Die erdrückende Schwere ist nach wie vor vorhanden: langsame Riffs, gewaltige Basslinien und dieser vertraute melancholische Schleier. Doch diesmal klingt die Band seltsam erfrischt, beinahe so, als hätte sie sich von ihren eigenen Doom-Traditionen befreit. Nach fünf Jahren der Stille kehrt das Trio nicht nur härter, sondern auch abenteuerlustiger zurück.
Produzentin Sylvia Massy hat diesem Album eindeutig ihren Stempel aufgedrückt. Der Sound ist breiter, druckvoller und weitaus dynamischer als auf früheren Veröffentlichungen. Tracks wie «Iodine» flirten mit gigantischen 70er-Jahre-Rock-Atmosphären, anstatt endlos um ein Riff zu kreisen. «You Bastard» verbindet überraschend direkte Grooves mit emotional erschütternden Themen. Monolord bewegen sich immer noch langsam, doch die Songs atmen nun natürlicher und wechseln die Stimmungen, anstatt die Hörer unter Wiederholungen zu begraben.
Was «Neverending» auszeichnet, ist seine emotionale Ehrlichkeit. Thomas Jägers Texte entfernen sich von abstrakten Doom-Bildern und handeln von persönlichem Verlust, zerbrochenen Beziehungen und Trauer. Dadurch erhält das Album einen menschlichen Kern, der bei älteren Alben nur angedeutet wurde. Der abschliessende Titeltrack mit den monströsen Growls von Jörgen Sandström drängt Monolord sogar in unerwartetes Sludge- und Death-Doom-Territorium, ohne dass die Band dabei ihre Identität verliert.
Das psychedelische Artwork von M.K. Cooper spiegelt das Album perfekt wider: nach wie vor düster und melancholisch, doch weitaus farbenfroher, emotionaler und weitläufiger als Monolords frühere Veröffentlichungen. Es wirkt wie ein verlorenes Poster aus einem Rockmagazin der 70er Jahre, das wieder zum Leben erweckt wurde - genau die Art von Cover, die man früher stolz an die Wand seines Schlafzimmers gehängt hätte. Ruft bei mir den Geist von «Argus» von Wishbone Ash herauf.
«Neverending» wird Hörer nicht zufriedenstellen, die reine Retro-Doom-Verehrung suchen. Aber für alle, die daran interessiert sind, eine Band zu hören, die sich weiterentwickelt, ohne ihre Identität aufzugeben, könnte dies Monolords bislang vollständigstes und emotional mitreissendstes Album sein.
Lukas R.
