Auf den ersten Blick strahlt das Album Wärme aus. Die Tracks entfalten sich mit hellen Melodien, beschwingten Rhythmen und einer beinah unbeschwerten Atmosphäre, die an den klanglichen Optimismus der 1990er Jahre erinnert. Hier herrscht ein Gefühl von Bewegung, als würde man durch eine sonnenbeschienene Stadt fahren, während im Hintergrund veraltete Technik vor sich hin summt. Doch unter dieser einladenden Oberfläche verbirgt sich ein subtiles Unbehagen. Der Glanz wirkt gewollt, manchmal sogar künstlich, als wäre sich die Musik ihrer eigenen, konstruierten Schönheit bewusst. Diese Spannung zwischen Aufrichtigkeit und synthetischem Glanz verleiht dem Album eine emotionale Tiefe.
Markus Skye, der als alleinige kreative Kraft fungiert, beweist ein gutes Händchen für Melodien. Hooks entstehen mühelos, oft eingehüllt in Gitarrenlagen, die zwischen Schwere und Leichtigkeit schwanken. Elektronische Elemente - glitchige Beats, bearbeitete Texturen und zurückhaltende Synthesizer - sind nicht nur dekorativ, sondern essenziell. Sie prägen die Identität des Albums ebenso stark wie die Gitarren. Das Ergebnis ist ein Sound, der irgendwo zwischen der Intimität des Alternative Rock und einer digitalisierten, fast hyperrealistischen Atmosphäre angesiedelt ist.
Was diese Veröffentlichung besonders fesselnd macht, ist ihre Ausgewogenheit. Sie lässt Lantlos’ härtere Vergangenheit weder vollständig hinter sich noch klammert sie sich daran. Stattdessen tauchen Spuren dieser Herkunft wie schwache Schatten hinter den helleren Tönen auf und sorgen für Kontrast, ohne das Hörerlebnis zu dominieren. Dies verleiht dem Album ein stilles Gefühl der Kontinuität, auch wenn es Neuland erkundet.
Beim Hören von «Nowhere in Between Forever» geht es weniger um Intensität als vielmehr um das Eintauchen in die Musik. Das Album lädt zum wiederholten Hören ein und offenbart im Laufe der Zeit kleine Details und emotionale Nuancen. Fans genreübergreifender Acts oder diejenigen, die sich zu melodischer, introspektiver Musik mit modernem Touch hingezogen fühlen, werden dieses Album wahrscheinlich zu schätzen wissen.
Anstatt Extremen nachzujagen, schaffen Lantlos etwas Subtileres: ein Album, das sich an der Oberfläche leicht anfühlt, aber mit einer stillen, nachdenklichen Schwere nachklingt. Hört in «Numb TV Superstar» rein - entweder trifft es euren Nerv oder gar nicht.
Lukas R.