Samstag, 18. April 2026

Metal Factory since 1999

Samstag, 18 April 2026 05:45

Das neue Werk der Italiener startet sehr symphonisch mit dem zum Teil gesprochenen «Humanity 2.0 – The Human Farm». Das Konzeptalbum spielt im Jahre 20250, in dem eine uralte, ausserirdische Spezies Namens Coelacanth der Menschheit Schutz und Wohlstand gibt. Zu einem festen Preis, wobei jeder im Alter von 40 Jahren eliminiert werden muss. Interessante Geschichte.

Das folgende «Golden Shackles» dann eine klasse, schnelle Progressive-Nummer. Sänger Ricca "ZP" Morello erinnert mich immer Mal wieder an den Bonfire-Shouter Alexx Stahl. Doch die Italos hauen hier nicht nur schnelle Nummern raus, man höre sich das spannende, düstere, eher schwerfällige «The Turning Point» an. Da wechseln melodiöse Gesänge und starke Chöre mit ruhigen Passagen. Wunderbare Gitarrenlinien ergänzen das Ganze, sehr durchdacht, was hier abgeliefert wird. Oder hört euch mal die gewaltigen Chöre an bei «Connection Failed», dazu der kraftvolle Gesang von Morello, eine wahrlich grosse Nummer.

Die Italiener verstehen es das Konzept musikalisch umzusetzen, alle Songs sind sehr spannend, die vielen Tempo- und Stilwechsel greifen alle ineinander, Schnelle Riffs werden ergänzt durch kräftige Basslinien, herrlich, da zuzuhören. «Battlefield» dann, eine Mischung aus Iron Maiden und älteren Helloween. Man höre sich nur den Refrain an. Sehr gut gefällt das sehr ruhig beginnende «Drive», dass sich später zu einem schweren, symphonischen Metal-Song entwickelt und mit einem Hammer-Refrain voll zu überzeugen vermag.

Das sieben Minuten lange «Humanity 3.0 – The New Canaan» schliesst dann mit einer Starken Progressive-Nummer ein überdurchschnittliches musikalisches Werk ab, das sich schon stark abhebt vom Gross dieses Genres. Den Italienern ist hier ein grosses Album gelungen mit einer interessanten Geschichte. Proggies sollten unbedingt reinhören.
Crazy Beat


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Samstag, 18 April 2026 05:35

Es gibt eine Art von Dunkelheit, die darauf abzielt, zu schockieren, und dann gibt es jene, die einen in ihren Bann ziehen. «Daemonium Regni», das Solo-Debüt von Micke Broberg, gehört eindeutig zur letzteren Kategorie.

Trotz des Artworks, das auf den ersten Blick an einen fantastischen, ja sogar tolkienesken Drachenmythos erinnert, entfaltet sich hier eine Klangvision, die eher an Hieronymus Bosch erinnert: grotesk, ritualistisch und beunruhigend gelassen. Von den ersten Augenblicken an bewegt sich das Album in einem bedächtigen, beinah erstickenden Tempo. Dies ist kein Black Metal, der von Aggression oder Geschwindigkeit angetrieben wird. Stattdessen bewegt er sich wie eine Prozession vorwärts.

Die Riffs wiederholen sich mit hypnotischer Absicht, sorgfältig übereinandergeschichtet, sodass mit jedem Durchgang das Gefühl der Unruhe wächst, anstatt Erlösung zu bieten. Tracks wie «Sacrificium» zeichnen sich durch chantartige Strukturen aus, die an klösterliche Liturgien erinnern, jedoch zu etwas weitaus Unheilvollerem verdreht wurden. Die ausschliessliche Verwendung lateinischer Texte verstärkt diesen Effekt und verwandelt die Stimme in ein Instrument des Rituals statt der Erzählung.

Gesanglich liefert Broberg eines der prägenden Merkmale des Albums. Seine Darbietung wechselt zwischen tiefen, höhlenartigen Growls und feierlichem, beinah zeremoniellen Gesang. Prominent abgemischt fungieren diese Vocals als Wegweiser durch die bedrückende Atmosphäre des Albums und ziehen die Hörer weiter in dessen Abgrund, anstatt sie von ihm wegzustossen.

Was «Daemonium Regni» besonders fesselnd macht, ist seine Zurückhaltung. Es gibt nur wenige plötzlichen Ausbrüche von Chaos, keine konventionellen Höhepunkte, sondern nur einen stetigen Abstieg. Es ist auf seltsame Weise meditativ und in seiner Trostlosigkeit sogar beruhigend, wenn auch stets mit dem Gefühl, sich an einem Ort verirrt zu haben, an dem man nicht sein sollte.

Dies ist kein leichtes Hörerlebnis und soll es auch nicht sein. Fans des frühen Bathory oder der dunkleren Seiten des ritualistischen Black Metal werden hier viel zu schätzen wissen. Andere wiederum werden es als undurchdringlich empfinden. Doch wer sich auf das Tempo von «Daemonium Regni» einlässt, erlebt eine seltene Art von immersiver Dunkelheit, die noch lange nachklingt, nachdem die letzte Note verklungen ist.
Lukas R.


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Samstag, 18 April 2026 05:25

Mit «Sceaduhelm» entfernen sich Crippled Black Phoenix von den grossen, nach aussen gerichteten Themen früherer Alben und konzentrieren sich auf etwas viel Persönlicheres. Die Songs handeln von Erschöpfung, emotionaler Abnutzung und dem Punkt, an dem Widerstand nicht mehr möglich scheint. Es ist kein dramatischer Niedergang im üblichen Sinne, sondern ein stiller, stetiger Verfall, den die Band beobachtet, anstatt zu versuchen, ihn zu beheben.

Der Albumtitel stammt aus Beowulf, wo ‘sceaduhelm’ eine Art bedeckende Dunkelheit beschreibt. In ihrem Interview mit dem New Noise Magazine erklärt Justin Greaves, dies habe zwei Seiten: Einerseits werde die Welt immer enger, andererseits sei es aber auch eine Art, sich selbst zu schützen. Diese Idee zieht sich durch das Album, ohne allzu deutlich ausgesprochen zu werden – was zum Stil der Band passt.

Musikalisch bleiben Crippled Black Phoenix ihrem in den letzten Jahren entwickelten Sound treu: langsame Steigerungen, sorgfältige Überlagerungen und ein starker Fokus auf Atmosphäre, weniger auf Melodie. Es gibt eine klare Verbindung zu Pink Floyd, was die Art und Weise betrifft, wie sich die Songs entfalten, jedoch ohne deren Ausmass oder Showcharakter. Greaves hat einmal scherzhaft gesagt, sie seien eine ‘Gartenhäuschen-Version von Pink Floyd’ – und das passt tatsächlich, denn hier geht es um Textur und Stimmung, nicht um grosse Gesten.

«One Man Wall of Death» eröffnet das Album mutig mit unruhigen Samples und einer allmählichen Steigerung der Intensität und gibt damit einen Ton vor, der nie wirklich nachlässt aber auch kein Song im eigentlichen Sinn darstellt. «Ravenettes» ist einer der strukturierteren Tracks, angetrieben von einem stetigen Puls, der das Thema der Wiederholung und wiederkehrender Gedanken widerspiegelt.

«No Epitaph / The Precipice» dehnt die Dinge weiter aus, setzt auf minimale Veränderungen und lässt die Spannung langsam aufbauen.
«Vampire Grave» sticht hervor, da es seine Idee sehr klar präsentiert. Anstatt das Vampir-Thema als Dekoration zu nutzen, macht es diese zu einer Art Entscheidung: sich vom Leben abzuwenden, anstatt zu versuchen, es zu reparieren. Ryan Pattersons Gesang ist direkt und geerdet, während Belinda Kordic eine distanzierte, beinah geisterhafte Ebene hinzufügt, die die Atmosphäre vertieft, ohne sie zu überfrachten.

Andere Tracks wie «Colder and Colder» und «Hollow’s End» stützen sich stark auf Bass und zurückhaltende Melodien und erzeugen Gewicht, ohne zu dicht zu werden. «Tired to the Bone» ist einer der reduzierteren Momente und zeigt, wie wirkungsvoll die Band sein kann, wenn sie sich noch weiter zurückhält.

Die drei Sänger - Kordic, Justin Storms und Patterson - spielen eine Schlüsselrolle dabei, die Dinge interessant zu halten. Jeder von ihnen bringt einen anderen Klang mit, doch sie geraten nie aneinander oder ziehen das Album in unterschiedliche Richtungen. Stattdessen wirken sie wie verschiedene Perspektiven innerhalb derselben Grundstimmung.
Das Album ist lang und nicht jeder Track überzeugt mit derselben Kraft. Dennoch bleibt das Tempo konsistent und die Band vermeidet unnötige Umwege.

«Sceaduhelm» ist nicht auf schnelle Wirkung ausgelegt. Es entfaltet seine Wirkung am besten, wenn man ihm Zeit gibt - besonders für Hörer, die langsames, detailreiches Songwriting und eine dunklere emotionale Palette schätzen. Ich selbst bin ein bisschen enttäuscht von dieser Scheibe. Es fehlen mir die wunderschönen Melodien von früher, die bei Songs wie „No Epitaph – The Precipice” zwar kurz aufflackern, aber eben zu selten. Aber das ist immer noch Kritik auf höchstem Niveau, denn die Band liefert nach wie vor sensationelle Musik ab.
Lukas R.


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Samstag, 18 April 2026 05:15
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v. 10 Punkten: 1 bis 10 (alles möglich)

The Neptune Power Federation hat etwas herrlich Verrücktes an sich und «Mondo Tomorrow» stürzt sich mit einem theatralischen Grinsen in dieses Chaos – mit einer Perspektive, die sich ganz und gar nach Down Under anfühlt.

Es ist Musik, die in unerwartete Richtungen zu springen scheint, wie ein Känguru, das mitten im Sprung die Richtung wechselt, oder sich wie ein wachsames Opossum in seltsamen, nächtlichen Ecken zurückzieht. Mit anderen Worten: unvorhersehbar, leicht surreal und ganz zu Hause in ihrem eigenen, seltsamen Ökosystem.

Die Band beschreibt das Album als ‘eine brandneue Sammlung von Hymnen, transkribiert aus den jüngsten Geschwätzereien der Imperial Priestess, die nach zeitreisenden Umwegen nun in ein futuristisches Reich projiziert werden’. Dieses Konzept spiegelt sich in der Musik selbst wider: Sie ist rastlos, wandelbar und ohne Rücksicht auf lineare Logik.
Im Mittelpunkt steht Screaming Loz Sutch, deren kraftvoller Gesang für Ordnung in den wunderschön verworrenen Arrangements sorgt.

Um sie herum verwebt die Band Garage-Rock-Rauheit, Glam-Swagger, Proto-Punk-Dringlichkeit und Einflüsse von Psychedelic- und Krautrock-Experimenten. Das Ergebnis fühlt sich an, als würde man Jahrzehnte der Rockgeschichte auf den Kopf stellen – passend genug für eine Band, die von Down Under agiert.

Die Songs bleiben selten stehen. Sie springen zwischen Stilen hin und her, tauchen in unerwartete Passagen ein und kommen dann mit Hooks wieder heraus, die sich sowohl vertraut als auch leicht verzerrt anfühlen. Es ist eine Art kontrollierte Instabilität, die dem Album seine Identität verleiht.

«Mondo Tomorrow» ist nichts für diejenigen, die nach geraden Linien oder sicherem Boden suchen. Hörern, die bereit sind, etwas zu umarmen, das ein wenig aus der Mitte gerückt ist – Musik, die sich in Sprüngen bewegt, im Schatten innehält und dann wieder überrascht –, bietet es jedoch eine lebhafte, unvergessliche Reise und bleibt irgendwie in den Gehörgängen stecken.
Lukas R.


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Freitag, 17 April 2026 04:45

Ich vergöttere CRIMSON GLORY für ihre ersten beiden Studio-Scheiben. Ob dabei nun das Debüt von 1986 oder «Transcendence» (1988) das bessere Werk ist, darüber streiten sich die Metal-Götter und deren Schüler seit Jahrzehnten.

In meinen Augen hat der Erstling klar die Nase vorne, denn allein «Dragon Lady» und «Azrael» sind Lieder, die man im Leben nur einmal schreibt und dies auch nur ein kleiner Prozentsatz aller Metal-Truppen. Für das sagenumwobene Charisma der ehemaligen Maskenmänner war insbesondere Sänger Midnight verantwortlich. Seine unglaubliche Stimme passte perfekt zu den leicht vertrackten Nummern und verlieh ihnen ein magisches wie bezauberndes Flair. Dass diese Ausnahme-Stimme nicht mehr dabei ist, ist dem zu frühen Ableben des Amis zu verschulden. Mit Todd La Torre hatten Crimson Glory einen weiteren Meistersänger in den eigenen Reihen, bevor sich dieser in Richtung Queensrÿche verabschiedete.

In einer Karriere gleich dreimal einen Shouter dieses Formates zu finden, ist eigentlich unvorstellbar, und dennoch präsentieren die Jungs mit Travis Willis einen Schreihals, der immer wieder die Vibes von Midnight ans Tageslicht bringt. Also gesanglich ist alles in trockenen Tüchern. Musikalisch bewegen sich die neun neuen Tracks auf einem ähnlich hohen Level, wie bei den ersten beiden Scheiben. Verspielt, mit einem Schuss mystischem Flair, grossen Melodien und unter die Haut gehenden Metal-Rifffs. Ab und zu fehlt noch ein bisschen der Klassiker-Touch, beziehungsweise braucht es einen oder zwei Durchläufe mehr, um das volle Potenzial des Ganzen zu erkennen.

Das mit leicht arabischem Flair versehene «Broken Together» sowie das mit einer Akustik-Einleitung startende, sich steigernde und Hobelspäne verursachende «Angel In My Nightmare» (setzt den Text musikalisch perfekt um) sind sehr gute Anhör-Tipps. «Chasing The Hydra» ist eine überraschenderweise sehr starke Scheibe geworden, welche die alten Klassiker ins 21. Jahrhundert transportiert und dabei eine mehr als nur gute Figur abgibt. Dass die Originalband-Mitglieder Jeff Lords (Bass), Dana Burnell (Drums) und Ben Jackson (Gitarre) noch immer coole Songs schreiben können («Beyond The Unknown»), beweisen sie mit dieser Scheibe, auch wenn die ersten zwei Meisterwerke unerreicht bleiben. Kompliment!
Tinu


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Freitag, 17 April 2026 04:35

Sänger Johnny Gioeli ist umtriebig. Hat er doch soeben das neue Album von Axel Rudi Pell veröffentlicht und befindet sich gerade mit den Jungs auf Tour, erscheint sein neuntes Studio-Album mit HARDLINE. Dabei muss er sich immer mit dem sagenumwobenen Debüt-Album vergleichen lassen.

Eine Scheibe, die 1992 unter dem Namen «Double Eclipse» für mehr als nur Furore sorgte. Was bis anhin nicht immer gelang, schafft der neuste Streich schon von Beginn weg. Die Jungs und die Bass spielende Lady schaffen den Spagat zwischen 1992 und 2026 problemlos und veröffentlichen eine zeitlose wie grossartige Hard Rock Scheibe, die von den Gitarrenparts eines gewissen Luca Princiotta (hätte Doro diesen Gitarristen mal besser in den eigenen Reihen behalten!) lebt. Natürlich ist es auch die unglaubliche Stimme von Johnny, der hier seine Leidenschaft auslebt.

«It Owns You» hätte dabei locker auf dem Erstling stehen können, während die Ballade «When You Came Into My Life» (eine Cover-Version von den Scorpions aus den völlig unterbewerteten Album «Pure Instinct»!) mächtig unter die Haut geht und dank der grossartigen Stimme von Mister Gioeli Gänsehaut verursacht. «Mother Love» bringt diesen typischen Hardline Groove hervor, der tatkräftig von Anna Portalupi am Bass vorangetrieben wird.

Das flotte «Welcome To The Thunder» ist ein weiteres Highlight und macht richtig Laune. Mit der nur auf Klavier und Keyboard vorgetragenen Ballade «Glow», gesungen von Johnny und Alessandro DelVecchio, wird die Scheibe mit voller Emotionen und Hingabe beendet. Wer Hardline kennt und liebt, wird «Shout» vergöttern. Alle anderen sollten sich dieses Album unbedingt anhören.
Tinu


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Freitag, 17 April 2026 04:25
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v. 10 Punkten: 8.5

Bei VICTORIUS schiessen mir unweigerlich zwei Bilder in den Kopf. Da ist zum einen der viel zu früh verstorbene Kaufi von Metalinside, dessen Begeisterung für die Band so grenzenlos war wie meine eigene; ein Seelenverwandter im Geiste des melodischen Power Metal.

Und dann ist da Tinu, das personifizierte Gegenstück. Er kann mit diesem hochglanzpolierten Euro Power Metal rein gar nichts anfangen. Ich sehe ihn heute noch in der Musigburg stehen, schon fast mit blassem Gesichtsausdruck, als Sänger David Bassin die folgenschweren Worte ins Mikrofon sprach: "We are Victorius and we play Power Metal!" Für einen eingefleischten US-Power-Metal-Puristen wie ihn kam diese Ansage einem rituellen Dolchstoss gleich.

Zugegeben, ein Stück weit kann ich seine Skepsis sogar nachvollziehen, denn das gesamte Konzept der Leipziger ist Lichtjahre von jeglicher Ernsthaftigkeit entfernt. Doch genau hier liegt deren Stärke: Auch auf ihrem mittlerweile siebten Streich weichen die Sachsen keinen Millimeter von ihrer Linie ab. Es ist eine Welt, in der Ninjas, Dinosaurier und Laser-Drachen völlig selbstverständlich im selben Refrain auftauchen. Wer bei Titeln wie «Dino Race From Outer Space», «Brachio Bazooka Battalion» oder «Prehistoric Panzer Power» nach tiefschürfender Lyrik sucht, ist im falschen Film – hier regiert das breite Grinsen und die pure Spielfreude.

Musikalisch wandelt man erneut auf den Pfaden von Sabaton und Battle Beast, wobei man im Gegensatz zu Letzteren den Gitarren deutlich mehr Raum zur Entfaltung lässt. Das neue Material auf «World War Dinosaur» setzt diese Tradition konsequent fort. Während das hochenergetische «Raptor Squad Attack» mit seinem irrwitzigen Tempo sofort ins Ohr geht, stampft der Titeltrack mit einer Wucht daher, die jeden Festival-Platz zum Beben bringen dürfte. Ohrwürmer wie «Kingdom Of The Strong» oder «March To War» sind auf diesem Album nicht die Ausnahme, sondern Standard. 

Etwas aus dem Rahmen fällt einzig «Evil Mean Megalodon», dass von Asenblut Sänger Teztel mit fiesen Growls ergänzt wird. Besonders hervorzuheben ist das handwerkliche Geschick: Trotz aller inhaltlichen Absurditäten sind die Riffs messerscharf und die Hooklines von einer Eingängigkeit, der man sich nur schwer entziehen kann – ob man nun will oder nicht. Wer also bereit ist, den bierernsten Metal-Knigge für 45 Minuten an der Garderobe abzugeben, wird mit diesem prähistorischen High-Speed-Abenteuer bestens bedient. Ich kann mir bildlich vorstellen, wie Kaufi in Valhalla laut gröhlend mitsingt und sein breitestes Grinsen aufgesetzt hat.
Rönu


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Freitag, 17 April 2026 04:15
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v. 10 Punkten: keine Wertung

Bei der Entstehung von «The Dead Ones» haben THE LAST TEN SECONDS OF LIFE die Erfahrungen aus den letzten beiden Veröffentlichungen genutzt und das präferiert, von dem sie dachten, dass es das Beste aus ihnen herausholen würde. Dies beinhaltet alles von der Songstruktur über die Klangfarbe der Instrumente bis hin zum Mix/Mastering und den lyrischen Themen.

Das Endergebnis ist diesmal eine persönliche und menschliche Erfahrung, statt des philosophischen und fiktionalen Ansatzes, der auf «No Name Graves» verwendet wurde. «The Dead Ones» markiert ausserdem das Debüt von Tyler Beam (v), Dylan Potts (d), Andrew Petway (b) und Wyatt McLaughlin (g/synth) beim Label Metal Blade. Inhaltlich knüpft die neue Scheibe an den Vorgänger aus 2024 an, der sich ebenfalls mit Tod und Wiedergeburt befasst hat, konzentriert sich jedoch direkt auf die eigenen Kämpfe der Bandmitglieder.

Musikalisch setzt die Truppe bei allen zehn Tracks auf vernichtenden Deathcore, der aus einem extrem dichten Klang besteht. Um diesen Sound zu erreichen, zog es den Vierer erneut nach Pennsylvania, ins Atrium Audio-Studio der Produzenten Carson Slovak und Grant McFarland. Dort lag der Fokus besonders auf den Gitarren-, Bass- und Schlagzeug-Sounds, denn der fertige Mix sollte ein "rollendes Panzer" Gefühl erzeugen.

Zudem hat die Platte vier herausragende Gäste zu verbuchen: bei «Make It To Heaven» ist David Simonich von Signs Of The Swarm dabei, Nate Johnson, ehemals Fit For An Autopsy, ist auf «Rat Trap» zu hören, bei «Dollar To A Dime» ist Alan Grnja von Distant mit von der Partie und bei «XXXXXXXXXX» leiht der ursprüngliche TLTSOL-Sänger Storm Strope seine Stimme. «The Dead Ones» ist dunkler als die Tiefen der Hölle, wenn die Feuer nicht mehr lodern. Das Album ist wohl das wildeste, was The Last Ten Seconds Of Life in den letzten Jahren abgeliefert haben.
Oliver H.


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Donnerstag, 16 April 2026 04:45

Nach einem Jahrzehnt der Stille kehren TRUCKFIGHTERS mit «Masterflow» zurück. Das Album hört sich wie eine konsequente Fortsetzung dessen an, was die Band bereits gut beherrscht. Alle charakteristischen Elemente sind vorhanden: dichte, warme Fuzz-Klänge, wogende Basslinien und jener hypnotische Wüsten-Groove, der ihren Sound seit Jahren prägt.

Der Opener «Old Big Eye» weckt schnell Erwartungen und liefert die gewohnte Wucht und Atmosphäre. Tracks wie «Carver» und der Titeltrack setzen auf Wiederholung wie Groove, sprich erzeugen eine tranceartige Anziehungskraft. Diese kommt am besten zur Geltung, wenn man das Album im Hintergrund laufen lässt, anstatt es genau zu analysieren. Es gibt Momente der Abwechslung: «The Bliss» bietet einen melodischeren Touch und «Truce» versetzt die Dinge in einen ruhigeren, fast nachdenklichen Raum. Doch diese Verschiebungen wirken eher subtil als markant.

Produktionstechnisch bleibt «Masterflow» organisch und ungeschliffen, ganz im Sinne des Genres. So wird eine lebendige, atmende Qualität eingefangen, auch wenn die Songs dadurch miteinander verschwimmen, anstatt sich individuell abzuheben. Für langjährige Fans von Stoner- und Fuzz-Rock wird dies wahrscheinlich genau den richtigen Ton treffen: verlässlich, mitreissend und leicht, darin zu versinken. Anderen, insbesondere denen, die auf ein gewagteres Comeback gehofft haben, könnte «Masterflow» jedoch zu bequem sein. Es ist ein solides Hörerlebnis, aber keines, das bleibende Spuren hinterlässt.
Lukas R.


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Donnerstag, 16 April 2026 04:35

Mit «The Unyielding Season» legen WINTERFYLLETH ihr neuntes Album vor. Während der Vorgänger noch Schatten am Horizont warf, brennt dieses Album vor Unmittelbarkeit. Es ist im atmosphärischen Black Metal verwurzelt, atmet jedoch erzählerische Absicht und kanalisiert sowohl historische Bilder als auch moderne Unruhen zu etwas zutiefst Bewegendem.

Der Eröffnungstrack «Heroes Of A Hundred Fields» geht schon voll brachial los. Er schreitet mit unerbittlichen Blastbeats und mitreissenden Tremolo-Riffs voran. Was ihn jedoch wirklich ausmacht, ist sein Gefühl von Bewegung - wie ein Marsch in die Schlacht. Die Art und Weise, wie die Melodien ansteigen und abfallen, hat etwas Filmisches und verleiht dem Song sowohl Dringlichkeit als auch Erhabenheit. Es ist ein Bekenntnis: wild, episch und emotional aufgeladen. Diese Intensität erreicht in «Echoes in the After» eine neue Dimension. Hier legt die Band ebenso viel Wert auf Bedeutung wie auf Klang.

Inspiriert von der Zerstörung des Baumes im Sycamore Gap und geprägt von jahrhundertealter Poesie verbindet der Track Trauer und Wut. Der Gesang dringt mit roher, beinah körperlicher Kraft durch, während sich die Instrumentierung von trauriger Reflexion zu einem gewaltigen, trotzigen Höhepunkt steigert. Es ist einer der eindrucksvollsten Momente des Albums - nicht nur musikalisch, sondern auch thematisch. Es folgt «A Hollow Existence» mit einer beklemmenden Atmosphäre. Galoppierende Drums und dichte Gitarrenlagen erzeugen ein Gefühl der Unruhe und ziehen die Hörer in einen dunkleren, introspektiveren Raum.

Im Gegensatz dazu ist «Perdition's Flame» schärfer und direkter - ein aggressiver Ausbruch von Black Metal Energie, der mit Präzision statt mit blosser Wucht trifft. Im Herzen des Albums liegt der Titeltrack «The Unyielding Season». Hier treiben Winterfylleth ihr Songwriting am weitesten voran. Das Tempo ist bedächtig, zeitweise fast meditativ, bevor es in ausladende Klangwellen ausbricht. Der Song fängt die zentrale Spannung des Albums ein: Widerstandskraft gegen überwältigende Gewalt. Subtile Melodielinien und dynamische Wechsel machen ihn zu einer der vielschichtigsten Kompositionen in ihrem Repertoire. Gefällt mir persönlich sehr gut und ab dann wird es eigentlich immer besser.

Ein Moment der Atempause bietet «Unspoken Elegy». Aufgebaut auf Akustikgitarre und bereichert durch Cello, bietet es eine zerbrechliche, nachdenkliche Pause. Doch selbst hier gibt es eine unterschwellige Unruhe, eine von Melancholie durchzogene Schönheit. Dieser Kontrast verstärkt die Wirkung dessen, was folgt. «In Ashen Wake» gehört zu den ambitioniertesten Stücken des Albums. Es beginnt mit einem langsamen, atmosphärischen Aufbau aus Synth-Texturen und entfernten Melodien, bevor es in eine kraftvolle, immersive Black Metal Passage übergeht. Der Übergang wirkt verdient und erzeugt ein sowohl emotional als auch klanglich empfundenes Gefühl der Befreiung.

«Towards Elysium» setzt diese Dynamik mit einer traditionelleren Riffstruktur fort. Dabei heben sich die melodischen Hooks hervor, ohne an Intensität einzubüssen. Der Schlussabschnitt, einschliesslich des zarten Instrumentalstücks «Where Dreams Once Grew», bereitet den Boden für ein unerwartetes Finale: ein Cover von «Enchantment» von Paradise Lost. Anstatt den Titel radikal neu zu erfinden, nähern sich Winterfylleth dem Stück mit Ehrfurcht, betonen seine eindringlichen Qualitäten und integrieren dabei subtil ihre eigene atmosphärische Note.

Klanglich profitiert das Album von einer vollen, gewichtigen Produktion, die es jeder Ebene – Gitarren, Synthesizer und Gesang – ermöglicht, zu atmen, ohne an Wirkung zu verlieren. Das Ergebnis ist immersiv, ohne überwältigend zu wirken. Letztendlich ist «The Unyielding Season» ein überzeugender Beitrag zum modernen Black Metal: emotional mitreissend, musikalisch ausgefeilt und thematisch fundiert. Das Album erfindet das Genre zwar nicht neu, schärft und vertieft es aber auf eine Weise, die noch lange nachklingt, nachdem die letzte Note verklungen ist.
Lukas R.


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Donnerstag, 16 April 2026 04:25

Seit über zwanzig Jahren mischen WOLFCHANT im Pagan Metal munter mit, treten aber nicht auf der Stelle und erfinden sich auf dem neusten Streich zwar nicht neu, aber klingen trotzdem frisch und glänzen mit reifen, durchdachten Arrangements.

Man spürt die Leidenschaft bei jedem Ton und fühlt sich sofort, als sässe man mit einem Horn voll Met an einem Lagerfeuer oder wird an epische Schlachten erinnert, also genau das, was Pagan Metal ja transportieren sollte. Stilistisch bleiben Wolfchant natürlich ihrer Linie treu und liefern epische Melodie-Bögen mit starken Chören sowie einer grandiosen Mischung aus Klargesang wie Growls. Natürlich könnte man argumentieren, dass die Deutschen auf «Echoes Of A Time Once Past» nicht mehr die rohe Urkraft des Pagan besitzen, sondern mehr auf Atmosphäre, Dichtheit und Spannungsaufbau achten.

Aber genau das macht den Reiz des mittlerweile neunten Studio-Albums aus. Das beginnt schon beim cineastischen Intro «Arcades Of Time», geht über die Uptempo-Nummer «Under A Twilight Star», dem fast schon Shanty-mässigen «Dem Sturme Voraus» bis hin zum symphonisch-folk untermalten «Shadows Of Doom». Wolfchant liefern somit ihr bis dato stimmigstes Album ab und sicher eines der stärksten ihrer Diskographie. Die Produktion, das Artwork und die Songs, hier stimmt verdammt vieles und ich hoffe dass Wolfchant dafür auch die Anerkennung bekommen, die sie eigentlich schon länger verdienen.
Rönu


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Donnerstag, 16 April 2026 04:15

Wer auf puren, rauen, wilden und ungezähmten Heavy Metal abfährt, ist bei den Herren WICKED LEATHER aus Barcelona genau richtig. Schon der Opener und Titeltrack «Season Of The Witch» wird dem Zuhörer in bester Iron Maiden Manier zu Di Anno-Zeiten um die Ohren gehauen.

Auch ältere Mötley Crüe hinterlassen ihre Spuren. Sogar der Gesang von Yamila Martins erinnert teilweise an Vince Neil. Auch die immer wieder toll gespielten Guitar Twin-Soli sind echt klasse und weisen ganz klar die Handschrift von Dave Murray und Adrian Smith auf. Die geradlinig gespielten Songs wie «Nighhunter» gefallen besonders gut und erinnern etwas an Accept. «Black Goat Rising», eine schnelle Metal-Nummer, atmet wieder den Geist von frühen Iron Maiden. Klasse, was die Spanier hier abfeuern. Hört Euch nur mal das Gitarren-Solo an.

Der Anfang von «Lightning Strikes» trägt klare Vibes von Judas Priest, bevor die Jungs dann mit einem kleinen Punk-Einschlag wieder Vollgas geben. Mit «Masquerade Of Shadows», einem schwerfälligen Riff-Song, erinnern die Spanier etwas an Black Sabbath, auch das Gitarren-Riff klingt klar nach Tony Iommi, unglaublich, wo der Brite überall seine Spuren hinterlassen hat. Man kann das Debüt der Herren aus Barcelona klar als gelungen betrachten. 38 Minuten lang 80er-Jahre Heavy Metal voll auf die Fresse, klasse gespielt.
Crazy Beat
Punkte: 8.0 von 10

2. Meinung: Die wohl berühmteste spanische Hexen-Geschichte stammt aus Zugarramurdi, einem kleinen Dorf in Navarra. Im Jahr 1610 hielt die spanische Inquisition hier einen ihrer grössten Hexen-Prozesse ab. Dutzende Menschen wurden beschuldigt, in nahegelegenen Höhlen an Hexen-Sabbaten teilgenommen zu haben. Mehrere von ihnen wurden hingerichtet.


Vier Jahrhunderte später müssen die Geschichtsbücher vielleicht nicht neu geschrieben werden, die Rock-Bühnen aber durchaus. Mit «Season Of The Witch» versuchen WICKED LEATHER aus Barcelona, ihre eigene Hohepriesterin aus Stahl und Schatten zu krönen. Ob Sängerin Yamila "Yami" Martins wirklich zum Status einer Hexenkönigin aufsteigt, bleibt fraglich. Meine Begeisterung hält sich da sehr in Grenzen. Musikalisch ist das Album im traditionellen Heavy Metal verwurzelt. Die knackigen und direkten Riffs orientieren sich an den Vorbildern der späten 70er- und frühen 80er-Jahre, ohne ihre Einflüsse zu verbergen.

Doppelte Gitarren-Linien schneiden sich scharf durch Tracks wie «She Is the Storm», während «Black Goat Rising» und «Midnight Creature» auf treibenden Rhythmen reiten, die mit okkultem Drama flirten. Die Rhythmus-Gruppe treibt die Songs mit verlässlicher Kraft voran, da gibt es keine auffälligen Umwege. Im Mittelpunkt steht Martins Stimme. Sie ist eher unmelodiös und oft bis an ihre Grenzen gedehnt oder gar nasal («Masquarade Of Shadows»), es scheint mir eher eine Stimme für eine Punk- oder Garagen-Band zu sein (frühe Blondie lassen grüssen). Doch diese Trotzigkeit sorgt zumindest dafür, dass man genauer hinhört.

Sie fügt sich nicht in den Mix ein, sondern kämpft sich durch ihn hindurch. Für manche Zuhörer wird das wohl klar ein Stolperstein sein. Das Songwriting sprengt keine Genre-Grenzen und der Produktion fehlt es an Biss, doch das Potenzial ist vorhanden. Fans von rohem, schnörkellosem Heavy Metal mit einem theatralischen Okkultismus-Touch könnten «Season Of The Witch» für hörenswert halten – schon allein, um selbst zu entscheiden, ob der Hexenzirkel wirklich seine Königin gefunden hat. Die beiden Videos sind, vorsichtig formuliert, ziemlich grauenhaft.
Lukas R.
Punkte: 5.0 von 10


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Mittwoch, 15 April 2026 04:45

Schweden zählt als sicherer Exportschlager, wenn es um knüppelharten und soliden Death Metal geht. Allerdings fehlt dem Soliden oftmals die Innovation. Überraschenderweise findet dies mit dem Debüt «2026» von RIKET ein Ende!

Von mittelschnellen Stomp-Rhythmen über heavy Harmonien bis hin zu maschinengewehrhaften Riffsalven: «2026» ist eine wohltuende Massage für das verwöhnte DM-Ohr. Mit ihrem Erstling präsentieren Johan "Flid" Fridell (v), Tobias Jakobsson (g), Jussi Niiranen (g), Micke André (b/bv) und Felix Wahlund (d) eine klangliche Zeitkapsel, die die Zuhörerschaft auf neun schonungslose und beunruhigende Reisen über menschliches Versagen und deren Folgen mitnimmt. Die Lyrics sind alle in schwedischer Sprache, wodurch die Platte fest im kollektiven Gedächtnis der Nation verankert ist, und aus Ereignissen schöpft, die eine dunklere Seite der schwedischen Geschichte zeigen.

«1867: Storsvagåret» thematisiert die grosse Hungersnot, in der Kälte und die raue Natur die Bevölkerung dezimierten, «1868: Sommar Vid Vinterviken» untermalt die Geschichte einer Fabrik-Explosion in Stockholm und «1948: Att Döda Ett Barn» ist von traurigen Melodien durchzogen und betrauert die Kindersterblichkeit auf schwedischen Autobahnen. So steigen die Jahreszahlen stetig an, zwar nicht in chronologischer Reihenfolge, und enden musikalisch im Jahr 2009. Ein Titeltrack, im herkömmlichen Sinn, findet sich nicht, aber auch für diesen hätte die Truppe bestimmt nicht lange suchen müssen.

Musikalisch nehmen Riket die Zuhörerschaft auf der Überholspur mit, im Kofferraum die Anleihen von At The Gates, Grave und Carcass, im Inneren jedoch modern und durchschlagend produziert. Aufgenommen wurde «2026» von Sverker Widgren, dessen Handschrift bei Alben von Mörk Gryning, Frantic Amber und Centinex lesbar ist. Die neun Tracks sind meist galoppierend, aber niemals gehetzt, und die messerscharfen Riffs geben stets den Ton an.

«2026» ist definitiv mehr als bloss ein weiteres Death Metal Album, und Riket sind definitiv mehr als bloss eine weitere Band, die gekonnt Schwedentod komponiert. Sie sind Gefässe der Erinnerung, düstere Boten, der Vergangenheit und der Gegenwart. Das Ergebnis ist ein Longplayer, der noch lange nachklingt, nachdem die letzte Note verstummt ist. «2026» ist verdammt gut, aufwühlend, authentisch und zeitlos!
Oliver H.


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Mittwoch, 15 April 2026 04:35

Mit dem vorliegenden Album schliessen LORD OF THE LOST die "Opvs Noir Trilogie" ab (Teil 1 und 2 sind 2025 erschienen).

Los gehts mit «Kill The Lights» - der Song verfügt über viel Kraft und ist ein guter Start ins Album. Weiter gehts mit «I'm A Diamond», feat. Alea von Saltatio Mortis - klasse Hymne, die Tastenklänge von Gerrit Heinemann dazu gefallen. «My Funeral» ist dann wieder etwas komplexer aufgebaut - schön düster, die Stimme von Chris Harms kommt hier besonders gut zur Geltung. «I Hate People» bringt Feature Nummer zwei mit Wednesday 13. Der ist sicher unterhaltsam, aber ist für mich jetzt zu viel Blutengel-Verschnitt von anderen Stilen auf einmal. «The Shadows Within» ist eine Hammer-Power-Ballade - endlich mal wieder eine Ballade auf einem neuen Album, ich hatte schon die Befürchtung, dass sich das niemand mehr traut.

Und schon ist Feature drei am Start, «La Vie Est Hell» bringt Hannes Braun, den Sänger von Kissin' Dynamite, mit – und siehe da, noch eine Ballade, auch wieder mit tollen Tastenklängen und cooler Gesangs-Partie der beiden Sänger. «Square On» geht dann wieder etwas zügiger zu Werke. «When Did The Love Break» ist das Feature mit Ambre Voruvahis von Xandria - cooler Song, der Kontrast der beiden Stimmen macht auch diese Ballade hörenswert, besonders dann, wenn beide zusammen singen. Weiter folgen «Your Love Is Colder Than Death» sowie «Take Me Far Away», feat. Damien Edwards von Cats In Space, und den Abschluss macht die Hymne «The Days Of Our Lives». Tolles Album, top abgemischt, gute Stimme, gute Instrumente - Lord Of The Lost haben hier trotz dem hohen Output an Alben erneut eine Super-Qualität abgeliefert.
Hansruedi W.


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Mittwoch, 15 April 2026 04:25

«Forever Young» dürfte den etwas älteren Hard Rock-Fans noch in Erinnerung sein. Dieser Song durfte damals in keiner Rock-Bar fehlen. Nun, 2026 veröffentlichen TYKETTO ihr neuestes Album. Der Jungbrunnen wurde zwar nicht gefunden, aber die Songs auf «Closer To The Sun» klingen alles andere als verstaubt.

Ausnahmetalent Danny Vaughn und seine Band haben hier Musik erschaffen, welche dem Zuhörer ein beschwingtes und leichtes Gefühl vermitteln. Ja, man würde am liebsten zu dem Sound im Cabrio oder Camper in Richtung Sonnenuntergang fahren und sämtliche Sorgen hinter sich lassen. Oder natürlich auf dem Motorrad, wie das so schön musikalisch in «Harleys & Indians (Riders In The Sky)» untermalt wird. Die rockigen Nummern sind immer wieder mit bluesigen und funkigen Riffs versehen. Hammond-Orgel und Blues-Harp dürfen nicht fehlen. Und auch in den ruhigeren Momenten auf diesem Album wird es nicht etwa melancholisch, sondern wird fortlaufend von positiven Vibes begleitet. Herrlich!
Björn


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Mittwoch, 15 April 2026 04:15
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v. 10 Punkten: 7.2

Die kalifornische Punk Band DARK RIDE wurde von Sänger, Songwriter und Multi-Instrumentalist Emilio Menze ins Leben gerufen. Zuvor war dieser mit der Formation Stellar Corpses und der Misfits Cover-Band Plan 9 unterwegs.

Nun, der logische nächste Schritt, die Gründung der eigenen Band ist nachvollziehbar, insbesondere da man über die entsprechenden Qualitäten verfügt. Als Sänger jedenfalls liefert der gute Emilio einen kritiklosen Job ab. Musikalisch hat man sich, als stilistische Definition, Melodic Punk und Horror Punk aufs Banner geschrieben. Klingt für den Sänger einer Misfits Cover-Band logisch, der entsprechende Quer-Verweis ist offensichtlich. Trotzdem hinkt der Vergleich. Bei Dark Ride klingt alles enorm glatt poliert. Von bösem Horror ist nicht viel zu erkennen, dreckige Sounds bleiben aussen vor. Ergo bleibt für «Blade Manor» die Bezeichnung Melodic Punk.

Da wiederum macht die Truppe aber eine ausgezeichnete Figur. Das Songmaterial überzeugt in diesem Kontext auf ganzer Linie. Mit viel Drive und einer gesunden Portion Metal werden einem eingängige Songstrukturen und Melodien mit Memory-Effekt massenweise um die Ohren gehauen. Tracks wie das titelgebende «Blade Manor», «I Bury Boyfriends», «Life At The End Of October» oder «Psycho Summer» versprühen jede Menge Charme. Fans der Misfits werden da zwar kaum auf ihre Kosten kommen, aber Liebhaber von Neo-Punk mit Pop-Anleihen der Marke Green Day, Blink-182 oder Sum 41 dafür umso mehr.
Chris C.


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Dienstag, 14 April 2026 04:45

Auf ihrem dritten Album «Through The Hourglass» präsentieren sich WITCH RIPPER als Ensemble, das seine vielfältigen Einflüsse zu einem fokussierteren und musikalisch überzeugenderen Ganzen vereint hat.

Während frühere Veröffentlichungen entweder in Richtung sludgiger Schwere oder progressiver Ausuferung tendierten, findet dieses Album einen Mittelweg, der durchdacht und erwachsen wirkt. Im Kern basiert das Material auf dichten Midtempo-Riffs, also dichten, leicht rauen Gitarren-Tönen, die ein befriedigendes physisches Gewicht haben, ohne bedrückend zu wirken. Was diese Grundlage aufwertet, ist das Gespür der Band für Melodien: Harmonische Lead-Linien, sorgfältig geschichtete Texturen und ein ausgeprägtes Gespür für Phrasierung verleihen selbst den schwersten Passagen eine gewisse Leichtigkeit.

Die Rhythmus-Gruppe sorgt mit straffem, groove-orientiertem Schlagzeugspiel für Bodenhaftung und verstärkt den gleichmässigen, fast hypnotischen Fluss des Albums. Gesanglich sorgt das Wechselspiel zwischen klarem und rauem Stil für Kontrast. Die klareren Melodien hinterlassen tendenziell den stärkeren Eindruck und verankern die Songs oft mit einprägsamen Refrains. Es ist auch eine subtile progressive Sensibilität am Werk, die sich nicht in technischer Übertreibung äussert, sondern in der Art, wie sich die Tracks entfalten. Dabei wird Spannung durch Wiederholung und allmähliche Variation statt durch abrupte Wechsel aufgebaut.

Wenn es eine Schwäche gibt, dann liegt sie im Tempo: Mehrere Nummern bewegen sich in einem ähnlichen Tempo-Bereich, sodass es mit der Zeit eintönig wirken kann. Dennoch trägt diese Konsistenz auch zu seiner immersiven Qualität bei, besonders, wenn man es sich als Ganzes anhört. «Through The Hourglass» zieht einen langsam in seinen Bann und belohnt Geduld mit Details, Atmosphäre und einem klaren Sinn für musikalische Absicht. Ich glaube an den Erfolg dieses Werkes.
Lukas R.


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Dienstag, 14 April 2026 04:35

Kennt Ihr das? Man sieht ein Album-Cover vor sich, liest den Bandnamen wie den Titel und hat dabei schon eine Vorstellung, wie das vielleicht klingen könnte. Dann lauscht man den Klängen von NEVERLAND TRAIN und ist überrascht, wie man doch daneben lag. Ein Intro, und im nächsten Moment fühlt man sich in ein Musical oder einen Disney-Film versetzt.

Die Songs sind mit sehr viel Piano und mehrstimmigen Chören komponiert. Am ehesten würde ich die Musik mit einer softeren Version von Avantasia oder auch Meat Loaf vergleichen. Das Multitalent Jens Faber (Dawn Of Destiny) hat mit diesem Album eine Hommage an Jim Steinman komponiert. Steinman war Produzent und Songwriter für Meat Loaf und Bonnie Tyler. Kompositorisch und musikalisch ist «Alive In Hell» herausragend. Man kann die Bilder des dazugehörigen Films oder Musicals schon beinahe vor dem geistigen Auge sehen.
Björn


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Dienstag, 14 April 2026 04:25

Die aus Modena, Italien stammende Band KARMIAN hat sich innerhalb der italienischen Melodic Death Metal Szene eine unverwechselbare Position erspielt, indem sie extreme Musik nicht nur als Mittel der Aggression, sondern als narrative und philosophische Sprache verstehen.

Seit ihrer Wiedergeburt im Jahr 2011 verfolgt die Band konsequent eine Vision, die in skandinavisch inspirierter Wildheit verwurzelt ist und gleichzeitig einen ausgeprägten italienischen Sinn für Drama, Symbolik und konzeptionelle Tiefe umfasst. «Horror Vacui» stellt den Höhepunkt ihres konzeptionellen Weges dar, der mit dem psychologischen Fokus von «Ways Of Death» begann und sich mit «Surgere Et Cadere» zu einer historischen und mythologischen Allegorie ausweitete. Das Album ist als konzeptionelles Gesamtwerk konzipiert, das von neun realen italienischen Mordfällen inspiriert ist, jedoch nicht als sensationell mordlüstern, sondern analytisch besungen wird.

Das Album verherrlicht also keine Gräueltaten, sondern hinterfragt deren Ursprünge. Jeder der neun Tracks fungiert als eigenständiges psychologisches Porträt und als Teil eines grossen Ganzen. Musikalisch erweitert «Horror Vacui» Karmian's melodischen Death Metal mit gesteigerter Ausdruckskraft und dynamischer Präzision. Das duale Gitarren-Spiel balanciert scharfkantige Aggression mit sorgfältig gestalteten Melodielinien aus, die sich an der schwedischen Schule orientieren und gleichzeitig ein starkes Gefühl für das narrative Tempo bewahren.

Andrea Bertolazzis Gesangs-Leistung spielt eine wichtige Rolle auf dem gesamten Album. Seine Stimme bewegt sich fliessend zwischen Growl und einer fast theatralischen Intensität, die sich dem Rahmen jedes Songs anpasst. Manchmal verkörpert sie den Täter, manchmal das Opfer und oft die Leere selbst. Atmosphärische Elemente, darunter Synthesizer und sorgfältig platzierte strukturelle Details, verstärken die filmische Dimension des Albums, ohne seine Extremität zu verwässern. Die Produktion von Luca Cocconi und Simone Sighinolfi im "Audiocore Studio" ist bewusst zwischen Klarheit und Atmosphäre ausbalanciert.

Die Gitarren bleiben scharf und definiert, das Schlagzeug behält seine natürliche Kraft, und der Gesamt-Mix verzichtet auf übermässige Glättung. Nach Besetzungs-Wechseln, infolge der Pandemie, brachte die aktuelle Formation eine neue Chemie und einen dunkleren, fokussierteren Ansatz beim Songwriting mit sich. Das Ergebnis ist «Horror Vacui», das nicht nur konzeptionell, sondern auch musikalisch kohärent wirkt. Es markiert einen bedeutenden Moment in der Entwicklung von Karmian dar.
Oliver H.


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Dienstag, 14 April 2026 04:15
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v. 10 Punkten: 5.5

Die Kanadier von WRECK DEFY prügeln sich auf dem sechsten Album mit wütendem Thrash Metal durch die Rillen. Speziell dabei ist der "weinerliche" Gesang von Greg Wagner, der sich mit wütendem Gebell und kreischenden Parts abwechselt. Klingt wie eine Mischung aus Tim Owens und James Rivera, aber als sehr vager Vergleich.

Die zehn Tracks leben in erster Linie von den kernigen Riffs, bieten viel Platz zum Headbangen, lassen aber das Hit-Potenzial und Songs vermissen, die man sich immer wieder anhören möchte. Vergleicht man diese Scheibe mit «Goliath» von Exodus, fällt sofort auf, dass Härte nicht immer mit einer donnernden Double-Bass-Drum zum Ausdruck gebracht werden muss. Das fast schon langsame «I Don't Care» und das teilweise an Slayer erinnernde «The Past» bringen Abwechslung in den ansonsten hyperschnellen Alltag von Wreck Defy. Kann man sich anhören, wird aber bei der Schwemme an neuen und grandiosen Thrash-Alben wohl eher ein Schattendasein fristen.
Tinu

https://www.youtube.com/embed/QJgQpzqeoZY

Montag, 13 April 2026 04:45
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v. 10 Punkten: 8.2

Einer der Vorreiter des Death Metal meldet sich mit seinem zwölften Album «Descent» lautstark zurück. IMMOLATION werden auch nach 37 Jahren langjährige Fans wie ahnungslose Neulinge mit Hymnen der Dunkelheit und Wut konfrontieren.

Während zehn Tracks setzen die US-Amerikaner ihre Reise fort, ständig etwas mehr weg von der Ablehnung des Katholizismus und immer einen Schritt weiter hin zu gnostischer Vorahnung (Ist die Erde die Hölle? Gibt es einen Weg zur Erlösung?). Songs wie «The Ephemeral Curse», «Attrition» und der gewaltige Titeltrack erforschen genau diese Themen anhand des Kanons des gequälten Erbes der Menschheit. Seit ihrem legendären Debüt «Dawn Of Possession» (1991), hat die Band ihren beständigen Standard an Überzeugung und Innovation stets aufrechterhalten, der unzählige Bands auf der ganzen Welt beeinflusst hat.

Auch «Descent» geht wieder unverkennbar in die Richtung von Immolation, da Gitarrist Bob Vignas meisterhafte Darbietungen mit hochfliegenden Soli und düsteren Klageliedern weiterhin den Ton angeben. Genau diese Eigenschaften gipfelten schliesslich 2024 auch in der Biografie «Into Everlasting Fire - The Official History Of Immolation» von Kevin Stewart-Panko, die die Geschichte des unerschütterlichen Engagements der Band für die Musik und die Herausforderungen erzählt, ihre Vision angesichts wechselnder Trends und Anforderungen der Branche aufrechtzuerhalten.

Die neue Platte wurde von ihrem langjährigen Partner Zack Ohren abgemischt und gemastert. So bietet «Descent» die kraftvolle Produktion, die die Band sowohl in ihren feurigsten als auch in ihren düstersten Momenten richtig einfängt. Das Cover besticht einmal mehr durch den sehr gefragten Künstler Eliran Kantor (Testament Heaven Shall Burn, Malevolence, Thy Art Is Murder etc.), der dem Inhalt die optische Schwere verleiht.

Inmitten rasender Drum-Salven, messerscharfen Gitarren-Riffs und unvergleichlichem Gebrüll, das den charakteristischen Sound von Immolation verkörpert, ist die Antwort glasklar: es kommt keine Hilfe! Der Titel des Albums ist selbsterklärend, da er den Niedergang gescheiterter Imperien, endloser Kriege und die Verderbtheit der menschlichen Seele nachzeichnet. Enttäuschung bringt diese Scheibe sicher nicht, Desillusionierung hingegen, ist gut möglich.
Oliver H.


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Montag, 13 April 2026 04:35
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v. 10 Punkten: 8.0

Sie haben sich echt Zeit gelassen, die Kanadier von WARSENAL. Sieben Jahre hat es gedauert, bis das dritte Album endlich das Licht der Welt erblickt hat. Bei so langen Unterbrüchen besteht halt auch die Gefahr, dass eine eher junge Band schnell wieder vergessen wird.

«Endless Beginnings» ist ein Konzept-Album über eine dystopische Welt, die von einer Elite-Gesellschaft namens "Dawn Mowers" beherrscht wird. Eine Glocke erklingt, und ich fühle mich fast ein wenig an «For Whom The Bell Tolls» erinnert, aber als die ersten Riffs unbarmherzig einsetzen, ist klar, dass die Kanadier eine rauere Schiene fahren. Trotzdem sind die Songs trotz ihrer Speed-Affinität nicht einfach langweiliges Dauer-Geprügel, sondern glänzen durch kluges Songwriting. Highlights dieser Scheibe sind «Flying Fortress» (Megadeth lassen grüssen!), das siebenminütige «Phantom Hope» und das gitarrentechnisch furiose «Feeding The Wildfire».

Einzig das zu chaotisch gewordene «Dusk Dwellers» trifft meinen Geschmack nicht. Die Band wird, zusammen mit den Suicidal Angels, auf Tour gehen und dabei auch einen Halt in der Musigburg in Aarburg (17.04.2026) machen. Ich bin mächtig gespannt, wie das Trio live klingen wird. Das Rad wird hier natürlich nicht neu erfunden, und der ganz grosse Kracher-Song fehlt halt leider auch. Übrig bleibt mit «Endless Beginnings…» aber ein liebevoll interpretiertes Thrash-Album, welches trotzdem Beachtung verdient.
Rönu


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Montag, 13 April 2026 04:25

«Human Beast» markiert, nach «End Of Silence (2023), das zweite Album von SONS OF ETERNITY. Beim Stil habe ich irgendwo Power Metal gelesen, würde das aber persönlich schon eher unter Hard Rock einstufen.

Der Opener «Sons Of Eternity» erinnert mich dann von Stil her ein wenig an Bonfire (für die älteren Leser) – vor allem wegen der Stimme von Matthias Schenk, dem Sänger. Die Gitarren-Läufe machen den Track noch besser, und schon beim ersten Anhören weiss ich, das wird nicht das letzte Mal gewesen sein. Danach folgt «Forever», auch gut, top Gitrarren-Solo. Anschliessend «Resistance» mit einem saugeilen Gitarren-Intro - wie Survivor in ihren besten Zeiten.

Während «When Fantasy Dies» als Power-Ballade durchgeht, ist dann der Titeltrack nicht so meins. In den Verses ist die Stimme nur auf zwei, drei Tönen unterwegs – kann man mögen – ich tue es nicht. «The Line» reiht sich dann wieder an die ersten drei Tracks an, gefällt. Bei «Fight» zeigt sich das Tempo etwas schneller als beim Rest des Albums - passt gerade gut zum frühlingshaften Wetter draussen, und man möchte sich den Song umgehend im Auto bei offenem Fenster anhören.

«Tearing Down The Walls» ist dann ein wieder ein paar Takte langsamer – was der Band auch besser zu Gesicht steht. Instrumente und Gesang kommen hier optimal rüber. Die abschliessende Nummer «Abyss Of Life» weist ein starkes Intro und eine eingängige Melodie auf. Hintenraus somit wieder starke Gitarren-Klänge mit dem längsten und auch besten Solo des ganzen Albums. Fazit – «Human Beast ist eine geile Scheibe für all diejenigen Leute, die Axxis, Bonfire, Survivor und Co. mögen.
Hansruedi W.


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Montag, 13 April 2026 04:15
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v. 10 Punkten: 6.5

Hier kommen sie..., AXE DRAGGER..., die neue Supergruppe des Heavy Metals! "Schon wieder", schiesst es mir durch den Kopf. Mit Sänger Terry Glaze (ehemals Pantera), Gitarrist Bob Balach (Fu Manchu), Bassist Fredrik Isaksson (Dark Funeral) und Drummer Pete Campbell (ehemals Pentagram) stehen nun nicht gerade Musiker auf der Matte, welche man durch ihre unermesslichen Erfolge kennt.

Musikalisch bietet der Vierer reinrassigen US-Metal, wie man ihn aus dem Achtzigern kennt. Somit liegen Axe Dragger irgendwo zwischen Omen, Liege Lord, und Vicious Rumors, als vager Vergleich dazu. Grosse Namen, bei denen Axe Dragger (noch) hintenanstehen müssen. Auch wenn ihr Material sicherlich handwerklich sehr gut umgesetzt wird, fehlen ihnen die Killer-Riffs, die einem nicht mehr aus dem Kopf gehen, genau gleich wie die Hymnen und Melodien, welche das Metal-Volk zur Verzückung bringen. Als Anspieltipp können «Iron Rider», «Axe Dragger», «El Toro» herhalten. Richtig begeistert mich das selbstbetitelte Debüt-Album der Jungs nicht. Irgendwie fehlt dem Ganzen das mittreissende Flair, das die Alben der obenstehenden Truppen ausgemacht haben.
Tinu


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Samstag, 11 April 2026 05:45
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v. 10 Punkten: 8.4

Wenn man über namhafte Bands des Death Metal Genres spricht, muss zwangsweise die schwedische Kapelle VOMITORY erwähnt werden. Die bereits 1989 gegründete Band veröffentlichte, speziell zwischen 1996 und 2011, acht hochkarätige Alben und festigte ihren Status im Genre. 2013 dann die Auflösung, um 2019 anlässlich des 30-jährigen Jubiläums wieder ins rege Treiben einzugreifen.

Mit «All Heads Are Gonna Roll» wurde vor drei Jahren das "Comeback-Album" veröffentlicht, und nun beweist der Vierer mit «In Death Throes», dass er ernsthaft zurück ist. Die Truppe um die Gebrüder Urban (g) und Tobias (d) Gustafsson zeigt keine Anzeichen von Ermüdung, sondern brettert dermassen, dass sogar der langjährige Gitarrist Peter Östlund die Segel strich und schliesslich durch Christian Fredriksson ersetzt wurde. Vomitory verloren keine Zeit und machten sich sofort wieder ans Songwriting.

Laut dem Schlagzeuger bleibt der unverkennbare Sound erhalten, doch das neue Werk legt in Sachen Intensität nochmals eine Schippe drauf. Die ersten Früchte ihrer Arbeit waren «Two And A Half Men», gefolgt vom Album-Opener «Rapture In Rupture». Ab diesem Zeitpunkt arbeitete die Band eng zusammen, und jedes Mitglied trug seinen Teil zu den Arrangements bei, bevor ein Song fertiggestellt wurde. Textlich brachte Erik Rundqvist (v/b) erneut seinen typischen Gore-Stil ein.

Dies allerdings mit frischeren und zeitgemässeren Wendungen. Die Aufnahmen zu den zehn Songs auf «In Death Throes» fanden Ende 2025 in verschiedenen Studios statt. Schlagzeug und Gesang wurden in den "Leon Music Studios" in Karlstad aufgenommen, wobei Produzent Rikard Löfgren die Toningenieurs-Arbeit übernahm. Gitarren und Bass hingegen wurden in den Goff Studios, ebenfalls in Karlstad, aufgenommen, wobei Christian Fredriksson als Toningenieur die Leitung übernahm.

Für die finale Mixing/Mastering-Arbeit konnte erneut Lawrence Mackrory (Paradise Lost, Bloodbath, Lik) verpflichtet werden, der einen vernichtenden, schweren Sound kreierte, der dennoch atmen kann. Das auffällige Cover-Artwork wurde, wie schon beim Vorgänger, von Giannis Nakos von Remedy Art Design gestaltet, und verleiht der Platte eine optische Dominanz. Diese Kombination spricht für ein Album-Ergebnis, das ebenso wild, wie visuell ansprechend ist.
Oliver H.


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Samstag, 11 April 2026 05:35
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v. 10 Punkten: 8.6

Schwere, düstere Riffs und eine starke, kräftige Stimme eröffnen das neue Werk der Norweger MASHEENA aus Bergen. Eine Mischung aus Heavy Metal und Stoner Rock dröhnt aus den Boxen. Erinnert mal wieder an Black Sabbath.

«Going To The Mountain» kommt da schon mit viel Melodie daher, man höre die tollen, melodiösen Gesänge. «One Eye» erinnert mich an Nickelback, eben auch durch die Gesangs-Melodie. Man merkt schon nach den ersten Songs, dass die Norweger aus Bergen hier sehr vielseitig zu Werke gehen. «A Game You Don't Want To Lose» dann, eine psychedelische Heavy Rock Nummer mit immer wieder ruhigeren Passagen. Mit «Life Is But A Sin» hat man dann eine etwas schräge, schleppende Halbballade am Start, was die Vielseitigkeit der vier Herren unterstreicht.

Die lockere Rock-Nummer «Sara Lost Her Way» bringt ebenfalls Abwechslung rein. «In Her Eyes» überzeugt mit einem Blues-Touch, der etwas an Hendrix erinnert, sehr coole Nummer. «Don't Tell Her» glänzt mit einem funky Gitarren-Riff und einer tollen Gesangs-Melodie, klingt amerikanisch. Das Album endet mit einem klasse Boogie-Rocker, und so ist es nicht einfach, Masheena musikalisch einzuordnen. Man sollte hier die oben genannte Bezeichnung Hard Rock deshalb nicht so oberflächlich sehen, da die Jungs hier diverse Einflüsse auf diesem Rundling bestens darbieten. Starkes Album, sehr gelungen.
Crazy Beat


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Samstag, 11 April 2026 05:25

Die Nadeln schlagen rot aus, und niemand hat vor, sie wieder runterzudrehen. THE LORDS OF ALTAMONT stürmen mit «Forever Loaded» zurück in meine Kopfhörer. Das fühlt sich wie ein Aufstand in Retro-Bomber-Jacken an.

Im April 2026 lassen sie dieses Teil wie einen Ziegelstein durch die Windschutzscheibe des Modern Rock krachen – und das habe ich, ehrlich gesagt, gebraucht. Die Welt war auf die ganz falsche Art zu ruhig. Timmy, der Wal, ist immer noch nicht gerettet, die Schlagzeilen stinken nach wie vor, und hier kommt eine Band, die klingt, als hätte sie davon ebenfalls genug. Das ist Garagen-Rock in seiner rohen,  ungewaschenen Sonntags-Montur. Dazu gehören verzerrte Gitarren, die wie überdrehte Motoren schreien und ein Schlagzeug, das wie Stiefel auf Asphalt hämmert.

Zudem eine Orgel, die wie Weihrauch in einer Hinterhofkapelle durch das Ganze wirbelt. Man hört die Geister von MC5 und The Stooges – aber das ist keine Nostalgie. Es ist Aufruhr. Songs wie «Rusty Guns» bitten nicht um deine Aufmerksamkeit – sie packen einen am Kragen. Alles fühlt sich schnell an, ein bisschen gefährlich und gerade locker genug, um auseinanderzufallen – tut es aber nie. Das ist der Trick und tönt grossartig. Dann kommt «Get Out Of My Head» – und dieser Song trifft anders. Es ist nicht nur Lärm, es ist Druck.

Es ist, als würde man versuchen, einen Gedanken abzuschütteln, dem man nicht entkommen kann. Es fühlt sich ein bisschen so an, als würde man zusehen, wie sich die ganze Timmy-Situation entfaltet: diese hilflose Schleife im Kopf, diese Wut, die nirgendwo hin kann. Die Band verwandelt diese Frustration in Bewegung, in Lautstärke, in etwas, das man tatsächlich überleben kann. Es geht nicht darum, das Rad neu zu erfinden.

Es geht darum, das verdammte Ding in Brand zu setzen und es den Berg hinunterrollen zu lassen. Es hat einiges an grossartigen Songs, sprich mein Anspieltipp ganz am Schluss hört auf den Titel «Twisted Black». Wenn Ihr Sauberkeit wollt, sucht woanders. Wenn Ihr aber die Wahrheit wollt – laut, chaotisch und herrlich lebendig – dann ist «Forever Loaded» Eure Zeit wert. Und Timmy, gib nicht auf; kämpfe..., für dich..., für uns.
Lukas R.


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Samstag, 11 April 2026 05:15
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v. 10 Punkten: keine Wertung

Nach einer ungewöhnlich langen Pause kehren MELECHESH mit «Sentinels Of Shamash» zurück. Diese kurze Veröffentlichung fühlt sich aber alles andere als unbedeutend an. Selbst als EP kommt sie mit der Wucht eines Statements daher: Hier handelt es sich um eine Band, die ihre Identität neu bekräftigt.

Melechesh haben schon immer einen einzigartigen Platz im Extreme Metal eingenommen. Sie greifen auf Black- und Thrash-Wurzeln zurück und lassen gleichzeitig Elemente des Nahen Ostens und des Mittelmeerraums in ihre Riffs, Rhythmen und die Atmosphäre einfliessen. Was diese Veröffentlichung so fesselnd macht, ist, dass sie immer noch unverkennbar nach Melechesh klingt, dabei aber unruhig wirkt, geschärft durch die Zeit, Rückschläge und eine neue Zielstrebigkeit. Am meisten fällt auf, wie direkt und greifbar diese Songs wirken.

Dies ist Metal, der auf Bewegung ausgelegt ist. Ashmedi selbst spricht von Metal als etwas Stammesbezogenem und Ritualistischem, und diese Idee zieht sich durch die gesamte EP hindurch. Die Grooves treiben nicht einfach nur voran, sondern sie kreisen, winden sich und ziehen den Zuhörer in einen ekstatischen Schwung hinein. Das Schlagzeugspiel zeichnet sich durch kontrollierten Drive statt blosser Geschwindigkeit aus, und der Bass spielt eine weitaus wichtigere Rolle, als es in diesem Genre üblich ist.

«In Shadows, In Light» erscheint wie eine Reise durch verschiedene Wahrnehmungs-Zustände aufgebaut, wobei sich die Stimmung ständig wandelt, ohne dass der Zusammenhalt verloren geht. Der Song bewegt sich zwischen Druck und Entlastung, zwischen dichter Schwere und etwas Zeremoniell. Dies spiegelt das lyrische Interesse an verborgenem Wissen, verändertem Bewusstsein und Realitäten jenseits des gewöhnlichen Blickfelds wider. Anstatt Mystik als Dekoration zu präsentieren, verwandeln Melechesh sie in musikalische Form.

Der Track fühlt sich gleichzeitig wie Abstieg, Konfrontation und Transformation an. «Raptors Of Anzu» hingegen trifft mit einem unmittelbareren Gefühl von Kraft. Er kanalisiert Mythos in Geschwindigkeit, mit wilden Riffs und einem geschärften rhythmischen Angriff, der dem Song einen zerstörerischen Schwung verleiht. Aber selbst in den härtesten Momenten wirkt der Song nie austauschbar. Die antiken Bilder des Konzepts werden von einem Sound begleitet, der sich sonnenverbrannt, majestätisch und gewalttätig anfühlt.

So als wäre Blackened Thrash im Schatten zerfallener Tempel und Sturmgötter neu geschrieben worden. Der Song ist sowohl wild als auch seltsam einprägsam. Aus einem Interview mit Ashmedis vom "Metal Chaos" geht ebenfalls hervor, dass er Musik nicht wie am Fliessband behandeln will. Er spricht von Aufrichtigkeit, Stimmung und der Notwendigkeit, aus dem Bauch heraus zu schreiben – und dieser Ansatz ist spürbar. Diese Songs wirken nicht, als wären sie in Eile entstanden, sondern als wären sie geformt, überarbeitet und durchlebt worden.

Für langjährige Fans ist diese EP eine lohnende Rückkehr. Neulingen bietet sie eine prägnante Einführung in eine Band, die immer noch einzigartig klingt. «Sentinels Of Shamash» ist kurz, besitzt aber Tiefe, Persönlichkeit und genügend Details, um wiederholtes Anhören zu rechtfertigen. Sie ist sehr hörenswert und für geneigte Zuhörerinnen und Zuhörer, die sich zu Extreme Metal mit Intellekt, Atmosphäre und Identität hingezogen fühlen, leicht zu empfehlen.
Lukas R.


https://www.youtube.com/embed/gESmxS7AcQg

Freitag, 10 April 2026 04:45

Sie zählen zu meinen absoluten Helden, haben tatsächlich nochmals die Kurve gekriegt und biegen mit dem vierzehnten Studio-Album ums Eck, als hätte es nie ein Werk wie den Vorgänger «Congregation Of Annihilation» (2023) gegeben. Diese Scheibe von METAL CHURCH hinterliess nämlich einen bitteren Nachgeschmack bei mir.

Kennt Ihr dies, wenn Eure Götter plötzlich mit einer unerwartet "mittelmässigen" Scheibe ans Tageslicht kommen? Etwas, das man nicht wahrhaben will, weil sie vorher immer abgeliefert haben? Auch wenn damit der tragische Tod von Sänger Mike Howe verarbeitet werden musste und die Jungs mit mehr Härte als sonst auftauchten, blieb am Ende eine gewisse Ernüchterung. Dies lag auch an Sänger Marc Lopes, der nicht überzeugte. Da Metal Church auch sonst nicht immer auf Rosen gebettet waren, ging ich davon aus, dass sich die Truppe um Band-Gründer Kurdt Vanderhoof nun endgültig verabschieden würde, aber..., falsch gedacht!

Kurdt stieg wie der Phoenix aus der Asche auf, rief seinen alten Bandkumpel Rick Van Zandt (Gitarre) an und holte sich den ehemaligen Megadeth Bassisten Dave Ellefson, den aktuellen Flotsam And Jetsam Drummer Ken Mary sowie den ehemaligen Vicious Rumors Schreihals Brian Allen in die Truppe (was für eine grandiose Konstellation!). Mit «Dead To Rights» kommt somit sicherlich ein etwas härteres Album in die Plattenläden, als man es von «The Dark» oder «Blessing In Diguise» her kennt. Die Riffs poltern aber noch immer mächtig aus den Speakern (Titelsong, «Deep Cover Shakedown», «The Show», «Wasted Time»). 

Metal Church haben ihre Vorreiterrolle, die sie seit 1980 innehaben, erfolgreich verteidigt. Ihr US Power Metal baut, dank der neuen Rhythmus-Sektion, auf ein unglaubliches Fundament, bei dem sich die beiden Gitarristen metallisch, aber auch mit coolen Classic Rock Melodien austoben können. Brian erinnert mit seiner Stimme stark an jene von Ur-Sänger David Wayne, und man darf schon jetzt auf die kommenden Live-Auftritte gespannt sein! Grossartiges Comeback einer Truppe, die nie weg war, nach wie vor zu den Top Metal Bands gehört und mit «Dead To Rights» aufzeigt, wie vielschichtig die Jungs noch immer sind.
Tinu


cede

https://www.youtube.com/embed/LS3h7q0bj5A


Freitag, 10 April 2026 04:35
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v. 10 Punkten: 8.6

Der erste Song des neuen Werks der Dänen BLACK OAK COUNTY haut gleich ordentlich rein: «Kill The Pain», eine raue Heavy Rock Nummer, erinnert ganz klar an die Landsmänner Volbeat, mit etwas Einschlag von Metallica. Ruhiger kommt «Starlight» daher, erinnert mich etwas an Def Leppard, auch durch die grossartige, sehr melodiöse Gesangs-Melodie.

Die Parallelen hin zu Volbeat sind schon sehr offensichtlich, nur dass die Stimme von Niels Beier etwas rauer als die von Kollege Michael Poulsen ist. Mit «Vertigo» wird wunderbar aufgezeigt, wie man Härte mit Melodien verbindet. Auch sehr stark, das von einem treibenden Gitarren-Riff angetriebene «Fade». Ebenso das folgende «Energy», ein volles Brett, das zusätzlich noch mit einem fetten Chor überzeugt. Auch «Before I Break» besticht mit Härte, gepaart mit melodiösen Gesängen. Refrains, die hängen bleiben.

Black Oak County haben hier einfach die richtige Mischung gefunden. Alle zwölf Tracks überzeugen auf ganzer Linie. Man ist nicht nur technisch sehr versiert, sondern punktet auch mit grossem Gespür für Songs mit Wiedererkennungswert. «Misprint» ist ein vielschichtiges, kraftvolles Album geworden, mit gleichzeitig viel Energie und Melodik. Auch wenn man immer wieder Vergleiche zu Volbeat heraushört, ist dennoch genügend Eigenständigkeit vorhanden. Sehr cooles Modern / Hard Rock Werk der Dänen.
Crazy Beat


cede

https://www.youtube.com/embed/aZQppn1B9Dc

Freitag, 10 April 2026 04:25
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v. 10 Punkten: 8.6

Es war nicht leicht, das vorliegende Album zusammenzustellen. Monatelang stiessen BODYSNATCHER bei jeder Songwriting-Session auf Sackgassen, aber schliesslich haben sie es doch geschafft, fünfzehn Demos zu produzieren und am Ende zehn der besten Songs herauszubringen. Diese bilden nun «Hell Is Here, Hell Is Home», das vierte Album der Deathcore-Band aus Florida.

Es folgt auf die brutale, von Will Putney produzierte EP «Vile Conduct» aus dem Jahr 2024 und serviert eine weitere kraftvolle Salve kompromisslosen Deathcore, die Katharsis so laut und so viszeral wie nur möglich aufdreht. Wer also «Vile Conduct» oder eines der drei Vorgängeralben gehört hat, weiss, dass sich Kyle Medina (v), Kyle Carter (g), Kyle Shope (b) und Chris Whited (d) stets mit persönlichen Tragödien auseinandersetzen und auf individueller Ebene gegen die dunklen Tiefen der Verzweiflung kämpfen (oft inspiriert von ihren eigenen Erfahrungen).

«Hell Is Here, Hell Is Home» knüpft genau da an, und ist nicht weniger aggressiv und brutal – im Gegenteil. Mit der Reifung der Band und dem Wachstum an Lebenserfahrung liegen mehr Themen auf dem Tisch, aus denen der Vierer schöpfen konnte. Das zeigt sich bereits beim Opener «The Maker», ein regelrechter Sturm aus Wut, Lärm und knochenbrechenden Riffs, der die Intensität von Bodysnatcher auf ein neues Mass steigert. Die Band war schon immer für unerbittliche Härte bekannt, aber auf dem Longplayer scheint sie noch eine dunklere und brachialere Richtung einzuschlagen.

Diese direkte Dunkelheit zieht sich durch die nächsten neun Songs, von der gnadenlosen Rache in «Writhe And Coil» und «Violent Obsession» bis hin zur glühenden Trotzhaltung in «Blade Between The Teeth» sowie «Survive Or Die». Letzterer enthält Gastgesang von Scott Vogel, dem Frontmann von Terror, einer Band, die Bodysnatchers geschwärztem Herzen sehr nahesteht. Obwohl «Hell Is Here, Hell Is Home» ein äusserst persönliches Album ist, ist es auch eine düstere Reflexion der Welt im Allgemeinen und ihrer aktuellen Dystopie. Es geisselt den Zustand der Dinge mit einer schrecklichen Wut.

Das Leben ist schliesslich zu kurz, um sich von anderen auf der Nase herumtanzen oder ausnutzen zu lassen. Manche Menschen sind Monster, die verraten, missbrauchen, vernachlässigen, morden und teilweise fühlt es sich ganz so an, als würden sie sich in der Hölle, in der sie sich befinden, viel zu wohl fühlen. Das darf nicht die Zukunft sein, deshalb stehen Bodysnatcher, als Waffe gegen das Böse, zur allgemeinen Verfügung!
Oliver H.


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Freitag, 10 April 2026 04:15
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v. 10 Punkten: 7.0

Aus den/dem Hairdrÿer (Fön) wurden 2019 nach zehn Jahren FIGHTER V. In der "Kämpfer-Zeit" veröffentlichten die Jungs aus Hergiswil bisher zwei Alben und haben mit «Deja Vu» nun den dritten Streich am Start. Melodischen Hard Rock haben sich die Jungs dabei auf die Fahne geschrieben, der irgendwo zwischen Bon Jovi, Loverboy und Survivor liegt.

Die elf Songs bewegen sich musikalisch auf einem guten Level. Was mir bei den Jungs aber fehlt, sind die Ecken und Kanten. Auch wenn Sänger Emmo Acar mit seiner teils kernigen Stimme dem Ganzen einen rockigeren Anstrich verleiht. Wenn aber ein Lied wie «Foolish Heart» erklingt, bewegen sich die Melodien in meinen Ohren doch arg im "süsslichen" Bereich. Die Türe hin zum Pop-Rock wird dabei ziemlich weit aufgestossen. 

Selbst "härtere Tracks" wie «All Your Love» gehen in den feinen (Keyboard- Klängen unter. Das hätten Ratt, Dokken oder Cinderella früher packender auf den Punkt gebracht. Fazit: Wer auf melodischen Rock steht, wird seine Freude an den Schweizern haben. Ich bin hier aber definitiv raus, weil solche Songs, wie nun auf «Deja Vu» veröffentlicht, schon mit bedeutend mehr Pfeffer dargeboten worden sind.
Tinu


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Donnerstag, 09 April 2026 04:45

Zakk Wylde veröffentlicht dieser Tage mit seiner Truppe BLACK LABEL SOCIETY sein neuestes Werk. In gewohnter Manier kann man den brachialen Stoner / Doom Metal Sound aus den Boxen dröhnen lassen.

Nach einem kurzen, ruhigen Intro donnert das erste Riff daher. «Name In Blood» lässt auch zugleich keine Zweifel offen, und man will mehr davon hören. Direkt folgt der nächste Dampfhammer mit «Gatherer Of Souls». Wie man unterdessen weiss, hat Herr Wylde aber auch die ruhigere Seite. Und so hört man bei «Better Days & Wiser Times» eine Western/Country-angehauchte Ballade. Weiter geht es mit dem schwerfällig groovenden «Broken And Blind», welches wieder mit einem seiner typischen Gitarren-Solos versehen ist. Im Allgemeinen würde ich sagen, dass «Engines Of Demolition» wieder deutlich schwerer als der Vorgänger ausgefallen ist. Zudem ist etwas weniger melancholisches Songwriting auszumachen. Für Fans der Truppe sowieso ein Pflichtkauf, allen anderen sei mindestens ein Ohr voll davon angeraten.
Björn


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Donnerstag, 09 April 2026 04:35

In der heutigen Zeit scheint nichts unmöglich. Stellt Euch also vor, es gäbe tatsächlich eine Macht, erhabener als die Menschheit, die über uns herrscht, uns richtet und zur Rechenschaft zieht. Diktatur? Das war gestern. Die aktuelle Definition lautet «Total Mastery» - so auch der Titel des zweiten Albums der Death Thrash-Kapelle MESSTICATOR.

Das Album besticht genau mit diesem bedrohlichen Konzept, das sich durch die Texte der elf Songs durchzieht. Vor sieben Jahren braute sich im sagenumwobenen Hamburg etwas Dunkles zusammen. Drei Männer werkelten in den Katakomben der Hansestadt, um eine neue Todesmaschine zu erschaffen, die die massive, brutale Feuerkraft des Death Metals mit der peitschenden Aggression des Oldschool-Thrashs verbindet. Unter dem Namen Messticator feilten sie an ihren Fähigkeiten, bis sie schliesslich bereit waren, mit ihrem Debüt-Album «Forthcoming Revelation» (2022) erste Salven abzufeuern.

Seitdem sind die Deutschen Thomas Thede (v), Marvin Brühl (g), Maik Weinhardt (d) und Thorben "Tobbo" Lohmann am Bass vom Underground bis zum "Wacken Open Air" aufgestiegen und ihre düsteren Geschichten sind ebenso ein Markenzeichen geworden, wie die schnellen, harten und kompromisslosen Songs. Auf «Total Mastery» balanciert der Vierer weiterhin gekonnt am Rande von Death und Thrash, doch mit hörbar mehr Erfahrung und melodischen Variationen. Obwohl das Quartett eindeutig weiss, wie man das Gaspedal betätigt, bleiben ihre Texte verständlich, und die Band driftet nie in Richtung Grindcore ab.

Stattdessen erinnern Tracks wie «…The Pitslayer» und «One-Shot-Kill» an Morbid Angel oder Vader, während «Ruins Of Reason» mit seinen melodischen Gitarren-Läufen und Instrumental-Passagen eher in Richtung früherer In Flames-Tracks weist. «One-Shot-Kill» und «Bloodsport» sind denn auch die thrashigeren Songs des Albums und erinnern stellenweise an The Haunted, die einen wichtigen Einfluss für die Band darstellen. Ansonsten lassen sich die Stile schwer voneinander abgrenzen, was aber auch nicht nötig ist.

Der Absacker «Cougar Claws (Return Of The Leathermilf)» greift die "Leathermilf" Figur vom ersten Album wieder auf, und zeigt nach all dem ernsten und gewalttätigen Sound-Material noch die humorvolle Seite dieser Band. Mit «Total Mastery» bestätigen Messticator ihre bemerkenswerte Stärke beim Schreiben eingängiger, tödlicher Melodien, zeigen aber auch ihre Fähigkeit, spektakulär schnell zu lernen und musikalisch zu wachsen. «Total Mastery» ist die schnellere, härtere und noch kompromisslosere Fortsetzung ihres Debüts.
Oliver H.


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Donnerstag, 09 April 2026 04:25

Mit «Beyond The Reach Of Enchantment» liegt erscheint Ende März das zweite Album der Power Metal aus Island. Zugegeben, ausser Björk kenne ich sonst, also neben POWER PALADIN, bewusst keine Musiker aus Island.

Das ganze Album ist sehr tempobetont - ab und zu wären die Tracks wahrscheinlich besser, wenn es ein paar Takte langsamer wäre. Vor allem dort, wo man die Songs mit barocken Intermezzos kombiniert, wirkt das hohe Tempo etwas "out of place". Dennoch klingt das Ganze für mich top abgemischt. Der Gesang ist zwar stellenweise etwas hoch aber gut, und die Vielfalt der Instrumente passt optimal zu den Fantasy-Themen. Wer grundsätzlich Tempo-Wechsel mag, kommt hier voll auf seine Kosten.

Langweilig ist das Songwriting wirklich nicht. «Aegis Of Eternity» bleibt nach dem ersten Durchhören mein Favorit. In diesem Track finde ich den Gesang am stimmigsten. «Camelot Rock City» ist auch ziemlich witzig und gefällt auch auf Anhieb. «Valediction» (ebenso ein Anspiel-Tipp) stammt aus dem Lateinischen, bedeutet soviel wie "Lebwohl" und markiert die letzte Nummer auf «Beyond The Reach Of Enchantment». Okay, dennoch werde ich mir das Ganze wohl aber kein zweites Mal mehr anhören.
Hansruedi W.


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Donnerstag, 09 April 2026 04:15
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v. 10 Punkten: keine Wertung

Nach der Wiederveröffentlichung von «Lords Of Hypocrisy» hat sich das deutsche Label diesmal das vierte Werk der britischen Veteranen PAGAN ALTAR vorgeknöpft. Dies geschieht übrigens just zum 20-jährigen Geburtstag der Platte.

Thematisch kreist das Album um Mystik, heidnische Motive und britische Folklore – so entsteht eine würdevolle, fast feierliche Stimmung, die an frühe NWOBHM-Zeiten erinnert, jedoch stärker im Doom verwurzelt ist. Der kauzige Gesang von Terry Jones bleibt Geschmackssache, aber wer der Scheibe mehr als eine schnelle Umdrehung gönnt, wird mit zeitlosem und starkem Heavy Metal belohnt. Die Wurzeln liegen dabei in den Siebzigern, doch der Strunk weist auch Maiden oder Witchfinder General Spuren auf. Melancholie und träumerische Melodien gibt es ebenfalls zuhauf. Schön gibt es dieses Album nun auch wieder für einen erschwinglichen Taler zu erwerben und damit die Möglichkeit Göttergaben wie «Samhain», «The Crowman» oder The Sorcerer» auf der heimischen Anlage in voller Pracht zu huldigen.
Rönu


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Mittwoch, 08 April 2026 04:45
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v. 10 Punkten: 8.0

GREYHAWK stammen aus Ohio und veröffentlichen ihre dritte Studio-Scheibe. Mit schnellen Passagen, welche an Riot und Primal Fear erinnern und der gitarrentechnischen Unterstützung, die sich mit derjenigen von Judas Priest, Riot (nochmals) und Metal Church messen lassen will, trumpft der Fünfer gross auf.

Stimmlich zeigt sich Anthony Corso als Mischung aus dem jungen Michael Kiske (Helloween) und Timo Kotipelto (Stratovarius) und bewegt sich mit seiner Stimme in den höheren Lagen. Dabei versucht er dem Ganzen stets einen melodischen Anstrich zu verleihen. Mit Liedern wie «Land Of Ashes», «Endless Race» (geile Hymne mit vielen melodischen Parts und einer heftig, schnellen Rhythmus-Maschinerie!), dem stampfenden Titelsong und dem Stratovarius Gedenk-Riff «Words Of Power» lassen die Jungs nichts anbrennen. «Hyperspace» erinnert an die uralten Scanner Track, während das hardrockige «Rise Above» aus dem Metal-Muster ausbricht. Greyhawk machen einen verdammt guten Job. So gut, dass sich die Metal-Fans dieser Welt «Warriors Of Greyhawk auf ihre Einkaufsliste setzen sollten.
Tinu


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Mittwoch, 08 April 2026 04:35
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v. 10 Punkten: 7.9

Auch mit ihrem dreizehnten Album ziehen TUSMØRKE, die norwegischen Proggies, den Zuhörer musikalisch tief in die 70er-Jahre hinein. Typischer Gesang für diese Zeit, viele Flötenklänge und zwischen den Gesangs-Abschnitten immer wieder längere Instrumental-Spielereien. Mag man alles schon gehört haben, trifft aber so nicht auf die Nordländer zu.

Die komplexen, aber trotzdem relativ zugänglichen Songs enthalten viele Details oder auch Jazz-Einflüsse. Gut zu hören bei «Rerun Of Forever (Stravinsky)». Auch der spezielle Gesang, respektive der Chor hier ist schon sehr bemerkenswert, was die Einzigartigkeit der Norweger erneut unterstreicht. Der Progressive Rock mit Psychedelic- und Folk-Einflüssen ist schon etwas speziell, hört Euch nur mal den etwas schrägen Chor bei «Vi Er Et Kollektiv» an. Zum Schluss folgt noch das 21-minütige «Lidskjalv», eine ausgedehnte Reise durch die spezielle Progressive-Welt der Jungs aus dem Königreich Norwegen.

Lange musikalische Spielereien mit teils seltsamen Gesängen, dramatischen Momenten und vielen Flöten, Synthie- und Gitarren-Soli. Diese Nummer zieht die Zuhörer unweigerlich in seinen Bann. Lässt man sich davon mitreissen, erlebt man ein wunderbares, musikalisches Erlebnis. Tusmørke gehören sicher zu den speziellsten Progressive-Bands dieses Landes, aber wer auf die alten Genre-Sachen von King Crimson, Kaipa oder Yes steht, wird «Balderdom» sicherlich auch mögen. Für die Zielgruppe gilt deshalb: reinhören!
Crazy Beat


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Mittwoch, 08 April 2026 04:25

Nun, wenn das Facebook-Titelbild einer Truppe, die dem Todesmetal frönt, den Spruch "THY GNOSIS - Progressive Death Metal Songs sind nicht besser, aber länger" ziert, dann hat diese Band Sinn für Humor, und die Musiker sind OVO-holiker oder Schweizer.

Im Fall der mir vorliegenden Platte «Deprive Of Vision» des Berner Fünfers Thy Gnosis trifft wohl alles auf einmal zu. Dies will keinesfalls heissen, dass ihr Sound humoristisch rüberkommt, denn was mir während der gesamten Spielzeit entgegenschlägt, ist leidenschaftlicher Death Metal mit progressiven Elementen. Bereits ihr Debüt «Seroconversion», das noch eher im Tech-Death verankert war, hat 2023 gute Kritiken eingefahren. Wie das bei jüngeren Bands so ist, wächst mit den Jahren auch die Ambition der Musiker und man entwickelt sich weiter. Aus Erfahrung gerät dies nicht immer zum Vorteil für die jeweiligen Songs, im Fall von Thy Gnosis jedoch schon.  Ihr Zweitling, «Deprive Of Vision», hebt sich ziemlich vom Erstwerk ab und macht die musikalische Weiterentwicklung deutlich hörbar. 

Die Combo um Markus Gerber (v), Jan Beedy (g), Christian Grü (g), Aurel Bodone (b) und Stefan U. (d) bietet während zehn Songs aggressiven und doch melodischen Death Metal, der stets mit progressiven Elementen durchzogen ist. Dazu gesellen sich schwarzgefärbte Anteile, sowie Thrash-Anleihen, die stets für Abwechslung sorgen. Keiner der Tracks klingt identisch, keiner wird mit demselben Grundbeat durchgezogen. Jeder Song vermittelt eine ganz eigene Stimmung und Atmosphäre. Dies liegt mit Sicherheit auch an der Leistung des Sängers, der mit einer eindrücklichen Bandbreite an Growls und Screams aufwartet.

Im einen Moment brummt der Fronter tief im Keller, im nächsten schiesst er kehlige Schreie in den Äther. Wahrlich, «Deprive Of Vision» ist kein "Ich lass' mal so nebenher laufen" Album, denn es gibt viel zu entdecken. Die Axt-Fraktion besticht durch Fingerfertigkeit und ein Gehör für abwechslungsreiche, brachiale Riffs während die galoppierenden Drumparts den jeweiligen Rhythmus vorgeben. Thy Gnosis sind definitiv eine Truppe, die man sich merken muss. Sobald sie sich für einen Stil festlegen und diesen nur noch verfeinern müssen, wird das Quintett schon bald ganz vorne im Genre mitmischen. Freude herrscht!
Oliver H.


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Mittwoch, 08 April 2026 04:15
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v. 10 Punkten: 7.5

Trotz der täglichen Flut an Veröffentlichungen wird hie und da ein Sonderling angespült, der einfach anders ist. «Weltmarktführer Befiehl - Wir Entfolgen!» ist so ein Exemplar. VOR DIE HUNDE aus Passau haben ein "Konzept-Album" erschaffen, das mit der aktuellen Wirtschaft unbeschönigt ins Gericht geht.

David (b), Stefan (g), Lukas (v/g) und Gaius (d) sind die Kläger und hochinnovativen Erfinder der Verbraucher-Schutzmusik, die ihre zu Zuhörerschaft vor den alltäglichen Versuchungen, Scharlatanen und Weltverbesserern warnt. Mit pseudointellektuellen, deutschen Texten und einer musikalischen Mixtur aus Death Metal, Crust Punk und Grindcore, wird dem wahllos kaufsüchtigen Publikum der Spiegel vorgehalten. Der Vierer rechnet während fünfzehn Songs gnadenlos mit Firmenwahn, Produktivitäts-Kulten und kapitalistischen Selbsthilfe-Mantras ab. Die Tracks sind geballte Schläge in die Magengrube: kurz, brutal, heftig und mit jeder Menge Blastbeats. Dennoch ist fast keiner der Tracks bloss reines Gebolze, denn die Deutschen verstehen es durchaus, die rasenden Tracks mit gezielten, groovigen Breaks zu unterbrechen.

Auch der sprintende Punker "Privatsphärentransparenz-Verordnung" ist eine treibende Abwechslung zu den anderen Titeln. Die Texte sind allesamt bissig und zynisch, regen zum Nachdenken aber auch zum Schmunzeln an. Da die Fans des Quartetts scheinbar eine Vorliebe für Sarkasmus und bewusst überzeichnete Systemkritik haben, ergänzen Vor Die Hunde das auditive Fundament, mit Freude, um eben diese Elemente. Jedes Riff ist schärfer als ein Skalpell, die Drums klopfen Aluhüte im Akkord, und der Gesang ist knurrender Sarkasmus in Reinkultur. An der Verunstaltung der deutschen Sprache dürften die japanischen Kampf-Hörspiele nicht ganz unschuldig sein.

«Weltmarktführer Befiehl - Wir Entfolgen!» ist ein neuartiges Premium-Lifestyle-Produkt, das darauf ausgelegt ist, die Vor Die Hunde-Dominanz auf dem globalen Knüppel-Markt sicherzustellen und ihre Position als Branchenführer in der Monetarisierung extremer Musik weiter auszubauen. Mitbewerber wie Rotten Sound, Nasum, Napalm Death, Misery Index oder Pig Destroyer dürften damit kein Problem haben. Das Album erscheint als LP bei Necro Records und als CD bei Defying Danger Records, um dem kauffreudigen Sammler limitierter Editionen eine Freude zu bereiten. «Weltmarktführer Befiehl - Wir Entfolgen!» ist nicht bloss ein Album; es ist eine feindliche Übernahme mit Augenzwinkern!
Oliver H.


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Dienstag, 07 April 2026 04:45

Die norwegischen Extrem-Metaller RAM-ZET bieten hier einen krassen Mix aus Avantgarde, Extreme, Death und Progressive Metal. Sehr verwirrend beim ersten Anhören.

Schon der Opener «Zerocane» beinhaltet Growls und schreiende Gesänge, die sich mit melodiösen Parts abwechseln. Henning Ramseth und Miriam Renvåg geben an den Mikros alles. Instrumental werden einem satte Dream Theater Parts um die Ohren gehauen, die sich mit schweren Gitarren-Riffs abwechseln, dazu Chöre und fette Keyboards. Dazwischen noch kurze Jazz Metal Einlagen. Eben wie gesagt, sehr verwirrend. Einen Ausflug in Jazz-Bereiche folgt anfangs auch bei «Cranium». Ein permanenter Wechsel von Tempo und Genres, von Opern-artigem Gesang über Death Metal bis hin zu Progressive Metal und elektronischer wie disharmonischer Musik. Auch «Sleepers» fordert den Zuhörer. Von Piano bis Dudelsack sowie Geigen findet sich hier alles. Folk mischt sich mit Thrash und Death Metal. Also noch eine Nummer, der alle Stile bunt durcheinander mischt.

Neben den Growls zeigt Miriam aber, über was für eine grossartige Stimme sie doch verfügt. Bei «Bozzadevil» mischen sich zu den oben genannten musikalischen Variationen noch Latino-Gitarren und experimentelle Jazz-Klänge dazu. Etwas gemächlicher zeigt sich «As The Worlds Collide» mit eher gothischen Klängen, unterbrochen von kurzen Aggressions-Ausbrüchen, erinnert ein wenig an Edenbridge. Eine willkommene Abwechslung bietet das melancholische, ruhigere «In The Mirror» mit dem schönen, cleanen Gesang von Miriam. Die Norweger musizieren hier auf absolut höchstem Niveau, und das so hoch, dass es oft schwer ist, deren Musik zu verarbeiten. Man braucht schon mindestens ein grosses Progressive/Jazz/Extreme Metal-Gen, um das alles zu verdauen. «Sapien» ist sicherlich nicht jedermanns Sache.
Crazy Beat



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Dienstag, 07 April 2026 04:35
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v. 10 Punkten: 8.9

Ich war schon immer der Meinung, dass Instrumental-Musik eine grössere Herausforderung darstellt – sowohl beim Komponieren, als auch beim Anhören – da es keine Texte oder Gesang gibt, die einen durch das Stück führen. Man ist allein mit dem Klang und muss sich den Rest selbst vorstellen. Genau darin liegen die Stärken von Syberia auf «Quan Tot S'apagui».

Die Band schreibt nicht einfach nur Songs, sondern erschafft ganze Klangwelten, die sich fremd anfühlen, beinah jenseitig, als würde man ohne klare Richtung durch unbekannte Räume treiben. Die in Barcelona ansässige Band bewegt sich im vertrauten Rahmen des Post Metal – vielschichtige Gitarren, donnernde Drums und ein ständiges Wechselspiel zwischen Zurückhaltung und Ausbruch – doch was sie auszeichnet, ist ihr Gespür für den narrativen Fluss. Jeder Track entfaltet sich geduldig, baut Spannung auf und entlädt diese dann in Wellen von erdrückender Schwere oder zerbrechlicher Melodie.

Das Ganze besitzt eine filmische Qualität, als würde der Zuhörer durch weite, unerforschte Räume treiben, nur vom Instinkt geleitet. Dennoch ist dies kein leichtes Hörerlebnis. Das Album bewegt sich stark in emotionalen Gefilden, tauscht erhebende Crescendi gegen Introspektion und Unbehagen ein. Während einige Genre-Kollegen (Spurv, Mono) ein Gefühl von Triumph oder Transzendenz hervorrufen, bewegen sich Syberia oft in die entgegengesetzte Richtung und ziehen die Zuhörer nach innen. Ich persönlich fand mich in einem eher melancholischen Zustand wieder: weniger beschwingt, nachdenklicher, sogar leicht verunsichert fast schon wütend. 

Diese Komplexität ist zugleich die Stärke und die Grenze des Albums. Während die Tiefe und der Zusammenhalt des Albums unbestreitbar sind, spricht sein düsterer Ton vielleicht nicht jeden an. Zuhörer, die nach Katharsis oder Leichtigkeit suchen, könnten sich distanziert fühlen, auch wenn sie die handwerkliche Qualität bewundern. Letztendlich ist «Quan Tot S'apagui» ein fesselndes und sorgfältig konstruiertes Werk, das Geduld belohnt. Es wird einen nicht unbedingt trösten, aber es wird Euch im Gedächtnis bleiben.
Lukas R.


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Dienstag, 07 April 2026 04:25
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v. 10 Punkten: 8.2

Mit ihrem Debüt «There Is Beauty In Letting Go» hat die Schweizer Metalcore Band VICIOUS RAIN vor zwei Jahren eine solide Visitenkarte abgegeben und ihre emotionale DNA klar umrissen.

Was damals noch fehlte, war ein schärferes Profil gegenüber der Konkurrenz – ein Umstand, der in der ersten Phase vieler Metalcore-Bands nicht ungewöhnlich ist. Dennoch: Trotz eines gesättigten Marktes fand die Band schnell Anklang. Starke Produktion, sehr gutes Songwriting-Handwerk und ein ausgeprägter Fokus auf Emotion kompensierten die noch überschaubare Eigenständigkeit. Mit «The Anatomy Of Surviving» liefern Vicious Rain nun die Antwort auf die entscheidende Frage: Wer sind wir – und wofür stehen wir?

Bereits die vorab veröffentlichten Singles, wie «IKIGAI» und «Trading Hearts», deuten die Richtung einer gezielten Strategie an: mehr Tiefe, mehr Charakter, mehr Identität. Das zweite Album wirkt insgesamt geschlossener und entschlossener. Im Vergleich zum Debüt sind die Songs spürbar dichter, dunkler und emotional offener. Statt primär auf Härte zu setzen, rücken Vicious Rain die erzählerische Dimension ihrer Musik in den Vordergrund. Der Opener etabliert unmittelbar eine cineastische Klangwelt, die sich durch das gesamte Album zieht.

Atmosphärische Flächen, elektronische Elemente und strukturierte Dynamik prägen den Sound. Gesanglich entsteht ein kontrastreiches Wechselspiel zwischen fragilen Clean-Passagen und druckvollen Breakdowns. Stilistisch bewegt sich die Band klar in Richtung der Post-Architects-Ära, erweitert diesen Ansatz jedoch um industrielle Nuancen und eine bewusst inszenierte Dramaturgie. «The Anatomy Of Surviving» versteht sich weniger als lose Songsammlung, sondern als kohärente Reise.

Einzelne Tracks erfüllen dabei eine funktionale Rolle im Gesamtfluss – nicht jeder Moment zielt auf unmittelbare Wirkung, sondern auf den Aufbau eines grösseren Ganzen. Inhaltlich zieht sich ein roter Faden konsequent durch das Album: die Auseinandersetzung mit Trauma, Verarbeitung und Heilung. Die zentrale Aussage bleibt dabei klar und nachvollziehbar: Ohne Heilung kein Weiterleben. Mit ihrem zweiten Album gelingt Vicious Rain ein deutlicher Schritt nach vorne.

Die Band schärft ihr Profil, ohne ihre Wurzeln zu verleugnen, und gewinnt an internationaler Relevanz. Auch wenn strukturelle Überraschungen stellenweise ausbleiben, überzeugt «The Anatomy Of Surviving» durch Konsequenz, emotionale Ehrlichkeit und ein gewachsenes Gespür für Dramaturgie. Wer im modernen Metalcore zu Hause ist, wird hier mehr finden als nur solide Kost: ein Album, das nicht nur gehört, sondern durchlebt werden will.
Stéphanie P.


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Dienstag, 07 April 2026 04:15
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v. 10 Punkten: 5.0

Die Amis FINAL GASP spielen eine Art Mucke, die sich irgendwo zwischen Lake Of Tears, Insomnium und Unto Others befindet. Düstere Gitarren-Wände, schwere Drums, ab und zu ein filigran wirkendes Solo - das klingt soweit nicht schlecht.

Kommen wir nun zur Krux der ganzen Angelegenheit: der Sänger. Er jault sich dermassen einen ab, was einfach hinten und vorne nicht passt. Eine ruhigere, dunklere Stimme hätte einiges mehr an Charakter gehabt, denn es klingt so, als hätte man von einer x-beliebigen Metalcore-Band der jüngeren Zeit den Schreihals geklaut und hier reingepflanzt. Bei ruhigeren Passagen oder auch den Growls ist man nicht schlecht unterwegs, aber das Gejaule..., nun, ist Geschmackssache. Was aber noch zusätzlich hinzukommt, ist die fehlende Abwechslung. Jeder Song bewegt sich in einem ähnlichen Soundgefilde. Fazit: Wer auf fünf Poster-Boys steht, die ach so böse aus der Wäsche gucken, wird hier mit «New Day Symptoms» gut bedient. Ist das Kunst oder kann das weg?
Toby S.


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Montag, 06 April 2026 04:45
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v. 10 Punkten: 8.5

Man denkt es kaum, aber dies ist schon die elfte Solo-Scheibe (!) des Stryper Sängers und Gitarristen MICHAEL SWEET. Seine unverkennbare Stimme macht sofort Lust auf mehr, denn kaum ein anderer Shouter kann von hohen Rob Halford Screams bis hin zu sehr emotionalen und feinfühligen Gesängen wechseln wie der Ami.

Dies beweist er erneut mit dem Titelsong als Opener. Geschickt bleib der Shouter bei den eher ruhigeren Parts der Musik und überlässt den typischen Metal seiner Stamm-Combo. Was aber bleibt, sind die sofort mitsingbaren Tracks wie «Eternally» oder das Beatles-artige «You Lead I'll Flow», das mit Bläsern unterlegt wird. Rockig wird es mit «Desert Stream» und den von Stryper bekannten, mehrstimmigen Chören. Rod Stewart wird hellhörig bei «Believer», und mit dem leicht poppigen «Worship You» beendet Michael «The Master Plan». Das Teil gehört dabei sicherlich nicht zu den härtesten Momenten seiner Karriere, versprüht aber trotzdem extrem viel Qualität und grossartige Momente.
Tinu


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Montag, 06 April 2026 04:35
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v. 10 Punkten: 8.0

Dies ist der dritte Teil einer Trilogie, die mit «The Universe Also Collapses» 2019 begann und 2023 mit «Unending Ascending» fortgesetzt wurde. GONG könnte man dabei, zusammen mit Genesis und Yes, zu den Ur-Proggies zählen, da sie auch schon mehr als ein halbes Jahrhundert aktiv sind. Nur mit dem Unterschied, dass diese Band irgendwie voll durchgeknallt ist.

Hört man sich den Opener «Dream Of Mine» an, eine 10-Minuten-Nummer, kriegt jeder normale Rock- und Metal-Fan vermutlich nach kurzer Zeit Hirnsausen. Beginnt der Song schon recht orientalisch, wird später dazu noch reichlich Jazz dazugemixt, was das ganze Hörerlebnis nicht einfacher macht. Sehr anspruchsvoll, dieser Mix aus Progressive und Kraut Rock, dazu Art und Psychedelic, Space und Jazz Rock. Total abgefahren, was die Jungs hier abliefern. Hört Euch nur mal das instrumentale «Mantivule» an.

«The Wonderment» ist dagegen etwas leichter verdaulich, da man hier in etwas ruhigeren Gefilden musiziert, leicht abgefahren. «Stars In Heaven» dann eine schöne, leichte Progressive-Nummer mit etwa Anleihen von Pink Floyd. Den Mix aus extremer und gut verdaulicher Musik treiben Gong hier auf die Spitze. Diese Mischung macht es aber aus. Würde das ganze Album auf dem Niveau von «Dream Of Mine» sein, wäre das zu viel, aber so hat man immer wieder Zeit, das Angehörte zu verdauen, und so macht «Bright Spirit» wirklich Spass.
Crazy Beat


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Montag, 06 April 2026 04:25
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v. 10 Punkten: 7.7

Mit «Act II – Of Iron And Blood» erweitern LÖMSK ihre Debüt-Vision zu einem disziplinierten und zusammenhängenden Gesamtwerk. Das Album funktioniert am besten als Ganzes, doch einige Tracks verdeutlichen die künstlerische Bandbreite der Band besonders: «Fields Of Elysium», «Entropia», «Furia» und der Titeltrack «Of Iron And Blood». Zusammen zeigen sie, wie Lömsk Atmosphäre, Spannung und kontrollierte Wildheit im modernen, melodischen Black Metal in Einklang bringen.

«Fields Of Elysium» eröffnet das Album mit Weite und Klarheit. Die vielschichtigen Gitarren erstrecken sich zu melodischen Bögen und kombinieren Tremolo-Picking mit offeneren, resonanten Phrasierungen. Die Rhythmus-Gruppe hält einen festen Puls, ohne zu hetzen, und verleiht den Harmonien Raum zum Schwingen. Es ist ein selbstbewusster Opener, der den melodischen Instinkt unterstreicht. Der Titeltrack «Of Iron and Blood» verlagert den Fokus auf schärfere Attacken. Hier schneiden die Riffs härter und das Schlagzeug treibt mit grösserer Dringlichkeit voran.

Dennoch vermeidet die Band Chaos: Selbst bei höherer Intensität bleibt die Struktur straff und bewusst. Das Zusammenspiel von Aggression und Präzision ist eine der bestimmenden Stärken des Albums. «Entropia» steht im strukturellen Zentrum. Über seine verlängerte Laufzeit bauen Lömsk allmählich Gewicht auf. Motive kehren mit subtilen Variationen zurück, und die Stimmung verdüstert sich Schritt für Schritt. Der Song spiegelt den thematischen Kern des Albums wider: langsamer Verfall statt plötzlicher Zusammenbruch. «Furia», der längste Track, liefert den dynamischsten Kontrast.

Leisere, grüblerische Passagen weichen wogenden Klangwänden. Trotz der Kraft des Stücks verschwindet der melodische Faden nie und verankert die Intensität in etwas Einprägsamem. Auf dem gesamten Album bleibt die Produktion klar und kraftvoll, sodass Atmosphäre und Details nebeneinander bestehen können. Lömsk sind nun nicht die Neuerfinder des Schwarz-Metals, sondern verfeinern ihn mit Geduld und Konzentration. Für Zuhörer, die Struktur, emotionale Tiefe und Kohäsion schätzen, ist «Act II – Of Iron And Blood» ein fesselndes und sorgfältig gestaltetes Album.

Lukas R.


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Montag, 06 April 2026 04:15

Irgendwie muss sich in den Büroräumen von "Dying Victims Records" eine Quelle befinden, welche jede Woche eine neue Band an die Oberfläche spült. So auch das schwedische Duo von HARROWED, welches mit «The Eternal Hunger» ihr Debüt veröffentlicht. Ob bei so viel neuen Bands und Alben die Qualität nicht leidet, dürfte wohl auch eine Frage des persönlichen Geschmackes sein.

Harrowed fallen insofern etwas aus dem sonstigen Portfolio, weil Death Metal nicht gerade zu den Kern-Kompetenzen des Labels gehört. Dazu mischen die Schweden Punk und Heavy Metal Elemente, angereichert mit mächtigem Oldschool-Charme. Allerdings ist noch nicht alles Gold was glänzt: Während der Opener «Bayonet» mit geilen, eingängigen Riffs überzeugt und «The Haunter» fast schon Doom Metal zelebriert, macht sich mit der Zeit eine gewisse Eintönigkeit breit. Das mag zum einen an den heiseren Growls von Adam Lindmark liegen.

Zum anderen aber auch daran, dass mit «Ultra Terrene Phantasmagoria» und «The Reins» nur durchschnittliches Material dabei ist (Kategorie: Schon x-mal gehört…). So richtig packend ist für mich dieser Erstling also nicht, was aber Fans von kauzigem Death Metal mit Punk Attitude nicht davon abhalten sollte, hier mal ein Ohr zu riskieren. Trotzdem sollte das Essener Label vielleicht etwas von der Maxime "Quantität vor Qualität" abkommen, da eine gewisse Sättigung und Überflutung mit Releases wie «The Eternal Hunger» durchaus auch negativ sein kann.
Rönu




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Samstag, 04 April 2026 05:45
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v. 10 Punkten: 8.8

VANIR gehören seit fast zwei Jahrzehnten zur Speerspitze des dänischen Melodic Death Metals und haben dabei ihren ganz eigenen epischen Stil entwickelt: eine geschichtsträchtige Variante mit vernichtenden Riffs, die Schicksale, Kämpfe und Mythen verbindet. Mit «Wyrd» schmiedet das Kollektiv erneut seine Klingen und marschiert auf die Schlachtfelder der Historie.

Die Platte umfasst neun gut konstruierte Tracks, in denen Melodie, Kraft und Aggression zu energiegeladenen und mitreissenden Songs verschmelzen, die ausserdem durch Keyboard-Akzente veredelt werden. Dem einen oder anderen dürfte letzteres Instrument zu sehr im Mittelpunkt stehen - mir gefällts. Vanir sind mit den fortschreitenden Veröffentlichungen zunehmend von ihrem Folk Metal/Viking Metal Kurs abgekommen, zugunsten eines reinen Melodic Death Sounds, wie er heutzutage von Wolfheart, Insomnium und Unleashed gespielt wird.

Inhaltlich dreht sich das Album ums Thema des menschlichen Schicksals, gewoben aus Kriegen, aus Entscheidungen der Gesellschaft und aus deren Folgen, die unsere Welt geprägt haben. Die Dänen verbinden melodischen Todesmetal mit epischem Storytelling, das uns daran erinnert, dass Entscheidungen, die wir heute treffen, den Keim für die Schlachten von morgen in sich tragen können. Visuell wird der Kern des Albums durch den Künstler David Troest zum Leben erweckt.

Dessen dramatisches Cover zeigt einen geflügelten Husaren, der als eine der furchterregendsten Kriegsm-Maschinen der Geschichte gilt. Die Szene spielt in der legendären Schlacht bei Wien (1683), in der die polnische Kavallerie das Osmanische Reich zum Rückzug zwang und dessen Expansion nach Europa stoppte. Dennoch ist «Wyrd» mehr als ein historisches Album. Es ist eine musikalische Reise in die Vergangenheit, gekoppelt mit den Themen und den technischen Möglichkeiten von heute. 

Vanir erfinden die Musik nicht neu, haben dafür jedoch ein unterhaltsames Ganzes geschaffen, das ohne Tiefpunkte oder schwächere Momente auskommt. Wer also kraftvoll dargebotenen Melo-Death mit ausreichend Anspielungen auf Viking Metal mag, ist mit Vanirs «Wyrd» todsicher bestens beraten.
Oliver H.


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Samstag, 04 April 2026 05:35

Diese sechs CDs umfassende Box hat es in sich, sofern man die alten MSG liebt. Michael Schenker hatte sich von UFO abgesetzt und startete seine Solo-Karriere in den frühen Achtzigern.

Hier sind nun vier Konzerte, welche in dieser Box zu hören sind. Gestartet wird mit einer Aufnahme aus dem Apollo in Manchester vom 30. September 1980. Gefolgt vom Auftritt im Budokan vom 12. August 1981, den Hammersmith Odeon Konzerten vom 22. und 23. Oktober 1983 sowie dem Tokyo Gig vom 12. August 1984. Als Bonus präsentiert die Box die beiden letzten Gigs als DVD. Besser war und wird Michael nicht mehr sein (ausser er holt Robin McAuley ins Line-up zurück!).

Songs wie «Armed And Ready», «Into The Arena», «Let Sleeping Dogs Lie», «Rock My Nights Away», «I’m Gonna Make You Mind», «Little Devil» und «Desert Song» wird man vom Deutschen nicht mehr hören. Speziell auch, wenn Cozy Powell zu seinem Drum-Solo ansetzt. Die frühen Achtziger waren eine spezielle Zeit, eine die man nicht mehr reproduzieren kann und eine Ära, die Bands ans Tageslicht beförderte, die nach wie vor abliefern, aber die damalige Zeiten nicht mehr einholen können.
Tinu


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Samstag, 04 April 2026 05:25

Wenn Eure Plattensammlung Euch nachts um zwei Uhr zugeflüstert: "Bring mich ins All!", dann ist «Astral Voyager Vol. 2» von Kal-El genau das Richtige, um diesem Ruf zu folgen – mit einer Lava-Lampe in der einen und einem Plasma-Gewehr in der anderen Hand.

Die norwegische Band setzt ihre Sci-Fi-Saga fort, als wäre es eine verschollene VHS-Fortsetzung von einem meiner Lieblingsfilme "Heavy Metal" (1981) - nur lauter und mit deutlich mehr Fuzz. Musikalisch befindet sich das Album genau an dem Sweet Spot zwischen Stoner Metal, Doom und psychedelischem Space Rock, an dem Riffs nicht einfach fallen, sondern wie Asteroiden mit Attitüde herabstürzen. Die Gitarren sind dick, warm und unverhohlen übersteuert, während die Rhythmus-Gruppe wie ein Dünen-Buggy groovt, der über den Mars cruist.

Der Eröffnungstrack «Juno» spaced gleich los: Er ist das klangliche Äquivalent dazu, sich an eine Rakete zu schnallen, die von Kyuss-Platten und fragwürdigen Lebensentscheidungen angetrieben wird. Von da an bewegt sich Kal-El zwischen vernichtender Schwere («The Nine») und melodischeren, beinah hypnotischen Passagen («The Prophecy»), wobei er stets einen Fuss in der Wüste und den anderen im Weltraum hat. Der klare, gebieterische und leicht heroische Gesang schneidet durch den Dunst wie ein Retro-Sci-Fi-Erzähler.

Dieser erklärt nämlich, warum gleich alles explodieren wird. Was dieses Album auszeichnet, sind nicht nur die Riffs - obwohl, seien wir ehrlich, diese Hammer-Riffs könnten wahrscheinlich die Miete bezahlen. Es ist das Bekenntnis zur Atmosphäre. Die subtilen, spacigen Effekte, das Tempo, der narrative Faden - alles fühlt sich an wie ein Konzept-Album, dem man tatsächlich folgen möchte, statt nur so zu tun, als würde man es verstehen, während man weise dazu nickt. 

Wenn Ihr das Album richtig erleben wollt, dann setzt Euch ins Cockpit (aka Sofa), dimmt das Licht, legt die Platte auf und esst Dinge, die kein Ernährungs-Berater mehr empfehlen würde. Blastet Euch dann die Ohren voll und grinst dabei wie die Grinsekatze aus Alice im Wunderland. Ist es revolutionär? Nope. Macht es unglaublich viel Spass? Auf jeden Fall. Wenn Ihr Eure Musik gerne heavy, kosmisch und mit einem Augenzwinkern mögt, ist «Astral Voyager Vol. 2» einen Abstecher wert.
Lukas R.


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Samstag, 04 April 2026 05:15
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v. 10 Punkten: 7.0

Eine signifikante Änderung der Spielart kann sowohl Fluch, wie auch Segen für eine Band sein. Mit der deutlich härteren Ausrichtung haben mich zum Beispiel Warmen überzeugen können. Berühmtestes Beispiel bleiben natürlich Metallica, die allerspätestens mit «Load» jede Menge alter Fans verloren haben. Auch die Finnen von GLADENFOLD haben sich zu einer Kurskorrektur entschlossen, weg vom früheren Children Of Bodom Stil hin zum melodischen Power Metal.

Das heisst konkret, dass Growls nur noch eine Randnotiz einnehmen, die Klarstimme hat hier das Zepter übernommen. Auch musikalisch ist man weicher unterwegs, dafür hat die Dynamik und die Abwechslung an Raum gewonnen. «Fire Wind» schimpft sich der Opener, und der hätte auch Sonata Arctica gut zu Gesicht gestanden. «Wardens Of Time» ist dagegen etwas verspielter und wieder kommen mir wieder Finnen in den Sinn, diesmal Stratovarius. Ja, die Finnen haben düsteren, melancholischen Songs eher abgeschworen, denn «For My Queen» klingt deutlich fröhlicher als auf den ersten beiden Scheiben.

Das klingt alles gut und ist fett produziert, aber im Endeffekt stehen die erwähnten Vorbilder noch deutlich über Gladenfold. Power Metal Fans sollten der Band jedoch trotzdem eine Chance gewähren. Wer aber diese geniale Mischung aus Children Of Bodom und Sonata Arctica von früher her erwartet, dürfte hier sein blaues Wunder erleben. Genau dieser Mix machte auch für mich den bisherigen Reiz aus, weshalb ich «Soulbound» ehrlicherweise eher kritisch gegenüberstehe.
Rönu


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Freitag, 03 April 2026 04:44

Ich muss zugeben, ich liebe diese Band einfach. GREEN CARNATIONs «A Dark Poem, Part II: Sanguis» versucht nicht, den Zuhörer mit schierer Komplexität zu überwältigen. Die Stärke liegt woanders: in der Zurückhaltung, der emotionalen Klarheit und der unbehaglichen Spannung zwischen Schwere und Verletzlichkeit.

Das ist Progressive Metal der gelernt hat, wann man sich zurücknehmen muss, wann man sanft verwunden und wann man einer Melodie mehr Gewicht geben muss, als jedem noch so technischen Feuerwerk. Was dieses Album so fesselnd macht, ist die Art und Weise, wie es sich nach innen wendet. Anstatt Dunkelheit als theatralische Kulisse zu präsentieren, behandelt die Band sie als gelebte Erfahrung (Gefühlt ist diese Band schon ewig Teil des Soundtracks meines Lebens).

Die Songs wirken verwurzelt in Erinnerung, Reue, Ausdauer und der schwierigen Aufgabe, Schmerz zu verstehen, ohne ihn zu entschuldigen. Der Titeltrack gibt den Ton an mit einem weitläufigen, langsam aufbauenden Schwung, der kraftvolle Riffs mit einer fast schon klassischen Progressive-Rock-Wärme in den Keyboards verbindet. Diese Mischung wird zum Kern der Identität des Albums: Es ist heavy, aber nie plump; melancholisch, aber nicht gefühllos.

Textlich scheint das Album eine psychologische Reise durch ererbte Wunden, Einsamkeit, Fluchtgewohnheiten, Sterblichkeit, soziale Desorientierung und endgültigen Rückzug nachzuzeichnen. Dieser thematische Bogen verleiht dem Album eine ungewöhnliche Kohärenz. Es sind nicht nur sechs separate Songs – sie fühlen sich an wie miteinander verbundene Räume im selben Spukhaus.

Familientrauma in «Sanguis», emotionaler Zusammenbruch in «Loneliness Untold, Loneliness Unfold», die giftige Verführung durch Bewältigungs-Mechanismen in «Sweet To The Point Of Bitter» und der existenzielle Rahmen von «I Am Time» tragen alle zu einem Porträt von jemandem bei, der versucht zu überleben, ohne selbst zur Quelle weiteren Leids zu werden. Diese zugrunde liegende Idee verleiht dem Album sein emotionales Zentrum.

Musikalisch bewegen sich Green Carnation weiterhin in einem Raum zwischen Progressive Metal, Dark Rock, Doom und gotischer Melancholie, ohne sich von einem bestimmten Genre einengen zu lassen. Die Arrangements sind geduldig und oft filmisch, aber niemals überladen. Die sanfteren Momente sind genauso wichtig wie die härteren, und die Band versteht es, wie Kontraste Emotionen schärfen können. Wenn das Album leiser wird, verliert es nicht an Intensität; es wird intimer.

Das gilt besonders gegen Ende, wo die abschliessende Stimmung weniger den Eindruck einer Auflösung hinterlässt als vielmehr den eines zerbrechlichen, angehaltenen Atems. Zuhörer, die ständige Aggression oder offensichtliche Virtuosität erwarten, könnten «Sanguis» eher als nachdenklich denn als explosiv empfinden. Doch wer sich zu emotional ernster, durchdacht arrangierter Musik mit Gewicht und Atmosphäre hingezogen fühlt, wird hier viel zu bewundern finden.

Das Album verlangt Aufmerksamkeit, Geduld und die Bereitschaft, Unbehagen zu ertragen. Ist es hörenswert? Auf jeden Fall. Ist es für jeden etwas? Nein. Für Zuhörerinnen und Zuhörer, die progressive Musik mit Tiefe, Schattenseiten und echten menschlichen Gefühlen schätzen, ist «A Dark Poem, Part II: Sanguis» auf jeden Fall ein starkes und still bewegendes Kapitel in der langen, einzigartigen Geschichte von Green Carnation. Ist es für mich? – "ja" – zu 100%.
Lukas R.


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Freitag, 03 April 2026 04:35

Nach Jahren, die von Verlust, Wandel und Selbstreflexion geprägt waren, kehren CORROSION OF CONFORMITY mit dem Doppel-Album «Good God / Baad Man» zurück. Es wirkt aber eigentlich nicht wie ein Comeback, sondern vielmehr wie ein Bekenntnis zur eigenen Identität.

Anstatt modernen Trends hinterherzujagen, besinnt sich die Band voll und ganz auf ihre Wurzeln und verbindet Sludge, Southern Rock, Punk und klassischen Heavy Metal mit einer Lässigkeit, die zugleich bewusst wirkt. Die duale Struktur des Albums ist sein charakteristisches Merkmal. «Good God» fängt die schwerere, konfrontativere Seite der Band ein: dichte Riffs, schroffe Kanten und eine brodelnde Intensität, die selten nachlässt. Die Tracks wirken hier oft gewichtig und geerdet, eher vom Groove als von Geschwindigkeit getrieben,

Verbunden mit einer Rohheit, die sowohl auf Katharsis als auch auf Hommage hindeutet. Im Gegensatz dazu öffnet «Baad Man» die Fenster, welche mir persönlich besser gefallen. Der Ton verschiebt sich hin zu selbstbewusstem, groovigem Rock mit einer spürbaren Prise Blues und 70er-Jahre-Flair. Der Sound ist lockerer, verspielter und zuweilen schon fast melodisch, ohne dabei das raue Rückgrat der Band zu verlieren. Was das Album auszeichnet, ist seine Weigerung, diese Einflüsse zu vereinheitlichen.

Stattdessen begrüssen Corrosion Of Conformity die Vielfalt und lassen jedem Song seinen eigenen Raum. Dadurch wirkt das Album weitläufig, ja sogar ausschweifend, aber es entsteht auch das Gefühl, dass die Band wieder eine Verbindung zu allem herstellt, was sie geprägt hat. Die Gitarren-Arbeit bleibt eine zentrale Stärke und schafft ein Gleichgewicht zwischen dichten, verzerrten Riffs und ausdrucksstarken Soli. Die Rhythmus-Gruppe bildet durchgehend eine solide, organische Grundlage. «Good God / Baad Man» belohnt als Hörerlebnis Geduld.

Es baut nicht auf sofortigen, herausragenden Hits auf, sondern auf einer stetigen Anhäufung von Stimmungen und Texturen. Langjährige Fans werden die Kontinuität zu schätzen wissen, während Zuhörer, die sich zu klassischem Heavy Rock mit einer rauen Note hingezogen fühlen, viel zu entdecken finden werden. Das Genre wird dadurch zwar nicht neu definiert, aber das muss es auch nicht. Dies ist ein Album über Ausdauer, Erinnerung und die schlichte Kraft, laute, ehrliche Musik zu spielen – und in diesem Sinne ist es gelungen. Das Cover ist übrigends cool und passend.
Lukas R.


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Freitag, 03 April 2026 04:25

Mit ihrem dritten Album «The Raven Cries One Last Time» liefern CHALICE OF SUFFERING aus Minneapolis genau das, was ihr Name vermuten lässt: langsamen, schweren und zutiefst melancholischen Death Doom Metal, der sich um Themen wie Trauer und Verlust dreht.

Das Album bewegt sich in einem für Funeral Doom typischen, bedächtigen Tempo. Dichte Gitarren-Riffs und lange, anhaltende Akkorde erzeugen eine drückende Atmosphäre, während die Rhythmus-Gruppe alles in einem langsamen Tempo hält. Anstatt sich auf konstante Schwere zu konzentrieren, setzt die Band auf Stimmung und Raum. Melodische Leads und Keyboard-Layers verleihen dem gesamten Werk einen traurigen Ton.  Bemerkenswert ist der Einsatz zusätzlicher Instrumente wie Dudelsäcke und Flöten.

Diese werden sparsam, aber effektiv eingesetzt und verleihen einigen Passagen einen düsteren, beinah zeremoniellen Charakter. Gesanglich dominieren tiefe Growls, die gelegentlich durch gesprochene Passagen kontrastiert werden. Diese verleihen den Songs einen narrativen Touch. Tracks wie «Another Night In Pain» und «All That Has Withered» unterstreichen die Stärke der Band, langsame, bedrückende Atmosphären aufzubauen. «Fading Memories» ist einer der melodischeren Momente dieses Longplayers.

Der abschliessende Titeltrack hinterlässt den stärksten Eindruck und vereint die schweren Riffs und düsteren Melodien des Albums. «The Raven Cries One Last Time» wird vor allem Zuhörer ansprechen, die die langsamere und atmosphärischere Seite des Doom Metal mögen. Fans von Bands wie My Dying Bride oder Swallow The Sun werden sich hier wohlfühlen. Es ist kein Album zum schnellen Anhören, aber für Liebhaber dunklen, melancholischen Metals ist es eine solide und fokussierte Veröffentlichung. Stimmung ja, Innovation eher weniger.
Lukas R.


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Freitag, 03 April 2026 04:15
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v. 10 Punkten: 7.5

Mit «Häxen» setzen ALKHEMIA ihren auf dem Debüt eingeschlagenen Weg fort und verfeinern ihre Interpretation des modernen Black Metal. Die französische Band stützt sich stark auf die bewährte Kombination aus tremolo-getriebenen Gitarren, unerbittlichen Blastbeats und einer anhaltenden melancholischen Grundstimmung.

Dieses Terrain wurde von Gleichgesinnten wie Mgła oder Gaerea bereits gut erkundet. Die Produktion schafft einen Ausgleich zwischen Klarheit und Schärfe, sodass sich die vielschichtigen Gitarren durchsetzen können, ohne die dem Genre eigene Härte zu verlieren. Am meisten fällt das Gespür der Band für Kontrolle auf. Die Songs verharren selten lange im Vollgas-Angriffsmodus, sondern wechseln zwischen aggressiven Passagen und zurückhaltenderen, atmosphärischen Abschnitten.  Diese dynamischen Wechsel verleihen dem Album dabei einen gleichmässigen Fluss.

Dies so, auch wenn einzelne Momente nicht immer einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Tracks wie «Prekonition» und «Stars and Frozen Faces» (Mein Anspieltipp, da schöne Melodyline) deuten auf eine tiefere emotionale Bandbreite hin, die sich in kälteres, beinah introspektives Terrain erstreckt. Schnellere Stücke halten das Energie-Niveau hingegen konstant. Gesanglich setzen Alkhemia weniger auf die typischen, hochfrequenten Black Metal Schreie, sondern auf ein tieferes, diffuseres Organ, das oft wie aus dem Hintergrund hervortritt.

Dieser leicht verhallte, nebelhafte Ansatz verstärkt die düstere Grundstimmung, ohne sich stark in den Vordergrund zu drängen. Dasselbe gilt für das Songwriting insgesamt: Es ist kompetent, gut strukturiert und eindeutig von Erfahrung geprägt, wagt sich jedoch selten in wirklich überraschendes oder innovatives Terrain vor. Thematisch strebt Häxen einen dunkleren, nachdenklicheren Ton an und thematisiert Entfremdung und Widerstand. Diese Ideen werden jedoch eher durch die Atmosphäre, als durch herausragende lyrische oder konzeptionelle Momente vermittelt. 

Letztendlich ist «Häxen» ein solides Werk in der modernen Black Metal Landschaft. Es liefert genau das, was Fans des Stils erwarten: straffe Musikalität, eine düstere Atmosphäre und genügend Abwechslung, um das Interesse aufrechtzuerhalten. Es erreicht jedoch nicht ganz das Niveau an Einprägsamkeit, das es von den vielen ähnlichen Veröffentlichungen des Genres abheben würde. Heisst heute angehört und morgen wohl schon wieder vergessen.
Lukas R.


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Donnerstag, 02 April 2026 04:45
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v. 10 Punkten: 8.5

Mark Mangold liefert hier unter dem Banner von KEYS mal wieder ein tolles, teils pompöses Rock und Hard Rock Album ab. Ein Glücksgriff war auch Sänger Jake E., der hier einen grandiosen Job abliefert.

Der Eröffnungs-Song und gleichzeitig der Titeltrack erzeugt schon Gänsehaut. Erstaunlicherweise vermisst man hier die Gitarren kaum. So geschickt sind die Keys eingesetzt, fetter Sound, ebenso die opulenten Chöre und über all dem die sehr melodiöse Stimme von Jake E., der gleich von Anfang an mit einer grandiosen Gesangs-Melodie aufwartet. Hammer-Song! Das etwas härtere «Message From The Void» überzeugt dabei ebenso.

«Catapult» wiederum eine härtere Nummer, klingt ziemlich modern mit treibenden Drums und natürlich einem melodiösen Refrain. Oft klingen die Keys wie Gitarren, wie das Solo bei diesem Song zeigt. Ganz witzig das Eddie Van Halen Cover «Eruption» als Intro zu «Flamethrower». Eine Hard Rock Nummer, die nach Deep Purple klingt, und auch hier zeigt Jake E. seine vielseitige, kraftvolle Stimme. Bei «Lost In Time» zeigen die Jungs ihre progressive Seite, interessanter Song.

Die wundervolle Ballade «Beautiful World», die fast ganz ohne Drums auskommt, erinnert mich etwas an Bonfire und deren klasse Album «Roots», kommt mit einem langen, sehr gefühlvollen Keyboard-Solo daher. Ein weiteres Mal begeistert Jake E. hier mit seiner gefühlvollen Stimme. Keys legen mit «Infinity Parabellum» ein sehr spannendes, abwechslungsreiches, sehr interessantes Album vor, das mit jedem Durchlauf besser gefällt, coole Sache.
Crazy Beat


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Donnerstag, 02 April 2026 04:35
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v. 10 Punkten: 8.5

Mit «Stiller Abschied», ihrem zweiten Album in voller Länge, kehren BEDRÄNGNIS zurück und liefern ein Werk, das sich fest auf den düsteren Kern des depressiven Black Metal stützt, während sie gleichzeitig ihren Sinn für Atmosphäre subtil verfeinern.

Über die sieben Tracks hinweg schafft das Schweizer Duo einen bewusst einfach strukturierten Sound, der dennoch eine eigene emotionale Wucht entfaltet. Im Kern stützt sich das Album auf kontinuierliche Schichten verzerrter Gitarren und gleichmässige, oft unveränderliche rhythmische Muster. Anstatt Komplexität durch technische Raffinesse aufzubauen, konzentrieren sich Bedrängnis auf Beharrlichkeit: Riffs wiederholen sich, Stimmungen verweilen und die Musik bricht selten aus ihrem eigenen Bann aus. Gesanglich ist der Ansatz ebenso kompromisslos: Es sind konstante, gequälte Schreie, die in den Mix eingebettet bleiben, anstatt ihn zu dominieren. Diese Wahl verstärkt das Gefühl von Distanz und Verinnerlichung, als wäre die Stimme Teil der Textur und kein narrativer Leitfaden.

Was «Stiller Abschied» von vergleichbaren Veröffentlichungen unterscheidet, ist das Gefühl der Entwicklung über das gesamte Album hinweg. Einzelne Tracks mögen bewusst zurückhaltend wirken, doch betrachtet man das Album als Ganzes, so findet sich ein klarer, emotionaler Bogen – von unruhigeren, helleren Momenten hin zu zunehmend gedämpften und beklemmenden Passagen. Insbesondere der abschliessende Titeltrack sticht durch seine reduzierte Intensität und sein grösseres emotionales Gewicht hervor und vermittelt ein stilles Gefühl der Auflösung.

Allerdings kann der Minimalismus des Albums auch als Einschränkung empfunden werden. Zuhörerinnen und Zuhörer, die dynamische Wechsel oder einprägsame Hooks suchen, könnten das Material als zu eintönig empfinden. Für alle, die sich jedoch zu immersiven, melancholischen Klanglandschaften und einer durchgängigen Atmosphäre hingezogen fühlen, ist «Stiller Abschied» ein überzeugendes und aufrichtiges Werk, das Bedrängnis' Stellung innerhalb der Underground-Szene festigt.
Lukas R.


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Donnerstag, 02 April 2026 04:25
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v. 10 Punkten: 8.7

Wenn der Vater mit dem Sohn musiziert..., das trifft nicht nur auf den kürzlich verstorbenen Phil Campbell (R.I.P.) oder die Familie Johansson bei Tungsten zu, sondern auch auf Raphael und Morris Räber aus Küssnacht, die sich unter dem Bandnamen BACKCRAFT aktiv zeigen.

Vater Raphael hat nämlich seinem Sohn einen Proberaum eingerichtet, und als man eines Tages mit dem Gitarristen Robert Perazza jammte, merkte man rasch, dass hier der berühmte Funken sofort zündete. Mit dem Ungaren Zoli Chopper fand man ZUDEM auch einen passenden Bassisten, und so folgte 2023 die erste EP «Whiplash». Jetzt hat man nun Anfang Jahr das erste Album veröffentlicht, welches unbedingt mehr Aufmerksamkeit verdient.

Die Einstellung von Backcraft ist unmissverständlich: Wir spielen Oldschool Metal und nur eigene Songs, denn Cover-Bands existieren schon genug. Reden kann man viel, die Innerschweizer lassen aber auch Taten folgen, und so ballert «Catch Me If You Can» einem mächtig in die Magengrube. Das Ding flattert wie eine Mischung aus Metallica und Tankard durch die Boxen. Auffallend sind die wirklich geilen Riffs von Robert und der Gesang von Morris, der seine Sache ausgesprochen gut macht.

Songs wie «Excalibur» oder der Titeltrack bieten geneigten Thrashern genau das was sie suchen, während «The Kids Want To Rock» zusätzlich auch im klassischen Metal wildert. Einen schwachen Song sucht man  hier vergebens, und nach vier Hördurchgängen bleibt mir eigentlich nur die Frage hängen, wieso da bisher noch kein Label angebissen hat. Auf diesem mit «Faster Than You Run» betitelten Debüt liefert das Quartett in der Tat ein herrliches wie oldschooliges Sound-Gewitter ab.
Rönu


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Donnerstag, 02 April 2026 04:15

Die Schweizer Proggies TICKET TO NOWHERE aus dem Kanton Luzern legen hier ein starkes Album vor. Coole Gitarren-Riffs, oft sehr fett und mit tief gestimmten Gitarren. Originelle Breaks und interessante Tempowechsel.

Gut zu hören bei «Playing Badass», hier wechseln harte Riffs zu ruhigeren Parts und wieder zurück zu spannenden, kurzen Instrumental-Abschnitten. Dazu die klare Stimme von Daniela Bucheli, die sehr gefühlvoll singen kann und dann wieder Vollgas gibt, gut zu hören bei «Gain Control». Oder hört Euch mal die coole Instrumental-Nummer «Later Than Outside» an, hier zeigt sich, dass die Luzerner ihre Instrumente durchaus beherrschen. Musikalisch sehr ausgereift kommt «Glasshouse» daher, sicher ein Highlight dieses Albums.

Hier passt einfach alles zusammen. Klasse Breaks, die ineinander greifen. Der melodiöse Gesang passt perfekt zu der Instrumentierung, da spielt man schon in einer höheren Progressive-Liga. Hie und da klingen einzelne Songs noch etwas sperrig, aber ich denke, das gehört zum Reifungs-Prozess. Und dass die Luzerner etwas können, hört man eben bei Songs wie «Glasshouse». Man kann «Fractals» deshalb als durchaus gelungenes Werk der Truppe aus Ettiswil betrachten.
Crazy Beat


https://www.youtube.com/embed/IcMJO4jcUiI

Mittwoch, 01 April 2026 04:45

Aarhus gilt als eine Stadt, die Dinge offen und lautstark vertritt, und genau nach diesem Prinzip wurden DEFACING GOD 2015 gegründet. «Darkness Is My Crown» ist ein kompromissloses und emotional ernstes Werk, ein Album über Transformation, das auch so klingt. Die Dänen jagen keinen Trends hinterher und bügeln auch keine Falten, doch sie liefern ein Album ab, in dem sich Blackened Death Metal, symphonische Dunkelheit und okkulte Atmosphäre überschneiden.

«Darkness Is My Crown» scheint in der Hitze der Musiker-Persönlichkeiten geschmiedet worden zu sein. Eine davon ist Sandie „The Lilith“ Gjørtz. Sie ist die prägende Präsenz des Albums, eine Sängerin, deren Stimm-Umfang über diese zehn Tracks hinweg wirklich beeindruckend ist und die von Wildheit zu etwas fast Elegischem wechselt, ohne dabei den Faden zu verlieren. Der Rest der Besetzung, Jakob Batten (g), Christian Snapholt Nielsen (g), Rasmus „Kalke“ Munch Nielsen (b) und Michael Olsson (d), agiert als geschlossene, zielstrebige sowie rasende Einheit.

Das Album beginnt mit «Nocturnal Vestige», das sanft in eine Welt einführt, die schnell an Bissigkeit zunimmt. «Malediction Manor» und «It Comes At Night» machen keinen Hehl daraus, dass diese Platte keinen Schonwaschgang hat. «I See Shadows» und «Nefarious Enclave» dringen tief in den thematischen Kern des Longplayers vor, und «Hymns Of The Memoir» trägt jene Schwere in sich, die dann entsteht, wenn eine Band aus etwas Realem schöpft. Ein Moment der Ruhe inmitten des musikalischen Sturms. Was dieses Album von der beachtlichen Masse an Extreme Metal-Alben abhebt, die weltweit veröffentlicht werden, ist die emotionale Architektur der Songs.

Sie befassen sich wirklich mit der Dunkelheit, anstatt sie nur darzustellen. «There Is No Light» und «Your Presence Lingers Here» halten genau diese geschaffene Stimmung mit einer erdrückenden Intensität aufrecht. «Transition» leitet, wie der Titel vermuten lässt, über, und der Rausschmeisser «The Last Revelation» bringt alles mit einer melodisch geschmiedeten Endgültigkeit auf den Punkt. Defacing God tauchen tiefer in das ein, was sie auszeichnet, und «Darkness Is My Crown» verlangt, nach seinen eigenen Massstäben gehört zu werden. Der Fünfer festigt seinen Platz in der Welt der Extreme: nicht durch Spektakel, sondern durch Authentizität, emotionale Tiefe und eine unerbittliche Vision.
Oliver H.


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Mittwoch, 01 April 2026 04:35
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v. 10 Punkten: 8.0

Mit «Space To Dive» haben sich die auf Zypern ansässigen Heavy-Rocker STONUS hohe Ziele gesteckt: konzeptionell, klanglich und emotional. Das Album, das sich zwischen der Wucht des Stoner Rock und progressiver Introspektion positioniert, versteht sich als Reise ins Innere. Was es jedoch liefert, ist eine Mischung aus inspirierten Momenten und weniger abenteuerlichen Passagen.

Die Produktion ist unbestreitbar stark. Die Gitarren tragen eine warme, fuzzgetränkte Schwere, die an Desert Rock Traditionen erinnert, während das Mastering der gesamten Platte eine ausgefeilte Tiefe verleiht, ohne dabei ihre raue Kante zu opfern. Deutlich spürbar ist, dass die Band weiss, wie sie klingen sollte: weitläufig, immersiv und leicht kosmisch. Das Songwriting wird diesem Versprechen jedoch nicht immer gerecht. Viele Tracks verfallen in einen eher einheitlichen Groove, der zu einer reduzierten, fast punkartigen Direktheit tendiert.

Das verleiht dem Album zwar einen gewissen Drive, verflacht aber auch den Dynamikumfang. Das introspektive Konzept, das Themen wie Identität, innere Konflikte und Transzendenz anspricht, wirkt in der Musik selbst manchmal eher angedeutet als vollständig umgesetzt. Dann kommt «Psychoactive Baby», ein herausragender Track, der auf eine gewagtere Version dieses Albums hindeutet. Er sprudelt vor seltsamen Texturen, verspielter, weltraumartiger Elektronik und einem Gefühl psychedelischer Erkundung, das sich sowohl lebendig als auch unvorhersehbar anfühlt und auch super coolen Gitarrenarbeit.

Hier brechen Stonus aus ihren eigenen Mustern aus und machen sich den "Space" in «Space To Dive» auf eine wirklich fesselnde Weise zu eigen. Es ist der Moment, in dem Konzept und Klang endlich in Einklang kommen – und man fragt sich, warum nicht mehr des Albums diesem Weg gefolgt ist. Wo sich dann auch der  Song «Tangerine» besonders hervorhebt, ist seine entschleunigte, ruhige Art, die zu gefallen weiss und stellenweise fast an Ry Cooder erinnert. 

Insgesamt ist «Space To Dive» ein solides, aber uneinheitliches Hörerlebnis. Fans von groovigem, fuzzgetriebenem Rock werden genug finden, um sich zu erfreuen, insbesondere an der Atmosphäre und dem Klang. Wer jedoch auf der Suche nach einer vollständig immersiven oder grenzüberschreitenden psychedelischen Reise ist, könnte das Gefühl haben, dass die spannendsten Ideen nur teilweise ausgelotet wurden.
Lukas R.


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Mittwoch, 01 April 2026 04:25
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v. 10 Punkten: keine Wertung

Es ist relativ selten geworden, sogenannte B-Sides Tonträger zu veröffentlichen, umso mehr wenn es sich um eine eher kleinere Band wie KLAW handelt. Die Schweizer Thrasher wollten aber die vier Songs, welche aus der «Gods And Creators» Aufnahme Session stammen, nicht in den Archiven vergammeln lassen. Hört man sich die vier Songs an, kann man diesen Gedankenblitz ohne Weiteres nachvollziehen.

Das ist nämlich keinesfalls Ausschuss-Ware, denn schon der Opener «Dead Eyes» brettert ohne Gnade aus den Boxen und entpuppt sich als galoppierendes Riff-Monster. Der Titeltrack und «Mountain Of Origin» schlagen ähnlich zu Buche, während «Blasphemous» tatsächlich etwas aus dem Rahmen fällt. Dieser kommt zuerst wie ein Doom Metal Track daher, bevor er sich zu einem groovigen Thrash Metal Song entwickelt, dem aber gegen Ende etwas die Luft ausgeht.

Trotzdem hätten alle Songs auch auf das Album kommen können, ohne sich dabei etwas an der Wertung geändert hätte. Insofern haben wir es hier mit einer EP zu tun, welche Sinn macht und einen reellen Gegenwert bietet. In Sachen Produktion muss man sich ebenfalls keine Gedanken machen, schliesslich hatte an der Stelle V.O. Pulver (GurD, Messiah) seine Hände im Spiel.
Rönu


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Mittwoch, 01 April 2026 04:15

Mit «The Fellowship» erschafft Dave Brons eine musikalische Reise, die sich anfühlt wie ein leiser Schritt durch bekannte, und doch immer wieder neue Pfade Mittelerdes. Mit dabei: Troy Donockley (Nightwish) – bekannt für seine unverwechselbaren Pipes und Folk-Klänge.

Vom ersten Ton an entfaltet sich jene besondere Spannung, die man aus Tolkiens Welt kennen: die friedliche Geborgenheit des Auenlandes – und das kaum wahrnehmbare, aber stetige Näherkommen der Dunkelheit. Mit diesem Album erreicht Dave Brons einen neuen künstlerischen Höhepunkt – nicht durch blosse Vergrösserung des Umfangs, sondern durch die Verfeinerung des Zusammenspiels von Emotion, Klangtextur und Komposition in einem wahrhaft fesselnden Hörerlebnis. Dies ist ein Album, das von Kontrasten lebt: zwischen Stille und Erhabenheit, Zerbrechlichkeit und Kraft, Intimität und filmischer Weite.

Der Eröffnungstrack, «Shadows in the Past», gibt sofort den Ton an. Eine einsame Klaviermelodie vermittelt ein Gefühl stiller Besinnung, bevor sich die Musik allmählich zu einer vielschichtigen Orchestrierung und Brons' charakteristischer Gitarrenphrasierung ausweitet. Auffällig ist hier, wie natürlich sich der Track entwickelt – niemals erzwungen, immer organisch – bis Chöre und mitreissende Arrangements das Gefühl erwecken, zu etwas zu erwachen, das grösser ist als man selbst. Es ist weniger ein Intro als vielmehr eine Schwelle.

«Nameless Fear» verändert die Klangpalette dramatisch. Der schwerere Gitarren-Sound sorgt für eine schärfere Kante, die fast schon an Tolkien-inspirierten Progressive Rock grenzt. Doch trotz seiner Wucht vermeidet der Titel jede Bombastik um ihrer selbst willen. Der Gesang – zurückhaltend, fast geisterhaft – schwebt über der Instrumentierung, anstatt mit ihr zu konkurrieren, und erinnert eher an die zurückhaltende Eleganz von Sally Oldfield als an die theatralische Übertreibung des Symphonic Metal.

Ein atmosphärisches Highlight ist «Over the River”. Der Einsatz keltischer Dudelsäcke verändert sofort die emotionale Farbgebung und verankert das Stück in etwas Erdverbundenem und Menschlichem. Der rhythmische Puls – in seiner Beharrlichkeit fast tribal – erzeugt Vorwärtsbewegung, während Brons’ Gitarre wie eine leitende Stimme darüber schwebt. Das Solo in der zweiten Hälfte ist einer jener seltenen Momente, in denen Technik in reines Gefühl übergeht: unverkennbar sein, sofort wiedererkennbar.

Das erste instrumentale Herzstück, «Aragorn», demonstriert Brons’ kompositorische Intelligenz. Es beginnt mit einem einfachen melodischen Motiv, bevor es sich allmählich zu etwas Grösserem entfaltet, getragen von marschierender Percussion und sich entwickelnden harmonischen Schichten. Das wiederkehrende Thema, subtil variiert, verleiht dem Stück Zusammenhalt und lässt gleichzeitig emotionale Entwicklung zu. In der Phrasierung gibt es flüchtige Anklänge an Steve Vai, doch Brons verliert nie seine eigene Identität.

Die ruhigeren Momente des Albums sind ebenso wesentlich. «The Road Goes Ever On» und «Just One More Step» reduzieren den Klang auf Klavier, Akustikgitarre und perligen Gesang. Diese Stücke atmen. Sie lassen Stille und Raum Teil der Komposition werden und schaffen ein Gefühl der Verletzlichkeit. Wenn sich die Musik schliesslich wieder aufbaut, ist die Wirkung verdient und nicht aufgezwungen. «Fight to the Ford» bringt mit komplexer Gitarrenarbeit und wechselnden rhythmischen Strukturen erneut Dringlichkeit ins Spiel.

Hier schwingt ein subtiler neoklassischer Touch mit – vielleicht eine entfernte Anspielung auf Yngwie Malmsteen –, der jedoch stets durch Brons’ melodische Sensibilität gefiltert wird. Besonders wirkungsvoll ist die abrupte Rückkehr zu einem einsamen Klavier am Ende, die die Intensität in Stille versinken lässt. Eines der ambitioniertesten Stücke des Albums, «The Mines Of Moria», präsentiert rhythmische Überlagerungen und technische Präzision, ohne dabei die Atmosphäre zu opfern.

Brons selbst bemerkte dazu: "Ich bin sehr stolz auf den Arpeggio-Part in «Mines of Moria» – es ist eine raffinierte Technik, die ich dafür verwende." Dieser Abschnitt besticht nicht nur durch seine Ausführung, sondern auch dadurch, wie er die narrative Spannung vorantreibt. Spätere Titel wie «The River Anduin» erforschen durch wechselnde Dynamik und sich entwickelnde Gitarren-Linien Fluidität und Bewegung, während «Fellowship» das offen orchestralste und bombastischste Statement des Albums liefert – bevor es sich in der Mitte bewusst in experimentelleres Terrain auflöst.

Mit dem Abschluss-Stück «Let the River Take Him» kehrt das Album zur Zurückhaltung zurück. Die Melodie trauert, versinkt jedoch nie in Verzweiflung – stattdessen bietet sie eine ruhige, würdevolle Auflösung. Letztendlich ist The Fellowship erfolgreich, weil es versteht, dass es bei wahrhaft epischer Musik nicht um ständige Intensität geht, sondern um Kontrast, Tempo und emotionale Wahrheit. Dave Brons spielt nicht nur Gitarre – er erzählt durch sie.
Lukas R.


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Dienstag, 31 März 2026 04:45

Was beim Debüt noch wie ein überdrehtes Spassprojekt wirkte, wird auf «Press Start» erstmals klar positioniert. SAMURAI PIZZA CATS nutzen ihr zweites Album, um ihren Sound zu schärfen und sich bewusst festzulegen.

Inspiriert von einer Anime-Serie der Neunzigerjahre, die nicht nur den Bandnamen prägt, sondern auch die Ästhetik vorgibt, entfaltet sich «Press Start» wie ein klassisches Arcade-Spiel. Vom Intro bis zum Outro folgt das Album einer Level-Struktur, in der jeder Track ein eignes Level repräsentiert. Oldschool-Game-Feeling trifft auf überzeichnete Charaktere und bewusst absurden Humor – ein Ansatz, der stärker auf Nerd-Kultur, als auf klassische Core-Ernsthaftigkeit setzt. Im Vergleich zu «You're Hellcome» wirkt das Songwriting deutlich fokussierter.

Wo das Debüt noch zwischen Ideen schwankte, greifen die Strukturen hier präziser ineinander. Hooks sitzen, Übergänge sind klar definiert, und die Tracks funktionieren als eigenständige Einheiten innerhalb des Gesamtbildes. Die Mischung aus Metalcore, Trancecore und Crossover bleibt erhalten, wird aber zielgerichteter eingesetzt. Der Einfluss von Gitarrist Daniel Haniss (ehemals Electric Callboy) ist bei Produktion und Songwriting unüberhörbar. Auch personell markiert das Album einen Einschnitt.

Mit dem Einstieg von Drummer Robin Scheer gewinnt die Rhythmus-Sektion deutlich an Präzision und Durchschlagskraft, was sich unmittelbar im strafferen Gesamtbild niederschlägt. Während die Gitarren mehr Gewicht liefern, sind auf der elektronischen Ebene 80er/90er-Synths und EDM-Drops zu hören. Das alles wird von Rap-/Crossover-Passagen punktuell ergänzt, die dem Album zusätzliche Dynamik verleihen. Trotz aller Weiterentwicklung bleibt «Press Start» bewusst oberflächlich – und genau darin liegt seine Stärke.

Die Band verzichtet auf Tiefgang zugunsten von maximaler Unterhaltung. Die Songs sind auf unmittelbare Wirkung ausgelegt: schnell, eingängig, visuell aufgeladen. Das funktioniert, solange man das Spiel mitspielt. Wer nach emotionaler oder musikalischer Tiefe sucht, wird hier allerdings kaum fündig. Samurai Pizza Cats schärfen ihr Profil, bündeln ihre Stärken und liefern ein Werk, das genau weiss, was es sein will – laut, verspielt und kompromisslos unterhaltsam.
Stéphanie P.


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Dienstag, 31 März 2026 04:35
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v. 10 Punkten: 8.0

Achtung, dies ist kein Metal und auch nicht mal ein Heilung Ersatz! Manche Alben versuchen durch Intensität zu beeindrucken, andere entfalten sich langsam und versetzen die Zuhörer in einen anderen Geisteszustand. «Acou», das fünfte Album des russischen Gothic Folk Ensembles MOON FAR AWAY, gehört eindeutig zur letzteren Kategorie.

Anstatt auf dramatische Crescendos oder eingängige Hooks zu setzen, konzentriert sich das Album auf Atmosphäre und Kontemplation. Es schafft eine Klangwelt, die von Ritualen, Folklore und der Faszination für die Idee geprägt ist, dass der Klang am Ursprung der Schöpfung liegt. Die Songs auf «Acou» kreisen um die Idee, dass Klang und Sprache am Ursprung der Welt stehen, und verbinden dieses Motiv mit poetischen Bildern aus Natur, Mythologie und kosmischen Zyklen. Die Texte werden überwiegend auf Russisch gesungen, teilweise ergänzt durch liturgische oder symbolische Wortfragmente.

Dadurch entsteht eine ritualhafte, philosophische Reflexion über Schöpfung, Zeit sowie die spirituelle Kraft von Klang und Worten. Bereits mit dem kurzen Eröffnungs-Stück «Acou (Prelude)» gibt das Album den zeremoniellen Ton an. Die sparsame Instrumentierung und die mehrstimmigen Gesänge vermitteln das Gefühl, ein schwach beleuchtetes Heiligtum zu betreten, in dem alte Echos in der Luft hängen. Der Titeltrack vertieft diese Stimmung mit einer hypnotischen Mischung aus Folk-Melodien, entfernten Percussion-Klängen und den feierlichen Gesängen von Count Ash und Leda.

Ihre Stimmen ergänzen sich wunderbar: Die eine ist geerdet und erzählerisch, die andere ätherisch und fast liturgisch. Auf dem gesamten Album balancieren Moon Far Away archaische Einflüsse mit subtilen modernen Akzenten aus. Tracks wie «Steel, Light, Love» und «Soulofkey» (stark) verweben akustische Instrumente, Chor-Arrangements und zarte elektronische Texturen. Das Ergebnis ist Musik, die sich sowohl uralt als auch zeitgenössisch anfühlt. Stücke wie «To Count Her Names» und «Turquoise» unterstreichen dabei die Begabung der Arkhangelsken für melancholische Melodien.

Dies derart, während «How Do The Moons Walk On Grain» weiter in experimentelles Terrain vordringt und Textur wie Stimmung gegenüber der Struktur in den Vordergrund stellt. Was «Acou» von vielen anderen Dark-Folk-Veröffentlichungen unterscheidet, ist sein Sinn für kulturelle Verwurzelung. Die Musik greift auf nordrussische Traditionen zurück, klingt aber nicht museal. Stattdessen werden diese Elemente in eine lebendige, sich entwickelnde Klanglandschaft verwandelt, die eher spirituell als nostalgisch wirkt. 

Das Anhören ist dabei weniger wie das Kredenzen eines herkömmlichen Albums, sondern eher wie die Teilnahme an einem stillen Ritual. Fans von atmosphärischem Folk, neoklassischer Musik oder Künstlern, die Spiritualität mit Sound-Design verbinden, werden dieses Werk wahrscheinlich sehr zu schätzen wissen. Es ist kein Teil für das gelegentliche Konsumieren im Hintergrund, aber für diejenigen, die bereit sind, sich auf sein meditatives Tempo einzulassen, bietet «Acou» eine zutiefst lohnende Erfahrung.
Lukas R.


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Dienstag, 31 März 2026 04:25
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v. 10 Punkten: keine Wertung

Century Media haben sich nicht nur den Back-Katalog von Edge Of Sanity vorgenommen und wiederveröffentlicht, sondern auch Alben von DAN SWANÖs jetziger Band Nightingale und nun auch das einzige Solo-Album des umtriebigen Multi-Instrumentalisten und Produzenten aus Schweden. Dieses Meisterwerk stammt aus dem Jahr 1998 und erschien nach dem Ende von Edge Of Sanity.

«Moontower» gelingt dabei das Kunststück, progressive Elemente mit dem Sound von Edge Of Sanity zu vermengen, ohne ultrakomplexes Songwriting à la Dream Theater zu bemühen. Swanö selbst beschrieb den Stil einmal als eine Art "Death Metal von 1972", was dem Ganzen erstaunlich nahe kommt. Die remasterte Version ist produktionstechnisch gelungen, und das Album klingt mitnichten nach einer 28-jährigen Aufnahme, sondern absolut zeitgemäss. Wer sich für den Kauf der CD entscheidet, wird ausserdem fürstlich belohnt, denn er bekommt dafür gleich sechzehn zusätzliche Demo-Songs serviert. Da schauen die Vinyl-Käufer leider in die Röhre.
Rönu


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Dienstag, 31 März 2026 04:15

CHALICE..., der Name sagt mir erstmal nichts, obwohl die Finnen sich bereits 2016 gegründet haben und vor sechs Jahren ihr Debüt veröffentlichten. Das mir bekannteste Mitglied ist Bassist Joni Petander, der auch bei Satan's Fall aktiv ist. Gitarrist Mikael Cristian Haavisto sowie Verneri Benjamin Pouttu (Gesang, Gitarre) waren ausserdem mal bei Ranger. Komplettiert wird das Quartett von Olli Törrönen an den Drums.

Stilistisch dürften sich Fans von In Solitude, The Night Eternal oder Manilla Road angesprochen fühlen. Der recht kauzige, melancholische Metal lässt dabei auch die eine oder andere progressive Schlagseite zu. Der flotte Opener «Dwell Of A Stellar Trance», das episch-orientalisch angehauchte «Hollow Curtain» oder auch der Longtrack «Age Ethereal» wissen zu gefallen, aber es sei auch gesagt, dass man vergebens auf Ohrwürmer und schmissige Refrains wartet.

Die Balladen «Empyrean Liturgy» und «Alioth» zeigen ein wenig das Dilemma der Band auf, denn die Songs sind zu sehr in die Länge gezogen, weshalb nach der Hälfte die Versuchung gross ist, zum nächsten Track zu springen. Gute Ansätze sind aber immer wieder zu hören, weshalb man sich «Divine Spear» ruhig mal anhören sollte. Der (erhoffte?) grosse Wurf ist das zweite Album der Nordlichter allerdings nicht geworden.
Rönu


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Montag, 30 März 2026 04:45
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v. 10 Punkten: 8.3

MALUMs «From The Voids» will nicht einladend zu wirken. Von den ersten Augenblicken an schärft das norwegische Trio seinen Sound zu etwas Kaltem, Direktem und Erstickend Stillem – ein stetiger Abstieg in etwas Dunkleres und Innerlicheres.

Das Album ist fest in den Traditionen des Black Metal der zweiten Welle verwurzelt und verbindet eisige Tremolo-Riffs, unerbittliche Blast-Beats und entfernte, gequälte Vocals. Was es jedoch auszeichnet, ist seine Zurückhaltung. Anstatt den Zuhörer mit ständiger Aggression zu überwältigen, dosieren Malum das Erlebnis sorgfältig. Die Gitarren tragen einen Grossteil der emotionalen Last und weben hypnotische Muster, die sich sowohl repetitiv, als auch weiterentwickelnd anfühlen – wie kreisende Gedanken, denen man nicht ganz entkommen kann. Tracks wie «In Gloom II» verdeutlichen diese Balance besonders gut.

Hier lässt die Band Raum zwischen der Intensität entstehen und erzeugt so eine Spannung, die sich psychologisch anfühlt. Die Produktion unterstützt diesen Ansatz: Sie ist roh genug, um die Rauheit zu bewahren, aber gleichzeitig klar genug, um der Struktur und den Klangschichten Raum zum Atmen zu geben. Nichts wirkt zufällig, jede scharfe Kante scheint bewusst platziert. Textlich und atmosphärisch lehnt sich «From The Voids» stark an existenzielle Themen an. Es entsteht das Gefühl, den Verfall zu beobachten, statt nur darauf zu reagieren.

Dadurch erhält das Album unter seiner Aggressivität einen nachdenklichen, beinah philosophischen Ton. Es geht weniger um Chaos als vielmehr darum, der Leere direkt ins Auge zu sehen. Dieses Werk verlangt Aufmerksamkeit und belohnt Geduld – insbesondere von Zuhörern, die Bands wie Mgła oder die breitere Nidrosian-Szene schätzen. Wer bereit ist, sich auf seine langsam aufkeimende Intensität einzulassen, erlebt mit From The Voids eine fokussierte und immersive Reise – düster, ja, aber auch fesselnd.
Lukas R.


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Montag, 30 März 2026 04:35
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v. 10 Punkten: 8.0

Seit dem Debüt-Album von 2021 ist «Mournbraid» bereits das dritte Album des schwedischen Trios EVERMORE. Nach einem orchestralen Intro entlädt sich ein Riff- und Double-Bass-Drum-Gewitter, dass es eine wahre Freude ist, um sich dann in einem, für Power Metal typischen, Melodiebogen aufzulösen.

Heavy Metal-Riffs, scharf und direkt knallen den Zuhörern immer wieder entgegen. Auch mit dem Einsatz von Keyboards hält man sich soweit zurück, dass sie songdienlich die richtigen Momente unterstreichen. Alles in allem hat man hier ein gutes und solides Werk erschaffen. Die Songs besitzen Dynamik, sind gut arrangiert und produziert. Mit diesen Killer-Gitarren-Riffs hebt man sich definitiv vom Power Metal Einheitsbrei ab.

Hätte man nun die Refrains und Chöre etwas abwechslungsreicher gestaltet, würde «Mournbraid» letztlich noch einen Punkt mehr abbekommen. Das sind aber auch die einzigen Momente, welche etwas zu vorhersehbar sind. Dennoch haben Evermore hier eine Super-Scheibe abgeliefert und sind auf jeden Fall eine Hörprobe wert.
Björn

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Montag, 30 März 2026 04:25
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v. 10 Punkten: 7.5

SUZI QUATRO, die unangefochtene Königin des Rock'n'Roll, ist mit ihrem neunzehnten Studio-Album «Freedom» zurück. Bekannt für ihre straighte Art, die Bass-Gitarre die fast so gross ist wie sie selbst und ihre charakteristischen Leder-Overalls.

Susan Kay Quatro ist Sängerin, Songwriterin und Musikerin aus Detroit, Michigan, die in ihren Anfängen viele Musiker beeinflusst hat. Suzi entdeckte ihre Liebe zur Musik, nachdem sie im zarten Alter von sechs Jahren einen Auftritt von Elvis gesehen hatte. 1973 veröffentlichte Suzi ihr selbstbetiteltes Album und schenkte der Welt Klassiker wie «Can The Can» oder «Devilgate Drive». Suzi kann auf eine lange und erfolgreiche Karriere zurückblicken, spürt stets den Hunger ihrer Anfangs-Tage, und ihr Sound zeigt sich nach wie vor bissig. Man braucht nicht lange in die dreizehn Songs reinzuhören um festzustellen, dass «Freedom» eine vom Blues Rock getränkte Platte ist.

Alles beginnt mit dem Titelsong. Danach rollt der Quatro-Zug unaufhaltsam in Richtung Ziellinie, die nach 47 Minuten auch erreicht wird. Ob «Little Miss Lovely» guter Wohnzimmer-Rock'n'Roll oder Gutter-Blues im Kleid von «Goin' Down» markiert, Suzi Quatro bietet ein Album, das randvoll mit Blues-Songs ist. Miss Q. gilt als waschechte Vorreiterin beim Abbau von Barrieren für Musikerinnen, und «Woman's Song» ist die Hymne für alle Frauen. Das Thema Freiheit kommt nirgendwo deutlicher zum Ausdruck als in diesem Song, der laut und stolz die Schwesternschaft verkündet.

Der "härteste Song" ist «Kick Out The Jams», ein Cover-Song von MC5, im Duett mit dem einzigartigen Alice Cooper. Wenn Suzi schimpft, hat dies schon eine Bedeutung. Der Track ist eine rasante Version des Originals, der keine Gefangenen macht. Die Nummer fügt sich perfekt in die Blues-Linie ein, die ansonsten auf diesem Album herrscht, dennoch ist sie insgesamt etwas rauer und kantiger in ihrer Produktion. Suzi und Alice haben sichtlich Spass an diesem Track, einer gnadenlosen Detroit-Kombination aus Sleaze und Attitüde.

Augenzwinkernd darf Cooper auch nochmal «School's Out» zum Besten geben, ein wirklich geiler Titel. Für die Überraschung des Albums dürfte allerdings der Raus-Schmeisser «It All Comes Down To You» sorgen. Er ist ein Bonustrack, eine Dance-Nummer, die sehr elektronisch daherkommt. Es unterscheidet sich stark vom restlichen Album-Material und ist aus meiner Sicht auch überflüssig. «Freedom», das neunzehnte Quatro-Album, ist eine raue Dosis Blues Rock, die eindrucksvoll zeigt, dass das Alter manchmal wirklich bloss eine Zahl ist.
Oliver H.

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Montag, 30 März 2026 04:15
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v. 10 Punkten: 7.0

LANSDOWNE haben die Rock- und Metal-Szene in den Jahren ihres Bestehens nicht gerade mit Alben oder anderen Veröffentlichungen überflutet. Die Bostoner Alternative Metal Combo debütierte 2011 mit «Blue Collar Revolver», und es dauerte weitere zwölf Jahre, einschliesslich einer zweijährigen Pause, bis das zweite Album «Medicine» in die Erdumlaufbahn geschossen wurde.

Dieses Album schien eine positive Entwicklung eingeleitet zu haben, denn bis zum aktuellen Werk, «Wish You Well», sind nur drei Jahre vergangen. Album Nummer drei enthält elf Songs und beginnt mit «Burn It Down», einem Hard Rock Opener mit einer guten Melody-Line. Schnell fühlt man sich an Bands wie Black Stone Cherry erinnert, die für ihren energiegeladenen Rock mit kommerziellem Touch bekannt sind. Der atmosphärische Titel «Make It A Lie» wechselt gekonnt zwischen härteren Riffs und gefühlvollen Passagen, wobei Jon Riccis Gesang das zentrale Element des Songs bildet.

«Wish You Well» ist wieder eine Platte, die strukturell einer klaren Linie folgt. Die Kombination aus härteren Gitarren-Parts und emotionalen Nuancen bildet die Grundlage jedes Songs. Trotzdem hängt die Scheibe nicht, denn Lansdowne schaffen es gekonnt, aus jedem Track ein Stück von unterhaltsamen Alternative Rock zu machen, der für ein breiteres Publikum produziert ist. «Bury Me» weicht dezent von diesem musikalischen Prinzip ab, doch der Longplayer besticht insgesamt durch vorhersehbare Grooves.

«Wish You Well» ist durchaus ein lebhaftes Rock-Album mit kraftvollem Sound, heisst der perfekte Soundtrack für eine lange Autofahrt in den sommerlichen Sonnen-Untergang, sozusagen. Gleichzeitig bietet das dritte Album des Fünfers keine unerwarteten Wendungen oder überraschenden Momente mit hohem Wiedererkennungswert. Dadurch wird «Wish You Well» im besten Fall zu einem soliden Rock-Album aus der Mainstream-Ecke. Mehr ist leider nicht drin.
Oliver H.


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Samstag, 28 März 2026 05:45

James McBain, der sympathische Schotte aus Aberdeen, ist schlichtweg ein Teufelskerl. Die hohe Hürde, die er sich mit dem Vorgänger «Warlock Grim & Withered Hags» gelegt hat, schien ihn bei den Aufnahmen zum vierten Studio-Aalbum jedenfalls nicht gestört zu haben. Anders lässt sich dieses Wahnsinns-Album von HELLRIPPER nicht erklären. Doch von vorne…

Der Opener «Hunderprest» ist eine typische Hellripper Hymne und wird live für Furore sorgen. Fast schon hektische Riffs zum Beginn, lässt der Song kaum Zeit zum Atmen und nimmt nach der Hälfte sogar noch mehr Fahrt auf. Dazu schafft es James aber immer wieder, Melodien nicht zu kurz kommen zu lassen. «Kinchyle (Goatkraft And Granite» ist eines der Highlights. Es handelt sich dabei übrigens um den Schlachtruf des McBains Clans. Der Song überrascht neben seiner Eingängigkeit mit einer clever eingebauten Akustik-Gitarren-Sequenz, welche dem Ganzen noch das I-Tüpfelchen aufsetzt.

«The Art Of Resurrection» startet mit Pianos und variiert im Tempo mehr als die beiden Songs vorher. «Baobhan Sith (Waltz Of The Damned)» setzt im Refrain tatsächlich Walzer im Blut frei und zeigt das Händchen von James für starke Song-Aufbauten eindrücklich. Natürlich wird einem auf «Coronach» auch ordentlich was in die Fresse gehauen. Was soll man bei einem Titel wie «Blakk Satanik Fvkkstorm» auch anderes erwarten? Das wird mörderische Moshpits absetzen! Nach dem melodiöseren «Sculptors Cave» und dem guten, aber weniger spektakulärem «Mortercheyn» hat sich der Mastermind als Schluss eine eindrückliche Nummer aufgespart.

Der Titeltrack beschreibt der Gesang auf schottischen Beerdigungen und entpuppt sich als ausufernder wie epischer Acht-Minüter, welchen jeden Fan von Bathory aufhorchen lassen sollte. Insgesamt bleibt McBain seinen Trademarks treu, hat diese aber geschickt durch kleine Überraschungen verfeinert. Das neuste Machwerk «Coronach» ist also das bisherige Magnus Opus von Hellripper geworden und für Fans ein absoluter Pflichtkauf, der durch das geile Artwork eh noch zusätzlich aufgewertet wird. Hammer-Scheibe: "All hail the goat!"
Rönu


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Samstag, 28 März 2026 05:35
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v. 10 Punkten: 8.0

Es ist nicht das erste Mal, dass Piet Sielck (Gesang und Gitarre) sich mit IRON SAVIOR einen Pop-Hit der Achtziger als Cover-Song vornimmt. Das war schon bei Seals «Crazy» («Condition Red») so oder bei den Eurythmics mit «Sweet Dreams» («Reforged - Ironbound») der Fall.

Nun hat sich der Hamburger für ein ganzes Werk mit solchen Interpretationen eingedeckt. Dass dabei Lieder wie dasjenige von Pia Zadora und Jermaine Jackson («When The Rain Begins To Fall»), Michael Sembello («Maniac») und a-ha mit «Take On Me» zu Ehren kommen und dabei eine richtig gute Figur abgeben, macht Laune auf mehr. Auch bei Frankie Goes To Hollywood («Relax»), Phil Collins («Against All Odds»), Journey (!) («Separate Ways»), Eurythmics («Here Comes The Rain Again»), Alphaville («Forever Young»), Blondie («Call Me») oder Real Life («Catch Me I'm Falling»), gehen die Jungs mit viel Feingefühl ans Werk.

Dabei steht der Metal aber nicht im Zentrum, sondern dass man den Spirit der Lieder hin zu einem rockigeren Gewand führt. Gespannt war ich auf «I Just Died In Your Arms Tonight» von Cutting Crew, einer Nummer, bei der man eigentlich nur verlieren kann. Die Interpretation von Iron Savior lässt sich aber mehr als nur hören. Die insgesamt siebzehn Songs (!) werden alle Rock-und Metal-Fans kennen (und begeistern), da sie das Leben eines jeden Musik-Zuhörer irgendwie begleiteten und nicht nur durch Rainbows «Since You Been Gone» den Bezug zu dieser Scheibe finden.
Tinu


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Samstag, 28 März 2026 05:25

Anscheinend haben Rich und Chris Robinson ihr Kriegsbeil für ihr neues Album mal wieder begraben. Die Herren erfinden hier nichts Neues, müssen sie aber auch nicht. Und so rocken THE BLACK CROWES wie gehabt irgendwo zwischen den Rolling Stones und Aerosmith.

Entstanden sind so eingängige Rock-Songs wie «Cruel Streak» oder «It’s Like That». «Pharmacy Chronicles» erinnert an eine ruhige, coole akustische Nummer von Neil Young. Mit einem starken Gitarren-Riff und Sound überzeugt das flotte «Do The Parasite». Klasse auch «Queen Of The B-Sides», das mit akustischer Gitarre und mehrstimmigem, gefühlvollem Gesang ohne Drums überzeugt, echt schöner Song. Auch «Eros Blues», das mit wabernden Keys beginnt, gefällt sehr gut, pendelt zwischen relaxtem Blues und härterem Refrain, die Mischung macht es aus.

Gegen Ende kommt sogar etwas Led Zeppelin Feeling auf. Düstere Atmosphäre vermittelt der letzte Track «Doomsday Doggerel». Der Mix aus ruhigen und rockigen Nummern ist hier sehr gut getroffen, hält die Spannung aufrecht und macht «A Pound Of Feathers» zu einem gewohnt erfreulichen Hörerlebnis der Black Crowes. Wie schon in der Einleitung erwähnt, wird hier nichts wirklich Neues geboten, aber das erwartet der Fan der Gebrüder Robinson ja auch nicht.
Crazy Beat


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Samstag, 28 März 2026 05:15
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v. 10 Punkten: keine Wertung

Im März veröffentlichen HUMANOIDS die EP «Deal With The Noise» mit vier Titeln. Sie spiegelt den langen Weg wider, den diese vier Musiker aus Zug seit ihren Anfängen in den späten 1980er Jahren zurückgelegt haben.

Bevor sich die Band im Jahr 2000 gründete, hatten Aldo Caviezel, Erich Güntensperger, Marc Schweiger und Philipp Muchenberger mit Bands wie Jimmy Bastard und Die Cadizier bereits ihre Spuren in der Schweizer Underground-Szene hinterlassen. Diese Geschichte ist in der Selbstsicherheit des Spiels und der Geduld der Arrangements dieser EP zu hören – nicht auf retroartige Weise. «Fragile» beginnt in einem zurückhaltenden, fast grüblerischen Register.

Die dunklere Klangpalette lässt Raum für subtile Dynamikwechsel und die Band widersteht der Versuchung, auf einen Höhepunkt zuzusteuern. Die Spannung steigt allmählich, angetrieben eher durch die Textur als durch die reine Lautstärke. Dies erinnert an die atmosphärische Disziplin von Acts wie Amplifier, bleibt aber dennoch im organischen Zusammenspiel von Humanoids verankert. Mit «News» intensiviert die EP ihren Einfluss. Die Rhythmus-Gruppe tritt in den Vordergrund, die Gitarren klingen heller und der Track vermittelt eine unruhige Dringlichkeit.

In seinem Drive finden sich Anklänge an Queens Of The Stone Age, doch der Groove wirkt weniger prahlerisch, sondern straff – direkt und fokussiert. «Stuntman» ist das längste und umfangreichste Stück. Es entfaltet sich in Etappen und verlagert das Gewicht zwischen Riff, Groove und vielschichtigen Details. Anstatt sich auf Wiederholungen zu verlassen, verändert die Band subtil Texturen und Dynamik. So wird die Spannung während der gesamten Spielzeit aufrechterhalten. Der abschliessende Track «Swarm» ist kompakt und druckvoll.

Er ist dicht, aber kontrolliert und lebt von rhythmischer Beharrlichkeit und kollektiver Präzision – dem Sound einer Band, die Jahre damit verbracht hat, ihre interne Chemie zu verfeinern. «Deal With The Noise» lässt sich am besten bei hoher Lautstärke erleben (siehe Titel der EP). Am 07. März 2026 wird der Autor dieser Zeilen Humanoids live als Special Guests von The Young Gods im Kulturzentrum Galvanik in Zug erleben – ein Zusammentreffen von Schweizer Intensität über Generationen hinweg.
Lukas R.


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Freitag, 27 März 2026 03:45

So langsam mausert sich das deutsche Label High Roller Records zu meinem Favoriten. Eigentlich kein Wunder, wenn man bedenkt dass hier Truppen wie Speed Queen, Aquilla, Sintage, Wings Of Steel, Helvetets Port, Cloven Hoof, Ironflame oder Creatures unter Vertrag stehen. Daneben gibt es da noch eine Truppe namens KERRIGAN aus Freiburg im Breisgau, welche 2023 mit «Bloodmoon» bereits eine sensationelle Scheibe veröffentlicht haben.

Eigentlich nur als Side Projekt zu ihrer Hauptband Lone Wanderer gegründet, wurden Kerrigan vom Erfolg selber überrascht. Jetzt schiebt man also den Nachfolger «Wayfarer» nach, und diese Scheibe wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dafür sorgen, dass die "Keep It True" Anhängerschaft Schnapp-Atmung kriegt. Alleine schon Sänger Jonas Weber jagt mir mit seinem Gesang eine Hühnerhaut nach der anderen den Rücken hinunter, und das Songwriting wie die Melodien sind einfach nur unfassbar gut.

«Torchbearer» eröffnet den Reigen dieser unvergesslichen Hymnen. Umgehend fällt auf dass Kerrigan, im Gegensatz zu vielen Bands, auch viel Wert auf melodiöse Strophen legen und nicht ihre ganze Arbeit nur in einen eingängigen Refrain setzen, wobei das nicht ausschliesst, dass dieser nicht packend ist. Das folgende, schnellere «Asylum» geht ebenso ins Ohr wie der Opener, doch mit der Single «The Ice Witch» haben sich Kerrigan gar selbst übertroffen. Das klingt nach den goldenen Achtzigern, natürlich nach der NWOBHM, und der Song transportiert dieses Gefühl direkt in dieses Jahrtausend.

Den Refrain kriege ich seit Tagen nicht aus den Ohren – «Surrender» holt mich ebenfalls schon vom ersten Ton ab. Hier sind, trotz deutlichem Speed Metal Grundgerüst, auch die Einflüsse von 80er Hard Rock zu hören. Der Titeltrack ist hält das Niveau locker, und was fehlt denn dann noch? Ach ja, ein vor Klischees triefender Heavy Metal Lob-gesang. «Blood And Steel» stillt den Hunger, bevor es mit «Dystopia» wieder etwas ernster und düsterer wird. Wohl dem, der eine Single an zweitletzter Stelle des Album platzieren kann, denn mit «Fighter» holen Kerrigan nochmals zum Rundumschlag aus, fetter Refrain inklusive.

Als Abschluss wird es mit «Red Light Tower» wiederum etwas epischer und komplexer, aber alles immer noch absolut stimmig zum Rest der Scheibe komponiert. Die Baden-Württemberger haben es also geschafft, denn «Wayfarer» ist tatsächlich noch mal eine Ecke besser als der schon starke Vorgänger. Was bitteschön ist das denn für ein Jahr? Wir haben erst einen Viertel vorbei und Bands wie Hellripper, Triumpher, Greyhawk, Leatherhead, Tailgunner, Kreator, Megadeth und nun eben Kerrigan liefern solche Götter-Alben ab. Wahnsinn!
Rönu


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Freitag, 27 März 2026 03:35
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v. 10 Punkten: 8.5

Das aktuelle Titelbild und auch die bisherigen Alben von CHEZ KANE versprechen energiegeladenen Rock, etwas Hair Metal, respektive Hard Rock à la Poison und das Ganze gepaart mit etwas Aerobic Look and Feel.

Schon beim Opener «Reckless» wird klar, dass genau auch das geliefert wird. Bei «Personal Rock n'Roll» geht das Tempo anschliessend noch etwas höher und der Sound bringt ansteckend gute Laune mit sich. «Night Of Passion» lässt es darauf wieder etwas langsamer zu Gange gehen und erinnert mich an Pat Benatar. Weiter geht es mit «Strip Me Down – besitzt die Pace vom «Rocky IV» oder «Top Gun» Soundtrack. Auch die übrigen Songs bedienen dasselbe Gute-Laune-Musik Muster, somit ein Album, das man von Anfang an bis zum Schluss durchhören kann.

Ist keine komplexe oder hochstehende Geschichte, sondern eher eines dieser Schwarz-Weiss-Alben – heisst entweder genau Euer Ding (meins ist es) oder Ihr werdet es unbeachtet links liegen lassen. Wer Musik aus den 80ern mag, sollte hier zwingend mal reinhören. Ich freu mich auf jeden Fall sehr darauf, wenn mein vorbestelltes Vinyl vor meiner Haustüre liegt. Anspiel-Tipps sind «Reckless», «Strip Me Down» oder «Love Tornado».
Hansruedi W.


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Freitag, 27 März 2026 03:25

Nach den letzten paar Alben die ich gehört und bewertet habe, dachte ich schon ich sei zu alt, zu wählerisch oder sonst was für neue Musik. Aber so kurz vor Feierabend schreibe ich die letzten Mails des Tages zu einem coolen neuen Album. «My Kingdom Come» von TIMELESS RAGE ist dabei eine positive Überraschung.

Schon der Opener und Titeltrack gefällt mir sehr gut. Der Tempo, Melodie, Gesang, alles passt gut zusammen. Auch beim nachfolgenden «The Seed of Fear» beeindruckt mich der Gesang von Nicolaj - der Song besitzt einen Touch des dunklen Orients. «A Vampire's Legacy» ist ein weiterer Song der sehr ansprechend ist – kraftvoll und stark gesungen.

Bei «Regrets» geht es zwar nur gut eine Minute, dafür gefühlvoll zu Werke, eine gute Überleitung zum nächsten Track. die letzten Noten vom abschliessenden «The Pale Death», der letzten Nummer, sind grad verklungen. Für mich zeigt sich «My Kingdom Come» als gelungenes Werk, das gut von Anfang an bis zum Ende hin durchgehört werden kann.
Hansruedi W.


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Freitag, 27 März 2026 03:15
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v. 10 Punkten: 8.0

Wenn man einen Sänger wie Nils Patrick Johansson (Astral Doors) in den eigenen Reihen stehen hat, kann man damit nur gewinnen. Das kräftige Organ des Schweden erinnert bei LION'S SHARE immer wieder an einen jüngeren Ronnie James Dio und besitzt diese Bissigkeit, die nur sehr wenige Sänger ans Tageslicht bringen.

Zusammen mit Bandgründer Lars Chriss (Gitarre) kommt die siebte Scheibe mit viel Schmackes aus den Boxen. Klar dominieren die Riffs und Solos, wie auch der Gesang. «We Are What We Are» ist eine Mitsing-Hynme, die mit einer deutlich schwedischen Prägung begeistert. Ebenso das Yngwie Malmsteen Riff bei «We Will Rock», ein Song der frappant an «We Rock» von Dio erinnert. Auch das folgende «The Lion's Tail» hätte seinen Platz auf Dios «The Last In Line» gefunden.

Das furiose «Chain Cild» überzeugt ebenso wie «Another Desire» oder das bösartige und schwerfällige «Run For Your Life» (guter Ratschlag). Was den Jungs allerdings fehlt, ist nun eine geeignete Support -Tour für eine bekannte Truppe und dass die verspielten Parts ab und zu ein bisschen "runder" gestaltet werden. Ansonsten darf man «Inferno» vorbehaltlos empfehlen.
Tinu


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Donnerstag, 26 März 2026 03:45
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v. 10 Punkten: 8.6

Im Kern von «Guerre Et Paix» liegt eine stille Trotzhaltung. Es ist nicht die offensichtliche Art - keine übertriebene Theatralik, kein verzweifelter Wettlauf in Richtung Extrem – sondern etwas Beherrschteres, beinahe Asketisches, was uns VIA DOLORIS da bieten.

Gildas Le Pape nähert sich dem Black Metal nicht als Ventil für Chaos, sondern als Disziplin, als Raum, in dem Emotionen verfeinert statt entfesselt werden. Allein das hebt Via Doloris von anderen ab. Musikalisch setzt das Album mit ungewöhnlicher Überzeugung auf Melodie. Die Gitarren-Arbeit schmückt die Songs nicht nur, sondern trägt sie und kehrt in geduldigen, sich entwickelnden Mustern zu sich selbst zurück.

Diese Motive wirken wie vertonte Gedanken: Sie kehren zurück, wandeln sich und vertiefen sich. Selbst bei höheren Tempi vermeidet die Musik Raserei um ihrer selbst willen. Stattdessen atmet sie. Hier herrscht ein Gespür für das Tempo, das beinahe architektonisch anmutet, als wäre jeder Track sorgfältig konstruiert, um die Hörer durch eine innere Landschaft zu führen, statt sie zu überwältigen.

Frosts Schlagzeugspiel spielt dabei eine wichtige, wenn auch eher zurückhaltende Rolle. Anstatt zu dominieren, verankert es die Kompositionen und lässt die Gitarren und die Atmosphäre im Fokus bleiben. Diese Entscheidung unterstreicht den introspektiven Charakter des Albums. Ebenso sorgt der Einsatz mehrerer Sprachen eher für Textur als für Neuartigkeit: Jeder Sprachwechsel verändert das emotionale Gewicht einer Passage auf subtile Weise.

Am überraschendsten ist, wie intim sich das Ganze anfühlt. Trotz seiner Wurzeln im nordischen Black Metal strebt «Guerre Et Paix» selten nach Grandiosität. Selbst seine längsten Momente entfalten sich eher wie private Rituale als wie epische Erklärungen. Das macht es besonders lohnenswert für Zuhörer, die Geduld und Nuancen gegenüber unmittelbarer Wirkung schätzen.

Es ist kein makelloses Werk - dem Gesang fehlt der Dynamik-Umfang, den die Musik zu erfordern scheint - aber die Gesamtvision ist auffallend kohärent. Dies ist ein Werk, das zum wiederholten Anhören einlädt und seine Tiefe nur langsam offenbart. Für diejenigen, die bereit sind, sich auf seine Bedingungen einzulassen, bieten Via Doloris etwas Seltenes: Black Metal der flüstert, reflektiert und nachhallt. Wenn es nur die Musik betrifft würde ich wohl eine neun und mehr vergeben, aber die Stimme ist zumindest für mich nicht immer so cool, darum verbleibt ein bisschen weniger.
Lukas R.


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Donnerstag, 26 März 2026 03:35

Die Psycho-Proggies KALEIDOBOLT aus Finnland beehren uns hier mit ihrem fünften Album und veranstalten dabei ganz schön viel Lärm. Schon die beiden ersten Tracks «Tinkerbell» und «Lights On Nobody Home» überzeugen mit harten Gitarren, treibendem Bass und agilen Drums.

Das Trio streut immer wieder Progressive-Teile in ihre Musik ein. Vor allem die Drums explodieren dabei regelrecht bei den Songs der Truppe aus dem hohen Norden. Gut zu hören bei «Astro Boy / Ochanomizu». Bei «Duuude» dominiert ein schweres, tiefes Gitarren-Riff sowie fette Drums. «Friends Of Fire» drückt mit einer grossen Portion Motörhead aus den Boxen, zumindest teilweise.

Die Finnen wechseln gekonnt zwischen vielen Stimmungen während der einzelnen Songs. Das macht das Ganze interessant und «Karakuchi» somit zu einem zu einem kraftvollen Psychedelic Rock Abenteuer mit eingestreuten Progressive-Elementen. Treibende Grooves, fette Drums und interessante Gesangs-Melodien greifen ineinander und machen die acht Songs zu einem echt starken Hörerlebnis.
Crazy Beat


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Donnerstag, 26 März 2026 03:25
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v. 10 Punkten: keine Wertung

2021 wurden VENTHIAX von Wendy Juneström in Jönköping gegründet. Die Bassistin führt übrigens auch ein eigenes Oldschool Thrash Fanzine namens "Black Pages". Was liegt da also näher, als zusammen mit Viggo Heinonen (Gitarre) und Drummer / Sänger Emil Borg eine Thrash Band auf die Beine zu stellen? Inspirationen fand Wendy in Truppen wie Sodom, Nifelheim, Celtic Frost, Death oder Agent Steel.

Nimmt man die Schnittmenge, erhält man einen ziemlich guten Anhaltspunkt wie Venthiax klingen. «Rites Of Ra» ist bereits die zweite EP, daneben hat man bereits zwei Live-Mitschnitte in Eigenregie veröffentlicht, was ziemlich einzigartig sein dürfen. Alte Schule ist dabei nicht nur die Musik, auch die Produktion ist eigentlich nicht mehr up to date. Das furiose Instrumental «Warfare» gibt die Richtung vor, denn der Titeltrack geht ab wie ein tollwütiges Tier. Sänger Emil Stimme ist ebenso brutal wie die messerscharfen Riffs von Viggo.

«Infernal Demise» geht in Sachen Tempo keinen Deut vom Gas, und der nächste Song hält was der Name verspricht, nämlich «Speed Metal Mayhem». Wer abwechslungsreiche, innovative oder gar bahnbrechende Songs erwartet, wird enttäuscht sein. Das hier sind einfach zwanzig Minuten Hochgeschwindigkeits-Thrash mit schwarz angehauchten Vocals. Das wird seine Liebhaber finden, aber – so ehrlich muss man sein – da gibt es in Sachen Thrash doch dutzende an besseren Bands auf dem Markt. Einen gewissen Charme kann man «Rites Of Ra» aber definitiv nicht absprechen.
Rönu


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Donnerstag, 26 März 2026 03:15

Italien hat ja sehr viele, erfolgreiche Künstler im Bereich der härteren Gangart hervorgebracht. Nun, DVM SPIRO (ja, die schreiben sich effektiv so - muss wohl mit Originalität zu tun haben) haben sich auf dem zweiten Longplayer dem Genre Doom Metal verschrieben.

Das aber mit atmosphärischen Zwischentönen, alles sehr in die Länge gezogen und dementsprechend anstrengend, wenn man sich nicht von Anfang an dieser Gangart verschrieben hat. Schön ist dafür, dass man sich der italienischen Sprache bedient, das sorgt für Authentizität. Generell bleibt aber festzuhalten, dass die Jungs und das Mädel eher Nischenmusik produzieren und dementsprechend nur in einem kleinen Kreis Anklang finden werden. Wer November's Doom auf Baldrian sucht, dürfte hierbei, also auf  «MMXXVI - Grave», fündig werden.
Toby S.


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Mittwoch, 25 März 2026 03:45

Schon der Opener «Fallen» zeigt die Richtung der deutschen Power-Proggies ASSIGNMENT an. Kraftvolle Riffs, treibende Drums und ein grossartiger Gesang von Diego Valdez, der mit seiner Power-Stimme oft an Robin McAuley erinnert. Man wartet mit viel Melodie, gepaart mit Härte, auf, klasse Einstieg in ein wirklich starkes Album.

Auch «Nothing To Say» lebt von der Dynamik, mal ruhiger, mal episch, dann wieder treibend, echt cool, was die Deutschen hier abliefern. Hier sind nicht nur spielerisch Top-Musiker am Werk, sondern auch das Songwriting mag zu überzeugen. Interessant, wie hier spielerisch diverse Stimmungen, Tempi, Härte und Gefühlvolles ineinander greifen. Gutes Beispiel dafür ist das sieben Minuten lange «The Tower», ein wahrlich gelungener Progressive-Song. Die Midtempo-Nummer «Selling My Soul» lebt von einem starken Refrain, der schnell hängenbleibt, dazwischen ein kurzer Instrumental-Abschnitt, bevor Diego Valdez wieder mit seiner mächtigen Stimme übernimmt.

Beim finalen «The Curtain Falls» zeigen die Musiker nochmals ihre Bandbreite zwischen Progressive und Power Metal, da passt einfach alles zusammen. Zudem wird das Ganze natürlich noch perfektioniert durch Diego Valdez. Stimmlich kann man da locker mithalten mit Top-Sängern wie Ronnie Romero oder auch Oliver Hartmann. «With The End Comes Silence» ist ein grossartiges Werk, das ganz oben in der Szene mithalten kann.
Crazy Beat


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Mittwoch, 25 März 2026 03:35

Zwei Jahre nach dem ersten Teil, erzählen die Finnen METAL DE FACTO zum zweiten Mal Geschichten aus dem Land der aufgehenden Sonne. Auf die Jungs aufmerksam wurde ich vor einigen Jahren, vor allem aufgrund der Tatsache, dass Sami Hinkka (Ensiferum) hier den Bass zupft.

Dass man ausserdem trotz Keyboard getränktem Power Metal nach wie vor nicht auf Härte verzichten muss, dafür sorgen hier die beiden Gitarristen Esa Orjatsalo (Bloody Hell) und Mikko Salovaara (Daimonic). Ebenfalls erfreulich, dass bei Metal de Facto noch ein Keyboarder engagiert ist, etwas dass mich in letzter Zeit extrem negativ aufgefallen ist (nicht wahr Beast in Black oder Induction?). Natürlich werden Melodien nach wie vor gross geschrieben. Ungewöhnlich ist allerdings, das man gleich mit einer achtminütigen Nummer daherkommt..

«Sengakuji» startet mit einer japanischen Sprechstimme und asiatischem Flair, entwickelt sich aber schnell zu einer Power Metal Nummer mit Hard Rock Einflüssen. «Across The Milky Way» ist dann eher was für die Battle Beast Fraktion, catchy wie Hölle und trotzdem haben die Gitarren noch genug Luft. Wer Stratovarius mag, bekommt mit ICE-Titeln wie «Gojira», «Fury And Beauty» oder «Pen Is Mightier Than Sword» ebenfalls etwas geboten.

Die beiden Balladen «The Wanderers Truth» und «Lighter Than A Feather» sorgen für Abwechslung hätten aber der Struktur wegen, etwas anders platziert werden können. Klingt eigentlich alles gut, allerdings soll nicht verschwiegen werden, dass mir der erste Teil besser gefallen hat. Die Refrains, die Hooks und das Songwriting waren auf dem Vorgänger gelungener, aber es ist natürlich trotzdem ein gutes Power Metal Album und dürfte Fans von Bloodbound, Stratovarius, Battle Beast oder Sonata Arctica ziemlich glücklich machen.
Rönu


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Mittwoch, 25 März 2026 03:25
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v. 10 Punkten: keine Wertung

Nach den full-length Outputs «Illusions» (2022) und «Mysteria» (2024) präsentiert uns die Deutsche AOR-Formation VIOLET mit «Silhouettes» nun eine EP. Die in der legendären Rockfabrik in Ludwigsburg entstandene Band konnte in einschlägigen Kreisen mit den ersten beiden Scheiben auf ganzer Linie überzeugen und sorgte bei Genre-Freaks, sprich Fans von Toto oder Heart für Freudensprünge.

Nun folgt ein Nachschlag mit acht Tracks. Bei den ersten drei Titeln («Set Me Free», «Dangerous You», «Somewhere, Somehow») handelt es sich um brandneues Material. «Calling For You» wurde bisher nur digital Veröffentlicht. «Arms Around», «Sex In Harmonie» und «Blame It On The Night» sind Live-Aufnahmen der "Mysteria Release Party". Zu guter Letzt wurde noch eine Demo-Version des Bandklassikers «Fall In Love» ans Ende der Platte gestellt.

Auch auf diesem Rundling punktet die 2019 gegründete Truppe mit feinsten AOR-Klängen, unwiderstehlichen 80er-Querverweisen sowie ungezwungenem Pop-Appeal. Durch die versierten Vocals von Frontfrau Jamie Beckham sind dezente Parallelen zu Robin Beck oder Belinda Carlisle nicht von der Hand zu weisen. Insgesamt brilliert man mit erstklassigen Melodien und entsprechend starken Songs, die einen käuflichen Erwerb von «Silhouettes» jederzeit rechtfertigen.
Chris C.


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Mittwoch, 25 März 2026 03:15
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v. 10 Punkten: 5.5

Irland und Black Metal? Ist mir zumindest neu, aber ja, wo haben die Schwarzwurzeln sich nicht festgesetzt. Im Grunde genommen spielt man sich bei COSCRADH durch die Tracks hindurch, als wäre der Deibel persönlich hinter den Jungs her. Oder auch nicht, denn das wäre dann ja positiv.

Nun, soundmässig bewegt man sich in der Schnittmenge zwischen schwarzmetallischer Raserei und melodischen Frickeleien, die irgendwie an uralten Heavy Metal erinnern. Da drängen sich Vergleiche zu Bands wie Satyricon, Emperor, Morbid Angel und Angelcorpse auf. Mehr gibt es eigentlich nicht zu schreiben, denn das Material, so ordentlich produziert es auch daherkommt, ist leider auch sehr generisch, Abwechslung ist zwar vorhanden, aber nicht in genügendem Ausmasse, als dass man effektiv die Songs gut voneinander unterscheiden könnte. Fazit: Für Genre-Freaks und Alles-Sammler. Geschmackssache!
Toby S.

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Dienstag, 24 März 2026 03:45

Die deutschsingenden Industrial Metaller SCHATTENMANN liefern einmal mehr Qualität ab. «Endgegner» schliesst eindrücklich an seine Vorgänger an und setzt damit die musikalische Offenheit fort. Diese besteht aus Rock, Industrial Metal und einem Pop-Flair, das für Eingängigkeit sorgt.

Bestes Beispiel dafür ist «Einen Scheiss muss ich», das bewusst mit verschiedenen Härtergraden spielt. Episch wird es bei «Wir sind das Ende der Welt», während «Kein Kommando» fröhlich durch die Gegend brettert. Und wer etwas Ballermann-Atmosphäre erträgt, wird bei «Schna-na-naps» glücklich – wohl ein garantierter Live-Hit, der streng genommen das Saufen verherrlicht. Ob man das gut finden soll, darf jeder für sich selber entscheiden. Sehr deutlich im Industrial Metal wildert «Alter Ego».

«Gelegenheit macht Liebe» fasst nochmals sämtliche Stärken der Band zusammen, wobei man textlich teilweise etwas kitschig wird. Es ist aber wohl genau dieses Spannungsfeld aus mal tiefsinnigen, dann wieder prolligen bis platten Texten, welche Schattenmann so reizvoll machen. Das widerspiegelt die Band auch auf dem Album-Cover. Hier sind die Verkleidungen der Schattenmann-Musiker zu sehen.

Dabei ist man nicht sicher, ob die Band diesen Look zwischen Zebra, Prolo-Pilot, Geist und Punk wirklich ernst meint. Etwas ausgefallen ist es auf jeden Fall. Betrachtet man ausschliesslich die Musik, hört man auf «Endgegner» eine Band die sehr genau weiss, wie sie sich auf dem schmalen Grat zwischen Eingängigkeit und Härte bewegen muss. Somit ist das neue Album ein ständiger Seiltanz – und das in verschiedenen Hinsichten, wobei die Band niemals in die eine Richtung abstürzt. Sehr gut!
Roger W.


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Dienstag, 24 März 2026 03:35

Die Geschichte der Chilenen BURNING PATH ist dramatisch. Es handelt sich hierbei nämlich um die Nachfolge-Band von Lucifer's Hammer, die sich nach dem Mord an Andrés Adasme auflösten. Dessen Bruder Rodrigo und der Gitarrist Sebastian Inzunza machen nun gemeinsam mit einer neuen Band weiter und versuchen so das Erbe von Hades (so der Künstlername des Verstorbenen) weiter am Leben zu halten.

Dabei haben sich die Südamerikaner von vielen verschiedenen Bands inspirieren lassen: Dokken, Europe, Diamond Head oder Virgin Steele sind nur einige der Namen, welche Einfluss auf das Duo ausübten. Auf jeden Fall klingt das Album tatsächlich so, als wäre es in den Achtzigern aufgenommen wurden. Die glasklare Stimme von Titan (alias Rodrigo) erinnert an neue Bands wie Amethyst oder Century und passt gut zur Mucke, auch wenn es weitaus bessere Sänger auf diesem Planeten gibt.

«Chasing The Future» ist Metal pur, mit starken Solos, während das folgende «Another Day» deutlich mehr Glam-Glanz versprüht. Als Highlight entpuppt sich, nach mehrmaligem Anhören, «Take Me High», wo es tatsächlich wie ein Song von Def Leppards «Pyromania» klingt, allerdings mit schwächerem Gesang. Das Debüt reiht sich nahtlos in die Dying Victims Veröffentlichungen ein. Sympathische Jungs mit viel Elan, die den Spirit der Achtziger in die Zukunft tragen möchten. Das gelingt phasenweise, aber am Schluss verbleiben leider auch keine grossen Ausreisser nach oben.
Rönu

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Dienstag, 24 März 2026 03:25
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v. 10 Punkten: keine Wertung

Wer mit der Gründung des schwedischen Death Metals vertraut ist, der dürfte erkannt haben, dass «Hating Life» auch der knallharte Demo-Klassiker von Grave war. Wenn eine neue Band die Fahne des Oldschool Death Metals also hochhält, darf auch erwartet werden, dass es sich um denselben HM-2 getränkten und heruntergestimmten Todesbrei handelt? Grundsätzlich ja, aber mit Einschränkungen!

Hinter HATING LIFE stehen nämlich keine jungen Neulinge, sondern Santiago Cavero (Gitarren, Bass, Schlagzeug, Klavier), Gründungsmitglied von Ataraxy, einer der angesehensten DM-Kapellen Spaniens (seit 2008) und Sänger Javier Manzano. Das Ganze war eine spontane Jam-Session, die alsbald grossartige Riffs, Melodien und jede Menge weitere Ideen hervorbrachte. Die sechs Tracks auf dem Debüt sind faulig und roh, und auch die offensichtliche Anspielung auf Grave, zumal der Opener noch «Into The Grave» heisst, wird nicht geleugnet. «Revenge From Beyond» kann als Hommage oder als Absichtserklärung gehandelt werden.

Während Cavero alle Instrumente selbst spielt, kümmert sich Manzano, ebenfalls Ataraxy-Kollege, um Text und Gesang. «Revenge From Beyond» wurde völlig in Eigenregie zwischen Heimstudio und dem Proberaum aufgenommen, um so natürlich wie möglich zu klingen. Bevor man sich jetzt darüber beschwert, dass Hating Life blind kopieren oder so tun, als wäre es wieder 1991, muss man der Tatsache offen ins Auge blicken, dass das Duo keineswegs in der Zeit zurückreist. Obwohl die musikalischen Haupteinflüsse klar in den späten 80ern und frühen 90ern liegen, gibt es durchaus aktuelle Bands, die sie in gewisser Weise beeinflussen.

Auch wenn die frischen Elemente einen vielleicht nicht gerade beim ersten Hördurchgang anspringen, sind sie doch da. Sollte man die Neuerungen trotz gutem Willen nicht erkennen, so kann man sich zumindest darüber freuen, dass von «The Eternal Embrace» bis «The Sense Of Fear» eine Death Metal Band noch so klingt, wie sie eben klingen soll. Diese zwei Typen begeistern sich für einen Sound, der Tod, menschliche Barbarei und Gewalt in sich vereint und geben alles im Namen des Death Metal!
Oliver H.


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Dienstag, 24 März 2026 03:15
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v. 10 Punkten: 7.0

Cheffe – warum gibst du mir diese Platte von THE GUILT? Ich bin kein Tänzer. Ich habe nie auf dem Neue-Welle-Planeten gelebt. Der Pressetext spricht von Punk, aber ich höre den Neon-Geist von Ideal und Nina Hagen oder auch Siouxsie And The Banshees (ohne deren Klasse auch nur im geringsten zu erreichen), der sich mit Plastik Sicherheitsnadeln ins Jahr 2026 zigzacken.

Live? Ja, Schweiss, Lichter, schreiende Fremde, perfektes Chaos, ruckartig & nervös. Aber zu Hause? Wann soll ich das Ding überhaupt spielen? Im Auto? Nein. Unfall garantiert. Schlafen – unmöglich. Das Gehirn ist zu wach. Arbeit – ja, vielleicht. Wenn ich schräge Ideen, Querdenken und kreative Fehlfunktionen brauche. Sonst ist es unklar. Wenn Ihr trotzdem beim Tanz-Ritual der nackten Ratte mitmachen möchtet..., bitte! Die schuligen Damen wuseln bald in den Schweizer Gewölben herum. 06.05.26, St. Gallen, Bahnhof Bruggen als auch 07.05.26, Bern, Rössli. Und genau diese Verwirrung ist der springende Punkt von «Naked Rat Dance».

Das schwedische Duo The Guilt agiert in einer seltsamen zeitlichen Blase, in der Electroclash, Art-Punk und Goth-Attitüde den modernen Minimalismus nie kennengelernt haben. Anstelle einer glatten Produktion ist hier alles übertrieben: Drum-Machines stampfen wie schwere Stiefel auf Metall-Treppen, Gitarren schneiden mit nervösen Ausbrüchen und Synthesizer summen mit absichtlicher Dummheit – nicht poliert, aber ausdrucksstark. Die Platte jagt nicht nach Coolness, sondern umarmt theatralische Unbeholfenheit. Im Gegensatz zu den meisten Electropunk-Bands, die auf ironische Distanzierung abzielen, klingen The Guilt emotional überhitzt.

Jeder Track fühlt sich an wie ein dramatischer Monolog, der über eine Tanzfläche geschrien wird. Die Melodien wirken für einen Moment eingängig, sabotieren sich dann aber selbst mit Verzerrungen, als würde Aufrichtigkeit unangenehm werden und wieder aufgekratzt werden müssen. Wer sollte sie sich anhören? Alle, die perfekte Playlists und algorithmische Glätte satt haben. Fans von Persönlichkeit, Spannung und chaotischer Menschlichkeit werden hier ihren Wert finden. Wer Hintergrundmusik sucht, wird nach wenigen Minuten davonlaufen. Man wird das nicht jeden Tag hören wollen, Aber wenn der innere Rattus norvegicus erwacht, passt es vielleicht.
Lukas R.

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Montag, 23 März 2026 03:45
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v. 10 Punkten: 7.5

Das zweite Album der "geschassten" Donnermütter kommt bedeutend mehr auf den Punkt als das eher "farblose" Debüt-Album «Phoenix». Was noch immer auffällt ist, dass Mona Lindgren sicherlich eine gute Gitarristin ist, aber mit den kernigen Riffs von Filippa (Thundermother) noch immer nicht konkurrenzieren kann.

Das ist aber auch der einzige Kritikpunkt, den sich THE GEMS um Monster-Sängerin Guernica Mancini gefallen lassen müssen. Ansonsten gehen sie mit dem zweiten Album mehr auf Songs ein, die mit grossen Refrains («Gravity») für grosse Stadien sind. Wie es schon bei Van Halen oder KISS der Fall war. Böse Zungen behaupten nun, dass Thundermother den Weg in Richtung Stadion Rock mit ihrem letzten Album auch gegangen sind.

Anyway, die Stimme von Guernica erklingt kernig («Diamond In The Rough»), die Melodien («Clout Chaser») animieren zum Mitsingen, während «Hot Bait» der kleine Bruder oder die kleine Schwester von «Hot For Teacher» (Van Halen) ist. Mit Schmackes erklingen «Firebirth» wie auch «Happy Water». «Year Of The Snake» ist sicherlich eine Steigerung zum Vorgänger geworden, hat mit seinen Refrains viel Boden gut gemacht, lässt aber den grossen Hit (noch) vermissen. Schauen wir also mal, was die Ladies auf Tour (Oberentfelden - 27.03.26) entfachen können und wie sich ihre Karriere sich weiterentwickelt.
Tinu


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Montag, 23 März 2026 03:35
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v. 10 Punkten: keine Wertung

Es gibt eine Sache, über die sich nie alle einig sind: Live-Alben! Konzerte sind für Musiker und Fans gleichermassen eine runde Sache, denn jede Show ist ein ganz besonderes und persönliches Erlebnis, mit einer manchmal magischen Performance. Diese Momente lassen sich kaum rein klanglich einfangen. Man muss dabei sein, um es zu fühlen, wie bei PRONG.

Dennoch wird es immer wieder gemacht, die Aufzeichnung für die Nachwelt. Die amerikanischen Groove-Metaller haben die Shows, die Teil der Jubiläums-Tournee, zur Feier des Klassikers «Cleansing» (1994) waren, als Anlass genommen, um sie während sieben Abenden aufzuzeichnen. Mit «Live And Uncleansed» haben Gitarrist/Sänger Tommy Victor und seine Bandkollegen Christopher Dean (Bass) und Tyler Joseph (Schlagzeug) eine Platte geschaffen, die das Live-Erlebnis erstaunlicherweise gut einfängt. Elf kraftvolle Live-Songs (plus drei Bonustracks), alle pur und unverfälscht, authentisch und ehrlich, was das Hörergebnis fesselnd macht.

An manchen Stellen sind sogar Fehler zu hören, gibt Victor zu, aber die dürften wohl nur seinen Ohren bekannt sein. Nebst den «Cleansing» Tracks sind mit «Corpus Delecti» und «Inheritance» auch zwei Songs vertreten, die es vor gut dreissig Jahren nicht aufs Album geschafft haben, aber aufgenommen und abgemischt wurden. Zu den Veranstaltungsorten und Festivals, an denen die Aufnahmen für «Live And Uncleansed» entstanden sind, gehören das "Wacken Open Air", das "Alcatraz Festival" in Kortrijk, Belgien, dazwischen der legendäre "Colos-Saal" in Aschaffenburg und der "Hirsch Club" in Nürnberg. Das Cover von «Live And Uncleansed» basiert zweifellos auf dem Original-Artwork von «Cleansing», und auch die Songs sind in ihrer Härte und Rohheit nahe an der 94er-Platte gehalten.
Oliver H.

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Montag, 23 März 2026 03:25
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v. 10 Punkten: keine Wertung

Eine Entschuldigung möchte ich schon jetzt in Richtung Österreich senden, denn diese Review von VISIONS OF ATLANTIS wird nicht nur positiv ausfallen. Dabei ist das Konzept eigentlich interessant. Im Prinzip hat man es hier mit dem 2024er Album «Pirates II – Armada» in einer anderen Version zu tun, denn man hat die Gesangs-Spuren mit einer Vielzahl an Orchester-Instrumenten ersetzt. Als Flötist konnte man Sandro Friedrich gewinnen und für die Violine ist Fabio Polo von Elvenking zuständig.

Das alles klingt sehr bombastisch und birgt Potenzial für cineastische Soundtracks. Klar, ein Faible muss man dafür haben, aber Songs wie «The Land Of The Free», «Monsters» oder «Armada» haben schon auf dem regulären Album überzeugt. Doch trotzdem müssen sich Visions Of Atlantis langsam selber hinterfragen. Von 2000 bis 2016 hat die Band fünf Alben und eine EP veröffentlicht, was ich absolut in Ordnung finde. In den letzten neun Jahren kamen vier Studio-Alben, vier (!) Live Alben und zwei orchestrale Werke dazu.

So sehr ich die Band eigentlich mag, das braucht kein Mensch. Nach jedem Studio-Album ein Live-Album herauszuhauen ist völlig unnötig, und die beiden orchestralen Alben hätte man besser als "Limited Edition", zusammen mit den jeweiligen Alben veröffentlicht. In einer Zeit, in der jeden Freitag dutzende, neue Metal- Alben erscheinen, ist diese Release-Politik äusserst fragwürdig. Von einer Kaufempfehlung sind wir hier also sehr weit entfernt!
Rönu

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Montag, 23 März 2026 03:15
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v. 10 Punkten: 6.8

Was haben DREAM NAILS für eine Achterbahnfahrt durchlebt. Zwischen den Höhen ihrer positiv aufgenommenen Plattenveröffentlichung, und den Tiefen von etlichen Besetzungswechseln, haben sich die Londoner Punks auf ihre Wurzeln zurückbesonnen.

Mit einer schlichten Gitarren-Bass-Schlagzeug-Kombination kehren Anya Pearson (v/g), Lucy Katz (d) und Mimi Jasson (v/b) als Dreifach-Bedrohung mit ihrer bislang abstraktesten und künstlerischsten Phase zurück. «You Wish» lautet der Name ihrer neuen Scheibe, und die elf Tracks schüren die Flammen des Lebens in allen Bereichen. Ihre Lead-Single «This Is Water» befasst sich mit der kollektiven Identität der Menschheit und vergleicht die Hektik des Alltags mit Fischen, die in einem Gewässer schwimmen. Sie singen auch von der Betrachtung ihrer selbst in «House Of Bones», wo sie bemerken, dass sie "immer zu Hause" sind, bis hin zum Vergleich von Bildung und persönlicher Entwicklung mit technologischen Prozessen in «The Information».

Als eine Band, die stets den bescheidenen Anfängen des Punk huldigt, insbesondere dem politisch aufgeladenen Kapitel des Riot Grrrl, entdecken sie, dass es etwas Befriedigendes hat, die eigenen Gedanken und Überzeugungen in Kunst zu verwandeln. Diese Freude wird zur Leidenschaft, und Leidenschaft schafft bekanntlich die unvergesslichsten Meisterwerke. Gegen Ende des Albums findet sich der Track «Zeroes», in dem Jasson subtile Anspielungen auf das Y2K-Verschwörungs-Phänomen zur Jahrtausendwende macht.

Mit weiteren Texten, die sich auf das Unbekannte der Zukunft und die Angst vor dem Weltuntergang beziehen, scheint der Track nicht nur auf diese 26 Jahre alte Geschichte zurückzublicken, sondern auch in die Zukunft zu schauen, mit sich weiterentwickelnder Technologie und der Vorstellung von drohenden Weltuntergängen aufgrund internationaler und politischer Ereignisse. Angesichts der Veränderungen und Anpassungen, die Dream Nails in den letzten Jahren durchlaufen mussten, ist «You Wish» irgendwie ein Neuanfang für das Trio. Drei ist ihre magische Zahl, und das neue Album ist ihr Kaninchen, das nun aus dem Hut gezaubert wurde. Dream Nails haben etwas auf den Punkt gebracht, das kaum vergleichbar ist.
Oliver H.


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Samstag, 21 März 2026 05:45
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v. 10 Punkten: 8.5

Erwartet jemand vom Bochumer AXEL RUDI PELL grosse Änderungen in seinem Sound? Wahrscheinlich nicht, und trotzdem hat der neuste Streich doch seine unerwarteten Momente zu bieten. Mit dem 21. Studio-Album, zählt man die beiden «Diamonds Unlocked» sowie die sechs Balladen Sampler nicht dazu, ist Pell, einfach Axel Rudi geblieben. Letztlich also keine Überraschung.

Der flotte Einstieg («Guillotine Walk»), aber nicht der traditionell schnelle (der kommt später und heisst «Hurricane»), erzählt die Geschichte eines zum Tode Verurteilten, der sich das eigene, verpfuschte Leben bei seinem letzten Weg vor dem geistigen Auge nochmals Revue passieren lässt. Das stampfende, Accept artige «Breaking Seals» beinhaltet einen Gastauftritt von Udo Dirkschneider (U.D.O., Dirkschneider, ehemals Accept). Etwas, das in der Vergangenheit von Pell kaum Beachtung fand, sieht man mal vom Duett von Johnny Gioeli und Bonnie Tyler auf «The Ballads V» («Love's Holding On») ab.

Das bereits im Vorfeld ausgeklinkte «Ghost Town» überzeugt mit seiner flotten Art und der nach wie vor grandiosen Stimme von Johnny. Fehlen darf das sich aufbauende Element nicht, welches hier auf den Namen «The Enemy Within» getauft wurde und dank dem fulminanten Start zwischen Bass (Volker Krawczak) und den Keyboards (Ferdy Doernberg) einen schaurigen Anstrich erhält, der das Cover musikalisch bestens umsetzt.

Ebenso wenig fehlt die typische Pell-Ballade, die «Towards The Shore» getauft wurde. Grandios, wie sich hier das Klavierspiel von Ferdy wie die Stimme von Johnny optimal ergänzen und einen emotionalen Höhepunkt hinzaubern. «Ghost Town» kommt ohne Cover-Version und richtigen Long-Tracks aus. Im ersten Augenblick fehlen mir dabei die Magie einer Nummer wie «Ankhaia», oder das Hit-Potenzial von «Down On The Streets».

Ist der neuste Streich deswegen schlechter als seine Vorgänger geworden? Nein, definitiv nicht, da Axel mit einigen eigenen Trademarks bricht und das Album so spannender auf- und mehr Überraschungen einbaut. Es bleiben aber das typische Pell-Gitarren-Spiel und der Rhythmus von Bobby Rondinelli, was zum Beispiel das leicht schleppende «Higher Call» als vorzüglichen Schlusspunkt dieser Scheibe präsentiert. Somit wird «Ghost Town» keinen ARP-Fan enttäuschen.
Tinu


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Samstag, 21 März 2026 05:35

Oha, die Belgier von Acid sind zurück, heisst also genau jene Truppe, die sich mit ihrem selbstbetitelten Debüt-Album (1983) einen mehr als nur guten Namen machen konnte. Ihr Speed Metal konnte damals viele Metalheads begeistern, aber nicht verhindern, dass die Truppe nach ihrem dritten Werk «Engine Beast» (1985) in der Versenkung verschwand.

Sängerin Kate de Lombaert kommt nun mit der Weiterführung von Acid ans Tageslicht und veröffentlicht unter dem Bandnamen KATE'S ACID mit «Hellbender» ein zeitloses Metal-Werk. Gesanglich noch immer in Topform, so dass Songs wie «The Lightning Conductor» und das grossartige «Riding Out» (purer, traditioneller Metal) den Metal-Fans die Freudentränen in die Augen treiben werden. Die Truppe hat sich dem typischen 80er-Metal verschrieben und lässt, wie beim Speed-Bolzen «Do Not Burn The Witch», die Riffs aufheulen sowie bei den Solos die Saiten qualmen.

Die Rhythmus-Abteilung sorgt dabei für einen erdigen und fetten Boden, während sich Kate nach Herzenslust stimmlich verewigen kann. Auch «Valkyrie» bläst dem Zuhörer die traditionellen Wurzeln der Truppe um und in die Ohren, sprich überzeugt mit einem grandiosen Doppel-Solo. Der 6-minütige Abschluss «Air Raid» ist eine schleppende und schwerfällige Nummer, welche die neun Lieder starke Scheibe bestens beendet. Tja, wer hier nicht zugreift, ist selbst schuld. Kate's Acid haben so ziemlich alles grandios umgesetzt, was man in diesem Métier machen kann.
Tinu


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Samstag, 21 März 2026 05:25

Extreme Metal lebt oft davon, die Grenzen zwischen seinen dunkleren Subgenres zu verschieben. MAMMON'S THRONE machen diesen Ansatz zur Grundlage ihres dritten Albums «My Body To The Worms».

Die Band aus Melbourne kreiert einen Sound, der sich irgendwo zwischen vernichtendem Doom, düsteren Black Metal Texturen und der Schwere des Death Metal bewegt. Doch das Album wirkt selten wie eine mechanische Mischung verschiedener Stile. Stattdessen entfaltet es sich als bewusst gemächliche Reise durch schwere, düstere Atmosphären. Auf den sieben Tracks des Albums bevorzugt die Band langsam brennende Strukturen gegenüber sofortiger Wirkung. Die Songs dehnen sich geduldig aus, lassen Riffs atmen und Stimmungen entstehen.

Der Opener «Senseless Death» etabliert diesen Ansatz mit einer dichten Gitarren-Wand und einer Rhythmus-Gruppe, die Gewicht und Spannung in den Vordergrund stellt. Das kürzere «Clandestine Unholy Rites» fungiert als Übergangsmoment, bevor das Album tiefer in seine dunklere Klangpalette eintaucht. Tracks wie «Elixir» und «Every Day More Sickened» unterstreichen die Fähigkeit der Band, zwischen verschiedenen Gesangsstilen zu wechseln und harte Growls, entfernte Black Metal Schreie und gelegentlich klarere Passagen zu kombinieren.

Diese Kontraste tragen dazu bei, die langen Kompositionen spannend zu halten und den düsteren emotionalen Ton des Albums gleichzeitig zu verstärken. Instrumental zeichnet sich die Gitarren-Arbeit eher durch ihre vielschichtigen Texturen und allmählichen Crescendos als durch auffällige Soli aus. Später auf dem Album sorgt «An Angel's Grace» für eine anfangs noch melancholischere Atmosphäre, während sich der abschliessende Titel «Departed» von einem düsteren, beinah filmischen Anfang zu einem kraftvollen Höhepunkt entwickelt. Es ist ein passendes Finale, das das Interesse der Band an der Verschmelzung von narrativem Songwriting mit extremer Metal-Intensität widerspiegelt. 

Produktionstechnisch klingt das Album robust und ausgewogen. Den tiefen Tönen wird genügend Raum gegeben, um den Doom-Einfluss zu unterstreichen, während die Gitarren dennoch klar durchkommen. Obwohl die Songs manchmal einem ähnlichen Tempo und ähnlichen tonalen Themen folgen, wirkt sich die zusammenhängende Atmosphäre positiv auf das Album aus. «My Body To The Worms» ist kein Album, das für schnelles Anhören konzipiert ist. Es belohnt Geduld wie Vertiefung und ist daher besonders attraktiv für Fans atmosphärischen Extreme Metals, der sowohl die Stimmung, als auch die Härte betont.
Lukas R.

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Samstag, 21 März 2026 05:15
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v. 10 Punkten: 7.0

Karmen Klinc (Slowenien), Jelena Milovanovic (Serbien), Tezzi Persson (Schweden, Hell In The Club), Herma (Italien, Sick n' Beautiful) und Erina Seitllari (Albanien) sind VENUS 5 und packen ihre Songs in ein moderneres Gewand. Dass die Gesänge dabei an jene der Sirenen der griechischen Mythologie erinnern, trägt zugleich etwas Magisches und Verführerisches an sich.

Die elf Tracks besitzen durchaus ihren Charme, aber was den Songs fehlt, ist dieses "ich will sofort wieder die Repeat-Taste drücken" Feeling. «Set Me Free» ist grundsätzlich ein toller Song, der mit den ganzen Keyboard-Sounds jedoch zu überladen wirkt. Weniger wäre hier mehr gewesen und würde den perfekt aufeinander abgestimmten Stimmen mehr Raum gewähren wie Leben einhauchen. So erklingen die Sirenen eher in einem eisigkalten Gewässer, als an einem warmen Sandstrand.

Die Lieder klingen insgesamt austauschbar, und wenn die schwarz/weissen Tasten wie bei «Satelite» eher gar Dancefloor-Sounds kreieren, ist der Ofen bei mir definitiv erloschen. Da helfen auch die wunderschönen Stimmen nichts mehr. Schade, denn da wäre echt mehr drin gewesen. Für die jüngeren Fans dürfte «March Of The Venus 5» der "All-Female European Pop-Metal Sensation" dennoch ein cooles Album abwerfen. Reinhören kann an der Stelle darum nicht schaden.
Tinu

 
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