Das dämonische Gehabe von VENOM war ein grandioser Promo-Gag, und wenn der singenden Bassist Cronos mit seinen roten Lederhosen und dem einzigartigen, teuflischen Blick auf der Bühne stand, hatte man das Gefühl, dem Leibhaftigen persönlich gegenüberzustehen. Unzählige EPs und Maxi Singles begleiteten den Weg zu Beginn, und die diversen «German Assault», «Japanese Assault» und «Skandinavian Assault» Ausgaben ebneten den Weg für die sagenumwobene Doppel-Live-Scheibe «Eine kleine Nachtmusik». Die Jungs waren und sind für ihren speziellen Humor bekannt und berüchtigt. Abgesehen davon, dass es ohne sie heute weder Black noch Death Metal Bands geben würde.
Doch wo Erfolg ist, sind auch Neid und angeknackste Egos. So trennten sich Cronos, Gitarrist Mantas und Drummer Abaddon, um immer wieder zusammenzukommen und sich erneut zu trennen. Das heutige Line-up von Venom besteht seit 2009 aus Rage (Gitarre) und Danté (Drums). Somit änderte sich auch die oftmals dilettantische und chaotische Spielweise hin zu einer technisch versierteren, was dem Flair des Ursprungs vieles wegnahm. Trotzdem bleiben Venom Kult und haben nun mit «Into Oblivion» eine Scheibe veröffentlicht, welche das Flair der Urzeit in eine modernere Welt zu transportieren vermag.
Das rumplige Spiel ist kaum mehr zu hören, sondern taktgenaue Rhythmen, die von der nach wie vor prägende Stimme Cronos' leben. Herausragend ist das schleppende «Man & Beast» geworden, das schnelle «Death The Leveller», das an alte Tugenden erinnernde «As Above So Below», das grossartige «Kicked Outta Hell» und «Unholy Mother». Alles was nach 1986 erschienen ist, musste sich mit den übermächtigen Klassikern messen. Oftmals ein kaum zu überbietende Messlatte. Dennoch haben die Jungs mit «Into Oblivion» eine Scheibe veröffentlicht, die richtig Spass macht und beweist, dass man Herrn Lant und sein Gefolge noch nicht abschreiben darf.
Tinu