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Mittwoch, 27 Mai 2026 21:05

Metallica – Gojira – Knocked Loose in Zürich Empfehlung

27. Mai 2026, Zürich – Letzigrund Stadion
Text by Oliver H. - Pics by Martin Fust

Zürich, die heimliche Hauptstadt für viele, zumindest was Konzerte angeht. Damit ist das dort thronende Letzigrund Stadion der perfekte Ort, um einen Gig der dritten Etappe, der M72-Tour von Metallica, mit einem Paukenschlag durchzuführen. Nachdem die Tickets fürs Konzert in Windeseile ausverkauft waren, war es nichts als logisch, sich das Ganze aus der Nähe zu betrachten. Bei den bisherigen Etappen der Tour war das Konzept so, dass sich Metallica, an zwei Abenden, auf jeweils zwei einzigartige Setlists konzentriert haben.

Während dieses Konzept auch in der aktuellen Etappe an grösseren Orten beibehalten wird, sind die meisten Shows jedoch Einzelauftritte. Und genau ein solcher erwartete auch Zürich an besagtem Abend. Alles auf einmal verspricht zwar ein intensives Erlebnis (je nach Setliste), kann andererseits auch ein Nachteil sein, da es nur einen kleinen Ausschnitt aus dem riesigen Backkatalog der Band zu hören gibt. Was würde es in Zürich werden? Dies fragten sich auch die Zuschauer, die ab 15:30 Uhr, bei brütenden 30 Grad, gespannt warteten, bis schliesslich die ersten Klänge aus den Lautsprechern drangen.

Knocked Loose
Die Sonne stand noch hoch am fast wolkenlosen Himmel, als Knocked Loose den Vorabend um 17:30 Uhr eröffneten. Keine einfache Aufgabe, wenn man bedenkt, dass die Jungs aus Kentucky, statusgemäss, kleine, schweisstreibende Clubs gewöhnt sind. Durch ihre unerbittliche Wildheit jedoch, wirkte ihr Sprung ins Rampenlicht eines Stadions leicht. Ihr Gang über Metallicas Gangway war von Lockerheit geprägt, ihr Sound jedoch von Aggressivität und gnadenloser Kompromisslosigkeit. Knocked Loose durchdrangen den noch ziemlich menschenleeren Raum mit überraschender Klarheit, angetrieben von hämmernden Drums und leider, stellenweise nicht ganz so messerscharfen Riffs.

Frontmann Bryan Garris ist ein Bewegungsmensch, der die kreisförmige Bühne in der Mitte des Stadions vollends ausnutzte. Sein durchdringender Gesang blieb hängen und beherrschte die kleine Menge in Bühnennähe, die die Band zum ersten Mal sahen. Knocked Loose gehören zu den intensivsten Vorbands, die bisher auf allen drei Etappen der M72-Tournee dabei waren. Ich kann mir vorstellen, dass wenn die Nachmittagshitze das Publikum nicht teilweise ausser Gefecht gesetzt hätte, an Bewegung der Zuschauer, mehr drin gewesen wäre. Ansonsten gab es aus Bandsicht keine Kompromisse, keine Abschwächung, um sich den Wetterbedingungen anzupassen, sondern nur pure, ungefilterte Intensität, die mit jugendlicher Überzeugung dargeboten wurde.

Gojira
Ganz so pompös wie bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele starteten Gojira nicht in ihr CH-Set. Eher dezent und unspektakulär wirkte der Start dieser Band, die wohlverstanden grosse Shows und Arena-Tourneen gewohnt ist. Einzig Mario Duplantier, am Schlagzeug, sass der Schalk von Beginn weg im Nacken und er liess keine Zweifel an seiner Arbeitsmoral aufkommen. Vom ersten Takt an drosch er auf seine Küche ein, unterstützt durch Wellen vernichtender Riffs, donnernden Rhythmen und einer fast hypnotischen Präzision, während das Stadion sich langsam füllte.

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Joe Duplantiers Gesang dröhnte zielstrebig, während die Band sich groovend einklinkte. Auch bei ihnen war der Sound leider oft nicht ganz sauber, etwas breiig, was die gnadenlose Komplexität ihrer Songs nicht wirklich durchkommen liess. Dennoch war der Sound der Franzosen wuchtig, sodass er sich doch zeitweise aufs Publikum übertrug. Gojira nutzten den Rundlauf deutlich weniger als ihre Vorgänger, ausser Gitarrist Christian Andreu, der sich mühelos auf der riesigen Plattform bewegte. Ich, für meinen Teil, stellte während der Darbietung von Gojira fest, dass die spektakuläre Architektur der Bühne, besonders für Support-Bands, nicht nur ein Segen ist. Ganz ohne Licht, Feuer oder Backdrop kann die spielende Combo leicht verlorengehen. So mussten auch die Franzosen, anders als bei ihren Headliner-Auftritten, sich nicht auf Spektakel, sondern ihre Musikalität und Präsenz verlassen, was dank der gewaltigen Klangwände und Spielfreude der Musiker bedingt aufging.

Setliste: «Born For One Thing» - «Backbone» - «Stranded» - «The Cell» - «Flying Whales» - «Love» - «Mea Culpa (Ah! Ca ira!)» - «Silvera» - «Grind» - «L’enfant Sauvage» - «Amazonia»

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Metallica
Obwohl nicht alle Zuschauer nur wegen Metallica ins Letzigrund gepilgert sind, wartete die Mehrheit dennoch auf sie. Der Headliner mit Legendenstatus hatte allerdings erstmal Ladehemmung. 15 Minuten verspätet ertönte schliesslich AC/DCs «It's A Long Way To The Top» bevor im Anschluss der obligate Ennio Morricone-Song «The Ecstasy Of Gold» die perfekte Atmosphäre für ihre Show schaffte. Seit dem 8. Juni 2019 mussten Metallica-Fans auf ihre Helden warten, und nun stiegen diese direkt mit «Creeping Death» in ihr Set ein. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es nur für meine Ohren so klang oder Hetfield & Co. wirklich in den ersten Minuten Schwierigkeiten mit dem Timing hatte. Jedenfalls gestaltete sich der Start hörbar holprig und dies legte sich erst mit «Harvester Of Sorrow».

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Danach wurden die Songs und die Show immer geschmeidiger, und Zürich war nun bereit, sich erobern zu lassen. Ganz zu meiner Freude tauchte Lars, nach dem ersten Drumkit-Wechsel, direkt vor meiner Nase auf. Er war sehr gut aufgelegt und witzelte gekonnt mit dem Publikum, bevor er «Lux Aeterna» eintrommelte. Während auf den vorgängigen Tour-Etappen bis zu drei «72 Seasons»-Songs gespielt wurden, sollte dies der einzige des Abends bleiben. Das anschliessende «The Unforgiven», der erste von fünf Tracks aus dem «Black Album», sorgte für lautstarke Chorgesänge und eine erste Verschnaufpause, die sowohl Band und Publikum nötig hatte. Bei 32 Grad ist nämlich blosses rumstehen bereits eine schweisstreibende Angelegenheit. "Wir haben auch einen Song von «Reload» für euch", knödelte James im Anschluss, bevor der Vierer mit «Fuel» loslegte, welcher beim Publikum sehr beliebt ist und auch den Grundstein für die Pyrotechnik des Abends legte. Spass an der Freud ist etwas, das besonders Kirk und Rob gut liegt. So gut, dass die beiden Polos Schmetterhit «Alperose» zum Besten gaben, und dabei auf die grossartige Unterstützung des Publikums zählen durften.

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Nach dem Hammet/Trujillo-Doodle wurde das Licht gedämpft und Hetfield führte die Menge zum «The Day That Never Comes», gesungen mit einer Emotionalität, wie sie typisch für ihn ist. Dass das schwarze Album, im aktuellen Set, wieder einen grösseren Stellenwert einnimmt, zeigte sich im nächsten, viertelstündigen Abschnitt des Abends. Von «Wherever I May Roam» über «Nothing Else Matters» bis hin zum stets kraftvollen «Sad But True» badete die Menge in purer 90er-Jahre-Nostalgie, obwohl viele der Zuschauer damals erst das Licht der Welt erblickten oder noch nicht einmal angedacht waren.

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Dann wurde es spannend, denn imaginäre Hubschrauber kreisten um die Location, die Pyrotechnik erwachte mit lautem Knallen und etlichen Explosionen wieder zum Leben, was nur einen Schluss zuliess… «One». Von der "bevor Black Album" Ära ist dieser Song gerade live immer eine Wucht. "Lasst uns nun weit zurückgehen. Wer von euch hat das Album «Kill 'Em All»? fragte der Sänger. Was folgte, war ein riesiger Mitsing-Moment zu «Seek And Destroy», während das Stadion mit überdimensionalen "M72” Bällen geflutet wurde, die vom Publikum ausgelassen durch die Venue geschickt wurden. Ein lustiger Anblick, der auf direktem Weg in Richtung Finale führte.

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Die acht riesigen LED-Bildschirme flackerten ein zweitletztes Mal auf, als das Riff zu «Master Of Puppets» einsetzte. Die Visualisierung der Kreuze trugen zur Atmosphäre dieses epischen Stücks bei. Als nun jeder damit rechnete, die Band würde vor der Zugabe noch kurz verschwinden, irrte, denn der Set-Closer «Enter Sandman» folgte nahtlos. Vielleicht lag diese Entscheidung darin, dass der Gig beinahe zwanzig Minuten zu spät begonnen hatte. Ein letztes kleines Feuerwerk erhellte den Nachthimmel über Zürich, während 50'000 Fans im Gleichklang die Fäuste in die Luft reckten und den Refrain mitsangen. Zum Ende liessen sich die Kalifornier frenetisch feiern und schleuderten Plektren gleich "eimerweise" ins Publikum, während Ulrich seine Drumsticks auserlesen verteilte.

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Fazit: Dass eine Band nach 40 Jahren nicht mehr ganz so fett klingt, wie sie einmal geklungen hat, sei ihr verziehen. Dass Metallica nach Jahren des gigantischen Erfolges, dennoch den Geist ihrer ursprünglichen Energie bewahrt haben, ist lobenswert. Dass die Konzerte des Vierers allerdings mit Showelementen und zunehmenden Mainstream-Tracks gefüllt werden, ist schade. Nicht mehr viele Songs erinnern an die Tage von Geschwindigkeit und Aggression! Vielleicht ist dies auch gar nicht mehr umsetzbar, nach so einer Karriere.

Wer seine Fans Blut spenden lassen und ganze Merchandise-Pop-Up-Lokale im jeweiligen Auftrittsland, im Voraus, herrichten kann, der surft auf einer gigantischen Welle. Das «Black Album» veränderte die Band sowie ihre Fans. Mit der gehörten Setliste schafften Metallica noch knapp den Spagat zwischen Mainstream und Metal-Kultur. Der Grad, sich von der sogenannten "Metallica-Family” tragen zu lassen, von welcher ein Grossteil vermutlich nicht weiss, wer da auf der Bühne steht, ist ein gar schmaler. Aber hey, auch die grösste Metal-Band altert (in Würde) und ihr einziger CH-Auftritt war eine Machtdemonstration par excellence!

Setliste: «It's A Long Way To The Top (If You Wanna Rock'n'Roll) [AC/DC]» - «The Ecstasy Of Gold [Ennio Morricone]» - «Creeping Death» - «For Whom The Bell Tolls» - «Cyanide» - «Harvester Of Sorrow» - «Lux » - «The Unforgiven» - «Fuel» - «Alperose (Kirk & Rob Doodle)» - «The Day That Never Comes» - «Wherever I May Roam» - «Nothing Else Matters» - «Sad But True» - «One» - «Seek & Destroy» - «Master Of Puppets» - «Enter Sandman»




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