Anstatt modernen Trends hinterherzujagen, besinnt sich die Band voll und ganz auf ihre Wurzeln und verbindet Sludge, Southern Rock, Punk und klassischen Heavy Metal mit einer Lässigkeit, die zugleich bewusst wirkt. Die duale Struktur des Albums ist sein charakteristisches Merkmal. «Good God» fängt die schwerere, konfrontativere Seite der Band ein: dichte Riffs, schroffe Kanten und eine brodelnde Intensität, die selten nachlässt. Die Tracks wirken hier oft gewichtig und geerdet, eher vom Groove als von Geschwindigkeit getrieben,
Verbunden mit einer Rohheit, die sowohl auf Katharsis als auch auf Hommage hindeutet. Im Gegensatz dazu öffnet «Baad Man» die Fenster, welche mir persönlich besser gefallen. Der Ton verschiebt sich hin zu selbstbewusstem, groovigem Rock mit einer spürbaren Prise Blues und 70er-Jahre-Flair. Der Sound ist lockerer, verspielter und zuweilen schon fast melodisch, ohne dabei das raue Rückgrat der Band zu verlieren. Was das Album auszeichnet, ist seine Weigerung, diese Einflüsse zu vereinheitlichen.
Stattdessen begrüssen Corrosion Of Conformity die Vielfalt und lassen jedem Song seinen eigenen Raum. Dadurch wirkt das Album weitläufig, ja sogar ausschweifend, aber es entsteht auch das Gefühl, dass die Band wieder eine Verbindung zu allem herstellt, was sie geprägt hat. Die Gitarren-Arbeit bleibt eine zentrale Stärke und schafft ein Gleichgewicht zwischen dichten, verzerrten Riffs und ausdrucksstarken Soli. Die Rhythmus-Gruppe bildet durchgehend eine solide, organische Grundlage. «Good God / Baad Man» belohnt als Hörerlebnis Geduld.
Es baut nicht auf sofortigen, herausragenden Hits auf, sondern auf einer stetigen Anhäufung von Stimmungen und Texturen. Langjährige Fans werden die Kontinuität zu schätzen wissen, während Zuhörer, die sich zu klassischem Heavy Rock mit einer rauen Note hingezogen fühlen, viel zu entdecken finden werden. Das Genre wird dadurch zwar nicht neu definiert, aber das muss es auch nicht. Dies ist ein Album über Ausdauer, Erinnerung und die schlichte Kraft, laute, ehrliche Musik zu spielen – und in diesem Sinne ist es gelungen. Das Cover ist übrigends cool und passend.
Lukas R.
