Für alle, die schon immer eine besondere Vorliebe für lange Songs hatten, für Musik, die sich wie eine ausgedehnte Totenwache entfaltet, fühlt sich «Exequiae» sofort auf diese Sensibilität abgestimmt an - auch für den Autor. Das Album ist fest im Funeral Doom verwurzelt und basiert auf weitläufigen, bedächtigen Gitarren-Bewegungen sowie einem nahezu architektonischen Raumgefühl. Die Akkorde dürfen so lange nachklingen, bis sich ihre emotionale Schwere vollständig entfaltet hat.
Die Trommeln kommen sparsam zum Einsatz - eher zeremoniell als rhythmisch - während der Bass die Luft leise verdichtet. Was Lone Wanderer auszeichnet, ist die Sorgfalt, mit der auf Harmonie geachtet wird. Unter der erdrückenden Langsamkeit sorgen subtile Verschiebungen und vielschichtige Voicings für ein konstantes, fast unmerkbares Gefühl der Transformation. Dieser Ansatz wird im fast 25-minütigen «To Rest Eternally» besonders deutlich. Anstatt nach einem dramatischen Höhepunkt zu streben, vertieft sich das Stück durch Wiederholung und Geduld.
Themen kehren verändert zurück, wie es auch die Trauer selbst tut, und gewinnen durch Vertrautheit an Gewicht. Der zurückhaltende, düstere Gesang fungiert weniger als Erzählung, sondern vielmehr als Anrufung, wodurch der liturgische Charakter des Albums verstärkt wird. Die Produktion unterstützt diese Ästhetik mit bemerkenswerter Klarheit. Jede lang gehaltene Note hat Raum zum Atmen, wodurch Stille und Verfall als kompositorische Mittel betont werden.
Visuell spiegelt das im Stil der Romantik gehaltene Artwork die nebelverhangene Feierlichkeit der Musik wider und verstärkt das Gefühl zeitloser Trauer. «Exequiae» belohnt diejenigen, die bereit sind, Zeit und Aufmerksamkeit zu investieren – insbesondere Zuhörer die glauben, dass Länge, wenn sie mit Sorgfalt eingesetzt wird, die emotionale Wirkung vertiefen kann. Lone Wanderer versuchen hier nicht, Funeral Doom neu zu definieren, sondern verfeinern ihn zu etwas Fokussiertem, Strengem und still Verheerendem - Musik, die noch lange nach dem Verklingen der letzten Note nachhallt. Jetzt anhören, sterben kann man später.
Lukas R.