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"...Ich sang schon immer gerne und machte Musik..."
Rebel Rose
By Tinu
Da ist man an der Geburtstags-Party von Steve Gasser in der Musikburg, erlebt viele Schweizer Musiker auf der Bühne und geniesst grossartige Momente. Bis diese Stimme auftauchte, bei der ich seit Langem wieder einmal dachte: "Wie geil ist das denn?" Auf der Stage stand nämlich ein Energiebündel, das mit Ausdruck und Authentizität den ganzen Raum für sich vereinnahmte.
Sara Runco, die Frontfrau von Rebel Rose, genoss meine komplette Aufmerksamkeit. Ihre Performance bei den beiden Tracks die sie sang, sorgt noch heute für eine grandiose Erinnerung. Ein Interview musste deshalb her, und so sass mir wenig später die Sängerin zu einem lockeren Gespräch gegenüber. Dabei präsentierte sich mir eine total bodenständige und quirlige Shouterin.
MF: Wie bist du zur Musik gekommen, sprich welche Bands und Musik hast du dir angehört?
Sara: Wie jeder und jede (lacht). Ich sang schon immer gerne und machte Musik, als ich jung war. Beruflich hätte ich gerne etwas mit Musik und Tanz gemacht (grinst). Früher war ich im Ballett Ballerina, das ging bis zum Jazz-Tanz und moderneren Dingen. Eine Musical-Ausbildung wäre cool gewesen, die war aber nicht finanzierbar. So ging ich meinen normalen 08/15 Weg (lacht). Als ich einen Job hatte, nahm ich Gesangs-Unterricht bei Andy Portmann (Felskinn), meinem Gesangslehrer und Mentor. Dank ihm habe ich die Stimme, mit der ich heute auf die Bühne gehe. Ursprünglich hatte ich Querflöten-Unterricht. Das ist tatsächlich eines der wenigen Dinge in meinem Leben, die ich bereue (lautes Lachen). Ansonsten habe ich mir ein bisschen das Gitarren-Spiel beigebracht und nahm kurzzeitig auch Schlagzeug-Unterricht.
MF: Was hat dir dein Mentor beigebracht, er trieb sich doch auch in der Musical-Welt herum?
Sara: Das passte zusammen, da er mir sehr vieles beigebracht hat. Im Unterricht haben wir uns auch an Popsongs oder Musicals gewagt. Wie «Phantom der Oper» oder «Les Misérables». Klar auch Iron Maiden oder Metal und Rock-Songs. Diese Kombination macht es aus (grinst), wenn es nicht immer das Gleiche ist, dann lebe ich auf. Aber! "I'm a Metalgirl". Rock und Metal war und sind immer das, was ich machen will.
MF: Wenn du dich schon gesanglich breiter aufstellst, hast du irgendwann in einem Chor gesungen oder warst in einer Oper?
Sara: Nein, Chor war nie geplant, aber etwas Klassisches zu machen, wäre cool. Als ich mit dem Singen begann, erinnere ich mich an eine Show von Nightwish. Damals hat sie kaum jemand gekannt und sie waren Vorband von Rage. Das war der Ursprung des Symphonic Metals. Durch meine Liebe zu Musicals, ich liebe das «Phantom der Oper», sang ich früher in meinen Bands eher mit kopflastiger und klassischer Stimme. Ich hatte keine Ausbildung, sondern habe es mir selbst beigebracht. Bruce Dickinson hat diese Art von Stimme, die mir schon immer gefiel. Weil ich diesen Stil nicht beherrschte, wollte ich Gesangs-Unterricht nehmen. Diese Brust- und Rock-Stimme zu haben war mein Ziel.
MF: Holst du dir bei bekannteren Sängern Tipps ab?
Sara: Wahrscheinlich würde ich das nicht (grinst) tun, weil ich mich nicht traue. Aber lustigerweise traf ich einen meiner Lieblings-Sänger, als ich 18 oder 19 Jahre jung war. Das war Zak Stevens (Savatage, Circle II Circle) damals im Z7. Er spielte mit CIIC, und Pure Inc. waren damals Vorband. Gianni Pontillo sang mit Zak zusammen «Gutter Ballet» von Savatage. Damals war ich ein kleines bisschen eifersüchtig (grinst), dass er mit Zak auf der Bühne stehen und diesen Song performen konnte (lacht). Es war an einem warmen Sommerabend. Wir trafen Zak nach der Show, und sprachen rund eine Stunde lang mit ihm. Das war ein richtiges Highlight (grinst zufrieden). Damit meine Kollegin und ich sicher zum Auto kommen, hat uns Zak dahin begleitet, das werde ich ihm nie vergessen (lacht).
"...Das eigentliche Ziel ist, Erinnerungen auf diesem Weg mitzunehmen, denn davon zehrt man lange..."
MF: Was sind deine Ziele mit der Musik?
Sara: Das überlege ich mir immer wieder. Das eigentliche Ziel ist, Erinnerungen auf diesem Weg mitzunehmen, denn davon zehrt man lange. Ich freue mich auf den 17. Oktober 2026, wenn wir für Shakra in der Schüür eröffnen dürfen. Für diese Momente lebe ich, um diese wunderschöne Zeit zu geniessen, als Erinnerung zu behalten und um meine Leidenschaft für die Musik ausleben zu können. Was mir am Herzen liegt, ist jüngere Leute dazu zu bewegen wieder handgestrickte Musik zu machen. Nicht alles mit KI zusammenzubasteln, was leider immer mehr und schlimmer wird in den nächsten Jahren. Rock und Metal steht für diese handgemachte Leidenschaft. Die Emotionen mit der Musik ausleben zu können, das ist nochmals ein Stück etwas anderes, als wenn man sich zu Hause eine Platte anhört (grinst).
MF: Emotionen zu leben. Ich sah dich das erste Mal beim Steve Gasser Bash und seiner Geburtstagsparty zu seinem 60sten. Da kam plötzlich Sara auf die Bühne und ich dachte nur: "Hat die Lady Power im Hintern!"…
Sara (lachend): …danke dir. Da brechen wahrscheinlich mein Temperament und meine italienischen Wurzeln durch. Das hat vielleicht da seinen Ursprung. Ich bin ein Ping-Pong Ball und Fotografen haben sich schon beklagt, da ich nie ruhig stehe. Ich liebe es, obschon ich jedes Mal, wenn ich auf die Bühne gehe, brutal nervös bin. Auch wenn man mir dies nicht ansieht (grinst). Das war damals bei Steve einer dieser Momente, bei der ich Erinnerungen mitnehmen konnte. Es war schön diese Möglichkeit bekommen zu haben, zusammen mit Steve und Jonas Wolf (Gitarrist, Eluveitie) auf der Bühne zu stehen. Das hat mich noch ein bisschen nervöser gemacht (lacht). Es war ein cooler Auftritt, speziell weil wir die Songs nie zusammen geübt haben. Jeder hat sich selbst vorbereitet, und nachmittags spielten wir das komplette Set einmal durch. Nach dem Auftritt dachten wir: "das war richtig geil" (lacht).
MF: Was unterscheidet die private Sara von der "Bühnen Sara"?
Sara: Ich glaube das Temperament ist das gleiche (lacht), obschon ich mich im Job zurücknehmen muss. Bei mir begann alles mit der Wirtschaftsmittelschule, nach einem Jahr Lehrerseminar, welches ich abbrach, was ich nie bereut habe. Um die Berufsmatura abzuschliessen, arbeitete ich bei einer Staatsanwaltschaft und hatte viel mit der Polizei zu tun. Daraus ergab sich mein Wunsch, Polizistin zu werden und die Polizeischule zu besuchen. Ich wollte etwas gutes Tun für die Menschen und auch für eine sicherere Schweiz. Nach langem Überlegen entschloss ich mich die Polizeischule zu besuchen. Seit fast zwanzig Jahren bin ich nun bei der Luzerner Polizei, davon fünfzehn bei der Kripo. Im täglichen Leben kann ich nicht wie ein Ping-Pong Ball durch das Leben hüpfen. Ich habe mich noch zur Treuhänderin weitergebildet, weshalb ich aktuell Wirtschaftsdelikte bearbeite, was eher eine nerdige, trockene Angelegenheit ist. Da kommt der Ausgleich, dass ich in der Musik ausbrechen kann und so sein, wie ich will, gerade richtig.
MF: Lehrerstudium, den Gesang an jüngere weitergeben, sieht man Sara bald als Vocal-Trainerin?
Sara: Das traue ich mir nicht zu. Da müsste ich zuerst ein Studium abschliessen. Ich denke auch, dafür bin ich zu wenig geeignet. Ich möchte den pädagogischen Aspekt nicht unterschätzen und sollte idealerweise ein Instrument spielen können. Ursprünglich wollte ich Lehrerin werden. Nicht Gesangs-, aber Primarlehrerin. Nach einem Jahr wurde mir klar: "Nein, unterrichten ist nichts für die Sara" (lacht). Beim Lehrerseminar hatte ich Klassenkollegen, die eine Gothic Metal Band hatten. Sie fragten mich, ob ich einsteigen will. So kam ich zu meiner ersten Band.
MF: Wie ging es weiter mit den Bands?
Sara: Mit dieser Gothic-Truppe war ich ein paar Jahre unterwegs, bis ich schliesslich während der damaligen Ausbildung eine Anfrage bekam, ob ich Interesse hätte als Sängerin bei Chapter Seven einzusteigen. Zuerst mit einer Kollegin zusammen am Gesang, veröffentlichten wir 2001 die erste EP und 2004, mit mir allein als Sängerin, das erste Album. Auf der Bühne standen wir wenig, da alle noch in der Ausbildung waren. Mit der Zeit verlief sich alles im Sand. Als ich die Polizeischule besuchte, trat die Musik leider ein bisschen in den Hintergrund. Trägst du Uniform, hast du auch Schichtdienst, was es leider schwierig macht, die Musik auf einem intensiven und professionelleren Level zu betreiben. Nach zwanzig Jahren wollte ich meinen Fokus wieder mehr auf die Musik lenken, was aufgrund meines aktuellen Jobs wieder besser möglich ist.
Als mein Interesse wieder grösser wurde, schaute ich mir Online-Inserate an und blieb bei Out Of Gravity hängen. Zuerst hatten wir die gleichen Ziele, die sich jedoch im Laufe der Zeit verschoben haben. Mit ihnen habe ich eine EP, ein Album und ein paar Singles releast. Ich wollte jedoch meinem Rhythmus folgen und etwas Eigenes auf die Beine stellen. So entstand Rebel Rose. Ich nenne es Projekt. Im Grunde ist es ein Solo-Projekt das professionell aufgebaut ist (grinst) und ich bin Rebel Rose.
Aber ich sehe das hybridmässig und natürlich auch als eine Band (lacht). Bei mir sind grossartige Musiker dabei. Einerseits hat Barend Courbois (Michael Schenker Group und ex-Blind Guardian) den Bass im Studio eingespielt und andererseits stieg Dario Michielini (ehemals Megawatt) bei Rebel Rose fix als Gitarrist ein. Stefan Häberli (Schlagzeug, Comaniac) und Fabian Volkers (Bass) ergänzen die Band. Ohne sie wäre ich nichts, und zudem sind mir die Jungs sehr wichtig. Deshalb ist Rebel Rose für mich nicht nur ein Soloprojekt. Es ist ähnlich wie bei Doro. Sie hat seit vielen Jahren ihre festen Musiker an ihrer Seite, die Teil der Band sind, auch wenn sie selbst immer der Kopf bleibt. Es ist hybrid (lacht).
Geplant ist nun dieses Jahr ein Album zu veröffentlichen. Die Songs habe ich zusammen mit Reto Burrell geschrieben, der auch das Album produzierte. Die meisten Lieder die ich komponiere, finde ich nicht wirklich gut (lacht). Vielleicht bin ich auch zu selbstkritisch (grinst). So holte ich mir Hilfe und bekam diese mit Reto. Er ist ein begnadeter Songschreiber. Mit seiner Hilfe entstanden wahnsinnig gute Tracks, und ich freue mich jedes Mal, wenn ich sie singe. Ich denke, mir fehlt etwas die Erfahrung Songs zu komponieren, deshalb bin ich dankbar für diese Zusammenarbeit.
"...Man weiss nie, wohin der Weg geht..."
MF: Was sind die Pläne mit Rebel Rose?
Sara: Ich nehme was kommt (lacht) und bin offen für alles. Man weiss nie, wohin der Weg geht. Von Kindheits-Träumen, dass ich berühmt werde, bin ich weit weg (grinst). Das will ich auch nicht. Mir ist es wichtig, eine gute Zeit mit meinen Jungs zu haben und schöne Erlebnisse mitnehmen zu können. Wenn ich dadurch etwas weitergeben kann, dann bin ich glücklich. Ein Kollege hat mir kürzlich gesagt, dass seine Tochter an einem Konzert von mir war und dass er es schön finde, wie ich ein Vorbild für junge Frauen sei. Das hat mich total berührt, nur ein kleines Stück einer gewissen Vorbild-Funktion einnehmen zu dürfen, wie Doro sie für mich und bestimmt auch für viele andere Frauen in diesem Business verkörpert. Sie war in den Achtzigern die erste und einzige Frau, die sich in dieser Männerdomäne durchgesetzt hat. Das ist bemerkenswert und beeindruckend.
Gerne würde ich das Tourleben erleben, aber keine Ahnung, inwieweit ich dazu tauge (lacht). Aus diesem Grund möchte ich es für mich herausfinden. Ich lasse alles offen, und es kommt, wie es kommt. Release sollte im Herbst dieses Jahres sein. Geplant war schon letztes Jahr, aber durch meinen Fulltime-Job wurde alles ein bisschen stressig. Bremsen war angesagt, da alles allein zu stemmen, wie Studioarbeit, Shootings, Videos, Promo, Socialmedia, Finanzierung usw., eine sehr grosse Herausforderung ist. Ich musste einen Gang herunterschalten, auch weil mir mein Bauchgefühl sagte, da passt etwas noch nicht für den Release. Die Platte wird sicher 2026 veröffentlicht. Die Frage ist: über ein Label oder im Alleingang? Bis jetzt habe ich so vieles allein gemacht, wieso nicht auch noch den Rest (lacht). Wir werden sehen, und ich bin auf meine Entscheidung gespannt (grinst).
MF: Dann wünsche ich dir alles Gute für die Zukunft, bin gespannt auf das Album und die Konzerte sowie danke für das Gespräch.
Sara: Danke dir und sehr gerne (grinst).