Trotzdem sind Messa, Epitaph und Oreyeon sehr verschieden. Wenn wir diese drei mit italienischer Pizza vergleichen (und ja, das ist eine sehr ernste kulinarische Wissenschaft), dann ist Messa am ehesten eine "Pizza Burrata e Limone" - raffinierter italienischer Doom mit Zitrusfrüchten und Luft, den man langsam isst und anerkennend nickt, Epitaph ist dann wohl eine langsam gegarte Pizza al Ragù Napoletano’, uralt, episch und so schwer, dass man das Gefühl hat, sie sei in einer Kathedrale gesegnet worden, während Oreyeon als eine eher schnörkellose "Pizza Salsiccia e Funghi" daherkommt: schmutzige Hände, einfache Zutaten, maximale Befriedigung mit einem Hauch von (magischen) Pilzen – und absolut keine Reue am nächsten Morgen.
Im Kern basiert das Album auf schwerem, riffbasiertem Rock, der eindeutig an die frühen Black Sabbath erinnert. Doch diese Grundlage ist nur der Ausgangspunkt. Oreyeon verweben Doom, Stoner, Grunge und subtile progressive Elemente zu einem Sound, der sich eher geerdet und physisch als kosmisch oder eskapistisch anfühlt. Der Fuzz ist dicht, die Grooves sind bewusst gewählt und die Tempi oft zurückhaltend – dennoch wirkt das Album nie langatmig. Mit einer Spielzeit von etwa 36 Minuten wirkt es von Überflüssigem befreit und auf Wirkung fokussiert.
Die Atmosphäre spielt dabei eine entscheidende Rolle. Die Songs vermitteln eine düstere, leicht klaustrophobische Stimmung, jedoch nicht eindimensional. Psychedelische Texturen tauchen eher beiläufig auf. Die Vokalphrasierung der Grunge-Ära verleiht der Schwere eine menschliche abgenutzte Qualität. Der Gesang zielt nicht auf theatralische Doom-Grösse ab, sondern klingt gelebt, direkt und emotional geerdet, was zum düsteren Ton des Albums passt.
Was «The Grotesque Within» von vielen zeitgenössischen Heavy Rock Veröffentlichungen unterscheidet, ist seine Ausgewogenheit. Oreyeon haben sichtlich Spass an massiven Riffs und monolithischen Grooves, wissen aber auch, wann sie sich zurückhalten müssen. Die Tracks entfalten sich geduldig, die Spannung baut sich durch Wiederholungen, subtile Verschiebungen und dynamische Kontraste auf, anstatt ständig zu eskalieren. Die zweiteilige Suite «Nothing But Impurities» veranschaulicht diesen Ansatz und bewegt sich von schwelender Unruhe zu erdrückender Schwere, ohne sich dabei gezwungen anzufühlen.
Fans von doom-lastigem Stoner Rock mit Grunge-Untertönen werden es mit offenen Armen empfangen, insbesondere diejenigen, die Stimmung und Groove mehr schätzen als Geschwindigkeit oder technische Raffinesse. «The Grotesque Within» liefert ein selbstbewusstes, ausgereiftes Statement, das sich ehrlich und lohnend anfühlt. Es lohnt sich auf jeden Fall, das Album zu hören, wenn man sich zu schwerer Musik mit Tiefe und Textur hingezogen fühlt.
Lukas R.
