Dogma sind was immer Ihr möchtet, dass sie es für Euch sind. Kult, Sekte, Band, Musical oder noch vieles anderes. Der Zuhörer darf entscheiden, was Dogma für ihn sein soll. So steht es auf der Homepage der Band geschrieben, und so präsentiert sich das Kunst-Projekt auch. Die musikalische Geschichte ist noch sehr jung, 2023 erschien das bisher einzige Album, 2024 folgte eine Single und 2025 dann nochmals eine. Die Formation ist munter auf Tourneen unterwegs, allein, mit anderen Bands zusammen und spielt auch oft an Festivals. Bekannt sind die fünf Nonnen für ihre guten Skills was die Beherrschung der Instrumente angeht und für die provokante Show in den Nonnen-Outfits. Wer genau dahintersteckt lässt sich nicht herausfinden – also auch das ist eher mysteriös – und passt so ganz gut zum Image.
In der Z7 Konzertfabrik in Pratteln treffen wir Rusalka (Gitarre) und Lilith (Gesang) von Dogma zu einem kurzen Interview vor dem abendlichen Konzert.
MF: Zuerst einmal vielen Dank, dass ihr in die Schweiz gekommen seid und eure Musik sowie eure aussergewöhnliche Show mitgebracht habt. Gerade bei eurem extrem dichten Tourplan – ihr spielt ja fast jeden Tag an einem anderen Ort – ist das alles andere als selbstverständlich. Ihr habt bisher ein Album veröffentlicht, musikalisch genau mein Ding. Deshalb meine erste Frage: Woher kommt eure Inspiration? Welche musikalischen Vorbilder oder Helden haben euch geprägt?
Rusalka: Für mich persönlich – vor allem als Gitarristin – ist mein absoluter Guitar Hero Alexi Laiho von Children of Bodom. Sein Spielstil, seine Technik, das hat mich stark beeinflusst. Er war einfach eine riesige Inspiration und hilft mir bis heute enorm.
Lilith: Als Frontfrau bringst du automatisch viele theatrale Elemente mit auf die Bühne. Für mich geht es weniger darum, wie eine bestimmte Sängerin zu sein, sondern eine eigene Figur zu erschaffen. Lilith ist ein eigener Charakter – mit eigener Stimme, eigener Persönlichkeit. Das wächst aus mir selbst heraus.
MF: Ich habe euch letztes Jahr in Wacken gesehen und war beeindruckt, mit welcher Energie ihr vom ersten Moment an auf die Bühne geht. Liegt euch dieses "direkt Vollgas geben" besonders?
Lilith: Absolut. Wir wollen in jedem Song maximale Power und Energie bringen – vom ersten bis zum letzten Ton der Show.
"…Wenn ich die Chance habe, jemanden zu motivieren, nehme ich sie immer wahr..."
MF: Die Musik-Szene hat sich in den letzten zehn bis zwanzig Jahren stark verändert. Trotzdem sind All‑Female‑Bands noch immer eine Minderheit. Glaubt ihr, dass ihr mit eurer Präsenz, euren Shows und eurem Selbstbewusstsein andere Frauen motivieren könnt, selbst Musik zu machen?
Lilith: Auf jeden Fall.
Rusalka: Ja, total. Gerade nach Shows am Merchstand kommen oft Fans zu mir und sagen: "Ich spiele auch Gitarre, du inspirierst mich sehr." Das bedeutet mir unglaublich viel. Gleichzeitig geben mir diese Begegnungen selbst wieder Motivation, auf der Bühne komplett durchzudrehen. Ich sage immer: Übt weiter, bleibt dran, werdet besser – wir brauchen mehr Frauen in der Musik. Wenn ich die Chance habe, jemanden zu motivieren, nehme ich sie immer wahr.
MF: Grossartig, dass ihr junge Musikerinnen so unterstützt. Man sieht ja auch, dass die Line‑ups grosser Festivals von Jahr zu Jahr weiblicher werden. Eure Show wirkt extrem anstrengend. Tut ihr etwas Besonderes, um fit und gesund zu bleiben?
Rusalka: Wir haben alle unsere eigenen Routinen. Ich persönlich trainiere viel und achte sehr auf meinen Körper: gesund essen, nach der Show möglichst schnell schlafen gehen, früh aufstehen, Sport treiben. Laufen hilft mir enorm, um Ausdauer aufzubauen und mit dieser Energie auf die Bühne zu gehen. Tagsüber versuche ich, so entspannt wie möglich zu bleiben, damit ich abends wirklich alles geben kann.
Lilith: Für mich ist es vor allem wichtig, ausreichend zu trinken, Pausen zu machen, wann immer es möglich ist, und unterwegs möglichst gesund zu essen. Hydration ist key.
MF: Tourtage bestehen aus Fahren, Soundcheck, Organisation und dann auch viel Styling. Wie lange braucht ihr für Outfit und Make‑up?
Lilith: Ungefähr 45 Minuten. Für mich ist das aber ein wichtiges Ritual. Während Make‑up und Kleidung angelegt werden, schlüpfe ich emotional und mental in die Rolle – das ist der Moment, in dem Lilith entsteht.
MF: Habt ihr als Band ein gemeinsames Ritual, bevor ihr auf die Bühne geht?
Rusalka: Wir pushen uns gegenseitig, sammeln unsere Energie, legen die Hände zusammen und schreien gemeinsam los.
MF: Ihr spielt aktuell eigene Headliner‑Shows in Europa, wart aber auch gemeinsam mit League Of Distortion und Lord Of The Lost unterwegs. Wie war diese Erfahrung?
Lilith: Sehr cool. Beides grossartige Bands. Es ist spannend, unterschiedliche Sounds zu hören und andere Show‑Konzepte zu erleben. Das ist unglaublich inspirierend.
Rusalka: Heute Abend wird definitiv eine musikalische Reise.
"…Der Song schaltet bei mir einfach alles frei…"
MF: Gibt es einen Song, auf den ihr euch heute besonders freut?
Lilith: Aktuell ist es «Cardinal Liberation» – der Song schaltet bei mir einfach alles frei.
Rusalka: Für mich ganz klar «Made Her Mine». Dieser Song hat so viel Energie, vor allem die Harmonie‑Parts zwischen Lamia und mir. Ich liebe das Gitarren-Solo – eigentlich liebe ich alle Songs, aber dieser verleiht mir einen besonderen Adrenalin-Kick.
"…wir laden alle "Sinners" ein, sich das Video anzuschauen…"
MF: Ihr habt ein Album veröffentlicht und kürzlich die neue Single «Fate Unblinds» herausgebracht – starker Song, starkes Video. Wann dürfen wir mit dem nächsten Album rechnen?
Lilith: Das neue Album soll Anfang nächsten Jahres erscheinen. Momentan arbeiten wir intensiv an neuer Musik und promoten gerade «Fate Unblinds», den wir heute Abend auch spielen werden.
Rusalka: Die Single läuft bisher richtig gut. Wir laden alle "Sinners", die das Video noch nicht gesehen haben, herzlich ein, es sich anzuschauen.
Lilith: Ausserdem spielen wir auf ausgewählten Shows bereits einen weiteren neuen Song vom kommenden Album. Und im Laufe des Jahres werden vermutlich noch ein paar Songs wie auch Videos erscheinen, bevor das Album herauskommt.
MF: Das Z7 ist in der Schweiz bekannt für harte Konzerte. Wart ihr hier schon einmal?
Lilith: Auf dieser Tour ist es unser erster und einziger Stopp in der Schweiz. Dogma waren früher wohl schon einmal hier, aber ich weiss nicht mehr genau wo.
MF: Ihr wart auf dieser Tour bereits auf mehreren Kontinenten unterwegs.
Lilith: Ja, die Publika sind überall unterschiedlich – aber immer auf eine gute Art.
MF: Dem Schweizer Publikum sagt man manchmal nach, eher ruhig zu sein.
Lilith: Na, dann schauen wir gleich mal, ob das stimmt.
MF: Vielen Dank für das Interview – ich freue mich auf die Show und wünsche euch alles Gute!
Lilith & Rusalka: Vielen Dank für eure Zeit und eure Aufmerksamkeit. Viel Spass bei der Show!