Der Sonntagabend präsentierte sich von seiner warmen Seite und es schien, dass die Frohnatur John Corabi dem Winter den gestreckten Mittelfinger zeigte. Lag es aber daran, dass Sonntag war (Zitat: "Morgen muss ich wieder arbeiten gehen, somit ist ein Sonntags-Konzert für mich keine Option") oder die Basler Fasnacht am kommenden Montag mit dem "Morgestraich" startet? John Corabi, beziehungsweise der Besucheraufmarsch, schien offensichtlich darunter zu leiden. So wurde die Mini-Z7 Bühne aufgebaut, was das Star-Ensemble mit Bassist Michael Devin (The Dead Daisies, ehemals Whitesnake), Schlagzeuger Troy Luccketta (Tesla), Keyboarder Paul Taylor (Winger) und die beiden Gitarristen Marti Frederiksen sowie Jeremy Asbrock (Gene Simmons Band, ehemals Ace Frehley) und den The Dead Daisies, respektive ehemaligen Mötley Crüe Shouter aber nicht davon abhielt, eine grandiose Show aufs Parkett zu legen, die dank der sympathischen und humorvollen Performance des Sängers zusätzlich aufgewertet wurde.
The Great Alone
Irgendwie erinnerte mich das Quartett aus dem Wallis an Siouxsie And The Banshees, die Rock-Band aus London, welche den Post Punk "salonfähig" machte. Mit dem Sound der Engländer hat das Quartett aus der Schweiz aber nur bedingt etwas zu tun. Auch wenn punkige Momente aufblitzten, waren es die alternativen Elemente, die sich mit Pop, Rock und Metal vermischten und eine eigenartige Kreation ergaben. Romantische Momente wechselten sich dabei mit wilden und heftigen Parts ab. Sängerin Murielle setzte in ihrem roten Kleid einen farbigen Tupfer. Trotzdem blieben die Reaktionen der Besucher eher bescheiden. So richtig hängen blieb songtechnisch nicht viel. Zumindest bei mir nicht, was aber sicherlich auch daran lag, dass meine Vorfreude auf John riesengross war.
John Corabi
Der aus Pennsylvania stammende Shouter hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Während sein Stern mit The Scream hell leuchtete, musste er mit Mötley Crüe die Schattenseite des Business kennenlernen. Zusammen mit Bruce Kulick (ehemals KISS) gründete er daraufhin The Union, um kurzzeitig als Gitarrist bei Ratt mitzuwirken. Bei den The Dead Daisies lief es dann wieder rund, und Mister Corabi war und ist auch immer wieder ein gern gesehener Gast im Z7. Nun begab er sich mit seiner illustren Begleitband auf Solo-Tour, stellte dabei sein im April erscheinendes Album «New Day» vor und mischte munter Lieder seiner Vergangenheit dazu. Es war ein musikalisches Gourmet-Essen, was uns der Fünfer präsentierte. Ein Reise ins hart rockende Land, mit ganz viel Blues, ein bisschen Soul, gepfeffert mit Classic Rock und Country.
Dass seine Stimme noch immer diesen kernigen Unterton besitzt und dabei die gefühlvollen Elemente ebenso zum Tragen kommen, wissen wir nicht erst seit dem Jahrhundertwerk von The Scream. Seinen Humor hat der Ami nicht verloren, teilte er doch die Fans in die Rhythmus-Sektion (die klatschende und ruhigere) und die Party-Sektion (die wilde und schreiende) ein. Nach «One More Shot» stellte er seine Bandmitglieder vor und liess es sich nicht nehmen, Micheal mit den Worten "He fucked my ex wife. Please say hello to Michael Devin!" zu würdigen, während er Marty Fredriksen mit "my brother from another mother" willkommen hiess. Auch der "Morgestraich" hatte es dem Sänger angetan. "Wer will morgen schon an den Karneval? Wir feiern ihn heute hier!", heizte er die Anwesend an. Mit «I'm Gonna Ride» von The Dead Daisies hatten die Jungs den wohl rockigsten Track im Programm, der sicherlich jedem Biker ein fettes Grinsen ins Gesicht zauberte und John anmerken liess: "I like the party section, but I like the funeral section too".
John bedankte sich bei den Fans, dass sie damals die Union Platten kauften, damit er seinem Goldfisch für drei Tage Futter besorgen konnte. Bei «Love (I Don't Need It Anymore)» und «Do Your Own Thing» fiel auf, wie grossartig die Union Songs eigentlich sind, damals aber leider völlig in Vergessenheit gerieten. Was folgte war die Bitte, dass die Anwesenden und alle die nicht am Konzert sind, das neue Album «New Day» (Release am 24. April 2026) kaufen sollen, damit sie nicht für den Tod des Goldfisches verantwortlich werden. Die gespielten Tracks vom neuen Solo-Werk zeigten, welche Bandbreite zu hören sein wird. Mit «1969» und «Good To Be Back Here Again» (nur John mit Akustik-Gitarre) wurden Juwelen präsentiert, die jeden Rockfan und auch die Metalheads begeistern werden.
Die Truppe spielte perfekt zusammen, liess sich von den wuchtigen Drum-Beats von Troy und dem genialen Bass-Spiel von Michael (was für ein Tier auf der Bühne) anstacheln (das freute selbst Deep Purple Legende Roger Glover, der an der Bar stehend den Auftritt beklatschte). Die beiden Gitarristen harmonierten wunderbar, bei denen Jeremy eher für die bewegungsfreudigere Performance zuständig war. Hier standen Musiker auf der Bühne, denen man nichts übers Musizieren erzählen musste. Die Jungs hatten am Auftritt sichtlich Spass, auch wenn leider Gottes sehr wenige Leute das Konzert besuchten. "Thank you for coming tonight" bedankte sich John und beendete den Abend mit dem The Scream Klassiker «Man In The Moon». Auch wenn viele Gäste vorzeitig den Weg nach Hause unter die Räder nahmen, zeigte sich die Band nach einem Glas Whisky den Verbleibenden und stand für Autogramme und Fotos zur Verfügung. "Wir unterschreiben euch alles" hatte Mister Corabi nach dem letzten Ton versprochen und ergänzte: "Auch eure "Balls"! Das wollte mal einer von mir und ich schwöre euch, ich habe es nicht getan"…
Setliste: «New Day» - «That Memory» - «I'm Gonna Ride (The Dead Daisies Song)» - «One More Shot» - «Love (I Don't Need It Anymore) (Union Song)» - «Do Your Own Thing (Union Song)» - «Good To Be Back Here Again» - «Love That'll Never Be (The Dead Daisies Song)» - «When I Was Young» - «1969» - «Hooligan's Holiday (Mötley Crüe Song)» - «Midnight Moses (The Sensational Alex Harvey Band Cover)» - «Man In The Moon (The Scream Song)»
