Noise gründete KANONENFIEBER im Jahr 2020, nachdem er das Tagebuch seines verstorbenen Urgrossvaters gelesen hatte, das dieser während des Zweiten Weltkriegs an der Front geschrieben hatte. Als Noise die erschreckenden Berichte aus erster Hand las, wurde ihm klar, dass er seine Kunst dem Gedenken an die unzähligen Opfer des Krieges widmen wollte. Das entworfene Konzept basiert auf Authentizität, wobei die Texte auf Berichten, Briefen und anderen historischen Dokumenten beruhen. «Soldatenschicksale» versammelt sieben überarbeitete Fassungen von «Yankee Division» (2022), «Der Füsilier» (2023) und «U-Bootsmann» (2023) sowie zwei neue Songs.
Die überarbeiteten Songs sind deutlich kraftvoller und bieten mehr Dynamik als die Originale. In Kombination mit dem düsteren Sound gewinnen diese Band-Klassiker an Intensität und dokumentieren gleichzeitig die Anfangs-Phase dieser relativ jungen Band. «Z-Vor!» und «Heizer Tenner» sind neu und thematisieren den Untergang des Kleinen Kreuzers Wiesbaden, erzählt aus der Sicht eines Marine-Melders und eines deutschen Heizers. Artillerie, Flammen, Maschinenlärm und mittendrin; zwei Männer, die Teil einer Geschichte werden, die keiner von beiden überlebt. Die Erzählung ist beklemmend, und die Musik unterstreicht perfekt die Tragik der Situation.
Einziger Lichtblick: in Wirklichkeit hat Oberheizer Hugo Zenne als einziger die sogenannte Skagerrak-Schlacht überlebt und konnte seine Erlebnisse später in einem Buch zusammenfassen. Musikalisch folgen auch diese beiden Songs dem Markenzeichen von Kanonenfieber. Rasante Black Metal Elemente verschmelzen mit morbiden Death Metal Riffs, die den dichten und heftigen Sound der Band prägen. Wer sich erst kürzlich mit der Musik von Kanonenfieber angefreundet hat, wird in «Soldatenschicksale» eine gute Zusammenfassung der Songs finden, die das musikalische Fundament dieser Band definieren. Die Songs stehen für treibende Musik mit einem lyrisch relevanten Ansatz.
Oliver H.