CD-Reviews Januar 2015
Wertung:
  9.0 bis 10 Kaufempfehlung.         7.5 bis 8.9 Gut.
  4.0 bis 7.4 Vor Kauf reinhören.    0.0 bis 3.9 Nicht empfohlen.
NIGHT DEMON – Curse Of The Damned
Steamhammer/Musikvertrieb
Sie sind und bleiben die Einzigen, welche einmal die Lücke schliessen können, die von Bands wie Iron Maiden, Judas Priest, Saxon, Riot oder Metal Church hinterlassen werden. Das Trio (!!!) Night Demon veröffentlicht seinen ersten Longplayer nach der fantastischen Debüt-EP von 2013. Der unverwässerte, gradlinige und sofort in die Ohren gehende Metal verbindet die goldenen achtziger Jahre mit der Neuzeit, ohne weder zu altbacken noch zu modern zu klingen. Schnörkellos, direkt auf die Zwölf und mit den wichtigsten Backzutaten gesegnet, hauen uns die Amis elf Songs um die Ohren, die man einfach gehört haben muss. Sicher ist Sänger/Bassist Jarvis Leatherby kein Bruce Dickinson, Rob Halford oder Mike Howe, aber sein Organ passt wie der berühmte Deckel auf den Topf und rundet Lieder wie das an Maiden erinnernde „Full Speed Ahead“, der scharfe Opener „Screams In The Night“, das schon fast an alte Mercyful Fate erinnernde „The Howling Man“, das mit einem kleinen Accept-Riff versehene „Heavy Metal Heat“, das mit einer packenden Harmonie ausgestattete „Mastermind“, das seinem Namen treu werdende „Killer“, das mit einem fantastischen Solo versehene „Save Me Now“ und das mit einem Wahnsinns-Refrain versehene „Run For Your Life“ ab. Sicher sind die Songtitel Klischee pur, sicher erfinden Night Demon den Metal nicht neu, sicher ist dieses Album schon jetzt ein Anwärter auf die Platte des Jahres 2015 und sicher werden es Night Demon schwer haben, sich einer Mehrheit präsentieren zu können. Aber „Curse Of The Damned“ ist das Album geworden, welches HammerFall immer schreiben wollten und nie veröffentlicht haben und die traditionsreichste Scheibe, welche Lars Ulrich (Metallica) die Freudentränen in die Augen schiessen lässt. Darum: Kaufen!
Tinu  

Punkte: 9.7 von 10
CHAPEL OF DISEASE - The Mysterious Way Of Repetitive Art
FDA Rekotz
Das zweite Album der deutschen Deather Chapel of Disease trägt den interessanten Namen „The Mysterious Way of Repetitive Art“, der mich erstmal echt neugierig macht. Nachdem die Kölner mit „Summoning Black Gods“ 2012 ein absolutes Hammer-Debüt veröffentlichten, sind die Erwartungen jetzt hoch. Und sie werden nicht enttäuscht! Old School Death Metal der allerfeinsten Sorte ist auch auf dieser Scheibe Programm - aber auf sehr eigenständige und qualitativ enorm überzeugende Art. Was auf dem Debüt schon in Ansätzen zu hören war, ist hier nun enorm ausgebaut worden. Die Songs lassen sich Zeit und bauen Atmosphäre auf, ohne jemals in gewollt Epische abzusinken, sind wirklich originell und kreativ und folgen nicht den gängigen Schemen. Dadurch bleiben die meisten Songs zwar nicht beim ersten Hören direkt hängen, dafür werden sie bei jedem Hördurchgang besser. Der Opener ist nur instrumental, was mutig ist, und ebenso ein Wagnis ist es, den zweiten Song fast direkt mit einem Solo beginnen zu lassen. Chapel of Disease durchbrechen gängige Schemen und kreieren einen enorm authentischen, erdigen, rauen Sound mit Tiefgang, Finessen und interessanten Details. Da darf ruhig jeder Song überlang sein - es scheint, dass die Lieder das sogar verlangen. Die Kölner haben kaum „In die Fresse“-Attitüde, sondern überzeugen, weil sie es nicht nötig haben, zu posen und anzugeben. Für ungeduldige und Fans von einfacher Musik ist das hier nichts, aber alle anderen sollten das hier ganz dringend hören. Ganz starkes Album, unbedingte Empfehlung!
Lucie W.  

Punkte: 9.5 von 10
DEVILS TRAIN – II
Ear Music/TBA
Ein weiteres Allstar-Projekt geht in die zweite Runde: die 80er Hard Rocker von Devils Train sind Mystic Prophecy- und ex-Stratovarius-Mitglieder. Konkret handelt es sich um R.D. Liapakis am Gesang und Lakis Ragazas an der Gitarre (beide Mystic Prophecy), am Schlagzeug lärmt Jörg Michael und am Bass Jari Kainulainen (beide ex-Stratovarius). Musikalisch präsentieren sich Devils Train nicht powermetallisch, sondern mit mit kernigem Blues getränkten Hard Rock. Böse Zungen könnten gar behaupten, dass Devils Train genauso klingen, wie es The New Black gerne würden. Hier wird das Rad nicht neu erfunden, den Helden aber auf eigenständige Art und Weise und mit Top-Kompositionen Tribut gezollt. Welch ein Brett! Welche Melodien! Dabei wird nicht mal das zum gefühlt 1000sten Mal gecoverten „Born To Be Wild“ peinlich. Im Gegenteil - diese Version macht im neuen Soundgewand durchaus Sinn. Noch besser geht es mit den eigenen Liedern. „Down On You“ eröffnet den Reigen mit einem mitreissenden Rock’n’Roll Hard Rocker und gibt die Stilrichtung hervorragend vor. Teilweise hört man hier gar alte Gotthard raus. Mit Song Nummer vier erreicht man schnell das absolute Album-Highlight „Mr. Jones“, welches sich musikalisch vom Rest abhebt. Hier ist schleppender, bluesiger Hard Rock angesagt, bei welchem die Köpfe nicht mehr aufhören wollen, mit zu bangen. Liapakis röchelt sich derart effektvoll durch die Nummer, dass man sich wünscht, er würde künftig nur noch so singen. Devils Train halten anschliessend mit mal schnelleren, mal langsameren Nummern die Spannung bis zum finalen Led Zeppelin „Immigrant Song“ hoch. Teilweise hat man auf diesem Album das Gefühl, einer School Of Rock zu zuhören. So und nicht anders muss Hard Rock klingen! Da verzeiht man auch die geschmackliche Verstauchung beim CD-Cover. Reinhören, kaufen, bewundern!
Roger W.  

Punkte: 9.1 von 10
INLEGEND - Stones At Goliath
Eat The Beat Music
Manchmal gibt es Songs, die einem total in ihren Bann ziehen, ohne dass man weiss, wieso. So geht’s mir mit "To New Horizons“, einem Song vom neuen Inlegend-Album. Ein unglaublicher Track, der mich nach dem 20. Mal Durchhören immer noch fasziniert. Kaum zu glauben, dass die Deutschen hier ein Rockalbum ohne Gitarren präsentieren. In der Besetzung Gesang, Bass, Drums, und Piano entstand ein überraschend grandioses Werk. Pures Herzblut, Innovation und leidenschaftliche, sehr emotionale Songs machen diese Scheibe zu einem echten Schmuckstück. "Envoys Of Peace“, ein nach vorne treibender Song, eröffnet das ganz spezielle Werk um Sänger Bastian Emsig, der mit seiner gefühlvollen, angenehmen Stimme voll und ganz zu überzeugen vermag. Es ist erstaunlich, aber man vermisst hier die Gitarren überhaupt nicht. Vielleicht liegt es an den mächtigen, grandiosen Chören oder an etwas anderem - auf jeden Fall überzeugen die Songs. Lieder wie das melodiöse "Lonely" gehen sofort in die Ohren und tragen den Zuhörer direkt in die ganz spezielle Welt von Inlegends, man kann sich dem einfach nicht entziehen. Dieses ganz besondere Werk lebt von Emotionen, wunderschönen, vollen Chören, aussergewöhnlichen Gesangsmelodien und einer tollen instrumentalen Leistung. Ich liebe dieses Album, kann nicht genug davon kriegen, das ist mir lange nicht mehr passiert. Inlegend sind eine fantastische Melodic Rock-Band, von denen man - so hoffe ich - noch viel hören wird. Danke für dieses grandiose Stück Musik!
Crazy Beat 

Punkte: 9.0 von 10
THE CROWN - Death Is Not Dead
Century Media/Universal
Eigentlich haben The Crown ja vor über vier Jahren ihr Reunion- oder besser „Comeback“-Album „Doomsday King“ mit dem neuen - bzw. neuen alten - Sänger Jonas Stalhammar herausgebracht, aber das wahre Reunion-Album folgt erst jetzt, denn bei „Death Is Not Dead“ ist Original-Frontmann Johann Lindstrand wieder mit an Bord. Zum zweiten Mal. Die beiden Sänger spielen also munter Bäumchen wechsel dich, und in den Reigen reiht sich auch At The Gates-Shouter Tomas Lindberg mit ein, der 2002 „Crowned In Terror“ mit The Crown aufgenommen hat. Typisch schwedische Death-Inzest halt. Mit gefällt Lindstrands Stimme eigentlich von allen am besten zum crownschen Sound, daher bin ich ganz zufrieden, dass er dieses Mal wieder am Start ist. Dafür sind aber zwei andere Gründungsmitglieder vor den Aufnahmen zu „Death Is Not Dead“ ausgestiegen, nämlich Gitarrist Marcus Sunesson und Drummer Janne Saarenpää, so dass nun dieses neunte Album der schwedischen Thrash-Deather mit ganz anderer Besetzung als das vorherigen aufgenommen wurde. Das tut aber der Qualität der Musik keinen Abbruch - ganz im Gegenteil. Die Platte ist Old Schooliger ausgefallen als frühere Alben, etwas Death-lastiger und rauher, was mir sehr gefällt. Teilweise geht das Ganze schon fast in Richtung Melodic Death, vor allem bei den Songs im Midtempo-Bereich, die gegenüber den Uptempo-Tracks überwiegen, und dann erinnert mich der Sound etwas an Amon Amarth (z.B. bei „Eternal“ oder „Meduseld“). Es wird aber auch mal ordentlich geprügelt („Herd of Swine“), so dass jeder zufrieden sein kann. Alles kommt sehr authentisch und erdig rüber, die Produktion ist auch etwas weniger modern als bei den Vorgängern - all das ist für mich sehr positiv. Killer-Riffs, geiles Songwriting, eine Hammer-Stimme - alles in allem ein echt richtig gelungenes Album. Kaufen!
Lucie W. 

Punkte: 9.0 von 10
BEARDFISH - +4626-Comfortzone
InsideOut Music
Mit ihrem achten Album entführen uns die schwedischen Proggies wieder tief in die Siebziger. Das Album ist zwar kein Konzept-Album, hat aber sehr wohl einen roten Faden. Dieser beschäftigt sich mit der unschönen Entwicklung, die sich auch in der schwedischen Heimat von Beardfish auszubreiten scheint, nämlich dass Einwanderer und fremde Menschen als neue Zielscheibe der Angst- und Wutbürger ausgemacht werden. Wieder findet man musikalisch Verbindungen zu Yes, Genesis und auch ab zu an Gentle Giant. Bei den etwas rockigeren Songs wie bei "King" hört man auch Parallelen zu Heep und Purple. Das Ganze ist wie gewohnt exzellent verspielt und gekonnt dargeboten. Beardfish sind auch im neuen Jahr vorn mit dabei in der Progrock-Szene. Übrigens die rockigeren Parts stehen den Schweden gut und passen sehr in den Gesamtsound. Das gesamte Werk strahlt einen wunderbaren Fluss und eine ungemeine Geschlossenheit aus. Bei jedem Durchlauf entfaltet sich Comfortzone mehr und mehr und öffnet sich für den Zuhörer zu einem grandiosen Hörerlebnis. Dem entgegen steht das ruhige Akustische "The One Inside Part Two" wunderschön und sehr interessant. Ich mag die Vielseitigkeit der Schweden die grandios durch die Prog Welt der Siebziger reisen. Sie holen sich sicher die Inspiration aus oben genannten Bands, versehen sie aber mit viel Eigenleben und genau das macht Beardfish so anders und interessant. Beide Daumen hoch für ein weiteres Prog Highlight der vier genialen Musiker aus Schweden.
Crazy Beat  
Punkte: 9.0 von 10
EISBRECHER – Schock
Sony Music
Hach ja, Eisbrecher – einst als eisiger Splitter von Megaherz gehandelt, hat sich die Truppe um den charismatischen Frontmann Alexander ‚Alexx‘ Wesselsky zu einer Band gewandelt, die nun mit „Schock“ den sechsten Longplayer präsentiert – und gleichzeitig nah und fern der einstigen Wurzeln ist, die geradezu definierend waren für den doch recht brachialen Bandnamen. Die, sagen wir, frostigen Elemente, welche noch auf den ersten paar CDs ziemlich prägend gewesen sind, haben mehr und mehr anderen Elementen Platz gemacht. Um es kurz zu machen: Eisbrecher haben sich nun endgültig (trotz des frostig-kalten Covers) freigesprengt und servieren nun bunte Cocktails, gewisse zwar mit den erwarteten Eiswürfeln („Volle Kraft voraus“, „Nachtfieber“, „Schock“, „Dreizehn“), andere auch mit einem stark hochprozentigen, weil harten Inhalt („Himmel, Arsch und Zwirn“, „Unschuldsengel“, „So oder so“), wiederum andere zwar süss, jedoch hinterhältig-verderbend („Zwischen uns“, „Schlachtbank“, „Der Flieger“)… man könnte noch stundenlang Metaphern suchen und würde nicht fertig. Was als Fakt gilt: Alexx hat wieder textlich ganz tief in die Sprachkiste gegriffen und einerseits kritische, derbe, andererseits auch beinahe schon sacht schwülstige Texte ersonnen. Dies muss nicht allen gefallen, es widerspiegelt einfach die Bandbreite, in welcher er sich austobt. Was auffällt: Das Gesamttempo auf der Scheibe wurde doch recht angezogen, Momente zum Innehalten sind rarer gesät, die Texte und der Sound werden mit einem ziemlichen Tempo auf den Hörer losgelassen. Dies kann dazu führen, dass man gewisse Stücke mehrmals hören muss, um alle Facetten erkennen zu können. Als Fazit kann geltend gemacht werden: Wer auf industriell eingefärbte Rock/Metal-Musik steht, vor Experimenten nicht zurückschreckt und generell auf gute, deutsche Texte steht, der KANN mit Eisbrecher nicht falsch liegen! Wenn es doch nur mehr von dieser Sorte gäbe…
Toby S. 

2. Meinung:
Der Eisbrecher ist erneut ausgelaufen und ist bereit, die deutschsprachige Rockmusik kräftig aufzumischen. Der Opener „Volle Kraft Voraus“ gibt auch gleich das Programm durch: ein energiegeladener Mix aus akzentsetzenden Elektro-Elementen und stampfenden Rhythmen mit der charismatischen Stimme von Frontmann Alexander „Alexx“ Wesselsky. Auf dem neuen Album gibt der Eisbrecher wieder mehr Gas als auf dem letzten Silberling „Die Hölle muss warten“ (2012) - vielleicht weil es letztes Mal von Seiten der Medien mit Vergleichen zu den Düster-Schlagerstars Unheilig nur so Kritik gehagelt hatte? „Schock“ ist jedenfalls wieder in guter alter Eisbrecher-Manier gehalten: aufrüttelnde Texte und eingängige Melodiestränge sind die Hauptzutaten dieses Erfolgsrezepts. Highlights sind dabei unter anderen das kritische „1000 Narben“ oder auch der Ohrwurm „Fehler Machen Leute“. Doch es geht auch härter! Wie zum Beispiel auf dem Track „Dreizehn“ oder dem militärisch angehauchten „Zwischen uns“, eine wunderschön ruppige und leidenschaftliche Liebeserklärung ohne Kitsch! Richtig düster wird’s dann auf dem Titeltrack „Schock“. Allerdings gibt es auch ein paar Songs auf dem Album, die eher unter die Kategorie Füllmaterial fallen, wobei sich diese Zahl glücklicherweise in Grenzen hält. Fazit: Eisbrecher melden sich mit einem Feuerwerk zurück und beweisen der Szene einmal mehr, dass sie verdienterweise an der Spitze der düsteren deutschsprachigen Rockmusik stehen!
Patricia H.  
Punkte: 9.0 von 10
BURNING SAVIOURS – Unholy Tales From The North
Transubstans Records
Vor 11, 12 Jahren, seien wir ehrlich, da interessierte sich eigentlich noch kaum einer wirklich für die Wiederbelebung des 70's Rock, wie er heute überall gefeiert wird. Alle ausser Witchcraft vielleicht und: Burning Saviours. Das Trio aus der schwedischen Schlaghosen-Stadt Örebro gehörte zu den ersten, die Anfang des Jahrtausends erkannt hatten, dass die Zeichen der Zeit auf retro stehen. Und trotzdem kennt sie heute kaum einer. Der Grund: Während Graveyard, Blues Pills, Orchid & Co. Schlaghosen und Schnauzer wieder salonfähig machten, veröffentlichten Burning Saviours bis auf vier Singles seit 2007 nichts mehr. Das erste Langeisen seit 8 Jahren ist „Unholy Tales From The North“ also. Und schon der Opener, der martialische Doom Rocker „They Will Rise“ irgendwo zwischen Pentagram und Saint Vitus macht klar: Man kann immer noch mithalten. Aufs wesentliche reduzierter Proto Metal, mal jaulend bluesig („And the Wolfs Cried Out“), mal beschwingt galoppierend („Inside my Mind“), mal episch stampfend („The Sons of the North“). Etwas gar trocken mag der Sound im Vergleich zu aktuellen Veröffentlichungen zwar daherkommen, doch tut das der Wirkung dieser in knackig kurze Songs geschnürten Mischung aus schleppendem Doom und feurigem Heavy Rock kaum Abbruch. Mit „Unholy Tales From The North“ melden sich Burning Saviours, die zwar gar nie wirklich weg waren, eindrücklich zurück und zeigen erst noch auf, von wem genannte Genre-Grössen wie Graveyard neben den 70's-Originalen direkt beeinflusst wurden. Wehe, das dauert jetzt wieder sieben Jahre bis zum Nachfolger!
Kissi 
Punkte: 8.9 von 10
LEVEL 10 (RUSSEL ALLEN & MAT SINNER) - Chapter One
Frontiers Records/Musikvertrieb
Da reibt sich Unsereins schon etwas verwundert die Augen! Wenn das nämlich künftig Schule macht, dass sich versierte Metal-Shouter einfach mal einen Szene-Kollegen schnappen, ins Studio gehen und schwupps ein Album aufnehmen, dann wird es in Zukunft eher weniger komplette Bands geben. Hinter Level 10 stehen in erster Linie mal die Protagonisten Russel Allen (Symphony-X, Adrenaline Mob) und Mat Sinner (Primal Fear, Sinner, und viele andere mehr), die offenbar neben all ihren anderen Aktivitäten immer noch Zeit für weitere Projekte finden. Heraus gekommen ist ein erstaunlich frisches Werk, das sich etwa in der Schnittmenge von Blue Murder, Primal Fear, Pink Cream 69 und Voodoo Circle sowie dem bewegt, was Herr Allen auch schon mehrfach mit einem gewissen Herrn Lande abgeliefert hat. Obwohl hier das musikalische Rad natürlich nicht neu erfunden wird, lassen es Level 10 mehrheitlich wunderbar krachen. Man höre sich dabei nur mal das kernige «No Turning Back» oder das orgelbehängte «One Way Street» an! Einfach nur obergeil und gesanglich von einem der besten Szene-Shouter optimal veredelt. Wenn man(n) sich nun die weiteren Mitstreiter anschaut, dann wird einiges noch klarer, denn die Gitarren gehen auf das Konto von Roland Grapow (Masterplan) und Alex Beyrodt (Voodoo Circle, Primal Fear), während Randy Black (Primal Fear) für die Drums verantwortlich zeichnet. Kein Geringerer als Alessandro Del Vecchio, seines Zeichens Keyboarder bei Hardline, vervollständigt das Line-Up, das man so allerdings wohl nie live wird sehen können. Doch wer weiss, man soll nie nie sagen. Hinter dem allem steckt natürlich abermals der umtriebige Frontiers-Präsident Serafino Perugino, der wiederum eine seiner Visionen in die Tat hat umsetzen können. Weitere Gäste auf dem Album sind übrigens Magnus Karlsson (g), Carsten Schulz (v), Sander Gommans (g) und Amanda Somerville (v). In der Zwischenzeit kann man sich diese wirklich erfreulich gut gelungene Langrille so oft um die Lauscher hauen, wie es die Zeit zulässt. Die insgesamt zwölf Songs bringen es fast auf eine Stunde Spielzeit, wo mit «All Hope Is Gone» auch die obligate Halbballade ihren Platz erhalten hat. Keiner der Songs fällt nennenswert ab und «Demonized» killt echt, doch mir fehlt letztlich ein absoluter Ear-Catcher der Marke «Desperate Heart» oder «Dream Of Eden» von Voodoo Circle. Dennoch ist «Chapter One» mit Sicherheit noch ausbaufähig und kann bereits jetzt als Genre-Highlight des noch jungen Jahres 2015 bezeichnet werden.
Rockslave 
Punkte: 8.8 von 10
SWEET & LYNCH – Only To Rise
Frontiers Records/Musikvertrieb
Allstar-Bands haben oft den negativen Aspekt weder Fisch noch Vogel zu sein und nicht annähernd an das Level der Stammformationen der Protagonisten heranzureichen. Ausnahmen sind dabei selten. Sweet & Lynch gehören aber mit Sicherheit dazu. Die Kombination der beteiligten Musiker ist eher aussergewöhnlich, scheint aber offensichtlich hervorragend zu funktionieren. Als Sänger und Rhythmus-Gitarrist fungiert Michael Sweet, der mit seiner Band Stryper seit ein paar Jahren wieder aktiv und auch erfolgreich ist. Als Leadgitarrist und Partner von Michael mischt Saitenkoryphäe George Lynch mit. Der Mann hat damals mit Dokken mit Sicherheit Massstäbe gesetzt. Die Truppe wird durch die nicht minder bekannten und versierten Musiker James Lomenzo (Megadeth, White Lion, Black Label Society) am Bass und Brian Tichy (Whitesnake) am Schlagzeug ergänzt. Als „geistiger Vater“ dieser Kollaboration gilt Serafino Berugino, Kopf des italienischen Labels Frontiers Records. Musikalisch muss man den beteiligten Herren mit Sicherheit nichts mehr vormachen. Das heisst, der Erfolg eines entsprechenden Albums steht und fällt mit dem Songmaterial. Diesbezüglich schöpfen die Jungs aus den Vollen. Sämtliche Tracks besitzen Substanz und Tiefgang, überzeugen durch eingängige Melodien, ausgeklügelte Strukturen und abwechslungsreiche Hooks. Durch die Umsetzung mit den intensiven Vocals von Mr. Sweet, den einzigartigen Riffs und Soli von Mr. Lynch, aufgepeppt durch die versierte Rhythmusabteilung werden Akzente gesetzt und die Nachhaltigkeit untermauert. Vor allem für Stryper- und Dokken-Fans bleiben kaum mehr Wünsche offen, aber auch Hardrock-Fans mit Melodic-Ader kommen uneingeschränkt voll auf ihre Kosten. Ganz unerwartet eine ultrastarke Scheibe.
Chris C. 
Punkte: 8.8 von 10
STARGAZERY – Stars Aligned
Pure Legend Records/Non Stop Music
Stars Aligned ist wohl schon das zweite Album der Finnen Stargazery - das Debüt-Werk habe ich vollkommen verpennt und muss gestehen, dass ich das schade finde, denn die Truppe um den ehemaligen MSG-Sänger Jari Tiura macht hier vieles richtig. Alleine der Opener „Voodoo“ hat einen sofort ins Ohr gehenden Refrain, der von der prägnanten Stimme von Jari lebt und dem Zusammenspiel zwischen Gitarrist Pete Ahonen und Keyboarder Marco Sneck. Wie soll man den Fünfer beschreiben? Typisch finnisch? Ja, aber sehr melodisch, so dass man sich ein bisschen an den Pathos von Black Sabbath zu Tony Martin Zeiten erinnert fühlt, oder an eine melodischere Version von Stratovarius denkt. Was hier aber sehr positiv auffällt sind die nie kitschig klingenden Songs, die mit tollen Riffs und sehr songdienlichen Solos versehen sind. Das dabei ab und zu der Orchester-Part stark ins Gewicht fällt, wie beim Einstieg von „Missed The Train To Paradise“, kann verkraftet werden. Der Sound erklingt wie eine sich aufbauende Soundwand, die einem aber liebevoll in den Arm nimmt, um dann voll abzurocken. Hört euch dazu nur „Invisible“ an, das von der Machart an Vengeances „Arabia“ erinnert. Auch sehr bewegend ist „Absolution“, das mit einem fantastischen Schrei von Jari gesegnet ist und mit seinem Keyboard-Sound an „The Final Countdown“-Parts erinnert. „Academy Of Love“ ist einer jener Tracks, der von den sich aufbauenden Emotionen lebt, während „Painted Into A Corner“ einfach ein geiler MSG-/UFO-Track zum Abrocken ist. Was für eine Leistung von Jari! Das mit Streichern eingeleitet „Dark Lady“ zeigt ein theatralisches, schon fast Musical-artiges Soundgewand und passt bestens zu den restlichen zwölf Liedern. Stargazery haben als kleines Schmankerl den in der Muttersprache eingesungenen Bonustrack „Tumma Nainen“ aufgenommen („Dark Lady“ auf Finnisch) und beenden mit diesem Track ihre tolle zweite Scheibe.
Tinu   

Punkte: 8.8 von 10
ARMAGEDDON - Captivity and Devourment
Listenable Records/Irascibl
Gewisse Familien müssen sowas wie ein „Qualitäts-Gen“ besitzen, denn selbst wenn sie es wollten, würden sie es nie schaffen minderwertige Arbeit abzuliefern. Zu diesen von den Musen geküssten Geschlechtern muss auch die Familie Amott gehören, denn zumindest die zwei Sprösslinge Michael und Christopher gehören seit Jahrzehnten zu jenen Lieferanten musikalischer Ergüsse, bei denen man eigentlich immer blind zugreifen kann. Ganze dreizehn Jahre nach dem dritten, extrem originell “Three“ genannten Output, meldet sich nun Christopher Amott mit seiner rundum erneuerten Truppe Armageddon zurück und erhellt mir mit seinem Hang zu Originalität und melodiösen Spielereien mal eben diese tristen, kalten Abende. Wenn melodischer Death Metal auf klassischen Metal, progressive Spielereien zwischen Pink Floyd und Dream Theater sowie auf sphärische Klänge trifft, die sonst nur ein Saitenhexer wie Steve Morse aus seinen Fingern zaubern kann, dann ist konstante Spannung und gute Unterhaltung garantiert. Da der gute Christopher zudem noch ganz passabel singen kann, sorgt er mit seinem wohldosiert eingesetzten Cleangesang für den angenehmen Kontrast zum absolut kompetenten Gegrowle und Gekreische von Frontkasper Matt Hallquist, wodurch die beiden dem musikalischen Programm von Armageddon folgen, rohe Räudigkeit mit technischer Raffinesse und stimmigen, zuweilen gar filigranen Melodien zu paaren. Natürlich wird es da draussen wieder eine Handvoll Meckerer geben, denen Cristopher Amotts manchmal etwas selbstverliebtes Gefrickel auf den Sack geht. Ich sag da nur: Soll er doch! Immer noch besser als der x-te, immer gleich klingende, bereits tausendmal auf Plastik gebannte Melodeath-Langweiler der Göteborger Schule. Dies ist, so absurd es klingen mag, Melodic Death Metal fürs Herz, gleichermassen aggressiv und zermalmend wie auch fesselnd und ergreifend.
Mirko B.   

Punkte: 8.7 von 10
TOUNDRA - IV
Superball Music
Das vierte Werk der spanischen Post Progressiv-Rocker erzählt die Geschichte von zwei Füchsen, die durch ein grosses Feuer in Lebensgefahr geraten und ihren Wald verlassen müssen. IV ist ein rein instrumentales Album, was hier aber kein Problem darstellt. Die Musik spricht für sich, denn die Musiker sind echte Könner an ihren Instrumenten. Progressive, manchmal an Rush erinnernde Riffs werden mit Pink Floyd vermischt und so entsteht ein sehr interessantes Album, das sehr einfach zu hören ist, auch wenn die Musik alles andere als simpel ist. So macht progressiv Spass und man lässt sich von der Atmosphäre von „IV“ berieseln. Alle Prog-Fans sollten mal in dieses spannende Werk reinhören und sich von der Magie dieser spanischen Geschichte verzaubern lassen.
Daniel J.  

Punkte: 8.6 von 10
ANGELUS APATRIDA - Hidden Evolution
Century Media/Universal
Ich muss zugeben, dass ich mit spanischen Metalbands nie viel anfangen konnte. Doch das hat sich jetzt schlagartig geändert, denn mit Mit Angelus Apatrida haben wir hier eine Thrash Metal-Truppe, die wohl die beste spanische Metalband überhaupt ist! Man muss ohne wenn und aber sagen, dass die im Jahre 2000 gegründete Band ihr Handwerk perfekt versteht. Schnelle Gitarrenriffs werden mit viel Melodie verbunden, dazu kommt cooler Gesang, der dem von Schmier von Destruction nicht unähnlich ist. Sonst orientiert man sich in der Bay Area (Forbidden und Konsortien), was aber hier kein Nachteil ist. Alles in allem ein tolles Album, auch wenn daran nicht viel neu ist. Aber wer bringt heute schon neue Riffs heraus?
Daniel J.  

Punkte: 8.5 von 10
U.D.O. – Decadent
AFM Records/Musikvertrieb
Jawohl! Udo Dirkschneider hat endlich wieder die Gitarrenwand wie zu den Ur-U.D.O.-Zeiten, als noch Matthias Dieth die Saiten qualmen liess. Das Duo Andrey Smirnov und Kasperi Heikkinen schiesst aus allen Rohren und hat es fertig gebracht, dass ich noch heute von der wohl besten „Metal Heart“-Version spreche, die ich jemals gehört habe (gespielt auf dem letzten U.D.O.-Gig). Hier auf „Decadent“ spielen Andrey und Kasperi zum ersten Mal ein Album zusammen ein. Das letzte Album ist es für Schlagzeuger Francesco Jovino, der im Dezember seinen Ausstieg bekannt gab. Bleibt die Frage offen, ob beim ehemaligen Accept-Sänger bald zwei ehemalige Accept-Members das Line-Up verstärken? Stefan Schwarzmann (Schlagzeug) und Herman Frank (Gitarre) nämlich, die bei Accept ausgestiegen sind, doch das ist alles Spekulation… Aber nun zum Thema: Kasperi und Andrey haben hier auf „Decadent“ alles richtig gemacht. Die Songs haben zu Beginn einen leicht modernen Touch und sind weit weg von typischen Accept-Tracks, und bewegen sich stattdessen auf der typischen U.D.O.-Linie. Man könnte von einer zeitlich angepassten „No Limits“-, „Timebomb“- und „Rev-Raptor“-Schiene sprechen, fast so, als wolle Udo mit einigen Leuten musikalisch abrechnen. Interessant ist auch, dass der eigentlich sehr cleane Sound, der dem alten Bandmember und Produzenten Stefan Kaufmann noch vorgeworfen wurde, mit „Mystery“ in noch höherem Masse fortsetzt wird. Somit, wer sich U.D.O. wieder zurück zu seinen „Mission N° X“- und „Thunderball“-Zeiten wünscht, wird zumindest bei den ersten vier Lieder auf eine grosse Geduldsprobe gestellt. Erst mit „Pain“ findet sich der Fünfer wieder da, wo sie einst mit „Faceless World“ oder „Mean Machine“ waren. Da passt dann auch die Ballade „Secrets In Paradise“ bestens rein. Wie auch der nach wie vor starke Reibeisengesang von Mister Dirkschneider. „Meaning Of Life“ (Solo!!!, Bass!!!), „Breathless“ und die folgenden Tracks bieten dann genau das Kraftfutter, welches man sich von U.D.O. wünscht. Fazit somit: Wer auf die Accept-artigem Tracks wartet, muss noch weiter warten. Wer die U.D.O.-Zeiten zwischen „Mean Machine“ und „Timebomb“ in sein Herz geschlossen hat, wird diese Scheibe lieben. Speziell Tracks wie „Untouchable“, „Rebels In The Night“ und „House Of Fake“. Allerdings hat „Decadent“ auch Lieder („Mystery“, „Decadent“), die von vielen Fans was die Produktion anbelangt lieber vergessen würden.
Tinu 

Punkte: 8.5 von 10
SERIOUS BLACK – As Daylight Breaks
AFM Records/Musikvertrieb
Zurzeit entstehen sehr viele „Supergruppen“, also Bands, welche verschiedene etablierte Musiker in einer neuen Formation vereinen. Das darf gerne weitergehen, so lange damit solche Soundperlen wie diejenige der Power Metaller Serious Black entstehen. Hier vereinen sich Gitarrist Roland Grapow (Masterplan, ex-Helloween), Schlagzeuger Thomen Stauch (ex-Blind Guardian), Bassist Mario Lochert (Emergency Gate), Sänger Urban Breed (ex-Tad Morose, ex-Bloodbound), Gitarrist Dominik Sebastian (Edenbridge) und Keyboarder Jan Vacik (ex-Dreamscape). Herausgekommen sind elf Lieder (in der Special-Version 14 Lieder), welche den genannten aktuellen Formationen wie auch den Ex-Bands durchaus das Wasser reichen können und über eine gewisse Eigenständigkeit verfügen. Klar hört man immer wieder dezent Helloween raus, zum Beispiel zu Beginn von „Sealing My Fate“. Dies zu verhindern dürfte in diesem Genre aber schwierig sein und gelingt nicht mal Unisonic. Ebenfalls spannend sind die (wohl unfreiwilligen) Querverweise auf Kamelot, die sich durch die Art des Gesangs von Urban Breed ergeben. Bei „Akhenaton“ wird er diesbezüglich auch durch die generelle Melodieführung unterstützt, welche Parallelen zu „Nights Of Arabia“ aufweist. Serious Black kochen also mit den bereits bekannten Zutaten, sie tun dies aber in einer beachtenswerten Form. Dies wird vor allem hörbar, wenn man den Liedern mehrere Hördurchgänge gibt. Als Titelstück haben sich Serious Black den ruhigsten Song des Albums ausgesucht, welcher einen guten Kontrast zu den generell eher schnelleren Liedern gibt. As Daylight Breaks überzeugt Dank einer geschickt gewählten Songreihenfolge und bleibt bis zum Schluss spannend. Gelingt es dieser Gruppe, auf der kommenden HammerFall-Tour auch live zu überzeugen und zudem das Line-Up langfristig zu erhalten, darf man sich über einen weiteren Stern am Power Metal-Himmel freuen.
Roger W. 

Punkte: 8.5 von 10
DRACULA (JORN LANDE & TROND HOLTER) - Swing Of Death
Frontiers Records/Musikvertrieb
Das ist jetzt aber nicht wahr, oder? Nach dem Gespann Russel Allen und Mat Sinner mit Level 10 schiesst im gleichen Monat (und natürlich bei der gleichen Plattenfirma) nun auch Jorn Lande wieder scharf aus der Hüfte! Es ist an sich kaum zu glauben, aber verwundern tut mich das nicht wirklich. Der nimmermüde Norweger hat ja nebst den zahlreichen eigenen Aktivitäten unlängst mit Herrn Allen ein weiteres Wunderscheibchen der mittlerweile von den Fans hoch geschätzten Kollaboration "Allen/Lande" an den Start gebracht. Doch kaum legte sich dieser Sturm wieder, stach Jorn erneut der Hafer und es musste was gehen. Abhilfe schuf Kollege und Gitarrist Trond Holter (Ex-Wig Wam) und so steht nun ein regelrechtes Duell mit Level 10 in den Startlöchern! Mit Dracula wurde auf jeden Fall ein ziemlich anders gelagerter Projekt-, respektive Bandname gewählt, der möglicherweise gewisse stilistische Erwartungen schürt, die jedoch aufgrund des vorliegenden Duos sicher nichts Düsteres, also irgendwas in Richtung Black Metal, hervor bringen werden. Der Opener «Hands Of Your God» mit Gewitterregen am Anfang und Schluss entpuppt sich als eine Art verlängertes Intro, ehe es dann mit dem schleppenden Heavy-Rocker «Walking On Water» richtig zur Sache geht und nebst der herrlich bratenden Gitarre von Trond gegen den Schluss hin auch ein paar irisch inspirierte Sprengsel auftauchen. Noch cooler geht der Titeltrack zu Werke, der seinem Namen alle Ehre macht und perfekt umgesetzt wurde. An dieser Stelle könnte die Review nun im gewohnten Rahmen weiter geführt werden, aber die ergänzenden Infos zum Album verraten, dass es sich hier um eine Konzeptscheibe, sprich Rock-Oper handelt und der Name Dracula sehr wohl eine zentrale Bedeutung hat, denn hier wird die Geschichte des Fürsten Vlad III alias Prinz von Wallachia alias Vlad Dracul(a) erzählt und musikalisch in Szene gesetzt. Jorn Lande hat dabei natürlich die Rolle des Vampirs inne, textlich angelehnt an den verfilmten Kino-Klassiker "Bram Stoker's Dracula". Die Gegenspielerin in den Rollen der Mina und Lucy ist Lena Fløitmoen Børresen und nebst klassischen Hardrock-Tunes der Marke Lande werden Fans von Meat Loaf, Queen und Alice Cooper die entsprechenden Stellen heraus hören. «Swing Of Death» als Ganzes betrachtet ist keineswegs im Konzept-Korsett eingeklemmt und so lassen sich die einzelnen Songs auch durchaus separat, je nach Lust und Laune, anhören. In der Heimat Norwegen sind hiervon theatermässige Aufführungen geplant, die in der nächsten Zeit konkretisiert werden. Fans des Ausnahmesängers können hier bedenkenlos zulangen und werden bestimmt nicht enttäuscht.
Rockslave   
Punkte: 8.5 von 10
PAT TRAVERS BAND - Live At The Iridium NYC
Frontiers Music/Musikvertrieb
Der in Toronto geborene Gitarrist Pat Travers, der sein Debüt-Album schon 1976 heraus gebracht hat, ist in Amerika sicher bekannter als in Europa. Mit seinem neuesten Album liefert uns der Kanadier eine Aufnahme eines Konzerts, das in New York City im Iridium Club aufgenommen wurde. Seine starke musikalische Mischung aus Hardrock, Rock und Bluesrock reisst den Zuhörer vom ersten Ton an mit. Die Band rockt voll ab und spielt sehr tight, eine wahre Freude, sich so ein Live-Album reinzuziehen. Das beweisen schon die ersten beiden Rocksongs "Rock’n’Roll Susie" und "Gettin Betta". Auch "Heat In The Street" versprüht pure Energie, ist ein toller Rock-Song. Mit "Josephine" wird das etwas ruhiger und bluesiger, der Song glänzt mit klasse gespielter Gitarre und einem tollen Refrain. Es folgt ein klasse Blues-Song namens „I’ve Got News For You" mit vielen Twin-Gitarren, genau so muss sich Blues anhören. Die Musik erinnert ab und zu an Thin Lizzy, was wohl hauptsächlich an den Twin Guitars liegt. Auch erwähnenswert ist das etwas andere "I La La La Love You", eine starke Rock Nummer mit coolen Breaks. Nach einer weiteren Bluesnummer mit dem Titel "Spoonful" verabschiedet sich eine sehr spielfreudige Band mit dem Ram Jam-Cover "Black Betty" und hinterlässt einen sehr positiven Eindruck. Die Pat Travers Band glänzt hier mit einem ganz tollen Live-Album.
Crazy Beat   
 
Punkte: keine Wertung
PROJECT 86 - Knives To The Future
Team Black Recordings
Project 86 spielen überraschend angenehmen Hardcore gepaart mit unkonventionellen Arrangement und eingängigen Mitgröhl-Refrains. Zum einen haben die Jungs die traditionelle Strassenattitüde der Madball HC-Generation, scheuen sich aber zum anderen nicht, technischen Finessen mit einzubringen und mit diversen Stilbrüchen zu glänzen. So findet man in jedem der 12 Songs Teile, die direkt von Rise Against sein könnten, nur um dann zu einem Offspring-Refrain zu wechseln, und schliesslich einen Alice in Chains-Part folgen zu lassen. Was sich nach Chaos anhört ist in Tat und Wahrheit eine gelungene und erfrischende Abwechslung und eine Genugtuung für das Ohr.
Steve Butcher   
Punkte: 8.5 von 10
SOUNDGARDEN - Echo Of Miles
Geffen/Universal Music
Wenn es um die Zeit des Grunge in der Metal-Geschichte geht, gehen die Meinungen auseinander. Den einen passte der Sound der vorwiegend aus Seattle stammenden Band wie Nirvana oder Pearl Jam, um hier die bekanntesten zu nennen, sehr gut, andere fanden ihn ganz und gar nicht ansprechend. Soundgarden mit ihrem überragenden Sänger Chris Cornell zählten aber, egal welche Meinung man vertritt, auch zur Speerspitze des Grunge-Stils. Im Jahre 2012 fand die Truppe nach einigen Jahren der Trennung wieder zusammen und brachten ihr Comebackalbum „King Animal“ heraus. Um die Wartezeit bis zum nächsten Album zu verkürzen, haben die Amis nun ein Album mit raren B-Side Tracks, Coverversionen und sonstigem Zeugs veröffentlicht. Ausserdem sind sowohl Tracks vom Comeback wie auch von neueren Alben zu hören und auch zwei „neue“ Songs haben es auf das Album geschafft, nämlich „Kristi“ und „Storm“, die gut klingen und Lust auf das neue Album machen. Hoffentlich wird es noch in diesem Jahr herauskommen. Coole Sache!!!
Daniel J.   
 
Punkte: keine Wertung
AMMUNITION – Shanghaied
AOR Heaven/Non Stop Music
Vor einigen Jahren war die norwegische Formation Wig Wam drauf und dran, den kommerziellen Durchbruch zu schaffen. Leider aber kam die Geschichte ins Stocken, die Band verschwand in der Versenkung und löste sich schlussendlich auf. Sänger Age Sten Nilsen hat nun aber erneut eine schlagkräftige Truppe um sich geschart und startet mit dieser Truppe namens Ammunition einen neuen Versuch. Zur Gruppe gehören Hal Patino, Bass (King Diamond, Pretty Maids), Robban Bäck, Drums (Sabaton, Eclipse), Erik Martensson, Guitars (W.E.T, Eclipse), Lasse Finbrathen, Keyboards (Wigwam, Circus Maximus) und Jon Pettersen, Guitars (Age's Queen Show, Bad Habits). Musikalisch besinnt sich Nilsen der Tugenden seiner ehemaliger Truppe. Dabei stehen auch bei Ammunition die catchy Melodien im Zentrum. Dazu wurden astreine Songs verfasst, die durch Einfallsreichtum und Abwechslung durchwegs überzeugen. Der Sound ist wie in der Vergangenheit im AOR bzw. melodiösen Hardrock angesiedelt. Dabei wurde der Umfang des Glam Faktors zugunsten des Härtegrades dezent weniger stark gewichtet. Mit Erik Martensson hat Age offensichtlich einen perfekten Partner gefunden. Der Mann ist im Melodic-Bereich eine wirkliche Koryphäe, nicht nur als Gitarrist, sondern auch als Songwriter und als Produzent. Diesbezüglich hat er dem Album einen individuellen Stempel aufgedrückt und dabei einen satten, warmen Sound kreiert. Die Band bewegt sich mit „Shanghaied“ in einem interessantem Bereich mit unkonventionellem, knackigem Hardrock, der aber auch die radiotaugliche Pop-Schiene unaufdringlich integriert. Starkes Debüt mit guten Zukunftsaussichten.
Chris C. 

Punkte: 8.4 von 10
BATTLE BEAST - Unholy Savior
Nuclear Blast/Warner
Das Glück, gleich mit dem Debüt-Album beim Branchen-Riesen Nuclear Blast landen zu können, hat nicht jeder! Battle Beast aus Finnland gelang dieses Kunststück im Frühling 2012 mit dem ersten sackstarken Langeisen «Steel», und als Krönung dessen konnte man im Anschluss gleich mit den Labelmates und Landeskollegen von Nightwish auf Tournee gehen. Besser gehts wohl nimmer und somit standen die Zeichen eigentlich auf Sturm bis Orkan, denn Battle Beast bringen einen griffigen wie melodischen Metal/Heavy Rock Mix, der sich wie ein Bastard aus Accept und Lordi (mehr) sowie Manowar und Sabaton (weniger) anhört. Erstaunlicherweise hört sich das Ganze auch für meine Ohren ziemlich (an-)genehm an, was aber zu einem grossen Teil der weiblichen Frontfrau Nitte Valo, sprich ihrer Powerstimme, zu verdanken ist. Wenige Monate später klinkte sich Nitte jedoch ohne Vorwarnung per Mail (!) und aus familiären Gründen gleich Knall auf Fall aus! Ihre Bandmates waren zunächst sehr enttäuscht darüber, reagierten aber umgehend, fanden in Noora Louhimo adäquaten Ersatz und retteten so die anstehende Herbsttour mit Sonata Arctica. Ein Jahr nach dem Start bestätigte sich mit dem zweiten selbstbetitelten Album, dass das neue Line-Up den hohen Erwartungen locker gerecht wird. Musikalisch sind die Keyboards, ohne zu nerven, mittlerweile etwas dominanter geworden und es fand auch eine teilweise deutlichere Annäherung an Nightwish oder Sonata Arctica im Gegensatz zu den Anfängen statt.

Gleichzeitig beweist man neben klar schnellerem Material auch Mut zu poppigen Arrangements, die natürlich überwiegend dem Keyboard zuzuschreiben sind. Abwechslung wird somit gross geschrieben und diese zeigt sich nun auch auf der brandneuen dritten Langrille «Unholy Savior», wo die prägenden Elemente der Vorgängeralben treffsicher ineinander fliessen. Der Opener «Lionheart» bringt dies bereits auf den Punkt, wo die Tempi und Stimmungen einander gekonnt die Klinke in die Hand geben, was für ein Auftakt! Der Titelsong wartet derweil zu Beginn mit fanfarenartigem Keyboard-Sound auf, ehe es dann über eine ruhige Bridge hin zum Refrain geht. Nebst den stets tragenden Backing-Vocals zeigt hier Noora, dass sie nicht nur Vollgas geben kann. Ein orchestraler Part lässt dann überdies die Handschrift eines gewissen Herrn Holopainen erkennen. Spätestens bei «Madness» lässt sich die Tendenz hin zu schnelleren Rhythmen nicht mehr verbergen. Das pure Gegenteil stellt indes das balladeske «Sea Of Dreams» dar, das aber bestens passt, ehe es mit dem treibenden «Speed And Danger» wieder voll eins auf die Nuss gibt. Mutig wiederum die herrlich poppigen 80er-Anwandlungen bei «Touch In The Night», das so nicht allen gefallen wird. Mir hingegen schon und die lange erwartete "Hardrock-Nummer" folgt mit «Far Far Away» spät, aber nicht zu spät. Die abschliessende Ballade «Angels Cry» zieht derweil nochmals alle melodischen Register. Tolles drittes Album, das jedoch den insgesamt besseren Vorgänger nicht überflügeln kann.
Rockslave 

Punkte: 8.3 von 10
NITRODIVE - Re-Evolution
Gain Music
Wer auf leicht sleazig angehauchten Arschtritt-Rock mit marginal punkiger Attitüde steht, sollte sich diese schwedische Band ganz dick in die To-Do-Liste einschreiben. Schon mit ihrem 2011 erschienen Debüt „Survival Of The Fittest“ bedienten die drei Rotzlöffel die Danko Jones-, Backyard Babies-, Hellacopters-, Gluecifer- und Hardcore Superstar-Klientel mit souverän runtergerotzten Abgehnummern, die in ihrer simplen Machart keine Wünsche offen liessen, sofern man auf akustische Bolzenschussgeräte steht. Nach genau diesem Prinzip funktionieren auch die zehn neuen Nummern: Ansetzen, abdrücken, und schon ist der Schädel gespalten. Tut auch gar nicht weh, sofern man nichts dagegen hat, dass die einzelnen Nummern schwer untereinander zu unterscheiden sind, da sich die einzelnen Elemente häufig wiederholen. Da diese aber aus dem Fundus der Rotzrock-Grundbausteine stammen, besteht darin eigentlich kein Makel, man beschränkt sich halt aufs Wesentliche, und das ist gut so. Ein paar kernige Riffs, ein entfesselter Drummer, ein dreckiger Bass und ein Frontmann, der gleichermassen an der Gitarre wie am Mikro Danko Jones Tribut zollt, mehr ist auf den knackigen 33 Minuten „Re-Evolution“ nicht enthalten. Klingt nicht gerade originell und das ist es auch nicht, aber scheiss drauf! Es macht verdammt Spass und rockt wie Sau!
Mirko B.
 
Punkte: 8.3 von 10
CHITRAL "CHITY" SOMAPALA - Sinhabumi
Audio Gate Productions
Der am 4. November 1966 in Colombo Ceylon (Sri Lanka) geborene Chity Somapala wirkte unter anderem als Sänger mit bei Avalon, Firewind, Faro, Red Circuit und einigen Bands mehr. Durch seine vielfältigen Bandaktivitäten singt Chity sehr abwechslungsreich. Hier erwartet einem definitiv kein Metal-Album, sondern ein sehr gefühlvolles Rock-Album. Der Opener "Sinhabumi" gefällt mir schon beim ersten Anhören. "Diwyalokayen" zeigt wie gefühlvoll Chity singen kann, eine tolle ruhige Nummer. Wie ihr an den Titeln sicher erkannt habt, singt Chity nicht in Englisch, sondern in seiner Landessprache Sinhala und das gibt den Songs was ganz Spezielles und Exotisches, so dass ich mich an einige Thairock-Bands erinnert fühle. Mit "Ralu Mawathe" ist noch eine klasse Rock-Nummer auf dem Rundling, die zeigt, dass der exzellente Sänger das Gespür für unglaublich tolle Songs hat und dazu eine richtig starke variable Stimme. "Sithuwili Pura" eine unglaublich schöne Ballade geht tief unter die Haut. Und "Sihinaya Pupura Yai" ist noch eine Steigerung in Gefühl, einfach nur wunderschön. Mit der schönen Klavierballade "Nadee Ganga" schliesst der Man aus Sri Lanka ein wirklich gefühlvolles, einmaliges Album ab, das hervorragend in diese kalte Jahreszeit passt. Man sitzt auf dem Sofa, trinkt einen Glühwein und lauscht den wundervollen Klängen von Chity und seiner Band, die durch die fremde Sprache sehr anziehend und beruhigend wirken. Ein wirklich grandioses Stück Musik, danke dafür Chity.
Crazy Beat 

Punkte: 8.3 von 10
ANGRA – Secret Garden
Ear Music/TBA
Da ist es nun, das neue Werk von Angra. Nach dem Abgang von Sänger Eduardo Falaschi präsentierte die Truppe um die beiden Wundergitarristen Kiko Loureiro und Rafael Bittencourt schon Sänger Fabio Lione auf den letzten Konzerten. Der Rhapsody Of Fire-Shouter bot auf diesen Konzerten nicht immer eine gute Figur, merkte man doch schnell, dass die alten Angra-Songs nicht für seine Stimme geschrieben waren. Hört man sich nun „Newborn Me“ an, wird schnell klar, dass die Songs sich mehr an der hohen, leicht opernhaften Stimme von Fabio orientieren. Auch wenn dieser Part für Angra nichts Neues ist, so tritt er doch stärker in den Vordergrund als in der Vergangenheit. Alleine aber die Gitarrenarbeit beim Opener (mit an Flamenco erinnernden Solopart) ist einmal mehr Weltklasse und verzaubert. Das schnelle „Black Hearted Soul“ überzeugt auf der ganzen Linie, zeigt aber auch gnadenlos die gesanglichen Grenzen von Fabio. Da sangen früher Eduardo oder auch Andre Matos um einiges kräftiger. Aber dieser kleine Makel wird auch hier durch die Gitarrenarbeit von Kiko und Raffael wettgemacht. Mit „Final Light“ kommen wieder die brasilianischen Wurzeln zum Vorschein. Hier wird verdeutlicht, dass das Keyboard, sprich die orchestralen Parts, ungewohnt „italienisch“ in den Vordergrund rücken. Daher erklingt „Storm Of Emotions“ schon fast zu orchestral und raubt dem eigentlich tollen Track etwas die Luft zum atmen. Interessant dann die Angra-Version des The Police-Tracks „Synchronicity II“ und die Zusammenarbeit mit den Sängerinnen Simone Simons (Epica) beim Titelsong und der deutschen Metal-Lady Doro Pesch bei „Crushing Room“. Speziell, dass Doro ihr Duett zusammen mit Raffael singt und man fragt sich, wieso eigentlich nicht Mister Bittencourt zum neuen Shouter erkoren wurde. Grundsätzlich kann man hier von einem absolut starken Album der Brasilianer sprechen, das sicher facettenreicher daherkommt, als damals beim Einstige von Edu, allerdings nicht so begnadet ist wie „Rebirth“. Und da Angra sich nie wiederholt haben, sondern immer neue Facetten in ihre Tracks integrierten, ist und bleibt „Secret Garden“ ein sehr gelungenes Album - auch wenn Fabio für mich nach wie vor die absolut falsche Besetzung ist…
Tinu 

Punkte: 8.2 von 10
TRIAL – Vessel
High Roller Records/Musikvertrieb
Das schwedische Quintett hat es mir nicht einfach gemacht, empfand ich ihren Sound doch zu Anfang zwar als gut, aber dennoch als etwas langatmig und sperrig. Mit der Zeit öffnete sich jedoch das Türchen immer mehr und ich erkannte endlich, mit welch grosser Inbrunst und unbestreitbarem Talent die fünf Musikanten Mercyful Fate, Fates Warning, Agent Steel und Solitude Aeturnus zu einer erstaunlicherweise gut funktionierenden aber auch mutigen Mischung zusammenfügen. Diesen Mut muss man würdigen, selbst wenn man den Zugang zu den recht langen, komplexen und vielschichtigen Songs nicht sofort findet, denn jeder Durchgang offenbart neue Finessen und Details in den Songs, die man erst gar nicht wahrnahm. Die vier Instrumentalisten beherrschen ihre Instrumente mehr als nur gut genug. Dazu setzt Sänger Linus Johansson seine zu absolut hochgradigen High Pitch-Klängen fähige Stimme mit all ihren Facetten ein und verleiht dem Ganzen einen authentischen Achtziger-Touch, den man in dieser Intensität nicht unbedingt erwarten würde. Daraus werden dann schnell mal sieben lange bis überlange Tracks zusammengeschustert, die einerseits die absolute Aufmerksamkeit des Hörers fordern und andererseits durch ihre abwechslungsreichen Arrangements einfach fesselnd wirken. Lediglich die zwar saubere aber etwas blutarme Produktion bremst die sich mit der Zeit anbahnende Begeisterung. Mit dem richtigen sonoren Druck hätte „Vessel“ ein klareres Statement werden können, das ganz nah an die Kaufempfehlung gerückt wäre. Mit diesem etwas zu dünnen Sound, der der Qualität der einzelnen Nummern in keiner Weise gerecht wird, ist der Rundling aber „lediglich“ eine sehr gute Progressive Metal-Scheibe, die sich der geneigte Zuhörer mindestens drei Mal einverleiben sollte, bevor er seine endgültige Meinung bildet. Und wie auch immer diese ausfallen mag, Trial sollte man im Auge behalten. Sollte die Truppe die Widrigkeiten des Musik-Business überleben, wird aus dieser Ecke noch viel interessante, gute und anspruchsvolle Musik auf uns zukommen.
Mirko B. 

Punkte: 8.1 von 10
DIABLO BLVD - Follow The Deadlights
Nuclear Blast/Warner
Belgien hat eine grosse Undergroundszene, was einem kleinem Land gut tut. Diablo Blvd gibt es schon seit 2005, aber erst jetzt hat man Nuclear Blast Records, das vielleicht aktuell besten Metal-Label, für sich begeistern können. Und zwar zurecht, denn die Belgier können echt einiges. Musikalisch bewegt man sich in den Bereichen von Down, Danzig, Stone Sour oder Guns’n Roses. Vielseitigkeit ist hier somit offensichtlich Trumpf, was aber wirklich gut tut ,denn so eine Frische habe ich schon lange nicht mehr gehört. Vokalist Alex Agnew macht einen sauguten Job mit seiner sehr warmen und melodischen Stimme, die perfekt zum instrumentalen Teil passt. Alles in allem ein wirklich gutes Album, dem man zwar ein paar Durchläufe geben muss, dann geht das Zäpfchen richtig ab!
Daniel J.    

Punkte: 8.0 von 10
STILVERLIGHT - Stilverlight
Power Prog
Die Herren von Stilverlight kommen aus St.Petersburg in Russland und hauen uns hier Metal mehrheitlich im Up-Tempo-Bereich mit vielen Doublebass-Attacken und Prog Metal-Anleihen um die Ohren. Nach dem noch ruhigen Intro "Unforgotten" bricht es über den Zuhörer rein wie ein gewaltiges Sommergewitter. Der Song “Bring The Flame" hat eine unüberhörbare Blind Guardian-Schlagseite, sowohl musikalisch als auch gesanglich. Sehr gut gespielt und auch sehr tight rocken die Russen um Sänger Max Palanin durchs Programm. Wie ihre Deutschen Vorbilder findet man bei Stilverlight Folk-Einflüsse in einigen der Lieder, sie sehr souverän eingebaut und immer an der passenden Stelle zu finden sind. Dann kommen noch einige Rhapsody-Klänge dazu und somit kann sich jeder Metaller vorstellen, wie Stilverlight klingen. Harte Riffs, fette Chöre und viel Tempo und Druck. Mir gefallen die St Petersburger besonders, wenn sie mal den Fuss vom Gas nehmen, wie bei "A Quest For Live“. Hier ist die stimmliche Ähnlichkeit des Sängers zu Hansi Kürsch ganz erstaunlich. Die schöne Ballade "One Night Before The Winter" bringt dann etwas Ruhe ins Album, eine wirklich schöner gefühlvoller Track. Ein Highlight ist sicher das abwechslungsreiche "Decide And Belive“, das auch durch Tempowechsel und einen fetten Chor im Refrain glänzt. Beendet wird das Album mit einem tollen Track mit Gastsänger Edu Falaschi (Ex-Angra). Obwohl die Russen hier meistens mit Vollgas durch Album ziehen, glänzen sie auch mit ruhigeren Sachen und bieten hier zwar nichts neues, aber ein interessantes Stück Power Prog-Metal. Sehr hörenswert.
Crazy Beat    

Punkte: 8.0 von 10
ANDSOLIS - Vigil
Quality Steel Records
Abrupt startet das Debutalbum der Heidelberger Progressiv Death-Metaller. Erstaunlich – denn was einem während den sieben Kompositionen um die Ohren drescht, hat weit mehr Dynamik, als die ersten Takte vermuten lassen. Bereits beim fast 10 minütigen Eröffnungstrack „Stand Vigil“ wechseln sich aggressive Parts mit ruhigen Melodien ab. Dazu kommen zwei Sänger, die abwechselnd growlen oder klar singen. Virgil ist entsprechend keine einfache Kost. Wer aber zu Prog Metal-Bands wie Dream Theater, Ayreon oder Opeth einen leichten Zugang findet, wird sich auch hier nicht schwer tun, zumal einige Teile sich sehr vertraut anhören, ohne dass man auf die Idee kommt, eine Kopie zu hören. Andsolis liefern ein überzeugendes Prog-Werk ab, bei dem Prog noch progressiv sein darf. So werden in die generelle deathmetallische Basis auch mal Hammond-Orgel-Klänge eingebaut oder wie bei „The Mystic“ plötzlich die Geschwindigkeit per Notbremse gestoppt. Zart und hart liegen hier sehr dicht beieinander. Wer sich erst einmal auf dieses Sounduniversum eingelassen hat, wird so schnell nicht mehr daraus auftauchen wollen. Was zu einem Überflieger jetzt noch fehlt, sind zwischendurch eingestreute zwingende Ohrwurm-Melodien, die einem bis ans Lebensende begleiten. Ein erstes Ausrufezeichen ist mit Vigil aber klar gesetzt. Freunden progressiver Klänge mit Growl-Gesang sei dieser Newcomer wärmstens empfohlen.
Roger W.    
Punkte: 8.0 von 10
VIVUS HUMARE – Einkehr
Eisenwald Tonschmiede
Deutschland kann einige bekanntere Black Metal Bands verzeichnen. Aber auch in der zweiten Liga gibt es immer wieder erstaunlich gute Alben, die mit Herzblut und Leidenschaft produziert wurden. Alben, denen einerseits die raue Energie, anderseits aber auch die ursprüngliche, brachiale Ästhetik innewohnt. So ein Album schafft Vivus Humare mit ihrem Debüt. Der unverfälschte Klang erinnert gleich an Lunar Aurora, die Riffs und Songstrukturen sind aber melodischer und weniger harsch, verzeichnen also doch den einen oder anderen Lichttupfer in den frostigen Soundlandschaften. Dass die beiden Gitarren dabei einen grossen Teil beitragen, ist nicht von der Hand zu weisen. Denn während im Hintergrund ständig die Saiten malträtiert werden, um das Surren aufrecht zu erhalten, werden im Vordergrund oft Akkorde in Arpeggio gespielt oder Riffs gebraten. Dadurch schaffen die Thüringer es auch, dass ein Lied über dreizehn Minuten nicht langweilig wird (‚Auf morgendlichen Pfaden‘, der absolute Höhepunkt des Albums!). Natürlich wird auch ordentlich geknüppelt, beim letzten Lied (mit dem Titel ‚Traum‘) kann so überhaupt nicht an Schlafen gedacht werden. Thematisch drehen sich die Songs um das Vergehen und Werden, versprühen einen Hauch von Melancholie, was durch gesprochene Textzeilen immer wieder unterstützt wird. Schade, dass nach einer halben Stunde schon Schluss ist. Um mit den Worten der Band abzuschliessen: doch am Ende bleibt nur der Tod.
Tristan      
Punkte: 8.0 von 10
ORDEN OGAN – Ravenhead
AFM Records/Musikvertrieb
Die deutschen Power Metaller Orden Ogan präsentieren mit Ravenhead ihr bis Dato bestes Album. Und das will etwas heissen! Denn obwohl mir Bandkopf Seeb weder die Freundin ausgespannt noch sonst wie weh getan hat, bin ich gegenüber der Band bereits seit ihrem Debutalbum Vale kritisch eingestellt. Dies liegt neben dem unglaublichen Hype der Plattenfirma auch an den unzähligen mir aufgezwungenen Auftritten als Vorband, bei denen Orden Ogan als Paradebeispiel dafür glänzten, wie man es nicht machen sollte: Zu viel Playback, zu wenig Bewegung auf der Bühne und zu durchschnittliche Kompositionen. Auf die liebe Konserve werden Ordan Ogan wohl auch auf der kommenden HammerFall-Tour zurück greifen, sofern sie die fetten Chöre von Ravenhead präsentieren möchten. Kompositorisch hat sich die Band allerdings um einiges verbessert. Songs wie „A Reason To Give“, „F.E.V.E.R.“ oder „Evil Lies In Every Man“ bieten Abwechslung, ohne den stilistisch eingeschlagenen Pfad zu verlassen. Dabei wird auch die Nähe zu den ähnlichen aber stärkeren Blind Guardian deutlich. Geblieben ist allerdings die sehr eintönige Produktion, welche vielen vorhandenen Details die Luft nimmt. Die Gastgesänge von HammerFall-Sänger Joacim Cans bei „Sorrow Is Your Tale“ und Grave Diggers Chris Boltendahl bei „Here At The End Of The World“ sind auch mit dem Hinweis der Plattenfirma nur schwer raus zu hören. Dafür sorgen die filmscreenartigen Sounds für Freude und lassen das Album mit dem Doppeldecker „In Grief And Chains“ und „To Soon“ versöhnlich auslaufen. Das Potenzial, welches viele in Ordan Ogan sehen, wird für mich mit Ravenhead langsam hörbar. Ob man dem Album aber angesichts des baldig erscheinenden Blind Guardian-Platte einen Platz im Abspielgerät einräumen sollte, bleibt jedem Power Metal-Fan selbst überlassen. Für mich sind Orden Ogan nach wie vor eine zwiespältige Angelegenheit.
Roger W.    

Punkte:
8.0 von 10
SHADOWBANE – Facing The Fallout
Pure Steel Records/Non Stop Music
Sehr interessant, was die Deutschen von Shadowbane hier veröffentlichen. Irgendwo zwischen traditionellem US-Metal und teutonischen German-Stahl mit dem Hauptaugenmerk auf die Gitarren und dem kräftigen Gesang. Alleine die doppelläufige Gitarrenarbeit bei „Traitor“ lässt aufhorchen und freudig mit der Zunge schnalzen. Das Problem bei den meisten Pure Steel Records-Scheiben bleibt aber, dass der Sound mit zunehmender Spielzeit etwas zu monoton klingt und nicht bis am Schluss überzeugen kann. Auch bei „Facing The Fallout“, bei dem der Sound irgendwie an die alten Scanner erinnert, beschleicht einem immer wieder das Gefühl, das schon von irgendwoher zu kennen. Damit darf man die wirklich hörenswerte Scheibe aber nicht schlecht reden, denn mit „Under Bleeding Skies“, „Beyond The Winds Of War“, der tollen Gitarrenarbeit beim Titelsong und „Tear Down The Wall“ passt einfach zu viel zusammen. Dies auch dank der tollen Produktion, welche allen Instrumenten den nötigen Platz gibt. Metalheads hört Euch ruhig mal „Facing The Fallout“ an. Ihr werdet es nicht bereuen!
Tinu    
Punkte:
7.8 von 10
DARKSPACE – III I
Avantgarde Music
Für jene, die Darkspace noch nicht kennen: Der Name ist hier Programm. Die reduzierten Cover und Titel mögen auf den ersten Blick seltsam wirken und erst mit dem Hören der Musik offenbart sich, dass das Weglassen von unnützen Informationen ein bewusster Akt war und genauso viel Leistung darstellt wie das Erfinden von Songtiteln. So ist zumindest mein Eindruck, denn auch in der Musik gibt es einerseits das vordergründige Gitarrenspiel mit den sich ständig wiederholenden Riffs, das anhaltende Rauschen und der Drumcomputer, aber andererseits auch darin verborgene Geschichten, unterstützt durch die immer wiederkehrenden Ambientparts. Diese Grundstrukturen haben sich seit den vorherigen Alben nicht geändert und auch auf III I gibt es wieder drei Lieder in Überlänge. 4.18 aber beginnt bereits mit satten drei Minuten Ambient, bevor der Drumcomputer und die Gitarren mit ihrem Werk beginnen. Hier merkt man erste feine Unterschiede zu den Vorgängern. So hat sich die Qualität der Sounds gesteigert (zwar noch nicht ganz mit der Tiefe von Atrium Carceri, aber Darkspace macht ja auch noch Metal) und auch die Gitarren klingen umfangreicher. Das verstärkt in einigen Stellen das Gefühl der Einsamkeit und Leere, wie in einer verlassenen Raumstation. Oder aber die Angst, eben doch nicht alleine zu sein, während man durch die Ruinen einer extraterrestrischen Stadt läuft. Ein schönes Album, wenn man den ganz eigenen Stil der Band mag.
Tristan
  
Punkte:
7.7 von 10
MYSTERY – From Dusk Till Dawn
Metalapolis Records
Obwohl die Glam- und Sleazy-Ära der Achtziger mit Zentrum Hollywood zwischenzeitlich abschätzig belächelt wird, ist ihre Nachhaltigkeit aus heutiger Sicht enorm hoch und prägt weltweit immer wieder Bands, deren Mitglieder damals noch nicht einmal geboren waren. Eine dieser Formationen nennt sich Mystery und stammt aus dem australischen Melbourne. Die Jungs beweisen, dass Rock’n’Roll vom fünften Kontinent auch dann internationales Format besitzen kann, wenn man nicht Riffrock der Marke AC/DC macht. Angeblich soll die Truppe die jüngste sein, die jemals eine Welttournee bestritt. Dabei teilten sie die Bühne mit Szene-Ikonen wie Iron Maiden, Motörhead, Manowar oder Mötley Crüe. Nun erscheint das zweite Album der Jungs mit dem Titel „From Dusk Till Dawn“. Zum letztjährigen Debüt „2013“ ist dabei durchaus eine Steigerung auszumachen. Das Werk ist kompakter, die Songs melodiöser, unter dem Strich aber auch härter. Man bewegt sich gekonnt im breiten Genre des Glam und Sleazy basierten Hardrocks, hat dabei aber einen konstanten roten Faden aussen vor gelassen. Obwohl die Musiker handwerklich sehr versiert zu Werke gehen, kann das Album nicht auf ganzer Linie überzeugen. Einzelne Songs lassen durchaus aufhorchen, wechseln sich aber immer wieder mit unspektakulärem Material ab. Die grossen Hooks sind nur dezent auszumachen. Andererseits hat sich aber auch kein Totalausfall eingeschlichen. Als Highlight der Scheibe kann „I'm A Rocker“ von Judas Priest bezeichnet werden, was aber eben leider kein eigener Track von Mystery ist. Trotz allem ist den Jungs aber ein sympathisches Zweitwerk gelungen, dass auf eine nicht zu unterschätzende Grundsubstanz bauen kann. Fazit: Album antesten, Band weiter beobachten.
Chris C.  

Punkte:
7.7 von 10
MESMUR – Mesmur
Code666
Tiefe Growls, tiefgestimmte Gitarren und dröhnende, langsame Riffs: damit begrüsst das Debüt der Amerikaner von Mesmur den Hörer. Und zeigt damit, wohin die Reise in den nächsten 52 Minuten geht. Nämlich tief in versunkene und lange vergessene Ruinen einer unbekannten Zivilisation, die von namenlosen Schrecken heimgesucht wurde. So zumindest könnte der Eindruck sein, der auch vom Cover erweckt wird. Irgendwo im Hintergrund sind sowas wie ganz leise Chöre aus dem Synthie zu hören, was dem Sound zusätzliche Tiefe verleiht. Das Grauen lässt sich dabei Zeit, in wiederkehrenden Wellen drängen sich die Riffs durch die Boxen, lassen aber auch immer wieder genügend Pausen um nicht restlos im dunklen Soundsumpf zu ersticken. Ähnliches kennt man von Cacatombs aus Australien oder den immer wieder zitierten Evoken. Für Fans von Funeral Doom also sicher ein wenig Aufmerksamkeit wert. Wer aber verspielte Gitarren oder abwechslungsreicher Gesang wie beispielsweise bei Ahab erwartet, wird hier nicht fündig. Der Sound ist minimalistischer und monotoner, das macht das Hören aber nicht weniger spannend. Denn die Stimmung erinnert so sehr an Bücher von Lovecraft, dass man die Scheibe auch gerne wieder und wieder hört.
Tristan 

Punkte:
7.7 von 10
FINSTERFORST – Mach dich frei!
Napalm Records/Universal
Mussten sich FINSTERFORST in den ersten Jahren immer mal wieder anhören, zu düdelig und zu handzahm zu sein, gehen sie nun mit aller Kraft gegen dieses Vorurteil vor. Der neue Release kommt aggressiv und direkt daher. Begleitet von bedrohlichen Hörnerklängen werden die Hörer in 'Schicksals End' aufgefordert, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen und für ihre Freiheiten zu kämpfen. So prollig wie Songtitel und gewisse Textzeilen anmuten lassen, will man das darauf folgende 'Zeit für Hass' nicht verstanden haben. Der Aufruf, den Emotionen freien Lauf zu lassen, ist kein Freipass für sinnloses Rumpöbeln. Die Leute sollen aber erkennen, dass es nicht damit getan ist, seinem Ärger mit ein paar Kommentaren auf sozialen Netzwerken Luft zu machen. Damit einem Anliegen die gewünschte Aufmerksamkeit zuteilwird, muss man sich auch mal öffentlich empören. Mut für diesen Schritt gibt es in Form des mitreissenden Titelsongs. 'Mach Dich Frei!' lebt nicht zuletzt vom abwechslungsreichen Klargesang, dem auf dieser Scheibe deutlich mehr Platz gegeben wurde. Der langjährige Gastmusiker Sevan Kirder hat neben Olli und Hannes erstmals auch Gesangspassagen übernommen. Die drei Stimmen ergänzen sich perfekt und laufen im finalen 'Finsterforst' zur Höchstform auf. Zurecht wurde dem Song die Ehre zuteil, den Namen der Band zu tragen, denn er vereint sämtliche Stärken des bisherigen Schaffens - große Melodien, eine beeindruckende Stimmenvielfalt, wuchtige Instrumentalparts und über all dem eine emotionale Tiefe.
Patricia L. 

Punkte:
7.5 von 10
WINDS OF GENOCIDE - Usurping The Throne Of Disease
Pulverised Records
Engländer haben einfach einen ganz besonderen Charme. Spröde zwar, aber dafür (fast) durchgehend vorhanden und das Fünfblatt aus Durham City um die souverän skandierende, mit viel Hall versehene und garstig rumbrüllende Kat Shevil ist da keine Ausnahme. Denn wer es fertig bringt, einen fiesen, D-Beat-getriebenen Crust/Death Metal-Bastard tanzbar zu machen, kann kein schlechter Mensch sein. Die Mischung aus Hellhammer, Bolt Thrower und Napalm Death geht nämlich rifftechnisch gut ins Bein, und ein immer wieder mal auflockerndes Bassläufchen (plus mindestens ein Gitarrensolo!) hält die Spannungskurve bis zum nächsten "Ugh!" aufrecht. Nichts bahnbrechend Neues, aber mit fiebriger Präsenz und viel Power vorgetragener Tunichtgut-Stoff der auch (soundtechnisch eher härter angesiedelten) Punks gefallen dürfte. Die Produktion ist zwar pures Lo-Fi und müffelt ein bisschen, reisst dir aber gleichzeitig problemlos die Ohren ab. Schicke Sache für alle Untergrund-Connaisseure. Reinhören!
Hardy 

Punkte:
7.5 von 10
ONE WAY MIRROR - Capture
Pavement Entertainment
Bei One Way Mirror haben wir es mit einer französisch-dänischen Supergroup rund um Sänger und Mastermind Guillaume Bideau (Mnemic, ex-Scarve) zu tun. Die Formation vervollständigen Soilwork-Schlagzeuger Dirk Verbeuren, die Gitarren-Brüder Potvin (Lyzanxia, Phaze I), sowie Bassist Loic Colin (Scarve), um mit "Capture" das Nachfolgealbum vom selbstbetitelten Debüt und hochgelobten Modern Industrial Metal-Kracher einzuspielen. Auf ihrem Zweitling behalten One Way Mirror zwar ihr Grundgerüst aus europäischem Melodic Metal mit Industrial Electro-Einflüssen, es kommt aber neu auch eine angenehme Prise von klassischem Hard Rock dazu. Unter den 12 Songs finden sich zwar keine wirklichen Earcatcher, jedoch ist das Gesamtniveau der Platte sehr hoch, und somit Stellt "Capture" ein perfektes Bindeglied für Fans von Melodic Metal sowie klassischem Hard oder Post Rock der amerikanischen Sorte dar.
Steve Butcher  

Punkte:
7.5 von 10
TEAR OUT THE HEART - Dead Everywhere
Victory Records
Tear Out The Heart gehen auf ihrem Zweitling "Dead Everywhere" den altbekannten (oder altbackenen?) Weg des Metalcore. Die fünf Jungs aus St.Louis, USA scheinen DIE Reissbrett-Ausgeburt des verrückten Dr. Metalcore zu sein! Nicht nur sehen die fünf genretypisch aus wie eine tätowierte und bärtige Version von Christiane F., nein, sie spielen auch konsequent jedes musikalische Metalcore-Klischee durch. Von lächerlichen Breakdownparts bis hin zu Mädchenherzen brechenden cleanen Heulparts ist alles vertreten. Metalcore ist kein Wein: was zu Beginn der Genregeschichte mit Bring Me The Horizon, Artreyu, Killswitch Engage und Konsorte schon abgelutscht war wie die 18. Staffel der Simpsons, wird mit der Zeit nicht besser. Aber etwas muss man den Jungs lassen: sie beherrschen ihr Metier aus dem Effeff, und ein Teil der Melodien und Hooklines und sogar den Shoutparts sind mindestens auf Augenhöhe mit durchaus guten Alben des Metalcore, wenn nicht sogar darüber. Wären Tear Out The Heart 7,8 Jahre jünger, wären sie eine Referenz für die Generation, die sie jetzt vertreten.
Steve Butcher  

Punkte:
7.5 von 10
UNANTASTBAR – 10 Jahre Rebellion Live
Rookies&Kings/Musikvertrieb
Die Südtiroler Deutschrocker feiern Geburtstag: 10 Jahre gibt es die Band, die musikalisch und textlich in der Nähe ihrer Landsleute Frei.Wild einzuordnen sind. Auch in Sachen Qualität sind die beiden Bands vergleichbar. Zum Geburtstag beschenken Unantastbar ihre Fans mit dieser Live-Doppel-CD und DVD, wobei dem Reviewer nur die CDs vorliegen. Zwei Jahre lang hat die Band ihre Konzerte mitgeschnitten und nun 28 Lieder auf diesen Doppeldecker gebannt. Auf den Tonträgern wirkt die Zusammenstellung nun so, als wenn sie an einem einzigen Konzert mitgeschnitten wurde. Der Spannungsbogen wird also aufrecht erhalten und die Reaktionen des Publikums sind sehr gut eingefangen. Wie üblich bei einer solchen Zusammenstellung verwirren die Erwähnung verschiedener Städte und Konzertorte ein wenig, sorgen aber gleichzeitig für Glaubwürdigkeit, indem dem Fan nichts Falsches vorgegaukelt wird. Störend sind dagegen die Fadeouts, welche nach jedem Lied konsequent eingefügt wurden. Damit wird das Live-Erlebnis erheblich beeinträchtigt. Dieses Manko kann man aber mit ein paar wenigen Handgriffen selber beheben. Abgesehen von diesem Schönheitsfehler bietet 10 Jahre Rebellion Live aber einen guten Überblick über das Schaffen von Unantastbar. Fans werden die Scheibe sowieso kaufen. Für Neugierige kann es ein lohnenswerter Einstieg in die Welt der Südtiroler sein.
Roger W.  

Punkte:
7.5 von 10
THE CYON PROJECT - Tales Of Pain
Pavement Music
Diesen Monat reviewte ich schon eine spanische und belgische Band gefolgt von Engländern und was kommt jetzt? Richtig: Italien. The Cyon Project kommen aus dem Norden des Landes, genauer aus Turin. Im Infoblatt steht schwarz auf weiss, dass man dem Death und Thrash Metal nicht nah steht, um vielmehr auf die Alternative- und Metal-Schiene a la Stone Sour zu setzen. Das kann man auch so stehen lassen. Die Songs sind melodisch, haben Pep, die Stimme ist in Ordnung und auch die Produktion ist gelungen. Aber ob man so grosse Erfolge feiern wird, steht in den Sternen und ich bezweifle es eher, denn der Sound klingt irgendwie abgeschliffen und nach „schon-zu-oft-gehört“.
Daniel J.  

Punkte:
7.1 von 10
MANILLA ROAD - Out Of The Abyss (Re-Release)
Shadow Kingdom Records
Das siebte Album der Underground Epic Metal-Käuze Manilla Road spaltet seit seinem Erscheinen im fernen Jahr 1988 die Fangemeinde, und daran wird auch diese Wiederveröffentlichung nichts ändern. Offenbarte bereits der Vorgänger “Mystification” ein gewisses Liebäugeln mit der damals gerade explodierenden Thrash Metal-Bewegung, knüpfte Mastermind Mark „The Shark“ Shelton diese Bande auf „Out Of The Abyss“ noch wesentlich enger und konsequenter. Natürlich kann man nicht abstreiten, dass thrashige Nummern wie das für Manilla Road-Verhältnisse fast schon rasende „White Chapel“, „Black Cauldron“ oder auch der Titeltrack durchaus ihren Reiz haben, aber sie sind einfach nicht das, was Manilla Road Fans hören wollen. Diesen steht der Sinn nach getragenen, epischen, durchaus auch ruhigeren Klängen, welche eine mystische Atmosphäre verbreiten, so wie es bei „Return Of The Old Ones“ oder dem abschliessenden „Helicon“ der Fall ist. In seinem Ganzen würde ich somit dieses Album nicht gerade als Totalausfall bezeichnen, denn wirklich schwache Scheiben hat diese Truppe eigentlich noch nie veröffentlicht, aber es gehört nicht wirklich auf die sonst recht ansehnliche Liste der Band-Glanztaten, auf die es danach glücklicherweise einige Nachfolger wie beispielsweise “The Courts Of Chaos” wieder geschafft haben. „Out Of The Abyss“ hat demzufolge für eingefleischte Epic Metal-Fans bestenfalls aus musikhistorischem Interesse einen Platz im Regal verdient.
Mirko B.    

Punkte: keine Wertung
VOODOMA - Secret Circle
Echozone
Voodoma lassen sich nicht so einfach in eine Schublade stecken. Sie experimentieren mit vielen verschiedenen Elementen und versuchen jedem Track einen eigenen, unerwarteten Twist zu verleihen. Der rote Faden, der sich durch das Album zieht und immer wieder durchschimmert, lässt sich wohl am besten mit dem Label „Dark Rock“ benennen. Voodoma verbinden dabei eine eher düstere und melancholische Grundstimmung mit durchaus treibendem und teils fast schon tanzbarem Wumms - eine Kombination, die erstaunlich gut ankommt und Dynamik in den Silberling bringt. Los geht’s mit dem ziemlich epischen und gothic-lastigen Opener „Sanctus Domine“, der von Veronika Seidlov eingesungen wird. Mit „Abyss“ folgt bald darauf ein Abstecher in die düsteren Gefilde des 80er Jahre Dark Wave. Und auch die Liebhaber von schwarz eingefärbten Balladen werden auf diesem Album fündig: Amy Faye liefert sich ein hübsches (wenn auch ziemlich kitschiges) Duett mit Sänger Michael Thionville. Doch die Deutschen können auch anders: Mit „Blood for Blood“ geht’s weit brachialer zur Sache und auch „The Almighty“ hämmert mit deftigem Double Bass drauf los. Die Vielfältigkeit hat aber auch ihre Schattenseiten - irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass Voodoma ihren Stil immer noch nicht so richtig gefunden haben, was einen schalen Nachgeschmack hinterlässt. Besonders wenn man bedenkt, dass die Band schon seit 10 Jahren Musik machen und „Secret Circle“ bereits die sechste Veröffentlichung ist (auch wenn die Vorgänger meist EPs waren). Auch die Aufnahmequalität könnte noch etwas gesteigert werden. Reinhören lohnt sich dennoch!
Patricia H.    

Punkte:
7.0 von 10
CARE OF NIGHT – Connected
AOR HeavenNon Stop Music
Die schwedische Formation Seven Tears warf 2009 das Handtuch. Drei der Mitglieder, Kristofer von Wachenfeldt (Keyboards), Jonathan Carlemar (Guitars) und Frederik Lager (Bass) beschlossen, ihr musikalisches Erbe am Leben zu erhalten und gründeten Care of Night. Nach einigen Wechseln entstand das heutige Line Up, neu mit Jonas Rosengren am Bass und den Zugängen Calle Schönberg am Mikro und Linus Svensson am Schlagzeug. Die Jungs zelebrieren sehr versiert typisch skandinavischen, melodiösen Hardrock. Dabei legen sie den Schwerpunkt auf fein strukturierte Melodien mit dezenten Keyboardklängen und einem warmen Gitarrensound. Herausstechend ist mit Sicherheit die voluminöse Stimme von Vokalakrobat Calle, der durchaus auch eine gute Figur bei Journey oder Survivor machen würde. Die musikalische Ausrichtung ist somit definiert. Die Mischung aus Hardrock, Melodicrock und AOR hat unbestreitbar einen grossen Reiz. Es wurden eine Reihe interessanter Tracks verfasst, die Genre-Freunde mit Sicherheit begeistern werden. Leider fehlt es dem Material auf breiter Ebene an Eigenständigkeit, am gewissen Etwas, das es aus der Masse herausstechen lässt. Obwohl handwerklich auf höchstem Niveau umgesetzt, wird „Connected“ wahrscheinlich nur in spezifischen Szenekreisen zur Kenntnis genommen werden.
Chris C.   
 
Punkte: 7.0 von 10
UMBRA ET IMAGO - Die Unsterblichen
Oblivion/Musikvertrieb
Die Gothic Urgesteine Umbra et Imago sind schon seit 1991 in der dunklen Szene zu Hause und bekannt für ihren düsteren Sound und ihre lustvollen Texte. Nach fast 20 Jahren Bandgeschichte liessen die Deutschen 2010 verlauten, dass ihr Studioalbum „Magnus Opus“ das letzte sein werde. Doch Zeiten ändern sich und zur Freude ihrer treuen Fangemeinde haben Umbra et Imago dieses Jahr nun einen besonderen Leckerbissen vorbereitet: „Die Unsterblichen“ heisst das neuste Werk und zelebriert die Gothic-Kultur auf unverwechselbare Weise. Harmonisch und doch geprägt von einer kühlen Strenge präsentiert sich der Sound der Karlsruher. Das Konzept der Band dreht sich um Sigmund Freuds Ansatz „Die Sexualität ist der Dreh- und Angelpunkt unseres Seins“. Entsprechend liegt der Fokus auf sadomasochistischen Fantasien als Ausdruck der Kunst - ein Element, das auch bei den ausschweifenden Bühnenshows der Band im Mittelpunkt steht. Bestes Beispiel für die musikalische Umsetzung dieser Philosophie ist der Track „Viva Vulva“, eine Ode an die Weiblichkeit und das Lustgefühl, oder auch „Sex Vampire“. Richtig morbide wird es beim zarten „Wiegenlied eines Vampirchens“. Seele der Kombo ist dabei Sänger Mozart, dessen tiefe Stimme die schwere und düstere Atmosphäre des Albums rüberbringt. „Die Unsterblichen“ wartet mit knapp 69 Minuten purem Gothic-Rock verteilt auf 13 Tracks auf und dürfte in der Schwarzen Szene grossen Anklang finden.
Patricia H.    
Punkte: 7.0 von 10
APHONIC THRENODY – When Death Comes
Doomentia Records
Die multinationale Band mit Mitgliedern aus Italien, Ungarn und Chile existiert seit Ende 2012 und hat seither eine EP veröffentlicht. Die meisten Musiker sind schon länger in der Szene unterwegs und haben nicht erst gerade entdeckt, dass man auf den zurzeit erfolgreichen Doom-Metal-Zug aufspringen könnte. Auf das neue Album "When Death Comes" wurden fünf opulente Stücke gebannt, die musikalisch im Funeral Doom anzusiedeln sind. Auf die typischen Klageliedern wird findet sich bereits im Bandnamen eine Referenz. Erwartungsgemäss gibt es daher ultralangsame Gitarrenriffs und ausufernde, mit dem Keyboard erzeugte Klanglandschaften zu hören, welche für die melancholische Stimmung sorgen. Die letzten Minuten von 'Death Obsession' gehören mit seinen Celloklängen zu den intensivsten Momenten auf dem Album. Ganz so harmonisch klingt es aber nicht immer. Die mit einer Akustikgitarre gespielten Akkorde in 'The Children's Sleep' klingen so schief, dass es Absicht sein muss. Die Bestätigung liefert einmal mehr der Blick auf den Bandnamen. Nach den penetranten, künstlichen Flöten im vorhergehenden 'Dementia', werden die Nerven damit endgültig überstrapaziert. Gut gönnt man in den ersten zwei Minuten des abschliessenden 'Our Way To The Ground' dem geschundenen Ohr paar Takte schönes Klavierspiel. So nimmt das Ganze ein versöhnliches Ende.
Patricia L.  

Punkte: 6.6 von 10
GRIMOIRE – L'aorasie des spectres rêveurs EP
Eisenwald Tonschmiede
Black Metal aus Kanada, da werde ich doch gleich hellhörig. Schliesslich hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass jenseits vom grossen Teich vor allem die romantische, atmosphärische Ausrichtung des Black Metals grosses Potential hat. So auch Grimoire aus Quebec, bereits das liebevoll gestaltete Cover macht die EP so viel sympathischer als irgendwelche computergenerierten Bilder mit Panzern und Schwertern. Der Sound liegt irgendwo zwischen Summoning und Alcest. Das heisst warme, melodiöse Gitarren unterstützt mit Keyboard und harschem Gesang verbreiten eine Stimmung wie aus einem Fantasy Film. Gerade der letzte Song klingt ein wenig wie aus Herr der Ringe, auch die repetitiven Riffs könnten von der letzten Summoning sein. Aber, und das ist der ansprechende Punkt dabei, immer wenn Langeweile droht, durchbricht die Gitarre das Geschehen und bringt (Dank Alcest-ähnlichen)Melodien wieder neue Akzente in die Soundlandschaft. Ein schöner Einblick in das (hoffentlich bald) kommende Album.
Tristan  

Punkte: 6.5 von 10
DESOLATE SHRINE – The Heart Of The Netherworld
Dark Descent Records
Eigentlich wollte ich diese Scherbe zuerst als Ohrenfolter verkaufen, aber nach zwei oder drei erneuten Durchläufen muss ich zugeben: Desolate Shrine sind nicht so übel, wie ich zuerst gedacht habe. Klar, in erster Linie haben wir ein Todesmetall-Gedöns mit sachten Schwarzwurzel-Anleihen (ohne ausufernde Rasereien), aber nicht nur, denn das finnische Trio (wer vor mir auf die Herkunft der Jungs gekommen ist, hat n Balisto gewonnen – Farbe ist zufällig) bemüht sich vielmehr – und hier folgt der interessante Part –, mittels atmosphärischen Einsprengseln Abwechslung zu erzeugen. Gelingt soweit auch recht gut, allerdings muss man die Momente bewusst geniessen, da sie nicht allzu lange anhalten und nur immer mal wieder zwischendurch aufblitzen. Mit diesem Wissen ist es nun um einiges interessanter, „The Heart Of The Netherworld“ zu sezieren und sich zu Gemüte zu führen. Wer sich zudem an dem doch recht eintönigen Gegrowle/Gekreische nicht stört und sich mit einer sich ab und zu überlagernden Produktion abfinden kann, der kann hier auf diesem dritten Longplayer der Nordmänner immer mal wieder gute Mucke finden. Wohlgemerkt: kann, muss aber nicht. Einen Versuch ist es aber effektiv wert!
Toby S.  

Punkte: 6.5 von 10
MORODH – World Of Retribution
Witching Hour Productions
Depressiver Black Metal war vor einigen Jahren noch relativ konstant in den Medien und ist spätestens mit dem kommerziellen Erfolg der schwedischen Shining dem Underground entwachsen, und mittlerweile handelt es sich um ein oftmals belächeltes Subgenre, vermutlich, da es mehrheitlich belanglos umgesetzt wird Morodh aus Russland können mit ihrem Debüt zumindest einen soliden Einstand bieten, doch leider scheitern sie an den Beschränkungen des Genres. Das beginnt bei den Liedtiteln, die sehr einfach und leider auch relativ unoriginell wirken (ausser vielleicht ‚Ritalin‘, der sehr aktuell daher kommt) und hört bei den repetitiven Riffs und dem monotonen Drumming auf. Die Vocals sind auch nicht wirklich einzigartig, aber tragen gekonnt zur Stimmung bei, wie man es von Kilte, Svart und ähnlichen kennt. Die Aufnahmen sind aber relativ klar, Fans vom grossen Rauschen werden sich weiter umsehen müssen. Einschübe wie das Piano bei ‚The End‘ oder Klargesang bekommen inzwischen auch keinen Innovationspreis mehr, hören sich aber dennoch gut an. So bleibt am Ende eine schön gestaltete CD, die sicherlich ihr Geld wert ist, wenn man nicht schon ein Übermass an ähnlich klingenden Bands im Regal stehen hat.
Tristan   

Punkte: 6.5 von 10
INGESTED - The Architect Of Extinction
Century Media/Universal
Hilfe, neineineinein!!! Das ist ja schon wieder so anstrengend! Blastbeats, Breakdowns, tiefstmögliches Growlen (krass! Z.B. in „The Heirs to Mankinds Atrocities“) im Wechsel mit irrem Gekreische, Moshparts - alles was das Brutal Tech Death-Herz begehrt ist hier im Überfluss und in allerbester Qualität vorhanden und das Ganze wird von einer perfekte Produktion veredelt. Ingested sind echt gnadenlos und der Titel ihres dritten Albums passt wirklich gut: so bastelt man die totale Vernichtung zusammen! Um mal fair und neutral zu sein: die Engländer sind eine Macht! Liebhaber des Genres und Fans von Bands im Dying Fetus-Stil müssen hier unbedingt zugreifen! Ich selbst bekomme leider spastische Zuckungen und ganz schlechte Laune von sowas und werde mir die Scheibe daher nicht mehr so schnell wieder anhören.
Lucie W.    
Punkte: 6.5 von 10
ETHEREAL – Opus Aetherum
Candlelight Records/Irascible
Bands mit dem Namen Ethereal gibt es eine ganze Menge. Melodic Black Metal Bands, die ansprechende Musik machen, sind hingegen eher rar. Die Engländer machen beim Auftakt ihres Debüts alles richtig: packendes Intro, rhythmisch abwechslungsreiche Songteile, Gitarren und Keyboard im richtigen Verhältnis, so dass die sieben Minuten nicht langweilig werden. Der zweite Song gibt dann gleich mehr Tempo, hier gehen die Keyboards aber im Schlagzeuggeknüppel unter. Und der Wechsel zwischen Growls und Screams wirkt auf Dauer ebenfalls eher langweilig als überzeugend, vor allem da die Übergänge nicht fliessend geschehen sondern wie ein Dialog wirken. Dafür können ‚Unholy Ungodly‘ sowie ‚Psalm Of The Deceiver‘ wieder mit Abwechslung im Aufbau trumpfen, vor allem beim letzte Song gefällt der Übergang von Soli zu Strophe und wieder zurück. Bei diesen zwei Liedern kann man auch am ehesten noch von Verwandtschaft zu frühen Cradle Of Filth ziehen, auch da gab es die mit Gitarrenmelodie verstärken Synthiehintergründe, während der Sänger im Vordergrund in das Mikro quiekte. ‚Aethernum‘ hingegen wirkt wie modernere Bands, kühle Soundflächen und Sprachsamples sowie das getriggerte Schlagzeug nimmt dem Song ein wenig Lebendigkeit. Allgemein liegt die Stärke der Songs nicht in den schnellen Stellen, denn dabei gibt es kaum spannende Riffs und auch das Schlagzeug klingt zu gleichbleibend. Ein gutes Album, aber kein Pflichtkauf.
Tristan    
Punkte: 6.5 von 10
SKINFLINT – Nyemba
Pure Steel Records/ Non Stop Music
Die Vorgängeralben „Iklwa“ und „Dipoko“ des Trios aus Botswana habe ich seiner Zeit nicht zuletzt wegen des verdienten Exoten-Bonus‘ noch recht wohlwollend und mild bewertet, dennoch hatte ich insgeheim gehofft, nie wieder mit dieser Band konfrontiert zu werden. Und was schneit mir jetzt ins Haus? Das vierte Album der afrikanischen Vorzeigemetaller. Vielen Dank Benito Roxxalini, hab Dich auch lieb! Aber ganz so schlimm ist es dann schlussendlich doch nicht, denn offensichtlich hat das Trio um Sänger/Gitarrist Giuseppe „Juice“ Sbrana dazugelernt. Bassist Kebonye "Raskebo" orientiert sich zwar immer noch hörbar an Steve Harris, schafft es aber endlich, einen eigene Note einzubringen, gleichermassen wagt Drummerin Sandra "Hurricane Sandy" Sbrana verglichen mit ihrer Darbietung auf dem Vorgänger „Dipoko“ ein hörbar verspielteres, bunteres Schlagzeugspiel, was den immer noch sehr kauzigen -, zuweilen gar sperrigen Songs etwas mehr Substanz verleiht. Und der Mastermind himself? Sein derber Sprechgesang bleibt gewöhnungsbedürftig, aber immerhin hat er endlich begriffen, dass die bedrohlich klingenden Epic Metal Tracks einiges an Tiefgang gewinnen, wenn man ihnen eine ordentliche Produktion gönnt. Ansonsten bewegt sich die Band auf gewohnt bewährtem Terrain und vermischt wieder Elemente aus Iron Maiden - Signature Harmonien und kauzigstem Epic Metal, wobei man mit „The Wizard And His Hound“ sogar das geglückte Experiment eines düsteren Bluessongs eingeht. Lediglich das lyrische Konzept rund um afrikanische Mythen nutzt sich mit der Zeit etwas ab, da die beim Sänger offensichtlich beliebten Sprüche „I’ll steal your soul“, „Your soul is mine“ und „I’ll burn your soul“ schon auf den Vorgängeralben zur Genüge zu hören waren, aber immerhin bewegen sie sich noch nicht auf einer textlicher Schmalspur von Manowar’schen Ausmassen. Unterm Strich geht es also mit dem afrikanischen Trio musikalisch langsam aber stetig bergauf, was eigentlich zu erwarten war. Exotensammler und Epic Metal-Komplettisten sollten hier wirklich mal ein Ohr riskieren.
Mirko B.   
Punkte: 6.2 von 10
HOODED MENACE – Gloom Immemorial
Doomentia Records
Bevor nächstes Jahr wieder ein richtiges Album erscheinen soll, hauen die seit 2007 aktiven Finnen von Hooded Menace zum Jahresende eine Compilation raus. Diese enthält elf Songs quer durch ihr bisheriges Schaffen, welches zu einem grossen Teil aus Splits besteht. Die Zusammenarbeit mit Veteranen wie Asphyx aber auch vielen kleineren Bands aus dem Underground zeigt, wie verwurzelt Bandgründer und Growler Lasse Pyykkö mit der Szene ist. Da die Songs schön der Reihe nach auf CD gebrannt wurden - der mit dem am weitesten zurückliegenden Veröffentlichungsdatum zu Beginn - kann man die Entwicklung der Band beobachten. Während dem die ersten Titel mit "Hübsches Riff paart sich mit hässlichen Growls" wohl am passendsten beschrieben sind, wird die Musik im weiteren Verlauf einiges vielschichtiger. Man arbeitet vermehrt mit Effekten und nutzt modernere Aufnahmetechniken, welche den Gitarren einen weniger kratzigen Sound verpassen - ob dies nun als Vor- oder Nachteil zu werten ist, ist jedem selbst überlassen. Kaum Veränderung machen die Vocals durch - die behalten weiterhin ihren dämonischen Klang. Die vorliegende Compilation eignet sich hervorragend, um sich innert kürzester Zeit einen Überblick über die Band zu verschaffen.
Patricia L.   
Punkte: keine Wertung
ENTER SHIKARI - The Mindsweep
PIAS/Musikvertrieb
Für die Musik von den Engländern von Enter Shikari muss man open minded sein, denn sonst ist die Stoptaste sofort gedrückt. Im Sound von Enter Shikari ist einerseits ganz schön viel Electro drin, andererseits gibt es aber auch viele melodische Tracks. Dieser ständige Wechsel braucht Nerven, aber ich habe auch schon Schlimmeres gehört. Auch die Vocals wechseln zwischen cleanen melodischen Parts und Growling, was auch nicht wirklich neu ist. Das vierte Album der Engländer ist vielleicht das vielseitigste ihrer Karriere. Wer auf verschiedene Stilarten auf einem Album steht, sollte hier mal ein Ohr riskieren. Alle anderen werden hier wie ich auch die Stoptaste drücken.
Daniel J.    

Punkte: 6.0 von 10
USURPRESS – Ordained
Doomentia Records
So unfassbar der Bandname klingt, so unfassbar ist zum Teil auch die Musik dieser schwedischen D-Beat Deather. Die Mehrheit der Songs wirkt sehr ungestüm, das Schlagzeug knüppelt auch mal etwas undefiniert, oder es werden spasseshalber mitten im Song ein paar freakige Takte eingeflickt. Innerhalb der Stücke gibt es häufige Wechsel zwischen den eben beschrieben, wilden Ausflügen und langsamen Parts mit einem leichten Doom-Vibe. Mittem im Chaos wird man überrascht durch ein harmonisches Intermezzo mit Nyckelharpa, Flöten und Klavier, wofür man sich drei Gastmusiker an Bord geholt hat. Gleich im Anschluss - das gewohnte Geprügel. Man lässt es sich auch nicht nehmen, für den Coversong 'Lóthlorien' bei den eigenen Gitarren zur Abwechslung mal die Distorsion runter zu drehen und dafür reichlich Hall drauf zu schmeissen. Die cleanen Gitarren schaffen mit der sich ständig wiederholenden Melodie eine hypnotische Atmosphäre. An Ideenreichtunm mangelt es der schwedischen Truppe also sicher nicht. Entsprechend fällt auch der Schluss wieder etwas unkonventionell aus. Der Nyckelharpa wird die Ehre zuteil, dieses Album zu schliessen.
Patricia L.    

Punkte: 6.0 von 10
ALPHA TIGER – iDentity
Steamhammer/Musikvertrieb
Als zu ausfransend, als zu wenig auf den Punkt gebracht, so hatte ich die Songs von „Beneath The Surface“, dem Zweitling von Alpha Tiger bei allem Können und bei aller Spielfreude vor zwei Jahren kritisiert. Mit „iDentity“ melden sich dei deutschen Neo-80's-Metaller nun zurück und höre da: Knackig und prägnant, konzentriert und jeden Bullshit aussparend knallt einem das Quintett mit „Lady Liberty“ einen so rasanten wie eingängigen Opener um die Ohren. „So geht das!“, will ich schon ausrufen, doch hält meine Freude nicht lange an. Denn auch wenn der Fünfer sich mittlerweile anschickt, alles etwas zu straffen, so vermag er mich doch nicht mitzureissen. Als hätten die Jungs vergessen, die Bremsen zu lösen, so wirkt „iDentity“ über weite Strecken, ob im elegischen Titeltrack, dem mittelflotten „Long Way of Redemption“, ja sogar im auf Speed Metal getrimmten „Shut up & Think“, dessen Drive durch überflüssige Breaks und Stopps wie ein an sich ps-starker Sportwagen immer wieder abgewürgt wird. Oder anders ausgedrückt: Mehr als einmal bremsen sich Alpha Tiger selber aus, spielen komplizierter als sie müssten und nehmen so gar vielversprechend angelegten Hymnen wie „We Won't Take it anymore“ den Schneid. Ein Eindruck, der durch die geglättete, fast schon „belegte“ Produktion (vor allem der Gitarren) noch verstärkt wird. Dieser Tiger müsste dringend wieder einmal seine Krallen schärfen. Dass sie es eigentlich könnten, beweist „Lady Liberty“, doch reichen tut das nicht.
Kissi    

Punkte: 5.6 von 10
HATEFUL ABANDON – Liars & Bastards
Candlelight Records/Irascible
Ob das noch Metal ist? Klar, man hört Gitarren, aber den grössten Teil der Lieder bestehen aus Synthesizern und Drumcomputer oder anderen elektronischen Geräuschen. So erinnern ‚Maze Of Bastards‘ und auch ‚Culprit‘ an Killing Jokes ‚From The Basement Of Hell‘. Klar hört man die kalte Note des Industrials, aber so wirklich anfreunden kann ich mich damit nicht, da von den beiden genannten Songs auch nur der zweite gegen Ende hin etwas Abwechslung zeigt. Soll heissen es vergehen ganze 10 Minuten, bis ein Phasereffekt die ständig wiederholenden Takte ein wenig würzt. Der dritte Track beginnt mit einem Muezzin, bevor zum ersten Mal richtige Gitarren zu dröhnen beginnen. Aber auch hier verzichtet man auf richtige Riffs, das Instrument wird eher als Lärmquelle gebraucht. Die ständig wiederholenden Textzeilen machen das Lied auch nicht gerade spannender. Leider zieht sich das dann auch bei ‚The Test‘ weiter, der minimalistisch programmierte Drumcomputer repetiert sich so um die duzend Mal zu oft. Schade, denn der alternative Post Black Metal Ansatz gefällt von der Idee her gut, aber die Umsetzung ist über die gesamte Spielzeit hin dann doch zu eintönig.
Tristan     

Punkte: 5.5 von 10
OBSCURE INFINITY - Perpetual Descending Into Nothingness
FDA Rekotz
Die Deutschen von Obscure Infinity veröffentlichen mit "Perpetual Descending Into Nothingness" bereits ihr drittes Album. Im Gegensatz zu den Vorgängern sind sie auf dieser Scheibe merklich von der Old School Death-Schiene weggekommen, und widmen sich mehr ausladenden Melodien. Sowohl beim Riffing wie auch bei den Soli ist das Spektrum der eingesetzten Melodiearten deutlich ausgeweitet. Somit nähern sich die Westerwälder spürbar dem Melodischem Sweden Death der Marke "Edge of Sanity" an. Was zwar technisch eine logische Weiterentwicklung ist, weil die Mannen, allen voran die Sechssaiter, ein hohes technisches Niveau haben, ist kompositorisch in meinen Augen leider ein Rückschritt. Die Fokusverlagerung auf die Melodieführung nimmt der Brachialität leider zu viel Substanz. Die Melodien wirken oft disharmonisch im Vergleich zur Grundatmosphäre der Songs und kaum baut ein Nackenbrecherriffing düstere Stimmung auf, wird dies von feuchfröhlichen Melodien hinweggefegt.
Steve Butcher    

Punkte: 5.0 von 10
TODD GRIFFIN - Mountain Man
Bad Reputation/Non Stop Music
Jaja, ein bisschen Namedropping, ein Quäntchen Etikettenschwindel - und schon haben wir das super-duper-Bluesrock-Album des Jahres. Diesen Eindruck gewinnt man zumindest, wenn man sich im Netz zu diesem Rundling etwas schlau macht. Ex-The Graveyard Train Frontröhre Todd Griffin hat sich mit illustren Gestalten wie Mitch Perry (U.F.O.), Jorgen Carlsson (Gov’t Mule), Doug Pettibone (Lucinda Williams) und Arlan Oscar (Joe Bonamassa Band) umgeben, um sein mittlerweile drittes Solowerk einzuspielen. Was dabei herausgekommen ist, ist eher ein Sammelsurium typisch amerikanischer Schmachtfetzen und Durchhalte-Hymnen, mit Bluesrock hat das alles wenig bis gar nichts zu tun. Mal gibt der gute Todd eine ganz passable John Bon Jovi-Kopie ab („These Days“, „Stand Up“), bezeugt seine Liebe zu Creedence Clearwater Revival („Devil Women“, „Montain King“) verneigt sich knietief vor Bruce Springsteen („Let It Rain“) oder verirrt sich in Countryrock-Gefilden („Glory Train“, „Strength In You“). Lediglich „Voice Of The People“ und das abschliessende „Geronimo“ lassen etwas mehr Eigenständigkeit erkennen, was aber zum Bestehen der Metal Factory-Kompatibilitätsprüfung nicht ausreicht. „Mountain Man“ ist echt nur was für sanfte Gemüter. Wer reinhören will, tut dies auf eigenes Risiko.
Mirko B.   

Punkte: 4.1 von 10
SEXTRASH - Sexual Carnage (Re-Release)
Greyhaze Records
Wiederveröffentlichung des erstmals 1990 erschienenen Debüts der brasilianischen Rumpel-Thrasher aus Belo Horizonte. Die ursprünglich zehn Songs wurden hier noch durch die drei Tracks des 1989er Demos „XXX“ sowie zwei bisher unveröffentlichte Nummern ergänzt. Dazu gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Die Songs des Erstlings holpern im konstanten High Energy Blastbeat – Modus aus den Boxen, mit reichlich Dreck unter den Nägeln und schon fast punkiger Fuck The World – Attitüde, allerdings mit der Folge, dass sie sich gleichen wie ein Ei dem andern. Riff eins, Riff zwei, Riff drei, Blastbeat, schrei, würg, bell, röchel und fertig ist der Song. Auf zum nächsten: Riff eins, Riff zwei, Riff drei, Blastbeat, schrei, würg etc. Die drei Tracks von „XXX“ sind hingegen jedem Freund sauberer und druckvoller Produktionen ein absoluter Graus, aber immerhin bemühte sich die Band darauf noch um etwas mehr musikalische Abwechslung. Verglichen damit kacken allerdings die beiden Demotape-Aufnahmen völlig ab, da die Soundqualität schlicht unterirdisch ist und sich absolut keine kompositorische Qualität ausmachen lässt, eine ausgelutschte Tonfolge reiht sich der anderen an; das kommt offensichtlich dabei raus, wen man Dilettantismus zum Dogma erhebt. Für Fans von Sarcófago, ganz frühen Sepultura, Holocausto und Genocídio eine zumindest historisch reizvolle Anschaffung, für alle anderen ist die Scheibe hingegen blanke Rohstoffverschwendung.
Mirko B.   

Punkte: 4.0 von 10
SELF-INFLICTED VIOLENCE – The Sanctimonious Hypocrites Of Reality
Art of Propaganda
Aha, soso, ist ja mal interessant: Self-Inflicted Violence ist also eine One Man Show des Herrn Adam Magnox, auch bekannt unter dem Pseudonym „1,4,1,13“. Nun, kann man wissen, muss man aber nicht. Allerdings leite ich persönlich nun aus diesem Fakt ab, dass Magnox zwar seine persönliche Vorstellung von Musik bereits zum dritten Mal auf CD pressen konnte, jedoch aber genau dies das grösste Problem darstellt. Der Sound, welcher sich zwischen Post-Atmosphäre, verzweifeltem, Black Metal-artigem Geschrei und genauso verzweifelten cleanen Vocals sowie einer Art Post Metal/Atmospheric Rock bewegt, ist schlichtweg überfordernd. Man wird förmlich mit so vielen verschiedenen Ansätzen zugeballert, dass keine wirkliche Zeit dafür bleibt, den roten Faden zu finden, um sich einigermassen orientieren zu können. Das kann (muss aber nicht) daraus resultieren, dass nur ein Kopf hinter der ganzen Chose steckt – für ihn ist alles klar und logisch, aber da vermutlich sonst niemand mitzureden hatte, bleibt alles sehr eindimensional. Nämlich innerhalb der Dimension des Herrn Magnox. Kann man sich anhören, wenn man sich in den Herrn und seine Soundlandschaften versetzen will. Muss man aber nicht.
Toby S.
  
Punkte: 4.0 von 10
SYLOSIS - Dormant Heart
Nuclear Blast Records
Achtung: dies ist ein total subjektives Review - bitte mit Vorsicht geniessen! Sylosis veröffentlichen mit „Dormant Heart“ ihr viertes Full Length-Album innerhalb von sechs Jahren. Die Briten geben also echt Gas, das muss man ihnen lassen - vor allem angesichts ihres Tourkalenders! Sylosis spielten auf Tour mit Lamb of God, Killswitch Engange, Devil Driver und Trivium und ausserdem auf bedeutenden internationalen Festivals, wie dem Sonisphere, Wacken, Graspop sowie Pukkelpop. Die genannten Bands können eigentlich auch gut als stilistische Referenz herhalten. Sylosis laufen offiziell unter Thrash/Melodic Death Metal, ich würde ihnen aber auch eine gewisse Nähe zum Metalcore unterstellen. Sogar eine ganz nahe Nähe. Alles sehr modern und sehr amerikanisch-britisch. Mir gefällt leider gar nicht, was ich höre. Alles ist zu bemüht, vor allem die Stimme wirkt irgendwie sehr angestrengt, und Sylosis wollen offensichtlich unbedingt komplex, virtuos und innovativ sein, aber auch tiefgründig, emotional, irgendwie dramatisch und episch, und dann wieder wütend und „voll angepisst“. Und vor allem total „intensiv“ und „mit mehr Intensität“ - ich zitiere hier das Infosheet des Labels. Ausserdem will man Thrash und Death und Metalcore und Melodic und Prog und sowieso alles was grade modern ist. Sogar das Cover ist mit seinem runden, melancholischen Motiv mit zwei verhüllten Gestalten voll im gleichen Stil wie viele andere zur Zeit - also auch hier ganz am Puls der Zeit. Das ist mir alles zu viel, zu mühsam und zu unecht, es scheint, als können sich die Jungs einfach nicht entscheiden, was sie eigentlich für eine Band sind. Hier gilt mal wieder: weniger ist mehr. Und: ich bin zu alt für den Scheiss. Jemand anders würde hier sicherlich differenzierter sein, und natürlich muss man den Jungs lassen, dass sie enorm viel in die Musik stecken und ihr Handwerk beherrschen - leider gefällt es mir einfach nicht. Sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt!
Lucie W.
  
Punkte: 2.0 von 10
GHOULGOTHA - The Deathmass Cloak
Dark Descent Records
Ich habe mir wirklich Mühe gegeben, kann diesem Album aber leider nichts Positives abgewinnen. Habe aber auch zu viel "Geisterjäger John Sinclair" gelesen und vertrete daher die Überzeugung, dass die einzigen guten Ghoule tote Ghoule sind. Bin mir aber ebenfalls sicher, dass einige old school afficionados nach der Einfuhr dieser rumpligen, dillettantischen, verhallten Variante einer für mich einfach zu schludrigen 80er-Jahre-Doom-Death-Demoaufnahme ihre primären Geschlechtsteile mindestens zweimal entfeuchten müssen. Dennoch, kleine Fehler sind ja noch charmante Einsprengsel und rudimentäre Abweichungen bringen unter Umständen durchaus zusätzliche Würze ins Gulasch... aber wenn beim anhören dieser kalifornischen Knödelkombo mein Kopfkino grösstenteils einen Besoffenen zeigt, der krampfhaft versucht nach einem Laternenmast zu greifen, macht sich einfach schnell Langeweile breit. Definitiv nicht meine Musik. Und dass ich von den ca. 45 aufgezählten Einflüssen drei Bands Scheisse finde und vom Rest schlichtweg noch nie was gehört habe, klammert mich als Zielperson wohl überdeutlich aus. Da greife ich lieber zu den charmanteren Varianten wie den tighteren Autopsy, frühe Obituary, der allerersten Morbid Angel und alten Celtic Frost. Einen Bonuspunkt gibt’s aber für das kompromisslose und ghoultastische Gesamtpaket aus coolem Bandnamen, Albumtitel, old school-Cover und passender musikalischer Hintergrunduntermalung (warum hat man nie eine Peitsche aus geflochtener Dämonenhaut zur Haimmer: reinhören und eigene Meinung bilden angesagt.
Hardy
  
Punkte: 2.0 von 10
CD Reviews Archiv
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