Das Album, das über Pelagic Records veröffentlicht wurde, lässt sich zwar dem Post-Rock zuordnen, entspricht aber kaum dessen Konventionen. Anstatt alles auf vorhersehbare Crescendos auszurichten, konzentrieren sich Jagged City auf die Spannungen zwischen Ruhe und Abrasion, Melodie und Verzerrung sowie Zurückhaltung und Entfesselung. Der Sound ist gitarrenlastig, aber niemals ausschweifend. Klare, weitläufige Passagen schweben mit einem Gefühl der Verletzlichkeit herein, bevor sie von plötzlichen Dichte-Anstiegen unterbrochen werden, bei denen Schlagzeug und Bass die Musik in raueres Terrain treiben.
Tracks wie «Rain And Sirens» und «Ocean East, Ocean West» wirken wie emotionale Wetter-Systeme, die ohne Vorwarnung die Richtung ändern. Unter der atmosphärischen Oberfläche liegt eine punkige Dringlichkeit; es entsteht das Gefühl, dass diese Stücke eher eingefangen wurden, um Gefühle zu bewahren, als um Perfektion zu erreichen. Was dieses Album von vielen zeitgenössischen Instrumental-Rock-Alben unterscheidet, ist seine Weigerung, steril zu klingen. Die Produktion lässt Ecken und Kanten offen. Töne summen, Rhythmen atmen und Stille darf Bedeutung transportieren.
Der abschliessende Titel «Deluge In A Paper Cup» fasst die Essenz des Albums in Miniaturform zusammen: kurz, unbeständig und ungelöst. Damit wird unterstrichen, dass es sich hier nicht um eine Demonstration technischer Finesse handelt, sondern um ein Statement über Verbundenheit und gemeinsame Spannung. Dieses Thema zieht sich durch das gesamte Album und verleiht der Musik einen menschlichen Kern. Hört zumindest mal rein, eventuell findet Ihr da noch mehr als ich. Mir fehlt hier die Eleganz von Spurv oder das epische Element von Monkey3 und vor allem melodische Phasen.
Lukas R.
