Der Kontext ist kein Zufall: Wie andere Pioniere des Genres profitieren Haste The Day vom anhaltenden 2000er-Metalcore-Revival. Was vor zehn Jahren aus der Zeit gefallen schien, ist heute ein nostalgischer Hype – und die Band weiss genau, wie sie diesen Moment nutzt. Kein Neuerfinden, kein Verbiegen: «Dissenter» setzt bewusst auf die erprobten Stärken, überträgt sie aber in einen zeitgemässen Rahmen.
Klanglich landet das Album klar im Melodic Metalcore der frühen 2000er, poliert durch moderne Produktionstechniken. Im Vergleich zum Vorgänger «Coward» wirkt «Dissenter» weniger chaotisch, fokussierter und direkter – aggressive Vocals, präzise gesetzte Breakdowns, keine überflüssigen Ausschweifungen. Der Aufbau folgt einem klassischen Aufbau: «Cycles» eröffnet als Intro, der Mittelteil wird härter, bevor das Album gegen Ende atmosphärischer wird und mit «Oblivion» episch endet.
Was «Dissenter» von vielen modernen Genrevertretern unterscheidet, ist die Kompaktheit. Die Songs sind klar strukturiert, arrangiert ohne komplex sein zu müssen. Die eigentliche Stärke liegt im Inhalt: Haste The Day verhandeln hier Überzeugungstreue unter Druck – das Festhalten an Prinzipien, wenn äussere Umstände dagegen arbeiten. Dass ein Album mit diesem Kern genau jetzt erscheint, ist mehr als ein glücklicher Zufall.
«Dissenter» ist bewusst keine Neuerfindung. Haste The Day liefern eine authentische Rückkehr, die Nostalgie und gegenwärtige Trends gekonnt verbindet. Nicht jeder Hook bleibt, nicht jeder Moment zündet gleich stark. Doch als Band, die ihre Vergangenheit als Fundament nutzt, gelingt Haste The Day ein Comeback, das sowohl langjährige Fans abholt, als auch neue Zuhörer und Zuhörerinnen erreicht.
Stéphanie P.