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Unser Hund Naikyn stammt aus Sibirien - vielleicht versteht er diese Töne Musik besser als wir. «Aba Khan» verhält sich auch nicht so recht wie Musik, die wir einfach so konsumieren, sondern mehr wie ein Ort. Wind, Atem, Trommelfell und entfernte Stimmen bilden eine Umgebung, in die man eintritt, statt einer Sammlung von Titeln, denen man folgt.
Nytt Land haben nun schon ihr zehntes Album veröffentlicht und die Band weiss ganz genau, was es bewahren möchte. Ihr ritueller Dark Folk basiert nach wie vor auf Kehlkopfgesang, Talharpa-Drones, Rahmentrommeln und langen Pausen, in denen die Atmosphäre Bedeutung transportiert. Der Eröffnungstitel wirkt wie die Vorbereitung eines Raumes. «Taiga» schreitet mit gleichmässigen Schritten voran. «Totem» und «Prayer» vertiefen die Trance durch den Kontrast zwischen männlichen und weiblichen Stimmen - weniger ein Duett als zwei Geister, die um dasselbe Feuer kreisen.
Eine interessante Veränderung umgibt solche Musik heute. In den 1970er Jahren entdeckten wir alle Anden-Panflötenensembles und projizierten Mystik auf sie. Heute umgibt eine ähnliche Faszination sibirische und nordische rituelle Volksmusik. Der exotische Effekt ist verblasst, da wir bereits viele Gruppen gehört haben, die in diesem Stil arbeiten. Aba Khan akzeptiert diese Realität. Er versucht nicht zu schockieren, sondern zu bestehen. Wiederholung wird zu Architektur, Rhythmus wird zu Landschaft.
Aus diesem Grund erfordert die Platte Geduld. Analytisches Hören verfehlt den Sinn, während langsames Hören ihn belohnt. Doch genau darin liegt auch ihre Grenze: Zu Hause kann die Musik zu einer meditativen Gleichförmigkeit verschwimmen - insbesondere für Hörer, die wie ich bereits frühere Veröffentlichungen besitzen. Das Album verfeinert, anstatt neu zu erfinden. Der Zauber des Unbekannten mag verblasst sein - die mystische Schönheit von «Tygir Tayii» (dem letzten Song auf dem Album) berührt dennoch.
Live ändert sich die Gleichung jedoch völlig. Was auf der Platte minimalistisch wirkt, gewinnt durch Bewegung, rituelle Gesten und eine visuelle Atmosphäre an physischer Präsenz. Die Musik wird gemeinschaftlich statt beobachtend erlebt – weniger Anthropologie, mehr Teilhabe. Leider wurden bisher keine Konzerttermine für die Schweiz bekannt gegeben. Das ist schade, denn dieses Material entfaltet seine volle Stärke eindeutig eher in einem gemeinsamen Raum als allein über Lautsprecher.
Lukas R.