Im Jahr 2023 sprengte «Threads Of Unknowing» viele Grenzen, die sich besonders in jazzigen Anleihen bemerkbar machten. Mit «Abditum» haben VoidCeremony ihren Sound noch weiter vorangetrieben und ihre musikalische Grundlage mit mehr avantgardistischen und progressiven Metal-Ideen gefüllt. Im Vergleich zu «Threads Of Unknowing», das zwar komplex, aber eingängig war, wird dem Zuhörer auf «Abditum» jedes Gefühl diatonischer Behaglichkeit verweigert. Eine Dichte Chromatik, ausgedehnte Jazz-Akkorde und ständig wechselnde Melodien überstrapazieren einem die Ohren während der gesamten Spielzeit.
Es fühlt sich regelrecht so an, als wurde gezielt jegliche Art von tonalem Ansatz verhindert, um die neun Songs unnahbar zu machen. Die Kombination aus dem bisher kompliziertesten Ansatz von VoidCeremony in Bezug auf Rhythmus und Harmonie lässt «Abditum» wie eine unversöhnlich feindselige fremde Landschaft, als auch ein progressives Tech Death Album wirken. Eine Erkenntnis, die treffend im Cover-Artwork eingefangen wird. Die Hälfte des Materials besteht aus Instrumental-Stücken, die eher an Videospiel-Sounds erinnern.
Düstere Glocken, Streicher, Keyboards und Chöre bilden melodische Motive, die von mehrdeutigen melodischen Phrasierungen überlagert werden. Die Synth-Texturen und Jazz-lastigen Harmonien der 90er-Jahre geben den Ton vor und dienen gleichzeitig als thematisches Element, das beim (allenfalls) wiederholten Anhören hilft, aber kein Garant darstellt. VoidCeremony haben ein Erlebnis geschaffen, das von den Zuhörern eine gezielte Konzentration erfordert, um mithalten zu können, da sie sonst Gefahr laufen, von diesem aufkommenden Strudel einfach weggefegt zu werden.
Oliver H.