Gildas Le Pape nähert sich dem Black Metal nicht als Ventil für Chaos, sondern als Disziplin, als Raum, in dem Emotionen verfeinert statt entfesselt werden. Allein das hebt Via Doloris von anderen ab. Musikalisch setzt das Album mit ungewöhnlicher Überzeugung auf Melodie. Die Gitarren-Arbeit schmückt die Songs nicht nur, sondern trägt sie und kehrt in geduldigen, sich entwickelnden Mustern zu sich selbst zurück.
Diese Motive wirken wie vertonte Gedanken: Sie kehren zurück, wandeln sich und vertiefen sich. Selbst bei höheren Tempi vermeidet die Musik Raserei um ihrer selbst willen. Stattdessen atmet sie. Hier herrscht ein Gespür für das Tempo, das beinahe architektonisch anmutet, als wäre jeder Track sorgfältig konstruiert, um die Hörer durch eine innere Landschaft zu führen, statt sie zu überwältigen.
Frosts Schlagzeugspiel spielt dabei eine wichtige, wenn auch eher zurückhaltende Rolle. Anstatt zu dominieren, verankert es die Kompositionen und lässt die Gitarren und die Atmosphäre im Fokus bleiben. Diese Entscheidung unterstreicht den introspektiven Charakter des Albums. Ebenso sorgt der Einsatz mehrerer Sprachen eher für Textur als für Neuartigkeit: Jeder Sprachwechsel verändert das emotionale Gewicht einer Passage auf subtile Weise.
Am überraschendsten ist, wie intim sich das Ganze anfühlt. Trotz seiner Wurzeln im nordischen Black Metal strebt «Guerre Et Paix» selten nach Grandiosität. Selbst seine längsten Momente entfalten sich eher wie private Rituale als wie epische Erklärungen. Das macht es besonders lohnenswert für Zuhörer, die Geduld und Nuancen gegenüber unmittelbarer Wirkung schätzen.
Es ist kein makelloses Werk - dem Gesang fehlt der Dynamik-Umfang, den die Musik zu erfordern scheint - aber die Gesamtvision ist auffallend kohärent. Dies ist ein Werk, das zum wiederholten Anhören einlädt und seine Tiefe nur langsam offenbart. Für diejenigen, die bereit sind, sich auf seine Bedingungen einzulassen, bieten Via Doloris etwas Seltenes: Black Metal der flüstert, reflektiert und nachhallt. Wenn es nur die Musik betrifft würde ich wohl eine neun und mehr vergeben, aber die Stimme ist zumindest für mich nicht immer so cool, darum verbleibt ein bisschen weniger.
Lukas R.
