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Es gibt bekanntlich Alben, die für ein lachendes und ein weinendes Auge sorgen. Die EP «Coffin Born» ist so ein Teil, denn seine Erschaffer streichen nach zwölf Jahren todesmetallischem Höllenlärm die Segel.
Was vielleicht nach wenig klingt, war für die Deutschen ENDSEEKER eine produktive und kreative Zeit. Sie blieben stets unverändert in der Originalbesetzung und haben vier Alben sowie zwei EPs veröffentlicht. Dadurch spielten sie viele Gigs, Festivals und haben tolle Musiker kennengelernt. Doch nun soll die Zeit reif sein, sich anderen Projekten zuzuwenden. Endseeker gehören allerdings nicht zu den Bands, die warten, bis sie sich verkracht haben und dann lautlos auseinandergehen. Sie gehen gemeinsam den letzten Weg, und zwar in Form von «Coffin Born».
Seit der Debüt-EP «Corrosive Revelation» aus dem Jahr 2015 hat jede Veröffentlichung das Hamburger Quintett weiter auf dem Death Metal Gipfel nach oben gebracht. Die Mischung aus druckvollen Riffs im schwedischen HM-2-Stil, rasender Punk-Energie und pointiertem Songwriting wurde vielfach gelobt. Ebenfalls ihre Vorliebe für schwarzen Humor oder die liebenswerte Schwäche für Kitsch! So mag es vermutlich niemanden erstaunen, dass der Rausschmeisser ein grandioses David Hasselhoff-Cover ist, das mit den Kumpels von Lord Of The Lost vertont wurde.
An anderer Stelle auf diesem fulminanten Abschiedswerk finden sich antifaschistische Hardcore-/Crust-Punk-Vibes des explosiven Openers «Enemies Of Peace» oder «No After. No Before», dessen Texte sich auch um versagende politische Systeme drehen. Obwohl es im Titeltrack um gebärende Leichen geht und «Life Breeds Death» von einem mittelalterlichen Henker handelt, haben sich Endseeker nie gescheut, radikale parteiische Aussagen in ihren Texten unterzubringen. Songs über Zombies und Serienmörder sind zwar cool und machen durchaus Spass, aber der wahre Horror ist die Realität, die heutzutage verdammt beängstigend ist.
Das ist Endseekers kreatives Ventil, denn schliesslich geht es beim Death Metal nicht darum, es allen recht zu machen. Durch die Eigenproduktion von «Coffin Born», abgesehen von den Drum-Tracks, die von ihrem langjährigen Freund und Kollaborateur Eike Freese (Deep Purple, Alice Cooper, Helloween) aufgenommen wurden, hat der Fünfer neue Wege der Zusammenarbeit entdeckt. Jedoch konzentrierte sich die Band darauf, sich und den Fans den Abschied zu bereiten, den alle verdienen.
Geniessen wir also gemeinsam die letzten fünf Songs der Truppe und stellen uns vor, wie sie gemeinsam im Van durch die Lande cruisen, im überfüllten Backstage-Bereich sitzen und auf ihren Auftritt warten. Auch wenn man dabei in melancholische Zustände verfallen könnte, findet sich dazu doch ein passendes Sprichwort: "Trauere nicht um das, was verloren ist, schätze das, was bleibt". Bleiben werden definitiv ihre Platten und die Erinnerungen an grossartige todesmetallische Zeiten, die stets mit einem Augenzwinkern einhergehen.
Oliver H.