Montag, 22. Juni 2026

Metal Factory since 1999

Montag, 22 Juni 2026 04:15
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v. 10 Punkten: 7.0

Gar gespenstisch begrüsst das zweite Album der belgischen Doom Metaller Akem Manah seine Hörerschaft. Ein majestätisches Intro mit dem Titel «The Inevitable Fate Of Francis Cobb», in dem geheimnisvolle Keyboardklänge die Runde machen und die Hörer zum klagenden «The End Of Earnest Hollow» leiten, legen den Grundstein für all die armen Teufel, die auf diesem Werk noch ihr Leid erfahren sollen.

Mit zehn brandneuen Songs entfaltet sich «Threnodies» als Zeitzeuge des menschlichen Zerfalls: zehn Klagelieder für all jene, die nach der Wahrheit hinter der Welt suchten, nur um das Chaos zu finden. Jeder Song erzählt von einem anderen Abstieg in verbotenes Wissen, Wahnsinn und Tod von Männern und Frauen, die aus Trauer, Glauben oder Sinneshunger zu tief in den Mythos vordrangen. Ihre Geschichten handeln einmal nicht von Monstern, sondern vom menschlichen Bedürfnis, hinter die Illusion von Ordnung zu blicken. Musikalisch schöpft «Threnodies» aus der düsteren Kadenz von Doom und Black Metal, jedoch mit einem offensichtlichen Horror-Ton.

Jeder Track ist eine Threnodie, ein Trauergesang im ursprünglichen Sinne, nämlich ein Lied für die Toten und für das, was in uns stirbt, wenn wir zu viel verstehen. Irgendwo zwischen Doom und Gothic Metal hypnotisieren die klaren Vocals, unterstützt von kreischenden Violinen sowie langen Soli, die gelegentlich auf bedrohliche Growls treffen. Die Obertöne verfolgen stets die Hörer, obwohl der Gesamtsound oft sanft, der Verlauf rhythmisch bleibt, um schliesslich in Schwere und Dissonanz zu explodieren. Mit dem exotischen Zwischenspiel «The Undoing Of An Unknown», von Justin Bruces, ermöglicht es, die Seelen wieder zu erhellen, bevor sie erneut mit «The Fall Of Maximillian Montagne» in Dunkelheit gehüllt werden.

Die Band um XDS (Gesang/Gitarre/Keyboards), JT (Leadgitarre), RD (Bass) und GVC (Rhythmusgitarre) schafft mit «Threnodies» einen Ausgleich zwischen erdrückenden Doom-Riffs, düsterer Atmosphäre und ritualistischem Tempo und schmiedet einen Sound, der sich weniger als Konfrontation anfühlt, sondern eher als langsame Unterwerfung.
Oliver H.


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Samstag, 20 Juni 2026 05:45
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v. 10 Punkten: 8.7

Während das "Copenhell-Festival" noch in den letzten Vorbereitungen steckt, hat eine dänische Band bereits abgeliefert. Die Metal-Formation AVARICE kehrt mit ihrem zweiten Album «Perpetual Ruin» zurück, das zehn frische Tracks bereithält.

Im Zeitraum zwischen 2006 und 2008 versuchte die Band, mit zwei Demos, erstmals in ihrer Heimat Fuss zu fassen, was nicht sonderlich gut gelang und das Ende dieser musikalischen Geschichte bedeutete. Vorerst! 2021 unternahmen Avarice einen neuen Versuch, der sich auszahlte. Mit der EP «Reborn In Blood» und dem anschliessenden Debüt «Avarice» (2023) ging es musikalisch in die richtige Richtung. «Perpetual Ruin» verfolgt nun diesen eingeschlagenen Weg konsequent weiter und strahlt damit eine enorme Aggression sowie brutale Kraft aus, die durchaus zu berühren weiss.

Das Album bietet überwältigende Songs, die den endlosen Kreislauf von Aufstieg, Scheitern und Zusammenbruch der Menschheit thematisieren. Mit diesem Thema ist die Truppe dieser Tage definitiv nicht allein. Durch die Verschmelzung von klassischem Death- und Thrash Metal mit Elementen aus Hardcore und Melodeath präsentieren die Dänen einen Sound, der sowohl brutal als auch melodisch dynamisch ist. Messerscharfe Riffs, überwältigende Rhythmen und unerbittliche Intensität treiben die Scheibe voran, die wie gewaltige Hammerschläge wirken und eindeutig Stoff für alle bieten, die es gerne aggressiv, brutal und kraftvoll haben.

Track für Track schafft es die aktuelle Besetzung um Anders Sinding (v), Jens H. (g), Troels Rasmussen (g), Emil Stephansen (b) und Troels Lund-Sørensen (d) mich wirklich zu beeindrucken. Durchs Band hinweg gibt es hier Songs zu hören, die zu einer wilden Party einladen, bei der Moshpits ein absolutes Muss sind. Diese Platte scheint die richtige Balance zu haben, auf der die Band künftig aufbauen und sich so ihren Platz in der Reihe der bekannten Kombos sichern kann.

Mit «Perpetual Ruin» machen Avarice einen riesigen Schritt nach vorne, treiben ihren Sound weiter Richtung Perfektion und schaffen eine Platte, die auch auf der Bühne voll zur Geltung kommen dürfte, wo die rohe Energie der Band unmöglich zu ignorieren ist.
Oliver H.


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Samstag, 20 Juni 2026 05:35

Als ich Gary Arce einmal live in der Schweiz gesehen und getroffen habe, wurde mir sofort eines klar: Sein Gitarrenspiel scheint einer ganz eigenen Logik zu folgen. Sein Stil verfolgt einen natürlichen Fluss, der sich weniger wie Komposition und mehr wie Instinkt anfühlt. Strukturen entstehen, lösen sich auf und verwandeln sich in Echtzeit.

Derselbe Geist bildet den Kern von YAWNING BALCH – «Volume Four», auf dem sich Arce zusammen mit seinen restlichen Bandmitglieder von Yawning Man mit dem Fu-Manchu Gitarristen Bob Balch zusammentut, um eine der freigeistigsten Kooperationen des modernen Desert Rock fortzusetzen.

Dies ist kein Album, das sich um Songs im herkömmlichen Sinne dreht. Es gibt nur zwei Titel, die beide die 20-Minuten-Marke überschreiten und sich wie eine offene Strasse, die am Horizont verschwindet, entfalten. Anstatt nach eingängigen Hooks oder dramatischen Höhepunkten zu streben, setzt die Band auf Bewegung und Atmosphäre. Ideen tauchen ganz natürlich auf und verschwinden wieder, während Gitarrentexturen über Rhythmen schweben, die eher zu atmen scheinen als zu marschieren.

Was «Volume Four» von vielen Instrumental Psych oder Stoner Veröffentlichungen abhebt, ist das Fehlen von Ego. Man hat nie das Gefühl, dass jemand versucht, den Raum zu dominieren. Stattdessen hören die Musiker einander zu, reagieren und lassen die Musik organisch entstehen. Es fühlt sich weniger so an, als würden vier Musiker auftreten, sondern eher so, als würden vier Menschen gemeinsam eine Landschaft erkunden.

Entweder man liebt es oder man liebt es nicht. Entweder gehört diese Welt dir – oder eben nicht.

An alle Power-Rock-Fans, Heavy Metal Fans und reinen Death Metal Krieger da draussen: lest schon gar nicht mehr weiter, gebt die Mission auf und rennt weg. Aber meidet die Wüste – dort draussen könntet ihr ihnen begegnen… denn die Chancen stehen gut, dass ihr diesen Jungs irgendwo da draussen unter einem Joshua-Tree noch begegnet, wo sie immer noch denselben endlosen Jam spielen.

Aber wenn ihr ohne chemische Hilfe abheben wollt, wenn ihr es geniesst, den Alltag für eine Weile auszublenden, euer Gehirn auf eine Reise mitzunehmen und einfach durch Wellen aus Klang und Atmosphäre zu treiben, dann gebt dem hier eine Chance. Das ist keine Musik, die euch an der Gurgel packt. Sie zieht euch langsam an einen anderen Ort. Und wenn ihr es zulässt, merkt ihr vielleicht gar nicht, wie weit ihr gereist seid, bis die Reise schon vorbei ist.
Lukas R.


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Samstag, 20 Juni 2026 05:25
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v. 10 Punkten: 8.9

YES bringen hier ihr ihr 24. Studio-Werk in der Besetzung Geoff Downes, Jon Davison, Steve Howe, Billy Sherwood und Jay Schellen unter ihre Fans. «Aurora» ist sicher das stärkste Album der Davison-Ära, die Band klingt nun zusammengewachsen, kompakt und auch Drummer Jay Schellen passt perfekt ins Band-Gefüge.

Das hört man schon beim 7-minütigen Titeltrack. Eine lockere, typisch Yes-verspielte Progressive-Nummer. Starke Harmonien, Hammond Orgel und Howes charakteristische Gitarren-Riffs prägen mehrheitlich die Tracks des neuen Rundlings. Gut zu hören bei «Turnaround Situation». Es ist immer wieder eine grosse Freude, Steve Howes Gitarren-Künsten zuzuhören, wie beim wunderbaren, dreizehn Minuten langen Epos «Countermovement». Ein klasse Progressive-Song, wie ihn nur Yes darbieten können.

Erstaunlich, dass die Proggies nach fast sechs Jahrzehnten immer noch solch grosse Epen zu schreiben vermögen. Zusätzlich mit interessanten Gesangs-Melodien und Chören. Dies ist sicher das Herzstück des Albums. «Ariadne» glänzt mit klassischen Orchester-Klängen, die wunderbar mit Davisons Stimme harmonieren und den später einsetzenden Instrumenten der Band. Grosses Kino, was die Briten hier abliefern. Abwechslung bringt das rockige «All Hands On Deck».

Letztlich ist «Aurora» ein weiteres, verspieltes, durchdachtes Yes-Album, das nicht von der Vergangenheit lebt, sondern die Briten im Progressive-Universum 2026 zeigt. Wie immer braucht es Zeit, um dieses neue Werk vollumfänglich zu entdecken. Aber das sind sich Anhänger der Briten ja gewohnt. Starkes Album mit Tiefe, sehr empfehlenswert.
Crazy Beat


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Samstag, 20 Juni 2026 05:15
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v. 10 Punkten: 7.0

Die 1989 gegründeten SPREAD EAGLE aus New York schossen wie die Pilze aus dem Erdboden und erlangten mit den ersten beiden Album zwar keinen kommerziellen Erfolg, war aber in den Fankreisen eine geachtete Truppe.

Grunge, was auch sonst, schoss den kometenhaften Aufstieg, mit einem Raketenangriff aus der Umlaufbahn, so dass sich die Band desillusioniert auflöste. Die Band um Sänger Ray West reformierten sich 2006. Zusammen mit dem UFO Bassisten Rob De Luca versuchte die Band wieder Fuss zu fassen. Allerdings liegen Spread Eagle musikalisch leider mit ihrem Sound zwischen allen Stühlen und Bänken.

Man kann Spread Eagle weder dem Metal zuordnen, noch dem Sleaze oder Hard Rock. Vielleicht auch gerade deswegen schiessen die Jungs nun aus alle Rohren und veröffentlichen mit «The Brutal Divine» das härteste Album ihrer Karriere. Auch wenn der UFO Klassiker «Pushed To The Limit», der beste Track auf der Scheibe ist, haben «Scars In Our Eyes (City Kids)», «Makebeliever» und «Gunflower» grosses Potential.

Zu den Grossverdienern werden die Jungs nicht mehr gehören. Wer aber auf kernigen, kick Ass Heavy Rock steht, der sollte sich das Album unbedingt anhören.
Tinu


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Freitag, 19 Juni 2026 04:45

Endlich! Seit ich IRON KOBRA am "Trveheim Festival" live gesehen habe, bin ich Fan der Truppe aus Gelsenkirchen. Die Jungs atmen den Ruhrpott-Metal der Achtziger, davon zeugt schon das Cover der Single «Kerker & Drachen» aus dem Jahr 2018.

Diesmal haben sie sich allerdings schon extrem viel Zeit gelassen, denn das letzte Studio-Album liegt unglaubliche elf Jahre zurück. Da wird sich doch einiges angestaut haben oder? Tatsächlich startet man mit dem Opener «Trembling Dungeons» furios. Ein klassischer Speed Metal Opener, der mit rasanten Riffs und peitschendem Schlagzeug sofort klarstellt, dass die Band nichts an Aggression verloren hat.

Mit «Fliehen» hat man auch diesmal einen Song mit deutschen Texten an Bord. Doch die Band holt erst noch zum grossen Schlag aus. «Shibuya Nights» ist ein extrem eingängiger Midtempo-Rocker, der stark an die britische Schule der frühen 80er erinnert. Die Melodieführung der Gitarren brennt sich einem sofort ins Gedächtnis. «Unchained & Untamed» ist zwar ebenfalls eingängig, aber in Sachen Tempo im Stil eines ICE unterwegs. Das abschliessende «Mountains Of Madness» könnte hingegen auch aus der Feder von Manilla Road oder Cirith Ungol stammen.

«Eternal Dagger» ist ein absoluter Pflichtkauf für Traditionalisten. Iron Kobra schaffen das Kunststück, nostalgischen Oldschool-Vibe mit modernem Druck und exzellentem Songwriting zu verbinden. Ein bärenstarkes Comeback, das die Band eigentlich in die erweiterte Spitzengruppe des deutschsprachigen Underground-Metals katapultieren sollte.
Rönu


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Freitag, 19 Juni 2026 04:35
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v. 10 Punkten: keine Wertung

Es gibt bekanntlich Alben, die für ein lachendes und ein weinendes Auge sorgen. Die EP «Coffin Born» ist so ein Teil, denn seine Erschaffer streichen nach zwölf Jahren todesmetallischem Höllenlärm die Segel.

Was vielleicht nach wenig klingt, war für die Deutschen ENDSEEKER eine produktive und kreative Zeit. Sie blieben stets unverändert in der Originalbesetzung und haben vier Alben sowie zwei EPs veröffentlicht. Dadurch spielten sie viele Gigs, Festivals und haben tolle Musiker kennengelernt. Doch nun soll die Zeit reif sein, sich anderen Projekten zuzuwenden. Endseeker gehören allerdings nicht zu den Bands, die warten, bis sie sich verkracht haben und dann lautlos auseinandergehen. Sie gehen gemeinsam den letzten Weg, und zwar in Form von «Coffin Born».

Seit der Debüt-EP «Corrosive Revelation» aus dem Jahr 2015 hat jede Veröffentlichung das Hamburger Quintett weiter auf dem Death Metal Gipfel nach oben gebracht. Die Mischung aus druckvollen Riffs im schwedischen HM-2-Stil, rasender Punk-Energie und pointiertem Songwriting wurde vielfach gelobt. Ebenfalls ihre Vorliebe für schwarzen Humor oder die liebenswerte Schwäche für Kitsch! So mag es vermutlich niemanden erstaunen, dass der Rausschmeisser ein grandioses David Hasselhoff-Cover ist, das mit den Kumpels von Lord Of The Lost vertont wurde.

An anderer Stelle auf diesem fulminanten Abschiedswerk finden sich antifaschistische Hardcore-/Crust-Punk-Vibes des explosiven Openers «Enemies Of Peace» oder «No After. No Before», dessen Texte sich auch um versagende politische Systeme drehen. Obwohl es im Titeltrack um gebärende Leichen geht und «Life Breeds Death» von einem mittelalterlichen Henker handelt, haben sich Endseeker nie gescheut, radikale parteiische Aussagen in ihren Texten unterzubringen. Songs über Zombies und Serienmörder sind zwar cool und machen durchaus Spass, aber der wahre Horror ist die Realität, die heutzutage verdammt beängstigend ist.

Das ist Endseekers kreatives Ventil, denn schliesslich geht es beim Death Metal nicht darum, es allen recht zu machen. Durch die Eigenproduktion von «Coffin Born», abgesehen von den Drum-Tracks, die von ihrem langjährigen Freund und Kollaborateur Eike Freese (Deep Purple, Alice Cooper, Helloween) aufgenommen wurden, hat der Fünfer neue Wege der Zusammenarbeit entdeckt. Jedoch konzentrierte sich die Band darauf, sich und den Fans den Abschied zu bereiten, den alle verdienen.

Geniessen wir also gemeinsam die letzten fünf Songs der Truppe und stellen uns vor, wie sie gemeinsam im Van durch die Lande cruisen, im überfüllten Backstage-Bereich sitzen und auf ihren Auftritt warten. Auch wenn man dabei in melancholische Zustände verfallen könnte, findet sich dazu doch ein passendes Sprichwort: "Trauere nicht um das, was verloren ist, schätze das, was bleibt". Bleiben werden definitiv ihre Platten und die Erinnerungen an grossartige todesmetallische Zeiten, die stets mit einem Augenzwinkern einhergehen.
Oliver H.


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Freitag, 19 Juni 2026 04:25

Aus dem Schatten von Goatess tretend, geben die Stockholmer GODDESS mit «Ritual Of The Cloven Hoof» ziemlich cooles Debüt ab. Die Band bleibt den traditionellen Doom Metal Wurzeln treu, vermeidet es jedoch, bekannte Genreformeln einfach zu wiederholen.

Im Kern ist dies ein Album, das auf Wucht und Geduld aufgebaut ist. Massive Riffs bewegen sich mit langsamer Zuversicht, eingehüllt in Schichten aus warmem Fuzz und psychedelischem Dunst. Doch unter der erdrückenden Schwere verbirgt sich ein Gefühl von Bewegung und Atmosphäre, das die Songs vor Statik bewahrt. Der Gesang schwebt mit einer fast rituellen Qualität über der dichten Instrumentierung und verleiht dem Album eine grössere emotionale Bandbreite als viele riffgetriebene Doom-Veröffentlichungen.

Tracks wie «Blood Fever» demonstrieren die Stärke der Band, Spannung durch Wiederholung zu erzeugen, ohne dabei Melodie oder Stimmung zu opfern. Es gibt offensichtliche Anspielungen auf das Genre-Fans von klassischem schwedischem Doom, Vintage-Sabbath-Verehrung und der hypnotischen Seite des Stoner Metal werden das Terrain sofort verstehen – aber Goddess bringen genug eigenen Charakter mit, um nicht wie ein Museumsstück zu klingen. Auch ein Song wie «To Be King» ist super cool und für das Doom-Genre überraschend abwechslungsreich. Oder auch «Born Again Heathen», der längste Song des Albums, überrascht mit viel Fuzz und Sprechgesang.

Zuhörer, die Geschwindigkeit, Experimentierfreudigkeit oder dramatische stilistische Wendungen erwarten, werden hier kaum Überraschungen finden. Doch diejenigen, die eindringliche, langsam aufbauende Schwere schätzen, werden mit «Ritual Of The Cloven Hoof» voll auf ihre Kosten kommen, denn das Album liefert genau das, was es verspricht: einen dichten und befriedigenden Abstieg in dunklen, groovigen Doom. Goddess versuchen gar nicht erst, die Daniel Düsentriebs des Doom zu sein – stattdessen zeigen sie, dass starke Songs und echtes Gespür selbst altbekannte Pfade frisch wirken lassen. Mir gefällts.
Lukas R.


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Freitag, 19 Juni 2026 04:15
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v. 10 Punkten: 8.3

In Schweden hat es nie an Black Metal Bands gemangelt, die kalt, gewalttätig und effektiv klingen. Doch FLYKT schaffen es, diesem vertrauten Frost etwas Menschlicheres einzuhauchen.

«Sinister Strain» wirkt wie ein Ritual, das sich langsam um den Zuhörer legt. Die Riffs sind messerscharf und aggressiv. Doch die Band unterbricht das Chaos immer wieder mit unheimlichen, folk-inspirierten Passagen, einem doomlastigen Tempo und seltsam nachdenklichen Melodien, die länger nachklingen als erwartet.

Schon das Cover von «Sinister Strain» wirkt wie eine düstere Szene aus einer vergessenen nordischen Sage - zugleich schön, verstörend und von unterschwelliger Gefahr durchzogen. Was das Album musikalisch ausmacht, ist sein Gespür für Bewegung. Anstatt sich auf endlose Blast-Beat-Attacken zu verlassen, versteht Flykt etwas von Dynamik. Die Songs, wie zum Beispiel bei «The Release And Descent» mit seiner coolen überraschenden Gitarrenphase gegen Ende des Songs, dehnen sich aus und ziehen sich zusammen wie atmende Lungen.

Rasende Tremolo-Attacken lösen sich plötzlich in akustische Fragmente, gespenstische Synth-Texturen oder erdrückende Midtempo-Abschnitte auf, die fast zeremoniell wirken. Tracks wie «Armed With Countless Daimons Seeking Abode» zeigen, wie wirkungsvoll die Band sein kann, wenn sie das Tempo drosselt und die Spannung auf natürliche Weise aufbaut.

Die Produktion bleibt klar, ohne den Schmutz wegzuschleifen, der dem Album seine Bedrohlichkeit verleiht. Fans des klassischen schwedischen Black-Metal werden vertraute Einflüsse erkennen, doch «Sinister Strain» vermeidet es, in Nostalgie zu versinken. Das Album ist düster, emotional aufgeladen und überraschend fesselnd, besonders für Zuhörer, die Atmosphäre ebenso schätzen wie Aggression. Nicht jedes Experiment gelingt perfekt, doch Flykt ist ein Album gelungen, das sich lebendig anfühlt.
Lukas R.


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Donnerstag, 18 Juni 2026 04:45

Seit 2015 existieren THE CRUEL INTENTIONS, welche in Oslo gegründet wurden. Der Vierer kommt nun mit dem dritten Studio-Album ans Tageslicht und veröffentlicht in meinem Augen wie Ohren das bisher beste Werk.

Sehr auf den Punkt gespielt und mit ein bisschen Punk (Titelsong), ganz viel Sleaze («Triple Threat» – "Sex, Drugs and Rock'n'Roll"), akustischen Momenten («Wasteland»), Kick Ass Attitüden («Pseudo Genius»), ein bisschen "old Rock" «Porridge Head», purem Sleaze («Cashed Out») und leicht metallenen Arrangements («Beating In My Chest») lassen die Jungs nichts anbrennen und werden Crashdïet, Hardcore Superstar und Confess Fans freudig im Kreis tanzen und headbangen lassen.

Der Hit auf dieser anregenden Scheibe nennt sich «Living Out Of Line», eine Nummer zum sofortigen Mitsingen und Ausklinken. Bis jetzt schwammen die Norweger immer ein bisschen unter meinem Radar, aber ganz ehrlich, sie haben jetzt mit «All Hail Hyprocrisy» echt ein tolles Werk veröffentlicht.
Tinu


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Donnerstag, 18 Juni 2026 04:35

Alte Hasen sind wichtig fürs Showgeschäft, denn sie zeigen den jungen, was alles möglich ist, wenn man es wirklich will. FLESHCRAWL gehören mit ihrer Gründung 1987 definitiv in diese Kategorie.

Mit ihrem Debüt-Album «Descend Into The Absurd» machten sie erstmals auf sich aufmerksam, «As Blood Rains From The Sky – We Walk The Path Of Endless Fire» (2000) mit seiner messerscharfen Produktion, vernichtenden Riffs und durchdringendem Gesang wurde zum Meilenstein der Bandgeschichte und nun, 2026, sind sie mit «Epitome Of Carnage» zurück. Das zehnte Album ist das erste mit Sänger Borisz Sarafutgyinov, der 2021 den langjährigen, an Krebs verstorbenen Frontmann Sven „Svenson“ Gross ersetzte. Schnell wird klar, dass Fleshcrawl mit der aktuellen Platte den Hunger nach donnerndem Death Metal stillen werden.

Begrüsst von der explosiven Kraft von «Blood Dominion» beginnt «Epitome Of Carnage» mit vernichtenden Rhythmen und ungezügelter Intensität. Das Tempo verlangsamt sich, um mit «Chapel Of Guts» eine gewichtige Schwere zu entfalten, die bald in gesteigerte Gewalt übergeht, und zu «Grave Messiah» in glühende Entschlossenheit umschlägt. «Embers Of Wrath» verbirgt knallharte Percussion-Elemente, monströsen Gesang und aggressive Verzerrung, die auf melodische Elemente treffen. Das darauffolgende «Committed To Suffer» ist wie ein rhythmischer Sturm, der durchwegs erschüttert.

Während «Chronicles Of Bloodshed» ein zutiefst eindringliches Zwischenspiel ist, kommt mit «Rebuilt From Flesh» ein deftiger Angriff daher. Die Gitarren entfesseln eine Wucht an Riffs und Lead-Motiven, die dem Track einen dynamischen Aspekt verleihen. Feindselig wird die Stimmung in «Orphan God», wenn innerhalb des monumentalen Sounds noch die Instrumentierung bösartig und gnadenlos durchbricht. Die Reise durch den «Path Of Thorns» bleibt in Erinnerung, da ein verlangsamtes Tempo und melancholische Töne dafür sorgen, dass der Schwere nicht zu entkommen ist.

Ein unbeständiger Anfang stürzt das vorletzte «Heralds Of Death» in einen dämonischen Abgrund, bevor «Of Fire And Flesh» einen letzten Angriff enthüllt, der in einem plötzlichen, scharfen Schlag endet. Phoa! «Epitome Of Carnage» kennt kein Überdenken, keine Kompromisse – nur vernichtende Riffs, unerbittliche Intensität und der Sound einer Band, die hungriger ist denn je. Fleshcrawl sind zurück in neuer Stärke, und diese zwölf Songs sind der lebende Beweis.
Oliver H.


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Donnerstag, 18 Juni 2026 04:25
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v. 10 Punkten: keine Wertung

Gäbe es einen Award für die schlechtesten Artworks, SANDSTORM wären ein valabler Kanditat dafür. Die Zeichnungen sind natürlich gewollt so mies kreiert, um an die kultigen Achtzigern zu erinnern. Kann man gut finden, muss man nicht.

Die kanadisch / schwedische Band scheint ausserdem ein Fan von EPs zu sein, denn «Dungeon Of Death» ist bereits die Dritte dieser Art. Ein vollständiges Studio-Album ist bisher noch nicht erschienen. Musikalisch orientieren sich Sandstrom an die späten Siebziger, aber auch kauzige Bands der Marke Manilla Road haben Einfluss auf den Sound. Die Songs sind im Midtempo-Bereich gehalten, und es wird viel Wert auf Melodie gelegt.

Der Opener und Titeltrack «Dungeon Of Death» gibt die Marschrichtung vor. Starke Gitarren, eingängiger Refrain und eine charmante Oldschool-Atmosphäre. «Slave To Sin» oder «Close Combat» sind weitere Anspiel-Tipps dieser EP, welche eigentlich nur ein Fazit verdient: Absoluter Kult!
Rönu


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Donnerstag, 18 Juni 2026 04:15
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v. 10 Punkten: 6.0

ELLI BERLIN kennen die meisten als Sängerin der Band Null Positiv. Jetzt folgt ein Solo-Album mit Songs von Elli, die sie während den letzten fünf Jahren geschrieben hat.

Vieles davon klingt für mich nach Silbermond oder Juli, einfach mit etwas mehr Verzerrer auf der Gitarre, dafür aber etwas langsamer. Die Tracks an sich sind nett, kann man anhören. Die Nummer «Bang Bang», zusammen mit Brunhilde, passt jedoch nicht zum Rest der Lieder – die Rap-Stelle ist komplett unnötig. Ab dem siebten Track dreht es dann etwas, heisst jetzt wird es härter und gehaltvoller. «Gefallene Engel» empfehle ich als Anspiel-Tipp auf dem selbstbetitelten Werk, sprich das Stück fährt eine zweite, männliche Stimme auf und kommt cool rüber. Auch «Mutterherz» hat etwas Besonderes.
Hansruedi W.


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Mittwoch, 17 Juni 2026 04:45
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v. 10 Punkten: 9.5

Kann Musik zu schön sein? Kann Schönheit zum Kitsch werden? Wenn ich mir «Sanctuary» anhöre, würde ich sagen: Nein. Trotzdem mache ich es kurz in meiner Review, weil ihr wisst wohl schon alle was Euch bei EVANESCENCE im Prinzip erwartet.

Ich selbst hatte schon immer ein etwas kompliziertes Verhältnis zu Evanescence. «Fallen» war eines jener Alben, die eine Ära prägten und in mir schöne Erinnerungen hervorrufen. Ich habe es geliebt. Auch die Live-Veröffentlichung kurz darauf hat mein Interesse aufrechterhalten. Doch obwohl ich stets respektiert habe, was Amy Lee und ihre Band danach gemacht haben, haben mich nur wenige der späteren Alben wirklich in ihren Bann gezogen. Die Stimme war immer noch da, das Talent unbestreitbar, doch selten gelang es, auf derselben emotionalen Ebene anzuknüpfen.

«Sanctuary» ändert das. Nach mehrmaligem Anhören merkte ich, dass ich öfter als erwartet zu dem Album zurückkehrte. Nicht, weil es Evanescence neu erfindet oder die Band plötzlich in eine andere verwandelt. Ganz im Gegenteil. Das Album ist deshalb so toll, weil es genau versteht, was Evanescence so besonders macht, und dies mit neuem Selbstbewusstsein präsentiert.

Amy Lee hat eine der markantesten Stimmen der Rockmusik. In ihrem Gesang stecken Kraft und Zurückhaltung. Sie kann eine Arena füllen, ohne dabei zu theatralisch zu klingen. Im Gegensatz zu vielen Symphonic Metal Sängerinnen wird ihre Stimme nie ermüdend. Sie vermittelt Emotionen auf natürliche Weise und lässt den Songs Raum, anstatt sie zu überlagern.

Musikalisch balanciert «Sanctuary» schwere Gitarren, elektronische Texturen und eine cineastische Atmosphäre mit bemerkenswerter Leichtigkeit aus. Ich freue mich riesig, diese neuen Songs am 29. September 2026 im Hallenstadion mitzuerleben.
Lukas R.


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Mittwoch, 17 Juni 2026 04:35

Zwei Dekaden lang existieren die Saarländer WITCHING HOUR bereits und just zum Jubiläum wird das vierte Album veröffentlicht, nach einer langen Wartezeit von acht Jahren notabene. Ich kenne die Vorgänger nicht, aber was hier aus dem Lautsprecher klingt, ist nicht von schlechten Eltern. Die Mixtur aus Thrash und Heavy Metal mit derbem Gesang weiss zu gefallen.

Logisch, von einem Meisterwerk müssen wir hier nicht reden, aber die überlangen Songs wissen mit interessanten Wendungen, starken Riffs und einer düsteren Atmosphäre zu gefallen. Es ist aber auch ein Album, das Zeit braucht. Es bringt nichts, hier einzelne Songtitel zu nennen, denn die Stärke der Band ist in der gesamten Spielzeit fühl- und hörbar. Die Black Metal Einflüsse sind nur gelegentlich zu vernehmen, und was hier eine höhere Priorität geniesst, ist diese epische Melancholie, welche sich wie ein roter Faden vom Anfang bis zum Ende durchzieht.

Veredelt wird die Musik von einem starken Artwork und von einer fetten Produktion. Ja richtig gelesen, meine Leser und Leserinnen! Dying Victims habe ich schon des Öfteren für deren Garagen-Produktionen getadelt, aber hier ist glücklicherweise alles in Ordnung. Wer mit Bands wie Nifelheim, Hellish Crossfire oder Cruel Force etwas anfangen kann, sollte Witching Hour mit ihrem neuen Werk «Descending…Where Time Has Ceased To Exist» eine Chance geben.
Rönu


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Mittwoch, 17 Juni 2026 04:25
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v. 10 Punkten: 7.0

Der Metal schreibt bekanntlich viele Geschichten. Einige sind wie aus dem Bilderbuch, andere wiederum gleichen eher einem Kriegs-Almanach. Definitiv zur zweiten Kategorie gehört die britische Thrash Metal Kapelle ACID REIGN.

Im Jahre 1985 wurde sie in Harrogate gegründet und bereits 1991 folgte die Trennung. Erst 2015 verkündete das einzig übriggebliebene Gründungs-Mitglied Howard „H“ Smith, die Band, mit neuer Mannschaft, wieder aufleben zu lassen. Gesagt getan, und mit «The Age Of Entitlement» folgte 2019 die hochgelobte Comeback-Platte. Zwischenzeitlich waren von der neuen Besetzung wieder bloss Howard Smith und Bassist Pete Dee übrig, und aktuell gehen Acid Reign 3.0 an den Start. Mit im Boot sitzen Lead-Gitarrist Matt Smith, Johnny Grimley, ehemaliger Tourpartner und Schlagzeuger sowie Rhythmus-Gitarrist Darren McGillivray, der die Band schon oft mit seiner eigenen Kombo Wrath Of Man unterstützt hat.

Gemeinsam veröffentlicht der Fünfer seinen vierten Longplayer «Daze Of The Week». Für die feurig klingenden zehn Tracks wurde der langjährige Produzent und Mitstreiter Jayce Lewis engagiert, um sicherzustellen, dass die Band das bekommt, was sie will, und um, wie er selbst sagt: "Die Chance zu haben, mit einer Band zu arbeiten, die wie neu geboren klingt". Bereits die ersten Töne zeigen, dass sich Acid Reign für einen erwachseneren Ansatz entschieden haben, ohne dabei ihre Verspieltheit in der musikalischen Herangehensweise zu vergessen.

Genau dies macht «Daze Of The Week» zu einem spassigen Album, und auch Frontmann "H" singt, schreit und brüllt in der richtigen Reihenfolge und zum passenden Zeitpunkt, wodurch die Intensität der zehn Songs gesteigert wird. Die Tracks sind eher geradlinig und einfach, was sie aber wirkungsvoll und «Daze Of The Week» zu einem ziemlich guten Album machen. Bestimmt handelt es sich hierbei nicht um die beste Thrash-Platte aller Zeiten, jedoch um eine äusserst unterhaltsame. Hoffentlich sind Acid Reign nun wirklich gekommen, um zu bleiben.
Oliver H.


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Mittwoch, 17 Juni 2026 04:15
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v. 10 Punkten: 6.0

Die Schweden DEGREED haben (natürlich) ihr bestes Album veröffentlicht. Sagen sie..., und auch wenn ihr nach Harem Sacrem klingender Rock seine interessanten Parts mit sich bringt («Guiding Light»), klingt vieles ein bisschen zu sehr nach der Truppe um Harry Hess.

Das muss im Grundsatz ja nichts Schlechtes sein. Aber Degreed haben dann ihre besten Momente, wenn sie aus alle Rohren feuern. Wie beim Titelsong. Ansonsten sind die melodischen, fast balladesken Parts zu oft vertreten. Was das Album nicht schlechter, aber auch nicht interessanter macht. Als AOR-Fan wird man sich mit den Liedern schnell anfreunden können, auch wenn es in diesem Genre (zu) viele Bands gibt, die in meinem Augen mehr auf den Punkt spielen und somit besser abliefern, als das auf «Certain Calls» geschieht.
Tinu


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Dienstag, 16 Juni 2026 04:45

Diese Band hat schon sehr vieles durchgemacht – bis hin zu dem Punkt, dass es zurzeit ein Ein-Mann-Projekt ist. Ricardo Dias heisst der gute Mann, welcher seit Anbeginn von HEAVENWOOD (und den Vorgänger-Projekten Necroside und Disgorged) mit an Bord ist – und ebendieser veröffentlicht nun, zehn Jahre nach dem ersten Teil, den lange ersehnten Nachfolger.

Dies deswegen, weil Heavenwood irgendwie immer ein Untergrund-Tipp geblieben sind, trotz sehr starkem Sound, vielen Auftritten sowohl als Vorband wie auch als Hauptact und einem zwar überschaubaren, jedoch umso intensiveren Katalog an Veröffentlichungen. Und ich persönlich befürchte, dass auch dieser neue Release den Status nicht verändern wird – vesteht mich nicht falsch, die Musik ist druckvoll, eindringlich, weisst immer wieder Einschübe von akustischer Seite oder cleanem Gesang auf, fetzt und wälzt sich langsam durch die Gehörgänge...

Aber trotz aller Professionalität, trotz allen Referenzen zu November's Doom, Memory Driven, teilweise Paradise Lost oder Katatonia – für die ältere Generation ist man kaum aufgefallen (im Gegensatz zu beispielsweise den Landsleuten Moonspell), für die jüngere Generation ist man zu wenig eingängig. Deshalb, mein ganz persönlicher Appell an alle Dark Metal Fans da draussen: Gebt Heavenwood eine Chance! Denn die Mischung aus Groove, Düsternis, niederschmetternden Growls und erhebenden, leichteren Passagen ist vielleicht nicht modern, aber so intensiv wie sonst nur was.

Zudem, einfach als Nebenbemerkung: Man hört aus all den Songs mehr als nur deutlich die Dedikation von Ricardo Dias heraus. Heavenwood ist jetzt sein persönlicher Fokus von allem, was er in sich trägt und den Zuhörern mitteilen will. Einprägsam!
Toby S.


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Dienstag, 16 Juni 2026 04:35
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v. 10 Punkten: 7.8

Nach über einem Jahrzehnt Bühnenabstinenz kehren HASTE THE DAY mit ihrem siebten Studioalbum «Dissenter» zurück. Offiziell aufgelöst hatte sich die Band nie – doch Live-Auftritte wurden zur Seltenheit, das Schweigen zur Gewohnheit. 2024 brach die Band dieses Schweigen mit der Single «Burn». Eine bewusste Entscheidung, wie das nun vorliegende Album rückblickend nahelegt.

Der Kontext ist kein Zufall: Wie andere Pioniere des Genres profitieren Haste The Day vom anhaltenden 2000er-Metalcore-Revival. Was vor zehn Jahren aus der Zeit gefallen schien, ist heute ein nostalgischer Hype – und die Band weiss genau, wie sie diesen Moment nutzt. Kein Neuerfinden, kein Verbiegen: «Dissenter» setzt bewusst auf die erprobten Stärken, überträgt sie aber in einen zeitgemässen Rahmen.

Klanglich landet das Album klar im Melodic Metalcore der frühen 2000er, poliert durch moderne Produktionstechniken. Im Vergleich zum Vorgänger «Coward» wirkt «Dissenter» weniger chaotisch, fokussierter und direkter – aggressive Vocals, präzise gesetzte Breakdowns, keine überflüssigen Ausschweifungen. Der Aufbau folgt einem klassischen Aufbau: «Cycles» eröffnet als Intro, der Mittelteil wird härter, bevor das Album gegen Ende atmosphärischer wird und mit «Oblivion» episch endet.

Was «Dissenter» von vielen modernen Genrevertretern unterscheidet, ist die Kompaktheit. Die Songs sind klar strukturiert, arrangiert ohne komplex sein zu müssen. Die eigentliche Stärke liegt im Inhalt: Haste The Day verhandeln hier Überzeugungstreue unter Druck – das Festhalten an Prinzipien, wenn äussere Umstände dagegen arbeiten. Dass ein Album mit diesem Kern genau jetzt erscheint, ist mehr als ein glücklicher Zufall.

«Dissenter» ist bewusst keine Neuerfindung. Haste The Day liefern eine authentische Rückkehr, die Nostalgie und gegenwärtige Trends gekonnt verbindet. Nicht jeder Hook bleibt, nicht jeder Moment zündet gleich stark. Doch als Band, die ihre Vergangenheit als Fundament nutzt, gelingt Haste The Day ein Comeback, das sowohl langjährige Fans abholt, als auch neue Zuhörer und Zuhörerinnen erreicht.
Stéphanie P.


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Dienstag, 16 Juni 2026 04:25
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v. 10 Punkten: 7.0

Die kanadischen THE FLATLINERS veröffentlichen ein Album, das an meinen Ohren leider komplett vorbeirauscht. Das Promo-Schreiben benennt ihren Stil Punk Rock. Darunter verstehe ich selber eine andere Art von Musik. Für mich klingen The Flatliners nach härterem Rock – nicht mehr und nicht weniger. Ich schreibe bewusst nicht "Hard Rock", denn auch diesbezüglich verstehe ich etwas anderes.

The Flatliners verbinden auf «Cold World» poppigere ruhige Teile mit harschen, modernen Gitarren. Was mich dabei sehr erstaunt ist, dass diese eigentlich auf eingängig getrimmten Lieder bei mir nicht hängen bleiben. Trotz Abwechslung klingt für mich hier alles sehr ähnlich. Die Songs kann ich schlicht zu wenig auseinanderhalten. Aber vielleicht verstehe ich ja den Stil der Canucks schlicht nicht!?

Objektiv angehört, ist diese Musik nämlich alles andere als schlecht. Dumm nur, dass ich damit überhaupt nicht warm werde. Wem es anders ergeht: Gerne. Eine sehr tiefe Note zu ziehen, würde der Musik von The Flatliners deshalb nicht gerecht. Darum wage ich vorsichtige sieben Punkte von zehn Punkten und hoffe, dass die Kanadier ihr Publikum finden. Ich selber bin da raus.
Roger W.


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Dienstag, 16 Juni 2026 04:15

Vor zwei Jahren gaben die Italiener von DEMON SPELL mit ihrer Debüt-EP «Evil Nights» ein erstes Lebenszeichen von sich. Nun folgt der nächste logische Schritt: Das erste full-length Album erscheint standesgemäss beim Kultlabel Dying Victims Records. Die Presseinfo rührt die Werbetrommel kräftig und verspricht eine tiefe Hingabe an einen schattenhaften Heavy Metal, der – tief verwurzelt in klassischer Tradition – von okkulten Mysterien und einer provokanten theatralischen Präsenz umhüllt wird.

Beim Lesen dieser Zeilen schiesst einem natürlich sofort ein gewisser dänischer Edelmann in den Kopf. Und tatsächlich: Sobald die ersten Töne von Sänger Federico Fano erklingen, herrscht Gewissheit darüber, wer hier Pate stand. Die musikalische DNA ist unübersehbar von King Diamond und Mercyful Fate durchtränkt. Nun tue ich mich (wie unser Tinu leidvoll weiss) mit dem Gesang des Dänen einfach schwer, finde die Musik aber eigentlich wirklich stark.

Mal schauen wie Demon Spell mich packen können: «Blessed Be The Dark» liefert handwerklich zwar alles ab, was das Fanherz begehrt, man spürt durchaus das Potenzial, doch bleibt am Ende doch ein gewisses Fragezeichen. Trotz der ordentlichen Produktion und der offensichtlichen Leidenschaft für das Okkulte gelingt es der Band nicht, die kompositorische Genialität ihres grossen Vorbild zu erreichen. Wo der King mit genialen Hooks und unvorhersehbaren Wendungen fesselt, verlieren sich Demon Spell oft in allzu bekannten Mustern.

Es ist ein solides Werk für Nostalgiker, doch für den Sprung in den Heavy Metal Olymp fehlt es momentan noch an der nötigen Eigenständigkeit. So bleibt mit «Blessed Be The Dark» ein Album, das zwar "okay" klingt, im direkten Vergleich mit den Klassikern der Vorbilder aber leider den Kürzeren zieht. Wer trotzdem gespannt ist wie Demon Spell klingen, dem empfehle ich als Anspieltipp «As Lucifer Smiles».
Rönu


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Montag, 15 Juni 2026 04:45

Wer, wie ich, auf ein neues Album von King Diamond wartet, tut dies bereits seit «Give Me Your Soul… Please». Diese Scheibe wurde 2007 veröffentlicht. Das seit Ewigkeiten ankündigte neue Werk «Saint Lucifer's Hospital» lässt seit einigen Monden auf sich warten, sprich der Release wurde immer wieder verschoben.

Was macht man in dieser doch eher "ruhigeren" Zeit, schien sich Gitarrist Andy La Rocque zu denken und vertrieb sich die Zeit mit Pete Blakk (Gitarre), um ein paar Songs zu komponieren. Als Motörhead das Zeitliche segneten, war Schlagzeuger Mikkey Dee frei (die Scorpions Auftritte sind aktuell eher sporadischer Natur) und auch Bassist Hal Patino war bereit, wieder was auf die Beine zu stellen. Ergo hatte man die Instrumentalisten-Front des legendären «Them» Werkes von Kind Diamond wieder zusammen.

Was fehlte, war ein Sänger, und den fand man in Form des Pagan's Mind Shouters Nils K. Rue. Wie klingen nun LEX LEGION? Sicher nicht nach Kind Diamond, dazu ist die hohe Stimme von Nils zu wenig falsettartig, vermag aber dennoch Akzente zu setzen und zu überzeugen. Gitarrentechnisch erinnert (logischerweise) einiges an King Diamond, wie auch das göttliche Schlagzeugspiel von Mikkey, oder die gekonnt eingebauten Breaks, die bereits auf dem Opener «Sleep Eternally» zu hören sind.

Musikalisch findet sich alles im typischen Diamond-Sound wieder, ohne dabei ein Abklatsch oder eine schlechte Kopie zu sein. Dafür sind die Tracks zu stark ausgefallen. Einzelne Kompositionen herauszuheben fällt schwer, aber «When The Stars Align», «(I Am) The Resurrected», «Darkness», und der instrumentale Abschluss «Far Away» gewähren einen sehr guten Überblick, wie das Debüt des Fünfers klingt.

Interessanterweise halten sich die Tracks alle vier Minuten Spielzeit herum. Bedeutet auch, dass trotz der technischen Raffinesse der beiden Gitarristen, alles immer auf den Punkt gespielt wird und man sich musikalisch eher an die ersten Scheiben von King erinnert fühlt, statt den neueren Alben. Wer King Diamond liebt, wird «Lex Legion» von der ersten Sekunde an in sein Herz schliessen.

Wer sich bis anhin den Songs des Kings wegen seiner Stimme verweigert hat, bekommt seine Musik mit einem Sänger, der die Meinungen nicht dermassen spaltet wie der König. Grandioses Album von altgestandenen Musikern, die auf eine wundervolle Art beweisen, dass es heute noch immer möglich ist, ein fantastisches Werk zu veröffentlichen.
Tinu


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Montag, 15 Juni 2026 04:35
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v. 10 Punkten: 8.8

Das Debüt «Tales Of Othertime» hat vor fünf Jahren mächtig Staub aufgewirbelt. Im Fahrtwind von Bands wie Emperor, Dissection oder Summoning überzeugten STORMKEEP, die Amerikaner aus Denver, mit einem wirklich amtlichen Erstling. Es hat zwar etwas gedauert, aber nun gibt es endlich einen Nachfolger.

Mit Isaac Faulk steht übrigens kein Unbekannter der Szene am Ruder bei Stormkeep. Der talentierte Multiinstrumentalist steht auch bei Blood Incantation und Wayfarer auf dem Line-up. Doch wie klingt nun das zweite Album? Nun, man kann sagen, dass die Frische des Debüts einer ernsteren, düsteren Grundstimmung gewichen ist. Die zweite grosse Veränderung ist der Klargesang, welcher bereits dem Opener «The Taste Of Immortal Blood» eine epischere Grundausrichtung verleiht. Die cineastische Ausrichtung erinnert natürlich auch an die starken Tage von Dimmu Borgir, aber trotz allem Bombast klingt es trotzdem noch nach Stormkeep.

Dass man härtetechnisch nicht verweichlicht, hört man schon beim folgenden Song «The Black Dragons Of Iswylm». Melodien stehen aber an erster Stelle, erzeugt entweder durch die klug eingesetzten Keyboards oder mit phasenweise fantastischer Gitarrenarbeit. Den Höhepunkt haben sich Stormkeep für den Schluss aufgehoben. Das fast zehnminütige «Ballad Of A Fallen Star» bündelt noch einmal alle Stärken und beschliesst ein Album, welches sich vor dem Debüt beileibe nicht verstecken muss, aber trotzdem eine beachtliche Weiterentwicklung darstellt. Wer mit den genannten Bands etwas anfangen kann, der darf hier blind zuschlagen.
Rönu


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Montag, 15 Juni 2026 04:25
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v. 10 Punkten: 8.6

Mit ihrem selbstbetitelten fünften Album bewegen sich KHEMMIS weiterhin weit über die Grenzen des traditionellen Doom Metal hinaus. Die gewohnte Schwere und Melancholie sind nach wie vor vorhanden, doch dieses Album wirkt wie eine epische Heavy-Metal-Reise und weniger wie ein langsames, erdrückendes Doom-Album.

Von den ersten Momenten an bringt die Band weit mehr Schwung und Aggression in das Material ein, als viele Zuhörer erwarten würden. Galoppierende Riffs, schwebende Melodien, progressive Wendungen und gelegentliche Ausbrüche in den Extreme Metal fliessen ganz natürlich in das Songwriting ein, ohne jemals gekünstelt zu klingen. Das Album lebt von Kontrasten, Bewegung und Atmosphäre.

Eine grosse Stärke bleibt das gesangliche Zusammenspiel zwischen Phil Pendergast und Ben Hutcherson. Pendergasts klarer, emotionaler Gesang verleiht den Songs einen kraftvollen melodischen Kern, während Hutchersons rauere Stimme für Biss und Intensität sorgt, wann immer die Musik zu bequem oder vorhersehbar zu werden droht.

Auch die Produktion verdient Lob, da sie alles warm, organisch und lebendig hält. Ironischerweise stammt einer der wichtigsten Rhythmusgitarrensounds Berichten zufolge vom günstigen Behringer SF300 Super Fuzz-Pedal. Das beweist einmal mehr, dass es bei einem unvergesslichen Heavy-Metal-Sound mehr auf Kreativität als auf teure Ausrüstung ankommt.

Zuhörer, die reinen Doom Metal erwarten, könnten überrascht sein. Für Fans von emotional aufgeladener, melodischer und stilistisch abenteuerlustiger Heavy-Musik ist dies jedoch zweifellos eines der stärksten und ausgereiftesten Alben von Khemmis bis heute. Ich glaube dass dieses Werk bei einigen meiner MF Schreiberling-Kollegen grossen Anklang finden wird.

Christopher Remmers Artwork spiegelt die Entwicklung des Albums perfekt wider: weniger ein Denkmal für den traditionellen Doom, vielmehr eine surreale Heavy-Metal-Vision, die irgendwo zwischen Ritual, Traum und kosmischer Melancholie schwebt.
Lukas R.


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Montag, 15 Juni 2026 04:15

Die Spanier können auch schon auf eine lange Bandgeschichte zurückblicken. Seit 2008 ist die Band aktiv und mit «Sons Of The Abandoned» lancieren sie ihr viertes Album. Aushängeschild der Galicier ist sicher Frontfrau Diva Satanica, die auch schon bei Nervosa das Mikro geschwungen hat. In ihrer Hauptband, sind die Thrash Elemente von Nervosa kaum vorhanden, stattdessen wird bei BLOODHUNTER melodischer Death Metal der schwedischen Schule zelebriert.

Nach ihren Ausflügen in andere musikalische Gefilde beweist Diva eindrucksvoll, warum sie zu den absolut besten Extrem-Vokalistinnen der Gegenwart gehört. Ihre Growls besitzen eine fast schon beängstigende Kraft und man erkennt wie immer sofort, wer da singt. Bloodhunter schaffen es ausserdem, die rasiermesserscharfe Härte des klassischen Death Metal mit den packenden, fast schon neoklassisch angehauchten Melodiebögen des schwedischen Melodeath (Göteborg-Schule) zu verbinden. 

Das Tempo ist stellenweise absolut unbarmherzig, angetrieben von einer Rhythmus-Fraktion, die wie ein Schweizer Uhrwerk agiert. Doch anstatt in stumpfes Geballer abzuwandern, setzt das Quintett gezielt auf Dynamik. Düstere, atmosphärische Passagen wechseln sich mit epischen Solo-Duellen ab, und so wirkt das Album äusserst abwechslungsreich. Sucht man nach einem Haar in der Suppe, wird man höchstens dabei fündig, dass nicht alle Songs das Niveau von Knallern wie «The Devils Own» oder «Ephemeral Youth» halten können.

Trotzdem ist auch der vierte Dreher der Spanier wirklich gut gelungen. P.S.: Burning Witches Frontröhre Laura Guldemond hat bei «The Path Never Ends» einen gelungenen Gastauftritt und die Band beweist mit dem Annihilator Cover «Human Insecticide» einen exzellenten Geschmack.
Rönu


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Dienstag, 09 Juni 2026 04:45
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v. 10 Punkten: 8.8

Gerade sitze ich in einem Gartenstuhl, geniesse den strahlenden Frühlingssonnenschein und höre mir das neue Album von GODTHRYMM an. Dabei ertappe ich mich, wie ich darüber nachdenke, wie sehr unsere Umgebung unsere Wahrnehmung und letztlich unsere Beurteilung von Musik beeinflusst.

«Projections» fühlt sich an wie ein Album, das für den Spätherbst geschaffen ist: kalter Wind, nasse Strassen, grauer Himmel und jene Abende, an denen die Dunkelheit zu früh hereinbricht. Und doch sitze ich hier, umgeben von Kuhglocken und Sonnenschein, der den Garten erwärmt, und versuche, in diese monumentale Wand aus Doom-Metal-Melancholie einzutauchen.
Vielleicht sagt dieser Kontrast tatsächlich etwas Wichtiges über das Album selbst aus.

Denn trotz der fast "falschen" Umgebung gelingt es Godthrymm, mich in ihre emotionale Welt zu ziehen. Das ist bei Doom Metal nicht immer der Fall. Manche Alben sind stark von Stimmung und Umgebung abhängig, um ihre volle Wirkung zu entfalten. «Projections» hingegen trägt genug emotionales Gewicht in sich, um um den Hörer herum sein eigenes Wetter zu erzeugen. Mir gefällt speziell die Rockstimme von Hamish Glencross sehr gut.

Musikalisch bleibt die Band tief mit der klassischen britischen Doom-Tradition von My Dying Bride, Paradise Lost und Anathema verbunden. Doch das Album wirkt breiter und dynamischer als eine blosse Hommage an das Genre. «Trenches Deep» beginnt mit erdrückender Schwere, bevor es sich zu einem kraftvolleren, epischeren und aggressiveren Angriff entwickelt. «Truth In My Own» entfaltet durch massive Riffs und hämmernde Rhythmen pure, bedrückende Wucht. Der Song «The Sun Never Fell» erscheint wie eine Prozessionsmusik. Etwas ist nicht mehr wie es war, trotzdem ist da Hoffnung.

Das emotionale Zentrum des Albums liegt in Stücken wie «Jewels» und «Hope Is Eternal». Hier lässt die Band Melodie und Atmosphäre atmen. Catherine Glencross' Gesang verleiht in einige der Songs dem ansonsten gewaltigen Sound eine zerbrechliche, menschliche Wärme und den Songs eine fast elbenhafte Schönheit. Dazu gesellen sich auf einzelnen Tracks prominente Gaststimmen: Adie Bailey (ehemals English Dogs) sowie Jay Walsh von Xentrix auf «Trenches Deep» während auf «Endure My Skin» niemand Geringerer als Aaron Stainthorpe von My Dying Bride mit seiner markanten Stimme zusätzlichen Tiefgang verleiht.

Das Album bleibt durchweg düster, ist emotional aber niemals flach. Unter der Trauer und Schwere verbirgt sich stets ein schwacher Lichtschimmer und vor allem Kraft. Diese Balance ist es, die «Projections» unvergesslich macht. Godthrymm verwandeln Trauer, Erschöpfung und Melancholie in etwas seltsam Kraftvolles und Würdevolles.

Das von Mitchell Nolte gestaltete Cover unterstreicht die introspektive und melancholische Atmosphäre des Albums perfekt, indem es weniger auf klassische Doom-Klischees setzt, sondern vielmehr emotionale Zerrissenheit, innere Dunkelheit und ein fast traumartiges Gefühl von Verlust und Hoffnung visualisiert. Kauft Euch auch darum unbedingt das Vinyl.
Lukas R.




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Dienstag, 09 Juni 2026 04:35
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v. 10 Punkten: keine Wertung

Es war ein verrücktes Jahr für PARTY CANNON: sie haben, zur eigenen Überraschung, auf jedem nur erdenklichen Festival gespielt, nonstop getourt, einen neuen Sänger willkommen geheissen und einen Skull Man offiziell in die Band aufgenommen.

Dies war für die 2010 gegründete schottische Brutal-Party-Slam-Band Grund genug, der Menschheit einen Vorgeschmack auf den neuen Tiefpunkt zu geben, auf den sie gesunken ist, anstatt die Fans wieder einmal sieben Jahre auf ein neues Album warten zu lassen. Party Cannon erregen schnell Aufmerksamkeit, indem sie kompromisslose Brutalität mit einer respektlosen, energiegeladenen Ästhetik verbinden.  Was als regelfreie Interpretation des Extreme Metals begann, entwickelte sich zu einer der bekanntesten und unterhaltsamsten Acts des Genres.

Mit ihrer kommenden EP, «Subjected To A Partying», sind Chris Ryan (b), Craig Robinson (g), Martin Gazur (d), Mike McLaughlin (g), Daryl Boyce (v) und Vominic Stonebones (Performance) gewappnet, ihr bisher ausgefeiltestes und aggressivstes Material zu präsentieren. Die EP beinhaltet fünf vernichtende Tracks, gepaart mit ihrem typischen Sinn für Humor. Beim Schreiben dieser Songs ist die Truppe etwas anders zu Werke gegangen als normalerweise. Sie hat ihren extremen Sound auf vier Hauptkomponenten reduziert: Slam, Goregrind, Brutal Death Metal der frühen 2000er und NYDM.

Es gibt sogar einen Song, der sich auf jeden dieser Stile konzentriert, dabei aber den typischen Party-Slam-Sound beibehält. Schwierig, dies rauszuhören, aber Party Cannon schaffen, was andere Bands ihres Kalibers nicht bringen. Als pikante Zugabe wurden ebenfalls partywillige Freunde eingeladen, um bei diesem Blödsinn mitzumachen. Somit enthält die EP «Subjected To A Partying» Remixe von Kmac2021, Frontierer und Ritual Studio. Trotz dem Wort Party, spielen Party Cannon deftigen Brutal Slam, der nicht allen Geniessern der absurden Klänge gefallen dürfte. Wer akustisch keine Grenzen scheut, darf sich diese Platte gerne zu Gemüte führen.
Oliver H.


https://music.youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_nF75l1e9n2xmYhOHqa6M2w7IfJfUw6SHM&si=Xy3WO93D34mFz8RQ

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Dienstag, 09 Juni 2026 04:25
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v. 10 Punkten: 7.0

Als ich das aktuelle Album von EXILIA auf meinem Rechner öffnete, hatte ich ständig das Gefühl, diese Band zu kennen. Nach kurzer Recherche durfte ich feststellen, dass ich 2004 ihre Single «Stop Playing God» vom Debüt «Unleashed» rauf und runter gehört habe. Wie doch die Zeit verfliegt!

Die Mailänder Alternative-Truppe tat ich damals als Eintagsfliege ab, aber sie hat zu meinem Erstaunen in regelmässigen Abständen Alben veröffentlicht, bis heute. Nun melden sich Exilia mit ihrem neuen Album «Anti Gravity» zurück. Während einem Jahr hat der Vierer um Sängerin Masha Mysmane, Emanuele Affabile (g), Luca Frangione (b) und Marko Campailla (d) an dem Album gefeilt und teilweise neuen Band-Sound kreiert.

Noch immer steht das Quartett für fesselnde Alternative Metal-Hymnen mit Tiefgang, die sich durch harte Riffs, schnelle Beats, Reibeisen-Vocals und Spoken Words in die Gehörgänge fräsen, doch während der elf Songs legt Hauptsongschreiberin Masha mehr Wert auf Melodien und Synthesizer-Elemente. Die Melodien transportieren Bedeutung, Emotionen und Botschaften. Eine wichtige Weiterentwicklung auf diesem Album ist der Einsatz von Synthesizer-Klängen. Sie sind präsenter und intensiver als auf früheren Veröffentlichungen, sie werden zu einer Stimme im Sound von Exilia.

Für meinen Geschmack macht es die Songs zu sanft und der druckvolle Sound geht verloren. Während sich der Track «Lightstorm» um die Selbstreflektion der Menschheit und verantwortungsvolles Handeln dreht, beschäftigt sich «Goodbye My Love» mit dem Umgang von Verlust auf zwischenmenschlicher Ebene, sei es durch Tod oder Trennung. Insgesamt gesehen, sind die Texte auf «Anti Gravity» emotionaler und sozialer als auf älteren Scheiben, was vielleicht den angesprochenen ?Druckverlust” erklärt. Die Platte wurde erneut in den Principal Studios, mit Produzent Jörg Umbreit (Donots, Broilers, In Extremo) an den Reglern aufgenommen.

Herausgekommen ist ein Silberling, der eine weitere Facette ihres Schaffens und ihrer Wandlungsfähigkeit zeigt, ohne ihre musikalische Identität ganz aus den Augen zu verlieren. Diesmal mit weniger sägenden Gitarren, aber vielleicht deshalb umso intensiver. «Anti Gravity» ist ein Album für alle, die tiefe Gefühle empfinden und dabei gerne vor sich hinträumen, wie immer verpackt in melodiöse Alternative Metal Hymnen.
Oliver H.



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Dienstag, 09 Juni 2026 04:15

NUCLEAR MESSIAH  ist ein Projekt, das vom ehemaligen Megadeth Gitarristen Chris Poland ins Leben gerufen wurde.

Zusammen mit vielen Gastmusikern (Ronnie Romero, Thor, Joe Lynn Turner, Sebastian Bach, Marty Friedman, Bob Daisley, Vinnie Moore, Vinny Appice, Carmine Appice, Simon Wright..., um nur ein paar zu nennen) hat sich der Gitarrist einer Mischung aus Classic Rock, traditionellem Metal und Punk verschrieben.

Dass die Musiker alles Fachkräfte an ihren Instrumenten sind, ist nicht von der Hand zu weisen. Das wiederum bürgt aber nicht für ein Album, das mit Klassikern gesegnet ist. Für Musiker-Fetischisten sicherlich eine coole Scheibe. Für Fans die Songs mögen hinter denen eine Band steht, ist «Black Flame» eine eher zwiespältige Angelegenheit.
Tinu

https://music.youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_m0MjoPLlQhpqo_8PLwnkHsh9hxcbSTN2g&si=QFik2hoWf1Tb83hF

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Montag, 08 Juni 2026 04:45
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v. 10 Punkten: 8.9

An Kreativität, Ideen und Einzigartigkeit mangelt es diesen Jungs ganz sicher nicht. MALADIE machen Extreme Metal, der trotz aller Brutalität immer wieder seltsame Melodien und Momente der Schönheit aufblitzen lässt.

Innerhalb einer einzigen Komposition kann die Musik von zerbrechlicher Ruhe zu überwältigender klanglicher Zerstörung wechseln und dabei genüsslich jede Regel des "radiofreundlichen" Songwritings zerreissen. Dies ist keine Musik, die für Radio BOB oder algorithmusfreundliche Hooks konzipiert ist. Schönheit, Wahnsinn, Chaos und Zerfall – alles gleichzeitig, alles gegen dich. Während Künstler wie Pablo Picasso oder Joan Miró bereits künstlerische Normen infrage stellten, fühlt sich «The Dance Of Tragedies» eher wie das Werk von Jackson Pollock an.

Die konventionelle Komposition wird hier nicht nur gedehnt, sondern fast vollständig aufgelöst. Musik wird zu Atmosphäre, Ritual, emotionalem Zusammenbruch und tranceartigem Chaos. Während einige Zuhörer in diesem Wahnsinn visionäre Transzendenz hören werden, werden andere es als selbstverliebten Lärm oder intellektuelle Extremität abtun, die vorgibt, Kunst zu sein. Doch genau diese unangenehme Spannung verleiht dem Album seine seltsame Kraft.

Plötzlich tauchen aus dem Wirbel Momente von eindringlicher Schönheit auf: zerbrechliche Melodien, ferne klare Passagen, fast meditative Stimmungen. Doch Maladie lassen einen selten lange in Ruhe. Sekunden später werden diese Passagen wieder von Dissonanzen, Blastbeats, jazzigen Bläsern, schizophrenen Tempowechseln und erstickenden Klangwänden verschluckt. Das Album wirkt ständig instabil, beinahe lebendig, als könnte es jeden Moment in völliges Chaos versinken.

Das deutsche Kollektiv beschreibt seinen Sound als "Plague Metal" – und diese Beschreibung passt bemerkenswert gut. Es handelt sich um ein einziges, immersives, psychologisches Erlebnis. Die Tracks gehen fliessend ineinander über und entfalten sich organisch, anstatt vorhersehbaren Strophe-Refrain-Strukturen zu folgen. Dies deckt sich direkt mit der Art und Weise, wie die Band selbst ihre künstlerische Philosophie beschreibt. In Interviews betont Maladie wiederholt, dass sie Alben nicht als traditionelle Songsammlungen, sondern als zusammenhängende emotionale Reisen betrachten, die auf Kontrast, Unvorhersehbarkeit und Atmosphäre aufgebaut sind.

Ihre Musik widersetzt sich bewusst einem passiven Konsum. Anstatt einfache Einstiegspunkte zu bieten, zielt die Band darauf ab, die Zuhörer zu verunsichern und eine emotionale Desorientierung zu erzeugen, in der Schönheit und Zusammenbruch gleichzeitig koexistieren.

Diese künstlerische Herangehensweise ist auf «The Dance Of Tragedies» deutlich zu hören. Das Album wirkt wie eine Form des abstrakten Expressionismus, die in Klang übersetzt wurde. Manchmal fühlt man sich an die avantgardistische Extremität von Deathspell Omega, die kosmische Theatralik von Arcturus, die emotionale Raffinesse von Ne Obliviscaris oder sogar den genreübergreifenden Wahnsinn von Mr. Bungle erinnert. Doch trotz dieser gelegentlichen Assoziationen klingen Maladie letztendlich wie niemand ausser sich selbst.

Dies ist sicherlich kein Album für jeden, der sich Extreme Metal anhört, aber wohl eine der kühnsten, kompromisslosesten und künstlerisch faszinierendsten Extreme Metal Veröffentlichungen des Jahres 2026.
Lukas R.


Montag, 08 Juni 2026 04:35
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v. 10 Punkten: keine Wertung

Nur ein Jahr benötigten die italienischen Symphonic Power Metaller MOONLIGHT HAZE, um dem regulären Album die EP «Beyond» eine nachzuschieben. Umso erstaunlicher ist der Fortschritt im Songwriting, den die Band in dieser Zeit gemacht hat.

Wirkte auf ihrem vierten Album noch alles wie Massenware auf hohem Niveau, kann man nun das Wort "Massenware" aus der Beschreibung weglassen. Hier ist wirklich alles auf "hohem Niveau", wobei es an der Länge der Lieder nicht liegen kann. Denn bereits auf «Beyond» (2025) waren die Songs mit meist zweieinhalb bis viereinhalb Minuten für Symphonic Metal Verhältnisse eher kurz gehalten. Auf «Interstellar Madness» wirkt jetzt aber alles zwingender und schlüssiger. Und das liegt nicht daran, dass die EP gerade mal 21 Minuten dauert.

Denn auf auch in dieser Zeit könnte Langeweile aufkommen. Das ist hier definitiv nicht der Fall. Zudem wirkt die Band mit der an ihre Fans gerichteten Hymne «Moonlight Legion» äusserst sympathisch – zumindest wenn man sich dazu den Video-Clip ansieht. Ansonsten herrscht mal schmissiger Power Metal mit «Shine», ein symphonisch episches «Interstellar Madness» mit italienischem, opernhaftem Zwischenteil und auch mal ein dynamischer Stampfer wie «We Are Fire». Aber auch ein an Rhapsody Of Fire erinnerndes «Lost In Moonlit Symphonies» ist dabei.

Das alles wird um die wunderbar flexible Stimme von Chiara Tricarico aufgebaut. Diese hebt sich mit ihrem Gesang tatsächlich von der zahlreichen Konkurrenz ab. Sie beweist damit endgültig, wieso sie mittlerweile bei Avantasia live mit dabei sein darf und wieso auch deren Produzent und Gitarrist Sascha Paeth mit seiner eigenen Band bei Konzerten auf ihre Dienste zählt. Das Fazit: Mit einer solch starken Leistung hatte ich, trotz des Potenzials auf der Vorgänger-Scheibe, nicht gerechnet. Bleibt zu hoffen, dass Moonlight Haze dieses Niveau auch mal auf Album-Länge halten können.
Roger W.




https://www.youtube.com/embed/ExwPqaFsK_A

Montag, 08 Juni 2026 04:25

THE GHOULSTARS versuchen wohl nicht, Rockmusik neu zu erfinden – "Ukko auta!" geben sie auch nie vor, dies zu tun. «The Dark Overlords Of The Universe» ist purer B-Movie-Eskapismus: laut, schmalzig, karikaturhaft und mit Stolz übertrieben.

Stellt Euch vor, die kitschige Theatralik von Lordi würde auf Horror-Punk, Garage-Rock und altes VHS-Splatter-Kino treffen – allerdings mit einem härteren Metal-Punch unter all dem Kunstblut und Make-up. Das Album rast durch surf-inspirierte Riffs, Mitsing-Refrains und unzählige Anspielungen auf Kult-Horror- und Sci-Fi-Filme. Songs wie «Too Ghoul For School» und «Graverobbers From Outer Space» erscheinen wie der Soundtrack zur Afterparty einer Mitternachts-Horror-Convention oder der Erweiterung des "Time Warp" Tanz. Das ist sowohl die grösste Stärke als auch die ultimative Grenze des Albums. Die Ghoulstars verstehen etwas von Atmosphäre, Ohrwürmern und Unterhaltungswert, doch nur wenige Tracks hinterlassen einen bleibenden Eindruck, wenn die Party vorbei ist.

Dennoch liegt ein echter Charme darin, wie sehr sich die Band ihrem Universum verschrieben hat. Das Album wird niemals zynisch oder selbstherrlich. Stattdessen begrüsst es die Absurdität mit der Begeisterung lebenslanger Horror-Nerds, die sich durch staubige VHS-Kassetten und alte Punk-Platten wühlen. Die Produktion ist knackig, die Refrains sind wie geschaffen für mit Absinthe begleitete Mitsing-Sessions und das Ganze verfliegt in kaum einer halben Stunde.

Wird dies ein zeitloser Klassiker? Wahrscheinlich nicht. Aber für Fans von Horror-Punk, kitschigen Monstern, eingängigem Riff-Rock und Live-Shows, bei denen Spass mehr zählt als Raffinesse, wird «The Dark Overlords Of The Universe» genau den richtigen Nerv treffen. "It's just a jump to the left …and then a step to the right…"
Lukas R.


https://music.youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_nzX9G5_Fva89Q7c7493Kw2ZyCntUfi-2M&si=yZR_jccPKikWpH43

www.youtube.com/embed/IN2ayt2im0Y

Montag, 08 Juni 2026 04:15
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v. 10 Punkten: 7.0

Ein unbändiger Tornado fegt in Form von CARRION VAEL über die Fans von Musik härterer Gangart hinweg. Für ihr fünftes Album «Slay Utterly» haben sich Travis Lawson Purcell (Gesang), Alex Arford (Bass), Trenton Limburg (Gitarre), Ryan Kurder (Gitarre) und Matt Behner (Schlagzeug) ziemlich ins Zeug gelegt, um musikalisch zu wachsen, ohne die Wurzeln zu kappen.

Fulminant geht es mit «19(fucking)78» zur Sache, ein technisch versierter Track, der komplexe Melodien, rasante Riffs, vernichtenden Gesang und sogar einige extrem groovige Passagen sowie Momente majestätischen Clean-Gesangs bietet und damit die ganze Bandbreite der Vielfalt an den Tag legt. Erstaunlich ruhig beginnt «Truth Or Consequences», das mit Flamenco-Elementen in den Song geht, um dann förmlich zu explodieren. Erneut stellen die Bandmitglieder ihr Können unter Beweis, mit vernichtenden Rhythmen, die vielleicht auch mal “zuviel des Guten“ ausfallen.

Die Songs sind imposant komponiert, wirken aber stellenweise überladen, sodass sie zwischenzeitlich keine bleibende Melodie zulassen. Gewollt? Möglich! «1912» nämlich, ist von starker Melancholie geprägt, die durchaus wieder ins Ohr geht. Symphonic Death Metal gepaart mit Deathcore-Elementen, insbesondere im gewaltigen Mittelteil und dem Rhythmus. Auch die restlichen fünf Songs wechseln zwischen ultraschnellen Passagen und viel langsameren, vernichtenden Riffs, während stets brutale Obertöne toben und tiefe Growls oder markerschütternde Schreie die Zuhörerschaft gnadenlos hin und her werfen.

Die teilweise eingebauten Samples unterstreichen bestimmte Sound-Passagen und verleihen den Tracks mehr Zusammenhalt, machen sie andererseits auch unruhiger, was wieder schade ist. Auch nach mehrmaligem Anhören komme ich zum Schluss, dass Carrion Vael sehr viel Potenzial an den Tag legen, musikalisch aber, zumindest auf «Slay Utterly», übers Ziel hinausschiessen.

Die Chose ist brutal, technisch hochstehend produziert, aber auch überladen. Dies macht die einzelnen Songs etwas sperrig und unzugänglich, obwohl jeder Track auch seine grossartigen Momente hat. Am besten ist es wohl, die Platte selber anzutesten und sich ein eigenes Urteil darüber zu bilden.
Oliver H.


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Samstag, 06 Juni 2026 05:45

Die US-amerikanische Brutal Death-Kombo EMBRYONIC AUTOPSY kehrt mit ihrem letzten Kapitel der konzeptionellen Trilogie zurück. Das mit Spannung erwartete «Rise Of The Mutated» schliesst eine Geschichte ab, die mit «Prophecies Of The Conjoined» (2022) begann und sich über «Origins Of The Deformed» (2024) fortsetzte, wobei die Erzählung von ausserirdischer Intervention, genetischer Manipulation und dem Aufstieg hybrider Lebensformen, die ihre Vorherrschaft zurückerobern, weiter ausgebaut wird.

Mit zehn Songs treibt die Truppe ihre Vision auf die Spitze und verwirklicht sie in ihrer extremsten Form. Musikalisch liefert das Album einen unerbittlichen Angriff aus Old-School Brutal Death Metal, der rasendes Tempo, vernichtende Grooves und kompromisslose Intensität mit der rohen, viszeralen Energie verbindet, die das Genre in seiner Blütezeit der frühen 90er Jahre prägte. Gleichzeitig schärft die Band ihren Songwriting-Ansatz und schafft eine Platte, die sowohl wild als auch kohärent ist und Chaos und Präzision mit verheerender Wirkung in Einklang bringt.

Angetrieben wird Embryonic Autopsy vom kreativen Kern aus Sänger Tim King (SOiL, Oppressor) und Gitarrist Scott Roberts (Ex-Otep), der erneut seine Faszination für ausserirdische Mythologie in ein groteskes und filmisches Klangerlebnis kanalisiert. Textlich tauchen die Tracks tiefer in Themen wie Mutation, Hybridisierung und biologischen Horror ein und zeichnen eine verstörende, doch fesselnde Vision einer Welt, die von ihrer eigenen verdorbenen Evolution überrollt wird. So futuristisch klingt dies gar nicht mehr.

Zudem bietet die Platte eine Reihe hochkarätiger Gastauftritte, die ihre Verbindung zum Erbe des Death Metal unterstreichen. Der legendäre Gitarrist James Murphy (Death, Obituary) kehrt mit mehreren Lead-Gitarrenparts zurück, zusammen mit Terrance Hobbs von Suffocation, was einem ohnehin schon vernichtenden Album noch mehr Gewicht und Authentizität verleiht. Produziert und gemischt wurde «Rise Of The Mutated» von Scott Roberts, gemastert von Ulrich Wild (Pantera, Dethklok) in den Wilderness Studios.

Embryonic Autopsy bieten eine kraftvolle und organische Produktion, die sowohl die Brutalität als auch die Klarheit einfängt, die für den Sound der Band unerlässlich sind. «Rise Of The Mutated» ist ein Album, das sich gleichermassen in der Tradition verwurzelt sieht und von einer modernen, kompromisslosen Schärfe angetrieben wird.
Oliver H.


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Samstag, 06 Juni 2026 05:35
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v. 10 Punkten: keine Wertung

Nach ihrem bahnbrechenden 2024er-Opus «Absolute Elsewhere» kehren die kosmischen Death Metal Visionäre BLOOD INCANTATION mit einem 180 Grad gedrehten Kapitel zurück, das tief in die Ursprünge ihrer umfangreichsten Schaffensphase eintaucht.

Gleich zu Beginn: «All Gates Open» ist kein todesmetallischer Output, sondern der rein instrumentale Original Motion Picture Soundtrack zur Dokumentation über die Entstehung von «Absolute Elsewhere». Was ursprünglich nur als Teil des Deluxe-Artbooks erhältlich war, erscheint nun zum ersten Mal als eigenständige Veröffentlichung, die sowohl den kompletten Soundtrack als auch die begleitende 73-minütige Dokumentation enthält. Die vier atmosphärischen Tracks, die 2021 komponiert wurden, offenbaren eine grundlegend andere Facette der musikalischen Identität von Blood Incantation: pastoral, ambient und zutiefst introspektiv.

Aufgebaut aus Synth-Improvisationen, akustischen Instrumenten und experimentellen Studio-Sessions, repräsentiert das Material das, was Gitarrist und Sänger Paul Riedl als die „Yang-Energie“ zu den düsteren Atmosphären von «Timewave Zero» beschreibt. Die enthaltene Dokumentation führt die Zuschauer in die legendären Berliner "Hansa Tonstudios", wo sich die Band für einen Monat niedergelassen hatte, um «Absolute Elsewhere» zu schreiben und aufzunehmen.

Unter der Regie von Niklas Tschaikowsky und Tammo Dehn bietet der Film einen intimen und ungefilterten Einblick in den kreativen Prozess der Truppe, den Alltag und das Eintauchen in das kulturelle Gefüge Berlins, mit Gastauftritten von Mitgliedern von Tangerine Dream, Hällas und Sijjin. Zusammen bilden Soundtrack und Film ein vollständiges künstlerisches Statement. Eines, das nicht nur einen entscheidenden Moment in der Entwicklung der Band dokumentiert, sondern auch den ursprünglichen Funken bewahrt, der ihr bislang ambitioniertestes Werk entfacht hat.

Wer offen für Meditation und Klänge à la Jean-Michel Jarre ist, darf dieser Platte gerne ein Ohr leihen. Für den traditionellen Blood Incantation Fan sind die vier Tracks ein Schuss in den Ofen – garantiert! Die Veröffentlichung wird in verschiedenen Formaten erhältlich sein, darunter eine Blu-ray-Edition, Vinyl-Varianten und ein digitales Album.
Oliver H.


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Samstag, 06 Juni 2026 05:25

ACHTUNG: Das wird eine lange Rezension des neuen Albums von Trelldom (700+). Das muss sie einfach sein. Nicht, weil ich intellektuell klingen will, sondern weil ich manchmal das Gefühl habe, einer der wenigen Irren zu sein, die sich freiwillig tief genug in solche musikalischen Abgründe wagen, um überhaupt beschreiben zu können, was hier eigentlich passiert. Denn «...by the word...» weigert sich konsequent, als blosses Hintergrundgeräusch zu funktionieren.

Das ist keine Musik für Leute, die beiläufig durch Playlists scrollen, während sie auf ihr Handy schauen. Es ist Musik für Zuhörer, die bereit sind, tief einzutauchen – in Atmosphäre, Unbehagen, Spannung, Abstraktion und jene seltsamen Orte, an denen Metal aufhört, sich wie Metal zu verhalten. Auf diesem Album passiert so viel, dass es fast unehrlich wäre, es auf "gut" oder "schlecht" zu reduzieren. Also STOP hier oder... – sind das die Metal-Söhne von King Crimson? Ehrlich gesagt, manchmal fühlt es sich wirklich so an.

Trelldom haben sich mittlerweile so weit vom konventionellen norwegischen Black Metal entfernt, dass Genre-Puristen vielleicht gar nicht mehr wissen, wie sie das hier nennen sollen. Und vielleicht ist genau das der Punkt. Unter der Leitung von Gaahl scheint die Band nicht mehr daran interessiert zu sein, die Vergangenheit nachzubilden. Stattdessen fühlt sich «...by the word...» wie ein bewusster Versuch an, musikalische Komfortzonen zu zerstören und sie durch Unsicherheit, Unbehagen und hypnotisches Eintauchen zu ersetzen.

Der Eröffnungstrack «When This Was Young» klingt wie das Betreten einer verbotenen Kammer unter einer einstürzenden Kathedrale. Seltsame Drones, ritualistische Percussion und ferne Texturen tauchen langsam aus der Dunkelheit auf, während Gaahl Worte vorträgt, die eher wie Beschwörungsformeln als wie Songtexte wirken. Die Spannung entsteht nicht durch Geschwindigkeit oder Brutalität, sondern durch das ständige Gefühl, dass die Musik jeden Moment ausser Kontrolle geraten könnte.
Und dann kommt das Saxophon.

Nun kann ein Saxophon im Metal leicht zu unerträglicher Spielerei verkommen. Hier jedoch sind die Beiträge von Kjetil Møster absolut essenziell für die Identität des Albums. Sein Spiel sitzt nicht ‘auf’ der Musik, sondern durchdringt sie. Manchmal klingt das Instrument wie eine ferne Warnsirene, die durch den Nebel schwebt. An anderen Stellen verhält es sich fast wie ein zweiter Sänger, der sich innerhalb der Songs mit Gaahl streitet.

In Kombination mit dem phänomenalen Schlagzeugspiel von Kenneth Kapstad, dessen Jazz-Hintergrund die Rhythmen ständig in unerwartete Richtungen lenkt, entwickelt das gesamte Album einen bizarren Puls, der irgendwo zwischen Progressive Rock, experimentellem Jazz und psychologischem Horror angesiedelt ist.

Und ja, Vergleiche mit King Crimson lassen sich manchmal nicht vermeiden. Nicht, weil Trelldom sie klanglich kopieren, sondern weil sie dieselbe furchtlose Bereitschaft teilen, Strukturen zu zerlegen und sie zu etwas beunruhigend Fremdem wieder aufzubauen. Der Unterschied besteht darin, dass Trelldom diesen Geist in eine von skandinavischer Dunkelheit und existenziellem Verfall durchtränkte Atmosphäre einfliessen lassen.

Gaahl selbst dürfte viele Zuhörer am meisten überraschen. Wer endloses, dämonisches Kreischen im Stil alter Gorgoroth Alben erwartet, sollte sich auf etwas völlig anderes gefasst machen. Ein Grossteil des Albums stützt sich auf gesprochene Passagen, zurückhaltenden Klargesang, Flüstern und unheimliche Gesangsüberlagerungen. Das Ergebnis ist seltsam intim und zutiefst beunruhigend. Es klingt weniger wie ein Frontmann, sondern eher wie eine Gestalt, die die Hörer tiefer in einen zunehmend instabilen Traum führt.

Stücke wie «By The Word» und «Folding The Mind» werden so zu fast rituellen Erlebnissen statt zu traditionellen Songs. Das Album zieht uns ständig nach innen, anstatt nach aussen zu explodieren. Selbst die härteren Momente vermeiden billige Effekthascherei. Trelldom versuchen nicht, allein durch Aggression zu schockieren, sondern sie wollen psychologische Immersion erreichen. Sie wollen Spannung. Sie wollen Desorientierung.

Was das Album besonders faszinierend macht, ist, dass es sich trotz aller Experimente immer noch organisch anfühlt. Die Produktion wirkt nie übermässig poliert oder steril. Kenneth Kapstads Schlagzeug klingt warm, körperlich und lebendig. Das analoge Gefühl der Percussion verleiht dem gesamten Album einen Puls, der den umgebenden Wahnsinn geerdet genug hält, um immersiv zu bleiben, statt in bedeutungsloses Chaos zu versinken.

Auch die physische Aufmachung verdient Erwähnung. Das 36-seitige Hardcover-CD-Artbook erweitert das Erlebnis laut Berichten visuell durch kuratierte Kunstwerke unter der Leitung von Gaahl selbst. Dadurch wird das Album eher zu einem vollständigen künstlerischen Statement als zu einer weiteren Extreme-Metal-Veröffentlichung.

«...by the word...» wird daher zu einem unglaublich lohnenden Abstieg in die Dunkelheit. Verworren? Auf jeden Fall. Verrückt? Ohne Frage. Vergesst die üblichen Genre-Definitionen! Trelldom erschaffen etwas weitaus Seltsameres.
Lukas R.


https://www.youtube.com/embed/qBB9R03uDoo

Samstag, 06 Juni 2026 05:15
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v. 10 Punkten: 8.4

Auch nach zwei Jahrzehnten im Geschäft klingen ELDER immer noch auf die bestmögliche Weise unruhig. Mit «Through Zero» erweitern sie ihre charakteristische Mischung aus schwerem Psychedelic Rock, progressiven Strukturen und hypnotischem Groove zu etwas Wärmerem,

Weltraumartigerem und überraschend Mitreissendem. Massive Riffs stehen nach wie vor im Mittelpunkt, besonders bei Stücken wie «Sigil To Ruin». Doch das Album gleitet zunehmend in synthlastige Atmosphären und fliessende, kosmische Passagen ab.

«Capture/Release» besticht durch seinen motorischen Puls und die endlos kreisende Gitarrenarbeit, während sich der Titeltrack langsam durch mehrere Sätze entfaltet, bevor er einen lohnenden Höhepunkt erreicht. «Strata» sorgt mit einer der eindringlichsten Darbietungen des Albums für einen weiteren Schwung.

Nicht jeder Moment trifft gleich stark – der Schlussabschnitt driftet gelegentlich zu sehr in Jam-Gefilde ab – doch das stärkste Material bestätigt Elder als eine der abenteuerlustigsten und unverwechselbarsten Bands des modernen Heavy Psych.
Lukas R.


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Freitag, 05 Juni 2026 04:45

Nach mehr als zehn Jahren melden sich SLEEPING PULSE mit «Dreams & Limitations» zurück. Mick Moss und Luís Fazendeiro verbinden darauf erneut nordenglische Melancholie mit portugiesischer Wärme und schaffen ein progressives Dark Rock Album, das eher zum Eintauchen und Nachdenken einlädt, als einfach nur zu unterhalten.

Zuhörer, die mit Antimatter vertraut sind, werden Moss' unverkennbares Talent sofort erkennen, emotionale Erschöpfung in Atmosphäre zu verwandeln. Es gibt auch Momente auf dem Album, die an die introspektive Seite der späten Katatonia erinnern – nicht, weil Sleeping Pulse sie musikalisch imitieren, sondern weil sie ähnlich verstehen, wie Traurigkeit durch Zurückhaltung, Raum und Wiederholung statt durch blosse Schwere vermittelt werden kann. Bei manchen Momenten kommen einem unweigerlich auch unsere grossartigen Kissin' Black in den Sinn.

Der Titeltrack eröffnet das Album beinahe vorsichtig und entfaltet langsam Schichten aus akustischer Zerbrechlichkeit, subtiler Elektronik und zurückhaltender Spannung. «Rise» folgt mit einem der zentralen Themen des Albums: der untrennbaren Beziehung zwischen Leben und Tod. Anstatt existenzielle Angst in theatralischen Untergang zu verwandeln, wirkt der Song seltsam meditativ.

Bereits mit dem ersten richtigen Song wird klar, dass «Dreams & Limitations» ein klassisches Love-it-or-hate-it-Album ist. Vor allem Mick Moss' markante, fragile Stimme entscheidet sofort darüber, ob man komplett in diese melancholische Welt eintaucht – oder emotional auf Distanz bleibt. «Illuminate» führt eine wärmere, hoffnungsvollere emotionale Strömung ein, ohne den melancholischen Kern des Albums aufzugeben.

Das emotionale Herzstück bleibt für mich «The Butterfly Collector». Als jemand, der den Instinkt versteht, bedeutungsvolle Dinge zu sammeln und zu bewahren, fand ich diese Metapher besonders kraftvoll. Der Song erkundet auf stille Weise das tragische menschliche Verlangen, an Schönheit, Erinnerungen und Emotionen festzuhalten, lange nachdem das Leben selbst weitergegangen ist. Die zarten Flötenpassagen und das traumhafte Tempo machen ihn zu einem der eindringlichsten Erlebnisse des Albums.

«Behind The Glass» wird zu einem weiteren emotionalen Momente der Platte und fängt emotionale Isolation mit bemerkenswerter Subtilität ein. «Extrasolar» erweitert die Atmosphäre um ein fast kosmisches Terrain und fügt ein Gefühl von Distanz und Einsamkeit hinzu, das perfekt zur nachdenklichen Stimmung des Albums passt.

Schliesslich beschliesst «When I Am Young Again» das Album mit bittersüsser Eleganz statt mit dramatischer Katharsis. Er hinterlässt das Gefühl, durch verblassende Fotografien auf das Leben zurückzublicken: schmerzhaft, schön und unmöglich, es vollständig zurückzugewinnen.

«Dreams & Limitations» ist langsame, geduldige, emotional intelligente Musik für Zuhörer, die den fragilen Raum zwischen Melancholie und Trost zu schätzen wissen. Höre jetzt, sterbe später.
Lukas R.


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https://www.youtube.com/embed/1NIfX3kLWlM

Freitag, 05 Juni 2026 04:35
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v. 10 Punkten: keine Wertung

Die Zusammenarbeit von Metal-Bands mit Orchestern ist mittlerweile fast schon zur Routine geworden. Dennoch unterscheidet sich «Symphonique» deutlich von diesen vorhersehbaren "Greatest Hits mit Streichern" Produktionen («Moments Of Glory» mit den Scorpions – autschhh!!!). Live im Juni 2025 mit dem Quebec Symphony Orchestra aufgenommen, klingt diese Veröffentlichung wie eine natürliche Erweiterung von VOIVODs bizarrem, musikalischem Universum.

Seit Jahrzehnten bewegen sich Voivod in einer fast ganz eigenen Kategorie und verschmelzen dissonante Thrash-Riffs, progressive Strukturen, Punk-Energie und dystopische Science-Fiction-Atmosphäre zu etwas Unverwechselbarem. Diese Elemente besitzen bereits auf ihren Studioalben eine seltsam filmische Qualität, doch hier verstärken die Orchester-Arrangements jeden Aspekt dieses Sounds. Das Ergebnis ähnelt oft dem Soundtrack einer zusammenbrechenden futuristischen Welt.

Was «Symphonique» so gut funktionieren lässt, ist die Weigerung, auf Nummer sicher zu gehen. Das Orchester sitzt nicht einfach im Hintergrund und sorgt für harmlose Dekoration. Blechbläser, Streicher und Percussion verstärken aktiv die Spannung und Instabilität innerhalb der Songs. Tracks wie «Experiment» und «Tribal Convictions» werden zu gewaltigen, chaotischen Konstruktionen, in denen Metal und klassische Musik ständig gegeneinander drängen. Anstatt die Kanten abzurunden, verstärkt das Orchester die Dissonanz und Fremdartigkeit der Songs so stark, dass manche Passagen fast körperlich unangenehm wirken.

Besondere Erwähnung verdient Snakes Performance. Seine theatralische Präsenz lässt sich überraschend gut allein über den Ton vermitteln und verleiht vielen Passagen das Gefühl eines verstörten Erzählers, der die Zuhörer durch eine kosmische Katastrophe führt. Gleichzeitig klingt die Band während der gesamten Performance energiegeladen und messerscharf.

Die visuelle Inszenierung spielt bei diesem Live-Erlebnis eine zentrale Rolle. Betrachtet man zusätzlich die Aufnahmen auf YouTube, entsteht stellenweise beinahe der Eindruck, dass ohne die Animationen und das monumentale Bühnenspektakel ein Teil der eigentlichen Wirkung verloren geht. Dennoch bleibt das Album als rein musikalisches Erlebnis bemerkenswert wirkungsvoll, besonders bei hoher Lautstärke.

Es ist kein leichtes oder zwangloses Hörerlebnis. Es ist dicht, exzentrisch und unverhohlen ambitioniert. Für Zuhörer, die abenteuerliche Musik irgendwo zwischen King Crimson, Meshuggah, Tool und klassischer dystopischer Science-Fiction schätzen, ist «Symphonique» jedoch eine der faszinierendsten Live-Metal-Veröffentlichungen der letzten Jahre.
Lukas R.


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https://www.youtube.com/embed/XCT087JVsiM

Freitag, 05 Juni 2026 04:25
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v. 10 Punkten: 8.6

Verbringt mal ein Wochenende an einem Ort wie der Brøndby Strand Station. Da herrscht Verfall, Sucht, Alkoholismus und zerbrochenes Leben. Nur selten liest man darüber, wie es in der Umgebung von Vorortbahnhöfen wirklich zugeht, wie heruntergekommen die Gebäude sind und wie sehr viele der dort lebenden Menschen in Mitleidenschaft gezogen wurden. Genau diesem Thema nimmt sich die dänische Death Metal Truppe THORIUM auf ihrem siebten Album «Suburban Rot» an.

Das Album markiert drei Jahrzehnte kompromissloser Präsenz in der skandinavischen Underground-Szene und ist ihr bisher düsterstes und persönlichstes Werk. «Suburban Rot» entstand über einen längeren Zeitraum hinweg und zeigt eine Band, die nach wie vor von derselben Wut, Energie und Authentizität getrieben wird, die Thorium von Anfang an umgibt. Musikalisch spiegeln die zehn Tracks sowohl die Wurzeln der Band als auch die Geschichte des dänischen Extreme Metal wider. Jens Peter "JP” Storm (g) bringt das Erbe seiner Zeit bei Dominus mit, der Band, aus der später Volbeat hervorging, während der andere Axtschwinger Jose Cruz einen dunkleren, groovigen und melodischen Touch einbringt, der von seinem spanischen Hintergrund geprägt ist.

Die Rhythmus-Sektion besteht aus dem seit den frühen 1990er Jahren aktiven Schlagzeuger Daniel Preisler, ebenfalls ehemaliges Mitglied von Dominus, und dem Bassisten Jesper Nielsen, bekannt von Psy:Code. Für die düsteren "Vokills" ist Michael Hvolgaard Andersen verantwortlich, der ziemlich gut mit den verschiedenen Stimmungen spielt. Die aktuelle Besetzung ist noch dieselbe, die Thoriums von der Kritik gefeiertes Album «Danmark» aus dem Jahr 2022 aufgenommen hat, das auf Platz #7 der offiziellen dänischen Vinyl-Charts einstieg und viel Lob erhielt.

Gleichzeitig stellt sie das am längsten beständige Line-up in der Bandgeschichte dar. Hoffentlich bleibt das noch lange so, denn der Fünfer ist deftiger unterwegs denn je, und bekräftigt mit «Suburban Rot» seine Position als eine der beständigsten Kräfte im dänischen Death Metal. Der Longplayer wurde von Gitarrist JP Storm produziert und vom renommierten Produzenten Tue Madsen im Antfarm Studio gemischt und gemastert, was dem Album einen vernichtenden und dennoch detailreichen Klangcharakter verleiht.

Das Artwork stammt vom venezolanischen Künstler John Quevedo Janssens und spiegelt visuell die Themen des Albums wider: den Verfall der Stadt und den Zusammenbruch des Menschen. «Suburban Rot» ist ein kompromissloses Statement, das nach dreissig Jahren Band-Karriere beweist, dass Thoriums Feuer stärker brennt als je zuvor!
Oliver H.


https://www.youtube.com/embed/ASps0YMBZF4

Freitag, 05 Juni 2026 04:15
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v. 10 Punkten: 7.0

Moderner, frischer Punk nach den letzten Jahren mit Frank Carter & The Rattlesnakes? Meinen eigenen Spotify-Jahresstatistiken zufolge waren sie im 2025 die am häufigsten gespielte Band in meiner Auto-Playlist.

Doch nun ist Frank weg - zumindest von den Snakes - und hat sich der überlebenden Grossvater-Generation des Punk bei den Sex Pistols angeschlossen, um der legendären, aber alternden Institution etwas dringend benötigte Jugend zu bringen. Die Frage bleibt also: Gibt es derzeit jemanden, der dieselbe Mischung aus Gefahr, Charisma und unvergesslichen Songs liefert?

DEATH LENS versuchen es auf jeden Fall. «What's Left Now?» steckt voller moderner Punk-Zutaten: Frustration, soziale Spannungen, emotionale Erschöpfung, gewaltige Refrains und genug Rohheit, um schweisstreibende Club-Shows anzuheizen. Die Band aus Los Angeles kombiniert Punkrock, Post-Hardcore und Alternative-Einflüsse in Songs wie «Am I A Drug To You» zu einem Sound, der eindeutig in der Gegenwart verankert ist, statt einfach die Vergangenheit zu recyceln.

Das Problem ist nicht die Energie. Die Wut ist da. Das politische Bewusstsein ist da. Auch die musikalische Qualität ist solide. Aber im Vergleich zu Frank Carters bestem Material fehlt etwas, vor allem in Bezug auf Persönlichkeit und Songwriting. Frank Carter hatte immer diese gefährliche Selbstsicherheit und emotionale Unberechenbarkeit, durch die selbst schwächere Songs noch seine unverkennbare Präsenz trugen. Im Vergleich dazu wirken Death Lens oft kontrollierter und austauschbar innerhalb der heutigen Post-Punk- und Alternative-Punk-Landschaft.

Es gibt hier starke Momente. «Debt Collector» trifft hart, «Power» hat echten Drive und die persönlicheren Tracks verleihen dem Album emotionale Tiefe. Doch allzu oft bleiben die Songs knapp davor stehen, wirklich unvergesslich zu werden. Man geniesst das Album, während es läuft, doch nur wenige Momente bleiben einem danach wirklich im Gedächtnis.

Dennoch ist «What's Left Now?» ein respektables, modernes Punk-Album, das sich durch genügend Authentizität und Dringlichkeit von einem Grossteil der überpolierten heutigen Szene abhebt. Es erreicht vielleicht nicht das Charisma oder die Songwriting-Brillanz von Frank Carter & The Rattlesnakes auf ihrem Höhepunkt, beweist aber, dass im zeitgenössischen Punk noch Leben steckt.
Lukas R.


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Donnerstag, 04 Juni 2026 04:45
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v. 10 Punkten: 8.6

Ich muss zugeben, dass SHINEDOWN und ich eine lange, gemeinsame Geschichte teilen. Es gab eine Zeit, in der ich mir jedes Album, das sie herausbrachten, ohne zu zögern kaufte.

Sie gehörten zu den Bands, die stets eine Handvoll grossartiger Songs lieferten – eine Zeit lang war das mehr als genug. Aber viele Radio-Bands stossen irgendwann auf dasselbe Problem. Die Formel funktioniert so gut, dass sie sie immer wiederholen. Eines Tages merkt man dann, dass die Songs zwar immer noch gut sind, die Begeisterung aber nicht mehr ganz dieselbe ist. Genau das war meine Sorge, als ich mich «EI8HT» näherte.

Auf dem Papier wirkt dieses Album fast schon übertrieben. Achtzehn Songs und weit über eine Stunde Musik sind eine Menge, die man von jedem Zuhörer verlangt. Doch Shinedown gehen diese Herausforderung mit Zuversicht an. Anstatt achtzehn Variationen derselben Arena-Rock-Hymne zu liefern, erkunden sie verschiedene Richtungen. Es gibt die erwarteten Hardrock-Tracks, die um Brent Smiths kraftvolle Stimme und gewaltige Refrains herum aufgebaut sind. Daneben gibt es aber auch Anklänge von Country, Pop, theatralischem Rock und sogar gelegentliche elektronische Texturen.

Eine Stärke von «EI8HT» ist, dass es nie so klingt, als würde die Band auf Autopilot laufen. Auch nach mehr als zwanzig Jahren Karriere scheinen Shinedown experimentierfreudig zu sein, wobei diese Experimente stets in ein sehr zugängliches Gesamtpaket verpackt bleiben. Songs wie «Three Six Five» zeigen, warum die Band das Rockradio weiterhin dominiert, während härtere Stücke wie «Dance, Kid, Dance» die Hörer daran erinnern, dass unter der polierten Produktion immer noch Biss steckt.

Gleichzeitig schadet sich «EI8HT» mit seiner Überlänge selbst. Achtzehn Songs führen zwangsläufig zu Wiederholungen, und nicht jeder Titel rechtfertigt seine Existenz. Dazu kommt die erstaunliche Gleichförmigkeit der Spielzeiten: Fast alles bewegt sich um die Vier-Minuten-Marke. Das wirkt weniger wie künstlerische Freiheit als vielmehr wie das Werk einer Band, die seit Jahren genau weiss, welche Formel im Radio am besten funktioniert. «EI8HT» ist wie eine XXL-Popcornbox im Kino. Die ersten Handvoll machen Spass, aber gegen Schluss wünscht man sich vor allem etwas anderes zu essen.

Was ich jedoch schätze, ist die Aufrichtigkeit. Im Gegensatz zu vielen modernen Rockbands, die Trends hinterherlaufen, klingen Shinedown nach wie vor voll und ganz von dem überzeugt, was sie tun. Sie glauben an diese Songs, und diese Überzeugung trägt das Album durch seine schwächeren Momente.

Wird «EI8HT» Leute überzeugen, die Shinedown nie verstanden haben? Wahrscheinlich nicht. Aber wird es die riesige Fangemeinde der Band zufriedenstellen? Auf jeden Fall. Und für Zuhörer wie mich, die einst jede Veröffentlichung sammelten, bevor sie sich schliesslich von der Band abwandten, dient es als willkommene Erinnerung daran, warum diese Band so erfolgreich wurde. Ich bin nicht mehr so besessen wie früher, aber nachdem ich mir «EI8HT» angehört habe, kann ich zumindest immer noch nachvollziehen, warum die Arenen bei Shinedown Konzerten weiterhin voll sind.
Lukas R.


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Donnerstag, 04 Juni 2026 04:35
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v. 10 Punkten: 8.8

Der Multi-Instrumentalist sowie Produzent und Hauptsongwriter von Pineapple Thief legt hier ein durchdachtes, persönliches und meist sehr ruhiges Album vor. Auf der Basis von Akustik-Gitarren und Gesang zeigt BRUCE SOORD seine gefühlvolle, verletzliche Seite mit berührend traurig-schönen Melodien.

Oft mit dezenten Drums untermauert. Ab und zu hört man auch gefühlvolle E-Gitarren-Soli wie bei «Kept Me Thinking», die dann zum Träumen schön sind. Hört man sich akustische Nummern wie «Stared Down» an, ist man gefesselt, wagt kaum zu atmen. Der Schmerz in der Musik des Engländers wird greifbar, dessen Vater eine schwere, lange Krankheits-Phase plagte und die Mutter an Alzheimer litt, einer nach wie vor unberechenbaren Krankheit.

All dies steckt in der Musik des Briten, der hier alle Instrumente selber eingespielt hat, ausser einem Beitrag am Bass von Jon Sykes. Alle neun Songs fesseln den Zuhörer und ziehen mit der zarten Musik jeden und jede in den Bann. Unglaublich schöne und traurige Melodien prägen den ganzen Rundling. Bruce ist mit «Ghosts In The Park» ein sehr persönliches und tiefschürfendes Werk gelungen, das einen direkt auf eine Seelenreise mitnimmt.
Crazy Beat


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Donnerstag, 04 Juni 2026 04:25

Mit ihrem neuen, selbstbetitelten Album kommen RESTLESS SPIRIT direkt auf den Punkt: Riffs, Groove und eine klare Ausrichtung. Das Album beginnt mit dichten Midtempo-Gitarrenlinien, die im klassischen Doom verwurzelt wirken, aber eine schärfere, modernere Note haben. Es verschwendet keine Zeit, um den Ton anzugeben.

Die Gitarrenarbeit bildet durchgehend das Rückgrat. Der Klang ist warm, aber schwer und liegt irgendwo zwischen dem Fuzz des Stoner Metal und der Wucht des traditionellen Heavy Metal. Die Riffs sind direkt und einprägsam. Oft bauen sie eher auf starken rhythmischen Mustern als auf übermässig komplexen Strukturen auf. Gleichzeitig gibt es genügend Abwechslung – kleine melodische Wendungen, mehrstimmige Leads und gelegentliche Harmonien – damit das Album nicht zu vorhersehbar wird.

Auch die Rhythmusgruppe verdient Anerkennung. Der Bass folgt nicht nur den Gitarren, sondern verleiht dem Ganzen Gewicht und Bewegung, während das Schlagzeug groovige Muster spielt und mit subtilen Fills die Songs lebendig hält. Die Band weiss, wann sie sich zurückhalten und wann sie vorantreiben muss, wodurch das Album einen natürlichen Fluss erhält.

Gesanglich sorgt Paul Aloisio für Bodenhaftung. Sein Gesang ist melodisch, verliert aber nie an Biss und passt sich der Musik an, ohne sie zu dominieren. Dieser Ansatz funktioniert besonders gut in Stücken wie «Red In Tooth And Claw» und «Desolation's Wake», in denen der Gesang den Groove mitträgt, statt gegen ihn anzukämpfen.

Es gibt auch ruhigere Momente, akustische Breaks und offenere Passagen, die den härteren Abschnitten mehr Wucht verleihen, wenn diese wiederkehren. Die längeren Stücke, insbesondere «Phantom Pain», zeigen, wie die Band Atmosphäre aufbaut, ohne den Fokus zu verlieren.

Insgesamt ist «Restless Spirit» ein gut gespieltes Album, das sich auf solides Songwriting und eine präzise Umsetzung konzentriert. Es wird Euch nicht überraschen, aber es liefert genau das, was Ihr erwartet: harte, groovige Musik.
Lukas R.


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Donnerstag, 04 Juni 2026 04:15

Man nehme Chicago, Journey, Starship, Styx, Survivor oder Boston und Ihr wisst, was Euch GENERATION RADIO bieten, nämlich flüssigen Hard Rock mit fetten Chören und der nötigen Portion Härte, ohne gleich als Weichspüler für die Waschmaschine oder als kommendes Haarpflege-Produkt durchzugehen.

Die zwölf Songs machen Spass, stossen dabei immer wieder die Türe zum Country auf und hinterlassen einen mehr als nur vorzüglichen Eindruck. Klar, den meisten Metallern wird dies gehörig am Allerwertesten vorbeigehen, aber wenn man bedenkt, wie viele Thrasher mal zur Abwechslung als Country-Musiker unterwegs sind, sollte man sich doch vielleicht einmal mit den Songs der Amis auf ihrem neuen Album «Take Two» auseinandersetzen.
Tinu

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Mittwoch, 03 Juni 2026 04:45
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v. 10 Punkten: keine Wertung

Der kanadische Metal-Freak DEVIN TOWNSEND hat seine Karriere auf unterschiedlich kreativen Welten aufgebaut. Heavy Metal Alben, atmosphärische Abstecher, charakterbasierte und oft wahnwitzige Veröffentlichungen gehören zu seinem ansehnlichen Backkatalog.

Dieses Album mit 24 Stücken begann vor mehr als einem Jahrzehnt als vage Vision. Es existierte in Devin Townsends Hinterkopf als sein Lebenswerk. Dann, vor etwa sechs Jahren, nach einem Akustik-Konzert in Amsterdam, wurde Townsend vom Leiter des nordniederländischen Orchesters und Chors kontaktiert, der ihm ein Angebot unterbreitete: Devins umfangreiche Diskographie mit Orchester zu bereichern. Wie so oft, ist auch «The Moth» kein leicht verdaulicher Stoff. Hört man sich Songs wie «War Beyond The Words» an, versteht man, was ich meine.

Das orchestrale Album, das teilweise mit Musical-Charakter oder mal mit einem eher sekundären Metal-Einfluss daherkommt, klingt gross und mächtig, natürlich begünstigt durch das niederländische Orchester. Man höre sich da nur mal den Titelsong an. Die 24 Tracks wirken allerdings oft etwas willkürlich zusammengemixt, und dadurch braucht es viel Zeit, alles zu verstehen wie zu verarbeiten. Aber von Devin ist man ja meistens nichts anderes gewohnt. Unterstützung bekommt der Meister von Steve Vai und der wunderbaren Anneke Van Giersbergen, die unter anderem beim 8-minütigen «Covered By Causes» eine klasse Darbietung liefert. 

Die Symbiose zwischen Orchester, fetten Chören und Gitarren, so wie dies bei «Orion» zelebriert wird, ist schon beachtlich. Hinter «The Moth» steckt auf jeden Fall viel Arbeit und Herzblut des Ausnahme-Künstlers. Da ist dem Kanadier mit dem "North Netherlands Ochestra & Choir" ein wirklich grossartiges, mächtiges Stück Musik gelungen. Nicht nur für Fans von Devin Townsend interessant.
Crazy Beat


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https://www.youtube.com/embed/wdhwXKtVBR0

Mittwoch, 03 Juni 2026 04:35

Was für ein Brett! Ich nehme es gleich vorweg: Fans von Nevermore oder Iced Earth dürften an HEAVENFALL ihre wahre Freude haben. Heavy Metal vom Feinsten!

Kraftvolle Riffs, gepaart mit punktuellen Doublebass-Drum-Attacken. Eine Stimme, die hoch und tief beherrscht, ohne andauernd in den höchsten Tönen verweilen zu müssen. Und eingängige Melodien, welche nicht immer wiederholend auf denselben Melodiebögen schweben. Die Songs weisen allesamt sehr starke Arrangements auf. Zwischendurch mal zweistimmige Gitarren.

Hin und wieder wird es leicht progressiv, wo sich Breaks und Tempowechsel nachjagen. Ja, man hört es den Songs an, dass Heavenfall schon einige Erfahrung haben. Obwohl dies erst ihr zweites Album ist, wurde die Band schon vor über zwei Jahrzehnten gegründet, und das fällt einfach auf. «Thorn» ist ein Album mit so vielen Variationen und Nuancen in den verschiedenen Stücken, dass man sich gerne hinsetzt und zuhört.
Björn


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Mittwoch, 03 Juni 2026 04:25

AURORA BOREALIS sind seit drei Jahrzehnten im Geschäft, und «Disillusioned By The Illusion» klingt wie das Werk einer Band, die weiss, wie sie ihre Erfahrung als Trumpf ausspielen kann, ohne allzu vorhersehbar zu werden.

Anstatt sich auf ein strenges Konzept zu stützen, wirkt dieses Album unmittelbarer und unberechenbarer. Jeder Song darf dabei nach seinen eigenen Regeln wirken. Diese Herangehensweise verleiht der Platte eine rastlose Energie. Mal stürmt sie mit präzisen, schneidenden Riffs und wütenden Blastbeats voran, dann öffnet sie sich wieder zu dunkleren, atmosphärischeren Passagen, die der Musik eine breitere, beinah kosmische Reichweite verleihen. Das keifende Gekreische des Sängers bleibt dabei immer gleich.

Was diese Veröffentlichung aus der Masse ein bisschen heraushebt, ist die Art und Weise, wie sie zwischen der Härte des Black Metal, der Wucht des Death Metal und Thrash-getriebenen Momenten wechselt. Viele Bands versuchen diese Elemente zu kombinieren und klingen am Ende unkonzentriert. Aurora Borealis hingegen lassen es kohärent wirken. Das Spiel ist präzise, wirkt auf mich aber trotzdem steril.

Die Produktion ist klar genug, um die Details hervorzuheben, und die Songs behalten dennoch genügend Biss. Fans von unerbittlichem, aber durchdachtem Black/Death Metal werden hier auf Disillusioned By The Illusion» viel zu bewundern finden. Neulinge im Genre werden vielleicht nicht begeistert sein, diejenigen jedoch, die sich bereits zu Intensität mit Tiefe hingezogen fühlen, werden es absolut hören wollen.
Lukas R.


https://www.youtube.com/embed/lyJ_95H8sac

Mittwoch, 03 Juni 2026 04:15
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v. 10 Punkten: keine Wertung

Knapp ein Jahr ist es her, seit ich ALIEN am "Sweden Rock Festival" gesehen habe. So ganz haben mich die AOR-Rocker aus Schweden damals aber nicht vom Hocker gehauen. Den einheimischen Fans war dies jedoch scheissegal, denn sie feierten ihre Helden lautstark ab, was auch auf dem vorliegenden Live-Dokument zu hören ist.

Quer durch ihre Schaffensphase bewegen sich Sänger Jim Jidhed und seine Jungs. Eine grosse Inspirationsquelle für die Nordländer war garantiert der amerikanische AOR Hard Rock, und so erinnern die Tracks («Brave New Love», «Dying By The Golden Rule») immer wieder an Survivor, REO Speedwagon, Boston oder Styx. Dass die Musiker ihre Instrumente beherrschen, hört man jeder Note an, speziell wenn Gitarrist Tony Borg zu einem seiner feinfühligen Solos ansetzt.

Anregend wird es auch, wenn die Truppe zu flotteren Nummern wie «Go Easy» oder «I Belong To The Rain» übergeht. «Live At Sweden Rock Festival» ist ein gediegenes Live-Album, nicht nur für die Schweden, sondern eines für die Welt. Hier wird beste Unterhaltung geboten und lässt Zuhörer wie Zuhörerinnen in eine angenehme Welt eintauchen, was in der aktuellen Zeit einmal mehr wieder sehr wichtig ist.
Tinu

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https://www.youtube.com/embed/bJ_hqTxwAEY

Dienstag, 02 Juni 2026 04:45
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v. 10 Punkten: 8.3

Die schwedische Band Monolord hat schon immer die Kunst beherrscht, Wiederholungen in Hypnose zu verwandeln. Doch «Neverending» fühlt sich von den ersten Minuten an anders an.

Die erdrückende Schwere ist nach wie vor vorhanden: langsame Riffs, gewaltige Basslinien und dieser vertraute melancholische Schleier. Doch diesmal klingt die Band seltsam erfrischt, beinahe so, als hätte sie sich von ihren eigenen Doom-Traditionen befreit. Nach fünf Jahren der Stille kehrt das Trio nicht nur härter, sondern auch abenteuerlustiger zurück.

Produzentin Sylvia Massy hat diesem Album eindeutig ihren Stempel aufgedrückt. Der Sound ist breiter, druckvoller und weitaus dynamischer als auf früheren Veröffentlichungen. Tracks wie «Iodine» flirten mit gigantischen 70er-Jahre-Rock-Atmosphären, anstatt endlos um ein Riff zu kreisen. «You Bastard» verbindet überraschend direkte Grooves mit emotional erschütternden Themen. Monolord bewegen sich immer noch langsam, doch die Songs atmen nun natürlicher und wechseln die Stimmungen, anstatt die Hörer unter Wiederholungen zu begraben.

Was «Neverending» auszeichnet, ist seine emotionale Ehrlichkeit. Thomas Jägers Texte entfernen sich von abstrakten Doom-Bildern und handeln von persönlichem Verlust, zerbrochenen Beziehungen und Trauer. Dadurch erhält das Album einen menschlichen Kern, der bei älteren Alben nur angedeutet wurde. Der abschliessende Titeltrack mit den monströsen Growls von Jörgen Sandström drängt Monolord sogar in unerwartetes Sludge- und Death-Doom-Territorium, ohne dass die Band dabei ihre Identität verliert.

Das psychedelische Artwork von M.K. Cooper spiegelt das Album perfekt wider: nach wie vor düster und melancholisch, doch weitaus farbenfroher, emotionaler und weitläufiger als Monolords frühere Veröffentlichungen. Es wirkt wie ein verlorenes Poster aus einem Rockmagazin der 70er Jahre, das wieder zum Leben erweckt wurde - genau die Art von Cover, die man früher stolz an die Wand seines Schlafzimmers gehängt hätte. Ruft bei mir den Geist von «Argus» von Wishbone Ash herauf.

«Neverending» wird Hörer nicht zufriedenstellen, die reine Retro-Doom-Verehrung suchen. Aber für alle, die daran interessiert sind, eine Band zu hören, die sich weiterentwickelt, ohne ihre Identität aufzugeben, könnte dies Monolords bislang vollständigstes und emotional mitreissendstes Album sein.
Lukas R.


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Dienstag, 02 Juni 2026 04:35
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v. 10 Punkten: 7.5

Es war 1994 als die komplette Musikwelt begann verrückt zu spielen. Melodien, gute Rocksong und eine grosse Produktion waren ungefähr so erwünscht, wie ein Pickel am Arsch. Klein Tinchen war desillusioniert, betreffend der Musikwelt.

Seine Helden waren entweder im Bermudadreieck verschwunden oder kämpften mit der eigenen Identität. Der unbeugsame Metalhead war knapp davor sich dem aktuellen Geschehen zu unterwerfen, entschied sich aber sein eigenes Magazin (Thunder) aus dem Boden zu stampften um den Leute zu zeigen, wer den richtigen Metal und Rock schmiedet. Zur gleichen Zeit veröffentlichten die Deutschen FRONTLINE ihr erste Album.

AOR war bis anhin nicht so sein Ding (das von Klein Tinchen), aber die Melodien von «State Of Rock» liessen den "Gallier" nicht mehr los. Sänger Stephan Kämmerer und Gitarrist Robby Böbel (Evidence One, Phantom V) hatten die richtige Mischung gefunden um aus schönen Melodien und kernigen Riffs, sowie einer grandiosen Stimme, Rockmusik zu kreieren, welche Tinchen darin bestärkte, dass die Welt noch nicht ganz verloren war und nicht dem Grunge zu Opfer fallen würde. Zwischen 1994 und 2006 veröffentlichten Frontline acht Alben.

Knapp 20 Jahre später geht Stephan wieder in die Offensive und releast nach dem Tod von Robby (2022) ein weiteres Werk. Darum ist «Rebirth» in vielerlei Hinsicht eine spezielle Scheibe für die Band. Noch immer mischen sich geniale Gitarrenriffs mit feinen Melodien und der nach wie vor aussagekräftigen Stimme von Stephan zu einer Einheit, die jeden Melodic und AOR Fan begeistern wird. Hört euch dazu «Stone And Feather», «Shattered Glass Dream», oder «Arc Of Lightning» an. Harem Scarem meets Survivor and Journey lassen aufhorchen und machen aus «Rebirth» mehr als nur ein gutes Album.
Tinu


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Dienstag, 02 Juni 2026 04:25
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v. 10 Punkten: keine Wertung

Live-Alben im Extreme Metal lassen sich oft in zwei Kategorien einteilen: Entweder es handelt sich um eine verschwommene Wand aus Lärm oder um eine höfliche Dokumentation korrekt gespielter Songs. «Darkness Alive» liegt irgendwo dazwischen – es fühlt sich an, als stünde man zu nah an der Bühne, während die Lichter in den Augen brennen und die Kick-Drum den Brustkorb durcheinanderwirbelt.

Die griechischen Symphonic-Extreme-Metaller übersetzen ihren theatralischen Studiosound in etwas Roheres und Gefährlicheres, ohne dabei die grandiose Atmosphäre zu verlieren, die sie auszeichnet. Keyboards und Chöre sind immer noch im Hintergrund präsent, wirken hier aber eher wie Gewitterwolken als wie polierte Ornamente.

«Crimson Dawn» und «Pentalpha» machen sofort klar, dass es sich nicht nur um eine Greatest-Hits-Aufnahme handelt: Die Tempi treiben voran, der Gesang klingt schärfer, beinahe konfrontativ. «Dark Web» wird live aggressiver und verliert etwas von seinem modernen Glanz zugunsten von Biss. «Into Hell Fire We Burn» wird zu einem echten Crowd-Ritual – der Refrain ist eindeutig für erhobene Fäuste und erschöpfte Stimmen gedacht.

Der Höhepunkt, «Dragona», entfaltet sich auf der Bühne auf dramatische Weise. Seine Black-Metal-Geschwindigkeit kollidiert mit epischem Tempo und mündet in einem Finale, das sich verdient anfühlt.

Die Aufnahme behält genug Unvollkommenheiten, um authentisch zu bleiben, ist aber klar genug, um die Musikalität zu würdigen. Fans der Pracht von Septicflesh oder der Zeremonien von Behemoth werden hier viel zu geniessen finden.

Für Gelegenheitshörer ist sie nicht unbedingt notwendig, aber für diejenigen, die Atmosphäre und Publikumsenergie schätzen, fängt Darkness Alive eine Band ein, deren Identität eher unter Konzertlichtern als in einem Tonstudio am natürlichsten zum Ausdruck kommt.
Lukas R.


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https://www.youtube.com/embed/HbzEp4PnwGE

Dienstag, 02 Juni 2026 04:15

«Divinity Of Lies» ist das zweite Album der Band aus Baden-Württemberg. Der Intro-Track hört sich gut an, und mit «Rise» geht's richtig zur Sache. Instrumental gut, die Stimme von Simon Schorp growlt sich durch den Song.

Bei «Something To Die For» bekommt man dann auch Simone Stuber das erste mal zu hören. Der Drummer weiss auch, was er tut - die Instrumente klingen kontrolliert. In der Mitte des Albums wechselt der Musikstil etwas - mir persönlich hätte es besser gefallen, wenn es im Stil der ersten 2, 3 Songs weitergegangen wäre. Am Ende kommt mit «Embers» ein zweiminütiges, ruhiges Outro; zwar schön, passt jetzt nicht unbedingt zu den vorherigen Songs. Ich glaube, die Band ist noch dabei, sich vom Stil her zu finden - für ein zweites Album geht das aber gut in Ordnung.
Hansruedi W.


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https://www.youtube.com/embed/L0ZE2NuDYYM

Montag, 01 Juni 2026 04:45
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v. 10 Punkten: 8.5

Marta Gabriel hat das Kapitel Crystal Viper im letzten Jahr geschlossen um einen echten Neuanfang zu wagen: "Ich bin ein grosser Fan von traditionellem Hard Rock und Heavy Metal, das ist das was mich inspiriert". Mit LEATHERWITCH startet sie nun in das neue Abenteuer, wobei die Polin hier alles selber (!) eingespielt hat. Stilistisch ist das Ganze allerdings nicht allzu weit von Crystal Viper weg.

Vielleicht klingt «First Spell» etwas weniger metallisch, sondern findet sich in der Schnittmenge von Hard Rock und Heavy Metal wider. Wobei der Opener «Heroes And The Dice» ordentlich nach vorne brettert und natürlich von Marta’s geilen Vocals sofort wieder begeistert. Ein simpler, aber starker Refrain gibt es als Bonus dazu. «Beast Inside» erinnert mich an die Anfangstage von Battle Beast, will heissen ein schnörkelloser Metal-Song ohne diese klebrigen Keyboard-Teppiche.

Die kreative Frontfrau hat damit ihr Pulver noch nicht verschossen, denn mit «Silver Stallions» und «Living In The Fast Line» hat man weitere Kracher verewigt. Einen stilsicheren Geschmack beweist die lederne Hexe auch mit der Wahl des abschliessenden Cover-Songs. «Ride The Sky» ist sicher nicht die einfachste Nummer für einen Sänger, aber diese Hürde überspringt die gute Marta scheinbar mühelos. Logisch, wer Crystal Viper mochte, dürfte auch an Leatherwitch seine helle Freude haben, denn das Debüt ist eine wunder- und liebevolle Hommage an den melodischen Achtziger Metal geworden.
Rönu


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Montag, 01 Juni 2026 04:35
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v. 10 Punkten: 8.0

Wer kennt ihn nicht, den Song zur Cola-Werbung, der auf den Namen «First Time» hört? Die heute 71-jährige Shouterin sieht nicht nur noch immer verdammt gut aus, sondern hat nach wie vor eine Voice, wie eine Sängerin in ihrer Blütezeit.

Ähnlich wie Lee Aaron, besitzt ROBIN BECK ebenso diese kräftige Stimme, die sich auch bei anderen Musikstilen (Blues, Country) eignen würde. Hört Euch «Trouble Or Nothing» mal an. Mit welcher Kraft in der Stimme die Amerikanerin hier noch immer unterwegs ist, sucht ihresgleichen. Auf der anderen Seite kann sie sanft und verletzlich erklingen («What A Night») und sich dabei wie eine schnurrende Katze geben. Zusammen mit ihrem Ehegatten James Christian (House Of Lords) hat Robin eine unglaublich tiefgehende Rock-Scheibe veröffentlicht, die weder Sleaze noch Hair Metal ist, sondern die Emotionen der grossen Rock-Tracks der Siebziger und Achtziger ins 21. Jahrhundert mitnimmt.

Rockig und mit fetten, kernigen Parts besticht «Na Na Na» (okay ein ziemlich doofer Titel…) und einer Power in der Stimme, die man heute bei den hochgelobten, neuen Sternchen am Sanges-Himmel vergeblich sucht. Die Vibes von Prince tauchen bei «Voodoo» auf und zeigen, dass sich die Sängerin keine musikalischen Grenzen auf dem neuen Werk gesetzt hat. Auch «Don't Tempt Me» zeigt die Lady von ihrer besten Seite und lässt dabei eine Alannah Myles ziemlich alt aussehen.

Was für Shouts und mit welchen Emotionen hier Robin singt, ist schlicht einzigartig. "Stop playing with my heart", klingt hier nicht wie eine Bitte, sondern eine Drohung. Frau Beck liefert ab, und dies nicht zu knapp! Was für eine Frontfrau, was für eine Sängerin und was für eine grandiose Ausdrucksweise! Rock'n'Roll ist wie ein Jungbrunnen, und Robin Beck der beste Beweis dafür.
Tinu


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Montag, 01 Juni 2026 04:25
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v. 10 Punkten: 7.3

«Tiefe Erde» von WANDAR versucht gar nicht erst durch technisches Spektakel oder modernen Post-Black-Glanz zu beeindrucken. Stattdessen zieht es den Hörer in eine beklemmende Welt aus Verfall, Trauer und existenzieller Finsternis, die tief in den Traditionen des klassischen deutschen atmosphärischen Black Metal verwurzelt ist.

Das Album beginnt überraschend sanft mit einer einsamen Klavierintro, doch diese ruhige Atmosphäre bricht schnell zusammen in dichte Wände aus Tremolo-Gitarren, qualvollen Schreien und bedrückenden Melodien. Wandar streben selten nach eingängigen Hooks. Ihr Fokus liegt darauf, eine immersive emotionale Schwere zu erzeugen, die den Hörer im Laufe des Albums langsam verschlingt.

Textlich beschäftigt sich die Band mit Themen wie spiritueller Leere, menschlichem Leid und dem unvermeidlichen Verfall von Körper und Seele. Die Songs wirken oft weniger wie konventionelle Kompositionen, sondern eher wie rituelle Beschwörungen, die aus einem vergessenen unterirdischen Heiligtum heraufsteigen. Zwischenspiele wie «...Nächtlich» oder auch «Irrlicht» unterbrechen den Sturm kurz mit nachdenklichen Momenten. Trotz der dichten Atmosphäre fehlte mir letztlich ein Song, der wirklich herausragt oder nachhaltigen Eindruck hinterlässt, da das Album seine konsequent düstere Linie fast ohne grössere Überraschungen durchzieht.

Fans von Waldgeflüster oder Ellende mögen die hier herrschende Atmosphäre zu schätzen wissen, obwohl Wandar das Genre auf eine weitaus rauere und kältere Weise angehen. «Tiefe Erde» ist anspruchsvoll, düster und kompromisslos – für Zuhörer, die sich zu nächtlichen, erdverbundenen Black Metal Ritualen hingezogen fühlen, bietet es ein Erlebnis, in das es sich zu versenken lohnt.
Lukas R.


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Montag, 01 Juni 2026 04:15
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v. 10 Punkten: 7.1

"Hahahaha—ha—HA—HAHAHAHA!!" Die ersten Momente von «Stoned Villains» fühlen sich an, als würde man einen rauchverhangenen Jahrmarkt betreten, der von Verrückten geleitet wird: Ein verstörendes, fast schon Joker-artiges Gelächter gibt den Ton an, bevor die Band einen kopfüber in ihr dichtes, riffgeladenes Universum zieht. Von da an verschwendet das Turiner Quartett keine Zeit: Das ist Sludge Metal mit voller Wucht, bei dem jeder Groove wie eine langsam schwingende Abrisskugel einschlägt.

Musikalisch bewegen sich TONS in jenem herrlich dreckigen Raum zwischen Doom-, Sludge- und Stoner-Metal, doch was sie auszeichnet, ist ihre Weigerung, das Genre mit Ehrfurcht zu behandeln. Stattdessen verzerren sie es mit der Dringlichkeit des Hardcore der 90er-Jahre und einer Prise respektlosem Humor. Die Gitarren knirschen mit einer scharfen, abrasiven Kante, fügen sich aber dennoch in hypnotische, fast tanzbare Grooves ein. Darunter bewegt sich die Rhythmusgruppe wie tektonische Platten: langsam, vernichtend und unmöglich zu ignorieren. Gingerzillas Gesang ist für mich einmal mehr der Schwachpunkt: mehr Gebell als Melodie, vorgetragen mit einem theatralischen Knurren.

Tracks wie «Hangover The Top» und «Lost In Plantation» leben von diesem Kontrast: schwere, gnadenlose Riffs, gepaart mit dem Gefühl, dass sich die Band der Absurdität ihrer eigenen Themen voll bewusst ist. Hier findet sich Satire, die jedoch unter Schichten von Fuzz wie Verzerrung begraben ist und Zuhörer belohnt, die sich darauf einlassen, statt nur mit dem Kopf mitzuwippen.

Was «Stoned Villains» besonders macht, ist ihre Unvorhersehbarkeit. Der Ton wechselt zwischen schwerfälligen Sludge-Passagen und plötzlichen Ausbrüchen punkgetriebener Dynamik, wodurch das Album nie stagniert. Während der Mittelteil gelegentlich mit Selbstparodie flirtet, finden die abschliessenden Tracks wieder ihren Fokus und liefern einige der befriedigendsten, knallharten Momente des Albums.

Dies ist kein ausgefeiltes oder übermässig ernstes Werk. Fans von Sludge mit Charakter, insbesondere diejenigen, die Bands wie Bongzilla oder Weedeater schätzen, werden hier Freude finden. Es ist chaotisch, laut und unverhohlen schräg – ein Album, das nicht nach Perfektion strebt, sondern sich an seiner eigenen chaotischen Identität erfreut. Zugegeben, dieser Jahrmarkt der Verrückten ist nicht so mein Fall, aber hört einfach selbst mal rein.
Lukas R.


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Samstag, 30 Mai 2026 05:45

Sie sind wieder da! Drei Jahre nach dem genialen Vorgänger «Besatt» haben TYRANN wieder das Studio geentert um das dritte Album der Bandgeschichte einzuspielen. Herausgekommen ist ein Werk, welches Heavy Metal Fans der alten Schule wieder begeistern wird, vorausgesetzt sie können mit Bands wie Century, Heavy Load oder Helvetets Port etwas anfangen.

Erneut mit einem eleganten, schlichten schwarz weissen Artwork versehen, ist man auch der musikalischen Linie der beiden Vorgänger treu geblieben. Wenn eine Band ihr Album dann aber nach einer knappen halben Stunde beendet, gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder ist ihnen die Puste ausgegangen oder sie haben einfach alles gesagt. Bei «Tyrann Forever» trifft Letzteres zu. Das Album ist extrem tight, fokussiert und verzichtet komplett auf unnötigen Ballast oder ausufernde Epen.

Schon der Opener "Born For Hell" macht mit einem stampfenden Riff klar, wohin die Reise geht. Hier atmet jede Sekunde den Geist der frühen New Wave of British Heavy Metal (NWOBHM) – man denkt unweigerlich an Ikonen wie Grim Reaper oder frühe Iron Maiden. Der Titeltrack überrascht mit fast schon nostalgischen Keyboard-Klängen im Intro, entwickelt sich aber schnell zu einer treibenden Hard Rock Hymne mit dröhnendem Bass. Wer es schnell mag, wird hingegen mit «Kom Armageddon» perfekt bedient. Ein waschechter Speed Metal Brecher, der das Schlagzeug-Pedal ordentlich durchtritt und live für mächtig Bewegung im Moshpit sorgen dürfte.

«Tyrann Forever» ist genau das Richtige für Traditionalisten, die genug von überproduziertem, modernem Metal haben. Das Album klingt ehrlich, analog und hat genau den richtigen Schmutz unter den Fingernägeln. Die Songs sind vollgepackt mit Hooks, die sofort im Ohr hängen bleiben – selbst wenn man des Schwedischen nicht mächtig ist. Tyrann gehören damit nun definitiv zu den grössten Hoffnungsträgern des klassischen, schwedischen Metal.
Rönu

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Samstag, 30 Mai 2026 05:35

Am 08. Mai 2026 brachten die australischen Progressive-Metaller TERAMAZE ihr neues Studio-Abum «The Silent Architect» auf den Markt. Man legt gleich mit dem 10-minütigen Titeltrack los. Eine durchdachte, wechselhafte Nummer, die zwischen progressiven und fast poppigen Klängen hin und her wechselt. Ein wahrlich grosser Einstieg in das neue Werk der Musiker um den charismatischen Sänger Nathan Peachy.

«Doors Of Yesterday» lebt in der ersten Hälfte von ruhigen Klavierklängen, bevor die Gitarren einsetzen und das Ganze zu einer Powerballade machen. Schon hier merk man, dass die Aussies ein Gespür für grosse Gesangsmelodien haben. Dem entgegen steht die harte, treibende Progressive-Nummer «Mr Crazy». Zu «Arrow» sagt der Frontmann folgendes: Dieser Track ist unser Liebesbrief an den Pop-Rock der Neunziger-Jahre, als Songs mit grosser Emotion und noch grösseren Hooks die Radiowellen beherrschten. Dem kann ich mich nur anschliessen.

Auch «Enemy In The Garden» (cooler Titel) ist eine klasse, verspielte Progressive-Nummer, die ein wenig an Dream Theater erinnert. Und dann wieder eine ruhige Nummer namens «Ghost Hands», welche die musikalische Vielseitigkeit der Australier unterstreicht. Zum Schluss gibt man mit der fast zwölf Minuten langen Progressive-Nummer «Left In The Fire» nochmals ordentlich Vollgas. Und so ist «The Silent Architect» ein Progressive-Werk, das nicht nur voll durchhämmert, sondern auch mit viel Gefühl und oft ruhigeren Momenten überzeugt. Ein überdurchschnittliches Progressive-Epos, das berührt und keine Schwächen kennt.
Crazy Beat


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Samstag, 30 Mai 2026 05:25

Das Schweizer Quartett ANNIE TAYLOR war schon immer von einem rastlosen Geist geprägt, und auch das Album «Out Of Scale» klingt, als hätte sich die Band geweigert, sich auf eine bequeme Identität festzulegen.

Das Album, das um drahtige Gitarren, einen prägnanten rhythmischen Drive und die "cool-voice" Stimme von Gini Jungi aufgebaut ist, wechselt mit Leichtigkeit zwischen verschiedenen Stimmungen. Mal neigt es zu druckvoller, grunge-getriebener Dringlichkeit, dann driftet es wieder in verschwommene, fast verträumte Räume ab, in denen Melodien in der "Pommes-im-Badi-Kiosk-Hitze" zu schweben scheinen.

Was dem Album seine Persönlichkeit verleiht, ist seine Weigerung, sich auf eine strenge Indie-Rock-Formel festzulegen. Es gibt Einflüsse von Garage-Attitüde, Andeutungen von Punk-Direktheit und Momente, in denen Wiederholung und Atmosphäre die Oberhand gewinnen. Fans von Bands aus dem Umfeld von Courtney Barnett, Wet Leg oder Blondie werden gewisse Anklänge erkennen, doch Annie Taylor vermeiden es, wie Nachahmer zu wirken. Ihre Songs scheinen sich weniger für Retro-Coolness zu interessieren, sondern konzentrieren sich mehr auf emotionale Bewegung.

Textlich und klanglich dreht sich «Out Of Scale» um sich wandelnde Beziehungen, Unsicherheit und jene seltsamen Momente, in denen Euphorie und Einsamkeit nebeneinander existieren. Die Songs wirken oft wie Momentaufnahmen aus langen Nächten und endlosen Sommertagen: nachdenklich, ein wenig chaotisch und sehr menschlich. Die grösste Stärke ist hier die Vielfalt. Das Album bewegt sich ganz natürlich zwischen lauteren und leiseren Momenten, ohne dabei fragmentiert zu klingen. Anstatt nach Perfektion zu streben, zielt Annie Taylor auf Ehrlichkeit ab – und genau das verleiht «Out Of Scale» seinen Reiz.

Für Zuhörer, die Indie-Rock mit Wärme, Rauheit, Coolness und ein wenig Unvorhersehbarkeit mögen, lohnt es sich, Zeit mit diesem Album zu verbringen. Die meisten der Songs könnten ohne aufzufallen auch im Radio gespielt werden. Die Band wird im Sommer sechsmal in der Schweiz giggen. Ideal für laue Sommernächte zum entspannten Pogen.
Lukas R.


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Samstag, 30 Mai 2026 05:15
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v. 10 Punkten: 7.7

Die polnische Band Blindead hat ihren Namen offensichtlich nicht aus kosmetischen Gründen in BLINDEAD 23 geändert. Schon diese seltsame Zahl wirft Fragen auf.

Gerade weil die Zahl 23 kulturell seit Jahrzehnten eine beinahe unheimliche Aura besitzt – von der berüchtigten "23-Enigma" über William S. Burroughs und Discordianismus bis hin zu Illuminaten-Mythen und Verschwörungskultur – wirkt der neue Name automatisch wie ein bewusst kryptischer Code. Und genauso klingt auch «Deuterium»: wie eine Band, die ihre eigene Identität zerlegt und irgendwo zwischen progressivem Post-Metal, atmosphärischem Sludge und experimentellem Art-Rock neu zusammensetzt. Manchmal funktioniert dieser Ansatz wunderbar. Manchmal hingegen sind die Nähte so offensichtlich, dass das Album unter seinem eigenen Ideenreichtum fast zusammenzubrechen droht.

Am prägnantesten ist das ständige Aufeinandertreffen von harschen und klaren Gesangspassagen. Dabei gehört Patryk Zwolinskis markante Clean Voice zu den stärkeren Elementen des Albums. Blindead 23 klingen dabei weniger wie eine typische Post-Metal-Band, sondern eher wie zwei unterschiedliche Gruppen, die gleichzeitig dieselben Songs kontrollieren wollen. Die klareren Passagen driften oft in emotionale, beinahe allzu zugängliche Gefilde ab, bevor das Album die Zuhörer abrupt wieder in dissonante Lärmwände und nervöse rhythmische Umwege zurückzieht.

Überall herrscht Atmosphäre: neblige Gitarren, unruhiges Tempo, langgezogene Crescendos und Songs, die den Hörer eher versinken lassen als unmittelbar zu beeindrucken. Mehrere Übergänge wirken seltsam zusammengeflickt, anstatt sich organisch zu entwickeln. Es scheint, als hätte die Band bewusst offensichtliche Höhepunkte vermieden, selbst wenn eine stärkere Auflösung in Reichweite lag.

«Deuterium» lehnt Bequemlichkeit ab. Selbst seine grösseren Refrains nehmen unerwartete Wendungen, anstatt einfache Ohrwürmer zu liefern. Zuhörer, die nach sofortiger Befriedigung suchen, könnten dies frustrierend finden. Fans von anspruchsvollem, stimmungsgetriebenem Post-Metal werden jedoch wahrscheinlich zu schätzen wissen, wie furchtlos Blindead 23 Unbehagen über Zugänglichkeit stellt.

Am Ende bleibt fast die ironische Erkenntnis, dass ich die kryptische Geschichte rund um dieses ominöse "23" - mit all ihren Verschwörungs- und Geheimcode-Assoziationen – deutlich faszinierender fand als einen grossen Teil der Musik selbst.
Lukas R.


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Freitag, 29 Mai 2026 04:45

JAYLER kommen mit «Voices Unheard» und tragen dabei die Last, die jede junge Classic Rock Band mit sich bringt: die unvermeidlichen Vergleiche mit Led Zeppelin. Die Reaktionen der Presse haben das bereits deutlich gemacht – eine Rezension schlug sogar vor, Zep-Fans könnten dieses Album blind kaufen. Und ja, die DNA lässt sich unmöglich ignorieren. Aber diese jungen Briten auf blosse Nachahmer zu reduzieren, geht völlig am Kern der Sache vorbei.

Viele von uns sahen frühe Clips und wurden sofort hellhörig: Da war etwas seltsam Vertrautes und doch ebenso Frisches. Normalerweise vermeide ich das Wort "Retro", da es oft Musik impliziert, die in der Vergangenheit gefangen ist. Jayler machen jedoch etwas anderes. Das ist Musik, die in Klängen verwurzelt ist, die wir bereits lieben, die aber mit genug Dringlichkeit und jugendlicher Energie dargeboten wird, um sich auch im Jahr 2026 noch relevant anzufühlen.

Das Album beginnt mit einer Mundharmonika, dann ruft Frontmann James Bartholomew ein begeistertes "Alright!" und mit Down Below wird die Tür eingetreten. Plötzlich sind die angesprochenen Geister von Led Zeppelin, Kingdom Come, Greta Van Fleet und Wolfmother in den Raum eingeladen. James' Stimme wirkt für sein Alter fast unmöglich reif: rau, bluesgetränkt und voller Selbstbewusstsein.

«Riverboat Queen» setzt den groovigen Angriff fort, während «Need Your Love» ursprüngliche Anziehungskraft in eine weitere zukünftige Live-Hymne verwandelt. Tyler Arrowsmiths Gitarrenspiel hebt die Songs immer wieder über einfachen Retro-Rock hinaus. Mit «The Get Away» landen er und Bartholomew einen Volltreffer. Weniger Blues, mehr epische Rockhymne – und vielleicht der erste Moment, in dem Jayer wirklich wie eine Band klingen, die für grössere Bühnen bestimmt ist.

Das akustische «Bittersweet» wechselt wunderschön die Gangart und könnte fast von «Led Zeppelin III» stammen. Spätere Tracks wie «Hates To See It End» und «Over The Mountain» wirken wie gemacht für die Mitmach-Stimmung im Publikum: Sie sind einfach, unmittelbar und laden zum Mitsingen ein.

Der ambitionierteste Moment des Albums ist vielleicht «Alectrona, das sich aus einem selbstbewussten Groove zu etwas unerwartet Grossartigem und Mythischem steigert. Passenderweise bezieht sich der Titel wahrscheinlich auf die griechische Morgenröte-Figur Alectrona – und tatsächlich ist hier ein Gefühl des Erwachens zu spüren. Bass und Schlagzeug verschwinden gelegentlich unter der Dominanz von James' Gesang und Tylers Gitarrenfeuerwerk. Dennoch ist «Voices Unheard» erfolgreich, weil es eine oft vergessene Wahrheit versteht: Rock'n'Roll ist keine Archäologie. Er ist Elektrizität. Und bei Jayler fliesst eindeutig Strom durch die Adern.

Live wirken Jayler weniger wie eine sorgfältig ausgefeilte Modern-Rock-Band, sondern eher wie eine junge Truppe, die entschlossen ist, die gefährliche, schweisstreibende Club-Energie des Rocks der frühen 70er Jahre wieder aufleben zu lassen. Ihre Konzerte werden immer wieder als hochspannende Erlebnisse beschrieben, die von James Bartholomews imposantem theatralisch bluesigen Gesang, schwungvollen Blues-Rock-Riffs und ausgedehnten Jams getragen werden. Diese gehen weit über einfache, Note-für-Note-getreue Album-Wiedergaben hinaus. Mundharmonika-Passagen, Improvisationen und Einflüsse aus der alten Schule verstärken den "Rocklegenden" zusätzlich, während das Alter der Band ihr Selbstbewusstsein auf der Bühne umso auffälliger macht.

Offene Hemden, Bewegung und eine durch und durch 70er-Jahre-Ästhetik runden das Bild ab. Manche haben sie scherzhaft als "Greta Van Fleet, nur besser" bezeichnet, während andere anmerken, dass Jayler noch auf der Suche nach einer Identität sind, die sich vollständig von ihren Zeppelin-Einflüssen löst. So oder so bietet sich dem Schweizer Publikum bald die perfekte Gelegenheit, sich selbst ein Urteil zu bilden: Am 16. Oktober 2026 wird die Band im Hallenstadion in Zürich als Vorband von Deep Purple auftreten – und wenn ihr Ruf stimmt, könnte es ein Fehler sein, zu spät zu kommen.
Lukas R.


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Freitag, 29 Mai 2026 04:35
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v. 10 Punkten: 9.3

Es gibt nur ganz wenige Bands, deren Alben mich dazu "zwingen", ihnen regelmässig über neun Punkte zu vergeben. Zu diesem erlauchten Kreis gehören die christlichen Heavy Metaller NARNIA. Und auch 2026 nötigen sie mich mit ihrem neustem musikalischen Gebet zu diesem Schritt.

Auch wenn es mittlerweile ausgelutscht und vielleicht blöde klingt: Narnia verfügen tatsächlich über ein göttliches Händchen für hervorragendes Songwriting. Sie schaffen es, aus ganz normalen Zutaten aus den Genres Hard Rock, Heavy Metal, Melodic Metal und Power Metal geniale Lieder zu erschaffen. Nur den Prog Metal fahren sie auf ihrem zehnten Album etwas zurück. Aber wer Ohrwürmer wie «Oceanwide», «Like A Teath In The Night», «Walk On Water» oder den Speed Metal von «Remedy (SOS)» zustande bringt, der kann definitiv etwas.

Dazu kommen kleine Epen wie «God Under Fire» oder das zäh schleppende «The Man From Nazareth Pt 2». Letzterer bezieht sich auf meinen Langzeit-Favoriten des 2006 erschienenen Werks «Enter The Gate». Aber auch ein «Every Breath» ist schlicht ein Hit. Und ja: Jedes dieser zehn Lieder auf «X» kracht ohne Ende. Wäre noch die Sache mit den christlichen Lyrics; auch hier wiederhole ich mich: Man kann das so texten wie Narnia, muss es aber nicht. Es gibt sichere blödere Dinge, als über seine Liebe zu Gott und Jesus zu singen. Zumal Narnia (so weit ich das bisher verstanden habe) noch nie zu Gewalttaten gegenüber Anhängern anderer Religionen aufgerufen haben.

Wer mit diesen Texten trotzdem Mühe hat, wird natürlich auch mit dem gesamten Album nicht warm. Wer diese aber akzeptieren kann, findet mit «X» ein wirklich hervorragendes Werk – und dafür muss man sich nicht einmal als Hardcore-Christ betrachten. Das tue ich zum Beispiel sicher nicht. Also reinhören und glücklich werden.
Roger W.


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Freitag, 29 Mai 2026 04:25

BLOODY VALKYRIA eröffnen ihr neues Album «Requiem: Reveries Of The Dying» mit «Symphony Of Silence» - und für einen kurzen Moment könnte man meinen, versehentlich den Soundtrack einer Wal-Dokumentation oder eine Yoga-Meditations-Playlist gestartet zu haben, die dem Wal Timmy/Fridolin gewidmet ist.

Sanfte Atmosphäre, ruhiges Klavier, schwebende Gelassenheit und Walgesänge..., aber mach es dir nicht zu bequem! Es sind noch mehr als neun Minuten des Songs übrig und schon bald stürmen schwere Gitarren ins Bild, während harte Growls über die beruhigenden Melodien krachen. Die Yoga-Stunde ist abgesagt. Willkommen zurück beim epischen, melodischen Black Metal.

Was mir sofort auffiel, ist, wie sehr mich die Atmosphäre gelegentlich an die jüngsten Produktionen von Black Jade erinnert. Nicht, weil die Bands identisch klingen, sondern weil beide Projekte verstehen, Härte mit Schönheit, Melancholie und cineastischen Fantasie-Emotionen zu verbinden, anstatt sich rein auf Aggression oder Dunkelheit zu verlassen.

Mastermind Jere Kervinen liebt offensichtlich epische Welten und emotionales Storytelling. Schon ein Promo-Bild hat mich zum Schmunzeln gebracht: Tolkien-Shirt an, "Der Herr der Ringe" und "Hobbit"-Bücher dominieren das Regal im Hintergrund – dieser Typ weiss definitiv, wie er Fantasy-begeisterte Metalheads interessiert, noch bevor auch nur eine einzige Note erklingt. Glücklicherweise hält die Musik selbst voll und ganz, was sie verspricht.

Anstatt sich auf pure Kälte oder Elend zu konzentrieren, birgt «Requiem: Reveries Of The Dying» unter all der Melancholie einen überraschend positiven emotionalen Kern. Ja, das Album beschäftigt sich mit Verlust, Tod und Abwesenheit, aber es wirkt selten hoffnungslos. In diesen Songs steckt Wärme. Hoffnung. Reflexion. Sogar Schönheit. Diese Kombination hebt es von vielen modernen Black Metal Veröffentlichungen ab, die oft in endlosem, grauem Nihilismus versinken.

Fans von Cân Bardd, Belore, Saor, Dwarrowdelf, Black Jade oder Emyn Muil dürften sich hier musikalisch sofort zu Hause fühlen – Bands also, die ich bereits ausführlicher in meinem Tolkien-&-Metal-Bericht an selber Stelle behandelt habe. Die Stärke des Albums liegt vor allem in seinem melodischen Tremolo-Gitarrenspiel. Diese klassische, rasante Black Metal Gitarrentechnik wird auf dem gesamten Album ständig eingesetzt, jedoch nicht auf rein chaotische oder eisige Weise. Seine Riffs wirken melodisch, fliessend und emotional und entfalten sich oft wie lange Fantasiereisen durch nordische Landschaften.

Tracks wie «Always» glänzen besonders durch diese vielschichtigen, atmosphärischen Melodien, den schimmernden Hall und die fast mittelalterlich anmutenden Tonleitern. «Life’s Worth» überraschte mich hingegen mit seiner seltsam erhebenden und hymnischen Energie. Unter der Black Metal Oberfläche verbirgt sich etwas, das dem Arena-Rock ähnelt – eingängig, triumphierend und motivierend, was kurz an die emotionale Kraft von «Final Countdown» von Europe oder «Eye Of The Tiger» von Survivor erinnert.

«Mending Through Suffering» fängt perfekt ein, was Bloody Valkyria jenseits der üblichen Genre-Klischees interessant macht. Der Song beginnt mit zerbrechlichen Klavierlinien und einer fast nachdenklichen Ruhe, bevor er erneut in Wellen aggressiver Riffs und harter Vocals ausbricht und so ein ständiges emotionales Hin und Her zwischen Verletzlichkeit und Stärke erzeugt.

Danach verlangsamt «When Everything Feels Like Nothing» das Album zu einem seiner dunkelsten und melancholischsten Momente. Der Song trägt eine fast doomartige Schwere in sich, die weniger wütend als vielmehr emotional erschöpft wirkt. Es ist die Art von Song, die durch Nebel statt durch Feuer wandert.

Der Schlusstrack «My Beloved North» hebt das Album schliesslich ein letztes Mal in ein episches nordisches Fantasieland, indem er mitreissende, atmosphärische Melodien mit einem tiefen Gefühl von Abschied und Sehnsucht verbindet. Das Ergebnis wirkt fast filmisch, als stünde man am Ende einer langen Reise allein auf einem gefrorenen Bergrücken, während das letzte Licht hinter dem Horizont verschwindet.

Noch ist nicht alles zu 100 Prozent perfekt: Die programmierten Drums klingen neben den satten Gitarren- und Synth-Arrangements etwas mechanisch. Aber das sind nur kleine Kritikpunkte, wenn das emotionale Eintauchen so gut funktioniert.

Was Bloody Valkyria so besonders macht, ist nicht nur technisches Können oder Fantasy-Ästhetik. Es ist die Aufrichtigkeit hinter der Musik. «Requiem: Reveries Of The Dying» fühlt sich an wie ein Album, das von jemandem geschrieben wurde, der Atmosphäre, Melodie und emotionales Storytelling ebenso sehr liebt wie die Härte selbst. Für Zuhörer die Black Metal mit Herz, Schönheit und filmischer Weite statt purer Brutalität schätzen, lohnt sich diese Reise absolut. Ich habe mir nun alle drei Alben bestellt.
Lukas R.


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Freitag, 29 Mai 2026 04:15
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v. 10 Punkten: 7.3

«Via Miseria IV» versprüht einen leicht arroganten Charme, als wäre HOKKA bewusst, wie durchdacht und wirkungsvoll ihr Sound ist. Stellt Euch eine nächtliche Küchensession vor, bei der jemand einen Hauch von Robbie Williams, eine Prise ABBA und eine grosszügige Portion The Rasmus zusammenwirft und alles zu einer glänzenden, emotionsgeladenen Hitformel vermischt.

Das Ergebnis ist so ausgefeilt und befriedigt sofort, dass man kurz an künstliche Ursprünge denken könnte. Doch bei genauerem Hinsehen erkennt man erfahrene Musiker bei der Arbeit und keinen gesichtslosen Algorithmus. Klanglich bewegt sich das Album auf einem schmalen Grat. Es hat ein gewisses Gewicht, das jedoch nur in kontrollierten, beinah dekorativen Dosen zum Tragen kommt.

Es gibt einen Hauch von Aggression, einen Puls moderner Rockspannung, der jedoch durch Schichten von Melodie und Sanftheit konsequent gemildert wird. Viele Tracks sind so komponiert, dass sie nachklingen: eingehüllte Hooks in eine Art zuckersüsse Melancholie. Selbst das Cover von «Kiss from a Rose» lehnt sich voll und ganz an diese Ästhetik an: üppig, dramatisch und unverhohlen emotional fast noch klebriger als das Original.

Das wirft eine berechtigte Frage auf: Ist das noch Rock? Im weit gefassten, zeitgenössischen Sinne – jein. Nach einer strengeren Oldschool-Definition ganz sicher nicht. Lemmy würde die Augenbrauen hochziehen.

Was Hokkas Debüt letztendlich ausmacht, ist seine Zugänglichkeit. Dies ist keine Musik, die Geduld oder ein tiefes Eintauchen erfordert, sondern sie lädt zu sofortigem emotionalem Engagement ein. Die filmischen Themen von Schmerz, Wiedergeburt und Identität, die die "Krieger und Sensei" Erzählung der Band widerspiegeln, fügen eine mythische Ebene der Einrahmung hinzu.

Doch der Kern der Anziehungskraft bleibt in starken Refrains und vertrauten Strukturen verwurzelt. Für Zuhörer, die sich zu modernem Melodic Rock mit Pop-Einflüssen hingezogen fühlen, ist «Via Miseria IV» zweifellos überzeugend. Zwar sprengt es keine Genregrenzen, versteht sein Publikum jedoch genau und liefert genau das, was es erwartet.
Lukas R.


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Donnerstag, 28 Mai 2026 04:45
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v. 10 Punkten: 8.2

«Infinite Illumination», das sechste und angekündigt auch letzte Werk von SPIRIT ADRIFT, besitzt eine Schwere, die es sofort von der Masse der retro-orientierten Heavy Metal Bands abhebt. Anstatt der Nostalgie hinterherzujagen, verfeinert das in Austin ansässige Projekt sie zu etwas Persönlichem: ein Album, das sich wie ein Abschlusskapitel anfühlt, das mit bewusster Wucht geschrieben wurde.

Das Cover lässt einem eine andere Art Musik erwarten, eher so Richtung melodischer Space Power Rock. Musikalisch aber schöpft das Album dann aus einem breiten Spektrum: dem langsamen, tektonischen Sog des Doom, der Klarheit und dem Auftrieb des traditionellen Heavy Metal sowie kurzen, rauen Einblendungen, die an Thrash erinnern. Doch was den Sound ausmacht, ist nicht nur diese Fusion, sondern auch, wie sie umgesetzt wird. Die Riffs kommen zielgerichtet zum Einsatz: Oft sind sie einfach in der Struktur, haben aber eine massive Wirkung, während das Tempo jeder Idee Raum zum Atmen lässt.

Frontmann Nate Garrett liefert eine Gesangsleistung, die Theatralik zugunsten von Überzeugung vermeidet. Seine Stimme bewegt sich irgendwo zwischen zurückhaltender Melodie und rohem Ausdruck und verleiht dem Material eine geerdete, menschliche Qualität. Dies funktioniert besonders gut in den langsameren Passagen des Albums, in denen die emotionale Unterströmung unmöglich zu ignorieren ist wie zum Beispiel «Buried In The Shadow Of The Cross». Hier herrscht ein Gefühl des Kampfes, aber auch der Widerstandskraft; es wirkt, als würde jeder Track dem Licht entgegenstreben, ohne jemals ganz den Schatten zu entkommen.

Was «Infinite Illumination» auszeichnet, ist seine Einheitlichkeit. Während viele Bands dieses Genres zwischen verschiedenen Stilen pendeln, integrieren Spirit Adrift ihre Einflüsse zu einem einzigartigen Stil. Die Übergänge zwischen schwerfälligen Doom-Abschnitten und treibenderen, hymnischen Momenten wirken konsequent.

Das Album wird vor allem bei Zuhörern Anklang finden, die Gewicht, Atmosphäre und Aufrichtigkeit schätzen – Fans von Bands wie Mastodon oder zum Teil auch Metallica werden sich hier zu Hause fühlen. Als Abschiedsalbum ist es eher zurückhaltend als explosiv. «Infinite Illumination» erinnert einen daran, wie kraftvoll Metal sein kann, wenn er mit Bedacht eingesetzt wird. Anspieltipp: «White Death».
Lukas R.


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Donnerstag, 28 Mai 2026 04:35
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v. 10 Punkten: 7.3

Als Label versucht man ja immer sein Produkt an den Mann zu bringen. Aber das Debüt dieser Schweden gleich auf Augenhöhe mit den Klassikern von Kreator, Destruction, Sodom, Tankard oder Exumer zu stellen, ist doch masslos übertrieben.

SAVAGE MANIA stammen aus Bollnäs, also aus dem gleichen Ort wie Morgana Lefay oder Tad Morose. Mit dem Sound der genannten Bands haben sie allerdings nicht viel gemein, denn der Vierer setzt voll auf schwarz angehauchten Oldschool Thrash. Unbarmherzig und roh prügelt man sich durch alles zerstörende Riffwalzen wie «Undead Rebirth», «The Face Of Death» oder «Storm Of Steel».

Die Jungs erwecken dabei gar nicht den Eindruck, technisch zu brillieren. Es muss knallen und es muss vor allem schnell sein. Dabei geht man zuweilen auch punkig zu Werke, wie beim nicht mal zweiminütigen «Fasttrack». Das alles kombiniert man mit einer ungeheuren Spielfreude. Insgesamt ist man aber weit weg von den Klassikern der deutschen Thrash-Geschichte, denn diese haben dann halt doch noch mal deutlich mehr geboten.

Das Debüt der Jungs ist ein solides Thrash-Album, welches das schlummernde Potenzial aufzeigt. In Sachen Songwriting muss sich die Band auf einem Zweitwerk aber noch steigern, und auch die Spielzeit von 26 Minuten ist etwas gar dünn ausgefallen.
Rönu


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Donnerstag, 28 Mai 2026 04:25
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v. 10 Punkten: keine Wertung

Wir haben es hier mitnichten mit einem neuen Studio-Album von ELVENKING zu tun. «Rites Of Disclosure» ist vielmehr ein Begleitwerk und ein Epilog zur «Reader Of The Runes» Trilogie. Die ursprüngliche Idee entstand aus dem Wunsch, mehreren zwischen den Trilogie-Kapiteln entstandenen Singles erstmals eine physische Veröffentlichung zu geben, schreibt das Label.

Herausgekommen sind fünf neue Songs, welche aber mitnichten nur unnötige Füller sind. Im Gegenteil: Songs wie der emotionale Opener «Blizzards Of Anger», das verträumte «The Moon And Magic» und die unglaublich geile Up-Tempo Hymne «The Past Is Forever» gehören mit zum Besten, was ich von den Italienern bisher gehört habe. Eigentlich wäre die EP damit schon eine Kaufempfehlung wert, aber die Truppe hat noch einen weiteren Kaufgrund dazu gepackt und sechs Cover-Versionen eingespielt, welche man nicht allzu oft zu hören kriegt.

So hat man sich zum Beispiel den Titelsong von Maidens sträflich unterbewerten Album «No Prayer For The Dying» vorgenommen. Auch King Diamond, Skyclad oder Bathory kamen zur Ehre. Insgesamt ist dieses "Zwischen-Album" also eine rundum gelungene Angelegenheit.
Rönu


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Donnerstag, 28 Mai 2026 04:15
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v. 10 Punkten: 6.8

Im Herbst 2025 schalteten ATREYU ihren Instagram-Account auf ein schwarzes Bild mit dem Text «R.I.P.» um – ein bewusst inszenierter Countdown, der mit der ersten Single «Dead» endete. Das Ende einer Ära, oder zumindest das Ende eines Images. Angekündigt wurde das bisher härteste und abenteuerlichste Werk der Bandgeschichte. Die Erwartungen ihrer Fangemeinde waren entsprechend gespalten – und das aus gutem Grund.

Denn was «The End Is Not The End» tatsächlich liefert, ist etwas anderes als die Kampfansage, die die PR-Aktion vermuten liess. Im Vergleich zum Vorgänger «The Beautiful Dark Of Life» dominiert Kontinuität – kein Bruch, sondern eine Weiterführung. Stark bearbeitete Vocal-Effekte, pop-orientierte Refrain-Strukturen, Gitarren, die stellenweise in den Hintergrund treten. Das Ergebnis sind zugänglichere Songs mit Fokus auf Hooks – poliert, aber mit weniger Rohheit als frühere Werke.

Die stärksten Momente entstehen dort, wo die Band die Balance zwischen Härte und Melodik am direktesten ausspielen: «Dead» kommt mit drückendem Riff und einem Refrain, der auf maximale Wirkung ausgelegt ist. «Ego Death» verbindet Schwere mit einem der einprägsamsten Choruses des Albums. «Children Of Light» mit Max Cavalera schlägt die härteste Kerbe – der Soulfly-Mastermind bringt Rohheit in ein Album, das sie sonst sorgfältig dosiert. Weniger überzeugend ist «Death Rattle», der trotz aggressiver Geste zu sehr in Schablonen denkt.

Thematisch kreist «The End Is Not The End» um Neuanfang, Selbstdefinition und den Umgang mit Veränderung – und spiegelt damit die Situation der Band selbst. Der Albumtitel ist Programm: kein Abschluss, sondern ein Übergang. Die Texte sind direkt und zugänglich, was Identifikation erleichtert, aber lyrische Komplexität bewusst aussen vor lässt. Wer tiefere Schichten sucht, sucht hier vergebens. Die Produktion des Albums klingt gross, klar und druckvoll. Handwerklich gibt es wenig auszusetzen.

Doch genau diese Makellosigkeit markiert auch die Grenze: Atreyu klingen hier wie eine Band, die weiss, wie man einen Hit baut – und weniger wie eine Gruppe, die sich selbst überraschen will. «The End Is Not The End» ist kein Schlusspunkt und kein Aufbruch. Es ist ein weiterer Schritt einer Band in anhaltender Neuorientierung – fokussiert, zugänglich und kontrolliert. Wer Atreyu für ihre Direktheit schätzt, wird das Album mögen. Wer auf die Härte der frühen Jahre hofft, wartet weiter.
Stéphanie P.


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Mittwoch, 27 Mai 2026 04:45
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v. 10 Punkten: 8.9

Das kanadische Duo CROWN LANDS, bestehend aus Gitarrist/Bassist/Keyboarder Kevin Comeau und Schlagzeuger/Sänger Cody Bowles, stellt hier ihr spannendes, neues Werk vor. Wobei Sänger Bowles mit seiner starken, klaren, meist hohen Stimme schon sehr an den Angel-Shouter Frank Dimino erinnert. Angel waren eine Hard Rock Band aus den Staaten, die in den 70ern gross wurde.

Auch die Musik erinnert etwas an die guten alten Zeiten von Angel, man höre sich nur das gefühlvolle «Through The Looking Glass» an. Hier dominiert eindeutig Bowles Stimme, unterstützt von einem starken Gitarren-Riff und tollen Soli. Wirklich gross, was das Duo hier abliefert. «Blackstar» ist eine sehr gelungene Hard Rock Nummer mit etwas 70er-Jahre-Flair. Bei «The Fall» erinnert Bowles Stimme auch etwas an den jungen Geddy Lee von Rush, nur dass die Musik des Duos etwas einfacher gestrickt ist, was ich als einen positiven Punkt erachte.

Mit «The Revenants» schlagen die zwei Musiker dann sehr ruhige Töne an. Hier bekommt man eine akustische Gitarre, ein Cello und die Stimme zu hören, alles sehr gefühlvoll vorgetragen. Und dann wäre da noch der neunzehn Minuten lange Titel-Track. Ein ausladendes Progressive-Epos der alten Schule. Der Anfang erinnert etwas an Rush, vermischt mit Angel-Klängen. Hier zeigen die Kanadier, dass sie imstande sind, opulente Progressive Rock Nummern mit Hard Rock vermischt zu erschaffen, die wirklich auf sehr hohem Niveau angesiedelt sind.

«Apocalypse» macht echt Spass beim Anhören, lebt von etwas Nostalgie, wirkt aber keinesfalls altbacken und ist ein spannendes, sehr interessantes Hörerlebnis irgendwo zwischen Progressive und melodiösem Hard Rock.
Crazy Beat


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Mittwoch, 27 Mai 2026 04:35
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v. 10 Punkten: 7.5

Die norddeutschen Thrasher von EXTINCT legen mit einem Intro vor, welches selbst Iced Earth bestens zu Gesichte gestanden hätte. Danach fliegen aber die Motten aus dem Teppich. Die Jungs um den singenden Bassisten Helge Hentrop lassen die Haare kreisen und kennen keine Geschwindigkeits-Begrenzung. Dies, obschon sie immer wieder gekonnt kleine Breaks einbauen.

Nachzuhören auf dem Opener «The Conservative Reactionary Wokeness Strikes Back». In ähnlichem Fahrwasser schippert «Wladon In Wonderland». Die Herren können dabei ein Faible für Annihilator und Testament nicht von der Hand weisen und halten ihre Tracks durchwegs abwechslungsreich. Das dritte Album von Extinct hat einiges zu bieten, das zu überraschen und zu überzeugen vermag.

Die Mischung aus AC/DC und Slayer (oh ja ich weiss, ein sehr mutiges Statement!) bei «March Of The Extinct Squad» verbindet Härte mit rockigem Groove und hebt die Jungs aus der Flut an Thrash-Bands heraus. Daneben prügeln sich Extinct aber auch kompromisslos durch ihre Tracks hindurch (wie beim Titelsong), bringen die schweren Riffs von Celtic Frost («Egoplasma») ein oder lassen mit «Enlightenment» die alten Suicidal Tendencies aufleben. Thrash-Herz, was willst du mehr? Also losgerannt in den nächsten Plattenladen und «In Conspiracies We Trust» antesten.
Tinu


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Mittwoch, 27 Mai 2026 04:25

«Entangled» ist alles andere als eine traditionelle Black Metal Interpretation von SINCE THE DEATH. Der schwedische Multiinstrumentalist Oscar Rask aus Linköping beweist auf diesem Album nicht nur sein Können, sondern auch, wie vielfältig ein Sub-Genre ausgelegt werden kann und wie stark sich das auf die projizierte Stimmung auswirkt.

Für mich handelt es sich bei seinem Werk um eine düstere Ausprägung von Blackened Death Metal, mit einem starken Fokus auf einen eher hoffnungslosen, dissonanten Grundton, den ich durchaus sehr spannend finde, der bei mir zeitweise zugleich aber auch ein Gefühl eines gewissen Mangels an tonaler Harmonie auslöst. Die Kompositionen wirken teilweise überdurchschnittlich komplex und lassen wenig Zweifel daran, dass hier viel musikalisches Können vorhanden ist.

Die Tracks sind in lobenswerter Weise mit beeindruckendem Drumming sehr groove-orientiert gehalten und die Stimmung wechselt strukturiert zwischen Black- und Death Metal Einflüssen, härteren Riffs und schnellen Tremolo-Picking-Passagen hin und her. Aufgrund seines starken christlichen Glaubens würde Oscar Rask sein Werk wohl selbst eher dem sogenannten Un-Black Metal zuordnen, was sich auch in den lyrischen Themen widerspiegelt.

Vokalistisch wechselt sich Oscar beinahe genauso häufig ab wie der Rhythmus oder die tonale Identität des Albums – zwischen raueren Blackened Vocals und tieferen Death-Growls. Wer Abwechslung in der Musik gegenüber repetitiven Passagen vorzieht, wird hier definitiv eine spannende Dreiviertelstunde vor sich haben. Auch wenn für mich musikalisch vieles sehr gelungen wirkt, werde ich trotz wiederholtem Hören irgendwie nicht ganz warm mit dem Werk.

Beim zweiten Durchlauf mit «Forgive All Of Them» glaube ich zu wissen, wo der Haken liegt. Die Tracks wirken für mich wie eine Erlebnisreise durch einen Irrgarten, zu dem man den Ausweg nicht kennt, unabhängig davon, wie sehr man danach sucht. Vorherrschend bleibt dabei immer diese düstere Atmosphäre, die an Verderb und endlose Hoffnungslosigkeit erinnert.

Obwohl das Werk musikalisch auf mich sehr durchdacht wirkt, macht die fehlende Struktur das Album sehr anspruchsvoll zum Anhören und man verliert sich sehr leicht. Ein Phänomen, das bei mir vorwiegend bei gewissen Prog Metal Kompositionen auftritt. Wenn ich das Cover sowie die Hintergrund-Informationen zum Album anschaue, so glaube ich zu wissen, dass genau dies vermutlich die Absicht von Oscar ist: den Zuhörer mit seinem Werk auf diese Reise durch den Irrgarten mitzunehmen.

Dies gelingt ihm vorzüglich und unter diesem Hintergrund scheint mir das Album besser verständlich. Ein Outliner stellte für mich «Eleventh» dar, der im Kontrast zu den anderen Songs fast einzigartig das Gefühl eines Lichts am Horizont vermittelte. Dies bleibt jedoch die Ausnahme und es ist doch erstaunlich, wie diese hoffnungslose Stimmung auf mich als Zuhörer übergesprungen ist.

Daran halte ich fest und empfehle das Album «Entangled» jedem, der Blackened Death Metal mag und bereit für eine wilde tonale Erlebnisreise durch diesen apokalyptisch anmutenden Irrgarten ist.
Nemo


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Mittwoch, 27 Mai 2026 04:15

Der 29-jährige Italiener MATTEO MANCUSO aus Palermo kehrt hier mit seinem zweiten Album zurück. Unterstützt wird Matteo von Stefano India am Bass und Giuseppe Bruno am Schlagzeug. Geboten werden neun Instrumental-Songs, meist sehr verspielt mit Fusion-, Rock- und Jazz-Einflüssen.

Da werden die verschiedenen Stile auch gerne mal in einem Song vermischt, wie bei «Fire And Harmony». Auch bei «Isla Feliz» hört man meist ruhige, jazzige, klassische Gitarren, vermischt mit dem elektrischen Gegenstück; schöne Spielereien, die ineinander verschmelzen. Unterstützt wird Matteo hier von Antione Boier. «L.A. Blues One» ist wie der Titel schon sagt eine leichte Blues-Nummer mit dezenter Jazz-Note. Die filigrane Gitarrenarbeit des Italieners ist schon bemerkenswert.

Das ist schon aussergewöhnlich, wie Mr. Mancuso hier die Gitarre spielt. Das hat wohl auch Steve Vai bemerkt und bringt sich als Gast beim Opener «Solar Wind» mit ein. Trotz des Könnens wird das Ganze mit der Zeit allerdings etwas langweilig, was aber ja meistens so ist bei reinen Instrumental-Alben. Doch ich denke, dass Gitarristen und Vai-Fans das Album «Route 96» an sich, heisst sicherlich mögen werden. 
Crazy Beat


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Dienstag, 26 Mai 2026 04:45

Seit dem letzten Album « Under A Godless Veil» sind nicht nur sechs Jahre vergangen, sondern es hat sich auch in Sachen Besetzung viel getan. Niklas Nord an der Gitarre und Daniel Johansson an den Drums sind neu dazugestossen und mit Sängerin Lisa Johansson ist auch eine Rückkehrerin zu vermelden. Das achte Album zeigt trotzdem eine gefestigte Band, welche genau weiss, wie sie zu klingen hat. Wer glaubte, die neuerlichen Besetzungswechsel würden das Fundament von DRACONIAN ins Wanken bringen, wird mit «In Somnolent Ruin» eines Besseren belehrt.

Während ich dieses Review schreibe, scheint draussen die Sonne und ein sattes Grün sorgt für Sommerstimmung. Dieses Album ist aber eine konsequente Perfektionierung ihres ureigenen Markenzeichens: der ultimativen Vertonung von herbstlicher Tristesse, Melancholie und trotzdem hoffnungsvollen Melodien. Die Riffs walzen zäh und tonnenschwer durch die Songs, besitzen aber jederzeit diese bittersüsse Note, die Draconian seit je her von stumpfem Death Doom abheben. Das Herzstück bleibt das bewährte Wechselspiel aus Licht und Schatten.

Die harschen Growls brechen ein wie ein plötzlicher Kälteeinbruch, während der zuweilen liebliche Klargesang von Lisa den Zuhörer auf eine Reise durch Licht und Dunkelheit mitnimmt. Die Chemie stimmt hier einfach: Die Stimmen duellieren sich nicht, sie verschmelzen. «In Somnolent Ruin» verlangt aber auch Geduld, denn die Songs sind lang, verzichten auf Tempowechsel und entfalten sich erst nach und nach. Draconian vertrauen ganz auf ihre bisherigen Stärken und präsentieren dem Käufer ein wundervolles Gesamtkunstwerk. Prädikat wertvoll!
Rönu


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Dienstag, 26 Mai 2026 04:35
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v. 10 Punkten: 8.8

Mit «Expedition III: Renitenzpfad» setzen ANTRISCH ihre konzeptuelle Reise fort. Doch diesmal weicht die kalte Isolation früherer Veröffentlichungen etwas weitaus Beklemmenderem: dem feuchten, bedrückenden Wahnsinn des Amazonas und dem Geist von Lope de Aguirre.

Das Ergebnis ist ein Album, das sich aber nicht wie eine ferne historische Nacherzählung anfühlt, sondern vielmehr wie ein eindringlicher psychologischer Abstieg in Tönen geformt. Musikalisch bewegen sich Antrisch im Bereich des atmosphärischen Black Metal, erweitern das Genre jedoch auf subtile, aber wirkungsvolle Weise. Die tremolo-getriebenen Riffs bilden nach wie vor das Rückgrat, werden jedoch ständig durch Ambient-Passagen, Spoken-Word-Segmente und unerwartete Texturwechsel unterbrochen.

Anklänge von Doom verlangsamen das Tempo in entscheidenden Momenten, während gelegentliche rhythmische Schärfe in Richtung Djent verweist, ohne jemals den Sound zu dominieren. Dies erzeugt eine Dynamik des Hin und Her zwischen Aggression und Introspektion, die die Zuhörer leicht aus dem Gleichgewicht bringt.

Was «Renitenzpfad» auszeichnet, ist seine narrative Dichte. Das Album entfaltet sich wie ein fragmentiertes Tagebuch einer zum Scheitern verurteilten Expedition: Stimmen tauchen auf, verklingen und kehren in veränderten Zuständen zurück. Dies spiegelt den psychischen Verfall des Protagonisten wider. Der Dschungel ist dabei nicht nur Kulisse, sondern wird zu einer hörbaren Präsenz, die durch dichte Schichtung und klaustrophobische Produktion vermittelt wird. Manchmal wirkt die Musik absichtlich überwältigend, als würde die Klarheit selbst verschluckt.

Trotz seines konzeptionellen Anspruchs bleibt das Album fokussiert. Die Tracks driften selten in Selbstverliebtheit ab und selbst die experimentelleren Passagen dienen der übergreifenden Atmosphäre. Dadurch wird es – innerhalb der Grenzen des Extreme Metal – für Zuhörer zugänglich, die das Erzählen von Geschichten ebenso schätzen wie klangliche Intensität. Auch wenn es seinen Vorgänger vielleicht nicht für jeden Zuhörer auf Anhieb in den Schatten stellt, ist «Expedition III: Renitenzpfad» ein fesselndes und sorgfältig komponiertes Werk.

Es belohnt Geduld, wiederholtes Anhören und die Bereitschaft, in seine dunkle, beunruhigende Welt einzutauchen. Ähnlich wie Klaus Kinskis verstörende Darstellung in "Aguirre, der Zorn Gottes" vermittelt dieses Album einen fieberhaften Abstieg in den Wahnsinn – beunruhigend, obsessiv und unwiderstehlich.
Lukas R.


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Dienstag, 26 Mai 2026 04:25

«The Trouble With The Shovell» wirkt fast schon trotzig anachronistisch. Während der Grossteil des modernen Rocks nach Perfektion, Atmosphäre oder konzeptioneller Tiefe strebt, setzen ADMIRAL SIR CLOUDESLEY SHOVELL ganz auf Rauheit, Lautstärke und die heilige Einfachheit des Riffs. Und dieses hartnäckige Bekenntnis fühlt sich sieben Jahre nach ihrer letzten Veröffentlichung irgendwie erfrischender an denn je.

Von den ersten Augenblicken an strahlt das Album eine lockere, elektrisierende Energie aus. Die Produktion verzichtet auf übertriebenen Glanz und setzt stattdessen auf einen rohen, raumfüllenden Sound, der einen in einen verschwitzten Proberaum oder auf die Bühne eines schummrigen Pubs versetzt. Die Gitarren knurren statt zu schimmern, der Bass dröhnt mit dreckiger Selbstsicherheit und das Schlagzeug – mit dem Glen Mitchel sein Debüt gibt - treibt alles mit einem unprätentiösen, knallharten Puls voran.

Was dieses Album auszeichnet, ist seine Balance zwischen Chaos und Kontrolle. Die Songs leben vom Instinkt. Die Tracks werden von druckvollen Riffs getragen, die unverkennbar mit dem Hardrock der 70er-Jahre kokettieren, dabei jedoch nie in blosse Nostalgie abrutschen. Gleichzeitig blitzen hier und da vertraute Schatten auf - ein Hauch von Motörhead («Blue Mountain Dust»), ein Quäntchen alter Quo («Kind Boy») – bevor plötzlich eine rauhe Garage-Glam-Attitüde um die Ecke biegt und dem Ganzen eine zusätzliche, wunderbar schmutzige Note verleiht («Head in A Noose», «First City Seconds»).

Es herrscht insgesamt eine Lockerheit, die manchmal fast schon rücksichtslos wirkt, aber genau diese Eigenschaft verleiht dem Album seinen Charme. Es geht nicht um Präzision, sondern um das Gefühl. Das Hörerlebnis ist 100% körperlich. Das ist Musik, die zum Bewegen gemacht ist: Kopfnicken, Fussstampfen, vielleicht sogar das gelegentliche verschüttete Bier. Doch unter der Oberfläche verbirgt sich ein klares Identitätsgefühl. Die Band weiss genau, wer sie ist – und, was noch wichtiger ist, wer sie nicht ist.

«The Trouble With The Shovell» wird diejenigen nicht überzeugen, die nach Innovation oder modernem Glanz suchen. Für Zuhörer jedoch, die glauben, dass Rock laut, unvollkommen und lebendig sein sollte, ist dies eine zutiefst befriedigende Rückkehr. Nicht revolutionär, aber absolut überzeugend. Nicht Musik für’s Zürcher Letzigrund Stadion, aber sehr gerne zum Beispiel im Sedel in Luzern.
Lukas R.


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Dienstag, 26 Mai 2026 04:15

Ich bin eigentlich ein grosser Fan von Space- und Psychedelic-Musik – besonders Bands wie Naxatras oder auch My Sleeping Karma treffen genau meinen Geschmack. Mit «Beyond The Beyond» tauchen THE COSMIC DEAD erneut kopfüber in ihr charakteristisches Universum aus ausuferndem, halbimprovisiertem Space Rock ein – doch diesmal fühlt sich die Reise eher anstrengend als lohnend an.

Das Kollektiv aus Glasgow hat sich einen Ruf für hypnotische, tranceartige Jams erworben, und der Eröffnungstrack «Furthur» macht das sofort deutlich. Er erstreckt sich weit über die Zehn-Minuten-Marke hinaus und setzt auf Wiederholungen, dröhnende Texturen und einen langsam aufbauenden Groove. In der richtigen Umgebung – vielleicht einem dunklen Veranstaltungsort mit überwältigender Lautstärke – könnte dies ein immersives Erlebnis sein. Auf einer gewöhnlichen Heim-Anlage oder im Auto kann es sich jedoch eher anstrengend als mitreissend anfühlen.

Mit «Stronger» ändert sich die Lage ein wenig: ein kürzeres und direkteres Stück, das willkommenen Schwung einbringt. Es ist immer noch in Effekte und kosmischen Dunst getaucht, aber seine straffere Struktur bietet einen Einblick in das, was die Band erreichen kann, wenn sie sich etwas zurückhält. Der beste Song für mich ist jedoch «Aurora». Hier findet die Band endlich eine Balance zwischen Atmosphäre und Zugänglichkeit. Der allmähliche Aufbau wirkt zielgerichtet statt mäandernd und macht den Track zum fesselndsten Moment des Albums.

Der Schlusstrack «Aether» beginnt in einem ruhigen, fast schwebenden Klangraum – luftig und sanft treibend, dabei jedoch zunächst etwas zu zurückhaltend, sodass er leicht in den Hintergrund rücken kann. Doch etwa ab Minute Sieben ändert sich das Bild schlagartig: Der Song hebt plötzlich ab, gewinnt an Energie und entfaltet eine mitreissende Dynamik, die der Platte endlich echten Spass verleiht – nur um genau dann schon wieder zu enden.

Die musikalische Kompetenz und das Engagement der Band für ihr Handwerk sind unbestreitbar. Doch «Beyond The Beyond» ist ein Album, das eine ganz bestimmte Geisteshaltung erfordert – und eine gehörige Portion Ausdauer. Fans von unstrukturierter Psychedelia mögen hier noch immer Gefallen finden, doch für andere könnte sich diese kosmische Reise wie ein Trip anfühlen, der nirgendwo hinführt.
Lukas R.


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Montag, 25 Mai 2026 05:45
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v. 10 Punkten: 8.5

Im Zentrum von INGESTED stehen seit fast zwanzig Jahren die Gründungs-Mitglieder Sean Hynes (Gitarre, Co-Gesang) und Lyn Jeffs (Schlagzeug), das kreative Rückgrat, dessen Vision, Chemie und unermüdlicher Antrieb die Band seit dem ersten Tag beflügeln. Das Duo wird ergänzt durch Gitarrist Andrew Virrueta, der auch Gesangs-Parts beisteuert, und Bassist Thomas O’Malley, die eine Besetzung vervollständigen, die das wohl dynamischste und beeindruckendste Werk der Band hervorbringt.

«Denigration» beinhaltet zehn Songs, die präzise Brutalität mit zunehmend dynamischem Songwriting verbinden, und den Vierer aus Manchester, von Pionieren des Underground-Slam zu einer weltweit zukunftsweisenden Kraft entwickeln. Die kompromisslosen Vertreter des Extreme Metals schlagen ein neues Kapitel auf, das von Neuerfindung, geschärfter Zielstrebigkeit und dem Einstieg neuer Stimmen an der Spitze geprägt ist. Textlich und klanglich ist «Denigration» klar eine Abrechnung. Die Scheibe handelt davon, auf die kleinste, hässlichste Version seiner selbst reduziert zu werden und zu entscheiden, ob man dies hinnimmt oder als Waffe einsetzt.

Das Ergebnis ist ein brutales Werk, das härter zuschlägt, tiefer schneidet und eine wütende Band zeigt, die keine Angst hat, sich weiterzuentwickeln, während sie gleichzeitig die unerbittliche Extremität würdigt. Musikalisch ziehen Ingested an jedem Faden, den sie über die Jahre gesponnen haben: Slam, Groove, Death, Melodic und Blackened Dissonanz. Alles wird während der gesamten Spieldauer so verdreht, bis es sich wie ein endgültiges Statement anfühlt. Als wäre dies nicht gut genug, werden Bandbreite und Intensität noch durch herausragende Kollaborationen verstärkt.

«Merciless Reflection» durch Damonteal Harris von Peeling Flesh, «Watch You Fold» mit John Gallagher von Dying Fetus sowie zusätzliche Beiträge mit Skyler Conder von Cell und Kyle Medina von Bodysnatcher. Produziert wurde der Brocken Boshaftigkeit von Nico Beninato in den "Arch Studios" in Southport, und die visuelle Gestaltung des Albums mit Artwork von Giannis Nakos von "Remedy Art Design", dessen detailreiche, unheimliche Bilder die thematische Tiefe und den wilden Ton der Platte perfekt widerspiegeln.

Mit «Denigration» treten Ingested eine neue Ära los, stärker, düsterer und fokussierter denn je. Es ist nicht nur ein Meilenstein, sondern eine Demonstration dafür, dass die amtierenden Brutal-Könige aus Grossbritannien noch lange nicht am Ende sind.
Oliver H.


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Montag, 25 Mai 2026 05:35
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v. 10 Punkten: 7.3

Mit ihrem Debüt «Lore» legten THE NARRATOR einen soliden Grundstein – ein Album, das allerdings noch zwischen Genre-Standards pendelte und einen eigenen Stil vermissen liess. Der Labelwechsel zu Nuclear Blast Records erhöhte den Erwartungsdruck spürbar. Zwei Jahre später kehren die Ruhrgebietler mit «Phosphor» zurück. Die Frage steht im Raum: Haben sie ihr Alleinstellungsmerkmal gefunden?

Soundtechnisch bewegt sich «Phosphor» klar im modernen Metalcore – atmosphärisch dichter und fokussierter als der Vorgänger, mit synthetischen Layers, die das Klangbild gezielt veredeln. Der Fokus liegt auf Dynamik und emotionaler Wirkung statt auf kompositorischer Komplexität: melodische Refrains, präzise gesetzte Breakdowns, kontrollierte Spannungsbögen. Das funktioniert – und darin liegt zugleich der Haken. Was als Stärke überzeugt, kippt gelegentlich ins Formelhafte – wer die Strukturen einmal durchschaut hat, erlebt wenig Überraschungen.

Inhaltlich verhandelt das Album mentale Belastung, Überforderung und inneren Zerfall – Themen, die zum leuchtenden, zugleich flüchtigen Titelwort «Phosphor» eine stimmige Metapher bilden. Die Songs sind klarer geschrieben als auf «Lore», emotional direkter und fügen sich zu einem kohärenten Ganzen, das einen angenehmen Albumfluss entwickelt. Was dafür untergeht: Einzelne Tracks treten aus dem Gesamtbild kaum heraus.

«Phosphor» ist ein gut produziertes, stilistisch geschlossenes Werk, das The Narrator verlässlich im Metalcore-Szene verankert, diese aber nicht revolutioniert. Weiterentwicklung und Kohärenz sind erkennbar – ein ehrlicher Eigenklang oder ein kompositorischer Alleinstellungsanspruch hingegen noch nicht.
Stéphanie P.


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Montag, 25 Mai 2026 05:25
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v. 10 Punkten: 8.5

Es gibt Alben, die sofort mit voller Wucht einschlagen. Und dann gibt es Werke wie «Your Favorite Toy», die sich erst langsam entfalten, dabei aber von Durchlauf zu Durchlauf wachsen. FOO FIGHTERS setzen diesmal weniger auf rohe Stadion-Energie, sondern stärker auf Atmosphäre, Melodie und emotionale Zwischentöne. Trotzdem bleibt jederzeit klar, wer hier spielt.

Die Gitarren wirken oft kontrollierter und weniger brachial als auf früheren Veröffentlichungen, gleichzeitig schwebt über vielen Songs eine leicht melancholische Grundstimmung. Gerade diese Mischung aus verletzlicheren Momenten und den typischen hymnischen Refrains funktioniert erstaunlich gut. Einige Tracks erinnern an die ruhigeren Seiten der Band, ehe plötzlich wieder ein massiver Rock-Part explodiert, der live problemlos ganze Hallen mitreissen dürfte.

Besonders stark ist dabei das Songwriting. Statt bloss auf eingängige Singles zu setzen, wirkt «My Favorite Toy» wie ein geschlossenes Album mit klarer Dramaturgie. Manche Stücke bauen sich langsam auf, andere kommen direkter auf den Punkt, doch langweilig wird es praktisch nie. Dave Grohls Stimme trägt viele Songs mit genau dieser Mischung aus rauer Ehrlichkeit und kontrollierter Energie, die den Sound der Band seit Jahrzehnten prägt.

Produktionstechnisch klingt das Album warm, organisch und angenehm unaufgeregt. Keine sterile Hochglanzpolitur, sondern ein Sound, der bewusst Raum atmen lässt. Gerade die rhythmische Arbeit und die kleinen Details in den Gitarren-Arrangements sorgen dafür, dass auch nach mehreren Durchläufen immer wieder neue Nuancen auffallen.

«Your Favorite Toy» lebt nicht von grossen Experimenten, sondern davon, dass die Band genau weiss, wie man emotionale Rocksongs schreibt, ohne dabei kraftlos zu werden. Ein überraschend vielschichtiges Album zwischen Alternative Rock, emotionaler Tiefe und klassischer Energie der Foo Fighters. Kein reiner Hit-Schnellschuss, sondern ein Werk, das mit der Zeit gewinnt.
Roxx


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Montag, 25 Mai 2026 05:15
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v. 10 Punkten: 6.9

DRAKEN aus Oslo präsentieren hier ihr neuestes Werk. Der Opener «The Great Deceiver» setzt direkt ein Statement: Massive, tief gestimmte Riffs treffen auf zunächst klare, später zunehmend aggressive Vocals. Ein kraftvoller Einstieg, der die stilistische Bandbreite andeutet.

Schon beim folgenden «Jólablót» bemerkt man die gesteigerte Aggressivität, die bei «Saturday Night Head Removal Extravaganza» nochmals mit wütendem Gesang gesteigert wird. Das Ganze driftet dann auch mal mit Growls in Richtung Nu Metal ab. «Crimson Sun» startet mit schweren, langsamen, tiefer gestimmten Gitarren, erinnert mal wieder an Black Sabbath, steigert dann gegen Ende das Tempo, ziemlich düster die Chose.

Die Norweger wüten in einem musikalischen Gemisch aus Stoner, Psychedelic, Progressive, Nu und etwas Death Metal. Eine etwas irritierende Mischung, die verwirrt, teilweise aber interessant daherkommt, aber auch chaotisch ist – heisst zu dieser Musik auf dem neuen Album «Here Be Draken» findet man bedingt Zugang. Entscheiden muss das am Schluss aber jeder für sich.
Crazy Beat


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Samstag, 23 Mai 2026 05:45
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v. 10 Punkten: keine Wertung

Während sich alle mit Metallicas «Kill’em All» vergnügten, stand ich eher auf die erste Scheibe von SLAYER. «Show No Mercy» war für mich so etwas wie der Einstieg in die aufkeimende Thrash Welle, bis ich mich dann völlig bei Megadeth, Overkill, Testament, Flotsam & Jetsam, Heathen, Anthrax, Exodus, Sacred Reich und anderen vergnügte.

Nachdem «Show No Mercy» einen bleiben Eindruck hinterliess, gingen die US Boys mit der EP «Haunting The Chapel» einen bedeutend härteren Weg und verliessen ihre Heavy Metal Roots mehr und mehr. Dies gipfelte sich 1985 in «Hell Awaits», einer Scheibe, die für viel Aufsehen sorgte. Allein das Cover, in Anlehnung an den Track «Necrophiliac», hinterliess seine Spuren. Aber auch der gesprochene Part beim eröffnenden Titelsong liess zuerst so manchen Zuhörer erstaunt zurück.

Mit Tracks wie «At Dawn They Sleep», dem ungestümen «Necrophiliac» (das einen bis in die schlimmsten Albträume begleitet), dem durch wilde Gitarren-Orgien versehene «Hardening Of The Arteries», sowie dem wohl besten Track von Slayer ever, «Hell Awaits» darf man hier getrost von einem Meilenstein sprechen (auch wenn die Jungs 1986 mit «Reign In Blood» ihren Über-Klassiker schrieben).

«Hell Awaits» kommt nun als «40th Anniversary Edition» in die Läden. Okay, dies sicherlich ein Jahr zu spät, aber mit einer schmucken Aufmachung. Neben einem 60-seitigen Buch, welche der Vinyl-Edition beigelegt ist, erklingt zusätzlich die Show vom 18.06.1985 aus der Zeche in Bochum. Was für ein grandioses Konzert, welches die Band und das Publikum in ausgelassener Stimmung präsentiert. Die Soundqualität ist (recht) gut und belegt, zu welchem Abriss-Kommando die Truppe fähig war.

Das Set, bestehend aus den ersten beiden Scheiben und den Tracks von «Haunting The Chapel», bietet auch die Ansagen von Tom Araya, dem man sichtlich seinen "Humor" und sein breites Grinsen durch die Boxen "ansehen" kann. Diese Edition bietet einiges, auch für den Die Hard Slayer Fan. Zudem wird Musikgeschichte auf dem Silber-Tablett präsentiert, der man sich nicht entziehen sollte.
Tinu
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Samstag, 23 Mai 2026 05:35
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v. 10 Punkten: keine Wertung

Hmm..., so sehr ich mich auch auf einen Release dieser Truppe freue, so stelle ich mir hierbei einige Fragen. Der Sound erklingt nicht wirklich remastered, eventuell etwas weniger "staubig" oder "körnig" als auf dem Original von 1991. Eventuell kann man den Gesang etwas besser differenzieren – aber das wars dann auch schon.

Der Inhalt dieser "Anniversary Edition" ist zwar nicht schlecht (alle Songs vom Original-Album plus Live-Aufnahmen aus Ludwigsburg), plus ein kleines Booklet mit Zusatzinfos. Zudem ist das Label immer noch dasselbe wie beim Original. Das heisst für mich, dass es hier nicht um Rechte ging (wie damals bei der Neuauflage von «Icon», welche das Prädikat 'Remaster' auch wirklich verdient, da die Songs effektiv neu eingespielt worden waren), sondern rein um Geldmacherei.

Zudem ist der Inhalt hier nicht wirklich etwas, das einem die Schuhe auszieht – da gibt es eine deutlich bessere Variante: «The Lost And The Painless» beinhaltet nicht nur alles dieser "Anniversary Edition", sondern noch viel, viel mehr – sehr viel an Hintergrund-Geschichte, Fotos, mehrere CDs mit Live-Aufnahmen und einer DVD mit unterschiedlichen Shows. Ich persönlich frage mich, ob Paradise Lost effektiv hinter dieser Veröffentlich hier stehen oder ob es ein Alleingang des ehemaligen Labels ist, welches somit eine Möglichkeit gesehen hat, schnell Moneten zu scheffeln.

Wie dem auch sei: Der Erwerb dieser "Anniversary Edition" lohnt sich meiner Meinung nach nicht – holt Euch bei Interesse besser «The Lost And The Painless» (interessanterweise auch von Peaceville Records herausgebracht), denn da habt Ihr, trotz deutlich höherem Preis, ein Vielfaches an Mehrwert.
Toby S.


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Samstag, 23 Mai 2026 05:25
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v. 10 Punkten: keine Wertung

Black Metal bot schon immer Raum für Theatralik, Provokation und eine überlebensgrosse Bildsprache. Gut und schön. Aber es gibt einen Unterschied zwischen dem Schaffen von etwas Beunruhigendem und Einprägsamen und dem blossen Stehen vor dem Spiegel mit dem Gedanken: "Mehr Corpse Paint und Satan sollten das Problem wohl lösen." ISEGRIM, 1999 erstmals veröffentlicht und nun auf Vinyl neu aufgelegt, fällt oft eindeutig in die letztere Kategorie.

Wenn ein Songtitel wie «Rape Jesus Christ» so früh auftaucht, runzeln selbst Zuhörer ohne persönliche religiöse Bindung instinktiv die Stirn. Nicht, weil er anstössig ist – Black Metal lebt seit Jahrzehnten vom Schockwert – sondern weil er sich dem "Schaut, wie böse ich bin" Schema fast schon karikaturhaft verschrieben fühlt. Man stellt sich unweigerlich vor, wie Satan selbst das Skript überprüft und um einen zweiten Entwurf bittet.

Musikalisch wird es für mich nicht viel besser. Das Album liefert, was versprochen wurde: rohen, primitiven Black Metal mit unerbittlichen Blastbeats, messerscharfen Gitarren und rauen Vocals, die sich nie für Melodie oder Abwechslung zu interessieren scheinen. Leider fühlt es sich nach ein paar Tracks nicht wie Chaos an, sondern wie musikalisches Copy-and-paste. Immer wieder derselbe Angriff, dasselbe Tempo, derselbe kratzige Gesangsangriff.

Ironischerweise war der einzige Moment, der mich kurz aufrüttelte, «Hail Emperor Caesar», das zumindest eine etwas andere Energie und einen Hauch von Aggression mit mehr Charakter einbringt. Sammler und eingefleischte Traditionalisten mögen dies als erhaltenes Relikt der Underground-Black-Metal-Kultur der späten 90er Jahre schätzen. Alle anderen fragen sich vielleicht, ob der Prince of Darkness wirklich vorhat, die Welt mit solch repetitivem Material zu erobern.

In der deutschen Sage war Isegrim der Wolf. Hier jedoch fletscht das Ungeheuer selten die Zähne – meist wiederholt es nur immer wieder dieselben teuflischen Tricks. Urteilt selbst.
Lukas R.


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Samstag, 23 Mai 2026 05:15
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v. 10 Punkten: keine Wertung

Braucht es in Zeiten von Spotify und YouTube noch Best-Of’s, wenn man doch so leicht eigene Playlists erstellen kann? Meiner Meinung nach nicht, und da ist es mir egal, ob die Band Helloween, Priest oder eben Crematory heisst. Zu einem weiteren Kritikpunkt komme ich später auch noch und der hat es in sich!

Mit teils fragwürdigen Aussagen haben sich Crematory in den letzten Jahren ihren Ruf selber etwas beschädigt, aber Fakt ist auch, dass die Band seit 1991 immer wieder gute, eingängige Songs fabriziert hat. Für die vorliegende Compilation hat man die besten englischen und deutschen Hymnen genommen und damit je eine CD aufgenommen. Auf dem dritten Silberling kommen auch noch vier Demo-Aufnahmen zu Ehren. Dass dabei Hits wie «Shadows Of Mine», «Tears Of Time», «Fly», «Haus Mit Garten» oder «Virus» nicht fehlen, dürfte klar sein.

Insgesamt kriegt der Käufer also 38 Songs geboten, und das ist definitiv "value for money". Aber damit zum zweiten Kritikpunkt, denn Vinylkäufer schauen mal wieder in die Röhre. Denn für die englische und die deutsche Ausgabe werden auf cede.ch über hundert Franken fällig und die Demo-Versionen fallen weg. Gibt es ernsthaft Fans die bereit sind, soviel Kohle für eine Compilation auszugeben? Am Schluss muss das jeder für sich entscheiden. Musikalisch ist alles in Butter, marketingtechnisch ist die Sache aber fragwürdig.
Rönu


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Freitag, 22 Mai 2026 04:45

Wie hat Rönu doch so treffend in seiner Victorius Review vor einem Monat erwähnt? Dass ich mich nicht gerade über die Aussage des Sängers gefreut habe, der meinte: "Wir sind Victorius und wir spielen Power Metal". Dass mir nur meine Gesichtszüge entglitten sind, kommt einem Kosenamen gleich, denn ich stand kurz davor die Truppe von der Bühne zu holen und, für die frevlerische Aussage, Abbath zum Frass vorzuwerfen. Nein, es war Gotteslästerung in Reinkultur, denn was bitte schön haben Victorius mit Power Metal zu tun? Wahrscheinlich so viel wie Journey mit Death Metal, nämlich rein gar nichts!

Was mich nun dazu überleiten lässt, zum reinen US Power Metal, der damals von ARMORED SAINT mitbegründet wurde. 1982 nahm ich die Truppe auf dem «Metal Massacre Sampler II» wahr. Die Nummer «Lesson Well Learned» entfachte bei mir ein Feuer, das bis heute anhält. Zusammen mit Vicious Rumors, Riot und den alten Savatage waren die Herren für mich der ultimative Shit. Als 1984 «March Of The Saint» erschien (damals trugen die Jungs noch Ritter-Kostüme), hatte sich schon die vorausgegangene EP «Armored Saint» in mein Gehirn eingefräst. Es waren die unglaubliche Stimme von John Bush (später bei Anthrax), das kongeniale Gitarrenspiel von Phil Sandoval und Dave Prichard (der leider 1990 an Leukämie verstarb) und die monströs groovende Rhythmus-Maschine mit Joey Vera (Bass) und Gonzo Sandoval (Drums), welche mich zum Die Hard Fan werden liessen.

Nach den grandiosen Meisterwerken «Delirious Nomad» (1985) und «Raising Fear» (1987) schien die Band nichts aufzuhalten, ausser das Musik-Business. Wer einmal in seinem Leben das vor Hoffnung, Verzweiflung, Wut und nie aufgeben vollgepumpte «Aftermath» gehört hat oder die Hymne «Chemical Euphoria» verinnerlicht, wird vom Virus AS nicht mehr wegkommen. Dass das Leben aber grausam sein kann, mussten die Jungs am eigenen Körper erfahren, als selbst die Support-Shows für die Scorpions auf der «Crazy World» Tour nicht den gewünschten Erfolg brachten. Die Familie blieb aber zusammen. John, Phil, Joey, Gonzo und Jeff Duncan (Gitarre, seit 1989) liessen sich nicht von ihrem Weg abbringen, spielten ihren Stiefel ohne Wenn und Aber, sprich zeigten allen den gestreckten musikalischen Mittelfinger.

Mit dem neusten Werk «Emotion Factory Reset», dem neunten, haut der Fünfer nun locker ein Album heraus, das zum Besten gehört, was die Combo jemals veröffentlicht hat. Und davon gab es in der Vergangenheit verdammt viel. Der Opener des neusten Streichs, «Close To The Bone», ist eine mitreissende Power Hymne, bei dem die Metal-Götter im Olymp zufrieden mit den Kopf nicken und den Beinen wippen. Mit wilden Gitarrenparts sparen die Jungs nicht bei «Compromise», während der Groover «It's A Buzzkill» alles mitreisst, und das verspielte «Ladders And Slides» sowie das rockige «Epilogue» das Album vorzüglich aufwerten.

Armored Saint haben ihren eh schon breiten Fundus nochmals erweitert, bleiben dabei aber stets bei ihren sensationellen Tracks und hauen ein Power Metal Album heraus, das diesen Namen auch mit Stolz tragen darf. Armored Saint sind die Truppe, welche sich alle Metaller angehört haben müssen. Wer dies noch nicht getan hat, bekommt mit «Emotion Factory Reset» den Soundtrack zum Eintauchen in metallische Universen, die man bei jedem Anhören aufs Neue entdecken und dabei auf den grandiosen Riffs durch die Galaxien reiten kann.
Tinu


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Freitag, 22 Mai 2026 04:35

"Keine Frage: Qualität muss immer vor Quantität gehen", erklärt DIMMU BORGIRs Silenoz mit ruhiger Gewissheit. "Wir setzen uns zwar irgendwann Deadlines, aber in der Anfangsphase eines neuen Albums gibt es überhaupt keine Zeitpläne. Eile bedeutet uns nichts. Die kraftvollste Black Metal Kunst lässt sich einfach nicht erzwingen, ohne ihre Essenz zu verlieren." Nun, ob man mit siebzig Minuten Spielzeit diesem Credo wirklich gerecht wird?

Geht es hingegen nach der Wartezeit, stimmt diese Aussage, denn acht Jahre mussten Fans der Norweger Geduld haben. Daneben musste man den Ausstieg von Gitarrist Galder verkraften, dieser wird sich wohl in nächster Zeit wohl hauptberuflich seiner Band Old Man's Child widmen. Das Fundament des Albums bildet eine bemerkenswerte Balance aus roher, Aggression mit einer fast schon theatralischen Erhabenheit. Anstatt die Gitarrenwände unter Tonnen von Keyboard-Spuren zu begraben, agieren die Riffs in diesem Mix erstaunlich kantig und dominant.

In Sachen Härte haben Dimmu Borgir mehr als eine Schippe nachgelegt. Besonders auffällig ist der Verzicht auf allzu eingängige, repetitive Hooks. Die Songs entwickeln sich organisch und fordern dem Zuhörer eine intensive Aufmerksamkeit ab, da sich die wahre Brillanz der Arrangements oft erst beim dritten oder vierten Durchlauf im Gehörgang festsetzt. Sparen können hätte man sich eigentlich nur die jeweils viel zu lang geratenen Intros und Outros.

Ansonsten zeigen Dimmu bei Songs wie «Ascent», «As Seen In The Unseen» oder «The Exonerated», wie man klassisch-symphonische Elemente und donnernden Black Metal in einer Weise kombinieren kann, die seinesgleichen sucht. Dimmu Borgir liefern mit diesem Release kein nostalgisches Pflicht-Programm ab. «Grand Serpent Rising» ist ein mutiges, sperriges und zugegeben etwas zu langes Kunstwerk, das beweist, dass symphonischer Extreme Metal auch im aktuellen Jahrzehnt noch absolut relevant, finster und unberechenbar klingen kann.
Rönu


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Freitag, 22 Mai 2026 04:25
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v. 10 Punkten: 8.9

Spannend und eingängig musizieren die Deutsch-Rocker UNZUCHT auf ihrem neuen Album. Dieses bewegt sich irgendwo zwischen Industrial Metal und Gothic. Die Plattenfirma nennt das schlicht Dark Rock – wieso auch nicht?

Was beim ersten Hördurchgang nämlich lyrisch ein wenig prollig wirkt, stellt sich bei genauerem Hinhören als durchaus tiefsinnig heraus. Dazu nehme man nur mal den epischen Titelsong oder das sehr ruhige «Nie mehr zurück». In dieselbe Richtung geht das Album-abschliessende, schwelgerische «Nachtschatten 1 und 2». Dass es trotz textlicher Tiefe auch mal krachen darf, versteht sich bei einer Heavy Metal Band von selbst. Die Härte scheint dabei keinen Selbstzweck zu erfüllen, sondern unterstützt die Texte zusätzlich.

So etwa bei «Koloss». Dasselbe gilt auch, wenn sich zum Gesamt-Sound noch elektronische Elemente gesellen. Entfernt erinnern mich Unzucht im positiven Sinne gar an Unheilig. Spannend auch, wie eingängig die Deutschen hier musizieren. Unzucht könnte mit «Neon Dom» gar der grosse Wurf gelingen. Das Potenzial ist auf jeden Fall da. Jetzt muss diese Musik nur noch bekannt werden und tatsächlich die Masse finden.
Roger W.


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Freitag, 22 Mai 2026 04:15
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v. 10 Punkten: keine Wertung

Sie geraten leider immer wieder in Vergessenheit, die dänischen ARTILLERY. Dabei hatten sie 1985 mit dem Debüt-Album «Fear Of Tomorrow» einen meisterlichen Einstieg in die Szene, welcher mit dem dritten und besten Werk «By Inheritance» (1990) gefestigt wurde.

Mit Sänger Michael Bastholm Dahl wurde die eher modernere Ära eingeläutet, die nun mit Martin Steene (Iron Fire) wieder in die erfolgreichere Frühphase abbiegt. Die beiden neuen Tracks «Made In Hell» und «Ghost In The Machine» zeigen eindrucksvoll auf, dass Artillery noch immer viel zu sagen haben. Speziell der Einstieg zum Titelsong erinnert mit seinem arabischen Flair an die erfolgreichste Zeit der Thrasher.

Bandgründer und Gitarrist Michael Stützer hat mit «Into The Universe» vom Erstling einen Track neu aufgenommen, der eindrucksvoll zeigt, dass Artillery mit vielen technischen Spielereien zu einer aussergewöhnlichen und eigenständigen Truppe wurden. Der Gesang von Martin geht unter die Haut, während die Gitarren-Abteilung sich schwindlig spielt. Dabei vergessen die Herren nicht, dem Ganzen einen fetten roten Faden aufzuerlegen und mit der nötigen Melodie den Song nicht zu vertrackt erklingen zu lassen.

Als Abschluss dieser 4-Tack-EP erklingt die Live-Version von «The Almighty» (im Original auf der '85er-Platte «Fear Of Tomorrow» zu hören). Artillery scheinen sich auf dem Weg zurück zu ihrer eigenen musikalischen Wurzeln zu begeben, was den Jungs sehr gut zu Gesichte steht. Hoffen wir, dass bald eine neue Scheibe erscheint, denn die Dänen haben noch immer sehr viel zu bieten.
Tinu


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Donnerstag, 21 Mai 2026 04:45
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v. 10 Punkten: 8.0

Ich musste einfach mit Titel sieben anfangen. Warum? Weil es «Wicked Game» war – ein Song, den ich wirklich liebe und der kürzlich von einer meiner Lieblingsband The Basement Saints gecovert wurde. Die Erwartungen waren daher vielleicht etwas zu hoch. Leider stellte sich schnell Enttäuschung ein.

Die geheimnisvolle Atmosphäre und die mühelose Coolness des Originals (und der Saints) schienen weitgehend zu fehlen. Im Gegensatz zur Interpretation der Saints verleiht diese Version dem Song nie wirklich eine neue Dimension. Sie geht auf Nummer sicher.

Doch ein Song macht noch kein ganzes Album aus, also hörte ich weiter.

Dabei stellte sich mir sofort eine weitere Frage: Was genau ist ‘echte amerikanische Musik’, wie es der Pressetext stolz verkündet? Wenn dies die Antwort ist, dann scheint Social Distortion sie als eine Mischung aus Garagenrock, Roots-Musik, Punk-Spirit und staubiger Highway-Atmosphäre zu definieren. Weniger Lederjacken-Attitüde und mehr sonnenverblasste Bars irgendwo abseits der Route 66.

Und um fair zu sein: «Born To Kill» hat durchaus seine Stärken. Es ist ein Album, in das man leicht hineingleiten kann. Die Songs sind eher angenehme Begleiter als anspruchsvolle Erlebnisse. Es ist die Art von Musik, die ganz natürlich zu langen Autofahrten gehört, bei heruntergelassenen Fenstern und einer endlosen Strasse vor einem. Vielleicht ist es genau das, was sie meinen, wenn sie von amerikanischer Musik sprechen.

Der Titeltrack eröffnet das Album selbstbewusst und sorgt sofort für Stimmung. Unter der Punk-Attitüde verbergen sich Spuren von klassischem Heartland-Rock. Manchmal fühlt es sich fast so an, als würden sich Tom Petty und Dylan vor einer Spelunke in Südkalifornien über den Weg laufen. Die Musik ist eher zum Mitsingen als zur Revolution gemacht.

Über das gesamte Album hinweg gehen die Melodien leicht ins Ohr und die Hooks kämpfen selten um Aufmerksamkeit. Die Gitarrenarbeit ist durchweg solide und gelegentlich sehr unterhaltsam, wenn auch nicht auf eine Weise, die ein sofortiges Wiederholen erfordert. Andererseits streben Social Distortion vielleicht gar nicht nach Virtuosität. Ihr Ziel scheint eher Atmosphäre und Vertrautheit zu sein.

Im Laufe des Albums kommen verschiedene Facetten zum Vorschein. «Partners In Crime» deutet erneut auf diesen Petty-ähnlichen Geist hin, während «Crazy Dreamer» weiter in Richtung Southern Rock und Americana tendiert. «Never Going Back» weist sogar Anklänge an einen Shuffle im Stil von ZZ Top auf.

Allerdings ist nicht jeder Halt auf diesem Roadtrip gleichermassen unvergesslich. Einige Titel in der zweiten Hälfte vergehen, ohne viel zu hinterlassen, und gelegentlich verfällt das Album zu sehr in seine eigene Formel.

Und dann ist da noch das Cover-Artwork. Als ich diese grosse Raubkatze sah, hatte ich etwas Gefährliches, Elegantes und Ungezähmtes erwartet. Stattdessen klingt «Born To Kill» weitaus bodenständiger und vertrauter als wild oder exotisch.

Dennoch: Nach fünfzehnjähriger Pause hätten sich Social Distortion niemals neu erfinden können - und vielleicht hatten sie das auch gar nicht vor. Was «Born To Kill» bietet, ist etwas anderes: eine Sammlung von Songs einer Band, die genau weiss, wer sie ist. Mike Ness klingt natürlich älter, doch das verleiht den Songs Charakter statt Schwäche. Hier gibt es Biss, aber auch Nachdenklichkeit.

Langjährige Fans, die die vertraute Mischung aus Punk-Energie, Rockabilly-Attitüde und Geschichten aus dem Arbeitermilieu erwarten, werden genau das finden, wonach sie gesucht haben. Wer auf eine dramatische Neuerfindung gehofft hat, bleibt vielleicht etwas auf der Strecke. Doch vielleicht verfehlt das den Punkt. Bei diesem Album geht es nicht darum, Relevanz zu beweisen, sondern ums Über/leben.

Wie eine alte amerikanische Autobahn mag «Born To Kill» einen vielleicht nicht ständig überraschen, aber es ist dennoch angenehm, eine Weile auf der Strasse zu bleiben.
Lukas R.


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Donnerstag, 21 Mai 2026 04:35

Mit «Exuvia» legen CAGE FIGHT ein Album vor, das keine Gefangenen macht. Die Band kombiniert Hardcore-Wucht, Thrash-Energie und moderne Metal-Grooves zu einem aggressiven Gesamtpaket, das vom ersten Moment an auf maximale Intensität ausgelegt ist. Dabei wirkt die Platte aber nie chaotisch oder ziellos – vielmehr steckt hinter der brachialen Fassade erstaunlich viel Präzision.

Schon die ersten Songs fahren mit rasiermesserscharfen Riffs und einem enormen Tempo auf. Die Gitarren arbeiten sich kompromisslos durch die Tracks, während das Schlagzeug beinahe pausenlos nach vorne peitscht. Besonders auffällig ist dabei die rohe Energie, die sich durch das gesamte Album zieht. «Exuvia» klingt wie eine Band, die sich im Proberaum gegenseitig bis ans Limit getrieben hat. Frontfrau Rachel Aspe sorgt zusätzlich dafür, dass das Album aus der Masse heraussticht. Ihre Vocals bewegen sich irgendwo zwischen Hardcore-Attacke, Thrash-Wut und beinahe hysterischer Eskalation.

Genau diese Mischung verleiht den Songs ihre eigene Dynamik. Gleichzeitig setzt die Band immer wieder auf groovige Midtempo-Passagen, die den Songs etwas mehr Gewicht verleihen und verhindern, dass alles in purer Geschwindigkeit untergeht. Produktionstechnisch klingt das Ganze modern und massiv, ohne komplett steril zu wirken. Die Songs besitzen genügend Dreck und Aggression, damit der Hardcore-Einschlag glaubwürdig bleibt. Vor allem live dürften viele dieser Tracks enormes Eskalations-Potenzial besitzen.

Natürlich ist «Exuvia» kein Album für entspannte Nebenbeihörer. Die Platte fordert Aufmerksamkeit und setzt auf Konfrontation statt Eingängigkeit. Genau darin liegt aber auch ihre Stärke. Cage Fight schaffen es, rohe Gewalt mit technischem Können und modernen Metal-Elementen zu verbinden, ohne dabei ihre Härte zu verlieren. Unterm Strich ist «Exuvia» ein intensives, kompromissloses Brett geworden, das Fans von Hardcore, Thrash und modernem Extreme Metal ordentlich Stoff liefert. Laut, aggressiv und voller Energie.
Roxx


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Donnerstag, 21 Mai 2026 04:25

Kommt die Frage nach Bands auf, welche wie Running Wild klingen kommen mir spontan X-Wild, Blazon Stone und mit Abstrichen Lonewolf in den Sinn. Mit WHIRLWIND aus Spanien mischt nun noch eine weitere Band mit.

Obwohl das Label auch Bands wie Helloween, Accept, Tyrant, Grave Digger, Stormwitch, Mercyful Fate oder Manowar als Einflüsse auflistet, klingt das Album ganz klar nach Rock'n'Rolf. Lyrisch befasst man sich mit dem 30-jährigen Krieg auch mit den dazugehörigen inneren Konflikte Spaniens. Nun kann man von so offensichtlichen "Klon-Bands" halten was man will, ich finde zumindest Blazon Stone richtig stark. Originell ist das natürlich null-komma-null, aber so lange das Songmaterial Songs wie den furiosen Opener «Days Of Doom», das galoppierende «Winds Of Ash And Dust» oder den hymnischen Stampfer «Through Fire And Blood» hergibt, ist mir das ziemlich schnuppe.

Natürlich hat man mit «Marching For Victory» auch einen epischen Longtrack an Bord. Dass es trotzdem nicht ganz zu einer Acht gereicht hat, liegt vor allem an Sänger Héctor Llaurado, der einem Rolf Kasparek oder Matias Palm (Blazon Stone) schlichtweg nicht das Wasser reichen kann. Vor allem in den Höhen offenbaren sich doch einige Schwächen. Insgesamt lässt sich «1640» aber trotzdem gut an einem Stück anhören, respektive durchhören und geht somit als gelungenes Zweitwerk durch.
Rönu


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https://www.youtube.com/embed/pArp4qjEetQ

Donnerstag, 21 Mai 2026 04:15
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v. 10 Punkten: 7.0

AVONs «Black On Sunshine» kommt mit all den richtigen Schlagworten daher: Wüsten-Rock-Rauheit, psychedelische Anklänge, Verbindungen zu Kyuss und Queens Of The Stone Age. Doch das Hörerlebnis wird diesem Versprechen selten gerecht. Was sich stattdessen entfaltet, ist ein Album, das sich hartnäckig im ersten Gang festgefahren anfühlt und sich auf Wiederholungen wie auch Rohheit als Ersatz für echte Tiefe im Songwriting verlässt.

Die Produktion rückt dicke, verzerrte Riffs in den Vordergrund und hält die Energie hoch – exakt das, was sie sich vorgenommen hat. Doch genau dieser Ansatz wird zur Hauptschwäche des Albums. Viele Tracks verschwimmen zu einer durchgehenden Wand aus Midtempo-Rhythmen, in der es einzelnen Ideen schwerfällt, sich abzuheben. Selbst wenn ein Song etwas Markanteres andeutet – wie die etwas spacigeren Texturen von «Spacebar» oder das geringfügig melodischere «Never In A Million Years» – fällt er schnell wieder in dieselben vorhersehbaren Muster zurück. 

Gesanglich polarisiert das Album noch stärker. Der Gesang stützt sich stark auf einen rauen, fast gleichgültigen Ton, der vielleicht auf Attitüde abzielt, aber eher irritierend wirkt. Anstatt die Instrumentierung zu ergänzen, wirkt er häufig distanziert, als wäre er über die Musik gelegt statt in sie integriert.

Die Herkunft der Band und ihr Bekenntnis zu einer reduzierten, im Garage-Rock verwurzelten Ästhetik sind unbestreitbar. Für Zuhörer, die sich intensiv für diese rohe, ungeschliffene Ecke des Stoner Rock interessieren, findet sich hier vielleicht etwas, woran sie sich festhalten können. Alle anderen, wie auch ich, hingegen finden «Black On Sunshine» einfach nur als eintönig – laut, beharrlich und letztlich ohne die Hooks oder die Dynamik, die nötig wären, um zumindest schon mal aufzufallen. In and out, gone!
Lukas R.


https://www.youtube.com/embed/NBSdzrDDwM0

Mittwoch, 20 Mai 2026 04:45
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v. 10 Punkten: 8.5

Der europäische Power Metal hat mir in letzter Zeit etwas Sorge bereitet. Bands wie Battle Beast, Beast In Black oder Angus McSix übertreffen sich förmlich mit völlig übertriebenen Pop-Keyboard-Zuckerguss Attacken, so dass man sich phasenweise in einer härteren Version von Modern Talking wähnte. Zum Glück gibt es auch heute aber noch Bands, die hier mächtig Gegensteuer geben.

Ein äusserst positives Beispiel sind TORIAN aus Paderborn, welche mit ihrem fünften Album eindrucksvoll beweisen, dass Keyboards und Gitarre eine mächtige Soundwand aufbauen können, ohne gleich klebrig süss zu klingen. Double-Bass Drum-Attacken wie bei «Soul Vampires», «Warpriest» oder «Sent To Hell» sind bei den Paderborner keine Ausnahme. Daneben sorgen die Keyboard-Teppiche für den nötigen Bombast und der nötigen Portion Melodie. Das Gespür für einprägsame Refrains («Iron Hammer» oder «Sons Of The Damned») ist ebenso ausgeprägt, wie die gut platzierten Power Metal typischen Chöre.

Mit "Lost Legion" findet das Album seinen thematischen Kern und zeigt dabei auf, dass Torian die Balance zwischen technischem Anspruch und Mitsing-Hymnen meisterhaft beherrschen. Ausserdem ist die Steigerung der Band seit dem durchwachsenen Debüt «Dreams Under Ice» eindrucksvoll. Ein rundum gelungenes Werk für Fans von kraftvollem, modernem Power Metal! Die Produktion ist modern wie fett und passt somit zum bombastischen Sound der Deutschen. Wer Bloodbound, Brainstorm oder Orden Ogan mag, kommt an Torian, respektive ihrem Werk «The Lost Legion Rising» nicht vorbei.
Rönu


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Mittwoch, 20 Mai 2026 04:35
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v. 10 Punkten: 8.1

Seit gut 18 Jahren steht die Band NECROTTED, wie fast keine andere ihres Genres, für mitreissende Melodien bei gleichzeitig gnadenloser Geschwindigkeit und Brutalität.

Die 2008 in Abtsgmünd (Baden-Württemberg) gegründete Truppe begeistert ihre stetig wachsende Fangemeinde mit dem neuen Album «We Are The Gods That Tear Ourselves Apart», mit dem sie den nächsten Entwicklungs-Schritt wagen und das einen weiteren Meilenstein in ihrer Bandgeschichte markiert. Die wie immer als Konzept-Album angelegte Platte wirkt als audiovisuelles Gesamtwerk mit einer deutlichen politischen Botschaft, die zum Nachdenken anregt.

Das Quintett ist erwachsen geworden, weiss genau, was es will und dementsprechend sind auch die Lyrics noch ausgereifter ausgefallen, als bei den Vorgängeralben. Stilistisch sind Necrotted ganz im modernen Blackened Death Metal angekommen. Gekonnt bewegen sich die zehn neuen Songs zwischen Genre-Grenzen, ohne dass diese Fluidität dabei erzwungen klingt. Death Metal, Black Metal sowie Elemente aus dem Slam und dem Core-Bereich werden zu einer explosiven Mischung angerührt. Donnernde Blastbeats und drückende Slam-Parts, krachende Breakdowns und im Kopf bleibende Gitarren-Riffs.

«We Are The Gods That Tear Ourselves Apart» lässt für Fans des Genres wirklich nichts vermissen. Zu den hauptsächlich in Englisch vorgetragenen Texten gesellen sich erneut auch Lyrics in der bandeigenen Muttersprache Deutsch. Asterix-Fanatiker und Sprachen-Nerds können gar einzelne lateinische Text-Passagen für sich entdecken. Vorgetragen werden diese gewohnt ausschliesslich mit unmenschlich anmutendem gutturalem Gesang.

«We Are The Gods That Tear Ourselves Apart» ist vermutlich nicht der ultimative neue Scheiss, dennoch wird das Album, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, ein grosses Echo im Bereich des zeitgenössischen Extreme Metals hinterlassen, weil es ehrlich und direkt ist. Das Schwabenländle hat definitiv nicht bloss Maultaschen und Spätzle zu bieten, sondern auch eine der Speerspitzen des deutschen Extreme Metals!
Oliver H.


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Mittwoch, 20 Mai 2026 04:25
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v. 10 Punkten: 8.4

Wenn man sich «Gloomy, Eerie And Weird» anhört, versteht man sofort, warum sich THE MUGSHOTS schon so lange in der Underground-Szene behaupten. Hinter diesen Songs stecken Erfahrung und ein Sinn für verspielte Theatralik, die verhindern, dass das Album zu düster oder zu ernst wird.

Die Band schöpft eindeutig aus den klassischen Traditionen des Post-Punk und des Horror-Rock, und manchmal erinnert die coole, distanzierte Selbstsicherheit stark an The Stranglers. An anderer Stelle, insbesondere im dramatischen Gesang und der filmischen Atmosphäre, sind deutliche Spuren von Alice Cooper erkennbar. Besonders gut funktioniert die Balance zwischen Stimmung und Zugänglichkeit. Trotz der Horror-Ästhetik, der seltsamen Charaktere und der gotischen Anklänge bleibt dies ein Album, das man einfach als Rock-Musik geniessen kann, ohne sich voll und ganz auf das Konzept einlassen zu müssen.

The Mugshots verlieren sich nie in obskuren Experimenten. Selbst wenn Synthesizer, Theremins oder theatralische Sprechpassagen auftauchen, bleiben die Songs um einprägsame Riffs und Hooks herum strukturiert. In diesem Sinne wirkt die Platte oft überraschend mainstreamtauglich. Einige Tracks könnten problemlos im Mainstream-Radio laufen, ohne Gelegenheitshörer abzuschrecken. Auch die Produktion verdient Lob.

Die Gitarren klingen voll und cineastisch, während die Keyboards Atmosphäre schaffen, ohne die Songs unter Schichten gotischer Überladung zu begraben. Dan Swanös Mastering verleiht der Platte einen warmen, aber kraftvollen Klang, der sehr gut zum Material passt. Die vielen Gast-Musiker sorgen für Würze. Ihre Auftritte – darunter die von Underground- und Metal-Veteranen wie Sakis Tolis von Rotting Christ, Andy La Rocque von King Diamond, Gaye Advert von The Adverts oder Enrico Ruggeri – tragen dazu bei, die Persönlichkeit des Albums zu erweitern.

Nicht jeder Song hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Zuhörer, die nach roher Punk-Aggression oder wirklich verstörender Horror-Musik suchen, könnten das Album hingegen als zu ausgefeilt und kontrolliert empfinden. Dennoch ist «Gloomy, Eerie And Weird» eine gute Scheibe, weil sie Unterhaltung versteht. Gleichzeitig stilvoll, eingängig, leicht bizarr und durchweg unterhaltsam – ein Dark-Rock-Album mit genügend Hooks, Charisma und Atmosphäre, um immer wieder darauf zurückzukommen. Ich habe mir nun auch den Back-Katalog auf meine Playliste geladen.
Lukas R.


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https://www.youtube.com/embed/lkxGKqNyYIs

Mittwoch, 20 Mai 2026 04:15
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v. 10 Punkten: 7.0

Bei Namen wie "Doedsadmiral" und "Antichristian" erwartet man fast schon eine Gruppe karikaturhaft böser Schurken, die zwischen rituellen Opfern ihre Dreizacke schärfen und für ihre Auftritte proben. Das dramatisch düstere Coverbild dämpft diese Erwartungen keineswegs, sondern fordert geradezu dazu auf, alles sehr, sehr ernst zu nehmen. Glücklicherweise (oder unglücklicherweise) verzichten Dødsvangr auf das Cosplay und liefern mit «Within The Flesh» etwas weitaus Überzeugenderes ab.

Von den ersten Sekunden an stürzt sich das Album kopfüber in einen Schneesturm aus Verzerrung, Blastbeats und scharfen Riffs. Die Produktion ist dicht, düster und unverhohlen feindselig, weniger "studio-poliert" und eher "unter einem gefrorenen Wald begraben gefunden, immer noch unheilvoll summend". Gesanglich wechselt Doedsadmiral zwischen kehlenschneidenden Schreien und höhlenartigen Growls, als würde er in besonders schlechter Laune mit sich selbst streiten.

Überraschend ist, wie kontrolliert das Chaos tatsächlich ist. Unter dem unerbittlichen Ansturm variieren die Songs gerade so viel, dass es spannend bleibt. Tracks wie «Black Sun Dissolution» dringen fast in hypnotisches Terrain vor, während der Titeltrack eine unheimliche Atmosphäre hinzufügt, ohne den Schlag abzuschwächen. Doedsvangr haben aber sichtlich Spass daran ihren schwarzen Metal mit Überzeugung durch den Schlamm zu ziehen. Wenn Ihr Musik bevorzugt die klingt, als würde sie Eure Lautsprecher verfluchen, dann ist dieses Album genau das Richtige für Euch.
Lukas R.


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Dienstag, 19 Mai 2026 04:45
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v. 10 Punkten: 8.7

Ich bin ja gar kein Fan von irgendwelchen Musikpreisen, aber wenn eine Newcomer Thrash Band mit ihrem Debüt, in diesem Fall ERADIKATED, für einen schwedischen Grammy nominiert wird, darf man schon anerkennend den Hut ziehen. Drei Jahre später hat man nun den Nachfolger bereit, welcher erneut ein veritabler Nackenbrecher geworden ist.

Die Skandinavier brauchen keine Aufwärmzeit und legen nach dem Intro mit «British Petroleum» gleich mal brachial los. Da sitzt jedes Riff, die Double-Bass-Drum zimmert einen in den Sessel und die Stimme von Sänger Elvin gibt Euch den Rest. Slayer dürften für den jungen Mann ein grosser Einfluss gewesen sein. Doch es ist die phasenweise grandiose Gitarren-Arbeit die «Wiring Of Violence» von anderen Thrash Bands abhebt. «Mortality», «Culling» oder der Titeltrack gehören mit zum Besten, was dieses Jahr im Thrash Bereich erschienen ist.

Das zweite Album kommt mit knapp 33 Minuten als kurzer, heftiger Abriss daher und unterstreicht die Tatsache, dass Eradikated erneut mehr als eine Stufe der Erfolgsleiter nach oben hinklettern werden. Falls Ihr noch nicht überzeugt seid, sollte sich den Rausschmeisser «Ashes» zu Gemüte führen. Das hätten selbst Anthrax nicht besser machen können.
Rönu


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Dienstag, 19 Mai 2026 04:35
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v. 10 Punkten: 8.0

Die Band LYNX aus Giessen (D) leget hier ihr zweites Album vor. Und wieder rockt man mit starkem 70er-Flair, was schon der Eröffnungs-Song «Voyager» zeigt. Erinnert etwas an die Anfangszeiten von Iron Maiden, was das Instrumentale betrifft.

Neuzugang Sängerin Amy Zine macht ihren Job sehr gut und fügt sich bestens in die Musik der Deutschen ein. «Oppressive Season» klingt wie eine Mischung aus Maiden und Thin Lizzy, abgesehen vom Gesang, der schon recht eigenständig daherkommt. Der Song wartet übrigens mit einem eingängigen starken Refrain auf. Amys Gesang erinnert mich stellenweise mal wieder an Tici Westreicher von Klaus Schuberts Rock Bunnies. Lynx haben wirklich ein gutes Gespür für eingängige Gesangs-Melodien. Auch gut zu hören beim Titeltrack.

Oder dann «Stranger Sign In The Sky», eine grossartige Nummer, ein Rock-Song, der sofort gefällt und dessen Magie man sich nicht entziehen kann. Ruhige Töne in Richtung Blues folgen dann bei «Seven Days Of Darkness». Eine Track mit Tiefe und toll gesungen von Amy. Zum Schluss bekommt man noch das 8-minütige «Island Universe» auf die Ohren. Eine starker Rocker, der nochmals unterstreicht, was für ein grosses Potenzial in den Musikern steckt. Lynx überzeugen hier auf ganzer Linie und legen mit «Trinity Of Suns» ein interessantes Album vor, das den Geist der 70er atmet, ohne altbacken zu wirken, echt coole Scheibe.
Crazy Beat


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Dienstag, 19 Mai 2026 04:25

Mit «Survive/Yourself» schärfen DEMONS MY FRIENDS ihre Identität zu etwas, das zugleich vertraut und beunruhigend persönlich ist. Das Trio setzt auf einen dichten, heruntergestimmten Sound, der Anklänge an den Alternative Rock der 90er-Jahre aufgreift, sich jedoch weigert, in Nostalgie zu versinken. Stattdessen bewegt sich das Album mit einer bewussten Schwere: Langsam aufbauende Riffs prallen auf Ausbrüche von Dringlichkeit, während die Rhythmusgruppe alles in einem dichten, beinah tanzbarem Groove verankert.

Was diese Veröffentlichung auszeichnet, ist ihre emotionale Direktheit. Es gibt keinen Versuch, Verletzlichkeit hinter Abstraktion zu verbergen: Die Songs wirken gelebt und eher von Druck geformt, als für den Komfort aufpoliert. Titel wie «The Theory Of Change» zeigen diese Balance gut auf und wechseln zwischen Zurückhaltung und Ausbruch, ohne dabei an Zusammenhalt zu verlieren. An anderer Stelle experimentiert die Band subtil mit Textur wie Tempo und hält die Aufmerksamkeit der Zuhörer gefesselt, ohne die bedrückende Atmosphäre des Albums zu zerstören.

Die Produktion bewegt sich auf einem schmalen Grat: Sie ist klar genug, um Details hervorzuheben, hat aber dennoch eine gewisse Rauheit. Der oft zwischen Melodie und Anstrengung schwingende Gesang fungiert als emotionaler Kern und führt einen durch Momente der Spannung und Entspannung. «Survive/Yourself» wird diejenigen nicht ansprechen, die nach sofortigen Ohrwürmern oder Easy Listening suchen. Fans von schwerem, introspektivem Rock und Grunge-Doom erwartet jedoch ein fesselndes, ehrliches Erlebnis, das Geduld und wiederholtes Anhören anstatt sofortige Befriedigung belohnt.
Lukas R.


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