Für manche ist das Glückseligkeit: stundenlange Wellen aus Texturen, langsam brennende Verzerrungen und wirbelnde Wiederholungen, die eher für Meditation als für Melodie konzipiert zu sein scheinen. Andere – vielleicht gehöre ich heute Abend dazu – empfinden es möglicherweise eher wie einen endlosen Soundcheck von «I» - «X». Die Chemie der Band ist irgendwie schon present. Gitarren schimmern, Trommeln pulsieren wie eine ferne Flut und es gibt Momente, in denen sich Licht und Geräusche schön miteinander verflechten.
Doch zwischen diesen Höhepunkten liegt viel Raum - zu viel - in dem nichts wirklich passiert. Das Album entfaltet sich in langen, treibenden Jams, die an Neu! oder Motorpsycho erinnern, jedoch ohne jegliche Dringlichkeit. Es ist alles Atmosphäre, aber es fehlt ein Anker. Papirs Verteidiger werden dies als "klangliche Erkundung" bezeichnen. Das ist fair genug. Aber es ist eine Erkundung, die manchmal mehr mit der Reise als mit der Suche nach etwas zu tun zu haben scheint.
Es finden sich Fragmente von Melodien, Momente der Erhebung, die sich jedoch wie Rauch verflüchtigen. Wenn Ihr verzerrte Unmusik liebt, also Slow-Motion-Jams und Improvisationen, die sich Hooks und Struktur widersetzen, dann könnte «IX» Eure Art der Meditation sein. Wenn Ihr jedoch Riffs, Refrains oder einen Herzschlag sucht, an dem Ihr Euch festhalten könnt, ist mein Rat einfach: Hört mal rein, bevor Ihr kauft. Vielleicht werdet Ihr erleuchtet..., oder Ihr verliert Euch, wie ich, im Nebel.
Lukas R.