"Meine Damen und Herren, hier spricht Ihr Kapitän. MONO Airlines bereitet sich nun auf die Landung in der Schweiz vor. Bitte bleiben Sie sitzen, denn gleich wird eine Welle instrumentaler Kraft auf uns herabkommen." Bevor wir die sanfte Landung jedoch geniessen konnten, mussten alle Passagiere die Zollkontrolle passieren, auch bekannt als das Vorprogramm.
Waverer
Zuerst gab es eben noch den Support-Act zu überstehen; Waverer, das Folk/Indie-Rock-Projekt von Lorenzo Contin aus Zürich, wirkte an diesem Abend völlig fehl am Platz. Weder die Stimme, noch die Instrumentals, noch die Songs konnten überzeugen, und der spärliche Applaus schien eher von Bekannten als vom restlichen Publikum zu kommen. So sehr ich Schweizer Acts schätze – diesmal hat es leider überhaupt nicht funktioniert.
MONO
Und dann leuchteten die Landebahn-Lichter auf, die Motoren dröhnten – MONO waren angekommen. Es war eine perfekte Landung mit schwebenden Gitarren, donnernden Crescendos und einem emotionalen Höhenflug, der den Veranstaltungsort wie ein Jumbojet mit voller Kraft erschütterte. Willkommen in der Schweiz, Mono. Schnallen Sie sich an, die Reise beginnt jetzt
Es gibt Musik, die ist weit mehr als die Summe ihrer Musiker und Instrumente. Bei der japanischen Instrumental-Postrock-Band Mono hat man das Gefühl, als würde sich auf der Bühne ein ganzer Ozean entfalten: eine riesige, lebendige Klangfläche. Man hört alles: die schimmernden Schaumkronen auf sanften Wellen, die stillen Abschnitte mit glattem Wasser, die unergründlichen Tiefen, in denen die Dunkelheit unheimlich wird, die Stürme mit ihren gewaltigen Klangwellen und schliesslich die kakophonischen Unwetter, die wie Hurrikane heulen. Und immer, unter allem, ertönt die ewige Wiederholung der Bewegung durch scheinbar unendliche Gewässer.
So habe ich Mono an diesem November-Abend im komplett ausverkauften Exil Club in Zürich erlebt. Jeder Song kommt wie ein Naturphänomen daher: Oft beginnt er sanft und beruhigend, ist in seiner Struktur täuschend einfach, wird dann aber langsam anspruchsvoller, bedrohlicher und tranceähnlicher. Schicht für Schicht baut die Band ihren Sound zu gewaltigen Giganten auf, die sich zur Katharsis erheben, dabei aber immer melodisch und von Wiederholungen getrieben bleiben.
Die vier Musiker Takaakira "Taka" Goto (Lead-Gitarre), Hideki "Yoda" Suematsu (Rhythmus-Gitarre). Tamaki Kunishi (Bass, Klavier, Glockenspiel) und Dahm Majuri Cipolla (Schlagzeug) feiern eine Form von hypnotischem, tranceartigem Post-Rock, der durch Wiederholungen und allmähliche Steigerung eine wahre Sinnesberauschung erzeugt. Als Zuhörer und Zuhörerinnen werden wir von diesen Wellen mitgerissen – wir staunen, wir lächeln selig, wir schliessen die Augen und geben uns der Bewegung hin, sind sprachlos, wenn jedes Stück endet.
Taka und Yoda verlassen sich stark auf umfangreiche Pedalboards, die eine Vielzahl von Effektpedalen, klassischen Stomp-Boxen sowie Ambient- und Shoegaze-Pedalen umfassen – jene Art von Geräten, bei denen man beim Spielen unweigerlich "auf die Schuhe starrt". Diese Geräte prägen die für Mono charakteristische Weite und verwandeln einfache Noten in Landschaften.
Vor dem Konzert hatte ich die Gelegenheit, mit Taka und Yoda zu sprechen. Sie erzählten mir, dass sie schon oft in der Schweiz aufgetreten sind, die Atmosphäre hier immer geliebt haben und fest vorhaben, wiederzukommen. Das Exil mit seinen rund 350 Plätzen war komplett ausverkauft und die Energie war bereits vor dem ersten Akkord spürbar.
Es war eines dieser Konzerte, die ich nie vergessen werde – nicht nur wegen der guten Musik, sondern auch wegen der besonderen Erfahrung, die ich dort gemacht habe. Da die Darbietung ausschliesslich instrumental war, wurde jeder der rund 350 Besucher an einen anderen Ort entführt und tauchte in seine eigenen Gedanken und Gefühlswelten ein.
Ich sprach auch mit einem Paar, das extra aus Genf angereist war, um Mono zu sehen. Auch sie fanden kaum Worte – sie waren überwältigt auf die bestmögliche Weise.
Mono spielen nicht einfach nur Musik. Sie beschwören Ozeane herauf, und für diese eine Nacht in Zürich durften wir uns von den Wellen treiben lassen.
Die Setliste für diesen Abend war die als "B" bezeichnete für die "European Tour 2025": «Run On» - «We All Shine» - «Innocence» - «Sorrow» - «Pure As Snow» - «Hear The Wind» - «Ashes» - «Time Goes By» und als Encore ein gigantisches «Recoil».