CD-Reviews Mai 2015
Wertung:
  9.0 bis 10 Kaufempfehlung.         7.5 bis 8.9 Gut.
  4.0 bis 7.4 Vor Kauf reinhören.    0.0 bis 3.9 Nicht empfohlen.
MAGIC PIE - King For A Day
Karisma Records
Unglaublich, wie stark die Prog Rock Bands in dem noch jungen Jahr aufdrehen. Auch die Norweger Magic Pie glänzen hier mit einem grandiosen Album. Schon der Opener rockt und proggt auf höchstem Niveau. Total verspielt, aber immer den Song im Vordergrund, erinnern mächtige Chöre an Queen und Shadow Gallery. Instrumental fetzt man durch Spocks Beard, ELO und Shadow Gallery Galaxien, dass es nur so eine Freude ist. Der nachfolgende 12-Minuten Kracher rockt in guter, alter Deep Purple Manier los, geht dann in verspielte Gitarren Twin-Soli über und gipfelt in grossen, gewaltigen Chören. Steigert sich anschliessend in einem Instrumentalgewitter, um wieder zu den Purple-Basics zurück zu kehren. „According Plan“, ein lockerer Prog Song, geht eher wieder in die Spocks Beard Richtung, sehr schöne Nummer mit toller Melodie. Der zweite 12-Minuten Track „Tears Gone Dry“ beginnt mit einem wunderschönen, ruhigen Gitarrensolo, das nach zwei Minuten in einen ebenso ruhigen Shadow Gallery Part mündet. Sänger Airikur Hauksson singt hier sehr gefühlvoll und zeigt, wie variabel seine Stimme ist. Der kürzeste Track, das fünf Minuten lange „Silent Giant“, klingt stellenweise sogar etwas nach Queensr’che, vor allem im Refrain. Aber dann folgt das Herzstück des Albums, das 27-Minuten Epos „King For A Day“. Was für eine musikalische Perle, die die sechs Norweger hier präsentieren, das ist fast nicht zu beschreiben, das müsst ihr euch anhören. Nebst der Eigenständigkeit dieses Monstersongs, gibt es hier Einflüsse von Spocks Beard, Yes, The Flower Kings, Deep Purple, Dream Theater (bei den instrumentalen Parts) und vielen mehr. Grandios, wie die Norweger aus dieser Mischung, 27 Minuten lang, den Zuhörer zu fesseln vermögen. Da gibt es alles, wirklich alles, was der Prog-Fan liebt. Tonnenweise geile Breaks, Tempo und Stimmungs-wechsel, alles passt zusammen, nichts wirkt zusammengeflickt. Dies ist eine Prog-Lernstunde auf allerhöchstem Niveau. Und immer wieder diese absolut königlichen Chöre dazu, absolute Bestleistung. Abschliessend kann ich nur noch sagen: Proggies, kaufen, kaufen, kaufen!!
Crazy Beat 

Punkte: 9.5 von 10
MICHAEL SCHENKER'S TEMPLE OF ROCK – Spirit On A Mission
Inakustik/Musikvertrieb
Michael Schenker hat zusammen mit den ehemaligen Scorpions-Musikern Herman Rarebell (Drums) und Francis Buchholz (Bass), seinem Langzeit Mistreiter Wayne Findlay und Shouter Doogie White endlich wieder eine Truppe am Start, welche es dem Ausnahmegitarristen ermöglicht, sich auf seine Performance zu konzentrieren. Dabei schiesst Michael nach 2013 mit „Bridge The Grap“ erneut einen Killersong nach dem anderen aus der Hüfte. Ob es der Eröffnungstrack „Live And Let Die“, „Communion“ (Killer wie Doogie singt) und das schon auf der letzten Tour vorgeführte „Vigilante Man“ ist, alle überzeugen auf der ganzen Linie. Michael hat seine Experimentierphase hinter sich gelassen und konzentriert sich wieder auf coole Rocksongs, beziehungsweise sein Spiel, weil er weiss, dass er Könner auf den anderen Plätzen positioniert hat. Da rockt es dann auch schon mal schneller („Rock City“, „Something Of The Night“, „Restless Heart“), oder erinnert an die zweite MSG-Scheibe („Saviour Machine“). Immer wieder muss man die gesangliche Leistung von Doogie erwähnen. Was der Shouter hier abliefert, stellt alles andere in den Schatten. Als ob Michael die Songs speziell für den Sänger geschrieben hat und dabei jeder Ton von Doogie mit einer solchen Inbrunst gesungen wird, dass man sich fragt, wieso der Shouter nicht schon viel früher eine solch gesangsfarbliche Glanzleistung abgeliefert hat. Mit dem sich aufbauenden und von Streichern eingeläuteten „Let The Devil Scream“ liefert Michael eine weiteren Höhepunkt von „Spirit On A Mission“ ab. Diese Mission zeigt eindrücklich, dass sich der oftmals exzentrische Musiker wieder gefangen und seine innere Ruhe gefunden hat und jeder Ton eine kleine Offenbarung ist. Dieses Album gehört definitiv zu den Sternstunden von Michael!
Tinu 

Punkte: 9.5 von 10
GRAAL - Chapter IV
Jolly Roger Records/Non Stop Music
Lasst euch bloss nicht vom eröffnenden akustischen Folk-Song in die Irre führen, den das römische Quintett treffenderweise „Little Song“ getauft hat, denn nach dieser ruhigen, knappe drei Minuten dauernden Einleitung bricht ein wahrhaftiges Progrock / Classic Rock – Feuerwerk mit stark metallischer Schlagseite aus. Graal schaffen es irgendwie, in ihrem Sound alles zu vereinen, was in der Rock und Metal – Königsklasse Musikgeschichte geschrieben hat. Deep Purple, Marillion, Uriah Heep, Genesis, Dream Theater sind die ersten Namen, die mir beim Anhören der elf Nummern spontan einfallen, natürlich versehen mit einer ureigenen Identität plus einer Extraportion Power. Wenn dann bei all dem musikalischen Können noch ein singender Gitarrist hinzukommt, dessen Timbre sofort an die charaktervollen Organe der Herren Gabriel, Collins und Fish erinnert, dann hat die Band mein Herz schon fast vollends gewonnen. Was den Siegeszug dann definitiv macht, ist die Tatsache, dass Graal trotz der unbestreitbaren Fähigkeit dazu auf jegliches Gefrickel verzichten und stattdessen die Songs mit vielen bunten Blumensträussen, bestehend aus schönen Melodien, schmeichelnden Harmonien und Powerriffs, schmücken. Alles sehr angenehm anzuhören und selbst bei Spielzeiten von knappen neun Minuten nie anstrengend. Einzig das etwas zu experimentelle „Guardian Devil“ fällt aus der Reihe und will nicht so richtig zünden, aber bei der überragenden Qualität von Monstertracks wie „Pick Up All The Faults“, „Shadow Play“ oder „The Day/Stronger“ – und das ist jetzt noch nicht mal die Hälfte der Gewinner auf dem Album – liegt dieser kleine Ausrutscher nur ganz leicht auf der anderen Waagschale. Das vierte Album einer Band, die seit über zehn Jahren aktiv ist und immer noch nicht dort steht, wo sie eigentlich sollte. Ein Support-Slot für Dream Theater, Spock’s Beard, Steve Wilson etc. wäre der dringend notwendige und schwer verdiente Schritt in die richtige Richtung. Mein absoluter Favorit diesen Monat!
Mirko B.  
Punkte: 9.2 von 10
SATYRICON – Live At The Opera (2 CD & 1 DVD)
Napalm Records/Universal
Eigentlich ist mit dem Bandnamen und dem Albumtitel alles gesagt: Im September 2013 spielten Satyricon in der Oper in Oslo. Das war seit einigen Jahren schon ein Traum von Satyr, was sich immer wieder in der Zusammenarbeit mit klassischen Künstlern zeigte (zuletzt bei ‚Phoenix‘ auf dem letzten Album). Die Freude hört man ihm bei den ungewohnt langen Zwischenansagen auch an. Aber alles der Reihe nach, denn beginnen tut das Album mit ‚Now Diabolical‘, welches bereits das Potenzial des Chors zeigt. Das Lied bekommt eine ganz andere Klasse mit dem zusätzlichen Gesang. Es wirkt erhabener und dramatischer, was man eigentlich auf das ganze Album ausweiten kann. Denn auch Lieder wie das neue ‚Our World, it Rumbles Tonight‘ bekommt eine ganz andere Qualität. Und darum macht das Album Spass, denn obwohl man die Lieder kennt, bietet es eine neue Hörerfahrung. Wirklich gut!
Tristan   
 
Punkte: keine Wertung
TRIBULATION - The Children Of The Night
Century Media/Universal
Das erste Full Length-Album von Tribulation mit dem Titel „The Horror" erreichte Metal Factory über das singapurische Kult-Label Pulverised Records anno 2009 und schon damals war ich von den bauchgesteuerten Schweden und ihrem räudigen Death/Thrash ziemlich angetan. Das zweite Album "The Formulas Of Death“, das 2013 über Invictus Productions released wurde, habe ich danach leider verpasst, werde diese Wissenslücke aber in näherer Zukunft noch ausmerzen. Denn die aktuell vorliegende Scheibe ist eine kongeniale Weiterentwicklung (die zu Beginn nicht annähernd vorhersehbar war) und präsentiert uns eine gewachsene Band, die ihre ursprünglich eh schon schmalen Pfade zwar verlassen hat, aber durch ihr natürliches Wachstum auch gar keinen keinen Platz mehr darauf gefunden hätte. Denn der krächzende, verhallte und leidenschaftliche Black Metal-Gesang ist geblieben, die Musik ist jedoch einer geschmackvollen und sehr natürlich klingenden Variante eines unehelichen Kindes von Fields Of The Nephilim, der letzten Dissection-Platte und alten Scorpions geworden. Tönt schräg, ich weiss..., aber das Teil rockt und groovt, liefert sexy verzahnte Gitarren/Bass-Linien und obendrauf schon fast wieder zum Heulen schöne (Twin-Gitarren-) Melodien. Alle zehn Songs atmen, pulsieren und wollen freigelassen werden. Die dunklen Melodien fräsen sich sowohl in Gehirnrinde wie auch Beckenboden und die Hinzunahme von sowohl sinister/simplen  wie auch wahnsinnig effektiven Keyboardmelodien und einer instinktiven Laut/Leise-Dynamik hievt die ganze Chose nochmals auf ein höheres Level. Nicht zu vergessen die beseelten Leads und die verschwitzte, warme Produktion, die vor dem inneren Auge versauten Äffchensex hervorruft. Ich bin sowas von Fanboy dieses Albums geworden, auch wenn die bpm's gehobenes Midtempo nie überschreiten. Ums Verrecken reinhören..., und verhüten nicht vergessen!
Hardy  
Punkte: 9.0 von 10
MICHAEL BORMANN – Closer
RMB Records
Der Name Michael Bormann lässt sich langsam aber sicher nicht mehr aus der deutschen Rockszene wegdenken. Längst schon ist er weit mehr als der Ex Jaded Heart Sänger. Im Gegenteil, ohne die Qualitäten seiner damaligen Weggefährten schmälern zu wollen, scheint der Duisburger M. Bormann aktuell kaum zu toppen zu sein. Na ja, die letztjährige Aktion, bei „The Voice of Germany“ mitzumachen, lässt sich sicher hinterfragen. Jedenfalls hat er dabei einem Millionen Publikum bewiesen, dass er zu den Stimmgewaltigsten Sängern in Deutschland gehört, von seinem Können als Multiinstrumentalist, Songwriter und Produzent ganz zu schweigen. Nach mehr als vier Jahren erscheint nun der fünfte Longplayer von Michael. Dabei schöpft er aus dem Vollen und vereinigt sämtliche Trademarks in erstklassigen Songs. Zwischen Balladen, Mid-Tempo Nummern und reinrassigen Hardrock Tracks lässt „Closer“ keine Wünsche offen. Dabei geht der Mann nicht nur äusserst versiert, sondern auch erfrischend locker zur Sache. Einmal mehr hat er nebst den Vocals sämtliche Instrumente selber eingespielt und sich diesbezüglich bloss von einer Handvoll Freunden unterstützen lassen. Ebenfalls zeichnet er für das Mastering und die edle Produktion verantwortlich. Man kann es drehen und wenden wie man will, ein wirklich schwacher Song ist auf der Scheibe nicht zu finden. Im Gegenteil, eingängige Refrains und intensive Melodien reihen sich aneinander. Der knackige Melodic Hard Rock versprüht Magie, besitzt Tiefgang und Intensität. Grossartiges Album.
Chris C. 
Punkte: 9.0 von 10
PSYCROPTIC - Psycroptic
Prosthetic Records
Mal eine Band aus Down Under, schön - und dann erst noch aus Tasmanien, dieser kleinen Insel vor der Küste Australiens. Sehr exotisch. Man bekommt ja sonst irgendwie sehr wenig mit von den musikalischen Vorgängen auf dem weit entfernten Kontinent… Aber dass ich dann gleich so einen Brocken serviert bekomme - puh! Psycroptic machen extrem anspruchsvollen, qualitativ beeindruckenden Technical Death, der so vielseitig und ausgereift daher kommt, dass es mir einen kalten Schauer den Rücken runterjagt! Schon der Opener „Echoes To Come“ zeigt, wozu die Jungs fähig sind. Dave Haley an den Drums ist ein absolutes Tier, die Riffs und Gitarrenleads sind grandios und auch die stimmliche Leistung überzeugt komplett. Sänger Jason Peppiatt hat eine neben der Schreistimme eine weitere Stimmlage drauf, die eine Melodielinie aufweist, dennoch noch im geschrienen Bereich liegt - selten so gehört, sehr geil! Vielseitig und komplex ist das Songwriting, ohne dass man sich überfordert fühlt durch zu viele Breaks und Disharmonien, wie es bei diesem Genre sonst oft der Fall ist. Grandios zum Beispiel der schleppende, melodische Refrain von „Ending“, der wie viele andere Parts ins Ohr geht, ohne dass man plakativ werden würde. Eine anspruchsvolle aber unfassbar gute Scheibe! Kaufen!
Lucie W. 
Punkte: 9.0 von 10
ROMEO'S DAUGHTER – Spin
RD Records
Tja die gute Leigh Matty hat eine warme, aber auch rockige Stimme, die den Hörer sofort anspringt. Der Sound von Romeo’s Daughter wird all jenen gefallen, welche den rockigen Bryan Adams, Thunder, Saraya und Gun mögen. Rock mit einer gehörigen Portion Melodie, der mit viel Talent vorgetragen wird und mit dem Opener „Touch“ zu Gefallen weiss. Die Band, welche 1988 mit ihrem ersten Album für Furore sorgte, hat nichts von ihrer Einfachheit und überzeugenden Art verloren. Alleine ein Track wie „Already Gone“ überzeugt mit seinem sofort in die Gehörgänge gehenden Refrain und der Powerröhre von Leigh. Ein Hinhörer ist auch immer wieder Gitarrist Craig Joiner, der mit seinen Riffs und seinen simplen, aber effektiven Solos überzeugt. Ebenso wie das sich aufbauende „Enemy“ oder das schon fast Shania Twain like „Didn’t See You Coming“. Mit ihrem vierten Album zeigen Romeo’s Daughter, dass sie noch immer rocken können, sich einen Scheiss darum kümmern, ob der Sound nun zu hart oder zu soft ist, aber immer zu überzeugen bedacht sind. Wer Rocksongs gegenüber offen ist, wird an „Spin“ nicht vorbeikommen! „All Because Of You“ und „Tall Buildings“ sollten Beweis genug dafür sein.
Tinu 
Punkte: 9.0 von 10
ADRAMELCH - Opus
Pure Prog Records/Non Stop Music
Opus ist das Vermächtnis, also das letzte Album der aussergewöhnlichen Band aus Italien, die schon 1988 mit ihrem Debüt-Album „Irae Melanox" ein tolles Metal Werk schuf. „Opus" ist ein unglaublich facettenreiches, sehr interessantes Stück Musik geworden. Beginnen wir mit „Black Mirror", einem wunderbarem Song mit fantastischen Melodien, unglaublich verspielten Instrumenten-Parts und sehr melodiösem Gesang. Dazu wunderschöne Gitarrensoli. Die Einflüsse reichen von Queensr’che, über Eloy bis zu Dream Theater (bei einigen Instrumentalparts), aber trotzdem mit viel Eigenständigkeit. Eine tolle Schnittmenge aus Prog Rock / Metal, jedoch ohne Gefrickel, dafür mit umso mehr Gefühl, Melodie und Tiefgang. Ganz gut gefällt mir das eher ruhigere „Northern Lights" im Duett mit Simona Aileen Pala (HOLY SHIRE), auch die Gitarren sind hier grandios gespielt. Auch „Only By Pain" beginnt sehr verspielt mit Gitarre und Bass, bevor ein starkes Gitarrenriff zum Gesang überleitet. Die Italos machen einfach alles richtig. Es ist einfach sehr spannend und mitreissend, Songs wie das geniale „A Neverending Rise" zu geniessen. Oxer „Fate", das schwerfällige, melancholische Stück, das den Zuhörer mitzieht in die Tiefe und ihn mit einem wunderschönen Gitarrensolo fesselt. Auch „Forgotten Words", ein grossartiger Song mit viel Spannung und starken Melodien. Zum Schluss dann noch „Where Do I Belong", das einen würdigen Abschluss bietet, mit einem Queensr’che Touch. Und so ist „Opus" ein letztes meisterliches Werk der Italiener geworden, so zu sagen ein würdiger Abschluss, ein sehr verspieltes, facettenreiches, grosses Stück Musik.
Crazy Beat 
Punkte: 8.9 von 10
SPITFIRE – Fuel To Burn
Indie Recordings/Irascible
Der norwegische Vierer Spitfire steht mit seinem dritten Werk „Fuel To Burn“ für Grosstaten bereit. Immerhin schaffen sie es damit zum Support der bevorstehenden Tour von Metal Queen Doro. Die Nordländer haben sich erdigen, kernigen Hard Rock auf die Fahne geschrieben, der als zeitloser Classic Rock definiert werden kann. Dabei macht Sänger Jan Tore Befring eine ausgezeichnete Figur. Mit seiner klaren, aber äusserst powervollen Stimme mag er durchs Band zu begeistern. Er meistert dabei sämtliche Aspekte der Songs mit Bravour. Aber auch der Rest der Truppe weiss Akzente zu setzen. So überzeugt Gitarrist Björn O. Berge mit satten und gleichermassen dreckigen Riffs und filigranen Solos, Bassist Sveinung Igland versorgt das Liedgut mit ordentlich Druck und Drummer Ole Nic Lobo wiederum begeistert mit vielseitiger Schlagzeugarbeit. Zusätzlich haben die Jungs auch leichtgängige Songs mit viel Tiefgang verfasst. Die Melodien und Refrains gehen leicht ins Ohr und vermögen sich da auch zu halten. Trotzdem besitzen die Tracks Kraft und Wucht, was dem Album eine hohe Halbwertszeit beschert. Ebenso wird der Abwechslung Genüge getan. Gekonnt adaptiert man dezente Led Zeppelin und Ozzy Osbourne Aspekte, spielt aber auch mit Metal- und Sleazy-Ideen. Mit einer druckvolleren Produktion wäre sicher noch mehr drin gewesen. In Sachen Groove hat die Band aber definitiv den Dreh raus. Einziger Wermutstropfen bleibt die schon beinahe freche Spielzeit von bloss 28 Minuten.
Chris C. 
Punkte: 8.8 von 10
THE VINTAGE CARAVAN - Arrival
Nuclear Blast/Warner
Island als vulkanisch aktive Insel ist in unseren Breitengraden normalerweise eher als Attraktion für Touristen bekannt, die sich dort das Naturschauspiel der faszinierenden Geysire gönnen möchten. Óskar Logi Ágústsson (g/v), Alexander Örn Númason (b/v) und Gušjón Reynisson (d) sind als Landsleute von dort sicher ebenso davon angetan, aber der Fokus der drei Youngsters liegt bei energetischem Retro-Rock, der sowas von gut daher kommt, dass man es kaum glauben mag. Das Trio ist vor allem auf der Bühne sackstark und als ich sie im letzten Frühling erstmals im KiFF in Aarau abrocken sah, blieb nicht nur mir die Spucke weg! The Vintage Caravan nutzten jede Sekunde ihrer halben Stunde Spielzeit und empfahlen sich mit dem zweiten Album «Voyage» inklusive Deal bei Nuclear Blast für weitere Grosstaten. Die logische Folge davon waren weitere Auftritte, wie zum Beispiel am "Roadburn Festival", "Summer Breeze" oder "Up In Smoke", wo sie sich locker neben (den) Blues Pills, den anderen Genre-Überfliegern, behaupten konnten. Gegenwärtig stehen schon über hundert Konzerte (!) in Europa zu Buche. Unser werter Kissi fand bei der Rezi des Vorgängeralbums «Voyage» dann allerdings auch das eine oder andere Haar in der Suppe. Mir gefielen die Jungs jedoch von Anfang an ziemlich gut und darum bin ich nun mächtig gespannt, was mich beim brandneuen Werk mit dem Titel «Arrival» erwartet.

Sicherlich keine Cover-Version des gleichnamigen Titels (und Albums) der schwedischen Pop-Götter ABBA. Die Frage war eher, ob der von Kissi treffend verwendete Vergleich zu den alten Deep Purple (ohne Keyboards), Uriah Heep, Led Zeppelin et cetera wieder zu Tage treten würde. Der Opener «Last Day Of Night» klingt dann überraschenderweise eher nach (den) Blues Pills als den vorher genannten Vorbildern, vor allem der Anfang. Dazu flirren mir auch die schnelleren Sachen der frühen Spiritual Beggars durch die Hirnwindungen. Letztlich, nur schon vom Gesang und der Gitarrenabeit her, ist der Grad der Wiedererkennung deutlich gegeben und der Schlussteil einfach nur geil. Das nachfolgende Lied «Monolith» ist The Vintage Caravan pur und funktioniert bestensals eigenständiges Musikwerk im Kosmos des Retro-Rock. Mit flottem Tempo marschiert derweil «Babylon» erstmal los, um kurz danach über eine relaxte Bridge in den nächsten Lärmpart über zu gehen. Spätestens hier merkt man, dass man dem sorgfältigeren Songwriting entsprechend treffende Arrangements verpasst hat. Das macht sich gut und lässt die genannten musikalischen Inspirationen weiterhin mehr im Hintergrund verweilen. Davon profitieren entsprechend «Eclipsed» wie auch «Shaken Beliefs», wo Abwechslung wie Unvorhersehbarkeit fliessend ineinander übergehen. Daneben bringt man die überzeugende Chose bei «Crazy Horses» in 3:14 Minuten unter und «Innerverse» ist das ruhige Gegenstück zu «Winterland» auf dem Vorgänger. Der schon fast epische Rausschmeisser «Winter Queen» lässt schliesslich während fast neun Minuten keinen Zweifel darüber aufkommen, dass sich das bodenständige Power-Trio aus dem hohen Norden ganz klar auf dem richtigen Weg befindet und der Punktezuwachs mit plus eins mehr als verdient ist.
Rockslave 
Punkte: 8.8 von 10
BROTHERS OF THE HEAD - Light In The Night, Feed The Flame
Metalapolis Records
Der brachiale Opener „Mexico Sweet Mexico“ stellt gleich einiges klar, zum Beispiel dass es – wie andernorts geschehen – absoluter Blödsinn ist, das Quartett aus Stuttgart einfach schnell mal in die Stoner Rock Ecke zu stellen: Denn verfolgt man diesen Sechstracker mit der nötigen Aufmerksamkeit, dann wird einem die latent melancholische Schwermütigkeit der Songs nicht entgehen. Die vier Jungs rocken sich tonnenschwer durch Nummern, die mal ordentlich sumpfig-doomige Schwere verbreiten, mal in teuflisch fuzzige Blues Rock Sphären abtauchen und mal mit gut angezogenem Tempo drauflosrocken, im letzteren Fall ohne dabei an Tiefgang zu verlieren. Das Ganze ist laut, monströs und monolithisch schwer, verbreitet zuweilen eine schon fast bedrückende Atmosphäre und hat vor allem eine Menge Power. „Light In The Night, Feed The Flame“ vereint in sich die Heavyness der frühen (und neuesten) Black Sabbath, den flotten Groove des Stoner Rock auf Spiritual Beggars – Art und die krachige Durchschlagskraft des Sludge, und all das geschieht auf einem Debüt-Album, das nenn ich mal ‘ne beeindruckende Visitenkarte! Damit ist eigentlich schon alles gesagt, wir haben hier ein Album mit Suchtpotenzial, das es wirklich in sich hat.
Mirko B. 
Punkte: 8.8 von 10
SOUL SECRET - 4
Golden Core/ZYX
Prog Metal aus Neapel flattert mir da auf den Tisch, bzw. in meinen Player. Und Luca Di Gennaro und seine Mannen geben hier ordentlich Prog-Futter zum Besten. Der neue Sänger Lino Di Pietrantonio singt sehr facettenreich, der hat eine tolle Stimme. Die Musik der Italos braucht Zeit, um ganz verstanden zu werden. Zum Teil zockt man hier sehr verschachtelt und nutzt das Spektrum Prog vollumfänglich aus. So klingt man in einem Part typisch Dream Theater und dann wieder nach Sieges Even / Subsignal. Schon der zweite Song, das sieben Minuten lange „Our Horizon“ fordert den Zuhörer enorm. Das etwas mehr fliessende „K“ ist da schon eher nachvollziehbar und glänzt mit einer tollen Melodie. Ebenso das folgende, kurze „As I Close My Eyes“, eine schöne Ballade, gefällt ganz gut. „Turning The Back Page“ proggt dann wieder in guter, alter Dream Theater Manier, mit vielen Breaks und Tempiwechsel, klasse gespielt. Dass die Italos auch einfachere Songs schreiben können, beweisen sie mit dem starken „In A Frame". Zum Schluss gibt’s noch das 16 Minuten lange „The White Sairs" um die Ohren. Ein komplexer, sehr abwechslungsreicher, aber nie langweiliger Track, „Prog as its best“. Die Herren proggen insgesamt auf sehr hohem Niveau und beherrschen ihre Instrumente bestens. Es macht Spass zuzuhören und die Musik von Soul Secret auf sich wirken zu lassen. Klasse Album.
Crazy Beat   

Punkte: 8.8 von 10
APE SKULL - Fly Camel Fly
Heavy Psych Records
Mehr Retro geht fast nicht mehr. Bei der ersten Hörprobe war ich überzeugt davon, bei „Fly Camel Fly“ handle es sich um ein Reissue aus der güldenen Zeit der Rockmusik, als der Rock noch Blues, Hard oder bestenfalls Heavy war, aber bei weitem noch nicht Metal. Unüberhörbar schien mir die musikalische Nähe zu damaligen Combos wie Mountain, The Jimi Hendrix Experience, Cream und vor allem Sir Lord Baltimore, bei denen es sich wie in diesem Fall auch um ein ordentlich lärmendes Powertrio mit singendem Drummer handelte. Und was lese ich da? Ape Skull kommen nicht aus San Francisco sondern aus Rom, und die Band wurde nicht 1967 gegründet sondern 2008, ich bin platt. In den kurzweiligen, LP-kompatiblen neununddreissig Minuten geben die Jungs auf ihrer zweiten Scheibe (das selbstbetitelte Debüt erschien 2013) wirklich alles. In absolut analogem Soundgewand knarzen die angezerrten Gitarren wie Anno dazumals, Cowbell und Wah Wah Pedal finden stilgerecht regen Einsatz, auf die Ausbesserung klitzekleiner Fehler, Nebengeräusche und Lautstärkeschwankungen wurde zugunsten von Authentizität und Dynamik kategorisch verzichtet, kurz: Das Album lebt förmlich und strahlt genau die Atmosphäre jener Zeit aus, in der lange Haare als subversiv galten und Triumph (erste Mondlandung) sowie totale Verrohung (Vietnamkrieg) gleichzeitig die Gemüter erhitzten. Humor haben die Jungs scheinbar auch, jedenfalls kommt der „Heavy Santa Ana Wind“ betitelte Wink mit dem Zaunpfahl in Richtung Santana sehr sympathisch rüber. Anspieltipps gibt’s keine, jede einzelne Nummer ist eine echte musikalische Zeitreise, wer trotzdem unbedingt eine Kostprobe braucht, sollte sich unbedingt das wunderschöne Schlusslicht „Looking Around“ reinziehen. Aber für alle Nostalgiker, die bei Kadavar und Orchid feuchte Äuglein bekommen, ist „Fly Camel Fly“ eigentlich ein Blindkauf.
Mirko B.   
Punkte: 8.7 von 10
CRYSTAL BALL - Liferider
Massacre Records/Musikvertrieb
Jüngere Fans der Innerschweizer Melodic Rocker werden womöglich etwas verwundert feststellen, dass Crystal Ball heuer ihr 20-jähriges Jubiläum feiern können. Allerdings sind von der Ur-Formation nur noch Gitarrist Scott Leach und Schlagzeuger Marcel Sardella übrig geblieben. Der Blick ist aber seit dem 2013 erschienenen Comeback-Album «Dawnbreaker» nur noch nach vorwärts gerichtet. Dieser hoffnungsvolle Neuanfang markierte musikalisch eine leichte Kurskorrektur hin zu härterem Material. Mitunter dafür verantwortlich ist der neue Frontmann Steven Mageney aus Wuppertal (D), der sich mittlerweile gut eingelebt hat und mit seiner raueren wie oben weg sattelfesten Stimme spürbar neue Vibes einbringt. Die aktuelle Mucke trägt dennoch immer noch die Handschrift von Strippenzieher Scott und darum ist der "Crystal Ball Sound" immer noch oder so zu sagen wieder da. Das Comeback bedeutete in erster Linie, dass vor allem möglichst oft live aufgespielt werden musste, um die Band wieder bekannter zu machen. Obwohl es in der Schweiz aktuell längst nicht mehr so viel verkaufte Alben wie früher braucht, um in die (Top-100) Charts zu gelangen, ist der Weg dahin nicht einfach und steinig zugleich. Die Saat dafür wurde jetzt durch «Dawnbreaker» gestreut und nun schickt sich «Liferider» an, den Ertrag davon einzuholen. Doch wie das Leben so spielt, hat sich vorerst wieder eine Änderung eingestellt, da sich Markus Flury, der zweite Gitarrist, unmittelbar vor der Tour überraschend ausgeklinkt hat! Die unerwartete Vakanz wurde jedoch rasch behoben und kein Geringerer als T. C. Castell (Ex-Krokus, Ex-Ain't Dead Yet) springt hier in die Bresche. Der sympathische wie bodenständige Musiker kann nun zeigen, dass er nicht nur an vier Saiten versiert ist. In meinen Augen ist dieser "Ersatz" so oder so als gewinnbringend zu bezeichnen, und wie das ankommen wird, kann bald beantwortet werden.

Das achte Studio-Album lässt zu Beginn einen Hilferuf steigen: Mayday! Ganz im Stile von Kissin' Dynamite wird hier gleich ein refrainstarker Opener losgetreten, dessen Hörgenuss allerdings durch ziemlich giftige Keyboard-Parts unnötig getrübt wird. Dieser mittelprächtige Schreck wird anschliessend durch das bärenstarke «Eye To Eye» (geiles Duett mit Battle Beast Frontlady Noora Louhimo und Hammer-Riffing à la Black Sabbath in der Tony Martin Ära) vollends kompensiert, wobei ich diesen Kracher persönlich später, so gegen Mitte des Albums, gebracht hätte. Die nachfolgende Triplette mit «Paradise», «Balls Of Steel» und «Hold Your Flag» zeigt mit unterschiedlichen Tempi unmissverständlich auf, dass Crystal Ball nun genau da anschliessen, wo sie zu den besten Zeiten, also zu Beginn der Karriere, mal waren! Mr. Mageney, der mich manchmal etwas an David Reece (Ex-Accept) erinnert, gefällt mir noch besser als zuvor und der deutlich knackigere Sound passt wie die Faust aufs Auge. Die (fast) durchgehend im Midtempo gehaltenen Stampfer gehen gut ins Ohr, und dass mit «Bleeding» die obligate Top-Ballade abgeliefert wird, versteht sich von selber. Gleiches gilt für die gelungene (insgesamt vierte) Arbeit von Producer Stefan Kaufmann (Ex-Accept, Ex-U.D.O.), der auch «Liferider» den richtigen Kick verpasst hat. Und wenn schon der Titeltrack angesprochen wird, sind wir beim Oberkracher des Albums angelangt, der mit obergeilem Riffing (kenne ich irgendwie, weiss aber gerade nicht woher) und exzellenten Backing Vocal-Vibes von Lion aufwarten kann..., hammer! Zum Durchschnaufen lädt schliesslich das zu Beginn akustisch getragene halbballadeske «Memory Run» als offizieller Rausschmeisser des Albums ein. Die Digipak-Version enthält nicht weniger als drei Bonus-Tracks, darunter zwei Hommagen an Ronnie James Dio («Sacred Heart» und «Sign Of The Southern Cross») und offenbar noch einen eigenen Song, der eher etwas metallischer klingt, insgesamt aber keineswegs abfällt. Somit kann für «Liferider» ein erfreuliches Fazit gezogen werden, und es wird sich nun in der näheren Zukunft zeigen, ob die Fans hier am gleichen Strick wie Crystal Ball ziehen. Verdient hätten sie es auf jeden Fall!
Rockslave   
Punkte: 8.5 von 10
APOCALYPITCA - Shadowmaker
Harmageddon Recor
Die Cello-Metaller Apocalyptica wagen auf dem neuen Album viel. Ob sie damit gewinnen, wird sich aber erst einige Monate nach dem Release zeigen. Den Status als Ausnahmeband hat sich die Band aber sowieso bereits hartnäckig erkämpft. Innovation gehört indes zum festen Grundton jedes neuen Apocalyptica-Albums. 2015 wagen die Finnen also einen weiteren wichtigen Schritt. Dieser liegt vor allem im noch intensiveren Einbezug eines Sängers. Aber anstatt verschiedener Stimmen ist hier ausschliesslich Franky Perez zu hören. Auf dessen „Kosten“ rücken dabei die Celli immer wieder in den Hintergrund. Beim Mitgröllied „Cold Blood“ sind je nach Anlage gar nur der Gesang und das Schlagzeug zu hören. Werden die Celli wahrgenommen, klingen diese wie normale Gitarren. Das Einzigartige der Band geht dabei verloren. Dass es auch anders geht, beweisen uns Apocalyptica gleich selbst. Der Titelsong überzeugt vor allem im Mittelteil mit einer wahnsinnigen, fast schon progressiven Instrumentierung. Die restlichen Lieder bewegen sich irgendwo zwischen diesen Extremen. Hier ein schöner, poppiger Song, da ein aggressiver Knaller. Etwas verwirrend ist, dass Lieder wie „Reign Of Fear“ oder „Till Death Do Us Part“ mitten im Album sehr, sehr leise beginnen. Man wundert sich, ob das Album bereits zu Ende ist. Keine Frage: Apocalyptica beherrschen das Spiel zwischen schwelgerischen Kompositionen, Popsongs und knallharten Headbangern immer noch. Dass sich die Cellisten zu Gunsten des Gesangs zu sehr zurücknehmen, ist an sich nichts Neues, wird hier aber nochmals deutlicher praktiziert. Shadowmaker ist daher trotz aller beschriebenen Schwächen immer noch ein sehr gutes und für die Finnen typisches Album. Aber extrem geil fand ich die Band ohnehin schon immer und ausschliesslich live.
Roger W.   
Punkte: 8.5 von 10
HELFIR – Still Bleeding
My Kingdom Music
Oha... Da ist mir ja ein schöner Brocken musikalischer Dichte auf die Festplatte gewandert. Helfir ist das Soloprojekt des guten Herrn Luca Mazzotta, und er hat sich offenbar ziemlich häufig Bands wie Katatonia, Anathema, Memory Driven oder Antimatter zu Gemüte geführt – anders kann ich mir die Art und Weise der Songs, wie sie eben denjenigen der erwähnten Bands ähneln, nicht wirklich erklären. Vielleicht ist es aber auch nur Zufall, wer weiss das schon. Item: „Still Bleeding“ ist düster, langsam, stellenweise auch schneller (wie beispielsweise beim Rausschmeisser „Night And Deceit“), eher ruhig und melancholisch... Man könnte jetzt noch viel schreiben, Fakt ist: Helfir will als Band, als Projekt, entdeckt werden. Das hier ist kein schneller Ritt über den Friedhof, kein Gerangel in den Gruften und erst recht kein metaphorisches Blutbad in einer finsteren Kapelle – wir haben hier einen nachdenklichen Spaziergang durch die Nacht bei Vollmond. Und wie das eben so ist: Nicht für jedermann gedacht, aber wer ein Faible für düstere Rock/Metal-Musik hat und sich nicht immer stressen lassen will, sondern die ganze Chose auch mal mit zurückgeschaltetem Gang betrachten und ausdiskutieren möchte – der ist mehr als nur willkommen in der Dunkelheit von Helfir!
Toby S.    
Punkte: 8.5 von 10
CAIN’S OFFERING – Stormcrow
Frontiers Music/Musikvertrieb
Cain’s Offering wurde 2009 von Gitarrist und Songwriter Jani Liimataien gegründet. Er ist kein Geringerer als ein Ex-Gründungsmitglied von Sonata Arctica (dem grössten finnischen Musikexport der letzten Jahre). Mit „Stormcrow“ wartet nun das zweite Album auf gespannte Hörerinnen und Hörer. Die musikalischen Einflüsse der Platte reichen von klassischem Hard Rock, über Power Metal bis hin zu modernem Heavy Metal Sound. Die Truppe besteht ausserdem aus Timo Kotipelto (Vocals), Jonas Kuhlberg (Bass), Jens Johansson (Keyboard) und Jani Hurula (Drums). Mit ihrem Debüt „Gather The Faithful“ haben sie damals gute Kritiken bei Fans und der Metal-Presse erhalten. Jetzt sind sie wieder da, mit „Stromcrow“ im Gepäck, das bereits jetzt bei den Melodic-Metal Fans hoch gehandelt wird. Zum einen sind melancholische Parts, das Herzstück fast jedes Songs. Zum anderen wissen Cain’s Offering genau, wie sie hammerharte Metal-Hymnen schreiben müssen, damit dir das Gesicht weg fliegt! „Too tired to Run“ ist ein echtes Highlight! Eine emotionale Ballade mit grossartigen Arrangements und bittersüssen Melodien. Mit „A Night To Forget“ zeigen Cain’s Offering ihr musikalisches Können wie zu Beginn beschrieben. Technisch stark ausgefeilt, düster in der Umsetzung, extreme Melodien, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen - ein auf ganzer Linie überzeugender Track. Gefolgt von „I Will Build You A Rome“, der nicht von weniger Qualität herrührt. Zur Abwechslung fügen die Herren aus dem hohen Norden mit „I Am Legion“ noch ein Instrumentalstück erster Güteklasse ein. Höchst theatralisch, gespickt mit epischen Elementen, die vor dem inneren Auge Filmsequenzen aus „Rob Roy“ oder „Braveheart“ ablaufen lassen. „Rising Sun“ ist ein weiterer Killer-Song, bei dessen Refrain man die Repeat-Taste immer und immer wieder drücken möchte. Den Schluss macht „On The Shore“. Ein leicht Folk angehauchter Titel, der die aufgeheizte Stimmung etwas abkühlt und den ruhigen Schluss des Albums perfekt abrundet. Alles in allem, ein durchs Band gelungenes Album ohne Lückenfüller. „Stormcrow“ ist sicherlich eine der besseren Veröffentlichungen im Melodic-Metal Genre dieses Jahres.
Oliver H.    
Punkte: 8.5 von 10
GRUESOME - Savage Land
Relapse Records/Non Stop Music
Das Albumcover ist gezeichnet von „Ed Repka“, der Bandschriftzug hat ein umgedrehtes Kreuz. Was sagt das vor allem den älteren Hasen? Ja, die Rede ist von den genialen „Death“, deren Gründer Chuck Schuldiner viel zu früh von uns gegangen ist. Aber was haben Death mit Gruesome zu tun? Die vier Amerikaner und Amerikanerinnen lieben die «Leprosy»- Phase von Death und huldigen mit Savage Land den Erfinder eines ganzen Genres. Die Ähnlichkeit der Songs (hier werden eigene Songs zum Besten gegeben) sind mit dem Original extrem gut verwandt. Einfach klasse der Gesang und der superbe Gitarrensound. Man hat den Spirit von Death wirklich gut eingefangen und würdigt diese nie mehr zu erreichende Band mit Savage Land bestens. Ich finde, da wird keine Leichenfledderei betrieben. Nein, diese Scheibe ist richtig gut, auch wenn natürlich das Original, wie immer, unerreichbar bleibt.
Daniel J.    
Punkte: 8.5 von 10
EMERALD SUN – Metal Dome
Fastball Music
Die griechischen Power Metaller Emerald Sun bieten auf ihrem dritten Album viel: Viele Melodien, viel Abwechslung, und Lieder, welche mit der Zeit wachsen. Teilweise erinnert "Metal Dome" ein wenig an die neue All-Stargruppe Serious Black. Emerald Sun erfinden das Genre auf "Metal Dome" zwar nicht neu, sorgen aber mit grösst möglicher Stilvielfalt für gute Unterhaltung. Erklingt „Screaming In The Sun“ noch nach typischem Power Metal, stampft der darauf folgende Titelsong mit einem druckvollen, mitsingbaren Headbanger. „Black Pearl“ dagegen ist bester Happy Metal, wie man ihn von Freedom Call kennt. A propos Freiheits Ruf. Auf Metal Dome hört das absolute Album Highlight genau auf diesen Namen. Mit seinen sechs Minuten ist es nicht nur das längste Lied der Platte, sondern, aufgrund seines Aufbaus, auch das epischste. Auch zwei Balladen haben sich auf "Metal Dome" geschlichen. Diese wurden geschickt in die Mitte und ans Ende gesetzt und sorgen für die nötige Ruhe zwischen den musikalischen Stürmen. Es ist also nicht die Durchhalte-Hymne „You Won’t Break Me Down“, welches das Album abschliesst, sondern ein Duett mit Leaves‘ Eyes-Sängerin Liv Kristin. Emerald Sun präsentieren ein äusserst frisches Power Metal-Werk, welches bei mir tatsächlich die Chance hat, auch nach der CD-Kritik noch einige Male angehört werden zu können.
Roger W.    
Punkte: 8.5 von 10
ZODIAC - Road Tapes Vol. 1
Napalm Records/Universal
Wenn man die Band nicht kennt, respektive nicht weiss, dass sie aus Deutschland stammt, würde man beim Anhören der Musik von Zodiac echt nicht darauf kommen und viel eher auf die Staaten oder allenfalls das vereinigte Königreich tippen. Doch dem ist eben nicht so und seit der Gründung 2010 haben Nick van Delft (v/g), Stefan Gall (g), Ruben Claro (b) und Janosch Rathmer (d) eine EP, drei Studioalben und eine Split-Single (zusammen mit Audrey Horne) veröffentlicht. Das heisst, dass die Jungs von Beginn weg recht aktiv sind und Ende 2013 gar als Support von Monster Magnet in Nordamerika hätten unterwegs sein können! Hätten, denn aufgrund verweigerter Visa musste dieser Trip leider gecancelt werden. Trotzdem gereichte es hier in Europa zu einigen Konzerten zusammen mit The Sword (2012), Spiritual Beggars, Blues Pills, Orchid (2013) und Audrey Horne sowie Grand Magus (2014). Im letzten Herbst war es dann soweit und die erste Headliner-Tour in der Heimat stand an. Nicht weniger als siebzehn Konzerte wurden gespielt und von wo das vorliegende Album «Road Tapes Vol. 1» konkret stammt, ist mir aufgrund der nur digitalen Informationen nicht bekannt. Es scheint mir aber nicht zusammen geschnippelt zu sein und das Vorhandensein von kleinen Patzerchen verspricht ein ungefiltertes Hörvergnügen. Wie noch oft in der Rock-/Blues-Rock Ecke, weisen die Live-Versionen gegenüber den Studio-Tracks spürbar mehr Schmackes auf. Obwohl sich die vierköpfige Gruppe aus Münster aus dem aktuellen Album «Sonic Child» eine Spur weniger rockig anhört, bleibt das Prädikat "essentiell" auf jeden Fall bestehen und da ich die Jungs schon mal im KiFF in Aarau selber live gesehen habe, stelle ich mir den ersten Teil dieses authentischen Livealbums gerne ins Regal. Sehr sogar und mit Vorteil auf Vinyl!
Rockslave   
Punkte:
keine Wertung
MAGNUM – Escape From The Shadow Garden – Live 2014
Steamhammer/Musikvertrieb
Magnum haben sich in den letzten Jahren heimlich wieder an die Spitze des melodischen, verspielten Hardrock gespielt und sind wieder da, wo sie in den 80er-Jahren mit Alben wie „On A Storyteller‘s Night“, „Vigilante“ und „Wings Of Heaven“ waren. Mit dem letzten Studiowerk „Escape From The Shadow Garden“ konnten die Briten ihre besten Chartplatzierungen seit den neunziger Jahren verbuchen. Wieso also nicht eine Live-Scheibe mit zwölf Songs dazu veröffentlichen. Darunter die bekannten und unverzichtbaren Evergreens wie „How Far Jerusalem“, „Les Morts Dansant“, „All England’s Eye“, „Vigilante“ und „Kingdom Of Madness“. Die eingefangene Stimmung ist nicht nur bei diesen Songs sehr gut, sondern auch bei den neueren Liedern von „Escape From The Shadow Garden“ („Live `til You Die“, „Falling For The Big Plan“) und „On The 13th Day“ („Blood Red Daughter“, „Dance Of The Black Tattoo“). Dabei besticht das schwerfällige, fast Led Zeppelin-artige „Dance Of The Black Tattoo“, und es zeigt die ganze Bandbreite der Truppe. Einerseits die melodische Stimme von Bob, dann die fetten Riffs von Tony Clarkin, der immer mit einer melodischen Note spielt, das majestätische Keyboardspiel von Mark Stanway und die fette Rhythmussektion, bestehend aus Allan Barrow und dem Thunder-Trommler Harry James. Diese Live –Scheibe beinhaltet nur ein Manko. Es wurde kein komplettes Konzert aufgenommen, denn die Spielfreude, die Stimmung und das Flair dieses Konzertes wurden eigentlich hervorragend eingefangen. Und wenn ein Song aus dem Jahre 1985 noch immer eine so grosse Magie entfacht wie „How Far Jerusalem“, dann muss man von musikalischer Genialität sprechen.
Tinu
    
Punkte: keine Wertung
NOSOUND - Teide 2390 (Live in Teneriffa)
KScope/Irascible
Nosound wurden eingeladen, das Starmus-Festival auf Teneriffa zu eröffnen und haben daraus gleich eine Live-CD gemacht. Die Psychedelic/Space Rock/Progressive Rock Band um Projektleiter Giancarlo Erra liefert hier ein gutes Album ab. Grösstenteils geht es hier gemächlich ruhig und entspannt zur Sache. Nur ab und zu kommt etwas Dampf in die Songs, wie beim Opener „In My Fears" oder im letzten Drittel von "Places Remainded", oder auch beim starken "The Anger Song". Sonst herrscht eher melancholische traurige Stimmung. Anleihen gibt’s zu Porcupine Tree und natürlich Pink Floyd. Wunderschön sind die vielen gefühlvollen Gitarrensolos, von denen sich der Zuhörer in andere Sphären tragen lassen kann. Ganz gut auch das Floyd-lastige „Cold Afterall", das mit einem David Gilmour Solo ganz am Ende des Songs aufwartet. Das Album ist wirklich voll mit tollen Momenten, und Giancarlos Begleitband spielt hier sehr gefühlvoll und songorientiert. Natürlich sind Nosound nicht jedermanns Sache, aber wer es ruhig und atmosphärisch mag, sollte diesen Rundling antesten. Es lohnt sich auf jeden Fall.
Crazy Beat
    
Punkte: keine Wertung
THE TANGENT - A Spark In The Aether
InsideOut Music
Das achte Werk um Mastermind Andy Tillison ist gleichzeitig die Fortsetzung des Debüts „The Musik That Died Alone" aus dem Jahre 2003. Geboten wird typischer The Tangent Retro Prog. Tillisson hat ein gutes Gespür für tolle Prog-Songs, die wie beim Opener und Titeltrack dann auch schon auch mal in Richtung treibenden Rock gehen. Der erste Longtrack „Codpieces And Capes" drückt dann auch schon mal grosses The Flower Kings Feeling aus. Und ganz typisch der röhrende Bass von Jonas Reingold, der das Ganze zusätzlich zu den unzähligen Keyboard- und Gitarren-Spielereien abrundet. Ich mag die bis ins Detail verspielten Progrock-Sachen, welche Tillison und seine Mitstreiter fast bis zur Perfektion ausspielen. Oder die verspielten eingestreuten Jazz-Parts wie bei „Clearing The Attic" machen Spass und beleben das Ganze noch mehr. Auch das ruhige mit akustischen Gitarren und Flöten startende „Aftereugene", das an mit dem Sax-Solo schon stark an Pink Floyd erinnert, ist klasse geworden. Auch der zweite Longtrack „The Celluloid Road", eine Reise durch den Film- und Serien-Soundtrack, ist musikalisch geschickt verarbeitet, der klingt auch mal funky und glänzt gegen Ende mit treibendem Spiel von Reingold und Drummer Morgen Agren. Und die musikalischen Ausflüge in Jazzrock, Funk und Soul erweitern das Spektrum der Band enorm und halten das Ganze in Spannung. Das mag wohl nicht jedermanns Sache sein, aber es ist wie mit der Stimme von Andy Tillison, entweder man mag sie oder nicht. Das müsst ihr selbst entscheiden.
Crazy Beat   
Punkte: 8.4 von 10
ORIZEN – Of Life, Death & Salvation
Eigenvertrieb
In der Beschreibung zum zweiten Soloalbum weist Richard Leishman ganz unbescheiden darauf hin, dass seine Musik einen betont intellektuellen Anspruch hat - und diesem seiner Meinung nach auch gerecht wird. "Of Life, Death & Salvation" will er als Gesamtkunstwerk verstanden sehen und somit begnügt er sich nicht mit der rein musikalischen Umsetzung, die eine Symbiose aus atmosphärischem Black Metal und klassischer Musik darstellt. Im Booklet finden sich diverse Bleistiftzeichnungen aus Leishmans Feder und jedem Song wurde ein Zitat des deutschen Philosophen Arthur Schoppenhauer zugrunde gelegt, um auch den lyrischen Anspruch zu erhöhen. Hinter den Songtiteln folgt jeweils die Angabe der Tonart, wobei wohl verdeutlicht werden soll, dass in den Kompositionen auch Kirchentonarten Verwendung finden. Der Phrygische Modus erzeugt einen orientalischen Charakter, der sich gleich zu Beginn des Openers 'The Blind Urge Of Being (D Phrygian)' in Form von Gitarren-Arpeggios offenbart. Um den weiteren Verlauf des Albums zu beschreiben, könnte man nun weiter mit Fachbegriffen um sich werfen, aber im Endeffekt ist dies doch alles irrelevant. Entscheidend ist, ob die Musik den Hörer packen kann. Es zeigt sich, dass Leishmans Lobeshymne auf sich selbst durchaus gerechtfertigt ist. Ohne irgendwelche musiktheoretischen Hintergründe zu haben erkennt man, dass der Komponist ein feines Händchen für ausgefallene und doch sehr wohlklingende Harmonien hat und vor Ideen nur so sprudelt. Den Hörgenuss trübt - wie schon beim Debüt - einzig der Drumcomputer, der die Dynamik etwas einschränkt. Die Absicht, nun doch endlich eine Band zusammenzustellen, könnte diesem Problem Abhilfe verschaffen. Etwas Feinarbeit an der englischen Aussprache wäre dann noch die Sahne obendrauf.
Patricia L.  
Punkte: 8.2 von 10
SECRET SPHERE – A Time Never Come [Re-Recorded]
Scarlet Records
Ursprünglich war die Neuauflage diese Albums nur für den japanischen Markt geplant, doch glücklicherweise ist es nun doch weltweit erhältlich. Bei Secret Sphere gab es in den letzten Jahren diverse Line Up-Wechsel. So kam es, dass die Band rund 15 Jahre nach Veröffentlichung von “A Time Never Come“ beschloss, das Erfolgsalbum in der aktuellen Besetzung neu aufzunehmen. Neben einigen musikalischen Re-Arrangements profitiert die Neuauflage vor allem von der grossartigen Stimme des neuen Sängers Michele Luppi, der bereits beim letzten Album “Portrait Of A Dying Heart“ (2012) die Vocals übernahm. Secret Sphere erinnern über weite Strecken an ihre Landesgenossen, die italienische Power Metal-Kapelle Rhapsody, sowie an Genregrössen Helloween und Queensr’che, wobei sie sich qualitativ sehr wohl in eine Reihe mit diesen Vorbildern stellen können. Neben donnerndem Riffing und rasenden Drums fällt hier vor allem das Keyboard positiv auf. Es wird eher dezent eingesetzt und trägt somit sehr schön zur mystischen Atmosphäre bei, anstatt die Kompositionen zu dominieren, wie es bei andern Power Metal-Arrangements leider oft der Fall ist. Erwähnenswert sind auch die Lyrics. Das Konzeptalbum ist in vier Kapitel unterteilt und erzählt die Geschichte einer jungen Frau namens Aurienne, die eine magische Kugel bzw. Sphäre findet. Durch diese erlebt sie die Welt aus Sicht verschiedener Charaktere, wie zum Beispiel dem schottischen Freiheitskämpfer William Wallace (“The Brave“). Highlights sind unter anderem das epische “Under The Flag Of Mary Reed“ sowie das kraftvollere “Lady Of Silence“. Mit “Mystery Of Love“ ist auch eine sehr hübsche Ballade mit an Bord. Die Zwischenspiele sind nicht unbedingt mein Fall, doch passen sie halt sehr gut ins Konzept, was ihnen eine gewisse Daseinsberechtigung gibt. Der letzte Track “Dr. Faustus“ mit seinen fast neun Minuten Spielzeit ist auch wieder ein Highlight und rundet das Werk schön ab. Fazit: Das Album hat viele schöne Momente – Nostalgiker und Power Metal-Fans haben hier eine echte Perle vor sich!
Patricia H.
 
Punkte: 8.2 von 10
MARK SLAUGHTER – Reflections In A Rear View Mirror
Escape Music/Non Stop Music
Der Slaughter-Sänger, der seine Karriere beim ehemaligen Kiss-Gitarristen Vinnie Vincent und seiner Invasion startete, schiebt seine erste Solo-Scheibe in unsere CD-Player. Tja und diese Scheibe ist kein völliger Abklatsch einer Slaughter-Scheibe geworden, sondern ein interessantes und locker von der Seele gespieltes Werk. „Away I Go“ könnte aus der alten Zeit stammen, kann aber auch locker in der heutigen Zeit bestehen. Das melodische „Never Givin‘ Up“ geht Mark locker von der Hand. Es überzeugt mit einem einprägsamen Refrain und gut eingesetzten Keyboards. Was aber schon nach zwei Liedern auffällt, ist, dass diese Soloscheibe niemals an die Glanzstreiche von Slaughter heranreichen wird. Dazu fehlen die wirklich auf den Punkt gebrachten Hammerdrums, die „Leck mich am Arsch“-Attitüde und der dich an den Eiern packende Refrain. Diese Soloscheibe ist eher eine musikalische Verwirklichung eines Multiinstrumentalisten, der sich hier ein persönliches Anliegen erfüllt. Die Lieder sind nicht schlecht, aber weit weg von der Hitdichte Slaughters. Somit ist „Reflections In A Rear View Mirror“ eine Scheibe geworden, die den Blick in den Rückspiegel gestattet, die Roots von Mark nicht vergessen lässt, aber eher locker auf der rechten Spur fährt und mit dem gestreckten Mittelfinger gar nicht erst ans Überholen denkt.
Tinu 

Punkte: 8.2 von 10
DEEZ NUTS - Word is Bond
Century Media/Universal
Die australisch amerikanische Truppe Deez Nuts steht für aüsserst aggressiven groovigen Hip Hopigen Hardcore. Sänger JJ Peters wütet auf diesem Hassbrocken so aggressiv wie schon lange nicht mehr. Die vierzehn Tracks, die die 3-Minuten Marke selten erreichen, sind sehr metallisch aufgebaut aber das ist allen egal. Hauptsache es bollert und groovt aus allen Löchern. Ich würde mal meinen, dass diese Mucke live sicher abgeht wie die Sau. Aus der Anlage bollert es natürlich auch gewaltig, aber nachdem die Scheibe vom Schreiber dieser Zeilen durchgehört wurde, bleibt doch ein kleines Ausrufezeichen stehen. Es könnte ein wenig mehr Wiedererkennungsmaterial dabei sein, sonst bekommt man die volle Kanne, und das ist auch gut so. Alles in einem eine solide Scheibe.
Daniel J.

Punkte: 8.1 von 10
SIX FEET UNDER - Crypt Of The Devil
Metal Blade/Sony Music
Und er gibt und gibt nicht auf. Chris Barnes musste in den letzten Jahren immer mal wieder herbe Kritik oder - fast schlimmer - Mitleidsbezeugungen einstecken, denn der Mann mit den ekligsten Dreadlocks aller Zeiten machte immer mal wieder den Eindruck, seinen Zenit schon länger überschritten zu haben - sowohl in Sachen Stimme und Performance als auch beim musikalischen Output. Wahrscheinlich ist daraus die etwas seltsame und äusserst personalintensive Situation entstanden, die zur Zeit bei Six Feet Under herrscht: Barnes hat sich die komplette Truppe von Cannabis Corpse, einer Band aus Virginia, einer 2006 gegründeten Death Metal-Band, die sehr stark - wie der Name recht deutlich suggeriert - von den frühen Cannibal Corpse beeinflusst ist, an Bord geholt. Gitarrist Phil Hall hat mit seiner Band alle Songs geschrieben und sie Barnes auf den Leib geschneidert. Und das hat er wirklich hervorragend gemacht! Auf «Crypt Of The Devil» fällt nicht nur das obergeile Songwriting auf, sondern auch die wirklich exzellente Instrumentalfraktion - vor allem die Leadgitarre, die von Brandon Ellis geschreddert wird. Riffs, Leads, Soli - alles überzeugt mich auf ganzer Breite. Leider ist die vorhin angesprochene Situation nun so, dass live nicht diese Jungs ran dürfen, sondern weiterhin Steve Swanson, Jeff Hughnell und Marco Pitruzella mit Six Feet Under auf Tour gehen. Schade, ich finde, dass die Verjüngung diesem Projekt unwahrscheinlich gut getan hat. Das einzige nämlich, was mich an diesem Album stört, ist Chris Barnes. Seine Stimme nervt unsäglich. Sorry, muss gesagt werden. Hört euch das Album trotzdem an, die Instrumentalleistung mach die Vocals glücklicherweise tausendfach wett.
Lucie W. 

Punkte: 8.0 von 10
KORPIKLAANI – Noita
Nuclear Blast/Warner
Korpiklaani gehört zu den Bands, die man kaum vorstellen muss. Jeder, der sich schon mal mit Folk-Metal beschäftigt hat, ist zwangsläufig über die Kult-Band aus Finnland gestolpert. Bekannt für Lieder wie „Beer, Beer“, „Tequila“ oder auch „Vodka“ zeigen sich die Finnen dieses Mal jedoch von ihrer nüchternen Seite und widmen ihr Album einem andern Thema: „Noita ist eine Person mit großem Wissen, besonders über die Natur, der auch paranormale oder übernatürliche Fähigkeiten zugesprochen wurden.“ Trotz des eher ernsten Themas verzichten Korpiklaani natürlich nicht auf ihren charakteristischen Humpa-Metal, sondern setzen im Gegenteil noch einen drauf: Während auf den vorangegangenen Alben noch ein Piano-Akkordeon verwendet wurde, kommt mit Neuzugang Sami Pertulla erstmals das Knopf-Akkordeon zum Einsatz, das sich in Finnlands traditioneller Volksmusik grosser Beliebtheit erfreut. Das macht den Klang noch etwas klarer und passt so besser in die Arrangements mit den schnellen Rhythmen und den Power-Chords. Das Ergebnis: Man kann kaum stillsitzen beim Durchhören des Silberlings und ertappt sich immer wieder beim Mitschunkeln bzw. beim Headbangen. Mir persönlich fehlen auf diesem Neuling ein wenig die klassischen Mitgröhl-Songs, die Korpiklaani Live sonst einem einmaligen Erlebnis machen. Highlights sind der Opener „Viinamäen Mies“, das fulminante „Jouni Jouni“ oder das mystische „Ämmänhauta“. Korpiklaani hören sich plötzlich erwachsener an, was ihnen entgegen meinen Erwartungen sehr gut ansteht. Fazit: Tolles und ausgewogenes Album, das einfach Spass macht!
Patricia H. 

Punkte: 8.0 von 10
KILLER – Monsters Of Rock
Mausoleum Records
Nicht zu verwechseln mit den Solothurner Killer, veröffentlichen die Belgier ihr 35-jähriges Bandjubiläum und feiern mit „Monsters Of Rock“ einen würdigen Geburtstag. Sänger und Gitarrist Shorty hat nie aufgehört an seine Band zu glauben, und er schob zwischen 1980 und 1984 drei nicht zu unterschätzende Alben in die Umlaufbahn. „Ready For Hell“, „Wall Of Sound“ und „Shock Waves“ fanden viele Fans. Auch wenn das Trio nie zu den filigransten Truppen gehörte, so schlugen sich die Europäer immer mit genügend Rohheit und Härte durch die Menge an Veröffentlichungen. Mit 15 neuen Songs und der stetig gebliebenen fetten Härte in den Riffs überzeugen die Belgier. Irgendwo zwischen The Rods und Motörhead angelehnt fühlt sich die Truppe wohl. „No Exception To Rule“ oder das Black Sabbath-artige „Shotgun Symphony“ zeigen nach wie vor, dass Killer sich nicht hinter den neuen Truppen zu verstecken braucht, aber leider auch nicht die alten Helden vom Thron stossen kann. Lieder wie „Back To The Roots“, „No Way Out“ sind sicherlich Songs, wie man sie sich zum kollektiven Abschädeln wünscht, aber die dazu gehörende Bühnenpräsentation fehlte in den letzten Jahren. Hier fehlt das Bindeglied zu den alten Helden wie Saxon, Motörhead oder Grave Digger. Leider, denn genügend Abwechslung bringen die Herren nach wie vor in den CD-Player. Das schwerfällige „Danger Zone“ muss da ebenso erwähnt werden, wie das schon an Grave Digger erinnernde „Firestorm“, oder das schon leicht thrashige „Deaf Blind And Dumb“, und das an Exciter erinnernde „Children Of Desperation“. Killer sind noch immer da, spielen bessere Alben ein als der Grossteil der anderen Bands und müssen jetzt nur noch auf der Bühne beweisen, dass sie nach wie vor Arsch treten können wie beim Raven-liken „Hold Your Head Up High“, das Sinner-like „Rock City“ und „The Reactor“.
Tinu    

Punkte: 8.0 von 10
ELECTRIC MIND MACHINE – Electric Mind Machine
Bad Reputation/Non Stop Music
Das Cover von „Electric Mind Machine“ lässt mich erst mal zurückschrecken und das Album in eine Ecke stellen. Psychedelische Schnörkellinien zieren die Frontseite und in der Mitte prangt gross das Logo der Band. Nur gut, dass das Plattencover nicht immer verrät, was wirklich drin ist! Bereits der erste Track „Pretty Face“ lässt mich aufhorchen. Eine Frauenstimme – erste Überraschung, ganz viel Synthesizer – zweite Überraschung und Melodien die den morgendlichen Kaffee richtig versüssen – Überraschung perfekt! Eine Psychedelic Garage Rock-Platte, die mir gefällt! „Absinthe Supermoon“ lässt beim Hören eine gewisse Leichtigkeit zu, und die Stimme von Frontfrau Sara Loera rundet diese Stimmung perfekt ab. Der Albumtitel „Electric Mind Machine“ ist mir eine Spur zu lasch und geht unter den anderen Songs der Platte ein wenig unter. Mit „Strange“ und „Rabbit Hole“ schliesst das Duo aus Los Angeles aber wieder an die vorderen Stücke an. Ich bin noch immer erstaunt, wie sich nur aus Gitarre, Schlagzeug und Synthie ein so voller Sound kreieren lässt, dann folgt schon „Pictures of Matchstick Men“. Ein fröhlich gelungenes und perfekt überarbeitetes Status Quo-Cover, das zum Mittanzen einlädt. Die Zusammenarbeit zwischen den Gründungsmitgliedern Kenneth Wessel (u.a. Kiss, Kiss, Bang, Bang) und Sara Loera hat sich auf jeden Fall gelohnt. Die Ur-Form des Rock n Roll ist in all ihren Songs hör- und spürbar. Gemeinsam schaffen sie einen Sound, der genauso gut in die Vergangenheit passt, jedoch den Biss hat, um auch im Hier und Jetzt zu bestehen. Unterstützt werden die beiden von Gabriel Hammond ( Lords of Altamont / Fuzztones ), Chris Hurt und Geoffrey Johnson. „Blinded by the Sun“ ist ein klassischer Titel der 60er/70er Jahre und könnte auch von Blondie oder den Monkees persönlich stammen. „The Torch“ und „Shout“ machen diese Reihe komplett. „Echo Chamber“ beendet dieses Album so rockgeladen wie es angefangen hat und man fragt sich nach dem Schlussakkord, für einen kurzen Augenblick, ob wir noch das Jahr 2015 haben oder mittels Zeitreise in die Vergangenheit gebeamt wurden. Jedenfalls für musikalisch Offene oder Fans dieses Genres, ist Electric Mind Machine ein Muss!
Oliver H.    

Punkte: 8.0 von 10
WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER - Wieder geil
AFM Records/Musikvertrieb
Man kann ja von den deutschen Butterbrot mit Butterschmierern halten was man will, aber eines ist klar: sie bleiben ihrer Linie treu und bringen in einer unheimlichen Regelmässigkeit auch immer neues Material auf den Markt. Was dabei auffällt ist, dass sie niemals abfallen, soll heissen, dass die Qualität der Musik nicht abnimmt und sie haben mit ihrem deutschen Horror-Spass-Core auch ihre komplett eigene Nische gefunden, respektive gleich selber erschaffen. Auch ihre neue Scheibe "Wieder Geil" steht dem in Nichts nach, Deathcore mit Electropassagen sind die dominierenden Inhaltstoffe. Produziert ist das Album wie gewohnt in triple A manier und textlich sind We Butter The Bread with Butter sowieso die Helge Schneiders des Metals.
Steve Butcher    

Punkte: 8.0 von 10
SIGNUM REGIS – Through The Storm (EP)
Ulterium Records
Die Power Metaller Signum Regis lassen mit einer sechs-Song-EP von sich hören. Nachdem die Band auf ihrem dritten Album „Exodus“ mit verschiedenen Sängern experimentiert hat (unter anderem war auch „unser“ Schweizer Thomas Winkler dabei, der zurzeit mit Gloryhammer am Durchstarten ist), ist auf dieser EP wieder ein einziger Sänger zu hören. Es handelt sich dabei um Mayo Petranin, welcher ebenfalls bereits mit einem Lied auf „Exodus“ zu hören war. „Through The Storm“ bietet nun, für eine EP, stolze 30 Minuten Musik. Davon sind vier Lieder komplett neu und ein Lied neu aufgenommen („All Over The World“ vom Debut-Album). Beim sechsten Lied handelt es sich um ein Medley von Yngwie Malmsteens „Vengeance“ und „Liar“. Wer jetzt auf Through The Storm ellenlange Gitarren-Skalen erwartet, liegt definitiv falsch. Hier wird guter eingängiger Power Metal mit schönen Refrains geboten. Übersteht man den anfänglichen Eindruck von Standard-Musik, wird man belohnt. Die Kompositionen von Signum Regis entpuppen sich plötzlich als stimmig, teilweise sogar innovativ und mit einem guten Gespür für tolle Melodien. Zudem überzeugt Mayo Petranin mit einer kratzigen Stimme, ohne dass er ständig in nervtönende Höhen abdriften muss. Through The Storm bietet kurzweilige Unterhaltung, welche gerade von der beschränkten Spielzeit profitiert. So kann Langeweile erst gar nicht aufkommen. Viel dazu trägt auch „Come And Take It“ bei, welches den Heavy Metal mit Ausflügen in Richtung Hard Rock unterbricht. Man darf gespannt sein, ob Signum Regis dieser hohe Unterhaltungswert auch auf Albumlänge gelingen wird.
Roger W.    

Punkte: 8.0 von 10
WHITESNAKE - The Purple Album
Frontiers Music/Musikvertrieb
Wer sich im Vorfeld dieser Veröffentlichung die offiziellen Interviews von Frontgaul David Coverdale rein gezogen hat, stösst auf interessante Passagen, die man so kaum glaubt. Als Jon Lord (R.I.P.) noch unter uns weilte, sprach David tatsächlich mal mit Ritchie Blackmore (!) über eine allfällige Zusammenarbeit, aber nebst dem letztlich eigentlich so erwarteten Desinteresse des "Man In Black" beerdigte der schmerzliche Tod es ehemaligen Hammond-Orgel Maestros von Deep Purple diese Ideen mit einem Schlag. Was in Sachen Rainbow und an der kürzlich mal gemachten Aussage von Joe Lynn Turner aktuell dran ist, respektive dass im kommenden Herbst "was Grosses" im Busch sein soll, also inklusive Blackmore, glaube ich erst, wenn es bestätigt ist. Derweil besann sich David auf seine Vergangenheit bei Deep Purple, die von 1974 bis 1976 gedauert hatte. Die Alben «Burn», «Stormbringer» und vor allem «Come Taste The Band» brachten Songs hervor, die zeitlos sind, auch wenn das damals, also 1975, den ersten Abschied von Ritchie in Richtung Rainbow und die (zu) kurze Zeit mit Tommy Bolin (R.I.P.) einläutete. Coverdale verdankt dieser Zeit bezüglich all dem, was danach mit Whitesnake kam, sehr viel und darum fand er die Idee seiner Frau (!), er solle sich doch mal eingehend diesen Songs annehmen, die, wie im Falle von «Burn» oder «Stormbringer» seit dem Comeback von 2003, eh einen festen Platz in der Setliste fanden. Als er seinen Jungs davon erzählte, waren die Feuer und Flamme und so spricht das neue Studio-Werk mit dem Titel «The Purple Album» für sich selber.

So wurden für die reguläre CD dreizehn Songs ausgewählt, ergänzt um zwei Bonustracks («Lady Luck» und «Comin' Home») für das Digipak und die Japaner kriegten mit der zusätzlich rein akustischen Version von «Soldier Of Fortune» noch das obligate Zückerchen oben drauf. Während sich die ganze Band zum offiziellen Teaser schon recht euphorisch gab, stellte sich bei mir zuerst mal eine gewisse Zurückhaltung ein, denn die Musik von Deep Purple gehört nun mal zu meiner DNS und da bin ich einfach heikel, selbst wenn die "Tribute-Band" Whitesnake heisst. Dazu kommt noch der kürzliche Abgang von Doug Aldrich und sein Nachfolger Joel Hoekstra (Ex-Night Ranger, Trans Siberian Orchestra) muss sich da erstmal bewähren und seinen Platz festigen! Mit dem eigentlich logischen Opener «Burn» wird die Reise durch die Coverdale'sche Purple-Zeit angetreten. Die neue Version ist soweit ganz ordentlich ausgefallen und weist allerdings ein paar veränderte Licks und Soli auf. Weniger gefällt mir «You Fool No One», da sich mir die "tausendfach" abgespielte Live-Version von «Made in Europe» (1975) derart ins Hirn rein gebrannt hat, dass alles andere nebendran scheitert. Dafür finde ich eigentlich alles von «Come Taste The Band», auch ohne Glenn Hughes, überaus gelungen, ebenso «Sail Away» und natürlich die unsterblich schöne Ballade «Soldier Of Fortune». Dennoch bleiben die Originale, für mich zumindest, weitestgehend unantastbar und daran wird sich auch mit diesem "Zwischenalbum" nichts ändern!
Rockslave    
Punkte: 8.0 von 10
VIDUNDER – Oracles And Prophets
Crusher Records
Retrosound aus Schweden verkauft sich richtig gut - zumindest wenn man die Blues Pills als Referenz heranzieht. So weit sind Vidunder zwar noch lange nicht, aber man hat zumindest den richtigen Zeitpunkt erwischt, um auf die Welle aufzuspringen. Die Voraussetzungen sind gar nicht mal so schlecht, zumal auf kompositorischer Seite bereits einiges vorhanden ist, wie der Refrain von 'Son Of Every Lie' schon früh zeigt. Hinzu kommen die talentierten Instrumentalisten, die in Begleitung von nahezu omnipräsenten Orgelteppichen richtig viel Platz zum Austoben kriegen. Über allem steht dann die zwar wenig füllige, aber doch sehr charaktervolle Stimme von Martin Prim - die richtige Würze für die Songs. Zu guter Letzt haben es auch die Produzenten verstanden, der Mukke den richtigen Anstrich zu verpassen. 'Oracles And Prophets' dürfte die Band nach dem erfolgreichen Debut im Jahr 2013 einen weiteren Schritt nach vorne bringen.
Patricia L.    
Punkte: 8.0 von 10
AFTER THE FALL - Dedication
Bridge 9
Die vier Jungs aus Albany bringen mit "Dedication" ihr fünftes Album in fünfzehn Jahren Bandgeschichte auf den Markt. Obwohl ihr hardcorlastiger Skate-Punk mit Trübsal eigentlich nichts am Hut hat, sind die 10 Songs des Albums eine einzige Verarbeitung des Todes eines engen Freundes der Band. Damit diese eigentlich unpassende Mischung aus traurigem Inhalt und feucht fröhlichem Skate-Punk auch funktioniert, braucht es natürlich gute Songs und in diesem Fall einen guten Produzenten. After The Fall konnten sich niemand Geringeres als Produzent Bill Stevenson (NOFX, Rise Against) mit ins Boot holen, welcher den auch wirklich letzten Tropfen aus dem Album und der Band herauspresst.
Steve Butcher    
Punkte: 8.0 von 10
NIGHTMARE WORLD – In The Fullness Time
Pure Legend Records/Non Stop Music
Wer immer schon mal wissen wollte, wie sich Threshold-Gitarrist Pete Morten als Sänger schlägt, sollte sich dieses Debut-Album besorgen. Denn der Gitarrero, welcher hier gänzlich auf seine Klampfe verzichtet, macht seine Sache ziemlich gut. Dabei wandeln Nightmare World durchaus auf ähnlichen Pfaden wie Threshold. Es regiert also eine Mischung aus typischem Power Metal, welcher mit progressiven Elementen vermischt wird (was bei der Hauptband durchaus als umgekehrt empfunden werden darf). Das Familiäre bleibt aber nicht nur musikalisch erhalten, sondern auch beim Rundherum. So wurde In The Fullness Time vom Threshold-Songwriter und Gitarrist Karl Groom produziert. Pete Mortens Stimme jetzt mit derjenigen von Damien Wilson zu vergleichen, wäre unfair. Denn beide verfügen über einen ganz eigenen (stimmlichen) Charakter, und werden deshalb wohl dem einen Hörer mal mehr und mal weniger gefallen. Dies gilt auch für die Musik, die fern von weiteren Vergleichen Klasse hat. Lieder wie „Defiance“, „Ephoria“ oder „The New Crusade“ lösen bei mir zwar keine Gänsehaut aus, erklingen aber durchaus ansprechend. Für ein Debut-Album bewegt sich (die nach den Bandfotos zu beurteilte) recht junge Band auf sehr hohem Niveau. Die Gitarren zitieren immer wieder klassische Melodien und auch Streicher-Arrangements dürfen nicht fehlen. Zum Teil dümpeln die Lieder aber noch etwa vor sich hin. Dies wenn wieder einmal gerumpelt wird oder der Powermetal in reiner, aber leider etwas schlechter Qualität, zitiert wird. Spannend bis überragend erklingt In The Fullness Time immer dann, wenn sie sich auf ihre progressiven Elemente konzentrieren. Diese Stärke könnte bei einem möglichen zweiten Werk durchaus noch ausgebaut werden. Das gleiche gilt für die eingängigen Melodien, welche hier noch mehr auf den Punkt gebracht werden könnte. Trotz diesen Schwächen handelt es sich hier um eine vielversprechende Scheibe, welche nicht nur von Threshold-Fans angetestet werden sollte. Eine Gefahr für Mortens Engagement bei Threshold, scheint dieses Album zumindest im Moment noch nicht zu sein.
Roger W.    
Punkte: 8.0 von 10
GALVANO - Trail Of The Serpent
Candlelight Records/Irascible
Dieses 2005 gegründete Sludge-Duo stammt aus Göteborg und hört auf den Namen Galvano. Mattias Noojd (guitars/vocals) und Fredrik Kall (drums) rocken auf der vier Tracks starken Debut-EP was das Zeug hält. Genretypisch ist natürlich produktionstechnisch und musikalisch kein Höhenflug zu erwarten  und durch die Limitiertheit mit nur drei Instrumenten wird es natürlich noch schwieriger. Aber genau dies ist die Stärke von Galvano, super simpler und hypnotischer Sludge der Sonderklasse.
Steve Butcher    
Punkte: 8.0 von 10
STONEGHOST - New Age Of Old Ways
Mascot Records/Musikvertrieb
Das Coverartwork der Londoner Stoneghost sieht vielversprechend aus, was einen Metaller ja auch anspricht: Ja, das Cover muss auch gut sein. Punkt und aus. Wenn dann auch die Musik einigermassen hinhält, kommen wir der Sache auch schon näher. Die Engländer mixen Thrash-Metal mit einem Schuss Hardcore, aber alles mit Mass und nicht zu extravagant. Beim Songwriting kann man sicherlich noch einen Gang höher schalten, aber: Hey es ist das erste Werk, und es gibt nicht viele Bands auf diesem Planeten, die da sofort durchgestartet sind. Wenn die Briten sich bei der nächsten Platte noch ein wenig mehr Mühe geben bei den Songs, können wir ernsthaft rechnen mit Stoneghost. Bis es soweit ist, müsst ihr aber erst noch „New Age Of Old Ways“ mögen. Eine Annahme, die eigentlich sehr realistisch ist. Nicht übel das Ganze!
Daniel J.   
Punkte: 7.9 von 10
MOXY - 40 Years And Still Riding High
Escape Music/Non Stop Music
Schon 1974 gegründet, kommen die Kanadier nun zurück mit einem Rundling, auf dem sie 15 ihrer Songs neu aufgenommen haben. Alle von ihren ersten drei Alben „MOXY I", „MOXY II" und „Riding High". Allerdings wurde der 1984 bei einem Motorradunfall tödlich verletzte Sänger Buzz, von Nick Walsh ersetzt, der seine Sache hier mehr als gut macht. Übrigens ist Gitarrist Earl Johnson das einzige verbliebene Originalmitglied von Moxy. In ihrer Heimat Kanada hatten die Jungs damals mit „Cant You See I’m A Star" sogar einen Hit, ein guter Hardrock Song, der etwas an die rockigen Whitesnake erinnert. Sonst bieten Moxy im Grossen und Ganzen solide Hardrock Nummern, die meistens einfache Strukturen haben und mit tollen Gitarrenriffs und auch Soli völlig überzeugen. Keine Ausfälle oder Füller, sondern durchwegs rockige Tracks, die schnell ins Ohr gehen und schnell gefallen. Diese zeitlosen 15 Songs wurden von den fünf Musikern wirklich gut in die heutige Zeit transportiert. Durch die Neuaufnahme klingen sie frisch und knackig, tolle Sache und sicherlich interessant für alle Hardrocker. Die Musik von Roxy hat die 40 Jahre sehr gut überlebt. Das Ganze gibt’s übrigens auch als CD/DVD Version mit 11 Live Songs aufgenommen in Toronto 2013.
Crazy Beat    

Punkte:
7.9 von 10
WIZARD – Head Of Deceiver (2001), Odin (2003) und Magic Circle (2005)
Limb Music
Die deutsche True Metal-Institution Wizard hat gleich drei Alben neu mastern lassen und bringt diese nun mit je zwei Bonusliedern unters Volk. Spannend dabei ist, dass es sich exakt um die Werke handelt, welche Wizard während ihrer Zeit bei Limb-Music eindonnerten. Und genau Plattenfirma veröffentlicht nun ebenfalls die neue Version. Recherchiert man ein wenig, stellt man fest, dass es sich bei den Bonustracks um Lieder handelt, welche zumindest bei Odin und Magic Circle bereits auf der Special Edition erschienen sind. Nun werden diese speziellen Pakete also nochmals aufgelegt. Wie sehr sich der von Markus Teske überarbeitete Sound vom Original unterscheidet, entzieht sich meiner Kenntnisse. Das vorliegende Ergebnis verfügt aber über Power und Druck, so dass der True Metal in einem würdigen Gesamtsound durch die Boxen sticht. Wer wirklich, wirklichen True Metal hören will (und das mit all seinen Vor- und Nachteilen), kann bei Wizard sowieso nichts falsch machen. Ob Fans, welche die Special-Editions der Original-Alben bereits besitzen, hier für einen besseren Sound unbedingt nochmals zugreifen müssen, bleibt ihnen überlassen. Wirklich viel Neues wird hier nicht geboten. Für Einsteiger sind diese Wiederveröffentlichungen aber wie (fast immer) eine gute Sache.
Roger W.    
 
Punkte: keine Wertung
GRINDHOUSE – Chapter One
RMB Records
Bereits für über ein Dutzend Bands hat der Deutsche Michael Bormann schon seine Weltklasse-Vocals beigesteuert. So nun auch für die italienische Formation Grindhouse. Die Südländer legen ihrem Debüt ein interessantes Konzept zu Grunde. Sie liessen sich von klassischen amerikanischen Kinofilmen und den grossen Regiekünstlern, wie Quentin Tarantino, Martin Scorsese oder Brian De Palma, inspirieren. Die Jungs schrieben neun Tracks, die sich auf ebenso viele Filme beziehen. Namentlich erwähnt werden auf dem Label-Infoblatt „The Stunt“ (Grindhouse, death proof), „Titty Twister“ (From dusk till dawn) und „What A Night“ (Carlito's Way). Leider bleibt uns die Band das Wissen um den Bezug der restlichen Songs schuldig. Das Ganze ist sicherlich eine kreative Idee, die auch solide umgesetzt wurde. Stellenweise fehlt dann aber trotzdem eine gewisse Homogenität, was die Scheibe ab und zu ein bisschen holprig erscheinen lässt. Musikalisch baut das Sextett auf solidem Achtziger Hardrock mit Metal-Einschlag auf. Nicht neu, aber immer wieder gut. Es können aber nur bedingt Akzente gesetzt werden. Die kreative Note hält sich in Grenzen. Highlights sind zwar vorhanden (z.B. der Opener „After Midnight“, das Rufus & Chaka Khan Cover „Ain't Nobody“ oder das ultra eingängige „Nothing Gonna Stop Me“) werden aber auch von Durchschnittsmaterial begleitet. Obwohl in der Band drei Gitarristen spielen, kommt diese Tatsache zu wenig zur Geltung. Im Gegenteil, die Riffs dürften heftiger und aggressiver herausstechen. Trotzdem überzeugt „Chapter One“ mit Charme und Charisma, mit vielschichtigem Liedgut und vor allem mit einem begnadeten Sänger.
Chris C.    
Punkte:
7.8 von 10
TO BE ADDICTED - Rocktopuss
Eigenvertrieb
Wer in den letzen Jahren ab und zu in Zürich und besonders in der Cactus Bar herumhing, dem dürften die Members von T.B.A. bekannt sein. Im März 2012 überzeugte die damals noch neue Band als Support von Black Stone Cherry im Dynamo in Zürich. Nun ist auch noch ein ganzes Album entstanden. Jenna Holic (v,g), Sandro O. Garcia (g) und Thomas Stutz (d) heissen die Bandmembers, die mit Rocktopuss ein schönes Werk abliefern. Das Digipack ist wunderbar gestaltet und der Silberling darin enthält ganze 14 Songs, deren Bandbreite von coolen stonigen Retro Sound über Hard Rock mit 80er Prägung bis hin zu Blues reicht. Sämtliche Songs wurden von Jenna geschrieben - es scheint, dass die Gute einiges zu verarbeiten hatte. Ihre Stimme kann sich auf jeden Fall hören lassen. Mit diesem Debut haben T.B.A. soweit schonmal alles richtig gemacht. Diese Band muss man auf jeden Fall im Auge behalten, denn sie hat grosses Potential. Weiter so!
Roxx 

Punkte:
7.6 von 10
NELSON – Peace Out
Frontiers Music/Musikvertrieb
Die Zwillingsbrüder Matthew und Gunnar Nelson konnten mit ihrem Debüt „After The Rain“ 1990 riesige Erfolge feiern. Die Single Auskopplung „Can't Live Without Your Love And Affection“ avancierte zu einem weltweiten Nr. 1 Hit. Damit waren die beiden, nach ihrem Grossvater Oswald „Ozzie“ Nelson und ihrem Vater 50/60er Jahre Rock'N'Roll Star Ricky Nelson, die dritte Generation mit einem Nr. 1 Chart Erfolg. Mit dieser Tatsache ist die Familie auch in Guinness Buch der Rekorde erwähnt. Was für die Nelson Brüder fast perfekt begann, endete schnell wieder. Mit dem aufkeimenden Grunge war bei ihrem Label Geffen Mitte der Neunziger kein Platz mehr für den Good Time Rock'N'Roll der beiden. Sie gründeten ihr eigenes Label Stone Canyon, auf dem sie mit „Peace Out“ nun ihr insgesamt neuntes Werk veröffentlichen. An die Erfolge ihres Debüt konnten sie zwar nie mehr anknüpfen, doch nach wie vor besticht das Duo durch fundierte Longplayer. „Peace Out“ wird definitiv den Erfolg von „After The Rain“ nicht toppen, genauso wenig wird es eine Single Auskopplung in die Charts schaffen. Trotzdem erfüllt die Scheibe höchste Qualitätsansprüche. Interessanterweise lässt sich die Platte in zwei Teile gliedern. Bei den ersten sechs Tracks bewegt sich die Band im gemässigten AOR Bereich mit deutlicher West Coast Schlagseite. Der Härtegrad bleibt niedrig. Ab dem Song „Rockstar“, der auch als Anspieltipp dienen kann, wird es glücklicherweise rockiger. Knackiger Hardrock mit ausgeprägtem Melodic-Faktor, der den zwischenzeitlichen „Trallalla“-Effekt weit hinter sich lässt. Unter dem Strich wurden auf „Peace Out“ viele eindringliche Melodien und grossartige Hooks verewigt. Toller US Hard Rock mit Stadion Rock Appeal, der in Melodic-Kreisen mit Sicherheit auf Interesse stossen wird.
Chris C. 

Punkte:
7.6 von 10
KAMELOT - Haven
Napalm Records/Universal
Obwohl die Amerikaner nächstes Jahr ihr 25-jähriges Bandjubiläum seit der Gründung anfangs der 90er feiern können und vor allem in der Ära des zweiten Sängers Roy Khan ordentlichen Zuspruch erhielten, blieben sie in meiner Wahrnehmung eher blass. Warum, kann ich auf den ersten Blick eigentlich gar nicht schlüssig erklären, obwohl in meiner CD-Sammlung immerhin «Epica» (2003), «The Black Halo» (2005) und «Ghost Opera» (2007) stehen, wenn auch mit mittlerweile ordentlich Staub drauf. Die powermetallisch wie melodisch ausgerichtete Mucke mit etwas progressivem Einschlag und immer wieder mal orchestralen Arrangements ist technisch auf jeden Fall hochstehend. Auch die Liveauftritte waren jeweils eine Ohren- und Augenweide und Roy Khan, der 1997 auf Mark Vanderbilt folgte, verfügte über spürbares Charisma. Noch vor «Poetry For The Poisened» (2010) riss dann aber mein Interesse an Kamelot offenbar ab und spätestens nach dem Abgang von Roy, der sich im Frühling 2011 aus gesundheitlichen Gründen verabschiedete, war der Ofen ganz aus. Sein Nachfolger, der Schwede Tommy Karevik, trat zu Beginn ein eher schweres Erbe an, musste sich zuerst beweisen und die Gunst der Fans hart erarbeiten. Seinen Einstand gab er im Herbst 2012 auf dem Album «Silverthorn», wo er seinem Vorgänger das Wasser gesanglich durchaus reichen konnte.

Musikalisch wars ebenso ok, traf meinen Geschmacksnerv jedoch nur in bescheidenem Masse, obwohl man sich durchaus im Fahrwasser von Pagan's Mind und bis zu einem gewissen Grad auch Nightwish befindet. Die "Freude" über das neue Album «Haven», das diesen Monat auf meinem Seziertisch landete, hielt sich deswegen zunächst mal in Grenzen. Der Opener «Fallen Star» beginnt ruhig und ohne opulentes Intro, bevor es mit treibenden Drums, Orchester und dominanten wie melodischen Vocals von Tommy weiter geht. Ähnlich gehts bei «Imsomnia» zu und her, während «Citizen Zero» das Tempo gemächlicher angehen lässt. Trotz raumfüllendem Sound und fetten Chören holt mich auch dieses Teil nicht wirklich ab. Es passiert zwar viel (vor allem Drummer Casey Grillo haut zwischendurch mächtig rein), doch wirklich kleben bleibt kaum was. Das epische «Veil Of Elysium» schneidet indes besser ab, doch nun wird es offensichtlich, wo der Hund begraben liegt! Die Chose ist nicht wirklich meins und das erklärt dann auch den Staub auf den anderen drei erwähnten CDs oder hat es allenfalls doch was mit den Sängern zu tun? Fakt ist, dass Pagan's Mind weitaus besser munden und die aktuelle Nightwish im Vergleich einfach besser ist. Echte Kamelot-Fans wird mein Geschreibsel jedoch kaum bis überhaupt nicht davon abhalten, das neue Album ihrer Lieblinge mit Freude anzuknabbern und postwendend zu verschlingen. In meinem Fall wird «Haven» selbst digital "verstauben".
Rockslave 

Punkte:
7.5 von 10
LUCIFER - Lucifer I
Rise Above Records
Was Lucifer auf ihrer jüngst erschienenen 7” „Anubis“ versprochen haben, vermögen sie jetzt mit dem Debüt „Lucifer I“ nicht bloss zu halten, sie schaffen vielmehr das Kunststück, die eh schon hohen Erwartungen zu übertreffen. Die Geheimwaffe heisst diesmal wider Erwarten nicht Johanna Sadonis, sondern hört auf das Pseudonym The Wizards. Dahinter versteckt sich kein geringerer als ex-Cathedral Klampfer Garry Jennings, der offensichtlich seinen Vorgänger Neta Shimoni ersetzt hat und auf dem Labelwisch als Co-Songwriter und Studiogitarrist aufgeführt wird. Wenn ich mir so anhöre, wie er den eh schon exquisiten Okkult Rock Perlen seinen ureigenen Stempel aufdrückt, kann ich nur hoffen, dass der Schritt zum vollwertigen Mitglied nur noch ein ganz kleiner ist. Unter den acht Songs befindet sich kein einziger Hänger, und selbst das bereits bekannte und neu eingespielte „Morning Star“ stellt in dieser positiv modifizierten Fassung das Original locker in den Schatten. Garry’s holziger und bissiger Gitarrensound ergänzt Johannas glockenklare Vocals auf eine schon fast perfekte Weise, welche sozusagen die in Songs gefasste Heirat zwischen Gut und Böse darstellt. Zudem verleihen die eingestreuten Cathedral-Reminiszenzen – der übliche Spagat zwischen schwerem Doom und kraftvollem Hippie-Rock – der noch jungen Band eine ganz eigene Note. Freilich klingt alles etwas altbacken, denn es wird szenebedingt auf altbewährte Rezepte zurückgegriffen, welche aus der Hexenküche von Urahnen wie Black Widow, Coven und natürlich Black Sabbath stammen, und dennoch weisen die Songs eine ganz eigene Frische und Kraft auf, gehen gut ins Ohr und bleiben da auch hängen. Frisches Futter für hungrige Fans von The Devil’s Blood, Jess and the Ancient Ones, Blood Ceremony, Jex Thoth und Konsorten, teuflisch gut!
Mirko B. 

Punkte:
7.5 von 10
PYRAMAZE – Disciples Of The Sun
Inner Wound Recordings
Sieben Jahre nach dem grandiosen „Immortal“-Album wagen die Dänen Pyramaze einen dritten Streich. Hatten sie damals den Ausnahmesänger und Iced Earth-Legende Matt Barlow in ihren Reihen, darf nun der bisher wenig bekannte Terje Haroy in seine Fussstapfen treten. Es ist ein Wagnis, bei dem Haroy aber eine durchaus gute Falle macht. Die Lieder bewegen sich alle zwischen eingängigem Heavy und Power Metal und verfügen über ein angenehm hohes Niveau. Hier folgt ein Ohrenstreichler nach dem anderen, und wird trotz aller Klasse wieder schnell vergessen. Dabei haben Pyramaze durchaus eine gewisse Eigenständigkeit. Sei es mit ihrer eher düster angehauchten Atmosphäre, aber auch mit ihrer dezent progressiven Art. Dazu kommt eine Melancholie (z.B. bei „Photographie“), welche man in diesem Genre sonst eher selten findet. Die elf Lieder lassen Liebhaber dieser Musik definitiv nicht kalt. Sie könnten für einige Hörer gar zu Lieblingen aufsteigen. Unter dem Strich ist aber auch Disciples Of The Sun ein (wie so oft) tolles Power Metal-Album, welches trotz seiner Qualitäten Mühe haben wird, aus der Masse ausbrechen zu können.
Roger W.
 
Punkte:
7.5 von 10
FULL DEVIL JACKET – Valley Of Bones
Steamhammer/Musikvertrieb
Full Devil Jacket dürfte einigen noch ein Begriff sein: Um die Jahrtausendwende waren sie DER aufgehende Stern am Alternative Metal-Himmel. Sie tourten gemeinsam mit Nickelback, Slipknot und Slayer und spielten an den grossen Festivals. Doch eines Tages, die Band war grade auf Tour mit Creed, nahm Sänger Josh Brown eine Überdosis Heroin – das war zwar nicht ganz sein Ende, aber zumindest das seiner aufstrebenden Band. Die Mitglieder beschäftigten sich zwischenzeitlich mit andern Projekten. 2010 gab es dann eine erste Reunion um Geld zu sammeln für die medizinische Behandlung von Gitarrist Michael Reaves, der an Krebs erkrankt war. Die Band begann daraufhin wieder gemeinsam an neuen Songs zu arbeiten. Nur ein Jahr später erlag Reaves jedoch seiner Krankheit. Mit neuem Line Up präsentieren Full Devil Jacket nun ihr neues Album “Valley Of Bones“, dass sich irgendwo zwischen dem Stil von Stone Sour, Korn und Creed ansiedelt und erstaunlich mainstreamtauglich geworden ist. Die härtere Rockattitüde der alten Tage hat einer gewissen Melancholie Platz gemacht, was aber nicht heissen soll, dass dem Album der Biss fehlt. Es sind einige Tracks dabei, die richtig reinhauen, wie zum Beispiel der Opener “Killers“ oder auch der Titeltrack “Valley Of Bones“. Full Devil Jacket sind schnell aufgestiegen und verdammt tief gefallen. Aber sie haben sich wieder aufgerappelt und wollen nun an ihren Erfolg von anno dazumal anknüpfen. “Valley Of Bones“ ist da sicher ein guter Anfang – das Album glänzt mit gelungenen Kompositionen und authentischen Texten. So ist “Paperbox Voodoo“ eine Abrechnung mit den oberflächlichen Medien und der noch oberflächlicheren Popkultur. Die Ballade “Paper Crown“, einer meiner Favoriten und absolutes Ohrwurmmaterial, hält all jenen den Spiegel vor, die hinter ihrer grossen Klappe einen Minderwertigkeitskomplex verstecken. Dass Full Devil Jacket auch mal härter können beweisen sie mit “7X Down“ – von der Sorte dürfte es nächstes Mal gern mehr sein! Fazit: Ein überraschend gutes Comeback, das zwar einen Ticken zu Radiotauglich rüberkommt, aber trotzdem sehr schöne Momente mit sich bringt. Reinhören lohnt sich!
Patricia H. 

Punkte:
7.5 von 10
NIGHTRAGE - The Puritan
Despotz Records
Nightrage ist irgendwie ein ganz seltsames Ding - als Band kann man das fast nicht bezeichnen, bei den Besetzungswechseln, die seit der Gründung im Jahre 2000 durch den Griechen Marios Iliopoulus und seinen Kumpel Gus G., der vielen ein Begriff sein dürfte, passiert sind. Auf der über die Jahre entstandenen Liste der ehemals Mitwirkenden stehen noch weitere bekannte Namen wie Tomas Lindberg (At the Gates u.a.), Tom S. Englund (Evergrey u.a.), Fotis Bernardo (Septic Flesh u.a.) oder Per Möller Jensen (The Haunted) - musikalisch ist man hier also sicherlich auf einem recht hohem Niveau. Die einzige Konstante scheint Gitarrist und Gründungsmitglied Marios zu sein, der sich für die neue Scheibe - die nach vier Jahren Wartezeit seit „Insidious“ erscheint - mit Ronnie Nyman einen neuen Frontmann an Bord geholt hat. Wer bei dem Trio an den Drums sitzt, bleibt im Dunkeln, aufgelistet ist nämlich neben Marios und Ronnie - die auch gemeinsam für das Songwriting verantwortlich zeichnen - nur noch Bassist Anders Hammer (was für ein Name!). Musikalisch bleibt man der Stilrichtung Melodic Death treu, hat aber - nicht zuletzt auch durch die ziemlich hardcorig angehauchte Stimme Ronnies - einen modernen, amerikanischen, und eben corigen Touch. Man rifft und hämmert hier auf sehr hohem Niveau, und auch beim Songwriting kann man Nightrage so leicht nichts vormachen. Mir persönlich ist der Sound etwas zu modern und zu vollgepackt und Ronnies Gekeife geht mir um ehrlich zu sein mit der Zeit richtig auf den Senkel - aber das ist Geschmacksache und qualitativ gibt’s hier sicher nichts zu mäkeln.
Lucie W. 

Punkte:
7.5 von 10
WILL HAVEN - Open The Mind To Discomfort
Artery Recordings
Die Hardcore/Doomer aus Sacramento veröffentlichen mit Open The Mind To Discomfort ihr neues und siebentes Album. Seit der Wiedervereinigung 2007 haben die `95 gegründeten Will Haven wieder zu alter Stärke zurückgefunden. Und die liegt in einer an Intensität schwer zu überbietenden Mixtur aus Hardcore, Noise und Metal, mit der sie bereits seit ihrer Gründung 1995 unterwegs sind. Das Album lebt allerdings nicht nur von seiner Härte sondern auch Komplexität, und wer sich erstmal auf die brachialen Songs einlässt, wird schnell deren Vielschichtigkeit entdecken.
Steve Butcher  

Punkte:
7.5 von 10
EDGE OF PARADISE – Immortal Waltz
Pure Rock Records/Non Stop Music
Die Kombo um Frontsirene Magarita Monet präsentiert mit “Immortal Waltz“ ihr erstes Full Length-Album. Die Band hat bereits mit der Single “Mask“ (2011) und der EP “Perfect Shade Of Black“ (2013) Fans und Kritiker zugleich überzeugt. Die Amerikaner machen verspielten Melodic Metal gemischt mit Etwas, das sich wohl am besten mit dem Begriff “Dark Cabaret“ umschreiben lässt. Los geht’s mit dem fulminanten Opener “It’s My Show“, der einen gleich von Anfang an mitreisst. Verschnaufpause gibt’s aber keine, denn der Titeltrack “Immortal Waltz“ schlägt gleich darauf in dieselbe Kerbe. Auch das auf der EP vorab veröffentlichte “Perfect Shade Of Black“ vermag zu überzeugen. Mir persönlich gefällt die Stimme von Margarita eher weniger – zu oft gerät sie an ihre Grenzen und versucht diese zu überschreiten. Allerdings muss man ihr zugestehen, dass sie ein sehr kräftiges Organ hat, deswegen fällt dieser kleine Makel nicht allzu sehr ins Gewicht. Fazit: Edge Of Paradise sind mal was anderes. Allein dafür kassieren sie schon mal ein paar Punkte! Ich persönlich bin vom Gesang nicht so ganz überzeugt, aber das ist halt auch Geschmackssache. Dafür punkten die gelungenen und detailreichen Arrangements umso mehr. Die Band hat auf alle Fälle ihren eigenen Stil, was man von den Wenigsten Newcomern behaupten kann. Reinhören lohnt sich also auf jeden Fall!
Patricia H.   

Punkte:
7.5 von 10
DEVILS RAGE - Impending Demise
Eigenvertrieb
Das Quintett aus Sursee legt nach der 2012er EP "Rise Of Insanity" mit dem vorliegenden "Impending Demise" seinen Albumeinstand vor und überzeugt ab den ersten Riffaufbauten des Openers "Lost In Prison" mit geschmeidigen Songstrukturen, guten Ideen und moderner Produktion. Ich muss allerdings gestehen, dass melodischer Death Metal (bzw. seine neuzeitlichen US-Auswüchse) und ich nichts gemeinsam haben... da liegen mir die frühen The Crown, At The Gates oder Amon Amarth viel eher am Herzen. DEVILS RAGE sind jedoch trotz künstlerisch akzeptierbarem aber grammatikalisch fehlendem Apostroph im Bandnamen eine gesunde Mischung aus Neu/Alt/Europa/USA, wenn auch für mein Empfinden grösstenteils die modernere, amerikanische Attitüde verinnerlicht wurde. Sehr groovebetont und immer den schnörkellosen Fluss des jeweiligen Songs im Visier, ballern sich die Luzerner innert 45 Minuten durch zehn durchdachte Songs und ich kann nach mehrmaligem Durchhören grundsätzlich absolut nichts bemängeln. Allerdings hätte ich nach meinem Musikgeschmack das Schlagzeug etwas mehr in den Vordergrund gemischt, dafür den Gesang etwas zurückgenommen und das Saitentrio nicht derart glattpoliert - aber das ist Geschmacksache und noch dazu Meckern auf hohem Niveau. "Impending Demise" darf daher als solides, blitzsauberes Album angesehen werden das auch internationalen MeloDeath-Anhängern vorzüglichst in Bein, Bauch und Nacken fahren dürfte. Weiter so, reinhören!
Hardy   

Punkte:
7.5 von 10
SIGH – Graveward
Candlelight Records/Irascible
Der Ideenreichtum von Sigh scheint kaum Grenzen zu kennen. Auch das letzte Album war keines, das man einfach mal so nebenbei hört. Das ändert sich auch auf dem neuesten Werk nicht, beim ersten Hören hat man oft das Gefühl, dass die Instrumente nichts anderes als wahllose Tonfolgen aneinander reihen. Auf der anderen Seite gibt es Songs wie ‚The Tombfiller‘ oder ‚Out Of The Grave‘, welche Power Metal mit Jazz verbinden und irgendwie ganz witzig klingen. Dass die Japaner dazu Musiker von Dragonforce, Trivium und anderen Bands in ihre Songs integrieren, ist eine Randnotiz wert, denn auch ohne diese wäre die Musik wohl verwirrend und vielschichtig wie kaum ein anderes Album. Ausser vielleicht das letzte Album von Sigh. In dem ganzen orchestralen Chaos kann man mit ungeteilter Aufmerksamkeit dem roten Faden folgen, aber das Hören wird zu ungewohnter Kopfarbeit. Das liegt an den kleinen, immer wieder auftauchenden Instrumenten oder Elementen, die total unerwartet erklingen. So tröten beim ‚The Casketburner‘ plötzlich Bläser durch das Lied oder löst ein jazziges Piano die Gitarre ab, bevor das Lied unerwartet in einen rein elektronischen Teil abdriftet. Wenn man sich mit so viel Chaos zu Recht finden kann und die Mühe aufbringt, sich wirklich aktiv mit den Liedern auseinander zu setzte, hat man sicher reichhaltige Kost. Ich persönlich frage mich hingegen ziemlich oft, ob ich das ganze lachend in die Tonne kippen soll. Aber immer wieder machen die Lieder dann doch Spass.
Tristan   
 
Punkte: keine Wertung
LANCER – Second Storm
Despotz Records
Die Melodic-Metaller von Lancer liefern mit ihrem Zweitwerk „Second Storm“ ein solides, aber wenig überraschendes Album ab. Beim ersten Reinhören fallen besonders die hohe Geschwindigkeit der Songs und die Stimme von Sänger Isak Stenvall auf, die recht nah an Michael Kiske verortet ist und schon wegen dieser Tatsache ordentlich Pluspunkte sammelt. Somit ist aber der Sound der Schweden eigentlich auch schon erklärt. Der schwedische Fünfer hat grundsätzlich alles richtig gemacht. Treibende Riffs und singbare Melodien wechseln sich hier mit Gesang nach dem Vorbild von Helloween und Wahnsinnschören ab, wie im Opener „Running from the Tyrant“ oder „Masters and Crowns“. Damit befindet sich die Truppe in stilistischer Nähe ihrer Landsleute Steelwing und Air Raid und damit auch in recht guter Gesellschaft. Das Melodic Metal-Handbuch wurde sorgfältig von A bis Z durchgearbeitet, aber trotzdem fehlt dem Album die gewisse Eigenständigkeit. Bei den raueren Highlights der Platte „Behind the Walls“ und „Steelbreaker“ drängen sich unweigerlich Vergleiche mit Helloween der alten Tage auf. Mit „Children of the Storm“ haben sie einen Klassiker geschrieben, der bereits aus der Feder von Bruce Dickinson stammen könnte. Bei „Aton“ werfen die Jungs aus Arvika einen Titel hin, der an Abwechslung kaum zu überbieten ist. Das 10-minütige Epos beinhaltet Ballade, wahnwitzige Soli, druckvolle Gitarren und einen Refrain, der sich unweigerlich festsetzt. Wie man hört, ist auf diesem Album musikalisch wirklich alles im grünen Bereich. Die Gitarrenfraktion um Fredrik Kelemen und Per-Owe Solvelius sorgt für feine Twin-Lead-Momente und bei den Arrangements beweisen die Schweden ein sicheres Händchen. Trotzdem bleiben die Hörer nach neun Songs und gut fünfzig Minuten Musik, am Ende ein wenig irritiert zurück, weil „Second Storm“ irgendwie alles hat, was es für ein starkes Melodic-Metal-Album braucht, aber – der zündende Funke fehlt, um Lancer aus allen Bands des Genres an die absolute Spitze zu katapultieren. Wer dennoch nicht genug von Helloween, Gamma Ray und Co. hat, der wird sicherlich auch Lancer eine Chance geben dürfen und mit „Second Storm“ seine Freude haben.
Oliver H.   

Punkte:
7.1 von 10
NATIVE CONSTRUCT - Quiet World
Metal Blade/Sony Music
Achtung Progfans aufgepasst! Hier gibt es Kraftfutter für euch. Wenn man die Chance hat, am renommierten Berkeley College Musik zu studieren, hat man sicher was auf dem Kasten siehe Dream Theater. Die drei Musiker zelebrieren hier Musik, die nur sehr schwierig für den „Normalo“ zu konsumieren ist. Von Jazz bis 70er Jahre Prog und sogar Death Metal-Schüben schmeisst man dem meist überforderten Hörer eine Breitseite nach dem anderen an die Rübe. Hie und da sind dann auch kleine Melodienuancen herauszuhören, aber sonst dominiert da die Tonleiterwichserei, was eigentlich bei diesem Können schade ist. Ein gutes Songwriting ist eben auch nicht jedermanns Sache, auch wenn man ein begnadeter Musiker ist. Wer technisch hochstehende Musik ohne Herz hören kann, sollte hier unbedingt zugreifen. Alle anderen werden überfordert sein und sich nach wenigen Minuten ärgern.
Daniel J.   

Punkte:
7.1 von 10
WOODBRIDGE - The Fire Inside
Dr.Music Records/L-Pro Music
Das Eröffnungsdoppel „Born To Rumble“ und „Lies“ verleiten einen anfangs fälschlicherweise dazu, die St. Galler Band Woodbridge bloss für eine weitere jener zahlreichen Modern Rock Truppen zu halten. Wie man sich täuschen kann, bereits ab der dritten Nummer „I Feel Free“ machen sich plötzlich Klänge breit, die ein sehr angenehmes Southern Flair verbreiten. Dies wird umso mehr durch den Fakt verstärkt, dass Frontmann / Gitarrist Dominik Naef sei es in den Gesangslinien sei es in seiner Phrasierung oft stark an James Hetfield erinnert, was in diesem Fall die Songs nochmal um ein Spürchen aufwertet, denn dieser Gesang passt zu den stimmigen Songs wie die Faust aufs Auge, und prompt rutscht das überaus talentierte Quartett plötzlich in die Nähe von Bands wie Black Stone Cherry. Nun, wir wissen alle, wie schwer es heutzutage Schweizer Bands haben. Vor diesem Hintergrund sprechen Rundreisen in England, Belgien und Australien eine deutliche Sprache, und die Aussage ist unmissverständlich: Woodbridge haben was auf dem Kasten. Rockige Nummern wie „Life’s Hot“, das programmatische „Addicted“, „Four Wheels“ oder „Forever Loud“ geben sich die Hand mit ruhigeren Tracks wie „I Feel Free“ oder „Lost In Paradise“, ohne dass dabei der Fluss des Albums in irgend einer Weise gestört wird. Das Gegenteil ist eher der Fall, die Band fühlt sich in beiden Welten hörbar wohl und spielt folgerichtig diese Karte auch konsequent aus. Erdiger, ehrlicher, gefühlvoller Heavyrock mit deutlicher Southern-Kante, das und nichts anderes erwartet den Hörer auf „The Fire Inside“, und was ich höre, gefällt mir wirklich gut. Gut gemacht Jungs, in Anlehnung an den weit bekannten Night Ranger Hit kann ich angesichts solcher Alben mit Genugtuung feststellen: You can still rock in Switzerland!
Mirko B.
  
Punkte:
7.1 von 10
SHINING – IX - Everyone, Everything, Everywhere, Ends
Seasons Of Mist/Irascible
Wieder eine Nummer vor dem Albumtitel und immer noch sechs Lieder, soweit besinnen sich Shining wieder an ihre Wurzeln zurück. Musikalisch bleibt ebenfalls alles beim Alten, nach wie vor sind die Gitarren die tragende Stütze der Stimmung. Diese schwankt zwischen Wahn, Depression und Wut hin und her, je nachdem wie Mastermind Niklas seine Stimme gerade einzusetzen gedenkt. Diese Vielseitigkeit kommt bei ‚Framtidsutsikter‘ zur Geltung, wo neben akustischen Einlagen vor allem die Vocals durch das Lied führen. ‚Människotankens Vägglösa Rum‘ hingegen startet rockiger und direkter, hat sogar einen relativ eingängigen Riff. Die melodiöse Bridge unterstreicht das können der Schweden, die Leadgitarre und die cleanen Vocals zeichnen mit sanften Strichen einige Akzente in die destruktive Atmosphäre des Albums. Die manischen Schwankungen sind sicher nichts für jeden Hörer, aber wer depressives, urbanes (hippes?) Black Metal mag, welches auch gewisse musikalische Ansprüche besitzt, kann hier natürlich direkt zugreifen. Der Weg von Shining geht konsequent da weiter, wo er beim letzten Album aufgehört hat.
Tristan  
Punkte:
7.0 von 10
FRANTIC AMBER - Burning Insight
FA (Sweden)
Würde mich ja mal interessieren, wie und wo die Proben von Frantic Amber stattfinden, denn im Beipackzettel steht, dass die fünf Bandmitglieder, von denen übrigens vier weiblich sind, aus verschiedenen Ländern stammen und zwar Schweden, Dänemark, Japan und Kolumbien. Homebase scheint aber Schweden zu sein, denn dort haben die Melodic Deather 2012 die WOA Metal Battle gewonnen. Mit „Burning Insight“ veröffentlicht dir Truppe ihr Debüt-Album - durchforstet man das Netz sieht man, dass offensichtlich viel Zeit und Geld in Fotoshootings und die Produktion von Videoclips gesteckt wurde, daher brauchte das Album wohl etwas länger. Musikalisch wird hier eine ganz solide Sache geboten - mehr aber auch nicht. Die Mädels können definitiv was - sind aber leider ziemlich unoriginell und uneigenständig im Songwriting. Der sich aufdrängende Vergleich zu Arch Enemy passt wirklich hervorragend - nur erreichen Frantic Amber leider nicht annähernd die Qualität dieses Vorbildes. Dass man aber die eine oder andere Arch Enemy-Scheibe mehr als einmal gehört hat, ist überdeutlich: eingängige Gitarrenleads und Mitschrei-Refrains, der Sound ähnlich plastikartig wie bei einigen neueren Produktion aus der Melo-Death-Ecke, und die Stimme erinnert sehr stark an Alyssa White-Gluz. Es passt also alles ganz gut soweit, die Scheibe macht durchgehend Spass und Vieles bleibt beim ersten Durchgang im Ohr hängen. Ich persönlich würde mir für die nächsten Werke von Frantic Amber mehr Mut zur Eigenständigkeit und Innvoation wünschen, und eine Entwicklung hin zu einer Musik mit mehr Ecken und Kanten - da ist noch Luft nach oben. Für ein Debüt ist dies aber eine wirklich runde Sache! Melo-Death Fans sollten ein Ohr riskieren.
Lucie W.  
Punkte:
7.0 von 10
DARK SARAH – Behind The Black Veil
Inner Wound Recordings
Eine finnische Sängerin welche sich von ihrer Symphonic Metal Band trennt und daraufhin die klassisch trainierte Stimme im Rahmen eines Soloprojekts in Szene setzt - die Geschichte kommt einem bekannt vor. Allerdings ist es diesmal nicht von Tarja Turunen die Rede, sondern von Heidi Parviainen, welche sechs Jahre lang das Mikrofon bei Amberian Dawn bediente. Mit Dark Sarah ist sie nun also solo unterwegs, wobei natürlich eine ganze Palette an Gästen herangezogen wird. Stilistisch bewegt sich Dark Sarah erwartungsgemäss im etwas seichteren Symphonic Rock-Bereich. Nach dem eher schwachen Einstieg mit einem deplatzierten Opener bringt das sanfte 'Hide and Seek' die Stimme von Heidi erstmals richtig zur Geltung. Das darauf folgende, melodisch sehr interessante Duett mit ex-Xandria Frontdame Manuela Kraller, offenbart das erste Highlight dieser Platte. 'Evil Roots' - mit Inga Scharf von Van Canto am Mikrofon überzeugt im Anschluss mit einem animierenden, eingängigen Refrain. Weiter geht es mit dem kabarettistischen 'Violent Roses', welches doch guten Unterhaltungswert besitzt - ganz im Gegenteil zu 'Hunting The Dreamer' und 'Fortress', welche abgesehen von ein, zwei interessanteren Zwischenteilen zum Gähnen sind. Dass Tony Kakko seine Stimme für das unspektakuläre 'Light In You' zur Verfügung gestellt hat ist fast etwas schade. Am Ende der Scheibe bleibt ein etwas zwiespältiger Eindruck zurück. Beim nächsten Mal würde man wohl lieber etwas weniger Songs auf das Album packen, dafür qualitativ hochwertige. Zurzeit muss man sich die Höhepunkte noch etwas zu sehr zusammensuchen.
Patricia L.  
Punkte:
7.0 von 10
FATSO JETSON, FARFLUNG - Split Album
Heavy Psych Records

Obwohl deren Debüt erst 1995 erschien, gilt die kalifornische Band Fatso Jetson als Urmutter des Desert Rock. Kollaborationen mit Szeneidolen wie Josh Homme oder Brant Bjork, der kurzzeitig sogar zum Lineup gehörte, unterstreichen diesen Status. Und weil in der Geschichte der Band Split-Veröffentlichungen mit ähnlich veranlagten Truppen Tradition haben, haut man diesmal einen Fourtracker mit den psychedelischen Space Rockern Farflung raus, wobei die Kombination zwischen staubtrockenem, deutlich angekifftem Desert Rock und akustischer Verneigung vor Hawkwind erstaunlich gut funktioniert. Die rockigere Seite der EP bestreiten Fatso Jetson mit dem flott treibenden „Taking Off Her Head“ und dem schräg-schmutzigen „Flesh Trap Blues“, die garantiert keinem echten Desert Rock Fan missfallen werden, nix Bahnbrechendes, aber genau das, was man von so einer Band erwarten darf, solide Kost eben. Verglichen mit dem leicht verdaulichen Wüstenrock von Fatson Jetson verlangen Farflung dem Hörer hingegen einiges mehr ab. „Jettisoned In The Rushes ... Phase One“ ist ein langer, repetitiv-hypnotischer und sehr verdrogter Track, der abgesehen von kaum wahrnehmbarem Geflüster im Hintergrund ganz ohne Vocals auskommt und stattdessen auf sehr atmosphärische Soundteppiche setzt, die erst gegen den Schluss hin von ordentlich fuzzigen Gitarren weggefegt werden. Da haben Uralt-Pink Floyd zweifellos eine prägende Rolle gespielt. Das deutlich schnellere und energischere „Igneous Spire“ ist hingegen lupenreiner Space Rock ganz in der Tradition der eingangs erwähnten Hawkwind. Wer letztere mag, dürfte das seit 1994 aktive kalifornische Sextett längst zu seinen Faves zählen, und falls nicht, dann empfehle ich unbedingt eine Hörprobe! Aufgrund des kompetent in Szene gesetzten musikalischen Anspruchs haben sie folgerichtig bei diesem Duell dann auch die Nase leicht vorn.
Mirko B.
Punkte: Fatso Jetson 6.9 von 10 / Farflung 7.0 von 10
SATHANAS - Worship The Devil
Doomentia Records
Das erste Demo dieses in New Brighton, Pennsylvania beheimateten Trios erschien bereits anno domini 1988. Inzwischen haben die alten Recken mit dem aktuellen und nonchalant betitelten "Worship The Devil" Album No. 9 in der Pfanne und blicken dazu auf einen arschvoll Demos, EP's und Splits zurück. Faulsein ist anders. Und alle geistigen Gedankenblitze die dir bei den bis jetzt gefallenen Schlagwörtern eingefallen sind könnten richtiger nicht sein, denn SATHANAS tönen sowas nach early 90'er Ami-Black/Death dass es einem schier die Schuhe auszieht. Die Band ist musikalisch im positiven Sinne kein Jota von der alten Schule abgewichen und zelebriert ihre reduzierte Variante von unheilschwangerem Musikgut hörbar mit jeder Faser. Die Produktion ist zwar etwas druckarm, passt mit dem dargebotenen Material und erhöhter Lautstärke aber gut zur thrashigen Stimmung. Diese wiederum ist herkunftstypisch mehr "technischer" Natur und verweist eher auf Einflüsse von alten Morbid Angel oder Nuclear Assault als die europäischen, mehr bauchgesteuerten Urgesteine des extremen Metals. "Worship The Devil" ist nichtsdestotrotz ein gutklassiges Album, dass durchaus seine Daseinsberechtigung untermauert... wenn man auf die genannten Einflüsse steht. Nicht wirklich meine Baustelle, aber angesichts des Alters und des Durchhaltevermögens von SATHANAS gebe ich aus Respekt gerne noch einen Bonuspunkt. Reinhören!
Hardy    
Punkte:
7.0 von 10
FAULT- Bullet
Eigenvertrieb
Fault sind eine kroatische Hard Rock-Band, die gern mit richtig heftigen Heavy Metal-Riffs einheizen. Gegründet wurde die Band 2009 von den Brüdern Tin und Miran Ribaric (Beide Vocals und Gitarre). Das Debütalbum heisst “Bullet“ und entsprechend temporeich und energiegeladen kommt der Sound der jungen Band auch daher. Als Vorbilder genannt werden Alter Bridge, Guns‘n’Roses und Velvet Revolver – Ein Genre bei dem es sehr grosse Konkurrenz gibt. Und Fault stechen leider nicht wirklich aus der Masse hervor. Die Songs sind durchs Band gut geschrieben und auch musikalisch gibt es eigentlich nichts auszusetzen, aber irgendwie fehlt einfach noch das gewisse Etwas. Der Silberling enthält 13 Songs bei einer Spielzeit von 62 Minuten – eine geballte Ladung Hard Rock also. Allerdings wär hier weniger doch mehr gewesen, denn mit der Zeit wird es ein wenig eintönig. Die Höhepunkte fehlen und es gibt nur wenige Tracks die sich wirklich vom Rest abheben. Ein Beispiel ist der Opener “Dancing Naked“, oder auch das rockige “Alive“. Mit “Alone“ ist ihnen auch eine sehr gute Ballade geglückt. Fazit: Fault liefern ein solides Erstlingswerk ab, das zwar mit einigen unnötigen Längen zu kämpfen hat, ansonsten aber durchaus Spass macht.
Patricia H.    
Punkte:
7.0 von 10
WITHIN SILENCE – Gallery Of Life
Ulterium Recordings
Within Silence ist eine noch junge Metal-Band aus der Slowakei, die sich durch und durch dem Melodic Metal verschrieben hat. Sie haben mit dem vorliegenden Album „Gallery of Life” besonders unter Fans von Sonata Arctica und Stratovarius einen durchwegs positiven Eindruck hinterlassen. Die Band wurde 2008 von Martin Klein und Richard Germanus gegründet. Der Anfang gestaltete sich aber eher schwierig! Erst 2013 war die Truppe komplett und auch motiviert genug, die Bühnen dieser Erde zu rocken. Noch mit dem Bandnamen – Rightdoor – hatten sie erste Auftritte mit Dark Moor oder Blaze Bayley. Gegen Ende des Jahres 2014 beendeten sie die Aufnahmen von ihrem Debütalbum „Gallery of Life”. Für diese Art von Musik musste aber ein härterer Bandname her und so änderten sie den Namen noch vor der Veröffentlichung des Albums in Within Silence. Das Album ist ein klassisches Power Metal-Album, das wenig Neues zu Tage fördert. Die Melodien, die Riffs, der Gesang – war alles schon mal da. Heisst aber nicht, dass die Scheibe deshalb durchwegs schlecht ist. Sie verfügt über Up-Tempo Power-Metal Nummern wie der Opener „Silent Desire” (der einem besonders beim Refrain Gänsehaut verleiht) oder auch das darauf folgende „Emptiness of Night” ist mehr als hörenswert. „Elegy of Doom“ bietet eine kurze Verschnaufpause, bevor es mit dem druckvollen Metal-Track „The last drop of Blood” wieder zur Sache geht. „Love is Blind” könnte textlich als Ballade angesehen werden, entpuppt sich aber schnell als klassisches, fast etwas fades Power Metal-Stück. „Anger and Sorrow” und „Judgement Day” zeigen dann sogar eine gewisse Dramatik in den Songs. Dennoch fehlt es vielerorts an Ecken und Kanten, was „Gallery of Life” zu einer zu runden Sache macht. Auch wenn Sänger Martin Klein stellenweise an Tobias Sammet erinnert und die unregelmässigen Growls von Gitarrist Richard Germanus ein wenig Abwechslung bieten sollen, reicht das nicht aus, um wirklich auf ganzer Ebene überzeugen zu können. Within Silence sind solide, aber nicht neu. Ich wünsche mir, dass der Fünfer in Zukunft etwas mehr Mut und Entschlossenheit in ihre Werke legt und bewusst ihren eigenen Sound kreiert. Wem aber egal ist, eine Kopie der Kopie zu hören, darf ruhig ein Ohr riskieren.
Oliver H.    

Punkte:
7.0 von 10
DYGITALS – Dynamite
Mausoleum Records
Sieh an… Mausoleum Records gibt es noch immer, und mit Dygitals veröffentlich das legendäre Label eine gute Scheibe. Die 1984 gegründete französische Truppe um Sänger Hervé Traisnel gehen aber erst mit dem zweiten Werk in die Offensive. Eins, das speziell die älteren Hardrock-Fans ansprechen wird. Jene, welche sich in den achtziger Jahren mit Sortilége, Warning oder Attentat Rock vergnügten und schon damals die Qualität dieser drei Truppen erkannten. Dygitals erreichen aber nie das Level und die Qualität der genannten drei Combos, können aber auf den zehn Songs auf sich aufmerksam machen und beweisen mit „No Speed Limit“, „Sin City“ und „End Of The Story“, dass sie ihr Handwerk verstehen. Die Gitarren riffen, der Gesang kommt leicht AC/DC-like und mit „We Wanna Live Free“ haben die Jungs eine echte Hymne am Start. Tja, solche Tracks schreibt man im Leben nur einmal, dafür für eine Leben lang! Dygitals machen nichts Neues, das, was sich erschaffen klingt aber gut, passt in die 80 Jahre und darf gerne angetestet werden.
Tinu
   
Punkte:
7.0 von 10
DEATH ALLEY – Black Magick Boogieland
Tee Pee Records
Death Alley machen schön dreckigen Old School Rock’n’Roll mit einem Hauch Psychedelic Rock. Die Niederländer klingen wie eine Mischung aus Motörhead und Black Sabbath, allerdings nicht ganz so innovativ und unverwechselbar. Die Platte hat Ecken und Kanten, wie es dreckiger Rock haben sollte, aber leider fehlen ein wenig die Höhen und Tiefen. “Black Magick Boogieland“ wäre wohl die perfekte Hintergrundmusik für eine klischeetriefende verrauchte Bikerbar (falls es so was noch gibt), doch viel mehr steckt leider auch nicht dahinter. Das Album kommt zwar gut rüber und versprüht einen gewissen rohen Charme, aber auf Dauer bleibt da leider nicht viel hängen und die Songs plätschern einfach über einen hinweg. Die Aufnahmequalität wirkt etwas dumpf, was zweifellos so gewollt war (wohl aus nostalgischen Gründen oder so), aber dennoch einen etwas schalen Nachgeschmack hinterlässt. Die besten Tracks kommen gleich zu Anfang: das raubeinige “Over Under“ sowie der Titeltrack “Black Magick Boogieland“. Erwähnenswert ist auch noch das Riff-Monster “Supernatural Predator“, welches mit seinen über 12 Minuten über einen Viertel der Spielzeit dieses Silberlings ausmacht. Fazit: Wer‘s gern dreckig macht, der sollte hier durchaus mal reinhören.
Patricia H.    
Punkte: 7.0 von 10
BLACKWELDER - Survival Of The Fittest
Golden Core Records/ZYX Music
In den früheren Jahren des Rocks und des Metals war es eher so, dass Musiker, die sich aus grossen Bands verabschiedeten, oftmals eine Solokarriere anstrebten, siehe Eric Clapton (Ex-Cream) oder Ronnie James Dio. Dann gibt es Bands wie Europe, wo das im Falle von John Norum (g) im kleinerem Rahmen auch so war, respektive einige seiner Musikerkollegen im Verlauf der Jahre zum Beispiel eine zeitlang fast die ganze Tourband von Glenn Hughes stellten, um mitterweile schon wieder eine ganze Weile (sehr erfolgreich!) im Original-Lineup unterwegs zu sein. Und dann gibt es neben aktivem "Bäumchen wechsle dich"-Gebaren vermeintliche Super-Groups, wo sich Musiker aus verschiedenen anderen Bands zusammen tun und man dann geneigt ist zu sagen, dass sowas einfach funktinieren muss. Im Falle von Blackwelder stehen die Namen von Primal Fear, Gamma Ray, Yngwie Malmsteen, Angra und Seven Seraphim im Raum. Die Namen dazu sind Ralf Scheepers (v), Andrew Szucs (g), Bjorn Englen (b) und Aquiles Priester (d). Gemäss Infosheet erwartet einen Progressive Power Metal.

Na denn, dann wollen wir mal! Der schnelle beginnende Opener «The Night Of New Moon» weist mit sofortigem Tempo-Wechsel klar progressive Züge auf und Ralfs prägnante Stimme positioniert das Ganze erstmal deutlich im Primal Fear/Gamma Ray/Angra Lager, während Gitarrist Bjorn mit seinem Spiel zumindest etwas auf dem Pfad von Ying Yang Malmsteen wandelt, wen wunderts?! Ähnlich bollert «Spaceman» aus den Boxen, wo die wiederum mitunter sehr melodiösen Guitar-Lines wie wieselflinken Soli der Chose den Stempel aufdrücken und Ralfs teils elektronisch verfremdete Vocals in der Tat Neuland betreten. Getragener und gitarrentechnisch wesentlich näher bei Yngwie ist das Instrumental «Adeturi» angesiedelt, das man jedoch gescheiter ans Ende des Albums mit dem etwas schrägen Titel «Survival Of The Fittest gesetzt hätte. Besser vermag da «Freeway Of Life» zu gefallen, wo die eingangs genannte Stilschublade durchaus ihre Berechtigung findet und auch «Inner Voice» ist alles andere als ein Ausfall. Dennoch packen mich Blackwelder als Band nicht wirklich, da hier zwar insgesamt ohne Zweifel auf Profiniveau agiert wird, aber Vieles einfach halt bloss nach genregerechter Dutzendware klingt und kein wirklich herausragender Song auszumachen ist, der einen nachhaltig an den Eiern packt. Böse Zungen würden dazu das Wort "langweilig" auspacken, aber das kann man natürlich auch anderweitig empfinden.
Rockslave    
Punkte: 7.0 von 10
HARMONY – Remambrance (EP)
Ulterium Records
Sechs Lieder haben es auf die EP der schwedischen Power Metaller Harmony geschafft. Vier stammen dabei von ihrem Debut-Album Dreaming Awake, während zwei gänzlich neu sind. Eingesungen wurden sie alle von Daniel Heiman (ex. Lost Horizon). Klingt gut und spannend? Jain, denn etwas komisch mutet es an, dass Dreaming Awake von 2004 bereits 2008 wieder neu erschien und diese EP bereits die dritte Verwertung einiger der Songs ist. Hätte die Band in dieser Zeit zehn Alben rausgebraucht, wäre der Schritt logisch. Bei insgesamt drei Alben überhaupt steht diese EP doch etwas merkwürdig in der Landschaft. Das Ganze kann aber egal sein, solange die Lieder überragend sind. Und auch da gibt es ein „Jain“. Mit „Eternety“ startet die EP mit einem langweiligen Standard-Szene-Song, welchen man bereits von anderen Bands besser gehört hat. Das rumplige „Dreaming Awake“ reisst das Ruder danach zögerlich (aber immerhin) ein wenig in die andere Richtung. Es steuert direkt auf „Without You“ zu, welches zum absoluten EP-Höhepunkt mutiert. Hier stimmen der spannende Aufbau, die grossen Chöre und die traumhaften Gitarrenharmonien. Die restlichen drei Lieder profitieren deutlich von der Klasse des Vorgängers. Zumal die Band weitere Aspekte in ihren Sound reinbringt und teilweise fast ins Progressive abdriftet. Nimmt man diese EP als Zeugnis einer nachvollziehbaren Entwicklung, kann es durchaus sehr spannend sein. Zumal die guten Lieder deutlich in der Mehrzahl erklingen. Wer Power Metal mag und Harmony eine Chance geben will, kann hier wenig falsch machen. Diese EP ist zwar weit von der „EP des Jahres“ entfernt, bietet aber durchaus Qualität auf ansprechendem Niveau.
Roger W.    
Punkte: 7.0 von 10
NASHVILLE PUSSY – Ten Years of Pussy (2 CD - Best Of)
Steamhammer/Musikvertrieb
Die vorliegende Scheibe „Ten years of Pussy“ beinhaltet die angeblich besten Studiotracks der letzten Jahre, zusammengefasst auf einem Monsteralbum mit 22 Titeln. So zumindest ist die Aussage der Band selbst. Nashville Pussy aus Atlanta, mitten im Herzen der „BBQ-Nation“ tönen teilweise wie AC/DC, gepaart mit Lynyrd Skynyrd und zusätzlich verheiratet mit Motörhead. Der Inhalt der Texte lässt sich mit „Wein, Weib und Gesang“ etwa am einfachsten erläutern. Nashville Pussy wurde 1996 von Blaine Cartwright und dessen Frau Ruyter Suys als Hell's Half Acre gegründet, dann jedoch vor der Veröffentlichung des Debütalbums im Jahr 1998 in Nashville Pussy umbenannt. Cartwright spielte vorher als Gitarrist bei der Cowpunk-Band Nine Pound Hammer. Seither haben sie eine Menge an Bühnenerfahrung gesammelt und waren in über 40 Ländern mit Grössen wie Motörhead, ZZ Top oder Slayer auf Tour. „Ten Years of Pussy“ besteht aus zwei Teilen. Eine CD enthält 16 Studio-Klassiker der letzten Alben „Up the Dosage“ (2014), „From Hell to Texas“ (2009), das seinerseits in Willie Nelson’s Studio in Texas aufgenommen wurde und vom Songwriting her zu den besten Alben der Band zählt und schliesslich „Get some“, das 2005 auf den Markt kam. Die zweite CD ist eine Bonus-EP und enthält Live-Tracks aus einer Show von 2009 in Nottingham. Spezielle Erwähnung findet die ultimative Live-Version von „Nutbush City Limit“ mit Ron Heathman von den Supersuckers an der Gitarre. Dieses Album bringt sicher für den Kenner nichts Neues und wird bestimmt auch den Hardcore-Pussy Fan nicht mehr aus den Socken hauen! Wer aber Gefallen an richtigem Schweinerock hat und seine Vorliebe für dreckigen, rauchigen Sound nicht verstecken will, sollte sich diese Scheibe unbedingt zulegen. Am besten haut man noch das „Best Of“ Album von 2005 gleich mit drauf und hat so fast alle gesammelten Werke von Nashville Pussy auf zwei Tonträgern!
Oliver H.    

Punkte: keine Wertung
FALCONER – Falconer – Ultimate Edition
Metal Blade/Sony Music
Die schwedischen Folk-Power-Metaller Falconer bringen ihr Debut-Album von 2001 in einer erweiterten Version in die Läden. Zu den elf Liedern auf dem ursprünglichen Album gesellen sich auf einer zweiten CD noch sieben weitere. Dabei handelt es sich aber nicht um neue Lieder, sondern in vier Fällen um die Demoaufnahmen von 1999. Bei drei weiteren Songs offenbaren die ruhigeren Versionen durchaus neue Aspekte zu den Originalen. Man könnte dabei schon fast von neuen Liedern mit gleichen Texten sprechen. Fans der Band können also hier nichts falsch machen. Für Neueinsteiger bietet dieses Packet eine gute Gelegenheit, Falconer in ihrer ganzen Vielfalt kennen zu lernen. Ob man die Band gut findet, bleibt natürlich Geschmacksache. Ich selber habe mit dem nölenden Gesang und dem teilweise stumpfen Powermetal meine liebe Mühe. Die musikalische Klasse schimmert zwar durch, kann mich aber nicht packen. Objektiv gesehen bietet diese Ultimate Edition aber ein faires Packet für Fans und solche, die es werden wollen.
Roger W.    

Punkte: keine Wertung
MAGNOLIA - Svarta Sagor
Transubstans Records
Das schwedische Trio Magnolia lässt auch auf seinem fünften Album nichts anbrennen und zelebriert wieder eine ganze Reihe von Songs, die irgendwo zwischen Blues-, Kraut-, und Psychedelic Rock „Made in early Seventies“ anzusiedeln sind. Dass diese zudem auf Schwedisch vorgetragen werden, mag anfangs zwar etwas irritieren oder zumindest gewöhnungsbedürftig sein, aber schlussendlich passt der Einsatz der Muttersprache zum zuweilen recht kauzigen Charakter der Nummern. Im direkten Vergleich zu den ebenso in dieser Ausgabe vertretenen, ähnlich gelagerten Ape Skull, zeigen sich Magnolia weitaus experimentierfreudiger und psychedelischer, was nicht alle Tracks auf Anhieb zugänglich macht. Das anfangs etwas alternativ angehauchte „Tid Och Rum“ beispielsweise vermag mich anfangs nicht ganz zu überzeugen, doch gegen das Ende zu packen die Jungs dann den Rock Hammer aus und lassen den Song in einem ausufernden, fulminanten Solo ausklingen. Zudem lockern auf der anderen Seite Instrumentals wie das simple, aber sehr groovige „Den Dagen Den Sorgen“, das sehr spontan wirkende Feuerwek „Tillfällig Frihet“ und das eher exotisch anmutende Basssolo „Bortom Staden Av Guld“ den Hörgenuss merklich auf. Mit dem Titelsong und „Omväg“ zeigt die Band hingegen ihr anderes Gesicht. Da standen offensichtlich die ganz frühen Black Sabbath Pate, als ihr Sound noch tief im Blues Rock und Jazz verwurzelt war und der Doom noch lediglich sehr schwach hervorschimmerte. Alles in allem ein gutes, solides Album für die Retro-Fraktion, in das man sich zwar erst mal etwas reinhören muss, das aber durchaus seine Glanzpunkte hat.
Mirko B.  

Punkte: 6.9 von 10
NIGHTSHOCK - Nightshock Iron
Shield Records
Bisher verband ich mit Florenz kulturprägende Namen wie Giotto, Machiavelli, Da Vinci, Galilei oder Michelangelo, und nun rauscht ausgerechnet aus der Geburtsstätte der Renaissance ein wüstes Pulverisierungskommando in unsere schöne Stuben. Im direkten Vergleich mit den Hauptinspirationsquellen Venom, Tank, Killer (Belgien) und Bulldozer (logisch…) agieren die Geschwister Lorenzo (g/v) und Giulia Bellia (b) sowie Drummer Simone Perchiazzi allerdings einen guten Tick präziser. Dieser verminderte Rumpelfaktor gepaart mit der Bereitschaft zugunsten willkommener Abwechslung auf das konstant runtergedrückte Gaspedal verzichten zu können, macht „Nightshock“ bei aller thrashigen Härte selbst für eingefleischte NWOBHM-Enthusiasten geniessbar. Natürlich bellt der Sänger wie ein räudiger Strassenköter und wird in diesem Leben nie den „Goldkehlchen des Jahres-Orden“ ans Revers geheftet bekommen, dennoch weist die pfundige Produktion eine gewisse Sauberkeit auf, welche jedem Instrument genügend Platz und Durchsetzungsvermögen zugesteht, ohne dabei die ursprüngliche Power zu kastrieren. Verwaschen klingt definitiv anders. Und noch ein Pluspunkt: Der generalstabsmässig organisierte Angriff auf die Lauscher dauert gerade mal dreissig Minuten. Das ist zwar für eine vollwertige CD lächerlich kurz, geht aber ganz klar zugunsten der Intensität. Kurzum: Nightshock bedienen uns mit kompetent gespieltem Proto-Thrash Metal, der den Spirit jener Bands atmet, welche es vor über fünfunddreissig Jahren schon etwas extremer mochten und in Truppen wie dieser immer wieder eine Wiedergeburt erleben. Verdammt, jetzt habe ich den Bogen zur Renaissance doch noch hinbekommen!
Mirko B.  

Punkte: 6.9 von 10
LUCIFER'S FALL - Lucifer's Fall
Hammerheart Records
Das Duo aus Adelaide Australien, das nebenbei noch beim auch dort ansässigen Quartett Rote Mare Gitarre/Gesang und Drums beisteuert, versucht sich am Doom der ganz traditionellen St. Vitus- und Count Raven-Schule, freilich ohne jemals die Intensität der Originale wirklich zu erreichen. Damit will ich aber nicht sagen, sie würden ihre Sache nicht gut machen, denn die Ansätze zeigen durchaus in die richtige Richtung, von ein paar Ausreissern mal abgesehen. Das eröffnende „The Suffering Wizard“ ist schon mal richtig lang, und „-weilig“ noch dazu, dieser vertonte Baldriantrunk kann höchstens noch Doomköppe begeistern, die ihr Hirn durch den exzessiven Konsum magischer Pilze auf Dauer-Standby geschaltet haben. Für mich hingegen ist diese Nummer nichts anderes als eine harte Geduldsprobe. „A Sinner‘s Fate“ haut in eine ähnliche Kerbe: langsam, schleppend und monoton vorgetragene Songs erzeugen nicht immer zwingend die erzielte bedrückende Atmosphäre, und über den instrumental gehaltenen, finalen Totalausfall „Death March“ lege ich jetzt lieber das Mäntelchen des Schweigens. Dazwischen zeigen die zwei hingegen, dass sie durchaus dazu in der Lage sind, gute Songs zu schreiben, meistens braucht es dazu nicht mehr als den Mut zu flotteren Tempi, mehr Abwechslung und kräftigeren Vocals. So klingen dann Tracks wie „The Summoning“, „Unknown Unnamed“ oder der kleine, mit latenter Danzig-Note versehene Bandhit „Deceiver“ um einiges frischer und vor allem interessanter. Für den Durchbruch in der Szene noch nicht gut genug, aber Doomster sollten das Düster-Duo dennoch auf dem Radar behalten, denn da liegt weitaus mehr drin. Die zwei müssen sich bloss trauen.
Mirko B.  

Punkte: 6.6 von 10
ROYAL THUNDER – Crooked Doors
Relapse Records/Non Stop Music
Tjaha, viel geändert hat sich bei dieser Truppe nun nicht wirklich. Noch immer zockt man eine Form von Classic/Retro Rock, mit einem doch speziellen Touch, der Royal Thunder auszeichnet. Dieser wird massgeblich auch von der Stimme der Sängerin beeinflusst, die wirklich gut singen kann, sauber und rein, aber auch rauh und rockig – wenn sie dies tut, gefällt sie mir persönlich am besten, da dann die Leidenschaft und Emotionen am besten Spürbar sind. Aber egal, ob man sich nun ordentlich durch die Gegend rockt wie bei „Floor“ und „The Line“ oder eher sphärisch entschwebt wie bei „Forget You“ und dem Zweiteiler „The Bear I“ und „The Bear II“, für Retro Rock-Freunde sind Royal Thunder ein echter Leckerbissen. Und auch, wenn man ein wenig ruhigere, dafür emotional intensivere Rockmusik benötigt, so ist man mit „Crooked Doors“ echt gut beraten. Kann man sich ruhig mal geben!
Toby S.  

Punkte: 6.5 von 10
MINSK - The Crash and The Draw
Relapse Records/Non Stop Music
Ehrlich gesagt ist das kein einfacher Brocken, den uns die Post/Sludge Herren von Minsk auf ihrer neusten Scheibe servieren. Die Reise startet mit “To The Initiate“ schon spannend. Mit hypnotisierenden Riffs wird eine sehr dichte Atmosphäre erzeugt, welche alles Licht wie ein Schwamm aufsaugt und in ein abgrundtiefes schwarzes Loch transferiert. Es gibt wahrlich kein Entkommen aus diesem Sog, bei dem man das Gefühl bekommt, dass die Hoffnungslosigkeit sich zu einer gewaltigen Welle auftürmt, die Alles verschling und in die Tiefe zieht. Ein wirklich grandioser Auftakt, der das Verlangen weckt, mehr von diesen Tönen zu hören, mehr von dieser tristen Welt zu entdecken. Und genau hier liegt auch der Hacken an der Sache, denn wer sich auf eine Entdeckungsreise begibt, will mehr sehen als nur eine kontinuierliche Wüste des menschlichen Verstandes. Selbst wenn wir in unseren eigen emotionalen Keller hinunter steigen, wollen wir auch mal ankommen, nicht dauernd nur die Stufen sehen. Doch genau dies passiert hier. “The Crash and The Draw“ ist fordernd, treibt einem stetig an, man wartet dauernd darauf, seine inneren Ängsten und Monster zu Gesicht zu bekommen, doch das passiert nie. Eine Strassenbahn in die Einsamkeit, welche nie ankommt, weil es keine Endhaltestelle gibt. Wir wissen alle, dass selbst negative Emotionen nicht bloss aus der Farbe Schwarz bestehen, doch Minsk scheinen nur diese Farbe zu kennen und verschenken so meiner Ansicht nach ein gewaltiges Potential. Ich habe mir die Scheibe einige Male angehört, war fasziniert und gespannt, gespannt ob ich endlich irgendwo einen Höhepunkt ausmachen kann. Minsk treiben einem förmlich dorthin, man möchte endlich erlöst werden, eine kleine Melodie, eine Harmonie vernehmen, welche aus diesem drückenden Gewand befreit, doch da kommt einfach nichts durch. Zumindest nicht zu mir - was ich schade finde. Denn wie erwähnt: Atmosphäre erzeugen können Minsk und “The Crash and The Draw“ hat durchaus seine fesselnden Momente, doch scheint hier nicht der Gipfel, sondern der Weg das Ziel zu sein.
R.K. 

Punkte: 6.5 von 10
DRUDKH – A Furrow Cut Short
Season of Mist/Irascible
Drudkh haben noch nie zu den Pagan Metal Bands gehört, die in der Schlagermusik wildern und ihre Songs mit Alkoholkonsum und nordischen Sagen aufzubessern versuchen. Das hat sich auf dem neusten Werk auch nicht verändert, die Lieder wirken alle sehr durchdacht und vielschichtig. Auf Bombast wird verzichtet, viel eher lässt man den Gitarren zwischen hypnotischen Rhythmusarbeit und klirrenden Leads hin und her wandeln. Die Texte sind allesamt in Ungarisch, aber die allgemeine Klangfarbe und das wunderschöne Cover lassen erahnen, dass es nicht um fröhliche Gelage an langen Tafeln geht. Vereinzelt folkig anmutende Stellen lockern die Lieder immer wieder auf, ohne dabei den Liedfluss zu stören. So ein richtig zündender Song findet sich aber leider nicht, die Auswahl an ähnlichen Bands ist einfach überwältigend. Ein packender Riff, ein eingängiger Refrain, ein nackenbrechender Break oder ein unerwarteter Rhythmuswechsel, das fehlt auf dem ganzen Album. Es ist nichts gegen ein gewisses Mass an Monotonie einzuwenden, aber über eine Stunde hinweg das annähernd gleiche Tempo hat einen relativ einschläfernde Wirkung.
Tristan   
Punkte: 6.5 von 10
VALBORG – Romantik
Temple Of Torturous
Die Sprechpassagen, welche die sechs Titel umfassende Scheibe einleiten, klingen ähnlich wirr, wie die mässig harmonischen Keyboardsounds, die bald darauf einsetzen. Für Valborg-Kenner dürften diese Umstände wohl kein Problem sein, denn das deutsche Trio verfolgt bewusst eine obskure musikalische Ausdrucksweise. 'Blitz aus Sodom' bietet dann schon deutlich mehr Struktur und das stark verzerrte, doomige Hauptriff lässt die Welt in Dunkelheit versinken. Die fürchterlichen Keyboardklänge suchen den Hörer auf dem darauffolgenden 'Comtesse' wieder heim. Die Kombination mit Samples von keuchenden Hunden lässt den Körper ob der feucht-kalten Atmosphäre erschaudern. Nach Lichtblicken sucht man auf dem zynisch klingenden Werk "Romantik" vergeblich, zu tief sind die Abgründe, die sich von Minute zu Minute auftun. Nicht gerade der Soundtrack für den Frühling.
Patricia L.   
Punkte: 6.5 von 10
SATURNIAN MIST – Chaos Magick
Candlelight Records/Irascible
Crowley hat sich mit diversen Religionen und Philosophien auseinander gesetzt und in seine Version der „Magick“ einfliessen lassen. Wenn man die Liedtitel der Finnen anschaut, kann man in jedem mindestens eine Anspielung auf spirituelle Denkweisen erkennen, was ganz witzig wirkt. Ein Haufen bemalter Männer, die bei Kerzenlicht im Keller sitzen und finster dreinschauen, kann also auch Humor haben. Ich denke zumindest, dass Liedttitel wie ‚Yoga, Hate, Fuck‘ mit einem Augenzwinkern zu verstehen sind. Bei der Musik selbst hört der Spass dann aber auf: erbarmungslose Gitarren und harsche Vocals en Masse, dazu ein Schlagzeuger im Geschwindigkeitsrausch, machen aus dem neusten Output eine durchweg blasphemische Angelegenheit. Die Songstrukturen sind ziemlich thrashig, was das Überraschungsmoment gegen Nullpunkt streben lässt. Dafür kann man schon bei Beginn mitnicken und kennt die nötigen Riffs nach dem ersten Hördurchgang. Durch den fetten Sound wirkt das Album trotzdem sehr modern und macht durchaus Stimmung. Der wirklich grosse Wurf ist es nicht, aber durch ihre gezeigte Kompromisslosigkeit schaffen sie den Eindruck, dass da in Zukunft noch Platz nach oben ist.
Tristan   
Punkte: 6.5 von 10
GIFT GIVER - Shitlife
Century Media/Universal
Gift Giver bieten auf ihrem neuen Album die ganze Palette, die die neue Metal-Welt zu bieten hat. Von Metal und Deathcore über alle anderen Cores bis hin zum klassischen Nu Metal der Marke Limp Bizkit und Korn ist so ziemlich alles vorhanden. Und obwohl Gift Giver überraschend proggressiv daherkommen und bei den immerwährenden Breaks und Rap-Einlagen niemals das Gefühl aufkommt, dass hier nach Schema F gearbeitet wird, fehlt es dem Ganzen an überzeugenden Hooks und bleibenden, respektive bedeutenden Songs.
Steve Butcher   
Punkte: 6.5 von 10
BROADSIDE - Old Bones
Victory Records
Alternative Rock Pop mit Punkeinschlag so in etwa ist die US Band Broadside einzuordnen. Sie spielen frech von der Leber weg, ,und die 11 Tracks sind so erfrischend wie ein Bier im Hochsommer. Das aus Virginia stammende Quintett strebt dann auch die Radiostationen an, denn bei dieser Scheibe braucht man nicht viel zu studieren, sondern man kann sich berieseln lassen von der Einfachheit des Songwriting. Live hat man auch schon über 350 Konzerte gespielt. Auch da hat man wichtige Erfahrungen gesammelt. Fans von „Day to Remember, New Found Glory“ können bedenkenlos zugreifen. Auch Billy Talent kann man als Referenz betrachten. Der Sound ist wie geschaffen für die kommende Sommerzeit.
Daniel J.   
Punkte: 6.5 von 10
WALKING WITH STRANGERS - Terra
Burning Heart Records
Walking With Stranger bieten auf ihrem neuen Album "Terra" gewohnten Metalcore der Marke Parkway Drive, haben aber den Pluspunkt skandinavischer Melancholie, und dort wo Parkway Drive die Tampons der Teenies mit Feel Good-Hooks zum glühen bringen, schalten Walking With Strangers lieber einen Gang zurück und werden nachdenklicher und philosophischer, bevor man wieder von einem Breakdown zurück in die Realität geholt wird. Handwerklich gibt es nichts auszusetzen und eingängige Songs sind auch mit von der Partie, aber dennoch sind Walking with Strangers in der Endabrechnung zu wenig individuell und austauschbar.
Steve Butcher   
Punkte: 6.5 von 10
SATAN’S WRATH - Die Evil
Metal Blade/Sony Music
Es ist immer wieder ein Genuss zu lesen, wie ein neues Werk von gewissen Labels angepriesen wird. Zitat: „Mit “Die Evil“ tun sich neue hässliche Welten auf, ist es doch zweifelsohne das finsterste, schnellste und kraftvollste Werk, das diese Dämonen bisher abgesondert haben“. So nun meine Version, “Die Evil“ ist ein schmutziger Black/Thrash-Bastard, welcher tief in der Thrash-Mottenkiste der späten 80er Jahre wühlt und einfach 30 Minuten lang nur Spass macht. Die Griechen rumpeln und knüppeln sich durch die 9 Songs in einer fast schon unverschämten Gleichförmigkeit, ja man ist versucht zu sagen: hat man einen der Songs gehört, kennt man sie alle. Anspruchsvoll ist “Die Evil“ nicht wirklich, Komplexität und Tiefgang sind ebenso Mangelware wie eine frostige Atmosphäre. Also ein totaler Reinfall, die Kohle lieber in den ewigen Feuern der Verdammnis verdampfen lassen? Nein würde ich sagen, denn “Die Evil“ besitzt diesen schmutzigen Charme, den es für die Momente braucht, wo man einfach mal nur das Gehirn ausschalten und ein wenig unbeschwerte Unterhaltung haben will. Mit Freunden ein Bierchen kippen und dazu genüsslich im Takte den Nacken bewegen und sich Geschichten aus der Jungend erzählen, als Slayer noch nicht von H&M vermarktet wurde - dazu passt dieser Erguss ausgezeichnet. Als Anspieltipps könnte ich hier gleich den Titeltrack “Die Evil V 2“ und das flott rockige “Coffinlust V 2“ empfehlen, damit ist auch bereits praktisch die komplette Bandbreite abgedeckt welche “Die Evil“ offenbart. Ob der Gehörnte nun extra für dieses Werk beschliesst wieder auf Erden zu wandeln bezweifle ich, jedoch wird die Scheibe bei der nächsten Party seines Fan-Clubs für ein Retro-Thrash Vergnügen völlig ausreichen.
R.K.   
Punkte: 6.0 von 10
THE CROTALS - Fuel! Flames! Blast!
Tenacity Music
The Crotals sind Schweizer und waren Members von Faves und Toboggan. Leute, die Hight on Fire, Black Cobra und Bison B.C. kennen, werden sicherlich hier Freude haben. Sludge/Stoner Rock mit einer Stimme, die sehr extrem ist. Die Musik könnte man sicherlich weiter empfehlen, aber die Vocals werden viele abschrecken, was leider sehr schade ist. So zumindest sehe ich das. Aus meiner Sicht sind Geschmäcker ja bekanntlich verschieden, was sicher auch gut ist, gerade hier in diesem Fall. Die Produktion sollte man auch noch hervorheben. Sie klingt nämlich für meinen Geschmack sehr authentisch. Ja, die Snare ist wirklich klasse aufgenommen. Das passt super zu diesem Genre. Alles in einem ein durchzogenes Werk, das sicherlich Zeit braucht und auch seine Anhänger finden wird. Sehr düster das Ganze.
Daniel J.   
Punkte: 6.0 von 10
SUNLIGHT – My Own Truth
Total Metal Records
Griechischer Metal. Naja, wieso nicht. Allerdings fehlt den Songs ein bisschen der rote Faden, so als ob die Herren immer noch ein bisschen zu viel in den Track packen wollen und ihn so überladen. Lasst den Refrain doch mal, wie er ist, und haut nicht noch einen weiteren Break rein. Nein, Sunlight ist keine Prog-Band. Sie versucht sich an einer Mischung aus Whitesnake und alten Helloween mit einem Schuss Deep Purple und Treat. Das klingt alles ganz gut, wirkt aber in seiner Art zu konfus. Wie schon so oft … weniger kann mehr sein …
Tinu   
Punkte: 6.0 von 10
AUREOLE – Alunar
Avantgarde Music
Einmannprojekte sind so eine Sache. In wenigen Ausnahmen kann das sehr gut funktionieren, da der Musiker keine Kompromisse eingehen muss. Auf der anderen Seite besteht die Gefahr, dass die Musik wenig Abwechslung und Dynamik erhält. Mastermind M.S., der für das Debüt seiner Band verantwortlich ist, hört man das Ziel hinter seinem Schaffen an. Die Synthesizer klingen wie aus den ganz frühen Neunzigern, weit weg von hochklassigem Ambient wie Atrium Carceri. Allerdings versucht der Amerikaner auch kein reines Ambient, sondern paar seine Musik mit verzerrten Gitarren, um die nötige Portion Metal dreinzumischen. Genau an diesem Punkt könnte man die Vision von Soundlandschaften von Vinterriket oder auch Paysage d’Hiver erahnen. Leider fehlt, so zumindest mein Eindruck, auf Dauer ein wenig die erzählerische Dichte oder Tiefe der Lieder. Zwischendurch erschaffen sie zwar eine Illusion von Leere (‚The Voice Of Nebular Flame‘, ‚The Senility Of The Hourglass), leider wird diese aber genauso oft durch das zu dominante Rauschen der Gitarren verdrängt. Dass der Drumcomputer nicht viel kann, sein an dieser Stelle verziehen, schliesslich geht es in dieser Musik um anderes als rein technisches Können. Dafür liegt aber eben mehr Gewicht auf dem richtigen Abmischen und Editieren der einzelnen Komponenten, was dem Amerikaner noch nicht restlos gelingt. Nett, aber kein Meilenstein.
Tristan    
Punkte: 5.8 von 10
PHALLAX – Relics of Harmony
Metalapolis Records
PhallaX ist kein Paketzustelldienst, keine Kriegsformation und schon gar keine Abwandlung des männlichen Geschlechtsteils. Es ein komplett neues Wort, welches für melodischen Power Metal, Freude an der Musik und Power auf der Bühne steht. Mit ihrer EP „Lower the Flags“ von 2011 haben sich die Schwaben einen Namen gemacht und die Erwartungen an das neue Album sind dementsprechend hoch. 2014 wurden unter den Augen und Ohren von Produzent Martin Winkler (ex-Stormwitch) die Aufnahmen zum neuen Album „Relics of Harmony“ in Angriff genommen. Mit „Fading In Darkness“ hat sogar eine Komposition ihres Produzenten den Weg auf das Album gefunden. Die ersten zwei Titel „Little Things“ und „For the Birds“ geben schon mal eine gewisse Richtung vor. Allerdings passt die Sprechgesang-Passage bei letzterem Track nicht wirklich zum Konzept. Mit „Jorn“ lassen PhallaX dann eher eine klassische Humppa-Hymne vom Stapel. Moderner Folk Metal-Sound mit fetten Gitarren, hämmerndem Schlagzeug und einem Sänger, der seine klare, hohe Stimme im Griff hat. Der Text dazu ist ziemlicher Schwachsinn, aber das tut der guten Laune beim Hören keinen Abbruch. Mit „Brainwashed and Blind“ fährt der PhallaX-Zug wieder Richtung Power Metal, wobei noch ein paar düstere Passagen eingebaut sind. Mit „Irresponsible“ ist dann eine episch angehauchte Nummer am Start. Gespickt mit schnellen Passagen und Soli bekommt man beim Hören aber schnell das Gefühl, dass da einiges nicht ganz zusammenpasst. „Pharao’s Speech“ macht da leider keine Ausnahme und kommt eher platt und langweilig daher. „Trollinger“ ist zu Beginn wieder ein Lied mit Potenzial. Leider ist nach viereinhalb Minuten noch nicht Schluss, sondern die Jungs setzen zu einem Gitarrensolo an, das nach anderthalb Minuten zum Gedudel verkommt und schliesslich einfach ausgeblendet wird. Schade! „Dead and his Driver“ und „One fine Day“ mögen das Ruder auch nicht mehr richtig herumzureissen. Über die ganze Platte lässt sich sagen, dass es ein Haufen guter Musikeinzelteile gibt, die irgendwie nicht richtig zusammengesetzt wurden. Einzig der Finisher „Fading in Darkness“ hat das Zeug zum Hit. Schade, dass dieser vom Produzenten selbst stammt und nicht von der Band. Allenfalls ist zu überlegen, diesen mit ins Boot zu holen. Fazit: PhallaX lassen jeden traditionellen Metalhead im Regen stehen, da auf „Relics of Harmony“ zu viele Stilverletzungen vorkommen. Entscheidet selbst!
Oliver H.     

Punkte: 5.5 von 10
AM:PM - Aberrant Minds Provoke Murders (EP)
Eigenvertrieb
Mit einer 5-Track EP geben die jungen Schweizer AM:PM ein erstes musikalisches Deathcore-Lebenszeichen von sich. Begrüsst werde ich erst mal durch ein ruhiges Intro, welches angenehm die Spannung bis zum ersten Brecher “Lady Hurricane“ aufbaut, der in den ersten Takten schon mal flott auf die Zwölf haut. Überraschend ist, dass der Song erst mal mehr an schwedischen Todesblei erinnert - zumindest bis der erste Breakdown einsetzt. Diesem folgt ein etwas abgehackter Mittelpart, der mir irgendwie die Spannung raubt. Wenigstens marschiert die Schlussminute wieder in den gelb-blauen Farben daher. Was dann mit “Make A Choice“ folgt, ist für mich wirklich eine Überraschung und meiner Ansicht nach auch der beste Song auf dieser EP. Ein verdammter Nackenbrecher, anders kann ich es nicht ausdrücken. Energiegeladen, voller Dynamik, mit perfekt platzierten Tempowechseln, kurzen Blasteinlagen, coolen Riffs - man wird richtig mitgerissen und dafür muss der Daumen fett nach oben gehen!! Leider können die folgenden Tracks “Humans Are Their Own Revivals“ und “Salvation“ das Niveau nicht ganz halten. “Humans Are Their Own Revivals“ wirkt zu konstruiert, sprich die unterschiedlichen Parts fliessen zu wenig homogen ineinander hinein und “Salvation“ weiss mich erst in der letzen Minute so richtig zu begeistern. Nun ich muss zugeben, ich war erst etwas skeptisch, denn gerade in diesem Genre ist es alles andere als einfach sich von der breiten Masse abzuheben, doch AM:PM geben sich alle Mühe aus dem gewohnten Up-Tempo vs. Breakdown Schema auszubrechen und dem Hörer etwas zu bieten. Dies rechne ich ihnen hoch an. Die Zutaten stimmen, die Produktion geht absolut in Ordnung, das Rezept geht jedoch noch nicht immer so ganz auf. Vielleicht ist es der Ansatz, dass AM:PM fast zu viel in einem Song verpacken wollen und darunter die Dynamik und der Fluss leidet. “Make A Choice“ zeigt jedoch auf, dass die Herren etwas können und auch wenn es vielleicht noch nicht zum grossen Rockstar reicht, zumindest einheizen können sie schon mal.
R.K.    

Punkte:
keine Wertung
OMRADE – Edari
My Kingdom Music
So, aufgepasst, Freunde Lounge-artiger Klänge. Hier kommt ein Debut, das sich der sphärisch-entschwobenen Welt mit Industrial-artigen Einsprengseln verschrieben hat – der Gesang, sofern vorhanden, ist extrem im Hintergrund und könnte rein theoretisch auch einfach ein weiteres Instrument sein. Vor dem geistigen Auge entstehen und vergehen Welten, eine gewisse düstere Stimmung ist definitiv vorhanden – aber mal ehrlich, diese Art von Sound könnte auch in einer schicken Bar laufen, die sich ach so abgehoben und anders schimpft. Gut, und jetzt mal Klartext: Da ich persönlich keinen Zugang zu den Klangwelten von „Edari“ gefunden habe, kann ich kein richtiges Urteil darüber fällen. Wem Nine Inch Nails auf Ultra-Slow-Motion gefallen, der dürfte an dieser Stelle richtig sein. Ich bin’s definitiv nicht.
Toby S.    

Punkte: 5.0 von 10
WORLDVIEW – The Chosen Few
M24 Music Group
White Metal lässt grüssen. Allerdings ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen, dass es sich hier auch um einer White Metal-Band handelt. Verspielt wie Deliverance, Bloodgood und Vengeance Rising haben sich Worldview einige Gastmusiker ins Studio geholt. OZ Fox von Stryper ist ebenso dabei, wie auch Larry Farkas oder Les Carlsen. Worldview bewegen sich dann auch auf dem verspielten Territorium, welches nicht halt macht vor Metal-untypischen Melodien („Mortality“). Das Ganze klingt gar nicht mal so schlecht, braucht aber zu viele Durchläufe, damit etwas hängen bleibt. Für Prog-Fans sicher ein leichtes Unterfangen, für mich eine zu komplexe Art.
Tinu   
Punkte: 5.0 von 10
RIBOZYME – Grinding Tune
Indie Recordings/Irascible
Heute gibt’s nicht nur musikalisches, sondern auch chemisches Wissen um die Lauscher. Ribozyme sind Enzyme in der Ribonukleinsäure, die bestimmte chemische Reaktionen katalysieren können. Alles klar? Mir auch nicht. Und ich frage mich auch, wieso sich eine Band so nennt, aber gut – es können ja nicht alle Gruppen ‚Endless Brutal Death Of Winter Frost Doom‘ heissen. Wer aufgrund des Albumtitels nun dachte, dass hier etwas Core-artiges dargeboten wird (so wie ich), der liegt grundfalsch – Ribozyme zocken eine Art Rock/Metal-Mischung mit sehr viel Atmosphäre, sprich: Es hört sich stellenweise wie Tool oder Threshold an, eventuell könnte man noch A Perfect Circle als Vergleichsbeispiel hinzuziehen. Der Sänger kommt zwar ab und an aus den Puschen und singt ein wenig lauter, aber sonst bleibt alles mehr oder weniger auf einem ähnlichen Niveau. „Inside The Waste“ ist interessant, weil dieser Song sachte Anleihen an Kapellen wie Drowning Pool oder Static-X aufweist, neben „Cut In Half“ einer der härteren, schnelleren Tracks der Scheibe. Wer auf die erwähnten Truppen steht und auch sonst ein eher offenes Ohr gegenüber nicht alltäglichen Musikstücken besitzt, der sollte sich „Grinding Tune“ mal reinziehen. Ich schalte derweil mal weiter und ziehe mir eine weitere Zigarette rein.
Toby S.   
Punkte: 5.0 von 10
VICTORIAN HALLS - Hyperalgesia
Victory Records
Sehr poppig klingen die aus Chicago stammenden Victorian Halls. Alternative Rock könnte man auch schreiben zur Ausrichtung dieser Band. Die Mucke ist recht melodienreich. Zwischendurch erklingt die Gitarre „streng“, was natürlich für einen Metal Factory erprobten Leser deutlich zu wenig ist. Er wird sich schnell mal langweilen mit diesen schwierig zu konsumierenden Songs. Auch die Produktion ist langweilig. Die Drums sind gesampelt, was bei einer solchen Band ja gang und gäbe ist. Wieder was fürs Radio, und ehrlich: diese Bands klingen alle gleich. Ich kann das Ganze nicht mehr ertragen! So sehr sind sie auf Kommerz aus. Sorry Leute, wer das haben muss, soll sich das antun. Alle andern können weiter scrollen. Es gibt weit Interessanteres als dieses Trio.
Daniel J.   

Punkte: 4.7 von 10
COLD IN BERLIN – The Comfort of Loss & Dust
Candlelight Records/Irascible
Das Quintett Cold in Berlin werfen ihr neues Album „The Comfort of Loss & Dust“ auf den Markt. Es ist das dritte Album der Londoner und enthält 10 Titel voller Leid und Qualen. Geboten wird erneut Doom Metal gemischt mit abgehalftertem Post Punk. Musikalisch umgesetzt, ist das Resultat aber im Endeffekt nur minimal interessant. „Watch me, as I bleed for you...“, so die Textzeile von „The Bell“, dem zweiten Song auf dem aktuellen Album. So irgendwie fühlt es sich auch an, die Platte probezuhören. Die Londoner bieten düstere Schlachthausatmosphäre an, die leider das musikalische Ausbluten ihrer Musik zur Folge hat. Sängerin Maya kämpft sich mehr oder weniger erfolgreich durch jeden einzelnen Titel. Teilweise wird man beim Hören das Gefühl nicht los, dass die Sängerin unter echten Schmerzen leidet. Zäh wie Kaugummi zieht sich ein Titel nach dem anderen durch das ganze Album. Ich muss gestehen, dass dies gar nicht meine Art von Musik ist, ich aber dennoch in der Lage bin, normalerweise einzelne Songs auseinanderzuhalten. Bei „The Comfort of Loss & Dust“ will mir dies aber nicht gelingen! Unter normalen Gefühlszuständen, gestaltet sich der Zugang zum düsteren und schrägen Werk äußerst schwierig. Schlecht ist „The Comfort Of Loss & Dust" für den Kenner sicher nicht, bestimmt aber keine Platte für jede Situation. Der Sound ächzt und drückt, es winselt und fleht und in „Mysterious Spells“ hält uns Frontfrau Maya eine Rede, währenddessen minimale Backgroundmusik erklingt. Befremdlich und ungewöhnlich zugleich! Mit „Ghost“ und „Pray for Us“ werden dann schlussendlich noch die guten alten Zeiten des längst untergegangenen Post Punk zelebriert. Cold in Berlin erkunden jegliche Abgründe, die es zu erkunden gibt. Leider auch jene, für die sich scheinbar niemand interessiert. Meiner subjektiven Meinung nach wird dem Hörer viel, ja fast zu viel abverlangt. Sie lassen den dunklen Emotionen freien Lauf und das schwappt unweigerlich über. Der Titel „Coming back for More“ ist für mich daher mehr eine Drohung als eine freudige Botschaft!
Oliver H.   

Punkte: 4.5 von 10
KINGS DESTROY – Kings Destroy
War Crime Recordings
Retro-Rock, die nächste. Hört sich stellenweise an wie uralte Black Sabbath, einfach ohne den doomig-metallischen Zusatz, und führt einen Sänger auf, der sich ziemlich in den oberen Etagen der Vokalhöhen eingenistet hat. Kann man mögen, muss man aber nicht. Der Sound ist, wie gesagt, eher von der schleppenderen Sorte, allerdings fehlt da ein gewisses Flair – quasi, wie wenn man ein Bier kippt, und merkt, dass der Alkohol vergessen gegangen ist. Kann man trinken, muss man aber nicht. Im Prinzip machen die Jungs ihre Arbeit ja ganz ordentlich, aber eben: Erstens muss man auf die Stimme stehen (mir persönlich rollen sich dabei ja die Zehennägel auf), und zweitens sich auf diese doch eher speziellere Art der Retro-Mucke einlassen können. Wer sich ob den Stichworten angesprochen fühlt, darf gerne mal seine Ohren riskieren. Ich riskiere lieber noch einen Blick in den Kühlschrank, ob noch Bier da ist.
Toby S.   
Punkte: 4.5 von 10
THE LEATHER NUN – Whatever
Wild Kingdom
Nun, so prinzipiell haben wir hier ein Stück Musikgeschichte vor uns: The Leather Nun hatten damals in den 80ern ihre grosse Zeit, zumindest in ihrem Heimatland Schweden, und haben, so geht die Sage, gerne Filme für Erwachsene (aka Pornos) und Stripper als Dreingabe bei ihren Shows verwendet. Ziemlich genau 24 Jahre ist es nun her, man höre und staune, seit der letzte Release „Nun Permanent“ auf die Ohren der Menschheit losgelassen worden ist. Nun ja... Und jetzt sitze ich hier mit „Whatever“, dem neuesten Output, und denke mir: Was soll das sein? Ambiente? Eine Art von Dark Rock, vermischt mit sachte Industrial-Elementen? Ein Soundtrack zu einem schlechten Traum? Ehrlich, ich habe keine Ahnung. Gewisse Tracks wie „Outside My Window“ oder „Not Afraid“ dürften die tanzende Schwarzkittel-Gemeinschaft erfreuen, tragen sie doch den Uralt-Vibe in sich, den nicht mehr viele Bands in dieser Richtung zu vermitteln wissen. Andere Songs wie „Candyass“ oder „Dancing In The Rain (I’m In Love)“ sind einfach nur, ähm, speziell. Wer The Dresden Dolls kennt, der mag erahnen, was ihn hier erwartet. Kurzum: Für Rocker und Metaller ist „Whatever“ nicht wirklich was, für die Spezialisten unter den Spezialisten der gothischen Mucke dürften The Leather Nun aber so etwas wie eine dunkle Perle darstellen. Mein Fall ist dieser Sound leider keineswegs, und so denke ich mir schlussendlich auch: whatever.
Toby S.   
Punkte: 4.0 von 10
CD Reviews Archiv
Juli 2000  August 2000  September 2000  Oktober 2000
November 2000  Dezember 2000  Januar 2001  Februar 2001
März 2001  April 2001  Mai 2001  Juni 2001  Juli 2001  August 2001
September 2001  Oktober 2001  November 2001  Dezember 2001
Januar 2002  Februar 2002  März 2002  April 2002  Mai 2002
Juni 2002  Juli 2002  August 2002  September 2002  Oktober 2002
November 2002  Dezember 2002  Januar 2003  Februar 2003
März 2003  April 2003  Mai 2003  Juni 2003  Juli 2003  August 2003
September 2003  Oktober 2003  November 2003  Dezember 2003 
Januar 2004  Februar 2004  März 2004  April 2004  Mai 2004
Juni 2004  Juli 2004  August 2004 September 2004 Oktober 2004
November 2004  Dezember 2004  Januar 2005  Februar 2005
März 2005 April 2005 Mai 2005 Juni 2005  Juli 2005  August 2005
September 2005  Oktober 2005  November 2005  Dezember 2005
Januar 2006  Februar 2006  März 2006  April 2006  Mai 2006

Juni 2006  Juli 2006  August 2006  September 2006  Oktober 2006
November 2006  Dezember 2006  Januar 2007  Februar 2007
März 2007  April 2007  Mai 2007  Juni 2007  Juli 2007  August 2007
September 2007  Oktober 2007  November 2007  Dezember 2007
Januar 2008  Februar 2008  März 2008  April 2008  Mai 2008
Juni 2008  Juli 2008  August 2008  September 2008  Oktober 2008
November 2008  Dezember 2008  Januar 2009  Februar 2009
März 2009  April 2009  Mai 2009  Juni 2009  Juli 2009  August 2009
September 2009  Oktober 2009  November 2009  Dezember 2009
Januar 2010  Februar 2010  März 2010  April 2010  Mai 2010 
Juni 2010  Juli 2010  August 2010  September 2010  Oktober 2010

November 2010  Dezember 2010  Januar 2011  Februar 2011
März 2011  April 2011  Mai 2011  Juni 2011  Juli 2011  August 2011
September 2011  Oktober 2011  November 2011  Dezember 2011
Januar 2012  Februar 2012  März 2012  April 2012  Mai 2012  Juni 2012
Juli 2012  August 2012  September 2012  Oktober 2012  November 2012
Dezember 2012  Januar 2013  Februar 2013  März 2013  April 2013
Mai 2013  Juni 2013  Juli 2013  August 2013  September 2013 
Oktober 2013  November 2013  Dezember 2013  Januar 2014
Februar 2014  März 2014  April 2014 
Mai 2014  Juni 2014  Juli 2014

August 2014  September 2014  Oktober 2014  November 2014
Dezember 2014  Januar 2015  Februar 2015  März 2015  April 2015