Das Ergebnis ist so ausgefeilt und befriedigt sofort, dass man kurz an künstliche Ursprünge denken könnte. Doch bei genauerem Hinsehen erkennt man erfahrene Musiker bei der Arbeit und keinen gesichtslosen Algorithmus. Klanglich bewegt sich das Album auf einem schmalen Grat. Es hat ein gewisses Gewicht, das jedoch nur in kontrollierten, beinah dekorativen Dosen zum Tragen kommt.
Es gibt einen Hauch von Aggression, einen Puls moderner Rockspannung, der jedoch durch Schichten von Melodie und Sanftheit konsequent gemildert wird. Viele Tracks sind so komponiert, dass sie nachklingen: eingehüllte Hooks in eine Art zuckersüsse Melancholie. Selbst das Cover von «Kiss from a Rose» lehnt sich voll und ganz an diese Ästhetik an: üppig, dramatisch und unverhohlen emotional fast noch klebriger als das Original.
Das wirft eine berechtigte Frage auf: Ist das noch Rock? Im weit gefassten, zeitgenössischen Sinne – jein. Nach einer strengeren Oldschool-Definition ganz sicher nicht. Lemmy würde die Augenbrauen hochziehen.
Was Hokkas Debüt letztendlich ausmacht, ist seine Zugänglichkeit. Dies ist keine Musik, die Geduld oder ein tiefes Eintauchen erfordert, sondern sie lädt zu sofortigem emotionalem Engagement ein. Die filmischen Themen von Schmerz, Wiedergeburt und Identität, die die "Krieger und Sensei" Erzählung der Band widerspiegeln, fügen eine mythische Ebene der Einrahmung hinzu.
Doch der Kern der Anziehungskraft bleibt in starken Refrains und vertrauten Strukturen verwurzelt. Für Zuhörer, die sich zu modernem Melodic Rock mit Pop-Einflüssen hingezogen fühlen, ist «Via Miseria IV» zweifellos überzeugend. Zwar sprengt es keine Genregrenzen, versteht sein Publikum jedoch genau und liefert genau das, was es erwartet.
Lukas R.
