Musikalisch ist «More!» fest im rohen Ende des Garagen-Rocks verankert, aber nicht in der Zeit stehen geblieben. Der Sound des Trios ist reduziert und dennoch kraftvoll: Übersteuerte Gitarren knacken und kratzen, Basslinien schlagen mit hartnäckiger Zuversicht nach vorne, und das Schlagzeug treibt alles unerbittlich voran. Die Produktion bleibt bewusst unpoliert, sodass kleine Unvollkommenheiten Teil des Charakters des Albums werden, statt als Fehler korrigiert zu werden. Der Gesang spielt eine zentrale Rolle und klingt oft, als würde er ins Mikrofon geschleudert statt platziert, was zur Live-Intensität beiträgt.
Was «More!» für mich zumindest ein wenig positiv auszeichnet, ist die Balance zwischen roher Kraft und Vielfalt. Zwar sind viele Tracks hart und schnell, doch sind genug klangliche Kontraste da um zu verhindern, dass das Album zu einem einzigen langen Sprint verschmilzt. Momente von Groove, Grit und sogar einer etwas dunkleren, stimmungsvolleren Unterströmung tauchen auf, ohne den Gesamt-Eindruck zu mildern. Die Songs scheinen eher für verschwitzte Pub-Floors als für Kopfhörer gemacht zu sein. Bei wiederholtem Anhören offenbaren sich unter der aggressiven Oberfläche zum Teil durchaus durchdachte Arrangements.
«More!», veröffentlicht bei Svart Records, wird vor allem diejenigen Zuhörer ansprechen, die Energie über Perfektion und Unmittelbarkeit über Überfluss stellen. Es ist kein Album, das den Garagen-Rock neu erfindet, aber es beweist, dass diese Musikrichtung immer noch am härtesten zuschlägt, wenn sie laut, schnell und ohne zu zögern gespielt wird. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Band in Live-Atmosphäre in einem Pub wie dem Sedel in Luzern durchaus abgehen würde.
Lukas R.
