Auch wenn es mittlerweile ausgelutscht und vielleicht blöde klingt: Narnia verfügen tatsächlich über ein göttliches Händchen für hervorragendes Songwriting. Sie schaffen es, aus ganz normalen Zutaten aus den Genres Hard Rock, Heavy Metal, Melodic Metal und Power Metal geniale Lieder zu erschaffen. Nur den Prog Metal fahren sie auf ihrem zehnten Album etwas zurück. Aber wer Ohrwürmer wie «Oceanwide», «Like A Teath In The Night», «Walk On Water» oder den Speed Metal von «Remedy (SOS)» zustande bringt, der kann definitiv etwas.
Dazu kommen kleine Epen wie «God Under Fire» oder das zäh schleppende «The Man From Nazareth Pt 2». Letzterer bezieht sich auf meinen Langzeit-Favoriten des 2006 erschienenen Werks «Enter The Gate». Aber auch ein «Every Breath» ist schlicht ein Hit. Und ja: Jedes dieser zehn Lieder auf «X» kracht ohne Ende. Wäre noch die Sache mit den christlichen Lyrics; auch hier wiederhole ich mich: Man kann das so texten wie Narnia, muss es aber nicht. Es gibt sichere blödere Dinge, als über seine Liebe zu Gott und Jesus zu singen. Zumal Narnia (so weit ich das bisher verstanden habe) noch nie zu Gewalttaten gegenüber Anhängern anderer Religionen aufgerufen haben.
Wer mit diesen Texten trotzdem Mühe hat, wird natürlich auch mit dem gesamten Album nicht warm. Wer diese aber akzeptieren kann, findet mit «X» ein wirklich hervorragendes Werk – und dafür muss man sich nicht einmal als Hardcore-Christ betrachten. Das tue ich zum Beispiel sicher nicht. Also reinhören und glücklich werden.
Roger W.