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Kann Musik zu schön sein? Kann Schönheit zum Kitsch werden? Wenn ich mir «Sanctuary» anhöre, würde ich sagen: Nein. Trotzdem mache ich es kurz in meiner Review, weil ihr wisst wohl schon alle was Euch bei EVANESCENCE im Prinzip erwartet.
Ich selbst hatte schon immer ein etwas kompliziertes Verhältnis zu Evanescence. «Fallen» war eines jener Alben, die eine Ära prägten und in mir schöne Erinnerungen hervorrufen. Ich habe es geliebt. Auch die Live-Veröffentlichung kurz darauf hat mein Interesse aufrechterhalten. Doch obwohl ich stets respektiert habe, was Amy Lee und ihre Band danach gemacht haben, haben mich nur wenige der späteren Alben wirklich in ihren Bann gezogen. Die Stimme war immer noch da, das Talent unbestreitbar, doch selten gelang es, auf derselben emotionalen Ebene anzuknüpfen.
«Sanctuary» ändert das. Nach mehrmaligem Anhören merkte ich, dass ich öfter als erwartet zu dem Album zurückkehrte. Nicht, weil es Evanescence neu erfindet oder die Band plötzlich in eine andere verwandelt. Ganz im Gegenteil. Das Album ist deshalb so toll, weil es genau versteht, was Evanescence so besonders macht, und dies mit neuem Selbstbewusstsein präsentiert.
Amy Lee hat eine der markantesten Stimmen der Rockmusik. In ihrem Gesang stecken Kraft und Zurückhaltung. Sie kann eine Arena füllen, ohne dabei zu theatralisch zu klingen. Im Gegensatz zu vielen Symphonic Metal Sängerinnen wird ihre Stimme nie ermüdend. Sie vermittelt Emotionen auf natürliche Weise und lässt den Songs Raum, anstatt sie zu überlagern.
Musikalisch balanciert «Sanctuary» schwere Gitarren, elektronische Texturen und eine cineastische Atmosphäre mit bemerkenswerter Leichtigkeit aus. Ich freue mich riesig, diese neuen Songs am 29. September 2026 im Hallenstadion mitzuerleben.
Lukas R.