«Completely Covered In Black» folgt dieser Philosophie mit Präzision. Es ist ein Cover-Album, jedoch kein ehrfürchtiges. Darum seid gewarnt, wenn Ihr Puristen seid. Das Album beginnt mit «Superstar» (im Original von Black Sabbath). Die chorale Grösse der Sabbath-Version bleibt erhalten, wirkt hier aber schwerer und geerdeter, weniger mystisch und mehr physisch. KISS ist stark vertreten. «Strange Ways», «Destroyer», «Hotter Than Hell» und «Almost Human» werden ihrer glamourösen Polierung beraubt und mit mehr Biss neu aufgebaut. Die Riffs sind dichter, das Tempo etwas bedächtiger, wodurch diese Songs einen dunkleren Unterton erhalten. Das Zeppelin-Material – «Immigrant Song», «The Ocean» und «Kashmir» – wird intelligent behandelt. Anstatt mit der Mystik oder den Gesangs-Akrobatiken der Originale zu konkurrieren, setzt die Band auf Groove.
«Immigrant Song» wird kraftvoll statt schrill. «The Ocean» swingt mit zusätzlichem Gewicht. «Kashmir» wird zu einem perkussiven Stomp, der in seiner Dichte fast industriell wirkt. «The Chase Is Better Than The Catch» (im Original von Motörhead) tauscht Geschwindigkeit gegen Masse und verwandelt die Dringlichkeit von Motörhead in einen langsameren, granitharten Marsch. Sabbath kehren mit «Snow Blind» zurück, verdichtet und etwas bedrückender, während «Dragon Attack» (im Original von Queen) seine rhythmische Prahlerei beibehält, aber rauer klingt und mehr aus dem Keller kommt. Die kühnste Neuinterpretation ist vielleicht «Games Without Frontiers» (im Original von Peter Gabriel). Der Art-Pop-Minimalismus wird durch düstere Schwere ersetzt, doch die Spannung des Songs bleibt erhalten.
Der letzte Abschnitt offenbart die eigene Stimme der Truppe: «Dead Or Dying» und «This Damn War» sind Original-Kompositionen von Patriarchs In Black. Hier legt das Projekt jeden Schatten der Hommage ab: groovig, direkt und in der Hardcore- und klassischen Metal-Tradition verwurzelt. Ausserhalb des Albums, aber Teil dieser kreativen Phase, ist «Left Behind», ein weiterer Originaltitel, der die Identität der Band über die Neuinterpretation hinaus stärkt. In allen fünfzehn Songs ist man als Band nicht versucht, Legenden in den Schatten zu stellen. Sie komprimieren sie. Sie verdichten sie. Sie filtern sie durch ihre eigene, schwere, groove-orientierte Linse. Das Ergebnis ist zwar kohärent, selbstbewusst und unprätentiös – trotzdem wohl ein Cover-Album, das sicherlich nicht jedermanns Sache ist. Ich höre mir jetzt lieber das einzig wahre «Destroyer» an.
Lukas R.