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“…plötzlich realisierst du, dass sich die Veröffentlichung von «Deaf Dumb Blind» zum 25-sten Mal jährt…“
Seit über 30 Jahren gehören Clawfinger zur ersten Liga der internationalen Crossover-Szene. Mit Hits wie «The Truth», «Nigger», «Do What I Say» oder «Biggest & The Best» prägten sie mehrere Generationen der Metalszene, wie kaum eine andere Band ihres Genres. Nach neunzehn Jahren ohne Album, rollen, die schwedisch-norwegischen Genre-Pioniere, am 20. Februar 2026 ihr neues Werk «Before We All Die» an den Start. Dies allein war Grund genug, um Sänger und Bandgründer Zak Tell an die Strippe zu bitten und erzählen zu lassen, was von der Vergangenheit geblieben ist, was die Gegenwart abverlangt und die Zukunft wohl bereithält. Mit etwa einer Viertelstunde Verspätung meldete sich ein leicht gestresster aber bestens aufgelegter Mittfünfziger, der ziemlich fokussiert über seine Karriere berichtete.
MF: Besten Dank Zak, dass du dir die Zeit nimmst, um etwas zu plaudern. Als erstes möchte ich in der Zeit zurückreisen, denn seit 1993 habt ihr alle zwei bis drei Jahre ein neues Album gemacht, dann nach 2007 wurde es plötzlich still. Was ist passiert?
Zak: Ich denke, dass es schon fast 19 Jahre her ist, doch was ist passiert? Ich weiss es eigentlich nicht. Vielleicht wäre die bessere Frage: was nicht passiert ist (lacht).
MF: Möglich…
Zak: Also was ist passiert? Okay, ich versuche es herunterzubrechen. Als wir 2007 auf der «Life Will Kill You»-Tour waren, waren wir am Ende. Wir wussten, dass es unsere letzte Tour sein wird. Wir hatten kein Geld mehr und waren uns gewiss, dass wir alle im Anschluss neue Jobs suchen müssen. Ganz normale Jobs, die jeder andere auch macht.
MF: Ok, was für ein Einschnitt.
Zak: Weisst du, ich meine, wir hatten Glück. Bis dahin haben wir eine Arbeit gehabt, die Musik, von der wir für 19 Jahre leben konnten. Aber dann kommt es so, dass du von 9 bis 17 Uhr arbeitest, Montag bis Freitag, in einem ganz normalen Job. Das frisst einen Grossteil der Zeit, die ich normalerweise genutzt habe, um zu schreiben, zu schreiben und zu schreiben. Dazu kam dieses Ding namens “Download”, das auch irgendwie passiert ist. Streaming war der neuste Scheiss. Viele von uns hatten dann auch Kinder in jungen Jahren, also die Kids waren jung, wir waren schon alt (lacht). Aber eine Tatsache bleibt: wir haben bis dahin sieben Alben geschrieben und waren damit viele Male auf Tour.
Ich denke, dass wir damals den Umbruch gespürt haben. Wir waren verletzt und vielleicht auch etwas enttäuscht. Nach ein paar Sommerfestivals in 2007 ist plötzlich alles auseinandergefallen. Dann, 2013, haben wir uns offiziell aufgelöst. Das schien aber nicht allen zu gefallen, denn bereits 2014 bekamen wir die Anfrage, um eine einmalige Show auf dem ZAKHID-Festival in der Ukraine zu spielen. Seitdem haben wir gelegentlich Reunion-Shows gespielt. 2016 am CopenHell Festival, am bulgarischen Summer Chaos Festival, das Irreversible Festival 2017 in Monthey in der Schweiz und sogar am Wacken Open Air…
MF: Wow!
Zak: Ja! Dafür, dass wir gar nicht mehr wirklich wollten, lief es plötzlich sehr gut. Wir bekamen gute Angebote, spielten mit Motörhead und anderen grossartigen Bands. Wir sagten uns als Band: „Scheiss drauf! Dann spielen wir eben diesen einen Gig!” Uns war aber nicht ganz klar, dass wenn wir einen Gig spielen, die Leute realisieren, dass es uns noch gibt. So spielten wir anschliessend noch ein Konzert, danach bei drei Sommerfestivals und im Jahr darauf bei fünf Festivals. Plötzlich realisierst du, dass sich die Veröffentlichung von «Deaf Dumb Blind» zum 25-sten Mal jährt und man vielleicht auf eine kurze Club-Tour gehen könnte, um jeweils das «Deaf Dumb Blind»-Album zu spielen. Dann geht das immer so weiter und plötzlich kommt unser Manager und fragt uns, falls er für die Band ein Appartement mieten würde, wir versuchen würden, neue Songs zu schreiben? Dies passierte alles so nebenbei, da er sowieso für ein Meeting vorbeikam.
MF: Die Zeit war für Clawfinger also noch nicht gekommen, um…
Zak: Teufel nein! Wir waren uns sofort einig, es zu versuchen. Warum auch nicht? Dann schrieben wir in 24 Stunden einen neuen Song, den wir als Single herausgebracht haben. «Save Our Souls» war das, der kam im Jahr… ach, ich kann mich nicht mehr an das Jahr erinnern, spielt auch keine Rolle. Weisst du, dann kamen mehr Festivals, eine weitere Single wurde veröffentlicht und plötzlich steckst du wieder ganz tief drin, ohne dass du bewusst dafür geackert hast. Wir haben dann vermehrt mit Riffs und Drumbeats experimentiert, ich hatte noch überall Textideen rumliegen. Dies hat uns dazu bewogen, wieder an neuen Songs zu arbeiten. Wir mussten einfach etwas damit machen. Dies blieb schliesslich auch nicht lange geheim. Unser Manager meldete sich via Zoom und sagte mir: „Ich weiss, dass du sechs oder sieben neue Songs hast. Vielleicht solltet ihr ein paar Tracks mehr schreiben und dann noch ein Album herausbringen, bevor wir alle sterben («Before We All Die»).”
MF: Das ist ja der Titel, der neuen Platte!
Zak: Ja, das ist wirklich die wahre Geschichte, wie es zum Albumtitel kam (lacht).
MF: Das ist gut.
Zak: Wir hätten ja bereits ein paar fertige Songs und vielleicht wären wir in der Lage, noch ein paar mehr zu schreiben und falls es sich gut anfühlt, könnten wir daraus eine Platte machen, meinte er. Clever, hä? Und wir alle waren uns sofort einig, dass «Before We All Die» der Titel des Albums sein muss. Und weisst du, ich meine, Scheiss drauf, wir werden alle älter (lacht)! So war für uns alle schnell klar: wieso nicht?
MF: Nichts zu verlieren, oder?
Zak: Richtig! Von da an ging es Schlag auf Schlag. Ich hatte die Idee, die Welt als eine Bombe darzustellen, die nun auf dem Cover ist. Und so spiegelt der Titel auch irgendwie wider, wie wir miteinander und mit diesem Planeten umgehen, dem einzigen verdammten Planeten, den wir haben, und auf dem wir leben können. Ich meine, wir sind buchstäblich eine tickende Zeitbombe, weisst du. Und es ist auch der einzige Ort, den wir haben, wir sind an diese Erde gekettet, wir haben keine anderen Optionen. Es hat also etwas Komisches, aber dann hatte ich das Gefühl, dass noch etwas mehr dahinterstecken muss. Als ich mir die fertigen Songs ansah, wurde mir eines klar: ich bin noch immer der gleiche, wütende Zak, wie ich es immer war. Es hat sich fast so angefühlt, als hätten wir unsere alten Sachen gecovert (lacht).
MF: Wütend? Das ist interessant, weil du eigentlich in der Szene als lustiger und aufgestellter Typ bekannt bist. Deine Lyrics verraten aber eine andere Seite von dir. Warum spielt ihr eigentlich nicht eine Art Fun-Metal?
Zak: Ähm... Oh... Ähm... du machst mich fertig! Wie funny ist Fun-Metal? Das muss ich dich zurückfragen. Ich weiss es nicht. Weisst du, ich meine, die Musik, die wir machen, ist ziemlich wütend und ziemlich heavy. Ich fühle viel in meinen Bauch hinein und ich würde nicht wollen, dass wir eine lustige Band sind. Ich liebe die Idee, etwas zu sagen, das einem etwas bedeutet. Ja, wir sind ein paar dumme Trottel, die es lieben zu essen, zu trinken und eine gute Zeit zu haben. Das bedeutet aber nicht, dass man nicht ernsthaft ist. Ich denke, als wir jünger waren, mussten wir uns immer wieder etwas beweisen…
“… ehrlich gesagt haben wir heute viel mehr Spass beim Spielen als damals in den 90ern…“
MF: Klar, nun bist du ein bisschen relaxter.
Zak: Genau, und das Schöne daran, bei uns zu sein, ist, dass du nicht mehr im Widerspruch bist. Du kannst Spass haben und lachen, alberne Sachen sagen und auch eine ernste Botschaft vermitteln oder wie auch immer du es nennen willst. Das ist eigentlich eines der schönsten Dinge am Älterwerden, dass man merkt: Scheiss drauf, wir können beides haben! Absolut. Ehrlich gesagt haben wir heute viel mehr Spass beim Spielen als damals in den 90ern. Ich meine, wir lieben die 90er, aber alles war so verdammt ernst. Wir müssen heute nichts mehr. Wir haben einfach eine gute Zeit und machen den bestmöglichen Gig, den wir bieten können. That’s it!
MF: Fühlt es sich jetzt mehr nach Hobby an als nach Arbeit?
Zak: Es ist mehr ein Hobby jetzt, weil wir es nicht machen müssten. Allerdings nehmen wir unser Hobby sehr, sehr ernst. Aber ja, es ist ein Hobby. Ich glaube es ist fair das zu sagen, allen Bands gegenüber, die von der Musik leben müssen.
MF: Auf der neuen Platte sind mit «Scum», «You Call Yourself A Teacher» und «Before We All Die» richtige Banger vertreten, aber es sind doch auch reichlich Rap-Songs auf dem Album. Wie kommen eure Songs eigentlich zustande?
Zak: Für uns gibt es nicht nur einen Weg, wie man das machen kann. Aber dennoch braucht es etwas, das den ersten Funken entzündet. Das können unterschiedliche Auslöser sein. Es ist möglich, dass ich ein paar Textzeilen habe, die ich wirklich gut finde. Oder es kann sein, dass Micke (Dahlén) einen wirklich guten Drumbeat macht, der mich inspiriert. Oder es kann Bård (Torstensen) sein, der ein Gitarrenriff oder eine Gitarrenmelodie entwickelt, die uns einen Refrain liefert. Im Anschluss geht es nur noch darum, alle Teile zusammenzufügen. Ich denke, der Unterschied zu damals ist..., dass wir uns selber nicht mehr reglementieren. Früher hätten wir bei einem Song wie «Going Under (Like Titanic)» gesagt, dass wir den nicht spielen können, dass der zu viel Hip-Hop ist. Wir können das nicht, weil wir keine Hip-Hop-Band sind. Das haben damals viele Rockbands gemacht. Das interessiert uns heute aber nicht mehr. Wenn eine Idee kommt, die uns zum Lächeln bringt und uns dazu veranlasst, eine Session zu starten, dann ist das sicher eine gute Idee.
MF: No Limits!
Zak: Genau, nein! Ich wollte gerade sagen, dass wir uns nicht mehr einschränken. Ich meine, damals dachten wir auch nicht, dass wir uns einschränken würden. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, keinen Blues oder Hip-Hop zu spielen. Aber das war eine Entscheidung! Das war unsere freie Entscheidung, es nicht zu tun. Wenn ich heute zurückblicke, frage ich mich manchmal, weshalb wir das so gemacht haben. Ich denke, es liegt daran, dass wir den Anspruch hatten, dass alles so einzigartig wie möglich sein sollte. Nichts, was jemand schon gemacht hat. Das war eine der Hauptregeln, die wir hatten, unser Antrieb sozusagen. Für die ersten paar Alben haben wir uns wirklich daran gehalten. Aber dann, als wir älter wurden, verloren wir diesen Grundsatz. Wofür stressen? Es ist doch schön. Alles war bereits einmal da, na und? Wo ist das Problem?
MF: Das ist wahr, ja. Wo ist das Problem?
Zak: Weisst du, es gibt immer jemanden, der dir sagt: „Das klingt doch wie dies und das.“ Egal! Scheiss drauf! Vergiss es! Mach es einfach und hab einen schönen Tag. Es kommt, wie es kommt.
“…wir sind alle Middle-Aged-Old-Men geworden, aber in unseren Clawfinger-Köpfen hat sich nicht so viel verändert…“
MF: Was würdest du sagen, sind die grössten Unterschiede zwischen «Before We All Die» zu «Deaf Dumb Blind»?
Zak: Oh, verdammt. Wir reden hier von 33 Jahren Unterschied. Allerdings hat sich die Art und Weise, wie wir Songs schreiben, lustigerweise gar nicht so sehr verändert. Wir haben zwar die bessere technische Ausrüstung, wir besitzen alle kleine Heimstudios, wir schicken viel mehr Dateien hin und her und solche Sachen. Dennoch hat schon bei unserer ersten Platte Jocke (Skog) alle Drums programmiert. Es gibt auf «Deaf Dumb Blind» keine echten Drums. Die waren meisten programmiert.
Wir haben oft auch keinen Marshall-Verstärker verwendet. Das Meiste kam direkt aus einer kleinen Effektpedalbox. Wir waren auch nie wirklich eine Proberaumband. Wir hatten kaum eine Probe von fünf Stunden. In diesem Sinne hat sich also nicht wirklich viel geändert. Ich bin ehrlich, ich glaube, dass sich auch lyrisch nicht viel verändert hat. Vielleicht bin ich stellenweise etwas reifer geworden, aber da bin ich mir auch nicht ganz sicher (lacht). Möglicherweise ist ein etwas grösserer Prozentsatz der Songs textlich introvertierter und handelt mehr von Gefühlen, über die ich nachdenke. Andere wiederum besitzen noch dieselben Strukturen und Gedanken, die ich hatte, als ich 23 war.
Ich glaube, in gewisser Weise ist genau das das Magische daran, in einer Band zu sein. Wir sind alle Middle-Aged-Old-Men geworden, aber in unseren Clawfinger-Köpfen hat sich nicht so viel verändert. Das ist die Magie der Musik! Manche Leute finden das pathetisch, und das ist okay. Sie können das gerne so empfinden. In gewisser Weise ist es so, als würden wir unsere kleine Blase nie verlassen. Doch ist das Songwriting jetzt reifer als 1993? Ah! Wir wissen sicher besser, was wir wollen und was nicht. Trotzdem erfordert es immer noch all die Arbeit und das Brainstorming, aber weisst du, vielleicht sind wir jetzt ein bisschen selbstbewusster. Wir interessieren uns nicht mehr dafür, was andere Menschen über uns denken, denn das ist kein richtiges Problem.
MF: Ja, das ist wahr.
Zak: Weisst du, wenn etwas gut ist, dann spielt es keine Rolle, ob der Schrei wüst oder schön ist. Dann ist es einfach gut.
MF: Ja, mir drängt sich zu dieser Antwort eine Frage auf. In den letzten Jahren hat sich eine zunehmende Debatte darüber entwickelt, was in der Öffentlichkeit gesagt werden darf und was nicht. Euer Song «Nigger», einer meiner Lieblingssongs übrigens, fällt auch in diese Kategorie. Wie geht ihr damit um?
Zak: Erstmal, wir spielen diesen Song nicht mehr live…
“…es ist ein Song, dessen Refrain lautet: „Nigger, Nigger, Nigger, Nigger, Nigger“. Das macht es kompliziert…“
MF: Oh, das ist sehr schade!
Zak: Ja, in gewisser Weise ist es vielleicht traurig. Es war eine Entscheidung, die wir selbst getroffen haben. Nicht, weil uns jemand gedrängt hat, sondern aufgrund der Tatsache, dass sich die Zeiten geändert haben. Das politische Klima hat sich verändert. Es gibt eine ganz neue Woke-Kultur, mit all ihren guten und schlechten Seiten. Schlecht, wenn es bedeutet, dass die Leute Angst davor haben, etwas zu sagen, weil jemand beleidigt sein könnte. Gut, weil die Leute verdammt noch mal erwachsen werden und Verantwortung übernehmen müssen. Ich bin sehr zwiegespalten. Dann haben wir die ganze Black Lives Matter-Bewegung. Ähm... es ist nicht mehr die richtige Zeit. Es ist nicht mehr die richtige Zeit und das Thema ist nicht mehr aktuell. Schon gar nicht in dieser Weise. Ganz egal, wie du den Text schüttelst und wendest..., es ist ein Song, dessen Refrain lautet: „Nigger, Nigger, Nigger, Nigger, Nigger“. Das macht es kompliziert. Selbst wenn wir und die Fans genau wissen, wo wir stehen, dass wir keine rassistische Band sind und die Mehrheit der Leute immer verstanden hat, worum es in dem Song geht.
Mit den Jahren aber wuchs das Gefühl, dass es vielleicht nie unsere Aufgabe war, für dieses Thema auf die Barrikaden zu gehen. Aber als ich Ende 2019 die Entscheidung traf, diesen Song nicht mehr live zu spielen, kam vielleicht auch daher, dass er sich nicht mehr so anfühlt, wie noch 1993. Es fühlt sich für uns auch nicht als Verrat an, der Song existiert immer noch. Die meisten Menschen scheinen wirklich zu wissen, was wir damit sagen wollen. Allerdings gibt es immer noch Menschen, die sich wohl nicht mehr ändern werden. Die Zeit wird es zeigen, ob und wann wir ihn wieder spielen, aber momentan ist es zu kompliziert. Das Thema ist zu komplex. Die realen Probleme, um die es in dem Song geht, sind meiner Meinung nach wichtiger als ein 3,5-minütiger Song.
Das sind unsere Gründe, weshalb wir den Song momentan nicht mehr spielen, auch wenn es in gewisser Weise schon traurig ist. Gleichzeitig haben wir fast 30 Jahre lang mit diesem Titel Erfolg gehabt. Dieser Song hat zu vielen Diskussionen geführt und unsere Karriere ins Rollen gebracht. Er hat uns an viele grossartige Orte und Veranstaltungen gebracht und uns viele Erfahrungen ermöglicht. Dafür bin ich sehr dankbar, aber das bedeutet nicht, dass wir an diesem einen Song festhalten müssen. Wir haben sieben Alben, sorry, wir haben nun acht Alben. Wir können aus einer Vielzahl von Songs auswählen. Wir müssen diesen Song nicht zwingend spielen.
MF: Okay, das ist ein Statement. Zum neuen Album. Was hat euch nach Nuclear Blast dazu bewogen, bei Reigning Phoenix Music unter zu kommen?
Zak: Nun, wir hatten keinen Plattenvertrag mehr bei Nuclear Blast, und wir waren nicht so lange dort, dass wir uns verpflichtet fühlten. Ich glaube, «Hate Yourself With Style» war das erste bei Nuclear Blast, wenn ich mich recht erinnere und dann kam noch «Life Will Kill You» hinzu. Auch als wir wieder mit dem Songschreiben begannen, gab es keinen Plan für ein Release-Album. Dies taten wir bloss aus Liebe zum Songschreiben. Als wir jedoch entschieden, dass aus den Songs ein Album werden soll, haben unsere Manager angefangen, Kontakte zu knüpfen und sich umzuhören, ob jemand Interesse an uns hat. Und Reigning Phoenix Music war eines der Labels, das Interesse gezeigt hat. Und schliesslich schien es das Label zu sein, das für uns die beste Wahl war.
Einige von ihnen sind meines Wissens sogar alte Nuclear Blast-Leute, richtig? Es gibt also in gewisser Weise immer noch eine Verbindung. Aber es gab nie einen Masterplan. Erst die Zeit wird zeigen, ob es eine gute Entscheidung war oder nicht. Ich bin sowieso skeptisch, was Alben heutzutage noch bringen. Es ist für mich ein gutes Gefühl, die Platte so in den Händen zu halten (streckt das Vinyl von «Before We All Die» in die Kamera), aber ich bin mir nicht sicher, was es wirklich in der grossen Welt oder in der Welt der Musik oder der Musikindustrie bedeutet. Es wird sich nicht hunderttausendfach verkaufen.
Es werden wahrscheinlich ein paar Tausend unter den grössten Fans weggehen, und der Rest der Leute wird es sich auf Streaming-Plattformen anhören. So läuft das heutzutage, weisst du. Aber es ist trotzdem schön, dieses physische Produkt in den Händen zu halten. Es bringt mich dahin zurück, als ich «Deaf Dumb Blind» in den Händen hielt, das Gefühl war toll. Und nun fühlt es sich auch ähnlich an mit diesem hier, weil es so lange her ist, dass ich eines hatte (seufzt).
MF: Nachdem ihr euer neues Album angekündigt habt, wurdet ihr direkt für etliche Sommerfestivals gebucht. Was sind deine Hoffnungen für die Zukunft, jetzt, da es mit dir und Clawfinger wieder losgeht?
Zak: Wir haben jedes Jahr mehr und mehr Festivals bespielt, bevor wir schliesslich die Arbeit am Album aufgenommen haben. Wir hatten 14 Festivals im letzten Sommer, diesen Sommer haben wir bereits acht und es werden vermutlich noch weitere hinzukommen. Im Oktober und November dieses Jahres werden wir zwei Wochen lang in Clubs auftreten. Das ist aber momentan wirklich alles, was im Moment klar ist. Ich habe das so wirklich nicht erwartet, denn es gibt so viel neue Musik und so viele Veröffentlichungen jedes Jahr, dass wir dazwischen nicht interessant sind. Ich bleibe lieber auf dem Boden und werde überrascht, wenn etwas Erstaunliches passiert.
Das ist wahrscheinlich auch eine Frage des Alters. Wir machen das schon so viele Jahre, haben Höhen und Tiefen durchgemacht und gelernt, nicht abgehoben zu werden oder zu viel zu wollen. Aber natürlich macht es uns immer noch Spass, auf grossen Festivals zu spielen. Gleichzeitig sehe ich uns nicht mehr auf langen, ausgedehnten Tourneen. Selbst wenn wir das Geld hätten, bin ich mir nicht sicher, ob wir das machen würden oder die Energie dafür hätten (grinst). Es hat etwas Schönes, wenn man etwa zehn Festivals spielt, die einigermassen gut verteilt sind, sodass es sich jedes Mal, wenn man auf die Bühne geht, frisch anfühlt.
Ich erinnere mich gut an die 90er. Wir waren 1997 auf einer 7-wöchigen Tour und kamen zurück, nicht kaputt, aber irgendwie erschöpft. Alles passierte nur noch mechanisch, wie bei einer Jukebox. Jeden Tag befanden wir uns im Autopilot-Modus. Das ist kein schönes Gefühl, weil du nichts wirklich fühlst, in dem Moment, wenn du auf der Bühne stehst. Aber ich glaube eh nicht, dass wir noch umfangreiche Tourneen machen werden. Wir sind alt, Mann (schlägt die Hände über dem Kopf zusammen)!
MF: Ihr könnt auf die Bühne gehen, es geniessen und anschliessend wieder relaxen. Der perfekte Kreislauf im Alter…
Zak: Ja, genau (lacht). Genau das ist die Magie, weisst du.
MF: Zak, das waren bereits alle meine Fragen. Hast du noch ein paar weise Worte, die du den Fans mit auf den Weg geben möchtest?
Zak: Oh (lacht), weise Worte. Ich weiss nicht, ähm…, seid cool, seid euch selbst, macht euer Ding. Schaut nicht zu sehr nach links oder rechts, was andere Leute machen.
MF: Be you!
Zak: Yeah, right! Be you, be true... Doobie-doobie-doo (Gelächter) Oh, Mann! Tolle Worte der Weisheit (lacht).
MF: Du bist immer noch ein cooler Typ. Alt, aber cool!
Zak: Ja, das passt! Damit kann ich leben.
MF: Ok Zak, danke für deine Zeit. Es war mir ein Vergnügen.
Zak: Danke für deine Zeit. Ja, ich hoffe übrigens, dass wir in der Schweiz spielen. Wir lieben die Schweiz. Unser Manager ist Schweizer, also lieben wir die Schweiz (grinst). Vielleicht sehen wir uns da. Mach’s gut und Tschüss!