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Es gibt diese 10/10 Alben, die einen still und leise umhauen. «Weapons Of Beauty», JAY BUCHANANs zweites Solo-Album und sein wahrer künstlerischer Durchbruch ausserhalb von Rival Sons, gehört eindeutig in diese Kategorie. Hierbei handelt es sich nicht um einen Rock-Sänger, der sich nebenbei mit Nebenprojekten beschäftigt, sondern um ein vollendetes Statement einer der emotional fesselndsten Stimmen seiner Generation.
Buchanans Stimme war schon immer sein Markenzeichen, doch auf «Weapons Of Beauty» begegnet sie uns so offen und ungeschützt wie nie zuvor. Sie besitzt eine seltene Qualität, die man ich ehesten mit der Stimme von Anton von den Basement Saints vergleichen kann: Sie will nicht überwältigen, sondern berührt unmittelbar. Sie ist engelhaft, ohne zerbrechlich zu wirken, geerdet, ohne schwer zu sein und trägt Melodien, die sich leise entfalten und doch unausweichlich ins Innerste treffen. Diese Art des Singens verwandelt selbst einfachste Melodielinien in etwas zutiefst Bedeutungsvolles - nicht durch Effekte, sondern durch Haltung, Atem und Wahrhaftigkeit. Die Arrangements folgen dabei einer ganz eigenen Logik. Sie sind reduziert, geduldig und niemals dekorativ, sondern stets dienend.
Die Tempi dürfen sich Zeit nehmen, die Räume bleiben bewusst offen und die Melodien scheinen eher freigelegt als konstruiert zu sein, als hätten sie schon immer dort gelegen und müssten nur ausgesprochen werden. Und zudem schimmert im Auftreten Buchanans etwas Vertrautes durch: die leuchtende Figur des Doors-Sängers Jim Morrison. Nicht als Kopie, nicht als Pose und auch nicht als blosse Stilfrage, sondern als Aura. Diese Mischung aus körperlicher Präsenz, innerer Glut und der Fähigkeit, ein Publikum zu fesseln. Der Look mag Erinnerungen wecken, doch letztlich ist er nebensächlich. Entscheidend ist diese predigerhafte Intensität, mit der Buchanan auftritt: intim, fokussiert, zutiefst menschlich, als würde er weniger performen als bekennen.
Stilistisch bewegt sich «Weapons Of Beauty» in einem weiten Raum zwischen American Gothic, Desert Folk, Gospel-Anklängen und langsam brennender Roots-Musik. Hier gibt es keine Übertreibungen. Jede Note fühlt sich bewusst an, jede Stille ist bedeutungsvoll. Während viele zeitgenössische Singer-Songwriter durch ihre Produktion nach Grösse streben, erreicht Buchanan diese durch Zurückhaltung. Das Album atmet. Es hört zu. Es vertraut den Songs. Buchanan greift textlich stark auf biblische Sprache und Bilder zurück, jedoch niemals in dogmatischer Weise. Es sind Parabeln für moderne Seelen: Geschichten über Verlust, Ausdauer, Liebe, Schuld und Gnade, erzählt mit der Kadenz eines Geschichten-Erzählers, der sowohl den Glauben als auch den Zweifel kennt.
Was mich trifft, ist noch etwas anderes was hier mitschwingt: eine Abrechnung; mit mir selbst, mit falschen Abzweigungen, mit verpassten Momenten und all dem, was man zu lange mit sich herumträgt, ohne es je auszusprechen. Das Hörerlebnis ist immersiv und auf stille Weise überwältigend. Diese Musik verlangt Aufmerksamkeit und belohnt Stille. Wenn Ihr Euch jemals gefragt habt, warum emotional banale Popsongs Millionen von Menschen bewegen, während Ihr selbst unberührt bleiben könnt (so wie ich mit Ed Sheeran), dann ist «Weapons Of Beauty» das Gegenmittel. Es ist melancholisch, aber nicht selbstmitleidig; schön, aber nicht sentimental und auf ehrlichste Weise erschütternd.
Buchanan beweist sich hier als mehr als nur ein Rock-Frontmann. Er ist ein Dichter, ein Zeuge und ein seltener Künstler, der versteht, dass die grösste Kraft der Musik dort liegt, wo Sprache versagt. «Weapons Of Beauty» ist nicht nur eines der besten Alben des Jahres 2026, sondern ein Album, das mit der Zeit an Tiefe gewinnt, langsam reift und auch lange nach dem Ende von Trends unverzichtbar bleiben wird. Ein Muss für jede ernsthafte Musiksammlung! Ein Muss für jeden der Tiefe liebt! Ein Muss der das Leben liebt! Ein MUSS für jede ernsthafte Musiksammlung. Ein MUSS für alle, die Tiefe nicht scheuen. Ein MUSS für jene, die das Leben lieben – mit all seinen Brüchen, seiner Schönheit und seinem Gewicht.
Lukas R.