Samstag, 21. Februar 2026

Metal Factory since 1999

Freitag, 20 Februar 2026 03:45
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v. 10 Punkten: 8.1

Nach achtzehn Jahren ohne Album melden sich die Crossover-Pioniere Clawfinger lautstark zurück. «Before We All Die», so der nach Weltuntergang oder Bucketlist klingende Titel der Platte, wird über "Perception" vertrieben und ist laut, wütend, düster-humorvoll und vor allem brutal ehrlich.

Doch was kann, nach so langer Zeit, musikalisch von einer Band erwartet werden, die in den 90ern eigentlich alles erreicht hat? Nun, der Opener «Scum» ist ein verdammter Banger und rast mit Vollgas in den kühnen neuen Longplayer der Schweden hinein. Er ist mit seinen treibenden Rhythmen ein wilder, politischer Shitstorm. Der nicht weniger harte und schwere Folgetrack «Ball & Chain» nimmt mit stampfenden, verzerrten Gitarren und angstbeladenen Vocals eine düstere Wendung. «Tear You Down» taucht schliesslich noch in die Welt des Nu Metals ein, und bringt mit ironischen Texten und einem melodischen Refrain die dunkle Seite des Quintetts zum Vorschein.

Danach geht es nicht mehr ganz so brachial zur Sache. Die kühle, mechanisierte Atmosphäre von «Big Brother» nimmt die Besessenheit von künstlichem Ruhm und falscher Realität aufs Korn. Etwas feurigere Rhythmen prägen den Sound von «Linked Together», während «A Perfect Day» mit progressiven Gitarren-Melodien, Low-Fi-Beats und hellen Instrumentalschichten einen Hoffnungsschimmer in die Dunkelheit reisst und für einen drastischen Stilwechsel in der Trackliste sorgt. Der typische komödiantische Touch der Band lässt sich auf «Before We All Die» ebenfalls nicht vermissen, denn Clawfinger nehmen sich auch im fortgeschrittenen Alter nicht allzu ernst.

Die schiere Absurdität von «Going Down (Like Titanic)», eine genreübergreifende Fusion mit düsterem, aber einprägsamem Refrain fasst den zynischen Grundton des Albums zusammen. Das bluesige «A Fucking Disgrace» offenbart weitere spannende Genre-Einflüsse und ist ein persönlicher Track, der einen Blick auf Stress und jegliche Belastungen wirft. «Environmental Patients» trägt einen groovig düsteren Unterton mit sich und vermittelt die Botschaft zum Versagen der Menschheit, im Umgang mit unserem Planeten. Zak Tell & Co. beenden die 12-Songs-starke Platte mit dem gnadenlosen Titelsong «Before We All Die».

Persönlich trifft nur etwa die Hälfte aller Tracks meinen Geschmack, aber durch mehrmaliges Anhören lassen sich auch bei weniger tollen Songs weitere kleine Highlights finden. Von Umweltzerstörung und politischer Heuchelei bis hin zu persönlicher Desillusionierung und gesellschaftlichem Zusammenbruch: Clawfingers Comeback-Album «Before We All Die» führt die Band-Tradition klar fort und bringt dennoch viel Neues mit sich.
Oliver H.

 

https://www.youtube.com/embed/SCg1LKQIc18

Freitag, 20 Februar 2026 03:35

Mit «Dante» verwandelt Tobias Püschner seine Ein-Mann-Vision DAIDALOS in etwas, das einer inszenierten Reise gleicht. Es handelt sich nicht einfach um eine Sammlung von Songs, die von ‘Die Göttliche Komödie’ inspiriert sind, sondern eher um eine geführte Reise. Senke die Nadel auf das Vinyl, und du befindest dich nicht mehr ausserhalb der Geschichte, sondern wandelst an der Seite Dantes selbst in die Untiefen.

Die ersten Momente wirken bewusst ungewiss. Der Titeltrack und das folgende «Inferno» versetzen Euch in einen dunklen Wald: Orchestrale Texturen schweben noch vorsichtig, während Gitarren wie entfernte Gestalten im Nebel auftauchen. Anstatt uns sofort zu überwältigen, schafft Püschner zunächst Orientierung, um sie dann wieder zu entfernen. Mit «Ashes» und «Storm» beginnt das Album zu brodeln. Tremolo-Riffs kollidieren mit Chören, die anklagend klingen. Es wirkt, als wäre die Hölle eine Erkenntnis. Jedes Stück spiegelt eine Stufe des Abstiegs wider. «Minos» hat einen gerichtlichen Ton, rhythmisch und ritualistisch, und ruft eher ein Urteil als Chaos hervor.

«Styx» und «Gate» fungieren wie Korridore, Übergangs-Passagen, in denen die Atmosphäre dominiert und die Erzählung atmet. Das bedrückende «Dis» wird zum psychologischen Wendepunkt: Hier verdichtet sich die Orchestrierung um die Gitarren und zeigt Angst nicht als Gefühl, sondern wie ein festes Gefüge – fast wie ein Käfig, in dem alles geordnet funktioniert. Von dort aus versinkt das Album durch «Phlegethon» und «Malebolge» immer tiefer in Feuer und Fragmentierung, bis «Euphobia» eine seltene Zerbrechlichkeit einführt (grossartiger Track!). Diese deutet darauf hin, dass die grösste Qual darin bestehen könnte, die Fähigkeit zu verlieren, Freude zu empfinden. 

Schliesslich erscheint «Ultimatum» nicht als Sieg, sondern als Befreiung. Die Musik kühlt sich zu einer feierlichen, sakrale Stille ab - Dante verlässt die Hölle verändert, aber nicht erlöst. Musikalisch ist Daidalos im Bereich des symphonischen Black Metal angesiedelt, unterscheidet sich jedoch von der Bombastik der Giganten dieses Genres. Die Orchestrierung trägt oft die Erzählung, während die Gitarren sie kommentieren. Dadurch erhält das Album ein fast filmisches Tempo. Es belohnt Geduld: Track für Track gehört, beeindruckt es, aber in einer ununterbrochenen Sitzung gehört, ergibt es Sinn. 

«Dante» sollte daher am besten als eine einzige Komposition betrachtet werden – mehr als vierzig Minuten emotionale Architektur. Wenn Ihr narrative Alben, klassische Einflüsse in extremer Musik oder konzeptorientierten Metal mögt, werdet Ihr hier besonderen Gefallen finden. Es ist kein beiläufiges Hörerlebnis, sondern ein fesselndes, das es wert ist, vom ersten Schritt bis zur letzten Stille erlebt zu werden. Wenn die letzten Töne verklingen, fühlt sich die Reise ebenso vollständig an, wie Dante seine Reise durch die Dunkelheit beendet hat: "Und dann kamen wir hervor, um wieder die Sterne zu sehen. Lest mal wieder 'Die Göttliche Komödie'!"
Lukas R.

 

https://www.youtube.com/embed/hLF5LCtCYGg

Freitag, 20 Februar 2026 03:25
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v. 10 Punkten: 8.0

Nein, eigentlich ist es fast unmöglich dass CONVERGE im 35. Jahr (!) mit dem elften Album eines der besten Werke ihrer Karriere abliefern. Und doch: «Love Is Not Enough» könnte das Highlight ihrer jahrzehntelangen Reise durch den Mikrokosmos von Punk, Hardcore und Metal sein. Was Sänger Jacob Bannon, Gitarrist Kurt Ballou, Bassist Nate Newton und Schlagzeuger Ben Koller da geschaffen haben, ist ein eindringliches künstlerisches Statement über die Turbulenzen des Lebens, das ihre kollektiven Stärken bis zur Perfektion verfeinert.

Seit mehr als drei Jahrzehnten sorgen Converge für musikalische und emotionale Katharsis, ob es nun ihr bahnbrechendes Album «Jane Doe» aus dem Jahr 2001 oder ihre Zusammenarbeit mit Chelsea Wolfe, «Bloodmoon: I», aus dem Jahr 2021 ist. In all den Jahren haben nur wenige Bands einen grösseren Einfluss auf die Underground-Szene gehabt als der Vierer. Jeder der zehn Songs bewegt sich mit einer Kraft und Zielstrebigkeit, die ihre menschlichen Ursprünge in den Schatten stellt und die Wut, den Schmerz und die Frustration der Moderne zum Ausdruck bringt.

«Love Is Not Enough» ist gnadenlos ehrlich und roh. Während zehn Tracks gibt es keine Special-Guests, keine Studio-Tricks, kein unerbittliches Beschönigen menschlicher Unvollkommenheit, nur um den perfekten Take zu produzieren. Dies war für die Band ein Grundsatz, der leicht umzusetzen war, da kein Geringerer als Gitarrist Kurt Ballou für die Produktion zuständig war. Die Platte wurde im "God City" in Salem (Massachusetts) aufgenommen und gemischt, mit technischer Unterstützung von Zach Weeks.

Bandleader Jacob Bannon übernahm kurzerhand das Artwork-Design und schuf für jeden Song ein Bild sowie ein eindrucksvolles Platten-Cover, das einen himmlischen Zeugen einer brennenden Welt zeigt. «Love Is Not Enough» ist von der Eröffnungs-Salve des Titelsongs bis zum abschliessenden Orkan von «We Were Never The Same» eine klangvolle Balance aus Vitalität und Bösartigkeit, die das Chaos und die Unsicherheit der Zeit, in der wir leben, eindrucksvoll widerspiegelt.
Oliver H.

 

https://www.youtube.com/embed/oZv3ZbyZfoE

Donnerstag, 19 Februar 2026 03:45
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v. 10 Punkten: 8.0

Drei Ladies aus Portland, Oregon, spielen sich mit einer etwas eigenwilligen Mischung durch die Lautsprecher. Eigenwillig sind HOAXED deshalb, weil es nicht klar definiert werden kann, was nun treibende Kraft sein soll - ist es Dark Rock? Nee, zu heftig, aber die Anleihen stimmen. Heavy Rock? Auch nicht, zu düster, beinahe schon atmosphärisch, singt man sich durch die Tracks hindurch

Und eben auch wieder nicht, weil immer wieder Growls als Ergänzung eingesetzt werden. Also Dark Rock, auf eine heftigere Art, mit Death Metal Anspielungen? Plus eine relativ hohe, weibliche Stimme, welche aber nicht mit Sirenen-Gesang die Gehörgänge malträtiert, sondern sich quasi einschmeichelt. Sehr hörenswert. Was mich persönlich etwas stört, ist, dass sich die Tracks allesamt ähneln. Kleinere Ausreisser pro Song sorgen für Abwechslung, aber das hätte noch mehr vertragen.

Plus, aber das ist nun effektiv Geschmackssache: Hört Euch den Sound an, ohne die jeweiligen Musik-Videos zu gucken. Ganz böse gesagt sehen die Mädels aus wie aus einer LGBHDTV++-Kommune entsprungen. Anway, die Musik als solches ist gut, etwas mehr Abwechslung wäre toll gewesen, klappt vielleicht beim nächsten Mal. Ordentlich!
Toby S.

 

https://www.youtube.com/embed/Sy8tJDEUTmQ

Donnerstag, 19 Februar 2026 03:35

KARNIVOOL, als Quintett aus Australien, kommen hier mit seinem neuen Longplayer «In Verses» um die Ecke. Schon beim ersten Song «Ghost» donnern die fetten, tiefergestimmten Gitarren aus den Boxen. Unterstützt von der starken Stimme von Ian Kenny, der es versteht, den Song mit einer starken Melodie zu ergänzen.

Das folgende «Drone» beginnt etwas gemächlicher, bevor auch hier die fetten Gitarren übernehmen. Unglaublich, wie druckvoll die Musik der Australier durch das ganze Album hindurch präsent ist. Immer wieder grossartig, mit was für tollen Gesangs-Melodien hier gearbeitet werden. Man höre sich nur das kraftvolle «Aozora» an. Durch das filigrane Schlagzeugspiel bekommt die Musik immer wieder einen progressiven Touch, echt klasse, was Drummer Steve Judd hier abliefert. Songs wie «All It Takes» leben von unterschiedlichen Stimmungen, mal bretthart, dann wieder mit ruhigeren, atmosphärischen Parts, was das Ganze sehr spannend macht für den Zuhörer.

Noch besser hört man das beim starken «Remote Self Control». Abwechslung bringt das ruhig beginnende «Opal», das nach der hälfe dann an Stärke zulegt und wieder sehr ruhig endet. Klasse gespielt. Beim Knapp acht Minuten lange «Salva» zeigen sich die fünf Musiker dann nochmals in Hochform. Hier regiert die grosse Gesangs-Melodie von Ian Kenny, die perfekte Instrumentierung macht diesen Song zu einem grandiosen Finale inklusive Dudelsäcke, ein wahrlich grosses Finale eines sonst schon interessanten Albums, sehr gelungen das Ganze.
Crazy Beat

 

https://www.youtube.com/embed/6w8_kuDTnow

Donnerstag, 19 Februar 2026 03:25

Mit «Der Brauch» liefern THE HIRSCH EFFEKT ein Album, das von Anfang bis Ende lebendig und unvorhersehbar wirkt. Das Album umfasst neun sehr unterschiedliche Tracks, die den unermüdlichen Drang der Band widerspiegeln, ihren Sound über einfache Klassifizierungen hinaus zu erweitern, für mich ab und an zu weit, zu strange.

Musikalisch verbindet das Album scharfkantiges, rhythmisches Zusammenspiel mit weitläufigen Texturen und unerwarteten Klang-Verschiebungen. Das Trio bleibt nie lange in einem Stil: Kantige Riffs und komplexe Drum-Patterns reiben sich an ruhigen, beinah zerbrechlichen Passagen und manchmal scheint die Musik eher wie zeitgenössischer Art-Rock zu atmen als wie etwas, das streng im Metal verwurzelt ist.

Diese Offenheit hält die Zuhörer wach und regt dazu an, das Album wiederholt anzuhören, um jedes Mal neue Details zu entdecken. Tracks wie der Titelsong «Der Brauch» zeigen das Tendieren der Band für emotional aufgeladene, introspektive Texte, die dennoch in dynamischen Arrangements eingebettet sind. Andere Stücke wie «Die Brücke» oder «Das Nachsehen» erkunden kontrastierende Stimmungen und Texturen.

Wer sich zu Musik hingezogen fühlt, die kreatives Risiko und emotionale Bandbreite in den Vordergrund stellt, ist «Der Brauch» sicher ein positives Erlebnis. Es lässt sich vielleicht nicht eindeutig in ein Genre einordnen, aber genau darin liegt seine Stärke: ein progressives Werk, das sowohl eingefleischte Fans experimenteller Art Rock Musik als auch Neugierige, die erkunden möchten, wie Subtilität und Intensität auf einem Album koexistieren können, belohnt. Die Band wird am 26.02.2026 im KiFF in Aarau auftreten.
Lukas R.

 

https://www.youtube.com/embed/J2HpL73RrEg

Mittwoch, 18 Februar 2026 03:45

Nach langer Stille kehren FROZEN OCEAN mit «Askdrömmar» zurück. Das Album fühlt sich wie eine eine nächtliche Reise durch eine fremde Stadt an. Die langjährige Mischung aus depressivem Rock und atmosphärischem Black Metal von Vaarwel bildet nach wie vor die Grundlage, doch hier wurde sie zu etwas Fokussierterem zusammengefasst; mir kommen Beschreibungen wie sinnlich, umschliessend, raumgreifend, atmosphärisch in den Kopf.

Dabei wurden kosmische Distanz und mythische Kulissen gegen flackernde Strassenlaternen, Betonkorridore und unbehagliche menschliche Nähe eingetauscht. Musikalisch bewegt sich «Askdrömmar» in einem bedächtigen, fast rituellen Tempo. Midtempo-Rhythmen dominieren und tragen Melodien, die nachklingen nie explodieren. Die Gitarren wechseln zwischen spröder Black-Metal-Abrasion und traurigen, gotischen Tönen, während die Keyboards ein konstantes Gefühl urbaner Dunstigkeit vermitteln - Neonreflexionen auf nassem Asphalt statt mitreissender, symphonischer Pracht.

Der Gesang ist rau und angespannt, ausdrucksstark, aber nicht übertrieben, und fungiert als emotionale Textur. Da die Texte vollständig auf schwedisch sind, verstärken sie ein Gefühl der Entfremdung, das über das wörtliche Verständnis hinausgeht (Ausser du verstehst "Swenske"). Was das Album auszeichnet, ist seine Atmosphäre unruhiger Intimität. Es handelt sich um depressive Musik, die atmet und sich bewegt. Oft wird sie von subtilen Grooves angetrieben, die mit Post-Punk und Dark Rock flirten, ohne jemals ihren düsteren Kern zu verlieren.

Die Tracks gehen nahtlos ineinander über, was das Anhören des gesamten Albums lohnenswert macht und das Gefühl verstärkt, tiefer in dieselbe schattige Umgebung hineingezogen zu werden. «Askdrömmar» wird vor allem bei Zuhörern Anklang finden, die Stimmung, Kontinuität und emotionale Tiefe mehr schätzen als pure Aggression. Es ist nicht für eine sofortige Wirkung konzipiert, sondern für das nächtliche Eintauchen. Für langjährige Fans von Frozen Ocean fühlt es sich wie eine selbstbewusste Rückkehr an, während es Neulingen einen überzeugenden Einstieg in ein Projekt bietet, das beweist, dass Zurückhaltung und Atmosphäre ebenso schwer wie Lautstärke sein können.
Lukas R.

 

https://www.youtube.com/embed/tnz8dYTlbL4

Mittwoch, 18 Februar 2026 03:35
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v. 10 Punkten: 8.1

URNE, die dreiköpfige Truppe aus London, wurden 2016 gegründet und haben seitdem drei Alben veröffentlicht, die mit Groove Metal sowie Einflüssen aus Extreme Metal und Hardcore gespickt sind.

Hört man sich den Opener «Be Not Dismayed» an, wird klar, weshalb die Plattenfirma sehr daran interessiert ist, dieses Trio bekannt zu machen. In dem fast sechsminütigen Knaller sind alle Elemente enthalten, für die Urne stehen. Bei «Setting Fire To The Sky» sind auch Elemente von Metalcore und Nu Metal hörbar. Joe Nally (b/v), Angus Neyra (g) und James Cook (d) wollen während neun Songs demonstrieren, dass Urne nicht bloss ein Gesicht, oder besser gesagt, nur eine Fahrtrichtung hat. Auf «Setting Fire To The Sky» beweisen die Engländer, dass sie verschiedene musikalische Seiten haben, während der Sound und die Grundlage stets überzeugen, dass sich der Zuhörer noch immer dieselbe Band anhört.

«The Ancient Horizon» ist ein Song, der speziell dazu auffordert, die Vorfahren der Szene nie zu vergessen (von Ritchie Blackmore bis Ronnie James Dio). Das Hörerlebnis wird noch dadurch verstärkt, dass alle Songs eine sehr hohe Qualität aufweisen, sodass es ziemlich leichtfällt, diese Platte zu mögen. Zudem schadet es auch nicht, dass Troy Sanders von Mastodon beim längsten Track «Harken The Waves» gesanglich mitwirkt oder die in London lebende Cellistin Jo Quail bei «Breathe» die Saiten streicht. Diese feinen Updates tragen noch etwas mehr zur Politur des Albums bei, das auch sonst während der gesamten Spieldauer zu überzeugen vermag.

Produziert von SikTh-Sänger Justin Hill, besitzt «Setting Fire To The Sky» eine Frische und Bissigkeit, die die einheitliche und oft flach klingende Metal-Szene durchbricht. Die Band wird von Trendsettern sowie der Underground-Szene zu gleichen Teilen geliebt und von anderen Musikern unterstützt, die wissen, dass Urnes Zeit gekommen ist. Urne sind bereit, entdeckt zu werden und einen alten Modus aufzubrechen.
Oliver H.

 

https://www.youtube.com/embed/2v5l3-MCBpQ

Mittwoch, 18 Februar 2026 03:25

Technischer Death Metal ist ein Genre voller Nebenquests und Umwege. Man könnte Jahre damit verbringen, einem einzigen stilistischen Faden durch die jahrzehntelange Entwicklung zu folgen, und hätte dennoch nur an der Oberfläche gekratzt. Am Ende eines solchen Nebenstrangs stehen VOIDCEREMONY, die ihren besonderen Tech Death Stil systematisch mit einer düsteren Mischung aus progressiver Ideologie und subtilen Avantgarde-Elementen angereichert haben.

Im Jahr 2023 sprengte «Threads Of Unknowing» viele Grenzen, die sich besonders in jazzigen Anleihen bemerkbar machten. Mit «Abditum» haben VoidCeremony ihren Sound noch weiter vorangetrieben und ihre musikalische Grundlage mit mehr avantgardistischen und progressiven Metal-Ideen gefüllt. Im Vergleich zu «Threads Of Unknowing», das zwar komplex, aber eingängig war, wird dem Zuhörer auf «Abditum» jedes Gefühl diatonischer Behaglichkeit verweigert. Eine Dichte Chromatik, ausgedehnte Jazz-Akkorde und ständig wechselnde Melodien überstrapazieren einem die Ohren während der gesamten Spielzeit.

Es fühlt sich regelrecht so an, als wurde gezielt jegliche Art von tonalem Ansatz verhindert, um die neun Songs unnahbar zu machen. Die Kombination aus dem bisher kompliziertesten Ansatz von VoidCeremony in Bezug auf Rhythmus und Harmonie lässt «Abditum» wie eine unversöhnlich feindselige fremde Landschaft, als auch ein progressives Tech Death Album wirken. Eine Erkenntnis, die treffend im Cover-Artwork eingefangen wird. Die Hälfte des Materials besteht aus Instrumental-Stücken, die eher an Videospiel-Sounds erinnern.

Düstere Glocken, Streicher, Keyboards und Chöre bilden melodische Motive, die von mehrdeutigen melodischen Phrasierungen überlagert werden. Die Synth-Texturen und Jazz-lastigen Harmonien der 90er-Jahre geben den Ton vor und dienen gleichzeitig als thematisches Element, das beim (allenfalls) wiederholten Anhören hilft, aber kein Garant darstellt. VoidCeremony haben ein Erlebnis geschaffen, das von den Zuhörern eine gezielte Konzentration erfordert, um mithalten zu können, da sie sonst Gefahr laufen, von diesem aufkommenden Strudel einfach weggefegt zu werden.
Oliver H.

 

https://www.youtube.com/embed/x6PWE8Sc3nw

Dienstag, 17 Februar 2026 03:45
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v. 10 Punkten: keine Wertung

Mein Interesse an Symphonic Metal hat bekanntlich stark abgenommen, weil Nightwish plötzlich keine eingängigen Songs mehr hinbekommen und Within Temptation sowie Ad Infinitum in moderne Gefilde vorgedrungen sind. Bisher habe ich eigentlich nur Visions Of Atlantis und Leaves' Eyes noch die Stange gehalten, doch dabei vergesse ich glatt, dass es da ja noch eine Band aus Schweden gibt, die seit mittlerweile 38 Jahren immer für feinste Qualität bürgt. Aber irgendwie zähle ich THERION immer noch zum Death Metal, auch wenn das natürlich längst anders und keine Ahnung, wieso das so ist.

Nun denn, mit «Con Orquesta» haben Christofer Johnsson und seine Schar sich selbst ein kleines Denkmal gesetzt. Zusammen mit dem "Orquesta Sinfónica Nacional de México" trat man in der – mit 11'000 Fans ausverkauften – Mexico City Hall auf und nahm dieses Spektakel glücklicherweise auf und kann nun der ganzen Welt präsentieren, wie gut Orchester und Therion zusammenpassen. Speziell an der ganzen Sache ist, dass Christofer einen mexikanischen Dirigenten bat «…unseren Song zu interpretieren, neue Arrangements hinzuzufügen und die bestehenden mit dem Orchester zu erweitern. Zusätzlich wurden neue Intros und kleine Zwischenspiele geschrieben. Das Ergebnis ist eine echte, mexikanische Interpretation von Therion live mit Orchester.» 

In der Tat klingt das Live-Album nach einer neueren Version der Schweden, aber das Ganze ist musikalisch einfach auf einer schwindelerregenden Höhe angesiedelt. Bandklassiker wie «The Birth Of Venus Illegitima», «Ginnungagap», «The Rise Of Sodom And Gomoorah» oder das unverzichtbare «To Mega Therion» klingen opulenter und dichter, verlieren aber ihre Magie nicht. Die Zuschauer-Reaktionen sind deshalb zu Recht laut und runden so eine Live-Scheibe ab, welche wohl in Zukunft als Referenz-Werk im Symphonic Metal gelten wird oder um es in anderen Worten zu sagen: Nicht Nightwish, sondern Therion stehen – völlig zurecht - auf dem Thron!
Rönu

 

https://www.youtube.com/embed/1Ae9X2ZEHyQ

Dienstag, 17 Februar 2026 03:35
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v. 10 Punkten: 7.7

Das Quartett aus Houston, Texas, bewegt sich nicht nur innerhalb der Grenzen des Brutal Death Metal, sondern sprengt diese mit Freude. STABBING bringen ihr zweites Album «Eon Of Obscenity» in Stellung, um sich als eine der zukunftsweisendsten Stimmen des modernen Brutal Death Metal zu positionieren.

Bereits die ersten Takte von «Rotting Eternal» lassen keine Spekulationen zu: der Sound ist pure Extremität, die mit Absicht so ausgeführt wird, und Bridget Lynchs Gesang ist vermutlich die Waffe des Albums. Garstige Kehlkopflaute tauchen in abgrundschwarze Tiefen, bevor sie in fast unmenschliche, knirschende Kadenzen übergehen. Während Stabbings ältere Arbeiten von ursprünglicher Wildheit geprägt waren, wirkt «Eon Of Obscenity» wie eine Weiterentwicklung dieses Chaos. «Masticate The Subdued» und der Titeltrack wirken erstmal bloss unerbittlich schnell, aber in diesem Gemetzel verbirgt sich auch ein ausgeprägtes Gefühl für Struktur.

Die Riffs von Gitarrist Marvin Ruiz sind erstickend präzise und fügen sich perfekt in die Schlagzeugparts von Aron Hetsko ein. Ein eher überraschender Moment der Platte ist das Instrumentalstück «Ruminations». Statt einer Verschnaufpause gibt es textlos Dresche, die das wachsende technische Selbstbewusstsein der Band unterstreicht, indem wechselnde Taktarten und mehrschichtige Riffs miteinander verwoben werden. Ein weiterer Höhepunkt der elf Songs ist «Nauseating Composition», mit freundlicher Unterstützung von Suffocation Sänger Ricky Myers. Ein Song, der einen Kreis zwischen den beiden Bands schliesst, denn als Myers auf der "Ancient Unholy Rising Tour" mit den Co-Headlinern Incantation krank wurde, war es Bridget Lynch, die einsprang, damit keine Konzerte abgesagt werden mussten.

Klanglich profitiert «Eon Of Obscenity» von einer bewusst zurückhaltenden Produktion, die im "Southwing Audio" in Houston aufgenommen wurde. Gemischt und gemastert von Chris Kritikos (Oceans Of Slumber, Cryptic Void), ist das Album roh, aggressiv und jeder Blastbeat, jedes Riff und jeder Gesangs-Einsatz kommt klar und deutlich zur Geltung. «Eon Of Obscenity» bewahrt den Geist und die schmutzige Ehrlichkeit, die das Genre in den 90er Jahren geprägt hat. In einem Genre, das auf Exzesse setzt, haben Stabbing einen Weg gefunden, noch einen Schritt weiterzugehen und die Innovation vorwärtszutreiben.
Oliver H.

 

https://www.youtube.com/embed/mi2rUn75ajg

Dienstag, 17 Februar 2026 03:25
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v. 10 Punkten: keine Wertung

Das selbstbetitelte Debüt-Album von BACKENGRILLEN wird wohl sicherlich nie auf einer "Kuschelrock" Zusammenstellung zu finden sein. Es tritt die Tür ein, weigert sich, sich zu erklären, und bewegt sich irgendwo zwischen Death-Metal-Abrasion, Free-Jazz-Kollaps, Hardcore-Dringlichkeit und Noise-Rock-Repetition.

Riffs werden dabei weniger als Songs, sondern eher als Rohmaterial behandelt. Sie werden gehämmert, gedehnt und schliesslich zerlegt, bis die Struktur dem Instinkt weicht. Das Ergebnis ist konfrontative, physische Musik, die sich bewusst unvollendet anfühlt, aber dennoch völlig zielgerichtet ist. Was dieses Album auszeichnet, ist nicht nur seine stilistische Kollision, sondern auch die Art und Weise, wie es Unmittelbarkeit als Ästhetik versteht. Die Darbietungen klingen gelebt und unbeständig, als würde die Band die Grenzen jeder Idee in Echtzeit entdecken und dann überschreiten.

Schlagzeug und Bass verschmelzen zu gnadenlosen, beinah rituellen Zyklen, während Saxophon-Ausbrüche wie Funken aus schleifendem Metall durch den Mix schneiden. Der Gesang fungiert weniger als Erzählung als vielmehr als weiteres perkussives Element, das Wut und Ablehnung statt Klarheit vermittelt. Trotz des Chaos wirkt das Album nie zufällig. Es gibt eine seltsame Kohärenz darin, wie Wiederholungen hypnotisch und sogar bedrückend werden, bevor sie in Lärm oder Stille zerfallen.

Diese Spannung zwischen Kontrolle und Zusammenbruch ist es, die die Musik von Backengrillen nicht nur extrem, sondern auch fesselnd macht. Dies ist kein Album zum beiläufigen Anhören oder als Hintergrundmusik. Es erfordert Aufmerksamkeit und Toleranz für Unbehagen. Fans von experimentellem Jazz, aggressivem Punk und extremem Metal, die Energie mehr schätzen als Perfektion, werden es spannend finden. Für diese Zuhörer ist das Debüt von Backengrillen ein absolutes Muss - als Dokument purer, ungefilterter Absicht statt Raffinesse.
Lukas R.

 

https://www.youtube.com/embed/Ul63N5dBetY

Montag, 16 Februar 2026 03:45

Achtung: Hierbei handelt es sich nicht um die gleichnamige italienische Band TEMPTRESS die auch schon hier bei MF (August 2025) besprochen wurde. Diese US Band Temptress waren schon vorher in den Nischen zwischen den Heavy-Genres zu Hause, aber auf «Hear» verwandeln sie diesen Grenzbereich deutlich in eine entscheidende Stärke.

Das Trio aus Dallas stapelt nicht einfach Doom, Drone, Post-Rock, Grunge und Noise übereinander, sondern lässt diese Elemente ineinanderfliessen. So entstehen lange, atmende Kompositionen, die sich organisch anfühlen und nicht wie zusammengesetzt. Das ist Heavy-Musik, die mit Absicht, Geduld und einem starken Identitäts-Gefühl bewegt. Eines der markantesten Merkmale des Albums ist sein gemeinsamer Gesangsansatz. Anstatt sich auf einen einzigen Frontmann zu verlassen, wird «Hear» durch das Zusammenspiel von männlichen und weiblichen Stimmen geprägt, wobei sich die Rollen von Titel zu Titel verschieben.

Klare, ausdrucksstarke weibliche Stimmen führen oft melodische oder spektrale Momente ein, während rauere männliche Stimmen für Härte, Dringlichkeit und Gewicht sorgen. Manchmal überlagern sich die Stimmen oder reagieren aufeinander. Sie fungieren dann weniger als traditionelle Leads, sondern eher als emotionale Texturen, die in die Instrumentierung eingewoben sind. Diese fliessende Balance der Stimmen verleiht dem Album Tiefe und verhindert, dass es vorhersehbar wird. Klanglich lebt «Hear» von Kontrasten.

Dröhnende Low-End-Riffs lösen sich in luftigen, beinah meditativen Passagen auf, wobei Raum und Zurückhaltung ebenso effektiv eingesetzt werden wie Verzerrung. Die Produktion betont Tiefe und Resonanz statt Glanz und lässt Feedback und Sustain so lange nachklingen, dass man so tiefer in die Atmosphäre des Albums einzutauchen vermag. Was «Hear» zusätzlich auszeichnet, ist seine Geduld. Temptress scheuen sich nicht vor Wiederholungen und lassen Grooves hypnotisch statt hastig werden.

Diese Momente mögen Zuhörer herausfordern, die eine ständige Steigerung suchen. Sie belohnen jedoch diejenigen, die bereit sind, sich auf die langsam brennende Intensität des Albums einzulassen. «Hear» eignet sich am besten für Fans von immersiver Heavy-Musik, also Alben, die als Ganzes erlebt werden sollen, statt nur überflogen zu werden. Es ist ein selbstbewusster, emotional fundierter Schritt nach vorne, der Temptress als Band bestätigt, die es wert ist, nachhaltig beachtet zu werden.
Lukas R.

 

https://www.youtube.com/embed/feLgU04mTCI

Montag, 16 Februar 2026 03:35

Die Death Metal Kapelle HEIR CORPSE ONE kehrt mit ihrem wohl ambitioniertesten Kapitel zurück. Das neue Album «Destination: Domination» knüpft an die Geschichte des Debüts an, und folgt den untoten Überlebenden des verhängnisvollen Luxusjet-Absturzes, die sich auf eine groteske Mission ins Zentrum der Macht begeben. Ihre makabre Flucht löst eine Plage der Untoten über dem Land aus und verwandelt Farmen und Städte in Schlachtfelder. Geile Story!

Heir Corpse One wurde 2020 von Tausendsassa Rogga Johansson (Paganizer, Massacre uvm.) und Peter Svensson (Cales, Assassin’s Blade) mit dem Ziel gegründet, klassischen schwedischen Death Metal zu kreieren, der fest im ikonischen Sunlight Studio-Sound verwurzelt ist. Die Besetzung wird durch Leadgitarrist Kjetil Lynghaug (Vredesblod, Paganizer) und Schlagzeuger Marcus Rosenkvist (Assassin’s Blade, Anchorite) vervollständigt. «Destination: Domination» ist, wie sein Vorgänger, ein vollwertiges Konzeptalbum mit zehn Tracks, das insbesondere die Handlung des Vorgängers fortsetzt. Das Album beginnt mit dem Titelsong, ein unheilvolles und stampfendes Riff, überlagert von kreischenden Lead-Gitarren.

Dazu liefert Roggas tiefes, unheimliches Growling den Gesang mit beunruhigender Klarheit. «Undeath From Above» folgt auf dem Fuss und bricht mit einer Flut von bedrohlichen Riffs hervor. Das nächste Stück sorgt mit seinen Höhen und Tiefen für ein anhaltendes Gefühl der Unruhe, während die markanten Stomp-Beats und erschütternden Schreie eine bedrohliche Atmosphäre aufbauen. «Shelter In The Darkness» beginnt erstmal langsamer und düsterer, bevor er sich zum vertrauten Drive aufbaut und sich in Schüben durchsetzt. Der wahnwitzigste Track der Platte ist zweifellos «Well Of Blood», das einen dunklen, verschwommenen, sich wiederholenden Groove liefert.

Von Anfang bis Ende strahlt er eine finstere Absicht aus und zieht einen hilflos in seinen Bann. «Thresher» beschleunigt erst auf ein rasantes Niveau, verlangsamt dann und entwickelt einen bedrohlichen, druckvollen und erschreckenden Rhythmus. Die Musik auf «Destination: Domination» vermittelt ein echtes Gefühl der Angst ums Überleben. Dieses wird durch die Vocals noch eindrücklich verstärkt. Fans von Rogga werden die Platte lieben, ebenso wie alle, die HM2-Sounds verehren. Die Werke dieses Mannes zeichnen sich durch eine beruhigende Beständigkeit aus, sodass man sich mit Zuversicht an alles heranwagen kann, was er veröffentlicht.
Oliver H.

 

https://www.youtube.com/embed/_gjom3gxluo

Montag, 16 Februar 2026 03:25
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v. 10 Punkten: keine Wertung

Ähnlich wie Witchfinder General, Witchfynde oder Pentagram haben PAGAN ALTAR eigentlich erst im neuen Jahrtausend die Anerkennung erhalten, die sie eigentlich verdient haben. «Lords Of Hypocrisy» war das zweite full-length Album und erschien 2004, allerdings stammen die Songs alle aus den Jahren 1976 bis 1983.

Etliche Labels haben das Album schon wiederveröffentlicht, nun also auch "Dying Victims". Allerdings dürfte das Vinyl-Freunde freuen, denn auf Discogs werden recht stolze Preise verlangt. Die stark in den 70ern verwurzelten Riffs, die episch doomige Ausrichtung, die Einflüsse der NWOBHM, sowie der Gesang des leider schon verstorbenen Terry Jones, welcher am ehesten mit dem ebenfalls viel zu früh verblichenen Mark Shelton (Manilla Road) zu vergleichen war, machen das Soundgerüst von Pagan Altar so einzigartig.

Das mag in der heutigen Zeit noch kauziger klingen, macht aber den grossen Reiz aus. Die psychedelische Note, welche bei Songs wie dem Titeltrack, «Satan's Henchmans» oder «Sentinel's Hate» mitspielt, verleiht dem Album ebenfalls eine eigene Würze. Erhältlich ist das Zweitwerk sowohl als CD, wie auch als Doppel-LP. Wer auf kauzigen Metal der hier genannten Bands steht und noch eine Lücke in seiner Sammlung hat, das hier ist ein lohnender Kauf.
Rönu

 

https://www.youtube.com/embed/-jwussAnkTI

Samstag, 14 Februar 2026 05:45

Würden die Finnen von TEMPLE BALLS immer dermassen grossartig wie mit dem von Slide-Gitarren unterstützten «Lethel Force» losrocken, könnten die Jungs um Sänger Arde Teronen schon lange zu meinen Lieblingen gehören. Der kernige Rock der Nordländer hat definitiv mehr zu bieten als bloss schöne Musiker-Gesichter und rhythmische Hüftbewegungen.

Das fünfte Werk von Temple Balls rockt definitiv mehr als seine vier Vorgänger und beherrscht den überzeugenden Spagat zwischen schwedisch geprägten Hard Rock und amerikanischem Sleaze Rock. Das belegen auch «Tokyo Love», der Groover «There Will Be Blood», das nach vorne rockende, melodische «We Are The Night», das schnelle «Hellbound», das an Dokken angelegte «The Path Within» sowie das flotte «Living I A Nightmare» (Dio lässt grüssen).

Die Finnen geben dieses Mal richtig Gas, fokussieren sich auf das Wesentliche und überzeugen mit viel Abwechslung. Der absolute Oberknaller ist «Stronger Than Fire», eine Nummer, bei der man nach drei Sekunden weiss, dies ist ein Hit. Diesen Quantensprung hätte ich den 2009 in Oulu gegründeten Jungs nach ihrem Schicksalsschlag (2025 verlor Gitarrist Niko Vuorela den Kampf gegen Krebs), nicht zugetraut. Aber hey, der Fünfer belehrt mich eines Besseren!
Tinu

 

https://www.youtube.com/embed/DXLzjoFJVxg

Samstag, 14 Februar 2026 05:35

Mit «Forebode» kehren SAILLE nicht nur mit einem neuen Album zurück, sondern auch mit einer bewussten Bekräftigung ihrer Identität. Nach fünf Jahren relativer Stille konzentriert sich die niederländisch- belgische Epic Black Metal Band wieder auf die Atmosphäre, die ihre frühere Ära geprägt hat, präsentiert sie jedoch durch eine moderne, kraftvolle Produktionslinse. Das Ergebnis ist ein Album, das sich sowohl retrospektiv als auch erneuert anfühlt.


Der Eröffnungs-Track und erste Single «Deception Of Decadence» verdeutlicht sofort die psychologische Tiefe des Albums. Sänger Jesse Peetoom beschreibt die Texte als Darstellung "eines inneren Kampfes mit Dunkelheit, Schmerz und dem langsamen Verblassen von Leben und Identität", wobei er Themen wie die Besessenheit vom Tod, Transzendenz und Zyklen von Wachstum und Zerstörung anspricht.

Diese Spannung ist in der Musik spürbar: Galoppierende Rhythmen, fieberhafte Gitarrenlinien und imperiale Orchestrierung erzeugen das Gefühl, in etwas Gewaltiges und Verschlingendes hinabzusteigen. Das begleitende Video, bedient sich einer auffälligen 3D-Spielästhetik, überlagert mit Easter Eggs, die auf das Back-Katalog der Band verweisen - ein lohnendes Detail für langjährige Fans. 

«Echoes Of Empathy» führt gesprochene, gebetsartige Passagen ein, die den rituellen Charakter des Albums verstärken. Anstatt das Tempo zu verlangsamen, vertiefen diese Abschnitte die Atmosphäre und suggerieren Anrufung und inneren Dialog. «Cycles Of Cynicism» knüpft dann dort an, wo der Opener aufgehört hat - mit dröhnenden Trommeln, scharfen Gitarren-Riffs und giftigen Schreien - doch das symphonische Gerüst hält es melodisch und strukturiert, anstatt chaotisch.

«Reminiscence Of Regrets» zeichnet sich durch seine Grösse aus. Es klingt gewaltig, wie ein Sturm auf dem Ozean, der in Klang umgesetzt wurde: Wellen der Orchestrierung brechen über stetige, melancholische Gitarren-Melodien herein. Die Riffs bleiben einfach, aber zielgerichtet und verlangsamen sich gelegentlich zu fast akustischen Passagen, die Ermüdungs-Erscheinungen verhindern und das emotionale Gewicht atmen lassen. Track fünf, «Haunter Of The Dark 2025», greift einen Fan-Favoriten aus dem 2013er-Album «Ritu» wieder auf.

Es handelt sich nicht um ein blosses Remaster, sondern um eine vollständige Neuaufnahme, die sich nahtlos in das neue Material einfügt und durch die aktualisierte Produktion die Kohäsion des Albums verstärkt. In ähnlicher Weise erweitert «Eater Of Worlds (Extended Classical Version)» das Original aus dem Jahr 2014 von «Eldritch». Die Kernkomposition bleibt unverändert, aber die zusätzlich klassische Instrumentierung (vor allem Verbesserung in den Drum-Parts) und erweiterte Passagen verleihen ihr eine gesteigerte Erhabenheit.

Obwohl das Stück in Lovecrafts Horror verwurzelt ist, könnte man es leicht durch eine kosmischere Linse interpretieren – als einen Verschlinger von Welten im grossartigsten Sinne («Galactus, I hunger!»). Die CD-Edition endet mit drei Live-Titeln – «Maere», «Tephra» und «Plaigh Allais» -, die die Fähigkeit der Band unter Beweis stellen, ihre symphonische Kraft auf die Bühne zu übertragen.

Violinen-Passagen bereichern die Arrangements, und Peetooms Stimme wechselt zwischen gebieterischem Prediger und wütendem Frontmann. Insbesondere «Tephra» strahlt durch seine melodischen Gitarren-Linien nordische Melancholie aus. Mit einer Länge von über fünfzig Minuten ist «Forebode» immersiv, ohne sich zu sehr in die Länge zu ziehen. Es wird vor allem jene Zuhörer ansprechen, die Black Metal schätzen, der Aggression mit orchestraler Ambition in Einklang bringt. Ich finde diese Scheibe grossartig und schade, dass die Vinyl-Version davon schon ausverkauft ist!
Lukas R.

 

https://www.youtube.com/embed/JaKGmLfny1k

Samstag, 14 Februar 2026 05:25

Auf BIG BIG TRAIN bin ich aufmerksam geworden, als sich Drum-Virtuose Nick D'Virgilio den Proggies anschloss. Die Band besteht aus Mitgliedern aus den USA, England, Schottland, Italien, Schweden und Norwegen. Ein bunter Haufen, der hier sein sechzehntes Studiowerk präsentiert und zum ersten Mal ein Konzept-Album.

Die Musik bildet eine Schnittmenge aus Genesis, Marillion, etwas Porcupine Tree, Yes-Anleihen, Folk-Einspielungen und instrumentalen Spielereien, die an Spock's Beard erinnern. Gut zu hören beim sieben Minuten langen «The Artist», und da alle sieben Musiker singen, wird hier auch immer wieder mit starken, immer sehr melodiösen Chören aufgewartet, die das ganze Album zusätzlich aufwerten.

Dazu kommt, dass die Vocals in den einzelnen Songs oft aufgeteilt werden. So entstehen, wie bei «The Sharpest Blade», grandiose Melodien. Bei «Arcadia» kommt dabei sogar etwas Feeling der Flower Kings  auf. Das komplexe «Warft And Weft» erinnert derweil, heisst zumindest zeitweise an Rush, und bei den verspielten Kanon-Gesängen an Spock's Beard, was für eine klasse Mischung. 

Dass alle Musiker hier auf höchstem Niveau musizieren, dürfte wohl jeder BBT-Fan wissen. Aber das man hier ein solch grossartiges Werk geschaffen hat, bei dem alle sechzehn Songs so perfekt ineinander verschmelzen, dürfte allgemein für Staunen sorgen und begeistern. Mit «Wood Cut» liefern die Musiker hier ein unglaublich grosses Progressive-Werk ab, das Zuhörerinnen und Zuhörer vom ersten bis zum letzten Ton zu faszinieren vermag.
Crazy Beat


https://www.youtube.com/embed/lu2Xm2gMMWY

Freitag, 13 Februar 2026 03:45
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v. 10 Punkten: 8.6

Mit «Necropalace» setzen WORM aus Florida ihre stetige Wandlung von einer Kultband hin zu einer festen Grösse innerhalb des Extreme Metal fort. Anstatt modernen Extrem-Trends hinterherzujagen, konzentriert sich die Band mehr auf Atmosphäre, Tempo und eine dekadente Düsternis, die sorgfältig kuratiert wirkt.

Musikalisch bewegt sich «Necropalace» an der Schnittstelle zwischen doomlastiger Schwere, BlacK Metal Frost und Anklängen an klassische Heavy Metal Virtuosität. Die Riffs entfalten sich oft langsam, sodass die Melodien nachklingen und "verrotten" können, bevor sie sich in etwas Schärferes verwandeln. Die Leads kommen sparsam, aber einprägsam zum Einsatz und greifen eher auf ein OlD-School-Gefühl für Dramatik als auf technischen Exhibitionismus zurück.

Die Produktion schafft eine Balance zwischen Klarheit und Dunkelheit und verleiht dem Album ein greifbares Raumgefühl – weniger eine Klangwand als vielmehr eine riesige, hallende Kammer. Was «Necropalace» auszeichnet, ist Worms Bekenntnis zur Stimmung. Das Album wirkt wie aus einem Guss, beinahe filmisch, als wäre jeder Track ein weiterer Korridor in derselben verwunschenen Struktur. Der Gesang bleibt eindringlich, aber zurückhaltend, und setzt auf Präsenz.

Die Rhythmus-Gruppe verankert alles in einem langsamen, rituellen Puls. Selbst wenn das Tempo anzieht oder die Melodien heller werden, bleibt eine unterschwellige Melancholie, die nie ganz nachlässt. Wiederholtes anhören offenbart ein Album, das Geduld belohnt. Es basiert nicht auf sofortigen Hooks, sondern auf Immersion. Fans von Doom-, Black-Metal und Gothic-angehauchter Extremität werden es wahrscheinlich zu schätzen wissen, dass Necropalace Atmosphäre und Identität über reine Aggression stellt.

Das mag manchmal etwas übertrieben wirken, ist aber eindeutig beabsichtigt. Darum beschreibe ich hier auch nicht Song für Song. Gegen Ende des Albums setzt Marty Friedman mit seinem Gast-Solo ein bewusst gesetztes Glanzlicht: weniger als virtuoser Fremdkörper, sondern als geschmackvolle, fast elegische Erweiterung von Worms Klangwelt, die dem Finale eine unerwartet emotionale Tiefe verleiht, ohne die düstere Grundstimmung zu verwässern. 

Letztendlich sollte man «Necropalace» eher als Gesamt-Erlebnis betrachten als eine Sammlung herausragender Titel. Für Zuhörer die bereit sind, sich in seine schattenhafte Eleganz zu versenken, bietet es eine reichhaltige und unvergessliche Reise – eine Reise, die sich weniger wie eine Wiederbelebung der Vergangenheit anfühlt, sondern eher wie ein bewusster, selbstbewusster Schritt in Worms' eigenes, dunkles Reich. Ich selbst wünschte mir eine alternative Version dieses Album mit einer Dio-nesken Stimme.
Lukas R.

 

https://www.youtube.com/embed/QM6E-wO3z9c

Freitag, 13 Februar 2026 03:35
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v. 10 Punkten: 8.2

Längere Pausen veranlassen normalerweise zu Spekulationen über den Tod einer Band. Auch im Fall der Schweizer Death Metal Kapelle DEFACED war man sich in Fankreisen nicht sicher, wie es um die Krachmacher-Truppe steht. Nun gibt es Entwarnung, denn Defaced kehren nach einer zehnjährigen Pause mit ihrem dritten Studio-Album «Icon» zurück.

Und das mit voller Wucht! Während zehn Songs hat sich der Fünfer voll und ganz der Verfeinerung jedes Details verschrieben, Material umgekrempelt und verworfen, bis jeder Track seiner Vision entsprach. Der Sound ist fest im Death Metal verwurzelt, wagt sich aber auch an Grindcore-Aggressivität sowie Black Metal Atmosphären heran und zeigt eine ausgeprägte Leidenschaft für Harmonien und Ambiente. Man muss sich nur «Perception» anhören, um zu erkennen, dass die Band in der Lage ist, Heavy Metal Riffs als Ergänzung zu ihren todesmetallischen Vibes einzubauen.

Ähnliche Elemente finden sich immer mal wieder auf «Icon», was diese Platte zu einem abwechslungsreichen Werk macht. Textlich beschäftigt sich das Album mit Autoritarismus, Massenüberwachung und psychologischer Manipulation aus der Perspektive des Unterdrückers selbst. Das passende Cover dazu liefert der renommierte Künstler Pär Olofsson. «Icon» beinhaltet auch einige Neuerungen. Es ist der erste Studioauftritt für Sänger Thomas Gertsch, Matze Schiemann (g) und Michael Gertsch (b), die neue Einflüsse in die erweiterte Klangpalette ihres Sounds einbringen.

Produziert, gemischt und gemastert wurde die Scheibe von Simon Egli und Romano Galli im "Hardbeat Studio" Eggiwil (CH). Ihre Arbeit fängt die rohe Energie der Band mit ausgefeilter Klarheit und einem neuen Sinn für Zielstrebigkeit ein: 42 Minuten überzeugender Death Metal mit sehr schnellen Rhythmen, felsenfestem Fundament und noch schnelleren Drums. Für Letzteres zeigt sich Schlagzeuger Massimiliano Malvassora verantwortlich, der noch aktiver und präsenter im Sound verwurzelt ist. Defaced haben sich mit ihrem "Comeback-Album" definitiv selbst übertroffen und einen malträtierenden Longplayer fürs Genre geschaffen.
Oliver H.

 

https://www.youtube.com/embed/S_QrfPhYOnA

Freitag, 13 Februar 2026 03:25

Der italienische Doom entwickelt sich ständig weiter. «De Venom Natura» von PONTE DEL DIAVOLO sticht jedoch gerade deshalb hervor, weil das Album sich weigert, sich wie ein typisches Doom-Album zu verhalten. Dieses zweite Album fühlt sich ein wenig wie ein ritualistischer Liederzyklus an, in dem Atmosphäre, Bewegung und Stimme ebenso wichtig sind wie das Gewicht der Musik.

Das Album beginnt mit «Every Tongue Has Its Thorns» und schafft sofort eine angespannte, filmische Stimmung. Pulsierende Rhythmen und schattenhafte Texturen bereiten die Bühne, während Erba del Diavolos Stimme eher wie eine Beschwörerin wirkt. «Lunga vita alla necrosi» vertieft diesen Zauber. Der italienische Text verstärkt die theatralische Qualität noch, und der Song atmet mit langsamer, giftiger Eleganz, die Verfall und Schönheit in Einklang bringt. Darauf folgt «Spirit, Blood, Poison, Ferment!», in dem sich die Band voll und ganz auf eine dunkle Zeremonie einlässt.

Das Tempo wirkt prozessionsartig und verleiht dem Song einen von einem traurigen Marsch-Rhythmus getragen Gewand. Hier kommt der cineastische Instinkt von Ponte del Diavolo am besten zur Geltung. Mit «Il veleno della Natura» ändert sich die Stimmung schlagartig. Der seltsam verführerische Track basiert auf einem hypnotischen, fast tanzbaren Puls. Hier flirtet die Band mit Disco-Doom- und Synthwave-Texturen und schafft etwas Beunruhigendes, das dennoch seltsam eingängig ist. «Delta-9 (161)» zieht die Dinge wieder in düsterere Gefilde zurück.

Der Song wird von obsessiven Wiederholungen und einer narkotischen Spannung angetrieben, die daherschleicht. Dabei wirkt Erba wie eine rituelle Hohepriesterin aus einer vergangenen Epoche, deren Stimme anfangs nicht wirklich singt als vielmehr heraufbeschwört. «Silence Walk With Me» führt eine härtere Note ein: konfrontativere Vocals und eine traditionellere Metal-Struktur, wobei die Post-Punk-Sensibilität der Band erhalten bleibt. Der abschliessende Track «In the Flat Field» wirkt wie ein Manifest: reduziert, streng und bedächtig verbindet er das Erbe des Gothic Rock mit einer aufmüpfigen Intensität und gefällt mir am besten.

Während des gesamten Albums verleiht die Doppelbass-Grundlage der Musik Tiefe und Bewegung, lässt aber auch erahnen, dass diese Songs live noch stärker wirken könnten (Bewiesen wenn du dir auch YouTube ihr Ponte Del Diavolo - "Covenant" (Live at Roadburn 2025) anschaust. «De Venom Natura» ist kein leicht zugängliches Album – und das will es auch gar nicht sein. Es belohnt Zuhörer, die Genre-Kollisionen, starke visuelle Vorstellungskraft und einen Sänger schätzen, der sich nicht scheut, seltsam, verspielt oder gefährlich zu klingen. Ich bleibe wohl trotzdem bei Messa, gehe aber an das Konzert, wenn die "Teufelsbrücke" je mal wieder in unseren Gefilden spielt.
Lukas R.

 

https://www.youtube.com/embed/pbOMGXYf-MA

Donnerstag, 12 Februar 2026 03:45
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v. 10 Punkten: 8.7

Mit den ersten beiden Alben ist es SAGENBRINGER einerseits gelungen, die Anhängerschaft massiv zu steigern, und anderseits wurde die Messlatte für das dritte Werk natürlich recht hoch gelegt. Bisher waren die Deutschen vor allem im nordisch mythologischen Raum unterwegs, was die Lyrics angeht. Diesmal öffnet man sich auch etwas in Richtung anderer Sagen, was das Feld für die Zukunft nun ein wenig öffnet.

Natürlich finden sich immer noch Songs wie «Freya» oder das feuchtfröhliche Trinklied «In Odins Goldener Hall», weshalb Fans des Nordens immer noch auf ihre Kosten kommen. An erster Stelle soll hier aber die fantastische Single «Valkyriensturm» zu Ehren kommen, ein Gedicht von einem Song, hymnisch, hart und mit fantastischer Melodie gesegnet. Sagenbringer erinnern mich damit immer wieder an Equilibrium, als diese "hüstel" noch gut waren. Diese epischen Kompositionen sind eine der ganz grossen Stärken der Band und keine Sorge, es hat auf «Zwischen den Welten» genug davon.

Weitere Anspiel-Tipps sind der Folk-Knaller «Freie Vögel» und die von Nissara mit weiblichem Klargesang veredelte Ballade «Freya» sowie das schon erwähnte «In Odins Goldener Hall». Wer die ersten beiden Alben kennt, wird schnell Gefallen daran finden, auch wenn ich persönlich die Vorgänger ein wenig stärker einstufen würde. Aber die Note sagt alles, das ist kaum von Bedeutung. Für mich sind Sagenbringer in diesem Segment momentan die klare Nummer eins vor Asenblut, Equilibrium, Wolfchant und wie sie alle heissen. Zudem eigentlich auch ein Muss für alle Ensiferum und Vanaheim Anhänger.
Rönu

 

https://www.youtube.com/embed/uI3eArehLps

Donnerstag, 12 Februar 2026 03:35
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v. 10 Punkten: 8.5

Für mich überraschend stark präsentieren sich EDENBRIDGE auf ihrem zwölften Album. Zwar hatte ich die Band bereits früher mal live erlebt und auch in ein, zwei ihrer Alben hineingehört – aber so gut wie heuer wirkten sie auf mich noch nie.

Das beginnt bereits mit dem Einstieg «The Ghostship Diaries», der mich auf positive Weise an die britischen Prog Metaller Threshold erinnert. Offen bleibt, ob da ihr Mastering Engineer Karl Groom Einfluss genommen hat, der ja eben bei diesen Threshold eine Hauptrolle spielt. Was nach diesem Einstieg folgt, ist mehrheitlich Symphonic Metal, der auf hohem songwriterischen Niveau zum Besten gegeben wird und immer wieder Elemente aus anderen Musik-Genres einbaut. So etwa bei «Where The Wild Things Are» mit etwas Folk, und geschickt wechseln Edenbridge auch mal das Tempo ab.

Klingt zum Beispiel «Set The Dark On Fire» rasant, groovt «Our Place Among The Stars» zäh vor sich hin und lädt zum frohen Headbangen ein. Grandios ist auch «Bonded By The Light», das mit voller Absicht an einen James Bond Soundtrack erinnert. Der abschliessende Vierteiler «Spark Of The Evertime» beweist nochmals eindrücklich, dass Edenbridge sich als mehr als "nur" eine Symphonic Metal verstehen. Hier wird ein Opus von progressiven Ausmass aufgebaut, das für den Zuhörer aber immer nachvollziehbar bleibt. Es fasst ein Album zusammen, das schlicht wunderbar klingt.
Roger W.

 

https://www.youtube.com/embed/2Vc4vtik1DM

Donnerstag, 12 Februar 2026 03:25
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v. 10 Punkten: keine Wertung

Auch wenn die Jungs von DARKNESS aus Essen stammen, den gleichen Erfolg wie Kreator konnten die Herren um Gitarrist Arnd und Drummer Lacky bisher nie erreichen. Hört man sich aber die Songs der vorliegenden Scheibe an, fragt man sich warum?!

Tracks des Debüt-Albums «Death Squad» (1987), «Defenders Of Justice» (1988), einem von «Conclusion & Revival» (1989) und Demo-Tracks, versehen mit einem neuen wie heftigen Mix, zeigen auf eindrückliche Art und Weise auf, dass Darkness den Ruhrpott bestens mit der Bay Area vermischen konnten. Der wütende und angepisste Gesang von Lee tut sein Übriges dazu, dass die Tracks richtig zünden. Allein der akustische Part zu Beginn von «Burial At Sea» ist ein Vermächtnis der alten Testament Zeiten. Wer sich eine gehörige Portion German Thrash Metal um die Ohren knallen lassen will, kommt an «The Death Squad Chronicles» nicht vorbei!
Tinu

 

https://www.youtube.com/embed/2fV-yUyDHEo

Mittwoch, 11 Februar 2026 03:45
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v. 10 Punkten: 8.5

Seit ihrer Gründung im Jahr 2007 haben LIONHEART Aggression und feurige Intensität zur Grundlage ihres groovigen, knallharten Sounds gemacht. Jedes Album markierte einen weiteren Schritt nach vorne: lauter, schärfer, stärker.

«Valley Of Death» liegt satte sieben Jahre zurück, wobei in der Zwischenzeit noch «Welcome To The West Coast III» erschienen ist. Nun hat das Quintett aus Oakland «Valley Of Death II» am Start, um die Fans auf das nächste Kapitel ihrer Geschichte vorzubereiten. Mit zehn Songs und einer Laufzeit von gut 23 Minuten ist die Botschaft klar. Auf «Valley Of Death II» findet man keine langen Tracks und kein Geplänkel. Lionheart setzen ihre intensive Mischung aus Hardcore und Metal überzeugend fort, die sich durch kraftvolle Rhythmen, intensive Gitarrenriffs und aggressiven Gesang auszeichnet.

Die neue Platte enthält zwei Songs mit Gastauftritten. Der erste ist «Chewing Through The Leash» und wird von Matt Honeycutt (Kublai Kahn) gefeatured, der zweite ist das Schlussstück «Death Grip», dem Kevin Skaff (A Day To Remember) seine Stimme leiht und damit zusätzlichen Schwung in den Song bringt. Trademarks wie wütende Gang-Shouts, massive Gitarrenriffs, treibende Basslines und aggressiver Gesang sind alleweil gut vertreten. «Valley Of Death II» ist wirklich ein grober Schlag der Hardcore-Schwergewichte, der punktgenau in der Magengrube landet. Mit diesem Album fügt die Truppe ein grossartiges zweites Kapitel zur «Valley Of Death» Storyline hinzu.

Man darf wohl sagen, dass dieses Werk das bisher ambitionierteste, persönlichste und schonungsloseste ihrer Karriere ist, obwohl dies schon beim letzten betont wurde. Ich persönlich würde dies aber auch unterschreiben, denn die zehn Songs markieren definitiv einen neuen Höhepunkt: sind heavier, düsterer und unerbittlicher als je zuvor. Treue Fans werden das Angebot verschlingen und mehr als zu schätzen wissen, und Frischlinge, die noch nie etwas von dieser Combo gehört haben, sollten sich diesen gewaltigen musikalischen Knaller auf jeden Fall einverleiben.
Oliver H.

 

https://www.youtube.com/embed/S_mBhccZ8S0

Mittwoch, 11 Februar 2026 03:35
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v. 10 Punkten: 7.5

Mitte Juni vergangenes Jahr beehrten INDUCTION das Zürcher Publikum im Komplex 457 als Vorband von Savatage. Als die Band den Europe Klassiker «The Final Countdown» ohne Keyboarder zum Besten gab, war das für unseren hochgeschätzten Metal Factory Kollegen Tinu zu viel. Ich musste ihn fast schon zurückhalten, denn er war kurz davor auf die Bühne zu springen, um Tim Hansen den Hals umzudrehen.

Auch sonst sah man viele kopfschüttelnde Metalheads im Publikum. Das nächste Mal, dass ich so viele ratlose Gesichter an einem Konzert sah, war beim Helloween Auftritt in der Hall, als Beast in Black den Support gaben, notabene ebenfalls ohne Keyboarder. Auch ich finde es immer befremdlicher, dass diese Combos zwar ihre Songs mit Keyboards fast zukleistern, aber kein Tastenmann engagiert ist. Somit wäre die Brücke von Induction zu Beast In Black elegant gebaut, denn der Sound der Deutschen fällt in dieselbe Kerbe wie Beast In Black, Battle Beast oder Sabaton.

Ebenfalls nicht neu ist, dass sich das Besetzungs-Karussell wieder ordentlich gedreht hat. Markus Felber an den Drums, Justs Sahlmann an der Gitarre und Gabriele Gozzi am Mikro sind neu dazugestossen. Ein grosser Quantensprung in Sachen Qualität ist dadurch weder nach unten, noch nach oben zu vermelden. Gabriele macht seine Sache mehr als ordentlich und macht Craig Cairns (Tailgunner) schnell vergessen (was nicht heissen soll, dass Craig ein mieser Sänger war!).

Zu den Songs: Natürlich verbraten Induction auch auf ihrem dritten Album jede Menge Kitsch und Melodien mit mächtig Zuckerguss. «Virtual Insanity» ist ein Ohrwurm par Excellence, «Steel And Thunder» ein flott vorgetragener Banger mit (natürlich) einem Refrain zum Mitsingen, «Beyond Horizons» schlägt mit der Bombast Keule um sich und der Titeltrack dürfte ein Midtempo-Stampfer, welcher live ganz sicher ankommen wird. Es ist ja beileibe nicht so, dass ich etwas gegen bombastische Power Metal Songs hätte, aber der Gedanke des fehlenden Keyboarders hallt einfach nach.

Fans des vielzitierten ‘Schlager Metal’ werden mit «Love Kills!» vollkommen zufrieden gestellt. Wer mit den genannten Bands überhaupt nichts anfangen kann, der wird auch mit Induction seine Probleme haben. Es bleibt allerdings zu hoffen, das man jetzt mal Ruhe in das Line-up bringt, denn eine eigene Identität ist der Band nach wie vor nicht nachzuweisen.
Rönu

 

https://www.youtube.com/embed/9GGawhmN018

Mittwoch, 11 Februar 2026 03:25
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v. 10 Punkten: 6.5

Finnland und schwer-traurige Mucke - das passt zusammen wie Arsch auf Eimer. Und MARIANAS REST machen hierbei keine Ausnahme, denn die Mucke ist generell eher schwer-drückend, traurig und deprimierend.

Die Idee an sich ist gut, der Sound macht auch was her, die Stimmung wird auf jeden Fall gut erzeugt. Nur der Sänger wirkt mit seinem gepressten Growlen, das an Alexi Laiho erinnert, irgendwie fehl am Platz. Diese Art des Schrei-Growlen hätte ich persönlich eher im Bereich Groove oder Death Metal verordnet, so wirkt sie in den getragenen Melodien wie ein Störfaktor. Der cleane Gesang geht voll in Ordnung und passt auch, aber eben. Was bleibt als Fazit? Marianas Rest geben denjenigen die Doom benötigen, ihren Stoff, kein Thema. Wer aber beim Thema Sänger ebenso wählerisch ist wie ich, der könnte hier mit «The Bereaved» Schwierigkeiten bekommen. Durchwachsen!
Toby S.

 

https://www.youtube.com/embed/iukYL-z3Ih0

Dienstag, 10 Februar 2026 03:45
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v. 10 Punkten: 8.0

Klassischen US-Metal der Sorte Omen, Savage Grace oder Metal Church bietet der Vierer aus…, Griechenland! Ja, die Jungs aus Athen haben ihre Hausaufgaben gemacht und stellen so manchen Vertreter des angeblichen Power Metals und der "New Wave Of Traditional Heavy Metal" in den Schatten.

Allein das Bassspiel von Savvas G kann sich mit jenem von Omens Jody Henry messen, und die Gitarren klingen ähnlich messerscharf wie diejenigen von Metal Church oder Exodus. Mit der sirenenartigen Stimme von Billy "The Kid" Chrepas (Wildfire) hat man die perfekte Ergänzung zu den teils wilden und ungebändigten Metal-Songs. Das dritte Album «Mind Reaper» wird die Metal-Maniacs begeistern.

Lieder wie das hymnische «Soul Stealers», das mit einer Kirchen-Orgel startende «The Mad Messiah» (was für ein wirbelndes Solo zu Beginn!), das mitreissende und schnelle «The Abyss» sowie der meisterliche Titelsong heben «Mind Reaper» aus vielen Veröffentlichungen heraus. Hier wird Metal mit Leidenschaft gespielt und das sollte jeden Banger in den Plattenladen treiben, um sich das neue Werk von Darklon zu kaufen!
Tinu

 

https://www.youtube.com/embed/NX4ofZvKgKU

Dienstag, 10 Februar 2026 03:35
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v. 10 Punkten: 7.9

Die britischen Progressive-Rocker PLANTOID präsentieren hier mit ihrem zweiten Album «Flare» eine weitere musikalische Reise durch die Progressive Rock Welt, mit Abstechern in Pop-Gefilde.

Die Musik um Gitarristin/Sängerin Chloe Spence ist Anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Schon der erste Track «Parasite» wechselt von ruhigen, poppigen Passagen in spannende Progressive-Parts und wird von der eher zarten Stimme von Chloe spannend veredelt. Man versucht immer wieder, spielerisch verschiedene musikalische Richtungen miteinander zu verflechten. Da treffen die eben poppigen Elemente auf jazzige Parts und viele auch ruhigere Progressive-Momente.

Gut zu hören beim eher ruhigen «The Weaver». Dem entgegen steht das zarte «Good For You», fast meditativ klingt die Musik aus den Boxen. Heftiger kommt das kurze, rockige «Splatter» daher, das sogar einen leichten Punk-Einschlag aufweist und etwas an die frühen Blondie erinnert. Die drei Briten legen hier mit «Flare» ein etwas anderes, nicht alltägliches Progressive Rock-Album vor, das entdeckt werden muss, mit vielen Facetten glänzt und auf jeden Fall hörenswert ist.
Crazy Beat

 

https://www.youtube.com/embed/slAeLqlAu50

Dienstag, 10 Februar 2026 03:25
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v. 10 Punkten: 8.0

EXCIDE aus North Carolina dürfen nach einer Reihe von produktionstechnischen Herausforderungen endlich ihr zweites Werk «Bastard Hymns» präsentieren. Die Platte ist der nächste logische Schritt nach dem Debüt-Album «Deliberate Revolver», doch nun gibt es für die Band keine Vorgaben oder Grenzen mehr.

Der Fünfer ergab sich förmlich seiner Kreativität und Entdeckungs-Freude. Klanglich liessen sich Tyler Washington (Gesang), Gill Gonzalez (Gitarre), Gage Lanza (Gitarre), Caleb Hogue (Bass) und Jacob Paris (Drums) von den Grooves und der Energie von Post Hardcore Bands der späten 90er Jahre (Cast Iron Hike oder Snapcase) inspirieren, während sie Melodien und strukturelle Elemente, ähnlich Quicksand und Cave In, übernahmen. Bei den zwölf Songs schaltet die Truppe nochmals einen deutlichen Gang höher, und insgesamt ist das Album ein rockiges, grooviges und äusserst wütendes Teil.

Durchdrungen vom Leiden des Aufwachsens in einer höllischen Hillbilly-Nachbarschaft und dem Drang zu überleben, um davon erzählen zu können. Das Ergebnis ist das hier vorliegende «Bastard Hymns». In Zusammenarbeit mit Co-Autor und Produzent Austin Coupe haben Excide ihre ohnehin schon aggressive Grundlage weiterentwickelt und sich damit auf unbekanntes Terrain begeben. Hinzu kommen die verzerrte Prahlerei von Queens Of The Stone Age, die Schwere von Soundgarden und die Atmosphäre von Failure, und schon hat man eine Platte, die sich sowohl vertraut als auch völlig neu anfühlt.

Die Riffs und Grooves machen Spass, sind kraftvoll, technisch und einprägsam, auch der Gesang ist beeindruckend, da er die Emotionen der Songs unterstreicht. Die Band und ihr Material wirken harmonisch, auch wenn der Sound manchmal fast dissonant daherkommt. Zu den persönlichen Favoriten gehören «Ruiner 95'», «Void Of Function» und «Heartware». Bei diesen gibt es so viele musikalische Texturen, die den Gesamtsound gut ergänzen. «Bastard Hymns» ist ein durchdachtes und kraftvolles Album geworden.
Oliver H.

 

https://www.youtube.com/embed/vQmS115NwyE

Montag, 09 Februar 2026 03:45
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v. 10 Punkten: keine Wertung

In der Schule wird den Kindern beigebracht, dass Krieg etwas Schlechtes ist. Vom Prager Fenstersturz bis zur Ermordung des Thronfolgers in Sarajevo: Krieg bedeutet immer Gewalt und Tod. Untermauert von Zahlen, so gewaltig und abstrakt, dass sie beinahe unecht wirken: Siebzehn Millionen Tote allein im Ersten Weltkrieg. Doch ein einzelnes Schicksal ist im Schatten des grossen Ganzen so winzig, dass es keine Beachtung findet. Genau hier setzt «Soldatenschicksale» an.

Noise gründete KANONENFIEBER im Jahr 2020, nachdem er das Tagebuch seines verstorbenen Urgrossvaters gelesen hatte, das dieser während des Zweiten Weltkriegs an der Front geschrieben hatte. Als Noise die erschreckenden Berichte aus erster Hand las, wurde ihm klar, dass er seine Kunst dem Gedenken an die unzähligen Opfer des Krieges widmen wollte. Das entworfene Konzept basiert auf Authentizität, wobei die Texte auf Berichten, Briefen und anderen historischen Dokumenten beruhen. «Soldatenschicksale» versammelt sieben überarbeitete Fassungen von «Yankee Division» (2022), «Der Füsilier» (2023) und «U-Bootsmann» (2023) sowie zwei neue Songs.

Die überarbeiteten Songs sind deutlich kraftvoller und bieten mehr Dynamik als die Originale. In Kombination mit dem düsteren Sound gewinnen diese Band-Klassiker an Intensität und dokumentieren gleichzeitig die Anfangs-Phase dieser relativ jungen Band. «Z-Vor!» und «Heizer Tenner» sind neu und thematisieren den Untergang des Kleinen Kreuzers Wiesbaden, erzählt aus der Sicht eines Marine-Melders und eines deutschen Heizers. Artillerie, Flammen, Maschinenlärm und mittendrin; zwei Männer, die Teil einer Geschichte werden, die keiner von beiden überlebt. Die Erzählung ist beklemmend, und die Musik unterstreicht perfekt die Tragik der Situation.

Einziger Lichtblick: in Wirklichkeit hat Oberheizer Hugo Zenne als einziger die sogenannte Skagerrak-Schlacht überlebt und konnte seine Erlebnisse später in einem Buch zusammenfassen. Musikalisch folgen auch diese beiden Songs dem Markenzeichen von Kanonenfieber. Rasante Black Metal Elemente verschmelzen mit morbiden Death Metal Riffs, die den dichten und heftigen Sound der Band prägen. Wer sich erst kürzlich mit der Musik von Kanonenfieber angefreundet hat, wird in «Soldatenschicksale» eine gute Zusammenfassung der Songs finden, die das musikalische Fundament dieser Band definieren. Die Songs stehen für treibende Musik mit einem lyrisch relevanten Ansatz.
Oliver H.

 

https://www.youtube.com/embed/4cW0qtMFKs0

Montag, 09 Februar 2026 03:35

Noch bevor die Nadel auf die Platte von LORD ELEPHANT fällt, weckt allein schon der Bandname bestimmte Erwartungen: etwas Massives, Langsames und Unübersehbares. Diese Erwartung wird erfüllt und prägt das gesamte Album. Links, zwei, drei, vier – Doom marschiert wie bei Colonel Hathi.

Die Musik entfaltet sich mit einer schweren, bedächtigen Präsenz. Die Riffs bewegen sich wie grosse Gliedmassen durch die dichte Luft: gemächlich, aber zielstrebig. Die Rhythmus-Gruppe verankert alles in einem tiefen, erdigen Groove. "Psychedelic Doom" ist die einfachste Bezeichnung, doch der Sound reicht noch weiter und bezieht bluesige Phrasierungen und die Lockerheit des Stoner Rock mit ein, ohne zerfahren zu klingen. Tracks wie «Electric Dunes» und «Smoke Tower» (gefällt sehr gut) wirken expansiv und physisch, während «Black River Blues» einen rohen, rauchigen Charakter hinzufügt und das Gefühl über die Präzision stellt.

Am auffälligsten ist, wie immersiv das Album ist, ohne sich auf den Gesang zu verlassen. Lord Elephant lassen Ton, Wiederholung und subtile Variationen die Geschichte erzählen. Die Gitarren-Linien kreisen und winden sich, anstatt zu dominieren; der Bass trägt echtes Gewicht, und das Schlagzeug bevorzugt Geduld gegenüber Effekthascherei. Die Produktion unterstreicht diesen Ansatz und klingt warm und organisch, als würde die Band im Raum spielen, statt durch Schichten von Studio-Polish.

«Ultra Soul» eignet sich am besten für Zuhörer, die es geniessen in den Klang einzutauchen, anstatt Hooks zu jagen. Es funktioniert gleichermassen gut als konzentrierte Reise mit Kopfhörern oder als langsam brennender Begleiter für das nächtliche Anhören. Ohne Hintergrund-Geschichte liefert das Album genau das, was sein Name verspricht: etwas Grosses, Bodenständiges und Soulvolles – Musik, die sich mit der ruhigen Zuversicht eines Elefanten bewegt und allein durch ihre Präsenz einen bleibenden Eindruck hinterlässt.
Lukas R.

 

https://www.youtube.com/embed/knTEeNLW0o0

Montag, 09 Februar 2026 03:25

Hört man sich «Gild The Lily» an, ohne NEW MISERABLE EXPERIENCE je zuvor gehört zu haben (so wie der Autor dieser Review), präsentiert sich das Album als ein Werk, das eher auf Zurückhaltung als auf Wirkung setzt. Obwohl Videos wie «Ordinary People» eine konventionelle Band-Besetzung mit einem Live-Schlagzeug zeigen, erzählt die Platte selbst eine andere Geschichte.

Im Studio sind alle Percussion-Elemente programmiert oder samplebasiert - eine bewusste Entscheidung, die den Rhythmus eher als Textur denn als Antrieb versteht. Dieser Unterschied ist entscheidend, um die innere Ausrichtung und das sorgfältig gestaltete Tempo des Albums zu verstehen. «Gild The Lily» wurde über "Pelagic Records" veröffentlicht und bewegt sich zwischen alternativem Synth-Rock, Post-Punk-Melancholie und zeitgenössischer elektronischer Musik.

In den zwölf Tracks bevorzugt die Band durchweg Sparsamkeit gegenüber Überfluss. Das Fehlen eines traditionellen Schlagzeugs fällt zunächst auf, erweist sich aber schnell als wesentlich für den Charakter des Albums. Die Beats pulsieren sanft und verschieben sich subtil, wodurch eine hypnotische Unterströmung entsteht, die Raum für Melodie und Atmosphäre lässt.

Chorus-getränkte Gitarren driften in den Vordergrund und wieder hinaus, anstatt sich durchzusetzen, während Basslinien häufig melodische Rollen übernehmen und die Songs sanft vorantreiben. Der Gesang wird mit bemerkenswerter Zurückhaltung dargeboten: intim, ungezwungen und ausgewogen zwischen Klarheit und Verschwommenheit. Der Gesamteindruck ist ruhig und eindringlich und erinnert ebenso an nächtliche Einsamkeit wie an schummrige, introspektive Clubräume.

Textlich und emotional beschäftigt sich «Gild The Lily» mit persönlicher Desillusionierung und allgemeiner sozialer Unruhe. Diese Themen werden nie übertrieben dargestellt. Stattdessen entscheidet sich die Band für zurückhaltende Formulierungen und geduldige Arrangements, wodurch sich die Wirkung allmählich aufbaut. Die Songs wirken weniger wie Erklärungen und vielmehr wie zufällig mitgehörte Geständnisse, deren Wirkung sich mit jedem weiteren Hören vertieft.

Die ersten Reaktionen der Zuhörer spiegeln diese Erfahrung wider. Während die Kommentar-Bereiche noch überschaubar sind, loben diejenigen, die sich mit den Singles beschäftigen, durchweg die Atmosphäre und die emotionale Tiefe des Albums. Fans von experimentellem und synthlastigem Rock begrüssen die Sanftheit, Weite und Melancholie des Projekts. «Gild The Lily» verlangt nicht durch Lautstärke oder Spektakel nach Aufmerksamkeit, sondern verdient sie sich auf ruhige Weise und offenbart eine anhaltende Resonanz, die auf eine dauerhafte Anziehungskraft hindeutet, die eventuell über den Zeitpunkt der Veröffentlichung hinausreichen wird.

Wenn jemand Bands wie Cigarettes After Sex wegen ihrer melancholischen Atmosphäre liebt, die sich gut für späte Abendstunden eignet, könnte ihm auch New Miserable Experience gefallen - insbesondere Zuhörerinnen und Zuhörer, die offen sind für dunklere Klangstrukturen und subtile Unruhe unter der ruhigen Oberfläche. Hier geht es weniger um sinnliche Träumerei, als vielmehr um emotionale Erschöpfung, Desillusionierung und stillen Widerstand.
Lukas R.

 

https://www.youtube.com/embed/cD14uxCH6EM

Samstag, 07 Februar 2026 06:45

Wie kann denn der Autor dieser Zeilen das vorliegende Album in seiner Jahresbestenliste 2025 führen, wenn die Veröffentlichung erst am 06. Februar 2026 ist? Nun, diese Unart hat sich leider in den letzten Jahren bei vielen Labels eingeschlichen. Erschienen ist «Dreamruler» nämlich schon Ende November, aber die Tonträger sind nun erst ab Februar erhältlich. Müsste wirklich nicht sein!

Nun, Steel Arctus können ja dafür nichts, und die Griechen liefern auf ihrem dritten Streich astreinen Epic Metal ab, der alle Fans von Battleroar, Phantom Lord oder Validor begeistern dürfte. Die Hellenen haben ja ein Händchen für diese Epic Metal Schiene und Steel Arctus machen da keine Ausnahme. Den Auftakt macht «Cry For Revenge», ist Stahl pur und erinnert an Jag Panzer, beileibe keine schlechte Referenz. Das galoppierende «Defender Of Steel» wird begleitet durch Keyboards, glänzt durch hohe Screams, geilem Chorus und ultrageilen Riffs.

Der balladeske Midtempo-Stampfer «Wicked Lies» lässt der epischen Seite freien Lauf, das hätte auch Jon Schaffer nicht besser hinbekommen. Lasst Euch vom im Comic-Stil gezeichneten Artwork nicht abschrecken. Denn wer Steel Arctus haben Feuer im Arsch und haben mit «Dreamruler» ihr bis dato stärkstes Album am Start. Wer einen Song wie «Legend Of The Warrior» an den Schluss packen kann, der hat verdammt viel richtig gemacht. Melancholische, wunderschöne Melodien und emotionaler Gesang, besser kann man eine epische Ballade nicht schreiben.
Rönu

 

https://www.youtube.com/embed/ul_4v6ahEkw

Samstag, 07 Februar 2026 06:35

Mit «Me And My Shadow» liefern DIRTY SOUND MAGNET ein Album ab, das sich Track für Track bewusst entfaltet. Jeder Song offenbart dabei eine andere Facette ihrer klanglichen Identität und bleibt dennoch Teil eines kohärenten Ganzen.

Der Opener «Power Of This Song» gibt mit seinem erdigen Blues Rock Sound und einem fast rituellen Drive den Ton an. Seine rohe Energie fühlt sich an wie ein Handschlag mit der Rock-Geschichte, doch der Groove ist eher locker und lebendig als ehrfürchtig. «Dance And Die» hält die Dynamik aufrecht, bewegt sich aber in funkigeren Gefilden. Getragen von einer eindringlichen Rhythmus-Gruppe verwandelt der Song körperliche Bewegung in etwas Dunkleres und Dringlicheres und gipfelt in einem spannungsgeladenen, emotional aufgeladenen Gitarren-Höhepunkt.

Mit «Swimming in Trance» atmet das Album auf. Jazzige Rhythmen und psychedelische Texturen schaffen eine schwebende, introspektive Atmosphäre - einen der eindringlichsten Momente der Scheibe. Diese Ruhe wird durch «Dead Inside» zerstört, einen dichten, schweren Track, der eher von einem gnadenlosen Riff und einem Gefühl des inneren Zusammenbruchs als von äusserer Aggression angetrieben wird.

Das Herzstück «Calypso» erstreckt sich zu einer mythischen, progressiven Reise. Wechselnde Stimmungen, vielschichtige Harmonien und ein feuriges Solo machen ihn zum cineastischsten Statement des Ganzen. «The 9 Commandments Of Men» ist der seltsamste Titel – akustisch, beunruhigend und bewusst unangenehm - eine Mischung aus Folk, Blues und Bedrohung. «Long Drive» bringt emotionale Entspannung und baut sich von fragiler Intimität zu einem vollen Bandsound auf, der die Einsamkeit des Lebens auf Tours einfängt.

Der Titeltrack «Me And My Shadow» verbindet schliesslich alles miteinander und schliesst «Me And My Shadow» ab. Groove, Introspektion und explosive Entladung. Er fühlt sich an wie ein Manifest in Klang: unvorhersehbar, suchend und unverkennbar Dirty Sound Magnet. Am besten hört man sich dieses Album von Anfang bis Ende an, denn es belohnt Zuhörer, die Immersion mehr schätzen als Unmittelbarkeit.
Lukas R.


https://www.youtube.com/embed/EMvsqRUUabQ

Samstag, 07 Februar 2026 06:25
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v. 10 Punkten: keine Wertung

ALKALOID kennen wirklich keine Grenzen! Morean (v/g), Hannes Grossmann (d), Linus Klausenitzer (b) und Christian Münzner (g) hatten bereits als Mitglieder von Obscura, Triptykon und Dark Fortress den Gesetzen des Metal-Universums getrotzt, aber seit sie sich 2013 zu einer Supergroup zusammengeschlossen haben, experimentieren sie an einer neuen Zusammensetzung des progressiven Death Metals.

Ihre drei Studio-Alben verschmelzen bereits alles von weltlichen Poly-Rhythmen und Science-Fiction-Konzepten bis hin zu monströsen Growls, brutal technischen Riffs und mitreissenden Refrains. Doch trotz ihrer bereits beeindruckenden Diskografie lieferten Alkaloid im Sommer 2024 den Supergau! «Bach Out Of Bounds» war ein Auftritt der Band, die faszinierende Parallelen zwischen ihren unvergleichlichen Kompositionen und dem verehrten Komponisten Johann Sebastian Bach zieht.

Die Performance war so bahnbrechend, zusammen mit einem preisgekrönten Ensemble aus Sängern, Akkordeonisten und Streichern, dass dieses Konzert für die Nachwelt aufgezeichnet wurde. «Bach Out Of Bounds» soll belegen, dass die Musik von damals, heute noch genauso aktuell ist. Um dies bestätigen zu können, sollte man doch über ein gewisses "bachsche" Grundwissen verfügen, denn das neue Werk bringt drei Klassiker des Komponisten mit der Underground-Kunst in Dialog.

Die sakrale Arie «Agnus Die» wird originalgetreu aufgeführt, verziert durch die Sopranistinnen Rianne Wilbers und Chrysa Tsaltampasi. Die neuen Gitarristen der Band, Max Blok und Justin Hombach, spielen harmonisch mit den Violinisten Julija Hartig und Oene van Geel durch das monumentale «Allegro». Marieke Hopmans traurige Akkordeon-Klänge begleiten die langsame und traurige Prozession von «Adagio - All Is Vanity». Für die weiteren Songs nutzte Morean Bachs Techniken, um einen Alkaloid-Song zu schreiben.

So enthält das Album noch erweiterte Interpretationen der aktuellen Fan-Favoriten «A Fool's Desire» und «The Fungi From Yuggoth», ganz zu schweigen von zwei brandneuen Songs. Das aktuelle Material ist keine leichte Kost. Was im Original bereits schwer verdaulich ist, wird hier nicht leichter. Mit einer Affinität hin zu Klassik und Metal lässt sich den acht Songs sicherlich etwas abgewinnen. Zur musikalischen Unterhaltung beim Kochen taugt die Scheibe derweil nicht! Mit «Bach Out Of Bounds» liefern Alkaloid eine klassisch-innovative Performance ab, wie sie nur ein wahrer Maestro bieten und vermutlich auch verstehen kann.
Oliver H.


https://www.youtube.com/embed/5KBIjAAQwds

Freitag, 06 Februar 2026 03:45

Es gibt diese 10/10 Alben, die einen still und leise umhauen. «Weapons Of Beauty», JAY BUCHANANs zweites Solo-Album und sein wahrer künstlerischer Durchbruch ausserhalb von Rival Sons, gehört eindeutig in diese Kategorie. Hierbei handelt es sich nicht um einen Rock-Sänger, der sich nebenbei mit Nebenprojekten beschäftigt, sondern um ein vollendetes Statement einer der emotional fesselndsten Stimmen seiner Generation.

Buchanans Stimme war schon immer sein Markenzeichen, doch auf «Weapons Of Beauty» begegnet sie uns so offen und ungeschützt wie nie zuvor. Sie besitzt eine seltene Qualität, die man ich ehesten mit der Stimme von Anton von den Basement Saints vergleichen kann: Sie will nicht überwältigen, sondern berührt unmittelbar. Sie ist engelhaft, ohne zerbrechlich zu wirken, geerdet, ohne schwer zu sein und trägt Melodien, die sich leise entfalten und doch unausweichlich ins Innerste treffen. Diese Art des Singens verwandelt selbst einfachste Melodielinien in etwas zutiefst Bedeutungsvolles - nicht durch Effekte, sondern durch Haltung, Atem und Wahrhaftigkeit. Die Arrangements folgen dabei einer ganz eigenen Logik. Sie sind reduziert, geduldig und niemals dekorativ, sondern stets dienend.

Die Tempi dürfen sich Zeit nehmen, die Räume bleiben bewusst offen und die Melodien scheinen eher freigelegt als konstruiert zu sein, als hätten sie schon immer dort gelegen und müssten nur ausgesprochen werden. Und zudem schimmert im Auftreten Buchanans etwas Vertrautes durch: die leuchtende Figur des Doors-Sängers Jim Morrison. Nicht als Kopie, nicht als Pose und auch nicht als blosse Stilfrage, sondern als Aura. Diese Mischung aus körperlicher Präsenz, innerer Glut und der Fähigkeit, ein Publikum zu fesseln. Der Look mag Erinnerungen wecken, doch letztlich ist er nebensächlich. Entscheidend ist diese predigerhafte Intensität, mit der Buchanan auftritt: intim, fokussiert, zutiefst menschlich, als würde er weniger performen als bekennen.

Stilistisch bewegt sich «Weapons Of Beauty» in einem weiten Raum zwischen American Gothic, Desert Folk, Gospel-Anklängen und langsam brennender Roots-Musik. Hier gibt es keine Übertreibungen. Jede Note fühlt sich bewusst an, jede Stille ist bedeutungsvoll. Während viele zeitgenössische Singer-Songwriter durch ihre Produktion nach Grösse streben, erreicht Buchanan diese durch Zurückhaltung. Das Album atmet. Es hört zu. Es vertraut den Songs. Buchanan greift textlich stark auf biblische Sprache und Bilder zurück, jedoch niemals in dogmatischer Weise. Es sind Parabeln für moderne Seelen: Geschichten über Verlust, Ausdauer, Liebe, Schuld und Gnade, erzählt mit der Kadenz eines Geschichten-Erzählers, der sowohl den Glauben als auch den Zweifel kennt.

Was mich trifft, ist noch etwas anderes was hier mitschwingt: eine Abrechnung; mit mir selbst, mit falschen Abzweigungen, mit verpassten Momenten und all dem, was man zu lange mit sich herumträgt, ohne es je auszusprechen. Das Hörerlebnis ist immersiv und auf stille Weise überwältigend. Diese Musik verlangt Aufmerksamkeit und belohnt Stille. Wenn Ihr Euch jemals gefragt habt, warum emotional banale Popsongs Millionen von Menschen bewegen, während Ihr selbst unberührt bleiben könnt (so wie ich mit Ed Sheeran), dann ist «Weapons Of Beauty» das Gegenmittel. Es ist melancholisch, aber nicht selbstmitleidig; schön, aber nicht sentimental und auf ehrlichste Weise erschütternd. 

Buchanan beweist sich hier als mehr als nur ein Rock-Frontmann. Er ist ein Dichter, ein Zeuge und ein seltener Künstler, der versteht, dass die grösste Kraft der Musik dort liegt, wo Sprache versagt. «Weapons Of Beauty» ist nicht nur eines der besten Alben des Jahres 2026, sondern ein Album, das mit der Zeit an Tiefe gewinnt, langsam reift und auch lange nach dem Ende von Trends unverzichtbar bleiben wird. Ein Muss für jede ernsthafte Musiksammlung! Ein Muss für jeden der Tiefe liebt! Ein Muss der das Leben liebt! Ein MUSS für jede ernsthafte Musiksammlung. Ein MUSS für alle, die Tiefe nicht scheuen. Ein MUSS für jene, die das Leben lieben – mit all seinen Brüchen, seiner Schönheit und seinem Gewicht.
Lukas R.

 

https://www.youtube.com/embed/sGDOdEgXQ0o

Freitag, 06 Februar 2026 03:35
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v. 10 Punkten: 8.1

Wie auch Emperor, besitzen MAYHEM ebenso eine gewisse Grösse, die sie von anderen Black Metal Bands unterscheidet. Besonders hervorsticht der ausgereifte Sound dieser Besetzung. Es ist keine Neuerfindung um ihrer selbst willen. Die Band verfeinert lediglich das, was sie bereits gut kann. Nach vier Jahrzehnten dokumentiert «Liturgy Of Death» eher die fortwährende Absicht als das Vermächtnis. Unnachgiebig, fokussiert und mit Unbehagen wohlfühlend.

Bei Mayhem sind Erwartungen und auch die Vergangenheit (Selbstmord, Mord, Legenden) stets eine Belastung, doch «Liturgy Of Death» weigert sich, die Nostalgie-Karte auszuspielen. Stattdessen klingt das Album wie eine Band, die genau weiss, wer sie ist, und kein Interesse daran hat, Ecken und Kanten zu glätten oder sich zu erklären. Dies ist weder eine Rückkehr zu den Wurzeln, noch eine stilistische Kehrtwende. Es ist eine Verfeinerung durch Druck.

Klanglich ist das Album dicht und imposant. Die Gitarren fungieren als bewegliche Spannungsfelder, die ständig ihre Form verändern, ohne sich in Komfort zu flüchten. Hellhammers Schlagzeugspiel bleibt eine prägende Kraft: Es ist präzise, unerbittlich und eher architektonisch als aggressiv. Attila Csihars Gesang ist so polarisierend wie eh und je und bewegt sich zwischen rituellen Gesängen, angestrengten, opernhaften Phrasierungen sowie unterirdischen Growls. Anstatt die Songs zu dominieren, verhält sich seine Stimme wie ein weiteres, instabiles Instrument innerhalb des Mixes.

Was «Liturgy Of Death» von viel zeitgenössischem Black Metal unterscheidet, ist seine Geduld. Trotz der Geschwindigkeit und Gewalt widersteht das Album der sofortigen Befriedigung. Die Tracks entfalten sich allmählich und verweigern oft eine Auflösung, wodurch ein anhaltendes Gefühl der Unruhe entsteht. Die Produktion unterstützt diesen Ansatz: Sie ist klar genug, um jedes Detail freizulegen, aber dennoch kalt und unversöhnlich, niemals üppig oder einladend.

Das Anhören dieses Albums ist anspruchsvoll. Es belohnt konzentrierte Aufmerksamkeit statt beiläufigen Hintergrund-Konsum. Wiederholtes Anhören offenbart die subtilen strukturellen Entscheidungen, die sich unter dem Chaos verbergen. Fans der späteren Werke von Mayhem werden seine Disziplin und Strenge zu schätzen wissen, während Neulinge es vielleicht als absichtlich unzugänglich empfinden.

Ist es hörenswert? Auf jeden Fall wenn man Black Metal schätzt, der herausfordert statt zu unterhalten. «Liturgy Of Death» steht fest, streng und kompromisslos da und beweist, dass Langlebigkeit in extremer Musik anhaltende Relevanz bedeuten kann statt Rückzug. Wenn Mayhem im Februar 2026 die Schweizer Bühne betreten, erwartet keine nostalgische Wohlfühlreise. In der Vergangenheit wollte Mayhem unter dem wachsamen Auge von Øystein Aarseth (R.I.P.) keine Fans - sie wollten Überzeugung. Es gab ungeschriebene Regeln, darunter die Tatsache, dass Satanismus ein Glaube sein sollte, kein Kostüm.

Heute überprüft niemand mehr Referenzen an der Tür, aber die Einstellung ist nach wie vor dieselbe. Die Musik ist immer noch feindselig, die Atmosphäre immer noch kalt und Komfort nach wie vor optional. Betrachtet es weniger als ein Konzert, sondern eher als eine Erinnerung daran, dass Mayhem nie dazu da waren zu unterhalten – und es auch heute noch nicht sind. Iam sub lecto non iacent aves mortuae atque putridae!
Lukas R.


https://www.youtube.com/embed/E7BxylkYCI0



Freitag, 06 Februar 2026 03:25
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v. 10 Punkten: 7.0

Südamerika mausert sich nicht erst seit gestern zu einem Metal und Hard Rock begeisterten Kontinent, sondern bietet auch immer wieder coole neue Bands. Mit dem zweiten Werk «What The Nite Is All About» keimt der Ursprung solcher Truppe wie XYZ, Hurricane Alice, oder Wildside bei Nite Stinger auf und wird alle jene beglücken, die sich mit dem Sound der obenstehenden Bands begeistern können.

Vielleicht gehen die Südamerikaner dabei ab und zu etwas kerniger vor, können aber nicht das Hitpotential dieser Truppen erreichen, weil… Sie eben nicht in dieser Zeit musizierten und genau diese nur reproduzieren können. Trotzdem sollten man sich das Album anhören, weil beim Titelsong kein Geringerer als Tuffs Stevie Rachelle mitmacht. Am Ende ist «What The Nite Is All About» eine gelungene Scheibe geworden, die mit Riffs, einer kernigen Stimme und der nötigen Härte ganz vieles gut umgesetzt hat und mit «Only You» einen kleinen Hit beinhaltet.
Tinu

 

https://www.youtube.com/embed/fxz5_bgk56k

Donnerstag, 05 Februar 2026 03:45

Die Schweden HÄLLAS nehmen den Zuhörer gleich zu Beginn ihres vierten Werkes mit auf eine 21 Minuten lange Reise mit «Above The Continuum» in ihre wunderbare Welt des Progressive Rock. Die Musik schwebt, die Orgeln wabern, der Gesang zieht den Zuhörer in seinen Bann, erinnert mich etwas an Procol Harum.

Immer wieder glänzt man mit musikalischen Spielereien, grossen Chören und wunderschönen Gitarren- wie Keyboard-Soli. Nach dem Opener ist es schwer, sich aus der Welt dieses Epos zu lösen und man ist versucht, sich diesen grossen Song gleich nochmals anzuhören, faszinierend. Das folgende «Face Of An Angel» kommt dann rockiger und schlichter daher, eine coole 70er-Jahre-Nummer mit starker Melodie. «The Emissary» ist dann wieder eine verspielte, leichte Progressive-Nummer mit vielen Twin-Guitars, ein rockiger Track, der deutlich an Wishbone Ash erinnert. Auch hier kommen wieder diese starken Chöre zum Zuge.

Mit «Bestiaus» hat man eine ruhige, nachdenkliche Klavier-Ballade am Start, die den Zuhörer fesselt, sehr schön auch der gefühlvolle Gesang von Tommy Alexandersson. Mit «The Summit», der mit ruhigen, klassischen Gitarren startet und sich dann in einen mitreissenden Progressive-Track verwandelt, schliessen die Schweden ein wunderbares Stück ab. Unglaublich, was die Truppe hier abzieht! Selten wird man von Musik so mitgerissen, wie das die fünf aussergewöhnlichen Musiker hier schaffen. Progressive Rock auf höchstem Niveau.
Crazy Beat

 

https://www.youtube.com/embed/WSbZwuOHLvE

Donnerstag, 05 Februar 2026 03:35
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v. 10 Punkten: 7.0

Das vierte Album der Power Metaller DEATH DEALER bietet logischerweise kernigen und kräftigen Metal in seiner ureigensten Form. Über das Sanges-Organ von Sean Peck werden sich die Götter zwar einmal mehr streiten. Sicherlich aber nicht darüber, dass seine Kreissäge-artigen Schreie jedes Glas zum Zersplittern bringen werden!

Mit Ross The Boss (ehemals Manowar), hat man einen der besten Gitarristen für diese Art von Musik in den eigenen Reihen. Wer sich beim Anhören von «Reign Of Steel» ab und zu an die älteren Tracks der Ledertanga-Boys erinnert fühlt, liegt dabei nicht falsch. Neben dem stählernen Opener «Assemble» können die Jungs auch mit melodischeren (Gitarren-Harmonien-) Parts und «Blast The Highway» den Metal-Jüngern den Arsch versohlen.

Was das Quintett macht, hört sich in der Tat gut an, aber was ihnen zum grossen Erfolg fehlt, sind halt Lieder, die sich als All-Time-Classic entpuppen. Hier hört man jedoch kein «Thundersteel» (Riot), «American Metal» (Lizzy Borden), «Start The Fire» (Metal Church) oder «Black, Wind, Fire And Steel» (Manowar). Trotzdem sollten Metal-Heads der alten Schule hier mal vorurteilslos reinhören.
Tinu

 

https://www.youtube.com/embed/GEjOVCp7wT0

Donnerstag, 05 Februar 2026 03:25
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v. 10 Punkten: 7.4

Mit ihrem dritten Album «Empires Of Stone» hat sich das Trio STONE NOMADS aus Houston fest in seiner eigenen Ecke des Doom-Sludge etabliert, ohne nach Innovation zu streben.

Das Album basiert auf dichten, tiefen Riffs und einem ausgeprägten, südstaatlichen Groove. Es hat eine physische Schwere, die sich nie übertrieben anfühlt. Die Produktion ist dicht, aber klar, sodass das Zusammenspiel der Band gut zur Geltung kommt, ohne die Ecken und Kanten zu glätten, die der Musik ihren Charakter verleihen. Der Anfang macht deutlich, was einen erwartet. «Lost In The Storm» beginnt mit einer zurückhaltenden Einleitung, bevor es in einen mittelschnellen Rhythmus übergeht, der das Tempo des Albums vorgibt.

«Eyehatesociety» folgt mit einem schmutzigeren, konfrontativeren Ton, der sich an Sludge-Rhythmen anlehnt, ohne ins Chaos abzugleiten. Ein kurzes, instrumentales Intermezzo namens «Valley Of Souls» bietet eine kurze Pause - atmosphärisch und zurückhaltend - bevor das Album wieder zu schwereren Tönen zurückkehrt. Der Titeltrack «Empires of Stone» ist einer der ausgewogeneren Songs des Albums. Er kombiniert ein doomlastiges Tempo mit einem stärkeren Sinn für Struktur und einem Refrain, der länger nachhallt als die meisten anderen.

An anderer Stelle dehnen sich «Mount Aras» (der Favorit des Autors, da er etwas freakiger ist als die anderen Songs) und «Desolate Sands» aus. Sie bevorzugen langsame Spannung gegenüber sofortiger Wirkung. «Death Adder» gehört zu den düstersten Momenten des Albums. Der Song schleppt sich eher mit einem Gefühl stiller Bedrohung vorwärts. Der letzte Titel, «The Devil Lives in Texas», verleiht dem Ganzen wieder eine schärfere Note und findet ein aggressives Ende.

Gesanglich funktioniert der duale Ansatz gut, auch wenn er selten überrascht, die beiden haben schlussendlich doch zu ähnliche Stimmen. Das Songwriting priorisiert Konsistenz gegenüber Risiko. «Empires Of Stone» liefert ein kohärentes Heavy-Hörerlebnis, das Fans von Doom, Sludge und groove-getriebenem Metal zu schätzen wissen werden. Es mag kein Meilenstein des Genres sein, aber es ist ein solides, selbstbewusstes Werk, das seinen Platz im wachsenden Katalog von Stone Nomads rechtfertigt.
Lukas R.

 

https://www.youtube.com/embed/IZSkIOys9j4

Mittwoch, 04 Februar 2026 03:45
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v. 10 Punkten: 8.0

Mit «Exequiae» tauchen LONE WANDERER noch tiefer in Stille, Schwere und Ritual ein. Dies ist ein Album, das sich nicht sofort offenbart. Es fordert die Zuhörer auf, langsamer zu werden, zu verweilen und die Dauer als Teil seiner Bedeutung zu akzeptieren.

Für alle, die schon immer eine besondere Vorliebe für lange Songs hatten, für Musik, die sich wie eine ausgedehnte Totenwache entfaltet, fühlt sich «Exequiae» sofort auf diese Sensibilität abgestimmt an - auch für den Autor. Das Album ist fest im Funeral Doom verwurzelt und basiert auf weitläufigen, bedächtigen Gitarren-Bewegungen sowie einem nahezu architektonischen Raumgefühl. Die Akkorde dürfen so lange nachklingen, bis sich ihre emotionale Schwere vollständig entfaltet hat.

Die Trommeln kommen sparsam zum Einsatz - eher zeremoniell als rhythmisch - während der Bass die Luft leise verdichtet. Was Lone Wanderer auszeichnet, ist die Sorgfalt, mit der auf Harmonie geachtet wird. Unter der erdrückenden Langsamkeit sorgen subtile Verschiebungen und vielschichtige Voicings für ein konstantes, fast unmerkbares Gefühl der Transformation. Dieser Ansatz wird im fast 25-minütigen «To Rest Eternally» besonders deutlich. Anstatt nach einem dramatischen Höhepunkt zu streben, vertieft sich das Stück durch Wiederholung und Geduld.

Themen kehren verändert zurück, wie es auch die Trauer selbst tut, und gewinnen durch Vertrautheit an Gewicht. Der zurückhaltende, düstere Gesang fungiert weniger als Erzählung, sondern vielmehr als Anrufung, wodurch der liturgische Charakter des Albums verstärkt wird. Die Produktion unterstützt diese Ästhetik mit bemerkenswerter Klarheit. Jede lang gehaltene Note hat Raum zum Atmen, wodurch Stille und Verfall als kompositorische Mittel betont werden.

Visuell spiegelt das im Stil der Romantik gehaltene Artwork die nebelverhangene Feierlichkeit der Musik wider und verstärkt das Gefühl zeitloser Trauer. «Exequiae» belohnt diejenigen, die bereit sind, Zeit und Aufmerksamkeit zu investieren – insbesondere Zuhörer die glauben, dass Länge, wenn sie mit Sorgfalt eingesetzt wird, die emotionale Wirkung vertiefen kann. Lone Wanderer versuchen hier nicht, Funeral Doom neu zu definieren, sondern verfeinern ihn zu etwas Fokussiertem, Strengem und still Verheerendem - Musik, die noch lange nach dem Verklingen der letzten Note nachhallt. Jetzt anhören, sterben kann man später.
Lukas R.

 

https://www.youtube.com/embed/6nfIUAjmNRc

Mittwoch, 04 Februar 2026 03:35
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v. 10 Punkten: 7.8

CRYSTAL LAKE Lake bringen ihr mit Spannung erwartetes siebtes Studio-Album «The Weight Of Sound», das erste mit dem neuen Sänger John Robert C (ehemals The Last Ten Seconds Of Life), auf den Markt.

Als eine der international bekanntesten Metalcore Bands Japans hat sich die Truppe über zwei Jahrzehnte lang ihren Platz auf der globalen Bühne erobert, unermüdlich getourt und sich einen Ruf für ihre wilden und beeindruckenden Live-Auftritte erarbeitet. Mit dieser Platte festigen sie definitiv ihren Status als Pioniere des japanischen Metalcore. Das Album startet mit «Everblack», einem intensiven und würdigen Opener, der trotz einigem Klargesang äusserst heavy daherkommt. «BlüdGod» mit Taylor Barber (Left To Suffer / Seven Hours After Violet) bietet einen intensiven Death Growl, der die Intensität aufrechterhält.

«Neversleep» ist offensiv groovig und sollte grundsätzlich jeden abholen, der gerne den Nacken trainiert. «King Down» ist ein erneuter Nackenkiller, während «The Undertow» das Quintett aufs musikalische Schlachtfeld führt. Im Anschluss wird klar, weshalb die Platte «The Weight Of Sound» heisst, denn die Lead-Single ist der beste Song des Albums. Er hat alles, was man von dieser Band erwartet. «Crossing Nails» bringt neue Elemente ins Spiel, die bisher auf dem Album noch nicht zu hören waren, und sich reinem Death Metal anlehnen. Top!

«Dystopia» belegt den zweiten Platz hinter meinem Favoriten. Die Gitarren-Melodie ruft, zusammen mit dem Gesang, Hoffnung hervor. «Sinner» lädt zum Mitsingen ein, während man durch «Don't Breathe» wieder ziemlich zusammengestaucht wird. «Coma Wave» birgt nach der intensiven 40-minütigen Fahrt etwas Beruhigung, die einem abschliessend verschnaufen lässt.

Mit Beiträgen von Jesse Leach (Killswitch Engage), David Simonich (Signs Of The Swarm), Taylor Barber (Seven Hours After Violet), Myke Terry (Fire From The Gods, Volumes) und Karl Schubach (Misery Signals) glänzt das Album mit elf Titeln auch durch seine Gäste-Vielfalt und bleibt dennoch dem Kernsound von Crystal Lake treu. «The Weight Of Sound» wurde von Jeff Dune (Knocked Loose, Make Them Suffer, Currents) gemischt und gemastert, und ist perfekt bepackt mit schweren Melodien, sowie Musik, die zum Nachdenken anregt.
Oliver H.


https://www.youtube.com/embed/zNlIGbsbMCA

Mittwoch, 04 Februar 2026 03:25

Das italienische Trio existiert bereits seit siebzehn Jahren und «Reek Of Gold» ist das sechste Album der Band. Für mich allerdings ist es die erste Begegnung, ein Grund dafür ist sicher auch, dass BARBARIAN bisher bei relativ unbekannten Labels wie "Doomentia" oder "Hells Headbangers" unter Vertrag standen. Mit "Dying Victims" dürfte der Bekanntheitsgrad nun eine Steigerung erfahren.

Musikalisch sind die Jungs schwer zu beschreiben. Ein bisschen Celtic Frost, ein wenig Midnight und Motörhead, aber auch Bütcher, Bewitcher und alte Running Wild schimmern durch. Die Songs sind kurz und knackig, die 4-Minuten-Grenze durchbricht mit «Cancer Cross» nur ein Track. Dass ich auch nach drei, vier Durchgängen keinen wirklichen Höhepunkt festmachen kann, beweist eigentlich nur, dass ich bisher nicht viel verpasst habe.

Der räudige, etwas eintönige Gesang von Borys Crossburn ist der wohl grösste Streitpunkt, denn die Riffs animieren zumindest zum anerkennenden Nicken. Als Anspiel-Tipp sind die ordentlichen Abrissbirnen «Sledgehammer» und «Eighth Sacrament» zu nennen, und trotzdem würde ich vor einem Kauf erst mal reinhören. «Reek Of Gold» ist kein schlechtes Album, aber es hebt sich auch nicht wesentlich von anderen, ähnlichen Veröffentlichungen ab.
Rönu

 

https://www.youtube.com/embed/ZkKAt7paz3w

Dienstag, 03 Februar 2026 03:45
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v. 10 Punkten: 8.0

Mit «Dreamcrush» erreichen MØL einen Punkt, an dem Ambition und Zurückhaltung aufeinandertreffen. Das dritte Album der dänischen Band zielt eher darauf ab, Blackgaze zu verfeinern, indem Überflüssiges weggelassen und die emotionale Wirkung vertieft wird. Das Ergebnis ist ein Album, das sorgfältig gestaltet wirkt, bewusst Kontraste setzt und selbstbewusst genug ist, um Zerbrechlichkeit und Kraft nebeneinander bestehen zu lassen.

Klanglich balanciert «Dreamcrush» zwei gegensätzliche Impulse aus. Einerseits stehen die vertraute, von Blasts getriebene Intensität und die rauen Vocals, die ihre Wurzeln im Black Metal haben. Auf der anderen Seite gibt es eine ausgeprägte Neigung zur Melodie: breite Shoegaze-Gitarrenlayers, Alternative-Rock-Hooks und Post-Rock-Tempi, die den Songs Raum zum Atmen lassen. Auffällig ist, wie natürlich diese Elemente miteinander interagieren. Anstelle von abrupten Kollisionen entfalten sich die Übergänge mit Geduld und verleihen der Musik einen narrativen Fluss statt eines ständigen Schockwerts.

Die Atmosphäre des Albums ist schwer, aber nicht erdrückend. Selbst in den aggressivsten Momenten gibt es Raum: Hallige Gitarren schimmern unter der Oberfläche und rhythmische Verschiebungen schaffen Momente der Spannung, bevor die nächste Welle kommt. Clean Vocals kommen gezielter zum Einsatz als auf früheren Veröffentlichungen – nicht um des Kontrastes willen, sondern als emotionale Anker, die die Songs in etwas Menschlichem und Unmittelbarem verankern.

Was «Dreamcrush» fesselnd macht, ist seine emotionale Klarheit. Obwohl sich das Album mit Themen wie Desillusionierung, Trauer und der Last der Erwartungen befasst, vermeidet es Melodramatik. Die Stimmung ist eher introspektiv als verzweifelt und suggeriert Ausdauer statt Zusammenbruch. Dieses subtile Gefühl der Vorwärtsbewegung – in der Spannung zu stehen, anstatt ihr zu entfliehen – verleiht dem Album eine anhaltende Resonanz.

Das Hörerlebnis belohnt Geduld. Zwar können die dichten Schichten und stilistischen Wechsel zunächst überwältigend wirken, wiederholtes Anhören offenbart jedoch eine sorgfältige Sequenzierung und wiederkehrende Motive, die das Album zusammenhalten. Fans von Blackgaze, Post Metal und atmosphärischem Rock werden hier viel entdecken können, insbesondere diejenigen, die Alben schätzen, die sich langsam entfalten, statt sofortige Befriedigung zu liefern. «Dreamcrush» ist vielleicht nicht das auffälligste Album im Katalog von MØL, aber wohl ihr reifstes.
Lukas R.


https://www.youtube.com/embed/Jq94LUIUJws

Dienstag, 03 Februar 2026 03:35

Als ich DRAMATIST beim "Wacken Open Air" 2025 zum ersten Mal entdeckte, als wir eines Abends zur "Wasteland Stage" durch den Schlamm wateten, beeindruckte mich nicht nur die Energie der Band, sondern auch das Gefühl, dass jeder Song sein eigenes Gewicht und seine eigene Intention hatte. Dieses Gefühl kommt auf ihrem Debüt-Album «Wasting Words» voll zur Geltung.

Das Album entfaltet sich Track für Track wie ein dicht geschriebenes Kapitel eines modernen Punk-Dramas. Ich war mir auch sicher dass diese Jungs aus den UK sind, aber ganz falsch; Bremen. «Black Hole» eröffnet das Album mit unmittelbarer physischer Kraft. Dichte Gitarren und ein unerbittlicher rhythmischer Drive ziehen die Hörer:innen direkt in das Universum der Band hinein. Die kurze Pause in der Mitte des Songs fühlt sich an wie ein angehaltener Atemzug, bevor die Spannung noch stärker zurückkehrt und die Kerndynamik des Albums etabliert wird. Druck, Entspannung und erneute Wirkung.

«Fat White Families» folgt mit schärferen Kanten. Rhythmisch drängend und melodisch direkt trägt er eine unverkennbare politische Schärfe. Die Wut ist hier eher kontrolliert als chaotisch und wird in einem nachhallenden Refrain vermittelt, ohne die Botschaft abzuschwächen. «Disappointed» verlagert den Fokus nach innen. Der geschriene Refrain wirkt kathartisch, beinah reinigend, als würde die Frustration verbrannt statt nur ausgedrückt werden. Der Groove sitzt fest und macht den Song zu einem der unmittelbarsten und befriedigendsten Momente des Albums.

«The League» verlangsamt das Tempo und lässt Unbehagen aufkommen. Die Melodien treten stärker in den Vordergrund und die Spannung wird psychologischer. Der zurückhaltende Aufbau des Tracks verstärkt dessen thematische Bedeutung und beweist, dass Dramatist Dringlichkeit auch ohne konstante Lautstärke vermitteln kann. «Glasgow Nights» zeichnet ein düsteres, urbanes Bild. Die Gitarren klingen regennass, der Gesang distanziert und angestrengt, als würde er durch leere Strassen hallen. Es ist einer der cineastischsten Titel des Albums, der eher von Stimmung als von offener Aggression geprägt ist.

«Unknown Hero» bietet einen seltenen Moment kollektiver Befreiung. Seine Mitsingbarkeit verwässert die Dunkelheit nicht, sondern formuliert sie neu und suggeriert eher Widerstandsfähigkeit als Flucht. «Loathing» lässt die Spannung wieder zunehmen: Getrieben und unerbittlich. Bevor der letzte Track «Go» sich nach aussen ausdehnt. Zunächst zerbrechlich und zurückhaltend, wächst er langsam zu einem sechsminütigen Abschied, der alle emotionalen Fäden – Wut, Zweifel und Entschlossenheit – zusammenführt und zu etwas Still-Bejahendem erhebt.

Insgesamt wirkt «Wasting Words» sorgfältig zusammengestellt und zielgerichtet. Jeder Song spielt eine bestimmte Rolle, sodass man das Album am besten als Ganzes erlebt. Für Zuhörerinnen und Zuhörer, die Intensität mit Tiefe schätzen, ist dies ein Debüt, in das es sich wirklich lohnt einzutauchen.
Lukas R.

 

https://www.youtube.com/embed/Xp7WGxQB_OE

Dienstag, 03 Februar 2026 03:25
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v. 10 Punkten: 9.6

Das 1999 in Basel gegründete Projekt BLACK JADE hat zwölf der überzeugendsten von Tolkien inspirierten Death Metal Alben veröffentlicht. Bereits frühe Werke wie «The Sadness Of Fallen Leaves» (2013) oder ikonische Songs wie «Maedros Pain» zeigten, dass Melodie und epischer Umfang stets präsent waren.

Mit «The Return» beweisen Black Jade, dass diese Grundlage nicht nur Bestand hat, sondern sich nahtlos in die Metal-Welt des Jahres 2026 übertragen lässt, was moderne Hörgewohnheiten und Streaming-Zahlen bestätigen. Konzeptionell spielt «The Return» nach dem Untergang von Númenor. Seiner schönen Gestalt beraubt, aber nicht seines Willens, entkommt Sauron dem Zorn der Valar und beginnt die letzte Phase seiner langen Herrschaft über Mittelerde. Die Scheibe folgt diesem Bogen Schritt für Schritt und verwebt Geschichte und Musik miteinander.

Das Intro «The Return» ist eine düstere Beschwörung und gibt den ernsten Ton der Unausweichlichkeit vor. «Lugbúrz» bricht sofort los und markiert die Wiedererrichtung von Barad-dûr sowie die Wiederherstellung der Herrschaft durch Angst und Befehl. Oldschool Death Metal Blasts kollidieren mit einem chantgetriebenen Refrain – "Lugburz, Lugburz" -, der wie massgeschneidert für Massenbeteiligung wirkt. Was den Song hervorhebt, ist ein markantes, melodisches Gitarren-Solo, das suggeriert, dass Saurons Macht nicht nur rohe Gewalt, sondern auch eine kalkulierte Struktur ist.

«The Eye» verbreitet diese Macht nach aussen. Der Refrain erscheint sofort und spiegelt Saurons offene und unausweichliche Präsenz wider. Musikalisch ist der Track reiner Death Metal: brutaler Bass, unerbittlicher Drive und ein Groove, der überraschend tanzbar ist. Die Gesangs-Phrasierung flirtet mit einer rapähnlichen Kadenz, verwandelt Überwachung und Kontrolle in einen hypnotischen Rhythmus und macht diesen Track zu einem klassischen Black Jade Moshpit-Song. Mit «The Last Alliance» wendet sich dann das Blatt aber.

Das Tempo verlangsamt sich, die Melodie gewinnt an Raum, und zum ersten Mal tauchen neben Growls auch klare Vocals auf. Die epische Struktur erinnert an die emotionale Bandbreite von Amorphis und spiegelt den Krieg wider, der das Zweite Zeitalter beendet und Sauron zu Fall bringt - wenn auch nicht in die Vergessenheit. Der Song ist schwer und doch zugänglich und spiegelt mit seiner süchtig machenden Qualität die tragische Grösse dieses Moments wider. «The Lord Of The Rings» fungiert als ein mehrere Jahrhunderte überspannendes Intermezzo.

Mit weniger Death Metal und mehr folkigem Power Metal fängt er die Ausdauer des Rings und Saurons anhaltenden Willen während der langen Jahre des Dritten Zeitalters ein. Sein massiver Refrain zum Mitsingen erinnert an Blind Guardian, ohne dass Black Jade ihre Identität verlieren. Von dort kehrt «Dol Guldur» zu härteren Klängen zurück. Stampfende Rhythmen und disziplinierte Riffs zeigen Saurons langsames Wiedergewinnen seiner Stärke aus den Schatten – eine namenlose Bedrohung, die in der Stille wächst, und «The Fall» erzählt vom endgültigen Zusammenbruch.

Heisst kreischende Gitarren erinnern an die Nazgûl, während der Gesang ein Gefühl der Verzweiflung vermittelt, wenn Festung und Herrschaft zusammenbrechen. Aber es ist noch nicht vorbei. «The End» ist eines der coolsten Outros der jüngeren Schweizer Metal-Szene. Für sich genommen könnte es leicht an die Spitze der Schweizer Metal-Szene gelangen. Hör selbst. Das Album ist digital auf Bandcamp erhältlich. Black Jade bleibt eine Ein-Mann-Studio-Vision, die nicht für die Bühne konzipiert ist. Da jedoch Tolkien-Metal-Kollegen wie Emyn Muil im Jahr 2026 live auftreten werden, gilt die Regel: Sag niemals nie. 

Ein ausführlicher Artikel bei Metal Factory bietet einen tieferen Einblick in Tolkien-inspirierten Rock und Metal und ist daher wichtige Lektüre.
Lukas R.

https://www.youtube.com/embed/n_ORsGAbX_k

Montag, 02 Februar 2026 03:45

Die Norweger COURSE OF FATE lassen es mit ihrem neuesten Werk ordentlich krachen, was schon der zehn Minuten lange Opener und Titeltrack beweist. Grosse Gesangs-Melodien, die an Dream Theater erinnern, wechseln sich mit ruhigen Passagen ab. Cleane Gitarren folgen auf fette wie tiefer gestimmte Parts. Dies ist wahrlich eine grosse Progressive-Nummer.

Das kraftvolle «Sky Is Falling» erinnert dabei an Bands wie Nevermore. Härte, gepaart mit übermächtig melodiösen Gesangs-Linien, prägen die Musik der Truppe aus Fredrikstad, Østfold. Auch wenn man ruhigere Töne anschlägt und das Tempo rausnimmt (wie bei «And So It Goes»), wird das hohe Niveau gehalten und spricht für die musikalische Vielseitigkeit des Fünfers. Hier wird man bei den starken Chören glatt an Shadow Gallery erinnert. Das von fiesen Metal-Parts dominierte «Hiding From The Light« kommt dann gar mit eingestreuten Growls daher und besticht durch seine Härte wie auch wieder mit melodiösen Gesangs-Parts, eine interessante Mischung.

Auch ganz stark die ruhige Ballade «Don’t Close Your Eyes». Die Unterstützung von Streichern und Cello verleiht dem Song Tiefe. Sehr schöne, gefühlvolle Ballade, die zeigt, dass Eivind Gunnesen auch durch ruhige Gesangs-Passagen voll zu überzeugen vermag. Beim abschliessenden «Neverwhere» zeigen die Nordländer nochmals die volle Bandbreite ihrer Musik, beginnt der Song noch ruhig und verhalten, steigert sich das Ganze zum Schluss hin in einen Track mit fetten Gitarren und Chören. Die fünf Jungs hauen hier zu Beginn des noch jungen Jahres ein Progressive-Album heraus, das für noch kommende Alben diverser Bands sicher schwer zu übertrumpfen sein wird.
Crazy Beat

 

https://www.youtube.com/embed/dxpAr4cNJdo

Montag, 02 Februar 2026 03:35
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v. 10 Punkten: 8.1

Ist die eine mögliche Hymnen-Sammlung für eine Tik-Tok Generation? Manche Tracks fühlen sich wie Hymnen für eine Generation an, die über Social Media nach Identifikation sucht. Wenn «Empty Hands» erscheint, fühlt es sich nicht wie eine Veränderung an, sondern eher so, als würden POPPY endlich die Form annehmen, die sie seit Jahren entwickelt haben: ein destilliertes, rohes und viszerales Statement, das selbstbewusst an der Schnittstelle zwischen Metalcore, industrieller Aggression und pop-infizierter wie emotionaler Direktheit steht.

Das Album behält die Dringlichkeit ihrer besten Werke bei und schärft gleichzeitig Melodien und Schärfe zu etwas, das mit überraschender Präzision trifft. Klanglich gibt sich «Empty Hands» nicht damit zufrieden, in einer Spur zu bleiben. Zackige Gitarren und maschinenartige Rhythmen prallen auf Momente mit hochfliegenden, emotionalen Hooks. Tracks wie «Public Domain» und der Titelsong verkörpern diese Spannung. Sie rasseln mit industrieller Schärfe und lassen Poppys einzigartige Stimme das Schiff steuern – mal eindringlich, mal mit kathartischer Intensität schreiend. Das ist kein Genre-Cosplay, sondern eine instinktive Fusion, die die unruhigen, eklektischen Tik-Tok Ohren der Konsumenten von heute durch ihre Pods anspricht.

Was Poppy von vielen ihrer Zeitgenossen unterscheidet - man denke an moderne Rockfiguren wie Yungblud, die eine ähnliche Mischung aus jugendlicher Hoffnung und Rebellion verkörpern - ist ihre Bereitschaft, sowohl musikalische als auch emotionale Konventionen zu durchbrechen. Ihre Arbeit ist eine Herausforderung für starre Kategorisierungen: teils Punk-Verachtung, teils Metalcore-Brutalität, teils echte Verletzlichkeit. Zeilen wie "Fuck your ignorant opinions, maybe you ain't got a reason to live" sind nicht nur Schock-Taktiken, sondern der Aufschrei einer Künstlerin, die ihre Zuhörer dazu auffordert, über die gängigen Genre-Klischees hinauszuschauen.

Beim ersten Anhören - insbesondere nachdem ich Poppy letztes Jahr live als Support von Babymetal gesehen hatte - war ich überrascht, wie beeindruckend ihre Stimme war: atemberaubend in ihrer Bandbreite und Präsenz, die sie mit Überzeugung untermalt. Diese Live-Energie überträgt sich auf die Platte: Sie wirkt unmittelbar, performativ und authentisch, statt bearbeitet oder sicher. Für Zuhörer, die schwere Riffs, unvorhersehbare Arrangement-Wendungen und emotionale Unmittelbarkeit mögen - und für alle, die es leid sind, in Playlists eingeordnet zu werden, die alle gleich klingen - ist die Scheibe absolut hörenswert. Es ist nicht nur eine weitere Metalcore-Variante, sondern eine sich entwickelnde wie künstlerische Identität mit einer ehrlichen Botschaft.

Wenn Ihr Poppy live erleben möchtet, haben sie im Jahr 2026 zwei Termine in der Schweiz: Am 17.03.2026 treten sie als Headliner ihrer "Constantly Nowhere Tour" im Komplex 457 in Zürich auf (mit Ocean Grove und Fox Lake). Tickets für diese Show sind derzeit im Verkauf. Später im Jahr werden sie auch an der Europa-Tournee von Evanescence teilnehmen und diese am 29.09.2026 im Hallenstadion in Zürich unterstützen. «Empty Hands» ist keine sichere Wahl, aber Poppy haben noch nie auf Nummer sicher gespielt. «Empty Hands» ist ein Album, das provoziert, hinterfragt und dazu einlädt, neu darüber nachzudenken, was Heavy Metal sein kann.
Lukas R.


https://www.youtube.com/embed/j0SH16VtxHE

Montag, 02 Februar 2026 03:25
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v. 10 Punkten: 5.5

Das neue Jahr bringt ja auch immer wieder grossartige, neue Vorsätze mit ans Tageslicht. Für die einen ein bisschen verschwommener, da der übermässige Alkohol-Konsum den ersten Grundsatz schon mal zunichte gemacht hat, während die anderen sich nach einer Woche fragen, warum sie die Latte bloss so hoch angesetzt haben!?

Mich als alten Metaller aber an neuere Sounds heranführen zu wollen, mit der Hoffnung, dass mir dies auch noch gefällt, da schneit es zuerst schwarz in der Hölle. Nun gut, was sich unser Cheffe auch immer dabei gedacht hat oder es vielleicht ein verspätetes Weihnachts-Geschenk ist, die Franken DIEVERSITY kommen mit modernen Sounds ums Eck, lassen verspielte, verträumte, sensible, sentimentale Elemente gegen aggressive, angepisste "leck mich am Arsch" Momente ankämpfen und werden jüngere Fans und die Spotify-Gemeinde vor Freude sicherlich im Dreieck umherhüpfen lassen.

Das Geschrei von Frontmann Robin Mattner (Alter, was habe ich dir getan, dass du mich so anschreist?) geht mir schon bei «Piece Of Mind» gewaltig auf den Sack. «4» ist nämlich eines dieser Alben bei denen ich weiss, dass ich hier das falsche Publikum bin (hat sich da unser Roxx beim Versenden der Soundfiles womöglich vertan?) und deshalb verliebt in mein CD-Regal rüberschaue und feststelle, es gibt eben auch Songs die mir gefallen. Alle modern ausgerichteten Musik-Zuhörer werden sich jedoch ziemlich sicher mit diesem Teil anfreunden können.
Tinu

 

https://www.youtube.com/embed/1gwy4ooCCFE

Freitag, 30 Januar 2026 03:45

Mit «Monochrome» präsentieren HÉR ein Album, das weniger wie eine Sammlung von Songs wirkt, sondern vielmehr wie ein langsamer, anspruchsvoller Ritus. Das in Danzig gegründete polnische Ensemble schöpft tief aus der poetischen Edda, jenem Fundus altnordischer Weisheitsdichtung, der auch Tolkien inspirierte, als er sein eigenes tragisches Legendarium schuf ("..Thurin" nicht "Der Hobbit"). Wie bei Tolkien werden diese alten Quellen nicht als Museums-Stücke behandelt, sondern als lebendige Materie: dunkel, zerbrochen und unangenehm menschlich.

Der Opener führt einen Gesang ein, der in nordischen Ritualen verwurzelt ist, aber zugleich transkontinental wirkt. Der kehlige Gesangsstil erinnert an das mongolische Khöömii, einen körnigen, obertonreichen Klang, der Zeit und Ort sofort ausser Kraft setzt. Er "beginnt" das Album nicht so sehr, als dass er es heraufbeschwört. Von dort gleitet die Musik in etwas Intimeres und Beunruhigendereres über: eine raue, feurige Erzählweise, die an Tom Waits in seiner nächtlichsten Form erinnert und von verzerrten Jazz-Texturen unterstützt wird, die sich nie in Behaglichkeit einrichten. Gesang ist selten, meist dominieren gesungene Rezitation, wodurch der Eindruck entsteht, dass die Worte eher ertragen als bewundert werden sollen.

«Going Down» vertieft die Trance. Uralte Trommeln wiederholen sich beharrlich und ziehen die Zuhörer in einen hypnotischen Kreislauf, während Bläser-Ausbrüche Chaos androhen, ohne die Vorwärtsbewegung jemals zu unterbrechen. Die Stimme schwebt über allem, distanziert und geisterhaft. Mit «Patience in Observation» scheint die Zeit schier stillzustehen. Das Stück bewegt sich in quälender Langsamkeit ohne Schnörkel und vermittelt Trauer nicht durch Höhepunkte, sondern durch Ausdauer.  Es ist Musik, die sich einer Auflösung verweigert die wir auch im Video dazu zelebriert.

«Slipknot» taucht noch tiefer hinab und schwebt über imaginären, gefrorenen Landschaften. Eine tiefe, rituelle Stimme geleitet es und fühlt sich an wie eine Anrufung vergessener Götter. Wenn «Praise The Day» schliesslich ansteigt, dann gewaltsam: Gesänge häufen sich, die Percussion beschleunigt sich und der Klang zerbricht in einen Sturm kontrollierter Verzerrung. Es ist überwältigend, filmisch und absichtlich unangenehm – ein Klangbild einer Welt, die aus allen Nähten zerreisst.

Der abschliessende Titel «Farewell» bringt alles wieder erdig auf schlammigem Boden zurück: langsam, geerdet und traurig, als wäre das Ritual beendet und der Zuhörer müsste verändert zurückkehren. «Monochrome» ist kein leichtes Hörvergnügen und will es auch nicht sein. Es wirkt eher wie Musiktherapie oder spirituelle Konfrontation. Für Zuhörer, die sich zu ritualistischem Jazz, nordischer Mythologie und der tragischen Schwere alter Geschichten hingezogen fühlen – sei es aus der Edda oder Tolkiens neu interpretiertem Norden – ist dieses Album nicht nur hörenswert. Es verlangt danach, hier und jetzt erlebt zu werden.
Lukas R.


https://www.youtube.com/embed/nM3YURYG9bM

Freitag, 30 Januar 2026 03:35
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v. 10 Punkten: 8.0

OBSCURITY, auch die "Bergischen Löwen" genannt, haben 1997 ein Werk geschaffen, das von vorchristlicher Mythologie durchdrungen und durch eine Fusion aus Death Metal-Strenge und melodischer Struktur geprägt ist. Fast dreissig Jahre später bekommt der Zuhörer auf «Ascheregen» wieder diesen druckvollen und melodischen Death Viking Metal um die Ohren geballert, allerdings mit einer deutlicheren Schärfe an Black Metal, was wiederum dazu einlud, auch an Melodie und Härte nochmals zuzulegen.

Vielleicht fühlt sich ihr zehntes Album deshalb wie eine Wiederauferstehung der lang gehegten Vision der Band an. Textlich verwebt «Ascheregen» nordische Mythologie, die Gewalt der Christianisierung und den stillen Verfall des modernen Lebens zu einer einzigen, ununterbrochenen Erzählung, was insgesamt ein Beweis für gereiftere Songstrukturen darstellt. Besonders mit dem Song «Rúnar Víg» hat sich das Quintett einen lang gehegten Wunsch erfüllt und sich Verstärkung aus Schweden geholt; Erik Grawsiö von Månegarm. Sein Beitrag hört sich nicht nach Gastauftritt an, sondern eher nach dem Aufflammen einer alten Allianz.

Grawsiös deutschsprachiger Gesang verleiht dem Song Gewicht und Textur, ohne die Aufmerksamkeit allein auf sich zu ziehen. Der Track fügt sich nahtlos in eine Platte ein, die kein Interesse an Effekthascherei hat. Im Kern ist «Ascheregen», beginnend mit dem bedrohlichen Auftakt «Initium Dekadentiae» bis zu den letzten Klängen von «Dystopie und Schwanengesang», Klage und Aufbegehren zugleich: eine kritische Reflexion über den Verfall der Gesellschaft und ein Aufruf, der bevormundenden und unterwerfenden Konformität zu widerstehen.

Was die Produktion angeht, da zeigt der bergische Trupp Konstante, denn die frische Platte wurde erneut in den ehrwürdigen Hallen der "4CNStudios" eingespielt und von Tim Schuldt und Obscurity produziert. Auch das düstere und detailverliebte Cover-Artwork stammt wieder von Jan Yrlund (Darkgrove Design). Auf «Ascheregen» findet sich Liturgie und Widerstand, Entschlossenheit und die Weigerung, alles andere als unerbittlich zu sein. Es ist ein Album, das den Verfall anerkennt, ihn benennt und sich weigert, wegzuschauen!
Oliver H.


https://www.youtube.com/embed/DMeiYkUPoFI

Freitag, 30 Januar 2026 03:25
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v. 10 Punkten: 7.5

Die Madrilenen werfen ihr zweites Album ins Becken und schwimmen dabei im selben Teich mit Bands wie Hitten, Chastain oder Cobra Spell. Das Gehirn der Band ist Gitarrist Jonjo Negrete, welcher das Album in Eigenregie aufgenommen, produziert und gemastert hat: "Etwas experimenteller sind wir geworden, ohne allerdings die Essenz von RAVE IN FIRE zu opfern. Der grösste Unterschied zwischen «Square One» und seinem Vorgänger ist der Fakt, dass «Sons Of A Lie» (2022) ein Album war, welches für zwei Gitarren geschrieben wurde."

Der Opener «Dark Poison» geht schon mal gut los, galoppierende Drums und starke Leads und Solos prägen den Song, aber es ist Sängerin Sele, welche dem Song den Stempel aufdrückt. Sie erinnert mich an Leather Leone (Chastain) und zeigt wirklich eine verdammt starke Performance. «Crown Of Stars» klingt deutlich melodiöser, während «Speed And Rave» live mächtig geil rüberkommen wird. Aus dem Rahmen fällt hingegen der Titeltrack, welcher die 7-Minuten-Marke knackt und im Gegensatz zum Rest deutlich progressiver klingt, allerdings kommt der Song natürlich noch lange nicht im Dream Theater Gewand daher.

Was Rave In Fire hingegen noch fehlt, sind die richtigen Ohrwürmer. Kaum ein Refrain bleibt wirklich kleben, und so reiht man sich momentan noch in der zweiten Liga ein. Aber «Square One» ist wirklich solide gemacht und bereitet auch so noch genügend Fun. Wer klassischen wie melodiösen Metal mit einer starken Frauenstimme sucht, dürfte hier fündig werden.
Rönu


https://www.youtube.com/embed/9UWvMBFBTeU

Donnerstag, 29 Januar 2026 03:45
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v. 10 Punkten: 7.5

Nightwish haben viel von ihrer hymnischen Klasse verloren, Within Temptation und Ad Infinitum gehen in eine deutlich modernere Richtung und Epica treten – zwar auf akzeptablem Niveau – irgendwie auch auf der Stelle. Irgendwie habe ich den Eindruck, der Symphonic Metal darbt irgendwie dahin. Ob ausgerechnet die bisher eher zweit-, wenn nicht drittklassigen CORONATUS daran etwas ändern können? Es wäre eine faustdicke Überraschung!

«Dreadful Waters» ist bereits das elfte Studio-Album, und für dieses Werk haben sich die Schwaben so viel Zeit genommen wie noch nie. Speziell an der Combo waren ja eigentlich immer die drei Sängerinnen, wobei Leni und Sabine die Sopran Stimmen zelebrieren, respektive Nemesis die rockige Seite vertritt. Allerdings haperte es bei vielen Vorgängern am Songwriting. Da waren phasenweise Songs dabei, welche wirklich für den runden Eimer waren. Dass Coronatus sich diesmal mehr Zeit genommen haben, hört man der Scheibe an. Sie ist homogen und stimmig.

Die Violinen-Klänge verleihen der Chose einen Schuss Folk, welchen den bombastischen Arrangements gut zu Gesicht stehen. Der Opener «The Maelstrom» versprüht zudem eine melancholisch, wunderschöne Stimmung, «To The Reef» könnte auch aus der Schmiede von Leaves Eyes stammen und das düstere «Dark Ice» gefällt ebenso. Ist «Dreadful Waters» nun also der Retter des Symphonic Metal? Nein, so weit würde ich nicht gehen, denn dafür fehlt immer noch ein ganzes Stück Genialität. Mit dem neusten Album zeigen Coronatus aber ihre bis dato reifste Leistung.
Rönu


https://www.youtube.com/embed/7seAj1MeXQU

Donnerstag, 29 Januar 2026 03:35
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v. 10 Punkten: 8.3

10 Jahre sind noch keine Ewigkeit und dennoch Grund genug, um zu feiern. ELWOOD STRAY, die Essener Truppe um Fabian Petz (Gitarre & Clean Vocals), Maik Nehrkorn (Shouts), Niels Flor (Gitarre), Raphael Sinz (Bass) und Raphael Kemmer (Drums) veröffentlicht mit Unterstützung von Out Of Line Music ihre Jubiläumsplatte «Descending».

Der Fünfer setzt zunächst auf Zurückhaltung und beginnt mit «Doom», einem eher verschwommenen Track, der den Schreien des Sängers Raum gibt, um einen schweren Rhythmus anzukündigen, der wiederum im riffigen und eingängigen «Evolve» mündet. Während der Metalcore den musikalischen Boden ausmacht, gesellen sich bei vielen Songs auch auffälligere Post Hardcore Elemente hinzu, wo klare Vocals vorübergehend die Schreie ersetzen. Trotz offensichtlicher Aggressions-Attacken gibt es ebenfalls fröhliche Einflüsse, wie zum Beispiel vor dem vernichtenden Break, der schliesslich zu «Crocodile Tears» führt, einem energiegeladeneren Track, der gesampelte Electro-Elemente in den Refrains bietet.

Das Karussell dreht sich unerbittlich weiter bis zu «Error», einem Track, der von Timo Bonner (Our Mirage) gesanglich unterstützt wird. Nahtlos geht es in das furiose «Nevermind» über, das äusserst effektive Oldschool-Einflüsse offenbart. Ein Knaller! «Detached» ist eine sanfte Blaupause, die zum Durchatmen oder Weiterdrücken einlädt. «Ivory Tower» ist dann wieder ein Schlag ins Gesicht, ein knapp zwei Minuten langer Track, der mit frenetischen Phrasierungen und Beatdown-Roots seine ganze Wut entfesselt.

Druckvoll schiebt sich die Post Hardcore Walze mit «Neon Fade» weiter, bis ein klassisches Gitarren-Solo den Rausschmeisser «Genesis» ankündet. Fans von Elwood Stray kommen mit diesem Album definitiv auf ihre Kosten, denn «Descending» bietet zehn Mal kurze, aber prägnante und direkte Songs, die ihre druckvolle Energie bis zum Ende beibehalten. Vielleicht ist das einzige Manko, dass der Longplayer mit knapp einer halben Stunde Spieldauer eben gar nicht so lang ausgefallen ist.
Oliver H.

 

https://www.youtube.com/embed/FBJ7cu8odro

Donnerstag, 29 Januar 2026 03:25
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v. 10 Punkten: 6.5

Das ist es nun, das vierte Album der Finnen STARGAZERY, bei denen der ehemalige MSG Shouter Jari Tiura am Mikrofon steht. Musikalisch erinnern die Jungs immer wieder am Royal Hunt, ohne deren königlichen Melodien zu kopieren, sondern vermischen ihren Sound mehr mit traditionellen Rock der Sorte MSG und UFO.

Dabei gewährt man Keyboarder J. Palmroos ebenso viel Spielplatz wie Gitarrist Pete Ahonen. Mutig ist es zudem «Rainbow In The Dark» zu covern, eine Nummer, die zu Dios Glanztaten gehört. Auch wenn Jari gesanglich nicht die Magie versprühen kann, wie es Ronnie James tat, so schlecht ist die Nummer nicht geworden. Hingegen wird das zweite Cover dann zu einem ziemlichen "Rohrkrepierer". Am Glanz von Def Leppards «Too Late For Love» verbrennen sich die Jungs nämlich gewaltig die Finger. Daneben präsentieren Stargazery auf «Carnival Puppeteers» aber durchaus auch gute Songs, die zwar keine Hits werden, den Hard Rock Fans jedoch das neue Jahr "versüssen" können.
Tinu

 

https://www.youtube.com/embed/Iz1Rzqg94vo

Mittwoch, 28 Januar 2026 03:45
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v. 10 Punkten: 8.2

Sechs Jahre sind vergangen seit ihrem letzten Album. Nun präsentieren uns TEXTURES, die niederländischen Proggies, neues Kraftfutter in Form von modernem Progressive Metal. Rasante Riffs mit tief gestimmten Gitarren und filigranen Soli.

Den Mix aus Härte und Melodie bringen die Holländer wirklich gut in die Songs ein. Gastsängerin Charlotte Wessels bringt sich zudem als Guest hervorragend bei «The Edge Of Winter» ein. Beim ersten Anhören wirkt die Musik der Niederländer ein wenig schwer verständlich und komplex, aber nach ein paar Durchläufen klärt sich das und man kann das Ganze geniessen. Hier bekommt man Musik voll erzählerischer Tiefe, die oft überraschende Wendungen ebenso integriert wie majestätische Klangflächen und Bombast.

Natürlich bleibt auch die andere Seite des Sounds präsent wie vertrackte Rhythmen, harte Riffs und komplexe Strukturen, die in Kombination mit atmosphärischen Passagen eindrückliche Kontraste erzeugen. Von knurrend bis sehr melodiös legt Sänger Daniël de Jongh eine breite Palette seiner Stimme dar. Gut zu hören beim vielseitigen «Nautical Dusk». Und so beweisen Textures auf «Genotype», dass sie in der Lage sind, hochkomplexe Songs zu komponieren, ohne zu vergessen, dass der Gesang doch immer in den Mittelpunkt eines guten Songs gehört.
Crazy Beat

 

https://www.youtube.com/embed/rQDkZeKkMrQ

Mittwoch, 28 Januar 2026 03:35

THE ETERNAL sind hierzulande nicht wahnsinnig bekannt, haben sich jedoch über die Jahre zu einer Band mit globaler Präsenz entwickelt. Die australisch-finnische Kombination kam 2004 zustande und hat seitdem sieben Alben veröffentlicht, darunter das vielbeachtete Werk «Skinwalker» (2024).

Mark Kelson, der Frontmann der Band, ist für die musikalische Leitung verantwortlich, Richie Poate für schleppende Gitarren-Riffs und die Rhythmus-Sektion um Amorphis-Drummer Jan Rechberger und Ex-Amorphis Bassist Niclas Etelävuori sorgen mit Takt und tiefen Tönen für den düsteren Part des Quartetts. «Skinwalker» öffnete der Band die europäischen Türen, da es das erste Alben war, das über Reigning Phoenix Music vertrieben wurde. Nun veröffentlichen The Eternal mit «Celestial» eine neue EP, die das Talent der Band weiter unter Beweis stellt. Nebst einem Intro enthält das Werk vier neue Songs sowie einen Remix von «Everlasting», ursprünglich auf dem zweiten Album der Band.

Von Dream Theater-ähnlichen Klanglandschaften wie bei «Celestial Veil» oder Paradise Lost-ähnlicher Melancholie auf «It All Ends» bietet diese Kurzplatte ein breites Spektrum düsterer Klänge. Eine ziemlich schwermütige Stimmung schwingt während der gesamten Spielzeit mit, besonders beim finster hallenden «Bleeding Into Light». «Celestial» endet mit einer neu interpretierten Version des zwanzig Jahre alten Klassikers «Everlasting». Mit melodischen Hooks und einer gotischen Atmosphäre schlägt «Everlasting MMXXVI» eine Brücke zwischen der Vergangenheit und Gegenwart der Band. «Celestial» ist ein gelungener nächster Schritt, mit vielen Details und Facetten, der die Zuhörer schon beim ersten Anhören zu fesseln vermag. Für Fans von melancholischem Metal zu empfehlen.
Oliver H.

 

https://www.youtube.com/embed/9H1jAFltTaw

Mittwoch, 28 Januar 2026 03:25
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v. 10 Punkten: keine Wertung

Ursprünglich 2020 veröffentlicht, kam «Negative Balance» eher unauffällig daher, barg jedoch eine langsam aufbauende Intensität, die Geduld belohnte. Sechs Jahre später verleiht die Neuauflage dem Debüt-Album von GODZILLIONAIRE die physische Präsenz, die es verdient - und, was noch wichtiger ist, die Chance, in seiner ganzen Bedeutung gehört zu werden.

Musikalisch befindet sich «Negative Balance» an der Schnittstelle zwischen Heavy Rock, Grunge-Ära und düsterer Americana. Die Gitarren bewegen sich zwischen dichten, knirschenden Riffs und spröden, exponierten Linien, während die Rhythmus-Gruppe Zurückhaltung gegenüber roher Gewalt bevorzugt und die Spannung auf natürliche Weise aufbaut. Im Mittelpunkt steht Mark Hennessy, dessen Stimme Jahrzehnte emotionaler Abnutzung in sich trägt, ohne nostalgisch zu klingen. Fans, die mit seiner Arbeit bei Paw vertraut sind, werden das Timbre wiedererkennen, hier wirkt es jedoch verwitterter, bewusster und oft verletzlicher.

Was die Neuauflage auszeichnet, ist nicht ein Remix oder Bonusmaterial, sondern die Klarheit der Absicht. Das erweiterte 2xLP-Format lässt das dynamische Tempo des Albums atmen: Die härteren Tracks wirken noch eindringlicher, während die ruhigeren Momente eine größere Intimität vermitteln. Die Reihenfolge der Songs wirkt weniger komprimiert als bei der Pressung von 2020. Dadurch wird der narrative Bogen des Albums verstärkt - von ätzender Frustration bis hin zu erschöpfter Reflexion.

Diese über "Ripple Music" veröffentlichte Ausgabe als Reissue passt besser zum düsteren, emotionalen Kern des Albums und wirkt eher bewusst als provisorisch. «Negative Balance» wird Gelegenheits-Zuhörer, die nach sofortigen Hooks suchen, nicht ansprechen, aber für Fans von emotional aufgeladenem Heavy Rock in der Tradition von Soundgarden, The Afghan Whigs oder Nick Caves düstereren Momenten ist diese Neuauflage absolut hörenswert.
Lukas R.


https://www.youtube.com/embed/s5bV5ppeGl0

Dienstag, 27 Januar 2026 03:45
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v. 10 Punkten: 8.5

Seit satten 51 Jahren sind die kanadischen HELIX schon im Business. Auch wenn ihnen trotz den Hits «Heavy Metal Love», «Rock You», «Gimme Gimme Good Lovin'», «Deep Cuts The Knife» und «Love Hungry Eyes» nie der grosse Durchbruch gelang, so haben sie einen festen Platz bei den Hard Rock und Metal-Fans inne.

Die von Sänger Brian Vollmer angeführte Truppe gehörte in den Achtzigern zu den powervollsten und aktivsten (im wahrsten Sinne des Wortes) Bands auf der Bühne. Mit «Scrap Metal» erschein nun ein Album, das aus fünf neuen und sieben bekannten Tracks besteht. Dabei beherbergen die neuen Nummern das Kraftfutter, das man sich von den Kanadiern erhofft. Der Opener «Stuck In The 80's» ist eine typische-Rock Hymne, wie man sie von Helix kennt, während das folgende, heftigere «Fast & Furious» mit leicht modern verfremdeten Gesang ebenso zu überzeugen vermag.

«Pretty Poison» ist eine laszive Nummer, bei der man das Achtziger-Feeling spürt und die Lady, mit High Heels bestückt wie schwarzem Ledermini bekleidet, lächelnd an einem vorbeistolziert. Ich weiss, das darf man heute nicht mehr, aber meine Güte, welcher Mann oder auch Frau sieht da nicht hinterher? «Money Goes With Everything» ist derweil ein knalliger Rock-Song, der noch immer von der kernigen Stimme Brians und der coolen Gitarren-Arbeit lebt.

Danach folgen die bekannteren Nummern wie der Killer «Jaws Of The Tiger», das gefährliche «Danger Zone» sowie drei Tracks vom «Old School» Werk, mit der gefühlvollen Ballade «Tie Me Down». «Metal Scrap» hat mit den neueren Songs verdammt gutes Material am Start, das man gegen den Schluss hin aber nicht immer auf dem gleichen Level halten kann. Ja, die goldenen Zeiten werden nur mit «Jaws Of The Tiger» und den fünf neuen Songs erreicht, aber zumindest zeigen die Herren (Brian ist mittlerweile 70 Jahre jung), dass sie auf « Scrap Metal» noch immer genügend Pulver im Rohr haben, um damit gefährlich zu treffen.
Tinu


https://www.youtube.com/embed/mbFNkH8sKtE

Dienstag, 27 Januar 2026 03:35
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v. 10 Punkten: 7.0

ANNISOKAY haben sich, zum Grossteil ihrer Karriere, nie in eine Schublade stecken lassen. Sie haben sich an Electronic-Core versucht, mit Post Hardcore Elementen experimentiert und dabei stets die Metalcore-Grundlage beibehalten.

«Abyss: The Final Chapter» ist die Zusammenfassung beider Hälften ihres «Abyss»-Konzepts, die 2023 und 2025 als zwei separate EPs veröffentlicht wurden. Obwohl dieser Ansatz gut zum heutigen Musikkonsum passt, in der digitale Plattformen kürzere Veröffentlichungen bevorzugen und die Hörer daran gewöhnt sind, Musik in kleinen Portionen zu konsumieren, haben sich die Deutschen dazu entschlossen, beide EPs in einer Veröffentlichung zusammenzufassen. Auch wenn das im ersten Moment wieder einmal nach Abzocke der Fans klingt, wenden wir uns den drei neuen Songs zu, die als Bindeglied zwischen Part I und II dienen.

Das Midtempo-Stück «Silent Anchor» beschreibt das langsame Ersticken der Apathie. Musikalisch spiegelt es dieses Gefühl wider, indem es Aggression mit Melodie ausbalanciert, nie vollständig explodiert, aber auch nie stillsteht. «Splinters» folgt und verlagert den Fokus von Ersticken auf Reue. Christoph Wieczoreks Gesang bringt die emotionale Anspannung an die Oberfläche, und fängt den Schmerz des Festhaltens an zerbrechlichen Erinnerungen ein. Rudi Schwarzer taucht gegen Ende auf und verleiht dem emotionalen Zusammenbruch zusätzliche Tiefe.

«My Effigy» bricht dann hervor und vollendet diese innere Reise. Es ist gewalttätig, kathartisch und fühlt sich wie die notwendige Verbrennung an, die diesen Bogen aus drei Songs schliesst. Nach diesen Übergangs-Stücken beginnt Teil II und Annisokay schliessen den Kreis insofern, dass sie die Dunkelheit integriert haben, anstatt ihr zu entfliehen. Trotz der Tatsache, dass 80% dieses Albums bereits veröffentlicht wurden, hebt sich «Abyss: The Final Chapter» von den meisten modernen Metalcore-Alben ab. Dies scheint der Bereitschaft der Band geschuldet, mit Atmosphäre und Dynamik zu experimentieren.
Oliver H.

 

https://www.youtube.com/embed/JhiCyJjs3qM

Dienstag, 27 Januar 2026 03:25
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v. 10 Punkten: 6.0

EKTOMORF begaben sich in einer schwierigen Zeit ins Studio. Zoltán "Zoli" Farkas hatte mit einem persönlichen Verlust zu kämpfen und kam nicht etwa mit fertigen Songs an, sondern bloss mit einer Handvoll Ideen und dem Bedürfnis, diese in etwas Konkretes umzuwandeln. Das Endergebnis ist das nun vorliegende Album «Heretic», das von Tue Madsen im "Antfarm Studio" in Dänemark produziert und in kurzer Zeit geschrieben wie fertiggestellt wurde.

Mit den zehn Songs kehren Ektomorf zu ihren Wurzeln zurück, die besonders von langjährigen Fans geschätzt werden dürften. Doch was heisst im Fall von Ektomorf eigentlich "back to the roots"? Klar ist, die Truppe spielt diesen harten, groovigen Sound technisch einwandfrei. Leider auch ein Fakt ist, dass sich jedes neue Ektomorf-Album so anhört, als sei dieses bereits vorgängig von einer anderen Band produziert worden. «Heretic» ist musikalisch gut, aber dennoch ein gewisses Slipknot-Mashup, klischeehaft, an vielen Stellen nichtssagend und repetitiv. Böse Zungen behaupten sogar, dass es immer darauf ankommt, welches Merchandise der Sänger und Gitarrist im Vorfeld trägt. Trug er doch 2021 Metallica-Klamotten, produzierte er ein Metallica-Album.

Mir persönlich ist der Mann sympathisch und irgendwie tut er mir leid, denn ehrlich gesagt habe ich Ektomorf in ihren Anfängen sehr gemocht. Bereits beim Zweitwerk «Ektomorf» (1998) wurde gemunkelt, dass der Sound gewisse Affinitäten zu anderen Bands hätte, diese aber über die nächsten Werke ausgemerzt werden könnten. Leider haben die Abklatsch-Elemente über die Jahre mehr zu- statt abgenommen. Ich werde das Gefühl nicht los, dass der Mann seit 1994 seinen Sound sucht und ihn einfach nicht findet! Diese Tatsache ändern auch die vielzähligen Schimpfwörter und die Wut nicht, die in «Heretic» gelegt wurden.

Auch der Verschleiss von dreizehn Musikern, in den letzten dreissig Jahren, lässt vielleicht darauf schliessen, dass im Hause Ektomorf nicht immer Einigkeit in Stil und Hierarchie herrscht. Aller Schmähungen zum Trotz schafft es die ungarische Truppe noch immer, Tourneen in Europa und den USA erfolgreich zu realisieren, doch langsam aber sicher habe auch ich die Hoffnung aufgegeben, dass Farkas noch etwas wirklich Eigenes auf die Beine stellen und zu den ganz Grossen des Business gehören wird. «Heretic» - eine tolle Platte, wenn es sie nicht schon tausendfach geben würde.
Oliver H.

 

https://www.youtube.com/embed/TqzP08N-myg

Montag, 26 Januar 2026 03:45

Im noch jungen Jahr 2026 schreibe ich nun meine erste Rezension. Wenn weiterhin solche coole Musik daherkommt, wird es ein starkes Jahr werden. BENTREES sind ein Duo, dessen Sound jedoch wie ein vollwertiges geologisches Ereignis wirkt.

Riccardo Poddas Gitarre ist hier der Hauptarchitekt - sie liefert nicht nur Riffs, sondern formt das Terrain. Sein Ton ist dicht und ungeschönt: Langes Sustain, körniger Fuzz und ein deutlich analoger Puls vermitteln den Eindruck, dass der Verstärker ein lebendes, atmendes drittes Mitglied ist. Mauro Coccos Schlagzeug ist der Gravitationskern des Albums. Er ritualisiert den Groove - er verankert die Tracks in zyklischen Mustern, die sich fast elementar anfühlen, als wären sie in Stein gemeisselt und nicht in einem Studio aufgenommen worden.

Der Eröffnungstrack «The Sky Never Dies» beginnt mit einem gefühlvollen, bluesigen Motiv und steigert sich dann zu einer gewaltigen Stoner-Schwere. Der Gesang bleibt trocken und nah, ohne Effekte, aufrichtig und teilt die gleiche staubbedeckte DNA wie der Gitarrensound. «The Sea» baut auf einem Gezeitenkontrast auf: Ruhige Abschnitte atmen wie Ebbe ein, nur um dann in dichten, verzerrten Wellen zurückzukehren, die sich über das gesamte Stereofeld ausbreiten. Die Dynamik des Tracks ist seine grösste Stärke und beweist, dass die Band versteht, dass Wirkung durch Zurückhaltung erzielt wird.

«Away» erstreckt sich bis in Post-Rock-Horizonte, verliert dabei jedoch nie seine Low-End-Grundlage. Die Reise verlässt das Genre nicht, sondern erweitert es lediglich und lässt Heavy Psych im offenen Raum widerhallen. Die zweite Hälfte des Albums – «Alienated», «Beyond The Mind» und der Titeltrack - wirken persönlicher und introspektiver. Sie nehmen Sludge-artige Härte und subtile Grunge-Stimmungen auf. Diese Songs sind nicht düsterer, um einzuschüchtern, sondern um Resonanz zu erzeugen.

Damit gemeint sind dichte klangliche "Silberadern", die sich durch emotionalen Rock ziehen und mit der zentralen Metapher des Albums übereinstimmen. Dessen Identität ist in Land und Natur verwurzelt. «Silver Veins» ist eine lohnende Investition für Zuhörer, die organischen, warmen und experimentellen Stoner Rock mögen. Das Album verlangt nach Eintauchen und belohnt wiederholtes Anhören nicht durch Komplexität, sondern durch Authentizität. Ein vielversprechender Start ins Jahr 2026.
Lukas R.


https://www.youtube.com/embed/iekEA3-oous

Montag, 26 Januar 2026 03:35
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v. 10 Punkten: 8.3

Das Debüt-Album «Reflections» erschien 2023 über das US-Label Deko Entertainment und brachte Fireborn nicht nur in die offiziellen Rock- und Metalcharts, sondern auch auf die Bühne, zusammen mit Burning Witches, Destruction und weiteren Grössen der Szene. Mit dem Zweitling «Dreamcatcher» schlägt der Fünfer um Sängerin Jenny Gruber ein überzeugendes neues Kapitel in seiner noch jungen Karriere auf.

Die deutsche Band, die ihre Wurzeln in der Combo Dislike Silence verortet, präsentiert sich auf dem neuen Studio-Album selbstbewusster, kraftvoller und vor allem ambitionierter als zuvor. Mit ihrer charakteristisch rauen Stimme und einem breiten Stimmumfang wechselt die Sängerin mühelos zwischen zerbrechlicher Emotion und purer Kraft. Jenny ist zweifellos das schlagende Herz von Fireborn, wird aber von ihren Bandkollegen Dennis Weber (g), Rick Götze (g) Christian Lehr (b) und Raphael Singh (d) professionell getragen. Musikalisch setzt «Dreamcatcher» gekonnt den Spagat zwischen modernem Hard Rock und der Seele des Classic Rock.

«Dancing With The Villain» und «Set The World On Fire» sind perfekte, energiegeladene Opener, die durchwegs anzeigen, wohin die Reise während der nächsten 43 Minuten geht. «Point Of No Return», ein Song der bereits als Single veröffentlicht wurde, ist ein kraftvolles Statement das unterstreicht, wo die Band momentan in der Szene steht. Fireborn können aber nicht bloss kloppen, denn mit «Little Wanderer» und «Flashlight» schalten sie einen Gang zurück und zeigen eine eher introspektive Seite. «Likes For A Life» und «Crisis Of Youth» schlagen tempomässig in dieselbe Kerbe wie ihre Vorgänger, gehen inhaltlich aber auf aktuelle Themen und persönliche Kämpfe ein.

Der Titelsong ist emotional und unterstreicht die Themen Träume, Hoffnung und Durchhaltevermögen. «Out Of The Edges» und «Human» runden das elf Songs starke Album kraftvoll ab, das in der Produktions-Phase erneut in den erfahrenen Händen von V.O. Pulver (Pro-Pain, Burning Witches, Nervosa) und Schmier (Destruction) lag. «Dreamcatcher» ist ein Werk, das live noch mehr zünden könnte als auf Platte und Fireborn als Band mit internationalen Ambitionen klar positioniert. Fans von melodischem Hard Rock mit klassischen Rock-Anleihen sei diese Platte wärmstens empfohlen.
Oliver H.

cede

 

 

Montag, 26 Januar 2026 03:25
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v. 10 Punkten: 8.1

Die norwegische Band HOLLOW PEAK um die ehemalige Theatre Of Tragedy Sängerin Ragnhild Westgaard legt hier ihr erstes Album vor. Der kraftvolle Sound mit der klaren, melodiösen Stimme ist anfangs zwar etwas gewöhnungsbedürftig. Nach ein paar Durchläufen hat man sich jedoch daran gewöhnt, und dann passt das Ganze eigentlich ganz gut zusammen.

Ragnhilds Stimme erinnert immer wieder an die Sängerin Jonsu von Indica. Die harten Gitarren-Riffs dominieren den Sound ganz klar durch alle zehn Tracks hindurch. Trotzdem sind die schweren, dunklen Sounds und die Gesangs-Melodien sehr gut ausbalanciert. So punkten Songs wie «Labyrinth» mit Doublebass-Drums, harten Riffs wie fliegenden Gitarren-Soli und klarer Stimme enorm. Das funktioniert auch, wenn man einen Gang herunterschaltet und etwas ruhiger agiert. Dadurch gelangt die Stimme natürlich etwas mehr in den Vordergrund. Ich denke, die Norweger aus Hammar legen hier ein gelungenes Debüt hin, das von der Kraft der Musik und der starken, melodiösen Stimme von Ragnhild lebt.
Crazy Beat


https://www.youtube.com/embed/02pRw29ebfc

 

Freitag, 23 Januar 2026 03:45
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v. 10 Punkten: 10

Wer sich den Podcast «Churz & Knackig» anhört, hat mich bereits grosse Töne spucken hören. Nämlich dahingehend, dass das neue, damals noch ungehörte, neue Album von MEGADETH für mich schon jetzt das Werk des Jahres sein wird. Im Hier und Jetzt höre ich mir «Megadeth» an und kann bestätigen, dass ich mit meiner grossen Schnauze recht hatte.

Die Jungs um Bandleader Dave Mustaine (Gesang, Gitarre) klingen wie der eigene Jungbrunnen und schiessen Metal- und Thrash-Geschosse aus dem Ärmel, als wäre es das Leichteste auf dieser Welt. Dabei erklingen ab und zu kleine Punk-Einflüsse («I Don't Care») durch, lassen den groovenden Parts («Hey, God?») ebenso ihren Platz, wie auch den wilden Thrash-Momenten («Let There Be Shred»), bei dem sich die beiden Gitarristen (Dave und Teemu Mäntysaari) nach Herzenslust austoben können, sich duellieren und die genialen Parts mit einer unglaublichen Sicherheit zuspielen.

«Puppet Parade» erinnert famos an die «Countdown To Extinction» Zeiten (1992), während «Made To Kill» von «Killing Is My Business… And Business Is God» (1985) stammen könnte. Wer das eigene Ende mit einem solchen Paukenschlag einläutet, darf sich mit erhobenem Haupt von den ganz grossen Bühnen der Welt verabschieden. Ja, auch ein Mister Mustaine wird nicht jünger und so verkündet der Meister seinen ton- wie auch bühnentechnischen Abschied an.

Der 64-jährige weiss, dass die virtuose Arbeit (man höre sich nur die akustische Einleitung zu Solo von «The Last Note» an!) und andere Dinge nicht immer gesundheitsfördernd waren. Mit dem grandiosen und grossartigen «The Last Note» verabschiedet sich der beste Thrash Metal Gitarrist und Songschreiber von der Tonträger-Front, um mit einem nachgelegten Ausrufezeichen auf dieser Scheibe allen zu zeigen, wer die besten Songs bei Metallica geschrieben hat.

«Ride The Lightning» beendet «Megadeth» und zeigt einmal mehr, welche begnadeten Musiker (Bassist James Lomenzo und Trommler Dirk Verbeuren komplettieren das Line-up) bei Dave gespielt haben sowie dass Mister Mustaine und sein Ensemble noch immer über genügend Feuer verfügen. Dieser "Ritt" wird nach der anstehenden Tour, die fünf bis sechs Jahre dauern soll, eine Karriere beenden, die ihresgleichen sucht. Mit Dave geht einer von der Bühne, der immer für Aufsehen sorgte und die Metal-Fans dieser Welt zu euphorischen Freudes-Stürmen veranlasste. Danke für die letzten 43 Jahre und das, was auf der Bühne (Zürich, Halle 622, 16. Juni 2026) noch kommen mag!
Tinu

 

https://www.youtube.com/embed/VU4-SBgG0vI

Freitag, 23 Januar 2026 03:35

Unter einem dunklen Himmel, wo Weihrauchschwaden und Entschlossenheit den Willen schärfen, manifestiert sich «Ritual Arcana». Dieses selbstbetitelte Debüt-Album von RITUAL ARCANA ist weniger eine Klang-Operation, ein Zusammenspiel von Bass, Schlagzeug und Gitarre, das zielgerichteter als spektakulär ist. In Crowley'schen Begriffen ist dies kein Lärm zur Ablenkung, sondern Musik als Handlung, etwas das getan wird.

Im Kern bewegt sich Ritual Arcana an der Grenze zwischen Doom, Hard Rock und etwas Älterem, das sich nicht genau benennen lässt. Die Riffs bewegen sich langsam, aber entschlossen, niemals aufgebläht, niemals nachsichtig. Hier herrscht Schwere, aber auch Schwung – das Gefühl, dass sich ein Rad dreht, statt dass ein Stein sinkt. Tracks wie «Occluded» und «Road Burnt» schreiten mit zeremonieller Schwere voran, während «Free Like A Pirate» und «Summon The Wheel» den Kreis aufbrechen und Luft, Bewegung und einen Feuerblitz zulassen.

Was dieses Album auszeichnet, ist seine Struktur - oder vielmehr seine Weigerung, das Erwartete zu liefern. Diese Songs folgen nicht der üblichen Strophe-Refrain-Liturgie. Stattdessen entfalten sie sich wie Beschwörungen, geleitet von Basslinien, die Richtung und Spannung vorgeben. Die Gitarre folgt nicht als Meister, sondern als "Klang-Bildhauer", der Textur, Melodie und plötzliche Erleuchtung in den bereitgestellten Raum einritzt. Soli kommen nur dann zum Einsatz, wenn sie notwendig sind und um zu offenbaren.

Die wahre Achse des Rituals ist jedoch die Stimme. SharLee LuckyFree tritt nicht im traditionellen Sinne auf, sondern sie spricht. Ihre Rezitation bewegt sich von zurückhaltender Befehlsgewalt zu spektraler Befreiung und verkörpert eher Transformation als Erzählung. Dies ist kein Untergang, der in Klage gesungen wird, sondern in Erklärung. Hier liegt Autorität vor - der Klang von jemandem, der den Namen kennt, der ausgesprochen wird. Die Produktion ist klar, ohne steril zu sein; sie ist schwer, ohne übertrieben zu sein.

Jedes Element ist hörbar, beabsichtigt und sorgfältig platziert, was dem Album eine Kohärenz verleiht, die wiederholtes Anhören belohnt. Je mehr man sich diesem Album hingibt, desto klarer wird es. «Ritual Arcana» wird vor allem bei Zuhörern Anklang finden, die Atmosphäre über Nostalgie und Intention über Genre-Treue stellen. Es ist wohl nicht für jedermann geeignet – und genau darin liegt seine Stärke. Wer bereit ist, sich auf dieses Album einzulassen, wird es als fesselndes, sorgfältig ausgearbeitetes Werk empfinden, das Zeit und Geld wert ist. "Fiat sonus. Fiat mutatio. Fiat libertas".
Lukas R.


https://www.youtube.com/embed/vP8pPf_keBM

Freitag, 23 Januar 2026 03:25

Kaum ein Jahr vergeht ohne einen neuen Output des Schwedischen Melodic Meisters Mikael Erlandsson. Neben seiner Tätigkeit mit Phenomena, Salute oder Secret Service, war vor allem Last Autumn's Dream, ursprünglich mit drei Europe Mitgliedern und Fair Warning Gitarrist Andy Malecek, in Genre Kreisen weit mehr als ein blosser Geheimtipp.

Nun steht der gute Mikael mit der Nachfolgeband AUTUMN'S CHILD wieder vor der Tür. «Melody Lane» ist dabei bereits der sechste Output der Formation. Wie gewohnt beschränkt man sich dabei keineswegs auf schnöden AOR. Vielmehr bewegt sich die Band äusserst versiert im vielseitigen Melodic Universum. Es werden Classic Rock, knackiger Hard Rock und voluminöser Stadion-Rock mit Elementen des kraftvollen AOR kombiniert. Dadurch resultiert ein charismatisches und vielschichtiges Album mit wuchtigem Drive. Der Herr Erlandsson, seines Zeichens Sänger, Gitarrist und Keyboarder, ist aber eben auch ein ausgezeichneter Songwriter.

Einmal mehr hat er eindrucksvolles Material verfasst, dass auf ganzer Ebene durch straighte Melodien und eingängige Strukturen begeistert. Relevante Schwachstellen: Fehlanzeige! Als Fazit wird mit der gefühlten siebenhundertsten Scheibe des Skandinaviers bewiesen, dass eine ansehnliche Quantität per se eine hohe Qualität keineswegs ausschliesst. Hut ab, denn «Melody Lane» ist ein durch und durch gelungenes Album. Zusammenfassend kann deshalb eine kompromisslose Kaufempfehlung ausgesprochen werden!
Chris C.

 

https://www.youtube.com/embed/WvEzc9I0nqE

Donnerstag, 22 Januar 2026 03:45

Die thrashige Phantom Corporation schlägt zurück – lauter, härter, fieser. Seit ihrer Gründung 2016 sind PHANTOM CORPORATION eine unaufhaltsame Macht im brodelnden Untergrund.

Von Szene-Veteranen aus Bremen und Dortmund ins Leben gerufen, die Wurzeln in Bands wie Dew-Scented, Slaughterday, Obscenity und Weak Aside haben, vermengt die Truppe gnadenlosen D-Beat Crust mit Death Metal und roher Oldschool Thrash-Punk zu einem kompromisslosen Crossover-Massaker. Nach dem Mini-Debüt «First Commandment» (2016), den furiosen EPs «Cause And Effect» (2017) und «Belligerent Powers» (2018) sowie der Split «Banner Of Hatred» (2022) mit den Schweden Harrowed, folgte 2023 endlich der erste Longplayer «Fallout».

Sehr zur Freude der Fans hatte die Truppe danach keinen kreativen Einbruch, sondern machte sich sogleich ans nächste tödlichste Geschoss: die neue Platte «Time And Tide», die über "Supreme Chaos Records" erscheint. Produziert von Jörg Uken in den Soundlodge Studios (God Dethroned, Temple Of Dread), hebt «Time And Tide» Marc-Andrée Dieken (d), Philipp Schulte (g), Arne Berents (g), Leif Jensen (v) und Ulf Imwiehe (b) auf ein völlig neues Level. Während elf Songs feuern Phantom Corporation aus allen Rohren und liefern ein unerbittliches Feuerwerk, das vielseitiger, brutaler und kompromissloser ist als je zuvor.

Rasende Thrash-Riffs, brutale Crust-Attacken und todesmetallische Soundlawinen vereinen sich zu einem apokalyptischen Schlagabtausch ohne grosse Atempause. Mit «Time And Tide» melden sich Phantom Corporation nicht nur eindrucksvoll zurück, sondern preschen vehement nach vorn. Wütender und doch facettenreicher als der gefeierte Vorgänger ist dieses Werk ein Manifest dessen, wofür die Band steht. Macht Euch also bereit, die Apokalypse 2026 hat bereits ihren Soundtrack!
Oliver H.

 

https://www.youtube.com/embed/BnuZnvPj_xc

 

Donnerstag, 22 Januar 2026 03:35
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v. 10 Punkten: keine Wertung

DEMONS MY FRIENDS - «Demons Seem To Gather» (Neuauflage 2026) erscheint eher mit einem zweiten Atemzug als mit einem zweiten Kapitel. Ursprünglich 2023 unabhängig veröffentlicht, ist diese Ausgabe die erste offizielle Einzel-Veröffentlichung des Albums auf Vinyl und CD.

Sie wurde mit einem neuen Remaster von Esben Willems (Studio Berserk, Schweden) versehen. Die Trackliste bleibt unverändert: acht Songs in der gleichen Reihenfolge ohne Bonusmaterial. Dies macht deutlich, dass der Fokus auf der klanglichen Verfeinerung und der erneuten Verfügbarkeit liegt und nicht darauf, Geschichte neu zu schreiben. Stilistisch bewegt sich das Album an der Schnittstelle zwischen der Heftigkeit des Doom, psychedelischer Weite und der melodischen Härte der 90er Jahre, ohne dass sich diese Elemente gegenseitig aufheben.

Pablo Antons Gesang hat eine rauchige, introspektive Note: weder heulend noch theatralisch düster, sondern eher wie jemand, der laut nachdenkt, während sich am Horizont ein Gewitter zusammenbraut. Das Bass-Spiel von Lu Salinas wirkt wie eine tektonische Bewegung unter der Wüstenerde: langsam, bedächtig, schwer, aber dennoch warm genug, um menschlich statt industriell zu wirken. Das Schlagzeug von Tarro Martinez bevorzugt einen gemessenen Einschlag: Jeder Schlag landet wie ein Schritt in einer Höhle und erzeugt durch sein Gewicht Schwung, nicht durch seine Geschwindigkeit.

Was die Neuauflage auszeichnet, ist das Hörerlebnis selbst. Die Remastering-Version öffnet das Stereofeld, verleiht den Fuzz-Gitarren-Schichten klarere Konturen und gibt den tiefen Frequenzen eine rundere, weniger komprimierte Präsenz. Dies ist besonders auffällig auf Vinyl, wo die Rillen beinahe so wirken, als wären sie für taktiles Hören geformt. Das Tempo des Albums bleibt ‘luxuriös langsam’, aber das Remastering fügt durch Dynamik statt durch reine Lautstärke narrative Dramatik hinzu: Die schweren Parts wirken schwerer, weil die leisen Parts endlich leiser klingen.

Dies ist eine Neuauflage, die es für Sammler und Liebhaber des intensiven Zuhörens zu entdecken gilt. Sie geniessen Alben als Welten, in denen man sich verlieren kann, und nicht als Sprints, die man hinter sich bringen muss. Wenn Sie die ursprüngliche Version verpasst haben, ist dies die Version, die Sie besitzen sollten. Wenn Du das Album bereits liebst, ändert die Neuauflage nichts an der Geschichte - sie erzählt sie einfach mit besserer Beleuchtung. Für mich selbst hat es nun nicht einen oder mehrere hervorragende Tracks und geht daher in den anderen ähnlich gelagerten Musik-Veröffentlichung ein wenig unter.
Lukas R.


https://www.youtube.com/embed/KZaYZBRBhlA

Donnerstag, 22 Januar 2026 03:25
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v. 10 Punkten: keine Wertung

Gitarrist Nikolo Kotzev kleckerte mit dem vierten und selbstbetitelten Werk von BRAZEN ABBOT ziemlich fett. Nicht nur dass mit Mic Michaeli (Keyboard), John Levén (Bass) und Ian Haugland (Drums) gleich dreifünftel von Europe am Start waren, sondern mit Joe Lynn Turner (ehemals Rainbow und Deep Purple), Jorn Lande und Göran Edman (ehemals John Norum und Yngwie Malmsteen) holte sich der Bulgare gleich drei grossartige Sanges-Barden ins Studio.

Musikalisch liegt der Musiker mit seinen Jungs irgendwo zwischen den melodischeren Parts von Deep Purple, Uriah Heep und Europe. Alles ist auf einem musikalisch sehr hohen Level und überzeugt von der ersten bis zur letzten Sekunde. Dies wird insbesondere unseren Komma-, und Wörter-Jongleur begeistern, und ich gehe davon aus, dass er sich zumindest die Japan-Version bereits 2003 zulegte, denn in diesem Jahr erschien bereits «Guilty As Sin». Herausragend sind die wilden Nummern wie «Mr. Earthman», «One Life To Live», das ruhigere «I'll Be Free» sowie das fetzige «Supernatural» und der verspielte Titelsong. Classic Rock Fans müssen hier zugreifen.
Tinu

https://www.youtube.com/embed/xTnUCsLT3Jw

Mittwoch, 21 Januar 2026 03:46
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v. 10 Punkten: keine Wertung

Vor dreissig Jahren legten die Schweden RITUAL ein wunderbares Stück Musik vor, das nun remastered neu aufgelegt wird. Wir hören hier eine grossartige Mischung aus Art / Progressive Rock mit Folk-Einflüssen, in den 70ern verwurzelt. Jethro Tull hinterlassen hier ebenso ihre Spuren wie Queen in ihren Anfängen, vor allem im Gesang und den wunderschönen Chören.

Gut zu hören bei «A Little More Like Me». Die Songs sind alle sehr verspielt und mit viel Gefühl vorgetragen. Ich kann mich gut daran erinnern, dass mich dieses Debüt schon damals begeistert und verzaubert hat. Und auch heute noch haben die einzelnen Tracks nichts von ihrer Faszination verloren. Man höre sich nur das acht Minuten lange «Solitary Man» an. Hier wird Progressive Rock auf hohem Niveau geboten, etwas härter als der Rest des Albums hauen die Nordländer um Sänger und Gitarrist Patrik Lundström einen teils rockigen Song raus, der den Zuhörer sofort in seinen Bann zieht.

«Dependence Day», ein starker Mix aus Jethro Tull und Queen, überzeugt ebenfalls. Genauso wie das verspielte, wunderbare «Seasong For The Moominpappa». Hört Euch nur mal den witzigen Chor an am Ende des Songs an, einfach grossartig. Die Schweden legen hier in der Progressive-Szene ein fast vergessenes Highlight hin, das sich jeder Proggie zulegen muss. Ein Werk auf durchgehend sehr hohem Niveau. Für Fans von oben genannten Bands wie auch Kaipa und Spocks Beard.
Crazy Beat

 

 

Mittwoch, 21 Januar 2026 03:30
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v. 10 Punkten: keine Wertung

Ups, da dachte ich doch kurz, die kanadischen Thrasher hätten nach dem starken «Volume Six» schon einen Nachfolger eingetütet. Aber nichts da, denn hier handelt es sich um die japanischen SACRIFICE, welche vor allem zwischen 1985 und 1992 aktiv waren.

Seit 2013 gibt es die Band wieder, neues Material wurde bisher aber nicht veröffentlicht. Relics From The Crypt (Sublabel von Dying Victims) haben sich nun dem dritten Album «Tears» angenommen und legen die Scheibe auf CD wie auch Vinyl nach. So wahnsinnig viele Scheiben aus Fernost finden sich in meiner Sammlung nicht, und würde ich eine Liste meiner liebsten hundert Metal-Bands erstellen, glaube ich kaum, dass es eine davon schaffen würde. Zwar haben sich Truppen wie Anthem oder Loudness einen gewissen Status erspielen können, aber so richtig packt mich asiatischer Metal eigentlich nicht. Sacrifice haben mit ihren kanadischen Namenskollegen eines jedoch gemeinsam: Sie spielen Thrash, genauer rohen Oldschool Thrash, wobei das aufgrund des Erscheinungsjahres ja eigentlich logisch ist.

Es dürfte vor allem die Darbietung von Sänger Akira Sugichi sein, die darüber entscheidet ob man die Scheibe gut findet oder eben nicht. Musikalisch wird nicht nur auf das Gaspedal gedrückt, sondern mit dem Tempo auch mal variiert, was für Abwechslung sorgt. Wer es schnell mag, wird mit Songs wie «Breaking The Silence Of The Night» oder «Your Soul» glücklich, wer es hingegen eher groovig mag, sollte sich «Never Land Never Again» oder das Strapps Cover «Down To You» anhören. Insgesamt macht «Tears» Laune und ein Reissue macht insofern schon Sinn, da das Album in unseren Breitengraden kaum mehr erhältlich ist.
Rönu

 

https://www.youtube.com/embed/XsV2gW3LMsA

Mittwoch, 21 Januar 2026 03:25
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v. 10 Punkten: keine Wertung

Das Debüt-Album von BRAZEN ABBOT erschien 1995, also inmitten einer Zeit, in welcher Classic Rock alles andere als angesagt war. Das Suizid-Kommando, welches der Bulgare Nikolo Kotzev damals fuhr, trug ihm kaum Erfolgs-Lorbeeren ein.

Zusammen mit den Europe Musikern Mic Michaeli (Keyboard) und Ian Haugland (Drums), Bassist Svante Henryson und den Sängern Glenn Hughes, Jorn Lande und Thomas Vikström schipperten die elf Tracks irgendwo zwischen Deep Purple, Uriah Heep und Led Zeppelin («Clean Me Up») hin und her. Das grosse musikalische Potenzial war zwar zu erkennen, entlud sich aber mit jedem weiteren Studio-Album mehr.

Trotzdem sind Nummern wie der Titelsong «Clean Me Up», «When November Reigns» und «Children Of Today» richtig geile Hard Rock Songs. «Live And Learn» versuchte Mitte der Neunziger "krampfhaft" einen Sound am Leben zu erhalten, der damals den Tode geweiht war. Gerade deshalb bescherte «Live And Learn» ein paar Unbeugsamen dicke Freudentränen in den Augen.
Tinu

 

https://www.youtube.com/embed/yB1Y1ndP2i0

Dienstag, 20 Januar 2026 03:45
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v. 10 Punkten: 8.2

Das dritte Werk der Australier IMPERATORE um Gitarrist und Sänger Zoran Cunjack beginnt mit einem Metal-Riff und orchestralen Elementen. «Be A Man» setzt ordentlich Druck frei und gleichzeitig wird alles überdacht von fetten Keyboards. Dazu die ganz ordentliche Stimme von Zoran. Fängt gut an, der Rundling.

Das folgende «Orion» startet mit ruhigen Gitarren, geht dann in grossen, orchestralen Bombast über, fast ein bisschen zu viel des Guten. Aber Zoran bietet hier eine tolle Gesangslinie mit viel Gefühl und agiert trotzdem kraftvoll. Auch «My Life» startet mit fetten, orchestralen Elementen, bevor die Gitarre einsetzt. Gelungen ist auch das dramatische «Treachery», grandios auch hier der Gesang, wo Zoran zeigt, zu was er stimmlich in der Lage ist. Auch «Australian» kommt gut, und mit einem Didgeridoo bereichert, klingt das Ganze schon etwas dramatisch.

Zum Schluss folgt dann noch eine Nummer von Hans Zimmers Filmmusik aus dem Film "Gladiator". Es ist echt beeindruckend, was Zoran hier für eine gesangliche Leistung abliefert. Natürlich auf italienisch gesungen und nur orchestral ohne weitere Instrumente. Ein wahrlich grosses Finale für ein interessantes Album. Obwohl der orchestrale Bombast hie und da etwas übertrieben ist, liefern die Australier auf «The Lionspirit» fett ab.
Crazy Beat


https://www.youtube.com/embed/o5zZdq_MKL4

Dienstag, 20 Januar 2026 03:35

Das italienische Trio ZU hat sich noch nie für Zurückhaltung interessiert und auch «Ferrum Sidereum» bestätigt dies. Ihr kreativer Antrieb ist nach wie vor von Risikobereitschaft, Geduld und der Weigerung geprägt, sich an die aktuellen Regeln der Branche zu halten. Das über House of Mythology veröffentlichte, weitläufige Instrumental-Doppelalbum erstreckt sich über mehr als achtzig Minuten und verlangt nach einer intensiven Auseinandersetzung statt nach beiläufigem Konsum.

Im Kern basiert «Ferrum Sidereum» auf Spannung: zwischen Disziplin und Chaos, Ritual und Abrasion, Groove und Abstraktion. Die charakteristische Besetzung von ZU – Baritonsaxophon, Bass und Schlagzeug - bleibt täuschend minimalistisch, doch der Sound wirkt monumental. Massimo Pupillos Bass fungiert oft sowohl als harmonischer Anker als auch als perkussiver Motor und liefert Riffs, die schwer sind, ohne sich auf traditionelle Metal-Klischees zu stützen.

Luca T. Mais Bariton-Saxophon wechselt zwischen hypnotischen Motiven und wilden Ausbrüchen, während Paolo Mongardis Schlagzeugspiel muskulöse Präzision mit einem lockeren, beinah zeremoniellen Puls ausbalanciert. In «Golgotha» zum Beispiel entsteht die massive Wirkung vollständig ohne klassische Gitarren-Riffs - Bass, Bariton-Saxophon und elektronische Schichtungen erzeugen eine Schwere, die bewusst gitarrenfrei gedacht ist. Absolut genial wie ich finde.

Das von meteoritischem Eisen und seiner alten symbolischen Bedeutung inspirierte Konzept des Albums übersetzt sich in Musik, die sich sowohl kosmisch als auch geerdet anfühlt. Tracks wie «Charagma» und «Golgotha» erzeugen durch langsam aufbauende Strukturen und beunruhigende elektronische Texturen eine bedrohliche Atmosphäre. Spätere Stücke entwickeln sich zu langen Kompositionen, die organisch atmen und wachsen. ZU lassen Wiederholungen, Stille und allmähliche Veränderungen das Hörerlebnis prägen.

Die Produktion spielt dabei eine entscheidende Rolle. In Zusammenarbeit mit Marc Urselli entschied sich die Band, einen Grossteil des Albums live aufzunehmen, um die Körperlichkeit und die menschliche Reibung zu bewahren. Das Ergebnis ist ein Sound, der sich roh und doch sorgfältig ausbalanciert anfühlt: dichte Bässe, scharf definierte Percussion und Schichten aus Synthesizern und Effekten, die eher ergänzen als dominieren. Der Mix belohnt aufmerksames Zuhören und offenbart bei jedem erneuten Hören neue, subtile Details (nix für Spotify-Hörer, am besten Vinyl).

Was «Ferrum Sidereum» von vielen experimentellen oder Jazz Metal Veröffentlichungen unterscheidet, ist sein Sinn für Grösse und Intention. Trotz seiner Länge wirkt das Album selten überladen. Es entfaltet sich vielmehr wie eine langsame Prozession: ritualistisch, immersiv und mit Höhepunkten der Intensität, die durch meditative Passagen ausgeglichen werden. Das Album ist für Zuhörer, die bereit sind, sich auf eine physische und intellektuelle Reise mit der Musik einzulassen.

«Ferrum Sidereum» ist herausfordernd, kompromisslos und zutiefst menschlich. Für alle, die sich zu experimenteller Heavy-Musik hingezogen fühlen und denen Atmosphäre, Struktur und langfristige Entwicklung wichtiger sind als sofortige Befriedigung, ist dieses Album nicht nur hörenswert, sondern belohnt auch wiederholtes, konzentriertes Anhören. Wenn dies deine Musik ist: Die italienische Jazz Metal Avantgarde ZU ist mit Ferrum Sidereum auf Tour und spielt am 13. Februar 2026 gemeinsam mit Convulsif (CH) im Centre Culturel Ebullition in Bulle.
Lukas R.


https://www.youtube.com/embed/-ziODqlp79w

Dienstag, 20 Januar 2026 03:25
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v. 10 Punkten: 6.5

Schon lustig, Kroatien fristete in meiner Sammlung bisher ein absolutes Schattendasein. Doch nach Manntra und Speedclaw kommt von BEZDAN bereits die dritte Scheibe in diesem Jahr aus dem Land am Mittelmeer und die mit Abstand härteste.

Roher Oldschool Thrash mit einer gehörigen Portion Schwärze wird geboten, als Vorbilder nennen die Kroaten unter anderem Possessed und Sepultura. Dabei kennt man eigentlich nur eine Richtung: Mit Vollgas geradeaus. Zwar variiert das Tempo zwischendurch ein wenig, aber nach ein paar Songs zeigen sich schon ein paar Ermüdungs-Erscheinungen. Denn trotz furioser Solos und ein paar Riffs, die aufhorchen lassen, bleibt am Ende des Tages ein Album stehen, welches schlicht die Genialität und die Dynamik von Bands wie Hellripper, Midnight, Desaster oder Knife vermissen lässt. Für sich alleine stehend fallen Songs wie «Sacrifical Death», «Dark Messiah» oder «Endless Fields Of Bones» zwar überhaupt nicht ab und dürften eure Metal-Party mächtig auf Trab halten, aber sich «Upon The Altar» am Stück anzuhören, funktioniert nicht wirklich gut.
Rönu


https://www.youtube.com/embed/lkZNkTrpgig

 

Montag, 19 Januar 2026 03:45

20 Jahre lärmen die Basler TOTAL ANNIHILATION schon und just zu diesem runden Geburtstag, beschenken sie die Meute mit ihrem vierten Studio-Album. Der Titel bezieht sich auf einen Comic namens "At The Mountains Of Madness" des amerikanischen Autors H.P. Lovecraft.

Laut unser allen Lieblings-Enzyklopädie "Metal Archives" sind als ähnlich gelagerte Bands Legions Of The Damned, Sodom und Venom genannt. Mit Venom gehe ich nicht ganz einig, die beiden anderen Bands dürften als Referenz keine schlechte Wahl sein. Die Jungs warten nämlich mit einem amtlichen Brett auf, welches die Essenz klar aus dem Thrash zieht, aber auch immer wieder mit einem Bein im Death Metal steht.

Gleich von Anfang drückt man mächtig auf das Gaspedal, denn «The Art Of Torture» lässt einem kaum Zeit zum Atmen, was nicht zuletzt an der höllisch groovenden Riff-Wand liegt. «Mountains Of Madness» beginnt akustisch und ist anfangs eher im Midtempo angesiedelt, ohne aber an Aggressivität zu verlieren. «Choose The Day» kann ebenfalls vollends überzeugen und zeigt auf, dass sich die Schweizer nicht vor der internationalen Konkurrenz fürchten müssen. 

Die Produktion lässt für mich keine Wünsche offen, die Mucke ballert fett aus den Boxen, lässt aber den einzelnen Instrumenten genug Raum. Einzig wer auf clean gesungenen Thrash steht, dürfte mit den harschen Vocals von Sänger Daniel seine Probleme haben. Man darf Total Annihilation aber trotzdem gleich doppelt gratulieren: Zum runden Jubiläum und zu einem gelungenen Album. Für Thrash und Death Metal Fans ein guter Start ins neue Jahr.
Rönu


https://www.youtube.com/embed/HFvbwr_JSKQ

Montag, 19 Januar 2026 03:35
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v. 10 Punkten: 8.4

21 Jahre nach ihrem letzten Album hauen uns die Norweger GLUECIFER einen knackigen, wilden, rauen Longplayer um die Ohren, den so wohl niemand erwartet hätte. Mit dem Opener knallt ein fetziger Punk-Song aus den Boxen, sie können es immer noch. Die Mischung aus Rock'n'Roll, Punk und Glam-Elementen gefällt und macht gute Laune.

«I'm Ready» erinnert an Green Day, vor allem auch wegen des melodiösen Gesangs. Auch «Pharmacy», ein starker, melodischer Mitsing-Track, die glatt von D.A.D sein könnte. Dem entgegen steht die Punk-Nummer «1996». Die Jungs aus Oslo marschieren hier musikalisch voll Energie, sehr starken Songs und auch mit viel Melodie durch die elf Tracks. Durchgehend auf hohem Niveau, ohne irgendwelche musikalischen Schwächen. Dass man nach einer so langen Pause mit  «Same Drug New High» nochmals so durchstarten kann, hätte man Biff Malibu und seinen Jungs wohl nicht mehr zugetraut.
Crazy Beat

 

https://www.youtube.com/embed/2oRO8QELzQA

 

Montag, 19 Januar 2026 03:25

Auch für sein viertes Album «Nefarious Scintillations» hat sich Evan Daniele (Gesang/alle Instrumente) unter dem Banner DEAD AND DRIPPING für Transcending Obscurity Records entschieden. Von den ersten Sekunden an ist «Nefariously Scintillating Through Vacant Galactic Reservoirs» verstörend, und man wird von der Gewalt des Schöpfers mitgerissen.

Das Gewirr der Riffs rollt unerbittlich weiter und bietet Momente, die explosiv, aber ebenso komplex sind, wie beispielsweise die Soli. «Horrifying Glimpses Into Inconceivably Demented Cityscapes» ist kürzer und daher direkter, während er Schwere mit aggressiven Patterns verbindet. Die schrillen Obertöne sind in diesem Track noch zahlreicher vertreten, der nahtlos in «Pestilent Hints Of Darkened Malodorous Vibrations» mit seiner qualvollen anfänglichen Stille übergeht.

Das Finale ist besonders verstörend, bleibt aber der Logik des Tracks treu, gefolgt vom sehr langen «Swollen Torsos Adorned With Pustulating Hexagonal Crania», in dem der Musiker keine Skrupel hat, die seltsamsten Gesangs-Parts über einen oft unvorhersehbaren Rhythmus zu reihen, der in dieser turbulenten Umgebung fast ständig eskaliert. Evan Daniele liebt abstrus lange Songnamen, die sich kein Mensch merken kann, ansonsten kann ich mir Tracks «Spontaneous Recollections Of Unwitnessable Atrocity» nicht erklären.

Die acht Songs sind extrem ruckartig gespielt, jedes Instrument verbindet sich zu einem dreckigen Sound, der mit voller Geschwindigkeit tobt oder durch die Einöde dümpelt. Der Bass scheint zielführend zu sein, und die Vocals sind so knurrend tief, dass das Ende von «An Utterly Tenantless World Of Aeons-Long Death» eine gewisse Erleichterung darstellt, die jedoch nicht lange anhält.

«Nefarious Scintillations» hört ebenso verwirrend auf, wie es begonnen hat und entlässt seine Zuhörer mit denselben Fragezeichen im Gesicht wie zu Beginn der Platte. Der Schöpfer von Dead And Dripping wird live von Bassist TJ Coon (Sentient Horror) und Drummer Nikhil Talwalkar (Anal Stabwound) begleitet, während er selbst für Gesang und Gitarre zuständig ist. Ich bin mir allerdings nicht ganz sicher, wer sich diesen musikalischen Horror live zu Gemüte führen möchte, aber angeblich gibt es zu jedem Topf den passenden Deckel.
Oliver H.

 

https://www.youtube.com/embed/xV-swvjH3Cg

 

Freitag, 16 Januar 2026 03:45

Wenn man sich mit der musikalischen Entwicklung von KREATOR auseinandersetzt, dann stellt man fest, dass von der einstigen Rumpel-Combo nicht mehr viel übriggeblieben ist. Schon mit dem dritten Album «Terrible Certainty» (1987) vermischte Bandleader Mille harte Klänge mit melodischeren Parts und richtete immer einen Gitarren-Leckerbissen her, der seinen Ursprung in der "New Wave Of British Heavy Metal" hatte.

Seit einigen paar Jahren, genauer geschrieben seit 2001 und dem "Comeback" Album «Violent Revolution», kleckerte der singende Gitarrist zusammen mit seinem Uralt-Kumpel Ventor (Drums) plus Sami Yil-Sirnö (Gitarre), vermischte alte Traditionen mit feinen, neuzeitlichen Parts und dem typischen Kreator-Sound, wie er seine Entstehung bereits bei «Coma Of Souls» sowie «Extreme Aggression» hatte. Mit dem sechzehnten Studio-Album werden Mille und seine Truppe (seit 2019 mit Frédéric Leclercq am Bass) keinen Fan enttäuschen und marschieren auf dem eigeschlagenen, erfolgreichen Weg weiter.

Eine Hymne wie «Satanic Anarchy» verbindet das melodische Element der Gitarren, mit der aggressiven Stimme von Mille und dem knallharten Rhythmus. Dabei gefallen mir Kreator sogar eine Spur besser als auf dem eh schon genialen Vorgänger «Hate über Alles». Der im Midtempo gehaltene Titelsong überzeugt ebenso, wie das bereits bekannte «Tränenpalast», bei dem Mille Unterstützung von Britta Görtz (Hiraes, Hevean Shall Burn) erhält. Ein Duett das Sinn macht und den Titel durch das kraftvolle Organ von Britta zusätzlich aufwertet, während der Song auch auf «Endorama» (1999) gepasst hätte.

Herausragend sind auch «Blood Of Our Blood» (eine Thrash-Granate vor dem Herrn oder dem Olymp des Metals), «Psychotic Imperator» und das grossartige «Loyal To The Grave». Am Ende des Tages sind Kreator sich selbst geblieben und verteidigen ihren Thron mit Bravour. Das Erfolgsrezept der letzten Jahren wird dabei nicht gross verändert, sondern mit Nuancen verfeinert, was aber keinen Thrash-Fan davon abhalten wird, sich «Krusher Of The World» umgehend zu kaufen.
Tinu


https://www.youtube.com/embed/rv9arEpXBLE

 

 

Freitag, 16 Januar 2026 03:35

Das Album hat definitiv etwas, was mich einfängt. Die Musik von SOULBOUND besitzt Tiefgang. Der Wechsel zwischen Härte und ruhigen Momenten, die Dynamik, welche in jedem Song aufgebaut wirkt, ist richtig gut. Das Material hat weit mehr als nur Industrial Metal zu bieten.

Dieses Wechselbad der Gefühle zwischen Lärm und Ruhe ist grandios. Alle Songs sind auf den Punkt gebracht. Die meisten dauern kaum länger als drei Minuten. Was dann das ganze Album bei elf Tracks, plus Intro, summa summarum, auf keine vierzig Minuten kommen lässt. Stört das? Nicht im Geringsten. Aus meiner Sicht lieber so, als endloses Gefrickel. Alles kommt gnadenlos direkt daher.

Ich gehe bewusst nicht speziell auf den Inhalt ein, denn da steckt wirklich viel Leidenschaft drin. Doch eine Nummer muss ich dann doch noch erwähnen: Welche Band macht denn bitteschön ein Britney Spears-Cover und lässt es wie etwas Eigenes klingen? Und wenn Ihr Nu Metal, respektive Industrial Metal mögt oder diese Band eh schon kennt: reinhören und «sYn» kaufen!
Björn


https://www.youtube.com/embed/wNu9xY9XWik

 

 

Freitag, 16 Januar 2026 03:25

Lange galten sie in der Szene als Geheimtipp, Tschechiens bestgehütetes Geheimnis in Sachen Modern Metal: DYMYTRY PARADOX. Eine Band, die viele Jahre in ihrer Heimat um Anerkennung gespielt hat, und innerhalb kürzester Zeit vom Underground-Phänomen zur Arena-Band aufgestiegen ist.

Nun scheint der Moment gekommen zu sein, um auch den Rest der Welt zu erobern. Mit den neuen Partnern Reaper Entertainment an ihrer Seite und zusätzlicher Feuerkraft unter ihren Flügeln starten Dymytry Paradox in eine monumentale neue Ära, die Grenzen und Sprachbarrieren auslöscht. «Born From Chaos» ist ein Strudel aus modernem Metal, Psy-Core und Arena-Sound, der das Chaos in uns allen feiert.

Das Album, das zwischen Prag und Hamburg aufgenommen wurde, thematisiert Wiedergeburt, Widerstandsfähigkeit und Selbstermächtigung. Aus Lärm und Zerstörung kann etwas Neues entstehen, das stärker und klarer ist als alles, was zuvor war, wenn wir es nur wollen. Ein mehr als passender Soundtrack für die Dystopie, in der die Welt sich momentan befindet. Die neun Songs sind massiv, cineastisch, emotional, aber dennoch roh.

Von «Red Sky Remains» über das gewaltige Manifest «Sun Of A Broken God» bis hin zur rohen Dunkelheit von «Reignite Me» beweisen Dymytry Paradox immer wieder, dass sie genau das sind, was die Metal-Szene momentan braucht: eine kompromisslose, authentische, rohe, engagierte und unglaublich talentierte Band, die genau die richtigen Songs im Köcher hat. Die Platte verbindet die Aggression der früheren Werke mit einer neuen melodischen und lyrischen Tiefe, und es fühlt sich an wie das erste Album einer neuen Ära.
Oliver H.


https://www.youtube.com/embed/7KgTnhq5jyo

Donnerstag, 15 Januar 2026 03:45

BEYOND THE BLACK bleiben sehr stark! War ich bereits von ihrem selbst betitelten Vorgänger begeistert, wiederholt sich das jetzt wieder. Und auch ich tue dies hiermit: Hier ist das Songwriting schlicht massiv – und das obwohl mich BandS mit symphonischen Frauen-Stimmen sonst eher langweilen.

Beyond The Black schaffen es, mit viel Abwechslung und guten Liedern sich aus der Masse heraus zu heben. Natürlich klingen sie manchmal wie Within Tempation (zum Beispiel beim Titelsong). Das stört hier jetzt aber nicht, zumal sie mal modern, mal progressiv, mal traditionell rocken. Der Einstieg gelingt mit dem ungewöhnlichen «Rising High» bereits fulminant. Kommt dazu, dass Beyond The Black immer wieder andere Sprachen wie etwa Deutsch oder Französisch in ihre vorwiegend auf Englisch gesungenen Lieder einbauen.

Das Abschliessende ruhige «Weltschmerz» kann man gerne als Referenz anhören. «Let There Be Rain» klingt dagegen teilweise gar etwas nach «Baby Metal», während «Ravens» seine Intensität durch seine Langsamkeit aufbaut und das nachfolgende schnelle «Here Comes The Flood» gar Industrial Elemente einbaut. Trotz all dieser Experimente wirkt hier alles wie aus einem Guss. Mit «Break The Silence» können Beyond The Black ihre Fanbasis wohl sicher noch weiter ausbauen. Verdient haben sie es auf jeden Fall!
Roger W.

 

https://www.youtube.com/embed/oaGyQTA8q5s

 

Donnerstag, 15 Januar 2026 03:35
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v. 10 Punkten: keine Wertung

Sehr melodisch geht der ehemalige Survivor Musiker auf «River Of Music» ans Werk. Das ist kein reissender Fluss oder ein wütendes Meer mit peitschenden Wellen, sondern eher ein laues Bächlein, an dem JIM PETERIK & WORLD STAGE Frischverliebte zusammenbringen.

Musikalisch sicherlich super gemacht, lässt aber jeden Hard Rock Fan kalt und kann selbst die Verehrer von Survivor nur bedingt glücklich machen. So bleibt letztlich ein tanzbares Stück AOR Rock, das mit «Soul Of My Beign» immerhin einen "flotten Track" in den Reihen hat, ansonsten aber kaum zu überzeugen weiss. Da helfen auch die gesanglichen Duette nicht viel, um das Niveau von «River Of Music (The Power Of Duets Vol. 1)» anzuheben. Wie da wohl der zweite Teil davon klingen wird?!
Tinu

https://www.youtube.com/embed/gkow76jym0M

Donnerstag, 15 Januar 2026 03:25

Beunruhigend oder doch beruhigend? DEATH OBVIOUS tauchten aus dem Nichts mit einem Debüt-Album in der Tasche auf, das Elemente aus Black, Death und Doom Metal vereint, um einen erschütternden Sound zu kreieren. Ohne sich an einen bestimmten Stil zu halten, macht das finnische Duo einfach die Musik, die ihrer wahnsinnigen Vision entspricht.

Die Songs klingen wie Ausflüge in pechschwarze Dunkelheit, die nicht leicht zugänglich ist. Aber angeblich verlangen die acht Tracks bloss Zeit und Verständnis, um die Geheimnisse durch wiederholtes Anhören zu lüften. «Mercury Off Axis» ist der erste, der dissonant und chaotisch daherkommt. «Santuario» beginnt dafür mit einem festen, marschierenden Groove, bevor er über die Klippe in die Dunkelheit springt. 

«The Great Gate Theory» kriecht dunkel mit einigen progressiven Elementen vorwärts, die das tiefe Gefühl versprühen, in etwas Verbotenes hineinzublicken. Schrecklich dissonante Töne sind bei «Total Heavenly Desolation» zu hören, als wäre der Folterer mit einer neuen Vielzahl von Gerätschaften zurückgekehrt. «The Third Eye Burning» ist aggressiver und der Gesang gleicht eher einem Schreien mit kehligen Lauten. «Suffer The Spectacle» beginnt mit klaren Gitarren, bleibt aber dennoch in der Seele sehr düster.

Danach wird geschrien, gejammert und gebrüllt, aber die Folter hört nie auf. «As Absence Expands Over Everything» beginnt mit einem tiefen und langsamen Riff, das selbst Granit zu Sand zermahlen könnte. Im Anschluss nimmt die Raserei wieder an Fahrt auf und die Klavierklänge fügen eine Textur hinzu, die man deutlich spüren kann. Mit «Catechismus For The Plagued» endet die musikalische Folter, die lange und ausgedehnt alles aus dem Körper reisst, was noch vorhanden ist. 

Insgesamt haben Lea Lavey (Gesang) und Sima Sioux (alle Instrumente) ein schreckliches Album geschaffen, das den Begriff "Dunkelheit" neu definiert. Um auf die eingangs gestellte Frage nochmals zurückzukommen: «Death Obvious» ist mehr als beunruhigend! Die Schwärze des Albums bleibt noch lange nach seinem Ausklingen bestehen und der Sound klingt nach Folter in ihrer reinsten und bösartigsten Form. Definitiv nichts für ein idyllisches Familien-Picknick!
Oliver H.


https://www.youtube.com/embed/zLN11kF3960

 

 

 

Mittwoch, 14 Januar 2026 03:45
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v. 10 Punkten: 7.4

EXTORTIONIST bewegen sich an einer Schnittstelle, an der mehrere Subgenres des Heavy Metal aufeinandertreffen. Doch dieses Album beweist, dass gegenseitige Beeinflussung allein noch keine Garantie für Erfolg ist.

«Stare Into The Seething Wounds» basiert auf zwei Hauptelementen: eisige, düstere Atmosphären mit grungigen Vocal-Hooks sowie unverblümte Metalcore-/Deathcore-Salven, die eher auf Geschwindigkeit und Dichte als auf eine narrative Form setzen.

Die stimmungsvolleren Passagen des Albums spielen mit der DNA der 90er Jahre, jedoch nicht durch Imitation, sondern durch die Übernahme der grungigen emotionalen Distanz. Ben Hoaglands klare Vocals schweben tief im Mix wie ein halb vergessener Radiosender, oft überlagert von bewusst unpoliert wirkenden Gitarrenklängen, die fast verschwommen an den Rändern sind. Diese Passagen schaffen eine gotisch Atmosphäre, die Hörerinnen und Hörer ansprechen könnte, die Metal mit minimaler Helligkeit bevorzugen - man denke an nächtliche Spaziergänge mit Kopfhörern durch den Nebel, nicht an Adrenalin in Live-Locations.

Die härteren Segmente schlagen ohne Umschweife zu. Breakdowns fallen wie Falltüren: abrupt, schwer und oft so tief gestimmt, dass der Rhythmus eher einem Rammbock als einem Puls gleicht. Besonders hervorzuheben ist Schlagzeuger Vince Alvarez – sein Timing ist präzise, selbst wenn das Songwriting überladen wirkt. Die berüchtigte Keg-Percussion der Band entsteht durch den Einsatz eines Bierfasses (Keg) als improvisiertes Schlaginstrument. Dadurch entsteht ein roher, erdiger Klang, der dem Song eine bewusst raue und ungezähmte Klangfarbe verleiht und dem Gesamtsound eine markant wilde Note hinzufügt.

Für Fans stromlinienförmiger Brutalität (Bodysnatcher-artige Pits, unkomplizierte Riff-Zyklen) gibt es einige bemerkenswerte Momente. Aber für diejenigen, die sich nach Dynamik, Charakterbögen oder einprägsamen melodischen Höhepunkten sehnen, fühlt sich das Album aufgrund seiner langen Laufzeit und des begrenzten Kontrasts schwerer an, als es fesselnd ist. Es lohnt sich, es wegen der Produktionsbesonderheiten und Alvarez' Performance anzuhören. Ob man es komplett kaufen sollte, hängt davon ab, wie sehr man dichte Düsternis gegenüber sich entwickelndem Songwriting tolerieren kann.
Lukas R.

cede

 

https://www.youtube.com/embed/0jpSh_K5Wu8

Mittwoch, 14 Januar 2026 03:35

THE DECCAN TRAPS sind benannt nach einem vulkanischen Gebirgsmassiv in Indien. Sechs Musiker und eine Background-Sängerin legen hier ein beachtliches Debüt-Album vor. Sänger Ricardo Alfonso überzeugt mit einer variablen, kräftigen Stimme, hat er doch Erfahrung gesammelt als Sänger im "We Will Rock You" Musical.

Der Opener «Sun & Moon» ist ein knackiger Hard Rock Song mit viel Melodie. Das folgende «Chain Me» erinnert durch die fetten Chöre etwas an Queen, starker Rock-Song. «Spellbound» zeigt die ruhige Seite der Briten, akustische Gitarre, überzeugender Gesang und wieder diese fetten Chöre dazu, sicher ein Highlight dieses Rundlings. «Until You Love Me» dann wieder ein klasse Hard Rock-Song mit Power und starkem Gitarren-Riff. Das absolute Highlight aber ist das 10 Minuten lange «Dream Of A Thousand Nights», bei der Brian May als Gast mitwirkt.

Natürlich hinterlässt Brian hier seine Queen-Spuren bei diesem spannenden Progressive Rock-Song. Und dazu noch das Gesangs-Duett von Ricardo und Lois, die gewaltigen Chöre, wahrlich eine grosse Nummer. Gegen Ende folgt noch einen gesprochenen Part von Brian May aus Carl Sagans Rede «Pale Blue Dot» zu hören. Das Debüt der Briten überzeugt auf ganzer Linie, nicht zuletzt auch durch die starke Stimme von Ricardo Alfonso. Griffige Rock-Songs mit etwas Progressive Rock Einflüssen, mit temporärem Blick auf die 70er, machen diesen Rundling zu einem tollen Hörerlebnis.
Crazy Beat

cede

 

https://www.youtube.com/embed/rzaXwVzlEP4

Mittwoch, 14 Januar 2026 03:25
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v. 10 Punkten: keine Wertung

Ufff! Bei dem mir vorliegenden Werk musste ich ziemlich recherchieren, da es A) gar nicht meine Musik ist und B) ich von der Truppe bisher noch nie etwas gehört habe.

Also: die MC5, die Ende der 60er-Jahre aus den rauen Strassen Detroits hervorgingen, revolutionierten den Rock'n'Roll mit ihrer mitreissenden Fusion aus Garagen-Rock, Blues, Soul, Free Jazz und Proto-Punk. Berüchtigt für ihre explosiven Live-Auftritte und ihre radikale linke Haltung, stellten sie mit Hymnen wie «Kick Out The Jams» und «Ramblin' Rose» gesellschaftliche Normen in Frage und inspirierten unzählige Musiker, von den Ramones über Rage Against The Machine bis hin zu den White Stripes.

2018 startete dann Wayne Kramer, Gitarrist, Gründungs-Mitglied und treibende Kraft hinter MC5 die MC50-Tour, um das 50-jährige Jubiläum von «Kick Out The Jams» zu feiern. Zusammen mit einer All-Star-Besetzung, darunter Kim Thayil (Soundgarden), Brendan Canty (Fugazi), Billy Gould (Faith No More) und Marcus Durant (Zen Guerrilla), brachten MC50 den kompromisslosen Geist von MC5 für eine neue Generation von Fans zurück auf die Bühne. Aufgenommen während der Jubiläumstournee in Seattle, Cincinnati und Hamburg, vereint «10 More» die bekanntesten Songs von MC5.

Mit «The American Ruse», «Call Me Animal», «Rocket Reducer No. 62 (Rama Lama Fa-Fa-Fa)», «Looking At You» und «Starship» umfasst das Album Titel aus allen drei Original-Alben von MC5 sowie ein Cover von Ray Charles' «I Believe To My Soul», einem festen Bestandteil des Sets der Band in den späten 1960er Jahren. Diese Darbietungen erwecken denselben Geist, der einst in Detroits Underground zu spüren war, als MC5 Rock, Free Jazz und politischen Protest zu einem Sound verschmolzen, der den Status quo Amerikas in Frage stellte.

Nach dem gefeierten MC5 Studio-Album «Heavy Lifting» aus dem Jahr 2024, das von Producer-Legende Bob Ezrin produziert und kurz vor der Aufnahme in die Rock And Roll Hall Of Fame veröffentlicht wurde, setzt «10 More» die Geschichte einer der einflussreichsten Bands des Rock mit einer kraftvollen Live-Aufnahme fort, die ihren bleibenden Einfluss und ihren kompromisslosen Geist feiert.
Oliver H.

cede

 

https://www.youtube.com/embed/a-AjCTuzx54

Dienstag, 13 Januar 2026 03:44
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v. 10 Punkten: keine Wertung

Der ehemalige Survivor und Cobra Sänger JIMI JAMISON beweist auf dieser Live-Scheibe, dass er eine der kraftvollsten Gesangs-Stimmen der Szene besass.

Mit Hits wie «Burning Heart», «High On You», «I See You In Everyone», «I Can’t Hold Back», «Too Hot To Sleep», und «Eye Of The Tiger» zeigt sich der am 31. August 2014 verstorbene Jimi hier auf Aufnahmen von 1998 von seiner besten Seite. Mehr muss man zu diesem Album nicht sagen, denn wer den Sänger mag, wird gleich loslaufen und sich das Album zu Recht "blind" kaufen.
Tinu

cede

 

https://www.youtube.com/embed/arVDQtZa8lc

Dienstag, 13 Januar 2026 03:35
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v. 10 Punkten: keine Wertung

Die Adventszeit wurde früher von den Labels mit Best-Of Scheiben überflutet. Nun scheint man in Spotify Zeiten mehr auf Re-Releases Wert zu legen, eine durchaus begrüssenswerte Tendenz. So hat sich Listenable Records dem Debüt der schwedischen Death Metal Urgesteine von CADAVER angenommen.

Ursprünglich wurde das Debüt der Norweger mit einem Kassetten-Player in Mono aufgenommen, um den Sound so roh wie möglich zu halten. Nun folgt ein neues Artwork und ein Remix, so dass die Songs zwar verdammt oldschoolig und roh klingen, aber auch mit deutlich mehr Druck versehen wurden. Wer übrigens musikalische Finessen mag, wird hier nicht glücklich, denn an der Stelle wird purer Death Metal der alten Schule und Bands wie Carcass oder Autopsy gezockt.

Nun, der grosse Cadaver Fan werde ich wohl nie werden, aber «Hallucinating Anxiety» bringt diese Atmosphäre und trägt den Spirit, wie sie Death-Alben Anfang der Neunziger nun mal hatten. Ob man allerdings den komischen Mix des Gesanges (klingt viel zu gedämpft)? Auf jeden Fall sollte man sich vor dem Kauf vielleicht erst ein Bild davon machen und mal reinhören.
Rönu

cede

 

https://www.youtube.com/embed/gLHSaHjinV8

Dienstag, 13 Januar 2026 03:25

Und da denkt man, schon alles gehört zu haben. DOME RUNNER kreieren eine gewisse Form von Industrial, aber mit der Verschrobenheit und Verkopftheit von Progressive, dazu kommen noch Einflüsse von Drone und Cyberpunk - es ist echt nicht einfach, den Sound der drei Finnen zu beschreiben.

Eigentlich wollte ich die Mucke ja gleich nach dem ersten Durchlauf in die Ecke pfeffern, aber irgendwie hat es mich immer wieder gepackt. Nicht zwingend, weil die Musik ja ach so eingängig oder leicht zugänglich wäre, nein, beileibe nicht. Es ist wie bei einem Autounfall - man will nicht wirklich hinsehen, aber kann sich dennoch nicht wirklich davon abwenden. Was damit gesagt werden soll: Wer auf experimentellen Industrial steht, der gleichzeitig abschreckt und anzieht, der sollte sich «World Panopticon» mal zu Gemüte führen. Speziell!
Toby S.

cede

 

https://www.youtube.com/embed/mveOZ1_0Ho0

Montag, 12 Januar 2026 03:45

Mit «Come Shadow Of My End» kehren MOONGATES GUARDIAN zu ihrem ursprünglichen Sound zurück. Das Album wirkt in seiner Ausrichtung vertraut, unterscheidet sich jedoch in der Umsetzung.

Skilar, der kreative Kopf hinter dem Projekt, beschrieb es als bewusste Rückkehr und nicht als Neuerfindung. Die Absicht war nicht, sich von der Identität der Band zu lösen, sondern sie wiederherzustellen: "Das vorherige Album unterschied sich stark vom Rest unseres Katalogs. Mit diesem Album kehren wir zu unseren alten Wurzeln zurück." Die Rückkehr der Band ist spürbar, doch sie wählt diesmal einen anderen Ansatz. Das Songwriting wirkt im Vergleich zu früheren Alben deutlich gestrafft und weniger ausschweifend - reduzierter, aber gezielter. Die mittelalterliche, mythische Atmosphäre bleibt erhalten, wird aber nicht durch überladene Arrangements erzeugt, sondern durch klare, direkte Kompositionen.

Das Album lebt von dieser Balance: Die Gitarren tragen die Stücke, liefern sowohl Drive als auch emotionale Tiefe und führen die Arrangements an. Die Keyboards setzen punktuelle Akzente, wenn auch zurückhaltender, und sorgen dort für jene mythische Dimension, die den Sound der Band seit jeher auszeichnet. Das Album besteht aus sieben Titeln. Ab dem ersten Song «Middle-Earth» wird der Hörer in eine Landschaft aus Nebel, kalter Luft und mittelalterlichen Klängen entführt. Die Strukturen des Albums steigen an, brechen zusammen, gruppieren sich neu und steigen wieder an. Dabei werden Kontraste eher als stilistisches Mittel denn als Verzierung eingesetzt. Textlich wird das Album, mit Ausnahme des Titelsongs, von Tolkien und mythischen Bildern dominiert.

Die Themen aller Songs, mit Ausnahme des Titelsongs, sind wie immer bei Moongates Guardian von Tolkien inspiriert. Die lyrischen Motive reichen von Gondor und den Nazgûl über Saurons Herrschaft bis hin zu dunklen Skizzen von Mittelerde. Skilar schrieb fast alle Texte selbst, wodurch das Album einen einheitlichen Ton und eine einheitliche Perspektive erhält. Der Titelsong «Come Shadows Of My End (feat. Adamantum)» hebt sich in seiner Herkunft ab, nicht jedoch in seiner Stimmung. Er basiert auf dem Dichter John Dowland aus dem 16. Jahrhundert und hat keine Verbindung zu Tolkien, passt aber dennoch vom Geist her dazu. Skilar erklärt die Aufnahme des Songs ganz einfach: "Er hat nichts mit Tolkiens Welt zu tun, passt aber perfekt zum Album."

Das Stück beginnt mit traurigen Orgelklängen und langsamen, schattenhaften Keyboard-Klängen, bevor es in ein sehr spezielles Gesangs-Duett übergeht. Dieses zählt zu den denkwürdigsten Momenten des Albums. Adamantum singt den ersten Teil mit einem hallenden Chor im Hintergrund, dann Skilar, der diesmal auch alle Vocals übernommen hat, ein und führt den Song in härtere Gefilde. Der Gesangswechsel hat die gleiche emotionale Wirkung wie Nick Caves tragische Single «Where The Wild Roses Grow» aus dem Jahr 1995 - ein düsteres, theatralisches Duett, in dem Schönheit und Bedrohung keine Feinde, sondern Komplizen sind. Andere Tracks wie «Empire Of The Death» bauen sich langsam auf: Skilars raue Stimme schwebt über drückenden Midtempo-Gitarren, bevor der Song wieder in die zentrale Riff-Idee übergeht.

«The Riders Of The Mark» wechselt zu einem Marsch-Rhythmus mit deutlich mittelalterlichem Einfluss: melodisch, aber unerbittlich. Der Song erinnert an Bewegung und Krieg ohne Spektakel. Das Album funktioniert am besten, wenn man es danach beurteilt, was es tatsächlich liefert: Intensität, Struktur, Atmosphäre und Kontrast. Es ist nicht unvorhersehbar in seiner Identität, aber effizient in seiner Wirkung. Es vermeidet Übertreibungen, bleibt emotional kühl, aber fesselnd und treu der Welt, in der es sich bewegt. Ein starkes Album für Fans, die atmosphärischen Black Metal mit Fokus auf Riffs und einem Fantasy-Rahmen ohne unnötige Verzierungen wollen. Mehr Info auf der Bandcamp-Seite (link to https://moongates-guardian.bandcamp.com/music)
Lukas R.

 
https://www.youtube.com/embed/ABX1SXs4590

Montag, 12 Januar 2026 03:36
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v. 10 Punkten: 7.5

Ich glaube, so ziemlich das erste, das mir in den Sinn kam, als ich mir SUN OF THE DYING anhörte, war: Haben Swallow The Sun unter einem Pseudonym eine neue Platte veröffentlich? Aber das wäre irgendwie zu kurz gedacht - denn die Stimmung auf dieser Scheibe ist sehr, sehr getragen, düster, beinahe feierlich - wie bei einem Begräbnis.

Deshalb kommt der Begriff Funeral Doom zu seiner Berechtigung. Nurmehr sechs Tracks lang ist die ganze CD, knapp etwas mehr als vierzig Minuten insgesamt. Und ja, jeder Track ist sehr lang und beinhaltet so ziemlich jedes Stadium der Trauer, das man sich vorstellen kann. Wer also auf Draconian, Ahab und Konsorten steht, sollte hier bei «A Throne Of Ashes» nicht lange zögern. Für die meisten anderen, mich leider eingeschlossen, dürfte die Chose jedoch zu deprimierend sein. Für Kenner!
Toby S.

cede


https://www.youtube.com/embed/G5ZgCtrrf90

Montag, 12 Januar 2026 03:25

Manche Alben fordern die Zuhörerinnen und Zuhörer heraus, andere spalten das Publikum. «Maldorör Disco», das neunte Album von MASTER'S HAMMER, fällt zumindest für leider in eine vierte, weitaus seltenere Kategorie: ein Werk, das sich unmöglich anhören lässt.

Master's Hammer haben sich ihren legendären Status wohl irgendwann einmal redlich verdient. Ihre frühen Werke prägten - so nach Hörensagen - den tschechischen Black Metal, und ihre Karriere war oft vom Mut zu Ungewöhnlichem geprägt. Hier jedoch steigert sich die Exzentrik zu etwas, das - zumindest nach meinem Geschmack - unter seiner eigenen Seltsamkeit zusammenbricht. Vergesst Black Metal, vergesst Avantgarde Metal. Dies ist ein seltsamer Cocktail aus billig klingendem Electro-Disco, trägen Midtempo-Beats, skurrilen Gesangs-Schichten und entfernten, kaum wahrnehmbaren Gitarren. Die Musik erinnert eher an den unbeholfenen Soundtrack eines verwahrlosten, völlig ziellos dahinplätschernden Nachtclubs aus einem namenlosen Niemandsland - roh, holprig und ohne jede Aussagekraft - als an irgendetwas, das man als extreme Musik bezeichnen könnte.

Die Disco-Keyboard-Elemente sind das Einzige, was dieses Album davor bewahrt, eine glatte Null zu bekommen. Sie sorgen gelegentlich für Textur und Persönlichkeit in einer ansonsten verwirrenden Landschaft richtungsloser Experimente. Ich respektiere Master's Hammer dafür, dass sie nie auf Nummer sicher gehen, doch dieses Mal ist das Ergebnis weder mutig noch gewagt oder unterhaltsam. Es ist, ohne Übertreibung, die niedrigste Bewertung, die ich je in einer Rezension vergeben habe. Dennoch ist Kunst subjektiv. Einige werden dies zweifellos als weiteres Kapitel in der langen Tradition der Band begrüssen, einfach das zu tun, was ihnen gefällt. Für alle anderen: Seid äusserst vorsichtig, drückt auf Play und entscheidet selbst. Slogan: Nur für Sammler. Alle anderen: Hört es Euch an, aber auf eigene Gefahr!
Lukas R.

cede

 

https://www.youtube.com/embed/cWKwuqu2gns

Samstag, 10 Januar 2026 05:45
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v. 10 Punkten: 7.8

«The Devil's Vertep» von WINDSWEPT basiert auf einer wirklich fesselnden Grundlage: den Aufzeichnungen von Hexen-Prozessen aus dem 18. Jahrhundert in der West-Ukraine. Das Konzept ist reichhaltig, gut recherchiert und sorgfältig strukturiert.

Jeder Song entspricht dabei einem Kapitel der historischen Dokumente und verwandelt Anschuldigungen, Verhöre und Urteile in einen düsteren Erzählbogen. Als thematisches Projekt ist es eines der fokussiertesten Werke von Windswept. Musikalisch liefert das Album genau das, was die Zuhörerinnen und Zuhörer von Roman Sayenkos roher Black Metal Ästhetik erwarten: scharfe Tremolo-Linien, unerbittliches Schlagzeug und eine kalte, schnörkellose Produktion, die den Wurzeln des Projekts treu bleibt. Der Sound überzeugt in seiner Absicht und die Atmosphäre bleibt durchweg düster.

Diese Konsistenz ist jedoch auch die Grenze des Albums. Trotz des starken Konzepts ähneln sich die sechs Tracks oft in Struktur und Tempo. Die Riffs verschwimmen zwischen den Songs und die emotionalen Höhepunkte, die das historische Material inspirieren könnte, kommen nur selten zum Tragen. Die Musik ist gut - solide, hart, ehrlich -, aber nicht besonders überraschend. «The Devil's Vertep» ist daher ein Album für Fans, die traditionellen, ungefilterten Black Metal und seinen dokumentarischen Ansatz schätzen. Die Geschichte ist packend, die Umsetzung kompetent.

Zuhörer, die wie ich Abwechslung oder herausragende Momente suchen, empfinden das Werk als eintönig. Obwohl das Album weithin als Konzeptwerk beschrieben wird, das auf Archivaufzeichnungen aus dem Schwarzen Buch der Burg Kremenets (1747–1777) basiert, bleibt unklar, ob die physischen CD- oder Vinyl-Ausgaben Begleittexte oder historische Anmerkungen enthalten. Als Rezensent würde ich solches Material als echten Bonus betrachten, insbesondere bei einer Veröffentlichung, die so tief in dokumentierten Ereignissen und narrativen Strukturen verwurzelt ist.
Lukas R.

cede

 

https://www.youtube.com/embed/IpF5_FP0Zac

Samstag, 10 Januar 2026 05:35
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v. 10 Punkten: 8.2

NOVEMBREs «Words Of Indigo» wirkt ein bisschen wie ein geduldiges Ausatmen. Mit diesem Album setzt die italienische Band ihren langen Bogen atmosphärischen Doom/Death fort - diesmal jedoch mit deutlich ruhigerer Hand am Ruder. Die Identität des Albums basiert auf Kontrasten: Samtige Melodien, die an grobe Verzerrungen grenzen, und eine emotionale Spannung, die sich langsam entfaltet, ähnlich wie sich Tinte in Wasser verteilt.

Die Klang-Palette neigt zu weitläufigen Schichtungen. Die Gitarren galoppieren selten, stattdessen ergiessen sie sich in echoüberlagerten Arpeggios und harmonischen Überlagerungen, die eher an Post-Rock als an Death Metal erinnern. Die abgerundeten und bewusst gewählten Basslinien verankern die Songs, ohne um Aufmerksamkeit zu konkurrieren, während das Schlagzeug gemessenes Tempo gegenüber Effekthascherei bevorzugt.

Carmelo Orlandos Gesang schwankt zwischen gemurmelter Introspektion und plötzlichen Ausbrüchen rauer Intensität. Seine Darbietung ist unvollkommen menschlich, beinahe gesprächig, wodurch Intimität entsteht, aber gelegentlich auch die Klarheit der Texte verwischt. Was dieses Album in seinem Genre auszeichnet, ist seine Ablehnung von Dringlichkeit. Viele Doom-Alben sind schwer, aber nur wenige lassen die Songs allmählich ausklingen.

Tracks wie «Sun Magenta» und «Neptunian Hearts» entfalten sich in Zeitlupe und tauschen Schwere gegen Atmosphäre ein.  «House Of Rain» wird dank der Gastmusikerin Ann-Mari Edvardsen, deren Stimme eine leuchtende Kühle vermittelt und die nebelverhangene Ästhetik der Band ergänzt, zum emotionalen Höhepunkt des Albums. Das Album fühlt sich weniger wie Doom/Death an, sondern eher wie eine kontemplative Meditation über Nostalgie, Zerbrechlichkeit und stille emotionale Schwere. 

Für Zuhörerinnen und Zuhörer, die Stimmung mehr schätzen als Dynamik - Fans von nächtlicher Atmosphäre, langen Herbst-Spaziergängen oder gedämpft beleuchteten Kopfhörern - ist dieses Album ein Gewinn. Es lohnt sich, es anzuhören und zu besitzen, wenn euer Geschmack eher zu emotionaler Tiefe und sich entwickelnden Texturen als zu maximaler Schwere tendiert. Novembre beweist, dass Langsamkeit eine Form emotionaler Präzision sein kann, auch wenn nicht jede Idee zündet.
Lukas R.

cede

 

https://www.youtube.com/embed/jvEWHrgdls4

Samstag, 10 Januar 2026 05:25
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v. 10 Punkten: 6.5

Böse Zungen behaupten, dass die Jungs aus San Francisco noch immer ihrem Erfolg des Debüt-Albums («Babylon A.D.») aus dem Jahre 1989 hinterherrennen. Ein Niveau, das sie nur mit dem Nachfolger «Nothing Sacred» (1992) auffangen konnten. Danach war dann mal Schluss und die Auflösungen sowie Wieder-Reformierungen gaben sich bei BABYLON A.D. im Zweijahrestakt die Klinke in die Hand.

Mit dem sechsten Album rockt die Truppe aber wieder ganz gut los und lassen den Flow der Achtziger einfliessen. Klar, irgendwie hinkt die Truppe um Sänger Derek Davis noch immer den grossen Momenten hinterher. Aber zumindest können «Come On Let's Roll», «Power Of Music» oder «Sadness Madness» einigermassen gefallen. Von einem Klasse-Album sind die Hard Rocker aber doch ziemlich weit entfernt, denn weder die Angriffslust von Mötley Crüe, noch der melodische Moment von Poison, der Classic Rock von Great White oder die Genialität von Ratt können Babylon A.D. wiedergeben.
Tinu

cede

 

https://www.youtube.com/embed/mlyu7PSfu1w

Freitag, 09 Januar 2026 03:45
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v. 10 Punkten: 7.2

J.B.O. sind bereits seit längerem auf meinem Radar, denn im Leben gibt es immer wieder Momente, die förmlich nach Spass schreien. Soll der Spass zusätzlich mit Rock oder Metal untermalt sein, wird man beim fränkischen Vierer definitiv fündig.

Mit «Haus Of The Rising Fun» bringt die Spasskapelle ihr fünfzehntes Studio-Album auf den Markt. Der Grundstein für das Album wurde bereits im Herbst 2023 gelegt, als J.B.O. erste Ideen und Visionen für die neue Platte entwickelten. Doch wie es bei Bauprojekten manchmal der Fall ist, gab es einige unerwartete Probleme mit Handwerkern und der Materialbeschaffung. Mit Zuversicht und dem nötigen Humor haben sie nicht nur das Projekt in den Griff bekommen, sondern auch den letzten Feinschliff an ihrem musikalischen Gebäude vorgenommen.

Innenarchitekt Christoph Beyerlein wurde an Bord geholt, um dem «Haus Of The Rising Fun» die nötige Ausstattung zu verpassen. «Planet Pink» ist für mich der Massstab, den es zumindest zu egalisieren gilt. Mit den Singles «Ka-Fump!», «Bussi» und «Mein Arsch» war ich noch nicht überzeugt, da sie, zumindest musikalisch, eher eintönig sind. «Stinkefinger» hat dann Boden gutgemacht, «Power sucht Wolf», «Woke On The Smater» und «Vito, wir machen Krach» liess die Waage ins Positive kippen.

Schaut man sich die Platte nicht als reine Unterhaltung, sondern als eine Haltung an, gibt es ein paar Extra-Punkte obendrauf. Die Band hat stets das Ziel, ein humorvoller und bunter Kontrapunkt zum ernsten Alltag zu sein. Die dreizehn Songs besitzen die Fähigkeit, mit humorvollem Blick auf die Welt, gesellschaftliche Themen anzusprechen. Ob menschlicher Irrsinn, Popkultur oder einfach das Leben selbst; die Spassmetaller verpacken alles in treibende Riffs, ironische Texte und einen Sound, der live wie im Wohnzimmer zündet.

Wer es gerne laut und pink mag, wird hier definitiv fündig. J.B.O. sind zurück, als grell-pinker Leuchtturm im grauen Alltags-Wahnsinn. Für lauter, bunter und schräger als «Planet Pink» reicht es meiner Meinung nach allerdings nicht, doch «Haus Of The Rising Fun» ist ein Statement gegen Tristesse und ein Fest für alle, die Metal mit einem Augenzwinkern mögen.
Oliver H.

cede

 

https://www.youtube.com/embed/U7P98Bo_j8I

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