Das Cover lässt einem eine andere Art Musik erwarten, eher so Richtung melodischer Space Power Rock. Musikalisch aber schöpft das Album dann aus einem breiten Spektrum: dem langsamen, tektonischen Sog des Doom, der Klarheit und dem Auftrieb des traditionellen Heavy Metal sowie kurzen, rauen Einblendungen, die an Thrash erinnern. Doch was den Sound ausmacht, ist nicht nur diese Fusion, sondern auch, wie sie umgesetzt wird. Die Riffs kommen zielgerichtet zum Einsatz: Oft sind sie einfach in der Struktur, haben aber eine massive Wirkung, während das Tempo jeder Idee Raum zum Atmen lässt.
Frontmann Nate Garrett liefert eine Gesangsleistung, die Theatralik zugunsten von Überzeugung vermeidet. Seine Stimme bewegt sich irgendwo zwischen zurückhaltender Melodie und rohem Ausdruck und verleiht dem Material eine geerdete, menschliche Qualität. Dies funktioniert besonders gut in den langsameren Passagen des Albums, in denen die emotionale Unterströmung unmöglich zu ignorieren ist wie zum Beispiel «Buried In The Shadow Of The Cross». Hier herrscht ein Gefühl des Kampfes, aber auch der Widerstandskraft; es wirkt, als würde jeder Track dem Licht entgegenstreben, ohne jemals ganz den Schatten zu entkommen.
Was «Infinite Illumination» auszeichnet, ist seine Einheitlichkeit. Während viele Bands dieses Genres zwischen verschiedenen Stilen pendeln, integrieren Spirit Adrift ihre Einflüsse zu einem einzigartigen Stil. Die Übergänge zwischen schwerfälligen Doom-Abschnitten und treibenderen, hymnischen Momenten wirken konsequent.
Das Album wird vor allem bei Zuhörern Anklang finden, die Gewicht, Atmosphäre und Aufrichtigkeit schätzen – Fans von Bands wie Mastodon oder zum Teil auch Metallica werden sich hier zu Hause fühlen. Als Abschiedsalbum ist es eher zurückhaltend als explosiv. «Infinite Illumination» erinnert einen daran, wie kraftvoll Metal sein kann, wenn er mit Bedacht eingesetzt wird. Anspieltipp: «White Death».
Lukas R.