Mit «Stack Overflow in Corpse Pile Interface» liefern A Forest of Stars ein Album, das auf unheimliche Weise mit dem Zustand der modernen Welt im Einklang zu stehen scheint. Schon der Titel funktioniert auf mehreren Ebenen: «Stack Overflow» ist ein Begriff aus der Programmierung und beschreibt ein System, das unter der Last des Überflusses zusammenbricht. «Corpse Pile» hingegen ist eine krude, physische Groteske.
Die Hinzufügung von «Interface» deutet auf die unbehagliche Verschmelzung von Mensch und Maschine hin. Was zunächst abstrakt erscheint, wird beunruhigend schlüssig - eine Metapher für psychische Überlastung in einem Zeitalter, das von Informationen, Krisen und Wiederholungen übersättigt ist. Es ist ein Konzept, das man nicht nur intellektuell begreift, sondern das sich regelrecht in den Körper fressen kann.
Musikalisch bahnt sich die Band weiterhin ihren eigenen Weg innerhalb des Black Metal, einen, der in seiner Exzentrik, Theatralik und seinem subtilen, oft sarkastischen Ton deutlich britisch anmutet. Bereits der Eröffnungstrack «Ascension of the Clowns» zieht den Hörer in eine dichte, beunruhigende Atmosphäre. Violinen schlängeln sich durch schrilles Gitarrenspiel – nicht als Dekoration, sondern als zentrale narrative Kraft. Dieser Kontrast zwischen Raffinesse und Rohheit prägt die Identität des Albums.
Sänger Curse steht im Zentrum dieses kontrollierten Chaos. Sein Gesang wechselt zwischen qualvollen Schreien, fragmentierten, gesprochenen Passagen und etwas, das einem manischen Monolog ähnelt. Dadurch entsteht eine ständige Spannung, als stünden die Songs kurz vor dem Auseinanderbrechen. Manchmal fühlt es sich weniger wie Gesang an, sondern eher wie das Miterleben eines musikalisch untermalten psychischen Zusammenbruchs.
Die Kompositionen sind weitläufig und bewusst unvorhersehbar. Tracks wie «Street Level Vertigo» und «Sway, Draped in Vague» entwickeln sich in Phasen und bewegen sich von zurückhaltenden, beinah zarten Passagen zu Wellen der Intensität. Anstatt sich ausschliesslich auf Aggression zu verlassen, spielt die Band mit Dynamik: Sie erzeugt durch ruhigere Abschnitte ein Gefühl des Unbehagens, das sie dann in Wellen freisetzt. Dieser Ansatz fesselt mich, auch wenn ich mich dabei nicht immer wohlfühle.
Sprachlich arbeiten A Forest of Stars dabei extrem verspielt und vielschichtig. Es gibt Wortspiele, verdrehte Begriffe und fast dadaistische Brüche, die bewusst irritieren. Bedeutung entsteht oft eher durch Stimmung als durch klare Aussagen. Das macht die Texte anspruchsvoll, aber auch faszinierend.
Instrumental lebt das Album von Kontrasten und Details. Die Violine fungiert oft als roter Faden durch die chaotischeren Momente, während die Gitarren zwischen traditioneller Black-Metal-Wucht und strukturierteren, beinahe psychedelischen Klängen wechseln. Subtile Elemente wie klarer Gesang, Ambient-Schichten und gelegentliche folkige Nuancen verleihen dem Album Tiefe, ohne die Gesamtintensität zu verwässern.
Letztendlich ist «Stack Overflow in Corpse Pile Interface» ein kühnes, kompromissloses Werk - komplex, beunruhigend und zutiefst fesselnd. Für diejenigen, die bereit sind, sich auf seine Feinheiten einzulassen, ist es nicht nur ein Album, sondern ein Erlebnis, das noch lange nachhallt, nachdem die letzte Note verklungen ist. Passend zur Musik gibt es auch eine CD Box mit viel Material zu kaufen, leider nicht so eindrucksvoll beim Vinyl Angebot.
Lukas R.