Die bekannte Volksweisheit "aller guten Dinge sind drei" wurde mit dem mittlerweile vierten Auftritt in der Mühle zur geschichtlichen Randnotiz. Letztmals im Herbst 2023 hier zu Gast, konnten Purpendicular (feat. Ian Paice) die Location erneut ausverkaufen! Das dürfte in erster Linie schon auf das Konto des originalen Deep Purple Members am Schlagzeug gehen, aber Mainman und Frontmann Robby Walsh hat auch mit wechselnden Line-ups auf den Posten Gitarre, Bass und Keyboard längst bewiesen, dass er die Materie drauf hat. Zudem beflügelt dies Master Paice inzwischen schon einige Jahre, dass damit vor allem während tourlosen Perioden, sprich Monaten durch fortwährendes Spielen in erster Linie die Physis und auch das mentale Gerüst hochgehalten wird. "Ich kann ja nicht anderes!" pflegt die bald 78-jährige Drum-Ikone hierzu jeweils anzumerken. Mit im Gepäck war überdies das neue Studio-Album «Banned» (2025).
Eine Vorgruppe brauchte es auch diesmal nicht, denn so konnte man sich chillig auf diesen Abend mit den Hauptprotagonisten einstimmen. In meinem Fall hiess das, sich draussen zuerst noch in Ruhe zu verpflegen und die ankommenden Leute zu mustern, die schon ab 18:00 Uhr brav vor dem Eingang anstanden und geduldig auf Einlass um 18:30 Uhr warteten. Der Altersdurchschnitt lag augenscheinlich, bis auf ein paar Ausnahmen, in höheren Gefilden. Das überrascht an der Stelle jedoch nicht. Mehr hingegen jedoch die Tatsache, dass ich vor dem Eintreffen eines Kollegen und Z7-Fotograph Dani Strub drinnen kaum bis gar kein mir bekanntes Gesicht ausmachen konnte. Ein Umstand der mir hier vor Ort, zumindest teilweise, immer wieder mal auffällt und sich dann jeweils etwas "komisch" anfühlt.
Der Fokus lag jedoch auf Purpendicular, wo neben Bandleader/Frontmann Robby Walsh und Pacey an den Drums noch Alessandro Debiaggi (Hammond/Keyboard), Mauricio Torchio (Bass) und erstmals, anstelle von Herbert Bucher, neu Murray Gould an der Gitarre gesetzt ist. Letzterer hat diesen Part auch auf «Banned» eingenommen und zeichnet sich, neben seinen Kollegen (ohne Paice), auch für alle Songs verantwortlich, während Ian seinen Part als "permanenter Gast" beisteuerte. Das Hauptaugenmerk lag jedoch klar auf der Setliste, und weil ich für einmal vorher nicht bei setlist.fm spionieren ging, respektive am vorderen Bühnenrand keine Setliste zu sehen war, liess ich mich mit gezücktem Notiz-Büchlein schlicht davon überraschen, was denn da heute Abend alles noch folgen würde.
Dass man dann aber gleich mit «Burn» als Opener, unmittelbar gefolgt von «Might Just Take Your Life», in den Set einstieg, liess mich umgehend frohlocken. Sowas von geil, und es sollte gar bald noch besser werden, denn mit «Bad Attitude» hatten ich und der songkundige Teil des Publikums bestimmt nicht gerechnet! Die Band als Kollektiv spielte gewohnt souverän auf, obwohl mir schon bald auffiel, dass ich Murrays Gitarre an meinem Standort ganz vorne am Bühnenrand leider viel zu leise wahrnahm. Dafür standen Mauricio und sein Bass-Amp unmittelbar vor mir, was mir dann (zusammen mit Ian) wenigstens eine perfekte Rhythm-Section bescherte. Dieses Sound-Manko wurde jedoch einerseits durch die agile Performance von Robby und andererseits die erlesene Setliste aufgefangen.
Dazu gehörten, neben dem eigenen Song «Blood Red Moon», weitere Purple-Klassiker wie «You Keep On Moving» oder «Fool For Your Loving» als Vertreter der Ära mit Whitesnake. Ein besinnlicher Moment und im stillen Gedenken an Maestro Jon Lord entstand, als Alessandro Debiaggi (s)ein Solo spielte, das letztlich im Instrumental «Picture Within» mündete. Danach wurde die grundsätzlich gute Stimmung in der proppenvollen Mühle mit «Perfect Strangers» wieder angefacht. Bis hierhin wich die Setliste vom diesjährigen Konzert hin zu früheren Jahren zumindest etwas ab, doch bei der Fülle an Songs muss man halt auch Abstriche machen. So fehlten unter anderem «Lazy», Space Truckin' oder auch «Child In Time». Mit «Stormbringer» wurden schliesslich neunzig Minuten gebührend beendet.
Unmittelbar davor wandte sich Ian Paice direkt an das Rubiger Publikum und bedankte sich für den regen Zuspruch. Mir selber gefiel der Auftritt ebenso ganz gut, vor allem weil sich Purpendicular mal an andere Nummern heranwagten und dennoch ablieferten. Dass dabei gar «Highway Star» ausgelassen wurde, schmerzte zusätzlich, doch der Rest überzeugte mühelos. Zudem hätte ruhig mindestens ein zweiter der neuen Songs mitberücksichtigt werden sollen. Unter dem Strich passte die Chose dennoch und Pacey schien, obwohl ihm zwei- oder dreimal ein Stock der linken Hand entglitt, gerüstet zu sein, wenn es mit Deep Purple im April mit ersten Konzerten in Japan losgeht, weitere Gigs vor dem Release des neuen Studio-Albums im Juni folgen und wir im Herbst wieder beehrt werden.
Setliste: «Burn (Deep Purple Cover)» - «Might Just Take Your Life (Deep Purple Cover» - «Walking In The Shadow Of The Blues (Whitesnake Cover)» - «Bad Attitude (Deep Purple Cover)» - «Blood Red Moon» - «You Keep On Moving» (Deep Purple Cover)» - «Fool For Your Loving (Whitesnake Cover)» - «Ain't No Love In The Heart Of The City (Bobby "Blue" Bland Cover)» - «Hush (Joe South Cover)» - «Pictured Within (Jon Lord Cover)» - «Perfect Strangers (Deep Purple Cover)» - «Black Night (Deep Purple Cover)» - «Smoke On The Water (Deep Purple Cover)» -- «Stormbringer (Deep Purple Cover)»