellenten Truppe können wir noch einiges erwarten.
Mirko B.   
Punkte: 8.9 von 10
CRYSTAL VIPER - Queen Of The Witches
AFM Records/Musikvertrieb
Den polnischen Heavy-Metallern hat gesundheitsbedingte Zwangspause seit 2013 unglaublich gut getan. War deren damaliges Album "Possession" ein lauwarmes Gebräu, überflügelt das neue Werk gar alte Glanztaten. Das Songwriting ist 2017 deutlich eingängiger, abwechslungsreich und schlicht zwingender. Frontfrau und Hauptkomponistin Marta Gabriel schreit sich hier die Seele aus dem Leib und verlässt den sicheren Hafen der tiefen Gesänge nur dann, wenn es wirklich Sinn macht. Das ist gut so, denn gerade bei den hohen Klängen nervt man sich als Hörer sonst sehr schnell. Auf "Queen Of The Witches" bleibt aber alles im ertragbaren Bereich. Mehr noch - die Sängerin schafft es regelrecht zu begeistern. Wobei gerade der Einstieg mit den ersten vier Liedern gelungen ist. "The Witch Is Back" rumpelt klassisch, während bei "I Fear No Evil" Iron Maiden in bester, aber nicht kopierender Manier interpretiert werden. "When The Sun Goes Down" stampft zurückhalten instrumentiert zum epischen Refrain, um die Bühne für das nächste Album-Highlight frei zu geben. Nur von Klavier und Gabriels Stimme getragen ist "Trapped Behind" eine erstaunlich unkitschige Ballade. Wer nach diesem Quartett noch ans Abschalten denkt, hat definitiv keinen Geschmack! Kommt dazu, dass Crystal Viper das Tempo wieder deutlich anziehen und es nur für "We Will Last Forever" unterbrechen. Mit neun eigenen Lieder und dem Grim Reaper-Cover "See You In Hell" ist "Queen Of The Witches" auch knackig kurz geworden. So kurz, dass man gerne die Repeat-Taste drückt!
Roger W.   
Punkte: 8.9 von 10
HORISONT - About Time
Century Media/Universal
Schön, dass man sich auf gewisse Dinge immer noch verlassen kann. Eine ebensolche Sache ist, dass die Schweden Horisont auch auf ihrem fünften Langspieler "About Time" ihren Weg weitergehen und uns wieder eine ordentliche Portion 70er Retro Rock um die Ohren knallen. Zwar werden die Jungs auch mit der Veröffentlichung ihrer neuen Scheibe nicht über den Status einer Underground-Band oder eines Geheimtipps hinauskommen, aber das sollen sie auch überhaupt nicht. Genau das passt zu Horisont und lässt sie mitunter so authentisch wirken. Aber auch musikalisch tut dies der Truppe sehr gut, denn ohne jeglichen Druck, servieren sie uns wieder ein grandioses Album. Der erste Song "The Hive" wirkt anfangs noch etwas störrisch, entwickelt sich dann aber zu einer tollen, progressiven Nummer. Das anschließende Doppel "Electrical" und "Without Warning" bilden die absoluten Highlights der Platte und beweisen, dass diese Band das gewisse Etwas hat. Aber auch "Boston Gold", "Hungry Love" oder "Night Line" überzeugen mit ihrem Retro-Charme und zeigen die Band so spielfreudig wie immer. Zugegeben, man muss nach wie vor mit der Stimme von Sänger Axel Söderberg klarkommen. Von Kritikern wird sein Gesang oft als zu schrill, stellenweise zu hoch oder gar unpassend dargestellt. Dem kann und will ich mich definitiv nicht anschließen. Für mich macht seine Stimme die Musik von Horisont sogar erst rund und die Band so einzigartig. Auch wenn es unzählige Bands gibt, die auf der Retro-Schiene fahren und darunter auch viele sehr gute, stechen Horisont da nochmal heraus. Denn wer sich "About Time" anhört, wird trotz der großartigen Produktion und den musikalischen Meisterleistungen sofort in die 1970er versetzt. So authentisch und mit so viel Hingabe geht kaum eine andere Truppe zu Werke. "About Time" stellt für die Schweden einen weiteren Schritt nach vorne dar, denn auch wenn der Vorgänger "Odyssey" schon ein kleines Meisterwerk war, schaffen sie es, dem auf dem neuen Album noch einen drauf zu setzen. Ein bisschen mehr Vielfalt und ein paar kleinere Experimente, und fertig ist ihr bisher bestes Werk. Ihre Fans werden "About Time" mit Sicherheit lieben.
Sascha Sch.  
Punkte: 8.7 von 10
MY SLEEPING KARMA - Mela Ananda (live)
Napalm Records / Musikvertrieb
Nach fünf Studioalben werfen die Aschaffenburger Psychedelic-Instrumentalrocker mit Hang zur hinduistischen Mystik anlässlich des zehnjährigen Bandjubiläums ihre erste Livescheibe auf den Markt. Erwartungsgemäss berücksichtigt das Quartett dabei sein ganzes bisheriges Schaffen, wobei das 2015er-Album "Moksha" mit insgesamt drei Songs am stärksten vertreten ist. Auch im Livekontext bleibt sich die Band in ihrer konsequenten Haltung gegen die nicht mehr so heftige, aber immer noch wütende "Loudness War" treu und setzt voll und ganz auf Dynamik, Feeling, Atmosphäre und Emotionen, was dem still lauschenden Publikum offensichtlich zusagt. Zudem verdeutlicht die Truppe mit diesem Livealbum wieder einmal eindrücklich, wie fit die einzelnen Musiker an ihren Instrumenten sind. Da sitzt jeder Anschlag, jeder noch so kleine Akzent, und die rhythmischen Spielereien werden sehr dezent und mit spielerischer Leichtigkeit eingesetzt, beeindrucken aber dennoch durch ihre fast schon unmenschliche Präzision. Fans werden sich diese Livenachlese eh blind kaufen, lohnt sich ja auch vor allem in der Digipack-Version, denn die enthält noch eine Bonus-DVD mit der Band-Doku "Let's Give It A Try" und eine Show, die in Köln für den WDR Rockpalast aufgezeichnet wurde. Und für all jene, die die Band bisher noch nicht kannten, ist diese Scheibe die beste Gelegenheit, um sich ein Bild ihrer unanfechtbaren Qualitäten zu machen.
Mirko B. 

Punkte:
keine Wertung
ASIA - Symfonia (Live in Bulgaria 2013)
Frontiers Music/Musikvertrieb
Es gibt kaum was Betrüblicheres, als wenn man zu Beginn einer Review verkünden muss, dass ein Musiker der betreffenden Band nicht mehr unter uns weilt. Leider aber Tatsache und traurig zugleich, denn am 31. Januar starb Bassist und Leadsänger John Wetton (R.I.P.) an Krebs. Obwohl das vorliegende Live-Album «Symfonia» aus dem Jahre 2013 stammt, trägt es nun den Stempel eines Vermächtnisses. Asia entstanden in den 80ern aus den temporären Ruinen von Yes, wo sich Gitarrist Steve Howe und Keyboarder Geoffrey Downes mit Drummer Carl Palmer (von ELP) und Bassist John Wetton (King Crimson, Uriah Heep) zusammen taten. Das daraus entstehende Debüt war geprägt von einem Monster-Hit, der Segen und Fluch zugleich wurde: «Heat Of The Moment»! Nach zig verschiedenen Lineup-Wechseln und der 90er-Phase mit Sänger John Payne kamen die vier Ur-Mitglieder 2005 wieder zusammen. So gereichte es mir 2010 in Winterthur zum einzigen Konzert mit der Ur-Formation. Obwohl es von Asia schon unzählige offizielle Live-Mitschnitte gibt, erstaunt «Live in Bulgaria 2013» gleich in doppelter Hinsicht, denn einerseits wurde die Band von einem Orchester begleitet, das man allerdings kaum wahr nimmt, und andererseits überrascht der vergleichsweise "raue" Sound. Wem also frühere Mitschnitte zu plüschig oder gar klebrig waren, kriegt hier, da nur auf eine CD zusammengepfercht, einen Ausschnitt dessen, was vor allem die alten Asia ausgemacht hat. Der mittlerweile nicht mehr so frische Neuzugang Sam Coulson, der Altmeister Mike Howe ablöste, bringt sich auf «Symfonia» ordentlich ein. Ob Asia nach dem bedauerlichen Tod von John Wetton weiter machen, steht noch in den Sternen. Die immense Discographie der Kultband spendet den Fans ewiglichen Trost, und dazu gehört «Symfonia» auch.
Rockslave 

Punkte:
keine Wertung
IMMOLATION - Atonement
Nuclear Blast/Warner
Ich muss gestehen, ich kann mich nicht mehr erinnern, wann ich mir das letzte Mal Immolation bewusst angehört habe. Wobei dies nicht mal so erstaunlich ist, denn die Truppe wütet seit fast 30 Jahren durch die Gedärme des Extreme Metal, und mit „Atonement“ steht nun das Zehnte Schlachtfest auf dem Tellerchen bereit. Los geht es mit „The Distorting Light“, und dies wie ich es mir erwartet hatte, zumindest der wütende Anfang mit Disharmonie im beschleunigtem Prügel-Takt überrascht mich nicht wirklich, doch schon im Verlauf dieses ersten Brechers wird deutlich, dass Immolation nicht nur auf das vertonte Chaos setzen, sondern durchaus auch Strukturen schaffen können, indem sie gekonnt an der Temposchraube drehen. Deutlicher wird dies noch bei „When The Jackals Come“, das wieder im Rausch der Geschwindigkeit startet und schlussendlich die letzten eineinhalb Minuten in einem schleppenden, ja fast schon hypnotisch wirkendem Riff mündet. So zieht sich dieses Wechselspiel aus brutalen Knüppelorgien und mitreissenden Mid Tempo-Passagen über die gesamte Strecke der Scheibe, und hie und da werden auch noch ein paar Leads oder Frickel-Soli eingebettet. Auch das wirklich sehr dynamische Schlagzeugspiel macht „Atonement“ zu einem organischen Genuss, der insbesondere durch die allgegenwärtig beklemmende und düstere Atmosphäre punkten kann. Sehr erfreulich ist, dass Immolation nicht einfach nur eine Dampfwalze sind, welche alles platt drückt, sondern „Atonement“ ist durchaus anspruchsvoll und abwechslungsreich, was die Jungs wohltuend aus dem Einheitsbrei raus hebt. Wer bis anhin der Band die Stange gehalten hat, wird bestimmt nicht enttäuscht sein, auch wenn man hier nicht einen Jungbrunnen an Ideen erwarten soll, so wage ich zu behaupten, dass Immolation in dem jungen Jahr für einen ersten Höhepunkt im Death Metal-Genre sorgen.
R.K.    
Punkte: 8.5 von 10
UNHERZ - Das Volk stellt die Leichen
Laute Helden/Musikvertrieb
Die Deutsch-Metaller Unherz überzeugen mit einem Werk, welches mich nach vielen Jahren wieder vollends gewinnen kann. War für mich das Zweitwerk "Herzschlag" eine kleine Offenbarung, konnten mich die nachfolgenden Werke nicht mehr so richtig packen. "Das Volk stellt die Leichen" findet nun wieder die Resonanz, die rein objektiv auch die anderen Alben hervorgerufen hätten. Oberflächlich hört man bei Unherz zwar auch 2017 die grossen Vorbilder (Toten Hosen, Böhse Onkelz) heraus. Wer aber genau hinhört, findet einen einzigartigen Klang und textlich das volle Leben. Unherz singen über persönliche und gesellschaftliche Abgründe, wagen sich ohne rechtes Gedankengut ans Thema Heimatliebe, schwören ewige Treue, und zitieren sich bei "UMC" gleich selber. Dazu kommen neben den üblichen Rockern auch Hymnen à la "Helden von morgen" und "Die Welt In Flammen". Unherz klingen auch 2017 nach ganz viel Herzblut. Dazu kommt eine grosse metallische Schlagseite, welche man bei ähnlichen Bands sonst nicht hört. Fans der Band können also nichts falsch machen. Nicht-Deutsch-Rocker dürfen sich aber ebenfalls von "Das Volk stellt die Leichen" überzeugen.
Roger W.    
Punkte: 8.5 von 10
ONCE HUMAN - Evolution
Ear Music/ Phonag Records
"Evolution" heißt es nun also, das zweite Album der amerikanischen Melodic-Deather Once Human um ihren Gitarristen und gleichzeitig Produzenten Logan Mader. Fans harter Musik dürfte Logan ein Begriff sein, verdiente er doch schon seine Brötchen bei Größen wie Machine Head und Soulfly, produzierte aber auch Bands wie Fear Factory, Gojira und Devildriver. Mit seiner jetzigen Truppe Once Human bringt er nun das zweite Studioalbum auf den Markt und macht unmissverständlich klar, dass es sich hierbei keinesfalls nur um ein Projekt handelt, sondern um eine Band, von der noch weiterhin zu hören sein wird. Großes Merkmal von Once Human ist die Tatsache, dass wie bei ihren Genre-Kollegen Arch Enemy, eine Frau, hier in Form von Lauren Hart, das Mikro in der Hand hält und alles in Grund und Boden röhrt. Nicht nur deshalb, sondern auch wegen ihrer musikalischen Ausrichtung ist der Vergleich zu ihren Landsleuten durchaus angebracht, wenn auch mit kleinen Unterschieden. Stimmlich finde ich, dass Lauren deutlich dunkler und tiefer klingt als Alissa, auch der Umfang, wie sie ihr Organ einsetzt, ist merklich variabler. Musikalisch schaffen es Once Human, ihren Songs eine wahnsinnige, teilweise schon unheimlich wirkende Atmosphäre beizufügen, die, gepaart mit den tollen Melodien, für die Eigenständigkeit auf "Evolution" sorgt. Unüberhörbar sind auch die bisherigen Stationen von Logan Mader mit dabei, denn "Evolution" knallt regelrecht aus den Boxen und hat einen sehr gesunden, modernen Anstrich, der immer mal wieder den Sound von Machine Head durchblitzen lässt. Once Human sind aber längst kein Abklatsch, da würde man der Band wahrlich unrecht tun. Im Gegenteil, sie verstehen es, ihre Musik stets interessant und abwechslungsreich zu gestalten, so dass man bei jedem Anhören über neue, aufregende Parts stolpert. Beispielsweise experimentieren sie ab der zweiten Hälfte der Scheibe mit cleanem Gesang, was den Songs sehr, sehr gut tut und gerne noch mehr hätte eingesetzt werden dürfen. Aber so darf es definitiv weitergehen. Denn wenn weiter Songs der Sorte "Paragon", "Killers For The Cure" oder "Gravity" geschrieben werden, steht Once Human mit Sicherheit nichts mehr im Wege.
Sascha Sch.    
Punkte: 8.5 von 10
BURNT OUT WRECK - Swallow
TRHRC/Cherry Red Records
Wenn das keine Leistung ist, Burnt Out Wreck wurden im letzten Sommer gegründet und stehen rund ein halbes Jahr später bereits mit dem Debut-Album auf der Matte. Weiter verwunderlich ist dies aber trotzdem nicht, da bei der Band alles alte Hasen am Werke sind. Mainman und Sänger der Truppe ist Gary Moat. Dieser wiederum kam in den Achtzigern als Drummer von Heavy Pettin' zu Ruhm und Ehren. Nach drei Alben war dann aber damals Schluss, und die Spur von Gary verliert sich. Obwohl er bereits 1991 Mother's Ruin ins Leben rief und dabei erstmals als Sänger aktiv wurde, konnte die Formation erst 2011 relevant in Erscheinung treten, nämlich als Support von Duff McKagan. Dass der gute Mann über die Jahre keine Akzente setzen konnte, erstaunt aufgund der hohen Qualität, die "Swallow" zu bieten hat. Die Band bewegt sich äusserst versiert im klassischen, rifforientierten Hard Rock. Da sind die Querverweise zu AC/DC und Krokus schon fast offensichtlich. Doch man hat nicht nur musikalische Gemeinsamkeiten. Vocalist Gary's Stimme weisst auffällige Ähnlichkeit mit der von Bon Scott und Marc Storage auf. Doch auch das Songwriting ist nicht von schlechten Eltern, reicht aber dann doch nicht ganz an die australische und Schweizer Legenden heran. Nichts desto trotz können die erdigen Songs durch die knackigen Riffs und die fundierten Melodien mit hoher Eingängigkeit überzeugen. Interessante Formation mit einem ansprechendem Album.
Chris C.    
Punkte: 8.5 von 10
BLOODBOUND - War Of Dragons
AFM Records/Musikvertrieb
Die schwedischen Heavy Metaller Bloodbound verdienen Respekt und Achtung! Seit 2011 reviewe ich nun deren Alben und komme jedes Mal zum gleichen Ergebnis: Bloodbound sind eine Coverband mit eigenen hervorragenden Liedern- Und ja, die Schweden schreiben von Album zu Album bessere Lieder - und bleiben trotzdem unglaublich austauschbar. Das macht das Hören nicht einfacher, baut aber Spannung auf. Soll man sich nun über die unglaublich dreist geklauten/gecoverten eigenen tollen Liedern ärgern oder freuen? Die Gewissensbisse starten bereits beim Album- und den Liedtiteln. Für "War Of Dragons" wurde textlich der "Dragonslayer-Baukasten" hervor genommen. Lieder mit Titeln wie "Battle In The Sky", "Tears Of A Dragonheart", "War Of Dragons", "Stand And Fight", "King Of Swords", "Fallen Heroes" oder "Dragons Are Forever" zeugen einerseits von grosser Konsequenz, anderseits aber auch von fehlender eigener Kreativität. Dazu kommen Melodien, bei denen sich z.B. Sabaton ernsthaft überlegen müssen, ob sie Bloodbound vor Gericht erfolgreich verklagen könnten. Hört euch dazu "Tears Of A Dragonheart" oder "Silver Wings" an, und ihr wisst, was ich meine. Andere potentielle Kläger sind Nightwish für "King Of Sword", Rhapsody für "Dragons Are Forever" und mit Abstrichen HammerFall, Crystal Ball und Stratovarius. Dies klingt jetzt vielleicht sehr negativ, ist aber nur eine Seite dieses Albums. Denn gleichzeitig fassen die elf Lieder die genannten Bands dermassen gut zusammen, dass sie für Frischlinge der Metalszene zur ultimativen Einstiegsdroge werden könnten. Selten habe ich eine Band gehört, welche auf solch hohem Niveau ihre Helden neu interpretiert! Was bleibt ist ein Album und eine Band, bei der ich mir endlich die eigene Identität wünsche. Wie man gute Lieder schreibt, ist ja hinreichend bewiesen - jetzt tut es endlich!
Roger W.    
Punkte: 8.5 von 10
AVENFORD - New Beginning
Prise & Joy Music
Auf dem Infoblatt steht, für Fans von Iron Maiden, Helloween und Masterplan. Klare Ansage der beiden Bandgründer Peter Szeehoffner und Arpie Amson, die beide aus Ungarn stammen und in der Zwischenzeit nach England übersiedelt sind. Kommen wir zur Musik. Schon beim Eröffnungssong "Dead Or Alive" dröhnen fette, schnelle Gitarrenriffs aus den Boxen und bestätigen sofort das Obengenannte. Sehr gut gespielt, tight und aus einem Guss. "Back In Time" geht dann etwas ruhiger los mit Synthie-Unterstützung und hohem Melodie-Anteil im Gesang. "Assassin" kommt dann mit Maiden-Einschlag und Stakkato-Riffs, kräftigem Gesang, der im Refrain etwas an Blind Guardian erinnert. "Fury Road", ein zeitloser Metal-Song mit sehr lebendigen Drums und treibenden Gitarrenriff, dazu eine sehr gute Gesangsmelodie, genau so klingen Metal-Songs. Das kurze Instrumental "Maze Of Vision" mit akustischer Gitarre und wunderschönem Gitarren-Solo erinnert mich an MSG während der Mc Auley-Phase. Eines der Highlights ganz klar das 7 Minuten lange "New Beginning", das zuerst ruhig und bedächtig startet, sich dann in einen sehr melodiösen Track entwickelt, mit starken Twin Guitar-Soli. Auch "Dark Angel", eine ganz starke Nummer mit Suchtpotential. Avenford liefern hier ein wirklich Vielseitiges Metal-Werk ab, das durch alle 11 Songs hindurch ein hohes Niveau hält und dazu noch von Roland Grapow produziert wurde, der auch als Gast bei "Fury Road" ein Solo beigesteuert hat. Starkes Album, stark Produziert, starke Songs.
Crazy Beat    
Punkte: 8.5 von 10
HEAVY METAL KIDS - Hit The Right Button (Re-Release)
Dissonance Productions
Die britische Formation Heavy Metal Kids sorgte seit der Gründung 1973 immer wieder, bezüglich ihres Namens, für Verwirrung. Die Bezeichnung stammt aus einem Roman von William S. Burroughs und hat mit der Musikrichtung nichts zu tun. Die Band schaffte es aber bis 1978 mit nur drei Alben ("Heavy Metal Kids", 1974; "Anvil Chorus", 1975; "Kitsch",1977) nachhaltige musikalische Akzente zu setzen. Der kommerzielle Erfolg hält sich dabei in Grenzen. Nur "She's No Angel" von "Kitsch" schaffte es in die Charts. Für die Weiterentwicklung der Rockmusik ist deren Einfluss aber nicht zu unterschätzen. Gegründet wurden die "Kids" von Theaterschauspieler, Sänger, Paradiesvogel und Junky Garry Holton, der vorher zwei Jahre die Hauptrolle im Musical "Jesus Christ Superstar" spielte. Die Truppe spielte zwar ursprünglichen Rock mit den obligaten Blueseinflüssen, wurde aber auch von der aufkeimenden Glamwelle (Sweet, Slade) beeinflusst. Entscheidend ist aber deren Vorarbeit für die spätere Punkszene. Sehr gut kommt dies bei den New York Dolls und The Damned zum tragen, aber auch Hanoi Rocks und die späteren Brit Pop-Bands Blur und Oasis wurden entscheidend von den HMK geprägt. Nach dem Ende 1978 geriet die Band in Vergessenheit. Garry Holton starb 1985 an einer Überdosis. Erst 2003 wurde eine Reunion umgesetzt. Original-Keyboarder Danny Peyronel übernahm dabei zusätzlich die Leadvocals. Es wurde das ausgezeichnete Album "Hit The Right Button" eingespielt, das jetzt als Wiederveröffentlichung vorliegt. Selbstverständlich orientiert man sich an der eigenen Vergangenheit. Die Jungs haben dabei erstklassiges Songmaterial verfasst, das nur wenige Lückenfüller enthält. Einprägsame Melodien, grosse Chöre, aber auch rotzige Riffs und bluesige Soli wissen zu begeistern. Vor allem aber die individuelle Kreativität konnte die Band ins neue Jahrtausend transferieren. Wer das Album vor knapp 15 Jahren übersehen hat, sollte jetzt zugreifen.
Chris C.    
Punkte: keine Wertung
GHOST IRIS - Blind World
Longs Branch Records/Musikvertrieb
Fans von Tesseract und Periphery: Wenn ihr eure Lieblinge durch und durch auswendig kennt und ihr von Langeweile etwa Dream Theater hören solltet, kann ich euch beruhigen - es gibt einen Ausweg aus der Misere. Das ganze heisst Ghost Iris, stammt aus dem Norden, nämlich Dänemark, und ist dort sehr angesagt. Funk-inspirierten Djent-Tech-Sound nennt sich das Ganze, und ich kann der Prog-Gemeinde versichern, dass hier wirklich auf einem sehr hohen Niveau gefrickelt wird. Diese sehr gute Instrumentenfraktion wird mit einem harten Gesang begleitet, der auch sehr melodische Facetten aufweist. Für Normalsterbliche wird diese Platte sehr schwer zu verdauen sein. Staubsaugen liegt hier nicht drin, und auch eine Autofahrt mit "Blind World" kann sehr gefährlich werden. Ich würde mal vorschlagen, sich hinzulegen, um sich einfach berieseln zu lassen - ihr werdet staunen, das Ganze funktioniert auch nach einem schlechten Tag. Ein Highlight in diesem noch jungen Jahr.
Daniel J. 
Punkte: 8.5 von 10
BLACK SITES – In Monochrome
Mascot Records/Musikvertrieb
„In Monochrome“ ist das Debütalbum der Chicagoer Kombo um Sänger und Songwriter Mark Sugar. Nachdem seine Thrash/Melodic Death Metalband “Trials“ sich 2015 aufgelöst hatte, beschloss Sugar zurück zu seinen Wurzeln im Oldschool Metal/Prog Rock zurückzukehren und das Ganze mit klassischem Songwriting, düsterer Atmosphäre und starken Melodien abzurunden. Das Ergebnis geht tatsächlich unter die Haut – Leidenschaftlich, melancholisch, aber keinen Moment kitschig. Allerdings bin ich kein Fan von Sugars eher durchschnittlicher Stimme, der Gesang schwächelt teilweise doch arg und kann den starken Kompositionen nicht immer gerecht werden. Los geht‘s mit dem eher ruhigen und doch epischen Intro “M Fisto Waltz“ - ich bin ehrlich begeistert von diesem gelungenen Einstieg ins Album. Sehr schön sind auch die fliessenden Übergänge, die das Hörvergnügen zu einer runden Sache machen. Nahtlos weiter geht es mit “Dead Languages“, das eine sehr düstere Stimmung ganz im Stile von Horrorautor H.P. Lovecraft kreiert. Auch der Titeltrack “Monochrome“ sorgt für Gänsehaut – zwar etwas schleppend, aber doch eingängig wird dieser Track trotz klassischer Prog Rock Überlänge von 7 Minuten Spielzeit nicht langweilig. Für “Burning Away The Day“ wird das Tempo wieder deutlich hochgeschraubt, auch hier sind die Prog Rock Elemente unüberhörbar. Gleich darauf folgt ein weiteres Highlight mit “Hunter Gatherer“, das mit einem düsteren, klassischen Akustikgitarren-Intro beginnt und in eine epische Erzählung eintaucht, die vom Stil her an Queensr’che erinnert… Erwähnenswert ist auch die Ballade “The Tide“, wo zu Beginn nur Sugars Stimme und eine Akustikgitarre zu hören sind, bevor die epische Instrumentalisierung einsetzt. Fazit: Ein wirklich grossartiges Debütalbum! Das Songwriting ist stimmig und die Kompositionen abwechslungsreich; die zahlreichen Gitarrensoli sind ein echtes Highlight. Einzig am Gesang dürfte für meinen Geschmack noch etwas gefeilt werden, wobei die zweistimmigen Parts schon ein sehr guter Anfang sind, da sie dem Ganzen etwas mehr Tiefe verleihen. Wer auf melodischen Oldschool Metal gepaart mit Prog Rock steht, der kommt hier voll auf seine Kosten!
Patricia H.  
Punkte: 8.5 von 10
CROSSPLANE - Backyard Frenzy
7Hard
Als ich vor dem ersten Hördurchlauf der neuen Crossplane-Scheibe das Video zur Single "Dance With The Devil" sah, dachte ich sofort an eine Band, die das Erbe von Motörhead weiterführt, denn dieses Lied hätte auch ohne weiteres auf deren Album "1916" stehen können. Dieser Eindruck bestätigte sich zunächst beim Anhören des ersten Songs "Love Or Hate". Einem straighten Heavy/Rock'n'Roller, der auf Anhieb zündet und sich auch durch die markante, raue Stimme von Sänger Celli und dem eingängigen Refrain sofort festsetzt. Auch beim zweiten, aber schon deutlich melodiöserem "Grabbers" und dem anschließenden, bereits erwähnten "Dance With The Devil" gehen Crossplane scheinbar keine Kompromisse ein und huldigen offenkundig Lemmy. Aber, und das ist der springende Punkt auf "Backyard Frenzy", man tut den Jungs aus Essen unrecht, sie "nur" hierauf festzunageln und mit der Musik von Motörhead in Verbindung zu bringen, denn das Album bietet eine ordentliche Portion Abwechslung, und diese beginnt direkt mit dem vierten Song: "Blackness Of Souls" zeigt, dass auch Black Sabbath zu den großen Einflüssen des Quartetts gehören, und das machen Crossplane hier absolut hervorragend. Das fantastische "Reborn" baut auf einem tonnenschweren, langsamen Riff auf, welches sich regelrecht durch den Song schleppt und von einer schönen Slide-Gitarre begleitet wird, bevor er in einem lockeren Ohrwurm-Refrain seinen Höhepunkt findet. Für all diejenigen, die neugierig auf Crossplane wurden, kann ich nur sagen, hört euch das Album unbedingt an, es lohnt sich wirklich. Es gibt immer wieder Bands, die in diese Heavy/Rock'n'Roll-Kerbe einschlagen und oftmals schon auf Anhieb regelrecht langweilig klingen. "Backyard Frenzy" besticht dagegen durch seine Abwechslung und Frische. Hoffentlich sieht man die Jungs auch bald wieder auf Tour, denn mit diesem tollen neuen Album im Rücken werden die kommenden Liveshows sicherlich noch energiegeladener.
Sascha Sch.    

Punkte: 8.3 von 10
FREEDOM HAWK - Sunlight (Re-Release)
Ripple Music
"Sunlight" ist die Wiederveröffentlichung einer Debutscheibe auf Vinyl und im CD-Format, die ursprünglich im Jahr 2009 als digitales Album und als sehr limitierte CD das Licht der Welt erblickt hatte. Gut so, denn die Retro/Classic-Rocker aus Virginia beherrschen ihr Handwerk in ausreichendem Masse, um wirklich gut zu gefallen. Der Opener "Executioner" ist zwar eher die klassische Fehlbesetzung, die Nummer plätschert relativ spannungsfrei an mir vorbei, aber danach zeigen die Jungs glücklicherweise, was sie wirklich drauf haben. Auch wenn die hohe Stimme von Sänger/Gitarrist T.R. Morton vor allem in den Gesangslinien selbst nicht gerade variantenreich ist, passt seine stimmliche Nähe zum jungen Ozzy und zu Robert Plant wie der Arsch auf den Eimer zu den kernigen, rohen No-Bullshit-Rocksongs im traditionellen Soundgewand. Eine gewisse Nähe zu Berlins Finest Kadavar ist nicht abzustreiten, was ich aber eindeutig dem Zufall zurechne, ausserdem werte ich das absolut nicht als Nachteil, ganz im Gegenteil. Tracks wie "Land Of The Lost", "Sunlight", "Stand Back", "Lightning Charge" oder "Palomino" lassen kaum Wünsche offen, das ist einfach hochenergetischer Retro Rock at its best, der geradezu dazu einlädt, sich die späteren Releases der Truppe anzuhören. Glaubt mir, es lohnt sich! Nach dem grossartigen Schlusslicht "King Of Order" müsst ihr euch übrigens noch viereinhalb Minuten gedulden, um in den "Genuss" eines völlig überflüssigen Hidden Tracks zu kommen. Naja, künstlerische Freiheit hat auch seine Schattenseiten, sei's drum, aber sie kann den positiven Gesamteindruck dieses Albums definitiv nicht schmälern.
Mirko B.   
Punkte: keine Wertung
GREYWIND – Afterthoughts
Odyssey Music
Die Karriere von Greywind begann stürmisch wie ein Wirbelwind: Während manche Bands Jahre auf den Durchbruch warten, gelang es den irischen Geschwistern nur eine Woche (!) nachdem ihr erster Song fertig geschrieben war, bevor sie überhaupt je einen Gig gespielt hatten. Die Tinte war kaum getrocknet, das Demo des Songs grade erst hochgeladen und schon hagelte es Anfragen aus der Musikindustrie… Die O‘Sullivans, Steph (Vocals) und Paul (Gitarre), hatten neben diesem Überraschungshit (“Afterthoughts“) keine anderen Songs parat, nur ein paar Ideen… Produzent Jason Perry half ihnen dabei, diese Ideen in Songs auszuarbeiten und das Resultat ist dieses durchaus beeindruckende Debüt. Stephs Stimme erinnert ein wenig an Avril Lavigne, wobei der Stil eher in Richtung Halestorm oder auch Juliette Lewis geht. Die sphärischen Melodien explodieren teils unerwartet in leidenschaftliches Chaos, nach klassischer Post-Rock Manier eben… Zwar klingen die Tracks noch alle ein wenig ähnlich, aber das war bei einer so jungen Band durchaus zu erwarten. Allerdings scheinen die Geschwister ihren Weg überraschend schnell gefunden zu haben, denn die individuelle Signatur ist jetzt schon unverwechselbar. Highlights sind der Titeltrack “Afterthoughts“, das kraftvolle “The Lake“ sowie die himmlische Ballade “Stitch On My Wings“. Fazit: Greywind bringt frischen Wind in den Female Fronted Alternative Rock - Eine freche Rockröhre, eingängige Melodien und wunderschöne Gitarrenwelten. Unbedingt rein hören!
Patricia H.    
Punkte: 8.1 von 10
PLACE VENDOME - Close To The Sun
Frontiers Music/Musikvertrieb
1. Meinung:
Bisher dachte ich ja immer, dass Place Vendome mit Ex-Helloween-Goldkehlchen Michael Kiste schnuckligen, aber belanglosen AOR spielen. Tja, falsch gedacht, denn zumindest auf dem vierten Album rockt alles stimmig und mit einer gewissen Grundhärte. Wie bei Place Vendom üblich, wurden die zwölf Lieder auch diesmal von verschiedenen (teils) bekannten Songwritern beigesteuert. Unter anderem sind Beiträge von Magnus Karlsson (Primal Fear), Simone Mularoni (DGM) und Aldo LoNobile (Secret Sphere) dabei. Das erstaunt! Denn trotz der verschiedenen Liederschreibern klingt "Close To The Sun" in sich stimmig und nicht wie eine Best Of verschiedener Bands. Das könnte aber auch daran liegen, dass mit Kiskes Unisonic-Kollege Dennis Ward (Bass, Gitarre), Schlagzeuger Dirk Bruinenberg und Keyboarder Gunter Werno immer dieselben Leute die zwölf Lieder aufgenommen haben. Einzig für die Gitarren-Soli wurden weitere Musiker wie Gus G. (Firewind), Mandy Meyer (Unisonic) oder Kai Hansen (Unisonic, Gamma Ray, Ex-Helloween) beigezogen. Über all dem thront die Stimme von Michael Kiske, der erneut beweist, dass sein Gesang keine Abnützungserscheinungen zeigt. Das nützt aber alles nichts, wenn die Songs scheisse sind. Und das sind sie definitiv nicht. Für mich schlittern Place Vendome zwar in Richtung Belanglosigkeit, schaffen es aber vorher wieder, in die Relevanz-Ecke abzubiegen und platzieren ihren Tourbus im Topbereich. Will heissen: Klar kennt man diese Musik schon zu genüge, und Unisonic überzeugen mit einem ähnlichem Sound. Wenn aber dadurch Perlen wie "Across The Times", "Breathing" oder "Yesterday Is Gone" zum Besten gegeben werden, kann einem das schlicht egal sein. Wobei die zwölf Lieder nicht zwingend bereits beim ersten Hören überzeugen. Nach ein paar Durchgängen wirkt aber alles stimmig, und dieses Album fängt an zu blühen. Wer Kiskes Stimme mag und Unisonic super findet, kann mit "Close To The Sun" nichts falsch machen. Ein Album, das vielleicht nicht für die Ewigkeit gedacht ist, aber doch einige schöne Momente bereitet.
Roger W.  
Punkte: 8.0 von 10

2. Meinung:
Ich mache es kurz: Symphonischer Metal mit der Götterstimme von Michael Kiske bedeutet noch lange nicht, dass "Close To The Sun" auch ein Meisterwerk wird. Da helfen auch die Gastbeiträge von Kai Hansen, Mandy Meyer, Gus G., Alfred Koffler oder Magnus Karlsson nicht viel. Es ist alles sehr gut, die Songs, die Harmonien, die Melodien, das Handwerk, aber hattet ihr auch schon das Gefühl, dass dabei trotzdem etwas fehlt und man mit der Scheibe nicht warm wird. Das ist kein Hit, den man wieder hören will und alles klingt irgendwie schon mal gehört. "Riding The Ghost" rockt noch am ehesten... - Schade, aber vielleicht sollte sich Mister Kiske eher auf Unisonic konzentrieren, denn da stimmen die Songs und das Gesamtpaket.
Tinu 
Punkte: 6.5 von 10
WARS - We Are Islands, After All
Spinefarm Records
Wars sind eine Post/Hardcore-Band aus dem englischen Rugby, die sich 2015 gründete, um Musik zu machen, die das Chaos des Krieges zwischen Kopf und Herz begreiflich macht. Eine stürmische, wütende Katharsis, die sich über die Rührseligkeiten erhebt und wild an der Seele zerrt; eine leidenschaftliche, melodische und Noise-geladene Angelegenheit, die, egal in welcher Umgebung, unverhohlene Energie, Aggressivität und Raffinesse ausstrahlt. Ich habe diese Zeilen aus dem Infoblatt entnommen, weil das so zutrifft auf diese Metalcore-Band. Ja, denn Post/Hardcore und Metalcore scheinen sich eins in eins zu verschmelzen. Die Engländer zelebrieren eine gesunde Aggressivität, gepaart mit den Genre-üblichen Growls und Cleangesängen mit fetten Gitarrenriffs. Man vergisst die Melodien in der ganzen Wut nicht, und dadurch wird das ganze auch für nicht Metalcoreler sicher einfacher zu verstehen. Für meine Begriffe sind die Jungs im Fahrwasser, aber ehrlich gesagt trennt sich auch im Metalcore die Spreu vom Weizen und alles ist halt einfach nicht unbedingt supercool. Wars sind für meinen Geschmack guter Durchschnitt mit zwischenzeitlichen Ausrufezeichen und mit Luft nach oben. Ein gesundes Album.
Daniel J.   
Punkte: 8.0 von 10
ARDUINI / BALICH - Dawn Of Ages
Cruz Del Sur Music
Victor Arduini hat als Gitarrist die beiden ersten Fates Warning-Alben eingespielt und Brian Balich war der Shouter der Band Argus. Komplettiert wird das Ganze von Drummer Chris Judge. Die Jungs tummeln sich musikalisch im Doom Metal mit etwas Prog-Einschlag. Brian Balich hat ein tolles, kräftiges Organ, beeindruckend. Im Sound der drei hört man öfters Parallelen zu Black Sabbath und Candlemass, was das Musikalische betrifft, Balich geht da stimmlich seine eigenen Wege und genau das macht es spannend. Schon gut zu hören beim wuchtigen "Forever Fade". Das elf Minuten lange "Into Exile" beginnt mit einem mächtigen Gitarrenriff, geht dann schwerfällig treibend weiter, wechselt ein paar Mal das Tempo und glänzt mit starken Soli, und über all dem die grosse Stimme von Balich, grossartiger Song. Der Zweite Longtrack "The Wraith" startet verhalten, ruhig mit einem tollen Gitarrensolo und zieht sich dann zäh schleppend durch die nächsten acht Minuten, bevor dann das Gaspedal durchgedrückt wird, interessanter Track. mit siebzehn Minuten der längste Track ist das spannende "Beyond The Barricade", startet sehr gut mit einem Stakkato-Riff und starker Gesangsmelodie. Es folgen ein paar geniale Breaks und Tempiwechsel, tolle Drum-Arbeit hier. Dies ist echt das Highlight des Albums. Überraschend gelungen auch das Uriah Heep-Cover "Sunrise" und das Black Sabbath-Cover "After All" vom "Dehumanizer"-Album. "Dawn Of Ages" ist somit ein gelungenes Debut und macht Spass, vorausgesetzt, man steht auf Domm und obengenannte Bands.
Crazy Beat     
Punkte:
8.0 von 10
CNOC AN TURSA – The Forty Five
Apocalyptic Witchcraft
Ein Gemisch aus fernen Klängen einer Schlacht und weit im Hintergrund wahrnehmbarer schottischer Folksmusik eröffnet das zweite Studioalbum von Cnoc An Tursa. Die fünfköpfige Band hat es sich zur Aufgabe gemacht, das kulturelle Erbe Schottlands musikalisch aufzubereiten und damit einem grösseren Publikum bekannt zu machen. Viele romantisierte Geschichten und Legenden ranken um den Aufstand der Jakobiten im Jahre 1745, welcher die Grundlage für "The Forty Five" liefert. Die Dramatik - für die Highlander endete der Aufstand in der beinahen Zerstörung ihrer Kultur - widerspiegelt sich in der Musik: Die Grundstimmung ist mehrheitlich schwarzmetallisch-düster. Vor allem wenn die Heldenfigur Prinz Charlie Eduard Stuart besungen wird, mischt man episch-heroische Melodien bei. Dieser Enkel des vertriebenen Königs James II versuchte den Thron von König George zu erobern, der es sich zum Ziel gesetzt hatte, die Lebensart der Highlander auszuradieren, indem er die gälische Sprache, den Kilt, die Tartanmuster und den Dudelsack verbot. Genau jene Dinge flechten die stolzen Schotten von Cnoc an Tursa übrigens in ihre Musik und in die Liveshows ein. Der musikalische Auftritt auf dem Album vermag insgesamt zu überzeugen. Insbesondere im Bereich des Songaufbaus zeigt man eine grosse Vielfalt und mit dem immer wiederkehrenden Einsatz des Pianos schafft man einen gewissen Wiedererkennungswert. Liebhaber von schwarzmetallisch eingefärbtem, symphonischem Pagan Metal mit grossen Melodien werden hiermit ihre Freude haben.
Patricia L.     
Punkte:
8.0 von 10
NICK DOUGLAS - Regenerations
Metalville/Musikvertrieb
Der Anlass zu einem Solo-Album kann verschiedene Väter aufweisen. Entweder ist ein Musiker gerade unterbeschäftigt mit seiner Hauptband oder es besteht der Wunsch, eigene Ideen für die Nachwelt und sich selber zu schaffen. Die geht oft einher mit Stilbrüchen, muss aber nicht. Nick Douglas, seines Zeichens grossgewachsener Bassist und langjähriger Wegbegleiter der deutschen Metal-Queen Doro Pesch bringt mit «Regenerations» nach «Through The Pane» von 2001 sein zweites Soloalbum heraus, das eigenes Material der letzten fünfzehn Jahre enthält. Geboten wird perfekt produzierte Rockmusik mit leicht modernem Anstrich und einem vereinzelten Ausflug in poppige Gefilde. Nick realisierte sein aktuelles Baby praktisch im Alleingang und verzichtete dabei bewusst auf entlarvendes Guest-Material wie das Mitwirken von Doro. Dadurch hört man auf «Regenerations» Nick Douglas pur und das ist auch gut so. Dennoch tauchen mit Rebecca Gowarty (Lead-Vocals beim Schlusstrack «Blue) und Sharlotte Gibson zwei (mir) unbekannte Gastsängerinnen auf, wobei Letztere die wegen einem fehlenden Guitar-Solo etwas zu kurz geratene Top-Ballade «Before You Break» wunderbar mit dem stimmlichen Timbre von Hearts Ann Wilson im Duett mit Nick veredelt. Dazwischen rockt es immer wieder mal, wenn auch nie zu hart und dürfte somit eher dem amerikanischen Publikum munden. Das vorhin erwähnte Guitar-Solo gibt es dann dafür elektrifiziert auf «I Need Real» zu hören. Ebenso anregend sind ruhige akustische Dinger wie «Didn't We Try» oder «Unconfortable». Coole fluffige Scheibe von Mr. Douglas, die je nach Stimmung für gute Laune sorgt.
Rockslave     
Punkte:
8.0 von 10
PYOGENESIS – A Kingdom To Disappear
AFM Records/Musikvertrieb
Pyogenesis lassen sich nicht einfach in eine Schublade packen. Die Stuttgarter haben in ihrer über 25-jährigen Karriere schon manches Genre für sich entdeckt und sich dann doch wieder neu orientiert. Was mit Melodic Death Metal (1991) begann, wurde kurz darauf zum Gothic Metal (1992) und öffnete sich später dann der Rock Musik (1992). Pyogenesis machen Musik um sich selbst zu verwirklichen und das hört man dem Sound auch an. 2002 ging es für die Band dann in die grosse Pause, bis dann 2015 mit “A Century In The Curse Of Time“ endlich wieder ein Lebenszeichen erschien. In diesem Album geht es um die Entwicklung der Gesellschaft in der Industriellen Revolution des 19. Jahrhunderts. “A Kingdom To Disappear“ schliesst thematisch da an, wo das letzte Album aufgehört hat. Stilistisch erwartet den Hörer ein wilder Mix über die gesamte Diskographie der Stuttgarter. Von nordisch angehauchtem Melodic Death Metal (“Blaze My Northern Flame“) zu eher leichterem Pop-Rock (“That‘s When Everybody Get‘s Hurt“) bis zu dreckigem Old School Rock (“We 1848“) ist hier alles vertreten. Starke Kompositionen, die mitunter absolut unerwartet daherkommen, prägen das Album und sorgen für Abwechslung. Auch die beiden männlichen Vocals sind eher ungewöhnlich – einmal eher klar und ruhig, einmal wild und rau. Die Mischung ist durchaus gewöhnungsbedürftig, grade bei den etwas ruhigeren Tracks, doch gibt diese ungewöhnliche Kombo Pyogenesis einen unverwechselbaren Charakter. Fazit: Mir gefällt das neue Album noch wesentlich besser als der Vorgänger, weil es schlicht mehr Charakter und Tiefgang aufweist. Pyogenesis preschen durch ihre zusammengewürfelte musikalische Vergangenheit und schaffen es dabei doch, jedem Track ihren unverkennbaren Stempel aufzudrücken. Durch die schiere Vielfalt an Stilrichtungen, die hier gekonnt miteinander verschmolzen und zusammen gepanscht werden, sind auch solche Überlänge Monster wie die Ballade “Everlasting Pain“ (13 Minuten) keine Sekunde langweilig… Reinhören lohnt sich auf jeden Fall.
Patricia H.
     
Punkte:
8.0 von 10
THUNDER - Rip It Up
Metalville/Musikvertrieb
Genau zwei Jahre nach "Wonder Days" gibt es wieder Nachschub für alle Thunder-Fans. Mit "Rip It Up" bringen die Briten um Sänger Danny Bowes diesen Monat ihr elftes Studioalbum raus. Ich muss zugeben, dass ich bei den ersten Hördurchläufen etwas enttäuscht war. Allerdings nicht wegen der Songs an sich, sondern die Produktion ist für meinen Geschmack ziemlich dünn ausgefallen. Man könnte meinen, als wäre Bassist Chris Childs zu beschäftigt mit Tyketto gewesen und habe hier bei ein paar Aufnahmen gefehlt. Ich weiß, dass Thunder auch auf früheren Alben immer ihren eigenen Sound hatten, den man nicht unbedingt mit anderen vergleichen kann. Ein bisschen mehr Bass und druckvollere Drums hätten der Scheibe aber eindeutig gut getan und sie vielleicht auch etwas zugänglicher gemacht. Doch das macht "Rip It Up" bei Weitem nicht zur schlechten Scheibe! Der starke Opener "No One Gets Out Alive" überzeugt sofort und hinter dem eher finster klingendem Namen verbirgt sich eine tolle Message, die dazu aufruft, das Leben zu genießen (schließlich kommt eh keiner lebend raus). Auch der Titeltrack des Albums mit seinen knackigen Gitarren gilt als Anspieltipp, ebenso wie die schöne Ballade "Right From The Start". Anfangs etwas gewöhnungsbedürftig finde ich die souligen Backgroundsängerinnen wie sie u.a. bei "She Likes The Cocaine" auftauchen. Mein besonderes Highlight ist der fünfte Track "Shakedown", der mit starkem Rhythmus, coolen Cowbells und knackigem Gitarrenrefrain wie ein typischer Thunder-Song klingt und hoffentlich im Live-Set landet. Die letzten Songs fallen in meinen Augen songtechnisch ein bisschen "langweiliger" aus, doch das ist wieder meckern auf hohem Niveau. An die glorreichen "Backstreet Symphony"-Zeiten kommen Thunder heute nicht mehr ran, doch das ist auch nicht schlimm. Denn so wie die Band und die Songs sind auch deren Fans erwachsener geworden. Alles in Allem ist "Rip It Up" ein gutes Album, dem man unbedingt ein bisschen Zeit geben sollte. Wem der Vorgänger "Wonder Days" schon gut gefallen hat, kann bei "Rip It Up" blind zugreifen. Da bietet sich auch die Deluxe Edition an, welche zusätzlich eine Doppel-Livescheibe enthält und sicherlich die perfekte Einstimmung auf die Tour bietet. Ich freu mich drauf.
Juliane E.
  
Punkte:
7.9 von 10
EMPIRE - Hypnotica (Re-Release)
Pride & Joy Music
Das Debut um Mastermind und Gitarrist Rolf Munkes ist bereits 2001 erschienen und wird nun neu aufgelegt. Ebenso die nachfolgenden 3 Alben, die im Abstand von drei Monaten auch veröffentlicht werden. Der Deutsche Rolf Munkes hatte klasse Sänger im Line Up wie Mark Boals, Tony Martin und Doogie White. Geboten wird Zeitloser Heavy Rock, der auch heute noch frisch und knackig aus den Boxen dröhnt. Mit hohem Melodie-Anteil, schon gut zu hören beim Opener "Fool In Love". Boals macht seine Sache am Mic sehr gut und überzeugt bei allen 14 Tracks. Stark das treibende "Into The Light", das an Steelheart erinnernde "You're All That I'm Looking For" und das Refrain starke "Bad Bad Boy". Aber auch "Always Be There" gefällt mir und glänzt mit tollem Refrain. Und immer wieder fallen die lebendig gespielten, knackigen Drums positiv auf. Das tolle "Shelter" könnte glatt von Hardline sein und auch das sehr melodiöse "Back To Me" ist ein klasse Song. Oft klingen Empire etwas Amerikanisch wie beim flotten "Another Place, Another Time". Und ich bin echt begeistert von der Arbeit der beiden Drummer Gerald Klos und Anders Johansson (Ex-Stratovarius). Zum Schluss gibt"s noch drei Bonus Tracks, eine Acoustic-Version von "Spread My Wings", das Instrumentale "Take A Look Around" und "Dogtown Shuffle". Wer auf zeitlosen Hard Rock/Heavy Metal steht, sollt hier mal reinhören. Empire legte damals im 2001 ein starkes Debut hin.
Crazy Beat   
Punkte: keine Wertung
SOEN - Lykaia
UDR Music/Warner
Das Dritte Werk von Soen ist musikalisch etwas erdiger und mit weniger Prog-Anteilen wie das Debut "Cognitive" und dessen Nachfolger "Tellurian". Das hört man schon beim Opener "Sectarian", das übrigens hervorragend gesungen wird von Joel Ekelöf, der mit seiner etwas melancholischen Stimme Tiefe in den Song bringt. Ebenso wie beim atmosphärischen "Orison", ganz starker Track. Blues-Feeling gibt's bei "Lucidity", ruhiger, tiefer Song, der eine sehr beruhigende Wirkung hat auf den Zuhörer. Und mit einem Gilmore-ähnlichen Solo Gänsehaut erzeugt. "Opal" dann ein treibender Rocker mit verspielten Rhytmus- und Lead-Gitarren, der etwas an Härte zulegt beim Refrain, sehr interessant. "Jinn", ein Mix aus RPWL und Porcupine Tree, auch sehr spannend, atmosphärisch gehalten und lässt so dem Gesang viel Raum. Mit "Sister" geht man dann in Richtung Prog mit vielseitigem Riffing, interessanten Drums und Bass-Lines. Sehr abwechslungsreicher Track, mal laut, mal leise. Das coole "Paragon" dann startet ruhig mit einer klasse Crunch-Gitarre und dezentem Gesang. Tolles Album, das echt Freude macht, es zu entdecken und zu geniessen.
Crazy Beat  
Punkte:
7.9 von 10
AARON KEYLOCK - Cut Against The Grain
Provogue Records/Musikvertrieb
Als junger Musiker auf der gleichen Bühne mit Bands wie The Answer, Blackberry Smoke, Black Stone Cherry oder Slash zu stehen, ist ganz sicherlich eine seltene Besonderheit. Wenn der junge Musiker dann noch im Teenager-Alter ist, klingt die Geschichte nur wenig glaubhaft. Doch genauso erging es dem britischen Gitarren-Jungtalent Aaron Keylock. Der 18-jährige aus Oxford wird in der englischen Presse und auch hierzulande als Ausnahmetalent gelobt und selbst mit Größen wie Rory Gallagher und Eric Clapton verglichen. Nun, das macht neugierig auf das erste, brandneue Soloalbum Keylocks namens "Cut Against The Grain". Und tatsächlich ist es beim ersten Hördurchlauf kaum zu glauben, dass dieses Album durch die Feder und Fingerfertigkeit eines 18-jährigen entstanden ist. Aber lassen wir nun das Alter mal außer Acht. Musikalisch ist die Scheibe zum Großteil irgendwo zwischen den Black Crowes, den Quireboys, Blackberry Smoke und The Answer anzusiedeln. Zwar sind deutliche Einflüsse des 70er-Hard Rock und des Countrys rauszuhören, doch Keylock bringt deutlich einen modernen Sound dazu, was sicherlich nicht zuletzt am Gesang liegt. Diese leicht raue, aber relativ monotone Stimme ist dagegen nicht ganz so facettenreich wie die Gitarre. Der knackige, flotte Opener "All The Right Moves" erinnert mich etwas an Ted Nugent. Ob mit Slidegitarren und Mundharmonika wie bei "Medicine Man" und "Down" oder dem bluesig-psychedelischen "Just One Question" mit Gary Moore-Assoziationen, die Songs können sich echt hören lassen! Und auch die ruhigeren Klänge kommen auf "Cut Against The Grain" nicht zu kurz, wie beispielsweise das sanfte "Try" oder der letzte Track "No Matter What The Cost" zeigen. Tolles Album! Ein wenig Punktabzug gebe ich allerdings, da ich mir bei dem gefühlvollen Gitarrespielen auch gerne mehr Emotionen in der Stimme gewünscht hätte, gesanglich ist es mir teilweise zu monoton. Aber das ist persönliche Geschmacksache. Auf jeden Fall können wir gespannt sein, was uns dieser Jungspund in Zukunft noch alles beschert. Viel Erfolg dabei.
Juliane E.    
Punkte:
7.8 von 10
PALMER – Surrounding The Void
Czar Of Crickets Productions
Bei allem, was mir unheilig ist – ich hätte schwören können, dass diese Truppe mit ihrem doch recht eigenwilligen Sound entweder aus dem Norden oder aus den Staaten kommt. Aber nichts dergleichen, meine Damen und Herren, Palmer stammen aus dem bernischen Langenthal! Und wollte ich beim ersten Anhören die Platte noch in die Tonne kloppen, so muss ich mittlerweile zugeben: Wenn man der Platte Zeit gibt, den Sound und die spezielle Atmosphäre zu entfalten, dann kann man wirklich was erleben. Nehmen wir nur mal den Song „Fate_Hope“, der eigentlich relativ harmlos daherkommt, progressiv angehaucht, sehr melodisch, der dann mit einer beinahe unkenntlichen Stimme eine sehr düstere, beklemmende Atmosphäre zu verströmen vermag, da kommen mir doch so Bands wie Memory Driven in den Sinn, die konnten das auch super. Aber, und jetzt kommt das wichtigste: Die Jungs bringen immer wieder neue Elemente ins Spiel, die aus jedem Song eine eigene Achterbahn machen, und sei dies nur die Art und Weise, wie die Gitarre gespielt wird. Andere Bands würden aus einem Track von „Surrounding The Void“ ganze Alben komponieren! Aber was schreibe ich hier noch gross – wer nicht mit Scheuklappen in der musikalischen Welt herumläuft und es auch gerne vertrackt mag, der ist mit Palmer absolut bestens bedient. Ist natürlich nicht jedermanns Sache, klar, aber mal reinhören kann auf keinen Fall schaden – ich persönlich höre nämlich je länger je unterschiedlichere Einflüsse heraus. Anstrengende, aber geile, weil lohnenswerte Sache!
Toby S.    
Punkte:
7.5 von 10
BAD BONES - Demolition Derby
Sliptrick Records
Mit dem Namen Bad Bones könnte man dreckige Sleazyklänge assozieren. Doch dem ist nicht so. Die Italianos der von den Brüdern Steve und Lele Balocco vor genau zehn Jahren gegründeten Band schielen zwar immer mal wieder nach dem Hollywood der Achtziger-Jahre, grundsätzlich tummeln sie sich aber im Hard Rock und Melodic-Sektor. Die Jungs verachten auch den Classic Rock nicht und adaptieren immer mal wieder Bluesparts in ihren vielseitigen, aber trotzdem geradlinigen Sound. Das alles erklärend unter einen Hut zu bringen ist nicht ganz einfach. Vielleicht könnten Danger Danger und Whitesnake als Querverweise weiterhelfen. Unabhängig wo und wie man Bad Bones nun einordnet, die Formation erarbeitete sich über die Jahre eine hervorragende Reputation. Sie spielten immerhin schon an der Hollywood Rock Convention, am Valley Metal Festival und am Italian Gods of Metal, daneben begleiteten sie die Hardcore Superstars, Crucified Barbara, Steel Panther und Heat durch halb Europa. "Demolition Derby" ist nun der vierte Longplayer der Truppe. Stilistisch hat man sich dabei nicht gross verändert, wirkt aktuell aber merklich gereifter. Trotz allem ist die Scheibe keineswegs der grosse Wurf. Musikalisch hält die Truppe zwar was sie verspricht, das bedeutet fundierte Riffs ergänzen sich hervorragend mit starken Vocals, wobei die Rythmusabteilung das stabile Fundament liefert. Leider bleibt das Songmaterial auf weiten Strecken aber unspektakulär und wenig eingängig. Bad Bones liefern zwar jede Menge gute Laune, können aber keine nachhaltigen Akzente setzen.
Chris C.
    
Punkte:
7.5 von 10
SCREAMER - Hell Machine
High Roller Records/Musikvertrieb
Die schwedischen Screamer sind cool! Dies nicht nur wegen des CD-Covers, sondern auch aufgrund ihres Heavy Metal, den sie jetzt auch auf "Hell Machine" zelebrieren. Dabei schaffen sie ein Kunststück, welches vielen ähnlichen Bands nicht gelingt: Den auf old school getrimmten Klang mit den ebenfalls nach alter Schule klingenden Heavy Metal spannend darzubieten. Screamer zählen damit zu den wenigen neuen Underground-Bands, welche wohl auch in den 80er-Jahren etwas hätten reissen können. Kompositionen wie das schnelle "On My Way", das stampfende "Warrior" oder das spassige "Monte Carlo Nights" bauen gekonnt Spannung auf und bleiben bis zum Schluss interessant. Dazu hat die Band mit Andreas Wikström eine Stimme in ihren Reihen, welche nicht ständig "screamen" muss, sondern vornehm ihr spezielles Flair in tiefen Lagen auslebt. Staunen kann man darüber, dass einem die Liedertitel à la "Alive", "Hell Machine", "Lady Of The Night" oder "Denim And Leather" beim Hören gar nicht auffallen. Oder mit anderen Worten: Screamer klingen hier nicht wie eine durchs viele Kopieren verblasste Version des Heavy Metal, sondern können durchaus mit einem eigenen Klang überzeugen. Dies ist umso erfreulicher, weil ihnen dies bereits auf dem Vorgänger von 2013 gelungen ist. Was jetzt noch fehlt, sind einige veritable Hits, welche auch Szeneübergreiffend für Furore sorgen können. Das Potential dafür ist durchaus da. "Hell Machine" wird garantiert die Fanbasis vergrössern und damit Screamer den Status als wichtige Hoffnungsträger des Heavy Metal zementieren.
Roger W.    
Punkte:
7.5 von 10
KILLER - Pure Dynamite (EP)
TopX Music/Bellaphon
In den 70er-Jahren lief im Schweizer Fernsehen die Samstagabend-Familienkiste "Teleboy". Das übermannsgrosse Ding sah aus wie die Zeichentrickfigur Barbapapa und ist für mich das Sinnbild, wenn es um die Solothurner Rock-Ikone Killer geht: Sie ist nicht tot zu kriegen und steht immer wieder auf. Zur Hauptsache ist damit natürlich der letzte überlebende Mohikaner der Ur-Formation gemeint: Crown Kocher! Vom Alter her inzwischen als Rentner unterwegs und gesundheitlich mehrmals in die Schranken gewiesen, kann die Katze das Mausen oder besser der Crown das Rocken jedoch nicht lassen! Die konzertmässige Reunion der 2000er-Jahre bescherte den Alt- wie Neufans unvergessliche Momente, als Killer 2002, erstmals nach über zwei Dekaden, wieder live auf einer Bühne lärmten. Ab 2005 stiess dann Andy Lickford als neuer Frontmann dazu. 2006 im Kofmehl in Solothurn und 2007 im Z7 in Pratteln folgten weitere einzelne Live-Highlights. Danach kehrte erneut Ruhe im Camp ein, ehe ich rund vier Jahre später ein Interview mit der selbsterklärten Rocksau führte und dabei drei neue (Studio-) Songs ins Spiel kamen. Diese finden sich jetzt auf der vorliegenden offiziell veröffentlichten EP. Diese wurde zwar schon 2016 realisiert, aber erst jetzt, nach der Rückkehr von Master Lickford und der Bekanntgabe eines brandneuen Line-Ups, richtig lanciert. Ich kenne «A Man With A Gun», «Pure Dynamite» (dieser Song stand 2006 und 2007 bereits im Live-Set!) und «We're A Rocking Band» als Demos demnach schon länger. Letzterer Track wurde mitunter auch von Crown's zweiter Band Kaktus interpretiert, aber nur das Original mit Licky besitzt wirklich Eier. Mit der vorliegenden EP kommen diese drei typischen Killer-Rocker, ergänzt um «Crystal Butterfly» vom 81er Debüt «Ladykiller») nun doch noch unters gemeine Volk, und ich bin ja mal mega gespannt, wie sich die neue Formation, zu der nun auch die national bekannte Bassistin Emi Bassbabe ihren Groove wie die stets agile Bühnenperformance beiträgt, bewähren wird. Wie lange die aktuelle Wiederauferstehung von Killer dauert, ist egal, denn jede dieser Ehrenrunden verdient Respekt, und zu einem vielleicht letzten tollen Studioalbum hat bestimmt niemand was einzuwenden. Killer rockz!
Rockslave    
Punkte: keine Wertung
EMPTINESS – Not For Music
Season Of Mist/Irascible
Belgien beziehungsweise Brüssel als Hauptstadt/region bringt nicht nur miserable Politik hervor, sondern musikalisch gesehen doch interessante Dinge – schwer verdauliche, abgründige Dinge (das gilt wiederum auch für die Politik), welche sich einem beim ersten Anhören überhaupt nicht erschliessen (so erging’s zumindest mir). Emptiness haben mit „Not For Music“ den mittlerweile fünften Output aus der Dunkelheit ans Tageslicht gezerrt, welcher sich aber gerne wehrt und um sich schlägt. Dies nicht tempomässig oder durch Dauergeschrei, sondern durch eine konstante Dunkelheit und einer Atmosphäre, die, wenn man sich erst mal auf sie eingelassen hat, einen mit kalten, toten Händen im Nacken packt und nicht mehr loslässt. Klar kann man sagen, dass die Mucke stark gewöhnungsbedürftig ist, dass die Vocals praktisch keinen Spielraum aufweisen und andauernd nur geflüstert/gegrowlt sind, dass es auch musikalisch nicht wahnsinnig divergiert – zumindest nicht bei unaufmerksamem Hinhören. Emptiness beziehen ihre Stärke nicht aus brutaler Gewalt, sondern aus dem lauernden Grauen, das sich im Gesamtpaket niederschlägt. Das können nur wenige Gitarrenakkorde sein, ein wenig elektronische Einsprengsel, der charakteristische Gesang – man höre sich nur mal „Your Skin Won’t Hide You“ an, dann weiss man, wovon ich spreche. „Not For Music“ ist ein Schattenwesen, bestehend aus Elementen des Black und Dark Metal, aus Ambient und Doom (eher aus der Funeral-Ecke) – sehr schwer verdaulich, wie eingangs erwähnt, und im ersten Durchgang sicherlich nicht greifbar. Aber wenn man auf nicht nur düstere, sondern finstere Musik steht, die ihren Reiz aus der subtilen Atmosphäre und nicht aus direkter Konfrontation bezieht, dann sollte man Emptiness eindeutig eine Chance geben. Verstörendes Kopfkino inklusive!
Toby S. 
Punkte:
7.5 von 10
CAROUSEL KINGS - Charm City
Victory Records
Easycore nennen die Jungs von Carousel Kings ihren Stil. Wer Fan von Rage Against ist, könnte was anfangen mit dem zweitem Album der Amerikaner aus Lancaster, Pennsylvania. Das ganze klingt wie üblich sehr Mainstream orientiert, will heissen, man versucht, die grossen Massen zu erreichen, vor allem durch Radio-Airplay. Das sollte eigentlich kein grosses Problem sein. Die Songs sind melodiös ausgerichtet, sowohl gesanglich wie auch instrumental. Auch würde diese Mucke herrlich zu Teenagerfilmen passen. Ihr seht schon, man will niemandem wehtun, sondern spielt frei von der Leber weg so eine Art Partymusik. Also Punk Rock-Fans wenn ihr genug von euren Lieblingen habt, könnt ihr ohne grosse bedenken hier zuschlagen, ihr werdet es nicht bereuen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.
Daniel J.
 
Punkte:
7.5 von 10
REAPING ASMODEIA - Impuritize
Prosthetic Records
Das Ami-Quartett bedient die moderner eingestellte Klientel welche eine Affinität zu präziser, etwas steriler Gangart hat und ihren modernen Deathcore nicht reduziert sondern im Gegenteil rhythmisch anspruchsvoll und leicht überladen bevorzugt. Blitzsaubere Riffschiebereien, klinisches Stakkatopicking und ein äusserst variabler Sänger der nichts anbrennen lässt machen "Impuritize" zu einem unaufgeregt anspruchsvollen Brett. Alles hat seine Berechtigung, kein Detail scheint dem Zufall überlassen worden zu sein, 39 Minuten audiophiles Zahnfleischbluten auf hohem technischen Niveau. Aber wie es bei Zahnfleischvorkommnissen so ist, nach einer gewissen Zeit hat man sich halt daran gewöhnt und fängt an abzuschweifen. Ab und zu tut es wieder mal weh, dann rückt das "Problem" kurz in den Mittelpunkt um gleich danach wieder in den Hintergrund zu geraten. Etwa so geht es mir mit REAPING ASMODEIA (nicht zu verwechseln mit erwähnten Maulschmerzen!), absolut toll gemacht, hohes technisches Können, Abwechslungsreichtum und fette Produktion aber es packt mich auf Dauer einfach nicht bei den Eiern. Trotzdem reinhören, denn wer ein Faible für modernen Deathcore hat, dem wird mit "Impuritize" eine amtliche Wurzelbehandlung geboten.
Hardy  
Punkte:
7.5 von 10
WRETCH - The Hunt
Pure Steel Records/Musikvertrieb
Die ursprünglich aus Ohio stammenden Power/Thrashmetaller haben einen interessanten Lebenslauf; Umzug der ganzen Band nach Kalifornien und zwei Auflösungen. Mit The Hunt ist es erst ihr dritter Longplayer, welcher mit 41 Minuten allerdings gut einschlägt. Als besonders angenehm empfinde ich, dass Juan Ricardo nicht zu hoch pitcht. Stilistisch scheint die Musik an andere bekannte Bands des Genres gelehnt zu sein, was aber nicht wirklich stört. Auch wenn das Album jetzt nicht gross hervorsticht, sollte man es sich antun. Eine gute Scheibe zum zwischendurch mal hören und definitiv eine Band, die man live erleben möchte.
Monika M. 
Punkte:
7.5 von 10
IRON REAGAN - Crossover Ministry
Relapse Records/Non Stop Music
Die Crossover-Thrasher von Iron Reagan bieten mit "Crossover Ministry" wieder feinstes Futter für ihre Anhänger. Der zweite Longplayer, wenn man diesen bei 30 Minuten Spielzeit überhaupt so nennen darf, dreht sich wieder durchwegs um Hass auf das System. Um Emotionen zu erzeugen, ist Komplexität genauso überflüssig wie technische Finesse. Jeder Song prügelt ohne Rücksicht auf Verluste um sich. Coole Riffs sind bei "Grim Business" oder "Condition Evolution" zu hören und mit "Dead With My Friends", schaffen sie sogar etwas düstere Atmosphäre. Wer aber nach dem Erstling "Tyranny Of Will" auf etwas musikalische Abwechslung gehofft hat, dem sei gesagt, die Hoffnung kann begraben werden. Iron Reagan beschränkt sich auf das, was sie können und dies ist ein Segen und Fluch zugleich. Zum einen weiss man genau, was man von der Platte erwarten kann, und zum anderen stellt sich ziemlich schnell das Gefühl ein, das alles schon einmal gehört zu haben. Weiterentwicklung - Fehlanzeige! Hardcore-Fans werden diesen Geniestreich bejubeln und an vielen anderen wird der "Crossover Ministry"-Kelch spurlos vorbeigehen. Mit einer Prise mehr Mut oder dem Drang zu experimentieren, hätte die hier vorliegende Scheibe wohl das Zeug gehabt, aus dem aktuellen Haufen an Thrash- und Hardcore-Veröffentlichungen hervorzustechen. Aktuell ist und bleibt es einfach ein ganz ordentlicher Genre-Beitrag, der sich hören lassen kann.
Oliver H.
 
Punkte:
7.2 von 10
JIMI ANDERSON GROUP - Longtime Comin'
Pride & Joy Music
Der gebürtige Schotte Jimi Anderson ist hauptsächlich als Songwriter tätig. In den Achtzigern war er kurzzeitig mit seiner damaligen Band Sahara aktiv. Weitere relevanten Betätigungen werden im Labelinfoblatt zwar ausführlich geschildert, sind aber nicht weiter interessant. Nun hat der Mann unter seinem Namen ein eigenes Album veröffentlicht. Sämtliche Instrumente wurden dabei von Sandy Jones und Greame Duffin eingespielt. Entsprechend handelt es sich um ein Soloprojekt und nicht um eine eigentliche Band. Angepriesen wird "Longtime Comin'" für Fans von Survivor, Toto, Journey und Foreigner. Damit wäre das grundsätzliche Betätigungsfeld von Mr. Anderson abgesteckt. Interessanterweise wurden aber Songs verfasst, die mehrheitlich Hand und Fuss haben. Vor allem durch die knackigen Gitarren schielt man auch immer mal wieder Richtung klassischen Hard Rock und beschränkt sich keineswegs nur auf AOR. Die Melodic-Schiene wird dabei allerdings nicht verlassen. Entsprechend könnte die Scheibe daher zusätzlich auch für Fans von Danger Danger oder Firehouse ansprechend sein. Obwohl "Longtime Comin'" eine nicht zu verachtende Grundsubstanz aufweist, hält sich die nachhaltigkeit aber stark in Grenzen.
Chris C.
 
Punkte:
7.2 von 10
THE GREAT OLD ONES – EOD: A Tale Of Dark Legacy
Seasons Of Mist/Irascible
Wenn in der fernen Zukunft ein Archäologe durch eine Plattensammlung wühlt, wird er höchstwahrscheinlich zum Schluss kommen, dass es im zweiten Jahrtausend nur drei wichtige Bücher gab: Der Herr der Ringe, die Bibel und eine lose Sammlung verschiedener Schriften über einen bestimmten Cthulhu-Mythos. In diesen drei Werken zumindest scheint ein unermessliches Mass an Inspiration zu quellen. Denn wie bereits der Bandname impliziert, handelt es sich hier um eine Band, die hauptsächlich aus Lovecrafts Literatur vertont. Dabei klingen die Franzosen auf ihrem dritten Album ganz passabel, die Songs kommen natürlich nicht an jene vom allmächtigen Midian Album an, aber das wird wahrscheinlich sowieso niemals passieren. ‘Shadows Over Innsmouth’ ist als Opener voll okay, so richtig packen tut allerdings erst dessen Nachfolger ‘When The Stars Align’, der ebenfalls kunstvoll zwischen Melodie und Dissonanz wechseln kann. Bei ‘The Ritual’ zeigen die Herren gekonnt, wie man in einem Lied die Dramaturgie von Beginn bis Ende steigern kann, wobei vor allem das akzentuierte Mittelteil überzeugt. Der Höhepunkt des Albums ist meiner Meinung nach allerdings der Abschluss von ‘Mare Infinitum’, bei welchem die Atmosphäre nochmals eine Schippe zulegt. Wer es schneller und aggressiver mag, greift lieber zu Sulphur Aeon. The Great Old Ones versuchen eher mit Dissonanzen und Atmosphäre zu punkten, was ihnen stellenweise auch ganz gut gelingt.
Tristan 
Punkte:
7.0 von 10
TROLLFEST – Helluva
NoiseArt Records/Universal
Der Veröffentlichungsmarathon von Trollfest geht weiter. Die Chaostrolle stehen bereits mit ihrem siebten Album am Start und eröffnen "Helluva" im Stile einer Zirkusshow. Auf der Grundlage von Jules Vernes‘ Klassiker „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ haben Trollfest ihre eigene Sagenwelt um einige Kapitel erweitert und besingen nun eine Expedition in die Tiefen des Erdkerns auf der Suche nach dem gigantischen Muttertroll Helluva. Die Experimentierfreude ist weiter ungebrochen und es wird alles gemixt, ohne sich Gedanken über ein Zusammenpassen der einzelnen Zutaten zu machen. Natürlich stehen die nervösen Gesänge und zumeist rasanten Balkanmelodien wieder im Zentrum des Geschehens. Zur Ergänzung hat man diesmal zudem eine volle Bläser-Kapelle dabei, welche für World Music-Flair sorgt, desweiteren eine legendäre norwegische Jazz-Sängerin, Syntheziser, Bouzoukis und Vibraslaps. Dass sie musikalische Vollprofis sind und ihre Instrumente meisterhaft beherrschen stellen Trollfest einmal mehr unter Beweis. Ihr Zielpublikum werden sie damit weiter begeistern, aber wohl nicht gross erweitern - zu viel Offenheit wird vom Fan abverlangt, um das Chaos über die Dauer zu ertragen.
Patricia L.   
Punkte:
7.0 von 10
UNRULY CHILD - Can't Go Home
Frontiers Music/Musikvertrieb
Unruly Child sind sowas wie der etwas in Vergessenheit geratene Geheimtipp in Sachen rockigen AOR-Klängen. Durch die Stimme von Marcie Free hat die Truppe einen hohen Wiedererkennungsgrad und dank der Schlagzeugarbeit von Jay Schellen (ehemals Hurricane) kommt auch immer genügend Drive in die Songs. Unruly Child sind aber keine Band wie Cinderella, sondern gehen eher in die Richtung melodischeren Tracks von Night Ranger. Chöre werden grossgeschrieben ("The Only One", "Four Eleven") und im Vergleich zu "Worlds Collide" (eines der Vorgängerwerke) gehen die Led Zeppelin-Vergleich völlig vergessen. "Can't Go Home" ist eines dieser Alben, die man bei 40° im Schatten bei offenem Cabrio hört und damit die Blicke der Ladies auf sich zieht. Ami-Sound mit Keyboard und Gitarren und diesem tiefgehenden Herzschmerz ("She Can't Go Home"). Die Band lässt aber auch dieses positive Gefühl in den Tracks nicht vermissen, wie bei "When Love Is Here", das einem in dieser Zeit doch noch auf das Gute hoffen lässt. Trotz den guten Songs zündeten die Vorgänger-Scheiben schneller, und im Vergleich zu Bands wie Eclipse oder Wet, die auch eine kräftige Spur härter zu Werke gehen, tauchen Unruly Child leider leicht ab. Fairerweise muss ich aber auch sagen, dass vielleicht eine Hörprobe über die hauseigene Stereoanlage das Ganze fetter erklingen lässt. Tja, das ist dann nun mal das Problem bei den heutigen Downloads als Promo-Häppchen. Fazit: Unruly Child sind weit davon entfernt, schlecht zu sein, hinken aber ihren Vorgängerscheiben hinterher und lassen dieses "Wow, ist das geil!"-Feeling von Beginn weg vermissen. Trotzdem, Hard Rock- und AOR-Fans sollten zugreifen.
Tinu   
Punkte:
7.0 von 10
FIGHT THE FIGHT - Fight The Fight
Indie Recordings/Irascible
Ziemlich schräg, was die Norweger von Fight The Fight auf ihrem Debut präsentieren, aber schräg heisst ja nicht gleich schlecht. Schon beim Opener und Titeltrack "Fight The Fight" hat man das Gefühl, den Metal-Mixer eingeschaltet zu haben, denn die Erinnerungen an Bands gehen von Refused über Slayer bis hin zu A Day To Remember. Später wird noch skandinavischer Schweinerock und Alternative Metal verwurstet. Fight The Fight üben sich bei ihrem Erstling nicht gerade in höflicher Zurückhaltung, sondern klatschen ihre erste Visitenkarte wird mit voller Wucht auf den Tisch. Das Album verfügt über viel Energie, lebt mehr von den übermittelten Emotionen als von wirklich grossen Songs. Übers Ganze gesehen, wird das Album mit dem gewaltigen Spagat zwischen den Musikwelten noch nicht ganz fertig und es fehlt das passende Verbindungsglied. "Fight The Fight" hat grossartige Momente und Passagen, aber immer dann, wenn man komplett ausrasten und aus der Haut fahren möchte, folgt eine Sequenz, die die Hörerschaft wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Die Nordlichter verfügen über ein wirklich interessantes musikalisches Konzept, das einfach zum jetztigen Zeitpunkt noch nicht ganz ausgereift ist. Potential ist aber in allen acht Songs deutlich hör- und noch deutlicher spürbar.
Oliver H. 
Punkte:
7.0 von 10
DANNY WORSNOP - The Long Road Home
Earache Records/Non Stop Music
Danny Worsnop könnte der Eine oder Andere als Frontmann der Metalcore-Band Asking Alexandria kennen. Bereits 2013 kündigte der 26-jährige Brite, der mittlerweile in Nashville (USA) lebt, ein Soloalbum an und hat mit dem englischen Indie-Label Earache Records nun auch eine Plattendirma dafür gefunden. Asking Alexandria-Fans werden Worsnop auf seinem ersten Soloalbum wahrscheinlich gar nicht wieder erkennen. Mit "The Long Road Home" spricht er sicherlich eine ganz andere musikalische Zielgruppe an, denn es enthält zwölf Blues Rock-Outlaw-Country-Songs, in denen er so allerlei persönliche Geschichten über Herzschmerz, Verlust und seine Probleme mit Alkohol und Drogen verarbeitet. Konnte Worsnop bereits bei seiner Stammformation seine Gesangsqualitäten beweisen, zeigt er auf "The Long Road Home" eindeutig eine breitere gesangliche und emotionale Vielfalt. Während "Mexico" als cooler, grooviger Rocker à la Kid Rock daher kommt oder das seine Alkoholprobleme thematisierende "I Feel Like Shit", wo mit dem Klavier eine "Wild West Saloon-Stimmung" vermittelt wird, stehen dem ruhige Balladen wie der gefühlvolle Lovesong "Anyone But Me" gegenüber. Neben typischen Südstaaten-Country-Einflüssen bei "Don't Overdrink It" und einigen sanfteren Tönen gibt's zum Abschluss noch den schnellen Rocker "The Man", welchen ich mal vorsichtig mit Volbeat vergleichen würde. So ist "The Long Road Home" ein gutes Album, in dem viel Herzblut steckt und an dem ich grundsätzlich überhaupt nichts auszusetzen habe. Da das jedoch nicht so hundertprozentig meiner bevorzugten Musikrichtung entspricht, reißt es mich aber auch nicht vom Hocker. Deshalb empfehle ich, hört selber einfach mal rein und macht euch ein eigenes Bild.
Juliane E.  
Punkte: 7.0 von 10
RAVAGER - Eradicate... Annihilate... Exterminate...
Iron Shield Records
Ravager ist eine Thrash Metal-Band aus Niedersachsen. Sie wurde Ende 2014 von Marcel Lehr und Dario Rosenberg gegründet. Seitdem ging es Schlag auf Schlag mit kleineren Konzerten, und die erste Demo-EP "Alarm Clock Terror" wurde letztendlich im März 2016 in Eigenregie veröffentlicht. Mit einer Menge Ideen und viel Energie arbeitete die Band im Anschluss an ihrem ersten Full-Length-Album, das nun unter dem etwas umständlichen Titel "Eradicate... Annihilate... Exterminate..." erscheint. Ihr Sound, Thrash mit einer Prise Metalcore, verwandelt das heimische Wohnzimmer von Beginn weg in einen Hexenkessel. Kreischende Gitarren und wummernde Drumparts fegen über den Äther und bieten eine solide Grundlage für den keifenden Gesang von Philip Herbst. Die Songs bieten durch geschickt arrangierte Breaks eine willkommene Abwechslung zu dem sonst eher einfach gestrickten Songmustern. An Härte und Aggressivität fehlt es beim besten Willen auch nicht, aber trotzdem will (zumindest bei mir) der Funke nicht so richtig überspringen. Es macht sich mit der Zeit eine gewisse Eintönigkeit breit, die einem vermehrt Abschweifen lässt. Potential ist sicherlich bei der Truppe mehr als vorhanden, das steht ausser Frage, allerdings fehlt es über die zehn Songs hinweg an Ideenvielfalt und Kreativität. Mit Sicherheit eine Platte, die man sich anhören kann - aber nicht muss.
Oliver H.   
Punkte:
6.9 von 10
R.I.P. - In The Wind
RidingEasy Records
Das Quartett aus Portland, Oregon, bezeichnet seinen Stil treffsicher als "Street Doom" und liegt damit absolut nicht daneben. Und dabei sind die Typen dermassen kauzig und Underground, dass selbst unberechenbare Querköpfe wie Pentagram, an denen sich R.I.P. selbstredend auch orientieren, geradezu zum Mainstream gehören. Die Riffs sind simpel, der Sound ist roh und ungeschliffen, die weinerliche Stimme vom Sense schwingenden Frontmann Fuzz klingt mit der Zeit zwar wirklich nervig, passt aber zum Gesamtpaket. Ausserdem, was wirklich erfreulich ist, so schleppend und niedergeschlagen wie man es erwarten würde, ist dieser Doom überhaupt nicht, ganz im Gegenteil. In bester Sabbath'scher Manier geht man eher flott an die Sache heran und beschränkt die düstere Thematik oft auf die lyrischen Ergüsse. Unter diesen Vorzeichen sind R.I.P. eher etwas für passionierte Underground-Freaks als für fundamentalistisch veranlagte Doomköppe. Wer unter Letztgenannten hingegen wirklich weiss, wie dieser Sound ursprünglich klang und wofür er stand, wird diese Band mit offenen Armen empfangen, denn sie verkörpert die nahezu perfekte Symbiose aus Traditionsbewusstsein bezogen auf den historischen Doom Rock und schon fast sektiererisch anmutender Treue zum Heavy Metal ganz früher Tage.
Mirko B.
Punkte: 6.9 von 10
DEAD WITCHES - Ouija
Heavy Psych Records
Widmet sich Fronthexe Virginia Monti in ihrer Stammband Psychedelic Witchcraft ausschliesslich den traditionellen Occult Rock-Tunes, lebt sie mit den Dead Witches ihre Vorliebe für obskure Doom-Klänge aus. Gleich zu Beginn setzt bei mir zunächst ein leichtes Schmunzeln ein, es zeugt nicht gerade von Originalität, eine solche Scheibe mit Regenguss und Donnergrollen zu eröffnen ("Black Sabbath", alles klar Leute). Egal, nach dem kurzen Intro wird einem sofort klar, dass der Ansatz der Band sehr urig und basisch ist. Der Doom, den das Quartett um Virginia Monti und Ex-Electric Wizard-Drummer Mark Greening hier darbietet, bringt folgerichtig nichts Neues, "Ouija" ist ein ausgesprochenes Liebhaberobjekt für Szenekenner. Das Düstere in den Harmonien erinnert an die vergangenen Grosstaten der unsterblichen Doom-Götter Count Raven, der Hang zu einem etwas flotteren Marschtempo hat man sich hingegen wohl bei Pentagram abgeguckt. Das auffälligste Merkmal dieses Albums ist aber gleichzeitig auch das gewöhnungsbedürftigste: Das beschwörende Organ der Sängerin wurde nicht nur relativ weit in den Hintergrund gemischt, sondern zusätzlich noch mit einer verfremdenden Zerrung versehen, so dass Signora Monti klingt, als ob sie aus einem Volksempfänger heraus singen würde. Dies geschah offensichtlich aus dem Gedanken heraus, dass sich auf diese Weise ihre Stimme besser in den Gesamtsound einfügt und dem somit allzeit dominierenden Riff den Rang nicht streitig macht. Guter Schachzug, denn der anvisierte Effekt wurde dadurch erreicht. "Ouija" lebt in erster Linie von den mächtigen Lavariffs des viel zu früh verstorbenen Gitarristen Greg Elk, und auch wenn die Songs durchaus gesittet eingespielt worden sind, ist diese Scheibe nichts für feinfühlige Schöngeister mit latentem Hang zur Melancholie, dafür ist es in seiner Grundstimmung einfach zu düster. Für Menschen hingegen, die von fast schon religiöser Inbrunst getrieben alljährlich zum "Hammer Of Doom"-Festival pilgern, ist dieser Rundling absolut hörenswert.
Mirko B. 

Punkte: 6.8 von 10
VANISHING POINT - Tangled In Dream (Special Edition / Re-Release)
AFM Records/Musikvertrieb
Nicht meine Baustelle. Die Jungs aus Australien sind mir zu progressiv. Auch wenn die Lieder einen gewissen Wiedererkennungsgrad besitzen und gut ins Gehör gehen. Auch Sänger Silvio Massaro weiss zu gefallen, aber am Ende des Tages bevorzuge ich andere Sounds. Hier erklingt das 2000-Werk "Tangled In Dream", welches in einer schmucken Doppel-CD-Aufmachung angeboten wird. Die zweite CD beinhaltet Coverversionen, unter anderem von Journey und Pink Floyd, sowie fünf unplugged Tracks. Wer sich an einer guten Mischung aus Power und Prog erfreut, kann hier bedenkenlos zugreifen, und so ganz nebenbei: Die Coverversion von "Separate Ways" klingt verdammt gut, fast griffiger als das Original!
Tinu   
Punkte:
keine Wertung
LECHEROUS GAZE - One Fifteen
Tee Pee Records
Die kalifornischen Knallköpfe Lecherous Gaze musikalisch einzuordnen ist nicht schwierig, es ist schlicht unmöglich. Da spielt auch auf dem dritten Album einfach zu viel mit im vordergründig nicht existierenden musikalischen Konzept; was den Kerlen unter die Finger kommt, gerät erbarmungslos in den musikalischen Fleischwolf. Ob das jetzt Southern Rock, Punk, Prog Rock, Tarantino- oder Ennio Morricone-Soundtrack, schnöder Rock'n'Roll oder schlichter Heavy Rock ist, sie machen vor nichts halt. Dementsprechend unberechenbar klingen dann auch die neun Songs, die einen auch nach dem dritten Durchlauf verwirrt zurücklassen, gefangen in einem Wechselbad aus Bewunderung, Perplexität, Befremdung und Erstaunen. Wäre das alles nicht schon genug, kommen noch die kranken Vocals von Frontsau Zaryan Zaidi dazu, in deren Zusammenhang oft Namen wie Captain Beefheart oder Howlin' Wolf fallen. Erweitert man diesen nicht unpassenden Vergleich noch um einen guten Schuss Alice Cooper in extra-angepisst, kommt man der Sache schon sehr nahe. Keine Ahnung, wer sich sowas regelmässig anhört oder gar live reinpfeift, Punks, Avantgarde-Eierköppe, alternativ angehauchte Mittelstandskids, ich weiss es nicht. Ich jedenfalls kann mit dem Sound dieser Truppe absolut nichts anfangen, aber was ich kann, das ist die Absicht dahinter nachvollziehen. Und der Mut, Mucke zu spielen, welche die potentielle Hörerschaft begeistert und gleichzeitig auch vor den Kopf stösst, gehört honoriert.
Mirko B. 

Punkte: 6.5 von 10
VENDETTA - The 5th
Massacre Records/Musikvertrieb
Den Thrash Metal-Fans aus den 80ern sollten Vendetta definitiv ein Begriff sein. Mit ihrem Debut "Go And Live". "Stay And Die" und vor allem mit dem Nachfolgewerk "Brain Damage" haben die Jungs zwei sehr gute Platten rausgebracht, die heute in der Szene schon eine Art Kultstatus genießen. Wirklich erfolgreich waren sie dennoch leider nicht, und so lösten sie sich 1990 auf, bevor sie es im Jahr 2000 nochmal wissen wollten und sich wieder zusammen taten, um drei Jahre später ein Demo aufzunehmen. Es folgten zwei weitere Studioalben, bevor es in den letzten sechs Jahren etwas ruhig wurde. Doch nun sind sie mit Album Nummer fünf am Start, und dieses nennen sie auch bezeichnend "The 5th". Musikalisch hat die neue Platte zwar nicht mehr den Charakter ihrer 80er-Phase, aber man merkt sofort, dass Vendetta immer noch Laune haben. Vor allem der drückende Drum-Sound hat ordentlich Qualität und stellt zumindest technisch einen klaren Schritt nach vorne dar. Ansonsten erwartet den Hörer durchaus solider Thrash Metal, der hier und da auch mal etwas orientierungslos wirkt, zeitweise originelle Hooks bietet und mit einer tatsächlich klasse Ballade in Form von "Nevermind" auch mal überrascht. "Deadly Sin", "The Prophecy" und "Religion Is A Killer" sind zweifelsohne die besten Songs auf "The 5th" und machen schon Spaß, allerdings bewegt sich der Rest der Scheibe eher im durchschnittlichen bis guten Bereich. Vorwürfe kann man Vendetta hier nicht wirklich machen, die Songs sind nicht schlecht, aber sie reißen einen auch nicht vom Hocker. Ich würde "The 5th" als Album bezeichnen, das ganz gut ist. Nicht mehr, nicht weniger. Mir persönlich hat der eingängigere Vorgänger "Feed The Extermination" besser gefallen, ganz zu schweigen von ihrem Klassiker "Brain Damage". Am besten vor dem Kauf mal reinhören.
Sascha Sch. 

Punkte: 6.5 von 10
ANTROPOMORPHIA - Sermon Ov Wrath
Metal Blade/Sony Music
Zwei Dekaden sind seit dem ersten Puls in Form der E.P. „Necromantic Love Songs“ der Holländer von Antropomorphia ins Land gezogen, und mit „Sermon Ov Wrath“ steht nun das dritte Album der Death Metal-Formation in den Startlöchern, was einerseits zeigt, dass die Herren nicht unbedingt die fleissigsten sind, andererseits vielleicht auch erklärt, warum die Band derart stark an Death Metal der 90er Jahre erinnert. Neben der Anlehnung an Bolt Thrower, Benediction und Konsorten, fliesst auch noch dezent ein wenig Dark Metal mit ein, dies kommt besonders stark beim Titel „Crown Ov The Dead“ zum tragen, welcher durch das schleppende Tempo und den dezenten weiblichen Background Gesängen sich von den restlichen Songs abhebt. Ansonsten dominieren treibende Riffs zwischen Up und Mid Tempo das Geschehen, und teils haben die Herren auch ordentlich Groove in der Hose, so dass ich ohne zögern von einer äusserst soliden Platte sprechen kann. Doch darin liegt auch so wenig der Hund begraben, „Sermon Ov Wrath“ macht nicht viel falsch, knallt und hat ordentlich „Wumms“, dazu eine düstere Atmosphäre, aber wirklich überraschend oder frisch ertönt das Werk nicht, was es dazu verdammt, in der Masse unter zu gehen. Irgendwie schade, denn das Teil macht wirklich Spass, sofern man gerne auch etwas älteren Death Metal mag und es nicht zu komplex und abgedreht braucht.
R.K. 
Punkte: 6.5 von 10
SUICIDE SILENCE - Suicide Silence
Nuclear Blast/Warner
Suicide Silence ist eine aus fünf Mitgliedern bestehende US-amerikanische Deathcore-Band aus Riverside, Kalifornien. Die Jungs spielen Deathcore. Alles klar? Nein, bei weitem nicht. Ich will jetzt nicht ewig verklickern, dass der frühere Sänger Mitchell Adam Locker (R.I.P.) bei einem Motorradunfall ums leben gekommen ist. Das wissen sicher schon die meisten von euch. Schauen wir nach vorne - Hermann Hermida von All Shall Perish übernahm im Jahre 2013 das Ruder, und seither driften die Amis mehr oder minder gut durch die Fluten des Musikkosmos. Es wird geschrien, zwischendurch auch mal saftig clean gesungen und musiziert, ja wirklich manchmal klingt das Ganze wie ein grosses Durcheinander, das sich am Ende zusammentrifft. Ehrlich, für meine Begriffe, und ich höre mich wirklich durch alle Extremitäten des Metal, sind die Jungs aus Amerika sehr schräg drauf. Nein, nach einem schlechten Tag kann man sich dieses Album nicht durch die Lauscher lassen, das könnte für die persönliche Gesundheit schwerwiegende Folgen haben. Ich meine das ziemlich ernst, die Band ist in dem gut, was sie tut, eben Deathcore oder sowas, aber sonst würde ich von dem Zeugs die Finger lassen - ist mir zu extrem. Ja, ich hänge an meinem Leben, ich lege jetzt mal die neue Slayer drauf zum Entspannen.
Daniel J. 
Punkte: 6.5 von 10
STREAMS OF BLOOD – Allgegenwärtig
Folter Records
Was sich beim Opener schon ankündigt, zieht sich durch den Rest des Albums durch: eher im Mid Tempo angelegte Stücke, die durch den dumpfen, erdigen Sound relativ bedrückend wirken. Schleppend ziehen sich die Gitarren dahin, aufgelockert durch die gelegentlichen Geschwindigkeitsanfälle, bleiben aber in einem überschaubaren Tonspektrum. So wirkt das Album bis auf einige wenige Stellen fast schon resigniert. Das klingt durchaus nicht schlecht, wenn man denn darauf steht. Über weite Strecken wirkt das Album auf sich selbst bezogen, sofern das irgendwie Sinn macht. Erst bei ‘Transformation’ kriegt man einen wirklichen Einblick in die Möglichkeiten, die den Musikern offenstehen würden. Hier offenbart der Sänger scheinbar das erste Mal ehrliche Emotionen, die Schreie wirken nicht mehr zurückhaltend. Und so könnte ich mir vorstellen, dass auch die Gitarren ein wenig mehr aus sich heraus kommen könnten, ein wenig mehr wagen dürften. Ein toller Song, der in allen Belangen überzeugen mag. Genau das wäre wünschenswert, mehr davon in den anderen Liedern und aus dem Album wäre mehr geworden. Aber ‘Allgegenwärtig’ ist, wie sein Name selbst sagt: ein solides Stück zwar, aber halt nicht wirklich überraschend.
Tristan 
Punkte: 6.0 von 10

LASER DRACUL - Laser Dracul (Re-Release)
Ván Records
Das selbstbetitelte Demo des schwedischen Trios ist bereits letztes Jahr erschienen, jetzt wird es in Vinylform über Ván Records wiederveröffentlicht, vielen Dank dafür! Der Opener "Black Moss" klingt noch eher unspektakulär, zwar ein räudiger Bastard in der Schnittmenge zwischen Doom und Stoner aber ziemlich durchschaubar zusammengestrickt aus allseits bekannten Elementen. Doch bereits mit dem zweitplatzierten Longtracker "Dying At Sunrise" zeigen die Jungs, dass sie auch ganz anders können. Extrem düster und gleichzeitig dynamisch im Arrangement verströmt dieses Monster dermassen viele Black Sabbath-Vibes, dass es eine wahre Freude ist, selbstredend mit einer Extraportion roher Power versehen. Das nachfolgende "Dancing With Demons" steht dem in nichts nach, das Zusammenspiel aus sehr ruhigen Parts und einem alles niederwalzenden repetitiven Riff erinnert in seiner Machart an den Black Sabbath-Klassiker "Hand Of Doom". Etwas eigenständiger aber dafür auch monotoner geben sich die drei Düsterheimer dann im abschliessenden "Fear Of The Priest", welches gegen die beiden vorangegangenen Nummern ganz klar nicht anstinken kann. Dennoch bleibt auch in diesem Track das Energielevel konstant hoch, überhaupt scheint das Trio vor allem auf Lautstärke und Power zu setzen, was auf einen dementsprechend umgesetzten Longplayer in absehbarer Zeit hoffen lässt. Warten wir's ab!
Mirko B. 
Punkte:
keine Wertung

THYRANE – Black Harmony (Re-Release)
Woodcut Records
Das ist mal eine Wiederveröffentlichung, die eine Neuauflage wert ist. Als erste Demo 1997 erschienen, bietet das schwedische Quartett auch nach heutigen Massstäben noch 35 Minuten gute Unterhaltung. Das dezente Keyboard erinnert an die Anfänge von Dimmu Borgir, keine ausufernden Melodien oder vertrackte Rhythmen, sondern flächige Sounds. Die Melodieführung liegt klar bei den Gitarren oder dem Gesang und unterstreichen die dunkle Ästhetik. Auch das Schlagzeug klingt authentisch, wie es halt klingen muss. Zwar haben die Schweden auch danach noch Alben produziert, das letzten ist allerdings auch schon 12 Jahre alt. Und ob das noch an das Feuer der ersten Demo rankommen mag ist fraglich, mit Black Harmony hat man allerdings ein wahres Juwel im Regal stehen, das auch in der neuen Zeit noch den ungebändigten Drang nach Mehr versprüht.
Tristan 
Punkte:
keine Wertung
THE COMMITTEE – Memorandum Occultus
Folter Records
Denn jedes der sechs Lieder beleuchten Themen wie Wissenschaft, Religion, Wirtschaft oder Politik und bezeichnen sie provokativ als Waffen zur Manipulation und Steuerung der Menschheit. Die Provokation liegt dabei nicht im überzeichneten Gebrauch von Blut oder Krieg, sondern in den schlichten, analytischen Darstellungen, die beinahe schon als (alternative) Fakten durchgehen könnten. Passenderweise nennt sich ein Lied tatsächlich ‘Flexibel Facts’, womit die Jungs natürlich den Vogel abschiessen was Aktualität betrifft. So viel also zum Inhalt, aber wie klingt das Stück denn? Nun, ziemlich ernüchternd muss man feststellen, dass keine grossen Experimente gewagt werden. Zumindest in musikalischer Hinsicht, es bleibt bei Gitarrenriffs und Vocals, welche die Federführung übernehmen, während Bass und Schlagzeug angepasst den nötigen Drive geben um die Lieder vorwärts zu bringen. Die Gitarren klingen finster und mit wenig Höhen, lassen aber genug Platz für einen hörbaren Bass, was durchaus zur druckvollen Produktion passt. Die Songs wirken kompakt und durchdacht, so beginnt ‘Golden Chains’ mit akustischen Gitarren und zieht den gleichen Rhythmus sowie die gleichen Akkorde dann gleich mit in die ersten Strophen, was eine gewisse Epik beschwört, wie es halt zum Thema des Liedes passt. Einzig die Stimme hindert ein wenig am Wiederhören, da deren Umfang eher beschränkt wirkt und das auch nicht durch die Backvocals kompensiert werden kann. Dennoch bleibt ‘Memorandum Occultus’ ein spannendes Album, das auch durch seine thematische Ausrichtung gefallen mag.
Tristan    
Punkte: 6.5 von 10

PLAINRIDE - Return Of The Jackalope (Re-Release)
Ripple Music
Kenner und Fans der Stoner Rock-Szene sollten sich eigentlich schon mal mit Plainride auseinandergesetzt haben, zumindest der Name sollte ihnen bekannt vorkommen. Denn die Jungs aus Köln haben ihr Debut "Return Of The Jackalope" bereits vor zwei Jahren in Eigenregie veröffentlicht und konnten dafür doch überaus ordentliche Kritiken einfahren. Auch deshalb wurde das Label Ripple Music auf das Quartett aufmerksam, nahm sie unter Vertrag und hat sich nun dazu entschlossen, "Return Of The Jackalope" nochmals, und das im größeren Stil, unter die Leute zu bringen. Wer bisher noch überhaupt nichts von Plainride zu hören bekam, dem würde ich die Musik der Truppe mit ihren eigenen Worten vorstellen: Kick Ass Stoner Rock'n'Roll! Das kann man zu 100% so stehen lassen und unterschreiben. Schon direkt beim ersten Song "Challenger 69" wird das überdeutlich, und die Band groovt sich schon ordentlich ein. Aber auch bei Songs wie "The News", "Beermachine", "Salt River" oder "Devil At Your Heels" dominiert ein Gebräu aus Fuzz und Slide-Gitarren, nach vorne gepeitscht durch ein starkes Schlagzeugspiel, und verziert wird das Ganze durch die Reibeisenstimme von Sänger Max. Umso länger man "Return Of The Jackalope" anhört, desto unverständlicher wird es, dass hier tatsächlich vier Jungs aus Köln am Werk sind. Denn das, was hier aus den Boxen kommt, klingt von der ersten bis zur letzten Note nach staubiger Wüste, Kakteen, Cowboystiefel, Motorrad, Bier und ganz, ganz viel Coolness. Aber auch wenn die Scheibe stetig wächst und man immer wieder etwas Neues an ihr entdeckt, ist leider nicht alles darauf von hoher Qualität. Ohne jetzt auf einzelne Beispiele näher eingehen zu wollen, liegt dies in meinen Augen an der Länge des Albums, welche bei 13 Songs und über 70 Minuten Spielzeit gerne hätte kürzer ausfallen dürfen. Hier wäre weniger auf jeden Fall mehr gewesen. Aber trotzdem ist "Return Of The Jackalope" als Gesamtwerk sehr gut und nimmt einen mit seinem Charme vollkommen ein.
Sascha Sch. 

Punkte:
keine Wertung
INFERNAL ANGELS – Ars Goetia
My Kingdom Music
Die Italiener haben sich sichtlich Mühe gegeben. Ein Konzeptalbum, auf dem die Lieder verschiedenen Dämonenfürsten aus dem Schlüssel Salomons gewidmet sind. Die Idee mag nicht gänzlich Neuland beschreiten, schliesslich gibt es einige Musiker oder Bands, die ihren Namen oder Liedtitel aus dem umfangreichen Werk entnommen haben. Ganze zehn Lieder hingegen ist mir neu und bietet einiges an Inspiration für orthodoxen, spirituellen Black Metal. Was Inhaltlich geboten wird, wiederspiegelt sich leider nicht ganz in der Tonqualität, wo vor allem das Schlagzeug negativ auffällt. Der Computerklang hält sich vom ersten bis zum letzten Track. Die Gitarren hingegen sind zu wenig beissend, hier wäre mehr Drive definitiv nicht falsch gewesen. Im offiziellen Video zu ‘Belial’ kann man sich gerne selbst davon überzeugen, die Riffs sind leider zu oft nebensächlich. Trotz Chören, Dissonanzen und melodischen Einschüben bringen die Lieder leider zu selten eine nachvollziehbaren oder packenden Fluss. So würde ‘Purson’ noch ganz passabel beginnen, selbst das sterile Schlagwerk könnte noch weggedacht werden, aber der Einsatz der zweiten Gitarre wirkt deplatziert und mehr als Lückenfüller denn wirklich nötig. Schade, das Album hätte ich wirklich gerne weiterempfehlen wollen.
Tristan    
Punkte: 5.5 von 10
REBEL WIZARD - Triumph Of Gloom
Prosthetic Records
Seit seinem Abgang als Gitarrist bei den australischen Doom-Sludgern Whitehorse ist Bob Nekrasov alles andere als untätig geblieben. Seit einer guten Dekade rödelt der inzwischen unter dem Namen NKSV firmierende Musiker im Extreme Metal-Untergrund rum und verbreitet seine nihilistischen musikalischen Visionen, mal als Nekrasov, mal unter dem Banner Rebel Wizard. "Triumph Of Gloom" ist nach einem Demo und einigen EPs nun endlich der erste Langdreher des letztgenannten Ein-Mann-Projektes. "Heavy Negative Wizard Metal" nennt sich das Ganze unheilschwanger, ich hingegen ordne die ziemlich verwaschen aufgenommenen Songs ganz schnöde und unspektakulär als Kombination zwischen klassischen Metal-Klängen und Black Metal irgendwo zwischen Noise und Pomp ein. Das kann mal durchaus ansprechend sein ("Where We Surrender Completely To The Miserable Shaman", "Ease Of Wretchedness And Wonder", "A Spell Of Sorrow To Relieve The Curse Of Triumph") oder auch einfach nur ermüden ("Sorcerery", "Hemorrhage Wonders"). Wie auch immer man zu diesem selbstverneinenden Krach mit marginalem Hang zur Melodie stehen mag, er verbreitet durchaus Atmosphäre, wobei andererseits auch angemerkt werden muss, dass sich die Tracks untereinander schlussendlich nur um Nuancen voneinander unterscheiden. Was mir allerdings bei allem Goodwill definitiv fehlt, ist die klirrende Kälte im Sound, welche wohl wirklich nur skandinavischen Bands in Vollendung auf Plastik bannen können. Der gute NKSV wird sich selbst und seinen Anhängern treu bleiben, was natürlich auf Gegenseitigkeit beruht. Dass er sich hingegen gegenüber der Konkurrenz aus dem hohen Norden auf breiter Basis in der europäischen Black Metal-Szene behaupten wird, ist wohl eher unwahrscheinlich.
Mirko B.    
Punkte: 5.5 von 10
DREAMING DEAD - Funeral Twilight
Hammerheart Records
Dreaming Dead sind angeblich die amerikanische Antwort auf banalen Mainstream-Sound. Gegründet wurde die Thrash/Death-Kombo 2006 von Frontfrau Elizabeth Schall und Trommler Mike Caffell. Sie haben bis dato zwei Alben, "Within One" 2009 und "Midnightmares" 2012 veröffentlicht. Mit diesen Alben haben sie sich in der Metal-Fangemeinde einen Namen gemacht. Nun schieben Dreaming Dead ihren dritten Longplayer "Funeral Dead" nach. Die Platte bietet wahrlich alle Zutaten für ein gelungenes Thrash/Death-Album. Schall als Growlerin, dazu knüppelnde Drums, tiefer gestimmte Gitarren und einen dröhnenden Bass. Eines haben sie leider ein wenig vergessen - Abwechslung. Stellenweise wirkt der Sound auch nicht stimmig. Zu hören ist das, was ich meine, zum Beispiel im Mittelteil von "Buried". Die Wechsel im Song sind schlecht hör- und nachvollziehbar. Ähnliche Tracks gibt es unter den acht Songs auf der Platte leider zu viele. Besser kommen da schon die thrashigen Parts, wie in "Funeral Twilight", rüber. Bei der insgesamt schon kurzen Spielzeit gibt es mit "Unseeing" zudem noch ein leicht Doom-angehauchtes Instrumental, das ziemlich langweilig daherkommt und das Album damit nicht wirklich aufwertet. Vergleiche vom Promosheet mit Bands wie Death oder Sadus sind meiner Meinung nach zu hoch gegriffen, können aber für den einen oder anderen Grund genug sein, sich das Album dennoch anzuhören. Dreaming Dead erfüllen mit "Funeral Twilight" leider nicht wirklich die hohen Erwartungen.
Oliver H.     
Punkte: 5.0 von 10
CEPHALGY – Gott Maschine Vaterland
Out Of Line Music
Nach 5 Jahren meldet sich die Dark Electro Kombo “Cephalgy“ zurück mit ihrem neusten Album. Wie schon zuvor versuchen die Deutschen EBM und NDH miteinander zu verschmelzen – an sich eine durchaus gelungene Kombo. Doch mit der Umsetzung dieses Plans kann ich mich nur schwerlich anfreunden… Liegt vielleicht auch an den bewusst reduzierten und minimalistischen Kompositionen. Die Lyrics handeln von den Abgründen menschlicher Emotionen, von Schmerz und der Härte und Grausamkeit der Liebe – in der Theorie zumindest. Tatsächlich sind die Texte flach wie ein auf der Autobahn plattgefahrenes Tier und das Vokabular etwa genau so grausam verstümmelt. Klar, die Neue Deutsche Härte hat sich noch nie durch sonderliche Kreativität oder Tiefgründigkeit der Texte ausgezeichnet, aber “Gott Maschine Vaterland“ ist einfach nur sinnentleert. Die vielen Filmzitate machen es nicht unbedingt besser, gerade weil oft nicht offensichtlich ist, was das Zitat mit dem Rest der Lyrics zu tun hat… Doch nicht alle Tracks sind Deutsch – einige sind Englisch, andere mischen munter drauf los. Immerhin sind einige durchaus tanzbare Tracks mit dabei, die durchaus Liebhaber finden könnten: Das melodiöse “Bei Dir Sein“, “Neverending Life“ mit einem Zitat von Rorschach aus dem Film “Watchmen“ oder auch “Gefallene Liebe“, übrigens das einzige Lied mit rein weiblichen Vocals. Fazit: Eingefleischte EBM/NDH Fans werden dem Album sicherlich was abgewinnen können, doch mir sind die Texte zu flach, die Electro Elemente zu standardmässig und das Songwriting zu reduziert um mich wirklich zu beeindrucken. Das Ganze trieft leider geradezu vor Klischees, doch immerhin ist es tanzbar…
Patricia H.     
Punkte: 5.0 von 10
NIDINGR - The High Heat Licks Against Heaven
Indie Recodrings/Irascible
So da wäre mal wieder so ein Werk, das nicht richtig in ne Schublade passt, mal ganz abgesehen davon, die dargebotene Kunst nicht so einfach in Worte zu fassen ist. Die Norweger starten ihre mystische Reise mit „Hangagud“ und „Surtr“, die noch am ehesten als moderner Black Metal durchgehen, recht roh, aggressiv und monoton. Auch „The Ballad Of Hamther“ und „On Dead Body Shore“ fallen noch in diese Kategorie, wobei da nicht mehr von reinem Black Metal gesprochen werden kann, eher eine Vermischung mit etwas Death Metal und Post Rock. Die Monotonie ist nach wie vor allgegenwärtig, und „The High Heat Licks Against Heaven“ erreicht hier einen Punkt, wo man geneigt ist, das Ding in die ewigen schwarzen Abgründe zu verbannen. Mit „Gleipnir“ kippt das Werk dann doch etwas aus der Monotonie, dieser eher als reiner Post Rock anmutender Track ist zwar keine Offenbarung an Eingängigkeit, setzt aber einen willkommen Kontrast zu den ersten vier Songs. „Sol Taker“ eine eher Death Metal-lastige Up Tempo-Nummer weiss eigentlich ganz gut zu gefallen, bis dann mit „Ash Yggdrasil“ die Geschichte wieder ruhiger wird. Dieser schleppende Song tönt etwa wie Tiamat zu Zeiten von „Clouds“, vermischt mit einer ordentlichen Portion Depression. Auch noch zu erwähnen der finale Song „Naglfar Is Loosed“, wieder eine zäh schleppende Geschichte, die zusätzlich mit einer zierlichen weiblichen Stimme aufgelockert wird. Ich muss zugeben „The High Heat Licks Against Heaven“ übt eine gewisse Faszination aus und beinhaltet viel Energie basierend auf Trostlosigkeit, jedoch ist dieser Brocken nur schwer fassbar. Ich bin jedoch überzeugt, dass da draussen Seelen existieren, welche diesem Werk total verfallen können und es in die Dunkelheit hoch loben, ich gehöre jedoch definitiv nicht dazu und kann nur zu einem intensiven Probekosten vor der Mahlzeit raten.
R.K.     
Punkte: 5.0 von 10
ASHENSPIRE – Speak Not Of The Laudanum Quandary
Code666
Von England her sind wir uns ja inzwischen einiges gewohnt, und dennoch schwappt immer mal wieder etwas zu uns herüber, das sich nicht wirklich kategorisieren lässt. Ashenspire sind so ein Fall – zuerst dachte ich, das wird so ne olle Doom-Kapelle, rein vom Namen her. Aber Pustekuchen, das, was hier produziert wird, hat nur sehr minimale Anleihen an Doom. Es ist noch schwierig zu beschreiben, was Ashenspire genau für Musik machen – am ehesten könnte man sagen, dass es ein sehr eigenwilliger Mix aus Ambient, Avant Garde, Black, Post und eben sachte Doom Metal ist. Man könnte sogar etwas Punk hinein interpretieren, wenn man denn mag. Viel mehr kann ich ehrlicherweise nicht dazu sagen, das muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er etwas mit dieser Mischung anzufangen weiss oder nicht. Produziert ist es auf jeden Fall ordentlich, keine Frage, und technisch gesehen könnte ich jetzt auch nirgends so direkt den Finger drauf legen und sagen, dass das nicht gut gemacht worden ist. Wer’s mag.
Toby S.     
Punkte: 5.0 von 10
SINISTER - Syncretism
Massacre Records
Das dreizehnte Album der niederländischen Death Metal Koryphäen ist vom grundlegenden Wesen her cool as fuck geworden. Treibendem In-die-Fresse-Riffing, einfräsenden Melodien und strammem Songwriting sei Dank killt "Syncretism" eigentlich von Anfang bis Ende. Urgestein Aad Kloosterwaard's dunkles Gegrowle passt vorzüglich zum positiv-fiesen old school Geknüppel welches ausserdem durchwegs mit coolen Melodieführungen und passenden Keyboardtupfern ausgestattet ist und sowohl rhythmisch wie auch in kreativer Hinsicht ein paar Songs mit echtem Hitpotential bereit stellt. Aber bei allem Respekt, die Produktion ist u-n-t-e-r a-l-l-e-r S-a-u!!! Verwaschen ist nur der Vorname, der Gitarrensound verändert sich dazu nämlich kontinuierlich. Als ob dauernd eine nicht ausgeblendete Pilotspur in den Gesamtsound reinfurzen würde. Sackschade um dieses Werk, das hätte richtig gross werden können. Trotzdem reinhören, denn es muss(!) einfach sein, dass die Vorab-mp3 eine Scheissqualität hat, dass Teil ging schliesslich durch die namhaften Hände von Jörg Uken (Soundlodge Studio). 8.5 Punkte für die Musik, 0 Punkte für die Produktion des vorliegenden Review-mp3's.
Hardy      
Punkte: 4.2 von 10
SIX FEET UNDER - Torment
Metal Blade
Das zwölfte Album von Kult-Rasta Chris Barnes verbindet die hochtechnische Musikalität der beiden Braindrill-Sickos Jeff Hughell (Gitarre/Bass) und Marco Pitruzzella (Drums) mit dem eigentlich wie immer erschreckend schwachbrüstig erklingenden Grabesröcheln des ehemaligen Cannibal Corpse-Sängers. Hier werden also amtlich Perlen vor die Säue geworfen. Kann man cool finden, muss man aber nicht. Die Musik ist ok, bewährtes SFU-Groovematerial (mussten sie wohl bringen) mit vereinzelten Technikausbrüchen, einigen wirklich coolen Riffereien (die für SFU eigentlich zu hochstehend sind) und einem Mr. Barnes der mir mit seinem untighten, kraftlosen Tieffrequenzschnaufen das musikalische Erlebnis kaputt macht. Six Feet Under werden wahrlich nie mehr mein Ding werden. Darum wird auch dieses mp3 im virtuellen Papierkorb vermodern, zusammen mit ähnlich gelagerten Hupen wie Debauchery, DJ Antoine oder Sabaton. Für die Musik alleine gibts von mir solide 7.5 und fürs orale flatulieren unsolide 0.1 Punkte. Reinhören soll wer unbedingt muss.
Hardy      
Punkte: 3.8 von 10
ASH AND COAL – Legacy
ViciSolum Productions
Verdammt noch eins, ich wollte wirklich, dass die Schweden von Ash And Coal eine gute Bewertung kriegen, weil endlich wieder mal eine Band Mucke in der Schnittmenge von den Sisters Of Mercy, Dreadful Shadows bzw Zeraphine, Paradise Lost zu „One Second“-Zeiten, Field Of The Nephilim und noch weiteren Kapellen in dieser Richtung erschafft. Was die Instrumentalfraktion betrifft, so packt man dies auch verdammt gut an, denn es hört sich alles wie ein nostalgischer Trip zurück in die späten 80er/frühen 90er an, als der Gruftie lernte, wie man rockt (oder die Rocker, wie man düsterer wird, aber das ist ein anderes Thema). Aber der Sänger… Meine Fresse Jungs, der Typ passt einfach nicht zum Rest! Ich meine, er gibt sich Mühe, ja, aber es wirkt alles so bemüht und gestellt, da könnte ich mir glatt Germoneys Next Top Schwachsinn angucken, es käme auf dasselbe raus. Würde man die momentane Heulsuse mit einer richtigen, passenden Stimme ersetzen wie beispielsweise derjenigen von Sven Friedrich oder Carl McCoy ersetzen (plus die Texte ein wenig vom Pathos befreien), dann wären Ash And Coal ein elendes Wunderkind. So bleibt aber nur das Aufflammen der Hoffnung, welche wieder einmal mehr im Ansatz erstickt wird. Dankeschön und auf Nimmerwiedersehen.
Toby S.     
Punkte: 3.5 von 10
WELTESSER – Crestfallen
Prosthetic Records
Auweia, das ist mal wieder so ein Gebräu, das mehr als nur zahflüssig und mit mehr Distortion auf den Gitarren, als es dem Gehör jemals gut tun wird, aus den Boxen wabert. Die Jungs aus Florida haben sich hier einem extremen Zeitlupen-Sound verschrieben, der wahrscheinlich nur von Liebhabern dieser Mucke und Stundenglas-Fetischisten als Musik wahrgenommen werden kann. Ich habe mir diese Scheibe mehrmals nebenbei angehört, weil sie mich von Anfang an nicht sonderlich interessierte, und ich konnte locker ganz andere Sachen erledigen und mich jederzeit wieder einklinken, ohne je das Gefühl zu haben, dass ich was verpasst hätte. Nebst den elendig überdistortionierten (sagt man das so?) Gitarren lrumpelt der Bass so nebenher, aber was am schlimmsten ist – ja, was wohl, logisch, der Gesang bzw. das Geröchel / Geschreie. Nee ernsthaft Leute, kauft euch Bier oder Zigaretten, aber diese Scheibe braucht niemand wirklich.
Toby S.      
Punkte: 3.0 von 10
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