Er ist ein Musikverrückter, um nicht zu sagen ein Besessener. Einer, der dem Musikfan noch alles besorgen kann, was das Sammler-Herz begehrt. René "Fribi" Freiburghaus aus Murgenthal feiert dieses Jahr mit seinem "Outsider-Shop" in Olten am Bahnhofquai 2 seinen 40. Geburtstag. Fribi ist in der Szene bekannt wie ein bunter Hund. Erst kürzlich schaffte es der Metalhead ins Schweizer Fernsehen, als ihn ein Journalist von "Schweiz aktuell" besuchte und eine Reportage über die vier Jahrzehnte des Kultladens machte. Wie alles begann, was seine Sammel-Leidenschaft prägt und wie es zu seiner grossen Liebe von Jag Panzer kam, lest Ihr in den folgenden Zeilen.
MF: Wie bist du zur Musik gekommen?
Fribi (lachend): Über Elvis. Mit Umwegen (lacht). Tatsächlich hörte ich mir viel vom "King Of Rock" an. Meine Eltern schleppten mich zu Verwandten. Mein Cousin hörte AC/DC und Uriah Heep. Er hat mich mit dem Sound angefixt. Es ging schnell, und meine Liebe zu Elvis nahm sehr schnell ab (grinst).
MF: Welches waren deine Einstiegs-Bands?
Fribi: Whitesnake und interessanterweise in keinster Weise Black Sabbath. Dafür aber Judas Priest umso mehr. Zudem bin ich ein vergifteter AC/DC Fan, noch heute.
MF: Hast du zu den Tapetradern gehört?
Fribi: In der Schweiz gab es zwei Leute, die mit Tapes handelten. Ich war aber breiter aufgestellt als ein Freund von mir. In Deutschland war unter anderem Andy Siry, der später A&R wurde, am Traden. Dort gab es mehrere, die Kassetten verkauften und tauschten.
MF: Wie bist du damals an die Tapes gekommen? Hast du die Bands angeschrieben?
Fribi: Teilweise hatte ich das Exklusiv-Recht auf den Tapes, wie bei Lunacy oder Xerxes. Diese habe ich dann bei anderen Tapetradern gegen andere Kassetten getauscht. Wie Oliver Magnum oder Steel Prophet. Sonst blieb mir nichts anderes übrig, als die Combos direkt anzuschreiben. Damals dauerte die Antwortzeit sehr lange. E-Mail war eine Idee, an die noch niemand dachte (lacht). Ich schickte einen Fax, in der Hoffnung, dass dieser den Empfänger auch erreichte (lachend). Alles war entschleunigter als heute. Das war echt cool.
Ich hörte einen Song von Blessed Death auf einem Sampler. Es kam mir zu Ohren, dass die Jungs ein Tape veröffentlicht haben. In einem Magazin fand ich deren Adresse. Ich schrieb ihnen, sagte dass ich Tapetrader bin und gerne ihres in der Schweiz vertreiben würde. Ich bat sie um eine Antwort mit der Bitte, mir fünfzig Stück davon zu senden. Zehn Tage nachdem ich den Brief losschickte, stand UPS vor meiner Türe mit einem Paket. "Ich hätte nichts bestellt" war meine Antwort, worauf der Typ sagte: "Doch aus New York, von Blessed Death". Das war das erste Mal, dass ich von einer Ami-Band das Material ohne Vorkasse erhielt. Das habe ich den Jungs nie vergessen, und dies hat mich nachhaltig geprägt. Klar bezahlte ich der Band die Tapes, aber ausser bei Stygian passierte dies nie mehr.
MF: Hast du die Bands auch besucht?
Fribi: Ich war leider nicht so oft in den Staaten. Bei zwei von drei Mal besuchte ich auch Bands. Bitch, Steel Prophet, Warlord, Hirax und Psychotic Waltz als Beispiel. Bei den Letztgenannten verkaufte ich unzählige Tapes. Ich liebe die Truppe über alles. Definitiv ergaben sich aus diesen Begegnungen auch Freundschaften. Viele dieser Combos kamen erst Jahre später in die Schweiz. Damals war der Kontakt über Telefon an der Tagesordnung.
Ich sah Psychotic Waltz zum ersten Mal in Europa, zehn Jahre nach meinem Besuch in den USA in San Diego. Leider spielten die Jungs nicht in der Schweiz, sondern in Freiburg. Ich war etwas früher da und wartete vor dem Club. Norman Leggio (Drums) kam die Treppe hoch und rief "Hi René!". Scheisse, nach zehn Jahren und einer einzigen Begegnung kennt er mich noch immer. Das war richtig cool. Ich bin sehr eng mit den Jungs befreundet, auch mit Buddy (Gesang). Sie sind, neben Jag Panzer, eine meiner absoluten Lieblings-Bands von mir.
MF: Wie kam es zu deiner grossen Liebe Jag Panzer?
Fribi: Das war ein blöder Zufall (lacht). Ich kaufte damals die EP bei Martin Ain (verstorbener Bassist von Celtic Frost), der sie mir empfahl. Er arbeitete im Musicland, das später zu Jamarico wurde, die sehr viele Platten aus dem USA importierten. Wie zum Beispiel die erste Overkill EP und die angesprochene Jag Panzer. Ich hörte sie mir an und fand sie richtig cool. Zu der Zeit sammelte ich Material von Slayer bis zum Erbrechen. Irgendwann hatte ich die Nase voll, den 7'000sten Bootleg der Thrasher zu kaufen. Die Befriedigung war weg und ich suchte was Neues, weil ich eine Sammlung gerne vollständig hätte. So begann es mit Jag Panzer…
MF: …und ich dachte schon Iron Maiden.
Fribi: (achend): …genau, das ist dann eine lebenslange Aufgabe. Jag Panzer sind eine geile Band und zu dem Zeitpunkt war es überschaubar, was es von den Jungs gab. Mittlerweile hat es auch bei ihnen ein Mass angenommen, das nicht immer alles so einfach macht. So habe ich statt 7'000 Bootlegs von Slayer nun von Jag Panzer 7'000 mal die gleiche Platte (lacht).
MF: Du bist Vinyl und nicht der CD-Zuhörer?
Fribi: Jein. Zuerst gab es die CD noch nicht. Ich startete mit Schallplatten. Dummerweise kam 1991 «Paradise Lost» von Cirith Ungol heraus. Das sind auch gute Freunde von mir, die ich in den Staaten traf. Ich wollte deren neue Platte kaufen und musste feststellen, dass sie nur auf CD rauskommt. "Scheisse, jetzt habe ich alles auf Vinyl und muss mich auch noch mit CDs herumschlagen!" Das ist der typische Sammler-Horror. Jahre später wurde sie als Platte über Metal Blade veröffentlicht. Ich sammle beides und habe auch an den CDs Spass. Der Streaming-Scheiss interessiert mich aber in keinster Weise. Dafür bin ich zu altmodisch (grinst).
"…Ich stand kurz vor dem Ruin…"
MF: Wie kam es zum ersten Verkaufsladen?
Fribi: Ich wurde von meinen Kunden genötigt (lacht). Das meiste erfolgte damals bei mir von zu Hause aus. Sie haben mich privat besucht. Die Stammkundschaft wurde immer grösser. Meine damalige Partnerin war nicht so begeistert, dass meine Kunden zu jeder Tages- und Nachtzeit bei uns klingelte, auch Samstag- oder Sonntagabend. Ich stand vor der Wahl nur mit dem Versand weiterzumachen oder einen Laden zu eröffnen. Zuerst plante ich ihn in Langenthal zu eröffnen. Aus irgendwelchen Gründen ergab sich diese Möglichkeit nicht, und da ich sowieso nach Olten umgezogen bin, ergab sich dort die Chance etwas auf die Beine zu stellen.
Ich fand ein geeignetes Lokal, hab es mit Platten vollgestopft und nach einem Jahr bemerkt, dass ich nicht nur an-, sondern auch verkaufen sollte (lacht). Ich stand kurz vor dem Ruin. Das ist eine Erfahrung (lacht), die viele machten. Dort steht sich der Sammler selbst im Wege. Eröffnest du einen Laden, musst du dies und jenes anbieten. Auch Dinge, die man sich selbst nicht anhören würde. Es kommt der Zeitpunkt, dass dein Laden aus allen Löchern quillt, hast aber die gleiche Kundschaft, die das nicht kaufen will. Es war nicht immer einfach (lachend).
MF: Mittlerweile schon 40 Jahre Outsider. Hast du deinen Laden immer so genannt?
Fribi: Mit dem Tapetrader nannte ich mich "Music Arena". Diesen Namen klaute ich bei einem Label. Dies hat aber niemanden interessiert, denn ausser Non-Fiction und einer Hardcore Scheibe kam nichts bei ihnen raus. Mir gefiel der Name und das Logo. Ich liess es abändern, dass es nicht so auffällig wirkte (lacht). Als wir uns einen anderen Name suchten, stiessen wir auf "Outsider". Ich finde, der passt wie die berühmte Faust aufs Auge.
Du weisst es selbst, zu dieser Zeit war dies eine richtige Aussenseiter-Musik. Wir versuchten uns an jensten komischen Schriftzeichen mit dem damaligen PC. Meine Vision war, dass das Outsider Logo gleich aussieht, wie jenes der Music Arena. Meine Frau bastelte auf Packpapier etwas. Jahre später liessen wir das Logo von einem Grafiker überarbeiten. Mittlerweile ist es wie das Iron Maiden Logo, man kennt es, zumindest in der Schweiz (lacht).
MF: Hättest du jemals gedacht, so lange mit deinem Laden unterwegs zu sein?
Fribi: Absolut nicht! In den Neunzigern, auch als der Wechsel zur CD kam, dachte ich, das wars. Wir mussten damals im Einkauf sehr viel für die Compact Discs zahlen. In der Schweiz verkaufte der Media Markt seine CDs günstiger, als wir im Einkauf bezahlen mussten. Das war einer der Gründe, wieso ich zwischenzeitlich den Spass verlor. Zudem kauften die Leute kein Vinyl mehr. Das riss ziemliche Löcher in die Kasse. Drei bis vier Jahre lang hatte ich das Gefühl, ich kann die Segel streichen. Dank guter Stammkunden seuchten wir uns durch diese Zeit. Mein Vorteil war, dass ich die Platten nie aus dem Sortiment warf. Es kam der Zeitpunkt, als sich der Markt wieder pro Vinyl drehte.
Wie ich in der TV-Sendung schon sagte, man muss sich immer wieder neu erfinden. Bei uns waren es die "Outsider-Editionen" (spezielle Vinyl-Ausgaben mit Gimmicks), die zu einem Selbstläufer geworden sind. Das sind Dinge, welche die Leute kaufen, weil es sie sonst nirgends gibt. Über all die Jahren habe ich sehr viele Stammkunden, welche mir treu die Stange halten. Die Zeiten, damit reich zu werden, sind definitiv vorbei! Klar gab es Firmen, die millionengross geworden sind, wie damals Nuclear Blast. Die Zusammenarbeit mit ihnen war eine Super-Zeit für uns. Schade, dass dies heute nicht mehr so ist.
Ich wollte das Material direkt bei ihnen kaufen, da es günstiger war, als über den Schweizer Vertrieb zu gehen. Von der Gesetzgebung her war dies aber nicht möglich. Ausser, ich werde ein Teil von Blast als offizieller Shop. Das setzten wir um. So kam ich günstig an den Riesen-Katalog der Nuclear Blast Themen. Ein paar Jahre hat uns das sehr geholfen. Als Blast verkauft wurde, war auch unser Vertrag nichtig. Wir haben uns neuorientiert mit Leandra, die bei uns ins Geschäft einstieg. Sie ist die Mitbegründerin von "High Roller Records", zusammen mit Steffen Böhm. Das öffnete uns die Türe für etwas Neues.
MF: Gab es neben dem Wechsel der Tonträger auch andere, schwierigere Zeiten für dich?
Fribi: Schwierig ist es, die jungen Leute an Land zu ziehen. Je älter man wird, desto schwieriger wird es. Aus dem Grund, weil man mit den neuen Themen nichts am Hut hat. Vieles davon muss ich mir anhören, auch wenn ich nicht begeistert davon bin. Aber wenn du diesen Truppen nicht integrierst, kannst du den Laden schliessen. Nur deinen eigenen Garten zu hegen und pflegen, das läuft nicht.
MF: Gibt es spezielle Feierlichkeiten zum 40igsten?
Fribi: Zwei ehemalige Musiker von Celtic Frost (Franco Sesa und Erol Ünala) sowie der Bassist von Neverland haben letzten Sommer eine Platte aufgenommen. Geht in Richtung von Celtic Frost und ist sehr doomig geworden. Die Jungs nennen sich Inlitnment und zusammen mit Cachtice Records haben wir eine limitierte Vinyl Auflage von hundert Stück gemacht. Dies mit speziellen Beilagen. Am 20. Juni 2026 haben wir mit der Band im Laden in Olten ab 14:00 Uhr einen Event. Die Edition ist bereits ausverkauft! Am 12. September 2026 werden die Jungs dann zusammen mit Coldcell und Vomitheist in der Met-Bar in Lenzburg auftreten. Ein Überraschungs-Anlass ist noch in Planung (grinst). Daneben gibt es noch zwei Shirts, bei dem mich das Feedback brutal überrascht hat und wir schon über zweihundert Stück losgeworden sind!
"…Es waren unfassbar viele Leute da…, das hätte ich mir nie zu träumen gewagt… "
MF: Was waren für dich die Highlights an Gästen im Laden, wie zum Beispiel Bob Geldof von den Boomtown Rats?
Fribi: Doro war da, wie auch Tom G. Warrior (Celtic Frost), das war ein sehr geiler Anlass. Nebst Doro hatten wir mit ihm am meisten Besucher im Laden. Sehr viele Leute sind aus dem Ausland angereist. Tom hat sich verdammt viel Zeit für die Besucher genommen. Angedacht war, dass er von 14:00 Uhr bis maximal 16:00 Uhr zur Verfügung steht. Bereits ab 13:30 Uhr belagerten ihn die Fans und um 18:45 Uhr mussten wir den Event abbrechen. Es waren unfassbar viele Leute da. Das hätte ich mir nie zu träumen gewagt! Man schätzt Tom oftmals falsch ein. Sein Status in der Schweiz ist sehr gross. Gehst du ins Ausland, noch um ein Vielfaches grösser. Es ging lange, bis er seine Lorbeeren einsammeln konnte. Das freut mich sehr für ihn.
MF: Danke dir für die Zeit und das Interview. Alles Gute für die nächsten…
Fribi (lachend): …nein, nicht vierzig Jahre… Danke dir.