Von den ersten Augenblicken an strahlt das Album eine lockere, elektrisierende Energie aus. Die Produktion verzichtet auf übertriebenen Glanz und setzt stattdessen auf einen rohen, raumfüllenden Sound, der einen in einen verschwitzten Proberaum oder auf die Bühne eines schummrigen Pubs versetzt. Die Gitarren knurren statt zu schimmern, der Bass dröhnt mit dreckiger Selbstsicherheit und das Schlagzeug – mit dem Glen Mitchel sein Debüt gibt - treibt alles mit einem unprätentiösen, knallharten Puls voran.
Was dieses Album auszeichnet, ist seine Balance zwischen Chaos und Kontrolle. Die Songs leben vom Instinkt. Die Tracks werden von druckvollen Riffs getragen, die unverkennbar mit dem Hardrock der 70er-Jahre kokettieren, dabei jedoch nie in blosse Nostalgie abrutschen. Gleichzeitig blitzen hier und da vertraute Schatten auf - ein Hauch von Motörhead («Blue Mountain Dust»), ein Quäntchen alter Quo («Kind Boy») – bevor plötzlich eine rauhe Garage-Glam-Attitüde um die Ecke biegt und dem Ganzen eine zusätzliche, wunderbar schmutzige Note verleiht («Head in A Noose», «First City Seconds»).
Es herrscht insgesamt eine Lockerheit, die manchmal fast schon rücksichtslos wirkt, aber genau diese Eigenschaft verleiht dem Album seinen Charme. Es geht nicht um Präzision, sondern um das Gefühl. Das Hörerlebnis ist 100% körperlich. Das ist Musik, die zum Bewegen gemacht ist: Kopfnicken, Fussstampfen, vielleicht sogar das gelegentliche verschüttete Bier. Doch unter der Oberfläche verbirgt sich ein klares Identitätsgefühl. Die Band weiss genau, wer sie ist – und, was noch wichtiger ist, wer sie nicht ist.
«The Trouble With The Shovell» wird diejenigen nicht überzeugen, die nach Innovation oder modernem Glanz suchen. Für Zuhörer jedoch, die glauben, dass Rock laut, unvollkommen und lebendig sein sollte, ist dies eine zutiefst befriedigende Rückkehr. Nicht revolutionär, aber absolut überzeugend. Nicht Musik für’s Zürcher Letzigrund Stadion, aber sehr gerne zum Beispiel im Sedel in Luzern.
Lukas R.