Die Mailänder Alternative-Truppe tat ich damals als Eintagsfliege ab, aber sie hat zu meinem Erstaunen in regelmässigen Abständen Alben veröffentlicht, bis heute. Nun melden sich Exilia mit ihrem neuen Album «Anti Gravity» zurück. Während einem Jahr hat der Vierer um Sängerin Masha Mysmane, Emanuele Affabile (g), Luca Frangione (b) und Marko Campailla (d) an dem Album gefeilt und teilweise neuen Band-Sound kreiert.
Noch immer steht das Quartett für fesselnde Alternative Metal-Hymnen mit Tiefgang, die sich durch harte Riffs, schnelle Beats, Reibeisen-Vocals und Spoken Words in die Gehörgänge fräsen, doch während der elf Songs legt Hauptsongschreiberin Masha mehr Wert auf Melodien und Synthesizer-Elemente. Die Melodien transportieren Bedeutung, Emotionen und Botschaften. Eine wichtige Weiterentwicklung auf diesem Album ist der Einsatz von Synthesizer-Klängen. Sie sind präsenter und intensiver als auf früheren Veröffentlichungen, sie werden zu einer Stimme im Sound von Exilia.
Für meinen Geschmack macht es die Songs zu sanft und der druckvolle Sound geht verloren. Während sich der Track «Lightstorm» um die Selbstreflektion der Menschheit und verantwortungsvolles Handeln dreht, beschäftigt sich «Goodbye My Love» mit dem Umgang von Verlust auf zwischenmenschlicher Ebene, sei es durch Tod oder Trennung. Insgesamt gesehen, sind die Texte auf «Anti Gravity» emotionaler und sozialer als auf älteren Scheiben, was vielleicht den angesprochenen ?Druckverlust” erklärt. Die Platte wurde erneut in den Principal Studios, mit Produzent Jörg Umbreit (Donots, Broilers, In Extremo) an den Reglern aufgenommen.
Herausgekommen ist ein Silberling, der eine weitere Facette ihres Schaffens und ihrer Wandlungsfähigkeit zeigt, ohne ihre musikalische Identität ganz aus den Augen zu verlieren. Diesmal mit weniger sägenden Gitarren, aber vielleicht deshalb umso intensiver. «Anti Gravity» ist ein Album für alle, die tiefe Gefühle empfinden und dabei gerne vor sich hinträumen, wie immer verpackt in melodiöse Alternative Metal Hymnen.
Oliver H.