5Rand, die Band aus Rom verbindet kompromisslose Härte mit atmosphärischer Tiefe und schafft es, melodischen Death Metal, Groove und moderne Metal-Elemente zu einer düsteren, intensiven Klangwelt zu verschmelzen. Im Zentrum steht die Stimme der charismatischen Sängerin Julia Elenoir, die ihren Songs mit brutalen Growls und emotionalem Klargesang einen ganz eigenen Charakter verleiht. Mit ihrem dritten Album «Ordhalia» hat sich die Band Ende 2025 international einen Namen gemacht, und bereits mit Grössen wie Dark Tranquillity, Vader oder Infected Rain die Bühne geteilt. Zwischenzeitlich ist es um die Italiener etwas stiller geworden. Grund genug, die Sängerin in ihrem Zuhause aufzurütteln und etwas den Puls der Zeit zu fühlen.
MF: Buonasera, Julia. Wie geht's dir?
Julia: Buonasera! Danke, sehr gut! Und dir?
MF: Kein Grund zur Klage. Hat ja soweit alles geklappt, dann können wir loslegen.
Julia: Gerne!
MF: Momentan führt ihr noch nicht die Hitparaden dieser Welt an, also erzähl mir doch bitte etwas mehr über dich.
Julia: Da gibt es schon etwas zu erzählen (lacht). Ich bin Psychologin und Psychotherapeutin, und wie du sicher weisst, singe ich in einer Metalband. Aber eigentlich bin ich einfach ein Metalhead! Mein Terminkalender ist sehr, sehr voll, aber ich versuche alles unter einen Hut zu bringen. Heute war wieder so ein Tag, an dem wirklich alles drunter und drüber ging, deshalb bin ich wirklich sehr froh, dass dieses Interview überhaupt stattfinden und ich jetzt mit dir sprechen kann. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich nach unserem Gespräch ins Bett falle und erst einmal 48 Stunden schlafe (lacht).
MF: Manchmal braucht es das einfach, oder?
Julia: Genau!
MF: Als Psychologin hast du bestimmt volle Tage. Wie lässt sich dies mit deiner zweiten Profession, dem Metal, verbinden?
Julia: Gestern hatte ich gerade Bandprobe, und wenn ich Musik machen kann, gibt mir dies neue Energie und ich bin glücklich.
MF: Ist Musik deine Form von Therapie?
Julia: Das neue Album schon, ja. Ich habe selbst Psychotherapiesitzungen besucht, die zu einem wichtigen Prozess für mich wurden, denn ich bin zwar nicht verrückt aber auch nicht ganz gesund (lacht). Weisst du, um eine gute Therapeutin zu sein, muss man etwas verrückt sein. So hat es sich ergeben, dass jeder Song mit einer persönlichen Erfahrung aus diesem Prozess verknüpft ist. Wenn ich also Musik schreibe, ist das ein sehr intensives Gefühl, das mich stets dabei begleitet. Ähnlich verhält es sich mit der Psychologie, die ebenfalls ein sehr wichtiger Teil meiner musikalischen Arbeit ist.
MF: Okay, das bringt uns direkt zu deiner aktuellen Platte mit dem Namen «Ordhalia». Ist Ordhalia nicht auch eine Therapieform?
Julia: Ordhalia steht für einen ganzheitlichen therapeutischen Ansatz, der Menschen dabei unterstützt, innere Klarheit, emotionale Stabilität und neue Orientierung im Leben zu finden. Im Mittelpunkt stehen Vertrauen, persönliche Entwicklung und die behutsame Begleitung in herausfordernden Lebenssituationen. Damit sollen Fortschritte beim Patienten erreicht werden.
MF: Ok, und wie waren die Rückmeldungen auf das Album bis jetzt?
Julia: Nun, sie waren durchwegs positiv, wofür wir sehr dankbar sind. Wir haben sehr intensiv an diesem Album gearbeitet. Für uns war es essenziell, dass die Platte genauso klingt und uns so zeigt, wie wir heute sind. Im Gegensatz zu früher haben wir nämlich vieles geändert. Uns war es zudem wichtig, unsere Hörer nicht nur mit dem Sound zu überzeugen, sondern auch mit der Emotionalität der Platte.
MF: Dies ist euch aus meiner Sicht gelungen, denn «Ordhalia» war mehrere Wochen lang in meinen Top 3. Eine sehr interessante Platte. Was bietet dieses Album den Fans, was andere Alben vielleicht nicht haben?
Julia: Oh, danke sehr! Wow, das ist eine sehr schwierige Frage, denn ich glaube, dass jeder Musiker seine ganze Seele in die Musik steckt. Aber ich kann dir sagen, was ich persönlich glaube, was darin steckt, denn «Ordhalia» ist ein authentisches und interessantes Werk. Es ist kein Album, das man so nebenbei hören kann, es braucht Zeit. Es thematisiert Schmerz, Transformation und die eigene Identität, auf sehr direkte Art. Natürlich ist die Platte ebenfalls hart und brutal, wie seine Vorgänger, aber in diesem Fall haben die Texte viel mehr Gewicht.
MF: Wer war an der Musikproduktion und den Lyrics beteiligt?
Julia: Alle Texte wurden von mir geschrieben, da das Schreiben ein sehr persönlicher Prozess für mich ist. Fürs Musikalische arbeite ich eng mit unserem Gitarristen Pierluigi (Carocci) zusammen. Er ist ein grossartiger Songwriter, der es versteht, konstruktive Inputs zu geben. Mit den ziemlich fertigen Songs sind wir schliesslich zu Marco Mastrobuono in die Bloom Recordings Studios gegangen und haben die Songs eingespielt. Gemastert wurde die Platte von niemand Geringerem als der Legende Jens Bogren. Er ist einfach der Beste. Es ist das zweite Album, das wir mit Jens machen, und es ist einfach perfekt. Man braucht nichts zu ändern, denn es ist schlicht perfekt. Es ist so unglaublich. Ich liebe seine Arbeit.
MF: Von Pierluigis Rolle hast du bereits gesprochen. Kannst du mir noch kurz die restlichen Bandmitglieder vorstellen?
Julia: Natürlich, gerne! Neben dem Gitarristen Pierluigi ist da noch Acey Guns, unser Bassist und Andrea De Carolis ist unser Schlagzeuger. Es sind alles talentierte, verrückte Jungs, mit denen ich auf Tour und beim Proben viel Spass haben kann.
"… du musst immer als erstes auf der Matte stehen, weil du neu im Geschäft bist…”
MF: Ah schön. Wie habt ihr damals als Band zusammengefunden?
Julia: Damals 2015 haben Pierluigi und ich das Projekt gestartet, und bald darauf die erste Platte gemacht. Zu dieser Zeit hatten wir aber noch einen anderen Bassisten und einen anderen Schlagzeuger. Wie du dir aber vorstellen kannst; das Musikerleben ist kein Leichtes. Überhaupt nicht! Francesco (Marroni) und Riccardo (Zito)haben nach einigen Touren entschieden, auszusteigen und ihre Zeit in andere Lebensprojekte zu investieren, was wir natürlich respektiert haben, da es wirklich nicht einfach ist, wenn man voll dabei sein will. Auch wenn du “nur“ für einen Monat auf Tour bist, verlangt dies soviel Leidenschaft ab, dass es nicht einfach ist, dies zu stemmen.
Du musst mit vier Stunden Schlaf pro Tag auskommen, leidest an Schlafentzug und musst immer als erstes auf der Matte stehen, weil du neu im Geschäft bist. Wir waren auf einer Tour mit Vader und Immolation, den Grossen der Szene. Die Bandmitglieder waren sehr nett, aber wenn du als erstes spielst, wartest du auch immer am längsten, bis du dein Material verräumen kannst und bist auch wieder der erste, der sein Material aus dem Anhänger ausräumt. Bei unserem Status hast du noch keine Bühnencrew, die alles für dich schleppt. Wenn dabei die Leidenschaft fehlt, ist dieser Job kaum durchzuhalten.
MF: Aber wart ihr ganz klassisch Freunde, die eine Band gegründet haben oder habt ihr Leute gesucht?
Julia: Ah, nein! Wir waren wirklich Freunde und wir sind es immer noch! Die Trennung ist friedlich von statten gegangen, denn die beiden haben uns ganz ehrlich mitgeteilt, dass sie dieses Projekt nicht weiterverfolgen können. Sie wollten aufhören, bevor die Band zu gross und der Absprung mit mehr Schwierigkeiten behaftet sein wird. So haben wir bald neue Musiker gefunden, die Bock hatten, mit uns diesen Weg zu gehen.
MF: Ah, schön. Jetzt ist es aber an der Zeit, endlich auf den Bandnamen 5Rand einzugehen, denn dieser ist, optisch und auch ausgesprochen, doch ziemlich speziell.
Julia: Oh, der Bandname (lacht). 5Rand, das ist die kleinste Münze in der südafrikanischen Währung. Das 5 Cent-Stück ist bei den Einheimischen eine Art Glückssymbol. Als wir in einer kleinen Stadt in Italien waren, war da auch so eine Art Schamane zugegen, der Pierluigi diese Münze gab. Für uns war dies irgendwie ein magischer Moment, und so hat Pierluigi schliesslich entschieden, dass die Bedeutung dieses Augenblicks, ein Symbol unserer Geschichte und Transformation, in den Bandnamen einfliessen muss. So wurde der Name der Münze schliesslich zum Bandnamen.
MF: Welche Bedeutung hat der Bandname heute für dich, nach zehn Jahren Bandbestehen?
Julia: Uh, schwierig. Ganz sicher ist 5Rand heute mehr als bloss ein Bandname. Er ist zu meiner kreativen Identität geworden. Er ist der Schmerz und die Freude, die man fühlt, wenn neue Musik entsteht. Er ist das Gefühl, das ich spüre, wenn alle Emotionen zusammenkommen. Er ist ein riesiger Teil meiner Verwandlung zur Künstlerin. Ich denke, dass er zu einem echten Teil von mir geworden ist, mit der Band und der entstandenen Musik.
MF: Wie hat es sich eigentlich zugetragen, dass du gerade im Death Metal Fuss fasst?
Julia: Als ich mit Hard Rock und Metal bewusst in Berührung kam, war ich so um die zwölf Jahre alt. Mein Vater war ein grosser Black Sabbath-Fan, was mir persönlich auch gut gefiel. Daneben hörte er noch Genesis oder Deep Purple, was es mir einfach machte, an diese Art von Musik heranzukommen. Von da an wollte ich nur noch Gitarre spielen, aber da meine Mutter Pianistin ist, wollte sie immer, dass ich Klavier lerne.
Ich habe mich aber stets dagegen gewehrt und meine Mutter war auch ziemlich in Sorge deswegen. Sie verstand nicht, was ich daran fand. Für mich bedeutet Heavy Metal Familie. Weisst du, wenn wir auf der ganzen Welt unterwegs sind, sind da auch die Metalheads, und sie sind wie Brüder und Schwestern. Das ist so wundervoll. Wenn du an Festivals bist, triffst du jede Menge Leute und manche bleiben dir sogar erhalten. Das ist wirklich sehr cool. Wir sind wirklich sehr glücklich darüber, diesen Beruf ausüben zu können, denn ohne die Leute da draussen, gäbe es uns gar nicht. Wir sind wirklich sehr dankbar.
MF: Diese Art von Musik verlangt nach einer starken Stimme, und du hast diese starke Stimme. Ich gehe davon aus, dass du deine Stimme trainierst und nicht einfach drauflos singst.
Julia: Oh, nein! Das wäre unmöglich. Ich trainiere jeden Tag mindestens eine Stunde! Das hat alles damit angefangen, als ich Pantera gehört habe.
MF: Oh! Meine Götter der Jugend (Gelächter)
Julia: Yeah! Ich liebe sie! Dadurch habe ich die Entscheidung getroffen, nichts unversucht zu lassen, bis ich auch so singen kann. Glücklicherweise kam ich bald in Kontakt mit einem Arzt, er ist ein Freund von mir, der in einer Extreme Metal-Band singt. Seine Band heisst Hideous Divinity, und er hat mir das Üben von Growls und Screams beigebracht. Für mich war es natürlich ein sehr glücklicher Umstand, mit einem Profi lernen zu können. So lange, bis er mir sagte, dass ich nun alleine klarkomme. Seitdem mache ich täglich meine Vocal-Warmups, mein Stimmtraining und feile an meinem Gesang. Es ist wirklich nicht zu unterschätzen, singen ist ein Vollzeitjob. Wenn du länger nicht singst, deine Übungen nicht machst, wirst du etwas von deinem Können verlieren.
"… für mich gehört Corey Taylor von Slipknot definitiv zu den besten Sängern der Szene…”
MF: Hast du als Profi eigentlich auch singende Vorbilder aus der Szene? Abgesehen von Phil Anselmo (lacht).
Julia: Absolut, ja! Für mich gehört Corey Taylor von Slipknot definitiv zu den besten Sängern der Szene. Er hat eine einzigartige Stimme, die ich mir stundenlang anhören kann. Er verfügt über so viele technische Fähigkeiten. Wenn du Extreme Metal-Vocals studierst, verstehst du, warum er ein Meister seines Fachs ist. Er beherrscht den Klargesang ebenso problemlos, wie die Growls oder die Screams. Dann mag ich natürlich den Gesang von Alissa (White-Gluz), Tatjana (Shmayluk) oder Cristina Scabbia. Ich mag noch viele andere, die fähig sind, echte Emotionen mit Power zu kombinieren. Mir schiessen gerade noch etliche Sänger durch den Kopf, aber diese alle aufzuzählen, würde den Rahmen definitiv sprengen.
MF: Wenn ich richtig informiert bin, sind momentan keine Konzerte oder kleinere Touren geplant. Hast du mir Informationen diesbezüglich?
Julia: Wir würden liebend gerne Konzerte spielen, aber es ist gar nicht so einfach! Gerade momentan ist es eher schwierig, auf Tour gehen zu können. Du brauchst dafür einen fähigen Booking- und Tourmanager, der dies für dich regelt (lacht). Wenn wir Glück haben, können wir im nächsten Oktober ein wenig durch Europa touren, denn es wird absolut Zeit, dass wir wieder einmal auf Achse sind. Bei dem ganzen Scheiss, der momentan in der Welt passiert, wäre es für alle toll, etwas Abwechslung zu haben.
MF: Psychologin zu sein ist sicherlich eine anspruchsvolle und kalenderfüllende Aufgabe. Ist deine Musik deine wichtigste Quelle zum Ausgleich oder hast du andere Interessen, die dir helfen, abzuschalten?
Julia: Die Musik ist definitiv ein riesiger Teil meiner Work-Life-Balance. Wenn ich meine Growls übe, dann muss ich die Emotionen dazu fühlen. Wenn du diesen Job ausübst, brauchst du Sitzleder und ganz viel Ausdauer. Neben der Musik bleibt kaum Zeit für anderes, aber da ich es liebe zu singen, ist es nicht wirklich tragisch (lacht). Damit ich allerdings körperlich fit bleibe, jogge ich gerne. Auch Spaziergänge am Strand liebe ich sehr und Outdoor-Aktivitäten machen mir Spass. Nicht zu unterschätzen, für einen gesunden Lebensstandard, ist das Essen. Das ist mir wichtig, und deshalb koche ich auch gerne selbst. Ich glaube fest daran, dass die Balance aus einem selbst herauskommt, aus den vielen verschiedenen Dingen, die wir gerne tun.
MF: Du malst auch noch, wenn ich das in einem Reel richtig gesehen habe.
Julia: Ja, das stimmt. Allerdings bin ich noch nicht so gut (lacht). Für mich ist es manchmal wichtig, die Songs, die ich singe, auch visualisieren zu können. Gerade gestern habe ich mir Gedanken dazu gemacht, wie ein nächstes Video zu «Ordhalia» aussehen könnte. Es war schwierig für mich, da zu viele Ideen aufeinander prasselten. Durch das Malen wusste ich im Anschluss genau, wie, zum Beispiel die Meerjungfrau, aussehen sollte. Ich mache dies aber auch bei der Musik. Auch während der Suche nach dem passenden Albumtitel «Ordhalia» habe ich vieles visualisiert.
"… ich würde liebend gerne etwas Akustisches machen…”
MF: Klingt nach einem spannenden Ablauf. Hast du irgendwelche Solo-Projekte oder Kooperationen, die dich reizen?
Julia: Mein Fokus liegt ganz klar bei 5Rand. Aber ich würde liebend gerne etwas Akustisches machen. Die Band ist allerdings, von der Vorstellung, ein Akustik-Set zu machen, nicht sonderlich begeistert (lacht). „We are metalheads!” sagen sie mir dann (Gelächter). Ich habe schon oft versucht, die Jungs zu einem Akustiksong zu überreden, aber die Jungs laufen jedes Mal Amok und sagen mir, dass ich dies nicht tun könne.
MF: Vielleicht brauchen sie einfach etwas mehr Zeit oder eine Therapie?
Julia: (lacht). Ja, vielleicht! Nein, ich denke, dass ich mit diesem Projekt noch einen Moment warten muss, bevor ich es realisieren kann.
MF: Ansonsten gibt es 5Rand nur mit dir und deinem Piano (lacht).
Julia: Die Jungs würden mich umbringen (lacht)!
MF: Wir kommen bereits zum Schluss des Gesprächs. Gibt es noch etwas von deiner Seite her, das du mir mitteilen möchtest?
Julia: In einem ersten Schritt sind wir gespannt, wohin uns «Ordhalia» noch führen wird. In einem zweiten Schritt werden wir natürlich neue Musik schreiben, denn es ist für uns ganz wichtig, da dranzubleiben. «Ordhalia» wurde bekanntlich Ende 2025, ja fast 2026 veröffentlicht, und wir hoffen, respektive unser Ziel ist es, Mitte 2028 neue Musik herauszubringen. Eine gute Platte braucht bekanntlich Zeit. Du kannst nicht heute die Idee haben und morgen das Album rasch zuhause einspielen. Der ganze Produktionsprozess, der ganze Aufnahmeprozess kostet Zeit und Geld. Ansonsten hast du aus meiner Sicht alles gefragt, was es momentan zu beantworten gibt. Vielleicht kann ich dir anfangs 2028 mehr erzählen, da bis dahin wieder einiges passiert ist, aber für mich war dies ein kompaktes und gelungenes Interview.
MF: Okay, dann danke ich dir für deine Zeit und wenn bei dir alles klappt, sehen wir uns im kommenden Oktober.
Julia: Es wäre mir eine Freude! Danke für das nette Gespräch.
MF: Danke dir für deine Zeit oder besser gesagt: grazie mille!