Der erste Gedanke war natürlich "geiles Package, aber in der falschen Location!" Vor allem was "Danish Dynamite" D-A-D anging, die bisher eigentlich als typische Z7-Band galten. Selten genug kommt es aber vor, das dem insgesamt zurecht schlechten Ruf des Komplex 457 bezüglich der meist dürftigen Soundqualität etwas entgegengehalten wird. Dazu später mehr darüber! Zu Gast waren auf der treffend benannten "Cowpunks And Glampires Tour 2026" zwei eher unterschiedliche Combos, die sich letztlich aber gut aus der Affäre zogen und ihre jeweilig spezifisch angereisten Fans im Doppelpack glücklich machten. Der Auftakt oblag den finnischen Dark-Rockern von The 69 Eyes, die ja im Januar 2024 das "ICE ROCK Festival" im Emmental beehrt hatten, gefolgt von D-A-D, die letztes Jahr mit dem exklusiven RSD-Release «Live From The Arena» untermauerten, dass sie nach wie vor zu den aktuell besten Live-Bands auf diesem Planeten gehören!
The 69 Eyes
Auch wenn die Finnen nicht die gleiche Reichweite wie die Dänen bezüglich Fan-Resonanz mitbringen, war augenscheinlich, dass auch The 69 Eyes über eine entsprechende Fanbase verfügen. Diese versammelte sich allerdings nicht geschlossen vor der Bühne, als Frontmann und Hüne Jyrki 69 alias Jyrki Pekka Emil Linnankivi mit seiner tighten Hintermannschaft loslegte. Noch während des Openers «Devils» begann sich das Komplex dann aber "zu füllen", sprich es standen bald einige Leute mehr da. Allerdings muss hier gleich konstatiert werden, dass letztlich nur mickrige 450 Besucher den Weg nach Zürich fanden und Wasser auf die Mühlen derer brachte, die das Ganze wohl lieber in Pratteln gesehen hätten. Jyrki und seine agile Truppe kümmerte das aber überhaupt nicht, im Gegenteil!
Vielmehr boten The 69 Eyes eine stimmige Retrospektive aus mindestens sieben ihrer Studio-Alben! Auch wenn nicht ultrahart gespielt, verströmte die Mucke ordentlich Groove und kam stets tanzbar daher. Bei einzelnen Tracks malte ich mir aus, wie diese wohl mit Billy Idol, Ian Astbury (The Cult) oder Altmeister Alice Cooper an den Lead-Vocals klingen würden. Fazit: Das käme gut daher..., und wie! Wie bereits erwähnt, hätte das Ganze eindeutig mehr Zuspruch verdient, denn die ganze Band war sichtlich gut drauf und lieferte entsprechend ab. Das übertrug sich postwendend auf das darauf gut ansprechende Publikum, das dem Opener lautstark applaudierte und viel Sympathie entgegenbrachte. Nach kurzweiligen, unterhaltsamen 75 Minuten räumten "The Vampires of Helsinki" das Feld.
Setliste: «Devils» - «Don't Turn Your Back On Fear» - «Feel Berlin» - «Gotta Rock (Boycott Cover)» - «I Survive» - «Betty Blue» - «If You Love Me The Morning After» - «Drive» - «The Chair» - «Never Say Die» - «I Love The Darkness In You» - «Wasting The Dawn» - «Gothic Girl» - «Brandon Lee» -- «Framed In Blood» - «Dance D'Amour» - «Lost Boys»
D-A-D
Wer die dänischen Hard Rocker schon mal live gesehen hat, wird sich an mehrere Dinge zurückerinnern, heisst zum einen nicht nur an Bassist und Paradiesvogel Stig Pederson, der immer mit mehreren seiner optisch speziellen, zweisaitigen Instrumente auftritt, sondern zum anderen auch an Leadsänger und Gitarrist Jesper Binzer. Nebst der agilen Performance ist er Zampano wie im gleichen Zug Strippenzieher, der mit seinem nach wie vor holprigen Deutsch für Lacher wie Stimmung sorgt. Das Wichtigste ist aber die Musik, sprich knackige wie melodische Rock-Songs, die jede Location, ob gross oder klein, in Wallung bringen können. Den heutigen Abend konnte man dabei, aufgrund der wirklich mauen Anzahl der Zuschauer, glatt als Club-Gig bezeichnen. Für D-A-D genug des Ansporns.
Das aktuelle Studio-Album «Speed Of Darkness» erschien ja bereits 2024, und somit stand die diesjährige "Cowpunks And Glampires Tour" mehr unter dem Banner des stilistisch ungleichen Billings. Nichtdestotrotz passte das Ganze letztlich ganz gut zusammen, auch wenn die Rolle des Headliners klar gesetzt war. Ebenso deutlich schälte sich heraus, dass der songwriterische Peak schon eine Weile her ist und bis heute anhält. Gemeint ist die Phase des Hit-Albums «No Fuel Left For The Pilgrims» (1989) wovon, nebst dem Opener «Jihad», noch vier weitere Klassiker gespielt wurden und «Riskin' It All» (1991) für drei unentbehrliche Zusätze, darunter Laugh'N'A ½, sorgte. Die andere Hälfte des Sets gehörte mitunter drei neuen Songs, die ebenso keine Gefangenen machten und überzeugten.
Dazu folgte bei «Something Good» auch ein Ausflug mitten in die Fans hinein, was für beide Parteien ein Gewinn bedeutete. Nach «Bad Craziness» und etwas mehr als der Spielzeit von The 69 Eyes, folgte mit dem akustisch gespielten «Laugh'N'A ½» die sehnlichst erwartete Hammer-Ballade, unmittelbar gefolgt vom Smasher «Sleeping My Day», wo es im Komplex nochmals richtig laut wurde. Und nun muss an der Stelle zudem freudig wie gleichzeitig anerkennend festgehalten werden, dass der Sound am heutigen Abend, was übrigens auch für die "Support-Band" galt, überraschenderweise richtig gut bis zuweilen sehr gut klang, respektive gekonnt abgemischt wurde. Damit holte sich das deswegen arg und oft gebeutelte Komplex 457 einige Pluspunkte bei mir zurück, weiter so Leute!
Setliste: «Jihad» - «1st, 2nd & 3rd» - «Girl Nation» - «Speed Of Darkness» - «Rim Of Hell» - «Riding With Sue» - «The Ghost» - «Something Good» - «Grow Or Pay» - «Point Of View» - «Monster Philosophy» - «Everthing Glows» - «Bad Craziness» -- «Laugh'N'A ½» - «Sleeping My Day» - «It's After Dark»

