CD-Reviews März 2011
Wertung:
  9.0 bis 10 Kaufempfehlung.         7.5 bis 8.9 Gut.
  4.0 bis 7.4 Vor Kauf reinhören.    0.0 bis 3.9 Nicht empfohlen.
WHITESNAKE - Forevermore
Frontiers Records/Musikvertrieb
Im Vorfeld dieser Veröffentlichung, genauer dem elften Studio-Album der weissen Schlange, drehte sich das Besetzungskarussel abermals. Bassist Uriah Duffy, seit fünf Jahren dabei und Drummer Chris Frazier, der es bis letzten Sommer auch auf immerhin drei Jahre Zugehörigkeit brachte, machten sich gemeinsam vom Acker. Zuletzt schied auch Keyboarder Timothy Drury aus, der sich fortan eigenen Sachen widmen will. Michael Devin (Ex-Lynch Mob) und Briian Tichy (Ex-Ozzy, Ex-Foreigner, Ex-Billy Idol) füllten die Lücke der Rhythm-Section wieder, während der Posten des Keyboarders nicht offiziell belegt ist. Somit ein gutes Omen für neue Songs? Der vor 80er Blues nur so triefende Opener «Steal Your Heart Away» legt schon mal ordentlich vor, liegt ziemlich gut am Ohr und versetzt mich gleich in helle Vorfreude. Nebst dem grundsätzlich fetten Sound mit wuchtigen Gitarren sticht sogleich die geniale Solo-Arbeit von Doug Aldrich hervor, die mich noch etliche Male begeistern sollte! Von der Intensität her liegt man hier auf Augenhöhe mit «Walking In The Shadows Of The Blues». Das nachfolgende «All Out Of Luck» tönt dann etwa so, wie Gotthard heute klingen müssten und lässt dann und wann Fetzen von «Till The Day I Day» durchschimmern. Auch hier fiedelt Aldrich wieder vom Feinsten und überhaupt rockt der Hammer-Sound alles in Grund und Boden. Wenn nun der dritte Song auch so abgeht, dann gute Nacht. Und «Love Set You Free» geht ebenfalls runter wie Öl und ist die nächste Ode an die gute alte Zeit von Whitesnake, respektive die kompositorisch stärkste Phase der 80er/90er. Die ersten Slow-Tunes von «Forevermore» mit dem Titel «Easier Said Than Done» sind dann ebenfalls Whitesnake (auch textlich) in Reinkultur und erinnern natürlich etwas an «Is This Love», genial! Wunderschön auch die führende Melody-Line der Leadgitarre. Wer nun denkt, dass der Schlange das Gift vielleicht bereits ausgegangen ist, wird mit dem bombastischen «Tell Me How» eines Besseren belehrt. Was für ein geiler Refrain, der live mit Sicherheit ankommen wird, dazu abermals irre Soli von Doug und gar ein unerwartet hoher Scream von Master Coverdale, der wieder voll genesen scheint und (im Studio) besser denn je singt.

Besser ist das richtige Wort, denn je länger sich die CD dreht, desto überraschter bin ich! Das (oder der, je nach Belieben) Hauptriff von «I Need You (Shine A Light) lässt die Wände erzittern, dass es eine wahre Freude ist! Mann ist das geil und ich schwebe bald über dem Boden. Es folgt der perfekte, stilistische Gegenpart mit der Hammer-Ballade «One Of These Days», die nur ein David Coverdale so rüber bringen kann. Leute, bisher nur Killers and no fillers und auch der Rest von «Forevermore» fällt nicht ab! Whitesnake haben sich ihrer Tugenden besonnen und das Beste ihrer erfolgreichen Zeit in ein neues, aber zum Glück nicht modernernes Gewand gekleidet. Eine weitere Laut/Leise Glanztat wird mit «Dogs In The Street» und «Fare Thee Well» zelebriert, während es grundsätzlich weiter rockt ohne Unterbruch. Bei «My Evil Ways» hört man dann auch deutlich, was Reb Beach (g) auf dem Kasten hat, wobei diese Einschätzung wohl erst durch das Booklet abschliessend geklärt werden kann. Der zu Beginn ruhig gehaltene Titeltrack und längste Song (7:27) des Albums huldigt zum Schluss epenhaft und untrüglich einer der besten Rockbands dieses Planeten: Led Zeppelin! Fazit: Was soll ich da noch gross sagen? Ich bin total platt und schwebe immer noch! «Forevermore» ist die kreative wie logische Fortsetzung von «Good To Be Bad» und die beste Antwort, die man allen Zweiflern liefern kann. Ich hoffe jetzt nur, dass das Ganze entsprechend auch live umgesetzt werden kann und wir kein Plagiat (huch!) am Mikroständer mehr sehen werden!
Rockslave  

Punkte: 10 von 10
WITHIN TEMPTATION - The Unforgiving
Sony Music
Vier Jahre sind seit "The Heart Of Everything" vergangen, höchste Zeit also für ein neues Studioalbum von Within Temptation. Die sympathischen Niederländer waren sehr fleissig, denn sie haben nicht nur ein wunderbares Konzept-Album produziert, sondern auch gleich innerhalb nur einer Woche ganze drei Videoclips für die ersten drei Singles gedreht. Das Konzept basiert auf einer Comic-Serie, die von Steven O'Connell (BloodRayne & Dark 48) geschriben wurde. Die Illustrationen dafür kommen vom berühmten Comic-Zeichner Romano Molenaar (Witchblade, Darkness und X-Men). Within Temptation haben alle Songs auf "The Unforgiving" so geschrieben, dass sie den Charakter, bzw. den Protagonisten des jeweiligen Comic-Teils reflektieren. Die Story dreht sich darum, dass eine gewisse Mother Maiden dafür sorgt, dass gescheiterte Menschen ins Leben zurückkehren dürfen, um ihre Fehler wieder gut zu machen. Auf der offiziellen Band-Website kann man sich bereits jetzt kleine Filmchen dazu anschauen, hinzu kommen dann noch die käuflich erwerbbaren Comics. Musikalisch hat sich übrigens so einiges verändert und man vergisst am besten einen Grossteil dessen, das man bisher von Within Temptation gehört hat. Ausser natürlich, wenn man offen für Neues ist und sich damit abfinden kann, dass man hier nicht mehr so viel Symphonic Metal und auch keine piepsende Sharon mehr zu hören kriegt. Das musikalische Grundgerüst klingt selbstverständlich nach wie vor so, wie man es von Within Temptation kennt, was natürlich in erster Linie am Timbre von Sharons Stimme liegt.

Die dunkelhaarige Schönheit klingt vielseitiger als je zuvor, denn ihre Stimme zeigt auf diesem Album interessante und ohrenschmeichelnde Facetten auf! Nur schon auf der ersten Single "Faster" haut es einen gleich um! Das Video dazu ist auch ganz schmuck geworden! Im Laufe der Jahre hat man sich natürlich daran gewöhnt, von dieser Band mit tiefgehenden und berührenden Melodien versorgt zu werden, doch was man beim Überflieger "Shot In The Dark" zu hören kriegt, das sorgt für multiple OHRgasmen! Ein wahrlich perfekter Song! Eine weitere und äusserst willkommene Abwechslung bieten die geschickt eingebauten Gitarren-Riffs, die dem Sound einen herrlichen Metal-Anstrich geben. Doch "The Unforgiven" enthält nicht nur schnelle Tracks, sondern auch zwei zauberhafte Balladen, nämlich "Fire And Ice" und "Lost". Für frischen Wind am Schlagzeug sorgt der neue Drummer Mike Coolen, der ab sofort den Platz von Stephen van Haestregt einnimmt. Wahrlich, Within Temptation haben es geschafft, sich selbst zu perfektionieren. Wie die charmante Sharon den Adel im Interview mit Metal Factory selbst bemerkte: "Es kam mir so vor, als hätten wir den Höhepunkt dieser Art von Musik (Symphonic Metal) erreicht". Da hat die Gute absolut recht, denn mit einem weiteren Album dieser Spielart hätte die Gefahr bestanden, sich dermassen zu wiederholen, dass die Musik nur noch verwässert und abgedroschen klingt. Der Zeitpunkt für einen Stilwechsel ist einfach perfekt! Auf zu neuen Ufern und in eine neue musikalische Ära der wohl besten niederländischen Band aller Zeiten!
Maiya R.B.  

Punkte: 9.5 von 10
BLACKFIELD – Welcome To My DNA
Kscope/Irascible
Das wunderbare Label Kscope, welches auf Post Progressive-Sound spezialisiert ist und dem ich mittlerweile blind vertraue, wirft unglaubliche Scheiben auf den Markt. Anathema, The Pineapple Thief, Porcupine Tree, Gazpacho, No-Man und eben auch Blackfield sind Künstler, welche bei Kscope unter Vertrag genommen wurden und die ich schätze. Kenner wissen jetzt auch, dass soeben drei Mal indirekt der gleiche Sänger genannt wurde, nämlich Steven Wilson, welcher 2001 zusammen mit dem israelischen Singer/Songwriter Aviv Geffen das Duo Blackfield gründete. Steven Wilson. Wo fange ich an? Wo höre ich auf? Ich habe mir mal die Mühe gemacht, alle Veröffentlichungen, bei denen er mitwirkte, aufzulisten. Wer die Liste möchte, kann sie gerne bei mir anfordern, jetzt darauf einzugehen würde hier den Rahmen sprengen. (Ich bin jedoch sicher: sie ist noch nicht vollständig!) Neben seinen eigenen Veröffentlichungen durch unterschiedliche Projekte produzierte er auch u.a. das Album "Blackwater Park" von Opeth, wo er sogar selbst am Klavier sitzt. Man kann sagen, Steven Wilson ist ein musikalisches Genie! Ich denke, den meisten wird er durch Porcupine Tree ein Begriff sein. Blackfield unterscheiden sich stark von seiner Haupt-Band. Der Stil wirkt eher kalkuliert, ist gut verträglich, liegt zwischen Pop und Rock und wird durch eine leichte Melancholie untermalt. Auch beim Lesen der Texte spürt man immer wieder eine betrübte und schwermütige Stimmung, die man so zu verarbeiten versucht. Wie auch auf den anderen beiden Alben teilen sich die 2 Herren den Gesang und das Songwriting, was für Steven Wilson recht untypisch ist. Hier findet man radiotaugliche Hooks und leicht verdauliche Melodien. Grosse Überraschungen, Detailverliebtheit und komplexe, anspruchsvolle Song-strukturen sucht man bei Blackfield im Vergleich eher vergeblich. Ich erlaube mir Aviv Geffen, der in Israel ein geschätzter Künstler ist, zu zitieren. Er hat es auf den Punkt gebracht (aus einem Interview mit metal.de): "Ich denke, bei Blackfield geht es darum, die Flagge der Traurigkeit und Schwäche hochzuhalten und dies mit Stolz zu tun!" Auch wenn sich die 3. Veröffentlichung "Welcome To My DNA" auffällig an die zwei Vorgängeralben anlehnt und nicht viel Neues bietet, finde ich das Album wunderbar. Die Leidenschaft für Musik lässt sich eben fast so schwierig mit Worten erklären wie das Wesen der Liebe. Wer mal reinhören möchte: "Glass House" und "Waving" zählen zu meinen aktuellen Favoriten. Tipp am Rande: Sehr zu empfehlen, dient auch als kleiner Warm-Up für die Show am 18. April 2011 im Z7: "Blackfield Live In New York (CD und DVD)"! Die Interpretation des Songs "Thank You" (ursprünglich von Alanis Morissette) trifft hier auf meisterhaftes Handwerk.
Liane P.

Punkte: 9.3 von 10 
BLOOD CEREMONY – Living With The Ancients
Rise Above Records
Occult Rock ist in. Schwere Riffs, psychedelische Hammondorgeln und Texte über Teufel, Tod und Hexen, mit diesem in den 70ern von Black Sabbath, Coven, Black Widow und Anderen erfundenen Rezept schaffen es heute Bands wie The Devil's Blood, Bigelf, Audrey Horne oder Ghost wieder vermehrt, Aufmerksamkeit zu erregen. Auch Blood Ceremony dürften sich dieser sicher sein, denn eine dunkle Macht geht von ihrem Zweitling "Living With The Ancients" aus, derer man nicht entkommen kann. Als würde die Mischung aus 70's Doom Metal in bester Sabbath-Manier, verfeinert mit unheilvoll vibrierenden Hammondteppichen und virtuos gespenstischen Querflötenritten nicht schon reichen, um auch den stärksten Bannzauber zu brechen, ist es die Stimme von Alia O'Brian, welche einen von Beginn an in Besitz nimmt. Schwebend entrückt und dennoch eindringlich gebieterisch, eben wie es sich für eine Hohepriesterin des Luzifers gehört, führt sie durch eine musikalisch schwarze Messe, in welcher sich reduzierte Einfachheit und orgiastisch verdrogte Verspieltheit die Waage halten. Ausufernd sind Songs wie der siebeneinhalb Minuten dauernde Opener "The Great God Pan", das nicht nur wegen der tänzelnden Querflöte an Jethro Tull erinnernde "Morning Of The Magicians" oder die finale, die Zehn-Minuten-Grenze überschreitende Beschwörungsformel "Daughter Of The Sun" zwar allemal, doch franst das Ganze nie endgültig aus, cleveren Melodien und haufenweise überraschenden Einfällen sei Dank. Dazu die mit fünf Minuten vergleichsweise knappen und eingängigen Nummern, das schleppende "Coven Tree" und das groovende "My Demon Brother", die beiden folkigen Instrumentals "The Hermit" und "The Witches Dance" und vollbracht ist ein mystischer Metal-Talisman, welcher einen, einmal umgehängt, kaum wieder loslässt. So werft euch auf die Knie und huldigt den Kanadiern Blood Ceremony, dem neuesten und vielversprechenden Mitglied im Zirkel des Occult Rock.
Kissi

Punkte: 9.3 von 10
AVA INFERI – Onyx
Season Of Mist
/Irascible
Wie soll man Musik bewerten oder vielleicht zu klassifizieren versuchen, wenn man gefühlsmässig dermassen herumgewirbelt wird wie bei den Portugiesen von Ava Inferi? Nur schon der erste Track und Titelgeber der Scheibe erscheint einem so nah und doch so fern, wie eine Erinnerung an vergangene Tage: Alte Cemetary zu „Black Vanity“-Zeiten schimmern in der Vielfalt an Eindrücken hervor wie auch Katatonia neueren Datums, man vernimmt Geräusche einem fernen Donnergrollen gleich wahr, eine wunderschöne Frauenstimme in Opern-Qualität, ohne jedoch ständig zu zirpen und mit extrem hohen Tönen auf den Geist zu gehen, nein Carmen Susana Simões versteht es, ebenso in den tieferen Lagen den Zuhörer zu bezaubern, zu entführen in Reiche, welche ebenso wunderschön wie abgründig finster sein können. „The Living End“ wartet mit melodischeren, auch cleanen Gitarren sowie einem männlichen Vokalisten, der zwar ‚nur’ im Refrain zum Zuge kommt, dort jedoch ruhig, tief und ohne jeglichen Pathos „we’re dead to this world“ von sich gibt – keine riesige, pompöse Trauerfeier, kein übertriebenes Gejammer, sondern schlichte Tatsachen. Erinnert irgendwie an Paradise Lost, so rein von der Stimmung und der textlichen Vortragsweise, selbst der Sänger erinnert leicht an den guten Nick Holmes. Die Stimmung wird immer wieder durch sachte elektronische, sphärische Einflüsse aufgepeitscht oder beruhigt, je nach Situation. Man könnte hierzu noch seitenweise die Eindrücke niederschreiben, welche man beim Hören von „Onyx“ bekommt, aber das ist hier nicht Sinn und Zweck. Ava Inferi spielen eine Art atmosphärischen Gothic Metal mit Doom-Einflüssen, aber auf eine Art und Weise, die einen tief in der Seele packt und nicht mehr loslässt. Erwachsen könnte man den Sound auch nennen, und genau das ist der Punkt, weshalb die Musik der Portugiesen so wertvoll in unserer masslos übertriebenen Plastikwelt ist: Man ist einfach nur ehrlich und spielt mit wahrem Herzblut. Nicht nur diejenigen, welche sich sogleich angesprochen gefühlt haben, sollten unbedingt in dieses dunkle Juwel hineinhören, ebenso sollten es alle anderen, doch Vorsicht: Einfach nur konsumieren ist nicht, hier will die Musik richtig angehört, interpretiert, verstanden und vor allem gefühlt werden!
Toby S.
   
Punkte: 9.0 von 10
AGNOSTIC FRONT – My Life My Way
Nuclear Blast/Warner
Warum wohl sind Agnostic Front seit fast 30 Jahren eine Institution innerhalb der Hardcore-Szene und darüber hinaus? Nun, zum einen sicherlich, weil sie eine der Mitbegründer des Genre waren und zum anderen, weil sie über alle Jahrzehnte hinweg sich immer ihre echte, offene und direkte Attitüde bewahrt haben. Hingabe, Blut, Schweiss und Tränen. Dies sind Synonyme, aus denen wirklich ehrliche Musik gemacht ist. Dies mag für viele zu proletenhaft sein, oder auch für manche zu viele Parolen über Verrat, Überleben auf der Strasse, Hochgesang auf Familie und Einigkeit beinhalten usw. Aber dennoch kann man sagen, was man will. Diese Musik und Texte von Miret, Stigma und Co. ist echter und ehrlicher als viel Anderes, was so Monat für Monat rauskommt. Unter anderem ein weiterer Grund, warum AF sich so lange halten konnten. Ehrlichkeit währt am längsten. Diese Attribute gelten somit auch für das neue Album "My Life My Way". Auffallend dabei ist, dass die New Yorker sich dieses Mal wieder mehr ihrer Streetpunk-Wurzeln bewusst geworden sind. So wie dies AF immer alle paar Jahre gemacht haben zwischen manchen Ausflügen in metallischere Sphären. Auf der neuen Scheibe sind 13 neue Songs, wovon der Längste 3:13 Min. ist und der Kürzeste 1:20 Min. Noch Fragen? Melodische Punkstücke wie z.B. der Titelsong mischen sich mit knallharten Original-NYHC-Songs wie "Self Pride". Bleibt nur noch eins zu sagen, entsprechend einem früheren Hit von ihrem "Something's Gotta Give"-Album: Today, tomorrow, forever. Mit ehrlicher Qualität sind AF unkaputtbar. Auch im Jahr 2011.
Ralf W.G.

Punkte: 9.0 von 10 
MICHAEL MONROE – Sensory Overdrive
Spinefarm Records/Universal
Nachdem Hanoi Rocks bereits zum zweiten Mal in die Geschichte entlassen wurden, widmet sich der Frontmann der legendären Sleazy Band wieder seinem Solo-Projekt. Es drängt sich die Frage auf, was der effektive Unterschied zwischen den beiden Formationen ist. Die Antwort ist einfach, Andy McCoy, der Side Kick von Michael, ist bei "Sensory Overdrive" nicht dabei. Musikalisch ist der finnische Künstler keineswegs festgefahren, trotzdem zieht sich ein roter Faden durch sein gesamtes Schaffen. Dazu gehören auch die grossartigen Projekte Jerusalem Slim und Demolition 23. Nun, um "Sensory Overdrive" musikalisch definieren zu können bzw. um M. Monroe grundsätzlich einordnen zu können, muss ein Blick in die Vergangenheit geworfen werden. Zwei Bands standen und stehen dabei Pate, Aerosmith und New York Dolls. Doch das aktuelle Solo-Werk ist alles Andere als ein lauer Aufguss. Das Teil ist ein weiterer Beweis für die Authentizität des Mannes. Wieder hat er exquisite Musiker um sich geschart, die eine gewichtigen Teil zum Gelingen dieses Outputs beigetragen haben. Von Hanoi Rocks hat sich Bassist Sami Yaffa, der übrigens auch schon bei den New York Dolls die dicken Saiten zupfte, der Truppe angeschlossen. Die Gitarren haben sich Ginger von The Wildhearts und Steve Conte, ebenfalls schon Mitglied bei den Dolls, umgeschnallt. Die Drumsticks schwingt der ehemalige Danzig- und Misfits-Schlagzeuger Karl Rockfist. Auch zwei erstklassige Gastmusiker beehren Michael. Die dreifache Grammy-Gewinnerin, Folk- und Countryrockstar Lucinda Williams singt bei "Gone Baby Gone", und niemand Geringeres, als Lemmy Kilmister veredelt "Debauchery As A Fine Art". Doch auch sämtliche weiteren Tracks sind perfekte Symbiosen von Glam, Sleazy und Punk, oder eben einfach Rock'n'Roll mit hohem Ohrwurmfaktor. Die leidenschaftlichen Vocals von Michael suchen ihresgleichen. Die zahlreichen Saxophoneinlagen dieses Ausnahmekönners peppen die Songs zusätzlich auf. Einziger Schwachpunkt ist, dass eben Andy McCoy nicht dabei ist, aber dann wäre es ja wieder Hanoi Rocks.
Chris C. 
 

Punkte: 9.0 von 10
KLAUS SCHUBERT'S ROCK BUNNIES - Speedmachine
Pure Rock Records/Non Stop Music
Jaaa genau, so eine Kombo hat in der Melodic Rock-Welt noch gefehlt. Die Rock Bunnies klingen derart frisch und rockig, dass man von diesem Rundling einfach nicht genug kriegen kann. Die Österreicher Urgesteine Gitarrist Klaus Schubert und Keyboarder Andi Brunner (beide No Bros) haben sich hier mit vier jungen, knusprigen Bunnies umgeben: Joy Plattner (Drums), Medina Rekic (Guitar), Irene Ranz (Bass) und Tici Westreicher (Vocals). Das Ganze passt hervorragend zusammen und rockt zum grössten Teil wie Sau, eben extrem frisch und unverbraucht. Eigentlich sollte die Band eigentlich ja Blues Bunnies heissen, da aber der Hard Rock-Anteil immer grösser wurde, nannte man (oder frau) das Ganze halt Rock Bunnies. Wobei man mit "Hell Fire and Angel Dust" einen klasse, waschechten Blues am Start hat, saugeil vor allem auch das Klaviersolo. Alle 16 Tracks sind klasse, und mit den Live-Covers "Stealin" (Uriah Heep) und "When A Blind Man Cries" (Deep Purple) zeigt die Band, dass man auch live gut abrockt. Die musikalische Mischung aus Purple, Heep, Whitesnake und etwas Rainbow gelingt den Österreichern wirklich gut. Die Gitarren rocken und die Hammond röhrt, Tici singt wirklich stark, mal soulig, mal rockig, überzeugt auf dem ganzen Album und erinnert mich ab und zu irgendwie an Geddy Lee. Ganz gut gefällt mir auch "B3 in Rock", der Hammond Song, ich liiiebe Hammond-Sounds! Abschliessend kann ich nur noch sagen, dass die Bunnies mit "Speedmachine" ein Hammeralbum am Start haben, das jeden Hard Rock-Fan voll zu überzeugen vermag. Yeahh, the Bunnies rule!
Crazy Beat
 
Punkte: 9.0 von 10
LIFELOVER – Sjukdom
Prophecy Productions/Non Stop Music
Spätestens mit ihrem vierten Album sind die Schweden schon kein Geheimtipp mehr. Der abwechslungsreiche Gesang, die eher einfachen und melancholischen Melodien, gepaart mit der punkigen No Future-Attitüde spaltet seit ihrem Erstwerk die Hörerschaft. Als Fan ihres Schaffens habe ich mich auf den neuesten Output gefreut, allerdings war ich über die ziemlich billige Verkaufsmasche (limitiert, mit Stacheldraht und Rasierklinge) etwas erstaunt, sowas hätte die Musik ja nicht nötig. Was soll's, hören kann man das Ding ja trotzdem, also rein in den Player und her mit Stockholmer Depression! Angefangen mit sanften Pianomelodien, rockigen Gitarren und dem unverkennbaren Gesang wechselt die Stimmung im zweiten Track von Traurigkeit in Wut, die Geschwindigkeit nimmt zu, ein kurzes Sample am Ende bringt nochmals ein wenig Abwechslung mehr, und weiter geht die Reise durch die 12 noch verbleibenden Songs. Was auffällt: Die Songs wirken allesamt druckvoller aufgenommen, man hört mehr Bässe. Das macht die Melodien schwerer, färbt sie dunkler als noch beim Vorgänger "Konkurs". Diskussionen über Drumcomputer lasse ich mal aussen vor, das Gesamtbild wirkt nach wie vor durchdacht und mit Hingabe inszeniert. Was die Fortschritte zum letzten Album also verschwindend klein und böse Zungen über Stagnation sprechen werden lässt. Ich kann davon allerdings noch nicht genug kriegen, und gerade durch die spezielle Stimmung und teilweise nicht mehr (nur) im Metal anzusiedelnde Lieder hat "Sjukdom" eine zwingende Kaufempfehlung verdient. Anspieltipps: "Resignation" und der knallende Abschluss "Karma".
Tristan 
 

Punkte: 9.0 von 10
IMPERIA – Secret Passion
Massacre Records/Musikvertrieb
Lady Helena Iren Michaelsen besitzt eine starke und eigenständige Stimme, die eine aussergewöhnliche Vielfalt bietet. Die Stimme ist es auch, die für mich hauptsächlich Imperia ausmacht. Helena bewegt sich zwischen Kate Bush ("Fragile"), Nina Hagen ("Suicide"), klassischem Gesang und eben ihren eigenen Stil. Sie schafft es beeindruckend durch die vielen Stimmvariationen Geschichten zu erzählen und grosse Emotionen wiederzugeben. Auch finde ich, dass eine erkennbare Steigerung zum letzten Album stattgefunden hat – musikalisch wie gesanglich wirklich sehr abwechslungsreich. Für Mix und Mastering lag die Verantwortung in den treuen Händen von Jacob Hansen (Volbeat, Pretty Maids). Für die Orchester-Parts und Gastauftritte sorgten Oliver Philipps (Everon) und Tina Guo, die auf der ersten Singleauskopplung "Let Down" mit dem Cello unterstützt, nachdem dieser durch Kirchenglocken eingeläutet wird. Auch sonst gibt es auf dem Album viele Überraschungen: Flöten, elektronische Klänge, Dudelsack – von allem etwas, und das auch noch in der richtigen Dosis. Irgendwie bekommt man mittlerweile leider eine leichte Überdosis an Veröffentlichungen im Bereich Gothic/Symphonic Metal, und ich hoffe, das Album wird im Zuge dessen Beachtung finden, da es für mich ein Werk ist, welchem Wertschätzung gebührt. "Secret Passion" wird es auch als Digipack mit dem zusätzlichen Song "Mistress" geben.
Liane P.
   
Punkte: 9.0 von 10
TESSERACT - One
Century Media/EMI
Ah, Tesseract - Vorreiter und Hoffnungsträger des Djent-Genres, atemberaubende Live-Band, und nun endlich liegt ein erstes Album vor. Jawohl, das Quintett aus England hat es tatsächlich geschafft, die Metalfans rund um den Globus zu mobilisieren, ohne dabei überhaupt ein Debutalbum veröffentlicht zu haben. Bei mir haben die Jungs am Break The Silence-Festival 2010 in Hasle-Rüeggsau (BE) einen mehr als nachhaltigen Eindruck hinterlassen, ihr Mix aus Meshuggah-Klampfen, Tool'schen Groove-Spielereien und Cynic-mässigen, sphärischen Sounds in Kombination mit ihrer unglaublich tighten Performance hatte mich ziemlich ungestüm aus den Socken gehauen, die EP "October" fand darauf schnell den Weg in meine iPod-Playlist. "One" als Quintessenz und Antwort auf alle Fragen und Gebete zu betrachten wäre zwar ein Fehler, aber die Scheibe präsentiert die Band definitiv von ihrer besten Seite und lässt die erwähnten Einflüsse im gleichen Atemzug verblassen: Während der Mittelteil dem Sechsteiligen (!) Song "Concealing Fate" (der sämtliche Dynamikstufen der Band geschmackvoll auslotet) gehört, bilden die fünf umgebenden Songs (die einführenden "Lament" und "Nascent" und die abschliessenden "Sunrise", "April" und "Eden") den optimalen Rahmen. Man wünscht sich zwar manchmal im Angesicht der schieren musikalischen Masse etwas weniger Material, aber sämtliche Songs fliessen derart homogen, dass dies nur als marginaler Kritikpunkt abgetan werden kann. Tesseract werden mit "One" ihren bisher hauptsächlich live eingefahrenen Ruf auf die physisch greifbare Seite der Musikindustrie übertragen - denn die Scheibe ist allem voran ein unglaublich selbstsicheres Debutalbum.
El Muerte 
 

Punkte: 9.0 von 10
HELRUNAR – Sòl
Prophecy Productions/Non Stop Music
Nach ganzen vier Jahren Wartezeit werden die Fans mit einem ganz herrlichen Brocken belohnt: Ein ganzes Doppelalbum mit einer Spielzeit von sagenhaften 90 Minuten, gefüllt mit schwärzestem Metall. In Form von mystischen Tagebucheinträgen kommen die Songs daher, einer düsterer als der andere. Beim ersten Durchhören also sicherlich empfehlenswert, keine Zufallswiedergabe einzuschalten, damit das Konzept aufgenommen werden kann. Und dann geht es ab in das finstere Vergnügen. Mein erstes Aufhorchen kommt bei "Unter den Gletschern", dieser Riff klingt gar zu vertraut. Aber bevor Erinnerungen aufflackern, stösst zu dem doomigen Grove die Stimme hinzu und stösst das Lied weit in Richtung alte Ajattara, aber irgendwann im letzten Drittel lässt sich dieser Vergleich nicht mehr aufrecht halten und Helrunar zeigen, dass sie auch ohne festen Gitarristen tolle Melodien zaubern können. Das Präludium ist der beste Beweis dazu, fast glaubt man schon die Sonne durch die dunklen Wolken erblicken zu können, doch weit gefehlt: mit "Tiefer als der Tag" wird Nietzsche gehuldigt, was tiefer in den erdachten Charakter des Tagebuchschreibers einblicken lässt. Nach "Nur Fragmente" kommt das vorübergehende Ende mit heftigster Wucht und der Erklärung am Ende des Songs. Und darüber müssen sich Helrunar keine Sorgen machen, "Sòl" ist weder steif noch unflexibel und nach ihren Aussagen darum sicher nicht dem Tod geweiht. Es ist schwer, ein Ende zu finden, da man sich nicht nur in den Songs, sondern im ganzen Album verlieren kann. Blinde Wut, gezielter Hass, verzerrte Erinnerungen, depressive Träume und falsche Hoffnung sind nur einige Zutaten, mit denen das Werk den Hörer emotional fesselt. Die wunderbare Erkenntnis nach dem Durchhören (oder nach 243 Tagen Tagebuch) ist diejenige, dass man sich der hypnotischen Welt ganz gezielt ausgesetzt hat und jederzeit aussteigen kann. Auch wenn das Jahr noch jung ist, diese Scheibe legt die Messlatte für die Konkurrenz fast unerreichbar hoch!
Tristan 

Punkte: 9.0 von 10 
SUIDAKRA – Book of Dowth
AFM Records/Musikvertrieb
Endlich, endlich! Nach dem letzten Erfolgsalbum "Crógacht" aus dem Jahr 2009 kommt nun endlich das lang ersehnte Werk der Deutschen in den Handel. Suidakra sind definitiv keine Neulinge im Musikbusiness und dürften allen Fans des W:O:A und des Summerbreeze ein Begriff sein, da sie unter anderem bei beiden Festivals schon mehrmals die Stimmung zum Kochen brachten. Gegründet 1994 von Musikgenie Arkadius Antonik und Stephan Möller bringt die Band nach einigen Line Up-Wechseln ihr 10. Album (!) auf den Markt. Bereits nach den ersten paar Takten wird klar: Jetzt folgt Folk Metal vom Feinsten. Wie bereits zuvor haben sich Suidakra Verstärkung von verschiedenen Seiten geholt: Axel Römer übernimmt wie auch schon beim letzten Album den Dudelsack und zeigt mit "Over Nine Waves", wohin die Reise geht: Ins Buch der Dunkelheit aus den düsteren Sagen und Mythen des keltischen Irlands. Auch Gastsängerin Tina Stobel ist wieder dabei und liefert mit "Biróg's Oath" eine schaurig schöne Ballade, die ganz nach Suidakra-Art keine Sekunde langweilig wird sondern einen schönen Gegenpol bildet zum eher härteren Stil, den die Band nun wiederentdeckt zu haben scheint. Mit "Mag Mell" hat es auch ein Duett auf die Platte gebracht – ein reizvolles Spiel zwischen männlicher und weiblicher Stimme, das zur mythischen Stimmung passt. In praktisch jeder CD-Review liest man mittlerweile, dass das besprochene Album abwechslungsreich sei etc. etc. Doch in diesem Fall ist das wirklich so! Suidakra zeigen sich sehr experimentierfreudig und bringen neben Melodeath, der an die Anfänge von Amorphis erinnert, über klassischen Folk Metal à la Eluveitie, Ensiferum und Equilibrium bis hin zum rockigen Ohrwurm "Stone Of The Seven Suns" eine breite Palette an gut durchdachten, sauber komponierten und wirklich eingängigen Songs. Fazit: Nach über 16 Jahren schaffen es Suidakra immer noch, zu begeistern und liefern eines der besten Folk Metal-Alben seit langem ab, das ihnen hoffentlich die schon lange verdiente und lang ausgebliebene Anerkennung in der Metalgemeinde verschaffen wird.
Patricia 

Punkte: 8.9 von 10
JOLLY - The Audio Guide To Happiness (Part 1)
InsideOut Music/EMI
Das zweite Werk von Jolly, "The Audio Guide To Happiness" (was für ein crazy Titel), geht musikalisch dort weiter, wo das Debut "Forty Six Minutes, Twelve Seconds Of Music" (auch nicht grade besser) aufgehört hat. Jolly schöpfen ihren musikalischen Reiz aus Kontrasten. Man wechselt von aggressiven Progressive Metal-Attacken zu fast schon radiotauglichen Art/Progressive Rock-Songs über stampfende Metalsongs zu Songs mit starker Neo Prog-Schlagseite. Sphärische Balladen lösen elektronische Einflüsse ab wie bei "Still A Dream", TAGTH lebt von einer enormen Vielseitigkeit, die es dem Zuhörer nicht grade leicht macht, das Ganze zu versehen, aber genau das reizt mich zum Beispiel an solchen Bands. Es braucht Zeit, zu verstehen, was Jolly hier ausdrücken wollen, und genau das ist das Interessante an solchen Alben, nur konsumieren ist doch mehr als langweilig. Jolly bieten uns hier die Gelegenheit, durch ihre anspruchsvolle Musik die eingerosteten Gehirnzellen wieder zu aktivieren (sofern sie noch da sind) und dieses starke Hörerlebnis auf sich wirken zu lassen. Übrigens meldet uns am Ende des Album eine sympathische Frauenstimme noch "Please insert disc two". Diese Geschichte wird also definitiv weitergehen, freuen wir uns drauf.
Crazy Beat 

Punkte: 8.9 von 10
IMAGES OF EDEN - Rebuilding The Ruins
Nightmare Records/Non Stop Music
"Rebuilding The Ruins" ist bereits das dritte Album der Progressive Metal-Band um Mastermind Gitarrist Sänger und Songschreiber Gordon Tittsworth, der auch der Gründer von Images Of Eden ist. Gordons Gesang erinnert etwas an Geoff Tate, und auch in der Musik kann man doch ab und zu einige Queensr˙che-Parallelen finden, allerdings eher in deren Frühphase. Ebenfalls hört man hie und da ein bisschen Fates Warning oder Psychotic Waltz. Geproggt wird auf hohem Niveau, die Herrschaften verstehen ihre Instrumente zu bedienen. Der Sound ist sehr lebendig und abwechslungsreich, harte Gitarenriffs dominieren oft, werden aber immer wieder von melodiösen Soli, schönen Gesangsparts und Chören unterbrochen. Keys und Synthies halten sich, ausser bei den ruhigeren Parts, grösstenteils im Hintergrund, nur ab und zu schiebt sich ein kurzes Solo in den Vordergrund. Gordons variable Stimme tut dem Album gut und sorgt durchgehend dafür, dass die Songs spannend und lebendig bleiben. Auch der ruhige Song "Dream Unbroken" mit ziemlich deutlichen Quennsr˙che-Chören und Tate-Ähnlichkeit kann überzeugen, ja gehört für mich sogar zu den besten Titeln dieses Rundlings. Die Amis bieten hier dreiundsiebzig Minuten und neununddreissig Sekunden edelsten Progressive Metal, der es verdient hat, angehört zu werden.
Crazy Beat

Punkte: 8.8 von 10
CLANDESTINE – The Invalid
Nightmare Records/Non Stop Music
So, mal im Wörterbuch nachschauen, was denn der Bandname so zu bedeuten hat: Es ist ein Adjektiv und bezeichnet unter anderem, dass etwas geheim, verborgen, versteckt oder verborgen ist. Gut, braucht man nicht unbedingt zu wissen, aber im Bezug auf die Band könnte man dies so auslegen: Hier wird angedeutet, dass im Sound und in den Texten mehr drinsteckt, als es auf den ersten Blick scheint. Dies kann man definitiv so sehen, denn die 4 Amis mit der asiatisch aussehenden Frontfrau June Park würden das Klischee einer neuzeitigen 08/15-female fronted-Rock/Metal-Truppe wunderbar erfüllen, und alle Kiddie-Zimmer wären mit den Konterfeis vollgepflastert. Gut, dass dem nicht so ist, denn der Sound richtet sich nun wirklich nicht an die schnell-lebige Gesellschaft des Fast Foods, hier kann zwar von Anfang an wunderbar in die rockig-harten Soundstrukturen eingetaucht werden, aber all die Feinheiten, die kleinen Spielereien mit elektronischen Soundfetzen, die machen die Mucke erst richtig interessant – zumal sie nicht permanent im Vordergrund sind, was ebenfalls ein grosses Plus darstellt. June singt sowohl weiblich als auch kraftvoll, röhrt zwischendurch ordentlich und growlt sogar sehr verständlich. Gleichzeitig packt sie es, im zerbrechlichen Bereich zu singen, ohne gleich auf den Pathos-Tränen auszurutschen, was ja so viele Bands bestens beherrschen. Man könnte es so sehen, dass Clandestine eine Art von modernem Rock/Metal spielen, diesen mit elektronischen Details aufpeppen und auch sonst einfach in den Allerwertesten treten. Dass die Atmosphäre dabei sowohl pushend wie auch düster ist, kann ebenfalls positiv gewertet werden. Allerdings muss gesagt sein, dass diese Art von Musik nicht zwingend von Anfang an auf offene Ohren stossen wird und man schnell versucht ist, Clandestine in eine beliebige Schublade zu stecken. Man muss sich also schon Zeit nehmen, und das Klandestine, das Verborgene entdecken und dies auch wollen, dann erkennt man schnell, dass die Jungs und das Mädel mehr können, als ‚nur’ ordentlich zu rocken. Für ein Debut eine absolute Hammerarbeit, viel Abwechslung, gute Abmischung und auch sonst praktisch nix zu meckern – ich bin mehr als nur erfreut!
Toby S. 

Punkte: 8.5 von 10
SUNUTHAR – Us auter Zyt
Non Stop Music
Sunuthar wurde 2007 von Simon Müller gegründet. Viele kennen ihn wahrscheinlich noch aus den Jahren bei Excelsis. Aus privaten Gründen hat Simu aber 2008 die Band verlassen und das Ein-Mann-Projekt Sunuthar ins Leben gerufen. In den letzten drei Jahren sind nun 11 Songs entstanden. "Us auter Zyt" befasst sich hauptsächlich mit Mythen und Sagen der Schweizer Geschichte. So werden auch viele Songs auf Berndeutsch gesungen, was natürlich hervorragend passt. "Us auter Zyt" ist musikalisch in den Epic/Folk Metal einzuordnen. Man merkt genau den Einfluss und die Erfahrungen, die Simu mit Excelsis gemacht hat. Gerade wenn es um die Schweizer Geschichte geht oder auch um die Songs mit Flöten und Akkordeon-Klängen aufzupeppen. Alle Instrumente wurden von Simu selber eingespielt und er hat sich auch gleich dem Gesang angenommen. Simu ist wahrlich nicht der beste Sänger, macht seine Arbeit aber ganz ordentlich und ist auch sehr variabel. Nebst vielen Cleanvocals gibt's Growls oder auch Gekeife. Die Songs sind sehr abwechslungsreich. Mal schnell mit sattem Double Base wie bei "The Dragon's Rage", mal Mid Tempo "Schatz us Goud", aber auch sehr episch wie der Titeltrack "Us auter Zyt" oder "Im Waud". Simu hat ein gutes Händchen für eingängige Melodien, und bei über 60 Minuten Spielzeit wird es nie langweilig. Simu hat mit Sunuthar ein tolles Projekt gegründet. Es ist absolut ein gutes Debut, und auch die Produktion stimmt. Es ist nicht immer ganz ausgereift, aber das sei hier verziehen. Mehrmaliges Durchhören lohnt sich auf alle Fälle. Weiter so, Simu!
Timo K.
 
Punkte: 8.5 von 10
BILLION DOLLAR BABIES – Die For Diamonds
Pure Rock Records/Non Stop Music
Rock'n'Roll! Wer sich einen weiteren Schuss dieser Droge setzen möchte, findet mit Die For Diamonds genau den richtigen Stoff. Denn die Billion Dollar Babies zelebrieren den Rock'n'Roll in Reinkultur, ohne altbacken zu klingen. Dies liegt vielleicht daran, dass sie sich trotz klarer, stilistischer Grenzen nicht einengen lassen. Den Wiederspruch lösen die Schweden mit einzelnen Bläsern, Saxophonen und gelegentlicher stärkerer Betonung des Hard Rocks auf. Wer hier Mötley Crüe raushört, hat sicher keine Pflaumen in den Ohren. Auch The Quireboys (vor allem bei "Right On Time") oder in den ruhigeren Momenten Glen Hughes schimmern immer wieder durch. Die Billion Dollar Babies stehen für wilde Partys, sündige Nächte und massiv Energie. Die Band konnte bereits vor ihrem Debut-Album am Sweden Rock spielen. Songs wie "Nineteen Ninety Four", "Boys Night Out", "We Don't Live Forever", Lose It" und "Highest Mountain” geben den Veranstaltern Recht. Allerdings haben sich mit "Restless Minds” und "Stand Your Ground” auch zwei Langweiler eingeschlichen, welche die Freude etwas trüben. Der Rest der 10 Lieder liegt irgendwo zwischen den High- und Downlights. Wer also wieder einmal einen Abend zu gutem Sleaze-Rock durchshaken möchte, ist mit diesem wilden Album gut bedient.
Roger W.

Punkte: 8.5 von 10
REVOLT – Bloodventure
Dr. Music Records
Die 4 Wolfsburger von Revolt bringen mit "Bloodventure" ihr Erstlingswerk auf den Markt. Schon alleine mit dem Cover wird die Richtung klar angedeutet. Der gehörnte Teufel frisst ein blutendes Herz. Und so kriegen wir dann auch 40 Minuten wahren Death/Trash zu hören. Die Wolfsburger gehen kompromisslos zur Sache und schmettern uns die 11 Trash-Songs auf direktem Weg in die Gehörgänge. Zeit zum Verschnaufen bleibt kaum. Es handelt sich bei "Bloodventure" keineswegs nur um ideenloses Gebolze. Nein, Revolt legen trotz der harten Gangart viel Wert auf Melodie und gute Riffs, oder geben sich auch mal sehr groovig wie bei "Devil Inside". Nach dem kurzen Intro geht's dann auch mit "Dead At Dawn" richtig zur Sache. Das Schlagzeug ist präzise, die Gitarren kreischen und Frontsau Marc Baumstark schreit sich warm. Noch eine Spur schneller und heftiger sind danach die folgenden "Born To Meet The Devil" oder "Exit Life... Reborn In Hell". Der Gesang von Marc Baumstark ist eher untypisch für Trash. Grösstenteils ist er sehr derb, böse und aggressiv. Der Einschlag zum Death Metal kommt somit stark zur Geltung. Der Mix und das Mastering ist für dieses Debut-Album wirklich sehr gut. Das musikalische Talent von Revolt und die Ambitionen, mit denen sie allen erfolgreichen Trash-Bands einen Arschtritt verpassen wollen, ist absolut da. Alle deftigen Trash-Fans können hier bedenkenlos zugreifen. Der Rest sollte sich vielleicht warm anziehen und sich überraschen lassen.
Timo K.

Punkte: 8.5 von 10
NOVEMBER-7 – Season3
Daily Rock Records
Emotive Metal aus der Schweiz?! Das hat mich natürlich neugierig gemacht... Voll optimistischer Erwartung lege ich den Silberling ein, und was hören meine zarten Ohren da? Richtig guten Symphonic/Gothic Metal, der unter die Haut geht! Tolle Kompositionen und eine geniale Frontfrau machen dieses Debutalbum zu einem richtigen Genuss. Vergleichbar mit Die Happy oder auch Juliette Lewis und Halestorm reihen sich November 7 damit in eine Linie ein mit den besten female fronted bands des Genres. Doch neben der Stimme vermögen auch die Gitarreneinlagen von Stéphan Geiser und Matt Walters zu begeistern (speziell in "In My Mind"). Bleibt nur zu hoffen, dass im nächsten Album etwas mehr dieser Gtarren-Soli auf dem Programm stehen. Auch die elektronischen Elemente passen, das ganze Konzept geht auf. Die Platte birgt eine schöne Mischung zwischen Balladen ("Nowhere") und härteren Rocksongs und wirkt deshalb auch keinen Moment langweilig. Die Bezeichnung Emotive Metal verspricht grosses Gefühlskino, und genau das ist es auch: Aber nicht kitschig-weinerlich und pompös verpackt, wie man es bei so einer Genre-Bezeichnung vielleicht erwarten könnte, sondern die Emotionen werden hier selbstbewusst und frech in eingängige Melodien eingebettet, die zum Mitwippen inspirieren. Nach 2 veröffentlichten EPs und einer Live-CD/DVD bringen November-7 mit "Season3" ihr erstes richtiges Album raus, und es wird bestimmt nicht das Letzte sein. Denn spätestens jetzt dürfte allen klar sein, dass hier eine wirklich talentierte Band mit viel Potential den Weg ins Studio gefunden hat.
Patricia 

Punkte: 8.4 von 10
..AND YOU WILL KNOW US BY THE TRAIL OF DEAD -
Tao Of The Dead
Superball Music/Musikvertrieb
Rush-Fans sollten aufhorchen, denn hier haben sie die Möglichkeit, sich die Wartezeit auf das neue Werk der Kanadier zu verkürzen. Die aus Austin, Texas, stammenden Jungs mit dem endlos langen Bandnamen bringen mit ihrem mittlererweile siebtem Werk "Tao Of The Dead" tollen Progressive Rock, beeinflusst aus den 70ern, und wie in der Einleitung gesagt eine Menge guter, nicht böse kopierter Rusheinflüsse. Die vier Jungs schreiten mit ihrem Sound atmosphärisch schon fast wie Pink Floyd vor, haben die Progressivität von den erwähnten Göttern Rush und den Groove von Steppenwolf. Man höre nur den überlangen Track "Tao Of The Dead Part Two", wo man das ganze Können der Jungs präsentiert kriegt, in voller Länge an und man schwebt in eine Traumwelt davon, wo man sicht sehr wohl fühlt und nicht mehr in diese stressige Welt zurückkehren möchte. Nein nein, ich hebe nicht ab und bin bei vollem Verstand, nur ist das hier verdammt coole Musik und es sollte mehr davon geben. Als beinharter Rushfan gefallen mir die Amis gut, jeder Prog-Fan sollte sich mal hineinloggen und sich eine Meinung bilden von dem Schaffen dieser tollen Band.
Daniel J. 

Punkte: 8.4 von 10
DRAVEN - Mirror
Fastball Music/Musikvertrieb
Hier gibt's was auf die Löffel, so steht's im Infoblatt der Schweizer Band Draven. Na ja, härtemässig sind wir uns ja schon einiges gewöhnt, daher sind die Löffel aus Stahl. Also rein in das Vergnügen, und siehe da, härtetechnisch ist man eher im radiotauglichen Fahrwasser, will heissen: Das Duo Tek und Syn (grandiose Namen) hämmern uns gnadenlose Melodien um die zarten Löffel, so dass man recht schnell mit den Songs ins Reine kommt. Ja ihr habt richtig gelesen, die Band besteht aus zwei Typen im Moment, die die Scheibe im Alleingang Komponiert haben und sich für Liveauftritte Musiker anmieten. Der Nu Metal, wenn man das so stehen lassen kann, ich würde eher auf harten, modernen Rock tippen, ist wirklich gut arrangiert und von Tommy Vetterli super produziert worden. Wirklich, die Aufnahme hat mich schier vom Sockel gehauen, denn wenn's um die Produktion geht, kann ich ziemlich heikel sein. Also, die 11 Songs fangen ziemlich melodiös an und steigern sich dann in der zweiten Hälfte der Scheibe härtemassig um ein paar Grade. Leute, wenn ihr modernen Rock mit viel Melodie und einer mirakulösen Produktion liebt, seid ihr mit Draven gut bedient. Probiert mal beim Austausch von Körperflüssigkeiten im heimischen Schlafzimmer "Mirror" als Hintergrund laufen zu lassen, ihr seht dann schnell, ob die Ambiance steigt oder am Kippen ist. Das kann ein Test sein für die Scheibe, ob sie gut rüberkommt oder aus dem Fenster fliegt. Fifty fifty!
Daniel J.
  
Punkte: 8.2 von 10
ONE MAN ARMY & THE UNDEAD QUARTET - The Dark Epic
Massacre Records/Musikvertrieb
Die Einmann-Armee gehört seit ihrer Gründung zu der Sorte Bands, die ich eigentlich gut finden möchte, die es mir aber gegenteilig einfach schwer machen, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Denn Johan Lindstrand hatte während seiner Zeit mit The Crown nicht nur eine der göttlichsten Stimmen des Death Metal zur Verfügung, sondern deckte auch lyrisch hervorragend meine persönlichen Metal-Vorlieben ab. Seine aktuelle Hintermannschaft besteht einmal mehr aus durchwegs kompetenten Muckern, die den interpretierten, abwechslungsreichen, melodischen Schwedentod mit ein paar netten Stilwildereien bis hin ins Progressive aufpeppen, aber meinem Empfinden nach den Spagat zwischen (böse gesagt) Hintergrundmusik und eigenständigem Songwriting nur bedingt schaffen. An dem ist aber auch die etwas zu polierte Produktion nicht ganz unschuldig, da vor allem der mittlerweile gezähmte Gesang recht breit in den Vordergrund gemischt wurde und allgemein ein paar Ecken und Kanten dem Gesamtbild sehr gut getan hätten. Nicht, dass die Army schlechte Songs eingespielt hätte, im Gegenteil. Vor allem die zweite Hälfte des Albums hat ein paar schöne "Aaah" und "Ohhh"-Momente, meine Aufmerksamkeitsspanne auf ein Durchhören des Albums am Stück zu strecken misslang jedoch trotzdem. Man muss für die Details kämpfen und die neun Titel mit der Zeit zu schätzen wissen, eine Liebe auf den ersten Riff findet man hier aber (wieder einmal) nicht. Nichts desto Trotz eine intelligente Platte mit einem coolen Artwork, die es sich allemal zu entdecken lohnen könnte. Reinhören.
Hardy  

Punkte:
8.0 von 10
BLOODBOUND – Unholy Cross
AFM Records/Musikvertrieb
Damit wir gleich klaren Tisch haben: Dieses Album beginnt mit einem gehauchten "Bang Your Head"! Noch Fragen? Denn Bloodbound aus Schweden zelebrieren genau das, was man mit dieser Wortkombination in Verbindung bringt: Heavy Metal. Dabei scheint dieses Album aus einem musikalischen Kochbuch entstanden zu sein. Man nehme eine grosse Portion HammerFall für Chöre, Refrains, und Strophen und rühre einmal kräftig durch. Anschliessend giesse man einige Doppelleads und andere Gitarren-Soli aus einer grossen Packung Helloween dazu und schmecke es mit einer anständigen Portion Edguy ab. Und Voilà, fertig haben wir ein hochwertiges Power/Heavy Metal-Album! Klingt einfach, ist es aber nicht. Denn wie bei einem richtigen Kochrezept ist es nicht die Anleitung, die das Menu zubereitet, sondern der Koch. Und hier scheinen die Schweden ein glückliches Händchen zu haben. Denn "Unholy Cross" schmeckt, und dies, obwohl die einzelnen Zutaten klar hörbar sind. Dies stört aber höchstens bei der Punkte-Vergabe dieser CD-Kritik. Heavy Metal-Fans kriegen hier genau das, was sie wollen. Oder mit Spaghetti Bolognese verglichen: Wenn ich Lust auf dieses Menu habe, möchte ich dieses auch erhalten, ganz egal, wer's zubereitet hat. Ob's damit aber zum herausragenden Meisterkoch reicht, ist eine ganz andere Frage. Fazit: "Unholy Cross" ist ein gutes, aber kein herausragendes Album, wird aber die Fans der genannten Bands wohl kaum enttäuschen.
Roger W.
  
Punkte:
8.0 von 10
NEW YORK DOLLS – Dancing Backwards In High Heels
Global Music Group/Musikvertrieb
Die New York Dolls sind zweifellos eine der legendärsten Bands überhaupt. Der Grund: Die Truppe ist gleich für zwei wichtige Unterarten des Rock'n'Roll der Vorreiter, Punk und Glam. Wer weiss, ob es ohne die Dolls Bands wie die Ramones, die UK Subs, The Clash, Hanoi Rocks, Mötley Crüe oder Guns'n'Roses jemals in der bekannten Form gegeben hätte. Doch die Zeiten, als sich die damalige Szene im CBGB traf, sind längst vorbei. Auch Sänger David Johansen und Gitarrist Sylvain Sylvain sind 40 Jahre älter geworden. Die Überraschung war dementsprechend gross, als vor fünf Jahren die Jungs wieder auftauchten und mit einem neuen Studioalbum auf der Matte standen. Schuld an der Reunion war Morrissey, der so nebenbei Leiter des Fanclubs war. Erstaunlich war aber auch die Klasse des neuen Outputs. Als sei die Zeit in den frühen 70ern stehen geblieben, führten die Dolls ihr Schaffen fort. Bereits drei Jahre später erschien die nächste Scheibe. Weitere zwei Jahre später wird nun "Dancing Backwards In High Heels" auf die Glam- und Punk-Gemeinde losgelassen. Gemäss Sylvain handelt es sich um die besten Songs ever. Da scheint dem Mann aber der nötige Abstand noch zu fehlen. Denn genau dies ist der Schwachpunkt des Werkes. Einige Tracks bewegen sich durchaus im gewohnten Dolls-Stil und sind dementsprechend kritiklos gut. Doch der eine oder andere Song verursacht Stirnrunzeln. Die Truppe hat sich zeitweise in die 60er verirrt. Dabei adaptieren sie Swing, klingen manchmal wie die Beach Boys und stellen Blasinstrumente in den Mittelpunkt. Doch das bedeutet keineswegs, dass das Album dadurch schlecht ist. Im Gegenteil, unglaublich, wie die Herren Johansen und Sylvain, zusammen mit original Blondie-Gitarrist Frank Infante, mit viel Charm ihr Charisma versprühen.Der Limited Edition wurde zusätzlich eine DVD beigefügt, mit diversen Studio- und Live-aufnahmen, die fast eine Stunde lang für beste Unterhaltung sorgt. "Dancing Backwards In High Heels" ist mit Sicherheit ein cooles Album, aber für Freunde des gewohnten Punk und Glam gewöhnungsbedürftig.
Chris C.
 
Punkte:
8.0 von 10
TRIAL OFF - The Curtain
Eigenvertrieb
Ein Sozialpädagoge, der Psychologe, ein Toningenieur und last but not least ein Informatiker, au Mann, da kommt Unheil auf uns zu. Nicht Unheil im negativen Sinn, nein, ihr seht an den Berufen der Jungs von Trial Off: Hier sind studierte Leute am Werk, und das hört mann dann auch im Sound. Bon Jovi kann man von dem intelektuellen Background der Musiker nicht verlangen, nein vielmehr ist es ein Mix aus Punk, Alternative, Funk, Rock und Grunge ihr seht, es ist verdammt schwierig, die Jungs zu schubladisieren. Wenn man das so stehen lassen kann, ist es das grösste Kompliment für eine Band, wenn der Schreiber dieser Zeilen seine liebe Mühe hat, den Sound von Trial Off den Leseren darzulegen. Die verschiedenen Rhythmuswechseln von hart auf zart mit einem sehr hohen Level an musikalischem Können der Band zeugt auch hier von der Klasse von Trial Off. Man findet sechs Songs, die alle sehr abwechslungsreich sind, aber nie zu sehr ins Progressive hineintauchen, als dass man es von dieser musikalischen Klasse erwarten könnte. Ich bin hoch entzückt, aber auch möchte ich nicht alle Monate Bands wie Trial Off rezensieren, das wäre zu sehr anstrengend. Leute der offenen Musikszene, die ohne Scheuklappen über das Land marschieren und über den berümten Tellerrand schauen, hier müsst (!) ihr mal hineinschauen, auf der Webseite der Band gibt es genügend Songs zum Testen. Musik für Kenner und Geniesser!
Daniel J.
  
Punkte:
8.0 von 10
BENIGHTED – Asylum Cave
Season Of Mist
/Irascible
Wie schon bereits bei anderen Reviews erwähnt ist Brutal-Death absolut nicht mein Ding. Dennoch muss ich zugestehen, dass Benighted einer der Vertreter dieses Genres ist, welcher durchaus interessant, abwechslungsreich und sogar ab und zu melodisch zu Gange ist. Musikalisch und technisch über jeden Zweifel erhaben, fegt "Asylum Cage", das neue Album der Franzosen so ziemlich alles weg, was sich im Brutal-Death-Teich tummelt. Irgendwie schaffen es Benighted aber, gute und nachvollziehbare Songs zu schreiben, von welchen einige doch nach Hörgenuss noch in der Erinnerung hängen geblieben sind. Und dies ist nun doch eine Kunst, angesichts der Extreme, welche hier vertreten ist: Ultrabrutale, tiefe und unverständliche Vocals, Schweinequieken usw., alles, was so dazu gehört. Alles Standards, also nicht unbedingt herausragend. Blastbeats, auch normal für diesen Stilbereich, aber was den Unterschied wohl ausmacht, ist die Tatsache, dass die Rhythmen sehr abwechslungsreich, ja zum Teil sogar rockig daherkommen und die Gitarren hin und wieder sehr ansprechende, auflockernde Harmoniebögen einstreuen, ohne die kompromisslose Härte dabei zu vermindern. Well done boys, trés bien. Brutaler Stoff mit Anspruch und sicherlich NICHT belanglos, so wie der Grossteil der erwähnten, standardisierten Stilrichtung. Für alle Genrefans und alle, die es brutal und heftig brauchen, ist hier ein Reinhören sehr, sehr zu empfehlen.
Ralf W.G. 
Punkte:
8.0 von 10
CHINA – Light Up The Dark (Re-Release)
Metal Heaven/Non Stop Music
15 Jahre nach dem letzten Studioalbum erschien das Reunion-Album ende Januar letzten Jahres. Wer nun denkt, die Winterthurer Truppe leide an einem Kreativitätsanfall, muss leider enttäuscht werden. Das vorliegende Werk "Light Up The Dark" ist das Selbe, das seit rund einem Jahr die Fans von coolem Hard Rock erfreut. Durch die Qualität und die Klasse des Outputs wird nun den China-Fans europaweit ermöglicht, an die Scheibe heranzukommen. Die Neuauflage wird auch als Special Edition mit drei zusätzlichen Tracks erhältlich sein, darunter "Bad Case Of Loving You", im Original von UFO. Wer es bis jetzt also versäumt hat, die Scheibe käuflich zu erwerben, hat einen zusätzlichen Grund, dies schleunigst nachzuholen. Das starke Werk wurde bereits vor Jahresfrist an dieser Stelle ausführlich von meiner Kollegin Joey besprochen. Ihrer objektiven Meinung kann ich mich nur anschliessen. Nicht zuletzt auch durch die Live-Präsentation der neuen Songs ist diese Platzierung mehr als gerechtfertigt.
Chris C. 

Punkte: keine Wertung
X-ING - Crossing The Universe
Twilight/Non Stop Music

4 Jahre haben sich X-Ing Zeit gelassen, um ihr neues Album zu kreieren. Und rausgekommen ist ein sehr vielseitiges Werk, das viele musikalische Bereiche abdeckt. Die Bandbreite reicht von melodiösen Rock-Songs wie "Walk Of Fame" über das Metal-orientierte, etwas an Faith No More erinnernde "Once Again" bis zum AOR-lastigen "Fallen From The Angel" sowie starke Prog-Nummern wie "Hope Behind My Eyes". So rockt man quer durch das ganze Album auf hohem Niveau, ohne langweilig zu werden. Grossen Wert scheinen die Deutschen auf Melodie zu legen, und das bringt hier Sänger Thommy Keller toll rüber mit seiner sehr variablen, melodiösen, angenehmen Stimme. Die Songs wirken gereift, man merkt, dass sich die Band viel Zeit genommen hat im Studio, alles kommt aus einem Guss, egal ob die tollen Chöre, die klasse Gitarrenarbeit, Bass und Drums, alles passt und macht Spass beim Anhören. "Crossing The Universe" ist ein tolles, abwechslungsreiches Album geworden, das durch seine Vielseitigkeit glänzt und auch bei mehrmaligem Durchhören noch Neues offenbart und keinesfalls langweilig wird, klasse Teil.
Crazy Beat 
Punkte: 7.9 von 10
CAVALERA CONSPIRACY - Blunt Force Trauma
Roadrunner Records/Musikvertrieb
Drei Jahre nach dem Debüt «Inflikted» treffen die Cavalera-Brüder Max und Igor wieder zusammen und stimmmen alle Fans, die sich seit Jahren die Reunion von Sepultura im alten Lineup (Cavalera/Kisser/Pinto/Cavalera) sehnlichst herbei wünschen, wieder etwas milde. Im stilistischen Gemenge der gemeinsamen Wurzeln und dem, was Max schon seit ein paar Jahren und mit einigem Erfolg bei/mit Soulfly durchzieht, prügeln sich die Jungs mit zehn neuen Songs durch recht knappe 35 Minuten hindurch, die weitgehend thrashig ausgerichtet sind, aber, wie im Fall von «Killing Inside», «I Speak Hate», «Target» oder «Genghis Khan» durchaus auch recht groovig daher kommen. Bei «Lynch Mob» singt, wenn mich meine Ohren nicht täuschen, Matt Barlow von Iced Earth mit. Zwischendurch, wie bei «Thrasher» (was für ein treffender Songtitel!), klingt es dann halt einfach nach Machine Head. Gitarrist Marc Rizzo, der sonst für Soulfy in die Saiten haut, hinterlässt hier und da einige melodische Momente sowie geile Soli, die man sonst (bei Soulfly oder auch dem, was heute als Sepultura unterwegs ist) nicht so oft bis gar nie hört. Mörderisches Geballer à la «Rasputin» zeigt dann unmissverständlich auf, wo der technische Hammer hängt. Zusammen mit einer ganz ordentlichen Produktion erhalten aufgeschlosssene Thrash-Fans weiteres Kraftfutter für ihre CD-Player. Leider ist das Ganze insgesamt etwas gar kurz geraten und darum über alles gesehen zu mager. Da aber die Qualität stimmt, können alte wie neue Sepultura und Soulfy Anhänger mit «Blunt Force Trauma» eigentlich nichts falsch machen. Als Support hätten Cavalera Conspiracy allerdings den unter Umständen interessanten Vorteil, dass sie ihr neues Werk gleich am Stück runter hobeln könnten, da das Zeitalter der standardmässigen, 45-minütigen Anheizer-Shows schon eine ganze Weile der Vergangenheit angehört.
Rockslave  

Punkte: 7.7 von 10
CYCLE OF PAIN - Cycle Of Pain
Metalville/Musikvertrieb
Manchmal werden Träume wahr! Black Label Society-Bassist John J.D. DeServio hat sich mit den Kumpels ein Album aufgenommen, mit denen er bereits als 15 Jähriger Lieder von den Scorpions, Iron Maiden und Black Sabbath nachgespielt hat. Herausgekommen ist eine Scheibe, die das Prädikat 'künstlerisch Wertvoll' verdient. Denn Cycle Of Pain präsentieren sich erstaunlich Scheuklappen-frei. Hier wird der doomige Heavy Metal auch mal mit Piano-Klängen ergänzt oder in bester "Run DMC feat. Aerosmith"-Manie gerifft-gerappt. Zum Gelingen tragen zahlreiche Gäste frei, die DeServio in seiner langen Karriere kennenlernen durfte. Ob die Abwechslung wohl von daher kommt? Schade ist nur, dass der Grundsound der Platte derart erdig verzerrt ist, dass ich bis heute nicht rausgehört habe, welches Lied nun vom Ausnahme-Sänger Russel Allen (Symphony X) eingeträllert wurde. Gerade bei "I See Heaven" hätte ich mir einen klareren Sound gewünscht. "Purgle" schallt sogar selbst dann übersteuert aus den Boxen, wenn man die Lautstarke auf die leiseste Stufe setzt. "Cycle Of Pain" klingt weitgehend wie durch Nebel: verschwommen und unfassbar. Das Potential der Lieder und die Leidenschaft der Musiker sind trotzdem spürbar, auch wenn Ohrwürmer gänzlich fehlen. So bleibt ein ambitioniertes Album, welches sich eigentlich nur selbst im Weg steht. Aber vielleicht steht die Band ja genau auf diesen CD-Sound. Geschmäcker sind eben verschieden. Und wer bis zum Schluss zuhört, findet als Hidden Track noch ein lustiges Piano-Gesang-Liedchen. Der Spass ist also da, und der sollte auf Doomfreunde ansteckend sein.
Roger W. 

Punkte: 7.7 von 10
PURGATORY - Necromantaeon
War Anthem Records
Old School-Death Metal aus deutschen Landen. Immer schön auf die zwölf, Melodien, die man an einer Hand abzählen kann und genretechnisch gut produziert... Theoretisch könnte das Review noch mit einer tagesabhängigen Punktzahl versehen werden und hier fertig sein. Was mir aber an "Necromantaeon" speziell gefällt und deshalb auch erwähnt werden soll, sind erstens die brutalen und doch abwechslungsreich dargebotenen Kellergrowls, die mich im positivstens Sinne an einen diabolischeren (!) Glenn Benton erinnern und gut unter die Haut gehen. Zweitens, dass "Old School" hier nicht nur eine informative Stilbezeichnungsfloskel darstellt, sondern die Einstellung und Spiritualität der Band zur Szene mit Bravour repräsentiert. Und wenn man drittens noch erfährt, dass der Fünfer offiziell schon anno 1993 gegründet wurde, nimmt man der Band auch ab, was sie machen und wie sie es machen. Sofern man auf die alte Schule steht, solltet ihr euch schon mal den Namen Purgatory notieren, denn nach "Necromantaeon" werden sich ein paar sogenannte Genregrössen warm anziehen müssen.
Hardy  

Punkte: 7.5 von 10
EDEN'S CURSE – Trinity
AFM Records/Musikvertrieb
Eden's Curse's-Musik mag zu begeistern. Denn wohl nur so ist zu erklären, dass mit Helloween‘s Andy Deris und Dream Theater's James LaBrie gleich zwei etablierte Sänger hier ihr Gastspiel geben. Letzterer bekennt sich gar als waschechter Fan. Und tatsächlich gelingt Eden's Curse ein Melodic Metal-Album mit guter Hard Rock-Schlagseite. Wer aber bei diesen Gastsängern eine Mischung aus Prog und Power Metal sucht, liegt definitiv falsch. Wie auf früheren Alben klingt die Stimme des Namensgebers Michael Eden immer noch eher weinerlich, kindlich und kitschig. Diesmal schafft er es aber, seine Stimme so einzusetzen, dass sie bis zum Ende nicht nervt. Mal mit schnelleren, Gitarren-Riff-betonten Liedern ("Can't Fool The Devil", "Dare To Be Different"), dann wieder gemütlich losstampfend ("Trinity", "Rivers Of Destiny") oder leicht balladesk hymnisch ("Guardian Angel") versteht es die Band, die Spannung bis zum Ende der Scheibe zu halten. "Trinity" wird trotzdem nie zu meinen Lieblings-CDs gehören, denn dafür schrammt sie zu weit an meiner Seele vorbei. Sie zeigt aber ein gewisses Niveau, welches durch die Stimme mit Eigenständigkeit versehen wird. Fans gepflegter, melodischer Klänge werden kaum enttäuscht sein.
Roger W. 

Punkte: 7.5 von 10
DARKEST HOUR - The Human Romance
Century Media/EMI
Das Quintett aus Washington D.C. hatte ich bis anhin eigentlich nie gross beachtet, was sich spätestens bei ihrem Gig im Kiff in Aarau im Jahr 2009 als grosser Fehler herausstellte. Die Band konnte für ihre Groovemasche trotz fortgeschrittener Stunde und dem bereits ordentlich beschallten Publikum fett Punkte einsammeln, und insgeheim notierte ich mir Darkest Hour für eine spätere Begegnung. 'The Human Romance' personifiziert nun dieses Wiedersehen, doch die Überraschung gleich zu Beginn: Anstatt die rotzigen Elemente, die mir beim Gig so schön hängengeblieben sind, auszubauen, hat die Band einen schmerzenden Schritt richtung Einheitsbrei gemacht - 'The Human Romance' wurde interessanterweise von Soilwork-Mastermind Peter Wichers produziert, was wohl Einiges erklärt. Glücklicherweise kriegt die Band dank überbordender Motivation die grösste Strecke über doch noch das Kunstwerk hin, die Platte in eine etwas ambitioniertere Richtung zu schieben – Aber dennoch: Vieles des Songmaterials hätte ich so mit verbundenen Augen auch anderen Formationen zugeordnet. Richtig grosse Moment gibt's dann auch nicht bei den Riffmonstern (Wovon es auf dieser Platte definitiv mehr als genug hat), sondern vor allem bei'm Instrumental 'Terra Solaris' an zweitletzter Stelle. Hier geben Darkest Hour die ganze Palette ihres Könnens durch, und schaffen dies im Angesicht der 8.5 Minuten überraschend homogen. Dabei sollte ich eventuell noch kurz erwähnen, dass ich definitiv kein Problem mit John Henry's Vocals habe - Im Gegenteil: Der gute verpasst der Platte den optimalen Touch, ist aber leider auf dem mächtigsten Track überhaupt nicht vertreten. Schade. Alles in allem eine äusserst solide und geschmackvolle Platte, aber trotz, oder vielleicht genau deswegen zu bedacht.
El Muerte
 
Punkte: 7.5 von 10
DORNENREICH – Flammentriebe
Prophecy Productions/Non Stop Music
Ich habe den Werdegang der deutschen Avantgardisten nicht aktiv verfolgt, weiss aber dennoch um ihre fortschrittliche und innovative Tonkunst. Das neueste Album ist somit die erste bewusste Auseinandersetzung mit der Band, die nun seit Jahren Meilensteine produzieren soll. Schon bei den ersten beiden Tracks wird mir klar, dass die Texte tiefgründiger sind als so manches, und genauso vielschichtig werden sie dargeboten. Von Schreien über Sprechen wird das gesamte Spektrum durchforstet, genauso die restliche musikalische Untermalung. Von Geigen, schnellem Picking bis hin zu doomigen Riffs ist alles vertreten, was zur Unterstützung der Texte dient. Es ist schwierig, ein Lied als Beispiel rauszusuchen, aber der Zufall hat geholfen und "Tief im Land" ergeben. Akustische Gitarren zu Beginn, stampfende Rhythmen, beissende Verzerrungen, das alles wäre schon ganz okay. Aber im Vergleich zu all den nicht durchdachten oder billig dargebotenen Inhalten kann Dornenreich eben an diesem Punkt abheben und sich als überdurchschnittlich bezeichnen lassen. Für Fans von ICE-Drumming, immer gleichen Texten über Kriege, die man nicht erlebt hat oder reproduzierten Satanshymnen wird "Flammentriebe" keinen Reiz haben. Wer aber mit avantgardistischer Musik liebäugelt, kann hier beruhigt ein Ohr riskieren. Ich für meinen Teil werde mir mal ältere Alben zur Gemüte führen.
Tristan  

Punkte: 7.5 von 10
PAUL YOUNG - Chronicles
Escape Music/Non Stop Music
Mike Rutherford, Gitarrist bei Genesis, versuchte sich 1985 ein zweites Standbein aufzubauen und gründete die Band Mike & The Mechanics. Die Alben "Living Years" und "Beggar On A Beach Of Gold" haben es auch in meine CD-Sammlung geschafft. Paul Young war bis zu seinem Lebensende der Frontman dieser Band. Zuvor wurde er durch die 1976 in good old Manchester gegründeten Sad Café bekannt. Paul Young verstarb im Jahre 2000 an einem Herzstillstand. Jetzt hat man entdeckt, dass er in seinem Studio noch ein paar seiner Schätze verborgen hielt, welche man nun ausgegraben hat und auf Platte presste. Übrigens hat dieser Herr hier nichts mit der 80er Pop-Ikone Paul Young zu tun. An "Chronicles" haben eine beachtliche Anzahl an Musiker mitgewirkt, u.a. natürlich Kollegen seiner Bands Mike & The Mechanics und Sad Café. Solche Veröffentlichungen werfen immer die Frage bei mir auf: "Hätte der verstorbene Künstler gewollt, dass die Songs in dieser Form erscheinen?" Immerhin: Schön, dass die Fans davon profitieren können und schön, dass sein Wunsch, ein Solo-Album zu veröffentlichen, nun doch noch erfüllt werden konnte. Meine Lauscher können sich aktuell recht schwer auf 'seichte Töne' einstellen, aber wenn ich mir einen schönen Sonntag Morgen vorstelle, Sonne, frisches Rührei, Kaffee, Brötchen vom Lieblings-Bäcker und "Chronicles" im Hintergrund - das wäre was Gemütliches. Einfach ein schönes Pop/Rock Album.
Liane P.  

Punkte: 7.4 von 10
DIVINEFIRE – Eye Of The Storm
Liljegren Records
Vor sieben Jahren, praktisch als Nebenprojekt der Schweden Narnia gegründet, 2008 zwischenzeitlich aufgelöst und seit 2010 in neuer Formation wiederauferstanden, liefert uns die heilige Dreifaltigkeit Divinefire mit schöner Regelmässigkeit bestes Feinstmetall in der Schnittmenge zwischen symphonischem Pomp, Power und Thrash Metal mit gelegentlich proggigen Einschüben. Interessant an dieser Truppe ist zuerst mal deren Zusammensetzung: So befinden sich in ihr mit Bandgründer Christian Liljegren und dem aus Brasilien stammenden, in Schweden aufgewachsenen Germán Pasqual gleich zwei wirklich erstklassige Sänger, während dem sich der zweite Bandgründer Jani Stefanovic auf "Eye Of The Storm" für Gitarre, Bass, Drums, Orchestrierung und die gelegentlich vorkommenden Growls verantwortlich zeichnet. Etliche Vertreter aus dem Hartwurst-Sektor haben zudem das umtriebige Trio bei der Umsetzung des teilweise recht komplexen Materials unterstützt, und so hinterliessen Pontus Norgren (Hammerfall), CJ Grimmark (Narnia, Rob Rock & Full Force), Thomas Vikström (Therion, Candelmass, 7Days & Mehida), Andreas Passmark (Royal Hunt & Narnia) sowie Markus Sigfridsson (7Days, Harmony & Dark Water) ihre Duftmarken auf der fünften CD von Divinefire. Ich muss sagen, dass der Eingangs erwähnte, vielleicht etwas wirr wirkende Mix überraschend gut funktioniert. Da stört es überhaupt nicht, dass beispielsweise einem relativ brutalen Brett wie "Unchain My Soul" gleich eine epische Power Metal-Nummer wie "Bright Morning Star" folgt. Die Tracks sind allesamt wirklich spannend aufgebaut, brillieren durch schiere Power und Abwechslungsreichtum, und selbst der mittelalterlich angehauchte Song "To Love And Forgive" findet seinen berechtigten Platz inmitten all der kleinen Perlen. Im Grunde genommen ist jeder einzelne Track ein kleines Einod, das in beeindruckender Weise monumental-orchestrale Parts mit schädelspaltenden Riffs, neoklassischen Gitarrensoli und Schwindel erregendem Powerdrumming kombiniert, Dimmu Borgir meets At Vance meets Dream Theater meets Rhapsody Of Fire meets Dragonlord, sozusagen... Einzelne Anspieltipps kann ich beim besten Willen nicht nennen, da wirklich jeder einzelne Song für das steht, was diese Band ausmacht: Ein akustisches Kaleidoskop voller Power und Melodie, das jeden Fan der oben erwähnten Bands begeistern dürfte. Fast hatte ich es vergessen: Divinefire gehören der White Metal-Szene an, ein Umstand, der mich eigentlich nicht interessiert und schon gar nicht stört, solange die Mucke so gut knallt wie auf "Eye Of The Storm".
Mirko B.  

Punkte: 7.4 von 10
FIREBIRD – Double Diamond
Rise Above Records
Manchmal ist weniger eben doch mehr, dies beweisen Firebird mit ihrem nunmehr sechsten Silberling "Double Diamond". Gitarre, Bass, Schlagzeug, dazu der Gesang rau wie ein Dreitagebart, nichts weiter braucht das Trio um Sänger/Gitarrist Bill Steer, der seine Karriere als Klampfer bei Extreme-Bands wie Napalm Death und Carcass begann. Seit den späten 90ern jedoch hat er sich dem klassischen Rock der 80er verschrieben, und auch "Double Diamond" bricht eine Lanze für Hard Rock bzw. AOR zwischen Stadion und Pub, gerade so hart, dass auch Hausfrauen noch Freude daran haben. Flott fröhlich rocken so groovende Tracks wie "Soul Saviour", "Ruined" oder "Bright Eyes" aus den Boxen, verbreiten zwar keine Euphorie, dafür viel unaufgeregte Wohlfühl-Stimmung. Etwas harmlos ist solcher Sound zwar, bildet jedoch gleichzeitig auch einen angenehmen Kontrast zu so oft als nötig befundener Effekthascherei. So nickt man zustimmend zu flott anziehenden "For Crying Out Loud", dem melancholischen "A Wing And A Prayer", dem mit Southern Rock überzogenen "A Pound Of Flesh" oder den, wie es der Name schon erahnen lässt, mit arabischen Skalen ausgestatteten "Arabesque". Dass bei einer solchen Veröffentlichung auch die sentimentalen Klänge nicht fehlen dürfen, versteht sich von selbst, und so wird mit den bluesig balladesken "Farewell" und der Power-Ballade "Pantomime" auch noch was zum Kuscheln geliefert. Aufsehen wird Steer mit "Double Diamond" auf keinen Fall erregen, dazu fehlt der ganzen Scheibe, vielleicht auch wegen der äusserst trockenen Produktion, eindeutig der nötige Biss. Für Fans der genannten Stilrichtungen jedoch sind Firebird definitiv eine Band, der man bei Gelegenheit ein Ohr schenken sollte, wobei die erste Hälfte von "Double Diamond" deutlich mehr zu bieten hat als die Nachfolgende.
Kissi

Punkte: 7.1 von 10
APERION - Act Of Hybris
G.Records
Das waren noch Zeiten, als Metalbands neben dem Schlagzeug nur aus Gitarre und Bass-Gitarre bestanden! Mittlerweile scheint es der Trend zu sein, möglichst ungewöhnliche Instrumente mit einzubringen, um aus der Masse herauszustechen. Violine und Cello kennt man ja unterdessen von Bands wie der Letzten Instanz oder Apocalyptica, doch Aperion treiben das Ganze auf die Spitze und haben zusätzlich zu den Streichern noch eine Flöte und ein Didgeridoo mit im Gepäck – also ein ziemlich exotisches Mini-Orchester! Unterstützt wird diese gemischte Combo durch Sängerin Zala Hodnik, die mit einem stimmgewaltigen Sopran glänzt, der jede Operettensängerin neidisch nach Luft schnappen lässt. Die Slowenen vereinen klassische Elemente und Metal, driften allerdings manchmal für meinen Geschmack etwas zu weit weg von der Stahlmusik und verlieren sich in folkloristischen Zwischenspielen. Den Stil könnte man wohl als Symphonic/Gothic Metal mit Folk-Elementen bezeichnen, wobei die typisch düsteren Elemente eher rar sind. Doch wer auf Orchester steht, kommt hier voll auf seine Kosten, speziell das Didgeridoo bringt die nötige Portion Drama ("Black Flies") und sorgt gemeinsam mit der Querflöte für einen garantierten Wiedererkennungswert. Ein Highlight ist sicher "Maya", wo Zala männliche Unterstützung erhält, ein sehr schönes Duett und der Beweis, wie vielseitig diese Band sein kann. Mein Favorit ist allerdings das letzte Lied des Silberlings, und sei es nur wegen des tollen, aussagekräftigen Titels: "Ü" nennt sich der Track und ist eines der wenigen Stücke, das in Slowenisch verfasst wurden. Das Debutalbum "Act Of Hybris" ist einer der besten Ost-Importe seit langem und lässt für Genrefans kaum Wünsche offen. Alle anderen sollten erst mal vorsichtig reinhören.
Patricia

Punkte: 7.1 von 10
DEBAUCHERY - Germany's Next Death Metal
AFM Records/Musikvertrieb
Die Konstellation "Ich plus Debauchery" ging bisher gar nicht gut aus. Zu dilettantisch, zu stumpf, zum Teil zu nervig produziert, zu plakativ und zu unausgegoren fühlte sich das bisherige Schaffen von Mastermind Thomas Gurrath für meine Ohren an. Meine Begeisterung über den Erhalt der vorliegenden neuen Scheibe hielt sich darum auch gelinde gesagt auf überschaubarem Niveau, meine nachträglich positive Überraschung darüber ist dafür umso ehrlicher. Nicht, dass ich jetzt zu Lobeshymnen über ein verkanntes Genie ausbrechen oder nachträglich den gesamten Backkatalog und alles erhältliche Merchandise kaufen werde, aber dem hiermit erfolgten Quantensprung einer nur halb abgehangenen Vision zu einer amtlich umgesetzten, groovenden Death'n'Roll-Maschinerie muss ganz klar Respekt gezollt werden. Die metallisierte AC/DC-Blaupause mit den kernigen Kellergrowls drückt auf "Germany's Next Death Metal" endlich mal überzeugend aus den Boxen und macht durchaus gute Laune. Die Chose groovt, das Schlagzeug ist schön natürlich und die Gitarren kommen ohne grosses Geschnörkel direkt auf den Punkt. Dazu ein paar orale Schmankerl, die mir durchaus ein paar Schmunzler entlockten, plus die gewohnte, als unbekümmert wahrgenommene Herangehensweise und ab geht die Post. Summa summarum ordne ich persönlich "Germany's Next Death Metal" nach wie vor unter "Partymucke" ein, aber die Songs sind zwingend und rocken sich deshalb hervorragend ins Tanzbein. Positiv überrascht, feine Sache, reinhören!
Hardy 

Punkte: 7.0 von 10
M.ILL.ION – Sane & Insanity
Metal Heaven/Non Stop Music
Im schwedischen Götheborg beheimatet ist eine der angesehensten Melodic-Bands Skandinaviens, M.ill.ion. Deren Beständigkeit wird bewiesen durch 22 Jahren Bandhistory und mit dem nun veröffentlichten, bereits siebten Studioalbum. Seit längerer Zeit besteht die Truppe nur noch aus zwei Originalmembers. Als Gründer gelten Per Westergren (Drums) und B.J. Laneby (Bass). Doch auch Sänger Ulrich Carlsson ist schon über 10 Jahre Frontmann der Kapelle. Für "Sane & Insanity" stiessen Gitarrist Andreas Grövle und der australische Keyboarder Angelo Modafferi neu zur Band. Das Songwriting fand im Rahmen der ganzen Truppe statt. Dies scheint hervorragend zu funktionieren, bewegen sich doch sämtliche Songs durchgehend auf hohem Niveau. Leider fehlen grosse Hooks, richtig geile Refrains und einprägsame Melodien. Für wirkliche Ausfälle hat die Truppe aber zu viel Erfahrung, doch erreicht M.ill.ion mit "Sane & Insanity" bloss das Mittelfeld. Dies dürfte auch der Grund sein, dass der Band der grosse Durchbruch bisher verwehrt blieb. Trotz allem, M.ill.ion ist eine ganz versierte Melodic/Hard Rock/Metal-Formation, die auf eine treue Fanbasis bauen kann. Das heisst, bisherige und potentielle neue Fans werden mit der Scheibe zufrieden sein.
Chris C.

Punkte: 7.0 von 10
ISKALD – The Sun I Carried Alone
Indie Recordings/Irascible
Hmm, der Vorgänger hat doch genauso geklungen? Vor etwa zwei Jahren habe ich das letzte Album der jungen norwegischen Band das erste Mal gehört, und alleine durch die Tatsache, dass ich mich noch an den Namen und die Musik erinnern kann, spricht eigentlich für die Band. An den Aufnahmen gab es damals schon nichts auszusetzen, auch das neue Album ist sauber und klar aufgenommen. Aus dieser Sicht zumindest ist die Musik modern, beim Betrachten der Riffs und dem Songwriting halten die Herren allerdings an die alten Mitt-90er aus dem Norden. Nach wie vor also nichts Neues, aber gut präsentiert und auf den Punkt gebracht. Black Metal als Stilbezeichnung, solide, stark und zeitgemäss rübergebracht. Macht Freude, wenn man einmal auf inhaltlich leichte Kost steht und nicht zwischen verhalltem Quietschen und dumpfen Rhythmusvergewaltigungen nach der Essenz suchen will. Oder, böser ausgedrückt, wenn man die Shirts nach wie vor nicht selber waschen muss und die Eltern einfach nicht einsehen wollen, dass die langsam wachsenden Haare keine Phase sind, sondern mit den drei, vier Barthaaren zusammen die wahrhaftig ernstzunehmende Entscheidung zu dem einen, dunklen Pfad darstellt. Soll jeder für sich entscheiden, ich enthalte mich einer Meinung und geniesse die Songs mit nostalgischen Träumen, als mir solche Musik noch Erfüllung gegeben hat.
Tristan

Punkte: 7.0 von 10
VREID – V
Indie Recordings/Irascible
Vreid kommen seit jeher mit ihrem militärischen Auftreten daher. So wundert es nicht, dass "V" ein Konzeptalbum über den verhinderten Seeangriff des dritten Reiches im Oslofjord darstellt. Musikalisch klingt das nicht schlecht: Der Opener "Arche" wiegelt die Wogen langsam auf, als die ersten grauen Geschütze am Horizont zu sehen sind. Marschrhythmen, einige schöne Breaks, die tiefen Vocals, alles stabil und durchdacht dargeboten. Auch weitere Songs sind durchaus hörbar, "Blood Eagle" ist sicherlich toll zum Bangen. Klar, Marschlieder sollen ja eingängig sein. Aber mal ehrlich, ein (politisch vor 80 Jahren existentes) Land zu idealisieren, da frage ich mich nach der Haltung. Und damit meine ich nicht die politische, die ist mir egal. Nein, es geht mir um die Haltung zu Black Metal, denn nach meinem Geschmack hat das nichts mit stilloser Provokation oder sinnleeren Propagandasprüchen zu tun, ob jetzt für ein Land, Satan oder weiss die Göttin was. Und wer jetzt behauptet, die Musik sei zumindest gut, der sollte sich fragen, warum er dann trotzdem nicht auf NSBM steht oder keine Band über Pro-Jesus singen hören will. Singt eine deutsche Band über den Widerstand gegen die rote Armee, dann gibt's doch auch gleich Kritik, oder? Also wer's anders sieht darf mich gerne aufklären, meine Meinung wäre einige Punkte darunter. Aber ich bewerte die Musik, und darum: vor dem Kauf zuerst reinhören.
Tristan 

Punkte: 7.0 von 10
THE HAUNTED - Unseen
Century Media/EMI
Mit The Haunted steigt diesen Monat eine Band in den Ring, bei der der Groschen schon längst gefallen ist - anstatt sich auf dem Ruhm ihrer ungebändigten und übersprudelnden Erstlingswerke auszuruhen, hält das schwedische Quintett die ureigenen Prinzipien in Ehren und verpasst ihrem Weg Album für Album eine neue, unerwartete Wendung. "Unseen" hält sich ebenfalls an diese eine alles definierende Regel, was an den Aufschreien der Thrashfanatiker über den ersten Hörsamples erkennbar war: The Haunted sind im hier und jetzt zu Hause, und 2011 liegt somit der Fokus auf Groove, vielschichtigem Gesang und einem leichten Hang zu alternativeren Gitarrenarbeit. "No Ghost", "Disappear", der Titeltrack "Unseen" und "All Ends Well" etwa stellen dann auch nicht die Riffs in den Vordergrund, sondern präsentieren viel mehr ohne Vorbehalt einen Hang zur Einfachheit. Wie auch auf den Vorgängern "The Dead Eye" und "Versus" sticht dabei vor allem die Performance von Frontmann Peter Dolving ins Auge, der erneut einige weitere Facetten seinem bereits mehr als breitem Spektrum an Gesangsstilistiken hinzufügen konnte - der Gute hat sich definitiv über den Rang des Metalsängers erhoben und zählt spätestens jetzt offiziell zur Sorte der Geschichtenerzähler, wie wir sie aus grundlegenderen Sparten der Musik kennen. "Unseen" stolpert dann auch nicht an der Performance des manischen Sängers oder der Experimentierfreudigkeit der Mucker - sondern an der Tatsache, dass die Band das Ganze nicht noch weiter getrieben hat: Die Platte deutet mehr Möglichkeiten an, als sie schlussendlich wahrnimmt... Was bei all dem offensichtlichen Potenzial ein schwerwiegender Wehrmutstropfen darstellt. Die Produktion macht dies am Offensichtlichsten: Während Produzent Tue Madsen unverkennbar seine Hände im Spiel hatte, die Drums ordentlich live klingen und die Gitarren (vielleicht etwas zu knapp an "The Dead Eye") braten, hätten die Songs ein spezielleres Soundgewand verdient. Vielleicht wäre es einfach der Zeit für The Haunted, sich einen anderen Produzenten zu suchen, der ihre Gedanken und Ideen in eine passendere Form bringen könnte. Viel Spekulation, kein klar erkennbares Fazit - und somit zum ersten Mal Punkteabzug von meiner Seite an The Haunted...
El Muerte

Punkte: 7.0 von 10
TRIGGERFINGER - All This Dancin Around
Excelsior Records
Belgien macht Stoner Rock, so könnte der Titel eines Artikels über die Band Triggerfinger klingen. Triggerfinger stammen aus Belgien, was uns nicht wirklich vom Sockel reisst, den Metal-mässig kenne ich eigentlich nicht viel, was von einer Nation kommt, die immer noch keine Regierung besitzt, weil es zwischen den Wallonen (französisch sprechend) und Flamen (niederländisch sprechend) keine Einigung gibt, wer wie uns was befehlen soll. Das sollte nur so am man Rande erwähnt sein, den wir Metaller wollen ja nicht als blöd gelten, wie uns so manche Leute sehen. Es geht weiter mit Triggerfinger, die einen Mix aus Pop und harten Gitarren mischen, der durchaus seinen Charme haben kann. Leider kam ich beim Hören des Sounds von Triggerfinger nicht weit, denn schon nach dem fünften Titel stoppte ein ganz übler Kratzer auf der Scheibe das Hörvergnügen. Leute von der Plattenfirma oder wer auch immer die CD verschickt hat: Der Kratzer ist verdammt tief und sicher nicht beim Transport zur Metal Factory passiert. Die wenigen Songs, in die ich hineinschnuppern konnte, klangen vielversprechend, mit einem gehörigendem Touch von unseren alten Helden von Masters Of Reality.
Daniel J.

Punkte: 7.0 von 10
MALISON ROGUE – Malison Rogue
Inner Wounds Recordings
Für etwas Verwirrung sorgen diese Jungspunde aus Skandinavien. Denn Cover und Bandfotos sprechen für eine klassische 80er Jahre-Old School-Heavy Metal-Fanband mit Sleaze-Anleihen. Was da nun aber aus den Boxen klingt, ist eher progressiv und bombastisch denn schnörkellos und rock'n'rollig. Das fängt bereits bei der Stimme an, die immer wieder an Geoff Tate von Queensr˙che erinnert. Aber auch die Arrangements stellen sie bei genauem Hinhören als nicht ganz so schlicht gestrickt heraus. Dazu kommen immer wieder Bombastelemente wie riesige Chöre. Bestes Beispiel dafür ist "My Mistakes", dessen Refrain bei Tobias Sammets Metal-Oper Avantasia hätte dabeisein hätte können. Malison Rogue verstehen ihr Handwerk, auch wenn ich nach etwa der Hälfte des Albums das Interesse verliere. Spätestens ab dann hat man die Band sattgehört. Die Lieder werden ab diesem Punkt aber nicht unbedingt schlechter. Man hat sich schlicht dann bereits sattgehört. Einzig die Texte, die nicht immer ganz rhythmisch aufgehen und ein paar gut platzierte Chöre und Gitarrenmelodien lassen mich noch ein paar Mal aufhorchen. Dies ändert sich, wenn ich das Album erst ab der Hälfte anhöre. Am Ende des Albums bleibt aber auch so ein ernüchterndes Fazit: Im Ohr hängen bleibt trotz grosser Klasse sehr wenig. Schade. Man darf gespannt sein, wie Malison Rogue ihre Sache auf der Bühne meistern werden. Denn da könnten sie durchaus für offene Münder sorgen.
Roger W.

Punkte: 7.0 von 10
DEVASTATING ENEMY – The Fallen Prophet
Twilight/Non Stop Music
Devastating Enemy sind eine noch recht junge, österreichische Band, welche hier ihr Debut vorstellt. Die seit 2009 aktiven Melodic-Deather mischen Modernes, sehr Modernes mit technischem Anspruch, doppelstimmigen Gitarrenläufen, Harmoniebögen und einem hohen technischen Anspruch. Denn zum Grossteil geht es trotz aller Melodie doch sehr vertrackt und kompliziert zu. Leider bleiben die nachvollziehbaren Songstrukturen dabei auf der Strecke. Man merkt der Band das noch recht junge Alter an. Man will sich halt noch austoben. Jedoch haben die vier Jungs dabei vergessen, dass manchmal weniger mehr ist. Der Gesang wechselt schön zwischen rauem Gekreische, tiefen Growls und fast schon poppigem, klarem Melodiegesang. Sicherlich spannend, ob dies live auch noch gut funktioniert in irgendeinem Underground-Club mit matschigem FOH-Sound. Das Ganze ist wirklich gut gemacht und beachtlich, besonders aufgrund der Tatsache, dass dies ein Debut ist. Aber wirklich begeistern kann mich das Ganze dann doch nicht, da ich in über 20 Jahren schon viel Gleiches und Ähnliches gehört habe, was mir letztendlich besser gefiel. Von daher war dies für mich noch kein grosser Wurf hier. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden.
Ralf W.G.  

Punkte: 7.0 von 10
THE PROJECT HATE MCMXCIX –
Bleeding The New Apocalypse (Cum Victriciis In Manibus Armis)
Season Of Mist/Irascible
The Project Hate MCMXCIX sind ja bekanntlich seit 1998 das kreative Spielfeld von Lord K. Philipson (God Among Insects, House Of Usher, Lame, Vomitory, Grave) und Jörgen Sandström (Grave, Entombed, Vicious Art, Krux). Piano-Samples, opernhafter Frauengesang, Death Metal-Growls in Verbindung mit Dark Ambient-Sounds, brettharten, runtergestimmten Gitarrensounds und Vielem mehr wird auf "Bleeding The New Apocalypse" dargeboten. 6 Songs mit einer Spielzeit von 60 Minuten zu kreieren, ist mal sicherlich ein recht beachtlicher Punkt, wenn nicht hin und wieder etliche zu langatmigen Passagen darauf enthalten wären. Das Ganze hätte hier und da auf jeden Fall etwas kürzer ausfallen können, aus meiner Sicht. Wer über den Tellerrand des Todesmetalls hinaus zu blicken wagt, wird hier mit einem vielschichtigem Soundgewand belohnt, welches sehr eindrücklich und avantgardistisch ausgelegt ist. Viel Groove, Elektronik und sinfonischer Bombast sind seit jeher die Markenzeichen, obwohl manchmal einiges etwas zu überladen klingt, hat diese Art von Musik dennoch seinen ganz speziellen Reiz. Für offene Metal-Hörer auf der Suche nach neuen Dimensionen sei dies empfohlen.
Ralf W.G. 

Punkte: 7.0 von 10
WOODS OF YPRES – Woods IV: The Green Album
Earache Records/
Non Stop Music
Kanadischer, melodischer Black Metal? Warum auch nicht, hab da schon ganz andere Dinge gehört und gesehen (beispielsweise Salem, Black Metal aus Israel ^^). David Gold, der einzige verbliebene Member der Anfangstage in 2002, und seine Jungs bringen nun das bereits vierte Album heraus, wie man unschwer am Albumtitel erkennen kann. Was ist nun darauf zu hören? Das ist sehr schwer in Worte zu fassen, denn es ist tatsächlich eine Art von Black Metal, allerdings auf eine progressive Art und Weise, will heissen: Hier wird nicht gerödelt auf Teufel komm raus und es wird auch nicht allenthalben den Teufel angebetet, hier geht es um Bedeutenderes: Verlustängste, Sorgen, Wut und Hass sind nur einige der Themen, welche bearbeitet werden. Dasselbe gilt in grün (welch Wortwitz) für die Mucke an sich: Da wird schon mal deftiger aufs Gaspedal getreten, aber sonst herrscht Mid Tempo vor, was genug Raum für die Entfaltung anderer Instrumente und Keyboardspielereien lässt, zudem sind die Vocals auch immer wieder auf einer anderen Ebene angesiedelt, gekeift wird auch, logisch, aber nicht quer durchs Band hindurch – klingt erfrischend, ist es auch, aber ebenso fordernd. Einfach so anhören kann man sich sparen, Woods Of Ypres legen es nicht darauf an, ihr Material dem Hörer in kleinen Häppchen zu servieren, hier gibt’s den ganzen Brocken auf einmal – es liegt am aufmerksamen Zuhörer, wie er sich in die Materie einarbeitet. Und dies ist sowohl positiv wie auch negativ, denn diese Anstrengung ist nicht jedermanns und jederfraus Sache. Lohnen tut sich’s allemal, denn „Woods IV: The Green Album“ kann man gerne unter der Sparte ‚intelligenter, teilweise roher Metal’ einordnen. Ob sich die Mühe lohnt, muss jeder selbst entscheiden, aber zumindest mal reinhören haben die Kanadier auf alle Fälle verdient!
Toby S.
 
Punkte: 7.0 von 10
WHAT THE HELL - Loser (EP)
Eigenvertreb
Jawohl, wieder mal Landsleute, die geilen Sound zelebrieren. Das aus Schaffhausen stammende Quartett What The Hell bringt hier nach zwei Veröffentlichungen das im internationalen Blätterwald und E-Zine-Business sehr gute Kritiken einheimsen konnte, eine frische EP heraus, die sich "Loser" nennt. Nein Leute, als Verlierer kann man die Schaffhauser definitiv nicht betiteln, das trifft auf unsere Fussballnati schon eher zu, aber das steht in einem anderem Blatt geschrieben. Wenden wir uns den Jungs zu, die aus den sechs Songs das Maximum songwriterisch herausgeholt haben. Man groovt und rockt wie Sau, und mir kommen sofort die amerikanischen Südstaatenhelden von Down in den Sinn (übrigens eine wirklich fantastische Band) wegen den geilen Gitarrenriffs, die sich dann und wann eben im Fahrwasser von besagten Down befinden. Nebenbei drückt man ein wenig das Gaspedal runter, aber nie zu schnell, nein mit Thash haben die Jungs nichts am Hut, aber man bringt Melodien hinein. Nein im Ernst, hier herrscht eine grosse Abwechslung, was dem Hörer richtig gut tut. Ich finde, bei der Produktion hätte man ein wenig mehr Pepp geben können, aber vielleicht war das ja so gewollt? Alles in allem eine tolle Scheibe, und ich kann mir Vorstellen, dass die Jungs live noch mehr Arsch treten als es sonst schon der Fall ist. Gefällt mir gut, weiter so!
Daniel J.
  
Punkte: keine Wertung
MYLAND - Ligt Of A New Day
Point Music
Die italienische Formation Myland hat sich musikalisch dem AOR verschrieben, Mit ihren neuen Sänger Franco Campanella machen die Italos eine durchwegs gute Figur. Francos raue Stimme bringt den Songs genau die Würze, die es für diese Art von Musik braucht. Man erfindet hier nix Neues, aber die Mischung aus rockigen Songs wie "Living In The Magic" und "Love Hurts So Bad" gegenüber den eher gemächlichen Tönen von "Flying Higher" und "Dancing In The Moonlight" sind eine gute Mischung. Was das wohl bekannte Problem bei solchen AOR-Bands ist, sind die meist schwülstigen Balladen. So auch hier hat man mit "In Your Eyes" und "Wherever You Go" zwei wirklich überflüssige Schmalzer an Bord, die nun wirklich niemand braucht. Musikalisch verstehen die Südländer ihr Handwerk, und die Produktion ist auch in Ordnung, die Keyboard-Guitar-Mischung stimmt und die Drums kommen knackig aus den Boxen. Wer also auf diese Art Musik steht, kann "Light Of A New Day" ruhig mal antesten, denn hier wird solide Arbeit geboten, einfach ohne Wow-Effekt, danke und auf Wiedersehen!
Crazy Beat

Punkte: 6.9 von 10
DARKEST ERA – The Last Caress Of Light
Metal Blade/Musikvertrieb
Als Celtic Metal bezeichnet die Plattenfirma den Sound von Darkest Era. Heavy Metal mit keltischen Einflüssen, eine Mischung aus NWoBHM und Irish Folk soll es bieten, "The Last Caress Of Light", das Debut der Iren. Wie keltisch die Melodien auf diesem Erstling nun auch sein mögen, Fakt ist, dass die acht enthaltenen Songs durchwegs episch und melancholisch zugleich sind und man nie genau weiss, ob die starken Recken nun in den Krieg ziehen oder einer Verflossenen nachweinen. Traditioneller Metal, angereichert mit nordischer Schwermut, hat zwar definitiv etwas, vergeht einem aber, zumindest im Falle von "The Last Caress Of Light" schneller, als beim ersten Hören erwartet. Zu eintönig ist nämlich nicht nur die Stimmung in den Songs. Insbesondere die über weite Strecken gleichbleibende Double Base-Vollbedienung lässt viele der an und für sich interessanten Riffs in einem endlosen Soundfluss fern jeder dynamischer Finesse untergehen. Einzige Ausnahmen in diesem zwar wuchtigen, aber rhythmisch uninspirierten Dauerangriff auf die Lauscher ist das beinahe schon als balladesk zu bezeichnende "Beneath The Frozen Sky" mit seinem Dreivierteltakt, die wirklich eindringliche, träumerische Irish-Folk-Nummer "Poem To The Gael" und der abschliessende, 10-minütige Titeltrack, welcher wiederum akustisch beginnt, sich dann aber in eine doomige Heiden-Hymne par excellence verwandelt, die endlich mal mit richtiger Dramatik aufwartet. Mehr Dynamik, mehr Abwechslung, mehr Einfälle, das bräuchte das an sich auf ein vielversprechendes Fundament gebaute "The Last Caress Of Light". Wie traditioneller Metal im Wikingergewand klingen kann, wenn man's richtig macht, dass haben Grand Magus letztes Jahr mit "Hammer Of The North" bewiesen. Darkest Era sind von dieser Klasse noch meilenweit entfernt.
Kissi

Punkte: 6.8 von 10
DRIVING FORCE - Death Win Money Sin
Eigenvertrieb
Es ist eine wahre Freude, mit wie vielen guten Veröffentlichungen aus der Schweiz ich mich in letzter Zeit beschäftigen darf! Auch wenn der anfangs etwas zurückhaltende Opener "Dirty Finger" vielleicht nicht gerade der glücklichste Einstieg ins erste Langeisen der Zürcher Band ist, manifestiert er doch mit steigender Laufzeit die eigentliche Stärke von Driving Force. Die Band versteht es geschickt, zwischen anspruchsvollem Rock ("Better Ways") und Heavy Metal ("On And On") hin und her zu pendeln, ohne deshalb orientierungslos zu wirken. Dass sie sich auf verschiedenen Baustellen wohl fühlen, beweisen uns die Jungs beispielsweise mit dezent eingestreuten, ruhigeren und sphärisch klingenden Parts, welche die an sich schon starken Rocksongs noch mehr aufwerten. Und mit "The Road" sowie "As Long As I Live" servieren sie uns sogar zwei radiotaugliche Rocknummern mit Hitpotential. Driving Force verstehen es, ihr handwerkliches Geschick gekonnt einzusetzen und haben mit V.O. Pulver genau den richtigen Produzenten ausgewählt, um das Ganze auf einer Scheibe zu verewigen. In Zeiten, in denen übertriebene Kompression und bis zum Abwinken getriggerte Drums zur Selbstverständlichkeit geworden sind, ist es sehr erfreulich, wieder mal eine CD zu hören, welche druckvoll und dennoch angenehm natürlich klingt. Das ganze Album präsentiert sich wie eine bunte Wiese des Modern Rock und Metal, kein Stück gleicht dem anderen, Vergleiche mit anderen Bands fallen mir ob der dargebotenen Vielseitigkeit beim besten Willen keine ein. Starke Rock– und Metalsongs mit der richtigen Portion Melodie und nicht zu viel Aggressivität reihen sich aneinander, und trotz der Laufzeit von über 54 Minuten hört sich das Album recht leicht und angenehm in einem Zug an, ohne zu ermüden. Einzig der etwas wirr und dissonant wirkende Track "Eat It" will mir mit seinem etwas zu sehr auf modern getrimmten Soundgewand nicht so recht ins gesamte Konzept passen. Ein ähnliches Schicksal ereilt das etwas sperrig wirkende "Ask For It", dem etwas mehr Geradlinigkeit geholfen hätte, im Ohr etwas schneller zu zünden. Für Freunde guter und zeitgemässer Rockmusik mit gelegentlichen Ausflügen ins Metal–Universum durchaus empfehlenswert.
Mirko B. 

Punkte: 6.7 von 10
BLUT AUS NORD – The Mystical Beast Of Rebellion (Re-Release) 2 CDs
Debemur Morti Productions
Seit "Odinist" nun das zweite Album, das als Re-Release vermarktet wird. Warum nichts Neues auf den Markt kommt, ist mir nicht ganz klar, aber die musikalische Zeitreise ist irgendwie nicht so das, was der Band entgegenkommt. Klar, sie waren auch damals ziemlich innovativ, aber halt noch nie auf dem Level wie heute. Auch wenn ich den gewissen altmodischen Klang von Garagenaufnahmen mag, so ist doch mit dem letzten Album eine Scheibe entstanden, die drückend und düster ist, obwohl/gerade weil man die einzelnen Spuren ziemlich gut auseinander hört. Auch wenn auf den einzelnen Kapiteln zum Teil ziemlich typische Melodien und Riffs auszumachen sind, verpackten die Franzosen schon damals alles in disharmonische Begleitungen, erkennen wird man sie also auch jetzt sofort. Damit die Fans nicht ganz ohne Neues auskommen müssen, sei der Platte ein Booklet mit Erklärungen beigelegt und zusätzlich mit vier neuen/alten Liedern aufgestockt. Inwieweit solch avantgardistische Musik genügend Hörer findet, die sich eine Platte dann vielleicht sogar noch zweimal kaufen, daran mag ich zweifeln. Aber für alle, die BAN noch nie gehört haben: Zieht euch "The Mystical Beast Of Rebellion" in einem dunklen Zimmer, nach zwei oder auch drei Gläsern Absinth, rein, ohne einmal auf Pause zu drücken. Das Teil ist der musikgewordene Albtraum (und das meine ich positiv), wenn man die neueren Scheiben noch nicht kennt!
Tristan 

Punkte: keine Wertung
RADWASTE - Radwaste
Proghippie.com
Eins vorneweg: Würden Kernkraftwerke immer Atommüll dieser Sorte ausspucken, wäre das leidige Thema der Endlagerung sehr schnell abgehakt. 2008 taten sich die vier Jungs aus der Region Aarau zusammen, um der Welt zu zeigen, dass technisch raffinierter Heavy Metal, gemixt mit melodischem Bay Area Thrash, auch aus der Schweiz kommen kann. Das mir vorliegende, selbstbetitelte Debut ist bereits im November letzten Jahres erschienen, und in Anbetracht der gebotenen Qualität ist es mir ein Rätsel, warum der Aarauer Vierer uns erst jetzt mit einer selbst gebrannten Promo-CD beehrt. Auch wenn das beigelegte Infoblatt, wie man es sich von Beipackzetteln gewohnt ist, die Musik von Radwaste sehr vollmundig beschreibt, sind die darin genannten Einflüsse von Szenegöttern wie Nevermore, Megadeth und Exodus durchaus nachvollziehbar, wobei Radwaste viel melodischer zu Werke gehen, was sich insbesondere in den cleanen Vocals und den reichlich vorhandenen doppelläufigen Gitarrenpassagen niederschlägt. Der Opener "The Swarm Pt. I: Sedna" beginnt zwar sehr zurückhaltend und getragen, versprüht aber sehr bald reichlich Iron Maiden-Flair, welches im sehr gelungenen Solopart gipfelt. Danach machen die Jungs keine Gefangenen mehr. Auf das ebenfalls sehr melodische "Fade With Light" (grossartige Gitarrenarbeit!) folgt mit "Retribution" eine deutliche Verneigung vor Szenemeister Mustaine, die dem Vorbild in nichts nachsteht. Einzig das für Radwaste-Verhältnisse schon fast melancholisch-balladeske "Bother You" fällt gegenüber dem Rest energietechnisch etwas ab, aber da das Stück eine verflossene Beziehung behandelt, ist das Thema durchaus passend umgesetzt. Danach geben uns die Jungs wieder die volle Breitseite. Mal mehr ("Live Fast", "Operation: False Freedom"), mal weniger thrashig, dafür mit herrlichem Mosh-Part ("Hide And Seek") oder auch reine Instrumental ("Eye Of The Storm") steigert sich die Band von Song zu Song. Bei mir waren zwar mehrere Durchgänge nötig, bis das Material richtig knallte, doch sobald ich mit den Songs einigermassen vertraut war, erschlossen sich mir auch ihre kompositorischen Stärken und Überraschungsmomente. Da das Ganze zudem technisch hervorragend eingespielt und durch Remo Häberli wuchtig produziert worden ist, kann ich jedem Metal-Fan nur empfehlen, mal reinzuhören. Anspieltipps: "Fade With Light", "Retribution", "Hide And Seek", "Metamorphosis".
Mirko B. 

Punkte: 6.6 von 10
DEKADENT – Venera: Trial & Tribulation
G. Records

Positiver Black Metal? Kann’s das wirklich geben? Obwohl dies wie ein Paradoxon klingen mag, so haben dies Dekadent tatsächlich geschafft. Dies äussert sich aber nicht in den Texten, auch nicht in den Vocals oder gar der sonstigen Arrangierung der Songs, das ist alles Black Metal-tauglich. Nein, das Positive erstrahlt aus den Melodiebögen sowie den Zweitstimmen, aber vor allem aus den Lead Guitars. Nur schon beim Intro „The Wound“ könnte man meinen, eine Scheibe irgendeiner Power Metal-Band zu hören, klar nicht ganz so deftig, aber die Richtung stimmt auf jeden Fall. Sonic Reign treffen auf einen Gitarristen, der sich vielleicht im Umfeld geirrt hat, wer weiss das schon so genau. Mal ganz abgesehen davon, dass die Stimmung auf der ganzen Scheibe sehr seltsam wird, das Instrumental „Trial & Tribulation“ zeugt dann zwar von Abwechslung, passt aber irgendwie auch wieder nicht ins Gesamtkonzept. Eigentlich muss man die Slowenen für ihren Mut loben, mehrheitlich gegensätzliche Ansätze in ihrer Mucke zu vereinen, das packt nicht jeder. Deswegen kann man „Venera: Trial & Tribulation“ nicht als kompletten Fehlschlag anschauen, eher als Versuch, aus den engen Vorgaben des Black Metal auszubrechen und etwas Neues zu wagen. Auch wenn die Mischung vielleicht nicht allen schmecken wird (wovon auszugehen ist) und man sehr viel Offenheit benötigt, um Dekadent mehr als nur einen kurzen Moment der Aufmerksamkeit zu schenken, so bleibt zu sagen: Es lohnt sich, in mehrfacher Hinsicht! Klar ist der Gesang eher eintönig gehalten, und das Schlagzeug rattert mehrheitlich ununterbrochen im Double Base-Modus, was eine gewisse Eintönigkeit versprüht, aber die Melodien machen ganz klar den Unterschied. Fazit: Seltsam und gewöhnungsbedürftig, aber irgendwie auch interessant. Anchecken erlaubt und erwünscht!
Toby S.  
Punkte: 6.5 von 10
SYMBOLIC – Scarvest
Twilight/Non Stop Music

Und noch ne Melodic/Death-Scheibe diesen Monat. Diesmal aber von Symbolic aus Deutschland, welche schon seit 2005 aktiv sind. Ok. Also zu den Fakten, was haben wir denn: Schwedische Melodie- und Harmoniebögen, ein allgemein hoher technischer Grad in der instrumentalen Umsetzung, Geballer, Aggression und Brutales, Soli und weitere, eher modernere Mischungen des bereits Genannten mit Mosh- bzw. Breakdown-Parts. Die Produktion geht auch in Ordnung, wobei das Ganze extrem steril und studiotechnisch zurechtgezaubert klingt. Die Band scheint gemäss dem Promophoto noch recht jung zu sein. Von daher gehe ich davon aus, dass diese jungen, gestylten Herren aus Bayern auch den Traum der ganz grossen Musikkarriere haben werden. Nun ist es aber nun mal so, dass eine anständige "Geht in Ordnung"-Platte nicht ausreicht. Gut spielen können auch nicht. Und LEIDER reichen heutzutage nicht mal gute Songs, der Karriere einen Sprung zu versetzen oder das Ganze auf einen anderen Level zu bringen. "Scarvest" geht in Ordnung, enthält aber wenige Ansätze von wirklich Überdurchschnittlichem. Und somit wird auch diese Scheibe in der Flut untergehen. Zu normal und gewöhnlich, d.h. durchschnittlich sind die 8 Songs. Ok ist das, aber eben, durchsetzen werden sie sich damit nicht. Wer aber auf die oben erwähnten Stilmittel steht, soll getrost mal ein Ohr riskieren.
Ralf W.G.  
Punkte: 6.5 von 10
DAYS OF ANGER - Death Path
Massacre Records/Musikvertrieb
Der CD-Titel kann verfänglich sein, denn wider Erwarten wandeln die schwedischen Newcomer Days Of Anger mitnichten auf dem Death (Metal) Path, und ebenso wenig trifft die musikalische Beschreibung des Labelblattes ins Schwarze. Dezente Hardcore-Streusel auf diesem Thrash-Kuchen kann ich ja noch ausmachen, aber Old School-Thrash ist ganz was Anderes, werte Damen und Herren von der Massacre A&R-Abteilung. Aber genug Erbsen gezählt. Days Of Anger sind Anfangs 2010 aus den Überresten diverser lokaler Bands ihrer Heimatstadt entstanden, und für eine Truppe, die erst seit einem Jahr zusammen lärmt, machen sie ihre Sache ganz ordentlich. Dass alle Beteiligten schon seit Jahren musikalisch unterwegs sind, hört man den punktgenau eingeprügelten Songs natürlich in jeder Sekunde an. Am besten weiss das Trio Infernale immer dann zu gefallen, wenn Drummer Kristian Huotari den Fuss etwas vom Gaspedal nimmt und Sänger/Bassist Alex Jonsson die hohen HC-Shouts zu Gunsten des tieferen Thrash-Sprechgesangs auf ein Minimum reduziert. Lasst euch also nicht gleich vom eröffnenden Hardcore-Brett "Damaged" in die Irre leiten, denn danach folgt eine ganze Reihe knallharter Thrash-Granaten, die kaum Wünsche offen lassen. Erste grosse Überraschung ist nach der handelsüblichen Thrash-Kost der Song "Stone Cold Killer", ein schleppendes Sludgecore-Monster, auf dem insbesondere Gitarrist Alf Johansson seine handwerkliche Vielfalt unter Beweis stellt. In "Hands Of Evil" beweist hingegen Alex Jonsson, dass er neben Screams und Shouts auch den schmerzerfüllten Gesang eines Kirk Weinstein drauf hat, und in den cleanen Passagen erinnert er mich sogar etwas an den jungen Zakk Wylde. Toller Song, hypnotisch und fesselnd aufgebaut und grossartig umgesetzt! Aber der definitive Höhepunkt des Albums ist und bleibt für mich der tonnenschwere Hassbrocken "Spit On Your Grave", der zweite Ausflug der Band in Sludge-Gefilde. Hört euch den Song an und denkt dabei an euren spiessigen Nachbarn/Ex-Partner/Boss oder wen auch immer ihr am liebsten ins Grab befördern würdet, und ihr werdet erkennen, dass Days Of Anger hier das Thema "Mitmenschen, die ich eigentlich nicht so mag" wirklich trefflich umgesetzt haben. Da ist der darauf folgende Highspeed-Nackenbrecher "Buried Alive" mit seinem repetitiven "Die! Die! Die!"-Part in der Tracklist wirklich perfekt platziert! Wirklich gut die Scheibe, etwas nervig zwar die immer wieder eingestreuten Hardcore-Elemente, aber der Thrash-Anteil überwiegt glücklicherweise ganz deutlich, und da der Mix auch klar und wuchtig ist, zeigen beide Daumen anerkennend nach oben.
Mirko B.

Punkte: 6.5 von 10
YGODEH - Dawn Of The Technical Singularity (EP)
MDD Music
Hurgh! Da hat man mir mal wieder ganz was Schräges vorgesetzt. Laut eigenen Angaben spielen die Letten Ygodeh Syntetic/Tech/Death Metal, und entgegen anderen, weitaus sinnloseren Wortkreationen (Christian Black Metal, ja watt nu?!) trifft diese Genrebezeichnung den Nagel wirklich auf den Kopf. Was beim ersten Hörgenuss noch wirr, wenn nicht gar sinnlos wirkt, entpuppt sich mit der Zeit als faszinierend bunte Soundcollage, die einen in ihren Bann zieht, ohne dass einem die Mucke zwingend gefallen muss. Technisches, sehr sauber gespieltes Death Metal-Gebolze trifft auf dieser 8-Track EP auf (programmierte) orchestrale Parts, dissonant und bedrohlich wirkend, und im Kontrast dazu immer wieder Keyboardpassagen aus dem Ambient-, Industrial- und EBM-Bereich. Vor dem geistigen Auge sieht man förmlich die Tristesse der industriellen Ruinen, denen dieser völlig neue Sound entsprungen ist, was dereinst Pioniere wie Voivod, Fear Factory und Ministry losgetreten haben, heben Ygodeh auf eine völlig neue Dimension empor. Handwerklich ist sowieso alles im grünen Bereich, was bei 'exotischen' Bands eh meistens der Fall ist, jedenfalls lassen es Feka (Vocals), Potap (Bass), Piton (Guitars, Programming) und Vadozz (Drums) bei der Umsetzung des sehr komplexen und durchaus auch kopflastigen Materials ordentlich krachen. Sehr interessante Scheibe, überhaupt nicht mein Ding aber faszinierend zugleich, die Jungs haben meinen ganzen Respekt! Wer auf innovativen Death Metal steht, der mit stilfremden Elementen angereichert ist, sollte unbedingt mal reinhören.
Mirko B.  

Punkte: keine Wertung
RAWKFIST – Chryseus
Black Bards Entertainment
Die Bezeichnung Symphonic Metal scheint für diese Band geprägt worden zu sein. Die teilweise epischen Klänge harmonieren gut mit der angenehmen Stimme von Sängerin Sabine Hillmer, die zwar nicht ins Opernhafte abdriftet wie so manche ihrer Genrekolleginnen, allerdings auch nicht mit ganz so viel Stimmgewalt glänzt. Wer auf Epica und Within Temptation steht, der wird auch an dieser Band Gefallen finden. Hübsche Melodien, verträumte Lyrics und solide Kompositionen zeichnen die Deutschen aus. Der Albumtitel "Chryseus" ist Latein für Gold, und genau so klingt es auch: Nach Edelmetal(l) mit Nostalgiewert. Für Rawkfist ist es bereits das dritte Album, so sind die Kompositionen zwar schon sehr gut, aber es scheint, als hätten sie ihr Potential noch nicht ganz ausgeschöpft. Etwas mehr Metal wäre schön! Das Album ist eine runde Sache, aber es hebt sich eigentlich auch kaum ein Song speziell von den anderen ab. "The Sword Of Xiphea", "While I Was Writing" und "Deceitful Shadows" sind allerdings sehr schöne Kompositionen. Rawkfist erfinden das Genre zwar nicht neu, doch sie verdienen sich definitiv ein Plätzchen in jeder gut sortierten Symphonic Metal-Sammlung.
Patricia  

Punkte: 6.4 von 10
TRANS-SIBERIAN ORCHESTRA – Night Castle
Tonpool/Musikvertrieb
Eine Rock-Oper ist naturgemäss eine zwittrige Angelegenheit. Einerseits geht es um grosses Kino, um das musikalische Erzählen einer Geschichte, andererseits braucht eine Rock-Oper genauso wie ein Musical vor allem eins: gute Songs. The Who, Queen, Meat Loaf, Avantasia, Vorlagen gibt es dafür genug. Vor allem zweit- und drittgenannte Combo waren und sind für das Trans-Siberian Orchestra um Mainman Paul O'Neil Fixpunkte im eigenen Schaffen, das beweist schon die Adaption des klassischen "Night Enchanted", das gehörige "Bohemian Rhapsody"-Anleihen aufweist, zu Beginn des neusten TSO-Epos "Night Castle", mit welchem nach dem amerikanischen Weihnachtsmarkt nun auch Europa erobert werden soll. Nun, Bombast und grosse Gesten besitzt "Night Castle2 auf jeden Fall. Zu einem hollywoodesken Blockbuster auditiver Ausführung gehören aber auch die eingängigen Szenen, soll heissen Songs, die hängen bleiben, und davon bietet das Doppelalbum bei einer Spielzeit von 90 Minuten plus einer halben Stunde Bonustracks schlicht zu wenig. Noch rarer sind dabei die härteren, groovenden Songs, die an den Ursprung des Orchester-Projekts, die glorreichen Savatage, erinnern und auf welche sich der eine oder andere Fan der Band sicherlich gefreut hat. Lediglich der Titeltrack, das instrumentale "Mozart And Memories", das starke "Another Way You Can Die" und vielleicht noch das pathosgeschwängerte "Dreams We Conceive" verdienen diese Reminiszenz. Ansonsten gibt es reichlich Balladeskes und Klassisches (meist alles zusammen) irgendwo zwischen Musical und Klassik-Pop à la André Rieu. Dass "Night Castle" das eine oder andere Mal schmerzhaft am Kitsch kratzen würde konnte man aufgrund früherer Veröffentlichungen erwarten und gehört zugegeben auch zum Gefäss Rock-Oper und meine Wenigkeit erfreut sich ab und an auch an solcher Traumfabrik-Ästhetik. Wenn dadurch jedoch der Rock lediglich zum Verkaufsargument geschmälert wird, dann funktioniert das vielleicht auf der grossen Bühne, zuhause leg ich dann aber doch lieber wieder "Sirens", "Streets" oder "Dead Winter Dead" von Savatage oder "Tommy" von The Who ein.
Kissi  

Punkte: 6.1 von 10
INVISIBLE MIRROR – Invisible Mirror
Farewell Music
Diese Metal-Combo hat ihren Ursprung in St. Gallen und wurde vom Bassisten Ricky Bonazza ins Leben gerufen. Auch die Songs stammen aus seiner Feder. Beachtlich ist, dass sogar alle Gitarren-, Bass- und Schlagzeugparts ausschliesslich von ihm eingespielt wurden. Live lässt sich das natürlich eher schwer umsetzen. Daher hat sich nach einigen Line Up-Änderungen jetzt eine voll besetzte Band gefunden: Karel Holzner (v), Ricky Bonazza (b), Claude Magyar (g), Denis Vera (g) und Sebastian Ott (d). Bereits während den Mixing und Mastering Sessions bekamen Invisible Mirror die Chance, im Vorprogramm von Blaze Bayley zu spielen, was natürlich ein Kracher ist. Die 11 Songs auf dem Album sind geprägt durch zackige Gitarrenriffs und prägnantes Bass-Spiel, untermalt von der kraftvollen Stimme des Karel Holzer. Einflüsse durch Iron Maiden sind nicht zu überhören. Mein voller Respekt gilt jedoch dem Multitalent Ricky Bonanzza: Wer ein Album von A-Z so gut wie selbst auf die Beine stellt, der hat Grosses geleistet.
Liane P. 

Punkte: 6.0 von 10
CHILDREN OF BODOM – Relentless Reckless Forever
Spinefarm Records/Universal
Traurig, wenn man mit ansehen muss, wie etwas Vielversprechendes vor der Schwelle zum ganz Grossen stehenbleibt. Geschehen ist das bei Children Of Bodom schon vor Jahren. Seit "Hate Crew Deathroll" von 2003 haben die Finnen keine Steigerung mehr vollbracht, ja sind in Sachen Hit-Potential sogar zwei, drei Felder zurückgefallen. Vorbei ist die Frische, die Aggression, die Einzigartigkeit, die frühe Scheiben wie "Hatebreeder" oder "Follow The Reaper" noch aufwiesen. Auch "Relentless Reckless Forever" wird daran nichts ändern, denn obwohl die Scheibe mit einigen netten Riffs aufwartet, zeigen sich die Bodomkinder selten fähig, ihre Ideen in abgerundeter Liedform zu präsentieren. Kaum etwas bleibt hängen und wenn dann doch mal, wie beim marschierenden "Roundtrip To Hell And back" oder dem scharf gezockten "Cry Of The Nihilist", dann hat man das von ebenjener Band schon einmal früher, dann aber mehr auf den Punkt gebracht, gehört. Natürlich, für alle Bodomfans sind die Trademarks der Band, die virtuosen Griffbrett-Kapriolen Alexi Laihos und die ebenso schwindelerregenden Keyboard-Läufe von Klimperer Janne Wirman immer noch ein Kauf wert, doch neigen die Skandinavier auf "Relentless Reckless Forever" des Öfteren dazu, ihre Songs zu überladen. Bestes Beispiel ist der vollgestopfte Opener "Not My Funeral". Wenn es in Sachen Gefrickel also gerne etwas weniger sein dürfte, täte Alexi Laiho gut daran, auf der gesanglichen Seite mal etwas dazu zu lernen. Klar, auch das von Wut geschwängerte Gekeife Laihos macht Children seit jeher aus, doch irgendwann hat man es wirklich gehört, insbesondere wenn ein groovendes Riff wie jenes in "Pussyfoot Miss Suicide" so sehr nach einem wirklichen Sänger schreit. Und wenn dann wieder die dünnen Keyboard-Synthies einsetzen, dann wird man das Gefühl nicht los, mit "Relentless Reckless Forever" ein Werk vor sich zu haben, das, obwohl es erst dieser Tage erschienen ist, schon reichlich Staub angesetzt hat.
Kissi
  
Punkte: 5.5 von 10
WYVERN – Lords Of Winter
Jolly Roger Records/
Non Stop Music
Wyvern ist eine Drachen-Art, die u.a. in der ostafrikanischen und nordeuropäischen Mythologie vorkommt und daher wohl ein recht beliebter Begriff ist, um eine Musikkapelle danach zu benennen. Aktuell gibt es weltweit 5 Bands, die auf diesen Namen hören. Wenn das mal keinen Ärger gibt. Unsere Wyvern hier haben sich in Italien gefunden und liegen mit ihrer Musik zwischen Power Metal, Epic Metal und Progressiv Metal. Mit "Lord Of Winter" kommt nun die 2. Scheibe des Quartetts auf den Markt und bietet 10 Tracks, wovon die 2 Songs, "Reflections" und Eternal Symphony", selbstverständlich eine Überlänge von 11 Minuten vorweisen. Ist es unprofessionell, zu sagen, dass ich gerade 6 Stunden Symphony X am Stück gehört habe und somit dem Gesang von Fabio Bonaccorsi gar nichts abgewinnen kann? Musikalisch mag die Scheibe ja noch ganz ansprechend sein, aber das Herzstück ist für mich immer noch der Gesang. Und der ist hier recht monoton und bietet nicht genug Charakter, um diese Scheibe für mich attraktiv wirken zu lassen. Wenn Herr Bonaccorsi noch etwas an seiner Gesangskunst feilt, könnte jedoch das nächste Werk eine nette Überraschung werden.
Liane P.  

Punkte: 5.5 von 10
OMMATIDIA – In This Life, Or The Next
Season Of Mist
/Irascible
The Old Dead Tree sind ja leider im Jahre 2009 auseinander gegangen, doch zwei Mitglieder davon, Nicolas Chevrollier und Vincent Danhier, haben sich nun mit weiteren Musikern dazu entschlossen, ihre musikalische Reise fortzusetzen. „In This Life, Or The Next“ rockt generell schön nach vorne, stets mit einer leichten Melancholie-Schlagseite. Das Problem dabei ist nur, dass es sich so anfühlt, als wollte man auf Teufel komm raus etwas produzieren, und dieses Etwas hat nun keinen roten Faden vorzuweisen. Da gibt es immer wieder seltsame Breaks, die Gesänge sind ruhig, dann wieder hektisch, beinahe Indie-mässig leicht-locker und doch wieder mit einer seltsamen, unpassend scheinenden Schwere behaftet… Es ist nicht leicht, zu beschreiben, was einem durch den Kopf schiesst und welche Gefühle sich in einem breit machen, wenn man dieses Debut anhört. Eventuell könnte man Memory Driven mit ihrem Debut „Relative Obscurity“ als Vergleich hinzuziehen, wobei die Amis den Franzosen von Ommatidia ganz klar eines vorweg haben: Der Aufbau der Songs erscheint logischer, und es liegt nicht so eine Hektik in den Songs sowie in der gesamten Atmosphäre. Ganz ehrlich, ein wenig enttäuschend ist dies schon, da die Jungs von Ommatidia keine blutigen Anfänger mehr sind, es scheint einfach so, als ob man alle möglichen Einflüsse und Ideen auf CD hat pressen wollen – eigentlich eine gute Idee, aber wenn keine Grundidee ersichtlich ist, wirkt das Ganze eher sperrig und nicht fassbar. Rein technisch gesehen existieren keine Mängel, die Produktion ist sehr gut und auch der Mix weiss zu gefallen, da der Sound klar und druckvoll aus den Boxen kommt. Aber eben, Technik ist nicht alles, wenn der Spirit der Scheibe nicht zu wirken vermag, dann leidet das Hörvergnügen spürbar darunter.
Toby S.

Punkte: 5.0 von 10
EMMURE - Speakers Of The Dead
Victory Records

Es fängt bei der begutachtung von Emmures Cover-Artwork schon schlecht an. Einen Gettoblaster auf dem Cover zu haben und den Titel des neuen Werkes "Speakers Of The Dead" zu nennen, braucht heutzutage eine gesunde Portion Selbstvertrauen. Doch anscheinend besitzen die fünf Amerikaner ein solches, denn anders kann ich mir die desaströse musikalische Erleuchtung nicht erklären. Sänger Frankie Palmeri stöhnt, schreit und brüllt so, dass man nach ein paar Sekunden schon den Griff nach einem beruhigendem Whiskey braucht. Aber auch die instrumentalische Fraktion mit ihren nervenden Breakdowns, dieses verdammte 'Stop and go'-Geklimper, nein Leute, auf das stehen wir definitiv nicht. Die Sache ist zwar megafett produziert, aber was nützt das alles, wenn man nach nur wenigen Sekunden die Stoptaste drücken will, weil man sonst ausrastet, und Leute, hier spasse ich nicht, meine Nerven waren am Limit! Metalcore- oder auch Deathcore-Fanatiker, die Nerven aus Stahl besitzen, sollten mal einen Schluck nehmen, aber ich habe von den üblen Nebenwirkungen gewarnt! Nicht mein Ding.
Daniel J.  
Punkte: 4.3 von 10
OF LEGENDS - Stranded
Season Of Mist
/Irascible
Wie viel Engstirnigkeit verträgt eine Platte denn so eurer Meinung nach? Wo hört die künstlerische Vision auf, wo beginnt die Eintönigkeit? Ich würde fast meinen, dass Of Legends mit "Stranded" ein Exempel statuieren: Zehn Songs lang tiefergestimmte Klampfen unisono malträtieren, etwas schroffe Beats darunter legen, eindimensionale Vocals dazupappen, das ganze elektronisch etwas verfremden und dann die resultierenden 24 Minuten als Album abzustempeln – das hätte ich mich nicht getraut. Würde die Band mit "Stranded" tatsächlich ein Statement ablegen, so würde die Sache wahrscheinlich sogar noch durchgehen, aber in der aktuellen Form kann ich der Platte nur mit Mühe was abgewinnen. Leider hat das Allgemeinbewusstsein nach wie vor Mühe, fette Stilmittel und gute Songs voneinander zu trennen, und so werden Of Legends mit dieser Scheibe wohl vor allem im Untergrund über alle Himmel gelobt werden – in Tat und Wahrheit sorgt "Stranded" aber nur knapp für ein müdes Gähnen im Antliz der Metalgötter.
El Muerte
Punkte: 4.0 von 10
ORDOG – Remorse
Violent Journey Records/Non Stop Music

Finnland und kein Ende in Sicht. Zwischendurch könnte man echt auf den Gedanken kommen, dass die Leute dort nichts anderes machen als sich in Bands zusammen zu raufen und ihre mehrheitlich düstere, depressive Mucke ins restliche Europa und ins Ausland zu verschicken. Gut, genug Klischees und Vorurteile, schauen wir doch mal, was Ordog denn auf ihrem dritten Album so zu bieten haben. Bleierner, sauschwerer Doom walzt sich aus den Boxen und ertränkt den Zuhörer in seinen Lava-artigen Riffs, dem röchelnden, teilweise auch clean vorgetragenen Gesang und einer Atmosphäre, die absolut keinen Lichtschein kennt. So weit so gut, aber das Material ist leider weder besonders innovativ noch individuell, nicht einmal die Keys können da gross Abwechslung reinbringen, denn die sind dermassen leise und im Hintergrund, dass sie kaum wahrgenommen werden können. Einzig das Instrumental „Meant To Be An End“ reisst doch noch was – aber zu wenig, um den Gesamteindruck der Scheibe positiver werden zu lassen. Wer auf überlange Songs in sehr ähnlichen Strukturen steht und wem es nicht drauf ankommt, ob man was verpasst während man sich gemütlich einen Kaffee oder ein Balisto genehmigt, der kann sich „Remorse“ ja mal anhören, ansonsten dürfte dieses Werk wohl kaum jemanden grossartig interessieren.
Toby S.  

Punkte: 3.5 von 10
TREIBHAUS – Alphatier
Danse Macabre Records
Ui, ganze drei Blätter Infos zu Treibhaus, das hatte ich bisher auch noch nie. Sagt das was aus über die Qualität der Musik? Nein. Macht es mich stutzig? Oh ja! Ich halte es da mit folgender Maxime: Je mehr Wind um etwas gemacht wird, desto mehr wird versucht, von etwas Negativem abzulenken. Hat keine generelle Gültigkeit, logisch, aber immer wieder trifft es eben doch zu. Und bei Treibhaus ist dies ebenfalls so. Was haben wir vor uns? Industrial der Marke Neue Deutsche Härte, vergleichbar mit Rammstein, Megaherz, Eisbrecher, Oomph! und Schweisser. Dazwischen sind immer wieder elektronische Einsprengsel zu vernehmen, eher hintergründig angeordnet, was vielleicht auch besser so ist. Klingt nämlich stellenweise wie ein etwas besserer Game Boy. Der Gesang ist, na ja, also er ist vorhanden, wenn man ihn denn so nennen will. Sprechgesang trifft’s eher, richtig gesungen wird nämlich käumlich. Die Texte sind dermassen pathetisch und klischeetriefend, ohne jeglichen Tiefgang und Sinn, kann man also streichen. Was bleibt also übrig? Nun, im Grunde genommen kann man die Band Treibhaus als Resteprodukt dessen betrachten, was an besseren Bands, wie oben beschrieben, bereits auf dem Markt ist. Quasi ein Bastard der hässlichen Sorte. Mehr gibt’s dazu eigentlich nicht zu sagen, wer auf alles verzichten kann, was eine Band nur ansatzweise interessant macht und intelligent klingt, der kann „Alphatier“ ohne Probleme kaufen, aber das dürften auch Leute sein, die auch sonst jeden Scheiss in sich reinstopfen. Kann man ohne schlechtes Gewissen in die Tonne treten.
Toby S.
Punkte: 1.0 von 10     
     
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