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"…dies hat mich dazu bewogen, genauer hinzuschauen, wohin die Reise gehen könnte…”
Fabienne Erni, Frontfrau der legendären Schweizer Folk Metal Formation Eluveitie, sowie Gründerin und Sängerin von Illumishade, begeistert weltweit mit ihrer sinnlich kraftvollen Stimme. Sie beherrscht nicht bloss Gesang, sondern brilliert ebenfalls an der Harfe, am Klavier und an der Ukulele. Falls Englisch für einmal nicht stimmig klingt, wechselt sie gekonnt ins Gallische. Mit diesem Rucksack an Erfahrungen stürzt sich Fabienne Erni ab 2025 in die Arbeit an ihrem Solo-Album und erweitert ihre Medien-Kenntnisse durch die Teilnahme bei "Sing meinen Song!" Die siebte Staffel "Sing meinen Song - Das Schweizer Tauschkonzert" läuft ab Montag, 16. März 2026, jeweils um 20:15 Uhr auf 3+ oder oneplus als Stream. Aufregende Zeiten also und Grund genug, um mit der kreativen Aargauerin über ihr Solo-Projekt, die Gründung von Illumishade, das Konzept hinter "Sing meinen Song" und ihre Zweitfamilie Eluveitie zu sprechen.
MF: In der CH-Metalszene bist du mittlerweile eine Ikone, und mit Eluveitie und Illumishade in zwei grossen Bands aktiv. Zusätzlich die Arbeit an deiner Solo-Karriere und anderen interessanten Projekten. Bevor wir ins Detail gehen, wie würdest du deine bisherige, musikalische Karriere beschreiben?
Fabienne: Uh..., ich bin ziemlich steil eingestiegen (lacht). Ich bin mit quasi null Erfahrung zu Eluveitie gekommen. Ich habe damals an der ZHDK (Zürcher Hochschule der Künste) in Zürich Gesang studiert und hatte dadurch Erfahrung im Singen, aber ich war nicht in der Metal-Welt zuhause und war bis dato auch noch nie in einer richtigen Band. Meine Erfahrung zog ich aus Schüler-Bands, weisst du, aber das ist natürlich nicht vergleichbar. Plötzlich ging es wirklich von null auf hundert, ein sehr steiler Einstieg für mich...
MF: Der Einstieg ins Profi-Business, der Sprung ins kalte Wasser...
Fabienne: Genau! Ja voll. Es geschah sozusagen über Nacht. Ich weiss noch, als am 1. Januar 2017 der Post herauskam, dass ich die neue Sängerin bin, und von da an war ziemlich Vieles anders (überlegt). Krass! Das ist jetzt bereits neun Jahre her. He ja, seitdem durfte ich sehr viel erleben mit Eluveitie. Wir haben sehr viele Tourneen und Shows gespielt. Ich bereiste alle Kontinente, bis auf Afrika, da waren wir nicht. Aber ansonsten war ich fast überall mit Eluveitie. Es kam zu sehr vielen schönen Begegnungen mit anderen Musikern, die Erfahrungen im Studio und nun "Sing meinen Song".
Natürlich waren auch Illumishade, die ich gegründet habe, die nächste prägende Station in meinem Leben. Ich konnte für mich ganz viel Positives mitnehmen, und "Sing meinen Song" hat mich schliesslich auch dazu bewogen, den Schritt in Richtung Solo-Album zu machen. Mir wurde bewusst, dass ich dies nun wirklich ganz alleine mache. Klar repräsentiere ich Eluveitie oder eben Illumishade, aber in erster Linie stehe ich dennoch als Fabienne Erni in dieser Sendung, und dies hat mich dazu bewogen, genauer hinzuschauen, wohin die Reise gehen könnte, wenn ich die Fäden selbst in die Hand nehme.
MF: Wann hat denn die ganze Arbeit am Solo-Material begonnen? Du bist ziemlich ausgelastet, aber dennoch startest du deine Solo-Karriere. Warum ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt dafür?
Fabienne: Hey, ich weiss gar nicht, ob es den richtigen Zeitpunkt überhaupt gibt (lacht). Es gibt immer intensivere Zeiten (touren), dann folgen die ruhigeren Zeiten (Studio) und dann hat es sich einfach so ergeben. Zudem bin ich ein Mensch, der eine Sache durchzieht, wenn ich dazu "Ja" gesagt habe. Nun habe ich fast durchgehend an dem Album gearbeitet. Natürlich gab es immer mal wieder Unterbrüche durchs Touren, aber auch dort, mit etwas Disziplin, kann auch auf Tour gearbeitet werden. Mir war klar, dass ich es durchziehen will und auch der Release-Termin, der ziemlich genau mit "Sing meinen Song" zusammenfällt, war mir schon wichtig. Es war einfach die richtige Zeit, es zu realisieren (lacht)...
MF: Mit Eluveitie und Illumishade bewegst du dich bereits in zwei verschiedenen Genres. Als Fabienne Erni hast du nun noch ein drittes. Zeigt dieses dein wahres Gesicht?
Fabienne: Es ist eine ziemliche Reise (lacht). Ich hatte die Vision, das von der Musik zu nehmen, das mir bei Eluveitie am nächsten ist, und ich nehme das, welches mir bei Illumishade sehr viel bedeutet, und ich füge dies irgendwie zusammen. Man hört also sicher Folk-Einflüsse auf diesem Album. Dann durfte ich auch mit Ephraim Salzmann zusammenarbeiten, er ist ein Hackbrett-Spieler aus dem Wallis. Ich wollte wirklich den Folk implementieren, aber auch die Verspieltheit von Illumishade einbringen und diese cheesy Melodies, wenn man denen so sagen will, in meinem Solo-Projekt vereinen. Dann war es mir ein Anliegen, mit Reprisen zu arbeiten und Interludes, die verschiedene musikalische Motive wieder aufgreifen. Dies kann in einem Song eine Gesangs-Melodie sein, im anderen eine Violinen-Melodie, zum Beispiel. Das finde ich sehr spannend. Daran habe ich grosse Freude, dies konnte ich nun umsetzen und darauf bin ich auch sehr stolz.
MF: «Starveil» heisst die neue Platte und erscheint am 13. März 2026. Was bedeutet das Album für dich, und um was geht es inhaltlich in deinen Songs?
Fabienne: Was mich am meisten inspiriert sind Geschichten, Welten und Landschaften und die damit verbundenen Emotionen. Ich habe für mich ein Worldbuilding (Erschaffen von Welten/Universen) gemacht, ein Worldlore (Hintergrundgeschichte/Überlieferung), das mir sehr geholfen hat, alles möglichst stringent durchzuziehen. Ich hoffe, dass man merkt, wenn man sich die verschiedenen Singles anhört, alles aus einem Universum kommt.
Es ist nicht wirklich eine Storyline, aber es ist mein momentanes Konzept, das meine persönliche, musikalische Klangwelt aufzeigt. «Starveil» ist in dieser fiktiven Welt eine Jahreszeit. Es inspiriert mich immer sehr, wenn ich mir eine neue Welt ausdenken kann. Ich werde noch schauen, wie weit ich gehen will, um den Leuten da draussen meine Welt näher zu bringen. Es interessiert wohl eher die nerdigen Fans (lacht). Aber rein intern, also für mich und die Leute, die am Projekt gearbeitet haben, war das sicher ein wichtiger Anhaltspunkt, um sich ein grobes Bild des Projekts zu machen.
MF: Wie schwer ist es dir gefallen, dich vom Sound von Eluveitie oder Illumishade abzugrenzen?
Fabienne: Gar nicht schwer! Ich habe ziemlich schnell meine Musik gefunden, die ich machen möchte. Grundsätzlich ist sicher mehr Illumishade in meinen Songs enthalten, denn für Illumishade schreibe ich viel mehr als für Eluveitie. Das hört man sicher schon dem Sound an, wobei sich die Folk-Elemente wiederum von Illumishade abheben (lacht). Wie du merkst, ist es nicht ganz einfach. Manchmal bin ich etwas näher an einer meiner Bands, dann wieder weiter weg. Von Eluveitie hebt sich klar die Tatsache ab, dass auf dem Album eigentlich keine Screams enthalten sind.
Die einzigen Screams sind von Lena Scissorhands, mit der ich ein Feature zum Song «Ritual» gemacht habe. Dies finde ich sehr cool, da es das Album noch um einen neuen Klang erweitert. Wer weiss, ich bin auch am Experimentieren, und vielleicht kann ich es eines Tages auch (lacht). Ich finde es mega-spannend, aber ich fand, dass ich es fürs Album jemandem geben muss, der es wirklich beherrscht. Die Emotionen und die Rohheit, die Lena mitbringt, sind absolut passend für diesen Song. So ist diese Kollaboration ziemlich spontan entstanden.
Tamara (tric-Management): Dazu muss ich kurz etwas sagen, Fabienne Erni! Du stellst dich immer etwas unter den Scheffel wegen deinen Screams. Du kannst screamen, du bist einfach eine Perfektionistin. Bei allem was mit Gesang zu tun hat bist du perfektionistisch, und deshalb bist du auch so gut, wie du bist! Das würde sie nie selbst sagen, aber deswegen bin ich hier (Gelächter).
MF: Danke für die Aufklärung, Tamara! Ich muss doch noch kurz nachhaken. Wie kamst du eigentlich auf die Idee, mit Lena Scissorhands zu arbeiten?
Fabienne: Ach so, also ich kenne die Leute von Infected Rain seit 2019, da waren wir (Eluveitie) mit Infected Rain für siebeneinhalb Wochen unterwegs (lacht). Da lernt man sich wirklich kennen! Mit Vidick (Vadim „Vidick” Ozhog), der Gitarrist von Infected Rain, mit ihm habe ich die meisten Songs erarbeitet. Also zehn von dreizehn Songs sind mit ihm entstanden. Ich sorgte zu Beginn mit dem Piano für eine erste Melodie und er war dann fürs Fleisch rundherum zuständig (lacht). Weisst du, was ich damit sagen will?
"…wenn schon eine Kollaboration, dann richtig…”
MF: Du meinst, die Songstrukturen für dein Album.
Fabienne: Genau (lacht)! Wir hatten zwölf Songs zusammen und ich hatte aber das Gefühl, dass noch etwas fehlt. So haben wir noch «Ritual» geschrieben und alles musste ziemlich schnell gehen, denn die Songs sollten eigentlich in den Mix. So habe ich Lena gefragt, ob sie in den nächsten Tagen Zeit hätte, den Text einzusingen. Da sie spontan Lust hatte, jedoch selbst nach Moldawien fuhr, um ein Video für Infected Rain zu drehen, sang sie den Song ein und drehte auch gleich das Video für «Ritual», um den Single-Release zeitgerecht möglich zu machen. Dies war sehr wichtig für mich, denn wenn schon eine Kollaboration, dann richtig! Ich bin wirklich sehr glücklich, dass es so spontan, so professionell produziert werden konnte.
MF: Ich habe das Video gerade nicht mehr ganz im Kopf. Habt ihr es gemeinsam gedreht oder unabhängig voneinander?
Fabienne: Nein, wir konnten es nicht gemeinsam drehen, denn als sie das Video in Moldawien gedreht hat, war ich gerade auf Tour mit Eluveitie. Wir haben aber im Vorfeld das Setup gebildet und konnten es zwei Monate stehen lassen. Sie hat es im Oktober gedreht und ich im Dezember. Da es im Video sowieso um "Time Paradox" geht, war es gerade spannend und passend, dass es mit zwei Monaten Differenz gefilmt worden ist.
MF: Was heute alles möglich ist…
Fabienne: (lacht) Ja, das ist wirklich sehr beeindruckend!
MF: Wie bereits kurz erwähnt: 2024 Release Illumishade, 2025 Release Eluveitie, 2026 nun Fabienne Erni! Woher nimmst du eigentlich all deine Energie?
Fabienne: Ich bin noch jung (lacht). Nein, Quatsch! Nach der letzten Illumishade-Produktion hatte ich noch ein paar Melodien im Kopf, die noch nicht den richtigen Platz gefunden haben, weder bei Illumishade noch bei Eluveitie. Ich wollte auch nicht drei bis vier Jahre warten, bis ich mit der einen oder anderen Band wieder ins Studio gehe, sondern ich wollte die Songs jetzt heraushauen! Die Anfrage von «Sing meinen Song» fiel in denselben Zeitraum, und ich fasste den Entschluss, dies nun durchzuziehen und die neue Challenge anzunehmen. Ich bin seit neun Jahren bei Eluveitie, Illumishade läuft auch schon einige Jahre nebenher, und so fühlte sich der Zeitpunkt und das Projekt richtig an.
MF: Cool! Wer dich und deine Videos kennt, sieht, dass du gerne im Wald, respektive in der Natur bist. Etwas provokativ gefragt: ist die Natur wirklich etwas, das dich inspiriert oder ist das Naturthema mehr dem musikalischen Genre geschuldet?
Fabienne: Ah nein. Das bin ich! Das war ich auch schon vor Eluveitie, und genau dieses Naturelement war es, das mich auch an Eluveitie angesprochen hat. Das bin definitiv ich, und das ist auch heute noch so. Gerade wenn wir fünf Wochen auf Tour sind, meistens in Industrie-Gebieten, dann nehme ich mir ein Taxi und gehe zum nächsten Park oder Wald, um frischen Wind zu spüren, den Kopf zu leeren und Energie zu tanken. Das ist mir sehr wichtig. Die Natur und die verschiedenen Landschaften bieten mir auch am meisten Inspiration für meine Arbeit. Das spiegelt sich dann alles in der Musik und den Lyrics wider.
"…Das ist ein ganz anderes Gefühl, als wenn du von Beginn weg dabei bist…”
MF: Nach neun Jahren bei Eluveitie, würdest du sagen, dass du deinen Platz gefunden hast und Chrigel (Glanzmann) dir genug Raum lässt?
Fabienne: Absolut! Eluveitie ist Chrigels Baby und das ist absolut legitim. Es ist seine Vision, die er vor bald 25 Jahren ins Leben gerufen hat. Und doch hat sich der Sound auch hörbar verändert, nachdem wir einen grösseren Line-Up-Wechsel zu verbuchen hatten. So ist es möglich, dass jeder Musiker seinen Part beitragen kann. Ich habe meinen Platz, meine Rolle gefunden. Das klingt irgendwie komisch, aber du weisst, wie ich das meine, oder?
MF: Ja klar…
Fabienne: Auf der Bühne weiss ich genau, wie ich es für mich haben will und kann es auch so machen. Deshalb stimmt es für mich zu 100%. Ich finde es aber natürlich auch schön, dass ich bei Eluveitie meinen Geist in Chrigels Songs einbringen darf. Sei es durch meinen Gesang, durch die gallische Sprache, die Gebete oder was auch immer wir ausprobieren. Aber es ist auch ein Segen, Illumishade zu haben, eine Band, die ich von Anfang an aufgezogen habe. Bei Eluveitie bin ich dazu gekommen, als sie schon riesengross, eine etablierte Band waren. Das ist ein ganz anderes Gefühl, als wenn du von Beginn weg dabei bist. Ich möchte dies keinesfalls werten, es ist einfach anders. Ich denke, dass es auch gut ist, so etwas zu erleben. Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass wir mit Illumishade auch nicht ganz bei null begonnen haben, denn die Leute kannten einige von uns schon, und dennoch gehst du anders an die Sache heran. Es ist trotzdem ein Neustart! Mit dem Soloprojekt ist es nochmals ein Neubeginn und nun reicht es dann auch langsam (lacht).
MF: Das wird sich noch zeigen…
Fabienne: (lacht) Ja gut, sag niemals nie, aber momentan ist es so, wie es zurzeit läuft, sicherlich gut.
MF: Erst kürzlich wurde eine weitere Tour mit Eluveitie angekündigt. Hast du auch eigene Termine geplant?
Fabienne: Hey, ich versuche, so gut es eben geht, vorauszuplanen. Es hilft sicher, wenn man die Pläne der verschiedenen Bands kennt. So lässt sich auch eruieren, ob es wirklich Sinn macht, einen Release zu planen. Wenn ich gerade mit Eluveitie auf Tour bin, ist das sicher nicht die beste Idee. Dann legen wir die Veröffentlichung in eine Zeit mit mehr Pausen. Ich kann gut parallel arbeiten (lacht). Klar, wenn ich mit Eluveitie auf Tour bin, ist die freie Zeit sicherlich begrenzt aber mit etwas Disziplin und Willen, lassen sich auch da Zeitfenster finden, die ich für mich nutzen kann. Ich habe auch auf Tour mit Elu, die Songs fürs Illumishade-Debüt geschrieben. Im Flugzeug mit meinem Mini-Keyboard, das war, als wir etwa 117 Shows in einem Jahr gespielt haben, ich gleichzeitig meinen Master-Abschluss fertigstellen musste. Mit genügend Disziplin geht das aber schon.
MF: Du scheinst einen gewissen Druck zu brauchen (Gelächter).
Fabienne: Ich muss zugeben, das war wirklich streng! Gerade die Master-Arbeit und das viele Reisen waren nicht ohne, aber hey…
MF: Du konntest ja deinem charmanten Musiker-Kollegen noch etwas abtreten…
Fabienne: Ja genau: "Jonas (Wolf) schau dir das mal an, ob du willst oder nicht" (Gelächter). Nein, nein! Er hat natürlich alles freiwillig gemacht.
MF: Das ist mir noch nicht bekannt. Wie ist eigentlich Jonas zu Illumishade gekommen?
Fabienne: Die Band ist mein Master-Projekt (grinst). So hat es zumindest angefangen. Ich habe an der Hochschule für Künste meinen Master absolviert, und da Jonas auch dort als Dozent tätig ist, und wir gemeinsam viel mit Eluveitie unterwegs waren und ich Marc (Friedrich) und Yannick (Urbanczik), also den Drummer und Bassisten seit 5 Jahren von der Schule kannte, war es irgendwie klar. Ich meine, Jonas ist einer der besten oder der beste Metal-Gitarrist der Schweiz und so war es natürlich naheliegend, dass ich ihn gefragt habe. Nach dem Abschluss haben wir dies dann einfach so weitergezogen.
MF: Nun machen wir einen Schnitt und kommen zu "Sing meinen Song – das Schweizer Tauschkonzert". Wie bist du dazu gekommen, an einem solchen (Mainstream-) Projekt mitzuwirken?
Fabienne: Sie haben mich angerufen. Also Massimo (Buonanno), der musikalische Direktor der Band hat mich kontaktiert und gemeint, dass sie gerne die härtere Seite der Musik in dieses Format einbringen würden. Das fand ich einerseits interessant, hat mich wirklich auch gereizt und ich fand es cool, dass sie offen für diesen Stil sind. Ich war damals gerade wieder einmal auf Tour mit Eluveitie und habe dann auch einige Telefonate mit Pea Weber, dem Produzenten von «Sing meinen Song» geführt, habe auch die Bandmitglieder gefragt, was sie dazu meinen, und sie fanden es cool und mega spannend. So habe ich es schliesslich als Chance gesehen, denn es gab eigentlich nichts zu verlieren. Im schlimmsten Fall hätte ich bloss etwas Lebenszeit verloren (lacht). Ich habe es auch fürs Metalgenre als coole Chance gesehen, wenn der Sound einem breiten Publikum zugänglich(er) gemacht werden kann und vielleicht auch einige Klischees aufgebrochen werden können.
"… Es wird aber nicht immer Metal sein, weil ich finde, dass es in diesem Format auch darum geht, sich allenfalls, als Künstler neu zu erfinden…”
MF: Dann fühlst du dich gewappnet, aus beliebigen Sparten der Musikszene (Reggae, Pop, Mundart), einen Song zu greifen und zu deinem zu machen?

Fabienne: Genau! Ich habe von jedem Künstler einen Song genommen und diesen umgewandelt. Es wird aber nicht immer Metal sein, weil ich finde, dass es in diesem Format auch darum geht, sich allenfalls, als Künstler neu zu erfinden. So durfte ich auch noch eine andere Seite zeigen, die ich weder bei Eluveitie noch bei Illumishade zeige. Das fand ich wirklich sehr spannend, und deshalb wird man bei meinen Performances beides vorfinden. Sicher die härtere Seite, aber nicht nur. Bei einigen Songs hätte es auch nicht gepasst.
MF: Dodos «Hippie-Bus» in einer Metal-Version stelle ich mir eher gewöhnungsbedürftig vor… (Gelächter). Nein Quatsch! Details zu den Songs und Künstlern sind meines Wissens noch keine nach aussen gedrungen, aber die erste Folge wird am 16. März 2026 ausgestrahlt. Ist das richtig?
Fabienne: Genau, am 16. März..., das ist richtig.
MF: Ich habe bei meiner Recherche gelesen, dass dich Stimmen von Whitney Houston oder auch Celine Dion stets stark beeinflusst haben. Hatte deine Stimme einen Einfluss auf die Wahl der Songs zum Fernseh-Format oder wie bist du zur Auswahl gelangt?
Fabienne: Als ich meine Songs zugeteilt bekommen habe, habe ich mich intensiv mit der Musikalität und der Lyrik der Songs auseinandergesetzt. Ich habe mir dann Gedanken gemacht, in welche Richtung die Songs gehen könnten. Bei manchen war sofort klar, dass eine härtere Version möglich ist, und bei anderen Songs boten sich eben diverse Alternativen an. Zur richtigen Wahl brauchte es gerade etwas Zeit. Dann habe ich einzelne Sessions gemacht, auch mit Jonas habe ich gewisse Dinge ausprobiert, die mir oder ihm im Kopf herumschwirrten. Dann haben wir diese Ideen zusammengefügt und diverse Versionen durchprobiert. So haben wir eigentlich jeden Song erarbeitet. Ich denke, dass man grundsätzlich jeden Songs hätte ins metallische Gewand drücken können, aber dem Song wäre dabei auch Potenzial abhandengekommen. Deshalb habe ich mich schliesslich dazu entschieden, es anders zu machen. Ich glaube, dass wir nun einen guten Mix gefunden haben.
MF: Es sind ja doch insgesamt sechs Songs, von total unterschiedlichen Künstlern, die dir zugeteilt wurden. Das persönliche Empfinden ist bekanntlich bei Musik sehr wichtig. Durftest du deine Favoriten aus einem Pool auswählen oder wie ging das vonstatten?
Fabienne: Natürlich hatte ich gewisse Vorstellungen und Wünsche was die Songs angeht, und deshalb habe ich mich natürlich auch gefreut, als ich diese, wie erhofft, zugeteilt bekam. Ich musste mich dadurch mit keinem Song auseinandersetzen, den ich gar nicht neu interpretieren wollte.
MF: Gibt es noch etwas Wichtiges aus deiner Sicht, das noch gesagt werden muss und nicht angesprochen wurde?
Fabienne: Vielleicht könnte für die Fans noch spannend sein, dass wir am 4. Juli 2026 "An Evening With Eluveitie" geplant haben. Das wird ein ganz spezieller Abend im alten Römertheater Augusta Raurica, auf den wir uns alle sehr freuen. Dann ist natürlich, wie bereits erwähnt, die Tour mit Eluveitie, und mit Illumishade beginnt es auch bald wieder. Wir werden an einem neuen Album arbeiten, denn es war nun lange genug ruhig, und ich freue mich, dass es wieder richtig losgeht. Man kann nicht alles auf einmal machen, aber nun ist die Zeit reif dafür (lacht). Dann freue ich mich natürlich sehr auf mein Solo-Projekt, bin gespannt, wie es aufgenommen wird, denn ich bin wirklich sehr stolz darauf, dass ich es durchgezogen habe und ich glaube, dass ich auch für die Zukunft ganz viel von dieser Erfahrung mitnehmen kann.
Nicht nur, was das Musikalische und das Kreative betrifft, sondern auch alles drumherum: Ein Release ohne Label. Es steckt viel Liebe im Detail, momentan versende ich alle Bestellungen von Merch und Album eigenhändig. Es ist mir wirklich wichtig, dass die Leute merken, wieviel Liebe hinter dem Projekt steckt. Ich wurde sogar vom Aargauer Kuratorium unterstützt, was mich allein schon der Tatsache wegen freut. Es ist schön zu sehen, das Metal als eher Nischengenre unterstützt wird. Das hat mir wirklich sehr geholfen, und ich musste beinahe weinen, als ich es realisiert habe.
MF: Das ist doch schön, für die eigene Arbeit, einen solchen Support zu erfahren. Nun wünsche ich dir jedenfalls ganz viel Erfolg mit deinen Projekten, und danke dir für deine Zeit und Offenheit.
Fabienne: Ich danke auch, merci für das Interesse.