CD-Reviews Oktober 2015
Wertung:
  9.0 bis 10 Kaufempfehlung.         7.5 bis 8.9 Gut.
  4.0 bis 7.4 Vor Kauf reinhören.   0.0 bis 3.9 Nicht empfohlen.
W.A.S.P. – Golgotha
Napalm Reords/Universal
Tja, jetzt verstummen die ewigen Nörgler. Die selbsternannten Besserwisser, welche Blackie Lawless immer vorgeworfen haben, dass er bis heute nur drei Songs geschrieben hat. Einen schnellen, einen bombastischen und einen langsamen. „Golgotha“ ist die Rückbesinnung auf das, was den Bandleader immer ausgezeichnet hat. Seine kraftvolle Stimme und Songs, die sofort in die Rübe gehen. Das wird klar bei den ersten drei Tracks „Scream“, „Last Runaway“ und „Shotgun“. Wobei Letzterer alleine durch die Gitarrenarbeit mit dem Überhit „Wild Child“ verglichen werden kann. Balladen sind die eine Stärke von W.A.S.P. und dies belegt einmal mehr die unter die Haut gehende Nummer „Miss You“, welche von der aus tausenden Stimmen sofort erkennbare Voice getragen wird und einem Gänsehaut erzeugenden Gitarrensolo von Doug Blair lebt. Dramatisch geht es weiter mit „Fallen Under“ und dem an „Chainsaw Charlie“ erinnernde „Slaves Of The New World Order“. „Golgotha“ weist keinen einzigen Ausfall aus. Überzeugt mit Klasse, einem Sänger, der noch immer in Bestform ist, Songs, welche diesen Titel auch verdienen und mit „Eyes Of My Maker“ Rock mit Metal und Tiefgang verbindet. Wie „Heroes Of The World“, das mit akustischen-Gitarren startet und dann förmlich losbricht, um mit dem Titelsong diesen O(h)rgasmus beendet. Blackie zeigt allen Zweiflern den gestreckten Mittelfinger, lächelt süffisant dazu und schöpft aus seiner Kreativität locker neue Klassiker. Mehr muss man zu diesem Wunderwerk nicht sagen, ausser… GENIESSEN!!!
Tinu  

Punkte: 10 von 10
STRYPER – Fallen
Frontiers Music/Musikvertrieb
Wow… Mit einer starken Scheibe habe ich von Michael Sweet (Gesang, Gitarre), Oz Fox (Gitarre), Tim Gaines (Bass) und Robert Sweet (Drums) gerechnet. Mit einer solchen Killerscheibe und dermassen hart vorgetragenen Tracks aber nicht. Dabei gehören die Leppard-artigen Chöre noch immer zum festen Bestandteil der ehemaligen Bibelschmeisser, wie beim Titeltrack, oder „Big Screens Lies“ (schon fast Black Sabbath-artig), wie auch die kräftigen Riffs und Soloeinlagen. „Pride“ trägt seinen Songtitel zu Recht. Mit einer unglaublichen Härte und Stolz wird dieser Track vorgetragen. Die Produktion trägt viel Positives dazu bei, dass die Lieder fetter aus den Boxen klingen und nicht mehr so verwässert sind, wie auf vorherigen Scheiben („To Hell With The Devil“ einmal aussen vorgenommen). Trotz der Härte fehlen die typischen Stryper-Hymnen nicht, sondern finden mit „Heaven“ und „Love You Like I Do“ ihre Weiterführung. Michael Sweet und seine Jungs haben ein wirklich famoses Album abgeliefert, welches den Herren endlich auch den bis jetzt gern versperrten Weg zu den Metallern ebnen sollte. Klar wissen die White-Metaller noch immer, wie man tolle (Halb-) Balladen schreibt („All Over Again“) und bei all den Lobeshymnen werdet ihr Euch fragen, wieso die Scheibe nicht die Höchstnote bekommt, wenn man mit „Till I Get What I Need“ sehr flott unterwegs ist, oder „The Calling“ einen weiteren Hörgenuss bietet. Dies liegt an dem eher ernüchternden „After Forever“, welches die Band sicher von einer neuen Seite zeigt, die man sich aber zuerst mehrmals anhören muss, um damit warm zu werden. Als glanzvoller Abschluss erschallt das nach dem ersten Hören zum absoluten Favoriten erkorene „King Of Kings“. „Fallen“ ist eine Hammerscheibe geworden, die man heute nur noch selten serviert bekommt.
Tinu 

Punkte: 9.5 von 10
SIVYJ YAR – Burial Shrouds
Avantgarde Music
Den kuriosen und kaum aussprechbaren Bandnamen des im 2006 gegründeten Projekts hat eine slavische Gottheit geliefert. Als Songschreiber und einziges dauerhaftes Mitglied von Sivyj Yar wird ein Russe namens Vladimir angegeben. Die Klanglandschaft, die er auf "Burial Shrouds" erschafft, ist äusserst divers und stimmungsvoll. Wer die Post Black Metal-Vergangenheit von Alcest immer noch herbeisehnt, könnte in Sivyj Yar auf musikalischer Ebene einen valablen Ersatz finden. Vladimir's suicidales Geschrei ist zudem nicht weniger charakteristisch als jenes von Neige. Das Ambiente steht bei Sivyj Yar noch etwas stärker im Vordergrund, was sich in den vielen eingeflochtenen Samples ausdrückt. Klänge von Pferdehufen und Arbeitswerkzeugen versetzen den Hörer thematisch in die Szenerie, in welcher die 2009 begonnene Alben-Triologie - mit "Burial Shrouds" als drittem und damit letztem Teil - spielt. Leitmotiv ist das Elend des russischen Bauernstandes - dem Hüter traditioneller Werte. Im dritten Teil kriegen in den Kompositionen nun erstmals auch Lichtblicke Platz. Lichtblicke, wofür die Menschen, die besonders im nicht enden wollenden Winter unter sehr garstigen Bedingungen zu leben haben, mit einer verbissenen Entschiedenheit kämpfen und dann mit einer besonderen Intensität erleben. Diese Intensität widerspiegelt sind auch in der Musik. Grosses Kino!
Patricia L.  
Punkte: 9.2 von 10
GLORYHAMMER – Space 1992 – Return Of The Chaos Wizards
Napalm Records/Universal
Alestorm-Master Christopher Bowes und unser Schweizer Barde Thomas Winkler schlagen erneut zu! Nach dem grandiosen Debut-Album Tales From The Kingdom Of Fife ist auch das aktuelle Werk ein harter Tritt in den Allerwertesten all jener Bands, die irgendwie cineastisch, symphonisch oder true klingen möchten. Gegen dieses Werk sehen gar die vermeintlichen Szene-Könige alt aus! Warum das so ist? In erster Linie weil das Genie Bowes mit viel Witz, Selbstironie und Narrenfreiheit gezielt sämtliche Klischees ansteuert, anstatt sie zu umfahren! Das führt zu Kompositionen, welche trotz des ewigen „alles schon mal Dagewesenen“ einfach Spass machen. Heimlich freuen, ein bisschen Fremdschämen und die Fäuste in die Lüfte schwingen sind unweigerliche Reaktionen für sämtliche True Metal-Fans. Wer dagegen dieses Genre bereits hasst, wird hier seine Bestätigung finden. Gloryhammer bieten hier Hymne an Hymne, wobei das space-poppige „Universe On Fire“ schon sehr extrem klingt. Höhepunkt aus musikalischer und textlicher Sicht ist das teilweise Hörspielartige fast zehnminütige „Apocalypse 1992“. Dieses zitiert zum Schluss sogar ganz kurz symphonische Dream Theater! Konzeptionell wird die auf dem Debut gestartete Erzählung konsequent weiter geführt. Nur führt die Geschichte diesmal nicht in ein erfundenes Mittelalter, sondern in den Weltraum. Wobei auch vom „King Of California“, von Dundee und den „Questlords Of Inverness“ gesungen wird. Ein irdischer Bezug bleibt also bestehen, auch wenn z.B. Thomas Winkler seine grüne Lederrüstung durch eine wiederum grüne Space-Rüstung ausgetauscht hat. Fassen wir zusammen: Zwei Alben, zwei Volltreffer! Diese Quote kennen wir sonst eigentlich fast nur aus den 80er Jahren! Christopher Bowes dürfte wohl bald ein Problem haben, von dem Legionen von Bands nur träumen können. Soll er nun Alestorm oder Gloryhammer weiter verfolgen? Oder beide Bands mit grosser Kraft vorantreiben. Piraten- und Drachentöter-Fans werden auf letzteres hoffen und das neue Gloryhammer-Album kräftig abfeiern.
Roger W.  
Punkte: 9.0 von 10
QUEENSRŸCHE – Condition Hüman
Century Media/Universal
Seien wir ehrlich, es war eine göttliche Fügung, dass Queensr’che sich mit dem ehemaligen Crimson Glory-Shouter Todd La Torre einen Weltklasse-Sänger in die eigenen Reihen holen konnten. Was zusammen mit dem Sympathikus auf den Bühnen abging, war eine Offenbarung, die in dieser Form sogar die alten Queensr’che in den Schatten stellte. Endlich orientierten sich die Ur-R’cher Michael Wilton (g), Eddie Jackson (b) und Scott Rockenfield (d) an den guten alten Tagen und verzauberten die Ur-Fans mit einer famosen Setliste. Das erste gemeinsame Album „Queensr’che“ war in meinen Augen aber weit davon weg, was man sich von dieser erstarkten Band erhoffen konnte. Ein Werk, bei dem man zu sehr auf "Nummer Sicher" gehen wollte und sich im Studio noch nicht wagte, was auf der Bühne wieder umgesetzt wurde. Somit war ich sehr auf die neue Scheibe gespannt, und ich darf mit einem hocherfreuten Nicken feststellen, dass Queensr’che wieder zu ihrer alten Stärke zurück gefunden haben. Dies auch dank Sangesgott Todd, aber auch Nummern wie „Arrow Of Time“, „Guardian“, welches sich auch gut auf „Rage For Order“ zurecht gefunden hätte, oder „Hellfire“. Queensr’che sind um einiges mutiger geworden, vertrauen wieder auf das, was das Quintett immer stark gemacht hat und hauen einen Hit nach dem anderen aus dem Ärmel! Und davon gibt es gleich elf auf der neuen Scheibe. Wie „Toxic Remedy“, das auch gut auf „Operation: Mindcrime“ gepasst hätte, oder „Bulletproof“ (was für ein Tiefgang und eine Sangesleistung von Mister La Torre!) und der Ballade „Just Us“. Queensr’che werden sich immer an den ersten drei Alben und der Debüt-EP messen lassen müssen. Diese Qualität erreicht „Condition Hüman“ nicht. Aber mit dem flotten „All There Was“ und dem abschliessenden Titelsong klopfte der Fünfer mächtig an den monumentalen Status der alten Klassiker.
Tinu  
Punkte: 9.0 von 10
THUNDERMOTHER – Road Fever
Despotz Records
Stockholm mausert sich immer mehr zur Musikmetropole Europas, zumindest was den Bereich Rotz Rock / Neo Sleazy anbetrifft. Die fünf Girls von Thundermother jedenfalls haben sich in der schwedischen Hauptstadt zusammengefunden. Den Grundstein legte Gitarristin Filippa Nässil, die 2010 auf die ebenfalls an der Sechssaitigen tätige Italienerin Giorgia Carteri traf. Die neu gegründete Band wurde durch die beiden Schwedinnen Tilda Stenqvist am Schlagzeug und Linda Ström am Bass ergänzt. Der Posten hinter dem Mikro wurde durch die Irin Clare Cunningham besetzt. Bereits der erste Output „Rock'n'Roll Disaster“ lies aufhorchen. Nun stehen die Mädels mit dem zweiten Streich „Road Fever“ vor der Tür. Zwischenzeitlich war die Truppe auch im Live Sektor aktiv und absolvierte erfolgreiche Tourneen als Support von Michael Monroe und Danko Jones. Musikalisch passt man hervorragend zu den genannten Herren. Thundermother wildern entsprechend sehr versiert im Kick Ass Rock'n'Roll Genre. Dabei adaptiert man zwischen AC/DC und Airborne so ziemlich alles Relevante, fabriziert dabei aber ein ganz eigenes, individuelles und absolut erstklassiges Gebräu. Sämtliche Songs stammen aus der Feder von Filippa. Die Dame beweist dabei grosses Talent für nachhaltige Strukturen und grossartige Melodien. Unnötiger Schnickschnack wird dabei kompromisslos weggelassen. Vom ersten bis zum letzten Ton wird kräftig Gas gegeben. Gefangene werden dabei keine gemacht. Songs wie „It's Just A Tease“, „FFWF (Fight Fire With Fire)“, „Roadkill“, „Thunder Machine“ oder „Rock'n'Roll Sisterhood“ bestechen durch unglaublichen Groove und höchsten Kick Ass-Faktor und haben mächtig Biss. Nebst den treibenden, wuchtigen Riffs besticht Thundermother vor allem durch den erstklassigen Gesang. Die dreckigen Powervokals von Clare können jederzeit mit Joan Jett oder Liv Jagrell (Sister Sin) konkurrieren. Nach Crucified Barbara und Barbe-Q-Barbies eine weitere echte Rock'n'Roll-Girl Band mit Potenzial.
Chris C. 
Punkte: 9.0 von 10
TANK – Valley Of Tears
Metal Mind
Den Briten von Tank klebt das gleiche Pech am Arsch wie Anvil oder Raven. Trotz guter bis sehr guter Scheiben konnten die beiden Gitarristen Clive Evans und Mick Tucker nie den Erfolg verbuchen, welcher den Pionieren zugestanden wäre. Mit einem neuen Line-Up, ZP Theart (Gesang, Ex-DragonForce), Barend Courbois (Bass, Blind Guardian, Vengenace) und Bobby Schottkowski (Schlagzeug, Ex-Sodom), haben sich die beiden Ur-Mitglieder eine tolle Formation gebaut, die schon mit dem eröffnenden Titeltrack zeigt, dass hier Musiker am Werke sind, welche gute Songs schreiben können. Mit tollen Riffs, guten Melodien und einem fetten Rhythmus. Hört man einen Song wie «War Dance», dann fragt man sich, wieso Tank immer im Untergrund beheimatet waren? Hier stimmt alles und speziell ZP gibt eine ganz tolle Figur ab. Interessant auch, wie sich Bobby mit den eher Midtempo gehaltenen Liedern bestens in Szene setzen kann und nicht immer nur die Doublebass bis zur Geschwindigkeitsohnmacht durchhämmern muss. Das zehnte Studioalbum ist wahrscheinlich das ausgereifteste Werk in der Karriere von Tank, die 1980 gegründet wurden. Lieder wie «Hold On», «Living A Fantasy», die flotten «Heading For Eternity» und «World On Fire», der kleine grosse Hit «Make A Little Time» und der Brecher «One For The Road» sind einfach klasse Tracks. Vielleicht müssen sich zuerst die Alt-Fans an die höhere Stimme von ZP gewöhnen, aber sein Vorgänger Doogie White war ja auch schon ein anderes Kaliber als Ur-Sänger Algy Ward. Fazit: «Valley Of Tears» ist neben anderen Highlights in diesem Monat die ganz grosse Überraschung!
Tinu  

Punkte: 9.0 von 10
MY DYING BRIDE – Feel The Misery
Peaceville Records/Irascible
Etwas über diese, ja, ich kann es nicht anders sagen, Kultband zu schreiben, ist nie einfach – zu komplex sind die Werke, zu unterschiedlich in ihrer Aufmachung, zu speziell die Musik und die Atmosphäre, welche erzeugt wird… Ich könnte hier noch weitere Punkte anbringen, welche das Gesamtwerk My Dying Bride beschreiben, aber ganz ins Schwarze würde wohl nichts treffen. Warum? Weil es schwierig ist, all dies zu beschreiben, was die Engländer verkörpern und darstellen. Und „Feel The Misery“ macht hierbei keine Ausnahme (ich meine, man nehme nur schon mal den Titel – kurz, aber prägnant und treffend wie sonst nix!) – klar, im Grunde genommen ist es Gothic/Doom Metal mit atmosphärischen Prägungen, aber der gute Aaron Stainthorpe macht hier auf diesem Output so viel durch, wie schon seit einer Ewigkeit nicht mehr. Oder so scheint es, denn nur schon beim Opener „And My Father Left Forever“ werden alle Register gezogen, welche My Dying Bride ausmachen: doomiger, aber dennoch sachte groovender Sound, der mit dieser unnachahmlichen, clean weinerlich klingenden, dann wieder doomig grollender Stimme veredelt wird (makabres Detail: nach der Fertigstellung dieses Songs verstarb der Vater von Aaron tatsächlich). Dass der gute Calvin Robertshaw, seines Zeichens eines der Gründungsmitglieder, seit 2014 wieder mit an Bord ist, meint man der Gesamtstruktur anzumerken – es geht wieder ziemlich heftig zurück zu den Anfängen. Auch wird wieder vermehrt gegrowlt, die Geige spielt wieder eine prägendere Rolle… Nun, nachdem auch die ehemaligen Labelkollegen und ebenfalls Mitbegründer des Genres Gothic Metal, Paradise Lost, wieder zu ihren Wurzeln zurückgekehrt sind (was einen gröberen Einschnitt bedeutete), scheint es, als ob My Dying Bride ebenfalls wieder Wert auf ‚traditionellere‘ Mucke legten. Aber das ist nur Spekulation. Fakt ist, dass „Feel The Misery“ eindeutig wieder ein Werk ist, das sich mit einer gewissen Zeitdauer zu einem unsterblichen Klassiker entwickeln kann. Ich trinke zwar keinen Rotwein, aber in diesem Fall mache ich eine Ausnahme: Cheers to the misery!
Toby S.  

Punkte: 9.0 von 10
GRAVE - Out Of Respect For The Dead
Century Media/Universal
Dass sich Grave keinen Deut um Trends scheren, muss nicht extra betont werden. Das haben sie in den letzten 27 Jahren ihres Bestehens oft genug und in aller Deutlichkeit bewiesen. Neuestes Beweisstück: Studioalbum Nr. 10 „Out of Respect for the Dead“. Aufgenommen, gemixt und gemastert im bandeigenen Soulless-Studio in Stockholm kommt 2015 mit dieser Scheibe einer der besten Outputs der Old School Deather raus. Die Songs klingen unglaublich angepisst und rau und feuern einem direkt in die Fresse - bleiben aber auch im Ohr und sind songwriterisch auf richtig hohem Niveau. Grave-typisch gibt es sowohl schleppende Moshparts auch als Uptempo-Parts, und die Riffs auf dieser Scheibe sind echt selten gut. Besonders der Titelsong, aber auch „The Ominous „They““ bleiben ausserdem schon beim ersten Hördurchgang im Ohr hängen und obwohl Grave musikalisch immer noch deutlich im Death Metal der frühen 90er zu Hause sind - und das wohl auch immer bleiben werden - klingt hier nichts altbacken oder ausgelaugt sondern voller böser, angepisster Energie. Dass Grave vielseitig sind und dieses Album alles andere als langweilig, wird mit dem 9-minütigen Abschlusstrack „Grotesque Glory“ untermauert. Hier zeigen sich die Schweden von ihrer doomigen, atmosphärischen, unheimlichen Seite, was ihnen genauso gut steht wie das unbarmherzige Hämmern und Treiben der Up- und Mid-Tempo-Tracks. Unbedingt kaufen!
Lucie W.  

Punkte: 9.0 von 10
ANNIHILATOR – Suicide Society
UDR Music/Warner
Das neue Album um Gitarrenlegende Jeff Waters weist eine wichtige Neuerung auf. Sänger Dave Padden hat das Schiff verlassen und Jeff hat sich wieder das Mikrofon vor die Nase gehalten. Was in meinen Ohren schon bei „King Of The Kill“, „Refresh The Demon“ und „Remains“ sehr gewöhnungsbedürftig war, ändert sich auch nicht auf dem neuesten Streich. „My Revenge“ klingt sicherlich schon rockig, oder „Snap“ (Killersong) besticht durch die typisch brachialen Monsterriffs des Meisters, aber er ist einfach kein Sänger. Schade, denn die Songs sind eigentlich verdammt gut geworden, können den ganz grossen Momenten von Annihilator jedoch nicht das Wasser reichen, haben aber ihre absolute Daseinsberechtigung. Zum Beispiel das an alte Glanztaten erinnernde „Narcotic Avenue“, des heftige Thrash-Brett „Break, Enter“ und das langsam beginnende sich mehr steigernde „Every Minute“ in dem Jeff einmal mehr zeigt, welche Fähigkeiten in seinen Fingern stecken. Würde diese Songs zum Beispiel ein Joe Comeau einsingen, würde sich die Bewertung weit über der 9-Punkteskala einpegeln. So darf man bei „Suicide Society“ von einem sehr interessanten Album sprechen, das kaum einem Annihilator-Fan enttäuschen wird, und durch eine interessante Mixtur aus rockigen, metallenen und thrashigen Klängen zu gefallen weiss.
Tinu  

Punkte: 8.9 von 10
CHARING CROSS – Pain & Gain
Sonic Revolution/Non Stop Music
Ich mag Charing Cross! Ich mag es, wie sich die Band von Album zu Album leicht weiter entwickelt, ohne dabei ihre Wurzeln zu vergessen. Und ich mag das neue Album der Innerschweizer Hard Rocker, welche diesmal ihren Heavy Metal-Anteil ein wenig reduziert haben. Dadurch wird eine eindeutige Schubladisierung für fantasielose CD-Reviewer wieder einfacher. Denn dieses Album ist (Achtung!) definitiv Hard Rock! Wobei (und da wird es wieder verdammt knifflig) auch ein guter Schuss Rock’n’Roll mitschwingt. So gehört beim treibenden „No Pain, No Gain“, „White Line Fever“ oder „Fucked Up Again“. Bei “Hell’s Breaking Loose” stampfen Charing Cross gar treibend nach vorne, während sich „Still Alive“ von einer vermeintlich typischen Ballade in eine Stadionhymne entwickelt. Mein bisheriger Favorit ist aber „Let It Rock“. Dieser rock’n’rollt nicht nur schön, sondern besitzt auch einen für Charing Cross gewohnt bissigen Text. Diesmal werden unsere lieben Radiostationen drangenommen, welche tagein tagaus Scheisse spielen (also alles andere als Rock, Hard Rock und Heavy Metal!). Das am Schluss eingespielte Gespräch mit einem DJ sorgt für ein Schmunzeln. Pain & Gain macht vom ersten bis zum letzten Ton Spass. Sänger Peter Hochuli klingt noch angenehmer als bisher, das Songwriting kann sich durchaus mit den internationalen Hard Rock-Szene-Grössen messen und die Produktion lässt ebenfalls keine Wünsche offen. Damit machen Charing Cross anno 2015 alles richtig. Ihr könnt sie dafür belohnen, und sie mit dem Kauf von CD’s, T-Shirts, usw. unterstützen.
Roger W.  

Punkte: 8.9 von 10
PIG DESTROYER - Prowler In The Yard Reissue (Re-Release)
Relapse Records/Non Stop Music
Wenn man ein Werk aus dem Hause Relapse reviewt, muss man - bevor das Ritual anfängt - die Sicherheitsgurte anschnallen. Scheisse auch … Pig Distroyer haben ihr bahnbrechendes Grindcore-Meisterwerk „Prowler in the Yard“ vom Jahre 2001 neu eingespielt. 22 Tracks in 36 Minuten lassen jedes noch so abgehärtetes Hörorgan in seinen Grundmauern erschüttern. Was für eine Wand! Dieses Review kann man nicht in die Länge ziehen so wie dieses heftige Werk, das die Jungs von Slayer zu Chorknaben degradiert. Ich habe meine helle Freude und finde, diese Version ist mehr als gelungen. Nach Napalm Death das Beste, was es in diesem Genre gibt.
Daniel J. 
Punkte: 8.9 von 10
ASYLUM PYRE – Spirited Away
Massacre Records/Musikvertrieb

Frankreich und Heavy Metal? Ja! Denn wenn mal was aus Frankreich kommt, dann klingt es mindestens spannend. So auch bei Asylum Pyre, die auf ihrem dritten Album den Spagat zwischen Träller-Metal, Melodic Metal, Elektro-Metal, einer Prise Prog und gar Pop schaffen. Zwischendurch wird gar ein wenig gekeift. Für einmal gefällt mir sogar der Gesang einer Frau. Chaos Heidi (naja!) versteht es, zwischen seidenfein und knüppelhart zu singen. Gerade bei den härteren Parts höre ich gar Guano Apes raus. Was Asylum Pyre aber endgültig speziell macht, sind die Lieder, welche trotz ihrer Komplexität frisch klingen. Ein Song wie „Only Your Soul“ steigert sich dabei in eine Intensität, welche für Gänsehaut sorgt. Mit dem Mitsingbaren „Unplug My Brain“ zeigen sie ähnlich gelagerten Bands mit Frauengesang den Stinkefinger und ziehen an diesen lachend vorbei. Asylum Pyre können aber auch mit ruhigen Liedern überzeugen. So wirkt „The White Room“ sehr verletzlich. Im Gesamtalbum-Kontext betrachtet klingt dieses Werk nicht wie eine Aneinanderreihung von verschiedenen Liedern, sondern wie ein Gesamtkunstwerk. Wer sich auf dieses einlässt, wird in eine Stimmung versetzt, wie es ansonsten nur Prog-Metal-Bands erschaffen können. Spirited Away ist mehr als die Summe der verschiedenen angespielten Stile und gerade deshalb für jeden offenen Heavy Metal-Gutfinder wärmstens zu empfehlen.
Roger W.geschichte.
R.K.   
Punkte: 8.9 von 10
BRING ME THE HORIZON - That’s The Spirit
RCA/Sony Music
Deathcore war mal, jetzt heisst die Mucke Rock: Ich will Kohle verdienen und im Radio gespielt werden. Die alten Fans der Briten werden sich empört von der Band abwenden und sie zum Teufel wünschen. Aber das wird nicht lange dauern und es kommen Heerscharen von neuen Fans dazu, die vorher die Band gemieden haben wie der Teufel das Weihwasser. Alternativ ist das „neue“ Stichwort, wenn es um Bring Me the Horizon geht. Ja, auch Linkin Park kann man verwenden, denn zwischendurch sickern Parallelen der Amis im Sound der Briten durch. Ich muss auch gestehen, dass das Songwriting von „That’s the Spirit“ vom Feinsten ist. Die Engländer scheinen eine gute Nase haben, wenn es um gute Musik geht. Ja, sie könnten die neuen Linkin Park werden, aber das wird sich noch zeigen. Zuerst mal muss die neue Scheibe sich beweisen, und ich bezweifle es gar nicht, dass sie im kommenden Jahr die grossen Stadien füllen werden.
Daniel J.    
Punkte: 8.8 von 10
JOEL HOEKSTRA’S 13 - Dying To Live
Frontiers Music/Musikvertrieb
Als sich Gitarrist Doug Aldrich von der weissen Schlange, sprich Whitesnake verabschiedete, musste sich David Coverdale nach einem neuen Mitstreiter an der Seite von Reb Beach umsehen. Die Wahl fiel schliesslich auf Joel Hoekstra, den man vor allem von Night Ranger und dem Trans Siberian Orchestra her kennt. Da die Anwärmphase bei der neuen Wirkungsstätte offenbar abgeschlossen ist und zunächst mal im Purple-Tribute Album kreative Früchte getragen hat, musste die berühmt berüchtigte Musiker-Unrast mit einem ersten Solo-Album bekämpft werden. Je nach Ausgangslage und Vorstellungen sind willige Szene-Kollegen vonnöten, damit es auch ordentlich heraus kommt. Dass bei dieser Allstar-Geschichte der Schuss oftmals nach hinten losgeht, ist sattsam bekannt, aber es gibt zum Glück auch viele positiven Ausnahmen, und hier kann man «Dying To Live» getrost als gelungenen Erstling bezeichnen. Die illustre Gästeschar hört auf die folgenden Namen, zuerst "The Musicians": Jeff Scott Soto (Journey/Yngwie Malmsteen) - lead vocals, backing vocals; Russell Allen (Adrenaline Mob/Symphony X) - lead vocals, backing vocals; Vinny Appice (Black Sabbath/Dio) - drums; Tony Franklin (The Firm/Blue Murder) - bass und die "Special Guests": Derek Sherinian (EX-Dream Theater/Black Country Communion) - keyboards; Chloe Lowery (Trans Siberian Orchestra) - vocals; Toby Hitchcock (Pride Of Lions) - additional backing vocals; Charlie Zeleny (Joe Lynn Turner) - percussion und last but not least Dave Eggar (Amy Lee/Coldplay) - cello. Mastermind Joel Hoekstra steuerte neben den Gitarrenspuren zusätzliche Backing vocals bei. Auf dem Papier sieht das Ganze demnach wunderbar aus, und mich freut vor allem das Mitwirken von Tony Franklin, dessen Zeit bei Blue Murder bis heute unvergessen ist. Mit Jeff Scott Soto und Russell Allen sind ausserdem zwei absolute Vollprofis am Start, die eigentlich alleine schon fast Garant für gute Songs sein müssten, und das sind sie auch! Im stilistischen Schmelztiegel zwischen etwas Yngwie Malmsteen, Dio und Foreigner wurden insgesamt elf tolle Rock- und Metal-Songs eingetütet, die, auch dank der guten Eigenproduktion von Joel, von Anfang an bis zum Schluss puren Hörgenuss erzeugen. Getragen von den beiden Weltklasse-Stimmen (plus Chloe Lowery) und durchs Band toller Instrumentierung kann man sich Joel Hoekstra's 13 jederzeit genehmigen, und es bleibt schwer zu hoffen, dass Joels offensichtliche Kompositionsgabe zu einem hoffentlich geilen nächsten Whitesnake Album führen wird!
Rockslave    
Punkte: 8.8 von 10
AXXIS – 25 Years Of Rock & Power (DVD und 2 CDs)
Phonotraxx
Wer hat an der Uhr gedreht? Ist es wirklich schon 25 Jahre her, seit uns die deutschen Axxis mit ihrem Debütalbum „Kingdom Of The Night“ eine Melodic-Rock/Metal-Scheibe um die Ohren knallten, die es in sich hatte? Wie schon die DVD und CDs zur 20-Jahrfeier wurde auch dieses Mal alles in Eigenregie gefertigt. Das bedeutet, man bekommt kein Konzert zu sehen, das mit fünfzig Kameras gefilmt wurde, sondern Sänger Bernhard Weiss und seine Jungs gingen bewusst den Weg, das Ganze frei nach dem Motto „low budget“ zu filmen und zu produzieren. Auch wenn der Nebel auf der Bühne oftmals dem Konzert ein bisschen den Durchblick raubt, so hat der Fünfer eine sehr authentische DVD/CD veröffentlicht, die Spass macht. Zusammen mit den Gästen (Doro Pesch, Victor Smolski, André Hilgers, Jeanette Scherff, Werner Kleinhans oder Hannes Braun) rocken sich Axxis durch ihre musikalische Geschichte und spielen dabei locker mal 31 (!!!) Songs. Ob es neuere Lieder sind, oder alte Klassiker, das Programm ist stimmig, lebt von den Entertainerqualitäten des Sängers und kleinen Spielfehlern, die man bewusst so gelassen hat, wie sie gespielt worden sind. Es sollte kein perfektes Werk werden, sondern ein lebendiges, und dies ist der Band zu 100 % gelungen. Es gibt sicherlich rein vom Bild her perfektere DVDs. Aber selten eine solche, die dermassen durch die Begeisterung und den Spass getragen wurde, wie „25 Years Of Rock & Power“.
Tinu    
Punkte: keine Wertung
RENDEZVOUS POINT - Solar Storm
Karisma Records
Aha, mal wieder eine Prog Band aus Norwegen. Das Ganze klingt etwas nach neueren Opeth, Leprous und Devin Townsend. Sehr schnell fällt mir der toll gespielte Bass auf, der immer wieder mit krassen Läufen glänzt und gespielt wird von einer Lady, Gunn-Hilde Erstad. Sie macht hier echt einen fantastischen Job am Bass. Hört Euch nur mal „Wasteland“ an. Das Ganze klingt oft melancholisch, etwas geheimnisvoll und schwer, aber immer so, dass die Spannung bleibt, nie langweilig. Geirmund Hansen versteht es dem einzelnen Song den Gesang so aufzudrücken, dass die Songs leben, und man muss ihm einfach zuhören, er erzeugt so eine Art Hypnose beim Zuhörer, man kann sich dem nur schwer entziehen. Oder die coole Guitar, Bass-Arbeit bei „Para“ einfach nur geil. „The Hunger“ dann lebt von starken Prog Instrumental-Passagen, hier toben sich die Musiker so richtig aus. Rendezvous Point bieten hier alles andere als leichte Kost, man muss sich schon viel Zeit nehmen, um die Musik der Norweger zu verstehen und voll geniessen zu können. Aber Prog ist und bleibt halt Musik für Fans anspruchsvoller Mucke, und ich denke, das wissen die Nordländer ja eh. Jedenfalls ist Solar Storm sehr interessant, vielschichtig und tiefgründig. Viel Spass beim Entdecken!
Crazy Beat   
Punkte: 8.7 von 10
CASABLANCA – Miskatonic Graffiti
Despotz Records
Mit „Miskatonic Graffiti“ präsentiert die schwedische Formation Casablanca bereits ihr drittes Werk. Schon mit „Apocalyptic Youth“ und „Riding A Black Swan“ wussten die Jungs um den ehemaligen Alice Cooper Gitarristen Ryan Roxy zu begeistern. Dabei ist eine interessante Entwicklung zu beobachten. Die Geschichte begann als typische Achtziger Retro-Geschichte, mit einer Menge Glam und Sleazy-Querverweisen. Nach und nach reifte die Truppe und fand ihren eigenen Stil im Classic Rock-Genre. Die Achtziger Wurzeln sind aber durchaus noch erkennbar, es wurden aber auch Siebziger Einflüsse im Stil von Thin Lizzy oder Alice Cooper gekonnt dem individuellen Sound von Casablanca einverleibt. Mit „Miskatonic Graffiti“ geht die Band noch einen Schritt weiter. Dem Album wurde ein Konzept zugrunde gelegt, nämlich der sogenannte Cthulhu-Mythos . Ein Thema das ursprünglich durch den Autor H.P. Lovecraft zu Bekanntheit gelangte. Zwischenzeitlich wurde die Geschichte aber von diversen Schriftstellern und zahlreichen Bands immer wieder aufgegriffen. Casablanca versteht es die Thematik in ausgeklügelte Songs zu integrieren. Der rote Faden zieht sich dabei konstant einerseits durch die Geschichte, anderseits aber auch durch die musikalische Seite der Songs. Der Rock'n'Roll Faktor wird dabei zu keiner Zeit zugunsten der Story vernachlässigt. Die Band bringt beide Aspekte somit perfekt unter einen Hut. Die einzelnen Tracks funktionieren aber auch durch nachvollziehbare, klassische Strukturen, einzeln und unabhängig des Album-Konzeptes. Definitiv eines der cooleren Konzeptalben im Hard Rock-Genre.
Chris C.   
Punkte: 8.7 von 10
TRANCEMISSION - Paranoia
Pure Rock Records/Non Stop Music
Verdammt, ich kenn doch diese markante Stimme, jaaaa natürlich: Lothar Antoni, der Trance Shouter, der hat eine Stimme, die vergisst man nun wirklich nie mehr, wenn man sie mal gehört hat. Ich hab deren Top-Album „Victory“ ohne Ende rein gezogen. Aus Trance sind nun Trancemission geworden. Und ich liebe dieses etwas schräge Album. „Paranoia“ ist sehr abwechslungsreich geworden, startet mit Operngesang und einem starken Opener „Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen“. Oder das saustarke Gitarrenriff bei „Killer“ macht einfach Riesenspass anzuhören, dazu Lothars kratzige Stimme, genau so muss das rocken. „Make My Day“ ein waschechter Trance- ähh Trancemission-Song, geiles Riff, geiler Rhythmus und geiler Gesang, ich liebe es!! Egal ob „Paranoia“, „Hey There Gipsies“ oder „Jesus Christ“ - die Musik von Trancemission ist einfach einzigartig. Oder ein weiteres Highlight ist „Lone Wolf“, könnte glatt von Jethro Tull sein mit seinem Folk-Einschlag, ein herrlicher Track, der sofort süchtig macht. Da muss man einfach mitsingen. Genau so geht’s mir mit „Legal Highs“ sicher ein Live-Reisser. „Rockin Is My Business“ ein tolles Cover, ein Bluesrocker, der auch gut ins Live-Set passen wird. Und auch bei der gefühlvollen Ballade „Diamond Pretty“ machen die Deutschen eine gute Figur. Ebenso wie bei der letzten Nummer „Power Of The Heart“, bei den ruhigeren Tönen, kommt die raue Stimme von Lothar noch besser zur Geltung. Wirklich schöner Song. Im Refrain mit Unterstützung eines Kinderchors. Ich bin vielleicht ein bisschen voreingenommen was Trancemission angeht, weil ich die Musik der Jungs echt mag. Aber macht Euch selbst ein Bild und hört einfach rein in „Paranoia“, es lohnt sich. Ich bin überzeugt, ihr werdet Trancemission auch mögen.
Crazy Beat   
Punkte: 8.6 von 10
SADIST - Hyaena
Scarlet Records
Die Genuesen haben auch schon wieder 25 Jahre auf dem Buckel und stammen grob gesagt aus dem selben Ursumpf aus dem schon Kapellen wie Atheist, Death, Cynic und Pestilence gekrochen sind. Ich habe die talentierten Italiener nach den gutklassigen Alben „Above The Light" (1993) und „Tribe" (1996) allerdings komplett vom Radar verloren und bin gerade ziemlich überrascht, dass SADIST erstens noch existieren und zweitens zwischenzeitlich noch vier weitere Alben veröffentlicht haben. Aber wie auch immer, „Hyaena" ist auf alle Fälle ein musikalisch höchst anspruchsvoller aber (bis auf die gewöhnungsbedürftigen, eher kitschigen Keyboardsounds) immer nachvollziehbarer Bastard aus neueren Ishahn und der ersten Cynic geworden. Stimmlich brutal in Szene gesetzter, top und warm produzierter, technischer Death Metal mit jazzigen Versatzstücken, einem surrenden Fretlessbass sowie toller Gitarrenarbeit und einem Kraken am Schlagzeug. Ein Album mit Hirn UND Eiern, so kommt Freude auf! Dazu herrscht aufgrund der Hinzunahme eines Percussionisten mit afrikanischem Hintergrund und den gesampelten Busch-/Tiergeräuschen eine spezielle, getriebene, voodoo-eske Grundstimmung, wegen der ich am liebsten einen Affen häuten und als Pyjama tragen möchte. Das etwas andere Album und ich mag Hyänen, unbedingt reinhören!
Hardy   
Punkte: 8.5 von 10
RYKER’S - Never Meant To Last
BDHW
Hard to the Core ist noch immer in aller Munde und schon legt man mit Never Meant To Last eine Schippe drauf. Die Kasseler sind, seit sie wieder im Geschäft sind, mit neuem Sänger voll im Saft. Man haut hier ordentlich auf den Putz oder noch besser gesagt, man lässt eben diesen von der Decke fallen. Fette Hardcore Riffs, coole Breaks, noch coolere Gangshouts lassen dieses Werk hier zu einem heissen Anwärter vom Hardcore Album des Jahres werden. Ja Leute, wer Hardcore mag, wird diese Platte lieben, denn - wie schon erwähnt - sind alle Trademarks hier vorhanden. Zum Glück gibt es auch neben den übermächtigen Amisbands, die was von Hardcore verstehen.
Daniel J.   
Punkte: 8.5 von 10
WINDHAND – Grief's Infernal Flower
Relapse Records/Non Stop Music
Ohne vorab all die Lobeshymnen ihrer Promotionsfirma gelesen zu haben, war mir beim erstmaligen Hören klar, dass Windhand's cooler Doom mit Stoner-Attitüde den Nerv der Zeit trifft und ihnen daher auch genügend Erfolg beschert. Tatsächlich hat sich die Band in den knappen sechs Jahren des Bestehens eine ordentliche Fanbase erspielt und unter anderem Auftritte auf dem szenerelevanten Roadburn Festival und dem Maryland Deathfest verbuchen können. Die Gitarrenriffs sind so schwer und durchdringend, dass man sich mehrheitlich nur schleppend fortbewegt. 'Tanngrisnir' und 'Crypt Key' fallen diesbezüglich etwas aus dem Rahmen. Der ehemalige Nirvana-Produzent Jack Endino hat hier womöglich etwas mitgemischt, denn die Songanfänge könnten von einer Grunge-Band stammen. Während die Instrumente also durchaus etwas Abwechslung reinbringen und in 'Sparrow' gar ganz feine Töne anstimmen, bleibt Dorthia Cottrells psychedelisch-monotone Stimme während der über 70 Minuten Spielzeit eine zuverlässige Konstante. "Grief's Infernal Flower" ist der perfekte Sound zum Abschalten. Tipp: Vom Plattenspieler kommts besonders gut.
Patricia L.   
Punkte: 8.5 von 10
DEATH DEALER – Hallowed Ground
Sweden Music Group
Ross The Boss (Gitarre, ehemals Manowar) und Sean Peck (Gesang, Cage) sind wieder zurück und hauen den Metal-Freaks eine gehörige Portion Stahl um die Ohren. Schon mit dem Opener «Gunsliner» zelebrieren Death Dealer eine famose Mischung aus Country-Flair (Solo) und Tempowechseln zwischen rasanten Parts und feinfühligen Zwischenteilen. Nach «Warmaster» ist «Hallowed Ground» ein mehr als würdiger Nachfolger geworden, der sich auch nicht davor scheut rockigere Klänge («Break The Silence») ans Tageslicht zu bringen. Mit Iron Maiden-artigen Zwischentönen überzeugt «Plan Of Attack», das pfeilschnell um die Ecke kommt und bei dem Sean schon fast wie Helstar-Sirene James Rivera klingt. Auch orchestrale Momente haut uns der Fünfer mit «Seance» um die Ohren und gibt hier eine mehr als nur gute Figur ab. Wer sich die alten Manowar mit einer grossen Prise Helstar und Judas Priest wünscht, kann mit diesem Album nichts falsch machen. Auch wenn nicht jeder Ton eine Gottesgabe ist, aber das Gesamtbild stimmt und lässt die Jungs zu einem möglichen grossen Stern heranwachsen. Beweismittel? Kein Problem: «The Way Of The Gun», bei dem man klar erkennt, wer einmal die grossen Momente und Hits von Manowar geschrieben hat, oder «Total Devastation». Gebt Death Dealer eine faire Chance, wartet nicht unnötigerweise auf eine niemals kommende neue Manowar-Offenbahrung, sondern erweitert Euer Bewusstsein mit «Hallowed Ground».
Tinu   
Punkte: 8.5 von 10
DENNER/SHERMANN - Satan's Tomb
Metal Blade Records/Sony Music
Obwohl die beiden einstigen Mercyful Fate Saitenakrobaten in den letzten Jahren einzeln wie gemeinsam nicht untätig waren (wobei Hank Shermann mit der eigenen Band Fate zwischen 1984 und 1988 zwei Alben eingespielt und 2004, zusammen Michael Denner, eine Truppe namens Force Of Evil am Start hatte), mussten jetzt mehr als drei Dekaden verstreichen, ehe man sich wieder den alten Tugenden, sprich härteren Sounds zuwendet. So quasi als Appetizer für die offensichtlich noch anstehende Kreativ-Phase haut uns das schlicht mit Denner/Shermann betitelte Gespann eine deftige EP mit vier brandneuen Tracks um die Ohren. Als Shouter wurde mit Sean Peck (cage, Death Dealer, Warrior) ein zumindest nicht unfähiger Mann am Mikro verpflichtet. Ergänzt wird das Line-Up durch Marc Grabowski (Demonica) und keinen Geringeren als Snowy Shaw (Mercyful Fate, King Diamond, Dream Evil)! Hank gibt dazu zu Protokoll, dass man ganz bewusst wieder an die Grosstaten der 80er anknüpfen will. Dass dies nicht nur blutleere Worthülsen sind, beweist bereits der ziemlich flotte Opener und Titeltrack «Satan's Tomb», der ordentlich nach vorne weggaloppiert und nebst den bestens bekannten Twin-Soli natürlich auch wieder mit den tempogedrosselten Riff-Wänden aufwartet. Während «War Witch» mit thrashigem Drumming beginnt, geht es danach abermals so weiter, wie man das auf den MF-Meisterwerken «Melissa» und Don't Break The Oath» schon geniessen durfte. Vom Gesanglichen her ist es allerdings schwierig, hierzu nicht an King Diamond zu denken, respektive wie das mit seiner eigentümlichen Stimme daher gekommen wäre. Peck ist sicherlich kein schlechter Sänger, aber wenn das Original oder Meister Cagliostro von Attic nicht zur Verfügung standen, hätte da zum Beispiel Todd Michael Hall (Riot V, Reverence) klar besser gepasst, da Mr. Cage oben weg etwas die Power fehlt und die Schreie zu angestrengt klingen. Musikalisch gibt es aber eigentlich kaum was auszusetzen und nach «New Gods» und «Seven Skulls» kann mit Gewissheit gesagt werden, dass die beiden Protagonisten wahrlich eine Bombe gezündet haben, und damit ist der Ausblick auf den ersten Longplayer dieser neuerlichen Konstellation mehr als nur heiter. Da könnte noch was Grosses auf uns zukommen und darum gehört «Satan's Tomb» schon mal als Pflichtscheibe ins Regal!
Rockslave   
Punkte: 8.5 von 10
TRIVIUM - Silence In The Snow
Roadrunner Records/Warner
Es gibt schon triftige Gründe, warum bei mir bisher nur die Alben «The Crusade» (2006) und «Shogun» (2008) von Trivium im Regal stehen. Der Sound vorher und danach erreichte meine geschmacklichen Antennen einfach nicht mehr wirklich, und spätestens nach der „Unholy-Alliance-Chapter-III“-Tour (von 2008), zusammen mit Mastodon, Amon Amarth und Slayer, schwand mein persönliches Interesse an den Amis merklich. Das mag auch etwas daran gelegen haben, dass vor allem Frontmann Matt Heafy eine Zeit lang die Bodenhaftung verlor. Er wirkte überheblich und erweckte den Anschein, dass Trivium das nächste grosse Ding nach Metallica und Konsorten werden würden. Dabei offenbarte der stilistische Wirrwarr die eigentliche Zerrissenheit innerhalb der Band, und so folgte auf Metalcore Thrash Metal, der mittlerweile, trotz soweit sehr erfolgreichen Tourneen in der Zeit, ebenso der Vergangenheit angehört. Vor allem Heafy bekundete sichtlich Mühe mit "dem ewigen Geschrei" und wandte sich immer mehr cleaneren Vocals zu. Spätestens beim sechsten Album «Vengeance Fall», das 2013 vom Disturbed Sänger David Draiman produziert wurde, wurde klar, dass es die "alten Trivium" so zu sagen nicht mehr gibt. Das Resultat dieser Entwicklung trägt aktuell den Titel «Silence In The Snow» und zeigt die Amerikaner deutlich melodiöser als vorher, und dies ist nebst der Musik vor allem den nun durchgehend cleanen Vocals zuzuschreiben. Die Musik als Solche fischt indes merklich in den Gewässern von Disturbed mit einem Schuss Amon Amarth und ist in der Tat so melodiös wie nie zuvor. Herausragender Vertreter ist dabei mitunter «Until The World Goes Cold», wo für mich "die neuen Trivium" zugänglicher denn je werden. Auch «Rise Above The Tides» bleibt hier nichts schuldig und überhaupt befindet sich die Gitarrenarbeit von Corey Beaulieu auf weltmeisterlichem Niveau. Je länger ich mir «Silence In The Snow» anhöre, desto besser kommt mir die siebte Studio-Scheibe rein. Altfans werden sich womöglich definitiv von ihren einstigen Helden abwenden, während der nun deutlich massentauglichere Sound bestimmt neue Follower generieren wird.
Rockslave   
Punkte: 8.5 von 10
WEAK – Dark Desires
Woodhouse Records
Weak bewegen sich irgendwo in der Schnittmenge zwischen Type O‘ Negative, The 69 Eyes und Blutengel – dabei decken sie das Gernre Gothic/Dark Rock schön ab, ohne dabei abgekupfert zu wirken. Der Silberling ist erstaunlich abwechslungsreich und traut sich auch mal aus dem vertrauten Umfeld heraus. Bestes Beispiel hierfür ist die Coverversion des Kultlieds „The Safety Dance“ von Men Without Hats – Weak haben eine interessante Adaption des Klassikers produziert, aber so ganz überzeugt mich der Track dann nun doch nicht, wobei ich auch kein ausgesprochener Fan des Originals bin ... Die Band wurde zwar bereits 1999 gegründet, hat aber geschlagene 16 Jahre gebraucht, um ihr erstes Album zu veröffentlichen. Nun, was lange währt, wird endlich gut, und so verhält es sich auch mit „Dark Desires“ – das Debütalbum der Deutschen Kombo beweist, dass sie kein blosser Emporkömmling auf der dunklen Seite der Musik sind, wie so mancher Newcomer in diesem Genre, sondern viel mehr eine gut ausgereifte Maschine. Highlights sind der Opener „Wolfmoon“, das eingängige „Into the Night“ oder auch „The Devil’s Rose“, welches stark an The 69 Eyes erinnert. Weak trauen sich auch an sehr tiefgründige Themen, wie zum Beispiel auf dem Track „Don’t Farewell“, in dem es um Selbstmord geht. Andererseits gibt es auch einige tanzbare Nummern, wie zum Beispiel das mitreissende „Hellfire“. Fazit: „Dark Desires“ ist ein richtig schön ausbalanciertes Gothic Album, das für jeden Geschmack etwas zu bieten hat. Nostalgiker werden die Anleihen an den Dark Rock der 90er Jahre schätzen, aber auch tanzfreudige Gothic Fans werden hier fündig. Unbedingt reinhören!
Patricia H.   
Punkte: 8.5 von 10
GRAVEYARD - Innocence & Decadence
Nuclear Blast/Warner
Ich hasse es, solch abgedroschene Phrasen vom Stapel zu lassen, aber manchmal ist es einfach unumgänglich: Sind Graveyard überhaupt imstande, ein schlechtes Album abzuliefern? Wenn ich mir die bisherige Diskografie der Schweden durchs innere Ohr laufen lasse, lautet die Antwort ganz klar „nein“, und an diesem Umstand wird „Innocence & Decadence“ nicht nur nichts ändern, sondern die unumstössliche Tatsache noch bekräftigen. Die grosse Kunst von Graveyard ist dabei eindeutig, zu machen, wonach der Sinn gerade steht, ohne dabei aber beim Zuhörer zu sehr anzuecken. Das ist eine riskante Gratwanderung, deren Meisterung in dieser Form nicht manche Band zu bewältigen imstande ist. Dabei ist das Rezept von Graveyard genial und simpel zugleich: Wildere hemmungslos im musikalischen Wühltisch der späten Sechziger und frühen Siebziger rum, pick dabei alles heraus, was den passionierten Fan zwischen 18 und scheintot begeistert und banne das Ganze angereichert mit eigenen Ideen mit viel Passion auf Plastik. Lust auf einen Touch of Soul? Bitte sehr, zieht euch „Too Much Is Not Enough“ rein. Steht euch der Sinn nach Thin Lizzy? Versucht es mal mit „The Apple And The Tree“ oder mit „From A Hole In The Wall“, eingesungen von Ur-Sänger/Gitarrist Truls Mörck, der jetzt den Bass bedient. Oder darf es doch etwas Knackigeres sein, das eher in Richtung The Who schielt? „From A Hole In The Wall“ wird genau dieses Bedürfnis befriedigen. Und wer zwischendurch eine ruhige, bluesige Nummer bevorzugt, widmet sich „Exit 97“ oder „Far Too Close“, sehr kompetent eingesungen durch Gitarrist Jonatan LaRocca-Ramm, der mit seiner angenehm warmen Stimme wirklich überrascht. Musste es wirklich vier Alben dauern, um ihn endlich mal ans Mikro zu lassen? Egal, das sind Details, ich brauch jetzt Anarcho-Sound im Kielwasser von MC5. Hey, „Hard Headed“ geht ja richtig steil ab! Fazit: Graveyard haben ihren Status als Platzhirsche der Retro Rock-Szene auch diesmal mehr als erfolgreich verteidigt, ohne sich dabei anzupassen oder gar anzubiedern, „Innocence & Decadence“ ist ein absolutes Muss für jeden geneigten Fan.
Mirko B.    
Punkte: 8.4 von 10
POWER THEORY - Driven By Fear
Pure Steel Records/Non Stop Music
Die Jungs aus Pennsylvania USA hauen dem Zuhörer gleich zu Beginn eine fette Up-Tempo Metal Nummer um die Ohren, die schon beim ersten Durchlauf zündet. Obwohl „Spinstress“ etwas an Maiden erinnert, bringt der neue Shouter Jeff Rose noch genügend Eigenständigkeit mit in den Song. Auch die etwas langsamere Nummer „Long Hard Road“ gefällt gut und zeigt deutlich Parallelen zu Hammerfall. Überhaupt driften die Amis zusehends Richtung Joacim Cans und Co. Aber das ist egal, die Musik gefällt und hat ordentlich Dampf. Das klassische Headbanger-Herz wird hier mit Mitsing-Refrains, guten Soli, abwechslungsreichen Gitarrenriffs und sehr melodiösen Gesangsmelodien bedient und verwöhnt. Produziert wurde das ganze übrigens von Peter Baltes, der hier einen tollen Job geleistet hat. Und so pendelt das Album zwischen Doublebasstracks und stampfenden Metalhymnen hin und her, ohne Ausfälle rocken die Herren aus Pennsylvania durch das gesamte Album hindurch. Und es macht jede Menge Spass sich "Driven By Fear" bei voller Lautstärke reinzuziehen. Starkes Stück Metal aus USA mit klaren europäischen Wurzeln, unbedingt reinhören.
Crazy Beat    
Punkte: 8.4 von 10
SEXY – Shout For Sexy!
Ambulance Recordings
Eines ist sicher. Dieser Name weckt Erwartungen! Die CH-Hard Rock Band Sexy aus dem beschaulichen Aargau besteht aus gestandenen Musikern, die über Jahrzehnte in Bands wie Rams, Hellmute oder Angry Bastards musikalische Erfahrungen gesammelt haben. Der Vierer weiss genau, wie der Hase läuft, und nachdem sie auch live dafür gesorgt haben, dass sie im In- und Ausland keine Nobodys mehr sind, werfen sie nun mit „Shout For Sexy!“ das lang ersehnte Debutalbum auf den Markt. „Supernova Queen“ macht gleich zu Beginn der Platte klar, was uns die Jungs aus der Schweiz offerieren. Dreckiger Hard Rock mit sehr viel Rock’n‘Roll. Die Gitarren tun genau das, was von ihnen erwartet wird. Sie heulen und schrammeln den Rhythmus durch die Gehörgänge und die Drums geben der Fraktion den Takt an. Pascal Tallarico zeigt imposant, wie man stimmlich Song für Song nach vorne peitscht. Ungebremst geht es auch mit „Drive“ weiter. „Pamela“ fährt mit dem Tempo ein wenig runter und wirkt ruhiger und bluesiger als seine Vorgänger. Einzig der Refrain eignet sich bestens, um aus tausend Mäulern mitzubrüllen. Auch der Folgesong „Baby“ ist eher im Midtempo-Bereich anzusiedeln. Schwere Riffs, die unweigerlich an Chris Cornell und seine Soundgarden erinnern, an die guten alten Grunge-Rockzeiten, wo man gemütlich im Takt mit dem Kopf genickt hat. Mit „Last Night“ wird es zunehmend rockiger und eine Spur härter. Grundsätzlich aber einfach ein schöner Rocksong, der jede Menge Spass bereitet und garantiert auch live abgeht. Im Anschluss folgt ein Klassiker erster Güte. Das CCR-Cover „Fortunate Son“ ist so hammergeil und gitarrenlastig umgesetzt, dass es nur so eine Freude ist. Sexy dürften gut und gerne ein CCR-Coveralbum produzieren, denn die Stimme des Sängers passt dazu wie Arsch auf Eimer! „Street Of Sin“ grenzt wieder vermehrt in den Gefilden des Bluesrock. Die Gitarre steht klar im Vordergrund und transportiert melancholisch alle Emotionen des Songs in jegliche Richtungen. Eingängig und gradlinig, mit einem Schuss Psychodelic, rockt danach „Don“t Waste My Time“ durch die Boxen. Den Schluss der Platte macht dann der Albumtrack „Shout For Sexy!“. Wer kann schon von sich behaupten, dass er bereits auf dem Debut einen Song verewigt hat, der seiner Band huldigt. Ein bisschen Selbstbeweihräucherung hat aber bekanntlich noch niemandem geschadet – im Gegenteil! Sexy ist tatsächlich sexy. Richtig guter Rock, der viel positive Energie überträgt und auch Platz für kraftvolle ruhige Songs lässt. Das Debutalbum ist mehr als gelungen und beweist wieder einmal eindrucksvoll, dass der Rock-Teich der Schweiz noch lange nicht leergefischt ist!
Oliver H.    
Punkte: 8.3 von 10
VOID OF SLEEP - New World Order
Aural Music
Mit dem zweiten Album von Void Of Sleep aus Ravenna hat diesen Monat ein wirklich interessanter Release den Weg auf meinen Rechner gefunden. Was zunächst wie eine weitere 08/15 Epic Doom-Scheibe beginnt, nimmt nach gerade einer Minute plötzlich Fahrt an und lenkt den Kurs unerwartet um. Fortan vermischen sich progressive Elemente, dissonante Breakdowns, Versatzstücke aus dem Okkult Rock und Sludge-Einschübe zu einer Mélange, die ich in dieser Form nicht wirklich erwartet hatte. Anfangs gestaltet sich die ganze Angelegenheit noch etwas sperrig, aber mit jedem weiteren Durchlauf eröffnet sich einem die Klangwelt der vier Italiener mehr und mehr, und man entdeckt immer neue Details und Facetten im Sound dieser talentierten Band. Und das Schöne an „New World Order“ ist nicht allein die Tatsache, dass das Album als Ganzes mit jeder zusätzlichen Rotation wächst, sondern dass die Setlist so gewählt worden ist, dass sich die Scheibe auch in sich selbst von Stück zu Stück steigert. Eine wirklich schlüssige stilistische Umschreibung kann ich beim besten Willen nicht abliefern. Da höre ich Voivod, Tool, Trouble und Cathedral ebenso wie frühe Genesis und experimentelle Pink Floyd, und doch ist es am Ende des Tages schlicht der typische Void Of Sleep Vintage-Sound, einzigartig und faszinierend in seiner Vielfalt an schmeichelnden Melodien, düsteren Parts und brachialen Ausbrüchen. Und natürlich haben sie sich die Kirsche für den Schluss aufgehoben. Mit dem zehnminütigen - ganz profan „Ending Theme“ genannten Schlusslicht - hat das Quartett ein wahres Monster auf die Scheibe gewuchtet. Da zeigen Void Of Sleep nochmal ihr ganzes Können in konzentrierter Form und lassen ihrer ganzen Kreativität freien Lauf. Besser kann sich eine Band nicht selbst definieren als mit einem Song dieses Kalibers. „New World Order“ Ist für Doom Fans gleichermassen interessant wie für Prog Freaks und andere Griffbrett- Mathematiker, unbedingt reinhören!
Mirko B.    
Punkte: 8.2 von 10
MUSTASCH - Testosterone
Gain Music/Sony Music
Die schwedische Band Mustasch ist hierzulande noch nicht so bekannt wie in der Heimat. Die 1998 gegründete Truppe spielt einen eigenwilligen, teils mit metallischen und orchestralen Elementen angereicherten Hardrock. Vor allem letzteres Element, das für gewisse Fanohren gewöhnungsbedürftig ist, hat sich mitunter (wie beim Song «Double Nature» von 2007) zum klaren Markenzeichen von Ralf Gyllenhammar (v/g), David Johannesson (lg), Mats Johansson (b) und Jejo Perkovic (d) entwickelt. «Testosterone» ist das neunte Studio-Album seit 2001, wenn man die EPs und die "Best-Of" «Lowlife Highlights» von 2008 weg lässt. Der diesjährige Auftritt am "Sweden Rock" hat ausserdem gezeigt, wie angesagt die Gruppe in der Heimat ist. «Yara's Song» als Opener ist vergleichsweise ruhig, melodisch und, wen wunderts, mit Orchester-Parts verziert. «Breaking Up With Disaster» geht flotter zu Werke und «The Rider» ist das pure Gegenteil, das The Cult mit etwas Disturbed aufmarschieren lässt. Weitere Parallelen lassen sich durchaus auch bei Audrey Horne ausmachen. Dass sich Mustasch stilistisch aber eigentlich nicht wirklich festnageln lassen, beweisen das bedächtige «The Rider» und «Down To Earth» als fetziger Double-Bassdrum Rocker erster Güte. Schleppend im Anschluss «The Hunter», das zudem mit einem tollen Refrain aufwartet. Nach der Hälfte von «Testosterone» ist nicht zu übersehen, respektive zu überhören, dass das früher teils klar präsentere Klassik-Element zurück gebunden wurde. «Dreamers» könnte man sich, würde Papa Emeritus III hier singen, noch fast als Song von Ghost vorstellen! Das zeigt, dass die Stilschublade für die Schweden nicht so einfach zu benamsen ist. Mit etwas Fantasie könnte man bei «Be Like A Man» auch glatt an Muse denken. Wer also einen roten Faden sucht, findet den in erster Linie beim Gesang von Ralf Gyllenhammar und nicht zwingend bei der Musik. Allerdings können durchaus auch Volbeat als Eselsbrücke dienen und mit Hardcore Superstar bietet sich ein weiterer Anhaltspunkt an. Dass diese Mucke auch live ziemlich gut funktioniert, wurde ja bereits erwähnt. Warum die Truppe in unseren Breitengarden immer noch so zu sagen "unter Wert" fährt, ist eigentlich unverständlich. Während der Titelsong auf vielen anderen Alben von Kollegen entweder ganz am Anfang oder mitten drin steht, setzt vielmehr der Titeltrack einen rasanten Schlusspunkt. Wer Mustasch kennt und schon immer mochte, kann sich mit «Testosterone» ein weiteres Klasse-Album der Nordländer ins Regal stellen.
Rockslave  
Punkte: 8.2 von 10
STEEL RAISER – Decapitator
Iron Shield Records
In Anlehnung an den Bandnamen kann man durchaus sagen, dass Steel Raiser aus Catania langsam aber stetig wachsen. Power Metal mit ordentlich Schmackes und viel Traditionsbewusstsein dröhnt aus den Boxen, während dem ich mir ein Schmunzeln ob der Dankesliste von Sänger Alfonso „Steel Screamer III“ Giordano nicht verkneifen kann. Bedankt sich doch der Gute tatsächlich unter anderem bei seiner Ex-Frau, allen Groupies dieser Welt und bei seinen Katzen Achille, Romeo, Minú und Mimi. Sollte nochmal so ein geschmacksverirrter Kulturbanause behaupten, in schwarzes Leder gekleidete, grimmig dreinschauende Metaller hätten keinen Humor, dann reibe ich ihm eben dieses Booklet so lange unter die Nase, bis sie blutet. Musikalisch betrachtet betreten die fünf Süditaliener verglichen mit ihren vorherigen Outputs kaum Neuland und bleiben ihrem Erfolgsrezept treu, welches nichts als ein Potpourri aus Accept, Helloween, Judas Priest und Primal Fear ist. Das ist weder innovativ, eigenständig noch besonders originell, aber es ist true und konsequent bis zum Abwinken und entspricht genau den Erwartungen jedes 80er Metal-Enthusiasten. Zudem wagen sie neben all den erwarteten Riff-Kanonaden vermehrt Experimente in betont epischere Sphären („Scent Of Madness“, „Thousant Blades“) oder gar gotisch geprägte Landschaften inklusive Keyboards und tiefem, melancholischem Gesang begleitet von einer durchaus fähigen Sängerin („The Last Tears“), wobei auch hier im Solopart die eigene Heavy Metal-Identität mit voller Wucht durchbricht. „Unstoppable“ spricht mich noch einen Ticken mehr an als der Vorgänger „Regeneration“, weil die Band inzwischen gereifter und solider klingt. Ein guter Schritt nach vorne für das sympathische Quintett und ein weiterer Hoffnungsschimmer für all die Anhänger des guten, alten, soliden, traditionellen Stahls. Als Bonustrack fungiert übrigens nochmal „Scent Of Madness“, diesmal garniert mit Frickeleien am Bass gezaubert aus den flinken Fingern von Gastmusiker Dino Fiorenza (Superbia, Nowhere, Metatrone, Simone Fiorletta). Bravi ragazzi!
Mirko B.  
Punkte: 8.2 von 10
VOODOO HILL - Waterfall
Frontiers Music/Musikvertrieb
Es gibt, von ein paar renommierten Studiomusikern abgesehen, wohl kaum einen anderen Rockmusiker, der in seiner weit über 40-jährigen Karriere (das Debüt von Trapeze kam 1970 heraus!) einen derartigen Leistungsausweis wie Glenn Hughes vorzeigen kann. In den 70ern durch Deep Purple bekannt geworden, hat der stimmgewaltige Bassist nebst seinen Solo-Alben ungezählte Projekte durchgezogen und sich mehrfach als Special Guest auf zig Alben von Kollegen und Bands verewigt. Dabei veredelte er die Songs stets mit seiner fantastischen Stimme und hob dadurch Vieles aus dem Mittelmass heraus. Bei der Menge an Engagements erstaunt es aber gleichzeitig nicht, dass Bands wie Black Country Communion oder aktuell wohl auch California Breed nur von kurzer Dauer sind, respektive waren. Mit dem italienischen Gitarrist und Produzent Dario Mollo arbeitet Glenn seit 2000 zusammen und nach dem Debüt im gleichen Jahr und dem Nachfolger «Wild Seed Of Mother Earth» (2004) kommt nun mit «Waterfall» die dritte Scheibe ums Eck. Nach elf Jahren Unterbruch ist die sonst wichtige Bedeutung des "make it or break"-Albums natürlich hinfällig. Dario Mollo fand einfach den richtigen Zeitpunkt, seine neuen Songs mit der mit Sicherheit knappen Zeit des Herrn Hughes zu verbinden. Allerdings braucht es heutzutage, dem Internet sei Dank, den gemeinsamen Studioaufenthalt längst nicht mehr.

Auf welche Weise «Waterfall» entstanden ist, entzieht sich jedoch meiner Kenntnis. Aufgrund der eigentlich richtig guten Vorgänger, die sich stilistisch mehrheitlich im klassischen melodischen Hardrock mit dem einen oder anderen Funk-Sprengsel wie teils kernigeren und schnelleren Parts bewegt haben, dürfte es nun kaum anders klingen. In der Tat setzt der Opener «All That Remains» genau dort an, wo man vor über einer Dekade aufgehört hat. Will heissen kernige Riffs und prägnante Soli von Master Mollo und einmal mehr die unverkennbare Stimme von Glenn Hughes. «The Well» könnte darauf von der Rhythmik her glatt auch aus Glenns Feder stammen und besticht durch einen rauen lauten Gitarrensound. Auch «Rattle Shake Bone» rockt formidabel, doch spätestens jetzt merke ich, dass bei diesen Aufnahmen entweder beim Rippen was faul gelaufen sein muss oder wir es hier aufgrund des offensichtlich extrem hohen Pegels tatsächlich wieder mal mit einer leidigen "Loundness War" Scheibe zu tun kriegen. Das ist dann letztlich auch fast das einzige Manko, denn das Niveau der Songs bewegt sich locker auf der gleichen Höhe wie das ältere Material, und der fast siebenminütige Titeltrack überzeugt zudem mit etwas musikalischem Schlag zu Black Sabbath während der Zeit mit Tony Martin. Wer Voodoo Hill bereits kennt, kann hier nichts falsch machen und den anderen sei empfohlen, sich nach dem Erwerb des neuen Werkes auch gleich um die anderen beiden mittlerweile eher vergessenen Titel zu bemühen.
Rockslave  

Punkte: 8.2 von 10
MINDLESS SINNER – The New Messiah
Pure Steel Records/Non Stop Music
Die bereits etwas in die Jahre gekommenen Herren von Mindless Sinner wollen es nach 29 Jahren Abstinenz noch einmal wissen. Mit ihrem neuen Album „The New Messiah“ starten sie beinahe im Original Line-Up von 1986 nochmals ordentlich durch. Wie anno dazumal wird die Truppe um Christer Göransson von eingängigem, melodischem Heavy Metal angetrieben. Unverkennbares Markenzeichen ist sicher noch immer die glasklare Stimme des Sängers, die locker alle Oktaven bändigt und ausnahmslos alle Töne trifft. Druckvoll durch schlagkräftiges Drumming unterlegt, spielt sich das Gitarrenduo Magnus Danneblad und Jerker Edman mit ergreifenden Leads in die Herzen der Schwedenstahl-Liebhaber. Bereits beim Opener „Men Of Steel“ ist eindeutig spürbar, dass es Mindless Sinner mit dem Comeback ernst ist. Schnell, melodiös und energiegeladen zieht der Song an einem vorüber. „Where Worlds Collide“ ist nicht mehr ganz so schnell, besticht aber durch Gänsehaut produzierende Vocalparts. Gerade der Refrain selbst bleibt toll im Ohr hängen und wer ein wenig abschweift, hat zwischenzeitlich sogar das Gefühl, etwas Unbekanntes von Iron Maiden zu hören.

Stampfende Riffs und ein Mantra-mässiger Refrain warten beim Albumtrack „The New Messiah“ auf die Hörerschaft. Heavy Metal vom Feinsten, wenn auch immer gespickt mit einem Schuss Nostalgie der 80er. Der Song „Follow Your Path“ zum Beispiel, ist vollgespickt mit Andeutungen an die gute alte „Turn On...“-Zeit. „Terror“ ist ein topaktueller Titel, der absolut zu den momentanen Geschehnissen auf unserem Planeten passt. Er prangert den Terror in jeglicher Form an. „We’re The Ones“ ist wieder ein Metal-Stück für Liebhaber der schnelleren Gangart. Nebst hochkarätigen Gitarrensoli kommt auch Göranssons Stimme sehr gut zur Geltung, da der Song in höheren Gefilden angelegt ist. Mit grooviger Gitarrenarbeit fängt auch „Dance Of The Devil“ relativ vielversprechend an. Der Rest des Liedes ist allerdings etwas flach und langweilig geraten. Diesen kurzen Taucher bügelt das Quintett mit „Time Of Fear“ im Nu wieder aus. Die Geschichte über Angst, die dich beherrscht, in Kombination mit feinsten Gesangs- und Gitarrennuancen machen den Track abwechslungsreich und mehr als nur hörenswert. „Step Into The Fire“ ist eine echte Metalhymne à la Judas Priest. Der Gesang im Himmel und die Instrumentefraktion die gnadenlos durchrockt. Sehr beeindruckend, was hier an musikalischen Leckerbissen geboten wird. „Metalized“ schliesst dann den zehn Song starken Longplayer nach ca. 45 Minuten Spielzeit ab. Der Midtempo-Titel beweist nochmals eindrücklich, dass auch alternde Männer im Metal-Business lange nicht zum alten Eisen gehören. Mich jedenfalls hat dieses Album positiv überrascht, und ich kann es echten Metal-Fans nur ans Herz legen, auch einmal reinzuhorchen.
Oliver H.    

Punkte: 8.2 von 10
DIE BONKERS – Stürmische Zeiten
Metalville/Musikvertrieb
Bereits seit 2007 treiben die vier Jungs aus Rostock mit ihrem selbsternannten Bonk’n‘Roll ihr Unwesen. Zunächst kleinere Clubshows an zahlreichen Bikertreffen im Raum Mecklenburg-Vorpommern, danach vermehrt Auftritte vor mehreren tausend Zuschauern bei angesagten Deutschrock-Festivals. „Stürmische Zeiten“ ist das vierte Album und zugleich eine Hommage an ihr Heimatland. Dies belegt gleich der Opener „Wohin Der Wind Mich Treibt“ lautstark. Klassische Deutsch-Rock-Riffs und ein aggressiver Philly heizen so richtig ein. „Unsere Zeit“ geht glatt als Hymne durch und erinnert mit der melodischen Gitarrenarbeit stark an die Arbeit der „Onkelz“. Wie der Titel „Vorschlaghammer“ bereits ankündigt, warten fette Drums und Gitarrengetöse auf die Ohren. Musikalisch reiht sich der Track schon fast im Hardcorebereich ein. Die anschliessende Ballade „Tage Im Nebel“ ist ein Liebeslied nach Bonkers Art, mit messerscharfem Text über gescheiterte Beziehungen. „Multimilliardär“ besticht mit einer witzigen Story, die auch von den „Ärzten“ sein könnte. Ernster wird’s mit „Lasst Uns Brennen“, ein Antikriegssong, der allein deswegen schon einen festen Platz auf dem Album verdient hat. Mit „Wenn Wir Gehen“ schafft das Quartett erneut einen Moment mit Gänsehauteffekt. Schon fast nachdenklich und mit Klaviereinlage setzt „Was Lange Gärt“ zum Schlag aus und entwickelt sich zum knallharten Politstatement. Ansagen dieser Art hört man wohl nur noch von Musikern, die den Frust und die Angst in einem ehemaligen Ostblockstaat miterlebt haben. „Lady Sinister“ begibt sich auf die Spur des Oldschool-Metal gefolgt von „Kurzer Prozess“, das wiederum eine Abrechnung mit dem Spiessertum dieser Welt ist. Das i-Tüpfelchen der blöden Sprüche wird mit „1€ Job" endgültig auf herrliche Art und Weise aufgesetzt. „Knüppel Aufn Kopp feat. Ostmaul“ ist sicherlich Geschmackssache und ein Experiment, das irgendwie nicht auf dieses Album passt. Mit „Was Dich tötet“ schenken die Bonkers nochmals kräftig nach und riffen und sägen was das Zeug hält. Kurz und bündig - ehrlicher Punkrock aus dem Osten.
Oliver H.    

Punkte: 8.1 von 10
MALEVOLENT CREATION - Dead Man's Path
Century Media/Universal
„The Ten Commandments" (1991) und „Retribution" (1992) gehörten für mich zur ersten elektrisierenden Begegnung mit dem extremen Metal und hatten einen massgeblichen Einfluss auf meine Erziehung und Charakterbildung. Irgendjemand sollte diese floridianischen Rabauken deshalb verdammt nochmal heilig sprechen! Seit dem brutalen „Eternal" (1995) unterstrich die Band jedoch immer wieder ihren Ruf als geborene, aber sympathische Tunichtgute und „punktete" mit einer längeren Liste von ominösen Personalwechseln, Rassismusvorwürfen oder Haftstrafen. Die Klassiker halt. Und obwohl die nachfolgenden Veröffentlichungen für meine Ohren immer einen etwas zerfahrenen Beigeschmack von Schnellschluss hatten, habe ich mir sämtliche Alben zugelegt und einfach schön gehört. Einmal MC-Fan, immer MC-Fan halt. Und auch wenn das aktuelle „Dead Man's Path" kein Meilenstein geworden ist, zeigt das konstant hohe Niveau und der besondere „The Will To Kill", dass mit MALEVOLENT CREATION auch nach 25 Jahren unbedingt gerechnet werden muss. Die Band hat einen ganz eigenen Groove und Brett Hoffmanns dunkles Brüllen ist für mich in seiner Phrasierung und Intensität bis heute einzigartig. Darum gibt’s hier auch fast 45 Minuten lang old school Florida Death Metal und eingeschlagene Schädel galore. Und auch wenn die grossen Hits der Anfangstage immer noch fehlen, befinden sich die Mannen auf dem richtigen Pfad und lassen dann und wann mal ihre wahre Klasse aufblitzen. Stabiles und cooles, aber leider auch etwas zu unaufgeregtes Album der Altmeister die aber trotzdem noch immer kilometerweise Jungvolk atomisieren können. Death Metal mit Klasse, reinhören!
Hardy    

Punkte: 8.0 von 10
CHRISTIAN MISTRESS -To Your Death
Relapse Records/Non Stop Music
Der Fünfer aus Olympia, Washington rund um Frontfrau Christine Davis hat sich jenem noch deutlich krautig-kauzig angehauchten Hardrock verschrieben, der Ende der Siebziger nichts weniger als einer der Vorboten der langsam anrollenden NWoBHM sein sollte. Insofern hinkt der Vergleich auf dem Labelblatt nicht mal so sehr, der der Truppe unter anderem eine gewisse Affinität zu den Scorpions attestiert, als diese (und unzählige andere…) noch die unmöglichsten Bühnenoutfits des Planeten trugen. Bei den gerne und oft eingesetzten, geschmackssicheren Doppelleads dürfen selbst Thin Lizzy und die guten alten Wishbone Ash als Vergleich herhalten, aber das war’s meiner Meinung nach dann schon mit den Querverweisen, denn Christian Mistress verfügen über ausreichend eigene Trademarks, die sie auf ihre Art einzigartig machen. Sei es die auf Seventies Vintage Sound getrimmte, staubtrockene Produktion, die eigenwilligen Songstrukturen jenseits des schnöden „Strophe-Bridge-Refrain“ – Schemas oder die absolut charakteristische Stimme von Frontlady Christine, die Band hat das gewisse Etwas, das sie aus dem Einheitsbrei hervorhebt, auch wenn Letztgenannte mit ihrer eher Folk-kompatiblen Stimme zugegebenermassen nicht unbedingt über die kräftigste Rockröhre verfügt, was sich besonders im knackigen Uptempo-Rocker „Open Road“ etwas schmerzlich bemerkbar macht. Egal, als Gesamtpaket funktioniert das Ganze wirklich gut, und der eben erwähnte kleine Mangel wird durch kompositorische Kompetenz und viel Leidenschaft mehr als nur kompensiert. Wer sich „To Your Death“ anhören will, sollte also ein gewisses musikhistorisches Verständnis mitbringen. Sollte dies der Fall sein, erschliesst sich einem ein wunderschönes Album in der Grauzone zwischen altbackenem Hard Rock und den ersten, zaghaften Schritten des Heavy Metal. Anspieltipp: Die absolut magische Gänsehautnummer „Lone Wild“.
Mirko B.    

Punkte: 8.0 von 10
THE HERETIC ORDER - All Hail The Order
Massacre Records/Musikvertrieb
Dies ist das Debüt der Londoner Metal Band The Heretic Order, das hier beim ersten Song schwerfällig mit „Burn Bitch Burn“ à la Black Sabbath aus den Boxen dröhnt. Sänger Lord Ragnar Wagner (was für ein Name) singt dabei gar nicht mal schlecht. Laut Infoblatt ist die Band – so ein Zitat: Ein brandneues, aufregendes Classic Metal Biest, inspiriert durch Bands wie Mercyful Fate, Black Sabbath, Dio, Motörhead, und Angel Witch. Kann man so stehen lassen. Ich mag die düsteren Parts bei Songs wie „El Baile De Los Muertos“ mit reinrassigem Black Sabbath Gitarrenriff. „Rot In Hell“ glänzt neben den düsteren Gitarren mit einer melodiösen Gesangsmelodie, diese Symbiose klingt ausserordentlich spannend. Oder das Motörhead-Riff bei „Death Ride Blues“ kommt auch sehr gut. „The Snake“ würde von der Gitarre aus betrachtet glatt als Candlemass durchgehen, wäre da nicht die Stimme von Wagner, die dem Song etwas Besonderes verleiht. Aber immer wieder hört man bei den einzelnen Liedern auch deutlich die Toni Iommi-Riffs im Gehör hängen bleiben. Besonders beim letzten Track, dem acht Minuten langen „Entombed“ kann man die Sabbath-Strukturen deutlich heraus hören, was aber keinesfalls stört, da die Songs einfach Stärke zeigen und unheimlich Spass machen beim Reinziehen. Wer also auf Black Sabbath und Co. steht, wird seine Freude haben an der Musik der Briten.
Crazy Beat   

Punkte: 8.0 von 10
WEEPING SILENCE – Opus IV – Oblivion
Massacre Records/Musikvertrieb
Weeping Silence sind genau so eine Band, die meines Erachtens nach viel zu wenig Beachtung in der Welt des Gothic/Doom Metal erhält. Gut, hoffen wir mal, dass sich das jetzt ändert – die MetalFactory als Karrieresprungbrett sozusagen. Denn was die Jungs und Mädels aus Malta (!) hier zocken, braucht sich echt nicht vor der Konkurrenz zu verstecken. Klar, man erfindet das Rad definitiv nicht neu, man growlt und flötet sich durch die düsteren Tracks, die gerne auch mal flott Fahrt aufnehmen („Gothic Epitaph“) oder gar ganz balladesk mit nur einem kleineren, etwas härteren Zwischenteil daherkommen („Bury My Fairytale“). Logisch kann man jetzt bemäkeln, dass Weeping Silence vor allem die Klischees bedienen und eben die Strukturen der Songs nicht wirklich originell sind – klar, kann man. Aber es sind immer wieder Referenzen zu solchen Grössen wie Draconian, Hanging Garden, Insomnium oder auch My Dying Bride zu erkennen – nicht als plumpes Kopieren, sondern als Huldigung. Deswegen (und auch aufgrund des Exotenbonus): Wenn ihr solide bis gute Mucke in Richtung Düsternis, Trauer und Untergang sucht, seid ihr hier genau richtig. Ich geb der Scheibe nochmals einen Rundlauf und mir selber ein neues Schwarzbier.
Toby S.   

Punkte: 8.0 von 10
SEAMOUNT - Nitro Jesus
The Church Within Records
Doom muss zwingend niedergeschlagen und schwermütig klingen, darf dabei nur um Nuancen von der vorgegebenen stilistischen Ausrichtung abweichen? Zum Selbstverständnis der Würzburger Seamount Band gehört es offensichtlich dazu, auf genau solche Konventionen zu pfeifen. Die Rotte rund um den amerikanischen Sänger Philip Swanson, der wie eine Kreuzung aus lebenslang abstinentem Ozzy und Dan Fondelius von Count Raven klingt, gibt sich auf ihrem fünften Opus gewohnt vielseitig und wird dadurch wohl wieder die Genre-Polizei auf den Plan rufen. Allerdings muss ich sagen, dass diese völlige Entsagung jeglicher Eingrenzung naturgemäss auch gewisse Gefahren in sich birgt, verzettelt man sich ob der ganzen stilistischen Vielfalt doch beinahe in Orientierungslosigkeit. So verstecken sich neben einigen wirklich starken Nummern wie dem leidenschaftlichen Opener „Bestial Rising“, dem gerade im Solteil sehr stark an AC/DC angelehnten, herrlich gradlinigen „Beautiful Sadness“ und dem direkt auf den Fuss folgenden Punk Rocker „In The End“ auch ein paar wenige eher mittelprächtige Tracks, beispielsweise ausgerechnet das abschliessende „No One Knows“ empfinde ich als zu stark auf alternativ getrimmt und langatmig. Aber die knackige Seite des Lebens dominiert definitiv auf „Nitro Jesus“, was daraus resultierend ein grundsolides, saugutes Album macht. Sehr geil sind Seamount eindeutig gerade dann, wenn sie leidenschaftlich drauflos doomen wie beispielsweise im epischen „Scars Of The Emotional Stuntman“ oder in „Can’t Escape The Pain“, einem Song, der neben den obligaten Trademarks sogar ein gewisses Western Flair ausstrahlt, was der Nummer definitiv das gewisse Etwas verleiht, und der krachende Titelsong ist eh geil ohne Ende. Empfehlenswerter Stoff für Rockfans ohne Scheuklappen, denen eine freidenkende Attitüde wichtiger ist als die Erfüllung von Erwartungen, gefällt mir!
Mirko B.     
Punkte: 8.0 von 10
KORITNI – Night Goes On For Days
Ear Music/Phonag
Seit 2006 rocken die Australier Koritni leider unbemerkt durch das Universum. Dabei hat der Fünfer alles was es braucht, um jeden Club in ein Tollhaus zu verwandeln. Das ist auch auf dem bisher besten Live-Album «Alice And Kicking» zu hören und zu sehen. In der Schnittmenge von The Angels und Airbourne fühlen sich die Jungs wohl und schnuppern immer wieder ein bisschen bei Aerosmith. Leider haben sich Namensgeber und Sänger Lex Koritni den völlig falschen Produzenten für ihre Scheibe ausgesucht. Kevin Shirley, der schon aus den letzten Iron Maiden nur lauwarme Luft heraus holte… Schieben wir dieses Manko aber auf die Seite, knallen Koritni mit «Rock 'n Roll Ain't No Crime», dem Titelsong und «Seal The Deal» mächtig los und lassen mit «The Mississippi Delta» die Slidegitarre erklingen, oder das Holz am Lagerfeuer erwärmen mit «Woman In Love». Im Vergleich gehen Koritni weniger selbstdarstellerisch und besonnener ans Werk als Airbourne. Koritni lassen lieber die Lieder für sich sprechen und gehören dabei eher in die Gattung Tesla, Tora Tora und Tangier. Aber, hört Euch diese Scheibe an, sie hat verdammt viel Flair und raucht immer wieder gewaltig aus den Rohren!
Tinu     
Punkte: 8.0 von 10
MONSTER MAGNET - Cobras And Fire (The Mastermind Redux)
Napalm Records/Universal
Der "normale" Lauf der Dinge im Music-Business ist eigentlich der, dass eine erfolgreiche Band im Verlauf ihrer Karriere mehrere jeweils frische Alben heraus bringt. Irgendwann kommen dann aus eigenem Antrieb oder vertragsbedingt noch "Best-Of"-Nachzügler und was, wenn einem die Ideen ausgehen? Vielleicht das, was Monster Magnet erstmals letztes Jahr mit dem 2013er Release «Last Patrol» gemacht haben: «Milking The Stars: A Re-Imagining Of Last Patrol». Die Rede ist von einem Remix bestehender Aufnahmen. Klar haben das vor ihnen auch schon Bands wie Fear Factory oder auch unsere Schweizer Thrasher GurD gemacht. Nichtsdestotrotz haftet dem Ganzen unten Umständen ein schaler Nachgeschmack an, vor allem wenn die Neufassung klar schlechter als das Original geworden ist. Das kann man unter Berücksichtigung der individuellen Geschmäcker der Fans bei Dave Wyndorf und seinen Jungs jedoch nicht zwingend behaupten. Den einen gefällts und den anderen halt weniger bis gar nicht. Die Meinungen beim psychedelisierten Remake von «Lost Patrol» gingen auf jeden Fall auseinander. «Cobras And Fire (The Mastermind Redux)» als zweiter Wurf in dieser Reihe, klingt zunächst mal ziemlich fett oder besser noch fetter als sonst, wenn man sich mal den (neuen) Opener «She Digs That Hole» (hiess vorher «Dig That Hole» und war das dritte Stück auf der Scheibe) zur Brust nimmt. Das hat schon was und knallt prächtigst aus den Boxen! Der Drum-Sound ist vom Feinsten und beim Einsetzen der Riffwand wird der Unterschied zur Ur-Version umgehend festgestellt. Auch die Lead-Vocals von Dave wurden mit Stimmeffekten ergänzt und verpassen dem Paket noch mehr 70er-Flair, als es zuvor eh schon gehabt hat. Als nächster Song wurde mit «Watch Me Fade» der erste Bonus-Track der alten "Limited Edition" dezent, aber spürbar mit Elementen des typischen Keyboard-Sounds der Doors oder des Sir Douglas Quintet erweitert. Auch beim Titeltrack «Mastermind» hat man auf einen fluffigeren und breiteren Stereo-Sound gesetzt, während der Live-Klassiker «Hallucination Bomb» auf fast zehn Minuten erweitert sowie mit indischen Vibes versehen wurde. Der Einsatz von akustischen Gitarren anstatt dem sonst dominanten stark verzerrten Bass lässt in der Tat eine andere Version ans Ohr dringen. Dass hier die volle Freiheit herrscht, beweist auch «Gods And Punks», das noch ein Tick "leiser" als die Ur-Version daher kommt. Je länger ich mir den grundsätzlich offeneren Sound von «Cobras And Fire (The Mastermind Redux) anhöre, desto besser gefällt mir das Teil. Die-Hard Fans müssen vielleicht zuerst etwas über den eigenen Schatten springen, aber in diesem Fall ist das Folge-Experiment (auch) gelungen, was aber längst nicht für alles und jeden gilt. Darum zuerst mal ohne Scheuklappen rein hören und danach allenfalls positiv überrascht zuschlagen.
Rockslave    
Punkte:
8.0 von 10
HEART OF A COWARD - Deliverance
Century Media/Universal
Wem Djent und Meshuggah ein Begriff sind, ist bei den Briten von Heart of a Howard richtig. Das vor zwei Jahren erschienene Serenade konnte schon mal ein paar Ausrufezeichen in der Szene setzen. Was mich ein wenig stört bei all dem heftigen Stoff, den wir hier in die Fresse kriegen, sind die Metalcore-Einschübe. Wenn die nicht wären, könnte sich Deviierende sogar zu einem recht passablen Werk hinaufarbeiten. Doch das kann sicherlich bei nächstem Mal noch besser werden. Zufrieden können sie allemal sein, die Briten, denn die Scheibe hat brachiales, melodisches und instrumentalisches Können vereint, was beim zweiten Durchlauf die müden Geister auferstehen lässt.
Daniel J.    
Punkte:
8.0 von 10
VOGELFREY- Sturm und Klang
Metalville/Musikvertrieb
Hier ist der Name Programm – Vogelfrey erobern die Bühne des Mittelalterrocks im Sturm! Das mittlerweile dritte Album der Kombo zeichnet sich durch besonders gelungene Kompositionen aus – speziell die Geige ist hier top! Die Tracks sind bunt durchmischt und von verschiedenen Einflüssen geprägt – das hält die Spannung von Anfang bis Ende aufrecht. Einer der besten Tracks ist sicherlich der Opener „Sturmgesang“, der gleich zu Anfang in die Vollen geht. Weiter geht’s mit der tanzbaren Nummer „Tandaradei!“, die sofort in die Knochen fährt, sodass man schlichtweg nicht stillsitzen kann! Damit ist man auch gleich schon in der richtigen Stimmung für das Sauflied „Hörner Hoch“. Mit „Abschaum“ schlägt es dann in eine düsterere Richtung um, was der Band sehr gut steht. Natürlich darf auf einem stereotypen Mittelalterrockalbum ein Piratenlied nicht fehlen! Das Exemplar dieses Silberlings nennt sich „Gold“ und ist genau das, was man erwarten würde: ein einziges Klischee! Allerdings ein Klischee das Spass macht ... Überraschend ist hingegen das eindeutig zweideutige „Strohfeuer“, das offenbar von Country-Rock inspiriert wurde. Mit „Nachtgesang“ ist auch eine Ballade mit dabei. An sich ein sehr schönes Lied – an der Komposition lässt sich nichts bemängeln.

Aber ich bin nun mal kein Fan von Sänger Jannicks Stimme und hier wird leider überdeutlich, dass sie dem Song nicht gerecht wird! Das ist tatsächlich mein grösster Kritikpunkt: die gesangliche Leistung kann einfach nicht mit den musikalischen Kompositionen mithalten! Mit „Apocalypsis“ wird’s wieder deutlich düsterer, härter und dank der Geige auch sehr dramatisch – Ähnliches gilt für „Land Unter“. Mit „Der Chirurg“ wird‘s dann sehr makaber und auch hier fällt das solide Songwriting positiv auf. Was sie sich bei dem amerikanisierten „Rolling Home“ gedacht haben, ist mir allerdings schleierhaft! Den Schluss bildet die Ballade „Im Auge des Charakters“. Hier lohnt es sich übrigens, sich die Limited Edition zu besorgen mit zusätzlichen drei Bonustracks: „Der Knochenchor“ ist mein persönliches Highlight des Albums – schaurig schön passt dieser eingängige Ohrwurm perfekt zu Halloween! Die „Bluthochzeit“ hebt sich komplett vom Rest des Album ab und ist weitaus härter und düsterer als der Rest. „Alkoholverbot“ ist dann wieder ein eher witziger Track, der aber leider eher repetitiv daher kommt. Fazit: „Sturm und Klang“ ist ein sehr abwechslungsreiches Album, das einfach Spass macht und bei dem man schlicht nicht stillsitzen kann. Die Stimme von Jannick ist ziemlich gewöhnungsbedürftig, aber die Kompositionen machen diesen kleinen Makel allemal wieder wett! Wer auf Mittelalterrock steht, der kann hier bedenkenlos zugreifen!
Patricia H.    
Punkte:
8.0 von 10
DRAGONY – Shadowplay
Limb Music
Die österreichischen Symphonic-Metaller haben seit ihrem Debut-Album ziemlich viel gelernt. Denn das aktuelle Zweitwerk klingt deutlich stärker als sein Vorgänger. Dazu braucht es aber erst mal ein wenig Geduld. Denn die Lieder offenbaren sich erst nach und nach und dümpeln beim ersten Hören noch zu sehr vor sich her. Wer sich aber eingehend mit Shadowplay befasst, entdeckt plötzlich wunderbare, wenn auch etwas kitschige, Melodien. Die Chöre klingen mächtig und schaffen zusammen mit dem ausufernden Arrangement ein Filmsoundtrack-Feeling. Dazu kommt eine leicht progressive Schlagseite, welche gut zu Dragony passt. Die Gefahr der Langeweile umgehen die Österreicher, indem sie diesmal geschickt die Songs nach ihren Gegensätzen angeordnet haben. So bietet „The Maiden’s Cliff“ balladeske folkige Klänge, während das darauffolgende „Warlock“ Speed- mit True und Musical-Metal verbindet. Schön auch, dass Dragony anno 2015 mehr und schneller auf den Punkt kommen als beim Vorgängeralbum. So auch beim vermeintlichen Freedom Call-Tribut „Unicorn Union“. Für das längste Lied konnten Dragony einen ganz speziellen Gastsänger gewinnen. Das vielfältige „The Silent Sun“ wird von Savatage-Circle II Circle-Sänger Zak Stevens veredelt. Shadowplay schlägt seinen Vorgänger deutlich. Wäre da in diesem Monat nicht mit Gloryhammer eine ähnlich gelagerte Gruppe, könnte meine Punktzahl sogar noch höher sein. Im Vergleich zu Christopher Bowes-Gruppe fallen Dragony aber deutlich ab. Es fehlen schlicht der Spielwitz und das Händchen für noch bessere Melodien. Trotzdem gebührt Shadowplay Respekt von allen Symphonic-Metal- Gutfinder.
Roger W.    
Punkte:
8.0 von 10
LIGHTNING – Road To Ninja
Sonic Revolution/NonStopMusic
Was habe ich die japanischen Bands aus den 80er-Jahren geliebt! Loudness, Anthem, Earthshaker und Bow Wow, um nur die Speerspitze aufzuzählen. Auch wenn das grosse Manko der Nipponer immer der Gesang und das eher schlechte Englisch war, diese Bands versprühten etwas ganz Besonderes. So auch Lightning, die ich zum ersten Mal an der Metal Factory Burzeltag-Party wahr nahm. Die Combo wurde 2006 gegründet und gibt als Einflüsse Helloween, Gamma Ray und Yngwie Malmsteen an. Sicher gehören da auch Riot dazu. Mischt diese Truppen zusammen und ihr bekommt «Road To Ninja». Das fünfte Album zeigt besonders Gitarrist Iron-Chino in Höchstform. Der Gute rifft und soliert, als würde sein Leben davon abhängen. Schleppen die Herren bei «Destiny Destination» noch ein Akkordeon an, muss man unweigerlich schmunzeln. Als Anspieltipps würde ich «Far Away», «Raise The Sun», «Soldier Force» und «Sail Away» empfehlen. Es kann sein, dass die Songs noch nicht so ausgereift sind wie bei den oben genannten Landsmännern, aber das machen Lightning mit einer unglaublichen Spielfreude wieder wett.
Tinu
   
Punkte:
7.9 von 10
CHILDREN OF BODOM - I Worship Chaos
Nuclear Blast/Warner
Da ist aber jemand ganz schön sauer! …So hören sich die ersten Screams von Children of Bodom-Mastermind Alexi Laiho an. Da kann ich ja schon mal was mit anfangen. Das haut echt richtig rein, was hier als Opener der mittlerweile auch nicht mehr im Teenager-Segment zu positionierenden Finnen geboten wird. Nachdem wir ja vom letzten Album der Hatecrew nicht so wirklich überzeugt waren, scheinen es die Jungs aus dem Norden mit dieser Scheibe nochmal so richtig mit der Welt aufnehmen zu wollen. Nach 17 Jahren Amtsausübung merkt man wohl, dass die Kinder vom Lake Bodom ein Stück erwachsener geworden, aber von Altersschwäche ist man hier noch sehr weit entfernt. Im Gegenteil: „I Worship Chaos“ hat zwar nicht mehr das unbeschwert Wilde der frühen Bodom-Alben, ist dafür aber härter und extremer als alles, was man bisher herausgebracht hat. Dennoch sind die Trademarks des typischen Bodom-Sounds unüberhörbar vorhanden: Pathos, Melodie, Mosh-Parts - und ganz viel Gitarren- und vor allem Keyboard-Gedüdel. Und mit letzterem kann ich auch nach fast zwei Jahrzehnten einfach nichts abgewinnen - das ist aber einfach nur Geschmackssache. In Sachen Songwriting und Produktion macht den Finnen in Punkto Professionalität keiner was vor, die wissen ganz genau, was sie tun. Das Ruder hat man hier erfolgreich rumgerissen und die Hatecrew ist wieder voll auf Kurs - und zwar mit mehr Knoten als je zuvor! Reinhören!
Lucie W.    
Punkte:
7.8 von 10
SPEAKING THE KING’S - Carousel
Nuclear Blast/Warner
Diese Band ist noch ziemlich neu, denn Carousel ist das erste Werk nach der im Jahre 2013 veröffentlichte EP „Here to Stay“. Nochmal Metalcore wie man es erwartet: Böse Growls, Refrain Cleangesang, Mächtige Breakdowns usw. Doch man muss hier auch eingestehen, dass diese Truppe definitiv zu den besseren Metalcore-Bands auf diesem Planeten gehören. Wieso? Vielleicht ihre Unbekümmertheit! Beim nächsten Werk wird es sich zeigen, ob sie nicht doch eine Eintagsfliege sind. Auch wenn Carousel gute Elemente hat, bleibe ich mit meiner Meinung, dass langsam so etwas wie eine Luftveränderung diesem Genre gut tun würde. Das gilt übrigens auch für andere Genres im Metal.
Daniel J.    
Punkte:
7.8 von 10
HARPYIE – Freakshow
Metalville/Musikvertrieb
Das Genre des Mittelalterrocks hat sich in den letzten Jahren doch sehr verändert: Gernregrössen wie Saltatio Mortis und Co. wandeln immer öfter auf poppigeren Pfaden, Subway To Sally haben sogar Dubstep-Elemente mit ins Programm genommen. Und auch Harpyie passen nicht so recht in die angestaubte Schublade – die Kombo verbindet Dudelsack und Violine in bester Folk-Rock Manier mit überraschend schweren Metalcore-Riffs und donnernden Drums. „Freakshow“ ist ein Konzeptalbum, in dem es, wie der Titel es schon vermuten lässt, um eine skurrile Zirkus-/Freakshow geht. Die Lyrics sind dabei sehr passend, ziemlich düster und erstaunlich tiefgründig mitunter. Manche Reime wirken ein wenig arg gesucht, aber im Grossen und Ganzen lohnt es sich, genau zuzuhören. Den Anfang macht der Titeltrack mit einem klassischen gesprochenen Willkommensgruss in bester Zirkusdirektor-Manier. Das ist zwar einerseits ne ganz witzige Idee, andererseits aber auch nervig, weil das Intro kein eigenständiger Track ist sondern direkt in ein eigentlich wirklich gutes Lied übergeht – und nach dem dritten Durchgang ist das Intro doch ziemlich nervig. Besser wird’s dann mit dem Highlight „Monster“, das durch ein richtig geiles Violinen-Intro glänzt und richtig schönen Drive hat. Etwas seltsam hingegen scheint „Dunkle Wissenschaft“ – an sich ein ganz interessantes Konzept vom Thema und vom Aufbau her, aber der elektronisch verzerrte Sprechgesang passt hier nicht so recht rein. Ein weiteres Highlight ist der Track „Tanz auf meinem Grab“ – einerseits düster angehaucht, aber trotzdem nicht erdrückend schwer – ein sehr schöner Balanceakt!

In eine ähnliche Richtung zielt „Lebendig Begraben“, wo die Violine klar im Vordergrund steht. Auch hier wird das düstere Thema in einen sehr lebendigen Refrain umgesetzt. Harpyie sind eine Band, die live besser funktioniert als zu Hause ab CD, entsprechend gibt es auch auf diesem Silberling wieder Tracks, die deutlich auf die Interaktion mit dem Publikum ausgelegt sind – bestes Beispiel hierfür ist das Frage/Antwort-Spiel „Der Schwarze Mann“, das äusserst eingängig rüberkommt und live für Begeisterungsstürme sorgen dürfte. Wer‘s doch lieber klassisch episch mag und auf Powermetal steht, der wird mit „Goblin“ gut bedient sein. Zwar sind die Lyrics etwas gar kitschig, doch das hat in diesem Genre noch nie gestört. Richtig makaber wird’s dann mit „Zweigesicht“, das neben genialen Violinenmelodien auch einen eingängigen Refrain hat, der zum Mitgröhlen animiert. Was mich bei dieser Band ein wenig stört, ist der eher schwache Sänger Alleo die Windboe. Mitunter zieht er das Ganze mit seinem Gesangsstil ins Lächerliche, was den ansonsten sehr gelungenen Kompositionen schlichtweg nicht gerecht wird. Das ist wirklich schade, denn die Verschmelzung aus Metal und Mittelalter ist bei dieser Band nämlich ganz besonders gelungen. Fazit: Harpyie sind keine 08/15 Mittelalterkapelle und mit ihrem Konzeptalbum bringen sie ein wirklich gelungenes und vor allem abwechslungsreiches Album auf den Markt. Allerdings ist der Gesang ziemlich Geschmackssache. Besonders Fans von SaMo und Feuerschwanz sollten hier aber unbedingt mal reinhören!
Patricia H.    
Punkte:
7.8 von 10
IVANHOE - 7 Days
Massacre Records/Musikvertrieb
Ja, ist es denn zu fassen?! Seit dem Auftritt der meiner Meinung nach "still hardly underrated German progressive Metal-Band" Ivanhoe im Downstairs in Worblaufen (BE) sind ganze fünf Jahre vergangen, und live sah ich die Jungs das letzte Mal 2011 in Balingen (D) am BYH!!!-Festival. Dass diese dort dann aber am zweiten Festival-Tag direkt als erste Band (!) auf die Bühne steigen mussten, zeigt das Dilemma auf, wenn sich der eigentlich längst verdiente Erfolg leider nicht einstellt. Die Gründe dafür liegen sicher nicht an der Qualität der Songs und dem Fortgang des Ur-Sängers Andi B. Franck (Ex-Symphorce, Brainstorm). Die Blütezeit der ersten drei Alben (mit Andi) dauerte von 1994 bis 1997 und in der Zeit hatte es der Metal generell etwas schwer. Der Neuanfang ab 2005 mit dem neuen Frontmann Mischa Mang gelang ordentlich, mündete aber abermals nicht in grösserem Erfolg. Dennoch liessen sich Ivanhoe nicht unterkriegen und lieferten in der Folge weitere zwei feine Alben ab, die sich stilistisch jedoch mehr und mehr von den Dream Theater Wurzeln der 90er entfernten. Die Gitarren sind gegenüber dem Keyboard deutlich dominanter geworden. Das typisch progressiv Grundgerüst blieb allerdings erhalten und prägte auch «Systematrix» (2013), das letzten Album, das von Mischa Mang eingesungen wurde. Seinen Abgang habe ich vor zwei Jahren nicht mal mitbekommen und damit stehen wir mitten in der Gegenwart und sind beim neuesten Wurf «7 Days» angelangt, wo folgerichtig der dritte Frontmann auftauchen muss. Und das tut er auch in der Person von Alexander Koch (u.a. Ex-Powergod und Ex-Winters Bane). Einen weiteren Zugang hast es auch an den Drums gegeben, wo auch erst seit 2013 Rob Kudlek die Felle bearbeitet. Der gute Alex bringt nun vor allem unten weg eine neuen Timbre ein, während es in den oberen Regionen wieder mehr nach Andi B. Franck klingt, wenn auch nicht wirklich sehr ähnlich. Bei der schönen Piano-Ballade «Innocent» eröffnet sich einem dann der Gesang des neuen Shouters, der es schon drauf hat, keine Frage. Das Volk der Progger liebt ja bekanntlich überlange Tracks und da bietet sich der über acht Minuten lange Titeltrack förmlich an. Interessant ist hierbei, dass sich Alexanders Stimme, nebst einigen genretypisch Arrangements und Tempiwechseln, immer wieder mal nach Todd La Torre in tiefer bis mittlerer Lage anhört. Obwohl «7 Days» über die Distanz die musikalischen Anforderungen erfüllt, liegt mir das ältere Material nach wie vor besser am Ohr. Der progressive Sound bringt es aber standardmässig mit sich, dass sich ansprechende Details erst nach mehreren Durchläufen deutlicher heraus kristallisieren.
Rockslave    
Punkte:
7.8 von 10
LIFELINE – Scream
Escape Music/Non Stop Music
Lifeline ist eine neue britische Band, deren Mitglieder in diversen Formationen schon seit Jahren in der Melodic / Hardrock-Szene aktiv sind. Nigel Bailey, Vocals, Bass (Three Lions, Bailey), Lee Small, Vocals (Shy, Phenomena, Snowfall), Paul Hume, Guitar (Lawless, Demon), Steve Clarkson, Drums (Bailey) und Andy Bailey, Keyboards (Three Lions, Bailey). Somit besitzt Lifeline definitiv einen Projektstatus, der ab und zu auch durch Mangel an Nachhaltigkeit und Tiefgang durchschimmert. Auf der anderen Seite haben die Musiker durch die Kombination von knackigem Hardrock, intensivem Melodic Rock und dezenten, feinen AOR-Einsprengseln einen interessanten, leicht verdaulichen, wenn auch nicht sonderlich innovativen Sound erschaffen. Main Man Nigel beweist eine sichere Hand beim Thema Songwriting. Mit eingängigen Melodien und vielen einprägsamen Refrains bleibt er glücklicherweise traditionell und liefert dabei fundierte Qualität ab, die manches Konkurrenzprodukt übertrifft. Das Album deckt sämtliche Ansprüche der Melodic -Gemeinschaft durch die nötige Abwechslung ab und überzeugt durch eine Menge Drive. Die satten Riffs werden durch unaufdringliche Keyboards aufgelockert und bekommen durch die fundierte Rhythmusarbeit ein stabiles Fundament. Ein weiterer Pluspunkt ist der Gesang. Mit Nigel himself und Lee Small hat man gleich zwei versierte Lead Vocalisten in den Reihen. Die beiden verzichten zwar auf eigentliche Duettdarbietungen und wechseln sich beim Einsingen der Songs jeweils ab. Paul Hume hat der Scheibe nebst der Gitarrenarbeit mit der Produktion, dem Mix und dem Mastering seinen diesbezüglich eigenen Stempel aufgedrückt. Unter dem Strich resultiert ein bodenständiges Classic Rock-Album, das durch seine Nähe zu Thin Lizzy, Deep Purple und Whitesnake mit Sicherheit viele Freunde finden wird.
Chris C.   

Punkte:
7.7 von 10
HUNTRESS – Static
Napalm Records/Universal
Seit sie vor sechs Jahren zum ersten Mal mit ihrer Band Huntress auf der Bildfläche erschienen ist, polarisiert die Metal Amazone Jill Janus. Erfreuen sich die einen am knackigen Sound der Truppe aus LA irgendwo in der Grauzone zwischen Heavy- und US Metal, werfen die anderen der Frontfrau vor, mangelndes Talent mit plakativem Sexappeal und reiner Effekthascherei kompensieren zu wollen. Nun, der Fraktion der Meckerer kann ich mich in diesem Fall nicht anschliessen, ganz im Gegenteil. Ich behaupte jetzt einfach mal, dass wer bis jetzt mit Huntress was anzufangen wusste, der Band auch weiterhin die Treue halten kann, denn nach dem Debüt “Spell Eater” und dem Nachfolger “Starbound Beast” ist „Static“ alles andere als eine Enttäuschung. Natürlich ist auch beim aktuellen Wurf nicht alles Gold ist was glänzt, das sehr getragene, epische „Mania“ empfinde ich beispielsweise als etwas zu lang und zerfahren, zudem wissen wir inzwischen alle, dass Frau Janus über eine sehr laute, ganze vier Oktaven umfassende Stimme verfügt, und gerade deshalb hätte sie nicht so penetrant in den Vordergrund gemischt werden dürfen. Aber unterm Strich ist das Jammern auf hohem Niveau, die straighte Qualität fast aller Songs, das spielerische Können und die Ausgewogenheit zwischen Midtempo und schnellerem Stoff machen diese kleinen Mängel mit Leichtigkeit wett. Wer ohne traditionelle Metal-Klänge (mit deutlichem Ami-Einschlag) nicht weiterleben kann, sollte „Static“ unbedingt mal antesten, und Fans der Truppe werden ohnehin blind zugreifen. Noch nicht das Über-Album der Band, aber ganz sicher eine solide und konsequente Fortsetzung des eingeschlagenen Weges.
Mirko B.   

Punkte:
7.7 von 10
42 DECIBEL – Rolling In Town
Steamhammer/Musikvertrieb
Einer Rock'n'Roll-Band mit Heimat Argentinien begegnet man nun wirklich nicht alle Tage. Nur schon dadurch sollten 42 Decibel für Aufmerksamkeit sorgen. Der Truppe wurde vor zwei Jahren mit ihrem Erstling „Hard Rock'N'Roll“ bereits dezentes Gehör entgegengebracht. Mit dem nun vorliegenden Zweitwerk „Rolling In Town“ wurde das Songwriting deutlich verbessert. Wirkte das Debüt noch stellenweise unausgegoren, so kommt die neue Scheibe nun deutlich fundierter daher. Die Musiker sind offensichtlich gewachsen und haben sich weiterentwickelt. Die musikalischen Wurzeln sind dabei natürlich dieselben geblieben. Schlagzeuger und Mitbegründer Nicko Cambiasso bringt es kurz und bündig und ebenso effektiv auf den Punkt: Unsere Musik wirft keine sonderlich komplizierten Fragen auf, sondern basiert schlicht und ergreifend auf einer bewussten Vintage-Ästhetik, einem traditionellen Sound und der Essenz aus Classic Rock und Blues. Der Querverweis zu den Südamerikanern ist dabei schnell gefunden und kaum von der Hand zu weisen. Man orientiert sich praktisch eins zu eins an AC/DC und Rose Tattoo. Einen Innovationspreis gewinnt die Band damit definitiv nicht, den Spassfaktor schmälert das aber keineswegs, im Gegenteil. Die Jungs integrieren, wie die australischen Vorbilder, jede Menge Energie, Schweiss und Dreck. Sänger Junior Figueroa klingt dabei wirklich wie ein Klon aus Bon Scott und Angry Anderson. Schon beinahe kitschig. 42 Decibel versuchen aber im eng abgesteckten Revier ihre eigene Identität zu finden, was aber nicht immer gelingt. Die Symbiose aus rohem Rock'n'Roll und erdigem Blues, aus dreckigen Riffs und intensiven Slide Gitarren macht aber zu jederzeit eine Menge Spass, der Partyfaktor ist hoch und somit ist der käufliche Erwerb der Scheibe mehr als legitim.
Chris C.   

Punkte:
7.7 von 10
BLACKMORE'S NIGHT - All Our Yesterdays
Frontiers Music/Musikvertrieb
Candice und Ritchie kommen hier mit ihrem zehnten Studioalbum „All Our Yesterdays“ daher und es bleibt alles beim Alten. Entweder man liebt ihre Musik oder man hasst sie. Fakt ist, dass hier tolle Folk- und mittelalterliche Klänge geboten werden, wie das flotte „All Your Yesterday“ oder das instrumentale „Allan Yn N Fan“, bei dem sogar kurz des Meisters Strat zum Einsatz kommt. Oder das geheimnisvolle „Darker Shade Of Black“ auch instrumental, mit Orgelpassagen, die es in sich haben und wieder mit sehr gefühlvollem Fender-Solo. Dem stehen dann wieder die typischen Blackmore's Night Songs wie „Long Long Time“ entgegen, das akustisch und mit sehr viel Gefühl dargeboten wird. Das Cover von „Moonlight Shadow“ find ich nicht ganz so gut, da es fast unmöglich ist, das Original von Mike Oldfield und Maggie Reilly zu toppen. Dasselbe gilt auch für „I Got You Babe“. Da gefällt das flotte „Where Are We Going From Here“ viel besser, ich finde es echt gut, dass Ritchie beim neuen Album hier seine grandiosen Fender-Soli öfter mit in die Musik einbaut, da er halt immer noch ein begnadeter Gitarrist ist. Blackmore's Night machen aber im Grossen und Ganzen nichts Neues, wer aber die süsse Stimme von Candice mag und die Mischung aus Folk, mittelalterlichen Instrumenten und den typischen Blackmore Gitarren und Soli, wird auch das neue Album mögen.
Crazy Beat   

Punkte:
7.6 von 10
THE BLACK DAHLIA MURDER -  Abysmal
Metal Blade/Sony Music
Nachdem At The Gates ihren Dienst quittiert und im Bereich „Melodischer Death Metal mit Groove" ein Vakuum hinterlassen hatten, war das '03er Debut „Unhallowed" für mich ein willkommener, sehnlichst erhoffter Lückenbüsser. Das brutale, dritte Album „Nocturnal" mit seinem leisen Grillengezirpe im Intro findet sich sogar in meiner ewigen Top-Liste. Doch seither spüre ich TBDM irgendwie nicht mehr so richtig, mir fehlt - wie bei den meisten Bands dieser Stilrichtung - einfach die mindestens nötige Portion Dreck im Gesamtsound. Davon abgesehen gehörten die Mannen um Sänger Trevor Strnad und Gitarrist Brian Eschbach über die ganzen Jahre und Besetzungswechsel hinweg aber IMMER zu den Platzhirschen des Genres. Und auch Album Nummero sieben ist bestes Tennis, hier wird mit der grossen Kelle angerührt. Schöner Sound, schöne Verzerrung, schönes Schlagzeug, schöner Bass, alles ist schön. Einzig der wie immer Gift und Galle speiende Trevor Strnad und das barocke Songwriting stechen aus dem produktionstechnischen Breitbild heraus. Mir sind THE BLACK DAHLIA MURDER prinzipiell zwar sowohl in musikalischer wie auch gesinnungstechnischer Natur sehr sympathisch,  leider verspüre ich aber nicht mehr dieses zwingende Etwas, das eine gute Platte zu einer phantastischen Platte macht. Wer jedoch auf ähnliche Kapellen wie Arch Enemy oder The Haunted steht, sollte mit „Abysmal" seine helle Freude haben, versprochen. Sehr empfehlenswert!
Hardy   

Punkte:
7.5 von 10
THE 3RD ATTEMPT – Born In Thorns
Dark Essence Records
2014 haben sich Blood Pervertor und Tchort von Carpathian Forest verabschiedet. Diese haben kurzerhand einige Musiker um sich geschart und bringen nun ihr erstes Album unter neuem Namen auf den Markt. Soviel zu den Eckpunkten, nun zum Wesentlichen: Wer die erste Sarke mag, wer ICS Vortex‘ Soloprojekt kennt und sich mit Darkthrone’s F.O.A.D und Circle the Wagons anfreunden konnte, der muss hier unbedingt einmal probehören. Die Songs strotzen nur so von punkigen und/oder thrashigen Riffs, klingen aber durch die Produktion äusserst modern. Das wiederum hilft den abwechslungsreichen Vocals (kehliges Schreien, gesprochene Texte und was sonst noch so möglich ist), vor allem aber den Leadgitarren zu genügend Lautstärke, ohne an Druck zu verlieren. So rocken und rumpeln die ersten Tracks durch die Hütte, bis mit dem Titeltrack auch der finstere Death Doom Einzug hält. Spannend auch da die unterschiedlichen Gesangsstile, was dem eigentlich recht eingeschränkten Genre mehr Akzente verpasst. Am Ende hat ‚Born in Thorns‘ also alles, was man will: authentische Aufnahmequalität (für eine Band unter grossem Label), hörbare Einflüsse aus den finsteren Anfangszeiten und gleichzeitig einige moderne Ansätze. Die Attitüde darf man dabei auch nicht vergessen. Was für ein Brett!
Tristan
  
Punkte:
7.5 von 10
TSJUDER – Antiliv
Season Of Mist/Irascible
Erbarmungslos und ohne Vorwarnung knüppelt das zweite Album nach der Reunion auf die Hörer ein: ‚Kaos‘ ist ein Opener, wie es nur eine norwegische Black Metal Band aus den frühen Neunzigern kann. Aber auch ‚Krater‘ kann mit klirrenden Riffs glänzen, das Drum ist fast eine Spur zu eintönig, wird aber durch die Soundsamples aufgelockert. Ansonsten herrschen repetitive Riffs, ununterbrochenes Dauerschlagzeug und fiese Vocals, alles im Stile alter Schule. Dabei packen es die Norweger, authentischer zu klingen als so manche Black Metal Band der Neuzeit. Das Album klingt nicht verkopft, nicht glattgeschliffen oder auch nur im Entferntesten darüber nachgedacht, wie es denn wirken soll. Man höre beispielsweise ‚Norge‘: mit diesem Lied gewinnt die Band weder einen Innovationspreis noch glänzt hier das kompositorische Können. Hier wird geflucht und auf drei Akkorden rumgeritten, der Riff mit Brecheisen reingewürgt sowie mittendrin aufgehört. Und dennoch wirkt es natürlich, ehrlich und eisig kalt. Diese Musik braucht kein Bandkonzept oder okkulte Texte, zu ‚Demonic Supremancy‘ kann man Headbangen und Bier trinken während man eine gute Zeit zu fieser Musik hat. Dasselbe gilt für den Titeltrack, der mit stampfendem Riffing beginnt und in der Hälfte mit Rhythmuswechsel hin in ebenso klassische Blastbeats mündet. Macht auch 2015 noch Spass, so ein Album.
Tristan   

Punkte:
7.5 von 10
ATOMWINTER - Iron Flesh
Black Skull Records
Iron Flesh ist die vierte Veröffentlichung der Deutschen Old School Deather Atomwinter - und das in fünf Jahren! Die vier Herren aus Göttingen waren alles andere als faul. Krieg, Elend, Tod, Verderben, Abgründe der menschlichen Natur - solch frohen Themen sind die neun Songs des Longplayers gewidmet. Lupenreiner roher europäischer Old School Death der 90er Jahre der Marke Asphyx oder Bolt Thrower im authentisch rumpelig-rauen Klanggewand wird hier geboten. Schleppende, doomige Parts wechseln sich mit prügelnden Uptempo-Teilen ab - kompromisslos und authentisch. Finessen und kreative Experimente sind so gar nicht nach dem Geschmack der vier gestandenen Herren von Atomwinter - und das ist völlig ok. Für Liebhaber oben genannter Musik und Bands ist Iron Flesh sicherlich ein sehr guter Tipp, auch wenn die Spannung aufgrund mangelnder Abwechslung und Eigenständigkeit über die neun Songs hinweg nicht ganz aufrecht erhalten werden kann.
Lucie W.
Punkte:
7.5 von 10
MÄRVEL - The Hills Have Eyes
Killer Cobra Records
The Hills Have Eyes ist doch ein Horrorfilm oder? Egal, die drei Schweden, die sich Märvel nennen, haben alle die Robin Maske auf und spielen Rock a la Turbonegro. Sechs Songs und eine Spielzeit von zwanzig Minuten kurz und bündig kann man das auch nennen. Die Mucke ist nicht mal so übel. Auf jeden Fall wippt der Fuss nach ein paar Sekunden vom Anfangssong „Back in the Saddler“ kräftig mit. Man hat noch ein Cover von WASP’s Love Maschine auf der Platte was den guten Eindruck abrundet. Turbonegro Fans sollten mal ein Ohr riskieren, zu verlieren gibt es eigentlich nicht viel.
Daniel J.
 
Punkte:
7.5 von 10
CREATURE - Ride The Bullet
Karthago Records/Non Stop Music
Lasst euch durch das billige, ja fast peinliche CD-Cover nicht täuschen! Denn abgesehen davon ist Ride The Bullet ein überraschend vielfältiges Album mit durchaus ansprechenden Liedern. Wer hier True Metal erwartet, liegt ziemlich falsch. Okay, Creature kratzen teilweise am Heavy Metal wie z.B. bei „Don’t Believe In Rumors“ oder zelebrieren ihn bei „Spit“ in Reinkultur. Daneben dominiert aber toller Hard Rock wie bei „Deep Down’n’Dirty“ oder „Nervous Breakdown“. Ein „L.A.“ dagegen verwirrt all diejenigen, welche Musik unbedingt in eindeutige Schubladen drängen wollen. Dieser fiese Bastard ist tatsächlich eine Mischung aus Rock’n’Roll, Hard Rock und Heavy Metal! Dass Creature auch ohne Gesang überzeugen, beweisen sie beim abschliessenden „No Voice Rumors“. Creature wissen zu gefallen und empfehlen sich durchaus weiter. An einigen Stellen wünschte ich mir zur endgültigen Vollendung der Lieder noch ein etwas konsequenteres oder knackigeres Songwriting. Ebenfalls Luft nach oben besteht bei der Produktion, welche die guten Lieder noch zwingender ertönen lassen könnte. Ride The Bullet besticht in der gehörten Form mit seinem rohen Charme und einem mutigen Lieder-Strauss.
Roger W. 
Punkte:
7.5 von 10
HORSEMAN – Distortion Of Liberty
RecordJet
Seit 2010 tingeln die Jungs von Horseman mit ihrem Mix aus Hardcore und modernem, groovigen Metal durch die Lande. Zu Beginn konnten sie aber noch nicht die Gunst des Spartenpublikums erlangen. Dies hat sich aber schon kurze Zeit später geändert und soll mit dem „neuen“ Werk „Distortion Of Liberty“ (bisher nur digital erhältlich) gefestigt werden. Das Quintett aus Bielefeld besticht vor allem durch die Brachialgewalt des Gitarrensounds, die in Kombination mit den ziemlich brutalen Shouts schon bald einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Natürlich ertönen hier und dort auch Ansätze von Hooklines, doch vor allen Dingen überzeugt „Distortion Of Liberty“ mit seiner ungezügelten Energie. Diese Aussage wird bereits mit dem Opener „Sailors Grave“ eindrücklich untermauert. Drückende Riffmauern und ein sattes Rhythmusfundament sorgen dafür, dass die vergleichsweise lange Spielzeit vom Titeltrack „Distortion Of Liberty“ unbeschadet überstanden wird. Bei „Stay Fast“ reichen sich gewaltige Vocals und groovige Riffs die Hände und schaffen es, auch ohne spektakuläre Elemente zu glänzen. „Suicide City“ lässt dann wirklich die Hardcore-Sau raus und überzeugt mit einem Punch, von dem man sich gerne mal verhauen lässt. Mit „Buried and Forgotten“ verhält es sich nicht anders. Dynamische Tempovariationen bieten immer wieder an, heftig die Haare kreisen zu lassen. „Judgehammer“ baut wieder auf die Formel Brutalität auf. Massiv wechselnde Drumparts diktieren im Vordergrund das Geschehen, während die Axtfraktion parallel dazu den Rest des Tracks zu Sägemehl verarbeitet. „Lost Humanity“ brettert im Anschluss ziemlich satt durch. Im Vergleich zu den Vorgängern fehlt es ein wenig an Abwechslung und Kreativität. Den Schluss der Platte machen die Herren mit „Not For God“ und setzen dabei einen weiteren Meilenstein in Songwriting und musikalischem Können. Es hätte mich auch gewundert, wenn diese Art von Predigt an einer Messe ihren Platz gefunden hätte. Man kann zusammenfassend sagen, dass Stefan Böhm & Co. ihr Handwerk seriös und ansprechend betreiben. Ihre Songs heben sich genügend von der Masse ab und sind somit, wenn auch eigentlich alt, im neuen Gewand eine spannende Darbietung.
Oliver H.  
Punkte: 7.5 von 10
UZZIEL – Torn Apart
Dr. Music Records
In den Tiefen des österreichischen Untergrunds brodelt es gewaltig. Gift und Galle speiend bahnen sich Uzziel, eine junge Metal Band, mit ihrem Debut „Torn Apart“ den Weg ans Tageslicht. Sie haben sich im Vorfeld durch ihr Demo „Broken“ von 2011 bereits eine eindrückliche Fangemeinde erspielt und durch viele erfolgreich absolvierte Gigs einen guten Eindruck hinterlassen. Der Silberling hält 14 scheppernde, düster angehauchte Thrash Metal Songs bereit, die ab und zu an die glorreichen 80er erinnern, nie aber den Blick fürs Moderne aus den Augen verlieren. Groovige Melodien, die erdig produziert sind und ein gewisser Spielwitz des Quartetts kommen der Platte sehr zugute. Nach dem Intro „Children's Playground“ fegt „Like A God“ wie ein Hurrikan durch Wohnzimmer. Ein energisches Riffgewitter bei „Lies“, ein gewisses Mass an Melodie bei „Wash Away My Tears“ und schleppend leidender Gesang bei „Coming For You“. „I Am Dying“ und besonders der eingängige Ohrwurm „In Your Eyes“ machen echt Spass beim Hören. Das Niveau sinkt ein wenig mit Mittelklasse-Songs wie „War Within“, „Why“ und „Captured By Emptiness“. Im Grossen und Ganzen ist aber die Arbeit, die Fronter Mex mit seiner illustren und wütenden Gefolgschaft hier fabriziert, ganz solides Metalhandwerk. Die drückenden Riffs und dann immer wieder melodiöses Gitarrenspiel sorgen Step by Step für genügend Abwechslung. Manch kleine, versteckte musikalische Besonderheiten runden den grundsätzlich guten Eindruck noch ein wenig ab. Besonders bei „Lost Control“ höre ich immer wieder Parallelen zu Benediction oder alten Sodom Parts. Dennoch bewahren sich die Ösis eine Eigenheit, die nicht in eine Schublade gesteckt werden kann. „Frozen“ macht dann den offiziellen Schluss und gibt einem nochmals eine Melodie mit auf den Weg, die noch lange nach Beenden der Platte im Ohr nachhallt. Uzziel haben einen besonderen Stil kreiert, der nach langer Zeit nun doch noch den Weg auf ein Album gefunden hat. Wer „Torn Apart“ eine Chance gibt, wird bei mehrmaligem Hören immer wieder auf versteckte Gadgets stossen und sich daran freuen können. Die Jungs präsentieren sich als eingeschworener Haufen, die ein klassisches Album produziert haben, das von Mal zu Mal besser wird.
Oliver H.  
Punkte: 7.4 von 10
GRAVE PLEASURES – Dreamcrash
Columbia/Sony Music
„Dreamcrash” ist nur dem Namen nach das Debütalbum von Grave Pleasures – die Kombo ging aus der Band Beastmilk hervor, die sich mit dem gefeierten Album „Climax“ (2013) bereits einen Namen in der Underground-Szene gemacht hatte. Grave Pleasures schlägt in dieselbe Kerbe, obwohl sich doch einiges verändert hat: Nachdem Gitarrist Goatspeed die Band verlassen hat, ist der Truppe mit Linnéa Olsson ein echter Glücksgriff gelungen – die Schwedin spielt auf hohem Niveau und passt perfekt in die künstlerische Integrität der internationalen Kombo hinein. Während unter der Flagge Beastmilk klar metallischere Klänge und auf Hall getrimmte Gitarren stilgebend waren, geht der Sound nun mehr in Richtung The Cure - mit klassischen Gitarrenriffs und einer Mischung aus Post Punk und Dark Wave. Noch was hat sich getan: Grave Pleasures sind neu bei Columbia/Sony unter Vertrag. Doch der Wechsel zu einem grossen, „kommerzialisierten“ Label hat scheinbar keinen Einfluss auf den direkten Sound der Band. Highlights sind der Opener „Utopian Scream“, der gleich zu Beginn den Geist der Band einfängt und der etwas langsamere, dafür aber umso tiefgründigere Track „Crisis“. Weiter geht’s mit dem punkigen und eingängigen „Taste the Void“ und hervorheben möchte ich auch noch den letzten Track „No Survival“, ebenfalls sehr eingängig. Allerdings sind nicht alle Tracks wirklich gut. „Crying Wolves“ hat mich persönlich nicht so überzeugt, aber ich bin auch kein grosser Fan vom eher winselnden Gesang von Sänger Mat „Kvohst" McNerney. Doch da scheiden sich die Geister – für manche macht genau sein charismatischer Gesang die Band so unverwechselbar und besonders. Am besten selber mal reinhören und für sich selbst entscheiden!
Patricia H.   
Punkte: 7.0 von 10
VREID – Solverv
Indie Recordings/Irascible
Mit ihrem siebten Album gehen die Norweger weiter in Richtung Black’n’Roll. Während bei den ersten Tracks noch auf typischere Wespengitarren und Blastbeats gesetzt wird, schleichen sich nach und nach mehr rockigere Rhythmen ein und lockern den Sound auf. Spätestens bei ‚Ętti sitt Fjedl‘, der im Mid Tempo gehalten wird, gelangt das klassische Black Metal eher in den Hintergrund. Durch die Chöre bekommt der Song fast schon einen folkigen Klang. Ähnliches gilt für ‚ Når Byanne Brenn‘, welcher mit den Keyboards noch mehr Abwechslung in das Album bringt. Auch ‚Storm frå Vest‘ ist packend, erinnert teilweise fast ein wenig an neuere Enslaved. Alles in allem also einige spannende Stücke in 50 Minuten, wobei vor allem die letzten drei erwähnenswert sind. Da ist noch Platz nach oben frei.
Tristan  
Punkte: 7.0 von 10
REBELLION – Wyrd Biš Ful Aręd - The History Of The Saxons
Massacre Records/Musikvertrieb
Die deutschen True Metaller-Rebellion vertonen die Geschichte der Sachsen. Es ist ein Konzeptwerk, welches immer wieder aufhorchen lässt, die Spannung aber nicht bis zum Ende halten kann. Immerhin bringt es einem aber dazu, mal in die bewegte Vergangenheit der Sachsen reinzuschauen. Dieses heidnische Volk lebte ab dem dritten Jahrhundert nach Christus im heutigen Nordwesten Deutschland und wurde um 800 nach Christus in einem 30jährigen Krieg durch Karl den Grossen gewaltsam zum christlichen Glauben bekehrt. Die Ereignisse von damals sind bis heute bedeutend, da sie unter anderem den Grundstein für das heutige Frankreich und Deutschland legten. Die Stammesgeschichte und besonders der Krieg scheinen erstaunlich gut belegt zu sein. Musikalisch gibt die Materie also mehr als genug her. Und davon profitiert dieses Album. Rebellion singen über grosse Helden, epische Schlachten, existenzbedrohende Zwangsmassnahmen und die Sklaverei des Christentums. Musikalisch ist das ganze Album ein gefundenes Fressen für alle Headbanger. Hier wird mal schneller, mal langsamer gerockt. Für etwas Verwirrung sorgen die hörspielartigen Erzählungen beim zweiten Lied „God Of Mercy“. Erstens hätte man diese bereits beim ersten Lied einbauen sollen. Zweitens hätte eine spätere Fortführung dieser, zugegeben etwas amateurhaft aber dafür umso sympathischer eingesprochener Dialoge Sinn gemacht. So aber stehen sie irgendwie komisch und irgendwo zufällig im Album rum. Ein weiteres Aufgreifen hätte zudem gewisse Längen im letzten Teil brechen können. Diesbezüglich wünschte ich mir von Rebellion mehr Mut zur konsequenten Umsetzung der an sich tollen Ideen. Vielleicht wäre das genau das fehlende Element gewesen, welches aus diesem durchschnittlichen bis gutem Heavy Metal-Album ein hervorragendes gemacht hätte. Abseits der Spekulationen ist The History Of The Saxons ein textlich spannendes und musikalisches ansprechendes Werk. Nicht mehr und nicht weniger.
Roger W.    
Punkte:
7.0 von 10
VINNIE MOORE - Aerial Visions
Mind's Eye Music
Vinnies achtes Solo-Werk kommt mit zehn neuen Instrumentalsongs. Mit dabei Dave LaRue, unter anderem Bassist bei den fantastischen Flying Colors. Und Drummer Richi Monica. Geboten werden abwechslungsreiche Nummern, die natürlich von den Riffs und Soli von Vinnie leben. Ab und zu auch ein wenig zu viel Soli meiner Meinung nach. Da gibt es treibende Rocksongs wie „Mustang Shuffle“, oder das spannende „Faith“, das mit tollem Riffing glänzt. „Slam“ erinnert zeitweise an Eddie Van Halen und hat einen groovigen Funk-Einschlag. Ha, ganz witzig das originell gespielte „La Grange“ von ZZ Top, Vinnie bringt den Song ganz ordentlich zum Rocken. Aber auch die ruhigen Nummern wie „Looking Back“, das mich etwas an Brian May erinnert, gefallen ganz gut. „A Dark Dream“ überzeugt durch die vielen Tempowechsel, sehr spannender Track, ein wenig UFO-lastig. Auch sehr vielseitig der letzte Song „A Million Miles Gone“, hier gibt’s von der akustischen Gitarre bis zum harten Rock-Riff alles, was die Gitarre zu bieten hat. Vinnies neustes Werk ist - wie die anderen sieben auch - nur bedingt was für Fans, die Gesang gewohnt sind, aber antesten kann man ja „Aerial Visions“ ja trotzdem mal.
Crazy Beat
   
Punkte:
7.0 von 10
DRAGONHEART – The Battle Sanctuary
Pitch Black Records
Die brasilianischen Dragonheart halten musikalisch, was sie mit ihrem Bandnahmen und dem Album-Cover versprechen: True-Power-Metal von der Stange! Dieser wird auf hohem Niveau dargeboten, schafft es aber nicht, aus dem Sumpf der Legionen ähnlich gelagerter Bands zu entsteigen. Dazu fehlt neben einer dringend notwendigen Eigenständigkeit auch ein Händchen für hervorragendes Songwriting. Lieder wie „The Arcane’s Palace“, „Forged In Metal“ oder „Kill The Leader“ würden auch auf Alben deutschen Stahlkapellen à la Wizard oder Majesty glänzen, schaffen aber den Sprung in eine höhere Liga nicht. Und natürlich macht sich auch ein gewisser Grave Digger-Einfluss hörbar. Was neben einer tollen Grundhärte auffällt, sind die Gitarrensoli, welche die beiden Gitarristen geschmackvoll und passend zum Besten geben. Wer den True Metal am liebsten roh und ungeschliffen hört und gerne auf einen gewissen Underground-Faktor schielt, ist mit The Battle Sanctuary bestens bedient. Wer aber aufgrund der Alben-Schwämme in diesem Genre bereits jetzt fast den Kopf verliert, der verpasst hier wenig.
Roger W.    
Punkte:
7.0 von 10
THE GREAT DISCORD - Echoes
Metal Blade/Sony Music
Nach dem tollen Album Duende legen die Schweden mit einer 5 Track-EP nach. Eröffnet wird das Ganze mit einer Klavierakustik-Version von „The Aging Man“. Klingt wunderschön, hier kommt die Stimme von Sängerin Fia Kempe so richtig gut zur Geltung. Dass der gleiche Song nochmals drauf ist in der Album Version, macht allerdings nicht viel Sinn. Genauso mit „Ephemeral“ das auch schon auf dem Album zu finden ist. Nur gerade zwei Songs sind neu. Das sehr interessante treibende „Inertiatic“ und das atmosphärische „Cherry Waves“. Aber das ist mir echt zu wenig für eine Neuveröffentlichung. Diese EP besitzt leider keinen grossen Kaufreiz, das heisst wer Duende schon im Regal stehen hat, braucht das hier leider echt nicht.
Crazy Beat
    
Punkte: keine Wertung
FOR TODAY - Wake
Nuclear Blast/Warner
Christlicher Metalcore wird hier zum Bestem geboten. Neu auch nicht wirklich, aber was soll’s, solange die Plattenfirmen das Genre ausschlachten, wird das nicht die letzte Metalcore-Truppe sein. Zu hören gibt’s massenweise Breakdowns, abgehackte heruntergestimmte Riffs mit Growls und Cleangesang. Musikalisch ist man dabei, was schon mal gut ist. Aber danach hört für meine Begriffe die Freude schon auf. Zu wenig abwechslungsreich, zu vertrackt wirken die zehn Tracks. Ich kann mich dafür wenig erwärmen, obwohl For Today sicherlich was auf dem Kasten haben. Aber eben, wie schon zig mal erwähnt, der Metalcore hat seinen Zenit schon lange überschritten!!!
Daniel J.    
Punkte: 6.9 von 10
CORPSE MOLESTER CULT-Benedictus Perverticus
Apostasy Records
Die finnischen Death ‘n’ Roller mit dem zumindest für nekrophil veranlagte Zeitgenossen geschmackssicheren Bandnamen haben sich viel Zeit gelassen. Nach dem selbstbetitelten, im Todesblei-Untergrund zurecht abgefeierten Demo, benötigten die Herren geschlagene sieben Jahre Zeit, um die Welt endlich wieder mal mit ihrem wüstem Gerödel zu beglücken, und es ist erst noch bloss eine vier Track-EP mit gerade mal 17 Minuten Spielzeit geworden. Aber was soll‘s, ein Bisschen Corpse Molester Cult ist immer noch besser als gar kein Corpse Molester Cult, denn die vier Nummern haben es wahrlich in sich. Wer noch nicht über das hässliche Quintett gestolpert ist, dem sag ich einfach „Entombed“ mit mittelgrossem Promifaktor in der Person von Tomi Joutsen, der hier allerdings anders als bei seiner Stammcombo Amorphis für die Riffs zuständig ist und nicht für das Gebelle und Geknurre an der Bühnenfront. Erwartungsgemäss bewegen sich die musikalischen Ergüsse alle irgendwo in der Pulverisierungszone zwischen schleppenden und mittelschnellen Riffattacken, und warten dabei mit einem ultrafetten Bass-Sound auf, der in seiner erdigen Wucht schon fast die Antithese zu den klirrend frostigen Klängen der nordischen Panda-Fraktion darstellt. Wer’s also ganz in der Old School Tradition dreckig, laut, räudig, primitiv und politisch absolut inkorrekt mag, der sollte schnell zugreifen, denn das Teil ist auf gerade mal 500 Stück limitiert. Und ein vollwertiges Album aus dem Hause Corpse Molester Cult wäre zur Abwechslung auch mal ganz nett, und zwar nicht erst wieder in sieben Jahren.
Mirko B.    
Punkte: 6.9 von 10
WITH THE DEAD - With The Dead
Rise Above Records
Na da haben sich ja die drei Richtigen gefunden. Mit der Rhythmusfraktion von Electric Wizard, namentlich Mark Greening am Schlagzeug und Tim Bagshaw an Gitarre und Bass sowie ex-Napalm Death und vor allem Ex-Cathedral Fronter und Rise Above Boss Lee Dorrian am Mikro ist With The Dead schon jetzt so etwas wie eine Underground Doom Supergroup. Was sofort auffällt, ist die extrem räudige Attitüde des Trios. Schleifpapier und Polierwatte wurden offensichtlich während den Aufnahmesessions konsequent aus dem Studio verbannt, die sechs Songs knallen mit ordentlich Verzerrung, sogar auch in Lee’s Ungesang, sehr roh, direkt und mit gutem Live-Feeling aus den Lautsprechern. Grossartige Dynamik sucht man auf dieser auf absolute Heavyness getrimmten Scheibe freilich vergeblich, nur sehr wenige kurze Momente unterbrechen die unentwegt donnernde Lärmwalze. Ich verwette meinen Arsch darauf, dass sich die Pegelanzeigen im Studio ziemlich konstant im roten Bereich befunden haben, während die drei Herren ihre Vorstellung von wüstem, gerne auch etwas flotterem Doom einprügelten. Absolutes Highlight ist aber ausgerechnet das schleppende Finale „Screams From My Own Grave“, eine übersteuert-verzerrte Kakophonie, in der Lee Dorrian seinen kranken Hass-Vocals ungehemmt freien Lauf lassen kann. Das ist die ungeschminkte, absolut hässliche Fratze des Doom, jenseits jeglicher schwarzer Romantik und melancholischem Gejammere. Wer es also auch im Doom gerne etwas deftiger und blutiger mag, sollte in „With The Deat“ unbedingt mal reinhören.
Mirko B.    
Punkte: 6.9 von 10
SERUM 114 – Kopfüber im Club (Live in Hamburg)
Junge Dein Label/Musikvertrieb
Serum 114 steht für energischen Punk Rock vom Feinsten. Die klassischen Zutaten sind einfache Riffs, dreckiger, stellenweise etwas schiefer Gesang und jede Menge „Rotz- und Leck mich am Arsch-Attitüde“. Auch nach bald zehn Jahren aktivem Wirken, bedienen sich die Frankfurter aber nicht an den typischen Deutschrock-Klischees und rocken rau und frech in traditionellem Streetpunk-Stil. „Kopfüber im Club“ wird für den wahren Fan kaum Wünsche offen lassen. Das Live-Paket kommt nicht nur als schlichter DVD-Hingucker daher, es enthält auch noch das komplette Konzert als Audio-Version auf zwei CD‘s. Im Bonusmaterial der DVD sind zudem noch alle erschienenen Videoclips von Serum 114 enthalten. Angefangen bei den anfänglichen Low-Budget-Produktionen bis hin zu den neueren professionell produzierten Clips. Die Jungs setzen mit der Tour-Dokumentation „Kopfüber auf St. Pauli“, in der sich die Band von einer grundsympathischen, geradezu kumpelhaften Seite präsentiert, nochmals einen oben drauf und lassen sicherlich auch damit, das Herz eines jeden Fans höher schlagen. Das Herzstück, das Konzert selbst, steht aber klar im Fokus von „Kopfüber im Club“. Es handelt sich dabei um einen Mitschnitt der kompletten, etwa zweistündigen Show vom 30. Oktober 2014 im Hamburger Grünspan. Abstriche können bei der Soundqualität und auch teilweise beim Schnitt gemacht werden. Letzterer ist stellenweise zu hektisch geraten, gibt dafür die energiegeladene Atmosphäre eines Serum 114 Konzerts aber nahezu perfekt wieder. Fan-nahe wie eh und je zeigen sich die vier Musiker gegen Ende des Konzerts hin. Das folkrockige „Du bist zu fett“ und „Sag nicht, ich habe den Glauben verloren“ werden spontan inmitten der Zuschauer zum Besten gegeben. So erlebt das Publikum vor Ort, Serum 114 zum Anfassen! Während einer Zugabe stürzt sich Sänger Esche auch noch wortwörtlich kopfüber vom Balkon des Grünspan in die Menge. Starke Leistung! Mit „Kopfüber im Club“ ist man als Freund und Anhänger der Punkrock-Generation bestens bedient. Die Abzüge, die in Sachen Soundqualität gemacht werden können, können ebenso gut als Stärke gewertet werden, da sie das eingefangene Live-Erlebnis nur noch authentischer machen. Für Fans dieses Genres genau das Richtige, da sie mit diesem Package genau die Vollbedienung erhalten, nach der sie verlangen.
Oliver H.    
Punkte: 6.9 von 10
DAWN OF DESTINY – To Hell
Phonotraxx
Das sechste Album der Bochumer lässt aufhorchen. Mit Sängerin Jeanette Scherff verfügt die Truppe über eine kräftige Shouterin. Der Titelsong macht Laune, geht sogar als kleiner Hit durch. Allerdings ist das Material doch sehr breitgefächert, so dass man einen roten Faden vermisst und sich damit in zu vielen unterschiedlichen Gewässern aufhält. Das macht die Lieder nicht schlechter, aber leider findet man so nicht sofort den Zugang zum Gesamtwerk. Und wenn neben der cleanen Stimme von Jeanette dann noch bös keifende Vocals erklingen, fragt man sich, sind wir nun in der (nicht mehr ganz so) neuen Härte, oder doch auf der traditionellen Schiene? Hört die Scheibe am besten unvoreingenommen an und bildet Euch selber eine Meinung.
Tinu    
Punkte: 6.8 von 10
TRINAKRIUS – Introspectum
Pitch Black Records
Die italienischen Doom Metal-Grössen Trinakrius bringen ihr viertes Album mit dem Titel „Introspectum“ auf den Markt. Die Band hat sich 1995 formiert und sich bereits mit ihren drei letzten Alben in der Szene einen Namen gemacht. Besonders die Live-Auftritte des Vierers sind angeblich legendär. Trinakrius spielen grundsätzlich klaren Heavy Metal, haben aber enorm spürbare Einflüsse von Bands wie Black Sabbath, Candlemass oder Cathedral, die bereits beim Opener „I Would Like“ hörbar sind. Die Jungs sagen von sich selber, dass Doom in ihren Adern fliesst. Besonders eindrücklich stellen sie dies beim Nachfolger „Moments“ unter Beweis. Die Musik ist meist düster und transportiert oft eine ganz spezielle Atmosphäre. Stellenweise finden sich auch wieder galoppierende Riffs, die einfach nur zum Headbangen einladen. Gute Beispiele dafür sind die Titel „The Crying Soldier“ und „Facing The Mirror“. Durchs Band rockige Titel, die eine ideale Abwechslung zum sonst meist schleppenden Sound des Quartetts darstellen. Das Album beinhaltet zwar nur sieben Tracks, erreicht aber dennoch eine Spieldauer von gut 40 Minuten, und in der Fanszene wird „Introspectum“ bereits als eines der besten Doom Metal-Alben seit langem gehandelt. Persönlich finde ich den Sound auch sehr gelungen und professionell produziert, kann mich aber mit der Stimme von Claudio Chiazzese, der erst dieses Jahr wieder zur Band zurückgekehrt ist, eher schwer anfreunden. Mit „Living“ und „Flight Of The Eagle“ finden sich auch Songs auf der Scheibe, die die innerste Leidenschaft zur Musik widerspiegeln. Mit „Within The Silence“ hat auch noch eine Ballade den Weg auf die Platte gefunden, was aufgrund der musikalischen Geschwindigkeit der restlichen Tracks ein bisschen überflüssig wirkt. Die Melodie ist zudem auch nicht so geraten, dass sie für einen grossen Gänsehauteffekt sorgt. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass „Introspectum“ ein wirklich gut produziertes Album ist und für Fans dieses Genres ein Muss. Alle anderen dürfen es sich gerne anhören und selber ein Urteil dazu bilden.
Oliver H.   
Punkte: 6.7 von 10
GENTLEMAN’S PISTOLS – Hustler’s Row
Nuclear Blast/Warner
Soso, Blues/Classic Rock mit Bill Steer von Carcass am Sechssaiter. Interessant, zumal der gute Herr ja bei Carcass deutlich grobere Töne anschlägt. Nun Gentleman’s Pistols spielen definitiv eine Art von melodischem, klassischem Rock mit einer bluesigen Schlagseite – so, als würde man in einer verrauchten Kneipe ein Bierchen kippen und auf der hölzernen Bühne fangen plötzlich ein paar gesetzte Herren an, ihre Musikkunst darzubieten. Klingt irgendwie gemütlich? Ist es auch. Leider auch nicht mehr, denn vor allem beim Gesang hapert’s dann eben schon – zu dünn, und zu sehr in den Hintergrund gemischt. „Hustler’s Row‘ ist eine Platte, die man super nebenbei hören kann, sie fordert einen nicht und steht für sich alleine. Wer dies gerne mag und einen netten, rockigen Soundtrack benötigt, der ist hiermit gut bedient, denn technisch gesehen geht die Scherbe (mal abgesehen vom Gesang) absolut in Ordnung. Genauso wie mein kaltes Bier im Kühlschrank.
Toby S.    
Punkte: 6.5 von 10
HARLOTT – Proliferation
Metal Blade/Sony Music
Thrash Metal bietet uns der australische Vierer von Harlott. Verwurzelt in der Bay Area der 80er-Jahre hämmern uns die Jungs deftige Keulen um den bangenden Kopf. Das klingt alles nach USA und Kreator mit einer fetten Nuance Destruction. Aber!!! Es wird hier viel zu viel geprügelt und zu wenig auf Abwechslung geschaut. Schnell, schneller am schnellsten. Hart, härter am härtesten. Bloss damit alleine sind noch keine Klassiker geschrieben worden. Die ungestüme Art der Australier raubt der Truppe klar den professionellen Touch. Auch wenn man bei „The Fading Light“ mit einer sanften Gitarrenspur startet, so endet schnell der Song in einem weiteren Geknüppel. Die Produktion ist astrein, aber man ist ganz weit weg von den grossen Vorbildern.
Tinu   
Punkte: 6.5 von 10
MACBETH – Imperium
Massacre Records/Musikvertrieb
Die Urgesteine aus Erfurt sind seit mittlerweile 30 Jahren aktiv. Als Metalband in Ostdeutschland war es definitiv nicht einfach für die Kombo – es existiert sogar eine Stasi-Akte über die Gruppe (siehe Homepage) und sie erhielten sogar Spielverbot! So hat es 21 Jahre gedauert, bis Macbeth ihr erstes Album veröffentlichten. Seither waren die Herren aber fleissig, und so kommt mit „Imperium“ mittlerweile der vierte Silberling in die Läden. Wie gewohnt preschen die Ostdeutschen mit ihrem Thrash-lastigen, donnernden „Kriegs-Metal“ ohne Umschweife an die Front und entladen ihr Riffgewitter wie knatterndes Maschinenfeuer. In mehr oder minder tiefgründigen Texten thematisiert die Kombo einmal  mehr die Grauen des Zweiten Weltkriegs. Sehr eindrucksvoll ist dabei der Track „WN62“, in dem es um die Gewissensbisse eines deutschen Soldaten geht, der im Widerstandsnest 62 am Omaha Beach sass und während des D-Days den Amerikanern grosse Verluste beibrachte. Bei „Verloren“ wird das Tempo deutlich gedrosselt – hier geht es um die vielen Verluste, die so ein Krieg mit sich bringt. Zwei weitere Highlights finden sich am Ende des Albums: „Ein Sturm wird kommen“ und „So weit die Füsse tragen“ werden besonders live beim Publikum gut ankommen. Die Thüringer setzen rein auf deutsche Texte und erinnern dabei oft an Die Apokalyptischen Reiter. Musikalisch gibt’s nicht viel auszusetzen. Der heisere und zugleich schroffe Sprechgesang von Olli Hippauf ist allerdings gar nicht mein Fall und kratzt mit der Zeit gehörig an den Gehörgängen! Fazit: Wer auf harschen deutschen Thrashmetal mit Kriegslyrik steht ist hiermit bestens bedient. Mein Fall ist es aber nicht unbedingt.
Patricia H.  
Punkte: 6.5 von 10
AUDIOTOPSY - Natural Causes
Napalm Records/Universal
Greg Tribbett ehemaliger Gitarrist von Mudvayne und Hellyeah und Sänger Billy Keaton Skrape haben diese Post Grunge-Truppe ins Leben gerufen. Schön traurig und ein wenig schwerfällig klingen die 12 Songs von Natural Causes. Vor allem Schreihals Keaton wirkt beschränkt in seinem Organ, was nach einiger Zeit den Hörer ziemlich beansprucht. Musikalisch wäre man noch dabei, wobei dieses Album nichts wirklich Neues ist und darum die Grunge-Anhänger da bei den Originalen, sprich hier in diesem Fall Alice in Chains, die Treue halten werden.
Daniel J.  

Punkte: 6.4 von 10
FLIGHT – Flight
Bad Omen Records
Junge Band, alter Sound. Wobei sich nicht nur Letzterer auf Brechen und Biegen an den ganz frühen NWoBHM-Klängen orientiert, sondern auch das Auftreten und die Aufnahmetechnik der vier jungen Norweger. Im Ansatz klingt das Ganze denn auch wirklich ziemlich originalgetreu, wobei man es mit der analogen Authentizität vielleicht etwas allzu gut gemeint hat, vor allem beim Drumsound. Dieser klingt leider arg dünn und zurückhaltend, was die Songs, die mich immer wieder an Bands wie Budgie unmittelbar vor der NWoBHM - Explosion oder Judas Priest zu „Rocka Rolla“-Zeiten erinnern, etwas schaumgebremst daherkommen lässt. Hinzu kommt die unbestreitbare Tatsache, dass Gitarrist Christoffer einfach kein Sänger ist. Hier kann ich den Jungs wirklich nur dringend raten, sich so schnell wie möglich einen ähnlich passionierten Frontmann zuzulegen, denn rein musikalisch betrachtet sind sie durchaus auf Kurs, und dann könnte die ganze Geschichte auch wirklich Format und Fahrt annehmen. Manchen werden sich die acht Songs wie die reine Bedienung eines musikalischen Klischees anhören, wer aber diese Umbruch-Ära zwischen 1974 und 1983 miterlebt hat, kann durchaus nachvollziehen, dass diese Dekade gerade auf junge Musiker, die damals wahrscheinlich noch nicht mal gezeugt waren, eine unheimliche Faszination ausübt. Der Flug hat eben begonnen, da ist noch viel Luft nach oben, jetzt dürfen die vier bloss nicht nachlassen.
Mirko B. 

Punkte: 6.1 von 10
THE ARCANE ORDER - Cult Of None
Massacre Records/Musikvertrieb
Mit „Cult of None“ bringen die Dänen von The Arcane Order nach einer längeren Pause ihr drittes Album heraus. Ihren Sound versieht das Label mit dem Etikett „Epic Extreme Metal“ - was mir erstmal nicht so viel sagt. Beim Hören der Scheibe merke ich aber, worauf man mit dieser Bezeichnung hinaus wollte. Das „Epic“ scheint die Untermalung der Songs mit Keyboard-Klängen zu sein, das dem Sound einen melodischen Boden aber leider auch einen etwas breiigen Klang gibt. Mit „Extreme“ ist damit dann wohl alles andere gemeint, das denn wäre: sehr viel Doublebass, tiefer gestimmte Gitarren und eine grösstenteils sehr metalcorige Stimme. Dies alles wird in acht viel zu langen Songs dargeboten. Ein einziger ist weniger als sechs Minuten lang, alle anderen dauern um die sieben, einer ist sogar 9:39 Minuten lang. Das geht meiner Meinung nach in Ausnahmefällen mal oder wenn man Doom macht - oder wenn man Death ist. Hier sieht es einfach nur nach Wichtigtuerei aus. Und so leid es mir tut, das sagen zu müssen: hier trägt die Länge der Songs einfach nur zum Aufkommen einer gewissen Langeweile bei - oder führt sogar zu echter Genervtheit. Für mich hört sich irgendwann alles gleich an und geht mir wirklich und echt auf die Nerven. Mit halb so langen Songs hätte man hier echt viel rausholen können, denn es gibt durchaus interessante Ansätze im Sound der Dänen, z.B. bei „Ahab“, wo die Stimme etwas abwechslungsreicher wird und spannende Harmonien entstehen. Dieses Album wirkt sehr ambitioniert, kann aber den selbst gesetzten hohen Ansprüchen nicht gerecht werden. Reinhören kann man aber trotzdem mal, wie gesagt gibt es durchaus spannende Ansätze zu hören.
Lucie W.     
Punkte: 6.0 von 10
THYRGRIM - Dekaden
Talheim Records
An die 10 Jahre tummeln sich die deutschen Black Metaller Thyrgrim durch die Schwarze Landschaft und präsentieren mit „Dekaden“ ihr nun fünftes Werk der geneigten Hörerschaft. Ich gebe auch gleich zu, wirklich vertraut bin ich mit den vergangenen Werken der Band nicht, daher fehlt mir der Vergleich zu früheren Taten, jedoch werde ich dieses Versäumnis kaum nachholen. Mal ehrlich, nach 10 Jahren aktiv in der Szene und fünf Alben, müsste man davon ausgehen, dass eine Band der Musik, die sie von sich gibt, irgendwie einen eigenen Stempel aufdrücken kann, dies vermisse ich hier schmerzlich, denn „Dekaden“ ertönt wie eine von vielen, oftmals bereits schon gehörten BM-Kapellen, ohne Identität und Wiedererkennungswert. Es ist ja nicht schlecht, was Thyrgrim hier präsentiert. Die ersten fünf Songs haben Tempo, rütteln ordentlich durch, amtlicher Black Metal, den man aber schon mal irgendwo bereits vor zig Jahren gehört hat. Einzig „Hass“ kann erstmal meine Aufmerksamkeit erlangen, da zwischen dem wütenden BM-Riffing auch mal eine Prise Thrash auftaucht, was eine willkommene Abwechslung bedeutet. Überraschend interessanter wird „Dekaden“ nach dem akustischen „Interlude“, welches eine Art Wende markiert, denn plötzlich entschwinden die wütenden Riffs, das Tempo wird merklich gedrosselt und schafft mehr Platz für einprägsame Melodien, so sind „Der Weg“, „Gezeiten“, „Sterbend II“ und „Wenn es schneit“ zwar keine Offenbarung oder überwältigend Neues, doch Thyrgrim erschaffen mit diesen Songs eine wirklich schöne Atmosphäre der Einsamkeit,auf deren Pfad sich zu verweilen lohnt. Dabei stechen die Melodien von „Der Weg“ und insbesondere „Gezeiten“ derart ins Gehör, dass ich mich frage, warum Thyrgrim davon nicht mehr auf „Dekaden“ präsentieren, irgendwie können sie es ja doch. Solide, aber überraschungsarm und die zwei Songs, welche sich im Gehör festbeissen, heben „Dekaden“ noch so knapp über das Mittelmass hinaus, viel mehr liegt da nicht drin.
R.K.    
Punkte: 6.0 von 10
DIEVERSITY – Re/Awakening
Sonic Revolution/NonStopMusic
Laut Infoblatt habe ich es hier mit einer Melodic Metal Band zu tun. Okay… Und wieso brüllt der Sänger dermassen vor Schmerzen und sind die durch Computer gewürzten Härtegrade dermassen im Nu-Metal verwurzelt? Das nennt man dann wohl eher Modern Metal. Einer, der mir sicher bei den cleanen Gesangsparts («To Blind To See») Freude bereitet, aber ansonsten meine alten Knacken nicht wirklich erfreuen kann. Auch wenn nicht tausend Mal gehört, klingt doch immer alles gleich, nach den bekannten Truppen dieses Genres. Man versucht mit Härte (technischer Natur) und gebrülltem Schreigesang sowie Melancholie die Welt als ganz schlechten Ort zu verkaufen. Mit «Don't Teach Me» klopft man bei balladesken Klängen an, um dann mit dem Titelsong eine moderne und leicht härtere Version des «Bard Songs» von Blind Guardian noch die Studenten und Mainstreamer für sich zu gewinnen. Sorry, das alles ist zu durchdacht, zu voraussehbar und zu… langweilig.
Tinu     
Punkte: 5.5 von 10
KRASHKARMA – Paint The Devil
ESR/Membran
Ganz ehrlich : Rocken tut die Scheibe, keine Frage, aber ich werde schlichtwegs das Gefühl nicht los, dass hierbei der rote Faden fehlt. Ich meine, klar, es rockt und wummert an allen Ecken und Enden, das Drumming ist ziemlich tight, man singt auch zweistimmig… Und trotzdem fehlt (zumindest für mich) das gewisse Etwas, das diese Band und diesen Output in die Kategorie „Yeah, geil!!!“ katapultierte. Man gibt sich echt Mühe, flechtet immer wieder diverse andere Instrumente mit ein (beispielsweise eine Mundharmonika) – aber der Sänger geht mir nach einigen Minuten ziemlich auf den Wecker. Er schreit/singt sich durch die Songs, und das irgendwie willkürlich – es wirkt, als hätte er alle Gesangsspuren spontan aufgenommen. Was nicht per se schlecht sein muss, gar nicht, aber es erzeugt im Gesamten eine Unruhe im Sound, die es mir verunmöglicht, den Rock als solches zu geniessen. Wen das jetzt nicht abschreckt: Super Sache, sofort reinziehen und geniessen! Ich für meinen Teil zucke mit den Schultern und zünde mir eine neue Kippe an.
Toby S.    
Punkte: 5.5 von 10
HEIMDALLS WACHT –
Faith Ut de graute olle Tied (Deel II) - Land der Nebel
Black Skull Records
Mal ganz im Ernst: Wenn überall so offensichtlich Riffs geklaut würden wie beim Opener hier, dann würde unsere Musik noch viel mehr überschwemmt mit billigen Kopien. Ja, Taake haben mit Nattestid ein wirklich grossartiges Album geschaffen. Kein Grund aber, den Liedanfang (inklusive dem Einsatz der Vocals) beinahe ohne Änderung zu übernehmen. Das ist keine Hommage mehr, sondern eine Kopie. Zum Glück gibt es dann auch noch eigenständigere Lieder, die vor allem auch beim klaren Gesang überzeugen können. So wirkt ‚Auf roter Erde erblüht…‘ einiges dramatischer, trotz eigentlich ziemlich abgenutzten Oooo-Chören. Das funktioniert Live sicher ganz gut. Anderseits ist Geknüppel wie bei ‚Schwarzmondritual‘ halt im Rahmen der Folk oder Pagan Metal Welle vor sechs oder sieben Jahren rauf und runter gespielt worden. Glücklicherweise verzichten die Westfahlen auf Thor oder Odin Refrains genauso wie auf Sauflieder, heidnische Symbolik und Brauchtümer locken inzwischen aber auch keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor. Und wahrscheinlich sollte ‚Leben im Zeichen der Todesrune‘ am Anfang progressiv klingen, die falschen Töne machen daraus eine Tortur und die Skip-Taste zum neuen besten Freund. Auf der einen Seite überzeugt er Rausschmeisser ‚Des Wolfes zottiges Fell’ von Mut, die Grenzen des eigentlich eingeschränkten Genres auch mal auszuweiten. Ein durchzogenes Album, dass im Vergleich eher im unteren Durchschnitt zu liegen kommt.
Tristan    
Punkte: 5.0 von 10
SUZEN'S GARDEN – Stronger!
Sonic Revolution/NonStopMusic
Nicht Fisch und nicht Vogel. Für Rock zu soft, für Pop zu aggressiv… Auch wenn «Stronger!», der erste Teil einer Doppel-CD, als das «coming out» der Band bezeichnet wird und Sängerin Suzen Berlin wirklich ein tolles Organ hat, plätschert die Scheibe an mir vorbei. Ob dabei nun in den Liedern Stellung zu brisanten Themen genommen wird oder nicht, es spielt keine Rolle, denn wer interessiert sich schon für ein biologisch hergestelltes Bier, wenn es nicht schmeckt? Sorry, netter Versuch aber nicht für meine Ohren…
Tinu    
Punkte: 5.0 von 10
TEMPLE OF BAAL – Mysterium
Agonia Records
Das fünfte Album der französischen Combo steht in den Regalen. Dabei bieten die 55 Minuten nichts, was man nicht schon von den Vorgängern kennt: Druckvolles, finsteres Black Metal mit Death und Thrash Anteilen. Wütend walzen die Lieder aus den Boxen und machen durchaus Laune. Immer wieder durchbrechen richtige Riffs die dissonanten Gitarrenwände und das tiefe Wummern des Basses. Und wenn auch das Tempo insgesamt sehr hoch ist, schaffen zwischendurch auch langsamere Rhythmen ihren Weg. So schafft es das Album kurzweilig zu überzeugen, auf lange Sicht ist es aber zu nichtssagend.
Tristan    
Punkte: 5.0 von 10
FOREVERATLAST – Ghosts Again
Victory Records
Nun ja… eher chaotischen, relativ kraftvollen Sound mit einer Sängerin am Mikro, die sich nicht entscheiden kann, ob sien un clean singen oder halb schreien soll. Eine Art von Punk, vermischt mit Alternative und einer Prise Nu Metal-Feeling – irgendwie hat man das alles doch schon mal gehört? Richtig, Rise Against kommen einem da spontan in den Sinn, genauso wie In This Moment. Allerdings haben Foreveratlast ein kleines Problem: fehlende Identität. Die Songs klingen allesamt sehr ähnlich (mal abgesehen von kleineren Ausreissern wie den atmosphärischen Einschüben bei „Ghost In The Attic“ oder dem sich aufbauenden Beginn bei „The Cardboard Rule“) und haben einen sehr kindlichen Touch. Es fühlt sich an, als hätten wir hier ein paar Pubertierende, die im Prinzip kaum eine Ahnung von der Welt haben, aber bereits grossartig anklagen und sich beschweren können. Nun, es ist auch erst ein Debut, und wer weiss – vielleicht werden die Jungs und das Mädel auch mal noch reifer und erwachsener. Für mich ist der Kindergeburtstag erst mal vorbei.
Toby S.    
Punkte: 4.5 von 10
SAXORIOR – Saksen
Einheit Produktionen
Die sächsischen Krieger Saxorior machen seit Jahren dasselbe - relativ simplen Pagan Black Metal. Es erstaunt kaum, dass man es in dem über 20-jährigen Bandbestehen kaum zu Bekanntschaft gebracht hat - was in den Neunzigern noch als innovativ gegolten haben mag, ist heute leider nichts mehr weiter als Einheitsbrei. Album Nummer sechs ändert an dieser Tatsache nichts. Wie der Titel unschwer erkennen lässt, wird auf "Saksen" die Frühgeschichte der Sachsen in glorifizierende Texte über den kämpferischen Geist, das Leiden für die neue Heimat und den Kampf gegen die Christen gepackt. Die Songs wirken kompositorisch ziemlich zusammengewürfelt. Zwischendurch gibt es mal ein eingängiges Riff, wobei man das eine oder andere davon auch schon mal gehört haben will. Der Titeltrack lässt so Erinnerungen an Black Messiah's 'Windloni' hochkommen und einige der mit Keyboardteppichen hinterlegten Songteile könnten so ähnlich auf von Equilibrium stammen - wobei sich hier vielleicht die Frage stellt, wer zuerst damit angefangen hat. Für das abschliessende Urteil tut dies aber auch nichts zur Sache. "Saksen" kann schlichtweg mit zu wenigen Momenten glänzen, als dass man das Album weiterempfehlen könnte.
Patricia L.   
Punkte: 4.5 von 10
DARK BUDDHA RISING – Inversum
Neurot Recordings
Schallplatten erfreuen sich nach wie vor unvermindert grosser Beliebtheit, schwören doch Sound-Gourmets auf den natürlich warmen Klang der schwarzen PVC-Scheiben. Die Nachteile sind natürlich hinlänglich bekannt, bei unsorgfältiger Behandlung zerkratzen die Platten mit der Zeit unweigerlich, was sich dann in unüberhörbaren Knister- und Knacklauten unangenehm bemerkbar macht. Im schlimmsten Fall ist die gerillte Oberfläche dermassen beschädigt, dass die Diamantspitze immer wieder zurückspringt und die betreffende Stelle als Endlosschleife wiedergibt. Im Falle der finnischen Psych Black Drone Doom-Freaks Dark Buddha Rising würde das allerdings nicht mal so sehr auffallen, gehört doch das schier endlose Repetieren von Riffs zum musikalischen Konzept des inzwischen zum Sextett angewachsenen Haufens. Auf „Inversum“ befinden sich ganze zwei Tracks, „ESO“ und „EXO“ genannt, jeweils rund satte 25 Minuten lang. Der Inhalt ist relativ schnell umschrieben, man beginnt mit eher leisen, zurückhaltenden Klängen, bevor danach Gitarre, Bass und Drums einsetzen und langsam aber stetig einen bedrohlich schweren und düsteren Klangmonolithen aufbauen. Sporadisch eingestreute Vocals zwischen sakral beschwörend und hysterisch schreiend sorgen zusätzlich für eine beklemmende Stimmung. Ich frage mich nur, wie die Kerle das in der Live Situation meistern. Ich meine, wie wissen sie, ohne akribisch mitzuzählen, dass das nächste Break erst nach der 27. Riff-Wiederholung erfolgt und nicht schon nach der 23.? Und wer kauft sich eigentlich sowas? Nun, sieben Alben in acht Jahren Existenz sind ein deutlicher Hinweis darauf, dass durchaus eine Käuferschaft für schwerst verdauliche Soundbrocken dieses Kalibers bestehen. Und es gibt auch Rezensenten, die sich mit ellenlangen und schon geradezu penetrant analytischen Berichten mit den zwei Nummern auf „Inversum“ beschäftigen können. Ich kann‘s nicht, bin wohl zu dumm dafür. Der nächste bitte…
Mirko B.   
Punkte: 4.0 von 10
VARG - Rotkäppchen E.P.
Napalm Records/Universal
Um die Wartezeit auf das neue Album „Das Ende Aller Lügen“, welches im Januar 2016 erscheinen soll, zu verkürzen, präsentieren Varg ihrer hungrigen Anhängerschaft eine neu E.P. welche mit 47 Minuten Spielzeit erst mal das Herz bei jedem Fan höher schlagen lässt. Viel Musik für wenig Kohle, eine fast schon lobenswerte Einstellung, wenn das Wort Wenn nicht wäre. Dreh- und Angelpunkt der E.P. ist der Titel gebende Song aus dem Jahre 2011 von der „Wolfskult“ Scheibe, welcher in einer frischen „Humpa“-Version mich schon mal sehr an „Rasputin“ von Turisas erinnert. Doch abgesehen von dieser Neuauflage, fand man sich nicht zu schade, diesen Songs gleich in sechs(!) Versionen auf den Silberling zu pressen. Absoluter Höhepunkt die über 16 Minuten dauernde „Rotkäppchen im Bierzelt“ -Akustik-Version, hat man die schlussendlich durch, kotzt man die Melodie freiwillig auf den Boden, selbst mit 0 Promille im Blut. Es ist definitiv zu viel des Guten, und ich verstehe nicht, warum Varg die Chance nicht genutzt hat, hier etwas mehr zu bieten. Denn abgesehen von „Rotkäppchen“ sind die Krieger-Hymne „Ein Tag wie heute“ und das flotte „Abendrot“ durchaus brauchbare Nummern aus dem Varg-Universum. Anschaffen sollten sich diese E.P. also wirklich nur absolute Fans der Band, ansonsten wird dieses Werk kaum Spuren hinterlassen.
R.K.   
 
Punkte: keine Wertung
RITUAL KILLER – Exterminance
Underground Activists
Amerika hat schon lange kein Geheimtipp mehr für ganz eigenes (Black) Metal. Einerseits gibt es da die Post Black Metal Bands mit sphärischem Sound, auf der anderen Seite gibt es die avantgardistischen, modernen Ansätze (damals noch Nachtmystium). Ritual Killer (mit Musikern von Goatwhore) verfolgen eher die Spuren von Black Anvil: räudiges, primitives Black Metal mit einer grossen Portion Aggression. Wirklich fassbare Riffs gibt es nicht, von Groove kann man auch kaum sprechen. Die Gitarrenwände bleiben kaum im Ohr, die Tracks klingen mehr nach Auskotzen als nach partytauglicher Musik. So bleibt Exterminance eine der Veröffentlichungen, die man gerne auslassen kann.
Tristan  
Punkte: 4.0 von 10
KRALLICE – Ygg Huur
Avantgarde Music
Das Problem an der Amerikanischen Band ist, dass mir diese Art von Musik überhaupt nicht zusagt. Da gibt es keine richtigen Riffs, ein Konzept innerhalb der Lieder gibt es nicht, man nennt das wohl „gewollt“ und „avantgardistisch“. Gebt euch mal den Start von ‚Over Spirit‘, die Gitarren treffen die Töne nicht (natürlich absichtlich, das ist ja das tragische daran!), Rhythmen wechseln sich schneller als mir die Haare ausfallen und der Sänger klingt als müsste er dringend auf das leider besetzte Klo. Dass die Lieder alle genau 6 Minuten und 42 Sekunden dauern, unterstreicht das Gefühl, dass ich nicht zur Zielgruppe dieses Albums gehöre. Leute, die Takte zählen und Befriedigung in irgendwelchen expressionistischen Klangexperimenten finden, könnten hier vielleicht was mitnehmen. Für Metalheads ist das hier aber nur schwer ertragbar.
Tristan   
Punkte: 3.0 von 10
ALUCARDA - Raw Howls
The Church Within Records
Normalerweise sollte man sich im Sinne der Objektivität mehr oder weniger intensiv mit einem Tonträger beschäftigen, bevor man seinen Senf dazu gibt. Und normalerweise kann ich mir durch mehrmaliges Anhören und unter Zuhilfenahme von verschiedenen, auf mich immer besänftigend wirkenden Spirituosen „schwierige Scheiben“ sogar schönhören. Im Falle von „Raw Howls“ wollte ich mir jedoch die erste Option nicht freiwillig antun, und zur zweiten Möglichkeit ist mir sogar die Lust vergangen. Alucarda ist ein dänisches, Ende 2011 ursprünglich als Einmann-Projekt gegründetes Trio, welches gemäss Labelinfo so etwas wie Garage Punk / Doom Metal spielen soll. „Raw Howls“ – der Titel deutet es schon an – wurde innert drei Tagen im Bandraum live aufgenommen. Dementsprechend klingt es dann auch, der Sound ist absolut unterirdisch, das Geschrammel nervt bereits nach den ersten 30 Sekunden, das unbedarfte Geschreie von Bassist Hampus Wahlgren ist eine intonierte Geduldsprobe, und die Soli hören sich auf weiten Strecken nach Schülerband kurz nach der Gründung an. Da ist im direkten Vergleich dazu das Venom-Debüt „Welcome To Hell“ ja geradezu filigraner Prog Rock. Hin und wieder schimmern zwar schon ganz kurz und schüchtern Riffs und Solofragmente durch, die zeigen, dass man durchaus zu mehr imstande wäre, aber wenn der Wille dazu fehlt, nützt alles Hoffen nichts. Es gibt tatsächlich Menschen, die für diesen stümperhaften Lärm voll des Lobes sind, ich hingegen frage nach dem Sinn dieser Rohstoffverschwendung. Einen Punkt gibt’s für die Musik, eineinhalb Punkte fürs Cover, das mir wesentlich besser gefällt als der Inhalt.
Mirko B.   
Punkte: 2.5 von 10
KAECK - Stormkult
Folter Records
Erinnern wir uns doch mal an die 90er Jahre zurück, damals, als es noch keine Smartphones und kein Facebook gab (ja diese Zeiten existierten wirklich mal), Glamrock durch den Grunge niedergemetzelt wurde und Metallica mit einem schockierenden Hausfrauen-Song der Bay Area Thrash-Bewegung den Todesstoss versetzte. Ja, es waren harte Zeiten, die 80er Jahre. Metal-Blüten welkten an allen Fronten und wurden von der anrollenden Techno- Bewegung gnadenlos niedergetrampelt. Rock und Metal waren nicht mehr angesagt, Iron Maiden-Shirts aus den Strassen verschwunden und die Szene-Konzerte meist nur noch von einer Handvoll von der Gesellschaft verstossener Kreaturen besucht. Abgesehen von den kommerziell äusserst erfolgreichen Guns N’ Roses sowie Metallica waren höchstens noch Rage Against The Machine und Clawfinger, welche Mitte 90er Jahre mit ihrem neuartigen Crossover von sich reden machten. Metal war zurückgedrängt in den Underground, zu Tode verurteilt, und doch war dies vielleicht das Beste, was passieren konnte, denn schauen wir mal auf die „neuere“ Metal-Geschichte zurück, waren diesen kargen Jahre die Geburtsstätte einiger Veröffentlichungen, deren „Auswirkungen“ wir bis heute spüren. Denken wir dabei mal an At The Gates und In Flames, die mit ihrem Melodic Death Metal so einige Truppen inspirierten und dabei wohl Metalcore nie in der Form entstanden wäre, wie wir ihn heute kennen. Oder Paradise Lost, Theatre Of Tragedy, Therion und Moonspell, welche anfangs und Mitte der 90er die Grundlage für Gothic- und Dark Metal legten, dessen Trendwelle anfangs des neuen Millenniums seinen Höhepunkt erreichte.

Doch abgesehen von dem Underground, gab es noch den Underground vom Underground, eine pechschwarze Bewegung, eine Welle des Bösen brodelte im Schosse von Skandinavien vor sich hin. Es war der Höhepunkt und die Stunde des Black Metal, wobei es weit mehr war als nur die Musik. Eine Bewegung, musikalisch inspiriert von Venom, King Diamond sprich Mercyful Fate und Bathory, welche die Saat Satans in sich trug und insbesondere in Norwegen eine Spur der Zerstörung hinter sich zog. Morde, Selbstmorde, abgebrannte Kirchen, finstere Rituale, Grabschändungen und Blasphemie sorgten in den frühen 90er für Schlagzeilen und der Soundtrack dazu kam von Mayhem, Burzum, Dark Throne, Emperor und Immortal. Das Gedankengut war extrem und lebensfeindlich, Satanismus, Mythologie bis hin zu Neofaschismus prägten so einige Köpfe des so genannten Inneren Kreises. Dieser rohe, von Hass erfüllte Black Metal breitete sich auch im Rest von Europa aus, und man war nur noch wirklich „truve“ und richtig böse, wenn man den Klängen dieser Bands lauschte (und nicht etwa Manowar). Die Männlichkeit wurde nicht mehr anhand der Genitalgrösse gemessen, sondern an der Länge der Nägel, welche vom Unterarm in die Dunkelheit empor ragten. Abends ging man gemeinsam in den Wald, übte sich im Feuerspuken und beschwor die Dämonen der Finsternis (wie anfangs erwähnt … ein Smartphone mit der App: Call a Daemon gab es damals nicht!). Bücher über Satan, Schwarze Magie und nordische Mythologie fanden ihren Weg auf den Nachttisch so mancher verlorenen jugendlicher Seele, wobei ich zugeben muss, dass „Fifty Shades of Grey“ zu lesen die wesentlich grössere seelische Grausamkeit darstellt.

Doch wie wir es schon des öfteren erlebt haben, war die Ausbreitung des Black Metal auch sein Niedergang, denn wenn sich etwas genügend verbreitet, dann kann selbst mit dem Teufel Geld verdient werden, dies nennt man in der Moderne auch Kommerzialisierung. Gerade im BM war Kommerz ein Wort, welches extrem heftig umstritten und verhasst war und Diskussionen wie: „Ist nun eine Band, welche ein paar lumpige Silberlinge für ihr Demotape nimmt, nicht schon Kommerz?“, waren an der Tagesordnung. Auch wenn man Geld die Eigenschaft nach sagt, es sei die Wurzel allen Übels, spielte Geld im eigentlichen Sinne und im Kern der BM-Bewegung keine Rolle, denn es ging um Überzeugungen. Doch es kam wie es kommen musste, die Ideologie ging Bach ab und zwei Bands profitierten erheblich von dem verblassenden Schatten einstiger Grössen. Ihr kennt sie bestimmt, da hätten wir Dimmu Borgir, welche zwar bis zum Album „Stormblast“ noch in der Gunst der True Black Metal Gemeinde stand, diese dann aber rasant verlor, als die Herren mit „Enthrone Darkness Triumphant“ in den Charts landeten. Für die Romantiker, frisch Vermählten, Vampir-Gläubiger und eher zart beseelten Pflänzchen habe ich noch Cradle Of Filth zu bieten, welche insbesondere durch ihr provokantes Merch für die „Dusk …And Her Embrace“-Scheibe richtig Kohle abkassierten und somit aus dem Schattenreich verbannt wurden.

Der Ausverkauf des Black Metal hatte begonnen und kennt bis zum heutigen Zeitpunkt kein Ende. Was hat dies nun mit Kaeck zu tun, diese Holländer, welche mit „Stormkult“ im Jahre 2015 ihr Erstlingswerk unter die Meute mischen? Mit Dimmu Borgir und Cradle Of Filth herzlich wenig, denn „Stromkult“ ist genau dies, was das schwarze Herz von Black Metal-Puristen ansprechen sollte. Roh, bedrohlich, unheilvoll, die Essenz des Black Metal passend in einer total verwaschenen Produktion gekleidet, als käme sie direkt aus der Hölle der 90er. Kaeck zelebrieren hier einen Tribut an die Bestie, vertont in knapp 34 Minuten wilder Raserei und beweisen, dass der Underground nicht ganz ausgerottet ist. Mit 40 darf ich mich nun wieder als Teenager fühlen, trotzdem wachsen meine Haare nicht mehr und ehrlich, viel mehr als ein Schmunzeln, bringe ich beim Anhören von „Stormkult“ nicht über meine Lippen. Wäre die Scheibe vor 20 Jahren erscheinen, da bin ich überzeugt, wären die Holländer als die Brut des Bösen abgefeiert worden, doch mal ehrlich, die Bedeutung, welche diese Art von Musik mal hatte, ist heute so nicht mehr gegeben, sondern eher ein blasser Schein einstiger Tage. Weil jedoch „Stormkult“ durchaus seinen Reiz hat und auch räudigen Charme besitzt, die Kompositionen schlicht und ergreifend sind, ist es ein Werk, dass jeder, welcher noch irgendwie auf True Black Metal steht unbedingt antesten sollte, ja fast schon eine Pflicht im Angesicht des Gehörnten ist. Weil es ein absoluter Frevel wäre und total kommerziell hier eine hohe Punktzahl zu verteilen (obwohl die Scheibe natürlich 666 Punkte verdient hätte), folge ich der Ideologie und vergebe absichtlich die mieseste Anzahl Punkte welche wir bieten können, denn das Böse in mir verlangt es.
R.K.   
Punkte: 1.0 von 10
CD Reviews Archiv
Juli 2000  August 2000  September 2000  Oktober 2000
November 2000  Dezember 2000  Januar 2001  Februar 2001
März 2001  April 2001  Mai 2001  Juni 2001  Juli 2001  August 2001
September 2001  Oktober 2001  November 2001  Dezember 2001
Januar 2002  Februar 2002  März 2002  April 2002  Mai 2002
Juni 2002  Juli 2002  August 2002  September 2002  Oktober 2002
November 2002  Dezember 2002  Januar 2003  Februar 2003
März 2003  April 2003  Mai 2003  Juni 2003  Juli 2003  August 2003
September 2003  Oktober 2003  November 2003  Dezember 2003 
Januar 2004  Februar 2004  März 2004  April 2004  Mai 2004
Juni 2004  Juli 2004  August 2004 September 2004 Oktober 2004
November 2004  Dezember 2004  Januar 2005  Februar 2005
März 2005 April 2005 Mai 2005 Juni 2005  Juli 2005  August 2005
September 2005  Oktober 2005  November 2005  Dezember 2005
Januar 2006  Februar 2006  März 2006  April 2006  Mai 2006

Juni 2006  Juli 2006  August 2006  September 2006  Oktober 2006
November 2006  Dezember 2006  Januar 2007  Februar 2007
März 2007  April 2007  Mai 2007  Juni 2007  Juli 2007  August 2007
September 2007  Oktober 2007  November 2007  Dezember 2007
Januar 2008  Februar 2008  März 2008  April 2008  Mai 2008
Juni 2008  Juli 2008  August 2008  September 2008  Oktober 2008
November 2008  Dezember 2008  Januar 2009  Februar 2009
März 2009  April 2009  Mai 2009  Juni 2009  Juli 2009  August 2009
September 2009  Oktober 2009  November 2009  Dezember 2009
Januar 2010  Februar 2010  März 2010  April 2010  Mai 2010 
Juni 2010  Juli 2010  August 2010  September 2010  Oktober 2010

November 2010  Dezember 2010  Januar 2011  Februar 2011
März 2011  April 2011  Mai 2011  Juni 2011  Juli 2011  August 2011
September 2011  Oktober 2011  November 2011  Dezember 2011
Januar 2012  Februar 2012  März 2012  April 2012  Mai 2012  Juni 2012
Juli 2012  August 2012  September 2012  Oktober 2012  November 2012
Dezember 2012  Januar 2013  Februar 2013  März 2013  April 2013
Mai 2013  Juni 2013  Juli 2013  August 2013  September 2013 
Oktober 2013  November 2013  Dezember 2013  Januar 2014
Februar 2014  März 2014  April 2014 
Mai 2014  Juni 2014  Juli 2014

August 2014  September 2014  Oktober 2014  November 2014
Dezember 2014  Januar 2015  Februar 2015  März 2015  April 2015

Mai 2015  Juni 2015  Juli 2015  August 2015  September 2015