Inspiriert von einer Anime-Serie der Neunzigerjahre, die nicht nur den Bandnamen prägt, sondern auch die Ästhetik vorgibt, entfaltet sich «Press Start» wie ein klassisches Arcade-Spiel. Vom Intro bis zum Outro folgt das Album einer Level-Struktur, in der jeder Track ein eignes Level repräsentiert. Oldschool-Game-Feeling trifft auf überzeichnete Charaktere und bewusst absurden Humor – ein Ansatz, der stärker auf Nerd-Kultur, als auf klassische Core-Ernsthaftigkeit setzt. Im Vergleich zu «You're Hellcome» wirkt das Songwriting deutlich fokussierter.
Wo das Debüt noch zwischen Ideen schwankte, greifen die Strukturen hier präziser ineinander. Hooks sitzen, Übergänge sind klar definiert, und die Tracks funktionieren als eigenständige Einheiten innerhalb des Gesamtbildes. Die Mischung aus Metalcore, Trancecore und Crossover bleibt erhalten, wird aber zielgerichteter eingesetzt. Der Einfluss von Gitarrist Daniel Haniss (ehemals Electric Callboy) ist bei Produktion und Songwriting unüberhörbar. Auch personell markiert das Album einen Einschnitt.
Mit dem Einstieg von Drummer Robin Scheer gewinnt die Rhythmus-Sektion deutlich an Präzision und Durchschlagskraft, was sich unmittelbar im strafferen Gesamtbild niederschlägt. Während die Gitarren mehr Gewicht liefern, sind auf der elektronischen Ebene 80er/90er-Synths und EDM-Drops zu hören. Das alles wird von Rap-/Crossover-Passagen punktuell ergänzt, die dem Album zusätzliche Dynamik verleihen. Trotz aller Weiterentwicklung bleibt «Press Start» bewusst oberflächlich – und genau darin liegt seine Stärke.
Die Band verzichtet auf Tiefgang zugunsten von maximaler Unterhaltung. Die Songs sind auf unmittelbare Wirkung ausgelegt: schnell, eingängig, visuell aufgeladen. Das funktioniert, solange man das Spiel mitspielt. Wer nach emotionaler oder musikalischer Tiefe sucht, wird hier allerdings kaum fündig. Samurai Pizza Cats schärfen ihr Profil, bündeln ihre Stärken und liefern ein Werk, das genau weiss, was es sein will – laut, verspielt und kompromisslos unterhaltsam.
Stéphanie P.