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POISON RUÏN sind, wer sie denn kennt, für ihren ziemlich unkonventionellen Punk bekannt. Bereits das Cover-Artwork lässt wohl die wenigsten Betrachter auf eine Punkband schliessen. Nebst Punk-Rock serviert die Truppe Deathrock, abgerundet durch Dungeon-Synth mit leichten Metal-Anleihen.
Neben einer stimmigeren Produktion erweitert das Album «Hymns From The Hills» die Klangpalette des Vierers aus Philadelphia noch weiter, indem es dem Mix folkige Elemente hinzufügt. Das sorgt zwar für ein dynamischeres Hörerlebnis im Vergleich zum noch lo-fi-lastigeren Sound der früheren Veröffentlichungen, aber ich würde es nicht als zugänglicher bezeichnen. «Lily Of The Valley» entspringt dem synthlastigen «Intro» mit einer beschwingten Melodieführung, melancholischem Gesang und Keyboards, die den Heavy Goth à la Unto Others vorzüglich treffen.
Der Titeltrack bleibt der Dynamik treu und bietet gleichzeitig kontrastreiche Texturen, da seine extravaganten Effekte und das schnelle Akustikgitarrenspiel ihn wie eine Folk Punk-Version von The Damned klingen lassen. Die folgenden Songs verstärken diese weitreichenden Dynamikwechsel durch ein noch ausgeprägteres Wechselspiel, bis der Track «Howls From The Citadel» den Schwung der Platte so stark bremst, dass erst einmal die Luft raus ist. «Pilgrimage», «Guts (Lay Your Self Aside)» und «Crescent Sun» müssen diese Notbremsung erst einmal lockern, was allerdings mit dem grenznahen Hardcore Punk-Sound ziemlich gut gelingt.
«Puzzle Box» und «Sleeping Giant (Interlude)» sind im Gegensatz zu «Howls From The Citadel» gelungene Ausreisser: Ersterer erinnert mit seinen Bassriffs und verzerrten Vocals an Joy Division, während Zweiter das Tempo wieder drosselt und fast in atmosphärischen Doom abdriftet. «The Standoff» wirft zum Schluss noch einmal alles in eine Waagschale, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.
«Hymns From The Hills» ist eine besonders interessante musikalische Mischung und ich bin mir nicht sicher, wie eingefleischte Fans von Poison Ruïn die verbesserte Klangqualität und die breitere Dynamik aufnehmen werden. Grundsätzlich setzen die dreizehn Songs aber mehr auf Energie als auf Spielereien, was den Elan der Musiker zu untermauern vermag.
Oliver H.