Riccardo Poddas Gitarre ist hier der Hauptarchitekt - sie liefert nicht nur Riffs, sondern formt das Terrain. Sein Ton ist dicht und ungeschönt: Langes Sustain, körniger Fuzz und ein deutlich analoger Puls vermitteln den Eindruck, dass der Verstärker ein lebendes, atmendes drittes Mitglied ist. Mauro Coccos Schlagzeug ist der Gravitationskern des Albums. Er ritualisiert den Groove - er verankert die Tracks in zyklischen Mustern, die sich fast elementar anfühlen, als wären sie in Stein gemeisselt und nicht in einem Studio aufgenommen worden.
Der Eröffnungstrack «The Sky Never Dies» beginnt mit einem gefühlvollen, bluesigen Motiv und steigert sich dann zu einer gewaltigen Stoner-Schwere. Der Gesang bleibt trocken und nah, ohne Effekte, aufrichtig und teilt die gleiche staubbedeckte DNA wie der Gitarrensound. «The Sea» baut auf einem Gezeitenkontrast auf: Ruhige Abschnitte atmen wie Ebbe ein, nur um dann in dichten, verzerrten Wellen zurückzukehren, die sich über das gesamte Stereofeld ausbreiten. Die Dynamik des Tracks ist seine grösste Stärke und beweist, dass die Band versteht, dass Wirkung durch Zurückhaltung erzielt wird.
«Away» erstreckt sich bis in Post-Rock-Horizonte, verliert dabei jedoch nie seine Low-End-Grundlage. Die Reise verlässt das Genre nicht, sondern erweitert es lediglich und lässt Heavy Psych im offenen Raum widerhallen. Die zweite Hälfte des Albums – «Alienated», «Beyond The Mind» und der Titeltrack - wirken persönlicher und introspektiver. Sie nehmen Sludge-artige Härte und subtile Grunge-Stimmungen auf. Diese Songs sind nicht düsterer, um einzuschüchtern, sondern um Resonanz zu erzeugen.
Damit gemeint sind dichte klangliche "Silberadern", die sich durch emotionalen Rock ziehen und mit der zentralen Metapher des Albums übereinstimmen. Dessen Identität ist in Land und Natur verwurzelt. «Silver Veins» ist eine lohnende Investition für Zuhörer, die organischen, warmen und experimentellen Stoner Rock mögen. Das Album verlangt nach Eintauchen und belohnt wiederholtes Anhören nicht durch Komplexität, sondern durch Authentizität. Ein vielversprechender Start ins Jahr 2026.
Lukas R.