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03. März 2026, Pratteln - Z7
By Hansruedi W.
Mittwochabend - ich fahre die unsäglich mühsame Strecke am Rhein entlang nach Pratteln - die letzten Tage waren arg durchzogen (eher bescheiden um ehrlich zu sein). So freue ich mich umso mehr, dass ich heute Abend zwei Bands anschauen, anhören und fotografieren kann, die musikalisch schon sehr auf meiner Linie sind. Einmal Symphonic und einmal Power Metal sind angesagt.
Und um es gleich vorweg zu nehmen - wer nicht dabei war, der hat schon etwas verpasst. Wie üblich im Z7, stellt man zur Türöffnung gleich einen guten Andrang fest. Viele Stammgäste sind hier, die Mädels und Jungs an der Bar wie bei der Security sind alle entspannt und freuen sich auf den Abend. Ich erfreue mich zunächst auf das erste Hopfengetränk im Z7 und eine Bratwurst.
Moonlight Haze
Die Band Moonlight Haze, mit der kristallklaren Stimme von Chiara Tricarico, existiert noch nicht so arg lange. Die italienische Power/Symphonic Metalband wurde 2018 von Chiara und Giulio Capone gegründet. 2019 erschien mit «De Rerum Natura» das erste der bisherigen vier Alben. Die aktuellste Scheibe trägt den Titel «Beyond» und ist 2025 erschienen. Die meisten Songs von Moonlight Haze gefallen mir auf Anhieb sehr gut. Die Melodieläufe für die Gesangs-Stimme sind harmonisch und ansprechend. Schön, mal wieder eine klare Stimme zu hören. Nichts gegen Growling – aber eine klare Stimme die die Töne trifft, ist halt schon eine andere Nummer.
Ich bin sehr positiv überrascht – für mich hat sich der Besuch heute schon für den Supporting Act alleine gelohnt. In Pratteln scheint sich die italienische Band auch wohl zu fühlen und kommt sehr gut an, nicht nur weil Chiara doch einige Worte auf Deutsch sprechen kann. Die Musik ist kraftvoll, nicht zu langsam, nicht zu schnell, viele Tracks mischen langsame und schnellere Passagen gekonnt. Später kommt mit «Awakening» auch ein toller Anspiel-Tipp – und nochmals bin ich positiv überrascht, wie gut der Song live performt wird.
Brothers Of Metal
Die Band habe ich für mich vor rund zwei Jahren über den YouTube Autoplay Algorithmus entdeckt und war erstaunt, dass die Musiker so gut sind, wenn sie doch augenscheinlich mit viel Selbstironie unterwegs sind. Zu Beginn gab es für mich von der Band nur zwei Songs, nämlich «Yggdrasil» (den Weltenbaum) und «Kaunaz Dagaz». In der Zwischenzeit habe ich die drei Alben der Band oft hoch- und runtergehört. Eröffnet wird heute Abend mit «Fimbulvinter», dem Titelsong des neusten Albums - darin geht es um den drei Jahre andauernden Winter, der dem Weltuntergang (Ragnarök) vorausgehen wird. Der Song ist klasse, die Band ist gut in der Schweiz gelandet, und wenn ich an den Winter bei uns denke, dann ist der Weltuntergang wohl nicht in Sicht.
Mir gefällt der positive, freudvolle Stil der Musikstücke. Die Kombination der Stimmen von Ylva, Joakim und Mats finde ich sehr ansprechend und schaffen einen breiten Klangteppich – teils klingt es wie ein grosser Wikinger-Chor – was will man mehr an einem Mittwochabend in Pratteln?! Mit acht Musikern auf der Bühne bietet die Band viel musikalische Kraft und Intensität. Inhaltlich ist man bei den Songtexten natürlich gut aufgehoben, man hört ja nicht das erste Mal von Odins Raben, Thors Hammer oder der Midgard-Schlange.
Joakim ist ein guter Entertainer, heisst in den Passagen zwischen den Songs schafft er es auf sympathische Art und Weise das Publikum für sich einzunehmen. Für mich persönlich hätten die Brüder und die Schwester des Metal noch «Sowilo» und «Berzerkir» zum Besten geben können, aber ich will nicht herummeckern – mir hat das Konzert sehr gut gefallen. Die Setliste hatte viele Highlights dabei, so fehlen weder «Kaunaz Dagaz» (hier hatte ich definitiv Gänsehaut - war ganz stark gesungen!), «Hel», «Chainn Breaker» oder «Yggdrasil». Mit «One» wurde der Abend harmonisch beendet, und wenn ich so in die Gesichter der rund 650 Gäste schaue, dann sehe ich, dass die meisten auch happy sind.
Der Abend ist zu Ende – das Z7 heute Abend leider nicht ausverkauft, aber die beiden Bands hätten es verdient gehabt.
