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Mit «Forebode» kehren SAILLE nicht nur mit einem neuen Album zurück, sondern auch mit einer bewussten Bekräftigung ihrer Identität. Nach fünf Jahren relativer Stille konzentriert sich die niederländisch- belgische Epic Black Metal Band wieder auf die Atmosphäre, die ihre frühere Ära geprägt hat, präsentiert sie jedoch durch eine moderne, kraftvolle Produktionslinse. Das Ergebnis ist ein Album, das sich sowohl retrospektiv als auch erneuert anfühlt.
Der Eröffnungs-Track und erste Single «Deception Of Decadence» verdeutlicht sofort die psychologische Tiefe des Albums. Sänger Jesse Peetoom beschreibt die Texte als Darstellung "eines inneren Kampfes mit Dunkelheit, Schmerz und dem langsamen Verblassen von Leben und Identität", wobei er Themen wie die Besessenheit vom Tod, Transzendenz und Zyklen von Wachstum und Zerstörung anspricht.
Diese Spannung ist in der Musik spürbar: Galoppierende Rhythmen, fieberhafte Gitarrenlinien und imperiale Orchestrierung erzeugen das Gefühl, in etwas Gewaltiges und Verschlingendes hinabzusteigen. Das begleitende Video, bedient sich einer auffälligen 3D-Spielästhetik, überlagert mit Easter Eggs, die auf das Back-Katalog der Band verweisen - ein lohnendes Detail für langjährige Fans.
«Echoes Of Empathy» führt gesprochene, gebetsartige Passagen ein, die den rituellen Charakter des Albums verstärken. Anstatt das Tempo zu verlangsamen, vertiefen diese Abschnitte die Atmosphäre und suggerieren Anrufung und inneren Dialog. «Cycles Of Cynicism» knüpft dann dort an, wo der Opener aufgehört hat - mit dröhnenden Trommeln, scharfen Gitarren-Riffs und giftigen Schreien - doch das symphonische Gerüst hält es melodisch und strukturiert, anstatt chaotisch.
«Reminiscence Of Regrets» zeichnet sich durch seine Grösse aus. Es klingt gewaltig, wie ein Sturm auf dem Ozean, der in Klang umgesetzt wurde: Wellen der Orchestrierung brechen über stetige, melancholische Gitarren-Melodien herein. Die Riffs bleiben einfach, aber zielgerichtet und verlangsamen sich gelegentlich zu fast akustischen Passagen, die Ermüdungs-Erscheinungen verhindern und das emotionale Gewicht atmen lassen. Track fünf, «Haunter Of The Dark 2025», greift einen Fan-Favoriten aus dem 2013er-Album «Ritu» wieder auf.
Es handelt sich nicht um ein blosses Remaster, sondern um eine vollständige Neuaufnahme, die sich nahtlos in das neue Material einfügt und durch die aktualisierte Produktion die Kohäsion des Albums verstärkt. In ähnlicher Weise erweitert «Eater Of Worlds (Extended Classical Version)» das Original aus dem Jahr 2014 von «Eldritch». Die Kernkomposition bleibt unverändert, aber die zusätzlich klassische Instrumentierung (vor allem Verbesserung in den Drum-Parts) und erweiterte Passagen verleihen ihr eine gesteigerte Erhabenheit.
Obwohl das Stück in Lovecrafts Horror verwurzelt ist, könnte man es leicht durch eine kosmischere Linse interpretieren – als einen Verschlinger von Welten im grossartigsten Sinne («Galactus, I hunger!»). Die CD-Edition endet mit drei Live-Titeln – «Maere», «Tephra» und «Plaigh Allais» -, die die Fähigkeit der Band unter Beweis stellen, ihre symphonische Kraft auf die Bühne zu übertragen.
Violinen-Passagen bereichern die Arrangements, und Peetooms Stimme wechselt zwischen gebieterischem Prediger und wütendem Frontmann. Insbesondere «Tephra» strahlt durch seine melodischen Gitarren-Linien nordische Melancholie aus. Mit einer Länge von über fünfzig Minuten ist «Forebode» immersiv, ohne sich zu sehr in die Länge zu ziehen. Es wird vor allem jene Zuhörer ansprechen, die Black Metal schätzen, der Aggression mit orchestraler Ambition in Einklang bringt. Ich finde diese Scheibe grossartig und schade, dass die Vinyl-Version davon schon ausverkauft ist!
Lukas R.